Die Strategie „zerbrochene Fenster“ gegen die Dämonisierung Israels

Üble Typen kommen mit Mord davon, wenn alle andere beschließen wegzusehen.

Melanie Phillips, 20. Mai 2022

Die Politik-Theorie der „zerbrochenen Fenster“, die den 1990-er Jahren für einen atemberaubenden Rückgang der Verbrechen in New York verantwortlich war, gründete auf einem einfachen Vorschlag. Dieser lautete, dass üble Menschen dazu ermutigt werden schwere Verbrechen zu begehen, wenn kleinere soziale Ärgernisse wie Müll, Vandalismus oder Schwarzfahren ignoriert werden.

Dieses Ignorieren übermittelt das fatale Signal, dass diejenigen mit Verantwortung einen Freifahrtschein für Störungen ausstellen. Um schwere Verstöße zu stoppen, muss es eine beständige Botschaft geben, dass es null Toleranz für den Bruch jeglicher Regeln gibt, die eine Gesellschaft zivilisiert halten.

Die Theorie der „zerbrochenen Fenster“ ließe sich durchaus auch auf die Politik anwenden. Der Altphilologe und Kommentator Victor Davis Hansen hat eine schreckenerregende Analyse Amerikas veröffentlicht, die nahelegt, dass es unaufhaltsam in die Zerstörung absinkt.

Die amerikanische Politik, schreibt er, ähnelt den gewalttätigen letzten Tagen der römischen Republik. Die traditionellen Grundlagen des amerikanischen Systems – eine stabile Wirtschaft, Energieunabhängigkeit, enorme Lebensmittelüberschüsse, geheiligte Universitäten, eine professionelle Judikative, Strafverfolgungsbehörden und ein glaubwürdiges Kriminal-Justiz-System – lösen sich auf.

Das alles stimmt. Er vermerkt aber auch: „All diese Katastrophen sind selbstverursacht. Das sind getroffene Entscheidungen, kein Schicksal.“

Das ist in der Tat der Schlüssel. Eine Kultur zerstört sich selbst, wenn ihr Volk beschließt sich nicht zu verteidigen. Böse Menschen kommen mit echt schlimmen Dingen davon, wenn alle anderen sich entscheiden wegzusehen.

Dieselbe düstere und demoralisierende kulturelle Entwicklung findet in Großbritannien statt, wenn auch nicht so explosiv wie in Amerika.

Aufeinander folgende britische Regierungen haben sich entschieden das nötige Handeln zur Kontrolle der Grenzen des Landes oder zur Verhinderung der Balkanisierung der britischen Gesellschaft durch islamistische Einschüchterung nicht zu unternehmen. Sie haben sich entschieden den diversen Irrsinnigkeiten und der Drangsaliererei mit Identitätspolitik keine Null Toleranz zu zeigen, womit immer mehr sozial und kulturell destruktivem Verhalten grünes Licht gegeben wurde.

In der Außenpolitik erleben wir die erschreckenden Ergebnisse der Nichtanwendung von null Toleranz gegenüber Verstößen gegen die Regeln der Zivilisation. Der Eifer des Westens von Russlands Mafiastaat zu profitieren und sein noch selbstmörderischeres Appeasement gegenüber dem Iran haben zur Folge gehabt, dass Russland den fürchterlichen Angriff auf die Ukraine führte und dass das völkermörderische iranische Regime kurz vor dem Atomwaffendurchbruchs steht.

Das Versagen die Lektionen der Theorie des „zerbrochenen Glases“ zu lernen ist angesichts des Israel und die jüdische Diaspora verschlingendenTsunami an Antisemitismus besonders offensichtlich.

Das ist so gekommen, weil der Westen beschlossen hat keine Null-Toleranz-Politik gegenüber palästinensischen Lügen zu zeigen, die dazu dienen sollen Israel zu dämonisieren, das jüdische Volk aus seiner eigenen Geschichte zu schreiben und ihm sein Land zu stehlen.

Stattdessen sind diese Lügen von den westlichen Medien unkritisch recycelt worden; sie haben damit die Drecksarbeit der Palästinenser erledigt, indem sie palästinensisch-arabische Aggressoren zu Opfern und ihre israelischen Opfer zu blutrünstigen Unterdrückern machen.

Das wurde aktuell mit der bei einem Feuergefecht zwischen palästinensischem Bewaffneten und israelischen Soldaten in der „Westbank“-Stadt Jenin getöteten der Al-Jazira-Journalistin Shireen Abu Akleh anschaulich unterstrichen.

Es bleibt unbekannt, ob Abu Akleh von einer palästinensischen oder einer israelischen Kugel getötet wurde. Und die israelische Polizei schritt zur Kontrolle des Beerdigungszugs erst ein, als die Gefahr bestand, dass dieser von einer Menschenmenge gekapert wurde, die versessen auf hysterische Hetze aus war. Trotzdem verurteilten die westlichen Medien Israel dafür Abu Akleh getötet und ihre Trauernden mutwillig brutal behandelt zu haben.

Noch schlimmer war, dass US-Außenminister Antony Blinken dieses boshafte und unfaire Narrativ übernahm. Bei den Palästinensern wie beim Iran scheint die Administration Biden erpicht darauf zu drin „Null Toleranz“ bezüglich Israels Interessen zu zeigen, statt gegenüber denen, die entschlossen sind es von der Landkarte zu wischen.

Derweil gibt es eine gewaltige und ständige Steigerung der antisemitischen Übergriffe in Amerika und Britannien. Das ist alles miteinander verbunden.

Nach dem Akleh-Aufruhr wies Israels Generalkonsul in New York, Asaf Zamir, auf CNN darauf hin, dass antisemitische Vorfälle in New York City sich im letzten Jahr vervierfacht hatten; er sagte: „Ihr macht automatisch Israel für Dinge verantwortlich, die wir nicht getan haben. Daraus werden am Ende des Tages antisemitische Übergriffe und antisemitische Gesinnungen in den USA.“

Antisemitismus kann nie ganz ausgemerzt werden. Es könnte jedoch viel mehr getan werden, um ihn in den Untergrund zu drängen, indem man ihn völlig inakzeptabel macht. Das ist der Punkt, an dem die jüdische Welt selbst schwer gefallen ist. Sie hat es versäumt „Null Toleranz“ für die zu zeigen, die für seine Begünstigung verantwortlich sind.

Viele in der jüdischen Welt haben seit Jahren Sorge wegen der Zunahme des Antisemitismus und Millionen Dollar im Versuch ausgegeben ihn zu bekämpfen. Doch im Allgemeinen hat sich das als ineffektiv erwiesen, weil Israels Verteidiger immer versucht haben defensiv vorzugehen, statt die einzige Strategie anzuwenden, die funktioniert – in die Offensive zu gehen.

Gemäß der Theorie der „zerbrochenen Fenster“ warteten Polizisten nicht, bis die Mordrate nach oben schoss, sondern trafen Maßnahmen, um zu zeigen, dass sie schon geringere Verstöße nicht tolerieren würden. Aber die Verteidiger Israels reagieren nur, wenn antisemitische Anschläge ausgebrochen sind, haben die vergiftete Subkultur ignoriert, die in der er ausgebrütet worden ist.

Während Israels Verteidiger sich darauf beschränkt haben Anstrengungen zu unternehmen, um den Rückstand aufzuholen, haben ihre Feinde proaktiv und aggressiv die Kultur und die politische Landschaft umgestaltet.

Das Palästinensertum hat funktioniert, weil es eine über Jahrzehnte angewandte und von großen Geldmitteln gestützte Strategie gab, die bei den leichtgläubigen westlichen Linken ein komplett falsches Narrativ säte, mit dem Aggressor und Opfer umgekehrt und Israel sowie seine Verteidiger dämonisiert werden.

Die Verteidiger müssen eine ähnlich pro-aktive und aggressive Strategie gegen Israels Feinde übernehmen, allerdings auf der Grundlage von Wahrheit statt Lügen.

Das bedeutet eine Infrastruktur aufzubauen, die die öffentliche Debatte gestaltet, statt nur darauf zu reagieren. Das Hauptziel sollte nicht sein allen Menschen von Israel und dem jüdischen Volk zu erzählen (so wichtig das bleibt). Das Hauptziel sollte sein die Öffentlichkeit auf die Schlüsseltatsache aufmerksam zu machen, die ihr fast komplett unbekannt ist – dass sie belogen wird und dass die Ursache der Sache, die sie in gutem Glauben unterstützen, eine böse und völkermörderische ist.

Es ist zum Beispiel erstaunlich, dass Israels Verteidiger nicht regelmäßig die horrenden und geistesgestörten antisemitischen Karikaturen, Predigten und Äußerungen veröffentlichen, die von den palästinensischen Medien ununterbrochen herausgepumpt werden und die das Middle East Media Research Institute (MEMRI) und Palestinian Media Watch auf ihren Internetseiten sorgfältig übersetzen und wiedergeben.

Solches Material bietet eine Waffe, mit der die Achillessehne der Israelhasser getroffen werden kann – ihre narzisstische Selbstachtung. Denn was für solche Individuen von höchster Wichtigkeit ist, ist ihre Selbstüberzeugung als Menschen mit Gewissen, die sich dem Antirassismus, Antikolonialismus und Antiimperialismus und so weiter verschrieben haben.

Eine effektive proisraelische Strategie bestünde darin jeden solchen Übeltäter – Medienorgane, bestimmte Journalisten, Akademiker und andere kulturellen Führer – zu nennen und zu beschämen indem man sie mit der Nase in das stößt, was von den von ihnen verteidigten Palästinensern selbst gesagt wird, um diese „Progressiven“ als Begünstiger von Rassismus, ethnischer Säuberung und arabischem Imperialismus zu entlarven.

Die meisten Leute im Westen haben keine Vorstallung davon, dass die von ihnen unterstützten Palästinenser naziartige Hetze gegen Israel und das jüdische Volk ausspeien. Der Grund ist, dass niemand – weder in der jüdischen Welt noch sonstwo – dieses Material nutzt um zu fragen, wie ein zivilisierter Mensch jemals solche Leute unterstützen konnte. Stattdessen unterstützt sie selbst eine zunehmende Zahl linker Juden.

Medienbeobachter wie das Committee for Accuracy in Middle East Reporting and Analysis (CAMERA) und HonestReporting machen ausgezeichnete Arbeit beim Entlarven der Lügen; aber wer außerhalb der jüdischen Gemeinschaft hört von ihrer Arbeit? Eine integrierte Strategie würde sicherstellen, dass politische und andere Persönlichkeiten, deren Äußerungen berichtenswert sind, diesen Ergebnissen ein Megafon geben würden. Das könnte ihnen sogar einen Fernsehsender geben.

All das würde eine enorme Investition an Geld, Menschen und Zeit erfordern. Am wichtigsten ist jedoch, dass es einer pro-israelischen Welt bedürfte, die ein völlig anderes Denken übernimmt – eine Strategie zu schaffen, um die Fenster des Feindes zu zerbrechen bevor sie weitere der unseren zerstören.