Als in der Knesset, Israels Parlament, eine Granate explodierte

Niemand glaubte, dass das passieren könnte und sogar heute ist es schwierig zu verstehen, wie einfach es war. 1957 betrat ein Mann die Knesset, die sich damals im Stadtzentrum Jerusalems befand, mit einer Granate in seiner Tasche. Er war sie in den Plenarsaal. David Ben-Gurion und Golda Meir gehörten zu den Verletzten. Die Explosion ist in einer Aufnahme zu hören, die im Klang-Archiv der Nationalbibliothek zu finden ist…

Amit Naor, the Librarians, 21. November 2022

„Ein Arzt! Ein Arzt!“, kamen die Rufe aus dem Plenarsaal. „Holt Ärzte! Schnell! Krankenwagen!“, riefen andere. Diese Schreie fanden statt, direkt nachdem eine Explosion den Plenarsaal der Knesset, des israelischen Parlaments, erschütterte, die Hauptkammer des israelischen Parlaments. Damals befand dieses sich im Frumon-Haus auf der King George Street im Stadtzentrum von Jerusalem. Eine Tonaufnahme, die im Klangarchiv der Nationalbibliothek gefunden wurde, dokumentiert diese Momente der Geschichte, eine Aufnahme, die aus dem Archiv der Knesset stammt.

Hören Sie sich den Moment an, in dem die Granate in den Plenarsaal der Knesset geworfen wurde:

Es war der 29. Oktober 1957. Der junge Staat Israel stand kurz vor seinem zehnten Jahrestag. Gleichzeitig traf sich das Parlament für seine Sitzungen in einem eher gewöhnlichen Wohngebäude, in dessen Erdgeschoss Wirtschaftseinrichtungen untergebracht waren. Anders als der aktuelle Standort der Knesset befand sich das Frumin-Haus im Zentrum der Stadt an einer belebten Straße. Die Sicherheit wurde von zwei unbewaffneten Wächtern am Eingang gehandhabt.

An diesem Tag ging der 24-jährige Mosche Dwek einfach ins Knesset-Gebäude und erhielt die Erlaubnis sich auf die Besuchergalerie zu setzen, von wo man einen Überblick über den Plenarsaal hatte. Er hatte eine Handgranate dabei, die niemand hatte entdecken können. Damals diskutierten die Abgeordneten der Knesset im Plenum Dinge zu internationaler und Sicherheitspolitik. Yitzhak Rafael von der Mafdal (national-religiösen) Partei hatte im Plenum gesprochen, als Dwek um kurz nach 18 Uhr die Granate von der Galerie in den Plenarsaal warf. Der Explosion folgten lange Momente des Chaos und der Verwirrung, die wir heute in der Tonaufnahme hören können.

Mosche Dwej wird zur Gerichtsverhandlung gebacht. (Foto: Eddie Hirschbein. Zur Verfügung gestellt von Nadav Mann, Sammlung Bitmuna:  Tamar Levy. The Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels)

Die von Dwek geworfene Granate landete zwischen dem Podium und den Kabinettstisch. Die Explosion verletzte den Verkehrsminister Mosche Carmel und dem Religionsminister Chaim-Mosche Shapira (der den auf Hebräisch „Leben“ bedeutenden Namen Chaim eigentlich übernommen hatte, nachdem er sich von seiner schweren Verletzung erholt hatte). Premierminister David Ben-Gurion und Außenministerin Golda Meir wurden beide von Splittern leicht verletzt.

Der US-Landwirtschaftsminister Ezra Taft Benson besucht Premierminister David Ben-Gurion im Hadassah-Krankenhaus, 4. November 1957) Foto: David Gurfinkel, GPO)

Dwek wurde von denen, die neben ihm saßen sofort festgesetzt; sie hatten ihn die Granate werfen sehen. In seinem Verhör gab er Reue wegen seiner Tat an. In der Folge stellte sich heraus, dass Dwek die Jewish Agency wegen angeblicher Schäden verklagte, die er erlitten habe und dass dieser Anspruch abgelehnt wurde. Seine Antwort bestand darin den Präsidenten des Obersten Gerichtshofs Israels zu bedrohen und als Ergebnis wurde er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Das war offenbar sein Motiv für den Mordversuch.

Mosche Dwek im Gerichtsgebäude (Foto: Eddie Hirschbein. Zur Verfügung gestellt von Nadav Mann, Sammlung Bitmuna: Tamar Levy. The Pritzker Family National Photography Collection, Nationalbibliothek Israels)

Kurz vor 21 Uhr desselben Tages versammelte sich die Knesset wieder im Plenarsaal. Yosef Sprinzak, der der erste Knessetpräsident war, benachrichtigte die Versammlung über das Geschehen. Seine Ansprache an die Knesset kann auch in der Tonaufzeichnung aus dem Tonarchiv: „Um 18:35 Uhr wurde eine Granate in diesen Saal geworfen, die den Premierminister David Ben-Gurion, Minister Mosche Shapira, Außenministerin Golda Meir, Verkehrsminister Mosche Carmel verletzt wurden. Der Premierminister befindet sich in einem guten Zustand, seine Verletzungen sind oberflächlich, verursacht von Splittern, die seien Arme sowie sein linkes Bein verletzten. Er wird wegen dieser Wunden behandelt.“

Was den von den Behörden festgenommenen Mann angeht, erklärte Sprinzak: „Die Polizei verhaftete den Mann, sein Name ist Mosche Hacohen Dwek und die Polizei hat Grund zu der Annahme, dass er derjenige war, der die Granate warf. Gegen den Mann wird ermittelt und die Polizei ermittelt zu den Motiven des Verbrechens.“ Diese Kommentare erscheinen in den Sitzungsprotokollen der Knesset.

Mosche Dwek auf der Anklagebank. (Foto: Eddie Hirschbein. Zur Verfügung gestellt von Nadav Mann, Sammlung Bitmuna: Tamar Levy. The Pritzker Family National Photography Collection, Nationalbibliothek Israels)

Alle Verletzten erholten sich schließlich. Der Krankenhausaufenthalt hatte seine eigene tragische Geschichte mit einem nicht so glücklichen Ende. Obwohl von vielen behauptet wurde, er sei mental unstabil, wurde festgestellt, dass Dwek verhandlungsfähig war und er erhielt eine Haftstrafe von 15 Jahren. 1988 kehrte er kurz in die Öffentlichkeit zurück und gründete die politische Partei Tarschisch, die im selben Jahr bei der Wahl antrat. Der Partei übernahm die hebräischen Buchstaben זעמ (was auf Hebräisch „Wut“ bedeutet) und forderte gleiche Rechte für Immigranten aus arabischen Ländern, schaffte es aber nicht über die Mindestanteil-Hürde, als die Stimmen gezählt wurden.

Das Ereignis löste viele Veränderungen in den tagtäglichen Abläufen der Knesset aus. Auf der Besuchergalerie wurden sichere Trennungen installiert, die die Galerie und das Plenum trennten, während Sicherheitsleute benötigt wurden, um die Leute, die das Gebäude betreten und was sie mitbringen zu kontrollieren. Zusätzlich führte der Vorfall 1958 zu Bildung der Knesset-Garde, die bis heute für den Schutz des Knesset-Gebäudes und ihrer Mitglieder verantwortlich ist.