Das Fiasko der Demokraten zur Eisernen Kuppel und was es (für Israel) bedeutet

Jüdische Verteidiger sollten auf die Achillesverse ihrer Feinde schießen – ihren Narzissmus und ihren Glauben an ihre eigene, unantastbare Tugend.

Melanie Phillips, Israel HaYom, 24. September 2021

Nach Angaben des Mehrheitsführers im Repräsentantenhaus, Steny Hoyer, war, als die Demokraten aus ihrem umkämpften Ausgabengesetz $1 Milliarde Dringlichkeitsgelder für Israels Verteidigungssystem Eiserne Kuppel strichen, das lediglich eine „Formsache“, die umgekehrt werden kann.

Welch eine Formsache! Die unheilvolle Wirklichkeit hinter dieser Entwicklung ist die, dass die Demokratische Partei über die Unterstützung Israels zersplittert.

Das System Eiserne Kuppel hat tausende Raketen und Flugkörper davon abgehalten israelische Zivilisten abzuschlachten und ihre Städte in Schutt und Asche zu legen. Diese Gelder abzuziehen würde bedeuten, dass diese Partei das nicht länger verhindern will.

Vorhersehbarer Aufruhr trat ein, nicht zuletzt bei proisraelischen Demokraten. Zwei Tage später verabschiedete das Repräsentantenhaus ein gesondertes Gesetz, das den Geldern für die Eiserne Kuppel gewidmet ist. Die proisraelische demokratische Abgeordnete Kathy Manning gelobte, dass die Partei „unsere eiserne Unterstützung für unseren Verbündeten Israel bekräftigt“.

Aber trotz der Verabschiedung des zweiten Gesetzes gibt es diese eiserne Unterstützung nicht mehr.

Das Fiasko wurde von Druck seitens des Ausschusses der „Progressiven“ der Partei ausgelöst, deren Mitglieder Israel hassen und es beseitigt sehen wollen. Berichten zufolge sagten sie der Parteiführung, sie würden nicht für das Haushaltsgesetz stimmen, sollte dieses die Finanzierung für die Eiserne Kuppel beinhalten.

Da die Republikaner weiter stur dabei blieben gegen das Gesamtgesetz zu stimmen, knickten Hoyer und Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi ein – ein Moment moralischen Bankrotts, den späteres Handeln nicht auslöschen kann.

Die Bedeutung dieser Episode liegt nicht bei der Eisernen Kuppel. Sie liegt stattdessen in dem, was sie uns über den Weg erzählt, den die Demokratische Partei eingeschlagen hat. Denn sie demonstriert, wie stark der Einfluss dieses linksextremen Ausschusses ist. Die Tatsache, dass die Gelder für Israel herausgenommen wurden (wenn auch nur zeitweilig) war ein Gewinn für die Linksextremen, die den „gemäßigten“ Flügel in den Hintergrund drängte.

Das zeigt: Wenn es um das Thema Israel geht, kann die „moderate“ Führung das Geschehen nicht kontrollieren, wenn sie eine so hauchdünne Mehrheit hat. Als Ergebnis dieses Sieges – auch wenn er rein symbolisch ist – wird die Linksextreme jetzt Rückenwind haben und das droht auf ganzer Linie mit weiteren solchen Kämpfen um Israel.

Fakt ist, dass linksextreme Demokraten in der Partei die Oberhand gewannen, sobald sie gewählt wurden. Und das ist so, weil die Führung vor ihnen ständig eingeknickt ist.

Sie hat schmählich der „Squad“ aus progressiven weiblichen Abgeordneten nie Gegendruck gemacht, trotz deren abstoßenden Äußerungen – nicht nur zu Israel, sondern auch über Juden – die von ihr unter dem lächerlichen Feigenblatt der Sorge um „die Rechte der Palästinenser“ gemacht wurden.

Und natürlich hat die Eiserne Kuppel nichts mit „Palästinenserrechten“ zu tun, sondern ist einzig ein Mittel israelische Bürger gegen Angriffe zu verteidigen.

Dass die Demokraten einknickten, war verachtenswert; aber auf beiden Seiten des Atlantiks versinkt „progressive“ Politik um Israel und das jüdische Volk immer tiefer in der moralischen Kloake.

Weit über den linksextremen Ausschuss hinaus erodiert bei den Demokraten die Unterstützung für Israel. Es mag sich um eine kleine Fraktion im Repräsentantenhaus handeln, aber sie repräsentiert eine breitere Wählerschaft, die zu groß ist, als dass die Parteiführung sie ignorieren kann.

In Großbritannien verdrängte die Labour Party die Linksextreme unter ihrem früheren Parteichef Jeremy Corbyn, insbesondere wegen des Themas Antisemitismus. Trotzdem wurden nur die ungeheuerlichsten judenfeindlichen Täter aus der Partei geworfen und einige von ihnen wurden sogar wieder aufgenommen.

Der Grund dafür ist, dass es schlicht zu viele gibt, die für einige oder sogar alle ihrer Einstellungen Verständnis haben; und das ist wiederum so, weil eine alarmierende Zahl Linker, sowohl in Britannien als auch in Amerika, viele dieser diabolischen Unwahrheiten über Israel unterschreiben, die einmal mehr die Büchse der Pandora des schamlosen Antisemitismus geöffnet haben.

Die, die nach israelischem Blut bellen, bestreiten, dass Israel auf diese Weise herauszuheben, um es zu dämonisieren, praktisch dieselbe Art gestörter Behandlung ist, die Juden unendliche Zeiten hindurch zuteil wurde.

Stattdessen nicken mehr und mehr Linke – tragischerweise auch viele Juden – jetzt die bösartigen und offenkundig aberwitzigen Vorwürfe gegen Israel ab: Apartheid, ethnische Säuberungen und Kriegsverbrechen.

Wenn Israelis in den umstrittenen Gebieten der „Westbank“ ermordet werden, ist das Schwiegen der von Menschenrechten besessenen, „antirassistischen“ Linken ohrenbetäubend. Diese Morde werden schlicht ignoriert, weil diese jüdischen Opfer für Anhänger der „Palästinenserrechte“ einfach aus dem Drehbuch der Menschheit herausgeschrieben worden sind.

Selbst für „moderate“ Israel-Unterstützer der Linken, gibt es gute Israelis und schlechte Israelis, gute Juden und schlechte Juden. Die Schlechten werden als schlecht erachtet, weil sie ihre Feinde bekämpfen, die Guten werden als gut erachtet, weil sie vor ihnen einknicken.

Das Ergebnis ist eine gewaltige Zunahme von Angriffen auf Juden, wobei Studenten auf dem Campus zunehmend ihre jüdische Identität verbergen.

Was sollten also Israel und seine Unterstützer in Reaktion darauf tun?

Israels neuer Botschafter in den Vereinigten Staaten, Brigadegeneral Michael Herzog, hat mit Recht gesagt: „Wir befinden uns mitten in einem Bewusstseinskrieg und der Staat Israel muss neue, starke und umfassende Mittel entwickeln, um mit dieser Herausforderung umzugehen.“

Tatsächlich hat Israel nie adäquat auf diese große Krise westlichen Denkens reagiert. Zum Teil ist das die Folge von Israels unglaublicher und vorherrschender Inkompetenz.

Das ist aber auch wegen Israels tiefsitzender Überzeugung so, Israels Sache in Britannien und Europa, wo Judenhass seit Jahrhunderten tief eingewurzelt ist, zu vertreten sei eine hoffnungslose Aufgabe – während (mit Ausnahme des ehemaligen Premierministers Benjamin Netanyahu, der verstand, dass Israel sich direkt an die amerikanische Öffentlichkeit wenden muss) die Unterstützung der Amerikaner als selbstverständlich angesehen werden kann.

Jetzt muss es genau diese Annahme dringend überdenken. Ausgerechnet in diesem äußerst kritischen Augenblick hat Israel sich eine schwächliche Regierungskoalition aufgehalst, die zu glauben scheint, dass man mit einem Plastiklöffel bewaffnet zu einer Schießerei gehen kann.

Sein Außenminister Yair Lapid ist ein derart oberflächlicher Politiker, dass er glaubt, am Antisemitismus gebe es nichts Besonderes. Für ihn ist das nur eine weitere Form des „Hasses von Außenstehenden“ – eine, die er tatsächlich einmal lachhaft nicht nur den Nazis, sondern auch Sklavenhändlern, „Muslimen, die andere Muslime töten“ und denjenigen, die LGBTQ-Leute ermorden zuschrieb.

Entsprechend glaubt er, der Weg mit Israel-Bashern umzugehen bestehe darin mit ihnen „einen Dialog zu führen“. Das ist ein Außenminister Israels, der sagt, der Weg die terroristischen Kriegsverbrechen der Hamas zu stoppen sei es Geld in den Gazastreifen zu pumpen (das, wie er nicht zu erkennen scheint, die Hamas requirieren wird, um ihre Angriffe auf Israel zu verstärken, ganz zu schweigen von denen auf das eigene Volk im Gazastreifen, das sich unter ihrer Tyrannenknute befindet“.

Die Chancen, dass Lapid jemals begreift, was nötig ist um mit dem breiteren „Bewusstseinskrieg“ umzugehen, sind daher gleich Null.

Vor allem aber ist es nötig, dass sowohl Israel als auch seine Unterstützer aufhören defensiv zu agieren und stattdessen in die Offensive gehen. Man muss das Muster ändern.

Die Feinde des jüdischen Volks haben die Geschichte und Sprache gekapert, um Israel fälschlich als kolonialen Aggressor darzustellen. Jüdische Verteidiger müssen die Wahrheiten der Geschichte und den Sprachgebrauch wieder herstellen, indem Israel im westlichen Denken mit Rechtmäßigkeit, Gerechtigkeit und Menschenrechten assoziiert wird, sowie dass Juden im gesamten infrage stehenden Land Einheimische sind.

Verteidiger der Juden sollten auch auf die Achillesferse ihrer Feinde zielen – ihren Narzissmus und die Überzeugung an die eigene, unantastbare Tugend. Diese westlichen Feinde können schnell geschwächt werden, indem man sie auf ihrem eigenen Gebiet angreift; indem man sie z.B. als Werber für arabischen Kolonialismus entlarvt, die den palästinensischen nazihaften Judenhass gutheißen, die ethnische Säuberung der Juden aus den umstrittenen Gebieten befürworten – und am vernichtendsten für alle solchen Leute, dass sie dumm und leichtgläubig sind.

Mit anderen Worten: Es ist an der Zeit, dass die jüdische Welt ihren Kampfgeist findet und die Samthandschuhe auszieht. Dafür gibt es leider kaum Anzeichen. Denn du kannst den Juden aus dem Ghetto holen; aber wie so erschreckend in Israel wie in der Diaspora demonstriert wird, kann man das Ghetto nicht immer aus dem Juden holen.

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