UNO-Zeugenaussage zu Antisemitismus in der arabischen Welt, 1947

Elder of Ziyon, 25. April 2021

Treffen des UNSCOP-Komitees in Jerusalems CVJM

Hier ist die Zeugenaussage von Eliahu Eliachar, dem Gründer der World Sephardi Foundation und Mitgründer sowie Vizepräsident der World Sephardi Federation, als er vor dem UNO-Sonderkomitee für Palästina (UNSCOP) sprach, das am 15. Juli 1947 im CVJM in Jerusalem tagte.

Es handelt sich um eine gute Zusammenfassung der Lage der Juden in arabischen Ländern zur damaligen Zeit.

Eliachar war bemerkenswerterweise ein Peacenik, der in den 1970-er Jahren Dialog mit Palästinensern und einen Palästinenserstaat in der Westbank haben wollte. Er war zudem stellvertretender Bürgermeister Jerusalems.

Das Treffen fand privat statt, wie Eliachar erklärt, um die Juden in den arabischen Ländern nicht noch mehr zu gefährden.

Herr Vorsitzender, ehrenwerte Mitglieder des Komitees:

Wir danken ihnen dafür, dass Sie uns diese Anhörung vor der Kamera gestatten. Nicht, dass wir irgendetwas zu sagen haben, von dem wir nicht wollten, dass jeder es weiß, sondern aus Angst, dass dies die Lage unserer Brüder in den arabischen Ländern gefährdet, wie ich weiter erklären werde.

Die sepharischen und die orientalischen Juden sind ein integraler Bestandteil des jüdischen Volks. Die Unterschiede sind durch unterschiedliche Umwelten, Gewohnheiten und die Verwendung leicht unterschiedlicher Gebetbücher und Rituale geschaffen.

„Sephardisch“ bedeutet von Juden aus Spanien und Portugal abzustammen, wohingegen aschkenasisch eine Abstammung von Juden aus Deutschland und Zentraleuropa heißt. Die Demonination sephardisch beinhaltet, dass alle Juden dasselbe Gebetbuch verwenden und dieselben Rituale ausüben; daher gehören alle Juden des Orients und der Länder des Nahen Ostens dazu.

In Palästina veschwinden durch das rivalisierende Hebräisch diese Unterschiede allmählich und es wächst eine Nation mit einer Religion und denselben Idealen und Sehnsüchten.

Wie Ihnen heute bereits gesagt worden ist, meine Herren, wohnen Juden ununterbrochen seit der Zerstreuung durch die Römer in Palästina. Die älteste Gemeinde ist die der orientalischen Juden, die Palästina bzw. die Länder des Nahen Ostens nie verließen und ihnen folgten die spanischen Juden, die nach der Vertreibung aus Spanien 1492 zurückkehrten. Unsere Gemeinschaft, die heute hier vorzustellen wir die Ehre haben, war organisiert und hat seit 1276 ohne Unterbrechung existiert. Wir stellen in Jerusalem mehr als 50.000 Juden der orientalischen Gemeinschaft. Unsere Zahl geht über 160.000 hinaus, beträgt wahrscheinlich mehr als ein Viertel des gesamten jüdischen Jischuw. Jerusalem hat immer eine jüdische Mehrheit gehabt. Wir möchten diesen Punkt betonen. Vor der Besetzung des Nahen Ostens durch die Briten und die Alliierten stand die gesamte Gegend unter türkischer Regierung und Herrschaft. Es scheint so, dass Ihnen dieser Punkt nicht verdeutlicht worden ist. Wir möchten auf diesem Punkt beharren; dass dies ein Territorium war, zusammen mit all den anderen Nahost-Ländern, die heute arabische Länder genannt werden, unabhängige arabische Staaten, die hunderte Jahre lang unter türkischer Herrschaft standen und es gab vor der Besatzung des Nahen Ostens durch die Briten und ihre Verbündetn irgendwann ab 1916 und danach keine sogenannten unabhängigen Staaten. Juden und Araber waren gleichermaßen der eisernen Faust der Türken unterworfen. Niemand hatte irgendeinen Vorteil gegenüber dem anderen, außer den Vorteilen, die das muslimische Recht Muslimen gegenüber Ungläubigen gewährte. Juden türkischer Nationalität durften sich frei zu bewegen, sich frei überall niederlassen, wo sie wollten, Land kaufen, wo immer es ihnen gefiel. Zuwanderung von außerhalb des türkischen Reiches war reguliert, aber die illegale Zuwanderung florierte. Der einzige Unterschied zur Gegenwart bestand darin, dass kein Immigrant vertrieben wurde, sobald er Palästina betreten hatte und keine britische Flotte oder türkische Flotte sie in britische Konzentrationslager auf Zypern brachte, mit allem sich daraus ergebenden Elend und Leid.

Die arabisch-jüdischen Beziehungen war im sozialen und wirtschaftlichen Bereich gut. Sie betrieben miteinander freien Handel, sie trafen sich gesellschaftlich und die Oberklasse der Araber besuchte jüdische Schulen. Ich habe selbst mit vielen der heutigen arabsichen Führer in Palästina und im Ausland gelernt und viele gehören immer noch zu meinen besten Freunden. Wir waren während des Ersten Weltkriegs Waffenkameraden und bessere Freunde sind schwer zu finden.

Die Türken duldeten keinerlei Unordnung. Meine Herren, erlauben Sie mir diesen Punkt mit aller Macht zu betonen. In diesem Land herrschte Jahrhunderte lang keine Unordnung. Welche Ursache hatte das? Wir überlassen es Ihnen darüber nachzudenken. Ein besonderes System gewährte gewissen Christen, Juden und sogar Moslems Schutz aus dem Ausland. Ohne diese beiden Schutzmaßnahmen werden die arabischen Massen, die allgemein eher friedlichen Charatkers sind, infolge ihrer Militanz und Fanatismus sehr leicht zu Blutvergießen aufgestachelt.

Vor der Besetzung Palästinas gab es keinen oder zumindest nur schlummernden arabsichen Nationalismus. Die Balfour-Erklärung wurde von den Arabern Palästinas stillschweigend akzeptiert. Nur Intriganten von außerhalb riefen Gegnerschaft hervor. Das Wort von Köng Hussein und das seines Sohnes, des Emirs Faisal, wurde von der arabsichen Welt und den Arabern Palästinas damals als Gesetz und letztes Wort des Gesetzes akzeptiert. Aber allmählich wurde von der extra für diesen Zweck in Palästina gegründeten Christlich-Muslimischen Vereinigung Opposition organisiert. Die Massen der Araber wurden aus religiösen Gründen aufgeblasen, was die furchbaren Massaker in Jaffa, Hebron, Jerusalem, Safed, Mosca und so weiter zur Folge hatte. Diese Massaker wurden von Arabern an einstigen Freunden, Nachbarn, Partnern begangen. Die Gemeinschaft von Hebron, der ältesten jüdischen Siedlung in Palästina, wurde zerstört und abtransportiert. Das ist bis heute so geblieben. Eine Stadt, eine ganze jüdischen Gemeinschaft in Jerusalem, die seit mehr als acht- oder neunhundert Jahren ununterbrochen bestand, ist unter britischer Herrschaft ausgelöscht worden. [Das bezieht sich uaf die jüdsiche Gemeinschaft in Silwan/Kfar HaSchiloach – EoZ.] Eine solche Vernichtung hätte den Juden unter den Türken nicht passieren können, insbesondere da die Regierung sich bewusst war, dass die arabsichen Massen von ihren Führern dazu aufgestachelt und ermutigt worden wären zu glauben, dass die Regireung diese Taten unterstützt. „Al Dole Maana“ war in diesen Tagen die Parole.

Viele Araber verurteiten diese Morde. Viele haben ihre freundschaftlichen Beziehungen zu den Juden fortgesetzt, aber die Tatsache bleibt, dass Juden sich nicht länger frei in arabischen Städten und Dörfern bewegen können, selbst wenn sie zu orientalischen Gemeinschaften und den ältesten Einwohnern gehörden.

Bei der Stärke unserer Erfahrung aus den vergangenen Generationen und den gegenwärtigen Ereignissen können wir uns nicht vorstellen von einem arabischen Staat abhängig zu sein. Unser nacktes Überleben wird in Gefahr sein und das Schicksal der Gemeinschaft von Hebron könnte auch das unsere sein.

Ohne auf die Ursachen einzugehen, die diese Einstellungsänderung herbeigeführt haben, können wir nur beklagen, dass die heutige arabische Führung bezüglich ihrer Absichten die extremistischste und unverblümteste ist. Kein Jude darf vom guten Willen des Muftis oder dem seiner Stellvertreter abhängig sein. Unter Verwendung seiner religiösen Position und Prestiges hat er zu Masskaern an den Juden aufgerufen, seit er nach Deutschland floh.

Darf ich Ihnen ein paar Worte aus Herrn Crums Buch zu diesem Thema zitieren:

„1941 floh der Mufti nach Deutschland. Er machte sich dort sofort an die Arbeit, um mit all seinem Einfluss gegen die Ghettoisierung der Juden und für eine Endlösung zu agitieren: Auslöschung. Das Ergebnis war die dritte Phase der Nazi-Politik, die geplante Vernichtung der jüdischen Rasse… Stattdessen, sagte er, sollten sie an einen Ort geschickt werden, an dem sie ‚unter strenger Kontrolle stünden, zum Beispiel nach Polen‘. Der Protest des Muftis war erfolgreich. Nach dem Juli 1943 verließ kein Kindertransport mehr Bulgarien.

Ein paar Wochen später schickte er einen ähnlichen Brief an den Außenminister Rumäniens, der achthundert jüdische Kinder betraf. Diesmal schlug er wieder Polen vor, zeigte auf, dass sie unter dem stehen würden, was er ‚aktive Aufsicht‘ nannte, ein Euphemismus für die Gaskammern…

Dieser ‚gemeinsame Feind‘ war natürlich Großbritannien. Er fuhr fort: ‚Aber vor allem haben sie definitiv das jüdische Problem gelöst.‘“

Wir verkünden daher vor den gorßen Nationen der Welt, dass kein Jude in Palästina, der bei klarem Verstand ist, jemals akzeptiert noch weiter als Teil einer Minderheit in Palästina zu leben.

Die Araber Palästinas sind nicht demokratisch organisiert. Ihre aktullen Fürher sind nie gewählt worden. Selbsternannt haben sie jede Opposition mit Schusswaffen und Dolchen zerstört und machen das auch weiter. Jüngste Morde sind ein Hinweis auf das, was das Schicksal der arabischen Opposition sein kann, wenn die Behörden dem kein Ende setzen.

Ich möchte sehr gerne aus einem kleinen Buch zitieren, das ich hier habe, veröffentlicht von einem der Oppositionsführer, der in Bagdad ermordet wurde, Fakhri Naschaschibi. Es mag etwas dauern, aber ich möchte nicht, dass Sie dem entkommen dies zu hören, damit sie unsere Position erkennen. Ich habe das Heft hier und ich werde es dem Komitee vorlegen. In dem Memorandum, das Fakhri Naschaschibi dem Hochkommissar vorlegte, erklärt er, dass der Mufti die Araber Palästinas nicht repräsentiert und seine Vernichtungsideologie repräsentiert 75 Prozent der Araber mit Sonderinteressen in Palästnia und diejenigen, die ihn und seine Ansichten unterstützen, übersteigt die Hälfte der Araber Palästinas. Um alle Opposition innerhalb der arabischen Gemeinschaft zu eliminieren, vernichtete Haddsch Amin sie. In der Zeit von 1937 bis 1938 wurden hundert Araberführer und Familienoberhäupter unter seiner Federführung ermordet. Diejenigen, die überlebten, flohen aus dem Land. Die Zahl der Familienoberhäupter, Stammeschefs und Führer, die vernichtet wurden oder das Land verließen, erreichte 150.“ Er nennt hier die Besten, die Blume der Jugend der Araber Palästinas, die getötet wurden. Ich werde nur ein paar Namen verlesen: Hassan Sidki Dajani, Mitglieder der Familie R’sheyid, Farid El-Hamdallah, Abdel Salam e-Barkawi, Haddsch Khalil Taha, Haddsch El-Huneidi, Haddsch Ali El-Karzoun, Nasr Ed-Din, stellvertretender Bürgermeister von Hebron. Das ist das, was seiner Aussage nach eine demokratische Zumutung der Ansichten des heutigen Führers der Araber war.

Das gibt Ihnen zusammen mit den Äußerungen von Crum eine korrekte Sicht auf unsere Gründe für die Ablehnung eines Minderheitenregimes in Palästina.

Wir haben den jüdischen Fall noch nicht als Ganzes berührt. Dies ist Ihnen von der Jewish Agency vorgelegt worden, zu der wir voll und ganz gehören. Wir fassten unsere Haltung in Palästna vor der britischen Besetzung zusammen:

Rund eine Million Juden leben in den verschiedenen arabsichen Ländern. Ihre Position ist eine, die Ihre ganze Aufmerksamkeit erfordert. Ihr Fall ist durch die Gewalt der Ereignisse und die Taten ihrer Herrscher mit dem Palästina-Problem verbunden worden.

Obwohl wir die Tatsache beklagen, dass Sie die Lager für Heimatvertriebene [DP-Lager] in Europa noch nicht besucht haben, was Sie stärker zu unserem Problem aufgeklärt hätte als jeder Bericht und jede Rede – zu viele Reden sind vor Ihnen gehalten worden, zu viele Berichte sind Ihnen vorgelegt worden – nichts absolut nichtgs wird Sie von der unmittelbar bevorstehenden Gefahr überzeugen, wenn Sie nicht, wie ich, auch nur einen armseligen Tag im letzten Jahr gesehen haben, einen flüchtigen Blick auf das, was in den DP-Lagern in Europa abläuft. Um nach Palästina zu kommen, das Palästina-Problem zu diskutieren, es über Bücher, über Berichte und Reden anzugehen, wird Sie nur ermüdet haben, wird Sie vielleicht so ermüdet haben, dass Sie nicht in der Lage sind, den eigentlichen Kern ds Problems zu verdauen. Der wahre Kern des Problems, meine Herren, steckt in den DP-Lagern. Ich habe einen kurzen Blick dort hineingeworfen. Und, meine Herren, Mitglieder der größten Nationen, die die gesamte vereinte Welt repräsentieren, Sie können nicht darüber reden, Sie können das Palästina-Problem nicht verstehen, solange Sie ihm nicht ein paar weitere Tage Ihrer Zeit widmen – all den Müll, der in Palästina abgeht, Sie Worten und mehr Worten auszusetzen, die verschwunden sind und Sie werden das Problem sehen, wie es ist. Was ist Palästina? Was ist Zionismus? Was bedeutet das? Abertausende sehen auf Sie, um ihr Leben zu beruhigen, ein Urteil abgeben, das Problem vom tatsächlichen Blickwinkel aus angehen. Meine Herren, verlassen Sie sich nicht auf irgendwelche Reden. Verlassen Sie sich nicht darauf Berichte zu lesen. Sie können die Zeit nicht gehabt haben die hunderte Seiten zu lesen, die ihnen vorgelegt wurden. Wir können nicht glauben, dass Sie sie alle verarbeitet haben. Sie können das ganze Problem in 24 Stunden, in einem einzigen Tag verdauen, indem sie irgendein Konzentrationslager in Europa besuchen. Ich habe die unangnehme Position erlebt dort zu sein. Ich habe selbst nie leiden müssen. Ich wurde als freier Mann in Palästina geboren. Sechshundert Jahre lang hat meine Familie dort gelebt. Die ganze Zeit über erkannten wir eines: dass das jüdische Problem, selbst wie ein Jude es betrachten kann – ob er nun in Washington, London, Argentinien, Palästina oder irgendwo anders lebt – sich komplett von dem unterscheidet, was sie selber in einem Tag in den DP-Lagern sehen werden.

Es gibt noch etwas, das Sie sehen müssen, um zu erkennen, ob Sie das Problem würdigen wollen, dem Sie sich gegenüber sehen und das eine Lösung fordert. Das sind die Ghettos der arabischen Staaten, dieser unabhängigen, souveränen, demokratischen Mitglieder der Vereinten Nationen. Die Ghettos in diesen arabischen Staaten, im Jemen, im Irak, in Damaskus – wenn Sie eines davon besuchen, werden all Ihre Berichte, all Ihre Reden, all Ihre Beweise, ob dieser oder jeder Prophet an diesem oder jenem Tag geboren wurde, all das wird weg sein und Sie werden sich dem Problem der Menschheit im Rohzustand stellen, und eine Lösung verlangen.

Über Sie sind wir verpflichtet Alarm zu geben und an das menschliche Bewusstsein der Welt zu appellieren Bilanz zu ziehen, bevor es zu spät ist. Was unter dem Nazi-Regime im Westen geschah, könnte unter der Herrschaft gewisser Regierungen, Mitgliedern der Organisation der Vereinten Nationen, geschehen. Viel hunderttausende Juden blicken zu Ihnen auf, ehrenwerte Herren, damit eine Wiederholung der Massaker wie in Bagdad unter Raschid Ali verhindert wird, als hunderte getötet wurden; oder in Tripolitanien unter der britischen Besatzungsflagge, wo 120 Männer, Frauen und Kinder brutal abgeschlachtet wurden. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Arabische Liga und die arabische Regierung die Juden in ihrem Machtbereich als Geiseln für das Palästinaproblem betrachten. Sie haben das offen erklärt. Wenn Sie irgendwelche Beweise brauchen, haben wir diese dabei. Wir wollen nicht zu viel von ihrer Zeit in Anspruch nehmen, aber wenn Sie irgendwelche Beweise zu diesen Äußerungen der Arabische Liga haben wollen, die von einer ganzen Reihe ihrer Regierungen getätigt wurden, von Dr. Jamali, dem Außenminister des Irak, dann sind wir bereit sie zu liefern. Judenhass und Judenhetze nehmen in fast allen arabischen Ländern tagtäglich zu. Was einst in Bagdad, Tripolitanien, Urfa, an der syrisch-türkischen Grenze passierte, wo eine ganze Familie über Nacht massakriert wurde, in Ägypten, was am 2. November 1945 geschah, dem Jahrestag der Balfour-Erklärung, kann mit zunehmender Gewalt wieder passieren.

Sogenannte demokratische Länder, Mitglieder der Vereinten Nationen, die mit Ihnen zusammensitzen, geben sich der Rassendiskriminierung hin, die die Samen der Unruhen, Misshandlung und schließlich Massaker in sich tragen.

Allmählich und methodisch werden die Juden im Irak, in Syrien, im Libanon, in Ägypten einer Sonderbehandlung unterzogen, die administrativ durchgesetzt wird, aber juristisch nicht nachvollziehbar ist.

Drohungen gegen Einzelne sind ein tägliches Vorkommnis.

Juden wird in ihrem Wirtschaftsleben eine Zwangsjacke enger gezogen. Man ist gegen jüdisch-hebräische Kultur. Es wird versucht jede Verbindung zum jüdischen Palästina zu verhindern. Allen Juden, die aus irgendeinem Grund Palästina besuchen wollen, werdenHindernisse und Schwierigkeiten in den Weg gestellt. Pässe werden als „ungültig für Palästina“ gestempelt. Alle  irakischen Juden werden als Gefangene gehalten und viele verlassen den Irak nur selten oder nur gegen große Geldsummen Kaution. Juden aller Nationalitäten – amerikanische, britische oder welche auch immer – können den Irak nicht einmal auf der Durchreise betreten und Juden jeglicher Mitgliedstaaten der Arabischen Liga erhalten keine Transit-Visa, außer unter riesigem Druck. Vor kurzem ist jeglicher Transit von Waren in den Irak über Palästina offiziell verboten worden, um den Boykott palästinensischer Juden zu verschärfen.

Rassischer Wirtschaftsboykott, von der Atlantik-Charta angeblich verboten, wird von allen arabischen Staaten gegneüber dem jüdischen Palästina offen erklärt und durchgesetzt. Diesbezügliche Abkündigungen sind an bestimmten Zollstellen ausgestellt. Es ist eine fortbestehende Ursache für Staunen, dass dies bis heute von der Mandatsmacht weiter toleriert wird, die angeblich unsere Interessen schützen soll, genauso von den Vereinten Nationen, die die Vier Freiheiten anerkannt haben.

Juden, die versuchen Syrien nach Palästina zu verlassen, werden schwer bestraft und sollte irgendjemand erfolgreich entkommen, werden seine zurückgelassenen Verwandten verfolgt und ins Gefängnis gesteckt. Dass diese judenfeindlichen Kampagnen ein alarmierendes Ausmaß erreicht haben, wird durch die aktuellen Sendungen von Premier Nokraschy in Ägypten und Dr. Recep Peker, den Premierminister der Türkei belegt, die ihre Völker zu Mäßigung aufrufen. Wir haben auf den Irak, Syrien und Ägypten hingewiesen. Die Umstände im Jemen, Afghanistan, Tripolitanien und an anderen Stellen sind unvergleichlich schlimmer. In Afghanistan gibt es Terror.

Herr Vorsitzender, an diesem Punkt möchte ich einen besonderen Appell an die Mitglieder des Komitees richten. In Indien leben mehr als 280 Flüchtlinge aus Afganistan. Sie sind um ihr Leben weggelaufen haben nur ihre Haut gerettet. Ihnen wird nicht erlaubt länger als sechs Monate am Stück in Indien zu bleiben. Dank allen möglichen Interventionen hat Indien ihnen weitere sechs Monate zugestanden. Diese sechs Monate sind fast um. Dürfen wir an den indischen Repräsentanten in diesem kleinen Fall von 280 Juden, menschlichen Wesen – wenn Sie sie kitzeln, lachen sie, wenn Sie sie stechen, weinen sie – appellieren, die dort in Indien sitzen und auf eine Entscheidung warten, wohin sie gehen werden. In Indien können sie nicht bleiben; nach Afghanistan werden sie nicht zurückkehren, weil sie bei einer Rückkehr nach Afghanisaten ermordet werden. Nach Palästina dürfen sie nicht kommen. Wir wissen nicht, wohin wir unsere Brüder aus Afghanistan schicken sollen. Darf ich an Sie, Sir Abdur Rahman, appellieren, dass ihre Regierung Nachsicht zeigt sie dort zu lassen und sie nicht zu zwingen in ihr Gebiet zurückzugehen und sich zerhacken zu lasen, in ihrem Herkunftsland, in dem ihr Leben in Gefahr ist, bis zu einer Zeit, in der wir eine Möglichkeit bekommen eine Zuflucht für sie finden, am einzigen Ort der Welt und dem einzigen Land der Welt, das bereit ist, soweit es seine Glaubensgeschwister betrifft, sie aufzunehmen.

Über den Jemen werde ich nicht sprechen. Das ist etwas aus dem Mittelalter. Ich rate den Mitgliedern dieses Komitees nur das Buch des arabisch-christlichen Autors Amin el-Rihani zu beachten. Wenn Sie nur ein paar Seiten dieses Buches lesen, dann glaube ich nicht, dass irgendjemand, der glaubt als Mensch geboren worden zu sein, es im 20. Jahrhundert ertragen und tolerieren kann, dass ein Mensch durch Menschen so behandelt wird.

Die Zustände in Marokko, Algerien und Tunesien verschlechtern sich, weil die franzosenfeindlichen Gefühle hochkochen und wie üblich die Juden die ersten sind, die darunter leiden. In vielen Ländern, wie Ägypten, ist Fremdenfeindlichkeit die Grundlage all dieser Ereignisse und Stimmungen, aber die Juden – die üblichen Sündenböcke – ohne Macht, die sie stützt, werden den Preis dafür bezahlen.

Religiöser Fanatismus zusammen mit nationalem Chauvinismus und Massenignoranz sind mit Gefahren überfrachtet, insbesondere da eine judenfeindliche Kampagne überall unter vorgetäuschtem Antizionismus in Brand gehalten wird.

Wenn die jüdischen Gemeinden in all den angeführten Ländern nicht vortreten und Ihnen gegenüber ihre eigenen Äußerungen abgeben können, wenn diese Gemeinschaften all unsere Belege verurteilen, dann bauen wir auf unsere Beurteilung um zu erkennen, dass sie nicht anders handeln können. Es reicht aus, Crums Äußerung über Beweise zu lesen, die von Juden in Damaskus vor dem Anglo American Committee abgegeben wurden. Ihnen wurden 25 Minuten gewährt. Sie sprachen 45 Sekunden lang. Das reichte aus.

Wir sind aufgrund unserer direkten Verbindung und Verwandtschaft sowie unserer relativen Sicherheit berechtigt für sie zu sprechen. Darüber hinaus sollte die Anwesenheit seiner Eminenz, des Oberrabbiners – die anerkanntermaßen höchste Autorität des sephardischen Judentums weltweit, wie sein Titel ERSTER IN ZION anzeigt – ausreichen, um unsere ernsten Vorahnungen zu bezeugen. Unsere Zahl in Palästina nimmt allmählich und regelmäßig durch Zuwanderung aus diesen Ländern zu, allen Widrigkeiten, Hindernissen, Gefahren und Risiken für die Immigranten selbst und ihren zurückgelassenen Verwandten und Freunde zum Trotz. Es reicht aus festzuhalten, dass die Gemeinde von Damaskus, die vor dem Ersten Weltkrieg mehr als 20.000 betrug, heute nicht mehr als 2.000 Seelen zählt; die meisten haben Palästina erreicht.

Eine weitere Illustration ist das ‚illegale Schiff‘ unter so vielen illegalen Schiffen, benannt nach unserem großen Zionisten von vor 700 Jahren aus Spanien, dem berühmten, anerkannten Schriftsteller-Poeten und Philosophen der arabischen wie auch der jüdischen Welt: Yehuda Halavi. Das Schiff brachte 350 Passigiere aus Nordafrika, aus Tripolitanien und Tunesien. Es gab noch keine Verfolgungen in Nordafrika, aber wenn 350 Seelen, 350 Männer das Risiko eingehen und das Land verlassen, wenn sie wissen, dass sie von der stärksten Flotte Europas abgefangen werden und in Konzentrationslager in Zypern geschickt werden, wenn sie wissen, dass sie in Zypern nicht wissen werden, wie lange sie dort bleiben müssen, dann können Sie in keinem Land 350 Männer welcher Religion auch immer finden, die bereit sind es zu verlassen und ein solch schreckliches Abenteuer auf sich zu nehmen, wenn sie fürchten, dass ihr Leib und Leben in Gefahr sind. Das ist keine Propaganda. Sie müssen sie sehen, um zu erkennen, dass es keine von der Jewish Agency oder sonst jemandem bezahlte Propaganda ist. Wenn Menschen es wagen auf einem nicht seetüchtigen, überfüllten Schiff zu reisen und in Zypern zu enden, dann weil sei Angst haben, dass das, was in Tripolitanien passierte, morgen ihnen passiert. Und sie sind bereit überall hinzugehen, nackt, alles hinter sich zu lassen, vorausgesettz ihre Brüder sympathisieren hier, wo sie als Menschen leben können, einfach als Menschen unter der Sonne.

Da sie in orientalischen Ländern geboren wurden, ihre Bräuche und Sprachen, ihren Lebensmodus und ihre Ethik kennen, sind die Sephardim aufgerufen eine größere Rolle bei der Gründung von Harmonie und Frieden überall in den östlichen Ländern zu spielen, vorausgesetzt die Organisation der Vereinten Nationen ist stark genug all ihren Mitgliedern aufzuerlegen die Grundsätze echter und wahrer Demokratie, die Grundstäze der Atlantik-Charta und die Praxis der Vier Freiheiten durchzusetzen.

Die meisten arabsichen Länder, mit Ausnahme Ägyptens, sind unterbevölkert. Kein arabisches Land befindet sich in einer Position, die ihnen von den Siegern des Ersten Weltkriegs so großzügig zugeteilten, umfagnreichen Bereiche gut zu nutzen.

Es ist höchste Zeit, dass das dem Judentum im Westen zugefügte Unrecht einigermaßen durch die Unterstützung wieder gut gemacht wird, die nötig ist um einen Zufluchtsort in ihrer nationalen und historische Wiege zu schaffen. Und das umso mehr, bevor den Juden des Ostens von den arabischen Herrschern weiteres und irreparables Unrecht zugefügt wird.

Aus diesen und vielen weiteren Gründen, die Ihnen von den offiziellen Sprechern des jüdischen Volks gegeben wurden, ist es unerlässlich, dass die Tore Palästinas aufgeworfen werden, um nicht nur diejenigen zu empfangen, die den Krematorien Hitlers entkamen, sondern auch für die, die sich in bestimmten Ländern des Nahen Ostens in unmittelbarer Gefahr für ihr Leben befinden. Die Immigration orientalischer Juden nach Palästina wird die Zahl der Juden im Nahen Osten nicht ändern. Glaubt man Fadil Jamali, dem aktuellen Außenminister des Irak, dann wird er jede zufriedenstellende Lösung in Palästina an den Juden in den arabischen Ländlern rächen. Wir werden Ihnen Beweise dafür vorlegen, wenn das gewünscht wird.

Unsere aktuelle Position in Palästina ist menschenunwürdig. Aus freien Bürgern wurden wir – ich spreche von der jüdischen Bevölkerung in diesem Land – vom Weißbuch von 1939 zu Bürgern zweiter Klasse gemacht und dies gegen alle Vorschriften des Mandats und entgegen unserem eigenen Status unter türkischem Recht. Es gibt Sperrzonen, die von der Mandatsmacht eingerichtet wurden; diese standen uns vor der britischen Besetzung offen. Eine solche ist Transjordanien, es gibt weitere Zonen in Palästina selbst, deren Einzelheiten Ihnen von unseren offiziellen Sprechern gegeben wurden.

Wir protestieren gegen solche Diskriminierung. Wir protestieren gegen Diskriminierung bei Steuern. Wir sind nicht reich. Jemand in diesem Komitee sagte, wir seien reich. Wir sind nicht reich. Das ist ein Irrtum. Darf ich es wagen Sie einzuladen etwas von unserem Viertel ein paar hundert Meter von Kadimah zu besuchen, wo Sie derzeit gastieren: Darf ich Sie einladen diese Viertel zu besuchen, um Ihnen eine Vorstellung von unseren Straßenkindern zu geben, unseren Slums, unseren überfüllten Familien, die den Mythos unserer Reichtümer rundweg bestreiten.

Fasst man das Bild zusammen, so sieht man jetzt mit ernster Sorge, dass mit der stillschweigende Zustimmung der Regierungen, die das verhindern könnten, Männer wie der Mufti in Kairo, Yunis el-Bahri in Transjordanien, Raschid Ali in Bagdad, Anton Saade im Libanon, Kawakaji in Syrien, Drause in Damaskus helfen die Zukunft zu gestalten. Überrascht es Sie, dass wir besorgt sind?

Wir appellieren daher an Sie um eine faire Lösung im Sinne dessen, was unsere offiziellen Sprecher gesagt haben.

Als indigene  Bevölkreung Palästinas fordern wir die Wiederherstellung unserer Rechte, die Abschaffung des Weißbuchs von 1939 und allem, für das es steht, sowie die Öffnung der Tore für alle Juden, die eine Heimat brauchen, ob sie nun aus dem Osten oder aus dem Westen kommen. Dieser Keim der Rastlosigkeit derer, die man nirgendwo haben will – der überall Unerwünschten – und der Verzweiflung frisst uns mit Haut und Haaren auf.

Palästina eine dauerhafte jüdische Minderheit aufzubürden, bedeutet dem Ganzen die Krone aufzusetzen. Da wir wissen, was uns unter arabsicher Herrschaft erwartet, können wir Ihnen nicht sagen, dass wir insgesamt mit Samsons Verzweiflung konfrontiert werden.

Die mutige Gründung einer Zuflucht für das seit Gründung der Menschheit am stärksten verfolgte Volk könnte diesem Land, dem Nahen Osten und der Welt in Zusammenarbeit mit all unseren semitischen und arabischen Brüdern Frieden bringen.

Ehrenwerte Mitglieder dieses Komitees, Repräsentanten der großen Nationen, Abermillionen warten auf Ihre Entscheidung; lassen Sie uns um der Menschheit willen nicht an der Menschheit verzweifeln.

Herr Eliachar unterscheidet nicht zwischen sephardischen und aschkenasischen Juden – und verweist auf sie alle, wenn er Juden als „die indigene Bvölkerung Palästinas“ bezeichnet.