Yom HaGirusch: Das Innere der Geschichte des „Tags der Vertreibung“

Die weithin vergessene ethnische Säuberung, für die es in der Geschichte der Menschenrechtsverletzungen fast keine Parallele gibt.

Edwin Black, FrontPage Mag, 3. Dezember 2021

Sprechen wir über eine weithin vergessene ethnische Säuberung, die in der Geschichte der menschlichen Missstände kaum eine Parallele hat. Erinnern Sie sich an die koordinierte internationale Vertreibung von rund 850.000 Juden aus arabischen und muslimischen Ländern, wo sie volle 27 Jahrhunderte lang friedlich gelebt hatten? Wie manche wissen, legte die israelische Regierung 2014 den 30. November als Gedenktag dieser Massen-Gräueltat fest. Er hat keine wirkliche Identität oder einen Namen wie „Kristallnacht“. Aber ab heute werden wir ihn als Yom HaGirusch kennen – den „Tag der Vertreibung“.

Es ist ein Jahre dauernder Weg gewesen, um diese Identität zu identifizieren und festigen. Es begann in dem Augenblick, in dem Hitler 1933 an die Macht kam. Die internationale panarabische Gemeinschaft, von Palästina aus koordiniert und vier Kontinente umspannend, bildete eine lebhafte politische und später militärische Allianz mit den Nazis. Diese Partnerschaft funktionierte in der dünnen Luft der Regierungsflure, auf den von Krawallen zwiegespaltenen Straßen vieler Städte auf beiden Seiten des Ozeans und schließlich den schießpulergeschwängerten Gräbern und Fronten des von Krieg erstickten Europas. Der Vorarbeiter dieser Allianz war Haddsch Amin al-Husseini, der Großmufti von Jerusalem, aber er führte eine begierige Koalition arabischer Führer, die im Hohen Arabischen Rat organisiert waren, zusammen mit populären Anhängern von der arabischen Straße. Sie hatten sich mit der Ideologie und den Zielen der Nazis eins gemacht, wozu die Vernichtung der Juden und der Sieg über britischen Einfluss gehörten.

Nachdem der Mufti im Oktober 1937 der Strafverfolgung im jüdischen Palästina entkam, siedelte er nach Bagdad über. Der Irak wurde zum neuen Gravitationszentrum der Kollaboration der Araber mit den Nazis. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 hatten die irakischen Araber unter der Anleitung des Muftis alle möglichen Arten Nazi-Ideologie und Bündnisse in den Irak importiert. Am 1. Und 2. Juni 1941, als Deutschland kurz davor war Russland anzugreifen und arabisches Öl brauchte, begannen Nazi-Araber ein blutiges zweitätiges Pogrom gegen ihre jüdische Gemeinschaft, die dort seit 2.700 Jahren wohnte – eintausend Jahre vor Mohammed. Die Zusammensetzung arabisch-nazi trifft nicht nur zu, weil diese Araber in Wort und Tat Faschisten waren, sondern weil sie sich tatsächlich mit Deutschlands Nazi-Partei identifizierten. Einige der Randalierer trugen Hakenkreuze; viele waren sogar ei den Nürnberger Fackelmärschen mitmarschiert. Die Syrische Nationalsozialistische Partei legte sich eine Flagge zu, die der Nazideutschlands nachempfunden war.

In diesen Albtraum-Krawallen vom 1./2. Juni wurden Juden auf der Straße gejagt. Fand man sie, wurden jüdische Mädchen vor ihren Eltern vergewaltigt, Väter wurden vor ihren Kindern geköpft, Mütter wurden öffentlich wie Tiere behandelt, Babys wurden durchgeschnitten und in den Tigris geworfen. Die Mobs in Bagdad brannten Dutzende jüdischer Geschäfte nieder, drangen in jüdische Häuser ein und plünderten sie.

Wir werden nie erfahren, wie viel Hunderte ermordet und verstümmelt wurden, weil bei den folgenden Ermittlungen viele Angst hatten auszusagen. Aber dieses blutige Ereignis wurde als „Farhud“ bekannt, was gewalttätige Enteignung bedeutet. Der Farhud beschreibt den Anfang des Endes des irakischen Judentums – mehr als 140.000 Seelen.

Kurz bevor der Staat Israel 1948 seine Unabhängigkeit erklärte, versprach die Arabische Liga der Welt, sie werde eine Massenvertreibung all ihrer Juden durchführen. Die Arabische Liga koordinierte tatsächlich Formen und Vorgehensweisen in mehr als einem Dutzend Länder. Im Irak zum Beispiel wurde das Gesetz 51 zu Kriminalität modifiziert, um „zionstisch“ einzubeziehen – das als jeder Jude definiert werden konnte, der mit hebärischer Schrift auf einem Gebetsbuch gefunden wurde. Das Gesetz 1 zur Ausbürgerung wurde geändert, um Juden ihre lange schon gehaltene Staatsbürgerschaft abzuerkennen und dann erlaubte Gesetz 5 die Beschlagnahe jüdischen Vermögens.

Ähnliche Entrechtung wurde überall in der arabischen und muslimischen Welt wiederholt. Rund 2.000 Nazis führten und unterstützten diese Prozesse – ehemalige KZ-Wachen, Gestapo, SS-Offiziere und Wehrmacht-Kommandeure, die den Nürnberger Prozessen entkommen waren, um Hitlers Krieg gegen die Juden fortzusetzen – jetzt aber im Nahen Osten.

Gleichzeitig versprach die Arabische Liga in den neuen Staat Israel einzumarschieren. „Das wird ein Vernichtungskrieg und ein bedeutendes Massaker werden, von dem man wie von den mongolischen Massakern sprechen wird“, versprach Azzam Pascha, der Generalsekretär der Arabischen Liga.

Vier Monate lang bettelte der World Jewish Congress die Vereinten Nationen an, die damals in Lake Success (New York) zusammentraten, man möge die ethnische Säuberung aufhalten. War das ein Geheimnis? Kaum. Die New York Times war damals die führende Zeitung in den USA. Ihre fett gedruckte Überschrift mit Weckrufcharakter erklärte: „Juden in allen muslimischen Ländern in gravierender Gefahr“. Der Artikel führte markant die vertreibenden Länder auf und wie viele tausend Juden ethnische gesäubert werden würden. Französisch-Marokko: 190.000; Irak: 130.000; Algerien: 120.000, und so weiter, bis die Gesamtzahl die dunkle Summe von 900.000 erreichte.

In vielen Ländern wurde den Juden deutlich gemacht, dass sie, sollten sie Widerstand leisten, weiteren Farhuds unterzogen und dann in naziartige Konzentrationslager deportiert werden würden. Immerhin unternahmen arabische Regime während des Zweiten Weltkriegs, angeführt vom Mufti, Anstrengungen Juden nach Auschwitz zu schicken. Der Mufti war durch mehrere Lager geführt worden, darunter den Hauptsitz des SS-Lagersystems. Während des Krieges bauten lokale Vertreter überall in der arabisch beeinflussten Welt Konzentrationslager als Zentren für Sklavenarbeit und Folter auf. Von den Dutzenden Lagern in arabischen Ländern sind Namen wie Im Fout in Marokko, Djelfa in Algerien und Giado in Libyen als verblasste Fußnoten verloren gegangen.

Ende der 1940-er Jahre wurden den Farhud heraufbeschwörende Lieder populär und zahlreiche Mini-Farhud-Pogrome waren bereits durch die jüdischen Gemeinden gelaufen. So wurden die Juden eine Gemeinde nach der anderen an entlegene Orte gekarrt, wo heimliche Lufttransporte – oft von der Firma organisiert, die zu Alaska Airlines wurde – die Juden dann, gepackt wie die Sardinen, nach Israel ausflogen.

Die Araber glaubten, sie würden dem neuen Staat Israel eine demografische Bombe verschaffen. Aber Israels Flüchtlingslager waren recht temporär und die meisten der Hundertausende wurden komplett in den jüdischen Staat absorbiert. Diese Verbrechen gegen die Menschheit ließ Israels Bevölkerung fast um die Hälfte anschwellen, was die weitgehend europäische Bevölkerung des frisch unabhängigen Israel in eine verwandelte, die zur Hälfte sephardisch/mizrahisch war – die im Wesentlichen aus arabischen Staaten stammte. Diese von den arabischen Staaten betriebene Vertreibung straft die Verleumdung Lügen, dass Israelis ein Haufen gut situierter Juden aus London, Los Angeles und Lwiw sei. Und sie sie konzentriert und fokussiert die Frage der arabischen Flüchtlinge von 1948 neu.

1948 marschierte der neu gebildete und erschaffene Staat Jordanien in die Westbank ein und schuf sie erst. In drei offiziellen Konferenzen in Ramallah, Jericho und Hebron stimmten die Araber dafür keine eigene nationale Identität zu schaffen, sonder lieber Untertanen Jordaniens zu werden.

Als Israel 1964 bewiesen hatte, dass es nicht ins Meer getrieben werden konnte, half der sowjetische KGB die Gründung der Palästinensischen Befreiungsorganisation zu arrangieren. Die Araber nahmen dann den Zionisten den Namen „Palästinenser“ weg – womit sie im Grunde Identitätsdiebstahl begingen. Niemand kann mir vor 1964 irgendeine Identifizierung von Arabern als Palästinenser zeigen. In The Edwin Black Show habe ich öffentlich um wenigstens ein einziges Beispiel gebeten. Dennoch ist für die Sache der „Palästinenser“ … auf Grundlage gefälschter Geschichte, gefälschter Fakten, jüdischer Ignoranz und den vergessenen Realitäten von 850.000 vertriebenen Juden eingetreten worden. Es hat in der Geschichte viele Vertreibungen und Zwangsmigration gegeben. Die Spanische Inquisition deckt im Großen und Ganzen einen einzelnen Bereich der Vertreibung ab. Der Tränenweg bezeichnet eine Kategorie der Zwangsmigration, nämlich die der amerikanischen Ureinwohner. Aber nie seit dem Römischen Reich hat die Welt erlebt, dass 15 Länder offen die Aberkennung und Vertreibung seiner Bürger einzig aufgrund ihrer Religion koordinieren.

Obwohl dieser gewichtige Akt immer eine Flamme war, die in den Familien der Enteigneten brannte, wurde er von der Welt vergessen. Der „Scha-Scha“-Virus kann ein gesamtes Volk infizieren, was beweist, dass es sowohl ein kollektives Gedächtnis als auch kollektives Vergessen gibt.

Ich selbst stolperte bei der Recherche für mein Buch Banking on Baghdad 2003 über den Farhud. Das weckte die Fackel der Erkenntnis neu. Das „Projekt Farhud-Anerkennung“, aktiviert von Sephardim in den USA, forderte lediglich, dass an den Massenmord erinnert wird. Ich tauchte tiefer in das Thema ein, was 2010 mein Buch The Farhud—Roots of the Arab-Nazi Alliance in the Holocaust zur Folge hatte; dieses verfolgte die arabisch-nationalsozialistische Allianz, die entsetzlichen Pogrome und die Nachkriegs-Vertreibung nach. Im Juni 2015 waren ich und eine Gruppe engagierter kommunaler Leiter in der Lage das zu tun, was viele von der Erinnerung versengte Familien als unmöglich bezeichnet hatten: In einer historischen Veranstaltung bei der UNO den Internationalen Farhud-Tag auszurufen, was von der UNO selbst weltweit gestreamt wurde.

Aber ich wollte immer mehr tun und der Massenvertreibung Identität und Hommage verleihen. Im November 2021 rief ich am 30. November mit Unterstützung meiner Kollegen in vielen Ländern in einer Sonderausgabe der Edwin Black Show den 30. November für immer als Gedenktag namens Yom HaGirusch aus.

Dieser Name, Yom HaGirusch, kennzeichnet den Punkt, an dem jüdische Gemeinden in vielen Ländern wieder einmal enteignet wurden, aber in der freien Nation Israel wieder Besitz erlangten. Der jüdische Staat ist jetzt im Besitz dieser Menschen und ihrer Nachkommen – und die wiederum besitzen jetzt den Staat. Besitz macht 90% des Überlebens aus. Israel ist zur Endstation der Juden geworden.

Von Marokko bis Indien  und vom Jemen bis Afghanistan wurden das Leben und Jahrhunderte Erbe verbrannt. Das geschah am hellichten Tag und mit kaum einem Murmeln der Welt. Es geschah nicht einmal fünf Jahre, nachdem die Welt erfuhr, dass sechs Millionen Juden vernichtet und weitere Millionen zu Flüchtlingen gemacht wurden. Schreiben Sie sich das auf. Yom HaGirusch. YomHaGirusch.com befindet sich jetzt noch in embryonaler Form, wird aber bald eine lebendige, weltweite Ressource und eine Warnung an die Welt sein, dass wir, wenn wir „Nie wieder“ sagen, das auch meinen.