„Ich dachte, hier hat jeder eine Schusswaffe“: Mädchen aus Gaza besucht Israel, um sich ihren Ängsten zu stellen

In einem seltenen Ereignis, wurde einer 12-jährigen mit PTSD durch den Konflikt erlaubt mit ihrem Vater Israelis zu besuchen; ‚leider gibt es im Gazastreifen Kinder, die glauben in Israel leben Monster“, sagt er.

The Times of Israel (Redaktion) 29. Juli 2022

Illustrativ: Blick auf die Barriere entlang der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen,8. Dezember 2021 (Foto: Flash90)

Angesichts wiederholter Kriege und nie endendem militärischen Konflikt entwickelte eine 12-jährige aus dem Gazastreifen Posttraumatische Belastungsstörungen, sagen ihre Eltern. Der Zustand des Mädchens verschlechterte sich bis zu dem Punkt, an dem sie Angst vor den tagtäglichen Aktivitäten hatte und immer versuchte in physischer Nähe zu ihren Eltern zu bleiben.

Vor kurzem erhielt das Mädchen, dessen Name zurückgehalten wird und die nur durch den ersten Buchstaben ihres Namens in Hebräisch, „Gimel“, identifiziert wird, erhielt die seltene Erlaubnis mit ihrem Vater Israel zu besuchen; das wird als „Belastbarkeits-Besuch“ bezeichnet.

Gimel wurde vom Coordination and Liaison Headquarters am Übergang Erez zwischen dem Gazastreifen und Israel über einen Prozess die Erlaubnis zur Einreise gegeben, der von dem Medien Ynet und Yedioth Ahronoth (Link in Hebräisch) ermöglicht wurde.

„Sie wurde von ihren Ängsten beherrscht“, erzählte Gimels Vater, der regelmäßig nach Israel zur Arbeit fährt, gegenüber YNet.

„Jedes Mal, wenn ich nach Israel fahre, hat sie Angst, dass mir etwas passiert“, sagte er. „Ich sage ihr immer wieder, dass es keinen Grund zur Sorge gibt und dass ich nach Israel fahre, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen.“

Er hoffte, wenn sie Israel sieht und Israelis trifft, könnte helfen ihre Ängste zu bezwingen.

Das Mädchen aus Gaza, das zur Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung nach Israel eingereist war: „Ich dachte, alle hier hätten Waffen“

„Leider gibt es Kinder im Gazastreifen, die glauben, in Israel würden Monster leben, die nur Araber töten wollen“, fügte er hinzu.

Einmal aus dem Gazastreifen heraus, heißt es in den Bericht, konnte Gimel kaum die Kamera ihres Telefons herunternehmen. „Was für ein schöner Anblick“, sagte sie ihrem Vater. „Ich mag die grünen Felder.“

Gimel besuchte mehrere Städte in ganz Israel, darunter Jerusalem, Jaffa, Aschkelon und Tel Aviv. Sie traf Kinder aus dem Kibbuz Nir Am einer israelischen Gemeinde nahe des Streifens, wo sie und ihr Vater ihren viertägigen Besuch über wohnten.

Illustrativ: Palästinenser und Israelis im Gespräch am Roots Center in der Westbank (Foto: Roots)

Trotz der Sprachbarriere schafften es Gimel und Schoham, eine 12-jährige Einwohnerin des Kibbuz, miteinander zu sprechen, indem sie eine Übersetzungs-App auf ihren Handys nutzten und über Themen sprachen, die von sozialen Medien und Musik bis zu Schule und Sommerferien reichten.

Schoham bemerkte, dass sie überrascht war und besorgt zu hören, dass Gimel keinen Luftschutzraum in ihrem Haus hat, wie es bei ihr der Fall ist.

Die beiden tauschten am Ende ihres Treffens ihre Instagram-Accounts aus. Schoham, die sich vor dem Treffen das Bein verstaucht hatte, fiel es schwer das Haus zu verlassen.

„Stütz dich auf mich, ich halte dich“, sagte Gimel ihr und sie hopsten nach draußen.

„Ich wünschte, du kommst noch einmal und wir können mehr Zeit miteinander verbringen“, sagte Schoham.

Gimel und ihr Vater hatten auch ein größeres Treffen mit Kindern aus Nir-Am.

„Ich lebe im Gazastreifen, wer hat Angst vor mir?“, fragte Gimels Vater zu Beginn, eine Frage, bei der alle anwesenden Kinder die Hand hoben. Nach einer Frage-und-Antwort-Zeit fragte Gimels Vater die Kinder erneut, ob sie Angst vor ihm haben. Diesmal sagte niemand mehr Ja.

Illustrativ: Palästinensische Arbeiter warten am Übergang Erez in Beit Hanun auf die Einreise nach Israel, um zur Arbeit zu kommen, 13. März 2022 (Foto: Attia Muhammed/Flash90)

Gimel besuchte auch einen Streichelzoo, der vom Zentrum Hossen („Belastbarkeit“) in der Stadt Sderot direkt am Gazastreifen betrieben wird. Im Verlauf der Jahre ist Sderot eine der Städte gewesen, die am meisten von den Raketenangriffen durch Terroristen aus dem Gazastreifen betroffen war. Das Behandlungszentrum nutzt verschiedene Mittel, darunter Tiefpflege, um Menschen zu helfen mit psychologischen Traumata klarzukommen.

Gimel wurde von Ibrahim al-Etauna dorthin begleitet, dem Direktor des Beduinen-Stabilitäts-Zentrums im Negev.

„Ich bekam den Eindruck, dass sie jetzt versteht, dass die Realität nicht schwarz und weiß ist, aber der Gedanken an Krieg macht ihr immer noch Angst. Auf jeden Fall sagte sie, dass sie jetzt weniger Angst hat, wenn ihr Vater zur Arbeit in Israel geht“, erzählte er gegenüber YNet über ein privates Gespräch zwischen ihm und Gimel nach dem Besuch.

Am Ende des Besuchs hielt Gimel fest, dass sie sich wünscht, sie könnte länger bleiben.

„Wir wollen wie gute Nachbarn leben, mit Liebe und Zusammenarbeit“, sagte Gimels Vater am Ende des Besuchs. „Ich hoffe, eines Tages alles vorbei sein wird und die Kinder des Gazastreifens und Israels in der Lage sein werden als gute Nachbarn zu leben. Ginge es nach den Kindern, gäbe es bereits Frieden und alles würde gut sein. Ich hoffe, meine Tochter kann Israel wieder besuchen.“

Was Gimel angeht, so werden ihre Ängste inmitten des Konflikts sich sicherlich nicht auflösen, aber ihre Sichtweise hat sich fraglos verändert.

„Ich dachte, in Israel trägt jeder Militäruniformen und hat Waffen dabei, aber die Juden waren echt nett“, sagte sie.

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