Wenn Israel Souveränität nicht durchsetzt, wird es sie verlieren

Die Palästinenser spielen ein langes Spiel mit einem leuchtenden und klaren Ziel: die Eliminierung Israels.

Douglas Altabef, Jerusalem Post, 2. Mai 2022

Wenn Israel seine Souveränität nicht durchsetzt, wird es sie verlieren – Meinung (Foto: Jamal Awad/Flash90)

Israel ist zwar militärisch, technologisch oder wirtschaftlich nie stärker gewesen, aber es leidet unter einer Überzeugungskrise.

Unsere Vorfahren waren Juden in der Diaspora, die sich in ihren Gastgeberländern auszeichneten und Großes leisteten, aber sie versuchten vergeblich die Anerkennung ihrer nicht gütigen, nichtjüdischen Nachbarn zu gewinnen. So wie sie, jagen Israels derzeitige Führungspolitiker der nicht zu bekommenden Unterstützung und Nähe führender westlicher Länder hinterher.

Im Namen dieser unerwiderten Suche nach Liebe sind die bereit gewesen unseren palästinensischen Feinden höchst gefährliche Signale zu schicken, Israel sei bereit nachzugeben, wegzusehen und palästinensisch Ansprüchen und Neigungen entgegenzukommen. Unsere Führungskräfte werden all das ins Gewand der Suche nach Entgegenkommen und Vernunft verkleiden. Das Ziel ist, den Palästinenser zu zeigen, dass Israel bereit ist palästinensische Empfindlichkeiten zu respektieren, indem keine Gründe für Beleidigung und Missgunst provoziert oder geboten werden.

All das klingt angemessen und weise, außer dass es alles völlig unangebracht und auf gefährliche Weise kontraproduktiv ist.

In einer der größten historisch falschen Fehlinterpretationen der Ziele und Absichten der Gegenseite haben Israels Führungskräfte den großen Fehler westlicher Geopolitik gemacht: die Annahme, dass die anderen grundsätzlich dasselbe wollen wie sie selbst. Wir wollen alle Frieden, Wohlstand und gute Beziehungen mit den Nachbarn sowie im Idealfall gegenseitige wirtschaftliche Befruchtung. Richtig?

„Lang lebe die Intifada“: Palästinenser und propalästinensische Anhänger protestieren während Tagen des Konflikts zwischen den beiden Seiten gegen israelische Angriffe auf den Gazastreifen; Brooklyn New York (USA), 15. Mai 2021 (Foto: Rashid Umar Abbas/Reuters)

Nun, was ist, wenn die anderen Typen schlicht die Dinge, wie sie laufen, so im Gang halten wollen, mit einem großen Vorbehalt: Du, Israel, bist kein Teil des Bildes. „From the river to the sea, Palestine will be free“ (Vom Fluss bis zum Meer wird Palästina frei sein) ist kein Liedchen; es ist ein politisches Manifest der Trennung und Auslöschung. Punkt, Ende der Geschichte.

Wir verstehen die Ziele und Bestrebungen der Palästinenser ständig falsch. Wir ignorieren ihre Umfragen, die ständig wenig Interesse daran zeigen Frieden mit uns zu schließen. Wir ignorieren ihre Lehrpläne für Schulen und ihre populären Medien, die vor Judenhass und dem Wunsch überquellen uns alle aus unserem Land vertrieben sehen zu wollen. Wir täuschen uns selbst dazu zu denken, dass dies alles eine Darbietung, eine Pose ist, die was genau sicherstellen soll? Einen besseren Friedensvertrag, mehr palästinensische Kontrolle in Judäa und Samaria?

Natürlich nicht. Die Palästinenser spielen ein langes Spiel mit einem leuchtenden und klaren Ziel: die Eliminierung Israels.

Das ist das Bild und das ist das Ziel. Alle Politik, der Jihad, die Zahlungen an die Familien von Terroristen, die Schlachtrufe zur Verteidigung der Al-Aqsa, all das muss im Kontext der Arbeit hin auf dieses feststehende, sich nie ändernde, nie verschleierte Ziel gesehen werden.

Denn das ist ihr Drehbuch. Wenn wir uns selbst schlecht machen, indem wir sagen, dass Juden auf dem Tempelberg oder Juden, die in Jerusalem Flaggen tragen oder Juden, die bei einer Feier an einer Universität die „Hatikva“ singen, seien provokativ, dann helfen wir der palästinensischen Sache und ermuntern dazu. Wir zeigen ihnen, dass ihre Bemühungen funktionieren, dass unsere Entschlossenheit nachlässt und dass sie mit nur ein paar weiteren Anstößen, Forderungen, Krawallen und Appellen zu allgemeiner Verurteilung Israels dem Ziel viel näherkommen und dieses erreichbarer wird.

Eine der größten Wunden, die Israel sich selbst zugefügt hat, ist vor kurzem mit dem feigen Verhalten gegenüber palästinensischem Chaos auf dem Tempelberg zur Schau gestellt gewesen. Wenn die israelische Reaktion auf zynische, manipulative und geplante palästinensische Krawalle darin besteht, Juden ganz vom Aufstieg auf den Tempelberg abzuhalten, dann weiß man, dass wir Probleme haben.

Die Palästinenser wissen, dass der Tempelberg der heiligste Ort des Judentums ist. Sie wissen, dass ihre Fähigkeit uns unserer entscheidenden Verbindung zu berauben, nicht nur ein gewaltiger religiöser Sieg an sich ist, sondern auch ein gutes Zeichen für die eventuelle israelische Bereitschaft weniger wichtige Verbindungen und Assoziationen loszulassen. Mit der Verweigerung einer jüdischen Präsenz wird die Trennung der jüdischen Verbindung zum Tempelberg so zum Beweistext für den letztendlichen palästinensischen Sieg. Wie es in dem alten Lied heißt: Wenn wir es hier schaffen, dann werden wir es überall schaffen.“

Warum können wir das nicht sehen? Warum müssen wir so vorsätzlich begriffsstutzig sein, was die Realität dessen angeht, dem wir ins Auge sehen und mit dem wir es zu tun haben?

Hier ist ein aktuelles Beispiel dafür, wie fehlgeleitet unsere Politik ist. In einem vergeblichen Versuch die Palästinenser per Nichtprovokation zu beschwichtigen, lehnte die Polizei es in den Zwischentagen von Pessach ab einen Flaggenmarsch durch die Altstadt zuzulassen. In Reaktion darauf twitterte die Hamas, dass sie nach Vereitelung des Flaggenmarschs nach neuen und weiteren Symbolen ihrer zunehmenden Kontrolle dessen sucht, was in Jerusalem geschieht.

Hat die Hamas den Flaggenmarsch „vereitelt“? Auf einer gewissen Ebene natürlich nicht. Sie nahm keinen Einfluss, drohte nicht mit Konsequenzen, sollte er stattfinden. Aber auf einer tieferen und wahreren Ebene hatte sie natürlich den Erfolg ihn zu vereiteln. Wie? Indem sie Gewalt, Krawalle, Gesetzlosigkeit und den massiven Anschein zivilen Wahnsinns aufrechterhielten, hatten die Palästinenser/Hamas insofern Erfolg, als sie die israelische Obrigkeit einschüchtern und die pawlowsche Missbilligung seitens westlicher und arabischer Führer auslösen.

Das Ergebnis bestand in einem Verlust und einer Strafe für die Juden, nicht irgendeiner Art von Protest gegen die Palästinenser. Mit der Entscheidung die angemessene Politik laute die Schleusen für massive palästinensische Pilgerschaft zur Al-Aqsa zu öffnen, war unsere Obrigkeit nicht bereit den Kurs zu ändern.

Hier ist ein Vorschlag. Ich hätte gerne, dass unsere Regierung im nächsten Jahr, sagen wir, mit viel Vorankündigung verkündet, dass angesichts der Gewalt im Jahr zuvor dieses Jahr keine Besuche der Al-Aqsa erlaubt werden. Punkt. Und es wird zweifellos Randale geben. Aber die Krawalle werden bei den Palästinensern stattfinden, nicht bei uns.

Nur Verhalten wie dieses kann anfangen die Denkweise von einem letztlichen palästinensischen Sieg zu unvermeidbarer palästinensischer Niederlage verändern, was die Verneinung eines eliminatorischen Sieges bedeutet. Israels Führungspolitiker dürfen nicht das, was sie gerne stattfinden sehen würden, das ersetzen lassen, von dem sie wissen müssen, dass es passieren wird. Wir dürfen uns nicht selbst täuschen.

Unsere Souveränität steht auf dem Spiel. Wenn wir nicht bereit sie geltend zu machen, sie durchzusetzen und zu schützen, dann senden wir ein deutliches Signal, dass sie – unsere Souveränität – sich im Spiel befindet.

Und dann wird keine Maß an wirtschaftlichen oder gar militärischem Können uns beschützen.

Der Autor ist Vorstandsvorsitzender von Im Tirtzu und Direktor des Israel Independence Fund. Er kann über dougaltabel@gmail.com kontaktiert werden.

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