Warum gilt Israel als schuldig, bis seine Unschuld nachgewiesen ist?

Wenn Israel verurteilt wird, egal wie es handelt, dann ist es vielleicht an der Zeit, dass seine Führung aufhört sich Sorgen zu machen, was die Welt denkt und ausnahmsweise die Wahrheit so sagt, wie sie ist.

Karni Eldad, Israel HaYom, 17. Mai 2022

Der sogenannte „Nakba-Tag“ war dieses Jahr der Höhepunkt des Albtraums, den Israel in der letzten Woche erlebte. Seit dem Tod der Al-Jazira-Reporterin Shireen Abu Akleh sind wir von allen  Seiten mit Anschuldigungen bombardiert worden und es ist kein Ende in Sicht.

Innerhalb von zwei Tagen fanden sich Militär und Polizei mitten in einem Skandal wieder: Ersteres wurde beschuldigt eine Journalistin getötet zu haben, die „über die Besatzung die Wahrheit sagte“ und Zweitere, weil sie die Trauernde schlug und die Toten nicht respektierte und so weiter und so fort.

Und ohne Soldaten und Offiziere in Sicht erlaubten sich die Palästinenser auf beiden Seiten der Grünen Linie sich auszutoben, denn wer sollte sie aufhalten? An der Universität Tel Aviv wurden Palästinenserflaggen geschwenkt und es gab Gewalt, Zusammenstöße auf dem Mahane Yehuda-Markt in Jerusalem, der Marsch nach dem Tod des Terroristen Daoud Zubeidi aus Jenin, der versuchte Lynchmord an einem Juden in Ostjerusalem und leider weitere Vorfälle, die bis zur Veröffentlichung dieses Kommentars stattfinden könnten.

Sowohl in Jerusalem als auch in Tel Aviv erhielten die Randalierer die volle Unterstützung der sie vertretenden Knesset-Abgeordneten: den MKs der Gemeinsamen Arabischen Liste Aida Touma-Suleiman, die „stolz auf die beeindruckenden jungen Leute ist, die darauf bestehen die wahre Geschichte dieses Ortes darzulegen“ und Ofer Cassif, der einen Polizisten angriff, sowie Parteichef Ahmed Tibi, der einem Randalierer half der Polizei zu entkommen.

Scheinbar eine Sackgasse. Noch besser: Wir hätten den Moment kommen sehen müssen, in dem die Journalistin getötet wurde. Dieser irre Kreislauf, der immer – und ich meine IMMER – darin endet, dass Israel verleumdet wird und Juden getötet werden, überrascht niemanden. Denn das ist das, was sie immer gemacht haben – während der Operation Wächter der Mauern im Mai letzten Jahres und 2014 während der Operation Fels in der Brandung und davor. Unsere Unterwürfligkeit machte keinen Unterschied, genauso wenig die Kastration der Gesetzeshüter und eigentlich nicht einmal die Wahrheit.

Aber dem müssen wir nicht folgen. Es gibt einen anderen Weg.

Es ist naiv zu denken: „Wenn wir der Welt nur beweisen können, dass wir in Ordnung sind, dann werden sie uns nicht schlagen.“ Das entstammt einer Mentalität, die der eines Ehepartners in einer Beziehung mit Missbrauch ähnelt. Wenn das der Fall ist, warum hören wir dann nicht einfach auf uns einen Dreck darum zu kümmern, was alle denken und sagen ausnahmsweise die Wahrheit, wie sie ist?

Die ganze Situation hätte anders aussehen können, hätten die israelischen Führungspolitiker nach dem Tod der Journalistin geschlossen gesagt: Ihr Tod ist eine Tragödie. Es ist unklar, wer sie tötete, aber wir sind sicher, dass sie – als Kriegsreporterin – die Risiken kannte. Hätten wir sie töten wollen, hätten wir das auf durchdachte Weise tun können, aber wir waren es nicht. Nächster Punkt.

Was die Beerdigung des Terroristen aus Jenin angeht, sagte mir ein weiser Mensch einmal: Wenn wir diskutieren, ob auf Palästinenser, die Steine werfen, geschossen werden soll, dann ziehe er vor „einen guten Anwalt zu haben statt eines guten Beerdigungsredners“. Das stimmt auf der Mikro- wie auf der Makro-Ebene.

Der Staat sollte sich nicht darauf konzentrieren, wie unser Handeln von der Welt wahrgenommen werden könnte, sondern darauf unsere Souveränität und unser Leben zu schützen. Wenn wir sowieso verurteilt werden, dann müssen wir sicherstellen diesen Weg nicht wieder einzuschlagen, der immer mit dem Tod von Juden endet.