Warum der Vorstandsvorsitzende von Ben&Jerry’s Israel Ben & Jerry’s verklagt

Avi Abelow, Israel Unwired, 23. Juni 2022

Unilever ist vor der Kampagne zur Eliminierung Israels eingeknickt – Ihr Lizenznehmer Ben & Jerry’s Israel beschäftigt Araber, Juden und sudanesische Flüchtlinge – wer wird wegen des Boykotts entlassen?

Ben & Jerry’s Israel ist ein unabhängiger Lizenznehmer von Ben & Jerry’s und gehört nicht B&J oder dessen Eigentümer Unilever.
Unten finden Sie einen Post, der vom Vorstandsvorsitzenden von Ben & Jerry’s Israel, Avi Zinger, ursprünglich auf Comonsense.news veröffentlichte.

Mitte der 1980-er Jahre entdeckte ich bei einer Reise durch Vermont eine junge Eiskrem-Firma namens Ben & Jerry’s. Ich war beeindruckt von ihrer Qualität und organisierte ein Treffen mit Ben Cohen. Wir hatten sofort eine Verbindung und ich schlug ihm einen Plan vor Ben & Jerry’s nach Israel zu bringen. So wurde ich zum ersten Lizenznehmer der Firma.

Aber jetzt, nach drei Jahrzehnten, werde ich aus meiner Lizenz gedrängt, weil ich es ablehne meine Nachbarn zu diskriminieren.

Lassen Sie mich erklären.

Bevor die meisten Amerikaner überhaupt von Ben & Jerry’s gehört hatten, eröffnete ich 1988 einen Scoop Shop[*] in Tel Aviv. Die Leute liebten ihn. Ich begann Chunky Monkey und Cherry Garcia in israelischen und palästinensischen Städten herzustellen, zu verkaufen und zu liefern. Muslime, Juden, Christen, Drusen – alle aßen es.

Fast 35 Jahre lang – in meinen Fabriken in Südisrael, in unseren Scoop Shops und mit den Fahrern und Lieferanten, die unser Produkt auf Märkte in ganz Israel und in palästinensische Städte und Orte bringen – habe ich das Privileg gehabt mit einer unglaublichen Bandbreite an Menschen zu arbeiten. Religiöse und säkulare Araber und Israelis, sudanesische und äthiopische Flüchtlinge, Immigranten, die damit kämpfen Hebräisch zu lernen und Leute mit Behinderungen. Einige haben seit Jahrzehnten mit mir gearbeitet. Wir haben unser Leben Ben & Jerry’s gewidmet und sind eine erweiterte Familie geworden, haben persönliche Freundschaften mit Angestellten, dem Management und der Leitung in den USA geschlossen.

Ich teile die Hingabe der Firma an soziale Gerechtigkeit und habe enorme Energie und persönliche Ressourcen in Programme investiert, die Koexistenz und Toleranz zwischen Palästinensern und Israelis fördern. Dazu gehört: Middle East Entrepreneurs of Tomorrow, ein dem M.I.T. angeschlossenes Programm, das palästinensische und israelische Highschool-Schüler unternehmerische Kenntnisse beibringt; Seeds of Peace, das israelische und palästinensische Jugendliche zusammenbringt, das Ethiopian National Project, das äthiopischen Immigranten hilft sich in Israel zu assimilieren; Global Learning and Observations to Benefit the Environment, ein wissenschaftliches Bildungsprogramm, das die NASA sponsort und zu dem arabische und jüdische Schulkinder gehören; Jordan River Village, eine Initiative von Paul Newman, die tödlich erkrankten Kindern und ihren Familien die Gelegenheit gibt einen einwöchigen Ferien-Aufenthalt zu bekommen; und Kids4Peace, dessen Name für sich selbst spricht.

Jahrzehnte lang hat Ben & Jerry’s Israel diese und weitere Anliegen unterstützt, darunter von mir entwickelte Initiativen wie „Fruits of Peace“ – ein Projekt zur Stärkung wirtschaftlicher Kooperation zwischen Israelis und Palästinensern durch Entwicklung von Eiskrem-Geschmäckern, die Zutaten verwenden, die von lokalen palästinensischen Bauern kommen. Aber die antiisraelische Bewegung Boykott, De-Investition und Sanktionen, die Koexistenz nicht unterstützt, verhinderte, dass wir mit diesem Programm vorankommen, das Palästinensern wie kein anderes wirtschaftliche Türen öffnete.

Im Gegensatz zu dem, was Sie gelesen haben mögen, geht es BDS nicht um Widerstand gegen eine bestimmte israelische Politik. Es geht um Opposition gegen Israels Existenz an sich und damit lehnt sie jegliche Bemühung zur „Normalisierung“ der Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern ab. BDS geht es mehr darum Israel insgesamt zu beendigen, als darum wirtschaftliche Möglichkeiten für Palästinenser zu schaffen.

Jahre lang hat die BDS-Bewegung gegen den Hauptsitz von Ben & Jerry’s in Vermont geschossen, gefordert, dass die Firma Verkäufe dort beendet, was sie die „Besetzten Palästinensergebiete“ nennt. Aber die Hauptkonsumenten in diesen Gebieten sind Palästinenser. Mit anderen Worten: BDS-Aktivisten wollten, dass Ben & Jerry’s den Palästinensern „hilft“, indem sie ihnen die Arbeitsplätze (und Eiskrem) entziehen.

Ben & Jerry’s widerstanden dem Druck. Der Vorstand der Firma besuchte uns zweimal in Israel und sah, wie die Palästinenser und Israelis von unseren Koexistenzprojekten und sozialen Arbeiten profitierten. Letzten Mai änderte sich alles, als der Druck einen Siedepunkt erreichte und Ben & Jerry’s darauf bestanden, dass ich aufhöre Eiskrem an meine Kunden in Ostjerusalem und der Westbank zu liefern.

Ich konnte dem nicht nachkommen. Ich lehne es ab zu diskriminieren und ich glaube sehr daran, dass Boykotte nicht der Weg zum Frieden im Nahen Osten sind. Aber am Wichtigsten überhaupt: Die Anweisung von Ben & Jerry’s ist gesetzwidrig.

Israels Antidiskriminierungsgesetz verbietet die Diskriminierung von Einzelnen auf Grundlage des Wohnortes. Die Direktive der Firma bricht zudem Israels Antiboykott-Gesetz, amerikanische Antiboykott-Gesetze und -politik, die Bedingungen meiner Lizenzvereinbarung und die Bedingungen eines Einwilligungs-Erlasses, den Ben & Jerrry’s sowie Unilever, Ben & Jerry’s Muttergesellschaft, als Bedingung dafür unterschrieben, dass Israel den Zusammenschluss von Ben & Jerry’s und Unilever genehmigte.

Zu fordern, dass ich aufhöre meine Eiskrem auf Grundlage ihres Wohnortes an alle Kunden zu verkaufen – Palästinenser oder Israelis, Christen oder Drusen – ist illegal. Das ist der Grund, weshalb Ben & Jerry’s Behauptung, dies sei kein Boykott Israels, hinterhältig ist. Gemäß dem Gesetz kann niemand rechtmäßig tun, was Ben & Jerry’s von mir zu tun fordert. Bis also Ben & Jerry’s jemanden findet, der bereit ist gegen israelisches und US-Recht, öffentliche Politik, zu verstoßen, wird es nirgendwo in Israel Ben & Jerry’s geben, wenn meine aktuelle Lizenz Ende dieses Jahres ausläuft.

Ich habe Alternativen vorgeschlagen. Ich schlug vor einen palästinensischen Lieferanten die Lieferungen in der Westbank übernehmen zu lassen – eine bedeutende wirtschaftliche Chance. Aber als Ben & Jerry’s erfuhren, dass der Lieferant, natürlich, die Verkäufe in dem Gebiet erhöhen wollte, lehnten sie ab. Wie sie erklärten, müssten wir die Zahl der Pints in der Westbank auf Null bringen, weil sie entschlossen waren, dass Eiskrem von Ben & Jerry’s in Ostjerusalem und der Westbank überhaupt nicht erkauft wird.

Als ich es ablehnte mich dem Boykott zu beugen und das Gesetz zu brechen, feuerte mich Unilever praktisch, obwohl mir bei zahlreichen Gelegenheiten versichert wurde, dass mein Vertrag erneuert werden würde. Meine Lizenz zu kündigen, nur weil ich es ablehnte ein Verbrechen zu begehen, ist ein Verstoß gegen US-Recht. Man kann nicht als Vertragsbedingung fordern, dass jemand etwas Illegales tut.

Noch erschütternder ist die Scheinheiligkeit. Erstens verkauft Unilever weiter tausende seiner Produkte, darunter Hellman’s Mayonnaise, Dove-Seife und seine eigenen Eissorten Magnum und Strauss, in der Westbank und Jerusalem. Zweitens: Wie können Unilever und Ben & Jerry’s sich im Spiegel ansehen? Sie reden von sozialer Gerechtigkeit, sind aber schnell dabei hunderte Arbeitnehmer, die so viele Jahre lang der Firma loyal gedient haben, den Wölfen zum Fraß vorzuwerfen. Ich lehne es ab meine Leute auf diese Weise im Stich zu lassen. Und die Palästinenser werden am stärksten Schaden nehmen. Heute fordert eine Firma, das sich aufhöre Eiskrem an Kunden in der Westbank und Ostjerusalem zu liefern, aber morgen könnten es Medikamente und lebensrettende Technologie sein. Diskriminierung ist falsch und Menschen als politische Bauernopfer zu behandeln ist schändlich.

Ich bin nicht der Einzige, der erkennt, dass das, was Unilever tut, gesetzwidrig und fehlgeleitet ist. Seit der Boykott angekündigt wurde, sind Unilever zahllose Schläge versetzt worden. Die staatlichen Rentenfonds von New York, New Jersey, Florida, Illinois, Arizona und Texas haben fast eine Milliarde Dollar an Investitionen abgezogen; Mitglieder des Kongresses haben die Securities and Exchange Commission aufgefordert zu ermitteln; und Terry Sith, einer der größten Investoren von Unilever, hat die Firma öffentlich scharf kritisiert, weil sie vom Weg abgekommen ist und sich auf Kosten der finanziellen Leistung auf politische Dinge konzentriert.

Ich erwartete nach all dem, dass Unilever seinen Fehler erkennt. Aber stattdessen behauptete die Firma nach Monaten des Schweigens vor kurzem, sie arbeite an einer „neuen Vereinbarung“ um in Israel zu bleiben – wahrscheinlich ohne mich oder meine Arbeitnehmer. Also hatte ich keine andere Wahl als sie zu verklagen.

Anfang dieses Monats reichte ich Klage gegen Unilever und Ben & Jerry’s ein, um sie davon abzuhalten mein Unternehmen zu schließen und den Menschen zu schaden, die zu unterstützen wir all die Jahre so hart gearbeitet haben: Meine fast 200 Arbeitnehmer; hunderte Zulieferer, Lieferanten und Bauern, die auf Ben & Jerry’s Israel angewiesen sind; Studenten, die an von uns gesponserten Koexistenzprogrammen teilnehmen; und Millionen Konsumenten. Wenn Unilever und Ben & Jerry’s ernsthaft helfen wollen, dann werden sie, statt all diesen Leuten Schaden zuzufügen, ihre Entscheidung umkehren und meine Lizenz erneuern.


[*] Ein Laden, in dem Speiseeiskugeln angeboten werden.

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