Die wahre Lektion aus dem Jerusalem-Tag

Ryan Bellerose, Israellycool, 31. Mai 2022

Die eine, am häufigsten gestellte Frage, die ich von Indianern höre, wenn ich über Israel und Juden spreche, lautet: „Was können wir von ihnen lernen?“

In unserer Geschichte war einer der Hauptgründe dafür, dass die nordamerikanischen Ureinwohner verloren, unsere Unfähigkeit sich zu einen, gemeinsame Grundlagen neben „Sie wollen uns all unser Land wegnehmen“ zu finden. Wir hatten ein paar Häuptlinge, die versuchten lokale Nationen und Stämme zu einen und einige hatten sogar eingeschränkten Erfolg, so Big Bear von den Cree, der es irgendwie schaffte die Blackfoot und die Cree dazu zu bringen einander nicht mehr umzubringen und sogar unsere vertraglich vereinbarten Reserven zusammenzutun. Aber insgesamt waren wir zu gespalten, als dass wir uns wirklich vereinen konnten, um den Feind zu bekämpfen. Wir haben verloren.

Was hat das mit den Juden und Israel zu tun? 1947 setzte sich ein gebrochenes und gespaltenes Volk gegen gewaltige Wahrscheinlichkeiten durch und besiegte mehrere Armeen. In vielen Fällen wurde dürren und kränklichen Leuten aus den Holocaust-Lagern Gewehre in die Hand gegeben und gesagt: „In Europa wurde euch keine Chance gegeben. Dort wurde euch gesagt, ihr sollt sterben. Hier könnte ihr kämpfen und höchstwahrscheinlich sterben, aber dabei werdet ihr aufrecht run, nicht im Knien.

Also kämpften sie an der Seite ihrer Brüder, die seit den 1930-er Jahren gekämpft hatten. Aber so mirakulös ihr Sieg auch war, er kostete. Sie sicherten eine Heimat, aber sie verloren die Altstadt von Jerusalem und Hebron, die beiden für Juden heiligsten Orte der Welt. Warum? Meiner Meinung nach, weil sie nicht geeint waren. Eine Allianz aus Grundlage von „Sie wollen uns alle töten“ funktioniert nur bis zu einem gewissen Grad. Die Araber lernten aus erster Hand, dass Allianzen, bei denen man ein Auge auf die eigenen Leute hält, nicht so erfolgreich sein werden, wie sie es wäre, wenn man sich gegenseitig wirklich vertraut. Weil jedes der arabischen Lager eigene Absichten hatte, verloren sie am Ende einen Kampf, bei dem sie zahlenmäßig und taktisch monumental im Vorteil waren.

Im Zweiten Weltkrieg waren die Juden im Mandat Palästina gespalten, nicht nur politisch, sondern auch ideologisch. Selbst im zionistischen Lager gab es Lager, die an der Seite der Briten kämpfen wollten, um die Nazis zu besiegen und sich hinterher um die Befreiung der uralten Heimat der Juden zu kümmern. Es gab auch Gruppen, die begriffen, dass die Briten mit der Einschränkung der Immigration Juden im Grunde zum Tode verurteilten und sie wollten die Fremdherrschaft auf der Stelle hinauswerfen.

Gelegentlich wurde das gewalttätig (wie bei der Affäre Altalena) und keine historische Persönlichkeit Israels hat in diesem Konflikt saubere Hände. Glücklicherweise gab es am Ende für beide Seiten bedeutende Siege. Diejenigen, die sich auf die Seite der Briten stellen wollten, und mit Auszeichnung gegen das Übel der Nazis dienten, und diejenigen, die wollten, dass die Briten das Land verlassen, erreichten das, wenn auch erst nach dem Krieg und nicht schnell genug, um Millionen Juden zu retten, die infolge der Schließung der Mandatsgrenzen umkamen.

Offensichtlich gab es auf beiden Seiten dieser Münze gute Argumente, aber keine Seite lag zu 100% richtig. Das Problem ist, dass es im Krieg keine Grauzonen gibt, es gibt Gewinner und es gibt Verlierer. Dem Krieg sind Nuancen egal, er kümmert sich einen Dreck um Fairness, entweder man geht siegreich daraus hervor oder man verliert. Ja, es kann Phyrrus-Siege geben, aus denen echte Niederlagen werden, aber langfristig kann du nur entweder gewinnen oder verlieren.

20 Jahre später: 1967 begriffen die Israelis nun, dass es keine Rolle spielte, ob du ein linker, sozialistischer Kibbuznik bist oder ein rechter Kapitalist – die gesamte arabisch-muslimische Welt schrie nach deinem Blut und der Spruch „Treibt die Juden ins Meer“ war Alltag. Die offenen Aufrufe zum Völkermord klingen für Leute nicht hohl, die Tätowierungen auf ihren Unterarmen hatten, auch nicht für Leute, die nach 1947 in der muslimischen Welt aus ihren Häusern gezwungen wurden. Zwanzig Jahre der Beobachtung von Arabern, die Friedhöfe auf dem Ölberg zerstören, die aus Synagogen Ställe und Klohäuser machten, Juden den Zugang zur Westmauer verweigerten, sie nicht die Machpelah-Höhle betreten ließen, zeigten ihnen genau, was die muslimische Welt von ihnen und ihrem entstehenden Staat hielten.

Diesmal kämpften die Juden vereint, geeint durch die Tatsache, dass das keine Theorie war. Sie WUSSTEN, was eine Niederlage bedeuten würde. Dass sie Araber sie töten würden, war keine Möglichkeit, sondern empirische Tatsache. Selbst die stursten, irredentistischsten, friedliebendsten Juden wussten und begriffen: Wenn dir jemand fast täglich sagt, dass er dich töten will, dann meint er das auch.

1967 gewann Israel nicht einfach nur, es ließ keinen Raum für Zweifel. Jordanien beendete seine illegale Besatzung von Judäa und Samaria, Israel eroberte die Golanhöhen von Syrien, die genutzt wurden, um seit 1947 fast täglich israelische Gemeinden zu beschießen, aber am wichtigsten ist, es befreite Jerusalem und Hebron und zeigte, wenn die Israelis vereint sind, dann sind sie eine ernstzunehmende Kraft.

Sie fragten mich also, was wir von den Juden und Israel lernen können? Wir lernten, dass wir uns in Einigkeit fast allem entgegenstellen können, dass wir überwinden können, was unschlagbare Umstände zu sein scheinen und dass egal, was alle dir sagen, indigene Völker Selbstbestimmung in unserem angestammten Land erreichen und einen blühenden Staat aufbauen können.

Das ist das, was ich vom Jerusalem-Tag lernte und wofür ich immer dankbar sein werde.