Entschuldigt euch nicht für Ben-Gvir oder irgendetwas sonst mit Israel

Die Behauptung, die Regierung von Benjamin Netanyahu werde das Leben der Diaspora-Juden erschweren, ignoriert, was die Feinde des Zionismus und andere Antisemiten motiviert.

Jonathan S. Tobin, Israel Hayom, 13. November 2022

Während Benjamin Netanyahu nach seinem Sieg bei den Wahlen zur jüngsten Knesset beginnt die nächste Regierung zu bilden, haben einige auf der Linken einen letzten verzweifelten Versuch begonnen ihn von der Bildung einer Koalition mit den Parteien abzuhalten, die als seine Verbündeten antraten. Ihr Argument lautet, dass alles getan werden muss um die Religiös-Zionistische Partei und besonders Itamar Ben-Gvir von der Macht wegzuhalten.

Schließt man einen Sinneswandel in letzter Minute von Yair Lapid oder Benny Gantz aus – ihre Parteien bei der Wahl ihre Ziele nicht erreichten und die geschworen hatten in die Opposition zu gehen statt Netanyahu zu dienen – fallen die Klagelieder zur Notwendigkeit Ben-Gvir und Bezalel Smotrich, den nominellen Chef der Religiösen Zionisten, aus dem Kabinett herauszuhalten auf taube Ohren bei denen, die tatsächlich etwas in dieser Richtung unternehmen könnten.

Doch während israelische Politiker diese Argumente ignorieren, wird das nicht das Letzte sein, was wir von ihnen hören werden. Der Grund ist, dass sie die Grundlage für erneute Bemühungen liefern werden Israels Regierung im Ausland zu delegitimieren.

Die angeblich stichhaltigen Gründe für den Ausschluss der Religiösen Zionisten halten zwar ernsthafter Überprüfung nicht stand, aber die Diskussion ist wegen der Behauptung wichtig, Israels Führer würden die Juden der Diaspora untergraben und sogar gefährden.

Der Führer der konservativen Bewegung im Judentum in Israel drückte es in Ha’aretz so aus, dass Smotrich und Ben-Gvir am Kabinettstisch zu haben werde nicht nur das Leben in Israel beeinflussen. Es werde auch Juden andernorts schaden. Unter Berufung auf eine viel diskutierte Kolumne von Thomas Friedman in der New York Times behauptete Yizhar Hess, eine rechte Regierung werde bedeuten, dass jüdische Studenten, die ohnehin schon von Antizionisten belagert werden, nicht mehr in der Lage sein würden glaubwürdig zu Gunsten des jüdischen Staates einzutreten.

Das liegt daran, dass die Anwesenheit sogenannter „Faschisten“ in Netanyahus Kabinett in dieser Darstellung bedeutet, dass das „gute Israel“, das nette Juden mit gutem Gefühl verteidigen, jetzt entweder verschwunden ist oder davor steht per Gesetzgebung außer Existenz gebracht zu werden. An seine Stelle werde ein anderes Land treten, das von Extremisten und furchtbaren Leuten geführt  wird, die gegen Frieden sind und Minderheiten unterdrücken wollen. Selbst wenn die Leute in diesem neuen Israel Juden sind, werden sie die Art von Juden sein, mit denen kein anständiger amerikanischer Jude in Verbindung gebracht werden möchte.

In diesem Szenario wird die neue Regierung heißen, dass jüdische Kinder wie auch Aktivisten, die das Rückgrat des organisierten jüdischen Lebens bildeten, erfolgreich zum Schweigen gebracht werden. Und diejenigen, die weiter für Israel eintreten, werden zunehmend als Ausreißer betrachtet, die es selbst verdienen, dass man sie meidet.

Diejenigen, die versuchen werden die Beziehungen zwischen den USA und Israel sowie die zwischen amerikanischen Juden und dem jüdischen Staat zu bewahren, werden jetzt gezwungen sein Teil eines neuen „Widerstands“ gegen Netanyahus Regierung zu sein, in dem sie für amerikanischen Druck werben, der helfen wird das „gute“ Israel wieder zum Leben zu erwecken.

Das Hauptproblem mit diesem düsteren Szenario ist, dass alles, was die Untergangspropheten behaupten, was die neue Regierung für Israel bedeuten werde, in Amerika bereits auf die Kritiker des jüdischen Staates bereits zutrifft.

Alles, was Smotrich und Ben-Gvir unterstellt werden kann, ist von linken Kritikern Israels bereits endlos in die Welt posaunt, die sich anstrengen vergangene Regierungen Israels zu untergraben, einschließlich der, die Israel links regierten.

Jahrzehnte lang haben Linke fälschlich behauptet, dass Israels Regierungen keinen Frieden wollten und dass die von Israels Wählern getroffenen Entscheidungen entweder ignoriert werden oder von amerikanischen Regierungen aufgehoben werden sollten, die die Sache aufgenommen hatten „Israel vor sich selbst zu retten“.

Erinnern wir  uns, dass J-Street, die linke Lobby, die sich dieser dubiosen Sache verschrieben hat, 2007 entstand. Netanyahus Likud war in der Opposition und eine von Ehud Olmert geführte Regierung betrieb einen weiteren vergeblichen Versuch mit PA-Führer Mahmud Abbas Land für Frieden zu tauschen.

Als Netanyahu 2009 wieder Premierminister wurde und in den 12 folgenden Jahren, als es keinen Gedanken daran gab, dass Ben-Gvir Minister werden könnte, waren dieselben Argumente über israelische Politik als unterdrückerisch und die amerikanischen Juden vor den Kopf stoßend immer und immer wieder zu hören.

In dieser Zeit, als die antisemitische BDS-Bewegung an amerikanischen Universitäten und beim linken Flügel der Demokratischen Partei Fuß fasste, wurde nicht über Ben-Gvir oder die Übeltaten Israels als von rechten und religiösen Parteien gesteuert geredet.

Im Gegenteil, die sogenannten Zentristen der israelischen Politik – Lapid und Gantz – wurden von denen, die die Verleumdung „Apartheid-Staat“ verbreiteten, genauso verunglimpft wie heute Smotrich und Ben-Gvir. Dieselben Behauptungen von der Zerstörung eines mystischen guten, „alten“ Israel wurden von denen erhoben, die gegen Netanyahu opponierten.

Diejenigen, die einen jüdischen Staat auf dem Planeten für einen zu viel halten, brauchen die Religiösen Zionisten in Israels Kabinett nicht, um davon überzeugt zu sein, dass es Israel nicht geben sollte. Die amerikanischen Juden, denen Ben-Gvir und Smotrich peinlich sind, waren bereits von Netanyahu und selbst von einigen seiner linken Gegner in der Knesset peinlich. Ihr Scheitern den Konflikt mit den Palästinensern auf magische Weise verschwinden zu lassen, ist von denen bemerkt worden, die einen Rückgang der Unterstützung Israels in den Jahren seit dem Kollaps des Oslo-Friedensprozesses feststellten, und schon davor, als die Illusion er könne Erfolg haben noch am Leben war.

Das geht über die Tatsache hinais, dass die Behauptungen, Smotrich und Ben-Gvir seien Faschisten, keine echte Substanz hat. Wie ich früher schon feststellte, ist das Gerede davon, die Gewinner der letzten Wahl seien Demokratiefeinde, lediglich ein Echo der Gesprächsthemen der Demokratischen Partei über Republikaner in den USA und genauso fadenscheinig. Was immer man von einem der Männer denken mag, ihre Partei ist nicht gegen Demokratie.

Nichts davon spielt eine Rolle, weil diese Diskussion nicht in Fakte zu Israel oder denen, die seine nächste Generation stellen werden, verwurzelt ist. Stattdessen ist es ein Ausdruck des Unbehagens wegen der Realität eines jüdischen Staates, der es mit einem schmutzigen und unlösbaren Konflikt mit den Palästinensern zu tun hat, sowie einer ist, in dem die Mehrheit seiner Juden nicht wie der typische linke, jüdische Demokrat denkt oder aussieht.

Israel-Hasser werden an seiner Vernichtung arbeiten, egal, wer Premierminister ist oder wie die Regierung sich zusammensetzt. Wie es immer der Fall war, brauchen die Antisemiten keine Vorwände für ihre Bemühungen den jüdischen Staat in Verruf zu bringen und zu delegitimieren.

Man muss kein Anhänger Netanyahus oder seiner Partner sein, um das alles zu begreifen.

Statt sich für Ben-Gvir oder die anderen Aspekte der israelischen Realität zu entschuldigen, die die Leser der New York Times erschaudern lassen, müssen die, denen der jüdische Staat und sein Volk wichtig sind, aufhören sich nach einem Israel zu sehnen, das wie sie aussieht und das akzeptieren, das tatsächlich existiert. Wenn die unredlichen Behauptungen geglaubt werden, diese Regierung sei es weniger wert unterstützt zu werden als ihre Vorgänger, dann fallen sie nur in die Falle, die ihnen von den Antisemiten gestellt wurde.

Die, die das Existenzrecht eines jüdischen Staats unterstützen, sollten aufhören sich für ihn zu entschuldigen, wenn er nicht einer idealisierten linken Vision des Zionismus entspricht und begreifen, dass die Leute, die für Netanyahu und Ben-Gvir stimmten, genauso Respekt und Repräsentation verdienen wie sie selbst.

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