Die ignorierte Pandemie: Weltweit werden 360 Millionen Christen verfolgt

Raymond Ibrahim, 14. Februar 2022

Das Jahr 2021 „erlebte die schlimmste Christenverfolgung in der Geschichte“ – mit durchschnittlich 16 jeden Tag wegen ihres Glaubens ermordeten Christen.

Diese Feststellung kommt von der World Watch List 2022 (WWL-2022), die gerade von der internationalen humanitären Organisation Open Doors veröffentlicht wurde. Der Bericht erstellt jedes Jahr Liste der 50-Länder, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Die WWL nutzt Daten von Außendienstlern und externen Experten, um die weltweite Verfolgung zu quantifizieren und zu analysieren.

Nach Angaben der WWL-2022, der den Zeitraum vom 1. Oktober 2020 bis 30. September 2021 abdeckt, „litten mehr als 360 Millionen Christen unter hohem Verfolgungsniveau und Diskriminierung wegen ihres Glaubens – ein Anstieg von 20 Millionen gegenüber dem letzten Jahr. Die Zahl repräsentiert einen von sieben Christen weltweit. Dieses Jahr hat den Rekord der stärksten Verfolgung seit vor 29 Jahren die erste Liste veröffentlicht wurde.

Im selben Berichtszeitraum wurden 5.898 Christen wegen ihres Glaubens ermordet, „eine Zahl, die eine 24-prozentige Zunahme gegenüber 2021 darstellt (als „nur“ 4.761 Christen getötet wurden). Zusätzlich wurden „6.175 Gläubige ohne Gerichtsverfahren inhaftiert, verhaftet, verurteilt oder eingesperrt“ und 3.829 entführt.

Den Hass auf das Christentum spiegelt vielleicht noch stärker, dass 5.100 Kirchen und andere christliche Gebäude (Schulen, Klöster usw.) angegriffen und entweiht wurden.

Rechnet man diese Zahlen in Durchschnitte um, dann bedeuten die angeführten Statistiken, dass weltweit jeden Tag mehr als 16 Christen wegen ihres Glaubens ermordet, 27 entweder illegal verhaftet oder von nichtchristlichen Obrigkeiten inhaftiert oder von nichtchristlichen Akteuren entführt und 14 Kirchen zerstört oder geschändet wurden.

Zum ersten Mal seitdem diese WWL-Berichte veröffentlicht werden, schoss Afghanistan, das Jahre lang in der Regel (nach Nordkorea) auf der Nr. 2 der schlimmsten Staaten stand, auf den ersten Platz vor, was bedeutet, dass „Afghanistan jetzt der gefährlichste Ort der Welt ist, um Christ zu sein“. Zusätzlich

sehen christliche Männer sich dem fast sicheren Tod gegenüber, wenn ihr Glaube entdeckt wird.

mögen Frauen und Kinder dem Tod entgehen, aber an junge Taliban-Kämpfer verheiratet werden, die die „Kriegsbeute“ haben wollen. Nachdem die Frauen und Mädchen vergewaltigt wurden, werden sie verkauft.

Gewann das einkommende Taliban-Regime Zugang zu den Aufzeichnungen und Berichten, die halfen Christen zu identifizieren. Diese wurden oft inhaftiert, um christliche Netzwerke zu identifizieren, bevor sie getötet wurden.

stöbern Taliban-Kämpfer immer noch mit bestehenden Geheimdienst-Informationen aktiv Christen auf, gehen manchmal von Tür zu Tür, um sie zu finden.

Zehn andere Staaten, die hinter Afghanistan platziert sind, erhielten dieselbe Bezeichnung „extreme Verfolgung“. Das bedeutet, dass diese Orte für Christen nur unwesentlich sicherer sind. Es handelt sich um: Nordkorea (Platz 2), Somalia (Platz 3), Libyen (Platz 4), Jemen (Platz 5), Eritrea (Platz 6), Nigeria (Platz 7), Pakistan (Platz. 8), Iran (Platz 9), Indien (Platz 10) und Saudi-Arabien (Platz 11). In diesen Ländern sehen sich Christen Verfolgung ausgesetzt, unter der sie schikaniert, verprügelt, vergewaltigt, inhaftiert und abteschlachtet wurden, nur weil sie als Christen identifiziert wurden oder eine Kirche besuchten.

Dieser Trend betrifft die gesamte Liste: Die Verfolgung, die Christen in 39 der 50 Staaten auf der Liste erfahren, kommt entweder durch islamische Unterdrückung oder tritt in mehrheitlich muslimischen Staaten auf. Die überwiegende Mehrheit dieser Staaten wird von einer Form der Schari‘a (dem islamischen Gesetz) regiert. Sie kann entweder direkt von Regierung oder Gesellschaft durchgesetzt werden oder – regelmäßiger – durch beides, obwohl Gesellschaften – Familienmitglieder, die insbesondere durch Verwandte aufgebracht sind, die konvertiert haben – dazu tendieren, in ihrer Anwendung eifersüchtiger zu sein.

In einem Abschnitt mit dem Titel „Ermutigt: Die Talibanisierung Westafrikas und darüber hinaus“ deutet der Bericht an, dass dieser Trend sich verschlimmert:

Der Fall Kabuls hat bei andren Jihadistengruppen weltweit eine neue Stimmung der Unverletzbarkeit angeregt. Die Gruppen glauben, dass sie sich keiner ernsten Opposition des Westens gegenüber ihren expansionistischen Plänen gegenüber sehen und die Staaten mit schwachen und korrupten Regierungen ausnutzen … Das Afrika südlich der Sahara, bereits der Ort, wo Gewalt gegen Christen am stärksten ist, hat sich einem weiteren steilen Anstieg der jihadistischen Gewalt ausgesetzt gesehen; es wird befürchtet, dass ein beträchtlicher Teil der Region destabilisiert wird…“

In einem anderen Abschnitt führt der Bericht genauer aus:

„In Nigeria und Kamerun richtet Boko Haram verheerende Schäden an, die Gruppe Islamischer Staat ist in Westafrika und Mosambik aktiv und al-Schabaab in großen Teilen Somalias. Es scheint, als könne nichts getan werden, um das Vorankommen des islamischen Extremismus aufzuhalten.

Wir wissen, wie die Ideologie des radikalen Islam für Ungläubige aussieht, weil wir das im Irak und in Syrien gesehen haben. Als ISIS Teile des Nahen Ostens in Besitz nahm, wurden Christen hingerichtet, entführt, sexuell angegriffen und gejagt. Wo Gruppen wie Boko Haram und al-Schabaab aktiv sind, sind ähnliche Drohungen unausweichlich. Als die Taliban die Kontrolle über Afghanistan übernahmen, versuchten sie moderat zu erscheinen – aber es gibt kein Zeichen, dass das Christentum irgendetwas anderes als die Todesstrafe bringt.“

Obwohl der Islam weiter den Löwenanteil an Verfolgung hat,  lässt religiöser Nationalismus in nichtmuslimischen Staaten sie außerdem in den Rängen aufsteigen. In Myanmar (Platz 12),

„sehen sich Konvertiten zum  Christentum durch ihre buddhistischen, muslimischen oder Stammesfamilien und Gemeinschaften verfolgt, weil sie ihren früheren Glauben hinter sich gelassen und sich damit aus dem Gemeindeleben entfernt haben. Gemeinschaften, die „nur buddhistisch“ bleiben wollen, machen christlichen Familien das Leben unmöglich, indem sie ihnen nicht erlauben die Wasser-Ressourcen des Viertels zu nutzen.“

Zunehmender Hindu-Nationalismus hat Indien auf Platz 10 der „extrem verfolgenden“ Staaten katapultiert:

„Die Verfolgung von Christen in Indien hat sich intensiviert, weil Hindu-Extremisten das Land von ihrer Anwesenheit und Einfluss säubern wollen. Die Extremisten betrachten indische Christen und andere religiöse Minderheiten nicht als wahre Inder und glauben, das Land müsse von Nicht-Hindus gereinigt werden. Das hat zu systemischen – und oft gewalttätigen – Angriffen auf Christen und andere religiöse Minderheiten geführt, auch unter Verwendung der sozialen Medien zur Verbreitung von Desinformation und um Hass zu schüren. Die COVID-19-Pandemie hat den Verfolgern eine neue Waffe geboten. In einigen Bereichen sind Christen bei der Verteilung von Regierungshilfen bewusst übersehen und beschuldigt worden den Virus zu verbreiten.“

Mehrere weitere Staaten haben auf die eine oder andere Weise COVID-19 ausgenutzt, um Christen zu diskriminieren und zu verfolgen. Zum Beispiel „gab COVID-19 den chinesischen Behörden (Platz 17) einen Grund viele Kirchen zu schließen – und sie geschlossen zu lassen.“

Genauso in Qatar: „Gewalt gegen Christen stieg stark an, weil viele Kirchen infolge von COVID-19-Einschränkungen gezwungen waren geschlossen zu bleiben.“ Darüber hinaus sprang Qatar – „Gastgeber der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft, wo vom Islam Wegkonvertierte insbesondere physischer, psychologischer und (bei Frauen) sexueller Gewalt ausgesetzt sind – um 11 Plätze nach vorne (jetzt Platz 18, letztes Jahr Platz 29).

In Bangladesch (Platz 29) sagten örtliche Behörden muslimischen Konvertiten zum Christentum, die, wie ihre muslimischen Gegenüber, Regierungshilfe zu bekommen, sie sollten „zum Islam zurückzukehren oder nichts bekommen“. Ein Bangladeschi erklärte: „Wir sehen, dass viele Dörfer und Nachbarn Hilfen der Regierung erhalten, aber wir Christen bekommen keinerlei Unterstützung.“

In der Zentralafrikanischen Republik, die „von der COVID-19-Pandemie schwer getroffen wurde, … wurde Christen Regierungshilfe verweigert und ihnen gesagt, sie sollten zum Islam konvertieren, wenn sie etwas essen wollen.“

Ein weiterer deutlicher Trend betrifft die zunehmende Zahl intern oder extern Vertriebener – 84 Millionen: „Eine beträchtliche Anzahl [davon] sind Christen, die vor religiöser Verfolgung fliehen.“ Diesen Christen, die als Flüchtlinge in benachbarten muslimischen Staaten enden, „kann humanitäre und andere praktische Hilfe durch Behörden verweigert werden.“

Zusätzlich:

„Christliche Frauen, die aus ihren Heimen fliehen und Sicherheit suchen, berichten, dass sexuelle Übergriffe die führende Quelle von Verfolgung sind, wobei zahlreiche Berichte, dass Frauen und Kinder Vergewaltigung, sexueller Versklavung und mehr unterworfen sind, sowohl in Lagern als auch während ihrer Reise auf der Suche nach Sicherheit. Armut und Unsicherheit verschlimmern ihre Verletzbarkeit, wobei einige in die Prostitution hineingezogen werden, um zu überleben. Da der Jihadismus sich verbreitet und Staaten destabilisiert, können wir erwarten, dass dieser christliche Exodus sich weiter vermehrt.“

Obwohl der Bericht sich auf die 50 schlimmsten Verfolgerstaaten beschränkt, scheint es so zu sein dass Verfolgung allgemein weltweit zunimmt. Zum Beispiel erklärt der Bericht, obwohl Nordkorea jetzt auf Platz 2 steht, erklärt der Bericht das als Spiegel dessen, wie übel die Dinge heute insgesamt stehen, „der Verfolgungswert für Nordkorea [im Vergleich zum letzten Jahr] tatsächlich sogar anstieg, obwohl es im Rang abgesunken ist“.

Gleichermaßen befinden sich in Westeuropa Hassverbrechen gegen die Christenheit auf einem Allzeithoch. Laut eines Berichts der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa vom 16. November 2021 waren mindestens ein Viertel, wenngleich wohl weit mehr, aller in Europa 2020 angezeigten Hasserbrechen gegen Christen gerichtet – was eine Zunahme von 70% im Vergleich zu 2019 darstellt. Das Christentum ist darüber hinaus die Religion, die stärkstes Ziel von Hassverbrechen ist; das Judentum ist kurz dahinter auf Platz 2. Es gibt jedoch weltweit beträchtlich weniger Juden (rund 15 Millionen) als Christen (2,8 Milliarden).

Obwohl die Medien selten diejenigen identifizieren, die hinter diesen christenfeindlichen Verbrechen stecken, von denen sich viele um die mutwillige Beschädigung von Kirchen drehen, ist es aufschlussreich, dass die europäischen Staaten, die am meisten darunter leiden, die größten muslimischen Bevölkerungen Europas haben – nämlich Deutschland (wo sich christenfeindliche Hass-Verbrechen sich seit 2019 mehr als verdoppelt haben und Frankreich (wo tagtäglich jeden Tag zwei Kirchen angegriffen werden, einige, wie in der muslimischen Welt, mit menschlichen Exkrementen).

Als Spiegel dessen, wie schlimm die Verfolgung an anderen Orten weltweit geworden ist, ist kein europäischer Staat auf die Top 50-Liste gekommen.

Am Ende ist der vielleicht bestürzendste Trend, dass die Zahl der verfolgten Christen jährlich weiter zunimmt. Wie gesehen erleben nach Angaben der neuesten Statistiken 360 Millionen Christen in aller Welt „hohes Niveau an Verfolgung und Diskriminierung“. Das stellt gegenüber 2021 eine Zunahme von 6 Prozent dar, als 340 Millionen Christen dasselbe Niveau an Verfolgung erlebten; und diese Zahl stellt eine Zunahme von 31% gegenüber 2020 dar, als 260 Millionen Christen dieselbe Verfolgung erlebten; das wiederum ist eine Steigerung von 6% gegenüber 2019, als 245 Millionen dasselbe Verfolgungsniveau erlebten; und diese Zahl repräsentiert eine 14-prozentige Zunahme gegenüber 2018, als sie bei 215 Millionen stand.

Kurz gesagt: Die Verfolgung von Christen, die bereits erschreckend war, hat im Verlauf der letzten fünf Jahre um fast 70% zugenommen, ohne jegliches Zeichen, dass das nachlässt.

Wie lange wird es dauern, bevor dieser scheinbar irreversible Trend in die Staaten metastasiert, die aktuell wegen ihrer Religionsfreiheit gefeiert werden?