War die muslimische Eroberung Spaniens von Frömmigkeit oder von Plünderung getrieben?

Den Eroberten „Wissen, Gerechtigkeit und Gleichheit bringen“

Raymond Ibrahim, FrontPage Mag, 3. Juni 2022

Vor kurzem behauptete der Großimam der Al-Azhar-Universität, Scheik Ahmed al-Tayeb, die muslimischen Eroberungen des meist mehrheitlich christlichen Nahen Ostens und Nordafrikas im siebten Jahrhundert „waren keine kolonisatorischen Eroberungen, die sich auf Methoden des Plünderns, der Unterdrückung, Kontrolle und Politik der Dominanz und Abhängigkeit verließen“. Stattdessen ging es darum den Eroberten „Wissen, Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit“ zu bringen.

Ein paar Wochen bevor al-Tayeb diese höchst ahistorischen Behauptungen aufstellte, schrieb ein weiterer prominenter Scheik und professioneller Historiker, Dr. Ali. Mohammed al-Salabi, einen langatmigen Artikel, der dem Aufstellen derselben Behauptungen gewidmet war – ebenfalls im Ramadan, wenn Muslime es gewohnt sind in den Tugenden des Jihad zu schwelgen – allerdings im Kontext der muslimischen Eroberung Spaniens.

Von der Internationalen Union muslimischer Gelehrter unter dem Titel „Aus den Siegen des Ramadan: Die islamische Eroberung von al-Andalus“ veröffentlicht, bietet er eine konzentriertere Fallstudie zu diesem Phänomen wilder Schönmalerei der islamischen Geschichte.

Laut Dr. al-Salabi machten die muslimischen Eroberer Spaniens nicht mit, „um Beute zu gewinnen oder Status zu erlangen; und das war das Ziel aller islamischen Eroberungen. Von ihrer [wahren] Natur zu lesen und daraus zu lernen reicht aus, um die Anschuldigungen zurückzuweisen und die gefälschten Verleumdungen zu widerlegen, die – implizit oder explizit – suggerieren, dass Plünderung das Motiv dieser Eroberung war. Einer solchen Behauptung fehlen jegliche Argumente, Zeugnisse und Beweise; sie ist eine Illusion ohne den leichtesten Hauch wissenschaftlicher oder historischer Rückendeckung.“ Stattdessen ging es bei der muslimischen Eroberung Spaniens um „das Umblättern der Seite der Ungerechtigkeit und Tyrannei hin zu einer neuen Seite des Fortschritts und der Zivilisation“.

Das sind so ziemlich die Behauptungen. Zurück im wahren Wort der tatsächlich aufgezeichneten Geschichte machen die Quellen überdeutlich, dass die muslimische Eroberung Spaniens fast ausschließlich von Beutegier getrieben war – von belebter wie unbelebter Beute

Zum Beispiel sagt einer der frühesten Berichte, die lateinische Chronik von 754, dass die Muslime „lange plünderten und gottlos in Spanien einmarschierten, um es zu zerstören“. Bei der Landung „ruinierten sie schöne Städte, brannten sie mit Feuer nieder; verurteilten Herrscher und mächtige Männer zum Kreuz; und schlachteten Jugendliche und Kleinkinder mit dem Schwert“. Was Musa bin Nusayr, den obersten General der Expedition angeht, den al-Salabi ansonsten in seinen Artikeln für seine unbeirrbare Frömmigkeit rühmt: „Er terrorisierte alle.“

Mancher mag einwenden, dass die Chronik von 754 von einem undankbaren christlichen Ungläubigen geschrieben wurde, der es versäumte die altruistischen Absichten des Islam bei der Eroberung seiner Nation wertzuschätzen. Pech für sie, dass muslimische Quellen – ihre eigenen Quellen – genauso, wenn nicht noch deutlicher sagen, dass die Eroberung Spaniens enorm von Gedanken an Plünderung motiviert war.

Damit war es laut eines der frühesten arabischen Historiker der Eroberung Spaniens, Ibn Abd al-Hakam (geb. 803), so: „Als die Muslime Spanien eroberten, plünderten sie es aus und begingen viele Betrügereien.“ [Hervorhebung hinzugefügt] Ähnlich schreibt der wichtige arabische Historiker Ahmed Muhammad al-Maqqari, den al-Salabi in seinem Artikel (selektiv) zitiert, dass nach General Tareks anfänglichen Erfolgen in Spanien, „als die Leute auf der anderen Seite der Straße [in Marokko] von der … reichlich vorhandenen Beute, die er erlangt hatte [darunter viele Sklaven], strömten sie ihm aus allen Ecken zu und überquerten das Meer auf jedem Fahrzeug oder Boot, die sie in die Hände bekommen konnten. Mit dieser enormen Verstärkung von Tareks Armee wurden die Christen genötigt sich in ihren Burgen und Festungen einzusperren und sich unter Rückzug aus dem Flachland in die Berge zu begeben.“ Und so ging es weiter; Tarek drang weiter ins nördliche Spanien vor, „wobei er keinen Ort passierte ohne ihn zu richten und seinen Wohlstand für Allah in Besitz zu nehmen, weil Allah, der Allmächtige die Herzen der Ungläubigen mit Terror geschlagen hatte.“

Solcher Terror wurde nur noch weiter verstärkt, als die Invasoren einige der christlichen Gefangenen zerhackten, kochten und „vorgaben“ sie zu essen, wie Hakam berichtet. Bei einem weiteren denkwürdigen Vorfall verbarrikadierte sich eine Reihe führender Christen in einer Kirche von Córdoba. Laut al-Maqqari „waren die Belagerten, obwohl sie keine Hoffnung auf Errettung hatten, so unbelehrbar, dass sie, als ihnen unter der Bedingung den Islam anzunehmen oder Jizya zu zahlen Sicherheit angeboten wurde, Kapitulation ablehnten und weil die Kirche in Brand gesetzt wurde, kamen sie alle in den Flammen um.“

So viel also zu Dr. al-Salabis Behauptung, bei der muslimischen Eroberung Spaniens sei es darum gegangen „die Seite der Ungerechtigkeit und Tyrannei zu einer neuen Seite des Fortschritts und der Zivilisation umzublättern“.

Muslimische Quellen machen weiter deutlich, dass „Beute“ einer anderen Art – die Versklavung europäischer Frauen nicht nur aus Spanien – ebenfalls ein motivierender Faktor war. Vor dem Einmarsch in die Halbinsel schaffte Tarek es sogar die Inbesitznahme der beiden Formen der Plünderung – unzählige Reichtümer und schöne Frauen – in einem kurzen Satz zu verschmelzen, um seine Männer anzustacheln: „Ihr müsst zahlreiche Berichte zu dieser Insel gehört haben, ihr müsst wissen, dass die griechischen Jungfern, so schön wie Huris [himmlische, sexuelle Superfrauen], deren Hälse vor unzähligen Perlen und Juwelen glitzern, ihre Körper in Tuniken kostbarer, mit Gold gespickter Seide gekleidet, eure Ankunft erwarten, sich auf weichen Sofas in den luxuriösen Palästen gekrönter Herrscher und Prinzen zurücklehnen.“

715, bald nach der muslimischen Eroberung Spaniens unternahmen Musa und Tarek die lange Reise ins Omajjaden-Kalifat in Damaskus; sie brachten tausende, mit immensen Schätzen beladene Kamele und dreißigtausend Gefangene als fleischlichen Tribut für Kalif Al-Walid mit, der, so al-Maqqari, begeistert war von „den Ressourcen all der Menschen Spaniens … seiner Reichtümer und der Schönheit seiner jungen Frauen“. Danach und weil die „Omajjaden blonde oder rothaarige fränkische oder gallische Frauen als Sexsklavinnen besonders schätzten“, schreibt der Historiker Dario Fernandez-Morera, „wurde al-Andalus [das muslimisch beherrschte Spanien] zum Zentrum des Handels und der Verteilung von Sklaven.“[The Myth of the Andalusian Paradise, S. 159] Christliche Untertanen mussten manchmal sogar einen jährlichen Tribut „nicht in Geld oder Pferden oder Waffen, sondern aus einhundert Jungfern (die alle wegen ihrer Schönheit ausgesucht werden mussten) liefern, um die Harems zu schmücken.“ [Spain and Portugal, S. 132]

So viel also zu Dr. al-Salabis Behauptungen, dass die muslimischen Eroberer Spaniens nicht dort waren, um „Beute oder Status zu gewinnen“, eine Behauptung, die angeblich „ohne jedes Argument, Zeugnisse oder Beweise“ ist – tatsächlich eine Behauptung, von der er behauptet, dass sie letztlich „eine Illusion ohne jeglichen Hauch wissenschaftlichen oder historischen Rückhalts“ sei.

Leider endet al-Salabis Beschönigung hier nicht. Er betont auch noch die Frömmigkeit der Berber, der nordafrikanischen Konvertiten zum Islam, die den Großteil der muslimischen Armeen stellten, die in Spanien eindrangen und es eroberten: „Die Berber gehörten zu den Leuten, die dem Islam gegenüber am loyalsten waren“, schreibt er. „Sie waren dem Islam über pflichteifrig, sie liebten in und opferten sich für ihn nicht um Beute oder Status zu gewinnen.“

Doch selbst bei diesem Detail sagt die islamische Geschichte etwas anderes. Als ursprüngliche Nichtmuslime verteidigten die Berger sich Jahrzehnte lang standhaft gegen islamische Übergriffe; darüber hinaus hatten sie in den Zwischenjahren vor ihrer endgültigen Eroberung keine Bedenken den Übertritt zum Islam nur vorzutäuschen. So schreibt al-Maqqari:

Er [Uqba bin Nafi, ein muslimischer General] ging nach Ifraqiya [Afrika] und belagerte seine Städte, eroberte sie mit Gewalt und lieferte die Menschen dem Schwert aus. Eine Reihe Berber konvertierte unter ihm zum Islam und der Islam verbreitete sich unter ihnen… Dann sammelte Uqba seine Gefährten und sprach zu ihnen: „Die Leute in diesem Land sind ein wertloser Haufen; wenn ihr mit dem Schwert in sie hineinschlagt, werden sie Muslime, aber in dem Augenblick, wenn ihr ihnen den Rücken zukehrt, kehren sie zu ihren alten Gewohnheiten und Religion zu rück.“

Oder bedenken sie die Ambivalenz des Oberkommanadierenden Musa bin Nusayr selbst: „Die Berber sind die Leute, die den Arabern in Aktivität, Stärke, Mut, Ausdauer, Liebe zum Krieg und Gastfreundlichkeit am stärksten ähneln“, sagte er einmal, aber: „Sie sind die größten Verräter. Sie haben keinen Glauben und sie halten nie Wort.“

Zum Abschluss sollte betont werden, dass es bei diesem Thema nicht sonderlich darum geht die Geschichte richtig darzustellen oder Muslime wegen ihrer Vergangenheit zu beschämen. Mit der Fortsetzung des Lobgesangs auf islamische Eroberungen nichtmuslimischer Ländereien als große und wunderbare Sache, befeuert ausschließlich durch Frömmigkeit, rechtfertigen Muslimführer und -Autoritäten wie al-Tayeb letztlich fortgesetzte Intoleranz und Gewalt gegen Nichtmuslime, solange das im Namen des Islam erfolgt, wie es bei allen vorherigen Eroberungen war.


Anmerkung: Alle Primärquellen und Zitate in diesem Artikel sind in den Kapiteln 3 und 6 von Sword and Scimitar: Fourteen Centuries of War between Islam and the West mit Quellen versehen.

8 Gedanken zu “War die muslimische Eroberung Spaniens von Frömmigkeit oder von Plünderung getrieben?

  1. Die Goten holte muslimische Stämme nach Spanien. Sie sollten in einem Klima des Verfalls deren interne Streitigkeiten lösen. Für das Europa des frühen Mittelalters erwies sich die Mozarabische Kultur jedenfalls als Glücksfall.

      • Ohne die westarabischen Buchstaben und das Stellenwertsystem in der Buchführung hätte sich der Handel im Mittelalter niemals so rasch entwickelt. Auch die gotischen Kathedralen wären ohne moslemische Handwerker nie in dieser Form entstanden.

        • Das hätte es auch ohne die jihadistische-mörderischen Eroberungen, die Massenmorde an Christen und die Massenversklavungen geben können.

          • In Spanien war die einfach die Ausdehnung des Islam in ein zerfallenes Gotisches Reich. Im Übrigen gründen ja alle drei großen Religionen auf einer Idee. Insofern wäre nach so langer Zeit ein Versöhnungsfest auf dem Berg Sinai endlich mal angebracht. Anschließend könnte dann ein Volksfest auf dem Berg Zion stattfinden.

            • Es stimmt, dass es in Spanien einen Typen gab, der die Muslime aus Afrika rüberholte; von Zerfall eines Gotenreichs zu reden, ist aber Übertreibung. Daneben gaben sie sich nicht zufrieden mit dem einen, vermeintlich zerfallenden Staat.
              Ansonsten sind die Muslime aggressiv dorthin gegangen. Das war nicht „einfach“. Sie haben ihre mörderischen Jihad weitergeführt und wurden in Europa erst in Tours gestoppt. Sie haben Nichtmuslime weitgehend grausam unterdrückt und viele versklavt. Das war mehr als „einfache Ausdehnung“.
              Also hören sie auf die Verhältnisse schönzufärben und alles herunterzuspielen, was die Muslime dort machten.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.