Ist (israelischen) Araberführern arabisches Leben wichtig?

Eine Online-Kampagne amerikanischer Art wird die Gewalt nicht beenden. Solange arabisch-israelische Meinungsführer den Staat als ihren Feind betrachten, wird das Blutvergießen weiter gehen.

Sara Ha’etzni-Cohen, Israel HaYom, 24. September 2021

Zwei junge Mitglieder der arabischen Gesellschaft wurden in der Zeit der Sukkot-Feiertage ermordet, einer bei einer Hochzeit im Norden des Landes und der andere in seinem Auto im Süden. Seit Jahresbeginn sind rund 90 Araber ermordet worden. Als Ergebnis ist online eine Kampagne Arab Lives Matter gestartet worden, die den Schuldigen in, wem auch sonst, der Polizei und der Regierung sucht.

Doch die Wahrheit lautet, dass diese israelischen Regierungen glaubten, dass arabisches Leben wichtig ist. Gewalt im arabischen Sektor war unter dem früheren Premierminister Benjamin Netanyahu eine Top-Priorität. Entsprechend plante die Regierung rund eine Milliarde Schekel (rund 266 Millionen Euro) ein, um die Gewalt in der Gemeinschaft einzudämmen. Als damaliger Leiter des Knessetausschusses für Inneres und Umweltfragen hielt der Likud-Abgeordnete David Amsalem fieberhaft Diskussionen zum Thema, um Barrieren für Fortschritte zu beseitigen. Mit Unterstützung des damaligen israelischen Polizeichefs Roni Alscheik, dem ehemaligen Minister für öffentliche Sicherheit und dem aktuellen UNO-Botschafter Gilad Erdan wurde der erste arabische Muslim zum stellvertretenden Chef der israelischen Polizei, Jamal Hakrusch, damit beauftragt den Polizeidienst in arabischen Gemeinden zu verbessern. Dafür wurde das System eingebunden, Ernennungen gemacht und Ressourcen sowie Gelder wurden zugeteilt, weil arabisches Leben wichtig ist und ihrer Vernachlässigung ein Ende gesetzt werden musste.

Was die Morde angeht, so haben sie nicht aufgehört. Gelder reichen nicht aus, um dieser Herausforderung zu begegnen. Das erfordert die Anwerbung der arabischen Gemeinschaft und ihrer Führung. Wo sind die gewählten Vertreter der arabischen Öffentlichkeit? Ihre Anwesenheit bei Treffen des Ausschusses für Inneres und Umwelt, der versucht alles in seiner Macht zu tun um Lösungen voranzubringen, war minimal und beleidigend. 2018 verabschiedete die Knesset ein Gesetz, das die Einrichtung von Polizeiwachen in einer Stadt gestattet, auch wenn der jeweilige Stadtrat dagegen ist. Dieses Gesetz zielte darauf ab die Einrichtung von Polizeiwachen in arabischen Städten und Dörfern zu fördern. Die einzigen Leute, die gegen das Gesetz stimmten, waren Abgeordnete der Gemeinsamen Arabischen Liste und der Meretz. Warum?

„Ich bin überrascht, dass dieselben Vertreter der Öffentlichkeit, die aufstanden und brüllten, die Polizei in den [arabischen] Dörfern sei schwach und unternehme nichts und die sagten, wir brauchen Polizei, plötzlich gegen Polizeiwachen in Dörfern waren“, sagte Hakrusch bei einem Treffen des Komitees. Hier liegt das Problem: Arabische Vertreter und Meinungsführer sind Experten darin dem Staat Vorwürfe zu machen, aber im Moment der Wahrheit sind sie diejenigen, die Hindernisse für den Fortschritt darstellen. Ayman Odeh, Vorsitzender der Gemeinsamen Arabischen Liste, ist ein ausgezeichneter Redner und Twitterer, der an der  Seite trauernder Mütter marschiert, deren Söhne getötet wurden. Aber welche Anstrengungen hat er in seinem eigenen Sektor unernommen? Hat seine Partei die arabische Öffentlichkeit ermutigt mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten?

Als die sechs aus dem Gilbora-Gefängnis ausgebrochenen Sicherheitshäftlinge wieder eingefangen waren, wurde uns gesagt: „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.“ Fragen sie sich: Warum wird dieselbe Anstrengung nicht unternommen, um die Gewalt in der arabischen Gesellschaft zu stoppen? Die Antwort: Um die Geflohenen zu fangen nutzte der Staat Israel eine eiserne Hand, zu der der Geheimdienst Shin Bet sowie Sondereinheiten der Polizei und IDF-Einheiten gehörten. Jetzt stellen Sie sich vor, dieselben Anstrengungen würden morgen im arabischen Sektor gemacht. Würden dieselben Leute das willkommen heißen oder würden sie sich beschweren, sie seien Bürger zweiter Klasse? Würden sie dem Shin Bet und der Polizei bei ihren Anstrengungen helfen oder würden sie gegen „Polizeigewalt“ protestieren?

Sie entscheiden sich für die einfache Lösung und spielen das Opfer. Sie führen eine Online-Kampagne amerikanischen Stils, die keine Veränderung bringen wird, weil die Morde genauso weiter gehen. Solange sie den Staat als ihren Feind betrachten und es ablehnen zu kooperieren, wird das Blutvergießen weitergehen. Wenn arabisches Leben wichtig ist, was sind sie bereit zu tun um die Gewalt zu stoppen?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.