Ist Antisemitismus ein jüdisches Problem?

Jede Nation, die es zugelassen hat, dass sich Hass auf Juden verbreitet, ist damit geendet, dass sie zusammenbrach und steht ihrer Vernichtung gegenüber.

Ellie Cohanim, Israel HaYom, 19. Oktober 2021

Eine der Fragen, die wir uns stellen müssen, da wir zunehmenden antisemitische Vorfälle und Angriffe weltweit erleben, lautet: Ist Antisemitismus ein jüdisches Problem?

Der verstorbene prominente Gelehrte, Theologe, Philosoph und ehemalige Oberrabbiner Großbritanniens Lord Jonathan Sacks sagte einmal: „Der Hass, der mit dem Juden beginnt, hört nie mit dem Juden auf.“

Die Geschichte stützt diese Aussage. Jede Nation, die es zugelassen hat, dass Judenhass zunimmt und sich verbreitet, hat sich schließlich selbst verschlungen. Nehmen Sie zum Beispiel Spanien. 2016 erklärte König Felipe, dass er glaubt die Spanische Inquisition sei der Beginn des Endes seines Landes gewesen.

Sehen Sie sich auch die Zerstörung Europas während des Zweiten Weltkriegs an. Stellen Sie sich einfach vor, die Welt hätte Adolf Hitler geglaubt, als er Mein Kampf mit seinen Plänen zur Auslöschung von Europas Juden zum ersten Mal veröffentlichte – und stellen Sie sich vor, er wäre aufgehalten worden. Weil die Weltmächte es nicht machten, als sie es hätten tun können, ermordeten nicht nur die Nazis 6 Millionen Juden im Holocaust, sondern Europa verlor 11 Millionen Nichtjuden und war nach dem Krieg ein zerstörter Kontinent.

Es gibt jede Menge weiterer Beispiele. Fürwahr, um Sacks zu bekräftigen: „Der Hass, der mit dem Juden beginnt, hört nie mit dem Juden auf.“

Das ist der Grund, dass Antisemitismus kein jüdisches Problem, sondern jedermanns Problem ist – für Juden, Christen, Muslime und Atheisten gleichermaßen. Es ist notwendig, dass alle Gesellschaften sich Judenhass entgegenstellen und bekämpfen – nicht nur, weil das moralisch und das Richtige ist, sondern weil jede Nation, die Hass auf Juden erlaubt hat sich auszubreiten, am Ende zusammengebrochen ist und sich letztlich ihrer Vernichtung gegenüber sieht.

Studien und Umfragen jüdischer Organisationen wie der Combat Antisemitism Movement, dem World Jewish Congress, dem American Jewish Committee und der Anti-Defamation League zeigen, dass es in jeder Ecke des Globus einen Anstieg des Antisemitismus gibt und dass er vom extrem rechten, Neonazi-Rand, den linksextremen Antizionisten und dem radikalen Islam ausgeht.

Die Administration Trump, der ich als stellvertretende Gesandte zur Bekämpfung von Antisemitismus dienen durfte, was mich stolz macht, gestaltete ich die folgende Politik zur Bekämpfung des Phänomens, wo immer es seinen hässlichen Kopf erhob:

– Wir in der Administration verstehen die grundlegende Wahrheit, dass Israel eine sichere Zuflucht für Juden aus aller Welt ist und wenn an Orten wie Frankreich und England Antisemitismus eskaliert, bis zu dem Punkt, dass Juden in diesen Ländern ihre Lebensbedingungen unerträglich finden und eine Zuflucht finden müssen, dann ziehen sie nach Israel.

– Wir verstehen auch, dass der Hass auf Juden in den Nationen – heißt der Hass auf den jüdischen Staat Israel – sich heute in eine neue Form von weltweitem Antisemitismus entwickelt und dass die beste Möglichkeit ihm entgegenzutreten darin besteht Israel zu stärken und zu unterstützen. An erster Stelle bei dieser Unterstützung stand die Anerkennung Jerusalem als Israels ewiger Hauptstadt und die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv dorthin.

– Wir erkannten die israelische  Souveränität über die Golanhöhen an.

– Wir stoppten die Gelder, die die palästinensische Autonomiebehörde nutzte um Terroristen zu belohnen, die Israelis und sogar Amerikaner töteten.

– Wir benannten den Iran nicht nur als obersten Staatssponsor von Terrorismus in der Welt, sondern auch als den Staatssponsor Nummer 1 des globalen Antisemitismus. Derweil sagte der ehemalige Präsident Donald Trump, dass unter seiner Amtsführung dem iranischen Regime nicht erlaubt würde die Atombombe zu entwickeln, die Teheran die militärische Fähigkeit geben würde seine Völkermord-Drohungen zur „Eliminierung Israels“ auszuführen.

– Schließlich standen wir auf der Seite jüdischer Gemeinden in aller Welt in ihrem Bedürfnis an Sicherheit.

Wir leben in dunklen Zeiten. Allein in den letzten 10 Monaten, seit die neue Regierung in den USA an die Macht kam, hat die Hamas mehr als 4.000 Raketen auf israelische Zivilisten und Städte gefeuert.

Israel hat zudem die sogenannte „Tik Tok-Intifada“ der Palästinenser erlebt, wobei sich Promis aus allen Genres auf die Seite der Terroristen stellen. Statt zuzugeben, dass es die Hamas war – die Terrororganisation, die den Gazastreifen kontrolliert – die Israel angriff und dass Israel in Selbstverteidigung handelt, geifern diese Promis gegen Israel.

Zu den berühmtesten gehören die amerikanische Supermodel-Zwillinge Bella und Gigi Hadid (sie haben palästinensische Eltern), die zusammen mehr als 100 Millionen Follower auf Instagram haben. Bella Hadid postete ein Video von sich bei einer Demonstration in Brooklyn; dort skandierte sie: „From the river to the sea, Palestine will be free.“ (Vom Fluss bis zu Meer wird Palästina befreit werden.) Das ist eine Parole, die die Auslöschung Israels bedeutet.

Während diese und andere „schönen Leute“ sich auf die Seite der Hamas gegen Israel stellen, wurden auf den Straßen von London, Paris, Berlin und so weiter – und zum ersten Mal in Los Angeles, New York und Washington DC [heplev: Zum ersten Mal? – Wer’s glaubt…] – Juden angegriffen.

Aber nicht nur Juden werden angegriffen. Im Nahen Osten werden Christen ethnischen Säuberungen unterzogen und Menschen überall auf der Welt versuchen uns durch Rasse und Ethnie zu spalten – Menschen, die versuchen völliges Chaos zu den Grundlagen der menschlichen Biologie und den Unterschieden zwischen Männern und Frauen zu schaffen; Menschen, die versuchen die Familieneinheit zu zerstören; Menschen, die versuchen andere dazu zu zwingen sich gegen ihren Willen Substanzen in ihren Körper spritzen zu lassen; Menschen, die ersuchen uns komplett zum Schweigen zu bringen; und jeden, der ihnen widerspricht einfach verschwinden zu lassen.

Der Silberstreif am Horizont ist, dass das Gute immer über das Böse triumphiert. In den Momenten, wenn es am dunkelsten scheint, bricht das Licht durch und beginnt zu scheinen. Lassen Sie uns sicherstellen, dass die jüdische und die christliche Gemeinschaft sich vereinen. Lassen Sie uns gemeinsame Koalitionen bilden. Wir Juden sind zahlenmäßig sehr wenige. Wir brauchen unsere christlichen Brüder und Schwestern an unserer Seite.

Das ist der Text der Autorin auf der „Conferência Global 2021“ der Commidad Das Nacções,  Latino Coalition for Israel und Bischof J.B. Carvalho in Brasilia am 13. Oktober 2021