Palästinenser nehmen an, „Schwarzer Freitag“ ist der Name einer weiteren Terrorgruppe

„Klingt auf jeden Fall wie eine von unseren.“

PreOccupied Territory, 22. November 2021

Jenin, 18. November – Rundfunk-, Online- und gedruckte Werbung, die einen jährlichen Preisnachlass zur Aufstockung der Lagerbestände für die Winter-Einkaufssaison anpreist, verursachte diese Woche bei Palästinensern für einige Verwirrung; Grund ist der beliebte Begriff für diese Zeit, der eine frappierende Ähnlichkeit zu Gepflogenheiten der Benennung palästinensischer militanter Organisationen hat.

Der Schwarze Freitag, von dem weithin angenommen wird, dass sein Name daher kommt, dass Einzelhändler sich auf Weihnachtseinkäufe verlassen, um die Bilanz von Rot – Nettoverlust – zu Schwarz – Nettogewinn – zu bringen, könnte sich auch auf beliebig jeden beziehen, wie jeder weiß, der weiß wie viele „Volkswiderstands“-Gruppen es gibt, deren Vermehrung in der palästinensischen Gesellschaft schon lange Verwirrung auch ohne die überlappende Fachterminologie verursacht hat. Anfragen konnten keine verbindlichen Anhaltspunkte für eine bestimmte Organisation liefern, aber die Mehrheit der Palästinenser, denen ein Reporter die Frage stellte, äußerte die Gewissheit, dass die Organisation Schwarzer Freitag nicht nur existiert, sondern in den letzten sechs Jahrzehnten mindestens eine Hand voll Anschläge auf Israel oder Juden verübt hat.

„Haben die nicht diesen israelischen Minister getötet?“, sinnierte ein Einwohner dieser Stadt im Norden. „Nein, halt, das war die Volksfront zur Befreiung Palästinas. Sie müssen aber bei den Bombenanschlägen der zweiten Intifada mitgemacht haben, oder? Vielleicht der Krieg gegen König Hussein in Jordanien? Ich schwöre, der Name sagt mir was“

„Das klingt auf jeden Fall wie einer von uns“, stimmte ein Einwohner von Tulkarm zu. „Wahrscheinlich einer von mehreren in Syrien oder Libanon. Sind die kommunistisch? Vielleicht denke ich an die Demokratische Front zur Befreiung Palästinas. Oder vielleicht ist das der offizielle Name einer der Gruppen, die wir in der Regel mit einem anderen Namen nennen, so wie Abu Nidal oder die ‚Volkswiderstandsbrigaden‘. Das ist es wahrscheinlich.“

Die Kommerzialisierung muss in der palästinensischen Gesellschaft erst noch ankommen, zumeist weil die palästinensische Wirtschaft stark von Beschäftigung in Israel selbst oder in israelischen Gemeinden jenseits der Waffenstillstandslinie mit Jordanien 1949, der „Grünen Linie“ abhängig ist. Auch internationale Hilfen finden ihren Weg auf palästinensische Bankkonten, aber das beschränkt sich weiter hauptsächlich auf die Offshore-Konten von Palästinenserführern. Dem Begriff „Schwarzer Freitag“ begegnen Palästinenser in erster Linie in den kommerziellen Medien Israels, die stark aus amerikanischen kulturellen Inhalten abkupfern. „Schwarzer Freitag“-Werbung ziert israelisches Radio, Fernsehen, Plakatwände und Online-Medien schon lange vor Thanksgiving (Erntedank), dem „offiziellen“ Beginn der amerikanischen Feiertags-Einkaufssaison.

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Schwarze Freitag den Israelis schwere Schäden zugefügt hat, ihnen dort weh tut, wo es am meisten schadet“, erklärte Ahmed Jabarin, der im Gazastreifen wohnt. „Ich bin mir nur nicht ganz sicher, dass es die Art von Schaden ist, die wir mitbekommen.“