Die Welt reagiert gegenüber Israel mit Anmaßung und Heuchelei – Kommentar

„Das Haus einer ganzen Familie sollte nicht wegen der Tat eines Einzelnen abgerissen weden“, dozierten die Amerikaner. Aber die Anmaßung war nur der Anfang.

Nitsana Darshan-Leitner, Jerusalem Post, 22. Juli 2021

Shurat HaDins Präsidentin Nitsana Darshan-Leitner mit Bauern aus Gemeinden an der Grenze zum Gazastreifen, deren Felder von Brandballons geschädigt wurden, beim Protest gegen den ICC in Den Haag. (Foto: Shurat HaDin)

Das US-Außenministerium erreichte ein neues Niveau scheinheiliger Lächerlichkeit, als die US-Botschaft in Jerusalem ein offizielles Kommuniqué ausgab, mit dem das israelische Handeln angegriffen wurde, nachdem die IDF das Haus eines palästinensischen Einsamer-Wolf-Terroristen zerstörte, der aus seinem Auto heraus im Vorbeifahren mit Schüssen einen Teenager tötete und einen weiteren verstümmelte. „Das Haus einer ganzen Familie sollte nicht für die Tat eines Einzelnen abgerissen werden“, dozierten die Amerikaner. Aber die Anmaßung war nur der Anfang. „Alle Seiten müssen von einseitigen Schritten Abstand nehmen, die die Spannungen verschärfen und Bemühungen untergraben eine verhandelte Zweistaaten-Lösung voranzubringen“, fuhr das Kommuniqué fort. „und dazu gehört gewiss der bestrafende Abriss palästinensischer Häuser.“

Einseitige Schritte? Welcher Schritt könnte einseitigerer sein als ein 44 Jahre alter Palästinenser, der beschließt an einer Bushaltestelle vorbeizufahren und das Feuer auf eine Gruppe Juden zu eröffnen? Rein juristisch definiert beging der Terrorist vorsätzlichen Mord. Sein Tun definiert Vorsatz.

Er machte das Anfang Mai. Der Terrorist, Muntasir Shalabi aus der Westbank-Stadt Turmus Ayya, legte eine automatische Waffe in ein Auto und fuhr auf die Straßen nahe der Tapuach-Kreuzung, suchte nach Juden, die er töten konnte. Er stieß auf drei Jeschiwa-Schüler, die auf einen Bus warteten, der sie zur Schule bringen sollte und ließ eine tödliche Salve los. Der 19-jährige Yehuda Guetta wurde bei dem Angriff getötet; der 19-jährige Benaya Peretz wurde in den Rücken getroffen und ist gelähmt.

Als Präsidentin von Shurat HaDin, einer Menschenrechtsgruppe, die für die Rechte von Terroropfern kämpft, vertrete ich die Familien Geutta und Peretz. Ich habe das Leid in den Augen der hinterbliebenen Eltern gesehen. Ich habe den Schmerz eines jungen Mannes gehört, der erfuhr, dass er niemals wieder ohne seinen Rollstuhl sein wird.

Wie empörend ist die Dreistigkeit der Administration von US-Präsident Joe Biden, dass ihre Antwort kaltblütigen Mord mit Strafmaßnahmen auf eine Stufe stellt, die seit Jahren erfolgreich angewandt werden – seit dem britischen Mandat – um diejenigen zu bestrafen, die Terrormorde begehen und um diejenigen abzuschrecken, die in ihre Fußstapfen treten könnten. In einer Landschaft, in der Terroristen ihr eigenes Leben wenig kümmert und sie Busse in die Luft jagen, Geiseln nehmen und Juden ermorden, lässt sie der Abriss des Hauses eines Terroristen, der sich eine Sprengstoffweste an den Körper schnallt oder Teenager an einer Bushaltestelle zusammenschießt, zweimal nachdenken, bevor sie ihr mörderisches Tun ausführen. Es gibt zahllose Beispiele palästinensischer Väter, die die PA-Sicherheitskräfte auf ihre Söhne aufmerksam machen, weil sie fürchten, dass ihre Jungs kurz davor standen einen Anschlag zu begehen, der letztlich zum Ergebnis hätte, dass das Haus ihrer Familie zerstört wird. Die Macht der Abschreckung ist unbestreitbar und dass Abschreckung Leben rettet ebenso. Das Außenministerium war wegen des Verlustes eines Gebäudes verärgert. Warum waren sie nicht verärgert über den Verlust an Leben? Ein Gebäude kann repariert oder neu gebaut werden. Yehuda Getta ist tot und Benaya Peretz wird den Rest seines Lebens gelähmt bleiben. Ihre Heime sind für immer vernichtet.

Es muss darauf hingewiesen werden, dass die Häuser von Terrorverdächtigen nicht aus einer Laune heraus abgerissen werden. Sie sind das Ergebnis eines langwierigen juristischen Prozesses und die Kriterien müssen ein Gericht überzeugen; die Entscheidung ein Haus zu sprengen muss zahlreiche militärische und juristische Schwellen passieren, bevor der Befehl gegeben wird. Es gibt Berufungsmöglichkeiten, die ihren Weg durch das Rechtssystem gehen. Es gibt daran nichts Einseitiges. Im Fall Shalabi wurde bei einem höheren Gericht ein Antrag eingereicht, um die Pioniere davon abzuhalten das Gebäude mit Sprengstoff zu versehen. Aber das schlug fehl und der Befehl das Haus zu sprengen wurde erteilt.

Die US-Botschaft ging so weit einen Repräsentanten zu schicken, der die Gerichtsverhandlung beobachtete und sicherstellte, dass sie bis absolut gesetzesgetreu durchgeführt wurde. Der juristische Versuch den Abriss aufzuhalten war nicht erfolgreich. Und das war die Verdoppelung der Heuchelei. Die US-Botschaft in Jerusalem schickte keinen Repräsentanten, um der Familie Guetta ihr Beileid auszusprechen, auch keinen Abgesandten ins Krankenhaus an das Bett von Benaya. Es gab keine öffentliche Äußerung amerikanischer Entrüstung wegen des Angriffs mit der Schusswaffe und das US-Außenministerium machte sich nicht die Mühe den sinnlosen Mord an einem unschuldigen Teenager zu verurteilen, der an einer Bushaltestelle wartete. Warum sollte sie? Israelische Opfer sind zu alltäglich geworden, um irgendein Interesse der amerikanischen oder sonst einer Regierung zu wecken, die ständig nach jüdischen Opfern als akzeptable Verluste in einem größeren Spiel des Appeasements suchen.

Die USA sollten es besser wissen. Nach dem 9/11, als sie einen globalen Krieg gegen den Terror erklärten, um weitere Akte katastrophaler Zerstörung zu verhindern, war alles möglich. Amerikanische und verbündete Streitkräfte verhafteten und folterten zahllose Afghanen und Pakistanis und hielten sie ohne Gerichtsverfahren in Guantanamo fest – selbst heute noch – was eine klare Verletzung ihrer Menschenrechte darstellt. Vielleicht sollten die USA das predigen, was sie praktizieren.

Das einzige einseitige Handeln, das in dieser tragischen Sache unternommen wurde, war der kaltblütige Mord an einem Teenager durch einen palästinensischen Terroristen und dass ein weiterer von ihm zum Krüppel gemacht wurde. Israels Handeln war reaktiv und wohlüberlegt, so gestaltet, den Kollateralschaden und Kummer weiterer ermordeter unschuldiger Männer, Frauen und Kinder zu begrenzen.