Lebensbedingungen für Christen im Heiligen Land

Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 25. Juni 2015 (direkt vom Autor)

Radio Vatikan hat ein Interview mit dem Nuntius im Heiligen Land veröffentlicht: „Wenn sich die Lebensbedingungen für Christen im Heiligen Land verbessern, würden sie das Land nicht verlassen.“ Das sagte Giuseppe Lazzarotto, Nuntius in Israel und Apostolischer Delegat für Palästina, über die Bedingungen von Christen im Heiligen Land.

Vor allem die wenigen verbliebenen Christen in Bethlehem und Ramallah, also in den Gebieten unter der palästinensischen Autonomiebehörde, verlassen das Land. Sie sind zunehmend Diskriminierungen ihrer muslimischen Nachbarn ausgesetzt. Bethlehem war bis 1948 eine rein christliche Stadt. Inzwischen bilden die Christen eine bedrängte und diskriminierte Minderheit von weniger als 20%. Sie wandern vor allem aus wirtschaftlichen Gründen aus, wie einst der legendäre Bürgermeister Elias Fredsch gestand und nicht wegen der „Besatzung“. Die endete 1994.

Kaum jemand weiß, dass zu Ehren von Jassir Arafats Einzug nach Bethlehem an Weihnachten 1994 ein überdimensionales Modell des Felsendoms auf das Dach der Geburtskirche in Bethlehem gehievt worden ist. Es sollte den Christen demonstrieren, dass fortan der Islam in der Geburtsstadt Jesu herrsche.

Weiter sagte Lazzarotto in dem Interview: Dass Christen trotz der Mauer an heilige Stätten gelangen, sei glücklicherweise immer öfter möglich. Von Seiten der israelischen Behörden sieht er in diesem Punkt immer mehr Bereitschaft.

Auch ohne „israelische Bereitschaft“ sollte der Nuntius wissen, dass die rund 160.000 Christen in Israel israelische Staatsbürger sind und sich frei bewegen können. Sie leben in Nazareth, Haifa, Lod und Ramleh. Für sie sind die meisten Heiligen Städten unproblematisch erreichbar, darunter am See Genezareth und in Jerusalem. Hinzu kommt, dass die meisten Christen als Araber gelten und deshalb ungehindert auch palästinensische Städte wie Bethlehem jederzeit besuchen können. Jüdischen Israelis ist jedoch der Besuch in Städten unter palästinensischer Kontrolle streng verboten.

Christen aus den palästinensischen Gebieten und besonders aus dem Gazastreifen haben es schwerer. Sie benötigen eine Sondergenehmigung. Viele haben sie, darunter die ehemalige Tourismusministerin und heutige Botschafterin in Berlin, Khoulud Daibes. Auch christlich-palästinensische „Sprecher“ wie Mitri Raheb, Faten Mukarker oder Sumaya Farhat-Naser, von manchen auch als „Propagandisten“ bezeichnet, beweisen allein durch ihre häufigen Auftritte in Deutschland und Jerusalem, frei reisen zu können. Verschwiegen werden Anschläge von Moslems auf Christen wie in Taibe oder Flugblätter der IS in Ost-Jerusalem, die Christen „Rache“ ankündigen.

Recht hat der Nuntius, dass Angriffe auf Christen, wie der Brandanschlag auf das Benediktinerkloster in Tabgha, die Christen vor Ort verbittern. Das hat der Vatikan-Diplomat richtig beobachtet. Genauso verbittert sind darüber auch jüdische Israelis, vom Staatspräsidenten abwärts bis zur Polizei, die Attacken auf Christen nicht zeitig aufklärt.

Jüdische Israelis sind verbittert, dass ihr 3.000 Jahre alter Friedhof auf dem Ölberg zunehmend geschändet wird. Gräber werden zertrümmert und Trauernde können sich kaum noch dorthin wagen. Sie werden von Palästinensern mit Steinen beworfen, während ihre Autos zerstört werden. Die Zustände sind so schlimm geworden, dass die Sicherheitsbehörden langsam aufwachen und mehr Geld für den Schutz des historischen Friedhofs, aber auch gefährdeter Kirchen ausgeben wollen.

In der aufgeheizten Stimmung im „Heiligen Land“ gibt es einen ständigen Kampf von Extremisten vor allem gegen symbolhafte Einrichtungen. Das Niederbrennen einer Kirche, der Mordüberfall in einer Synagoge oder die Brandschatzung einer Moschee machen größere Schlagzeilen weltweit, als die Brandbombe auf ein Familienhaus oder das Überfahren von Passanten an einer Bushaltestelle in Jerusalem. Es sei an den Terroranschlag in der Synagoge in Har Nof erinnert. Am 18. November 2014 wurden vier Juden beim Gebet von zwei jungen Palästinensern mit Äxten erschlagen. Zudem wurde ein drusischer Polizist getötet.

Zum Glück haben sich jüdische Extremisten bisher auf Graffiti und Brandanschläge in Kirchen und Moscheen beschränkt. In den letzten Jahren sind „im Heiligen Land“ keine Christen oder Moslems wegen ihrer Religionszugehörigkeit ermordet worden. Juden hingegen werden nach Angaben palästinensischer Attentäter fast täglich ermordet, nur weil sie Juden sind.

Bei aller Aufregung über Terror gegen Menschen oder Kirchen im Heiligen Land ist es kein Trost, dass der Zustand im Rest der Welt viel schlimmer ist.

Der Nuntius ist nur für das Heilige Land zuständig und sieht deshalb wohl nicht, dass Hunderttausende Christen aus Ägypten, Syrien und Irak geflohen sind. Da die Heilige Familie in Ägypten war, Erzvater Abraham der syrischen Stadt Aleppo den Namen gegeben hat und Saulus aus Tharsus auf dem Weg nach Damaskus zum Paulus geworden ist, werden auch diese Gebiete oft dem „Heiligen Land“ hinzugerechnet.

In uralten christlichen Kirchen und Heiligen Stätten in Syrien oder Irak wurde nicht nur ein Empfangsraum in Brand gesteckt, wie in Tagbha. Vielmehr wurden Kirchen mitsamt Gläubigen gesprengt. Ganze christliche Städte oder Viertel in Aleppo, Damaskus und anderswo wurden dem Erdboden gleich gemacht. 2014 habe es laut einem Report des amerikanischen State Department 13.463 Terroranschläge gegeben, 35% mehr als im Vorjahr. Dabei wurden mehr als 32.700 Tote gezählt, ein Anstieg von 81 % im Vergleich zu 2013. Über 9.400 Menschen seien entführt und in Geiselhaft genommen wurden. Darunter waren auch Tausende Christen, in Nigeria und im Mittleren Osten.

(C) Ulrich W. Sahm

Irre Kreuzträger

Die Märkische Allgemeine Zeitung berichtet:

Führende Kirchenvertreter aus Brandenburg haben öffentlich Zweifel an der deutschen Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg geäußert. „Ich vermute, es ist zu einfach zu sagen, am 1. September ’39 hat der Zweite Weltkrieg durch Deutschland begonnen und Deutschland war ganz allein Schuld und alle anderen wollten gar keinen Krieg, die Großmächte“, sagte die evangelische Generalsuperintendentin Heilgard Asmus im RBB-Fernsehen.

Auch der katholische Potsdamer Pfarrer Klaus-Günter Müller äußerte sich missverständlich: „Der Friede von Versailles, der war so ungerecht, dass die Leute sagen, das ist Unrecht. Und wenn man einen ungerechten Frieden macht: dass das nach Revanche schreit, ist doch klar.“ Der Versailler Vertrag sei ein ungerechter Frieden gewesen und habe nach Revanche geschrien, sagte er.

Der Artikel enthält noch mehr, das diese Kirchenvertreter in recht zweifelhaftes Licht stellt. Aber dieser Wahn sollte schon genügen.

Dass der Versailler Vertrag ein Rache-Frieden war und den Boden für die Revanchisten ebnete, dürfte zweifelsohne eine berechtigte Sicht sein. Aber wer sich die Entwicklung in der zweiten Hälfte der 1920-er Jahre ansieht, der sollte erkennen, dass sich da ein gewaltiger Wandel ergab. Dieser wurde durch den Machtantritt der Nazis zurückgeschraubt, aber der Versailler Vertrag wurde im Laufe der 1930-er Jahre ausgehöhlt und seine Vorkehrungen zum Teil abgeschafft. Das Nazi-Regime brach ihn, zog sich aus dem Völkerbund zurück und führte sich heftig auf, ohne dass es Konsequenzen gab.

Noch eklatanter war Hitlers Wille Krieg zu führen und „Lebensraum“ zu erobern. Dazu war er fanatisch entschlossen und keiner konnte etwas dagegen unternehmen, ohne Krieg zu führen. Das belegen alle Protokolle und Bericht aus Hitlers Umfeld und der Nazi-Führungsetage. Er wollte diesen Krieg, koste es, was es wolle. Das beweisen alleine schon seine Ausbrüche nach dem Münchener Abkommen.

Wer vor diesem Hintergrund behauptet, die die Entente-Mächte mit ihrem Versailler Vertrag hätten eine Mitschuld am Zweiten Weltkrieg zu tragen, der lügt. Man kann die Westmächte kritisieren, weil sie Hitler zu lange mit Appeasement ruhigzustellen versuchten. Man kann sie kritisieren, dass sie die Tschechen verrieten, dass sie den Verletzungen der Bestimmungen des Versailler Vertrags durch Hitler keine Konsequenzen folgen ließen. Aber die Schuld für den Zweiten Weltkrieg trägt Hitlerdeutschland alleine.

Wer etwas anderes behauptet, ist entweder völlig ahnungslos oder ein Charakterschwein, das nicht in der Lage ist geradeaus zu denken. (Aber welche modernen … nee, das lasse ich jetzt, das ist ein Vorurteil, wenn auch eines, das immer wieder bestätigt wird.)

Papst Franz und die PalAraber

gefunden auf Facebook:

Papst-Palästina-AbbasEine Regierung mit offenen Armen zu begrüßen,
die sich dem Völkermord am jüdischen Volk und
der Vernichtung des Landes Israel verschrieben hat,
ist keine Gottesfurcht,
sondern Irrsinn.
(Man kann es auch mit „Geisteskrankheit“ übersetzen.)

Obama beleidigt Christen, offenbar aus Ignoranz

John Hinderaker, PowerLine blog, 15. Mai 2015

Barack Obama sagt, er sei Christ. Der Rest von uns kann sich nur auf sein Wort verlassen, doch als Gläubiger scheint er bemerkenswert ignorant zu sein, sowohl was Christen als auch das Christentum angeht. Im Weekly Standard schreibt Mark Hemingway über „Obamas legere Verunglimpfung amerikanischer Christen“. Hemingway beginnt mit dem Soziologen Robert Putnam, der sagte:

Im Verlauf der der letzten 30 Jahre hat sich der größte Teil der organisierten Religion auf Fragen zu Sexualmoral konzentriert, so auf Abtreibung, Schwulenehe, all so etwas. Ich sage nicht, dass das gut oder schlecht ist, aber das ist das, was wofür sie all ihre Ressourcen genutzt haben. Das ist der offensichtlichste Punkt der Welt. Sie ist komplett auf Fragen der Homosexualität und Empfängnisverhütung konzentriert und überhaupt nicht auf Armutsfragen.

Ich habe Putnam getroffen und er ist ein anständiger Kerl, aber er ist nicht von dieser Welt. Hemingway merkt an, dass Putnam vor kurzem an einer Podiumsdiskussion beim katholisch-evangelikalen Führungsgipfel zur Überwindung von Armut an der Georgetown University teilnahm, die dieses Thema mit unter anderem Barack Obama diskutierte. (Darüber schrieb ich hier.) Im Verlauf des Programms sagte Obama:

Trotz großer Zuwendung und Sorge, wenn es darum geht, wofür man wirklich in den Ring steigt, was die bestimmende Frage ist, wenn ihr in euren Gemeinden sprecht, was ist das, was wirklich das Wesentliche dessen erfasst, wer wir als Christen sind oder als Katholiken oder was ihr habt, ist dass [das Bekämpfen der Armut] als etwas betrachtet wird, das „gewünscht aber nicht nötig“ ist, verglichen mit einer Frage wie der Abtreibung.

Obamas Kommentare sind merkwürdig. Sie gründen gewiss nicht auf seiner eigenen Erfahrung; die einzige Kirche, der Obama angehört hat, war die von Jeremiah Wright geführte. Widmete Wright Abtreibung viel Aufmerksamkeit? Ich bezweifle es. Aber fairerweise dürfte Wrights Gemeinde auch nicht viel in Sachen Armut unternommen haben, außer zu klaren („Gott verdamme Amerika!“).

Also klingt Obama, als wäre alles, was er über das Christentum weiß, das ist, was er in der Zeitung liest. Hemingway nimmt ihn sich zurecht zur Brust:

Gewünscht, aber nicht nötig? Wünschenswert wäre einen Präsidenten zu haben, der nicht so abgehoben von der Realität amerikanischer Christen ist, dass er glaubt er habe die moralische Autorität mehr oder weniger Millionen wohlmeinender Christen zu verleumden…

Nur um Ihnen eine Vorstellung zu geben: Eine einzige christliche Wohlfahrtsorganisation, World Vision, gibt rund $2,8 Millionen für Armutsbekämpfungsprojekte aus. „Das lässt World Vision in etwa auf Platz 12 innerhalb der G20-Nationen setzen, was die Entwicklungshilfe im Ausland angeht“, vermerkte World Vision-Präsident Richard Stearns in Christianity Today vor ein paar Jahren. Fagan und Schwarzwelder bearbeiten die Zahlen etwas stärker, aber das Ergebnis ist, dass Christen Abermilliarden zur Bekämpfung von Armut ausgeben. Selbst die großzügigsten Schätzungen der Quellen, die für Anti-Abtreibungsaktionen und für Organisationen zur Verteidigung der traditionellen Ehe ausgegeben werden, liegt die Summe bei ein paar Hundert Millionen Dollar. Im Gegensatz dazu beläuft sich das Budget für Planned Parenthood auf knapp über ein Milliarde Dollar.

Sehen Sie sich die Internetseite von Catholic Charities an. Hier ist das, was Sie am Kopf der Seite sehen:

Ich habe keinen Zweifel, dass Catholic Charities den Armen mehr Gutes getan hat als jedes Regierungsprogramm. Ich bin Lutheraner. Meine Konfession ist nicht unbedingt gegen Abtreibung („Diese Kiche erkennt an, dass es gute Gründe dafür geben kann eine Schwangerschaft durch induzierte Abtreibung zu beenden.“) und überhaupt nicht gegen Homosexualität. Machen Sie daraus, was Sie wollen, aber wir tun gewiss unseren Teil um den Armen zu helfen. Sehen Sie sich Lutheran World Relief an, das in 35 Ländern aktiv ist und nach Angaben seiner Internetseite letztes Jahr fast fünf Millionen Menschen half. Dann gibt es Lutheran Services in America, das jedes Jahr etwa sechs Millionen Amerikanern Hilfe zukommen lässt.

Jede weitere christliche Denomination könnte eine ähnliche Geschichte erzählen. Die evangelikalen Kirchen sind womöglich noch mehr auf Armut und Leben wieder Auftrieb geben, die in Drogenmissbrauch und anderen Krankheitsbildern feststecken, konzentriert. Weiß Barack Obama das wirklich nicht? Seine lässige Verleumdung der Christen – 70% aller Amerikaner – legt nahe, dass er kaum eine Vorstellung davon hat, was außerhalb der politischen Blase in Washington DC vorgeht. Es ist nicht einfach so, dass Obama nicht viel von den Christen weiß. Er weiß nicht viel von Amerika.

Wer kolonisierte wen?

Raymond Ibrahim, 11. November 2014

Anmerkung: Die folgende Schilderung wurde von einem anonymen amerikanischen Lehrer in der muslimischen Welt für RaymondIbrahim.com geschrieben.

Kurz bevor ich vor ein paar Wochen Tripolis verließ, nahm mich ein Kollege (Marco) mit zum Algeria-Platz, wo wir in einem Straßencafe saßen und die aktuellen Dinge diskutierten, der sich die Stadt gegenüber sah, seit die Islamisten sie Ende August eroberten. Während er über die verbesserte Sicherheitslage redete (wobei er die Tötung von Unterstützern der Opposition ausließ), konnte ich meine Augen nicht von der schönen Moschee lassen (die Maidan-al-Jazir-Platz-Moschee), die auf der anderen Seite des Kreisverkehrs zu betrachten war. Ich entschuldigte mich bei Marco, dass ich ihn unterbrach und sagte: „Es lohnt sich, diese Moschee zu fotografieren.“

Foto des Autors, während des Gesprächs aufgenommen.

Ich nahm meine Kamera, stand auf und drückte ein paarmal auf den Auslöser. Als ich zu meinem Stuhl zurückkehrte, bemerkte ich ein Grinsen auf seinem Gesicht; daher fragte ich: „Was ist so lustig?“

Auf die Moschee deutend antwortete er: „Das war die Kathedrale von Tripolis, bevor sie in eine Moschee umfunktioniert wurde.“

Ich sah ihn an und sagte: „Kein Wunder, dass sie ein Foto wert ist. Was weißt du noch über sie?“

Er fuhr fort: „Nun, sie wurden von den Italienern während der Kolonialzeit in den 1920-er Jahren gebaut [sie wurde 1928 eröffnet]. Gaddafi befahl, dass sie in eine Moschee umgewidmet wird. Christen und Muslime nutzten eine Zeit lang [1970-er bis zum Jahr 2000] gemeinsam, doch schließlich wurde sie zum ausschließlich muslimischen Besitz.“

Ich starrte auf etwas, das einmal eine wunderschöne Kathedrale war und sagte: „Was für eine Schande!“

In diesem Moment erinnerte ich mich an ein Interview, das Raymond Ibrahim mit im letzten Mai Isil Abla führte; darin erwähnte er das Thema der islamischen Kolonisierung dieses Teils der Welt. Ich lächelte und schoss zurück:

„Und was ist mit der islamischen Kolonisierung Libyens und des Rests von Nordafrika. Diese ‚muslimischen Länder‘ waren einst ‚christliche Länder‘. Nach dem Tod Jesu Christi verbreiteten Christen ihren Glauben in ganz Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten auf friedliche Weise und die Bevölkerung dieser Länder übernahmen freiwillig das Christentum als Lebensstil.

Dasselbe kann über den Islam aber nicht gesagt werden. Seit dem 7. Jahrhundert eroberten Muslime den Nahen Osten, Nordafrika und Teile Europas mit dem Schwert, unterwarfen die örtliche Bevölkerung, indem sie ihr die Wahl zwischen Konvertierung, Zahlung der Jizya – einer Kopfsteuer für Nichtmuslime – oder dem Tod. Es scheint mir, dass Muslime den Islam in christliche Länder brachten…

Wenn man deine Logik nutzt, holten europäische Christen im 19. Und 20. Jahrhundert schlicht zurück, was ihnen vor Jahrhunderten weggenommen wurde. Und wenn man deine Logik weiter anwendet, dann hätten Christen damit Recht gehabt Moscheen in Kirchen umzuwidmen, was sie nicht taten. Also sage mir bitte: Wer hat in Libyen wen kolonisiert?”

Ein Blick in Marcos Gesicht zeigte, dass er nicht glücklich war. Seine „Logik“ war gegen ihn verwendet worden. Seine progressive Überzeugung war, dass Muslime immer die Opfer westlicher Aggression waren und das war ihm jetzt um die Ohren gehauen worden. Zu seiner Verteidigung muss gesagt werden, dass er von Akademikern, den Medien und den Politikern eine Gehirnwäsche erhalten hatte, die ihn glauben ließ, dass er Islam eine noble und friedfertige Religion ist und Muslime „gerechtfertigte Klagen“ gegenüber dem Westen haben. Doch dann, im gegenwärtigen Informationszeitalter, hätte er leicht die Initiative ergreifen können, um sich darüber zu informieren, was die andere Seite zu diesen Dingen zu sagen hat.

Es ist schwer in Israel ein „christlicher Araber“ zu sein, aber nicht aus Grund den Sie annehmen

Nur in Israel können Christen des Nahen Ostens ihren Glauben voll praktizieren und produktive Mitglieder der Gesellschaft sein

Vater Gabriel Naddaf, The Observer, 26. März 2015

Ich habe das Vorrecht griechisch-orthodoxer Priester aus Nazareth in Galiläa zu sein. Mein Volk ist irrigerweise „christliche Araber“ genannt worden, doch die Wirklichkeit sieht so aus, dass wir Aramäer sind, die Nachkommen des Volks, das seit der Zeit der Bibel hier in Israel lebte.

Nach einer langgezogenen öffentlichen Kampagne hat Israels Innenministerium uns gerade als die „aramäische Nation“ anerkannt. Partner bei diesen Bemühungen waren eine Reihe israelischer zionistischer Organisationen.

Im Verlauf der letzten drei Jahre bin ich in Israel zu einer kontroversen Person geworden, aus dem einfachen Grund, dass ich den Zionismus begrüße, die jüdische Souveränität in Israel und die Toleranz, den Respekt und die Chancen für alles, was aus dieser Souveränität gewachsen ist. Ich glaube, dass unsere Jugend – die christliche Jugend – sich voll in die israelische Gesellschaft integrieren sollte. Fester Bestandteil dieser Integration ist der Dienst in den Israelischen Verteidigungskräften (IDF), der israelischen Armee, oder eine andere Form nationalen Dienstes zu tun, den Israel routinemäßig seinen Teenagern anbietet.

2012 gründeten ein paar wenige christliche IDF-Offiziere und ich das I.C.R.F. – das Israeli Christians Recruitment Forum. Meine Bemühungen hatten gemischte Ergebnisse. Auf der positiven Seite sind Hunderte arabischer oder aramäischer christlicher Jugendlicher meinem Aufruf gefolgt und haben ihrem Land ausgezeichnet gedient. Sie sind von ihren Soldatenkameraden bereitwillig akzeptiert worden, von denen sie als Waffenbrüder betrachtet werden, nicht als Fremde in ihrer Mitte.

Die Kehrseite der Medaille sind die intensiven Nackenschläge auf meine Bemühungen seitens sich verweigernden Elementen in den christlichen und muslimisch-arabischen Gemeinschaften. Christliche Soldaten wurden von ihren Nachbarn und in vielen Fällen von ihren Familien schikaniert. Diese Soldaten sind gezwungen ihre Uniformen auszuziehen, bevor sie in ihre Heimatstädte zurückkehren, denn sie müssen befürchten, dass man sich auf dem Weg nach Hause drangsaliert.

Ein weiteres Beispiel gab es 2012, als in Nazareth eine Konferenz von Unterstützern christlicher Rekrutierung in die IDF stattfand. Ein örtlicher Leiter, der Anwalt Abir Kopty aus dem Mossawa Center, griff die Teilnehmer an und beschuldigte sie Palästinenser zu verfolgen. Herr Kopty suggerierte zudem, dass die Integration von Christen in die Armee ein Versuch sei die arabische Gesellschaft in ihrem nationalen Kampf gegen Israel zu spalten.

Nach der Konferenz begann eine Schikanierungskampange gegen ihre Organisatoren. Teilnehmende Studenten wurden bedroht, isoliert und erlitten Demütigungen über soziale Netzwerke und in den arabischen Medien. Eine israelische Organisation, die uns unterstützt, ist Im Tirtzu; sie veröffentlichten hinterher einen Bericht, der die gegen Äußerungen detailliert aufführte, die sich gegen Christen richteten, die zum Eintritt von Christen in die IDF ermutigen.

Für mich persönlich haben meine Überzeugung und mein Handeln zu zahlreichen Morddrohungen geführt, zu meiner Exkommunikation durch den orthodoxen Kirchenrat und dass ich die Verkündigungskirche nicht betreten darf.

Nichts davon hat mit der israelischen Regierung oder der jüdischen Gemeinschaft zu tun. Die Behauptung Israel sei ein sogenannter Apartheidstaat, ist völliger Unsinn. Meine Erfolge und Herausforderungen sprechen laut aus, wo für meine Mitchristen das wahre Problem liegt.

Es bereitet mir Schmerzen das zu sagen, aber es muss gesagt werden. Die gegen mich, meine Kampagne und all die Christen, die sich in die israelische Gesellschaft integrieren wollen gerichtete Hetze ist von arabischen Führern aus Israel und dem Ausland angeführt worden und sogar von einigen arabischen Abgeordneten im israelischen Parlament, der Knesset.

MK Hanin Zoabi schrieb mir mit offiziellem Knesset-Briefkopf und beschuldigte mich „dem Feind des palästinensischen Volks zu helfen“, „mit den Besatzungskräften zu kooperieren“ und setzte mich unter Druck, ich solle „gegen die Loyalisten des Regimes kämpfen“.- Natürlich schafft all das eine Atmosphäre der Aufstachelung gegen jeden, der an der Integration der christlichen Minderheit in die nationalen Dienste in Israel interessiert ist.

Es wurde eine schwarze Liste an Priestern und christlichen Leitern zusammengestellt, die Integration und Kooperation mit dem Staat Israel unterstützen; Bilder der Leiter und Jugendlichen, die an Begebenheiten mit der IDF teilnahmen, haben ihren Weg in die arabische Presse gefunden, gefährden ihr Leben und ermutigen zu Gewalt gegen sie.

Mossawa ist nicht allein darin den christlichen Arabern das Recht auf Integration in die israelische Gesellschaft zu verweigern. Eine koordiniert Kampagne gegen den Eintritt israelischer Araber in die IDF wurde auch von anderen Organisationen geführt.

Zu dieser Kampagne gehörte massiver Druck auf die israelische und arabische Presse, einschließlich einer Reihe von Artikeln, die 2012 auf der Internetseite des Magazin +972 veröffentlicht wurden und die arabischen Einschreibungen in den militärischen oder nationalen Dienst brandmarkte; Schulaktivitäten, die Kinder dazu anhalten dem Land nicht zu dienen; oder die Anstrengungen der Baladna, einer NGO, die seit vielen Jahren unter arabischen Jugendlichen in Israel arbeitet und sie die „Bedrohungen“ lehrt, die im Dienst im Nationaldienst oder der IDF inbegriffen sind. Adalah arbeitet daran zu verhindern, dass Militärveteranen Wohnbeihilfe in arabischen Städten bekommen.

Zu den Organisationen, die sich bei der Kampagne zu Stopp der Integration der aramäischen Gemeinden in die israelische Gesellschaft über den Zivildienst oder der Armee mitmachen, gehören Adalah, Mosswa, Baladna, +972 und weitere. Sie sind israelische gemeinnützige Organisationen – einige davon setzen sich aus israelischen Arabern zusammen, andere gehören zur extremen Linken und den Antizionisten. Diese NGOs lehnen Israel als nationale Heimat des jüdischen Volks ab. Sie würden gerne das Rückkehrrecht aufheben und den jüdischen Charakter Israels beseitigen.

Sie lehnen den Sonderstatus der hebräischen Sprache ab, modifizieren die Nationalflagge und die Nationalhymne und machen aus Israel einen binationalen Staat. Diese Organisationen rufen die Araber Judäas und Samarias und die in Israel lebenden Araber auf sich zusammenzutun, um den Zionismus zu bekämpfen. Deshalb ist für sie die Vorstellung, dass eine Gruppe sich von diesem Kampf abgesetzt hat und sich als Aramäer identifiziert, ein Gräuel.

All diese Organisationen nehmen für sich in Anspruch für die Schwachen zu kämpfen, für die Minderheiten, die nicht für sich selbst einzustehen in der Lage sind und ihre eigenen Rechte fordern. Doch letztlich werfen diese NGOs die Frage auf, für welche Rechte sie wirklich kämpfen, wessen Interessen sie schützen und wie ihre wirkliche Agenda aussieht.

Diese NGOs haben ganz klar kein Interesse daran zu sehen, dass christliche Araber Teil der israelischen Gesellschaft werden. Ganz ähnlich der Art, wie arabische Länder die Palästinenser in diversen Flüchtlingslagern als Bauern im Kampf gegen den Staat Israel benutzt haben, sind diese NGOs zufrieden damit meine Gemeinschaft in Kanonenfutter für ihre Bemühungen zur Delegitimierung Israels zu reduzieren.

Meiner Gemeinschaft wird also praktisch gesagt, sie solle für ihre fortgesetzte Ausgrenzung durch die israelische Gesellschaft kämpfen, obwohl die israelische Regierung das Ziel hat sie stärker in den Mainstream einzubringen. Hat die christliche Gemeinschaft nicht das Recht verdient ihrem eigenen Willen zu folgen und sich, wenn sie das möchte, in die israelische Gesellschaft zu integrieren? Nicht, wenn man den meisten NGOs folgt, die sagen, dass sie unserer Gemeinschaft helfen.

Als Priester bin ich von diesem Widerwillen das Wohlergehen der Einzelnen im Namen einer monolithischen Gruppenidentität bekümmert, deren Ziele und Programmatik von denen festgelegt wird, die mit der Gemeinschaft, die sie angeblich repräsentieren, sehr wenig gemeinsam haben.

Sowie Christen in Israel die Lage unserer Brüder im weiteren Nahen Osten begutachten, sind wir von der Verfolgung erschüttert, die so viele in – unter anderem – Ägypten, Syrien und dem Irak erlebt haben. Es ist wahrlich nur in Israel so, dass wir Christen unseren Glauben voll leben und produktive Mitglieder der Gesellschaft sein können.

Wir sind nicht an fehlgeleiteter Politik interessiert, die uns nur Schaden und Durcheinander bringt. Stattdessen sehen und schätzen wir die Chancen ein erfülltes Christenleben im jüdischen Staat zu führen.

Es ist wichtig, dass Christen rund um die Welt begreifen, dass das jüdische Israel ein verantwortlicher Interessenwahrer seiner Christen gewesen ist. Wir sollten für unsere Bemühungen, sich dieser gutwilligen Gesellschaft zu vereinigen, unterstützt, nicht dämonisiert werden.

Vater Gabriel Naddaf ist der geistliche Leiter und einer der Gründer des Forums zur Rekrutierung Arabisch sprechender Christen in die Israelischen Verteidigungskräfte. Er ist der geistliche Leiter des I.C.R.F und des Rat zur Stärkung der Christen.