Der Stammbaum der antisemitischen („antizionistischen“) Juden

Daled Amons, Elder of Ziyon, No. 3, 2022

Ich kann mich noch daran erinnern, dass es für Juden verpönt war Israel öffentlich zu kritisieren.

Diesen Punkt haben wir lange hinter uns gelassen.

Um es mit Leon Wieseltier in seiner Kritik an Tony Judt von 2003 zu formulieren: Es gibt Juden, die

die Grenze von Kritik an Israels Politik zu Kritik an Israels Existenz überschritten haben.

Es gibt heute Juden, die sich von der überwiegenden Mehrheit derjenigen Juden abtrennen, die laut Umfragen Israel und den Zionismus als für ihre jüdische Identität wichtig betrachten. Stattdessen geben diese Juden Paul O’Brien wieder, den US-Direktor von Amnesty International, der im März eine Gruppe Juden maßregelte, er lehne eine Meinungsumfrage ab, die ein kulturelles historisches Band der Juden zu Israel andeutet:

„Tatsächlich glaube ich nicht, dass das wahr ist“, sagte O’Brien zu diesen Zahlen. „Ich denke, mein Bauchgefühl sagt mir, was Juden in diesem Land wollen, ist zu wissen, dass es eine Zuflucht gibt, die ein sicherer und nachhaltiger Ort ist, den die Juden, das jüdische Volk Zuhause nennen können.“

Statt eines jüdischen Staates wollten amerikanische Juden „einen sicheren jüdischen Ort“, fuhr O’Brien fort. „Ich denke, sie können mit der Zeit überzeugt werden, dass der Schlüssel zur Nachhaltigkeit darin bestehen das zu bewahren, was ich als jüdische Kernwerte betrachte, die bei der Schaffung dieses Ortes prinzipientreu und fair und gerecht sein müssen.“ [Hervorhebung hinzugefügt – EoZ]

Zufluchtsort?
Nachhaltigkeit?
Hat O’Brien vom Überleben des jüdischen Volks geredet oder davon einen Wald voller Bäume zu erhalten?

Das ist jedoch das, was eine lautstarke Minderheit der Juden heute vertritt – dass Juden sich von Israel distanzieren sollten. Wenn überhaupt, dann haben wir bereits die nächste Ebene erreicht, auf der israelfeindliche Gruppen jetzt dafür werben sich von Juden zu distanzieren, die Israel offen unterstützen oder gar einen Bezug oder eine Bindung zu Israel zeigen.

Diese antizionistischen jungen Juden sind mehr als nur laut. Sie behaupten für eine zunehmende Zahl junger Juden von heute zu sprechen, wenn sie Israel komplett ablehnen. Doch seltsamerweise verteidigen diese selbsterklärt progressiven jungen Juden Juden und jüdische Rechte nicht. Stattdessen verteidigen sie den Antizionismus gegen Antisemitismus-Vorwürfe. Ein Artikel im Tablet Magazine hält fest:

So hat die ironisch benannte „Jewish Voice of Peace“ [Jüdische Stimme für Frieden] sich mit einer ganzen Reihe Antisemiten zusammengetan, die sich als bloße Antizionisten ausgeben, von Miko Peled, der Juden als „schäbige Diebe“ bezeichnete, bis zu Alison Weir von „If Americans Knew“ [Wenn die Amerikaner das wüssten], die sich darüber beschwerte, es gebe zu viele Juden am Supreme Court, die mittelalterliche Ritualmord-Lüge verteidigt und sich wiederholt mit weißen Herrenmenschen und Holocaust-Leugnern wie dem vom Southern Poverty Law Center designierten Clayton Douglas zusammentat. (JVP distanzierte sich kurze Zeit von Weir, nur um sie bald darauf zu einer seiner Veranstaltungen wieder einzuladen.)

Das ist die Gesellschaft, die sie pflegen.

Wichtiger ist aber, dass diese Juden, die Wert darauf legen Israel offen zu verurteilen, einen historischen Stammbaum haben. So wie antizionistische Attacken auf Israel in die Fußstapfen vieler Jahrhunderte antisemitischer Attacken auf Juden folgen, spiegeln auch Juden, die Attacken auf Israel führen, die Juden, die Attacken gegen jüdische Gemeinden anführten.

Doron Ben-Atar trug ein Kapitel zum Buch Deciphering The New Antisemitism [Den neuen Antisemitismus entschlüsseln] bei; darin schreibt er:

In jeder Generation steigen einige Juden aus ihren Gemeinschaften zur vollen Teilnahme an umgebenden Kulturen aus. Diese Konvertiten wenden sich manchmal mit großer Leidenschaft gegen ihre Glaubensgenossen. Der Apostat wird zu einem entscheidenden Informanten – der vertraute Insider, der das Licht gesehen hat und den Auftrag übernimmt die angebliche Widerwärtigkeit der Juden gegenüber der nichts ahnenden Welt offenzulegen. Manchmal kappen Apostaten offiziell ihre Verbindungen zu den Juden und dem Judentum und zu anderen Zeiten ziehen sie den Mantel des „guten“ Juden oder „richtigen Art“ von Juden an – die „Ehre der Rasse“. Ihre judenfeindlichen Kampagnen und Verurteilungen verleihen der Judenfeindlichkeit Glaubwürdigkeit, Authentizität und Legitimität. [Hervorhebung hinzugefügt; S. 112]

Zum Beispiel:

  • Die erste bekannte Ritualmord-Lüge – die Tötung Williams von Norwich1144 – kam erst 30 Jahre später in Gang, als ein Geistlicher 1173 ein Buch schrieb, in dem er die jüdische Gemeinschaft beschuldigte den Jungen gekreuzigt zu haben. Zum Beweis stützte sich der Priester auf Theobald, einen konvertierten Juden. Theobald behauptete, die Juden übten solche Ritualmorde regelmäßig, jährlich aus.
  • Als Ludwig IX. von Frankreich im 13. Jahrhundert einen Prozess, um die Gotteslästerung des Talmud festzustellen, wurde ihm von Nicholas Donin geholfen, einem früheren Jeschiwa-Schüler. Dank seiner Hilfe ordnete das Gericht die Verbrennung und das Verbot des Talmud an.
  • Pablo Christiani war auf mehreren Ebenen erfolgreich. Er überzeugte König Jakob I. von Aragon die Juden zu zwingen an seinen Bekehrungsgottesdiensten teilzunehmen. Zusätzlich überzeugte er Papst Clemens IV. jedes noch vorhandene Exemplar des Talmud in Europa zu vernichten und er war in der Lage König Ludwig IX. dazu zu bringen von den Juden zu fordern, dass sie in der Öffentlichkeit Erkennungskennzeichen zu tragen. [S. 112-113]

Das sind einige der bekannteren Beispiele. Es gibt weitere, weniger bekannte Juden, die zu Vertreibungen, Krawallen, Zwangskonversionen und der Zerstörung jüdischen Lernens beitrugen.

Mit dem Beginn der Aufklärung änderte sich später die Taktik, da die Kritiker der Juden versuchten die Juden zu überzeugen das Judentum zu verlassen und sich zu assimilieren statt an ihren rückständigen Traditionen festzuhalten.

Dieser Versuch die Bande der Juden zum Judentum zu zertrennen, um die jüdische Identität zu verwässern, wenn nicht gar auszumerzen, wird von jungen jüdischen Progressiven heute komplett umfunktioniert, die die Bande der Juden zu Israel trennen wollen.

Cynthia Ozick findet einen Vergleich der heutigen progressiven jüdischen Kritiker mit ihren früheren Ahnen:

Die Nicholas Donins und Pablo Christianis der vergangenen Zeitalter rannten, um ihre jüdischen Beziehungen aufzugeben, obwohl sie sie untergruben. Die Nicholas Donins und Pablo Christianis unserer Zeit laufen, um ihre jüdischen Beziehungen zu umklammern, obwohl sie sie in Verruf bringen. Es ist also so, dass sie als selbsternannte Juden, als treue und ehrenwerte Juden, als Juden auf Linie mit den Propheten, als Juden, die sich um der Integrität der Juden und des Judentums willens äußern, wir heutzutage Argumente gegen das Überleben oder gegen die Notwendigkeit oder die Legitimität des Staates Israel hören.

Das soll nicht heißen, dass Kritik an Israel verboten ist, eine Behauptung, die Kritiker gerne erheben. So schreibt Ben-Atar:

Die Antizionisten machen den Antisemitismus nur koscher, wenn sie die Vernichtung Israels unterstützen, wenn sie alte antisemitische Sprachbilder verwenden um Israels Beziehung zur Welt zu beschreiben und wenn sie Zionismus mit Nationalsozialismus verschmelzen. [S. 115/116]

Eine weitere Taktik dieser „antizionistischen Koschermacher“ ist eine, die die Jewish Voice of Peace nutzt, nicht unähnlich dem, worauf Paul O’Brien verwies:

Sie erfinden ein ästhetisiertes Judentum – einen psychologischen und intellektuellen Geisteszustand – der völlig vom tatsächlichen jüdischen Kollektiv und der Erfahrung von Juden als Individuen und als Volk losgelöst ist. [S. 125]

Es ist verführerisch den Versuch zu unternehmen die Motivation für die jüdischen Kritiker genau zu bestimmen, sei es aus Selbsthass, um sich bei anderen Progressiven anzubiedern oder sogar Macht zu gewinnen. Entscheidender ist aber die Frage, ob sie die Ergebnisse ihres Handelns sehen.

Diese „Nicholas Donins und Pablo Christianis der vergangenen Zeitalter“ machten das natürlich und es kehrte sie eindeutig nicht. Aber was ist mit denen von heute? Sehen sie das Ergebnis von dem, was sie tun? Kümmert es sie überhaupt?

Edward Alexander schreibt:

Die BDS-ler mögen beschränkt, feige, moralisch bankrott sein; aber sie müssten auch taub, dumm und blind sein die Verbindung zwischen ihren Bemühungen und den mörderischen Absichten derer nicht zu erkennen, die den Holocaust nur deshalb bereuen, weil er dem Antisemitismus – eine Zeit lang – einen schlechten Ruf verschafft hat.

Diese Attacken auf Israel, wo die größte Konzentration Juden weltweit lebt, sind von Natur aus antisemitisch. Diese Attacken sind nicht bloß Kritik. Sie sind „eine antisemitische Kampagne, um aus einem Paria-Volk einen Paria-Staat zu machen“.

Einmal mehr der Beleg, dass Juden absolut in der Lage sind ihre eigenen schlimmsten Feinde zu sein.

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