Der Islam hatte nie Toleranz für den jüdischen Staat

Leute verbinden die jüdisch-muslimische Beziehung vor der Gründung Israels mit Toleranz und Gleichberechtigung

Mark Regev, Jerusalem Post, 20. April 2022

Bei einem Steinwurf-Angriff wurden diese Woche außerhalb der Jerusalemer Altstadt Fenster eines Busses zerschlagen. Die Synthese aus muslimischem Eifer mit israelfeindlicher und antisemitischer Gewalt ist leider nichts Neues. (Foto: Yonatan Sindel/Flash90)

Für die Israelis ist der muslimische heilige Monat Ramadan von einer Welle an Terroranschlägen begleitet gewesen. Obwohl kein erforderliches Element des Islam, ist die Synthese von muslimisch-religiösem Eifer und israelfeindlicher und antisemitischer Gewalt leider nichts Neues.

Schon in den 1930-er Jahren führte der islamische Erweckungsprediger Izz al-Din al-Qassam hunderte Guerillas, die jüdische Ziele im gesamten Mandatsgebiet Palästina angriffen. Unmittelbar nach seinem Tod 1935 wurde Qassam zum Märtyrer erklärt. Jahrzehnte später benannte die Hamas ihren militärischen Zweig und ihre selbst hergestellte Kurzstrecken-Rakete nach ihm.

Aus dieser Zeit ist Amin al-Husseini besser bekannt, der den Höhepunkt der palästinensischen Nationalbewegung durch Ausnutzung seiner klerikalen Autorität als Jerusalems Großmufti erreichte. Husseinis Mischung aus religiöser und nationalistischer Militanz führten ihn zur Ablehnung jeglichen Kompromisses mit den Juden; weder Teilung noch binationale Lösungen waren akzeptabel.

Mit dem Vorantreiben seiner Ziele fand Husseini eine gemeinsame Sache mit Nazi-Deutschland. Es war nicht nur so, dass er sich auf die Seite des Achsen-Feindes der Mandatsmacht stellte, sondern Husseini begrüßte Hitlers „Endlösung“ von ganzem Herzen. Aus Berlin übertrug er Nazi-Propaganda in den Nahen Osten, rekrutierte gleichzeitig bosnische Muslime in die Waffen-SS. Er starb 1974 in Beirut, aber Husseinis Sorte des Antisemitismus lebt weiter.

Die Hamas-Kombination aus Fundamentalismus, Ultranationalismus und Antisemitismus kann als zeitgenössischer Ausdruck dieses Vermächtnisses angesehen werden. Der selbsterklärte islamische Widerstand behauptet: „Es gibt keine Lösung der Palästinenserfrage außer den Jihad.“ Und dass jeder Muslim verpflichtet ist an einem heiligen Krieg teilzunehmen, in dem alle Juden legitime Ziele sind. In Wiederholung erkennbarer Sprachbilder pflichtet die Hamas Theorien jüdischer Heimtücke, jüdischer Verlogenheit und jüdischer Verschwörungen bei.

Der bei Zusammenstößen früher am Tag zwischen palästinensischen Protestierenden und israelischen Sicherheitskräften verursachte Schaden im Gelände der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalems Altstadt am 15. April 2022. (Foto: Jamal Awad/Flash90)

Bedauerlicherweise ist diese Art von Fanatismus heute in der palästinensischen Autonomiebehörde zu finden, auf Niveau unterschiedlicher Intensität in der weiteren sunnitisch-muslimischen Welt und im schiitischen Islam, wo er vom iranischen Regime und seinem Vertreter Hisbollah propagiert wird. Muslimische Gemeinden überall im Westen sind auch nicht immun.

Es ist angedeutet worden, dieser muslimische Antisemitismus sei eine Verirrung, die Ausnahme zu Jahrhunderten friedfertiger jüdisch-muslimischer Koexistenz und dass diese zeitgenössische Feindlichkeit dem modernen Konflikt zwischen dem arabischen Nationalismus und dem Zionismus entstammt.

Aus dieser Sicht waren es die Geburt und das Wachstum der jüdischen Nationalbewegung, die islamische Feindseligkeit aktivierte, Vorfälle wie das Farhud-Pogrom in Bagdad 1941 antrieb, bei dem rund 180 Juden getötet wurden und der Gewalt überall in Libyen 1945, wo weitere 140 Juden ermordet wurden.

Darüber hinaus wird der beinahe totale Exodus der eine Million jüdischen Einwohner der islamischen Welt nach dem Zweiten Weltkrieg, der die Zerstörung indigener jüdischer Gemeinden beinhaltet, deren Anwesenheit im Nahen Osten dem Islam vorausging, nicht mit dem von Husseini und Seinesgleichen verbreiteten Antisemitismus erklärt, sondern mit dem fehlgeschlagenen Versuch der arabischen Welt den jüdischen Staat bei seiner Entstehung 1948/49 zu vernichten.

Diejenigen, die vorzionistische jüdisch-muslimische Harmonie feiern, zeigen auf Spanien im Mittelalter, in dem muslimische Kontrolle ein jüdisches „goldenes Zeitalter“ intellektueller, kultureller und wirtschaftlicher Lebendigkeit ermöglichte. Dem wird die parallele Realität im christlichen Europa gegenübergestellt, wo der allgegenwärtige Vorwurf des Gottesmordes ständige Vergeltung forderte – was sich auf grausame Weise während der Kreuzzüge in Massengemetzel an europäischen jüdischen Gemeinden manifestierte, dazu die Massaker, Vertreibung und Inquisition, die der Reconquista folgte, der Wiederherstellung der christlichen Herrschaft in Spanien.

Aber genauso wichtig, wie es ist den christlichen Antisemitismus nicht herunterzuspielen, ist es entscheidend, die muslimische Toleranz nicht zu übertreiben. Der Nahost-Historiker Bernard Lewis schlug vor zwei Konzepte zu unterscheiden: Verfolgung und Diskriminierung.

In Bezug auf ersteres schreib Lewis: „Die klassische islamische Gesellschaft war in der Tat sowohl ihren jüdischen wie christlichen Untertanen gegenüber tolerant – in Spanien vielleicht toleranter als im Osten und in beiden unvergleichlich toleranter als das mittelalterliche Christentum.“

Aber wenn es um Diskriminierung geht, „war der Islam nie toleranter oder behauptete das zu sein, sondern im Gegenteil, er bestand auf der privilegierten Überlegenheit des wahren Gläubigen.“

Auch wenn man zugibt, dass antisemitische Gewalt in der islamischen Welt weniger stark ausgeprägt war als im christlichen Europa, ist es falsch ein idyllisches Bild der jüdisch-muslimischen Beziehungen zu zeichnen. Juden wurden unter dem Islam als Dhimmis eingestuft und obwohl ihr Leben und Eigentum vordergründig abgesichert waren, war für diesen Schutz ein untergeordneter Status nötig – eine eingebaute soziale, politische und juristische Unterordnung.

Viele der heutigen Antizionisten werden überrascht sein zu erfahren, dass die Diskriminierung von Juden unter islamischer Herrschaft durch niemand anderen als Karl Marx aufgezeichnet wurde. 1854, etwa ein halbes Jahrhundert vor dem Aufkommen des politischen Zionismus, beschrieb er die Situation der Juden Jerusalems unter osmanischer Herrschaft: „Nichts gleicht der Not und dem Leiden der Juden Jerusalems, die das schmutzigste Viertel der Stadt bewohnen…. Sie sind ständig Ziel von Unterdrückung und Intoleranz…“

In den Jahrzehnten, die auf Marx‘ Artikel folgten, verbesserte sich die Lage der Juden im Nahen Osten mit dem Nachlassen der historischen Diskriminierung der Dhimmis. Aber da dieser Prozess von liberalen europäischen Ideen inspiriert war, brachte er eine judenfeindliche Gegenreaktion, die die Assoziierung der indigenen Juden mit dem verhassten Ausländer verstärkte.

Paradoxerweise ergriffen viele Muslime, die westlichen Einfluss ablehnten, dennoch eifrig die europäischen antisemitischen Sprachbilder, einschließlich der Ritualmord-Verleumdung, der bekannteste Fall in Damaskus 1840, sowie die jüdische Weltverschwörung, die sich in zahlreichen arabischen Ausgaben der Protokolle der Weisen von Zion offenbart.

Zweifellos trugen die Geburt und Entwicklung des Zionismus zur islamischen Feindschaft bei, die auf langjährig bestehenden Vorurteilen aufbaute. Denn während der traditionelle Islam bereit war Juden zu tolerieren, wenn deren Status gefahrlos unterlegen war, liefen jüdische Sehnsüchte nach nationaler Selbstbestimmung und Gleichberechtigung unter den Nationen den Jahrhunderten etablierter islamischer Lehre zuwider.

Während ich als Israels Botschafter in London diente, erlebte ich mein erstes Iftar-Essen zum Fastenbrechen im Ramadan. Jüdisch-muslimische Koexistenz-Gruppen werben mit gemeinsamen Iftar-Veranstaltungen, aber im Allgemeinen wird das Thema Israel höflich an der Türschwelle zurückgelassen; es herrschte Übereinstimmung, dass eine Diskussion über den jüdischen Staat das gewünschte Ambiente negativ beeinflussen würde. Dennoch veranstaltete auch die israelische Botschaft ein jährliches Iftar-Essen, an dem eine kleine Gruppe bemerkenswerte Muslime teilnahm, die bereit waren sich zu engagieren.

Jüngste Entwicklungen bieten etwas Optimismus, was den Entwicklungsverlauf der jüdisch-muslimischen Beziehungen angeht. Die Durchbrüche der Abraham-Vereinbarungen sind bedeutend und beinhalten einen interreligiösen Dialog von Staat zu Staat, der angelegt ist Verständigung zu verbessern. Und in Israel durchbricht der Knessetabgeordnete Mansour Abbas Stereotype und demonstriert damit, dass der politische Islam nicht die hemmungslose Feindschaft der Muslimbruderschaft sein muss.

Echte muslimisch-jüdisch Koexistenz ist weder einfach noch unmöglich; sie erfordert die Erweiterung der Hingabe des Islam an Toleranz auf die Wertschätzung des jüdischen Wunschs nicht in ihren früheren, untergeordneten Status zurückzukehren.

Ramadam Karim.

Ein Gedanke zu “Der Islam hatte nie Toleranz für den jüdischen Staat

  1. Psalm 127:1 Wenn der HERR nicht das Haus baut,
    so arbeiten umsonst, die daran bauen.
    Wenn der HERR nicht die Stadt behütet,
    so wacht der Wächter umsonst.

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