Die Entstehung von arabischem Zionismus?

Eine zunehmende Zahl Araber erkennt, dass Israel nicht ihr Feind ist, sondern ihr unverzichtbarer Verbündeter, während der Westen weiter in die Gegenrichtung unterwegs ist.

Melanie Phillips, Israel HaYom, 14. Januar 2022

Während westliche Linke und der UNO-Menschenrechtsrat ihre Entschlossenheit verstärken Israel zu dämonisieren, zu delegitimieren und zu zerstören, kommt Unterstützung für das belagerte Land aus einer überraschenden Richtung.

2020 waren viele überrascht von den Abraham-Vereinbarungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabern Emiraten. Es kam Hoffnung auf, dass diese präzedenzlose Verbindung ein Ende des hundert Jahre alten arabischen Kriegs gegen den jüdischen Staat einläuten könnte.

Inzwischen gibt es Zeichen eines neuen und damit verbundenen Phänomens: das Aufkommen von arabischem Zionismus.

Im Jewish Chronicle berichtete Jonathan Sacerdoti, dass eine Reihe arabische Influencer mit jeweils hunderttausenden Followern in den sozialen Medien aufgetaucht sind, um für Israel und die Unterstützung der Juden zu werben.

Ein syrischer Blogger begann ein Video damit, dass er die israelische Regierung anflehte ganz Syrien zu „besetzen“, um weitere Leben zu retten. „Die Golanhöhen sind der einzige Bereich in Syrien, der nicht zerstört worden ist und dessen Leute nicht getötet werden“, sagte er.

In einem weiteren Video war ein arabischer Akademiker zu Tränen gerührt, weil er Jerusalems Holocaust-Gedenkstätte Yad Vaschem besuchte; er versprach: „Wir, Muslime, Juden und Christen, versprechen euch heute gemeinsam, dass das nie wieder geschehen wird.“

In Dubai sagte der 39-jährige Loay Al-Scharif, er sei Zionist: „Es ist sehr rechtschaffen, dass die Juden ihr uraltes Heimatland im Land Israel haben.“

Mit regelmäßigen Verweisen auf die jüdische heilige Schrift fügte er hinzu: „Die Juden sind im Land keine Kolonisatoren oder Eroberer, denn wenn wir das glauben würden, dann würden wir glauben, dass David, Salomo, Jesaja und Yirmiyahu und die Propheten faktisch Kolonisatoren waren und das würde den islamischen Glauben erledigen.“

Es scheint so, dass etwas bislang in der arabischen Gesellschaft Unterdrücktes jetzt entriegelt worden ist. Die Vereinbarungen haben Golf-Araber frei gemacht ihre Unterstützung für Israel und die Juden zu erklären, womit sie gewisse Wahrheiten und Realitäten offen zugeben statt der Lügen, die ihre Gesellschaft sich so lange erzählt hat.

Wie tief geht diese Entwicklung?

Zu einem großen Teil ist sie das Ergebnis einer Revolte gegen den religiösen Extremismus, den die Araber selbst in den Rest der islamischen Welt exportiert haben.

Dieser Extremismus entwickelte sich nach dem Ersten Weltkrieg. Als Weltführer nach diesem Krieg und dem damit zusammenhängenden Zusammenbruch des Osmanischen Reichs den Nahen Osten aufteilten, unterstützten die arabischen Muslime ursprünglich die Rückkehr der Juden in ihre angestammte Heimat in Palästina.

1918 bezeichnete Scherif  Hussein, der Hüter der islamischen heiligen Orte in Arabien, das jüdische Volk als Palästinas „ursprüngliche Söhne“, die in ihre „heilige und geliebte Heimat“ zurückkehren.

Diese Unterstützung wurde allerdings durch den Aufstieg des Islamismus – des extremen poltischen Islam – in mörderische Feindschaft transformiert. Dieser kam in den Anfangsjahren des letzten Jahrhunderts als weiteres Ergebnis des Zusammenbruchs des Osmanischen Reichs auf, das den politischen Islam bislang in Schach gehalten hatte.

Der Pate des Islamismus war der Ägypter Sayed Qutb, Gründer der Muslimbruderschaft, der seine Ansichten mit fanatischem Wortwörtlichkeitsdenken aus islamischen religiösen Texten und ihrer theologischen Feindschaft gegenüber Juden schöpfte. In seiner Hetzrede Unser Kampf mit den Juden aus dem Jahr 1950 erklärte Qutb, dass die Juden die Feinde Allahs seien, die sich dazu verschwören in aller Welt in Regierungen einzudringen, um „ihre bösartigen Pläne zu begehen“, einschließlich eines Plans die Kontrolle über den gesamten „Wohlstand der Menschheit“ zu kontrollieren.

Laut dem Islamforscher Robert Wistrich kehrten Qutbs Schmähungen Antisemitismus ins Kennzeichen islamistischer Bewegungen. In der gesamten muslimischen Mainstream-Gesellschaft machte das die Juden zu einer Metapher für westliche Vorherrschaft, Unmoral und eine Bedrohung der Integrität des Islam.

Der Islamismus wurde von den Briten in den 1920-er und 1930-er Jahren mit der Person des Großmuftis von Jerusalem, Haddsch Amin al-Husseini, ins Mandat Palästina eingeführt. Sein aggressiver Antisemitismus verschmolz theologische islamische Feindschaft gegenüber den Juden mit dem radikalen Judenhass der Nazis.

Heute hingegen wenden sich, angeführt vom saudi-arabischen de-facto-Herrscher Kronprinz Mohammed bin Salman die Golfstaaten vom Islamismus als Verlierer-Charta ab.

Islamisten betrachten die Moderne als tödlichen Feind des Islam und glauben, hinter der Moderne steckten die Juden. Im Gegensatz dazu, so Salman, müssen die Araber die Moderne annehmen, weil die islamistische Alternative sie zum Wüsten-Primitivismus der Stämme zurückbringen würde. Und Israel ist der Schlüssel zur Moderne sowie zum Schutz vor ihrem gemeinsamen schiitisch-islamistischen Feind in Teheran.

Natürlich ist es wichtig all das in der richtigen Perspektive zu halten. Diese reformerischen arabischen Stimmen sind zahlenmäßig immer noch klein. Salman hat viele Feinde, die seinen buchstäblichen Untergang anstreben.

In Britannien und Europa sind muslimische Gemeinschaften unverhältnismäßig an Angriffen auf Juden beteiligt. Und während viele Muslime den politischen Islam scheuen, bleibt ihre Theologie erfüllt von einem Hass auf die Juden und dem Aufruf zum Jihad, dem heiligen Krieg gegen sie.

Dennoch deuten diese offenen Bekundungen arabischer Freundschaft gegenüber Israel eine beträchtliche Bewegung der geopolitischen tektonischen Platte an. Denn die „Palästinenser“ werden jetzt von ihren ehemaligen arabischen Verbündeten allein gelassen.

Das Palästinensertum ist erfüllt von Islamismus. Das gilt nicht nur für die Hamas, die in ihrer Charta Qutb nacheifert und die Juden für alle Missstände der Welt verantwortlich macht. Es gilt auch für die angeblich moderate palästinensische Autonomiebehörde, deren Führer Mahmud Abbas den Islamisten al-Husseini offen bewundert – Hitlers Verbündeten im Nahen Osten war und sich der „Endlösung“ der Juden in der gesamten Region verpflichtete.

Doch trotz dieser unheilvollen Fakten besteht der Westen auf seiner unversöhnlichen Überzeugung, dass Israel das Problem ist.

Es ist kein Zufall, dass diese hirnverdrehte Umkehrung von Wahrheit und Lüge nach kommunistischer Gehirnwäsche riecht. Denn die Sowjetunion nutzte die Sache der Palästinenser, um den Zugriff des Westens auf die Vernunft zu untergraben und von seinem moralischen Kompass zu kippen.

In einem Artikel für Gatestone erzählt Richard Kemp, wie General Ion Mihai Pacepa, Leiter des rumänischen Auslands-Geheimdienstes, der der ranghöchste Geheimdienstoffizier wurde, der aus dem sowjetischen Einflussbereich überlief, Details für KGB-Operationen gegen Israel lieferte.

Pacepa sagt, der KGB-Vorsitzende Juri Andropow habe ihm gesagt: „Wir müssen der gesamten islamischen Welt einen naziartigen Hass auf die Juden einflößen und diese Waffe der Emotionen in ein terroristisches Blutbad gegen Israel und seien Hauptunterstützer verwandeln, die USA.“

Moskau hatte begriffen, wie es die „Palästinenser“ zur Waffe gegen den Westen machen konnte. Andropow sagte Pacepa: „Der Islam war besessen davon die Besatzung seines Territoriums durch die Ungläubigen zu verhindern und er ist höchst empfänglich für unsere Darstellung des US-Kongresses als habgierigem zionistischem Gremium, das aus der Welt in ein jüdisches Lehen machen will.“

Um seine Ziele zu erreichen, ersann der Kreml die Operation SIG, eine Desinformationskampagne, die darauf abzielte „die gesamte islamische Welt gegen Israel und die USA aufzubringen“.

Aber er musste auch den Westen selbst ins Visier nehmen. Das machte er durch Verwandlung des arabischen Vernichtungskriegs gegen den jüdischen Staat in etwas, das der Westen unterstützen würde: eine Kampagne für die Selbstbestimmung von Unterdrückten.

Also schuf sie in den 1960-er Jahren, als sie mit Yassir Arafat – dem in Ägypten geborenen Führer der terroristischen Palästinensischen Befreiungsorganisation – unter einer Decke steckten, eine fiktive palästinensisch-arabische Identität. So sagte Arafat: „Das palästinensische Volk hat keine nationale Identität. Ich, Yassir Arafat, Mann des Schicksals, werde ihnen durch den Konflikt mit Israel diese Identität verschaffen.“

Der kulturell demoralisierte Westen – wohl die spektakulärste Ansammlung „nützlicher Idioten“ der Sowjetunion – hat sich davon völlig einnehmen lassen.

Da eine zunehmende Zahl Araber erkennt, dass Israel nicht ihr Feind ist, sondern ihr unverzichtbarer Verbündeter, ist die letzte verbliebene Hoffnung der Palästinenser die obsessive Feindseligkeit des Westens gegenüber Israel und den Juden.

Der Vernichtungskrieg gegen Israel ist eine unerledigte Angelegenheit sowohl des Nationalsozialismus als auch des Kommunismus. Dennoch können westliche Israel-Schläger nicht einsehen, dass der Islamismus diese beiden mörderischen System in einem Angriff auf Israel nicht nur auf Israel, sondern auf den Westen selbst verschmolz.

Während die arabische Welt sich zunehmen dem Überleben und dem jüdischen Volk zuwendet, bleibt der Westen fest entschlossen in die entgegensetzte Richtung zu marschieren.

2 Gedanken zu “Die Entstehung von arabischem Zionismus?

    • Ja, einzigartig. Und Europa hat ja immer Recht und weiß alles am besten, nicht wahr? Vor allem weiß man in Europa immer besser, was für andere das Beste ist.

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