Das Saladin-Paradigma: In islamischen Terroristen das „Gute“ finden

Raymond Ibrahim, 10. Oktober 2021

Imam Irafan Chischti, Berater der britischen Regierung zu „Terrorabwehr“

Ein „moderater“ muslimischer Kleriker und Berater für Terrorbekämpfung der britischen Regierung wurde vor kurzem auf Film erwischt, wie er Israel als „Terroristenstaat“ bezeichnete und „Märtyrer“ – Jihadisten-Code für Selbstmordbomber – pries.

Während seiner Rede erzählte Imam Irafan Chischti der Menge: „Wenn sie ‚Mudschaheddin‘, heilige Kriege, werden wollten, dann sollten sie dem muslimischen General Saladin nacheifern, der die Kreuzritter 1187 aus Palästina vertrieb.“ Dann jammerte er: „Wo ist der moderne Saladin?“

Die Wahl Saladins ist insofern interessant, als er auf viele Weisen sinnbildlich für den palästinensischen Terrorismus steht: Weithin, besonders im Westen, wird er zwar als Freiheitskämpfer und Befreier betrachtet, aber der Sultan war in Wirklichkeit ein Terrorist der Sorte ISIS.

Bedenken Sie kurz einige Tatsachen zu dieser historischen Persönlichkeit, die ansonsten sowohl in der muslimischen wie in der westlichen Welt gelobt wird. Nach Angaben seines Biografen Baha‘ al-Din, liebte Saladin es Koran-Vorträge zu hören, betete pünktlich und „hasste Philosophen, Häretiker und Materialisten sowie alle Gegner der Scharia“ (eine passende Beschreibung all der westlichen Apologeten, die ihn aktuell rühmen).

Nachdem er die Kreuzritter 1187 in der Schlacht von Hattin besiegte, ließ Saladin, statt Lösegeld für sie zu fordern oder sie zu versklaven, wie es damals üblich war, die Krieger-Mönche der Militärorden der Templer und Malteser vor sich in einer Szene abschlagen, die seit langem die propagandistischen Hinrichtungsvideos von ISIS inspiriert.[*] Dann ließ er das Wahre Kreuz, die kostbarste Reliquie der Christenheit, ergreifen und paradierte sie auf den Kopf gestellt in Dreck und Mist zu muslimischen Jubelschreien und Gespucke umher.

Natürlich könnte es Saladins westliche Apologeten nicht weniger egal sein; immerhin hatten es die Kreuzritter „nicht anders verdient“. Außerdem werden alle Kriege – auch Saladins „Befreiungs“-Krieg – schmutzig.

Was soll man dann mit der Tatsache anfangen, dass er Ägyptens indigene Christen, die Kopten stark verfolgte – darunter durch Kreuzigung und Aufhängen vieler tausender von ihnen und routinemäßig die Kreuze abzubrechen und ihre Kirchen zu teeren – obwohl die Kopten, die Saladin als „den Unterdrücker der Kreuzesanbeter“ bezeichnen, nichts mit den Franken oder den Kreuzrittern zu tun hatten? (s. A Sword Over the Nile, S. 127, 131, 141 und 142).

Fakt ist, dass Saladin einen virulenten Hass auf das Christentum hatte – die Art, wie ISIS und Ihresgleichen ihn zum Ausdruck bringen – der über diesen Konflikt mit den Kreuzrittern weit hinaus ging. Saladins Ruhestandswunsch war es darüber hinaus, so sein muslimischer Biograph, in das christliche Europa einzumarschieren und Jihad gegen es zu führen, „bis auf dem Angesicht dieser Erde nicht ein einziger der nicht an Allah Gläubigen übrig ist oder dass ich bei dem Versuch sterben werde“.

Nichts davon hat westliche Historiker davon abgehalten Saladin als Tugend-Vorbild hinzustellen – eines, von dem der Westen lernen kann. So die angesehene amerikanische Historikerin Dana Carleton Munro,

Wenn wir dies [die Eroberung Jerusalem durch die Kreuzfahrer 1099] mit dem Verhalten Saladins vergleichen, als er 1187 Jerusalem von den Christen eroberte, dann haben wir einen auffallenden Unterschied zwischen den beiden Zivilisationen und erkennen, was die Christen durch den Kontakt mit den Sarazenen [Muslimen] im Heiligen Land lernen können.

Beachten Sie die Verwendung des Präsens: „lernen können“. Saladin – für ISIS und militante Terroristen in aller Welt ein Held – wird im Westen als Beispiel hochgehalten, von dem „intolerante“ Christens heute lernen müssen.

In Wirklichkeit sieht die Folge von Saladins Eroberung Jerusalems 1187 einmal mehr wie etwas aus, das direkt aus dem Manuskript von ISIS kommt. Obwohl er vielen Christen erlaubte sich loszukaufen, befahl Saladin auch, dass rund 15.000 Christen in die Sklaverei verkauft wurden. „Frauen und Kinder zusammen kamen auf 8.000 und wurden schnell unter uns aufgeteilt, was Muslimen angesichts ihrer Klagen ein Lächeln brachte“, schrieb Mohammed al-Isfahani, einer der Vertrauten Saladins, der bei Jerusalems Kapitulation anwesend war, bevor er eine sadomasochistische Tirade begann, mit der die sexuelle Erniedrigung europäischer Frauen durch muslimische Männer gerühmt wird:

Wie viele gut bewachte Frauen wurden entweiht … und mickrige Frauen gezwungen sich auszuliefern und Frauen, die versteckt worden waren [Nonnen] ihrer Sittsamkeit entkleidet … und freie Frauen besetzt [heißt: „penetriert“] und edle für harte Arbeit genutzt und schöne Dinge ausgetestet und Jungfrauen entehrt und stolze Frauen entjungfert … und fröhliche zum Weinen gebracht! Wie viele [muslimische] Edelmänner nahmen sie als Konkubinen, wie viele leidenschaftliche Männer entflammten für sie und Junggesellen wurden von ihnen befriedigt und durstige Männer von ihnen gesättigt und unruhige Männer waren in der Lage sich leidenschaftlich an ihnen auszutoben.

Das ist also die wahre Geschichte Saladins. Wie gesehen interessiert allerdings keiner dieser ISIS-artigen Aspekte die vielen westlichen Historiker, die sich dem Reinwaschen des vormodernen Islam verschrieben haben; stattdessen konzentrieren sie sich auf den einzelnen Aspekt seiner Karriere und heben ihn hervor, den man positiv erscheinen lassen kann – dass er Jerusalem von den Kreuzritter“-Besatzern“ „befreite“, dass er ein muslimischer Verteidiger gegen christliche Übeltäter war.

Interessanterweise wird genau dieses Muster von diesen vielen westlichen Kommentaren des Reinwaschens des modernen Islam dupliziert. Damit konzentrieren westliche Apologeten, obwohl islamische Terrororganisationen wie die Hamas und die Hisbollah die Weltanschauung von ISIS teilen, auf den einen Aspekt ihres Tuns und heben ihn hervor, mit dem man ihn positiv erscheinen lassen kann – dass sie einen „Befreiungs“-Krieg gegen die „zionistischen Besatzer“ führen, dass sie die muslimischen Verteidiger gegen jüdische Übeltäter sind.

Auf jeden Fall kann man so verstehen, warum alles war, was Imam Irfan Chischti tun musste, sich „entschuldigen“, um wieder in seinen hoch bezahlten Job als „Terrorbekämpfungs“-Experte in Großbritannien eingesetzt zu werden: „Manche meiner Worte spiegeln eine klare Fehleinschätzung, in der Hitze des Moments“, sagte er, „und spiegeln nicht meine Gefühle oder die Gefühle des Publikums. Ich erkenne heute an, dass meine schlecht gewählten Worte die jüdische Gemeinschaft vor den Kopf gestoßen haben und biete meine tiefste Entschuldigung an.“

Natürlich gehören all diese „schlecht gewählten Worten“, die er zurücknehmen würde, sicherlich nicht die über Saladin; denn nur wenige im Westen wissen, wer der wahre Saladin war oder was das „Saladin-Paradigma“ ist: Der westliche Hang einen edlen Aspekt von Muslimen zu finden, abzuleiten und zu verbessern, die ansonsten islamische Terroristen wären – ein Paradigma, das heute noch gesund und munter ist.


[*] Nachdem er prahlte: „Ich werde das Land von diesen zwei unreinen Rassen [Templer und Malteser] reinigen“, befahl Saladin „das ssie geköpft werden sollten, weil er beschloss sie lieber tot als eingesperrt zu ahben“, schreibt der Augenzeuge Baha‘ al-Din: „Bei ihm befand sich eine ganze Gruppe Gelehrter und Sufis und eine bestimmte Anzahl frommer Männer und Asketen; jeder bettelte darum, dass es ihm erlaubt werde einen von ihnen zu töten und zog sein Krummschwert und rollte die Ärmel auf. Saladin, mit Freude im Gesicht, saß auf seinem Podium; die Ungläubigen zeigten völlige Verzweiflung, die Truppen wurden in ihren Reihen aufgestellt, die Emire standen in Zweierreihe. Es gab einige, die sauber schlugen und schnitten und ihnen wurde dafür gedankt.“ Nachdem  er sagte, dass einige dieser Möchtegern-Henker nicht die Traute hatten das rituelle Gemetzel fortzusetzen, konzentrierte sich Baha‘ al-Din auf einen, der „Unglauben tötete, um dem Islam Leben zu geben“: „Ich sah dort den Mann, der verächtlich lachte und metzelte, der redete und handelte, wie viele Versprechen er erfüllte, wie viel Lob er erntete, die ewigen Belohnungen, die er sich mit dem von ihm vergossenen Blut sicherte, die fromme Arbeit, die er seinem Konto mit einem vom ihm abgetrennten Hals hinzufügte.“ (Gabrieli, S. 138/139)