Israel ist die schlechteste Wirtschaft der Welt – abgesehen von allen anderen

Israel hat die westliche Uhr angehalten, die während der 1950-er Jahre tickte. Wir verkörpern weiter die Schlüsselwerte, die einen optimistischen Nachkriegswesten, besonders in den USA, antrieben.

Douglas Altabef, Jerusalem Post, 15. Juni 2022

Bars und Restaurants sind im Mahane Yehuda-Markt in Jerusalem ein lebhaftes Geschäft. Israel steht regelmäßig auf einem der obersten Plätze in der Rangliste der glücklichsten Staaten der Erde.
(photo credit: OLIVIER FITOUSSI/FLASH90)

Winston Churchill nutzte diese Form linkischen Lobes bei der Beschreibung der Demokratie als Regierungssystem zu beschreiben. Es scheint auch eine geeignete Möglichkeit zu sein sich Israels Tugenden zu nähern und sie zu loben, weil damit implizit die Existenz der weit verbreiteten Probleme, Herausforderungen und Störungen zu erkennen sind.

Und dennoch werden wir in der realen Welt der ungezügelten Unvollkommenheit auf einer Kurve bewertet. Und in diesem relativen Bereich, bei der Überprüfung der realistischen Einschätzung dessen, was Israel ist, wofür es steht und was es bietet, scheint Churchills Art der Bewertung und Wertschätzung sehr relevant zu sein.

So dankbar ich auch für unseren Entschluss bin Aliyah zu machen, schreibe ich nicht darüber wie süß es ist hier zu leben. Ich schreibe, weil ich überzeugt bin, dass Israel einige entscheidende Dinge kapiert hat, die es in die Lage versetzt haben einige der schlimmsten Fallstricke zu vermeiden, die den Westen heute heimsuchen. Damit hat Israel nicht nur sich selbst geholfen, sondern auch anderen Nationen einen Fahrplan und ein Modell gegeben, sollten sie dazu neigen, eine Basis wiederherzustellen und zurückzuholen, die viele von ihnen eingebüßt haben.

Um es einfach auszudrücken: Auf eine tiefsinnige Weise hat Israel, das muss man ihm zugutehalten, die tickende westliche Uhr während der 1950-er Jahre angehalten. Wir verkörpern weiter die Schlüsselwerte, die einen optimistischen Nachkriegs-Westen, insbesondere die USA, angetrieben haben.

Die Menschen halten beim jährlichen Flaggenmarsch am Jerusalem-Tag Fahnen (Foto: Marc Israel Sellem)

Welche Werte und Eigenschaften waren das?

Aus einer Wertschätzung seines Landes geborener Patriotismus als gerechtes, humanes und lohnenswertes Unterfangen; ein Glaube an Gott und ein gottzentriertes Universum; und ein felsenfester Glaube an die Bedeutung von Familie, nicht nur der Kern-, sondern auch der erweiterten Familie. Über allem und vielleicht als Produkt dieser Werte gab es Hoffnung, Optimismus und die Überzeugung, dass die Zukunft irgendwie besser sein wird als die Gegenwart.

Vielleicht besteht der belebende Antrieb diese Werte in Israel aufrechtzuerhalten in dem fortgesetzten Bewusstsein, wie ungewöhnlich und einzigartig dieser Ort ist. Der einzige jüdische Staat in der Welt und als einziger Staat, der nach einer Unterbrechung von rund 1.900 Jahren in einer Form wiedergeboren wurde, die seinen Vorläufern nicht unähnlich ist. Ein Ort, dessen Gründung nicht logisch oder rational erklärt werden kann, der Raum lässt für ein Gefühl, dass göttliches Eingreifen bei unserer Erschaffung eine Rolle gespielt hat. Der einzige Staat der Welt, der seit seiner Geburt von Gegnern umgeben gewesen ist, es aber geschafft hat durchzuhalten, aufzublühen und heute in einigen Fällen sogar diese Widrigkeiten in Koexistenz zu kehren.

In dem Maß, wie wir uns dieser Realität weiter bewusst sind, ist eine logisch Ableitung, dass wir weiter für unsere Sicherheit sorgen müssen; aber wir lassen uns von dieser Notwendigkeit unsere Menschlichkeit nicht schmälern, auch nicht den Wunsch Schwerter zu Pflugscharen zu machen. Und die Vorstellung einer Rolle, die vom Göttlichen gespielt wird, bedeutet, dass unser Jahrtausende alter Bund und die Verbindung mit dem Göttlichen lebendig, wohlauf und natürlich der Pflege wert sein muss.

Übrigens, mit wem bestand dieser Bund? Mit einem Volk und das Volk wird von Familien gebildet. Der Fortbestand eines Volkes hängt sehr stark von der Kontinuität und Integrität der Familien ab, aus denen es gebildet ist.

Man könnte fragen, warum wir nicht den Weg anderer westlicher Nationen gegangen sind, die ähnliche Überzeugungen gehabt haben können, die sie entweder kaltgestellt, reduziert oder komplett verworfen haben. Die Pilgerväter betrachteten sich als die neuen Israeliten, die einen Auftrag hatten; de Tocqueville sah eine engagierte und gehörig selbstsichere Gesellschaft gewöhnlicher Leute, die die Verantwortung für ihr oft belastetes und dürftiges Leben übernahmen.

In den 1950-er Jahren hatten wir die amerikanische Einzigartigkeit. Im Rückspiegel einer verurteilenden Erinnerung betrachtet, wird Einzigartigkeit heute als Arroganz und Überlegenheitsdenken betrachtet. Aber außer den Linksextremen und den professionellen Antizionisten werden nur wenige Menschen in Israel das Land der Arroganz und des Überlegenheitsdenkens beschuldigen.

Was vielleicht zu einem Verständnis dafür führt, warum wir (dankenswerterweise) im Westen der Außenseiter sind. Und das ist so, weil es immer noch, bei all unseren Leistungen, bei all unseren Erfolgen und Entwicklungen, die tieferliegende Angst gibt, dass das alles ziemlich unbedeutend ist. Es kann enden, wie es in der jüdischen Geschichte schon früher geendet hat. Es gibt keine Garantie der Kontinuität und keine Sicherheit permanent als Staat zu bestehen.

Das ewig sterbende Volk ist vielleicht zur ewig gefährdeten Nation geworden.

Niemand in Dänemark macht sich Sorgen, dass ihr Land kein Existenzrecht hat. Niemand in Schweden hat das Gefühl, dass ihre langjährige Verfolgung ihrer norwegischen Nachbarn ihre Glaubwürdigkeit als Nation irgendwie infrage stellt.

Im Westen hat es zu viel Erfolg gegeben. Erfolg, der das „Was wäre, wenn“ aus dem Leben nahm, der die Möglichkeit eliminierte, dass etwas nicht funktionieren könnte.

Was Generationen zunehmend wohlhabender westlicher Eltern ihren Kindern angetan haben, ist, sie vor den Wechselfällen des Lebens abzuschirmen, sicherzustellen, dass sie in einer Welt sicherer Räume leben, frei von Mikroaggressionen und dass sie natürlich immer einen Pokal erhalten.

Ein junger Erwachsener hier, der weiß, dass er oder sie zum Dienst fürs Land verpflichtet wird, höchstwahrscheinlich in einer Armee, die sich immer noch auf die Wahrscheinlichkeit von Kampf konzentriert, wird erzogen anders zu denken und tut das auch.

Die Frage lautet, ob diese existenzielle Ungewissheit Segen oder Fluch ist. Ich würde argumentieren, dass dies, angesichts dessen, was ich hier und im Ausland sehe, eine Angst ist, die Teil der DNA des jüdischen Volks geworden ist und den Effekt hat uns im Augenblick zu halten, Dinge nicht für selbstverständlich zu halten und eine gesunde Wertschätzung nicht nur dessen ermöglicht, was wir haben, sondern auch dessen, was andernfalls sein könnte.

Die beiden Beweistexte für meine Überzeugung sind die folgenden: „Israel regularly ranks as one of the happiest nations on earth“ [Israel ist auf der Rangliste einer der glücklichsten Staaten auf der Erde“] und dass auf diesem Platz der Rangliste zu stehen nicht einmal der ultimative Beweistext meiner Überzeugung ist: Wir haben bei weitem die höchste Geburtenrate der westlichen Nationen.

Die Geburtenrate sagt alles: Uns gefällt es hier so gut, dass wir das Gefühl haben Kinder in die Welt zu setzen ist ein Geschenk – für das Volk, für die Familien und am allermeisten für die Neugeborenen selbst. Ja, die neuen werden wachsam sein, aber sie werden an einem Ort aufwachsen, auf den sie stolz sein werden, der auf sie stolz sein wird und der sie als Verbindungsglied in einer Bundeskette eines erstaunlichen und ja, eines ewigen Volks betrachten wird.

All das deutet auf eine Schlussfolgerung, dass wir – ja – offenkundige Probleme haben, eine Unmenge an Verrücktheiten und eine ganze Reihe von Schwierigkeiten. Aber am Ende des Tages haben wir auch etwas Einzigartiges, aber Nachvollziehbares: eine Grundüberzeugung, dass das Leben hier irgendwie kostbar und überaus wertvoll ist. Und das ist sicher nicht allzu schlecht, schon gar nicht das Schlechteste.

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