Die Auslöschung jüdischen Erbes in Nordzypern

Uzay Bulut, Jihad Watch, 4. November 2021

Zypern hat einen besonderen Platz in der jüdischen Geschichte. Juden sind in diesem Inselstaat tief verwurzelt, wo sie einst Wein für den im Tempel verwendeten Weihrauch erwarben (Jerusalemer Talmud Yoma 4), möglicherweise von dort lebenden Juden hergestellt. Juden haben nach Angaben historischer Aufzeichnungen Jahrtausende in Zypern gelebt. Das Hadassah-Magazin berichtet:

Zypern und Eretz Yisrael hatten schon Ende des dritten Jahrhunderts v.Chr. Handelsbeziehungen und Juden begannen sich auf der Insel niederzulassen. Im ersten Jahrhundert v.Chr. gab der römische Kaiser Augustus Herodes, dem König von Judäa, einen Teil der Verwaltung und der Einnahmen der Kupferminen der Insel. Zu den Minenarbeitern gehörten Juden und Kuper-Arbeiter. Nach dem Tod von Herodes heiratete seine Enkelin Alexandra einen zypriotischen Juden.

Die Gemeinde gedieh und es gab an mindestens drei Orten Synagogen: Golgoi, Lapethos und Constantia-Salamine. Einige zypriotische Juden zogen nach Jerusalem und der Talmud erwähnte den Import von Kumin, Wein und getrockneten Feigen aus Zypern.

Der European Jewish Congress gibt weitere Informationen:

142 v.Chr. war Zypern eines der Länder, die auf Ersuchen der Römer jüdische Rechte garantierte. Zypriotische Juden schienen 177 n.Chr. an einem Aufstand gegen Kaiser Trajan teilgenommen zu haben. Nachdem der Aufstand niedergeschlagen war, wurde Juden streng verboten einen Fuß auf Zypern zu setzen, aber dieses Verbot dauerte nicht lange an.

„Juden kehrten kurz danach auf die Insel zurück“, fügt der World Jewish Congress an. „Die jüdische Gemeinschaft in Zypern blühte über die Jahrhunderte hinweg weiter auf und zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert gab es mehr Juden auf Zypern als auf jeder anderen griechischen Insel.“

Heute ist Zypern ein mehrheitlich christliches Land und sein Schutzheiliger ist ein zypriotischer Jude: Der heilige Barnabas, der in Begleitung von Saulus (dem Apostel Paulus) und Markus nach Zypern segelte, um dort zu predigen (Apostelgeschichte Kapitel 13).

Heute blühen die Beziehungen zwischen Zypern und Israel. „Die Geschichte Zyperns hindurch haben immer jüdische Menschen auf der Insel gelebt“, sagte der Projektmanager des jüdischen Museums Zyperns, Skevi Philippou. „Es hat immer ein Band zwischen Israel und Zypern gegeben, besonders heute zwischen Tourismus- und Geschäfts-Kooperation. So nahe am Heiligen Land ist Zypern ein beliebter Ort für Juden, die zu Besuch kommen oder sich hier niederlassen. Heute leben auf Zypern 6.500 Juden. Die meisten sind aus Israel, Großbritannien, Osteuropa und Russland.“

Der Oberrabbiner von Zypern, Arie Ze’ev Raskin, dient der Gemeinschaft offiziell seit 2005. Der Rabbi und seine Frau kamen zusammen mit ihren Kindern 2003 nach Zypern. Fünf Jahre später wurde ihr fünftes Kind in dem Inselstaat geboren. Das Chabad-Haus – „Chabat Zypern“ – wurde 2005 eröffnet.

Heute steht das Cyprus Jewish Community Center in Larnaca der Gemeinschaft das ganze Jahr über offen. Und das dortige jüdische Museum schafft das Bewusstsein für die jüdischen Verbindungen zur Insel. Die aktuelle Ausstellung des Museums ist die „Nissenhütte“, ein Original-Artefakt aus dem Zweiten Weltkrieg.

Nach Angaben seiner Internetseite will das Museum die Öffentlichkeit bezüglich der wichtigen Rolle bilden, die Zypern und die Zyprioten „bei der Unterstützung von Holocaust-Opfern spielten, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Europa entkamen und sich auf dem Weg nach Israel befanden“.

Von 1878 bis 1960, als Zypern unabhängig wurde, stand die Insel unter britischer Herrschaft. Nach dem Aufstieg des Nationalsozialismus 1933 entkamen hunderte Juden nach Zypern. Die britische Regierung baute dort dann 12 Internierungslager für Holocaust-Überlebende auf, die in das damalige britische Mandat Palästina immigrierten oder versuchten zu immigrieren. Die Lager wurden von 1946 bis 1949 betrieben und hielten mehr als 53.000 Internierte fest. Sobald der Staat Israel gegründet war, zogen die meisten Flüchtlinge dorthin.

„Die Umstände in den Lagern waren furchtbar“, berichtete die Zeitung Cyprus Mail. „Aber es gab einen Hoffnungsstrahl für die, die auf der langen Reise nach Hause waren: Die lokalen Zyprioten, die drei lange Jahre lang halfen die Internierten auf ihre Kosten zu ernähren, zu kleiden und zu nähren. Als Einfall von Rabbi Arie Ze’ef Raskin, dem Oberrabbiner von Zypern, ist das Museum der Weg der jüdischen Gemeinschaft, denen Dank zu sagen, die den Internierten halfen.

„Rabbis Raskin empfang ein überwältigendes Bedürfnis den Menschen zu danken, die er als Helden betrachtet“, sagte Philippou.

Gewöhnliche Leute – Bauern, Arbeiter, Menschen, die kaum selbst genug zu essen für ihre eigenen Familien hatten – gaben Lebensmittel, Wasser und Medikamente für Flüchtlinge in lagern. Und die nächste Generation Zyprioten muss wissen und sich daran erinnern, was ihre Vorfahren taten, damit der Kreislauf der Güte weiter geht.

Diese 53.000 jüdischen Flüchtlinge und ihre Nachkommen verdanken ihre Gesundheit und Wohlergehen Zypern und dem Mitgefühl der Zyprioten; indem sie denen halfen, die ein neues Leben begannen, spielten die Zyprioten nicht nur eine wichtige Rolle dabei Holocaust-Opfern zu helfen nach dem Zweiten Weltkrieg aus Europa zu entkommen, sondern sie waren auch verantwortliche Hilfe bei der Förderung der Wiedergeburt jüdischen Lebens, Kultur, Feshalten an der Religion und dem jüdischen Erbe rund um die Welt fördern.

In der Zwischenzeit wird die Tradition gegen Antisemitismus zu sein in Zypern weitergeführt. 2019 begrüßte Zypern die Arbeitsdefinition Antisemitismus der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA). Der damalige Vorsitzende der Jewish Agency und aktuelle Präsident Israels Isaac Herzog lobte den Schritt, genauso David Harris, CEO des American Jewish Committee.

Viele kommunale Leiter in Zypern haben auch die Erklärung der Vereinigten Bürgermeister gegen Antisemitismus des American Jewish Committee (AJC) unterschrieben. Mehr als 500 europäische und US-Bürgermeister, darunter 22 Bürgermeister aus Zypern, schlossen sich der Initiative an.

„Die Beziehungen zwischen Israel und Zypern sind nie stärker gewesen al sheute“, sagte die AJC-Leiterin in Jerusalem, Oberstleutnant (a.D.) Avital Leibovich. „Sie gründen nicht nur auf gegenseitigen Interessen, sondern auch auf strategischen Herausforderungen und Kooperation auf vielen Ebenen – von Kultur zu Wissenschaften, von Tourismus zu Startups. Bei der Veränderung des Nahen Ostens sind solche Partnerschaften wichtig und werden in Ehren gehalten.“

Seit 1974 sind allerdings rund 40 Prozent des Territorium Zyperns im Norden der Insel illegal von der Türkei besetzt. In dem Jahr marschierte das türkische Militär zweimal in Zypern ein, das einer Kampagne ethnischer Säuberung ausgesetzt wurde, bei der  der demografische Charakter des Inselstaats gewaltsam verändert uwrde.

Von türkischen Truppen wurden viele Verbrechen an indigenen griechischen Zyprioten begangen. Zivile Ziele wie Krankenhäuser wurden bombardiert. Griechische Zyprioten, auch Kinder, wurden ermordet. Zivilisten wurden von türkischer Militärobrigkeit willkürlich verhaftet und entweder in Gefängnisse oder Konzentrationslager gesteckt. Einige mussten Zwangsarbeit verrichten. Die Europäische Kommission für Menschenrechte dokumentierte die Vergewaltigung von Frauen und Kindern im Alter von 12 bis 71, darunter auch Schwangere und geistig Zurückgebliebene. Die Vergewaltigungen waren derart weit verbreitet, dass die Kirche Zyperns gezwungen war ihre zuvor Einschränkungen von Abtreibungen zu lockern.

Fast 200.000 griechische Zyprioten wurden von den türkischen Invasionstruppen aus ihren Häusern zwangsvertrieben und von illegalen Siedlern aus der Türkei sowie türkischen Zyprioten verdrängt. Ländereien, Häuser und anderer Grundbesitz griechischer Zyprioten wurden beschlagnahmt, geplündert und an Türken verteilt. Als Ergebnis dieser ethnischen Säuberung ist das nördliche Zypern, das bis 1974 Jahrtausende lang eine mehrheitlich griechische Region war, zu einer türkischen Kolonie gemacht.

Historisch lebten große jüdische Bevölkerungsgruppen in Küstenstädten Zyperns, so auch im antiken Salamis in der Stadt Famagusta, die heute unter türkischer Besatzung steht. Leider hat der Invasionsfeldzug allen nichtmuslimischen historischen Stätten Zyperns weit verbreitete Zerstörung gebracht.

Bis heute fahren die Besatzungstruppen damit fort das zypriotische kulturelle Erbe zu plündern und zu zerstören, darunter auch das jüdische Erbe des besetzten Gebiets. Der dortige jüdische Friedhof ist zum Beispiel zerstört worden. Der Bericht „Verlust eine Zivilisation: Zerstörung kulturellen Erbes im besetzten Zypern“ von 2012 besagt:

Der historische jüdische Friedhof Margo, ein nationales Denkmal für das jüdische Volk südöstlich von Nicosia, ist auf dieselbe Weise geschändet und zerstört worden wie christliche Friedhöfe in der von türkischen Truppen besetzten Gegend geschändet und zerstört worden sind.

Der jüdische Friedhof Margo ist Heimat der Gräber von Diaspora-Juden  von 1885 und jüdischer Flüchtlinge, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Zypern kamen.

Der Friedhof liegt in einem streng kontrollierten militärischen Gebiet und wird von einem bewaffneten türkischen Soldaten bewacht. Jüdische Organisationen und andere Gruppen haben ständig um freien Zugang zum Friedhof gebeten, um dort religiöse Zeremonien durchführen zu können, aber diese Bitten sind von der Besatzungsmacht und ihrem Marionettenregime nie gewährt worden.

„Wir haben den Friedhof mehrfach besucht“, bestätigt Philippou. „Aber wir sind nicht in der Lage gewesen dort religiöse Zeremonien durchzuführen, es war nur ein schneller Besuch unter Aufsicht. Wir hätten ihn gerne restauriert, aber bisher wurde uns keine Erlaubnis dazu gegeben.“

Hier können Sie ein Video des zerstörten jüdischen Friedhofs im türkisch besetzten Teil von Nicosia sehen.

Die zypriotisch-niederländische Schriftstellerin und Kultur-Aktivistin Tasoula Hadjitofi wurde im Alter von 15 Jahren zum Flüchtling, als türkische Truppen 1974 in ihre Geburtsstadt Famagusta einmarschierten. Mehrere Jahrzehnte lang hat sie Artefakte und andere Symbole kulturellen Erbes gesammelt, die geraubt und gestohlen wurde, um sie nach Zypern nach Hause zu bringen. In Bezug auf die Befreiung von Gefangenen aus Nazi-Konzentrationslagern im Jahr 1945 sagte Hadjitofi:

Zyprioten kämpften als britische Truppen an der Seite der Alliierten während der Befreiung der Juden und anderer Gefangenen, denn Zypern war eine britische Kolonie. Es gab für diese Helden am Holocaust-Gedenktag in Großbritannien oder in Zypern keine Mohnblumen und man weiß wenig über sie. Die meisten dieser vergessenen Helden starben still und nahmen viele nicht erzählte Geschichten mit ins Grab. Vielleicht leben noch eine Hand voll? Ihre Geschichten müssen erzählt werden und ihr Mut muss geehrt werden.

„Die historischen Bande zwischen Israel und Zypern sind stark“, fügte Hadjitofi an. „Ich hoffe, dass unsere jüdischen Brüder und Schwestern weltweit die Islamisierung des nördlichen Zypern durch die Türkei aufmerksam beobachten, genauso der Zerstörung der christlichen und jüdischen Stätten in dem besetzten Gebiet. Und um unseres gemeinsamen Erbes, den historischen und aktuellen Kämpfen um die Freiheit willen sowie aus fundamentalen Prinzipien müssen sie ihr Möglichstes tun sie aufzuhalten.“