Kurze Geschichte eines langen Hasses

Victor Rosenthal, Abu Yehuda, 13. Juni 2021

Eine solche Unwahrheit wird ihr [der breiten Masse] gar nicht in den Kopf kommen, und sie wird an die Möglichkeit einer so ungeheuren Frechheit der infamsten Verdrehung auch bei anderen nicht glauben können, ja selbst bei Aufklärung darüber noch lange zweifeln und schwanken und wenigstens irgendeine Ursache doch noch als wahr annehmen; daher denn auch von der frechsten Lüge immer noch etwas übrig und hängen bleiben wird – eine Tatsache, die alle großen Lügenkünstler und Lügenvereine dieser Welt nur zu genau kennen und deshalb auch niederträchtig zur Anwendung bringen. – Adolf Hitler, Mein Kampf, Band 1, Kapitel 10 (S. 252/253)

Wir müssen nur immer weiter unsere Themen wiederholen, dass die Vereinigten Staaten und Israel Faschisten sind, imperial-zionistische Länder, die von reichen Juden finanziert werden. – Juri Andropow

Die Große Lüge über Israel und seinen Konflikt mit den Palästinensern besteht darin, dass er zwischen Israel und den Palästinenser stattfindet.

Das ist der kleinste Teil davon.

Die Wahrheit lautet, dass die Gründung eines jüdischen Staates weder dem postchristlichen Westen noch der islamischen Welt passte. Muslime sind diesbezüglich weit direkter: Das Land Israel war einst unter islamischer Herrschaft und muss deshalb dorthin zurück. Jüdische Souveränität über das Land und jegliche seiner Einwohner, die Muslime sind, ist ihnen ein Gräuel. So erklärt Dr. Mordechai Kedar (s. hier ein längeres Gespräch mit Dr. Kedar in Hebräisch zu diesem Thema), dass nicht nur für Palästinenser, sondern für die ganze fast zwei Milliarden Muslime der Welt der Konflikt „kein territorialer, nationaler, wirtschaftlicher, bürgerlicher oder rechtlicher ist“; er ist religiös. Und daher ist für sie kein Kompromiss, der jüdische Souveränität weiter existieren lässt, hinnehmbar, nicht einmal über den kleinsten Teil des Landes zwischen Fluss und Meer.

Die Situation im Westen ist komplizierter. Mit dem Niedergang des Christentums in Europa, der die Zeit ab der Aufklärung im 18. Jahrhundert kennzeichnet, verlor der religiös motivierte Antisemitismus, der für die Ermordung oder Vertreibung zahlloser Juden aus christlichen Ländern verantwortlich war, an Bedeutung. Aber die Leute scheinen ein Bedürfnis zu haben Juden nicht zu mögen und er wurde von der Rassenversion ersetzt, die Gestalten wie Wilhelm Marr entwickelten; das diente dann als Rechtfertigung des Nazi-Holocaust. Nach dem Krieg machte die gängige Abscheu wegen des Nazi-Völkermords an den europäischen Juden den „Rassen“-Antisemitismus zum Tabu, zumindest in der Öffentlichkeit.

1948 hatten die Zionisten den Erfolg einen Staat im Land Israel zu gründen, was eine gewalttätige Reaktion seitens der arabischen Staaten auslöste (lokale Araber waren schon lange feindselig gewesen; sie verstanden richtig, dass die Zionisten die Absicht hatten einen souveränen Staat zu gründen). Der Vatikan nahm eine gleichlaufende Haltung ein, nicht nur wegen seiner supersessionistischen Theologie, die zionistische Ansprüche die biblischen Israeliten zu repräsentieren nicht anerkannte, sondern auch weil er gegen jüdischen Souveränität über christliche heilige Orte war (der Vatikan erkannte schließlich Israel 1993 zusammen mit der PLO an).

Die Sowjetunion, der ideologische Führer der internationalen Linken, unterstützte die Gründung des Staates zuerst, weil Israel anfänglich sozialistische Ideen aufgriff; und wegen des sowjetischen Wunsches den britischen Einfluss in der Region zu mindern. Aber stalinistischer Antisemitismus (der 1953 im Ärzte-Komplott seinen Höhepunkt erreichte) und Israels zunehmende Ausrichtung auf den Westen brachten einen Bruch in den Beziehungen und sogar nach Stalins Tod unterstützten die Sowjets aus geopolitischen Überlegungen Israels arabische Feinde.

Um die Zeit des Kriegs von 1967 begann der sowjetische KGB eine Dämonisierungs- und Delegitimisierungskampagne gegen Israel. Das Ziel war den USA zu schaden, die nach ihrer Ansicht Israel als Außenposten nutzte, um im Nahen Osten Macht auszuüben; außerdem sollte die arabische Welt aufgebracht werden, die sich dann um Waffen und andere Unterstützung an die UdSSR wenden würde. Wie Korea und Vietnam wurde der Nahe Osten eine Arena für den über Stellvertreter geführten Kampf zwischen den Großmächten.

Der KGB puschte in seiner Kampagne allerlei Themen; sie wandte sich an westliche Intellektuelle, Linke und Akademiker sowie an die Dritte Welt. Die Araber im Land Israel hatten sich bislang als Mitglieder diverser Stämme betrachtet und die meisten von ihnen waren vor relativ kurzer Zeit als Migranten aus der gesamten Region angekommen. Aber sie wurden als geeintes, uraltes, indigenes Volk vorgestellt, das um seine Freiheit und Selbstbestimmung gegen einen massiv mächtigen Unterdrücker kämpft. Der KGB – immerhin waren die Protokolle der Weisen von Zion die Erfindung eines früheren russischen Geheimdienstes – würzte seine politische Botschaft auch mit Hinweisen auf historische jüdische Verderbtheit.

Die Sowjets versorgten die PLO, die angeblichen Helden der „Palästinenser“, mit Geld und Waffen und stützten Yassir Arafats Terrorkampagne gegen den jüdischen Staat – die sich in den Westen ausweitete, da die PLO Dutzende Flugzeuge und Schiffe entführte sowie in verschiedenen europäischen Ländern Israelis ermordete. Die UNO mit ihrer permanenten, von den Sowjets dominierten Mehrheit, verabschiedete zahlreiche antiisraelische Resolutionen und wurde eine ständige Quelle der Propaganda. Die Resolution „Zionismus ist Rassismus“ von 1975 war einer der bedeutendsten Erfolgt des KGB.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor die Kampagne gegen Israel ihren besten Förderer, aber sie wurde von den Golfstaaten, dem Iran, der UNO (mit von westlichen Demokratien, besonders den USA zur Verfügung gestellten Geldern) und der internationalen Linken (zum Beispiel mit Soros verbundenen Fonds) finanziert. Ein sehr bedeutender Teil davon bestand darin die wichtigen Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International zu vereinnahmen, die produktive Quellen israelfeindlicher Propaganda geworden sind. Sie „waschen“ effektiv Falschinformationen, die von Terrororganisationen wie Hamas und Hisbollah stammen, indem sie sie veröffentlichen, als hätten sie sie durch unabhängige Recherche einer neutralen Organisation erhalten.

2001, unmittelbar vor dem 9/11, organisierten die UNO und allerlei NGOs in Durban (Südafrika) eine Weltkonferenz gegen Rassismus, bei der Israel als „rassistischer Apartheidstaat“ niedergemacht und „Kriegsverbrechen, Völkermordtaten und ethnischer Säuberung“ beschuldigt wurde. Diese Vorwürfe sind der ursprünglichen Sammlung an Anschuldigungen des Kolonialismus und Imperialismus hinzugefügt worden. Es sollte festgehalten werden, dass die Anschuldigungen oft in eine Form gekleidet werden, die an historische judenfeindliche Vorurteile erinnern; so wird z.B. die IDF fälschlich beschuldigt vorsätzlich auf palästinensische Kinder zu schießen, eine Wiederholung der mittelalterlichen Ritualmordlüge.

Akademische Institutionen im Westen, besonders in den USA, sind seit Jahrzehnten Empfänger großer Geldgeschenke aus arabischen Ländern gewesen, ausgegeben für Forschung, Stiftungslehrkräfte und etablierte Fakultäten für Nahost-Studien ausgegeben, die allesamt die Einseitigkeit ihrer Finanziers gespiegelt haben. Wird das mit Studentenorganisationen wie Students for Justice in Palestine kombiniert, dann werden Studenten mit der israelfeindlichen Botschaft überschwemmt. Und diese Botschaft lautet, dass Israel ein rassistischer, völkermörderischer, siedler-kolonialistischer Apartheidstaat ist, der naziartige Taktiken einsetzt, um das einheimische palästinensische Volk zu unterdrücken, deren Territorium es gestohlen hat und dieses besetzt hält.

Jedes Wort der obigen Botschaft wird allgemein geglaubt und jedes Wort ist gelogen. Aber der Boden ist derart sorgfältig bereitet und die judenfeindlichen Untertöne sind derart aufrüttelnd, dass dies Teil der gängigen Meinung geworden ist. Ihr Zweck besteht darin im Westen Politik zu propagieren, die den jüdischen Staat geostrategisch, politisch, wirtschaftlich, sozial und militärisch schwächt. Obwohl so getan wird, als ginge es um Menschenrechte für Palästinenser, ist das in Wirklichkeit Teil eines langfristigen Einsatzes Israel dazu zu bringen zu verschwinden. Die aktuelle Popularität ist ein schwer erkämpfter Sieg der Feinde Israels und des jüdischen Volks.

Trotzdem überraschte es mich doch noch, als rund 500 Journalisten ein Dokument wie „Einen offenen Brief zu US-Medien-Berichterstattung über Palästina“ unterzeichneten, der ihnen – unglaublich für diejenigen von uns, die die amerikanischen Medien Jahrzehnte lang wegen ihrer antiisraelischen Voreingenommenheit kritisieren – „journalistisches Fehlverhalten“ vorwerfen, weil sie angeblich die „israelische Militärbesatzung und ihr Apartheidsystem verschleiern“, „Israels systematische Unterdrückung der Palästinenser reinwaschen“ und seine Politik der „ethnischen Überlegenheit“ ignorieren.

Ausgerechnet Journalisten sollten es besser wissen und keine fabrizierte Fakten oder populäre Parolen zu akzeptieren. Immerhin besteht ihr Job darin (ihre eigenen Worte) „die Story richtig zu verstehen“. Sie sollten in der Lage sein Versuche zu erspüren sie zu manipulieren. Sie sollten wissen, wie man es vermeidet Trittbrettfahrer zu sein und sich nicht erlauben Zahnräder in der Propagandamaschine eines anderen zu sein. Und sie sollten begreifen, wie falsch es ist anderen Journalisten vorzuschreiben, was sie schreiben sollten.

Wie Ed Hutcheson (Humphrey Bogard) in „Deadline USA“ [deutscher Titel: Die Maske runte] sollten Journalisten Individualisten sein, die der Wahrheit folgen, wohin immer sie sie führt. Manchmal braucht das Mut, besonders wenn die Strafe für ideologische Abweichung Kündigung und Jobverlust ist.

Ed Hutcheson musste sich nur Sorgen um bewaffnete Gangster machen. Er hatte keine Twitter-Mobs, die darauf lauerten, dass er sich einen Ausrutscher leistet. Aber ich weiß, was er diesen 500 selbstgefälligen, feigen Totalitaristen gesagt hätte, was sie mit ihrem offenen Brief tun sollen.