US-Abzug aus Afghanistan macht globalen Terrorismus stark

Im gesamten Nahen Osten hat die Erfahrung bewiesen, dass Rückzüge nur die Motivation von Jihadisten-Gruppen stärkt.

Dore Gold, Israel HaYom, 30. August 201

In einer atemberaubenden Äußerung letzten Freitag, mit der er seine Rückzugsentscheidung verteidigte, behauptete Präsident Joe Biden, dass Al-Qaida aus Afghanistan „weg“ sei. Das offenkundige Problem mit dieser Behauptung lautet, dass Biden die Unterstützung des amerikanischen Sichereitsestablishments fehlt, um das zu sagen. Eine Stunde nachdem Biden sprach, erklärte John Kirby, Pressesekretär des Verteidigungsministeriums: „Wir wissen, dass Al-Qaida in Afghanistan präsent ist.“

Ein Bericht des Verteidigungsministeriums an den Kongress vom 17. August erklärt deutlich: „Die Taliban hielten ihre Beziehung zu Al-Qadia aufrecht, boten der Terrorgruppe in Afghanistan eine sichere Zuflucht.“ Ungefähr zur selben Zeit entließen die Taliban 5.000 Häftlinge vom Fliegerhorst Bagram, zu denen aktive Mitglieder von Al-Qaida und dem Islamischen Staat gehörten.

Es gab auch in der westlichen Allianz keinen Konsens zu diesem Thema. Der britische Premierminister Boris Johnson warnte, dass westliche Staaten sich vereinen müssen, um zu verhindern, dass Afghanistan einmal mehr ein Zufluchtsort für internationale Terror-Organisationen wird. Es gab auch regelmäßig Berichte aus dem UNO-Sicherheitsrat, die sich diese Frage ansahen. Im zwölften Bericht ihres Beobachterteams wurde festgehalten, dass „ein beträchtlicher Teil der Führung von Al-Qaida in der Grenzregion von Afghanistan und Pakistan wohnhaft ist“.

Die Präsenz von Al-Qaida wurde nicht nur an der Grenze bestätigt. Der Bericht fährt fort: „Große Zahlen Al-Qaida-Kämpfer und andere extremistische Elemente aus dem Ausland, die sich den Taliban anschlossen, befinden sich in Afghanistan.“ Er macht auch deutlich, dass das keine randständigen Elemente von Al-Qaida sind, sondern der „Kern ihrer Führung“.

Großbritanniens Verteidigungsminister Ben Wallace bestätigte ebenfalls, dass Al-Qaida „vermutlich zurückkommen wird“. Er verweist auf einen UNO-Bericht, der erklärt, Al-Qaida sei in15 afghanischen Provinzen präsent ist. Er ist sich zudem der Tatsache bewusst, dass viele im Westen Afghanistan als „failed state“ betrachten und hält fest, dass Failed States dazu neigen Hauptsitz für Terrororganisationen zu werden.

Der Direktor des britischen Inlands-Geheimdienstes MI5 warnte im Juli, dass Al-Qaida anstreben wird seine Trainingseinrichtungen in Afghanistan wieder einzurichten, sobald sich die Gelegenheit ergibt. Verbündete des deutschen Kanzlerin Angela Merkel im Bundestag verurteilten Bidens Entscheidung sich so schnell aus Afghanistan abzuziehen.

Was bewog also den Drang der USA den militärischen Abzug zu beschleunigen? Viele in Washington verwiesen auf die Vereinbarung zwischen den Taliban und der Administration Trump vom Februar 2020 zum Abzug aller Auslandskräfte aus Afghanistan.

Die Vereinbarung machte allerdings den Abzug von der Umsetzung ihrer Verpflichtungen seitens der Taliban abhängig, Al-Qaida nicht zu erlauben afghanisches Territorium gegen amerikanische Streitkräfte zu benutzen. Teil 2 der Vereinbarung beinhaltet die Verpflichtung der Taliban „jede Gruppe oder Einzelperson, darunter Al-Qaida, daran zu hindern afghanischen Boden zu nutzen, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten oder ihrer Verbündeten zu bedrohen.“

Es gab zudem eine darunterliegende Annahme, die im Westen üblich war. Abzug, so wurde gehofft, würde die Feindseligkeit der Taliban und ihrer Verbündeten reduzieren. Das war aber eine Fehlinterpretation dessen, was die Jihadistengruppe motivierte. Al-Qaida wurde formell gegründet, nachdem die Sowjetunion sich aus Afghanistan zurückzog und sie sich bestätigt fühlten. Abzug stärkt im gesamten Nahen Osten die Motivation dieser Gruppen. Tatsächlich erklärte ein im Juni 2021 dem Sicherheitsrat vorgelegter Bericht der UNO deutlich, dass „trotz Erwartungen verringerter Gewalt 2020 (das Jahr der Vereinbarung der Taliban zum Rückzug) als das gewalttätigste jemals von der UNO in Afghanistan aufgezeichnete war…“

Die israelische Erfahrung war identisch: Als die IDF sich einseitig aus dem Gazastreifen in Übereinstimmung mit dem Abkoppelungsplan der israelischen Regierung zurückzog, gewann die Hamas die Palästinenserwahlen und nahm den Gazastreifen von der Fatah in Besitz. Raketenangriffe auf Israel nach dem Gaza-Abzug nahmen um 500% zu. Um die Kräfte der Jihadisten zu besiegen war es notwendig den Abzug mit einem Handeln zu begleiten, das keinen Zweifel daran lässt, dass das, was ihnen geschah für sie eine Niederlage war. Aber es scheint nicht so, als hätte Präsident Biden eine solche Strategie verfolgt, was den Westen mit einer mächtigter gemachten Al-Qaida zurücklässt, die in den kommenden Jahren bekämpft werden muss.