Ägyptens institutionalisierte Diskriminierung seiner koptisch-christlichen Bürger

Raymond Ibrahim, 11. Oktober 2022 (Coptic Solidarity)

Der Präsident der Universität Kairo, Mohammad Uthman al-Khoscht, ernannte vor kurzem 31 neue  Direktoren, stellvertretenden Direktore, Manager und Wissenschaftler, die eine Reihe von Abteilungen führen sollen, darunter die für Landwirtschaft, Ingenieurswesen, Krankenpflege, Zahnmedizin, statistische Forschung und Afrika-Studien.

Obwohl die Kopten – Ägyptens uransässigste, christliche Bevölkerung – irgendetwas zwischen 10 und 20 Prozent der Bevölkerung stellen, befindet sich bemerkenswerterweise unter diesen neuen Angestellten der Universität Kairo nicht ein einziger Christ. Alle sind Muslime.

Die Bedeutung dieser Nachricht liegt weniger darin, dass es in Ägypten Diskriminierung von Christen gibt – was inzwischen mehr als offensichtlich sein sollte – sondern dass sie anscheinend jede einzelne Facette der ägyptischen Gesellschaft durchdringt.

So berichtete im Juni die in Washington ansässige Coptic Solidarity (CS), eine internationale Menschenrechtsorganisation, die sich auf die Notlage der Kopten Ägyptens konzentriert:

Derzeit hat Ägypten rund 135 Botschafter auf Posten im Ausland und rund 20 Generalkonsuln (im Verwaltungsrang eines Botschafters).

Im Verlauf der letzten Wochen waren wir bei Coptic Solidarity in der Lage einen Überblick über die Namen von 128 Botschaftern und 16 Generalkonsuln zu bekommen. Die Schlussfolgerungen stimmen mit früheren Erhebungen überein, die wir in den letzten 20 Jahren durchgeführt und in Datenbanken ägyptischer Botschafter und Generalkonsuln festgehalten haben, die von Coptic Solidarity erstellt wurde. Obwohl Kopten die indigenen christlichen Einwohnern Ägyptens zumindest 10 Prozent der ägyptischen Bevölkerung stellen – und daher für mindestens 10 Prozent des diplomatischen Corps 10 Prozent stellen sollten.

  • Für keine wichtige westliche Hauptstadt (Washington, London, Paris, Bonn, Rom, Ottawa usw.) wurden Kopten ins Amt ernannt.
  • Für keine wichtige nichtwestliche Hauptstadt (Tokio, Beijing, Moskau, Delhi usw.) wurden Kopten ins Amt ernannt.
  • Für keine internationale Organisation wurden Kopten ernannt.
  • Für kein arabisches oder muslimisches Land wurden Kopten ernannt.
  • Nirgendwo wurden Kopten als Generalkonsul ernannt.

Genauso wurden am 3. März in einem Versuch Ägyptens, Fortschritte bezüglich Frauen zu demonstrieren, 98 Richterinnen vereidigt, die juristische Positionen in Ägyptens Staatsrat übernehmen. Das wurde als wichtige und nie da gewesene Entwicklung betrachtet; seit seiner Gründung vor 75 Jahren hat nicht eine einzige Frau auf dem Podium des Gerichts des Staatsrats gesessen – und jetzt sind es 98. Und doch ist keine einzige Christi dabei – wieder trotz der Tatsache, dass die Kopten zwischen 10 und 20% der Bevölkerung des Staates stellen, was nahelegt, dass zumindest 10 der 98 wegen angemessener Repräsentation Kopten sei müssten.

Oder betrachten Sie den Präsidentenerlass für neue stellvertretende Staatsanwälte. Von 516 Neueinstellungen sind dürftige fünf – also weniger als 1% – Kopten. Der Erlass wurde von niemand geringerem als Präsident al-Sisi unterschrieben, dessen Lobby-Agentur in Washington DC mit seinen Bemühungen um Sicherstellung von „Leistungsgesellschaft im öffentlichen Dienst“ prahlt.

Solche offene Diskriminierung besteht sogar in weniger „formellen“ Umfeldern. Nehmen wir zum Beispiel Fußball – in Ägypten eine sehr beliebte Freizeitbeschäftigung. Wie Aid to the Church in Need in einem Bericht im Februar 2022 festhielt,

machen Christen rund 15% der Bevölkerung Ägyptens aus und sind so fußballverrückt wie ihre muslimischen Nachbarn, aber es gibt nicht einen einzigen Kopten in der Nationalmannschaft… Es gibt keine offiziellen Statistiken zur Zahl der Kopten in Ägypten, aber Schätzungen variieren zwischen 10 und 20 %… Die Tatsache, dass keine Kopten, egal welcher Denomination, im Fußball auf Spitzenniveau und damit in der Nationalmannschaft vertreten sind, schmerzt.

Oder wie die Präsidentin von Coptic Solidarity, Frau Caroline Doss Esq., feststellte:

Sport soll von allen betrieben werden. Es ist unvorstellbar, dass kein einziger koptischer Athlet ausreichend qualifiziert ist für Ägypten im Sport anzutreten, insbesondere wenn man bedenkt, dass Ägypten das Land mit der vierzehntgrößten Bevölkerung der Welt mit mindestens 15 Millionen Kopten ist. Sie müssen handeln, um dieser religiös motivierten Diskriminierung ein Ende zu setzen.

Derart weit verbreitete Diskriminierung von Kopten beschränkt sich nicht nur auf die ägyptische Politik. Westliche Elemente, darunter solche, die mit der Bekämpfung von Diskriminierung beauftragt sind, neigen dazu das zu ignorieren; zumindest behandeln sie sie nicht auf dieselbe Weise, wie sie es im umgekehrten Fall tun würden – wenn ein christlicher Staat muslimische Minderheiten offen diskriminieren würde.

Bezüglich des letzten Beispiels hat CS verschiedene Briefe und Berichte (zu mehreren wird hier verlinkt) an mehrere zuständige Sportkomitees geschickt, darunter vor allem die FIFA in Zürich, die 1904 gegründet wurde, um internationale Wettbewerbe zu leiten. Es heißt die FIFA nimmt Diskriminierung sehr ernst. Aber wie CS feststellte:

CS berichtete als erstes dem Internationalen Olympischen Komitee und der FIFA im August 2016 erst über weit verbreitete Diskriminierung koptischer Athleten in Ägypten. Keine der beiden Organisationen reagierte, bis europäische Nachrichtenmedien 2018 im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft Geschichten zum Thema veröffentlichten. Ein FIFA-Mitarbeiter kontaktierte schließlich CS mit der Anfrage nach weiteren Informationen – zwanzig Monate nachdem die ursprüngliche Beschwerde verschickt wurde.

CS kam dem nach, aber bis heute hat die FIFA wenig, wenn überhaupt etwas unternommen, , um diese Diskriminierung aufzuheben.

Genauso gehörten der ägyptischen Mannschaft bei den letzen olympischen Sommerspielen in Tokio 141 Athleten an: Einer davon – 0,7 Prozent – war Kopte. Die Beschwerde von CS beim IOC fiel auf taube Ohren.

Vor Kurzem besuchte der IOC-Präsident, was dem Ganzen anscheinend die Krone aufsetzte, Ägypten, wo er die Bewerbung des Landes um die Sommerolympiade lobte. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass er bei den Obrigkeiten jemals das Thema der Diskriminierung aufbrachte.

Kurz gesagt: Während tatsächliche, gewalttätige und mörderische Verfolgung der Christen Ägyptens nicht ungewöhnlich ist, durchzieht ihre institutionalisierte und offen Diskriminierung jeden Aspekt der ägyptischen Gesellschaft.

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