Israels christliche Gemeinschaft wächst, 84% zufrieden mit ihrem Leben hier

Studien vor Weihnachten fanden hohe Bildungsniveaus, stehen im Gegensatz zu Kirchenleitern, die warnen, „radikale“ israelische Gruppen würden Christen aus dem Heiligen Land treiben.

The Times of Israel, 22. Dezember 2021

Menschen sammeln sich um den gigantischen Weihnachtsbaum vor der griechisch-orthodoxen Verkündigungskirche Nazareth im nördlichen Israel, 18. Dezember 2021 (Foto: Ahmad Gharabli / AFP)

Israels christliche Gemeinschaft nahm 2020 um 1,4 Prozent zu und zählt rund 182.000 Menschen, von denen 84% sagen, sie seien mit dem Leben im Land zufrieden, sagte das Statistische Zentralamt in einem vor Weihnachten veröffentlichten Bericht.

Der Dienstag freigegebene Bericht kam mehrere Tage, nachdem christliche Führer im Heiligen Land warnten, ihre Gemeinden würden von extremistischen israelischen Gruppen mit Vertreibung aus der Region bedroht und Dialog forderten Schutz ihrer Präsenz.

Die von CBS veröffentlichte Statistik zeichnete jedoch ein anderes Bild und deutete an, dass die Gemeinschaft mit zum Rest der Bevölkerung vergleichsweise besonders hohen Hochschulbildungsraten wächst und gedeiht.

Nach Angaben von CBS stellen Christen rund 1,9% der Bevölkerung Israels und nahm 2020 um 1,4% zu.

Christen stellen 7% der arabischen Bevölkerung Israels und 76,7% der Christen in Israel sind Araber. Die größten arabisch-christlichen Bevölkerungszentren in Israel sind Nazareth (21.400), Haifa (16,500) und Jerusalem (12,900).

Die Mehrheit der nicht arabischen Christen lebt im Raum Tel Aviv.

Die Statistiken offenbaren, das arabisch-christliche Frauen einige der höchsten Bildungsraten im Land hatten.

Menschen genießen ein Weihnachtsfest am Neuen Tor in Jerusalems Altstadt, 16. Dezember 2021 (Foto: Nati Shohat/Flash90)

Es zeigte sich, dass 53,1% der arabischen Christen und 35,4% der nicht arabischen Christen nach der Hochschulreife einen Bachelor-Abschluss machen; im Vergleich dazu gilt das für 34% der Gesamtzahl der Abiturienten im arabischen Schulsystem und 47,2% aller Abiturienten im hebräischen Bildungssystem.

„Der Anteil der Frauen unter den christlichen Studenten war höher als der Frauenanteil an der Gesamtzahl der Studenten aller Abschlüsse, aber besonders in höheren Abschlüssen: jeweils 64,1% bzw. 53,2% der Studierenden für eine Promotion und jeweils 72,9% bzw. 63,8% der Studierenden für einen Masterabschluss“, stellte der Bericht fest.

Der Bericht stellt auch im Vergleich zur jüdischen und muslimischen Bevölkerung niedrigere Zahlen von Christen fest, die Arbeitslosengeld beantragen.

Nach Angaben von CBS sind 84% der Christen mit ihrem Leben zufrieden: 24% antworteten „sehr zufrieden“ und 60% waren „zufrieden“.

Zu weiteren in dem Bericht veröffentlichte Details gehört, dass 2019 in Israel 803 christliche Paare heirateten, wobei das Durchschnittsalter für erste Ehen christlicher Bräutigame bei 30,3 Jahren und der christlichen Bräute bei 26,7 Jahren liegt.

2020 gebaren christlichen Frauen 2.497 Babys, bei einem Durchschnitt von 2,05 Kindern pro Familie.

Die Ergebnisse stellen widersprechen aktuellen Äußerungen christlicher Leiter.

Fr. Francesco Patton, der oberste Hüter (Custos) der katholischen Kirche im Heiligen Land und Hüter der christlichen heiligen Stätten im Heiligen Land, schrieb in einer Stellungnahme, die am Samstag in der britischen Daily Mail veröffentlicht wurde: „Unsere Anwesenheit ist unsicher und unsere Zukunft gefährdet.“

Ein amerikanischer Pilger geht zur Grabeskirche in der Altstadt Jerusalems, 30. November 2021 (Foto: AP Photo/Maya Allenuzzo)

Letzte Woche gaben die Patriarchen und Leiter der Kirchen in Jerusalem eine gemeinsame Erklärung aus, die auf ähnliche Weise vor der Gefahr durch radikale Gruppen warnte, von denen sie sagen, sie zielten darauf ab „die christliche Präsenz zu reduzieren“.

Patton schrieb in den letzten Jahren, das Leben vieler Christen sei „von radikalen lokalen Gruppen mit extremistischen Ideologien untragbar“ gemacht worden.

„Es scheint so, dass ihr Ziel ist die Altstadt von Jerusalem von seiner christlichen Bevölkerung zu befreien, sogar das christliche Viertel“, sagte er.

Heilige Stätten, auch Kirchen, seien geschändet und verunstaltet worden, während Angriffe auf Priester, Mönche und Kirchgänger verübt wurden, klagte Patton an.

„Diese radikalen Gruppen repräsentieren nicht die Regierung oder das Volk von Israel. Aber wie bei jedem Extremistenlager kann eine radikale Minderheit allzu leicht das Leben von vielen belasten, besonders wenn sie ihre Aktivitäten unbehelligt ausüben und ihre Verbrechen nicht bestraft werden.“

Fr. Francesco Patton, Custos des Heiligen Landes, Hüter der christlichen heiligen Stätten im Heiligen Land für die katholische Kirche (Foto: zur Verfügung gestellt)

Patton schrieb, dass die Christen einst 20% der Bevölkerung Jerusalems stellten, heute aber weniger als 2% ausmachen. Er gab einen Appel um Unterstützung an die Welt aus, „damit wir die reiche Diversität dieses Heiligen Landes weiter erhalten können“.

Weitere Warnungen kamen vom britischen Erzbischof von Canterbury Justin Welby in einem gemeinsam mit dem anglikanischen Erzbischof von Jerusalem Hosam Naoum geschriebenen Artikel, der in der britischen Sunday Times veröffentlicht wurde. Sie sagten, der Artikel sei von einer letzte Woche von den Jerusalemer Kirchen ausgegebenen Äußerung ausgelöst worden, die Welby in einem Tweet „eine nie da gewese Erklärung der Patriarchen und Kirchenleiter in Jerusalem zur Zukunft der Christen im Heiligen Land“ nannte.

In ihrem Artikel schrieben Welby und Naoum, es gebe einen „abgestimmten Versuch Christen einzuschüchtern und zu verscheuchen.

Die Erzbischöfe sagten, die Zunahme israelischer Siedlergemeinden, zusammen mit den Einschränkungen der Bewegungsfreiheit durch die Sicherheitsbarriere, die gebaut wurde, um Anschläge aus der Westbank zu behindern, hätten „die Isolation der christlichen Dörfer verstärkt“.

Als Ergebnis, schrieben die beiden, gebe es „einen steten Strom palästinensischer Christen, die das Heilige Land verlassen, um woanders Leben und Lebensunterhalt zu suchen“.

Der Artikel der Erzbischöfe führte zu einem Protest des Board of Deputies der britischen Juden, der sich auf einige Behauptungen konzentrierte, die sie darüber machten, was das Schwinden christlicher Präsenz in Israel verursacht.

Präsidentin Marie van der Zyl schrieb einen Brief an Welby, in dem sie „großes Bedauern“ über seine veröffentlichten Anmerkungen ausdrückte und zu einem Treffen aufrief, um die „zutiefst beunruhigenden“ Aspekte seines Artikels zu diskutieren, berichtete der Jewish Chronicle.


Anhang: Yoseph Haddad, ein israelischer Christ, hat eine Botschaft für Erzbischof Welby – nämlich ein paar Fakten zu Christen im Nahen Osten (Video auf Englisch):