Vor 955 Jahren: Ermordung der Juden im Massaker von Granada

Der jüdische Wesir wurde gekreuzigt und tausende Juden in der Stadt getötet; das wird weithin als antisemitisches Pogrom betrachtet, das als das Ende des Goldenen Zeitalters des spanischen Judentums bewertet wird.

Aaron Reich, Jerusalem Post, 30. Dezember 2021

Alandalusische Architektur in Granada, Spanien (Beispielbild –Foto: PIXABAY)

Am 30. Dezember war das Massaker von Granada 955 Jahre her, ein brutales Ereignis, bei dem ein muslimischer Mob den königlichen Palast in Granada im muslimisch beherrschte Spanien stürmte, den jüdischen Wesir kreuzigte und tausende jüdische Einwohner der Stadt abschlachtete.

Granada war die Hauptstadt eines muslimischen Berber-Königreichs desselben Namens im modernen Spanien, das damals als al-Andalus bekannt war, als es sich unter muslimischer Herrschaft befand. Damals wurde es von der Zirid-Dynastie regiert; die Kontrolle über das Königreich wechselte zwar mehrere Jahrhunderte über die Hände, aber Granada sollte letztlich als die letzte Bastion muslimischer Herrschaft in al-Andalus bekannt werden, bevor es 1492 als Höhepunkt der Reconquista unter spanische Herrschaft fiel.

Die jüdische Präsenz in Granada ist allerdings weit älter. Tatsache ist, dass einige Legenden sogar postulieren, dass Juden seit der Zerstörung des ersten Tempels in der Stadt lebten; die ersten bekannten Nachweise gehen ins Jahr 711 zurück. In der Tat ist die jüdische Präsenz in Granada so alt und bewiesen, dass die Stadt einst als Garnāta-al-Yahūd bekannt war, was heißt „Granada, Stadt der Juden“. Obwohl einige Forscher diese weit verbreiteten Mutmaßungen jüdischer Geschichte in der Stadt anzweifeln, lebt das traditionelle Vermächtnis weiter, so wie ihre Bedeutung in der jüdischen Geschichte.

Wie in vielen Teilen von al-Andalus blühte die lokale jüdische Bevölkerung auf, wobei die muslimische Herrschaft über die Iberische Halbinsel weithin als das „Goldene Zeitalter“ für das sephardische Judentum betrachtet wurde. Während dieser Zeit genossen Juden mehr Freiheiten und Reichtum als mehr als tausend Jahre zuvor und jüdische Kultur, Philosophie und Wissenschaften florierten.

Die Lage war allerdings nicht immer gut. Fakt ist, dass nach dem Fall des Kalifats von Córdoba und al-Andalus in kleinere muslimische Königreiche zerbrach, Juden nicht immer denselben Wohlstand hatten. Aber in Granada war das nicht der Fall; dort blühte jüdisches Leben unter der Herrschaft der Ziriden.

Blick auf die Ziriden-Mauern Granadas von Aussichtsturm des Dar la-Hurra-Palasts (Foto: Wikimedia Commons)

In der Tat kann der Einfluss der jüdischen Gemeinde in Granada nicht untertrieben werden, da sie nicht nur denselben Status als Dhimmi – Nichtmuslimen mit geschütztem Status – inne hatten, der im Fall muslimischer Herrschaft üblich war. Ein Forscher ging sogar so weit, den Ziridenstaat als „jüdisches Königreich außer dem Namen nach“ zu beschreiben.

Das ist besonders im Fall eines bestimmten Juden zu sehen: Samuel ibn Naghrillah, besser bekannt als Samuel HaNagid oder Schmuel HaNagid, ein prominenter Talmud-Forscher, Dichter und Philosoph, der von manchen als einflussreicher Jude in al-Andalus beschrieben wird. Er war seine ganze Karriere hindurch kolossal erfolgreich und wurde sogar der Oberste Wesir und General der Ziriden, mit Letzterem der erste Juden, der muslimische Armeen auf dem Schlachtfeld kommandierte. Tatsächlich widersprachen beide Positionen dem Pakt des Omar, einem uralten muslimischen Vertrag, der den Dhimmistatus einführte und sicherstellte, dass Dhimmis unter muslimischer Herrschaft kein öffentliches Amt bekleiden durften.

Nach seinem Tod ersetzte ihn Josef ibn Naghrela als Wesir. Leider sollte er nicht den Erfolg seines Vater haben.

Manche beschreiben Josef als stolz und unbescheiden, andere sagen, dass ihm Glaube fehlte. Während diese Anschuldigungen unwahr sein könnten, da viele andere Berichte ihn preisen, waren viele Berber mit ihm unzufrieden.

Das selbst ist Folge der vielen möglichen Gründe wie Groll, dass Josef eine solch herausragende Position inne hatte oder dass er angeblich geplant habe ein feindliches Königreich in die Stadt zu lassen, wenn dieses ihn als König einsetzen würde.

Ebenfalls recht bekannt ist die Verbreitung von Gedichten, die Josef und die Juden als Ganzes verleumden. Eines dieser Gedichte, geschrieben von einem Ibrahim ibn Masud Saad al-Tujibi, auch bekannt als Abu Ischaq, war besonders bösartig und beinhaltete die folgenden Verse, wie der Historiker Bernard Lewis erzählt:

Betrachtet sie zu töten nicht als Verletzung des Glaubens,
die Verletzung des Glaubens bestünde darin sie weitermachen zu lassen.
Sie haben unseren Bund mit ihnen verletzt, wie könnt ihr gegen die Übertreter für schuldig gehalten werden?
Wie können sie ein Bündnis haben, bei dem wir unbedeutend und sie herausragend sind?
Jetzt sind wir niedrig neben ihnen, als wenn wir unrecht hätten und sie recht!

Was sich letztlich daraus ergab, war das Massaker.

Am 30. Dezember 1066 stürmte ein wütender Mob den Palast und kreuzigte Josef, bevor er seine Wut gegen die Juden der Stadt richtete und tausende von ihnen abschlachtete.

Die genaue Zahl der Todesopfer ist unklar und heiß umstritten. Zwar haben viele die Zahl in die Tausende schätzen, besonders Zahl 1.500 Haushalte wird angegeben, aber die genaue Anzahl ist unbekannt. Trotzdem ist das Blutvergießen gut dokumentiert und wird weithin als Beispiel für ein antisemitisches Pogrom betrachtet.

Nicht alle Juden wurden getötet, aber viele andere waren gezwungen zu fliehen, ihre Häuser und Land zu verkaufen, um Granada zu verlassen.

Die Juden sollten später in die Stadt zurückkehren. Es sollte jedoch nie wieder den Höhepunkt von einst erreichen. Juden wurden unter den folgenden Herrscherdynastien der Almoraviden, Almohaden und Naseriten anders behandelt, manchmal besser, manchmal schlimmer. Letztlich sollte aber die lange Geschichte des jüdischen Lebens in Granada 1492 zu Ende gehen, als die Juden aus Spanien vertrieben wurden.

Das Massaker wird von vielen als Ende des Goldenen Zeitalters des sephardischen Judentums in al-Andalus betrachtet, ein Auftakt zum tragischen Schicksal, das die Juden auf der Iberischen Halbinsel heimsuchen sollte.

Obwohl sie einst die Stadt der Juden gewesen ist, sind Spuren des alten jüdischen Lebens in Granada heute fast völlig verschwunden.