Juden in Keffiyeh? Die Kopfbedeckung, die zum Symbol wurde

Heutzutage identifizieren die Leute die Keffiyeh als eindeutiges Symbol der palästinensischen Nationalbewegung. Gehen wir jedoch einige Jahrzehnte zurück, dann finden wir Dokumentation zu ranhghohen Mitgliedern der zionistischen Bewegung, die die traditionelle Kopfbedeckung tragen, genauso Mitglieder des Palmach und selbst Soldaten in der IDF. Was hat sich seitdem verändert?

Shir Aharon Bram, the Librarians, 18. Mai 2022

Der israelische Premierminister David Ben-Gurion bei einer Tour mit Yitzhak Rabin als hjungem Offizier durch den Negev, Mai 1949 (Foto: Government Press Office)

Stellen Sie sich einen Moment lang die folgende Szene vor: Ein Mann mit Schnurrbart, der einen Hirtenstab hält, steht still und blickt starr nach vorne. Auf seinem Kopf trägt er eine Keffiyeh, eine traditionelle arabische Kopfbedeckung, während um ihn herum still eine Herde Schafe grast. Bäume, Felsen und Grasbüschel sprenkeln die beschauliche Landschaft. Das idyllische Bild eines einheimischen kanaanitischen Schafhirten…

In diesem Stadium wird die traumhafte Atmosphäre abrupt zerstört, da wir eine große Kamera bemerken, die gegenüber dem Mann mit der Keffiyeh aufgestellt ist; dahinter befindet sich ein professioneller Fotograf. Bei genauerem Hinsehen erkennen wir, dass die Schafe, Felsen und der blaue Himmel in Wahrheit ein gemalter Hintergrund sind. Der „Hirte“ ist in Wirklichkeit ein in Europa geborener Jude namens Zvi. Zvi legt seinen Stab nieder und nimmt die Keffiyeh ab, verlässt das abgedunkelte Studio und geht hinaus auf die sonnige Straße des Tel Aviv des frühen 20. Jahrhunderts, gekleidet in städtische Alltagskleidung. Um zu verstehen, warum Zvi sich wie ein Hirte anzieht und was er damit zu erreichen hoffte, müssen wir in die Geschichte der Keffiyeh blicken – eines Kleidungsstücks, das bis heute bei verschiedenen in diesem Land lebenden Gruppen von Leuten eine ganze Bandbreite von Gefühlen weckt.

Aminadav Altschuler, eine führende Persönlichkeit beim Kauf von Land für Juden im Negev, trägt beim Pflanzen eines Baums an Tu B’Schwat in der Wüste bei Beit Eschel eine Keffiyeh. Dieses Bild ist Teil des Israel Archive Network (IAN) und steht dank der Bemühungen zur Zusammenarbeit des Yad Ben Zvi-Archivs, des Ministerium sfür Jerusalem und Erbe sowie der Nationalbibliothek Israels zur Verfügung)

Heute ist diese traditionelle Kopfbedeckung ein beliebtes politisches und Klassensymbol, besonders die schwarz-weiße Version, die ein eindeutiges Sympol des palästinensischen Nationalismus geworden ist. Im Blick zurück jedoch, zu Beginn des letzten Jahrhunderts, war die Situation anders. Ab dem frühen 20. Jahrhundert bis in die 1950-er Jahre, selbst nach der Gründung des Staates Israel, sind ranghohe Mitglieder der zionistischen Bewegung sowie viele andere Juden dokumentiert, wie sie die Keffiyeh trugen. Eines der berühmtesten Beispiele ist das Foto von Zionistenführer Chaim Weizmann, der bei seinem Treffen mit dem Haschemitenprinzen Faisal 1918 eine Keffiyeh trug.

Emir Faisal (rechts) und Chaim Weizmann (links) mit Keffiyehs in der Stadt Ma’an in Jordanien, 1918)

Neben Weizmann wickelten sich Mitglieder der zionistischen Militärorganisationen, z.B. dem Palmach, HaSchomer und sogar Soldaten der IDF in dieses Kleidungsstück. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ließen die jüdischen Immigranten der Ersten und Zweiten Aliyah oft Studio-Porträts von sich in voller arabischer Tracht machen, zusammen mit einer prächtigen Keffiyeh.

Studio-Porträt von Rachel Slutzki, die zu den Gründern der Landwirtschaftskooperative Nahalal gehörte (rechts in männlicher Kleidung und mit Gewehr) und ihre Kusine Liza Slutzki trägt die „Beduinen“-Frauenkleidung und hält einen Tonkrug. Dieses Bild ist Teil des Israel Archive Network (IAN) und steht dank der Bemühungen zur Zusammenarbeit des Yad Ben Zvi-Archivs, des Ministerium sfür Jerusalem und Erbe sowie der Nationalbibliothek Israels zur Verfügung)
Yitzhak Schmilowsky, ein junger Juden, tärgt eine Keffiyehund Agal – die Keffiyeh ist eigentlich tallit, ein jüdischer Gebetsschal, der als Keffiyeh umfunktioniert wird. Dieses Bild ist Teil des Israel Archive Network (IAN) und steht dank der Bemühungen zur Zusammenarbeit des Yad Ben Zvi-Archivs, des Ministerium sfür Jerusalem und Erbe sowie der Nationalbibliothek Israels zur Verfügung)

Die Keffiyeh wurde auch von jüdischen Schulkindern und Mitgliedern der Jugenbewegung des Landes Israel getragen. Wie kam es dann, dass die Keffiyeh als antizionistisches Symbol betrachtet wird?

Übernahme der Keffiyeh als Mittel der Integration

Die zionistische Bewegung war als elementar europäische Bewegung natürlich von vielen typischen, zeitgenössischen europäischen Intellektuellen-Trends beeinflusst, darunter dem Orientalismus. Mit der Ankunft der Immigrationswellen im Land Israel (dem damals osmanisch beherrschten Palästina) stellten die europäischen Immigranten fest, dass sie sich stark von den lokalen Einwohnern unterschieden. Viele betrachteten die arabischen Bauern, die in Palästina-Israel am Ende der Zeit der osmanischen Herrschaft überwogen, als die Nachfolger der antiken Juden, die vor dem Exil im Königreich Juda gelebt hatten. Die jüdische Gemeinschaft Peki’in, die seit Jahrhunderten im Land Israel gelebt hatte, diente ebenfalls als Modell für eine indigene, „authentische“ Lebensweise. Mit der Akzeptanz dieser Sicht strebten viele der neuen Immigranten danach den Lebensstil der lokalen Bewohner nachzuahmen. Die im Land Israel während der frühen Tage der zionistischen Bewegung hergestellte visuelle Kultur demonstriert den Versuch den „neuen Juden“ im Land Israel zu formen.

Schulkinder in Ein Ganim, gekleidet in weiß und ein Keffiyeh tragend. Im Hintergrund ist das Schulgebäude zu sehen.
Dieses Bild ist Teil des Israel Archive Network (IAN) und steht dank der Bemühungen zur Zusammenarbeit des Yad Ben Zvi-Archivs, des Ministerium sfür Jerusalem und Erbe sowie der Nationalbibliothek Israels zur Verfügung)

Abraham Soskins Fotostudio in Tel Aviv, eines der ersten Fotostudios des Landes in jüdischem Besitz, ist ein gutes Beispiel dafür. Zu den Diensten, die Soskin seinen Kunden bot, gehörte ein Porträtfoto, das sie in voller lokaler Bauern- oder Beduinenkleidung zeigt. Soskins Fotos fangen den Zeitgeist der zionistischen Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein, die den Diaspora-Juden in einen „neuen Juden“ verwandeln wollte, während sie sich die uralte nationale Identität zueigen machten, die sie als die autthentische jüdische Identität wahrnahmen. Diese Bilder zeigen, wie Westler die Ortsansässigen sahen und sie nachzuahmen versuchten. Diese Wahrnehmung bestand bis in die Dritte Aliyah weiter, die zionistischen Juden wollten wie die indigenen Einwohner werden und imitierten sie auf viele Weisen.

Yitzhak Hoz, ein Mitglied der Organisation HaSchomer, auf einem Studio-Porträt von Abraham Soskin. Nadav Mann, Bitmuna. Aus der Sammlung Ada Tamir, Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Ein weiteres bemerkenswertes Beispiel ist die Kleidung, die von Mitgliedern der Organisation HaSchomer übernommen wurde, von denen die meisten aschkenasische Juden waren, die aber Keffiyehs und Abayas trugen, um zu versuchen den beduinischen Einwohnern des Landes zu ähneln.

Mitglieder der Organisation HaSchomer, von denen zwei Keffiyeh, tragen, während andere die gürkische kalpak und Fez tragen. Nadav Mann, Bitmuna. Aus der Sammlung Ben-Zion Israeli. Quelle der Sammlung: Aharon Israeli, Pritzker Familie National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Es ist wichtig zwischen europäisch-kolonialem Orientalismus, wie ihn Europäer veranschaulichen, die sich aus einem Gefühl des Paternalismus und kultureller Aneignung in indigener Kleidung fotografieren ließen, und den frühen zionistischen Immgranten zu unterscheiden, die örtliche Kleidung übernahmen und die Keffiyeh aus dem Wunsch nach Nähe und einem Gefühl an diesen Ort zu gehören trugen. Letztere streben danach ihr Image im Geist der uralten, historischen Juden zu formen, deren Vermächtnis sie glaubten aufzugreifen. Dieses Gefühl ist auch in der Kunst sichtbar, die von jüdischen Künstlern im frühen 20. Jahrhundert geschaffen wurde, die an der Bezalel-Schule für Kunst und Handwerk studierten und sich vorstellten durch ein orientales Objketiv blickend den „neuen Juden“ zu schaffen.

Die Pioniere, Mitglieder der Landwirtschaftssiedlungen, Jugendbewegungen und sogar der Militärorganisationen wie Haganah, Palmach, Irgun und Lehi versuchten ebenfalls ihre Wahrnehmung der Gestalt des neuen Juden zu fördern. Zusammen mit der Rückkehr ins Land Israel und der Rückkehr zur Bearbeitung des Landes war die Keffiyeh ein deutlich sichtbarer Ausdruck dafür. Das vertraute Kleidungsstück, das auf der arabischen Halbinsel schon vor dem Aufkommen des Islam üblich war, sollte Kopf und Gesicht vor Sand und Staub schützen, diejenigen, die auf den Feldern arbeiten, vor der Sommersonne und den Winterwinden beschützen. Die Keffiyeh hat drei vertraute, traditionelle Stile: die weiße Keffiyeh ist heute in den Golfstaaten und bei den Beduinen weit verbreitet, aber auch in der Region des Irak zu finden; die rot-weiße Keffiyeh, die in Jordanien sehr gängig ist, findet sich auch an anderen Orten; und die schwarz-weiße Keffiyeh, die heute mit den Palästinensern identifiziert wird.

Israelische Soldaten in einem jordanischen Jeep mit einer gerahmten Fotografie König Husseins von Jordanien in einer Keffiyeh auf der vorderen Stoßstange nach der Eroberung der Stadt 1967 in Jerusalem. Die Sammlung Meitar, Pritzker Familiy National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Als das  zionistische Vorhaben sich entwickelte und der israelisch-palästinensische Konflikt sich verdichtete, ließ der Versuch der zionistischen Juden nach die Ortsansässigen zu imitieren. In seinem Buch Pre-Israeli Orientalism: A Photographic Portrait [Israelischer Orientalismus vor Israel: Ein fotografisches Porträt], das das Phänomen der Studiofotografie in Bauern- und Beduinen-Kleidung bei Juden im Land Israel betrachtet, deutet Dor Guez auf die gewalttätigen Ereignisse von 1929 als Wendepunkt in der jüdischen Einstellung und dem Ende ihres Wunsches die Ortsansässigen zu nachzuahmen: „Die naive orientalistische Wahrnhemung der ersten aliyot wurde erschüttert… und mit ihr die Leidenschaft sich als indidgene Menschen zu ‚veröstlichen‘.“ Gegen Ende der 1930-er Jahre und dem Ausbruch der „Arabischen Revolte“, als auch das palästinensische Nationalbewusstsein weitgehend geformt wurde, wurde die Keffiyeh zum national-palästinensischen Symbol und ersetzte den osmanischen fez oder tarbusch. Die Identifzierung der Keffiyeh als politisches Symbol begann in das lokale Bewusstsein einzudringen, so wie auch ein Prozess tat, an dessen Ende die Keffiyeh zu einem Symbol wurde, das eine Ideologie enthält, die das Gegenteil des Zionismus ist.

Die politischen Nuancen der Keffiyeh

Nach den Ereignissen von 1929 und dem arabischen Aufstand begann die Populrität der Keffiyeh zu abzunehmen und jüdische Versuche die Ortsansässigen nachzuahmen wurden weniger üblich, aber die 1940-er und 1950-er Jahre hindurch konnte man die Keffiyeh in Israel immer noch entdecken, auch um den Hals jüdisch-israelischer Politiker und Militärpersonal. Ein bekanntes Bild zeigt den eine weiße Keffiyeh um den Hals tragenden David Ben-Gurion während einer Patrouille mitten im Krieg von 1948 zusammen mit den jungen Offizieren Yitzhak Rabin und Yigal Alon.

Premierminister David Ben-Gurion mit einer Keffiyeh um den Hals bei einer Tour im Negev mit einer Gruppe Offiziere, darunter Yitzhak Rabin und Yigal Alon, Mai 1949. (Foto: Government Press Office)

Ein weiteres berühmtes Foto aus diesem Krieg, bekannt als „Das Mädchen mit der Pistole“, zeigt die an einem Baum lehnende Kommunikationsoffizierin Ziva Arbel mit einem Holster und einer Pistole an ihrer Taille und einer Keffiyeh, die wie ein Tuch um ihren Kopf gebunden ist, kurz nach der Schlacht von Barfiliya.

„Das Mädchen mit der Pistole“, die Keffiyeh tragende Ziva Arbel, Kommunikationsoffizieren des 3. Bataillons der Yiftah-Brigade im Ben Schemen-Wald nach der Eroberung des D orfes Barfiliya, Juli 1948. Foto: Boris Carmi, Sammlung Meitar, Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Diese zwei Fotos zeigen, zusammen mit anderen aus den späten 1940-er Jahren, dass die Keffiyeh immer noch ein starkes Symbol des zionistischen Ethos war, trotz ihrer Bedeutung in der palästinensischen politischen Identität, die ein Jahrzehnt zuvor begonnen hatte. Boris Carmi, der als Israels „erster Militärfotograf“ bekannt war, dokumentierte 1958 IDF-Soldaten mit Keffiyeh.

Keffiyehs und „Tembel“-Hüte:Militärparade der IDF 1958, Soldaten in Keffiyeh in einem Zeltlager. Sammlung Meitar, Pritzker Family Natinoal Photography Collection, Nationalbibliothek Israels.

Die Verschiebung im Bewusstsein, die die Juden dazu brachte fast komplett auf die Keffiyeh zu verzichten, begann gegen Ende der 1960-er Jahre. Hinter dieser Veränderung steckte als Schlüsselpersonlichkeit Yassir Arafat.

Yassir Arafat auf Besuch im Gazastreifen; dass er die Keffiyeh trug, wurde zu einem seiner Markenzeichen – Juli 1994. Sammlung Dan Hadani, Pritzker Family Natinoal Photography Collection, Nationalbibliothek Israels.

Der Krieg 1967 und die große Niederlage der arabischen Staaten führte zum Aufstieg der von Arafat geführten Fatah-Bewegung; dieser stellte sich selbst als Führer dar, der für das palästinensische Volk sprach. Eines der auffälligsten Merkmale seiner Erscheinung neben seinem ständigen „Kampfanzug“ und der Pistole war die schwarz-weiße Keffiyeh. Er begann sie schon 1956 zu tragen, als er als Mitglied der palästinensischen Studentendelegation aus Ägypten erstmals nach Europa reiste. Ab da stellte er sicher, dass man ihn sie tragen sah und damit wurde sie eines der erkennbarsten Zeichen des Palästinenserführers. Arafat bekam sogar den Spitznamen abu al hata („hata“ ist das lokale arabische Wort für Keffiyeh). In seiner Arafat-Biografie beschreit der Autor Danny Rubinstein, wie der Fatahführer sicherstellte, dass die Keffiyeh auf eine besondere Weise derapiert war, die ihr eine zugespitzte Kante gab, die vermeintlich die Außengrenze des heiligen Landes darstellt. Arafats Erscheinungsbild stärkte den politischen Status der Keffiyeh und bereits in der ersten Intifada konnte man Palästinenser sehen, die sie bei ihren Konfrontationen mit den israelischen Sicherheitskräften trugen.

Anhänger Arafats in Rafah im Gazastreifen. Die Symbolik der Keffiyeh ist deutlich (July 1994). Sammlung Dan Hadani, Pritzker Family Natinoal Photography Collection, Nationalbibliothek Israels.

In den 1990-er Jahren wurde der Status der Keffiyeh als „antizionistisches“ Symbol schließlich gefestigt, als ein Bild des verstorbenen Premierminister Yitzhak Rabin mit Keffiyeh von rechtsextremen Aktivisten veröffentlicht wurde, um seinen mit der Unterzeichnung der Oslo-Vereinbarungen erfolgten angeblichen „Verrat“ zu demonstrieren. Seitdem sind Karikaturen und Bilder verschiedener Politiker in Keffiyeh herumgereicht werden, um ähnliche Botschaften zu illustrieren.

Ein Poster, das den ehemaligen Premierminister Yitzhak Rabin kritisiert, so bearbetiet, dass es ihn eine Keffiyeh tragend zeigt. Der hebräische Text lautet: „Der Lügner – Wahlen jetzt!“ – Poster-Sammlung in der Nationalbibliothek Israels.

Die Keffiyeh im 21. Jahrhundert

Das 20. Jahrhundert endete mit der Polarisierung der Keffiyeh, so dass die öffentliche Meinung zu dieser Kopfbedeckung sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts komplett von dem verschoben hatte, wie sie es ein Jahrhundert früher gewesen war. Die Keffiyeh hatte im Verlauf der Jahre bei den verschiedenen Versuchen den Friedensprozess einzuleiten eine Rolle gespielt. Abgesehen von den Oslo-Vereinbarungen und dem bekannten Bild von Arafat in Keffiyeh an der Seite Rabins, löste ein Vorfall bei der Konferenz von Madrid 1991 ebenfalls eine Kontroverse aus, als der palästinensische Repräsentant Saeb Erekat eine Keffiyeh um den Hals trug, womit er die Anwesenden, besonders die israelische Delegation verärgerte. In weniger als 50 Jahren hatte sich die israelische Haltung gegenüber der Kopfbedeckung um 180 Grad gewendet – obwohl Ben-Gurion sich 1948 bereitwillig selbst in eine Keffiyeh wickelte, wurde sie dann in den 1990-er Jahren als ein bedrohliches und nicht willkommenes Zeichen betrachtet.

Interessanterweise haben die 2020 unterzeichneten Abraham-Vereinbarungen zu einer Art „israelischer Renaissance“ bezüglich der Keffiyeh geführt. Israelische Touristen, die die Golfländer und Marokko besuchen, sind fotografiert worden, wie sie freudig die Kopfbedeckung in ihrer weißen Golfstaaten-Version als Teil der lokalen Touristen-Erfahrung tragen. Sobald der Kontext mit den Palästinensern aus dem Bild ist, scheint es so, dass israelische Juden bereit sind zum Tragen der vertrauten arabischen Kopfbedeckung zurückzukehren.

Im Verlauf der Jahre hat es auch Versuche gegeben eine „jüdische Keffiyeh“ zu entwerfen, die etwas an die „Sudra“ erinnert, die jüdische Kopfbedeckung, die einst in arabischen Ländern alltäglich war. Gleichzeitig haben die Palästinenser weiter sichergestellt, dass die Keffiyeh das sie repräsentierende Symbol bleibt, auch über Populär-Kultur, Musik, Fernsehen, das Internet und soziale Medien. Der Sänger Mohammed Assaf gewann sogar 2013 den beliebten Gesangswettbewerb „Arab Idol“ mit seinem Lied „Wave the Keffiyeh“ [Winkt mit der Keffiyeh], deren Worte die Kopfbedeckung als palästinensisches Nationalsymbol verklären.

Im Rückblick scheint die Geschichte der Keffiyeh untrennbar mit der Geschichte der Region und den Kämpfen um den Charakter des heiligen Landes verbunden zu sein; dennoch wird dieses Symbol und die Bedeutung, die es für beide Völker hat, eines Tages weniger aufgeladen sein.

Dank an Eli Oscheroff für die Hilfe bei der Vorbereitung dieses Artikels.