Wie man Antisemitismus bekämpft – und wie nicht

Elder of Ziyon, 14. Juli 2021

Diese Woche gab es zwei Geschichten, die für die amerikanisch-jüdische Gemeinschaft nichts Gutes verheißen.

Die erste war die kaum besuchte Kundgebung „No Fear“ (Keine Angst) gegen Antisemitismus in Washington. Die zweite war die Veröffentlichung einer Meinungsumfrage, die zeigt, dass viele amerikanische Juden glauben, Israel sei der Apartheid und sogar des Völkermords schuldig.

Beide Ereignisse deuten auf katastrophales Versagen der amerikanischen jüdischen Gemeinschaft hin.

Lauri Regan, eine erfahrene Organisatorin, schreibt eine vernichtende Kritik zur Kundgebung „No Fear“. Während viele ihrer Probleme technischer Natur seien, war der Hauptgrund dafür, dass sie derart klein ausfiel, ironischerweise der, dass man so viele Juden wir möglich als Beteiligte dabei haben wollte.

Um erfolgreich zu sein braucht man eine fokussierte Botschaft und ein Thema, hinter dem die Leute stehen können. Man muss einen Kern engagierter Teilnehmer haben. Aber die Organisatoren waren stärker daran interessiert liberale jüdische Organisationen zu gewinnen, die dem jüdischen Staat entweder teilnahmslos oder feindselig gegenüber stehen und die gefordert hatten, dass die Kundgebung nicht offen zionistisch ist – Organisationen, die die Existenz von Antisemitismus bei ihren politischen Verbündeten der Linken bestreiten.

Wenn die teilnehmenden Organisationen sich nicht einmal zur Definition von Antisemitismus einigen können, ist die Veranstaltung schon ein Fehlschlag bevor sie beginnt.

Was heißt überhaupt „Keine Angst“? Das ist eine leere Parole. Juden werden auf der Straße und online brutal angegriffen und eine Kumbaya-Parole stumpfen diese Angriffe nicht im Geringsten ab.

Wenn man eine Botschaft verwässert, um niemanden vor den Kopf zu stoßen, dann hat man am Ende eine Botschaft, die niemanden anlockt.

Der wahre Grund, dass die Kundgebung ein Fehlschlag war, findet sich in der Umfrage des Jewish Electorate Institute. Zusammen mit anderen Umfragen bei amerikanischen Juden zeigt sie eine Gemeinschaft, die abnehmende emotionale Verbindungen zu Israel hat – und wenige Bindungen zum Judentum. Junge Juden zeigen die Richtung an, in die die Gemeinschaft sich bewegt – weniger Verbundenheit zu Israel und weniger Verbundenheit zum Judentum.

Diese Grafik von Pew sollte jedem Angst machen, dem die Zukunft des amerikanischen Judentums am Herzen liegt.

Fast die Hälfte der US-Juden haben kein Interesse daran sich an irgendwelchen jüdischen Aktivitäten zu beteiligen oder überhaupt eine Verbindung zum Judentum zu zeigen.

Ihre Apathie gegenüber dem Judentum und Israel stehen miteinander in Verbindung.

Engagiertere Juden tendieren dazu sich stärker für Israel zu engagieren. Antisemiten hassen Israel. Amerikanische Juden, die sich im Konflikt mit ihrem Judentum befinden, haben gleiche Probleme mit Israel. Die Verbindungen zwischen Judentum und Israel heute zu bestreiten heißt die Realität zu bestreiten.

Die Lösung für beides ist dieselbe: Kenntnis und Stolz.

Die meisten amerikanischen Juden wissen nichts über das Judentum und sie wissen nichts über Israel. Gleichermaßen haben die meisten amerikanischen Juden wenig Sinn für Stolz, weder bezüglich des Judentums noch zu Israel.

Das ist die Wurzel des Versagens der amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft. Es handelt sich um ein Versagen der Führer, es ist ein Versagen der Synagogen, aber noch mehr ist es ein Versagen der Eltern, die die Hauptverantwortung dafür haben ihren Kindern Stolz einzuflößen.

Es dauerte Generationen uns dahin zu bringen, wo wir heute sind. Es ist das Produkt von Jahrzehnten, in denen sich mehr darum gekümmert wurde in Amerika Erfolg zu haben statt ihren Kindern jüdischen Stolz anzuerziehen.

Wenn die Juden nicht die Kurve kriegen, wie kann man dann erwarten, dass Nichtjuden uns unterstützen?

Leider sind viele dieser Juden bereits verloren. Und nur allzu viele von ihnen führen ihr Judentum nur dann ins Feld, wenn sie mit Hilfe von Antizionismus behaupten Helden zu sein.

Für das amerikanische Judentum ist es aber noch nicht zu spät

Es gibt einige großartige neue Gruppen, die darauf zielen über das Judentum, Israel oder beides zu bilden und Stolz einzuflößen. Es ist nicht nötig orthodox zu sein, um ein engagierter, kompetenter Jude zu sein und es ist nicht notwendig Siedlungen zu unterstützen, um ein stolzer, engagierter Zionist zu sein (sehen Sie sich Hen Mazzig oder Einat Wilf an).

So wie es Zeit brauchte, um dahin zu kommen, wo wir heute stehen, wird es eine lange Zeit dauern jüdische Belesenheit und jüdischen Stolz wieder aufzubauen. Das braucht echte Hingabe. Und das fängt in der eigenen Familie an.

Wenn wir Juden unsere eigene Geschichte kennen, sind wir dafür gerüstet uns gegen die Lügen zu verteidigen. Wenn Juden aber stolz sind, gewinnen wir Fans.

Menschen sind für die attraktiv, die wissen, wer sie sind und wer sich deshalb nicht rechtfertigt. Sicher, Juden müssen genug wissen, um die Lügen zu kontern, aber das ist nur ein kleiner Teil des Jobs. Wir sollten stolz auf unser Judentum und auf Israel sein. Wir sollten nicht defensiv seine – sonder begeistert. Wir sollen Juden in Amerika und Israel als unsere Familie behandeln, die wir lieben und unterstützen, selbst wenn sie uns manchmal wahnsinnig machen.

So wird Antisemitismus bekämpft. Und es ist entscheidend die nächste Generation so aufzuziehen, dass sie weiß, wer wir sind: dass wir Juden sind, dass wir stolz sind, wir sind ein Volk und dass wir nicht weggehen.