Rami Levy: Kein gewöhnlicher Typ

Kay Wilson, Israellycool, 16. April 2021

Wie die meisten israelischen Männer trägt Rami Levy T-Shirts und gleicht optisch den anderen der Mehrheit seiner lässig gekleideten Landsleute. Ein gewöhnlicher Typ, den man für einen Taxifahrer, einen Gärtner, Falaffel-Verkäufer oder irgendeinen Nachbarn halten könnte.

Aber an dem, was Rami Levy macht, gibt es nichts Gewöhnliches.

Geboren wurde er in eine türkische Familie jüdischer Immigranten und wuchs in Jerusalem auf. Als eines von sechs Kindern hatte er in der Schule infolge von Legasthenie Probleme. Wegen seiner fehlenden Fähigkeit gut schulisch zu lernen, verließ der die Schule im zarten Alter von 14 Jahren, um das Warenlager seines Großvaters im Machane Yehuda-Markt zu übernehmen. Als er dort arbeitete, bemerkte er, dass viele Leute, die kleine Geschäfte hatten, nach Lebensmitteln zu Großhandelspreisen Ausschau hielten. Das Israel der 1970-er Jahre war nicht der Handelsstaat, den wir heute haben. Anders als 2020 bediente das kleine Israel den Markt nicht in großen Mengen.

Mit der Entscheidung vieles mit jeweils geringem Profit zu verkaufen änderte Rami Levy die Dinge. Für Israelis, die absurd mehr für einen Schokoladenjoghurt made in Israel zahlen, als man das für dasselbe in Berlin verkaufte israelische Produkt tut, war Levy ein finanzieller Retter. Seine Strategie war ein derart stürmischer Erfolg, dass er innerhalb von nur ein paar Jahren nicht nur seinen Platz auf dem Markt verdoppelt hatte, sondern auch seine Mitbewerber sprachlos sein ließ, überall in Israel Supermärkte eröffnete und erstaunliche 20% Marktanteil eroberte.

Aber Levy schuf sich auch Feinde bei den „Großen“, wie dem israelischen Coca-Cola-Lizenznehmer, der ihn boykottierte, dann aber nachgeben musste, als die israelische Kartellbehörde zugunsten von Levi intervenierte.

Der für die von ihm geschaffene Gleichberechtigung am Markt bekannte Rami Levy beschäftigt auch Araber aus Judäa und Samaria. Er zahlt allen seinen Angestellten einen fairen und gleichen Lohn. 2016 gab es einen Terroranschlag in einem seiner Geschäfte. Ein dienstfreier israelischer Soldat wurde von zwei palästinensischen Terroristen erstochen, die versuchten in den Laden zu kommen.

Bei den Nachwehen eines jeden Terroranschlags gibt es große Spannungen. Levy war eisern: Die Jobs seiner arabischen Angestellten standen nicht zur Debatte. Sie hatten nichts falsch gemacht. Überhaupt, erklärte er, gibt es ja auch jede Menge Araber die in der Polizei dienen.

2020 trat Rabbi Aryeh Goldberg an ihn heran, der Generaldirektor des European Rabbinical Center, der sich um den spirituellen Zustand der Juden in Hannover (Deutschland) sorgte. Der Rabbi wollte dort Tefillin zur Verfügung stellen, weil er hoffte, er könnte damit in dieser Gemeinde die Liebe zum Judentum wiederbeleben und ihnen helfen könnte Assimilation zu vermeiden.

Nachdem der Rabbi am Coronavirus starb, spendete Levy Tefillin im Wert von einer Million Schekel für die ärmsten Juden Europas. Jeder Jude, der sie nicht hatte, konnte über den Rabbi seiner Gemeinde einen Antrag stellen, um sie als Geschenk zu erhalten. Um sicherzustellen, dass sie gleichmäßig verteilt werden, war die Spende auf zwei Sätze pro Gemeinde begrenzt. Levy hatte eine langjährige Beziehung zum European Rabbinical Center. Auf dessen Anfrage hin hat er zudem viele Bar Mitzwa-Reisen nach Israel finanziert. Obwohl äußerlich nichts an ihm heraussticht, ist vieles, das er gemacht hat, einfach herausragend.


(Eine dieser herausragenden Aktionen ist hier beschrieben.)