Wie der Islam Christus verstümmelt

Raymond Ibrahim, 2. November 2021

Der Islam beansprucht Abraham, Moses und Jesus nicht nur; er beansprucht offensichtlich auch postbiblische Personen wie den Heiligen Georg. Das erklärt ein aktueller Artikel in My London, dessen wahrer Zweck es offenbar ist „Gemeinsamkeiten“ von Christen und Muslimen zu beteuern. So erfahren wir, dass sich „am Tag des Heiligen Georg, der in der östlichen Christenheit am 6. Mai begangen wird, Muslime im Raum Nazareth der christlichen Verehrung des Heiligen anschließen“.

Das Judentum findet ebenfalls seinen Weg in diesen Artikel religiösen Synkretismus: „Nach Angaben einiger Sufi-Traditionen sind der [hebräische] Prophet Elias, Al-Khidr [eine Figur aus dem Koran] und er Heilige Georg alle ein und dieselbe Person. Sie glauben, Elias erschiene zu verschiedenen Zeiten in der Menschheitsgeschichte unter unterschiedlichen Namen, um heimgesuchten Gläubigen in Krisenzeiten zu helfen.“

Der gesamte Artikel ist ein Zeugnis der weit verbreiteten Überzeugung, weil Judentum, Christentum und Islam viele gleiche Persönlichkeiten aufweisen, Verständigung zwischen den frei Glauben nicht nur einfach sei, sondern das natürlichste ist, was man tun kann.

In dieser Kalkulation fehlt die allerwichtigste Tatsache, nämlich dass der Islam mit biblischen Personen nicht so umgeht, wie das es Christentum tut. Christen akzeptieren die hebräische Bibel (das „Alte Testament“), wie sie ist. Sie fügen nichts hinzu, nehmen nichts weg und verzerren die Berichte über die Patriarchen nicht, auf die die Juden sich stützen.

Umgekehrt stützt sich der Islam zwar auch auf Personen aus dem Alten und Neuen Testament – wegen des Gewichts des Altertums, das an ihre Namen gebunden ist – gestaltet sie aber auf eine Weise neu, die ihn selbst bestätigt und das Judentum wie das Christentum ungültig macht. Das verbrennt Brücken eher statt sie zu bauen.

Bedenken Sie zum Beispiel den Umgang des Islam mit Jesus (im Koran „Isa“). Der Islam bestreitet nicht nur vehement, dass Christus der Sohn Gottes ist, sondern ein neues Buch über islamische Quellen unterstreicht unabsichtlich die Tatsache, dass „Isa die Antithese Jesu“ ist – sein Doppelgänger.

Obwohl das Buch Muslim Sources of the Crusader Period (Muslimische Quellender Kreuzritter-Zeit) der Professoren James E. Lindsay und Suleiman Mourad jede Menge wichtiger Dokumente aus dieser Ära enthält, darunter erstmalige Übersetzungen, sind die Schriften von Ibn ‘Asakir (1105-1175) – ein einflussreicher islamischer Gelehrter, der auch die populären Vierzig Hadithe für die Aufstachelung zum Jihad – über Jesus, basierend auf etablierten Hadithen, für unser Thema relevant. Von Anfang bis Ende nutzt Ibn ‘Asakir, wie alle anderen muslimischen Gelehrten vor und nach ihm, Jesus, um den Islam zu bestätigen und den von Christus begründeten tatsächlichen Glauben für ungültig zu erklären.

Nach Angaben dieser muslimischen Berichte wird Jesus in der Tat zurückkehren – christliche „Brückenbauer“ zum Islam können sich darüber freuen – aber nur um „die Kreuze zu brechen, die Schweine zu schlachten, die Jizya-Steuer für Nichtmuslime zu beenden, Krieg gegen die Völker des Buchs (d.h. Juden, Christen, Zoroastrier usw.) und anderes Gesetzwidriges zu führen…“ (S. 158) Kurz gesagt: Der Jesus des Islam scheint ein Jihadist auf Augenhöhe mit ISIS zu sein.

Hier eine Auswahl aus Ibn ‘Asakris „Biografie“ von Jesus/‘Isa (aus Muslim Sources of the Crusader Period):

Er zitiert Mohammed mit der Behauptung, wer immer bereit ist ihn – Mohammed – Christi gleichzustellen sowie dem ältesten christlichen Glaubensbekenntnis (1. Kor. 15,3-7) zu bestreiten, wird in den Himmel kommen.

Wer immer bezeugt, dass es keinen Gott außer Allah gibt, alleine und ohne Partner, und dass Mohammed Sein Diener und Bote ist und dass Jesus Sein Diener und Bote ist, der Sohn Seines Dieners, Sein Wort, das er Maria gab und ein Geist von Ihm, den wird Allah dafür, dass er das sagt, ins Paradies lassen (S. 159).

Wenn eine Frau zu Jesus sagt: „Gesegnet ist der Leib, der dich gebar und die Brust, an der du gesäugt wurdest“, antwortete ein schockierter Jesus: „Nein, sondern gesegnet ist der, der den Koran liest und dem folgt, was darin steht.“ (S. 159)

In mehreren dieser Hadithe scheint Mohammed die Absicht zu haben sich selbst Jesus gleichzustellen. So auch, als seine Kinderbraut Aischa den Propheten fragt: „Wenn Ich länger lebe als du, würdest du mir erlauben neben dir beerdigt zu werden?“ „Nein“, antwortet Mohammed, „an diesem Ort ist nur Raum für mein Grab, für Abu Bakrs Grab [Mohammeds Gefährte und Nachfolger bzw. der erste Kalif], für ‘Omars Grab [Mohammeds Gefährte und der zweite Kalif] und für das Grab von Jesus, dem Sohn von Maria“ (S. 160).

In einem weiteren Bericht sagt Mohammed: „Die biblischen Propheten sind Geschwister gleicher Abstammung. Ich und Jesus sind Geschwister, weil er mich prophezeite und es gibt keine Propheten zwischen mir und ihm“ (S. 161).

In noch einem Bericht stellt Ibn ‘Asakir Jesus als hinter moch einem anderen Kalifen (Muawiya I.) betend dar: Dann, „nachdem Jesus sein Gebet beendet, wird er seine Lanze nehmen, auf den Antichrist zugehen und ihn töten. Dann wird Jesus sterben und die Muslime werden ihn waschen und beerdigen“ (S. 161).

So sieht die Transformation – oder Mutation – aus, der Jesus in der muslimischen Tradition unterzogen wurde. Und von Christen wird erwartet, dass sie dies als mögliche „Brücke“ zum Islam betrachten, als Quelle der „Gemeinsamkeiten“?

Zufällig ist das dasselbe wie bei anderen biblischen Persönlichkeiten. Bedenken Sie Abraham (Ibrahim), nach dem die gesamte „abrahamitische“ Bewegung benannt ist. Während Juden und Christen sich auf andere Aspekte Abrahams konzentrieren – erstere sehen ihn als ihren fleischlichen Patriarchen, letztere als ihren Patriarchen im Glauben oder im Geist (s. z.B. Gal. 3,6) – verlassen sie sich beide auf denselben wörtlichen Bericht Abrahams, wie er in Genesis (1. Buch Mose) zu finden ist.

Im muslimischen Bericht hingegen wird der Hass eingeführt und veranschaulicht, den Muslime für Nichtmuslime haben müssen: „Ihr habt doch ein schönes Vorbild in Ibrahim“, informiert Allah die Muslime in Sure 60,4: „und denjenigen, die mit ihm waren, als sie zu ihrem Volk sagten: ‚Wir verleugnen euch, und zwischen uns und euch haben sich Feindschaft und Haß auf immer offenkundig gezeigt, bis ihr an Allah allein glaubt.‘“

Tatsächlich ist dieser Vers DER Eckstein-Vers, den alle „radikalen“ Muslime, besonders die des Islamischen Staats, als Beweis anführen, dass Muslime alle Nichtmuslime hassen müssen. Mit anderen Worten: Weit entfernt davon als Brücke zwischen Islam und Judentum und Christentum zu dienen, lehrt Abraham die Muslime, sie müssen Juden und Christen hassen.

Man kann immer so weiter machen: Gemäß islamischen Traditionen ist Maria, die Mutter Christi, Mohammeds „Ehefrau“ im Himmel – noch eine weitere Darstellung, die die kaum „Brücken“ zu schlagen scheint, besonders nicht zu Katholiken.

Hier haben wir sicherlich etwas Seltsames: Wenn gewisse Leute – nämlich Weiße – sich, sagen wir, die oberflächliche Kleidung anderer Menschen „aneignen“ oder sich so kostümieren, dann wehe! Alles ist Übel. Aber wenn der Islam sich etwas aneignet und die zentralen Personen zweier Religionen (Judentum und Christentum) komplett pervertiert, sollen Juden und Christen sich dabei gut fühlen, es als Gelegenheit für „Aussöhnung“ mit dem Iran betrachten. Interessant, wie das läuft.

Um es klar zu sagen: Die muslimische Aneignung und folgende Verstümmelung biblischer Personen ist eine Quelle von Problemen, nicht für Lösungen. Das ist einzig säkulares Denken, das sich nicht über die oberflächliche Tatsache erheben kann, dass drei Religionen dieselben Personen beanspruchen – und sie deshalb letztlich „miteinander auskommen“ müssen – die sie nicht begreifen und nie begreifen werden. Der Artikel zum Heiligen Georg in My London – der übermäßig viel Menge Zeit damit verbringt Witze über das Trinken in Kneipen zu reißen – ist ein perfektes Beispiel.

Ein Gedanke zu “Wie der Islam Christus verstümmelt

  1. Mohammed hat die Wahrheit unterschlagen , die er gehört hat, und aus Markus Ev. 12 v10-11 > Der Stein , den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden .Von dem Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsren Augen.“< Er hat aus dem Steine des Lebens, einen gewöhnlichen Basalt gemacht , und ein Vergänglichen Stück Staub zum Lebendigen Gott erhoben, aber Ihn selbst verworfen. Darum hat er sich für weitere Verwirrungen offen gemacht, und andere Menschen selber in die Verirrung führt.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.