Empfang für den Man in Black: Johnny Cash in Israel

Die Entdeckung einer Handvoll vergessener Fotos eines Besuchs aus dem Jahr 1971 brachte uns dazu einen Rückblick auf Johnny Cashs Langzeit-Liebesaffäre mit dem Land Israel zu werfen, zu der fünf Reisen ins Land gehörten.

Shai Ben-Ari, the Librarians, 7. Oktober 2021

Johnny Cash im Gespräch mit einem Gast bei einem Empfang zu seinen Ehren in Jerusalem, November 1971. Foto: IPPA-Mitarbeiter, Sammlung Dan Hadari, Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.
From the top of Sinai
To the Sea of Galilee
Every hill and plain is home
Every place is dear to me
Von der Spitze des Sinai,
Zum Meer von Galiläa,
ist jeder Hügel und Ebene zu Hause,
ist mir jeder Ort lieb.
There the breezes tell the stories
Oh, what stories they do tell
Of the mighty things that happened
In the Land of Israel
Dort erzählen die Brisen die Geschichten,
Oh, welche Geschichten erzählen sie,
Von den mächtigen Dingen, die passiert sind,
Im Lande Israel
Aus „The Land of Israel“ von Johnny Cash (ganzer Text)

Ein großzügiger Speisesaal, Eingeladene in ihrer besten Kleidung, eine voll gefüllte Bar und natürlich eine Handvoll emsiger Reporter, die sich um den Ehrengast drängen – niemand anderen als den führenden Star der Country-Musik, den Man in Black höchstselbst: Johnny Cash.

Der Empfang für Johnny Cash in Jerusalem im November 1971. Fotos: IPPA-Mitarbeiter, Sammlung Dan Hadari, Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Diese Fotos, die eine Veranstaltung dokumentieren, die im November 1971 in Jerusalem stattfand, erwischten uns unvorbereitet. Sie sind Teil unserer Dan Hadarni-Sammlung in der Nationalbibliothek Israels, zu der deutlich mehr als fünfzigtausend Fotografien gehören. Die Bilder waren uns bis vor kurzem entgangen, als unser Manager für soziale Medien, der eigentlich nach einem Foto des israelischen Popstars Svika Pick suchte, ein Bild dieses Sängers fand, das ihn auf einer Party zeigte, die in Jerusalem für den internationalen Superstar Johnny Cash veranstaltet wurde.

Israels Popstar Svika Pick kommt beim Empfang für Johnny Cash an. Fotos: IPPA-Mitarbeiter, Sammlung Dan Hadari, Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Aber was machte Cash – ein amerikanischer Kult-Sänger und -Musiker mitten in seinem triumphalen beruflichen Comeback – 1971 in Israel?

Es stellte sich heraus, dass dies schon sein dritter Besuch war. Das erste Mal kam er 1966 zu einer religiösen Pilgerreise, besuchte christliche Orte im ganzen Land. Cash war so beeindruckt, dass er 1968 erneut kam, begleitet von seiner neuen Ehefrau June Carter Cash. Seine zweite Reise inspirierte eine ganz Schallplatte, „The Holy Land“, das im Jahr darauf veröffentlicht wurde. Die Platte enthielt Lieder mit Titeln wie „Land of Israel“, „The Ten Commandments“ [die Zehn Gebote] und „Come to the Wailing Wall“ [Komm zur Klagemauer].

„The Holy Land“ ist ein Konzeptalbum mit christlichen Themen. Es beinhaltet zwischen den Liedern Einspielungen von Live-Audioaufzeichnungen an verschiedenen Orten aus ganz Israel: unter anderem von einem Markt in Nazareth, einem Hotel in Tiberias am Ufer des Sees Genezareth sowie der Grabeskirche und der Klagemauer in Jerusalem. In diesen gesprochenen Abschnitten beschreiben Johnny und June in Echtzeit, was sie um sich herum sehen, wobei die umgebenden Geräusche und das hebräische Gerede im Hintergrund deutlich zu hören sind, dazu gelegentliche ein Reiseleiter, der die religiöse Szenerie erläutert.

„Land of Israel“ von Johnny Cash aus seinem Album „The Holy Land“ von 1969:

Diese frühen Besuche hatten einen deutlichen Einfluss auf den Sänger genommen. Cashs nächste Platte, „Johnny Cash in San Quentin“, eine Liveaufnahme vor einem Publikum aus Häftlingen in einem berüchtigten Gefängnis in Kalifornien, war eine der bestverkauften seiner Karriere. Zu dieser Platte gehört ein Abschnitt, in dem Cash von seinen Erfahrungen in Israel ein Jahr zuvor spricht, bevor er den Song: „He Turned the Water into Wine“ [Er machte Wasser zu Wein] ankündigt, das „im Auto auf dem Weg nach Tiberias“ geschrieben wurde.

Johnny Cash erinnert sich während seines berühmten Konzerts im Staatsgefängnis San Quentin an seinen Besuch in Israel:

Es sollte nicht lange dauern, bis Johnny und June wiederkamen, zu dem erwähnten Besuch 1971. Während die vorigen Besuche diskreter waren, wurde Cash diesmal die volle PR-Behandlung zuteil, mit israelischen Reportern, die sich für Interview mit dem Country-Star anstellten und einem in Jerusalem ausgerichteten schicken Empfang.

Der Empfang für Johnny Cash in Jerusalem im November 1971. Fotos: IPPA-Mitarbeiter, Sammlung Dan Hadari, Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Er wahre Grund für die Reise waren allerdings die Dreharbeiten für einen Film über das Leben von Jesus mit Cash als Erzähler.

In einer Pause von den Dreharbeiten sprach Cash kurz mit dem Reporter Yossi Hersonski von Ma’ariv.

„Ich habe das Gefühl, die Geschichte des Lebens Jesu und seine Worte sind von Leuten sehr oft verdreht worden, die sie für ihre eigenen, selbstsüchtigen Interessen nutzen wollten. Der Film ist für jedermann gedacht. Nicht notwendigerweise nur für Christen“, sagt Cash Hersonski.

Die Kämpfe des Sängers mit dem Alkohol und Drogen in den 1960-er Jahren sind gut belegt, aber zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere machte er Erfahrungen mit einer beruflichen und spirituellen Wiederauferstehung.

„In der Vergangenheit habe ich gewusst, wie es sich anfühlt ein streunender Hund auf der Straße zu sein“, erzählte er dem israelischen Journalisten. „Ich war einsam, verfiel mental und physisch. Aber ich wurde nie wütend.“

Der Film „Gospel Road: A Story of Jesus“ – Regie führte Robert Elfstrom – sollte dann 1972 veröffentlicht werden. Darin ist Cash zu sehen, wie er auf dem Gipfel des Bergs Arbel in Galiläa singt, seine von Country gefärbte Gospel-Musik begleitet von einer schlingernden Hubschrauber-Kamera, die den Jordan filmte. Obwohl der Film in den Kinos keinen sonderlichen Erfolg hatte, sollte er bei evanglischem Publikum schließlich so etwas wie ein Kulthit werden.

Zur Reise gehörte auch „ein historisches Treffen“ zwischen Johnny Cash (sitzend, Mitte), seiner Frau June (rechts) und der Folksängerin Judy Collins (links), die in Israel war, um ein Konzert zu geben. Diese beiden großen Musiker hatten sich vorher nie getroffen. Ha’aretz, 19. November 1971.

Cash sollte zu zwei weiteren Reisen nach Israel zurückkehren, ebenfalls für Filmprojekte. Bei einem Besuch 1977 traf er sich sogar mit Premierminister Menachem Begin, bevor er loszog, um einen Teil für ein Weihnachts-Special zu filmen, das später im Jahr im amerikanischen Fernsehen gezeigt werden sollte. Es scheint so, dass er es auch schaffte einen spontanen Auftritt im Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem dazwischenzuschieben.

Er kehrte 1990 noch einmal zurück, um einen weiteren religiös inspirierten Film zu drehen, „Return to the Promised Land“ [Rückkehr ins Gelobte Land], der zwei Jahre später veröffentlicht wurde. Nicht lange danach sollte Cash seine erfolgreiche, langfristige Zusammenarbeit mit dem Producer Rick Rubin beginnen, die in den „American Recordings“ von 1994 mündete. Dieses Album sollte eine weitere Karriere-Wiederbelegung des Sängers zünden, der damals 63 Jahre alt war.

Trotz all der Besuche Cashs und seiner kreativen Projekte zeigte eine von Yossi Hersonskis Fragen bei seinem kurzen Interview 1971 eine verpasste Gelegenheit. Der Reporter fragte Cash, ob er einverstanden wäre ein Konzert in einem von Israels Gefängnissen zu geben…

„Das würde ich gerne machen“, antwortete der Sänger, „aber ich bin allein in Israel und ohne die Band bin ich nicht viel wert … außerdem bin ich nicht gefragt worden…“