40 Jahre den Islam verkennen

Wann wird die Zeit sein dem zuzuhören, was die Jihadisten uns über ihre im Glauben gründende Feindschaft und Ambitionen erzählen?

Bruce Thornton, FrontPage Mag, 26. August 2021

Das Debakel in Afghanistan ist die erste und tonangebende Folge der spektakulären Inkompetenz des außenpolitischen Teams Biden. Einen festen Termin zum Abzug festzulegen war an sich bereits ein Fehler, der den Taliban signalisierte, dass alles, was sie tun mussten, war uns zu sagen, was wir hören wollten und dann abzuwarten; aber Truppen abzuziehen und die Luftwaffenbasis Bagram aufzugeben, bevor unsere Bürger evakuiert wurden, war vorsätzlich dumm. Das ließ die afghanische Armee wehrlos zurück und überließ den Himmel dem Feind. Das gleiche gilt dafür den Taliban Milliarden an fortschrittlichen Waffen zu hinterlassen. Es ist keine Frage, dass Bidens Name für immer mit einem der schlimmsten militärischen Fehler der Nachkriegsjahre verbunden bleiben wird.

Aber ein älterer Fehler bereitete die Bühne für üble Entscheidungen, die den modernen Jihadismus seit vierzig Jahren stärken – das Versagen die wahre Natur des Islam zu begreifen, wie er seit 1.400 Jahren in Praxis und Doktrin dokumentiert ist. Im Ergebnis haben wir eine illusorische Politik falscher Paradigmen betrieben.

Der erste Fehler war die iranische Revolution 1978/79 und die Entführung unserer Botschaftsmitarbeiter im November 1979 falsch gelesen zu haben. Jimmy Carters untauglicher Reaktion folgte das abgestandene Narrativ antikolonialen Widerstands gegen unsere eigennützige Missachtung der Bestrebungen nach nationaler Selbstbestimmung, politischer Freiheit und Menschenrechte. Unser Verbündeter, der Schah des Iran, fiel trotz der geostrategischen und wirtschaftlichen Bedeutung des Iran Carters naivem Glauben zum Opfer, dass „moralische Prinzipen“ und „Idealismus“ bedeutender seien als militärische Kampfbereitschaft und ein realistischer Wille Gewalt anzuwenden, um unsere nationalen Interessen und Verbündeten zu schützen. Von diesem Paradigma fehlgeleitet, hielt Carter Unterstützung für den Schah zurück; er nahm an, dass ihn eine säkulare Koalition ersetzen würde.

Gefangen im Paradigma neoimperialistischen Widerstands gegen Bewegungen nationalistischer Selbstbestimmung, versäumte Carter es die wahren Ursprünge der iranischen Revolution zu begreifen. In Wirklichkeit war die Revolution ein religiöses Phänomen, eine Antwort auf die Modernisierungs- und Säkularisierungspolitik des Schah wie der Emanzipation der Frauen und den Schutz von Minderheiten wie Juden und Bahai. Ayatollah Khomeini, der Pate der Revolution, machte sein Motiv 1963 deutlich, als er sagte, das Regime des Schah sei „fundamental gegen den Islam selbst und die Existenz einer religiösen Klasse eingestellt“.

Carters Denken fehlt die historische Rolle des Jihad in islamischen Reformbewegungen. Khomeinis Predigten und Bücher, letztere von unseren Sicherheitsdiensten verworfen, waren klar, was die religiöse Verpflichtung zur Schaffung einer politisch-sozialen Klassenordnung auf Grundlage des Islam und des Scharia-Rechts angeht. Nach der Machtübernahme im Iran artikulierte Khomeini die gewalttätige Natur des Jihad: „Der Islam ist für die Ungläubigen eine Religion des Blutes, aber für andere eine Religion der Führung.“ Und sein Ziel ist eine Religion des globalen Triumphs des Islam: „Wir werden unsere Revolution in die ganze Welt exportieren. Bis der Ruf ‚Es gibt nichts Gutes außer Allah‘ überall in der Welt erklingt, wird Jihad sein.“ Solche Äußerungen stimmen mit Koranversen wie „Erschlagt die Götzendiener, wo immer ihr sie findet“, oder „Bekämpft die, die nicht an Allah glauben“, oder „Oh ihr Gläubigen! Bekämpft die Ungläubigen, die in eurer Nähe sind und lasst sie eure Härte finden“, oder „Tötet sie, wo immer ihr sie findet“.

Keine dieser historisch ehrwürdigen Doktrinen scheint in die Gemüter unserer außenpolitischen Experten vorgedrungen zu sein. Nationale Selbstbestimmung und Reformen zur Einrichtung von auf westlichen Prinzipien – Menschenrechte, Trennung von Kirche und Staat, konfessionelle Toleranz, gleiche Rechte für Frauen – gründenden Regierungen wurden zum Ziel unserer Einmischung im muslimischen Nahen Osten.

Diese Überzeugung wurde stärker und nahm nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion einen missionarischen Eifer an; dieser Kollaps wurde als Sieg für die westlichen „Regeln auf Grundlage einer internationalen Ordnung“, weltweitem Freihandel, liberaler Demokratie und Menschenrechten interpretiert, von denen angenommen wurde, dass sie allesamt als von allen unterschiedlichen Völkern und Kulturen gewünscht sind. Diese „neue Weltordnung“, wie George H.W. Bush sie nannte, erhielt in den jihadistischen Anschlägen vom 11. September 2001 ihre Antwort, in denen ein Jahrzehnt Anschläge der Al-Qaida auf unsere militärischen Aktivposten und Personal im Ausland gipfelte.

George Bush Jr. reagierte ähnlich mit der Förderung universaler liberaler Demokratie als Antwort auf die Beharrlichkeit des Jihadismus: „Die Vereinigten Staaten müssen Freiheit und Gerechtigkeit verteidigen, weil diese Prinzipien für alle Völker überall richtig und wahr sind. … Amerika muss fest für die nicht verhandelbaren Forderungen der menschlichen Würde einstehen: Rechtstaatlichkeit, Grenzen für die absolute Macht des Staates, freie Meinungsäußerung, freie Religionsausübung, gleiches Recht, Respekt für Frauen, religiöse und ethnische Toleranz und Respekt vor Privateigentum“, wie er 2002 in der Strategie für Nationale Sicherheit schrieb. In seiner Rede zu seiner zweiten Amtseinführung bekräftigte er diesen wilsonartigen Idealismus, den er mit der nationalen Sicherheit verband: „Das Überleben der Freiheit in unserem Land hängt zunehmend vom Erfolg der Freiheit in anderen Ländern ab. Die größte Hoffnung auf Frieden in unserer Welt ist die Ausweitung der Freiheit überall in der Welt.“

Diese naiven Verallgemeinerungen ignorierten oder beschönigten die wesentliche Natur des Islam, die wir in 14 Jahrhunderten Doktrin und Praxis sehen können. Ibn Khaldun, Schriftsteller des späten 14. Jahrhunderts und einer der größten islamischen Historiker und Philosophen, schrieb in Muqaddimah: „In der muslimischen Gemeinschaft ist der heilige Krieg eine religiöse Pflicht, wegen des Universalismus des muslimischen Auftrags und der Verpflichtung jeden zum Islam zu konvertieren, entweder durch Überzeugung oder mit Gewalt.“ Wenn wir muslimische Gruppen wie die Taliban, Al-Qaida, den Islamischen Staat, die Mullahs des Iran oder andere sehen, wie sie in Treue zu diesem traditionellen religiösen Befehl töten und sterben, dann ist es gefährliche Blindheit seitens westlicher Säkularisten zu behaupten, es gebe keine Verbindung zwischen dem Islam und Jihad-Terrorismus.

Doch das ist genau das, was wir schon seit der Administration Clinton tun, als seine Außenministerin Madeline Albright den Islam als „ein Glaube, der Beratung ehrt, Frieden wertschätzt und als eines seiner grundlegenden Prinzipien die ihm innewohnende Gleichheit aller, die ihn annehmen“ bezeichnete. Befragen Sie die verängstigten Frauen in Afghanistan, die verzweifelt den brutalen, auf der Scharia gründenden Gepflogenheiten der Taliban zu entkommen versuchen, zu den Vorstellungen in „innewohnender Gleichheit“. Bill Clinton fuhr denselben Kurs, als er das „tiefste Sehnen aller – in Frieden zu leben“ des Islam behauptete, ein Anspruch, der von 14 Jahrhunderten islamischer Invasion, Besatzung, Plünderung und Versklavung widerlegt wird – alles vom Koran, den Hadithen und muslimischer Rechtslehre und Philosophen wie Ibn Khaldun gerechtfertigt.

Genauso frönte George W. Bush solch ahistorischen Rechtfertigungen: Die „Lehren“ des Islam, verkündete er, „sind gut und friedvoll und diejenigen, die Böses im Namen Allahs begehen, lästern den Namen Allahs.“ Aber was er als „Böses“ bezeichnete, sind für fromme Muslime wie Khomeini oder Osama bin Laden oder die Taliban heilige Pflichten zur Erfüllung des Willens Allahs, damit die ganze Welt den Islam, die einzig wahre Religion, annimmt. Es zeugt von westlicher Arroganz frommen Muslimen zu sagen, was ihre heiligen Schriften tatsächlich aussagen.

Mit einer solchen Tiefe historischer Ignoranz ist es kein Wunder, dass Bushs Versuche eine liberale Demokratie mit westlichen Vorstellungen von individuellen Rechten zu schaffen in Afghanistan auf unfruchtbaren Boden fielen; oder dass Barack Obama und jetzt Joe Biden erpicht darauf sind einen Deal mit Mitgliedern eines Glaubens abzuschließen, der historisch solche Verhandlungen und Verträge mit Ungläubigen als zeitlich begrenzte Zweckdienlichkeiten betrachtet, die verletzt oder verworfen werden können, wenn sie ihr von Mohammed befohlenes Ziel erreicht haben Jihad zu führen „bis der Schrei ‚Es gibt keinen Gott außer Allah‘ in der ganzen Welt erklingt“.

Dieses nutzlose Versagen der Vorstellungskraft, diese Unfähigkeit eine andere Kultur und einen anderen Glauben mit deren eigenen Begriffen zu betrachten, statt sie umzuformen, um unsere eigenen aufzudrücken, ist ein wichtiger Faktor bei dem Desaster in Afghanistan: Tausende Amerikaner sind praktisch Geiseln, Milliarden an Bewaffnung in den Händen eines eingeschworenen Feindes, das amerikanische Prestige zugunsten des Iran, Russlands und Chinas beschädigt und NATO-Verbündete brüskiert. Und vergessen Sie nicht die tausende Afghanen, von denen viele ihren Glauben reformieren und sich mit der Moderne aussöhnen wollten, jetzt aber die Ziele schrecklicher Rache sind.

Die Wahrheit über den traditionellen Islam zu verstehen ist keine Verurteilung eines jeden der 1,6 Milliarden Muslime. Abermillionen von ihnen haben es zweifelsohne geschafft treue Glaubende zu bleiben ohne die sakralisierte Gewalt islamsicher Doktrin und Bräuche zu befürworten. Aber wir wissen nicht, welcher Teil der Ummah – der globalen muslimischen Gemeinschaft – in diese Kategorie gehört. Die Hauptverantwortung unserer Regierung ist der Schutz der Sicherheit und Interessen unserer Bürger und das bedeutet, dass wir weiter auf die muslimischen Traditionalisten konzentriert bleiben müssen, die sehr klar zu diesen Überzeugungen stehen, die unsere Führungspolitiker als ein „Kapern“ des Glaubens oder „Irrlehren“ einer abtrünnigen Minderheit marginalisieren.

Nach 20 Jahren Fehlschlägen in Afghanistan ist es vielleicht an der Zeit dem zuzuhören, was die Jihadisten uns über ihre auf dem Glauben basierende Feindschaft und Ziele sagen. Vielleicht können wir dann den fehlgeleiteten Idealismus vermeiden, der unsere Sicherheit und Interessen gefährdet und tausende muslimischer Reformer einem grausamen Schicksal überlassen hat.

Ein Gedanke zu “40 Jahre den Islam verkennen

  1. Der verschleierte Islam

    Professor Dr. Susanne Schröter ist Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam. Lucia Puttrich (CDU) ist Hessische Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Bevollmächtigte des Landes Hessen beim Bund sagt:

    „In den Medien werden den Zuschauern drei islamische Strömungen präsentiert. Der politische, der radikale und der religiöse Islam, hinzu kommt noch der favorisierte Euro-Islam, und die länderspezifischen Unterscheidungen in den Herkunftsländern. Darunter zähle ich mittlerweile auch Deutschland.

    Eins aber haben alle Strömungen gemeinsam, die Islamisierung der Weltbevölkerung und die Errichtung von Kalifaten, und das ist das entscheidende. Schwer zu erkennen, aber unübersehbar.“

    Mohamad Safoui von den demokratischen Moslems in Frankreich sagt dazu:

    „Doppelzüngigkeit ist der Baustein der islamistischen Ideologie und das muss dem Westen klargemacht werden. Wenn man sie interviewt, lügen Sie.“

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