Wie evangelikale Feindseligkeit gegenüber Israel geschürt wird

Dexter Van Zile, Jewish Policy Center, Herbst 2018

Eine Pfingstmesse in der Dormitionskirche auf dem Berg Zion in Jerusalem in Israel (Foto: Hanan Isachar)

Im Frühjahr diesen Jahres nahm ich an der Konferenz Christus am Checkpoint (CATC) teil; diese wird alle zwei Jahre vom Bethlehem Bible College organisiert, einem Außenposten des christlichen Antizionismus in Beit Jala. Die Konferenz gibt palästinensischen Christen in der Westbank die Gelegenheit ihren Wert für die korrupten Tyrannen zu demonstrieren, die die palästinensische Gesellschaft kontrollieren (und Christen vor  jihadistischer Gewalt zu schützen), indem sie Israel gegenüber Evangelikalen aus Nordamerika und Europa dämonisieren. Die offerierte Botschaft auf diesen Konferenzen, die seit 2010 in allen geraden Jahren stattgefunden haben, lautet, dass evangelikale Unterstützung für Israel die Fähigkeit der Christen des Nahen Ostens behindert in Frieden zu leben und ihren Glauben in mehrheitlich muslimischen Ländern in der Region zu teilen. Redner versuchen zudem bei westlichen Christen Schuldgefühle hervorzurufen, während sie das Problem des arabischen und muslimischen Herrenmenschentums und Judenhasses  herunterspielen. Mit diesem Narrativ werden Westler dazu ermutigt wegen ihrer Schuld aufgrund westlichem Kolonialismus Buße zu tun, indem sie ein Narrativ akzeptieren, dass Juden und ihre Heimat als Hindernis für alles betrachten, das im muslimischen und arabischen Nahen Osten gut ist.

Ein paar Stunden vor der ersten Sitzung dieser Konferenz eskortierten die Organisatoren etwa 20 Teilnehmer vom Orient Hotel, dem Tagungsort, zum nahe gelegenen „zugemauerten Hotel“, wo diese von Banksy produzierter antizionistischer Propaganda ausgesetzt wurden; Bansky ist ein Scharlatan, der antiisraelische Verächtlichkeit zu einer konsumierbaren Kunstform gemacht hat, die privilegierte junge Westler kaufen können, um ihre Authentizität und Solidarität mit den unterdrückten Völkern der Welt zu demonstrieren.

Die Wände der Piano-Bar des Hotels sind mit Gemälden und Skulpturen bedeckt, die Israels Sicherheitsbarriere als etwas aus einem Horrorfilm darstellen. Ein Gemälde zeigt zum Beispiel ein Dutzend auf Schaukeln sitzender Kinder, die um eine von Israel gebauten Wachturm kreisen. An einer weiteren Wand hängt eine besonders grausame Skulptur des am Kreuz hängenden Jesus Christus, wobei aus dem Querbalken des Kreuzes sensenartige Klingen herausstehen und ein Stück Seil (eine Schlinge?) unter Christi Füßen hängt.

Es gibt an den Wänden der Piano-Bar keine Bilder hakennasiger Juden mit langen, gewundenen Händen, die versuchen weiße Frauen aus Europa zu verführen, aber die könnten hier auch gut sein. Das Zeug an den Wänden ist gruselig, Angst einflößend und provokant genug, um dem Betrachter etwas zu geben, über das er nachzudenken vorgeben kann, während er herumgeht. Die Gesamteffekt der ausgestellten Kunst des Eingemauerten Hotels soll beim Besucher das Gefühl hinterlassen, dass Israel ein sehr, sehr böses Land ist und dass Besucher Teil der Ausgewählten sind, die in der Lage sind zu sehen, wie schlimm das Land ist.

Bei dieser Gruppe scheint das zu wirken. CATC-Teilnehmer, wohlhabende Evangelikale aus den Vereinigten Staaten und Europa, betrachten die Ausstellungsstücke mit bewundernden Augen, als seien sie junge, naive Kinder in einem Spukhaus an Halloween, in dem der nicht zu sehende Jude das Monster ist. Diese Christen lassen ihre Augen die Bilderwelt genießen, nicken anerkennend und stellen den Hotelmitarbeitern lobende Fragen, ohne die Tatsache zu bemerken, dass sie dämonisierender Propaganda ausgesetzt sind, die niedrige Emotionen des Hasses und der Angst gegenüber dem jüdischen Staat animieren soll, dessen Bürger in den letzten Jahrzehnten furchbaren arabischen muslimischen Gewalttaten unterzogen worden sind, die an den Wänden der Piano-Bar natürlich nicht hervorgehoben werden. Das Hotel ist ein kranker Ort und die Authentizität zu Besuch kommenden Evangelikalen, die Authentizität suchen, gehen seiner gotteslästerlichen und dämonisierenden Botschaft voll auf den Leim. Sie mögen das Hotel, das für sie ein cooler Ort zum Abhängen ist. Sie mögen die Atmosphäre.

Während die Teilnehmer entlang der Sicherheitsbarriere zurück zum Konferenzort gingen, an die ein Graffiti-Künstler mit schlechter Handschrift „Fuck Jews“ gesprüht hat, begann ich ein Gespräch mit einer Frau, deren Ehemann Pastor einer Kirch ein den Staaten ist. Sie hatte einige Zeit in der Westbank verbracht, wo ihr Mann Arabisch studierte und in ihrer Zeit dort alles darüber erfahren, wie furchtbar Israel die Palästinenser misshandeln.

Angesichts dessen, was sie lernte, als sie ihren palästinensischen Freunden zuhörte – die ihr allesamt dieselbe Geschichte erzählten – kam sie zu dem Schluss, dass es ihre Aufgabe sei alle ihrer Trump liebenden, Israel unterstützenden Freunde davon zu überzeugen, dass nicht jeder Palästinenser ein Muslim ist, nicht jeder Muslim ein Terrorist, dass es palästinensische Christen gibt und dass diese Christen Brüder im Herrn sind, Juden aber nicht.

Als ich ihr sagte, dass ich Zionist bin, aber Israel nicht aus religiösen Gründen unterstütze, war sie verblüfft und frage, wie jemand Israel unterstützen könne, ohne spirituellen oder religiösen Glauben anzuführen. Ich sagte ihr, dass die Juden ein Volk seien und dass die Geschichte Europas und des Nahen Ostens demonstriert, dass Juden in keiner der beiden Regionen als Minderheit sicher leben können und dass Israel ein legitimer Ausdruck des jüdischen Rechts auf Selbstbestimmung ist.

An diesem Punkt sagte mir meine Gesprächspartnerin, dass die Israelis den Holocaust nutzen, um ihre Misshandlung der Palästinenser zu rechtfertigen. Ich kämpfte damit nicht die Beherrschung zu verlieren, als ich ihr die Geschichte des Friedensangebots berichtete, das Arafat in Camp David ausschlug, ebenso seine Weigerung die Clinton-Parameter zu akzeptieren, die beide den Palästinensern einen Staat gegeben hätten. Als sie erkannte, dass sie nicht so viel über den Konflikt wusste, wie sie glaubte, sagte sie: „Nun, das ist kompliziert.“

Nun, das ist ein Anfang, sagte ich mir.

Der Vorfall war erschreckend, aber lehrreich; er erinnerte mich einmal mehr daran, dass dieselben Techniken verwendet wurden, um Protestanten der Großkirchen im Verlauf der letzten Jahrzehnte gegen Israel aufzubringen, jetzt mit Besorgnis erregender Effektivität auf Evangelikale in Amerika angewandt werden.

Es hat immer eine kleine Anzahl Leute in der evangelikalen Gemeinschaft der USA gegeben, die den jüdischen Staat und seine Einwohner mit Verachtung betrachtet haben, aber im Großen und Ganzen sind Evangelikale seit dem Sechstagekrieg von 1967 aus gutem Grund als zuverlässige Verbündete des jüdischen Staates betrachtet worden. Ab und zu wird ein evangelikaler Leiter etwas Übles über Juden sagen wie Gott würde ihren Gebeten nicht zuhören, aber wenn die Zeit kommt, dass israelische Soldaten sich bewaffnen und gegen ihre Feinde kämpfen, unterstützen die Evangelikalen sie.

Der Grund für diese Unterstützung wurzelt in einer Reihe von Faktoren, von denen keiner sich gegenseitig ausschließt und von denen die meisten sich gegenseitig verstärken. Manche Evangelikale glauben zum Beispiel, dass Israel beim zweiten Kommen Jesu Christi eine Rolle spielen wird. Andere unterstützen Israel, weil sie glauben, dass Gottes Verheißungen ewig anhalten und sie keine Gottheit anbeten wollen, die ihre Meinung zu den Segen, die er über die Menschheit verleiht, ändert. Manche Evangelikale machen sich Sorgen wegen der Bedrohung des Jihad gegenüber den Rechten von Christen und anderen Minderheiten im Nahen Osten; sie glauben, Israel ist ein Vorbild dafür, wie Menschenrechte im Nahen Osten gefördert werden. Auch Gewissensbisse wegen der Rolle, die die Christenheit beim Legen der Basis für den Holocaust in Europa spielte, sind ein Faktor.

Protestanten der großen bzw. liberalen Kirchen, die in der amerikanischen Gesellschaft mit den Evangelikalen um den Hegemonialstatus streiten, unterstützen Israel normalerweise nicht. Fakt ist, ihre Kirchen greifen Israel bei fast jeder Gelegenheit an. Sie machen eine große Show darum die religiösen Empfindlichkeiten der Diaspoa-Juden in den Vereinigten Staaten zu respektieren, flippen aber aus, wann immer ein israelischer Jude ein Gewehr aufnimmt oder eine Mauer zur Verteidigung seines Hauses oder seiner Familie baut. Sie ignorieren muslimischen und arabischen Judenhass, sind aber immer auf der Suche nach rechtem Antisemitismus. Darauf hinzuweisen, dass Israel einen besseren Job beim Schutz der Rechte von Frauen und Schwulen macht als jedes andere Land im Nahen Osten, bringt nicht viel Sympathie seitens der Großkirchen-Protestanten, verärgert manche von ihnen sogar so sehr, dass sie Israel noch mehr hassen; sie rechtfertigen ihre Verachtung mit Vorwürfen des „Pinkwashing“.

Ominöserwiese scheint es so, dass zunehmende Anzahlen evangelikaler Protestanten anfangen sich zum israelisch-arabischen Konflikt das progressive Narrativ der Großkirchen zueigen zu machen. Gemäß diesem Narrativ sind israelischen Bemühungen jüdisches Leben und Besitz zu schützen tadelnswert, während arabische und muslimische Anstrengungen Juden zu töten und terrorisieren das nicht sind. Wenn man bedenkt, dass Evangelikale rund 30 Prozent der Bevölkerung Amerikas ausmachen und dass die meisten von ihnen glauben, dass Gott das Land Israel dem jüdischen Volk gab, stellt ein Rückgang der Unterstützung Israels eine strategische Bedrohung Israels und des jüdischen Volks überall in der Welt dar.

Der Antizionismus ist für manche Evangelikale, insbesondere Millennials eine attraktive Agenda dar, weil sie es ihnen erlaubt ihren Altersgenossen – von denen viele konservative Christen mit Verachtung betrachten – zu demonstrieren, dass sie nicht die rückschrittlichen Höhlenbewohner sind, als die sie die letzen 100 Jahre hingestellt wurden.

Nach dem Scopes Monkey-Verfahren 1925, das bibelgläubige, konservative Christen, die gegen die Lehre der Evolution in Schulen gegen progressive Christen und Säkulariten gegeneinander ausspielte, sind konservative Christen gewesen, was Susan Harding die „widerlichen anderen“ nennt, gegen ihre Widersacher schimpfen, um zu demonstrieren, dass sie auf der Seite der Moderne stehen. Zwei Jahrzehnten nach dem Verfahren lebten konservative Christen, die an die Irrtumslosigkeit der Bibel glaubten, in einem selbst auferlegten Exil in der amerikanischen Gesellschaft; sie hatten wenig mit der breiteren amerikanischen Kultur zu tun.

In den 1980-er Jahren kamen die konservativen Christen unter der Führung von Jerry Falwell tosend aus ihrem Ghetto, bildeten die Christliche Rechte und halfen Ronald Reagan 1980 zum Präsidenten gewählt zu werden. Nicht jeder in der evangelikalen Gemeinschaft möchte mit der Christlichen Rechten in Verbindung gebracht werden, die von progressiven Christen und Säkularisten als Grauen betrachtet werden. Manche Evangelikale, besonders Millennials, haben die Verachtung internalisiert, die von einer zunehmenden Zahl nicht evangelikaler Amerikaner gegen den konservativen Flügel ihrer Gemeinschaft gerichtet wird. Eine Möglichkeit, wie progressive und junge Evangelikale demonstrieren können, dass sie nicht wie die Anhänger von Jerry Falwll sind – der ein entschiedener Unterstützer Israels war – besteht darin in die Westbank zu kommen, im Eingemauerten Hotel abzuhängen und zuzuhören, wie palästinensische Christen Israel für ihr Leiden verantwortlich zu machen, während sie die Ganoven in der palästinensischen Autonomiebehörde loben. Und traurigerweise ist das genau das, was eine Reihe Evangelikaler tun, einschließlich der Frau, die in Bethlehem neben mir herlief.

Als ich mich von meiner Gesprächspartnerin auf unserem Weg ins Orient Hotel trenne, in der die Konferenz Christus am Checkpoint stattfindet, schlage ich vor, dass sie vielleicht Yossi Klein Halevis neuests Buch „Letters to my Palestinian Neighbor“ (Briefe an meinen palästinensischen Nachbarn) zu lesen, um mehr über die israelische Sicht des Konflikts zu erfahren. Das scheint ein schwacher Konter gegen all die hasserfüllte Bildsprache zu sein, die im Eingemauerten Hotel ausgestrahlt wird und gegen das verzerrte Narrativ, dem sie in den nächsten Tagen ausgesetzt sein wird, aber mehr kann ich nicht tun.

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Geht es beim Christentum darum Gott zu lieben oder die Juden zu hassen?

Dexter Van Zile, The Jerusalem Post, 23. August 2018

Wenn christliche Leiter wie Bischof Harris Israel fälschlich als mörderischen und räuberischen Staat darstellen, porträtieren sie Juden, die Israel unterstützen als mörderische und räuberische Personen.

Ein Kreuz und ein Davidstern (Foto: INGIMAGE)

Worum geht es im Christentum? Geht es darum die Liebe Gottes zur Menschheit zu erfahren? Oder nähren sich Christen von der negativen Energie, die von Narrativen getrieben wird, die Juden als die abstoßenden, bösen Anderen darstellen?

Christen jeden Schlags müssen sich das angesichts des von Bischöfin Gayle Harris aus Suffragan in der Episkopalen Diözese Massachussetts initiierten Skandals fragen. Während der Gesamtsynode der Episkopalen Kirche in Austin (Texas) im Juli beschuldigte Harris israelische Soldaten, sie hätten einen 15-jährigen Jungen zehnmal in den Rücken geschossen, weil er ihnen eine Frage stellt, die ihnen nicht gefiel. Sie ließ das klinken, als sei sie Augenzeugin des von ihr beschriebenen Mordes gewesen. Das tat sie, um ihrer Geschichte Glaubwürdigkeit zu verleihen; diese Geschichte sollte eine einseitige und polemische Ouvertüre sein, mit der Israel wegen angeblicher Misshandlungen palästinensischer Kinder verurteilt wurde. (Es war vorhersagbar, dass der Beschluss nicht auf palästinensische Verbrechen an Kindern verwies.)

In ihrer Mikrofonzeit während er Gesamtsynode der Bischöfe sage sie exakt dies: „Ich war als Teenager dort, ich glaube, er war 15, ging die Straße entlang und stellte einem Militärfahrzeug, der israelischen Regierung eine Frage und weil diese Frage diesen Soldaten nicht passte, begann er wegzulaufen und sie schossen im viermal in den Rücken. Er fiel auf den Boden und sie schossen weiter sechsmal auf ihn.“

Sie sagte zudem, sie sei „vor ein paar Jahren dort“ gewesen, auf dem Tempelberg, als israelische Soldaten dorthin kamen, um einen dreijährigen Jungen in Handschellen zu legen, der versehentlich einen Gummiball, mit dem er spielte, über die Westmauer rollen ließ. Ja, von Palästinenser ist bekannt, das sie an der Westmauer betenden Juden Felsbrocken auf die Köpfe werfen, aber es gibt schlicht keine Möglichkeit, wie ein Gummiball unschuldig über die die Hindernisse zwischen dem Tempelberg und dem Platz darunter „rollen“ kann.

Es stellte sich heraus, dass Harris nicht „dort“ war, wie sie sagte, sie sei es gewesen. Einige Wochen, nachdem Harris in der Bischofssynode ihr Zeugenaussage machte, entschuldigte sie sich dafür unbestätigte Gräuelgeschichten weitergegeben und den falschen Eindruck erweckt zu haben, sie sei Zeugin der von ihr beschriebenen Ereignisse gewesen. Zwischen den Zeilen liest man, dass ziemlich deutlich war, dass Harris wusste, dass sie irregeführt worden war und sich von wem auch immer, der ihr die Geschichten erzählte, die sie weitergab, irreführen ließ.

„Ich gebe auch zu, dass ich nicht die Möglichkeit nutzte diese Geschichten zu verifizieren“, sagte sie in ihrer Entschuldigung. „Ich sprach aus meiner Leidenschaft für Gerechtigkeit für alle Menschen heraus, aber ich widerholte, was ich aus zweiter Hand erfuhr. Ich handelte unbedacht, als ich die Geschichten wiederholte ohne sie zu verifizieren und ich entschuldige mich dafür.“

Wäre tatsächlich ein Mord auf die von Harris beschriebene Weise geschehen, wüsste die ganze Welt davon, denn palästinensische Aktivisten und ihre Verbündeten in der Menschenrechts-Gemeinschaft würden jedem davon berichten. Die Eltern würden interviewt und uns würden Aufnahmen der Beerdigung des Jungen gezeigt.

Hoffentlich wird Harris‘ Entschuldigung die Espikopalen veranlassen zu untersuchen, wie es um die Kultur ihrer Kirche steht, die ihre logischerweise unwahrscheinlichen und falschen Äußerungen über Israel zuließen, die von ihren Mitbischöfen nicht hinterfragt wurden. Andere Christen, insbesondere die Protestanten der Großkirchen in den Vereinigten Staaten, müssen das, was in der Episkopalen Kirche geschah, als warnendes Beispiel betrachten.

Es steht viel auf dem Spiel. Seien wir ehrlich: Wenn Menschen zu Israel Lügen erzählen, dann lügen sie über Juden. So einfach ist das. Sie Menschen, die uns immer und immer wieder erzählen, dass es keine logische Einheit zwischen dem jüdischen Staat und dem jüdischen Volk gibt, sind genau die, die uns fragen, warum und wie Juden Israel trotz all der furchtbaren Dinge unterstützen können, die es angeblich den Palästinensern antut.

Wenn christliche Leiter wie Bischöfin Harris Israel fälschlich als mörderischen und raubenden Staat darstellen, dann stellen sie Juden, die Israel unterstützen, als mörderische und räuberische Menschen dar. Genau diese Art von Narrativ hat Juden in Europa das Leben zunehmend untragbar gemacht. Sollten Jihadisten im Nahen Osten oder Europa Harris‘ Aussage hören, dann würden sie jubeln. Aus diesem Grund sind ihre Bemerkungen so verheerend und war ihre Entschuldigung so notwendig.

1988 verabschiedete die Gesamtsynode der Episkopalen Kirche einen Beschluss, der beklagte, dass in der christlichen Geschichte „Juden und jüdische Gruppen als Negativmodelle dargestellt wurden und von der Wahrheit und Schönheit des Christentums geglaubt wurde, sie würden aufgewertet, indem man das Judentum als falsch und abstoßend anlegt.“ Die Erklärung fügte hinzu: „Leider diffamierten viele der Kirchenväter das jüdische Volk.“

Leider geht diese Diffamierung weiter und nicht nur in der Epikopalen Kirche. Für viele sogenannte christlichen „Friedensstifter“ ist der jüdische Staat der erkorene Sündenbock. Sie reisen ins Heilige Land und sprechen mit palästinensischen Christen, die ein einseitiges und verzerrtes Narrativ zum israelisch-palästinensischen Konflikt erzählen, das den Palästinenser jegliche Verantwortung abspricht. Sie erzählen Geschichten von israelischen Missetaten, viele davon gefälscht, und dann liefern sie eine Rechtfertigung nach der anderen für palästinensische Untaten. In ihrem übertriebenen Narrativ, das den Hass auf die Juden bagatellisiert und verschleiert, der die palästinensische Zivilgesellschaft durchzieht, sind jüdische Versuche der Selbstverteidigung per Definition tadelnswerter als palästinensische Versuche Juden anzugreifen.

Diese Friedensaktivisten sind abhängig von den Gefühlen der gerechten Empörung und steigern sich in eine feindselige Raserei gegenüber Israel  hinein; dann suchen sie nach Gelegenheiten die Geschichten, die ihnen erzählt wurden, in der eigenen Vorstellung noch einmal zu erleben und sie vorzutragen.

Für diese Leute – die Menschen, die die Israelis auf die Stelle des „widerwärtigen anderen“ stellen, um sich ihre eigene Identität als gute, progressive Christen zu bestätigen – sind die Vollversammlungen der protestantischen Großkirchen perfekte Podien die Standardstücke jüdischer Niedertracht und palästinensischer Unschuld zu vorzutragen, die sie bei ihren Besuchen im Heiligen Land gelernt haben.

Die Episkopale Kirche warnte vor genau dieser Art von Verhalten. In dem Dokument von 1988 über christlich-jüdische Beziehungen erklärte die Gesamtsynode der Kirche: „Die Christen sind aufgerufen allen religiösen Vorurteilen Widerstand zu leisten, durch de Juden oder sonstige Menschen zu Sündenböcken für das Versagen und die Probleme von Gesellschaften und politischen Regimen gemacht werden.“ Es erklärte zudem: „Die Kirche muss lernen das Evangelium zu verkünden, ohne Verachtung für das Judentum oder das jüdische Volk zu erzeugen.“

Das sind Worte, nach denen Christen leben müssen. Hoffentlich wird Bischöfin Harris ihnen ein Beispiel geben, dem sie in den vor uns liegenden Jahren folgen werden. Was immer als nächstes geschieht, die Menschen werden sehr genau hinhören, was sie zu sagen hat.

Warnung an Europa

Per PN auf Facebook verschickt:

Christin aus Iran schrieb folgendes:

……Ihr alle braucht einen Grundkurs für Islam. Viele von Euch haben kein ausreichendes Wissen über diese „Religion“ Ihr seid zu schnell bereit die „Seiten“ zu wechseln, wenn einer mit gut klingenden Argumenten kommt.

Ich bin iranische Christin und seit über 36 Jahren in Deutschland. Mittlerweile lebe ich in der Schweiz weil sie mir politisch stabiler erscheint. Aber ich muss feststellen, dass es auch hier sehr viel Dummheit und Naivität in Bezug auf den Islam gibt.

Ich kenne den Islam aus nächster Nähe. Ich bin nach dem Sturz des Schahs Mohammed Reza Pahlavi vor dem Islam nach Deutschland geflohen. Ich habe hier studiert, geheiratet und Kinder bekommen. Ich habe mich vollständig integriert und mich den Regeln des Gastlandes angepasst. Das war und ist für mich immer eine Frage des Repekts und Anstands gewesen! Der „gläubige“ Moslem kann das nur sehr schwer, denn es würde bedeuten sich unterzuordnen. Das aber verbietet ihm seine Religion. Er kann aber so tun als ob, denn das erlaubt ihm die Taqiiya (bitte googeln)! Der Islam kommt nicht nach Europa um zu bereichern, sondern um zu erobern! Das ist einer der Gründe, warum überwiegend junge Männer im kampffähigen Alter kommen.

Der Moslem glaubt, ihm gehöre die ganze Welt. Das hat ihnen Mohammed so versprochen. Dabei ist es den Muslimen erlaubt, alle andersdenkenden zu ermorden. Das ist Islam legitimes Wissen und Praxis.

Der Islam hat dem Westen den Krieg erklärt – hier hat es nur noch keiner wirklich wahrgenommen! Zur Erklärung: Schauen Sie sich bitte den Koran und die Geschichte des Islam an. Ich habe als Iranerin Zugang zu Moscheen und höre dort immer wieder erschreckende Dinge, die definitiv nicht Grundgesetzkonform sind. Dort wird gepredigt, dass die Welt NUR Allah und NUR seinen Gläubigen gehört. Dieses Recht sollen alle Muslime einfordern, auch mit Gewalt. Das ist deren einziger Antrieb im Leben. Dies verfolgen sie geradezu fanatisch, wie man ja überall gut sehen kann!

Im Islam hat man jedoch heute erkannt, dass eine kriegerische Eroberung des Westens nicht mehr möglich ist. Es fehlt ganz einfach die militärische Stärke. Daher hat man sich auf „friedliche“ Invasion verlegt.

Ich war als Iranerin unerkannt schon in vielen Moscheen und habe immer wieder radikale imperialistische Töne gehört. So sollen sich die Muslime in fremde Länder begeben, sich dort ruhig und friedlich verhalten, sich reichlich vermehren und auf den Tag Allahs warten. Und nun schauen Sie sich die Geschichte der 57 islamischen Länder auf der Welt an. Ein Teil wurde kriegerisch erobert, aber ein nicht geringer Teil wurde durch Verdrängung in Besitz genommen. Die Taktik ist immer die Gleiche:

– Einwandern
– ruhig verhalten
– vermehren
– Moscheen bauen
– Islamverbände gründen
– in die Politik gehen
– Übernahme

Deutschland und auch die Schweiz und einige andere europäische Länder stehen gerade am vorletzten Punkt…

Wenn Sie das nicht erkennen, haben Sie verloren.

Ihnen kann ich also nur dringend empfehlen, auch mal über den Tellerrand hinaus zu schauen…! Ihnen allen dennoch ein fröhliches Grüß Gott!….

(Kopiert es euch und teilt es, denn später ist es weg, so wie bei Bild, Krone und anderen Zeitungen, da sie es löschen. Über diese Wahrheit zu schreiben ist nicht erwünscht.)

 

Ein weiterer Kommentar (über einen Bekannten)

Von einer meiner FB-Freundinnen mit muslimischen Wurzeln:

Ich wünsche jeder/m einzelnen Kopftuch-Dhimmy die Scharia an ihren persönlichen Hals. Die MÜSSEN es an der eigenen Haut spüren, was das bedeutet. Mit diesen dekadenten Dummbratzen kann man nicht mehr reden.

Stand der jüdische Tempel wirklich auf dem Tempelberg?

Adam Eliyahu Berkowitz, Breaking Israel News, 25. April 2018

Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Völker.
(Jesaja 2,2 – Zürcher Bibel
)

Ein Modell des zweiten heiligen Tempels Foto: Shutterstock.com)

Eine bereits gründlich widerlegte Theorie, dass die beiden jüdischen Tempel nicht auf dem Tempelberg in Jerusalem standen, gewinnt derzeit in der christlichen Welt an Boden.

Dein neues Video von „Cry for Zion“ erklärt, warum wir wissen, dass die Tempel auf dem Tempelberg standen und dass es für Christen unerlässlich ist mit der heiligsten Stätte der Juden eine Verbindung zu haben.

Cry for Zion ist eine Nichtregierungsorganisation aus Juden und Christen, die für jüdische Rechte auf dem Tempelberg eintreten; zu ihr gehören Doron Keidar, der Gründer von Cry for Zion, sowie John Enarson, der für christliche Beziehungen zuständige Kreativdirektor der Organisation. Ihre Motivation das Video zu produzieren, wurde als Reaktion auf Robert Cornukes Bestseller-Buch mit dem Titel „Temple: Amazing New Discoveries that Change Everything About the Location of Solomon’s Temple“[1], das 2014 veröffentlicht wurde. Nach Cornukes Theorie standen beide jüdischen Tempel weiter südlich in einem Gebiet, dass heute als Ir David (Davidstadt) bekannt ist. Stattdessen stand ein massives römisches Fort an der Stelle, die heute als Tempelberg bekannt ist.

Cornuke legt eine Theorie vor, die Zweifel auf den jüdischen Anspruch auf den Tempelberg wirft. Zusammen mit den UNESCO-Resolutionen, die den Tempelberg als ausschließlich muslimische heilige Stätte bezeichnen, fürchtet Keidar, dass der jüdische Anspruch auf ihre heiligste Stätte bedroht ist.

Cornukes Theorie wurde kritisiert, weil er keine archäologische Grundlage hat und den historischen Berichten der Zeit der Tempel widerspricht, zum Beispiel dem des Flavius Josephus, eines römisch-jüdischen Gelehrten des ersten Jahrhunderts, der den Berg als Ort des Zweiten Tempels anführt. Obwohl das von Archäologen und Bibelforschern definitiv widerlegt wurde, hat die Theorie des alternativen Standorts des Tempels weiterhin eine Gefolgschaft in einigen Segmenten der christlichen Gemeinschaft.

„Im Unterbewusstsein wollen die Christen glauben, dass die Juden an der falschen Mauer klagen“, sagte Enerson, ein Christ, der an der Scandinavian School of Theology gegenüber Breaking Israel News. „Sie wollen glauben, dass das jüdische Volk falsch lag und vielleicht wissen die Christen etwas, das die Juden nicht wissen.“

Als Jude betrachtet Keidar diese Kritik der jüdischen Tradition anders.

„Es gibt bei Christen eine geläufige Fehlvorstellung, dass Juden den Tempelberg nach der Zerstörung des zweiten Stempels durch die Römer im Jahr 70 n.Chr. aufgegeben hätten“, erklärte Keidar. „Das eröffnet die Möglichkeit, dass die Juden nicht wirklich wissen, wo die Tempel tatsächlich standen.“

Keidar gesteht ein, dass er diese Theorie für wahr hielt. Neugier ließ ihn die historische Glaubwürdigkeit dieser Überzeugung untersuchen, dass die jüdische Tradition gebrochen wurde und das Wissen über den Standort des Tempels zweifelhaft ist.

„Ich war überrascht zu entdecken, dass wir eine durchgehende jüdische Präsenz auf dem Berg hatten, ebenso auf dem Ölberg östlich des Berges Zion gegenüber dem Tempelberg“, sagte Keidar. „Dank dieser lückenlosen Kette sind wir bezüglich des Standortes des Tempels absolut sicher. Es ist für Christen wichtig anzuerkennen, dass wir den Tempelberg nie aufgegeben haben.“

Ein weiteres Motiv dafür an die Theorie eines alternativen Standorts des Tempels zu glauben, ist altruistischer.

„Manche Menschen, die an einen anderen Standort glauben, denken, dass wir in der Lage sein würden den Tempel morgen wieder aufzubauen, weil er nicht am selben Ort wie der Felsendom steht“, sagte Keidar gegenüber Breaking Israel News. „Die Christen, die sagen, dass die Tempel in Silwan (dem Schiloh-Teich) standen, glauben, die Araber würden uns mit offenen Armen empfangen den Tempel dort zu bauen.“

Keidar wurde in Israel geboren und aufgezogen. Er diente als Soldat in der Givati-Brigade der IDF. Er lehnte die Möglichkeit es ab, dass ein alternativer Standort zu einem heutigen Neubau des Tempels führen würde.

„Das islamische Konzept der Waqf verhindert, dass die Araber irgendwo Land aufgeben, wenn Muslime es einmal im Namen Allahs erobert hatten“, erklärte Keidar. „Die Christen, die glauben, dass den Tempel irgendwo anders zu verorten ist, meinen es gut, aber sie verstehen die Muslime nicht. Sie werden nie erlauben einen jüdischen Tempel an irgendeinem Ort zu bauen, den sie als muslimisch betrachten, selbst wenn es sich um ein heute leeres Feld handelt.“

Keidar hat das Gefühl, der stärkste Grund dafür, dass Christen die widerlegte Theorie unterstützen auf einem Vers des Neuen Testaments beruht. Im Matthäus-Evangelium kommt Jesus mit seinen Aposteln in den Tempel. Als sie ihn verließen, deutete Jesus auf das Gebäude und sagte: „Seht ihr das alles? Kein Stein wird hier auf dem anderen bleiben, alles wird niedergerissen werden.“[2]

Das stellt die Christen vor ein Problem, erklärte Keidar. „Die Christen sehen die Kotel (Westmauer) und die anderen Stützmauern des Tempelbergs und dass die immer noch stehen. Also ist entweder Jesus ein Lügner oder die Archäologen lügen. Angesichts dieser Alternativen entscheiden sich Christen für den Glauben an Jesus statt für die Fakten.“

Keidar glaubt, dieser Text sollte nicht problematisch sein.

„Im Kontext gesehen scheint es klar, dass Jesus am wahrscheinlichsten auf die tatsächlichen Tempelgebäude verwies und nicht auf die Umfassungsmauern“, sagte Keidar. „Bezüglich des Tempelbaus erwies sich seine Vorhersage als präzise.“

Cry for Zion erstellte das Video in der Hoffnung, dass weitere Christen motiviert werden, eine Verbindung zum Tempelberg aufzubauen.

„Den Tempelberg abzulehnen ist das letzte Gefecht der Ersetzungstheologie“, erklärte Enarson. Die Ersetzungstheologie ist der Glaube, dass das Christentum das Judentum im Bund zwischen Abraham und Gott ersetzte und war ein Kerndogma des Christentums. Im Anschluss an und wegen des Holocaust lehnten einige christliche Mainstream-Theologen und Konfessionen die Ersetzungstheologie ab.

„Die Ersetzungstheologie abzulehnen bedeutet zu akzeptieren, dass Gott sich nicht ändert“, erklärte Enarson. „Gott brach seinen Bund nicht. Christen beginnen dies zu Judentum und Israel anzuerkennen, aber sie sind noch nicht allgemein bereit das bezüglich des Tempels und des Tempelbergs zu tun, weil es zu ihnen eine negative Wahrnehmung in der Christenheit gibt. Sie können nicht akzeptieren, dass die in diesen Ort investierte Heiligkeit Gottes immer noch dort ist.

Enarson glaubt, dass es für Christen essenziell ist ihre Sichtweise zu ändern und eine Verbindung zum Tempelberg zu bekommen.

„Von Anfang bis Ende der Evangelien-Berichte war Jesus ständig mit dem Tempel verbunden“, schreibt Enarson auf der Seite von Cry for Zion. „Jesus war nicht nur mit dem Berg des Hauses Gottes verbunden, er war diesbezüglich absolut leidenschaftlich.“

[1] Erstaunliche neue Entdeckungen, die alles zum Ort von Salomos Tempel ändert

[2] Matt. 24,2

Gemeinsame Reise abgesagt

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 24. April 2018

Manche dramatische Ereignisse der Weltgeschichte können die Folge von Dummheit oder fast komischer Irrtümer sein. Dazu gehört der sogenannte Schabowski-Effekt, jener Zettel, durch den die Berliner Mauer fiel und es zum Ende der DDR kam. Auch Kriege entstehen durch vergleichbare kleine Fehler, für die am Ende niemand verantwortlich zeichnen möchte. „Zum ersten Mal in der Geschichte der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) reisen Mitglieder der Kirchenleitung gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern jüdischer Gemeinden nach Israel“, hieß es in einer Pressemitteilung von Peter Iven, dem Sprecher von EKiR.

Für einen deutschen Journalisten mit Sitz in Jerusalem ist das natürlich ein wichtiges und sehr erfreuliches Ereignis. Um aber nicht nur eine Pressemitteilung zu kopieren, gehört es zum täglichen Geschäft eines gewissenhaften Korrespondenten dazu, Hintergrund und weitere Informationen zu suchen. Auf der mitgelieferten Homepage der ev. Kirche im Rheinland entdeckten wir mit aktiver Unterstützung anderer sogar eine „Gottesdienst-Arbeitshilfe 70 Jahre Staat Israel“. Das Grußwort zu einem Artikel von Reiner Stuhlmann mit der Überschrift „70 Jahre Staat Israel – ein Datum im christlichen Kalender?“ mitsamt einem Hinweis auf die gemeinsame Reise mit dem Landesverband der jüdischen Gemeinden Nordrhein hatte Manfred Rekowski, verfasst, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Verantwortlich für das Papier von Stuhlmann zeichnete Dr. Volker Haarmann, der auch als einer der Organisatoren der gemeinsamen Reise angeführt war.

Obgleich es sich um das gleiche Thema, die gleichen Namen und um die gemeinsame Reise handelte, erklärte der Pressesprecher auf Anfrage: „Mit der Reise unserer Kirchenleitung teilt die Arbeitshilfe, auf die Sie Bezug nehmen, zwar den gemeinsamen Anlass ‚70 Jahre Staat Israel‘; in direktem Zusammenhang steht sie dazu ansonsten aber nicht.“

Diese Zusammenhanglosigkeit war nicht sehr einleuchtend. Deshalb schauten wir uns den Text des uns schon von früheren Hetzschriften durchaus bekannten Rainer Stuhlmann etwas genauer an und fertigten eine neutrale und sachliche Analyse seiner offiziösen Schrift der EKiR.

Stuhlmann behauptete zum Beispiel, dass es schon „palästinensische Christen“ gab, als Jesus von Nazareth gerade mal im Alter von 18 noch nicht einmal mit seinen öffentlichen Auftritten begonnen hat, lange vor Kreuzigung und Auferstehung. Auch die anderen Behauptungen Stuhlmanns waren klassische Fälle palästinensischer Propaganda mit dem Ziel, Israel und das Judentum zu delegitimieren.

Von kirchlicher Seite kam jedenfalls keinerlei sachliche Erwiderung auf die Analyse, aber intern löste dieser Text, ein „Erdbeben“ aus und ein Bemühen, Sahms „Kampfansage“ abzuwenden. Das wurde uns wie privat mitgeteilt. Die jüdischen Reiseteilnehmer hatten den Text am Freitag erhalten, also vor dem Sabbat. Telefonisch war am Montag zu erfahren, dass da heftig diskutiert werde. In jedem Fall sollte die Landeskirche aufgefordert werden, sich klar von der Hetzschrift des Rainer Stuhlmann zu distanzieren. Dazu war sie jedoch nicht fähig oder bereit.

Das alles ist inzwischen Vergangenheit. Der jüdische Landesverband sagte seine Beteiligung an der gemeinsamen Reise ab. In einer Pressemitteilung dazu schrieb Dr. Oded Horowitz: „Umso mehr hat uns der darin enthaltene Beitrag 70 Jahre Staat Israel – ein Datum im christlichen Kalender? bestürzt und traurig zurückgelassen. Die darin geäußerte Verunglimpfung des Staates Israel als brutale Besatzungsmacht und die Unterschlagung historischer Fakten sind für uns nicht hinnehmbar. Zur 70. Jubiläumsfeier der Gründung des Staates Israel auf die Lebenslage der palästinensischen Bevölkerung als direktes Resultat der Staatsgründung Israels zu verweisen, stellt das Existenzrecht Israels in Frage und hinterlässt einen faden Beigeschmack antizionistischer Stereotype.“

Auch die EKiR bedauerte in einer eigenen Pressemitteilung Nr. 72/2018 die Absage der Reise „durch den Jüdischen Landesverband“. Weiter heißt es darin: „Nachdem am Wochenende Kritik in Medien aufgekommen war, eine Arbeitshilfe der rheinischen Kirche für Gottesdienste anlässlich des israelischen Staatsgründungsjubiläums ignoriere historische Tatsachen und ergreife einseitig Partei für die Palästinenser, hat der Vorstand des Landesverbandes seine Teilnahme an der gemeinsam geplanten Reise nun kurzfristig abgesagt. Die Mitglieder der Kirchenleitung werden nun nicht nach Israel reisen, da das Anliegen, nämlich die Begegnung mit dem Landesverband und das gemeinsame Feiern des Jubiläums der israelischen Staatsgründung durch den überraschenden Rückzug des Landesverbandes hinfällig geworden ist.“ Präses Manfred Rekowski erklärte dazu: „Umso mehr bedauere ich die Entscheidung des Vorstands des Landesverbandes. Gerne hätten wir auch die Reise mit dem Landesverband für das Gespräch über diese kontroversen Themen genutzt. Dort, wo sachliche Kritik an der Arbeitshilfe geübt wird, beschäftigen wir uns selbstverständlich damit.“ Weiter behauptete der Präses, auch gerade im Grußwort zu der Arbeitshilfe deutlich gemacht zu haben, dass es unterschiedliche Rezeptionen zu Israel gebe. Doch auf die ungeheuerliche Behauptung von Stuhlmann, dass Israels Gründung ein Tag der Trauer sei, und dass jener Tag in den Kalender der christlichen Märtyrer aufgenommen werden sollte, geht er nicht ein. Die rheinische Kirche hat sich also nicht von Stuhlmann distanziert, sodass dem jüdischen Landesverband keine Wahl blieb, als die historische Reise abzusagen.

(C) Ulrich W. Sahm

 

PRESSEMITTEILUNG

Absage der gemeinsamen Reise der Evangelischen Kirche im Rheinland und des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein nach Israel

Düsseldorf, 24. April 2018

Die geplante gemeinsame Reise der Evangelischen Kirche im Rheinland (EkiR) und des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein vom 26.-29. April nach Israel findet nicht statt. Der Vorstand des Landesverbandes hat sich einstimmig zu der Absage entschieden. Eine Delegation des Vorstands und der Geschäftsführung wird in dieser Zeit dennoch Israel besuchen.

Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein und die Evangelische Kirche im Rheinland arbeiten seit geraumer Zeit in einem konstruktiven Dialog zusammen. Das erklärte Ziel der Zusammenarbeit war und ist, den Dialog zwischen Christen und Juden in Deutschland zu verbessern sowie diesen zu einem besseren Verständnis für beide Seiten zu nutzen. Im Rahmen dieses Ziels entwickelte sich die Idee, eine gemeinsame Reise nach Israel zu unternehmen.

Hintergrund der nun kurzfristig erfolgten Absage ist ein Essay von Rainer Stuhlmann in der kürzlich veröffentlichten EKiR-Arbeitshilfe „70 Jahre Staat Israel. Ein Termin auch im christlichen Kalender?“. „Wir wissen es sehr zu schätzen, dass die Evangelische Kirche im Rheinland als einzige evangelische Landeskirche anlässlich des 70. Jubiläums des Staates Israel eine Arbeitshilfe herausgegeben hat. Wir sehen darin einen Beleg des langjährigen konstruktiven Dialogs miteinander“, so der Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein, Dr. Oded Horowitz. „Umso mehr hat uns der darin enthaltene Beitrag 70 Jahre Staat Israel – ein Datum im christlichen Kalender?  bestürzt und traurig zurückgelassen. Die darin geäußerte Verunglimpfung des Staates Israel als brutale Besatzungsmacht und die Unterschlagung historischer Fakten sind für uns nicht hinnehmbar. Zur 70. Jubiläumsfeier der Gründung des Staates Israel auf die Lebenslage der palästinensischen Bevölkerung als direktes Resultat der Staatsgründung Israels zu verweisen, stellt das Existenzrecht Israels in Frage und hinterlässt einen faden Beigeschmack antizionistischer Stereotype.

Dies führte zu einer Hinterfragung der Grundlage unserer gemeinsamen Unternehmung. Dass es sich um einen namentlich gekennzeichneten Beitrag und nicht um eine Grundlagenerklärung der Landeskirche handelt, hat mir Präses Manfred Rekowski in persönlichen Gesprächen versichert. Zur Aufrechterhaltung der gemeinsamen Reisepläne wäre für uns eine unmissverständliche Erklärung der Kirchenleitung bzw. Distanzierung zu dem Artikel notwendig gewesen, die genau dies ausdrückt. Nachdem hierzu kein Übereinkommen erzielt werden konnte, haben wir uns als Vorstand des Landesverbandes entschieden, die gemeinsame Reise nicht anzutreten. Wir stehen jedoch weiterhin für die regelmäßig stattfindenden Konsultationen mit der EKiR zur Verfügung und hoffen, den wichtigen und konstruktiv-kritischen Dialog in diesem sinnträchtigen Jubiläumsjahr zu einem gegebenen Zeitpunkt wieder aufnehmen zu können.“

Inzwischen sind die Planungen für eine eigene Israel-Reise des Landesverbandes anlässlich des Staatsjubiläums und als Zeichen der Solidarität mit Israel angelaufen.

 

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Evangelische Kirche im Rheinland: Staatsgründung Israels „ein Datum im christlichen Märtyrerkalender“

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 22. April 2018

„Zum ersten Mal in der Geschichte der Evangelischen Kirche im Rheinland reisen Mitglieder der Kirchenleitung gemeinsam mit Vertretern jüdischer Gemeinden nach Israel. Anlass ist das 70-jährige Bestehen des Staates Israels sowie eine Bekräftigung der gemeinsamen Verantwortung im Kampf gegen Antisemitismus in unserer Gesellschaft.“ (Pressemitteilung Nr. 67/2018 der Evangelischen Kirche im Rheinland)

Dieses historische Ereignis soll vom 26. bis 29. April stattfinden, so Jens Peter Iven, Pressesprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland. Dabei reist man nach Nes Ammim, einer christliche Siedlung zwischen Haifa und der libanesischen Grenze mit 332 Einwohnern.

Auf der Homepage der Evangelischen Kirche im Rheinland findet sich eine „Gottesdienst-Arbeitshilfe“, die ebenso dem 70-jährigen Bestehen des jüdischen Staates gewidmet ist. Der Verfasser, Dr. Rainer Stuhlmann, war von 2011 bis 2016 Studienleiter in Nes Ammim. Unter dem Titel „70 Jahre Staat Israel – ein Datum im christlichen Kalender?“ (PDF, aus Israel nicht abrufbar) schreibt Stuhlmann im vierten Absatz: „Was für Juden ein Grund zum Feiern ist, das ist für andere ein Grund zur Trauer. Den einen hat die Staatsgründung Schutz, Sicherheit, Gerechtigkeit und Freiheit gebracht, den anderen Vertreibung, Zerstörung, Zwang und Unrecht.“

Die rund 2,5 Millionen Araber im Staat Israel mit eigenen Parteien in der Knesset, Generalen in der Armee und Vertretung in Regierung wie Gesellschaft wurden von Stuhlmann nicht gefragt. Er unterschlägt auch, dass unmittelbar nach der Gründung Israels aus der gesamten arabischen Welt fast alle dort seit 3000 Jahren lebenden Juden zwangsenteignet und vertrieben worden sind. Libyen und Syrien sind heute „judenfrei“. In Ägypten leben noch 10 alte jüdische Frauen. Es sind mehr Juden nach Israel geflohen, als „Araber aus Palästina“ vom Staatsgebiet Israels weggezogen sind.

Weiter schreibt Stuhlmann, „Die von den Vereinten Nationen beschlossene Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat hat zu einem grausamen Krieg geführt, in dem es auf allen Seiten Opfer gegeben hat.“ Nicht die Empfehlung der UNO-Vollversammlung von 1947 hat zu einem Krieg „geführt“. Der Krieg wurde von den arabischen Staaten Ägypten, Syrien, Libanon, Jordanien und anderen beschlossen, weil sie keinen jüdischen Staat in ihrer Mitte dulden wollten. Deshalb fielen sie 1948 in der Nacht nach der Ausrufung Israels über den frisch gegründeten jüdischen Staat her, um ihn zu vernichten. Im Gegensatz zu Deutschland hat in Nahost noch nie jemand eingestanden, einen Krieg verloren zu haben. Die unterlegenen Angreifer weigerten sich deshalb, Verantwortung für die Folgen ihres Tuns zu übernehmen, darunter das Schicksal der von den arabischen Führern zur „zeitweiligen Flucht“ aufgerufenen Araber aus Palästina.

„Am Ende des Krieges hatten die Juden ihren Staat, der weit größer war, als es der Teilungsplan vorsah. Und die Palästinenser nichts.“

Bei Krieg weiß man vorher nie, was am Ende rauskommt. Bemerkenswert ist die Behauptung: „Und die Palästinenser nichts.“ Die haben in der Tat großes Pech gehabt, zumal es 1948 noch keine „Palästinenser“ im heutigen Sinn gab. Die Araber des britischen Mandatsgebiets Palästina haben sich erst 1968 mit der 2. von Jassir Arafat verfassten PLO-Charta als Palästinenser konstituiert und gefordert, anstelle Israels einen Staat zu errichten.

Stuhlmann erwähnt, dass es „in diesen siebzig Jahren mindestens acht Kriege und zwei blutige Aufstände gegeben hat. Immer war Israel trotz schmerzlicher Verluste siegreich und die Palästinenser die Verlierer.“

Laut UNO ist Krieg eine militärische Auseinandersetzung zwischen Staaten. Davon gab es nur vier: 1948, 1956, 1967 und 1973. Alles andere waren „Militäroperationen“ gegen Freischärler, Terrormilizen und „bewaffnete Arme von politischen Parteien“. Die Israelis haben sich gegen Raketenbeschuss und Selbstmordattentate in Bussen, Schulen und Restaurants gewehrt. Hätten die Juden sich etwa massakrieren lassen sollen, um den Palästinensern einen Sieg zu gönnen? Verschärfte Sicherheitskontrollen auf Flughäfen, Verriegelung der Pilotenkanzeln und Poller um Weihnachtsmärkte: Nach jedem Terroranschlag in Europa und den USA werden Sicherheitskontrollen mit israelischer Hilfe nachjustiert. Israels Geheimdienste haben allein 2017 mehrere Dutzend tödliche Anschläge in aller Welt verhindert.

„Die Staatsgründung Israels ist auch ein Datum im christlichen Märtyrerkalender. Im Ruinenfeld von Iqrit und Bir‘am in Galiläa sind nur die Kirchen stehen geblieben. Die Bewohner dieser beiden christlichen Dörfer wurden vertrieben. Nur als Leichen dürfen sie und ihre Nachfahren zurückkehren, um auf dem Friedhof am Rande der Ruinen ihrer Häuser begraben zu werden.“ Stuhlmann übernimmt hier den ansonsten in der evangelischen Kirche unüblichen palästinensischen Märtyrerkult. Juden können nicht einmal als Leichen in die arabischen Länder zurückkehren, um sich dort neben ihren zerstörten Synagogen begraben zu lassen.

Stuhlmann beklagt weiter die späten Friedensverhandlungen, erst mit Ägypten und Jordanien und dann mit der PLO. Er erwähnt nicht das dreimalige „Nein“ der arabischen Welt 1967 in Khartum, das jegliche Kontakte mit Israel ausschloss. Und dann schreibt er: „Und doch steht die Anerkennung eines palästinensischen Staates immer noch aus – auch durch unsere Regierung.“ Ihm scheint unbekannt zu sein, dass die Palästinenser bis heute ihren Staat nicht ausgerufen haben. Denn dann würden sie Milliardensummen verlieren, die ihnen als „Aufbauhilfe für den künftigen Staat“ geschenkt werden. Sowie sie einen Staat ausgerufen hätten, stünde ihnen bestenfalls eine kümmerliche „Entwicklungshilfe“ zu. Wie kann Stuhlmann von Deutschland die Anerkennung eines Staates fordern, der nicht einmal existiert?

Den Höhepunkt der Geschichtsklitterung erreicht das Arbeitspapier der Rheinischen evangelischen Kirche mit dem Satz: „Die palästinensischen Christen leben seit zweitausend Jahren im Land.“ Dann gab es also „palästinensische Christen“ vor der Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Vielleicht war ja auch Jesus ein „palästinensischer Christ“ und Araber, über 100 Jahre bevor Kaiser Hadrian die römische Provinz „Judäa“ in „Syria-Palaestina“ umbenannt hat, um jegliche Erinnerung an die Juden zu tilgen?

Kirchenrat Dr. Volker Haarmann zeichnet verantwortlich für diese „Gottesdienst-Arbeitshilfe“. Präses Manfred Rekowski hat das Grußwort verfasst. Beide nehmen an der Reise teil. Auf Nachfrage erklärte Pressesprecher Iven, dass es zwischen jenem Arbeitspapier und der „historischen Reise“ keinen Zusammenhang gebe.

Die Argumente Stuhlmanns stammen aus dem klassischen Repertoire palästinensischer Propaganda zur Delegitimierung Israels und der Juden. Es fragt sich, welchen Sinn Vertreter jüdischer Gemeinden in Deutschland in dieser „ökumenischen Reise“ sehen. Eine Stellungnahme der jüdischen Teilnehmer steht noch aus.

(C) Ulrich W. Sahm

Fotos: Indiana Jones war hier

The Jewish Press, 29. Oktober 2017 (Fotos: Maor Kinsbursky/Flash90)

Gut, Indiana Jones war nicht hier, aber das Kloster Mar Saba in der Judäischen Wüste sieht auf jeden Fall so aus, als sei es ein Ort, den er besuchen würde. (Und wenn nicht Indiana Jones, dann auf jeden Fall Han Solo.)