Gibt es Antisemitismus in Israel?

Israelis verstehen intuitiv, dass BDS inhärent antisemitisch ist. Wann wird die israelische Führung nachziehen?

Adam Milstein, Jerusalem Post, 25. Dezember 2021

Flugblatt für „Hinter der Maske: das antisemitische Wesen der BDS-Bewegung entlarvt“ (Foto: Ministerium für strategische Angelegenheiten)

Beim Gipfel des Israeli-American Council (IAC), an dem ich vor kurzem in Miami teilnahm, hörte ich von israelischen Leitern und Ministern, dass es für Israelis schwer ist eine Beziehung zur Geißel des globalen Antisemitismus aufzubauen, weil … es in Israel keinen Antisemitismus gibt!

Ich war überrascht zu erfahren, dass laut diesen Leitern der Abnutzungskrieg und die Dämonisierung unseres jüdischen Staates, weltweit angeführt von der Bewegung Boykott, De-Investition und Sanktionen (BDS), die von Israelis als Delegitimation definiert wird, nicht als Antisemitismus betrachtet wird.

Diese Vorstellung wurde ein paar Tage später verstärkt, als ein israelischer Minister bei einer Konferenz der Knesset zu „Bekämpfung von Delegitimierung“ (d.h. BDS) sagte, er sei nicht bereit die Behauptung zu akzeptieren, dass jede Tat der BDS antisemitisch ist.

Ist die BDS-Bewegung ihrem Wesen nach antisemitisch?

Laut der Arbeitsdefinition für Antisemitismus der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA) ist die BDS-Bewegung entsprechend vieler Kriterien eindeutig antisemitisch, darunter:

„Anwendung von zweierlei Maß durch Forderung eines Verhaltens, das von keinem anderen demokratischen Staat erwartet oder gefordert wird“; BDS pflegt eine einzigartige, feindselige Besessenheit gegen über Israel, legt Standards an Israel an, die es an keine andere Instanz anlegt, darunter die völlige Missachtung der Menschenrechtsverletzungen, die von der palästinensischen Autonomiebehörde, Hamas und benachbarte arabische Staaten an Palästinensern begeht.

„Dem jüdischen Volk sein Recht auf Selbstbestimmung zu verweigern, z.B. indem behauptet wird, die Existenz des Staats Israel sei ein rassistisches Unterfangen“; BDS hat sich der Abschaffung der „Apartheid“ Israels verschrieben, mit der alle jüdische Souveränität im Land Israels als illegale und ungerechte „Besatzung“ definiert wird.

„Beim Töten oder Schädigen von Juden im Namen einer radikalen Ideologie oder extremistischen Sicht einer Religion zu helfen oder das zu rechtfertigen“; BDS verurteilt nie ausdrücklich oder vorbehaltlos Gewalt gegen Israelis; stattdessen billigt sie Gewalt als legitime Form des „Widerstands“.

Steht die BDS-Bewegung auch dem Terrorismus nahe?

Wenn das nicht überzeugt, dass die BDS Antisemitismus gleicht, dann sollten wir vielleicht den Zweck der BDS und ihrer Ursprünge erkunden.

2019 veröffentlichte Israels Ministerium für strategische Angelegenheiten Terrorists in Suits [Terroristen in Anzügen], ein inzwischen berühmter Bericht, der die Tatsache untermauert, dass die fünf großen palästinensischen Terrororganisationen, nämlich die Fatah, Hamas, Islamischer Jihad und die Volksfront zur Befreiung Palästinas, die BDS-Bewegung 2001 gründeten, um eine neue Angriffsfront gegen den Staat Israel und das jüdische Volk zu eröffnen und ihre Anstrengungen auf einen geeinten Kanal zu konzentrieren. Zusätzlich zu Terroranschlägen auf Israelis begannen sie einen internationalen Boykott gegen Israel auf Grundlage des Modells, das gegen das Südafrikanische Apartheid-Regime während der 1970-er und 1980-er Jahre benutzt wurde.

Der Bericht „Terrorists in Suits“ entlarvt mehr als 100 Verbindungen zwischen sogenannten Menschenrechts-NGOs und erklärten Terror-Organisationen (Foto: Ministerium für Strategische Angelegenheiten)

Eine der ersten strategischen Handlungen, die diesen palästinensischen Terrororganisationen vornahmen, bestand darin zu erklären, Zionismus Rassismus sei und Israel während der Durban-Konferenz 2001 zum Apartheidstaat zu erklären. Eine weitere Handlung war und ist Israel als Menschenrechtsverletzter und Apartheidstaat darzustellen.

Israels Ministerium für Strategische Angelegenheiten veröffentlichte 2019 einen weiteren Bericht: Behind the Mask: The Antisemitic Nature of BDS Exposed [Hinter der Maske: Der antisemitische Charakter von BDS entlarvt]. Seine Befunde wurden später vom Bericht The News Antisemites [Die neuen Antisemiten] unterstützt, der von StopAntisemitism.org und dem Zachor Legal Institute veröffentlicht wurde und den mehr als 60 amerikanische NGOs bestätigten. Beide Berichte bekräftigen, dass die BDS-Bewegung der neue Antisemitismus unserer Zeit ist, Israel und das jüdische Volk dämonisiert, die Haupt-Hassbewegungen – die Rechtsextreme, die Linksextreme und radikale Islamisten – verbindet und zu Gewalt gegen Juden aufstachelt, wo immer sie sind.

Stachelt die BDS-Bewegung wirklich weltweit und in Israel zu Gewalt auf?

Im Verlauf der letzten Jahre und sogar innerhalb der letzten Wochen sind gewalttätige und tödliche Angriffe auf Juden üblich geworden sind, weltweit wie auch in Israel. Sehen Sie sich nur die jüngsten Anschläge auf Juden in New York, Los Angeles, Jerusalem, Jaffa, Haifa, Lod und in Judäa und Samaria an, die von Palästinenser und israelischen Arabern verübt wurden und das BDS-Ziel unterstützen Israel und seine jüdischen Einwohner zu eliminieren.

Die Angreifer in Europa, Amerika und Israel waren die extremistischsten Muslime, die insbesondere auf diejenigen losgingen, die erkennbar jüdisch waren.

Insgesamt begreifen die Israelis intuitiv, dass die BDS-Bewegung – mit ihrem Ziel Juden zu töten und den jüdischen Staat zu beseitigen, seiner Dämonisierung und zweierlei Maß gegen Israel und der stillschweigenden, wenn nicht sogar deutlichen Unterstützung von Gewalt und Terrorismus gegen Israelis und ihre jüdischen wie nichtjüdischen Anhänger – inhärent antisemitisch ist.

Es ist längst an der Zeit für israelische Führer in der Realität anzukommen, dass Antisemitismus eine deutliche Gefahr in Israel ist und dass diejenigen, die unschuldige Israelis in Israel und weltweit töten, aus antisemitischen Motiven heraus agieren.

Angesichts des unbestreitbaren antisemitischen und gewalttätigen Wesens der BDS ist es höchst alarmierend, dass israelische Führer die von BDS dargestellte antisemitische Bedrohung herunterspielen. Der Krieg gegen Israel, für den BDS praktisch als Public-Relations-Arm dient, ist fester Bestandteil des globalen Antisemitismus. Ihre Ziele sind in dieser Kampagne Juden sowohl in der Diaspora als auch in Israel.

Wir müssen gegen BDS und alle Formen des Antisemitismus zusammenstehen. Der Krieg gegen Israel wurzelt im Antisemitismus und wir dürfen nicht weiter unrichtig den Konflikt als eine Art übergemeindlichen Kampf um Territorium verharmlosen. Die Ablehnung einer souveränen Präsenz in Israel, die BDS fördert, ist antisemitisch.

Ich rufe die israelischen Juden auf, den antisemitischen Krieg offen anzuerkennen, der ihnen, wie auch Generationen der Vergangenheit und der Zukunft, seit so vielen Jahrzehnten ungerechterweise aufgedrängt worden ist und mit ihren jüdischen Geschwistern in der Diaspora zusammenzustehen, die ebenfalls angegriffen werden.

Sie müssen auch fordern, dass ihre Führer diese antisemitische Bedrohung direkt identifizieren und bekämpfen und diese reale und gegenwärtige Gefahr nicht verwässern, die nur allzu regelmäßig Juden in Israel und aller Welt tötet und verstümmelt. Zusammen können wir gegen dieses Übel bestehen.