Muslime fordern ungewollt Verbot des Islam

Raymond Ibrahim, 23. April 2018 (PJ Media)*

Genau dieselbe Logik, die Muslime in westlichen Ländern für ihre fortgesetzten Bemühungen zur Kriminalisierung von antiislamischem Reden anführen, würde erfordern, dass der Islam selbst kriminalisiert wird.

Mohammed al-Issa, Generalsekretär der Muslimischen Weltliga, argumentiert: „Europa muss mehr tun um … religiöses Hassreden zu kriminalisieren.“ In einem Interview mit Reuters sagte dieser prominente Saudi am 9. April: „Wir glauben, dass die europäischen Länder, in denen es heute so viel Diskussionen gibt, und andere Länder rund um den Globus … Hass und Verachtung für Anhänger von Religionen kriminalisieren müssen, weil dies die Sicherheit der Gemeinschaft gefährdet.“

„Hass und Verachtung für Anhänger von Religionen“, über die sich Muslime beschweren, ist ein überkonfessionelles Codewort für „Islamophobie“. So verkündete am 5. April Ömer Serdar, ein ranghoher Vertreter der in der Türkei herrschenden Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung, dass er und eine „Gruppe türkischer Abgeordneter ins Herzen Europas reisen werden“, wo sie „untersuchen werden, ob die Behörden Maßnahmen gegen die Feindseligkeit der islamophoben Diskriminierung des Alltagslebens von Muslimen treffen“. Danach „werden sie sich während ihrer Besuche in Deutschland, Frankreich und Belgien mit staatlicher Obrigkeit treffen“ und „das Thema der Ausgrenzung diskutieren“.

All das steht im Einklang mit Politik der Organisation der Islamischen Zusammenarbeit (OIC), der „kollektiven Stimme der muslimischen Welt“ und zweitgrößten zwischenstaatlichen Organisation nach den Vereinten Nationen. Seit Jahren – besonders nachdem ein Muslim ein Dutzend Menschen in den Büros von Frankreichs Charlie Hebdo massakrierte, weil die satirische Karikaturen Mohammeds veröffentlichte – hat die OIC die Vereinten Nationen aufgefordert die „Verunglimpfung von Religionen“ zu kriminalisieren – heißt die Kritik am Islam.

Jeder – insbesondere Muslime – scheinen die große Ironie zu übersehen. Wenn internationales Recht Reden, Karikaturen, Bücher und Filme auf der Grundlage verbieten würde, dass sie Religionen verunglimpfen, dann würden diese Gesetze die gesamte Religion des Islam verbieten.

Bedenken Sie, was „Verunglimpfung“ bedeutet. Typische Wörterbuch-Definitionen beinhalten „verleumden des Rufs eines anderen“ und „falsche oder ungerechtfertigte Verletzung des guten Rufs eines anderen, so durch Verleumdung oder üble Nachrede“. Aber im muslimischen Gebrauch bedeutet Verunglimpfung einfach alles, was islamische Sensibilitäten verletzt oder beleidigt.

Um aber in der internationalen Gemeinschaft an Boden zu gewinne, bleiben die OIC und andere zynisch dabei, dass solche Gesetze alle Religionen vor Verunglimpfung schützen sollten, nicht nur den Islam (während muslimische Regierungen selbst Kirchen verbieten, Kruzifixe zerstören und Bibeln verbrennen). Unaufrichtige oder nicht, die Formulierung der OIC legt nahe, dass jede Äußerung, die die religiösen Gefühle anderer „beleidigt“, verboten werden sollte.

Was müssen wir dann mit den religiösen Kerntexten des Islam tun –angefangen beim Koran höchstselbst?

Der Koran verleumdet, verunglimpft und diffamiert wiederholt den Ruf bestimmter anderer Religionen. Beachten Sie diese Textstellen über das Christentum:

  • Sure 5,73: Fürwahr, ungläubig sind, die da sagen: «Allah ist der Dritte von Dreien.»
  • Sure 5,72: Fürwahr, ungläubig sind, die da sagen: «Allah ist kein anderer denn der Messias, Sohn der Maria.»
  • Sure 9,30: Die Christen sagen, der Messias sei Allahs Sohn. … Allahs Fluch über sie!

Das Wort „Ungläubiger“ (kafir) ist einer der abfälligsten Begriffe des Islam. Was wäre, würde ein Kerntext des Christentums – oder auch nur eine westliche Kariktur – erklären: „Ungläubige sind, die, die sagen Mohammed sei der Prophet Gottes – möge Gott sie verfluchen“?

Wenn Muslime das als heftige Verunglimpfung des Islam ansehen – und das würden sie, mit all den dazugehörigen Krawallen, Morden usw. – dann muss zugestanden werden, legt man dasselbe Maß an, dass der Koran Christen und das Christentum verunglimpft.

Bedenken Sie, wie das christliche Kreuz, von Milliarden verehrt, im Islam verunglimpft wird. Gemäß kanonischen Hadithen, wird Jesus (der „Prophet Isa“), wenn er wiederkehrt, alle Kreuze vernichten. Mohammed, der niemals erlaubte, dass das Kreuz in seiner Gegenwart auftauchte, befahl einmal jemandem, der ein Kreuz trug, „dieses Götzenstück von sich zu werfen“.

Was wäre, wenn christliche Bücher und westliche Filme besonders die heiligen Symbole des Islam – vielleicht den schwarzen Stein in Mekkas Kaaba – als „Götzentum“ bezeichneten, die Mohammed selbst bei seiner Wiederkehr zerstören wird? Wenn Muslime das als Verunglimpfung des Islam betrachten würden – und das würden sie, mit all den dazugehörigen Krawallen, Morden usw. – dann müsste, legt man dasselbe Maß an, eingestanden werden, dass islamische Lehre das christliche Kreuz verunglimpft.

Hier ist vielleicht die ausdrücklich widerlichste Form der Verunglimpfung christlicher Gefühle: Gemäß den höchst maßgeblichen Koranauslegern, einschließlich dem verehrten Ibn Kathir, wird Mohammed im Paradies mit der Jungfrau Maria verheiratet und mit ihr kopulieren.

Stellen Sie sich irgendetwas – in einem christlichen Kerntext oder einer Karikatur – vor, das, sagen wir, Mohammeds „Lieblingsfrau“ Aische, die „Mutter der Gläubigen, als im Himmel mit einem falschen Propheten verheiratet darstellt, mit dem sie Sex hat.

Wenn Muslime das als große Verunglimpfung des Islam betrachten – und das würden sie, mit all den dazugehörigen Krawallen und Morden usw. – dann müsste, legt man dasselbe Maß an, eingestanden werden, dass die maßgeblichsten Koranausleger die Jungfrau Maria verunglimpfen.

Solche Verunglimpfungen des Christentums ist kaum fast nicht auf die heiligen Kernschriften des Islam beschränkt. Fakt ist, dass moderne muslimische Gelehrte und Scheiks übereinstimmen: Es ist erlaubt das Christentum zu verunglimpfen und zu verspotten. „Islam Web“, das der Regierung von Qatar gehört, gab sogar eine Fatwa aus, die die Beleidigung des Christentums legitimiert.

Die größte Ironie in all dem besteht darin, dass die „Verunglimpfung“, über die die Muslime sich beschweren – und die immense Gewalt und Blutvergießen überall auf der Welt veranlasst – sich um Dinge wie Karikaturen und Filme dreht, die von Einzelnen gemacht werden, die nur sich für sich selbst stehen. Andererseits verleumdet und verurteilt der Islam – mit einem anderen Wort: „verunglimpft“ – über seine heiligsten und verbindlichsten Texte alle anderen Religionen.

Es ist dieses Problem – das gefühlt „göttliche“ Recht des Islam zu verunglimpfen und zu vernichten – das die internationale Gemeinschaft thematisieren müsste.

Und das Recht frei und offen den Hang des Islam zu Verunglimpfung und Vernichtung zu diskutieren ist das, was die internationale Gemeinschaft schützen muss.

* Ibrahim schreibt vom Christentum. Dasselbe gilt für den Umgang mit und das Verhältnis des Islam und seiner Gelehrten zum dem Judentum.

Advertisements

Palästinenser sind 2 zu 1 gegen gleiche Rechte für Juden

Elder of Ziyon, 24. April 2018

Die zerstörte Synagoge Neve Dekalim im Gazastreifen, 2005

Hier ist ein weiteres Juwel aus der PCPSR-Umfrage unter den Palästinensern vor einem Monat:

Frage: Wenn eine Friedensvereinbarung erzielt wird, die zur Gründung eines Palästinenserstaats Seite an Seite mit dem Staat führt, verlangt, dass israelischen Juden erlaubt wird im Palästinenserstaat zu leben, sei es als Staatsbürger oder als Resident, und dieselben Recht und Pflichten genießen wie palästinensische Christen und Muslime, würden sie das unterstützen oder dagegen sein?

62,6% sind gegen gleiche Rechte für jüdische Bürger eines Palästinenserstaats; nur 30,6% befürworten diese.

Obwohl die Frage sie als „israelische Juden“ bezeichnet, sind sie offensichtlich nicht länger Israelis, wenn sie Bürger sind, daher heißt das, dass die Palästinenser in überwältigender Mehrheit gegen gleiche Rechte für Juden in ihrem Staat sind.

Würden Juden dasselbe über arabische Israelis sagen, egal, wie es formuliert würde, dann würde Ha’aretz die Weltmedien beim Schlagen auf die eigene Brust wegen israelischen Rassismus anführen.

Aber palästinensischer Rassismus und Antisemitismus sind nicht die Ausnahme, davon wird ausgegangen.

Also wird das nicht weiter berichtet.

Kippa-Tag in Deutschland

Kippa-Tag in Deutschland – in Berlin, Köln, Erfurt und einigen anderen Städten wurden heute „Zeichen gesetzt“. Ob das sinnvoll ist, sei mal dahingestellt. Die Frage wäre eh, ob sich etwas ändert.

Eins ist jedenfalls in Berlin schon sehr deutlich geworden: Es gibt gewaltige Kräfte, die den Antisemitismus NICHT bekämpfen wollen, sondern Antisemiten die Stange halten. Und das sind keine Rechtsextremen/Neonazis. Am Nachmittag schon kam die Meldung von Berliner Hermannplatz, wo gegen Antisemitismus protestiert werden sollte:

Erkennbar Linke machen also Randale und bedrohen. Schüchtern ein und sorgen dafür, dass Meinungsfreiheit nicht mehr stattfindet. Nicht erst auf der Kundgebung selbst, schon im Vorfeld ging es los mit den Körperverletzungen an Leuten, die gegen Antisemitismus protestieren wollten:

Was bringen die Leitmedien? Live habe ich die Nachrichten um 19.55 Uhr in Sat1 gesehen. Dort wurde zwar gezeigt, wie einem Mann eine Israelfahne entrissen wurde, aber das war auch alles. Ansonsten nur Friede, Betroffenheit und Mahnung. Aufatmen, dass Deutschland so anständig ist. Der Abbruch der Veranstaltung vom Hermannplatz wurde nicht erwähnt – damit man nicht sagen musste, wer dafür gesorgt hat?

Die ZDF heute-Sendung von 19 Uhr (in der Mediathek angesehen[1]) brachte gar nicht erst etwas vom Hermannplatz; Bilder wurden aus Erfurt gezeigt. Da war es wohl harmlos. Bloß nichts aus Berlin bringen, es könnte ja Vorwürfe geben, dass nicht alles von dort gebracht wurde?

Das heute journal in der Halbzeitpause des Champion League-Spiels fängt gleich mit den Kippa-Kundgebungen an, der Filmbericht kommt aus Berlin. Nichts vom Hermannplatz.

Was macht die ARD-tagesschau (ebenfalls Mediakthek): absolut nichts zu den Bedrohungen am Hermannplatz.

Und sonst? In der Mediathek von RTL finde ich die Nachrichtensendung von 18.45 Uhr nicht.

n-tv: Die Mediathek bringt derart haufenweise Werbung, dass ich da nicht weiter sehe. Im Internet eine Kurzmeldung. Menschen gingen auf die Straße, blablabla.

Welt.de: Endlich mal nicht nur die „Wir sind die Guten“-Berichterstattung zum Wohlfühlen und Selbstbeweihräucherung, denn einmal wird der Unmut beschrieben, der sich im Publik breit machte, als Berlins Regierender Bürgermeister es nicth einmal schaffte das Wort „Antisemitismus“ in den Mund zu nehmen und auch sonst herumeierte. Und dann das hier: „Doch schon bald wird die entschlossene Stimmung gedämpft, als die Information die Runde macht, dass eine weitere Solidaritätsveranstaltung im islamisch geprägten Neukölln wegen massiven Anfeindungen nach nur 15 Minuten abgebrochen werden musste. Es scheint hier kaum jemanden zu wundern.“ Geht doch!

Allerdings war das im Internet. Was im Fernsehen zu sehen war, weiß ich nicht.

SPON.de: Ein „Zwischenfall“ wird in einem eigenen Artikel beschrieben. Die Polizeiangabe „drei Teilnehmer fühlten sich bedroht“ wird zitiert.

Beim Focus ergibt die Suche nach „Kippa“ auf der Eingangsseite kein Ergebnis (21.48 Uhr). Die Focus-Suchfunkton bringt Meldungen bis zum 24. April.

Stern.de: Irgendwo mitten im Text ein Satz mit wie beim SPON – „fühlten sich bedroht“. Dass es beim Regierenden Unmutsstimmung gab, fehlt.

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Ein ganzer Artikel zu dem, was sich am Hermannplatz abspielte, ein twitter-Video des Jüdischen Forums wird eingeklinkt. Der ganze erste Absatz ist dem Vorfall gewidmet.

Weitere Suche habe ich mir gespart.

Fazit: Wer will, kann die Information bekommen. Er muss sie nur suchen. Im Intenet.

Die großen Fernsehsender, insbesondere die Öffentlich-Rechtlichen, machen sich nicht die Mühe die Antisemitismus-Probleme aufzuzeigen. Sie produzieren ihre Wohlfühl-Berichte, die zeigen, wie gut alle sind. Das Hauptmedium Fernsehen informiert unvollständig, zeigt die Probleme gerade NICHT. Das Medium, dem die Bundesbürger am meisten vertrauen, informiert nur unvollständig – bringt Kritisches nicht. Warum wundern die sich, dass von Lücken- bis Lügenpresse die Rede ist?

Es bleibt abzuwarten, wie mit dem Tag weiter umgegangen wird. Wie haben sich die Kippaträger nach den Kundgebungen verhalten? Haben sie die Kippa beim Verlassen der Veranstaltung aufbehalten oder schnell wieder abgenommen? Bringt irgendjemand etwas dazu? DAS wäre interessanteste Frage überhaupt. Denn wenn sie alle die Kippa wieder eingesteckt haben, dann muss man davon ausgehen, dass der ganze Aufwand umsonst war. Ein Moment des „hach, was sind wir gut“ und dann – nichts mehr, back to business; vorbei, wir machen weiter, als ob nichts gewesen wäre.

Wir das das Ergebnis des Tages sein? Alles Bisherige legt nahe, dass es so sein wird.

[1] Alle Mediatheken übers Smart-TV angesteuert

historische Fotos aus Israel (31): Jewish Joint Distribution Committee

Das Jewish Joint Distribution Committee (JDC) wurde 1914 ge gründet und half jüdischen und arabischen Gemeinschaften und Organisationen im Heiligen Land; außerdem war es an anderen Orten rund um die Welt aktiv (gefunden auf Facebook).

Ca. 1921: JDC ernährte Jerusalems Hungrige über bestehende Einrichtungen wie die Teresa Dreyfus- und Natan Straus-Suppenküchen sowie durch neu geschaffene Küchen und Verteilzentren.
1921 erhielten immer noch 1.800 Arme jeglichen Hintergrunds in der Dreyfus-Suppenküche mindestens eine Mahlzeit pro Tag.

ca. 1920: Hilfer zur Kinderversorgung wurde erweitert, um in Hadassah-Kinderwohlfahrtzentren jungen Müttern in die Babybetreuung einzuweisen.

Dieser erfolgreiche Workshop in Korb- und Mattenflechten gab älteren Männern Arbeit und erhielt Regierungsaufträge. Das JDC half weitere Arten von Regierungsarbeitsprojekten im Straßenbau, Steinbearbeitung und Verbesserung von Entwässerung für jeden Monat in der Region ankommende Flüchtlinge zu bekommen.

Gemeinsame Reise abgesagt

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 24. April 2018

Manche dramatische Ereignisse der Weltgeschichte können die Folge von Dummheit oder fast komischer Irrtümer sein. Dazu gehört der sogenannte Schabowski-Effekt, jener Zettel, durch den die Berliner Mauer fiel und es zum Ende der DDR kam. Auch Kriege entstehen durch vergleichbare kleine Fehler, für die am Ende niemand verantwortlich zeichnen möchte. „Zum ersten Mal in der Geschichte der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) reisen Mitglieder der Kirchenleitung gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern jüdischer Gemeinden nach Israel“, hieß es in einer Pressemitteilung von Peter Iven, dem Sprecher von EKiR.

Für einen deutschen Journalisten mit Sitz in Jerusalem ist das natürlich ein wichtiges und sehr erfreuliches Ereignis. Um aber nicht nur eine Pressemitteilung zu kopieren, gehört es zum täglichen Geschäft eines gewissenhaften Korrespondenten dazu, Hintergrund und weitere Informationen zu suchen. Auf der mitgelieferten Homepage der ev. Kirche im Rheinland entdeckten wir mit aktiver Unterstützung anderer sogar eine „Gottesdienst-Arbeitshilfe 70 Jahre Staat Israel“. Das Grußwort zu einem Artikel von Reiner Stuhlmann mit der Überschrift „70 Jahre Staat Israel – ein Datum im christlichen Kalender?“ mitsamt einem Hinweis auf die gemeinsame Reise mit dem Landesverband der jüdischen Gemeinden Nordrhein hatte Manfred Rekowski, verfasst, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Verantwortlich für das Papier von Stuhlmann zeichnete Dr. Volker Haarmann, der auch als einer der Organisatoren der gemeinsamen Reise angeführt war.

Obgleich es sich um das gleiche Thema, die gleichen Namen und um die gemeinsame Reise handelte, erklärte der Pressesprecher auf Anfrage: „Mit der Reise unserer Kirchenleitung teilt die Arbeitshilfe, auf die Sie Bezug nehmen, zwar den gemeinsamen Anlass ‚70 Jahre Staat Israel‘; in direktem Zusammenhang steht sie dazu ansonsten aber nicht.“

Diese Zusammenhanglosigkeit war nicht sehr einleuchtend. Deshalb schauten wir uns den Text des uns schon von früheren Hetzschriften durchaus bekannten Rainer Stuhlmann etwas genauer an und fertigten eine neutrale und sachliche Analyse seiner offiziösen Schrift der EKiR.

Stuhlmann behauptete zum Beispiel, dass es schon „palästinensische Christen“ gab, als Jesus von Nazareth gerade mal im Alter von 18 noch nicht einmal mit seinen öffentlichen Auftritten begonnen hat, lange vor Kreuzigung und Auferstehung. Auch die anderen Behauptungen Stuhlmanns waren klassische Fälle palästinensischer Propaganda mit dem Ziel, Israel und das Judentum zu delegitimieren.

Von kirchlicher Seite kam jedenfalls keinerlei sachliche Erwiderung auf die Analyse, aber intern löste dieser Text, ein „Erdbeben“ aus und ein Bemühen, Sahms „Kampfansage“ abzuwenden. Das wurde uns wie privat mitgeteilt. Die jüdischen Reiseteilnehmer hatten den Text am Freitag erhalten, also vor dem Sabbat. Telefonisch war am Montag zu erfahren, dass da heftig diskutiert werde. In jedem Fall sollte die Landeskirche aufgefordert werden, sich klar von der Hetzschrift des Rainer Stuhlmann zu distanzieren. Dazu war sie jedoch nicht fähig oder bereit.

Das alles ist inzwischen Vergangenheit. Der jüdische Landesverband sagte seine Beteiligung an der gemeinsamen Reise ab. In einer Pressemitteilung dazu schrieb Dr. Oded Horowitz: „Umso mehr hat uns der darin enthaltene Beitrag 70 Jahre Staat Israel – ein Datum im christlichen Kalender? bestürzt und traurig zurückgelassen. Die darin geäußerte Verunglimpfung des Staates Israel als brutale Besatzungsmacht und die Unterschlagung historischer Fakten sind für uns nicht hinnehmbar. Zur 70. Jubiläumsfeier der Gründung des Staates Israel auf die Lebenslage der palästinensischen Bevölkerung als direktes Resultat der Staatsgründung Israels zu verweisen, stellt das Existenzrecht Israels in Frage und hinterlässt einen faden Beigeschmack antizionistischer Stereotype.“

Auch die EKiR bedauerte in einer eigenen Pressemitteilung Nr. 72/2018 die Absage der Reise „durch den Jüdischen Landesverband“. Weiter heißt es darin: „Nachdem am Wochenende Kritik in Medien aufgekommen war, eine Arbeitshilfe der rheinischen Kirche für Gottesdienste anlässlich des israelischen Staatsgründungsjubiläums ignoriere historische Tatsachen und ergreife einseitig Partei für die Palästinenser, hat der Vorstand des Landesverbandes seine Teilnahme an der gemeinsam geplanten Reise nun kurzfristig abgesagt. Die Mitglieder der Kirchenleitung werden nun nicht nach Israel reisen, da das Anliegen, nämlich die Begegnung mit dem Landesverband und das gemeinsame Feiern des Jubiläums der israelischen Staatsgründung durch den überraschenden Rückzug des Landesverbandes hinfällig geworden ist.“ Präses Manfred Rekowski erklärte dazu: „Umso mehr bedauere ich die Entscheidung des Vorstands des Landesverbandes. Gerne hätten wir auch die Reise mit dem Landesverband für das Gespräch über diese kontroversen Themen genutzt. Dort, wo sachliche Kritik an der Arbeitshilfe geübt wird, beschäftigen wir uns selbstverständlich damit.“ Weiter behauptete der Präses, auch gerade im Grußwort zu der Arbeitshilfe deutlich gemacht zu haben, dass es unterschiedliche Rezeptionen zu Israel gebe. Doch auf die ungeheuerliche Behauptung von Stuhlmann, dass Israels Gründung ein Tag der Trauer sei, und dass jener Tag in den Kalender der christlichen Märtyrer aufgenommen werden sollte, geht er nicht ein. Die rheinische Kirche hat sich also nicht von Stuhlmann distanziert, sodass dem jüdischen Landesverband keine Wahl blieb, als die historische Reise abzusagen.

(C) Ulrich W. Sahm

 

PRESSEMITTEILUNG

Absage der gemeinsamen Reise der Evangelischen Kirche im Rheinland und des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein nach Israel

Düsseldorf, 24. April 2018

Die geplante gemeinsame Reise der Evangelischen Kirche im Rheinland (EkiR) und des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein vom 26.-29. April nach Israel findet nicht statt. Der Vorstand des Landesverbandes hat sich einstimmig zu der Absage entschieden. Eine Delegation des Vorstands und der Geschäftsführung wird in dieser Zeit dennoch Israel besuchen.

Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein und die Evangelische Kirche im Rheinland arbeiten seit geraumer Zeit in einem konstruktiven Dialog zusammen. Das erklärte Ziel der Zusammenarbeit war und ist, den Dialog zwischen Christen und Juden in Deutschland zu verbessern sowie diesen zu einem besseren Verständnis für beide Seiten zu nutzen. Im Rahmen dieses Ziels entwickelte sich die Idee, eine gemeinsame Reise nach Israel zu unternehmen.

Hintergrund der nun kurzfristig erfolgten Absage ist ein Essay von Rainer Stuhlmann in der kürzlich veröffentlichten EKiR-Arbeitshilfe „70 Jahre Staat Israel. Ein Termin auch im christlichen Kalender?“. „Wir wissen es sehr zu schätzen, dass die Evangelische Kirche im Rheinland als einzige evangelische Landeskirche anlässlich des 70. Jubiläums des Staates Israel eine Arbeitshilfe herausgegeben hat. Wir sehen darin einen Beleg des langjährigen konstruktiven Dialogs miteinander“, so der Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein, Dr. Oded Horowitz. „Umso mehr hat uns der darin enthaltene Beitrag 70 Jahre Staat Israel – ein Datum im christlichen Kalender?  bestürzt und traurig zurückgelassen. Die darin geäußerte Verunglimpfung des Staates Israel als brutale Besatzungsmacht und die Unterschlagung historischer Fakten sind für uns nicht hinnehmbar. Zur 70. Jubiläumsfeier der Gründung des Staates Israel auf die Lebenslage der palästinensischen Bevölkerung als direktes Resultat der Staatsgründung Israels zu verweisen, stellt das Existenzrecht Israels in Frage und hinterlässt einen faden Beigeschmack antizionistischer Stereotype.

Dies führte zu einer Hinterfragung der Grundlage unserer gemeinsamen Unternehmung. Dass es sich um einen namentlich gekennzeichneten Beitrag und nicht um eine Grundlagenerklärung der Landeskirche handelt, hat mir Präses Manfred Rekowski in persönlichen Gesprächen versichert. Zur Aufrechterhaltung der gemeinsamen Reisepläne wäre für uns eine unmissverständliche Erklärung der Kirchenleitung bzw. Distanzierung zu dem Artikel notwendig gewesen, die genau dies ausdrückt. Nachdem hierzu kein Übereinkommen erzielt werden konnte, haben wir uns als Vorstand des Landesverbandes entschieden, die gemeinsame Reise nicht anzutreten. Wir stehen jedoch weiterhin für die regelmäßig stattfindenden Konsultationen mit der EKiR zur Verfügung und hoffen, den wichtigen und konstruktiv-kritischen Dialog in diesem sinnträchtigen Jubiläumsjahr zu einem gegebenen Zeitpunkt wieder aufnehmen zu können.“

Inzwischen sind die Planungen für eine eigene Israel-Reise des Landesverbandes anlässlich des Staatsjubiläums und als Zeichen der Solidarität mit Israel angelaufen.

 

PRESSEKONTAKT

Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein K.d.ö.R.
Paul-Spiegel-Platz 1
40476 Düsseldorf
Tel +49 211 46 912 90
Fax +49 211 46 912 91
Email: info@lvjgnr.de

Mit freundlichen Grüßen,
Michael Rubinstein
Geschäftsführer
______________________________________________________

Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein K.d.ö.R.
Paul-Spiegel-Platz 1
D-40476 Düsseldorf