Hamas interessiert das Wohlergehen der Palästinenser nicht

Hugh Fitzgerald, Jihad Watch, 5. September 2021

Die Gleichgültigkeit der Hamas gegenüber dem Wohlergehen derer, die zu repräsentieren und sich um sie zu kümmern sie behauptet – die Palästinenser – ist durchaus bekannt. Immerhin ist der Modus operandi der Terrorgruppe so gestaltet, dass er die palästinensischen Zivilisten maximal in Gefahr bringt. Im Gazastreifen versteckt die Hamas ihr gewaltiges Waffenarsenal in Wohnhäusern, Schulen, Krankenhäusern; sie bringt ihre Kommando- und Kontrollzentren in Hochhäusern unter; sie schießt ihre Raketen aus denselben zivilen Gebäude oder aus ihrer Nähe nach Israel – Wohnhäuser, Schulen, Krankenhäuser. Wenn Israel dann auf eine Salve Hamas-Raketen reagiert, muss es notwendigerweise auf diese Stellen schießen, von denen aus sie die Raketen abschießen, wo diese Waffen gelagert werden, in denen die höheren Kommandeure der Hamas sich verstecken, ihre Plane schmieden. Die IDF unternimmt große Anstrengungen die Zivilisten vor bevorstehenden Angriffen zu warnen. Sie nutzt Flugblätter, Telefonanrufe, E-Mails und ihre „auf dem Dach anklopfen“-Technik, alles, um die Zahl ziviler Opfer zu minimieren. Die Hamas hofft natürlich auf das Gegenteil; sie will, dass mehr palästinensische Zivilisten getötet werden; solche Tote lassen den jüdischen Staat schlecht aussehen und für die Hamas zählt einzig das, nicht das Wohlergehen dieser Zivilisten.

Ein Bericht über die aktuellsten Beweise der Abgebrühtheit der Hamas – und des PIJ – gegenüber den Palästinensern ist hier: „Die wirkliche Sorge der Hamas und des Islamischen Jihad um die Palästinenser nach Treffen zwischen Gantz und Abbas entlarvt“ von Rachel O’Donogue, The Algemeiner, 2. September 2021:

Sollte es noch Bedarf an irgendwelchen Beweisen gegeben haben, dass sich die Hamas-Herrscher des Gazastreifens der Vernichtung Israel verpflichtet haben – und sich nicht um die Verbesserung der Lebensbedingungen der Palästinenser kümmern (siehe z.B. hier und hier) – so kam der jüngste Beleg in einer Äußerung, die nach dem Treffen des israelischen Verteidigungsministers Benny Gantz und PA-Präsident Mahmud Abbas vom 29. August veröffentlicht wurde.

Über das Tete-a-tete zwischen Gantz und Abbas wurde weithin berichtet; es gipfelte in einer offenkundigen Vereinbarung zu wirtschaftlichen Maßnahmen, die den Palästinensern in der Westbank helfen sollen; dazu gehörte ein Kredit von 500 Millionen Schekeln (€133m Millionen) gegen Steuern und Zölle, die Jerusalem für die PA sammelt und an sie überweist – die aber gemäß eines israelischen Gesetzes, das gegen Ramallahs „Geld für Mord“-Politik zurückgehalten werden, mit der monatliche „Gehälter“ an Terroristen und ihre Familien gezahlt werden.

Es gab auch eine Vereinbarung über eine Initiative, die weiteren 16.000 Palästinensern das Recht gibt in Israel zu arbeiten, sowie die Genehmigung palästinensischer Bauprojekte in Area C der Westbank.

Sowohl der €133 Millionen-Kredit, den Israel der PA zu geben zugestimmt hat, wie auch das Angebot des jüdischen Staats, weitere 16.000 Palästinenser – sowohl aus der Westbank als auch dem Gazastreifen – in Israel arbeiten zu lassen, werden die Verhältnisse der verzweifelten Palästinenser im Gazastreifen verbessern.

Hamas-Sprecher Abd al-Latif al-Qanou beschrieb das Treffen zwischen Gantz und Abbas als einen „Stich in den Rücken des palästinensischen Volks und was es geopfert hat“, und fügte hinzu, das sei ein „Verrat am Blut der Märtyrer“.

Offenbar ist es ein „Stich in den Rücken des palästinensischen Volks“ in der Lage zu sein, 16.000 weiteren Palästinensern Arbeit in Israel zu bieten. Es ist ein „Stich in den Rücken“, dass Mahmud Abbas einen dringend benötigten Kredit von €133 Millionen von Israel annimmt. Es ist zweifellos ein „Stich in den Rücken“ seitens der PA, wenn sie hilft Israel zu überzeugen die palästinensischen Fischern zur Verfügung stehende Fischereizone auf 15 Seemeilen zu erweitern und mehr Waren in den Gazastreifen einführen zu lassen, darunter einige Dual-Use-Produkte wie Zement. Die meisten Palästinenser würden solche „Stiche in den Rücken“ willkommen heißen.

Ein weiterer Sprecher für die von den USA als Terrororganisation eingestufte Gruppe beschuldigte Abbas der „Ermutigung arabischer Länder die Beziehungen zu Israel zu normalisieren“. Diese Verurteilung ist köstlich, bedenkt man, dass PA-Vertreter mehrere arabische Staaten heruntermachten, als sie vor kurzem unter dem Patronat der Abraham-Vereinbarungen diplomatische Beziehungen zum jüdischen Staat aufnahmen.

Abbas und seine Kumpane in der PA haben die Abraham-Vereinbarungen nie gefördert, mit denen vier arabische Staaten sich entschlossen in Verfolgung ihrer nationalen Interessen die Beziehungen zu Israel zu normalisieren. Die PA hat sie durchweg angegriffen, was die Hamas durchaus weiß. Die Terrororganisation hofft ihr Publikum habe vergessen, was die PA schon immer über die Vereinbarungen gesagt hat. Auf jeden Fall weiß die Hamas, dass es nicht schadet die Wahrheit falsch darzustellen – heißt: zu lügen. Sie hat das seit ihrer Gründung 1987 mit großem Erfolg bereits gemacht.

In Anlehnung an die Gefühle der Hamas krähte Tariq Silmi, ein Vertreter des Palästinensische Islamische Jihad: „Das Blut der von der Armee auf Gantz‘ Befehl getöteten Kinder ist noch nicht getrocknet, als sich Präsident Abbas mit ihm in Ramallah trifft.“

Das Treffen von Gantz und Abbas in Ramallah war für die PA eindeutig ein Nettogewinn. Abbas kam mit einem großen Kredit von €133 Millionen für die PA dort raus, dazu mit Genehmigungen, dass 16.000 weitere Palästinenser in Israel arbeiten dürfen. Und kurz nach diesem Treffen und in seinem Geist kündigte Israel an, es werde die Fischereizone für Gazas Fischer – auf 15 Seemeilen – vergrößern, dazu soll weiteren Güter in den Gazastreifen über den von Israel kontrollierten Übergang Kerem Schalom importiert werden dürfen, darunter „Dual-Use“-Zement.

Nach allen dreien bisherigen Konflikten zwischen Hamas und Israel wurden der Hamas Hilfsgelder zur Reparatur der Schäden geschickt. Einiges von diesen Hilfsgeldern haben Hamas-Führer sich selbst eingesteckt (nur zwei von ihnen, Khaled Meschaal und Mousa Abu Marzouk, haben es geschafft Vermögen von mindestens $2,5 Milliarden anzuhäufen), einiges von den Hilfsgeldern floss in den Wiederaufbau der Waffenlieferungen der Hamas und um zu helfen das Netzwerk an Terrortunneln aufzubauen. Der Rest ging dann in den „Wiederaufbau“. Israel war entschlossen, dass diesmal die von Qatar angebotenen Hilfsgelder – $10 Millionen jeden Monat – nicht an die Hamas ging, sondern stattdessen direkt den 100.000 ärmsten Familien im Gazastreifen zugänglich gemacht, die Terrororganisation übergangen würde. Israel kümmert sich um das Wohlergehen der Palästinenser im Gazastreifen; die Hamas, der es in den Fingern kribbel die gesamten qatarischen Hilfsgelder in die Hände zu bekommen – Geld, das Israel zu sammeln half – tut das nicht.

Für die Hamas ist das ein Hafen im Sturm. Der 52. Jahrestag des Anschlags auf die Al-Aqsa durch einen geistesgestörten Australier wird so gut wie alles andere als Ausrede dienen, um Krawalle von Palästinensern an Israels Sicherheitszaun zu schüren. Und sobald die Krawalle im August begannen, sind sie allabendlich von der Hamas fortgesetzt worden und zum Zeitpunkt dieses Artikels gab es keine Anzeichen, dass das aufhört.

Die Hamas nahm Mitte August ihren früheren „Großer Rückkehr-Marsch“ (von 2018/19) wieder auf, bei dem tausende Palästinenser jeden Freitag so nahe wie möglich an Israels Sicherheitszaun marschierten und versuchten in zu durchbrechen. Die Hamas hat jetzt die Palästinenser nicht wöchentlich geschickt, sondern jeden Abend, um nahe an den Zaun zu gehen und, einmal dort, Felsbrocken und Molotowcocktails auf die israelischen Soldaten auf der anderen Seite zu werfen; in einem Fall schoss ein Palästinenser mit einer Pistole aus kürzester Distanz auf einen Grenzpolizisten, der inzwischen deswegen starb. Israel setzt Tränengas, Gummigeschosse und Blendgranaten ein, um die Randalierer vom Durchbrechen des Grenzzauns abzuhalten; es wird nur in den gefährlichsten Situationen mit scharfer Munition schießen und versucht dann auf die Beine derer zu zielen, die es aufhalten will. Israel will schwere Verletzungen und Tote bei palästinensischen Zivilisten minimieren.

Die Hamas andererseits will, dass mehr von diesen Demonstranten verletzt oder getötet werden. Sie stellt auch sicher, dass Kinder in Dienst genommen werden, man sie an die Spitze der Marschierer oder in ihrer Nähe platziert, damit eine größere Chance besteht, dass sie verletzt werden. Wen in der Hamas kümmert es schon, wenn einige dieser Demonstranten verletzt werden oder ihnen schlimmeres zustößt? Die Hamas findet Wohlgefallen daran, wenn Demonstranten schwer verletzt oder getötet werden; das bietet mehr Munition für die Propagandamühlen der Terrororganisation.

Wäre die Hamas wirklich am Wohlergehen der Palästinenser im Gazastreifen interessiert, dann würde sie aufhören ihre Waffen in, unter oder in der Nähe von Wohnhäusern, Schulen, Krankenhäusern und Hochhäusern im Streifen zu verstecken. Sie würde keine Raketen auf Israel aus, von unter oder aus der Nähe derselben Wohnhäuser, Schulen, Krankenhäuser und Hochhäuser schießen. Sie würde palästinensische Zivilisten nicht den Gefahren israelischer Vergeltungsschläge aussetzen, womit sie sie gezielt Gefahren aussetzen und dazu ermutigen den Versuch zu unternehmen den Zaun zu durchbrechen. Seit 2018 sind 36.000 palästinensische Demonstranten – die meisten sehr leicht – am oder nahe des Sicherheitszauns verletzt worden, weil solche Verletzungen trotz Israels größter Bemühungen weniger schädliche Mittel (Tränengas, Gummigeschosse, Blendgranaten) einzusetzen, um die Demonstranten aufzuhalten, unvermeidbar sind. Tränengas und die Behälter, in denen es sich befindet, können Verletzungen verursachen, ebenso Gummigeschosse – obwohl daraus selten ernste Verletzungen entstehen.

Israel hat trotz jeder vorstellbaren Provokation seitens der Hamas sein Möglichstes getan, um das Leben der Palästinenser in der Westbank wie dem Gazastreifen weniger beschwerlich zu machen. Das ist der Grund, weshalb Verteidigungsminister Benny Gantz Mahmud Abbas den €133 Millionen-Kredit und Arbeitsgenehmigungen für weitere 16.000 Palästinenser in Israel versprach. Es ist der Grund, dass Israel die für Fischer des Gazastreifens zugängliche Zone erweiterte und beschloss mehr Waren in den Gazastreifen zu lassen, von denen einige sogar „Dual-Use“ sind. Die Hamas hingegen begann einen Krieg mit Israel, den vierten in einer Serie, nur um zu zeigen, dass sie – und nicht die PA – der wahre „Widerstand“ gegen den jüdischen Staat ist. Wie die vorherigen drei Kriege endete auch dieser damit, dass ein großer Teil der Infrastruktur des Gazastreifens in Trümmern lag. Warum sollte die Hamas das kümmern? Sie erklärte, sie habe gesiegt und wartet auf das Geld, das hereinfließt. Nur wird die Hilfe – aus Qatar, dem einzigen arabischen Staat, der bereit ist die Palästinenser zu finanzieren – diesmal die Hamas umgehen und direkt an die beabsichtigten Empfänger gehen, die am stärksten verarmten Menschen im Gazastreifen. Das wurde gemacht, weil Israel darauf bestand, dem – anders als der Hamas – tatsächlich etwas am Wohlergehen der Palästinenser liegt.