Wir sind Familie: Das Geheimnis von Israels Erfolg

Elder of Ziyon, 22. August 2022

Der Economist berichtet, dass die Geburtenraten israelischer Juden steigen und die der Araber in Israel und den Gebieten zurückgehen – und dass die israelisch-jüdische Geburtenrate nicht dem weltweiten Trend folgt.

Kurz gesagt: Die demografische Bombe, von der seit Jahrzehnten vorhergesagt wird, dass sie Israel zerstören wird, ist beinahe verpufft.

Aber der Artikel berührt einen wichtigen Punkt, der es nur selten in die Medien schafft.

Auszüge:

„Wenn eine israelische Frau weniger als drei Kinder hat, hat sie das Gefühl sie schulde jedermann eine Erklärung – oder eine Entschuldigung.“ Das ist jedenfalls die Ansicht einer führenden israelischen Demografin. Wenn sie London besucht, ist sie betroffen vom Fehlen von Spielzeugläden. Israelis haben viel mehr Kinder als ihre Gegenüber sonst in der reichen Welt. Während eine durchschnittliche Israelin 2,9 Kinder hat, haben ihre britischen und französischen Geschlechtsgenossinnen 1,6 bzw. 1,8.

Yassir Arafat, der die Palästinenser dreieinhalb Jahrzehnte führte, beschrieb „den Schoß der arabischen Frau“ als seine „stärkste Waffe“. Demografische Projektionen legten in der Regel nahe, dass zwischen Jordan und Mittelmeer lebende Araber schließlich die Juden an Zahl übertreffen würden.

Damals gab es in der Tate eine große demografische Lücke. In Israel selbst hatten arabische Frauen im Durchschnitt  fast zweimal so viele Babys wie jüdische Frauen. Aber in den letzten Jahrzehnten ist diese Lücke verschwunden, weil die Geburtenrate der israelischen Araber gesunken ist, während die der israelischen Juden stieg.

1960 stand die Geburtenrate der israelischen Araber bei 9,3. In den nächsten 3,5 Jahren fiel sie um fast die Hälfte auf 4,7, bevor sie auf die heutigen 3,0 abrutschte (s. Tabelle). Die Geburtenrate der Palästinenser im Gazastreifen und der Westbank ging ebenfalls zurück, von 4,6 im Jahr 2003 auf 3,8 im Jahr 2019. Damit waren die palästinensischen und israelischen Araber einem Weg gefolgt, der von Frauen in anderen Ländern beschritten wurde. In der gesamten OECD, einem Club zumeist reicher Länder, ist die durchschnittliche Fruchtbarkeitsrate von fast 3 im Jahr 1970 auf 1,6 gefallen, deutlich unter die Rate von 2,1, die benötigt wird, um eine Bevölkerung vor dem Schrumpfen zu bewahren.

Das macht die steigende Geburtenrate der jüdischen Israelis umso überraschender. Von1960 bis 1990ging ihre Fruchtbarkeitsrate von 3,4 auf 2,6 zurück, was nahe legt, dass sie in den Schritt ihrer Schwestern andernorts einfielen. Aber dann begannen sie sich dem Trend zu widersetzen, trieben die Geburtenrate zurück auf ihr aktuelles Level von 3,1.

Fast die gesamte Zunahme ist von Israels zunehmender Zahl ultraorthodoxer (oder hareidischer) Juden verursacht, die eine Geburtenrate von 6,6 hat, mehr als das Doppelte des nationalen Durchschnitts und dreimal so hoch wie säkulare Juden. …

Aber es ist schwerer zu erklären, warum säkulare jüdische Israelis ebenfalls mehr Kinder haben als es die Norm ist. Die meisten arbeiten; bezahlten Urlaub für israelische Eltern ist nicht mit sonderlich großzügig. Kinderbetreuung ist auch nicht günstiger als an anderen reichen Orten. Manche argumentieren, dass jüdische Israelis mehr Babys machen, weil sie eine rosigere Zukunft voraussehen: Israel gehört zu den zehn glücklichsten Ländern der Welt.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass der Staat dazu ermutige Kinder zu bekommen, z.B. indem er Fruchtbarkeitsbehandlungen finanziert. Er bezuschusst In-Vitro-Befruchtung mit bis zu $150 Millionen im Jahr. Das winzige Israel hat in etwa die gleiche Zahl an gefrorenen Embryos wie Amerika. Das mag nur einen leichten Effekt auf Israels Geburtenrate zu haben, aber es signalisiert auch, dass die Regierung möchte, dass ihre Bürger sich fortpflanzen.

Eine weitere Erklärung könnte sein, dass israelische Großeltern dazu tendieren mehr auszuhelfen als ihre Zeitgenossen in vielen anderen Ländern. Da Israel klein und dicht besiedelt ist, ist Oma nie weit weg. In einer Umfrage gaben 83% der säkularen jüdischen Mütter im Alter von 25 bis 39 Jahren gaben an, dass sie von den Großeltern ihrer Kinder unterstützt werden, während nur 30% der deutschen Mütter dasselbe sagten. In Israel ist die traditionelle Familienstruktur immer noch stark. In Frankreich und Großbritannien werden mehr als die Hälfte der Babys außerehelich geboren. In Israel liegt das bei unter 10%.

Dieser letzte Absatz ist der wichtigste.

Araber und Antizionisten geben vor, das Judentum sei nur eine reine Religion. Aber es ist weit mehr als das.

Juden sind auch mehr als ein Volk, mehr als ein Stamm.

Wir sind Familie.

Das ist die fundamentale Frage, die moderne Antisemiten schlicht nicht begreifen können. Es ist dieses Gefühl der Familie, der gemeinsamen Verantwortung, einer gemeinsamen Vergangenheit und eines geteilten Schicksals, die Geheimnis des Erfolgs und der Stärke Israels ist.

Der gesamte Grund für die legendäre israelische Unhöflichkeit und Lautstärke hat seinen Grund darin, dass man im Kreis der Familie nicht so auf der Hut ist. Die Israelis stellen einander persönliche Fragen, weil man in der Familie so miteinander umgeht. Wie auf rohen Eiern zu gehen, um sicher sein, dass die Leute nicht vor den Kopf gestoßen werden oder unvorhersagbar reagieren, macht man mit Fremden, nicht mit Verwandtschaft.

„Jüdische Geografie“ – der konstante Beginn eines Gesprächs zwischen Juden aus unterschiedlichen Orten, um herauszufinden, wen man gemeinsam kennt – ist ein Spiel, das nur unter Cousins funktioniert.

Normale Leute, so uneigennützig sie auch sein mögen, kümmern sich mehr um ihre Familien als um andere. Das ist nur natürlich. Deshalb sorgt sich Israel so sehr um das Überleben und die Zukunft des jüdischen Volkes.

Die modernen Antisemiten betrachten diese Familiendynamik und verdrehen sie in „jüdisches Herrenmenschentum“. Das ist pervers. Es ist nichts Derartiges. Es ist die Art, wie starke, funktionierende Familien handeln. Und es ist ein guter Indikator dafür, wie starke Gesellschaften stark bleiben.

Starke Familien sind einander bessere Nachbarn als nicht miteinander verbundene Einzelpersonen es sein können, aber sie bilden auch eine gemeinsame Wagenburg gegen Bedrohungen. Und dieser letzte Satz erklärt Israels Politik gegenüber seinen arabischen Bürgern und Nachbar einfach besser als hunderte wissenschaftlicher Abhandlungen und Artikel das tun können.

Bethany Mandel hatte letzte Woche einen großartigen Thread über die Bindungen zwischen Juden. Eine leicht gekürzte Version:

Ich war heute mit allen Kindern auf dem Rummel und mir ging das Geld aus; ich habe auch keine Bankkarte dabei. Meine Kinder waren außer sich und wollten mehr Fahrkarten haben. Also sage ich: Lasst mich den Juden da fragen, ob ich ihm Geld von ihm leihen kann.“ Meine Kinder guckten wie: WAS? Du kannst doch nicht einfach zu einem Fremden gehen und ihn um Geld fragen. Und ich meinte nur: Leute, das ist nicht irgendwer, das ist ein Jude. Schaut zu. Er ging zum Geldautomaten, holte uns Geld, ich gab ihm im Gegenzug Venmo und sie lernen eine wertvolle Lektion was es heißt Juden zu sein.

Meine Kinder erinnern sich nicht daran, aber ich machte das schon einmal. Ich befand mich auf einem vollen Flug, allein mit drei Kindern, und musste auf die Toilette. Meine beiden älteren waren zu jung, um das Baby zu halten. Also stand ich auf, sah mich um, sah einen Juden vier Reihen weiter hinten auf dem Mittelsitz und übergab ihm mein Baby. Ich kam zurück und er meinte: Moment, warte, ich will dir auf Twitter folgen. Und jeder um ihn herum meinte: Moment mal, du kanntest ihn nicht…? Ich meinte: Nein. Sie fragten, warum ich ihm vertraute. Ich meinte. Zuerst: wohin ist er unterwegs? Zweitens: Er ist Jude. Also kann er mein Baby halten. Sie alle waren JJJ.

Stolze Juden begreifen das. Wir verstehen instinktiv, dass wir alle Familie sind. Wir erleben, dass Israel zu besuchen, selbst beim ersten Mal, sich anfühlt wie nach Hause zu kommen, im religiösen Jerusalem wie im säkularen Tel Aviv.

Wir sind Familie. Wenn du das nicht begreifst, verstehst du die Juden nicht und du verstehst Israel nicht.

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