Der „immerwährende Krieg“ gegen den Westen

Clifford D. May, The Washington Times, 9. August 2022

Vor kaum weniger als einem Jahr stellte Präsident Biden die Frage: „Welches Interesse haben wir zu diesem Zeitpunkt in Afghanistan, wo Al-Qaida weg ist?“

Vor gerade mal einer Woche lieferte er die Antwort. Auf seinen Befehl hin zielten zwei Raketen einer Hellfire-Drohne auf Aymanal-Zawahiri, den 71-jährigen Emir von al-Qaida, der auf dem Balkon eines gut ausgestatteten Hauses in einem exklusiven Viertel seinen Morgentee von Kabul trank.

Al-Zawahiri war sozusagen aus der Kälte hereingekommen. Er hatte sich seit 2011 in entlegenen Gebieten versteckt, nachdem das Seal Team Six Osama bin Laden, den Gründer und ersten Führer der al-Qaida tötete. Trotz der Isolation erreichte er Ziele: Al-Qaida kontrolliert mehr Territorium als jemals zuvor, mit Ablegern im Indo-Pazifik, dem Nahen Osten und Afrika.

Nach dem chaotischen Abzug der US-Streitkräfte aus Afghanistan und der folgenden Übernahme durch die Taliban im letzten Jahr war er offenkundig zu der Überzeugung gelangt, er könne in die Hauptstadt zurückkehren, um gemütlich und sicher zu arbeiten. Das war ein fataler Fehler.

Das Haus, in dem Al-Zawahiri wohnte, gehört Sirajuddin Haqqani, einem von zwei stellvertretenden Taliban-Emiren. Im Februar 2020 räumte ihm die New York Times Raum für ein Op-Ed ein (übrigens ohne dass das den Zorn der Mitarbeiter der Zeitung erregte, wie es der Fall war, als Senator Tom Cotton dasselbe Privileg eingeräumt wurde); darin behauptete er: „Berichte über Auslandsgruppen in Afghanistan sind politisch motivierte Übertreibungen kriegslüsterner Spieler auf allen Seiten des Krieges.“

Taliban-Unterhändler versprachen später, nicht mit Al-Qaida oder anderen Gruppen zu kooperieren, „die die Sicherheit der USA und ihrer Verbündeten bedrohen“. Präsident Trump und Präsident Biden glaubten ihnen offenbar. Auch das war ein fataler Fehler.

Terrorführer zu eliminieren ist nützlich. Aber diejenigen, die das führen, was sie als 1.400 Jahre alten Jihad gegen Ungläubige, Häretiker und vom Glauben Abgefallene betrachten, neigen dazu hartnäckig zu sein. Der Ausdruck „immerwährender Krieg“ entmutigt sie nicht. Er inspiriert sie.

Die Herrscher Chinas und Russlands führen auch eine Art Krieg gegen den Westen. Neo-Isolationisten – sie bevorzugen es „Verzögerer“ genannt zu werden – werden argumentieren, dass man nicht mit allen diesen Bedrohungen gleichzeitig fertig werden kann. Aber um im Dschungel zu überleben, muss man sich nicht nur gegen Löwen verteidigen. Auch Krokodile können dich fressen.

Die Israelis kommen mit dieser Realität klar. Die Herrscher des Iran drohen ihnen mit Völkermord, genauso die Hisbollah, Teherans Stellvertreter im Libanon. Gegen diese und andere Feinde kämpfen Israelis sowohl Kriege als auch „Kriege zwischen den Kriegen“.

Sie haben andere Herangehensweisen ausprobiert. 2005 zogen sie aus dem Gazastreifen ab, den sie im Verteidigungskrieg von 1967 von Ägypten erobert hatten. Sie hofften, dass die Palästinenser das Gebiet in ein Dubai am Mittelmeer verwandeln würden. Stattdessen führte die Hamas einen „Bürgerkrieg“ gegen die palästinensische Autonomiebehörde (PA) und übernahmen 2007 entschlossen die Macht.

Die Hamas lädt PA-Präsident Mahmud Abbas nicht zum Besuch ein. Aber sie toleriert einen weiteren Rivalen: den Palästinensischen Islamischen Jihad (PIJ), der komplett von den Herrschern des Iran finanziert, bewaffnet und geführt wird. (Auch wenn die Hamas ebenfalls Waffen und Geld von Teheran erhält, bleibt ihr etwas mehr Unabhängigkeit.)

Nach elftägigen Kampfhandlungen mit der Hamas im Mai letzten Jahres haben die Israelis versucht den Gazanern das Leben leichter zu machen. Das hat bedeutet bei Bemühungen zu helfen die Infrastruktur wieder aufzubauen und verlässliche Stromversorgung zu bieten. Bis zu 14.000 Gazanern ist erlaubt worden nach Israel zu gehen, um zu höheren Löhnen zu arbeiten, als sie sie zuhause erhalten könnten. Die strategisch denkenden Hamas-Führer sind nicht unkooperativ gewesen.

Der PIJ hingegen kann nicht einmal eine zeitweilige Entspannung aushalten. Israelische Geheimdienste erfuhren, dass die Gruppe nicht nur einen Terroranschlag aus dem Gazastreifen vorbereitete, sondern auch aus der nordwestlichen Westbank, wo PIJ-Kämpfer allmählich die Sicherheitskräfte der PA verdrängten und sich Zusammenstöße mit den Israelischen Verteidigungskräften (IDF) liefert, die auf eine Welle von Terroranschlägen reagiert haben, die seit März das Leben von 19 Israelis gefordert hat. Mit dem Wissen über die Absichten des PIJ beschlossen die Israelis, dass es notwendig war zu tun, was ihnen möglich war, um die Fähigkeiten der Gruppe zu vermindern.

Am Montag verhaftete die IDF den PIJ-Führer in der Westbank, Bassem al-Saadi. Am Freitag führte die IDF einen Präzisions-Luftangriff im Gazastreifen aus, mit dem der PIJ-Kommandeur der nördlichen Gaza-Division Taysir al-Jabari getötet wurde. Am Samstag tötete die IDF den Kommandeur der südlichen Gaza-Division Khaled Mansour und mehrere andere ranghohe PIJ-Vertreter.

Der PIJ schoss mehr als eintausend Raketen auf israelische Städte und Orte. Viele flogen zu kurz und töteten Palästinenser, darunter vier Kinder in Jabalya im südlichen Gazastreifen, so Vertreter Israels. Andere Raketen wurden vom Abwehrsystem Eiserne Kuppel zerstört. Am Montag wurde, wobei Ägypten als Vermittler agierte, ein Waffenstillstand verkündet.

PIJ-Führer Ziyad al-Nakhaleh verbrachte das Wochenende in Teheran und traf sich mit Ibrahim Raisi, dem Präsidenten der Islamischen Republik. Was planen sie als nächstes? Was Sie vermuten ist nicht schlechter als das, was ich vermute, wenn auch vielleicht nicht so gut wie das, wie die Vermutungen des Mossad.

Die Israelis haben heute mehr Frieden mit ihren Nachbarn als jemals zuvor. Obwohl sie immer bereit für „Friedensgespräche“ sind, begreifen sie die reaganeske Doktrin, dass Frieden durch Stärke erreicht wird. Und Stärke muss demonstriert werden – wiederholt und konsequent.

Al-Qaida und der PIJ sind hart getroffen worden. Aber weder die eine noch die andere Organisation werden in naher Zukunft „weg“ sein.

Die Al-Qaida wird bald einen neuen Emir haben. Der Spitzenkandidat scheint Saif al-Adel zu sein, ein 62-jähriger ehemaliger Oberst der ägyptischen Spezialkräfte und langjähriger Al-Qaida-Führer, der als Gast des Regimes im Iran gelebt hat.

Was den PIJ angeht, denke ich, die Herrscher des Iran werden ihren Stellvertreter besser wieder aufbauen. Das wird teuer sein, aber die Administration Biden hat diesen Herrschern hunderte Milliarden Dollar angeboten, mit denen sie alle Terror-/Jihad-Organisationen unterstützen können, die sie wollen. Alles, was im Gegenzug von ihnen verlangt wurde, ist ein Versprechen bei ihrem Atomwaffen-Entwicklungsprogramm langsam zu machen. Einem solchen Versprechen zu glauben, wäre ein fataler Fehler.