Kartierung von 50 Jahren zionistischer Pionierarbeit

Die Wüste wurde zurückgedrängt, die Sümpfe wurden trocken gelegt und Wasser erreichte jede Ecke des Landes – diese historische Landkarte feierte 50 Jahre des zionistischen Vorhabens.

Ayelet Rubin, the Librarians, 25. Juli 2022

Aus Anlasse des Jubiläums der Zionist Organization wurde vom Jüdischen Nationalfonds 1947 eine Bildkarte veröffentlicht. Sie zeigt 50 Jahre zionistische Besiedlung und Entwicklung des Landes Israel. Von Ernst Mechner herausgegeben und von S. F. Loeb gestaltet wurde die Karte in drei Ausgaben veröffentlicht: in Hebräisch, Englisch und Jiddisch.

Das Rutenberg-Kraftwerk und die angrenzende Siedlung Tel Or südlich des Sees Genezareth – Eran Laor Cartographic Collection
Die vollständige Karte stellt die Entwicklung der jüdischen Besiedlung über drei Zeiträume dar und die grüne Schattierung deute die Erweiterung des Landes in jüdischem Eigentum dar.

Die Zionist Organization, gegründet auf dem Ersten Zionistischen Kongress in Basel 1897, das Palestine Office und sein Nachfolger, die Jewish Agency, Keren Hayesod, das die Sammlung von Spenden für die Entwicklung des Landes koordinierte, sowie der Jüdische Nationalfond, halfen im Verlauf der Jahre beim Kauf von Land und der Gründung jüdischer Siedlungen im Land Israel. In dieser Karte die die Arbeit dieser Gremien von 1897 bis 1947 zusammenfasst, entschied der Herausgeber die Orte hervorzuheben, die seiner Meinung nach Meilensteine der Zeitachse der Besiedlung des Landes Israel waren.

Zum Beispiel „Degania 1909 ‚Die Mutter der Kvuzot‘“ – Degania war die erste jüdische Kommunensiedlung, die im Land Israel gegründet wurde.

Degania „Die Mutter der Kvuzot“ wurde auf Initiative des Palestine Office gegründet, das eine Gruppe Pioniere einlud dort 1909 für Lohn in der Siedlung zu arbeiten. Das ist der Grund für das Datum, das in der Karte erscheint und nicht 1910, das als offizielles Gründungsdatum der Kommunensiedlung Degania gilt.
Die Pioniere der Kommune in umm Juni (Degania) 1912. Foto: Leo Kahan. Dieses Bild ist Teil des Archivnetzwerks Israel, zur Verfügung gestellt über die Kooperation des Ben Zvi Institute, des Ministeriums für Jerusalem und Erbe und die Nationalbibliothek Israels.
Deganias Gebäude auf einem deutschen Luftbild von 1918. Pritzker Family National Photography Collection, Nationalbibliothek Israels.

Die sumpfigen Moorgebiete des Jesreel-Tals, die in der Abbildung oben erscheinen, sollten mit etwas Vorsicht genossen werden. Wir wissen, dass Sümpfe einige Siedlungsgebiete prägten, so die Gegend südlich von Zichron Yaacov (die Kabara-Sümpfe) oder die Gegend um Hadera, aber im Jesreel-Tal stellten Sumpfgebiete nur einen minimalen Anteil der Fläche, wie man zum Beispiel in dem Artikel The Swamps of Emek Yizre’el (Jezreel Valley) – Myth and Reality (Die Sümpfe des Emek Yizra’el (Jesreel-Tal) – Mythos und Realität) von Yoram Bar-Gal und Schmuel Schamai zu sehen ist. Die Verbindung von Sumpfland mit dem Jesreel-Tal verstärkte die Vorstellung der Erlösung trostlosen Landes und seiner Verwandlung in blühende Siedlungen und es scheint so, dass auf dieser Karte diese Botschaft Vorrang vor geografisch-historische Genauigkeit hatte.

Wasserquellen waren für die Besiedlung eine Notwendigkeit: Besondere Anstrengungen wurden in ein Wassertransportsystem investiert, das sowohl Trinkwasser als auch für landwirtschaftliche Zwecke in den Negev liefern sollte; um das gewaltige Ausmaß dieses zionistischen Projekts zu verdeutlichen, wird der Pionier in der Karte als Gigant dargestellt.

Die ersten Wasserrohre zum Negev werden gelegt, 1946/47
Grabungen zur Vorbereitung der Verlegung der Wasserrohre zum Negev. Nadav Mann, Bitmunia,Hanan Bahir Collection, Pritzker Family National Photography Collection, Nationalbibliothek Israels
Verlegung der Wasserrohre in den Negev. Nadav Mann, Bitmuna, Edgar Hirschbein Collection. Quelle der Sammlung: Tamar Levy. Pritzker Family National Photography Collection, Nationalbibliothek Israels

Zur Karte gehören 18 Abbildungen von Pionieren, drei davon Frauen.

Eine Pionierin pflückt Orangen
Pioniere arbeiten mit einer Spitzhacke, fischen im See Genezareth, pflügen ein Feld mit einem Traktor und reiten auf Wache.
Das Rutenberg-Kraftwerk in Naharayim und die daneben gelegenen Siedlung Tel Or, wo die Arbeiter und ihre Familien lebten. Das Kraftwerk lieferte 1928 bis 1948 Strom an die Siedlungen im Land Israel, als das Werk den Betrieb einstellte und die Siedlung aufgegeben wurde.
Bau des Kraftwerks in Naharayim, ca. 1927. Das Bild ist Teil des Archivnetwerks Israel, zur Verfügung gestellt durch die Kooperation des Ben Zvi Institute, des Minieriums für Jerusalem und Erbe und die Nationalbibliothek Israels
Bau des Kraftwerks in Naharayim, ca. 1927. Das Bild ist Teil des Archivnetwerks Israel, zur Verfügung gestellt durch die Kooperation des Ben Zvi Institute, des Minieriums für Jerusalem und Erbe und die Nationalbibliothek Israels
Im zeitlich jüngsten Bereich der Karte verweist die Beschreibung auf die Bemühungen der Jewish Agency 1946 Siedlungspositionen im nördlichen Negev aufzubauen.
Die Karte zeigt die Jahre der Gründung des Hafens von Tel Aviv, die Zahl der jüdischen Einwohner der Stadt, die Gründung neuer Arbeitersiedlungen und mehr.
Die Bucht von Haifa mit dem industriellen Zentrum und den Kühltürmen der petrochemischen Raffinierie. Nördlich befinden sich der Turm und die Einzäunung des Kibbuz Naita.
Metzudoth Ussischkin (die Ussischkin-Feste), eine Gruppe Siedlungen, die Menachem Ussischkin (ein Zionistenführer und Präsident des JNF) beantragte, dass sie nach ihm benannt werden, dabei Siedlungen mit Turm und Umzäunung wie die Kibbuzim Dafne und Dan.

Auf der Rückseite der Karte ist ein Sinnspruch Herzls ist abgedruckt:

Das uralte Land wird unter ihren fleißigen Händen jung. Es trägt wieder Blumen, es trägt wieder Obst und vielleicht wird es eines wunderbaren Tages wieder das Glück und die Ehre der Juden tragen. (Herzl 1896)

Die farbenfrohen, dreisprachigen Ausgaben dieser Karte dienten dem Jüdischen Nationalfond nicht nur als Zusammenfassung und Dokumentation der Vergangenheit, sondern auch als Mittel zum Spenden sammeln für zionistische Institutionen zur Fortsetzung der Bemühungen zum Landkauf und der Entwicklung des Landes.