Gedenken an die Schlacht von Lepanto

Eine große Schlacht in einem Krieg der noch nicht zu Ende ist

Clifford May, The Washington Times, 13. Oktober 2021

Am 7. Oktober war der 450. Jahrestag der Schlacht von Lepanto. Warum sollte uns das überhaupt kratzen? Weil es ein Schlüsselkonflikt in einem Krieg war, der noch nicht geendet hat, einem Krieg, in dem die USA gerade eine bedeutende Schlacht verloren. Vielleicht sollte ich das untermauern.

Im 7. Jahrhundert strömten islamische Armeen aus Arabien hinaus und begannen zu erobern und zu kolonisieren. Furchtlose Truppen marschierten westwärts durch Nordafrika und nach Spanien hinein. Sie wagten sich ostwärts durch Zentralasien und tief nach Indien hinein.

Im Verlauf der folgenden Jahrhunderte tobte immer wieder Krieg – es gab mehr Toben als Ruhe. Dann eroberten 1453 die Armeen des Osmanischen Reichs und islamischen Kalifats Konstantinopel, die christliche Hauptstadt von Byzanz, das auch Oströmisches Reich genannt wurde. (Das weströmische Reich war ein Jahrtausend zuvor gefallen.)

Weniger als ein Jahrhundert später, 1529, versuchten islamische Streitkräfte Wien zu erobern. Ihr Scheitern, schrieb der Historiker Bernard Lewis, „wurde von beiden Seiten als Aufschub betrachtet, nicht als Niederlage; das eröffnete einen langen Kampf um die Herrschaft im Herzen Europas.“

Die Osmanen wandten ihre Aufmerksamkeit bald dem östlichen Mittelmeer zu. Um sich zu verteidigen verbündeten sich Venedig und mehrere andere italienische Stadtstaaten mit dem habsburgischen Spanien und bildeten das, was als die Heilige Liga bekannt wurde.

Am 7. Oktober 1571 fand vor dem südwestlichen Griechenland, nahe der Stadt Lepanto eine der größten Seeschlachten aller Zeiten statt. Die Decks der Rudergaleeren wurden zu brennenden Schlachtfeldern. Das Blut zehntausender christlicher und muslimischer Krieger färbte das Meer rot.

Obwohl die Osmanen zahlenmäßig überlegen waren, obsiegte die Heilige Liga. Zu den Früchten des Sieges gehörte die Befreiung von 15.000 christlichen Sklaven.

Prof. Lewis schrieb: „Die gesamte Christenheit bejubelte diesen Sieg. … Die türkischen Archive bewahren den Bericht von Kapudan Pascha auf, dem Oberkommandierenden der Flotte, dessen Bericht von der Schlacht von Lepanto nur zwei Zeilen lang ist: ‚Die Flotte des göttlich geführten Reichs begegnete der Flotte der verdammten Ungläubigen und der Wille Allahs wandte sich ab.‘“

Trotz dieses Rückschlags, fügte Prof. Lewis hinzu, waren die osmanischen Paschas im 17. Jahrhundert „Herrscher in Budapest und Belgrad und Berber-Korsaren aus Nordafrika überfielen die Küsten Englands und Irlands und sogar – 1627 – Islands, von wo wie menschliche Kriegsbeute zum Verkauf auf den Sklavenmärkten von Algier mitbrachten.“

Ein paar Jahrzehnte später versuchte erneut eine gewaltige islamische Armee Wien zu erobern. Im Juli 1683 begann eine furchtbare Belagerung. Aber im September kam die Heilige Liga zur Rettung. Jan Sobieski, der König von Polen, führte 20.000 Berittene im größten Kavallerieangriff der Geschichte an und vertrieb die Invasoren von den Toren Wiens.

Prof. Lewis zitiert einen freimütigen muslimischen Chronisten: „Dies war eine verhängnisvolle Niederlage, so groß, dass es nie eine gleichartige seit dem ersten Erschienen des osmanischen Staates gegeben hat.“ In der muslimischen Welt gibt es allgemeine Übereinstimmung, dass diese Niederlage am 11. September stattfand.

Sprung ins 20. Jahrhundert: Das Osmanische Reich und das Kalifat stellte sich in dem, was wir heute den Ersten Weltkrieg nennen, an die Seite Deutschlands. Die Niederlage hatte den Zusammenbruch und die Auflösung des Kalifats durch Mustafa Kemal Atatürk zur Folge; Atatürk war der säkularistische Vater der modernen Türkei. Die siegreichen Briten und Franzosen beschlagnahmten osmanischen Besitz, darunter die Ländereien, die in die Nationalstaaten umgewandelt wurden, die wir heute als Irak, Syrien, Libanon, Jordanien und Israel kennen.

Ich habe nur ein paar der vielen bedeutenden Zusammenstöße von islamischen und christlichen Reichen zusammengefasst. Der Punkt, den ich zu vermitteln versuche: Während drei amerikanische Präsidenten nacheinander überzeugt wurden, dass ein paar Jahrzehnte Konflikt geringer Intensität auf einen unhaltbaren und nicht zu tolerierenden „endlosen“ und „ewigen“ Krieg hinauslaufen, sind diejenigen, die sich selbst als Jihadisten erklären, nie so leicht entmutigt worden.

Die Führer der Taliban, von Al-Qaida, des Islamischen Staats, der Muslimbruderschaft, der Islamischen Republik Iran, Hisbollah und Hamas haben keine identischen Ideologien. Genauso wäre es falsch sie als Neo-Osmanen zu betrachten – eine Bezeichnung, die einigermaßen gerechtfertigt auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan angewendet worden ist.

Aber sie haben die Überzeugung gemeinsam, dass sie „göttlich geleitet“ sind Heiligen Krieg zu führen, die Macht des Islam, Überlegenheit und Dominanz wieder herzustellen, die ihm gebühren – so viele Jahrzehnte oder Jahrhunderte das auch erfordern mag. Vergeltung gegen Muslime, die es ablehnen sich zu unterwerfen, steht ebenfalls auf ihrer To-do-Liste.

Bei einer Aussage vor dem Kongress hielt Thomas Joscelyn, ein Senior Fellow am FDD und Senior Editor des Long War Journal des FDD fest, dass Amyan al-Zawahiri, der seit Osama bin Ladens Tod Al-Qaida führt, „das ‚gesegnete Emirat‘ der Taliban als das ‚Herzstück‘ oder den ‚Kern‘ der jihadistischen Bemühung zur ‚Wiederherstellung ihres Kalifats gemäß der prophetischen Methodik‘ beschrieb“.

Er beobachtete auch: „Die Wiederherstellung des Islamischen Emirats der Taliban, das während der von den USA angeführten Invasion Ende 2001 entthront wurde, ist ein Segen für die globale Jihadisten-Bewegung. … Die Interaktionen des Islamischen Emirats Afghanistan mit anderen Staaten und internationalen Institutionen werden weiterhin als Modell für Jihadisten rund um die Welt dienen.“

Amerikaner und Europäer sollten das bedenken, bevor sie die Taliban in die Vereinten Nationen setzen und Wirtschaftshilfe bieten.

Ein zweiter Punkt, den Sie hoffentlich mitnehmen: Diejenigen, die argumentieren, dass „endlose Kriege“ damit beendet werden können, dass man die Bekämpfung von Feinden einstellt, die nicht aufgehört haben uns zu bekämpfen, ermutigen diese Feinde nur und spornen sie an. Das trifft nicht nur auf die modernen Jihadisten zu, sondern auch auf die Imperiumsbauer in Beijing, Moskau und Pyöngyang.

Isolationismus und Appeasement als „Zurückhaltung“ und „verantwortliche Staatskunst“ zu bezeichnen macht sie nicht dazu, genauso wenig wie ein Etikett Chateau Mouton Rothschild auf eine Flasche Schierling zu kleben Gift zu Wein macht. In Afghanistan nahmen einen großen Schluck davon. Wer mit der Geschichte vertraut ist, wird es sich dreimal überlegen, bevor sie weiter davon trinken.