Arabischer Christ hilft Juden in der Corona-Krise Pesach zu feiern

Bürgermeister eines jüdischen Ortes fassungslos von einem Israel liebenden arabischen Christen angerufen zu werden

David Lazarus, Israel Today, 30. März 2020

Ein arabischer Christ aus Nazareth hat organisiert, dass seine Kirche während der Corona-Abriegelung Lebensmittelpakete an alte Menschen und bedürftige Familien liefert. Was den örtlichen Bürgermeister überraschte: Die Kirche lieferte auch Kisten mit Matzen, um sicherzustellen, dass jüdische Familien richtig Pessah feiern können.

Israel Today sprach mit Salim, dem arabischen Pastor, der Israel und das jüdische Volk liebt.

„Als ich Bürgermeister Ronen Plot morgens um halb acht anrief, war er genauso überrascht wie ich es war, dass er ans Telefon ging“, sagte Salim. Bürgermeister Plot von Nof HaGalil, der jüdischen Gemeinde von Ober-Nazareth, war fassungslos zu hören, dass ein Araber daran interessiert war jüdischen Familien zu helfen. Noch einmaliger war die Tatsache, dass Pastor Salims Kirche den jüdischen Einwohnern des Ortes des Bürgermeisters helfen wollte in dieser herausfordernden Zeit Pessah zu feiern.

Pastor Salim (links) trifft sich mit Bürgermeister Ronen Plot in Nof HaGalil.

„Wir bringen Behälter mit Lebensmitten, ungesäuertem Brot und Wein zu unseren jüdischen Nachbarn, um den Feiertag zu begehen“, sagte der arabische Pastor Bürgermeister Plot. „Als ich dem Bürgermeister von unseren Plänen erzählte, wollte er mich persönlich treffen, um mehr über unsere Kirchengemeinde zu erfahren“, sagte Salim.

Der Pastor erklärte dem Bürgermeister, dass seine Kirche das jüdische Volk liebt. „Früher hasste ich die Juden“, erklärte Salim. „Sie kreuzigten meinen Erlöser!“, sagte er. Salim fuhr mit der Erklärung fort, wie sein Glaube an den jüdischen Messias ihn veränderte und ihn lehrte die Juden zu lieben. Heute betrachtet er das jüdische Volk als seinen „älteren Bruder“.

Zusätzlich zu seiner humanitären Hilfe für die von der Corona-Krise gebeutelten Gemeinde von Galiläa in Nazareth, wo er geboren wurde, ist Salim auch Freiwilliger für seine lokale Polizei. Salim hat einer Gruppe von US-Senatoren gegenüber Zeugnis gegeben.

Warum „abrahamitischer Dialog“ Unterwerfung unter den Islam ist

Islamisches Überlegenheitsdenken und vorsätzliche Ignoranz

Andrew Bostom, FrontPage Mag, 11. Februar 2020

Die US-Botschafterin beim Heiligen Stuhl Callista Gingrich meinte in einer offiziellen schriftlichen Stellungnahme am 16. Januar 2020 in ihrer Residenz zu Beginn der sogenannten „Initiative abrahamitischer Religionen“ (AFI) begeistert:

Die Initiative abrahamitischer Religionen dient als machtvolle Demonstration, dass durch Bruderschaft, Kooperation und gegenseitigen Respekt zwischen den abrahamitischen Religionen Frieden in unserer Welt möglich ist.

Im Februar 2019, befahl der Despot der VAE, Scheik Al-Nayan zur Feier der Unterzeichnung der Deklaration von Abu Dhabi im Zusammenhang mit dem Besuch von Papst Franziskus und Ahmed al-Tayeb, dem Großimam der Al-Azhar Universität – dem Papst-Äquivalent des sunnitischen Islam zum Vatikan – den Bau des Hauses der Abrahamitischen Familie auf der Insel Saadiyat in Abu Dhabi. Als Botschafterin Gingrich am 14. Januar 2020 ihre Ausführungen für die AFI in der Villa Richardson live hielt, würdigte sie die Unterschrift des Großimams Tayeb unter dem „Dokument zur menschlichen Brüderlichkeit“ von Abu Dhabi als entscheidende Inspiration für die Initiative:

Die Initiative Abrahamitscher Religionen wurde zum Teil vom bahnbrechenden Dokument zu menschlicher Brüderschaft und Zusammenleben inspiriert, unterzeichnet von Papst Franziskus und dem Großimam der Al-Azhar in Abu Dhabi im letzten Jahr.

Großimam Al-Tayeb eine herausragende grundlegende Rolle in der AFI zu gewähren, hätte an sich den jüdischen (ganz besonders) und christlichen Teilnehmern zu denken geben müssen.

Als Ägyptens Großmufti und seit 2010 bis heute Großimam als Papst-Gegenstück im Vatikan des sunnitischen Islam, der Al-Azhar-Universität, hat Al-Tayeb Bomben-Mordanschläge gut geheißen, mit denen Juden ermordet wurden, darunter Nichtkombattanten; er verurteilte Juden auf ewig, wobei er sie mit Zionisten gleichsetzte und Sure 5,82 anführte – ein zentraler, antisemitischer Vers – die „Muslime seit Beginn des Islam vor 1.400 Jahren in Not brachten“; er beschuldigte den „globalen Zionismus“ der Geburtshilfe für ISIS und ähnliche Jihad-Terrorgruppen um „den Nahen Osten zu zerstören“; er behauptete, das „zionistische Gebilde“, d.h. Israel, plane Komplotte um „gegen die Kaaba [in Mekka] und auf die Moschee des Propheten [in Medina] zu marschieren. Das ist in ihren Köpfen und Herzen“; er bestritt (ungeachtet seiner eigenen eklatanten Beispiele!) schon nur die Existenz von Antisemitismus: „Das Thema Antisemitismus ist eine Lüge, die weiter Nationen bis auf den heutigen Tag täuscht“; dazu lehnte er grundlegende Gewissensfreiheit ab und billigte das Töten von „unbußfertigen“ Leuten, die den Islam verlassen haben.

Al-Tayebs innige Beteiligung an der AFI und die klare Verwurzelung der Bewegung in den VAE, im Kernland des Islamtums, ist krankhaft kennzeichnend für die Tatsache, dass „Abrahamismus“ exemplarisches islamisches Herrenmenschentum ist.

Die maßgebliche „abrahamitische“ Theologie des Islam wurzelt in Sure 3,67 und ihrer Exegese. Das wird vielleicht am besten durch das Prisma von Al-Tayebs unmittelbarem Vorgänger als Großimam der Al-Azhar demonstriert, dem verstorbenen Mohammed Sayyid Tantawi (verst. 2010), wohl der größte moderne sunnitisch-islamische Koran-Kommentator. Tantawi behauptete:

Dieser edle Vers [Sure 3,67] erwähnt Abraham und entlarvt diejenigen Ungläubigen aus dem Volk des Buches, die behaupteten, dass Abraham Jude oder Christ war, denn dies zeigt, dass, anders als Abraham, sie es waren, die Vielgötterei betreiben… Es gibt hier eine Anspielung auf die islamische Nation (umma) und ein Eingeständnis, dass die Anhänger Mohammeds es mehr wert sind mit Abraham verbunden zu werden als das Volk des Buches, denn die Gläubigen strebten nach der Wahrheit und glaubten an sie. Umgekehrt strebte das Volk des Buches nach Weltlichem und Materiellem statt nach Himmlischem und Spirituellem. Sie gaben die Wahrheit auf und folgten ihren Lüsten und Begierden.

Tantawis Fußnote zu Sure 3,67 endet mit einem Bekenntnis zu verschwörerischem islamischem Judenhass:

Nach diesen wiederholten Appellen an das Volk des Buchs und nach all den vorgelegten brillanten Argumenten und Beweisen, die für die Gültigkeit und Wahrhaftigkeit dieser Religion [Islam] einstanden und nach all den ihnen entgegen geschleuderten Maßregelungen und Ermahnungen, weil sie sich von der Wahrheit abkehrten und auch andere von ihr abbrachten, berichtete der Koran einige der boshaften Wege, die die Juden verfolgten, um mit dem Islam und den Muslimen mit List und Klugheit umzugehen.

Der verstorbene Professor Ismail al-Faruqi (gest. 1968) war der muslimische Pate des Paradigma der „abrahamitischen Religion“ für interreligiösen Dialog. Faruqi wurde von der Al-Azhar Universität in Islamstudien ausgebildet (1954-1958) und war Stipendiat an der McGill University, wo er Judaismus und Christentum studierte, bevor er in Karachi (Pakistan) Islamstudien und an der Chicago University sowie der Syracuse University Geschichte der Religionen lehrte. Ab 1968 bis zu seinem Tod 1986 war Faruqi sowohl Professor für Islamstudien als auch Geschichte der Religionen an der Temple University. Im Vorwort zu Faruqis „Islam and Other Faiths“ [Der Islam und andere Religionen], einem Kompendium seiner Aufsätze über zwei Jahrzehnte hinweg, geschrieben von John Esposito, Professor an der Georgetown University und Direktor von deren Center For Muslim-Christian Understanding, ist vermerkt:

Seine [Faruqis] Reden, Teilnahme und Führungsrolle bei interreligiösen Treffen und Organisationen, gesponsert vom Weltkirchenrat, dem Vatikan und dem Inter Religious Peace Colloquium, für das er von 1977 bis 1982 Vizepräsident war, machten ihn zum erkennbarsten muslimischen Beitragenden im Dialog der Weltreligionen. In seinen Schriften legte er die Prinzipen und Grundlagen für muslimische Beteiligung an interreligiösem Dialog dar.

Bat Ye’or fasste 2004 in ihrem Buch Eurabia: The Euro-Arab Axis mit offener Prägnanz zusammen, wieso Faruqis „abrahamitische“ Konzeption von „interreligiösem Dialog“ ein giftiges Gebräu islamischen Herrenmenschentums ist, das einzige sich entschuldigende, bereinigte Diskussion des Islam zulässt, während gleichzeitig Jihad-Krieg zur Aufbürdung der universalen, auf der Scharia gründenden Ordnung des Islam unterstützt wird – insbesondere gegenüber dem jüdischen Israel.

Faruqis eigene Worte bieten unwiderlegbare Bestätigung der Zusammenfassung durch Bat Ye’or, einschließlich der von der klassischen zur modern gewordenen islamisch-theologischen Grundlage für „Abrahamismus“ und Jihadismus.

[Faruqi über abrahamitischen, interreligiösen Dialog] „Die Theorie des Islam zu anderen Religionen, gestützt von der Erfahrung aus vierzehn Jahrhunderten, bestimmt immer noch die Loyalität und Unterstützung von einer Milliarde Muslimen weltweit … Wenn interreligiöser Dialog über den Austausch von Information und Höflichkeiten hinausgehen soll, muss er eine religiöse Norm in Begrifflichkeiten haben, die den Unterschied zwischen den Religionen bilden kann. Diese religiösen Normen müssen den Dialogpartnern gemeinsam sein. Der Islam findet diese Norm in din al-fitrah (d.h. Islam, der Urreligion, der der Menschheit gemein ist) … Der Islam deutete an, dass die religiöse Tradition ein menschlicher Auswuchs einer ursprünglichen al-fitrah ist. Es war diese islamische Idee … eine abrahamitische Einheit von Judentum, Christentum und Islam auf Grundlage der Hanifi-Religion [s. Sure 3,67] Abrahams, die din al-fitrah, eine echte Möglichkeit. Es gab sie tatsächlich in der muslimischen Welt, bis westlicher Imperialismus, Kolonialismus und Zionismus kamen sie zu untergraben. Ihre Anstrengung ist vergebens gewesen. Der Muslim wird weiterhin an diese Einheit glauben und für sie arbeiten, zuversichtlich, dass sein Gott [d.h. Allah!], den er als den einzig Wahren kennt, keine andere Religion wünschen kann… Die islamische Haltung gegenüber anderen Religionen, der alle Religionen unter ein einziges Dach oder din al-fitrah gebracht hat, befriedigt die einzige Bedingung für konstruktiven Dialog und interreligiöse Beziehungen… Verglichen mit den Geschichten anderer Religionen ist die Geschichte des Islam strikt weiß, was die Tolerierung anderer Religionen angeht… Nichts liegt der Wahrheit ferner und ist nachteiliger für die Beziehung von Muslimen zu Nichtmuslimen, als die Behauptung, dass der Islam mit dem Schwert verbreitet wurde.“

[Faruqi über Jihad-Krieg und islamischen Imperialismus:] „Vom islamischen Staat erhoffen sich alle Muslime, dass eines Tages die gesamte Welt dazu gehört. Der Pax Islamica, den der islamische Staat bietet … Die Doktrin des Jihad oder Heiligen Krieges ist im Islam gültig. … Wie das muslimische Individuum innerhalb des Dar al-Islam (Ländereien unter m muslimischer Herrschaft) betrachtet sich der islamische Staat – völlig zu Recht – als Statthalter Allahs in Raum und Zeit, eine Berufung, die dem islamischen Staat eine große Verantwortung aufgibt. Der islamische Staat bestätigt enthusiastisch und stolz seine Verantwortung Ungerechtigkeit zu überwinden, wo immer Menschen sie verursacht haben – selbst wenn das auf der anderen Seite des Mondes passiert ist. Diese Theorien im Fall arabischen Widerstands gegen den Zionismus anzuwenden … die muslimische Sicht ist, dass die Zionisten in Palästina die Aggressoren sind … Die Prinzipien des Islam, wie sie sind, verpflichten die Muslime gemäß ihres Glaubens in Widerstand gegen diesen Raub aufzustehen, um die Gerechtigkeit wiederherzustellen.“

Faruqis moderne Anwendung dieser islamischen religiösen Doktrin auf „abrahamitischen Dialog“ hat einen interreligiösen Dialog erzeugt, der ihn insgesamt dem Islam unterwirft. Christliche und jüdische religiöse und diplomatische Leitungspersönlichkeiten erscheinen gewollt ignorant gegenüber dem klassischen und modernen, auf der Scharia basierenden Herrenmenschentum, das die Teilnahme ihrer muslimischen Gegenüber an der Initiative abrahamitischer Religionen animiert. Solche uninformiert und rücksichtslos unterwürfige Beschäftigung mit „interreligiösem Dialog“ innerhalb von vom Islam festgesetzten Parametern verwirklicht das Konzept al-Faruqis, des modernen Paten der „abrahamitischen Einheit“, als „der einzigen Bedingung für konstruktiven Dialog unter Wechselbeziehung“ und „nichts liegt der Wahrheit ferner und schadet den Beziehungen zwischen Muslimen und Nichtmuslimen stärker als die Behauptung, dass der Islam durch das Schwert verbreitet wurde“.

Ein Paradebeispiel für eine Historikern zu muslimischen Beziehungen zu Juden und Christen ist Bat Ye’or; sie liefert diese scharfsinnige, bemerkenswert zusammengefasste Dekonstruktion der Vision Faruqis und der Konsequenzen des Festhaltens an den „Faruqi-Regeln“, die den „abrahamitischen“ interreligiösen Dialog einhält.

„Muslime, sagt al-Faruqi, glauben an und streben weiterhin nach dieser Vereinigung der Weltreligionen, bis es nur eine Religion gibt, die in der Welt herrscht, die der Islam ist.“

Jesus war Jude, nicht Palästinenser

Emmanuel Miller, HonestReporting, 5. September 2019

 

Bis vor gar nicht so langer Zeit war die Auffassung, dass Jesus Jude war, allgemein unbestritten. In den letzten Jahren versucht jetzt aber eine neue Generation von Antiisrael-Aktivisten und -Akademikern jetzt geltend zu machen, dass Jesus in Wirklichkeit nicht nur Jude war, sondern Palästinenser.

Lassen Sie uns erst einmal etwas zurückgehen. Das letzte Jahrhundert hat viele Denkschulen erlebt, die uns zwingen wollten unsere grundlegenden Überzeugungen infrage zu stellen. Einige davon haben zu großen Fortschritten geführt: die Überzeugung, dass Frauen gleiche Rechte haben sollten, dass Schwarze gleiche Rechte haben sollten, dass Homophobie in der modernen Gesellschaft keinen Platz hat. Alles wertvoll. Andere haben lange vertretene Konzeptionen infrage gestellt, so „trinken ist männlich“ oder dass Frauen weniger gezahlt wird als Männern.

Eine der infrage gestellten Konzeptionen der letzten Jahre ist die fast universale Darstellung von Jesus als Weißem. In Anbetracht dessen, dass Jesus als im Heiligen Land lebend beschrieben wurde, würde ihn das zu einem Einheimischen des Nahen Ostens machen. Mit anderen Worten, es gibt alle Gründe sich Sorgen zu machen, dass Darstellungen Jesu als hellhäutig falsch sind.

Wenn es doch nur damit enden würde. Ein radikaler Kern an Aktivisten scheint jetzt ganz erpicht darauf zu sein „braune“ Identität zu vereinnahmen und Juden auszugrenzen, womit sie die historische Wahrheit bestreiten, dass Jesus in der Tat Jude war.

Also… war Jesus Jude oder war er Palästinenser?

Zugunsten aller, die dieser falschen Behauptung ausgesetzt sind, ist eine kurze Rekapitulation angebracht:

Jesus wurde in Judäa geboren, einem Satellitenstaat des römischen Imperiums und bezeichnete sich als Jude. Damals dort lebende Juden hätten sich höchstwahrscheinlich als im Land Israel lebend beschrieben. Jeder, der im ersten Jahrhundert n.Chr. etwas von „Palästina“ gesagt hätte, hätte sich einen seltsamen Blick geerntet, besonders von den indigenen, Aramäisch sprechenden Juden. Das Land unterlag allen religiösen Gesetzen des Judentums, die im Land Israel galten.

Ein Jahrhundert später wurde das Gebiet umbenannt. Nachdem im zweiten Jahrhundert eine jüdische Revolte niedergeschlagen wurde, wurde die überwiegende Mehrheit der Juden ins Exil geschickt und der römische Kaiser Hadrian ließ die Region in der Folge in „Syria Palestina“ umbenennen, nach den antiken Feinden der Juden, den Philistern; es handelte sich um einen feindseligen Zug, der demonstrieren sollte, dass das Land nicht länger den Juden gehörte.

Einfach ausgedrückt: Ein Aramäisch sprechender Jude, der ein Jahrhundert vor diesem Namenswechsel lebte, hätte sich niemals selbst als Palästinenser bezeichnet.

Tatsächlich wird Palästina, während das Neue Testament Israel und die Juden wiederholt anführt, nicht ein einziges Mal erwähnt. Nehmen wir zum Beispiel das zweite Kapitel des Matthäus-Evangeliums, das so beginnt:

Jesus wurde in Betlehem in Judäa* geboren, zur Zeit, als König Herodes das Land regierte. Bald nach seiner Geburt kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: »Wo finden wir den neugeborenen König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um uns vor ihm niederzuwerfen.« „Es wird durchaus geglaubt, dass am Kreuz über Jesu Kopf das Schild ‚INRI‘ befestigt war – Iesvs Nazarenvs Rex Ivdaeorum‘, Lateinisch für: Jesus von Nazareth, König der Juden.

Was Jesu Auftauchen angeht, ist es zwar schwierig sicher festzustellen, wie eine bestimmte Person aufgetreten ist, aber etwas Dokumentation gibt es zu dem, wie die Zeitgenossen von Jesus ausgesehen haben können. Die jüdische Mischna (Negaim 2,1) verzeichnet einen Rabbiner, der sie so beschreibt: „Die Kinder Israels – möge ich für sie büßen – sind wie Zedernholz, weder schwarz noch weiß, sondern dazwischen.“

Der Einzug von Arabern ins Heilige Land geschah erst rund 700 Jahre nach der Kreuzigung Jesu, als arabische Eroberer die Gegend an sich brachten. Die Leute, die sich heute als Palästinenser bezeichnen, sind Araber und daher ist klar, dass Jesus, ganz einfach, kein Palästinenser oder Araber war, sondern Jude.

Wen kümmert es, ob Jesus Jude oder Palästinenser war?

Juden tendieren als Ganzes nicht dazu allzu viel Gedanken an Jesus zu verwenden. Aber Fakten sind wichtig. Geschichte ist wichtig. Wenn Jesus kein Jude war, sondern Palästinenser, dann dient das als politisches Mittel, weil es die Legitimität der jüdischen Verbindung zum Heiligen Land in Frage stellt, während es unterstellt, dass die Palästinenser dort antike Wurzeln haben.

Weit davon entfernt eine unschuldige Behauptung zu sein, dient die Aussage Jesus WAR Palästinenser dazu; jüdische Geschichte für nichtig zu erklären. Das ist besonders für politische Aktivisten und Politiker nützlich, die die Verbindung des jüdischen Volks zum Land Israel zu aushöhlen wollen.

Genau das brach 2013 aus, als eine von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas veröffentlichte Weihnachtsbotschaft auf Jesus als „palästinensischen“ Botschafter der Hoffnung zu sprechen kam. Die Behauptung wurde 2019 wieder bekannt, als im Abstand von ein paar Monaten sowohl die Kongressabgeordnete Ilhan Omar also auch die Aktivistin Linda Sarsour behaupteten, Jesus sei Palästinenser gewesen.

Im April teilte die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar einen Tweet, in dem es hieß: „Wissen sie [die amerikanischen Christen] nicht, dass auch wir Christen sind? Betrachten sie uns überhaupt als Menschen? Wissen sie nicht, dass Jesus Palästinenser war?“

Am folgenden Tag zog ein von Eric Copage, einem ehemaligen Redakteur des New York Times Magazine und Reporter der NYT, in einem Op-Ed in der New York Times in Zweifel, ob Jesus weiß war, wie er allgemein dargestellt wird. In Copages mehr als 600 Worten fand er es nicht für nötig die grundlegende Wahrheit anzuerkennen, dass Jesus Jude war. Er hatte jedoch Platz dafür Jesus als Palästinenser zu bezeichnen.

Lassen Sie uns das klarstellen: Der Autor fragt, wie Jesus aussah, dann bezeichnet er ihn als Palästinenser und lässt die Tatsache komplett weg, dass Jesus Jude war?
Offenbar geht dieses Gelaber bei der New York Times als legitime Qualitätsmeinung durch.

Ein paar Monate später schloss Linda Sarsour sich Omar und Copage an. In einem Twitter-Austausch versicherte Sarsour: „Jesus war Palästinenser aus Nazareth“, behauptete, er wurde „im Koran als mit braun-kupferner Haut mit wolligem Haar beschrieben“.

Bischof Talbert Swan:
Wenn also jemand sagt, Hitler oder Mussolini waren weiß, würden sie ihm gegenüber argumentieren „Hitler war deutsch und Mussolini war Italiener?“
Es gab im Nahen Osten keinen solchen Ort, an dem Christus lebte; das ist ein Wort aus den 1850 Jahren.
Was zur Hölle hat Geografie mit ihrem Schwarz sein zu tun?

Als zahlreiche Menschen sie darauf hinwiesen, dass Jesus Jude war, legte Sarsour mit ihrer Antwort nach: „Palästinenser ist eine Nationalität, keine Religion. Ihr Punkt wird nicht bestritten. Juden lebten mit Palästinensern in friedlicher Koexistenz, bevor es einen Staat Israel gab.“

Kapiert. Konnte also Jesus sowohl Jude als auch Palästinenser sein?

Das ist ein zentraler Punkt ist für das Argument „Jesus war Palästinenser“. Diejenigen, die behaupten Jesus sei Palästinenser, geben im Allgemeinen zu, dass Jesus Jude war oder zumindest versuchen sie nicht das zu bestreiten. Stattdessen versuchen sie zu behaupten, weil Nationalität und Religion nichts miteinander zu tun haben, gebe es keine Notwendigkeit von der Äußerung beleidigt zu sein, dass Jesus palästinensischer Nationalität war.

Ganz abgesehen von der Tatsache, dass über Jahrhunderte vor der Gründung Israels im Land lebende Juden und Araber nicht einfach in „friedlicher Koexistenz“ lebten, ist der Hinweis, dass ein Mensch sich vor 2.000 Jahren als Palästinenser sowie als Jude identifiziert haben könnte, schlicht und einfach falsch.

Angesichts solcher Attacken sind Juden rund um die Welt schnell dabei gewesen, gegen diejenigen, die behaupten, Jesus sei Palästinenser gewesen, Stellung zu beziehen. Nach der Veröffentlichung von Copages Text twitterte Jeremy Burton, der verantwortlicher Direktor des Jewish Community Relations Council von Boston seine Antwort: „Wichtig darauf hinzuweisen: Nein, Jesus identifizierte sich nicht als Palästinenser. Er war ein judäischer Jude und der Begriff Palästina war der des römischen Besatzers.“

Als er über Sarsours Tweets schrieb, beschrieb Seth Frantzman von der Jerusalem Post die Behauptung als „einen modernen Versuch von Ersetzungstheologie: um die historischen jüdischen Verbindungen zum Land vor 2.000 Jahren zu ersetzen, eine eingebildete Geschichte der Palästinenser anstatt der der Juden nachzubauen“.

Die Tatsache, dass Orte, an die Jesus Berichten nach gereist ist und wohnte, u.a. Bethlehem und Nazareth, heute palästinensische oder arabische Städte sind, wird nicht bestritten. Aber auch die Tatsache wird nicht bestritten, dass diese Orte jüdisch waren, als Jesus lebte.

Seth Franzmann schrieb: „Es gibt keinen Grund Jesus als Palästinenser neu zu verpacken. Er kann eine historische Person aus Bethlehem oder Nazareth sein, ohne dass er ‚Palästinenser‘ ist. Sarsours Versuch den Koran als Referenz zu verwenden ist interessant, weil sie keine anderen Aspekte erwähnt, wie Jesus in islamischer Theologie beschrieben wird. Er wird z.B. als Botschafter für die ‚Kinder Israels‘ und Anhänger der Gesetze Moses betrachtet. Er wird mit der Abstammungslinie von Abraham, Isaak, Jakob und den Stämmen Israels verbunden, ebenso mit den Königen David und Salomo.“

Nein, Jesus war auch kein Philister…

Eine Variation dieser Behauptung, dass Jesus tatsächlich Philister war, dient auch eine Klammer antiisraelischer Propaganda, darunter der rundweg widerlegte Gedanke, dass Palästinenser eigentlich Kanaaniter sind.

Die Vorstellung, dass Palästinenser Philister sind, ist genauso falsch.

Anders als moderne Juden und Palästinenser waren die Philister ein antikes, nicht semitisches Seefahrer-Volk, dessen Art des Gottesdienstes keine Verbindung zu den abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam hatte.

Mit anderen Worten: Die Ethnie, Kultur und Religion der Philister unterscheiden sich allesamt völlig von denen der modernen Palästinenser.

Die Verbindung der Philister zu den Israeliten begann, als erstere etwa 1000 v.Chr. in einen Teil des Königreichs Israel eindrangen und besetzten, aber später von Israels antikem König David besiegt wurden.

Etwa im siebten Jahrhundert v.Chr. wurden die Philister vom Königreich Babylon erobert und in der Folge als eigenständige Kultur ausgelöscht.

Mit anderen Worten: Abgesehen davon, dass sie kulturell, ethnisch und religiös keine Verbindung zu Juden oder Palästinensern hatten, gab es die Philister nicht mehr.

Wie auch immer man das betrachtet, lautet die Wahrheit zweifelsohne: Jesus war Jude.

Ich verwahre mich…

… gegen diese anmaßende, boshafte Vereinnahmung durch den Vatikan.

Ich bin Christ. Entschiedener Christ. Bibeltreuer Christ.
Wenn der Vatikan behauptet eine christliche Sichtweise zu verkünden, dann behauptet die Kurie, sie spräche auch für mich.
Das ist eine Anmaßung. Tut der Haufen abgehobener Kleriker nämlich nicht. Schon gar nicht, wenn solche Sachen behauptet werden:

– Die Lage der Christen im Westjordanland ist wegen Israel katastrophal.

– Israel kolonisiert das Westjordanland.

– Egal wer bei der Wahl gewinnt, es wird sich nichts ändern, weil alle den Trump Plan befürworten.

Erstens ist die Lage der Christen in Judäa und Samaria sowie dem Gazastreifen allein den Terroristen von der PA, Hamas usw. geschuldet. Es müsste aber selbst dem dümmsten Ignoranten auffallen, dass es den Christen in Judäa, Samaria und dem Gazastreifen erst immer schlechter geht, seit die selbsternannten Palästinenser dort etwas zu sagen haben. Sollte man vertreten Israel sei die Ursache der Notlage der Christen, dann vielleicht höchstens so: weil Israel es zugelassen hat, dass die PLO dort die Macht übergeben wurde. Aber das meinen die Israelhasser von Papst Franz ja nicht.

Zweitens: Judäa und Samaria werden nicht von Israel kolonisiert. Kolonisierung würde bedeuten, dass Menschen dort Land weggenommen, sie vertrieben und ausgebeutet werden. Trifft alles nicht zu. Die Siedlungen wurden auf ungenutztem Brachland errichtet, für das kein Nachweis von arabischem Privatbesitz existiert. Wo das anders ist, werden die illegalen Außenposten immer abgerissen. Kein einziger Araber wurde dafür vertrieben.
Die jüdischen Siedler beschäftigen palästinensische Araber, sorgen dafür, dass diese ein Auskommen haben, das deutlich besser ist als alles, was die Araber selbst schaffen. Die Juden investieren, sie beuten nicht aus.

Drittens: Der Trump-Plan ist nicht die Bibel. Es liegt an den Konfliktparteien vor Ort für Frieden zu sorgen. An beiden Seiten. Israel ist immer dazu bereit gewesen, hat immer Verhandlungen angeboten, hat mehrfach Vorschläge gemacht. Die Araber dagegen haben immer alles abgelehnt, keine Gegenvorschläge gemacht – wenn denn überhaupt einmal verhandelt wurde. Was der Vatikan anscheinend vertritt ist einzig: Gebt den Terroristen, was sie wollen – lasst euch vernichten.

Und das soll eine christliche Sicht sein? Das ist höchstens eine vatikanische Sicht, noch nicht einmal eine katholische, denn ich kenne jede Menge katholischer Israelfreunde, die diese Haltung des Vatikan heftig ablehnen. Wenn der Vatikan von einer christlichen Sicht spricht, dann ist das mehr als anmaßend. Es arrogant und verleumderisch. Und die Lügen, die damit verbreitet werden sind zutiefst unchristlich.

Anzeige gegen den Weltkirchenrat wegen Spionage, illegaler Einreise nach Israel, Bedrohung von IDF-Soldaten

Aryeh Savir, Tazpit News Agency (The Jewish Press, 2. Februar 2020)

Linke Aktivisten und Freiwillige des EAPPI (Ecumenical Accompaniment Programin Palästine and Israel) kommen, gegen das Gesetz verstoßend, in einem PA-Rettungswagen nach Sdeh Bar im Gush Etzion; 24. Februar 2019

Das Legal Forum for a Zionist and Democratic Israel (Rechtsforum für ein zionistisches und demokratisches Israel) und das DMU-Projekt haben bei der Jerusalemer Polizei Anzeigte gegen den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK – „Weltkirchenrat“) gestellt; sie machen geltend, dass dieser mehrere illegale Aktivitäten betreibt und gegen den Staat Israel agiert.

Der ÖRK ist eine internationale Organisation mit mehr als 500 Millionen Mitgliedern, die offen ihre Unterstützung der BDS (Boykott, De-Investitionen und Sanktionen) erklärt.

Laut Anzeige betreibt der ÖRK das Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel (EAPPI – Ökumenisches Begleitprogramm in Palästina und Israel), sein Vorzeigeprojekt in Israel, das in den letzten 15 Jahren etwa 1.800 Freiwillige nach Judäa und Samaria gebracht hat, um „das Leben unter Besatzung zu bezeugen, sich mit lokalen Palästinensern und Israelis auseinanderzusetzen, die einen gerechten Frieden anstreben, die Beteiligung der internationalen Gemeinschaft am Konflikt zu ändern, sie zu drängen gegen Ungerechtigkeit in der Region zu handeln“.

Das Programm umfasst etwa 25-30 Teillnehmer, sogenannte Ökumenische Begleiter, die vor Ort für die Zeit von drei Monaten agieren, während denen sie mit antiisraelischen politischen Randgruppen  wie B’Tselem und Breaking the Silence arbeiten. EAPPIS „umfangreiche Fürsprache“ beinhaltet „Erfahrungen aus erster Hand, um die Augen ihrer Gemeinden, Kirchen und Regierungen gegenüber den Realitäten der Besatzung zu öffnen“.

NGO Monitor, ein unabhängiges Forschungsinstitut, das anderen Nichtregierungs-Organisationen (NGOs) folgt, die das humanitäre Banner als Tarnung für antiisraelische Aktivitäten nutzen, hat einem vor einem Jahr veröffentlichen Bericht herausgestellt, dass der ÖRK keine ähnlichen Aktivitäten in anderen Konfliktzonen betreibt; „indem Israel herausgegriffen wird, verkörpert das EAPPI Antisemitismus“, wie ihn die  Arbeitsdefinition der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA) definiert.

Die Anzeige bei der Polizei erklärt, dass der Zweck dieses Programms darin besteht „dem Staat Israel auf internationaler Ebene Schaden zuzufügen und Spionage gegen ihn zu betreiben“.

Laut der Anzeige wird den Aktivisten des Programms gesagt, sie sollten wegen des Zwecks ihrer Ankunft in Israel lügen, da die Organisation nicht autorisiert ist in Israel zu agieren und die Aktivisten der Organisation damit illegal unter dem Deckmantel von Touristen oder Pilgern nach Israel einreisen und den wahren Grund für ihre Ankunft in Israel verbergen.

Ein weiterer Teil der Anzeige macht geltend, dass EAPPI-Aktivisten Spionage gegen den Staat Israel betrieben haben. Jahre lang haben EAPPI-Aktivisten IDF-Training, Sicherheitsaktivitäten wie Checkpoints und Festnahmen dokumentiert und diese Informationen öffentlich herausgegeben.

Die Aktivisten der Organisation nehmen regelmäßig an Störungen und gewalttätigen Protesten in militärischem Sperrgebiet teil und fügen gelegentlich IDF-Soldaten und Polizisten Schaden zu.

Die EAPPI-Aktivisten schließen sich verschiedenen Anarchisten an, zum Beispiel der Organisation Ta’ayusch; sie nehmen an Provokationen teil und dokumentieren die Reaktionen von IDF-Soldaten.

Laut der anzeige veröffentlichen die Aktivisten Blogs und Berichte gegen Israel, wobei sie falsche Bilder und Lügen verwenden. In vielen Fällen werden ie Berichte im Nachhinein dazu verwendet Israel bei internationalen Institutionen Schaden zuzufügen, darunter bei den Vereinten Nationen und der Europäischen Union.

Rechtsanwalt Yotam Eyal vom Rechtsforum erklärte: „Der Staat Israel ist rechtlich verpflichtet sich und seine Bürger vor denen zu schützen, die ihm schaden wollen.“

Amit Barak vom DMU-Projekt stellte fest, dass offizielle Vertreter des ÖRK und des EAPPI auch „bei antisemitischen Äußerungen erwischt wurden; ihre Aktivtäten verletzen zudem die jüdischen und christlichen Beziehungen in Israel und dem Ausland“.

NGO Monitor fand einen gefilmten Vortrag, der inzwischen aus dem Internet gelöscht ist; dort verglich ein EAPPI-Aktivist Handeln der israelischen Armee in Hebron mit den Nazi-Gaskammern.

„Wir fordern die Rechtsbehörden, betreffenden Minister und das Sicherheitssystem auf aufzuwachen und zu handeln, um das Gesetz des Staats Israel durchzusetzen sowie das Phänomen auszumerzen“, fügte er hinzu.

Die gemeinsamen Aktivitäten der israelischen Gruppen setzten den ÖRK im Januar 2019 unter Druck seine EAPPI-Aktivitäten aus Hebron abzuziehen, sagte Barak; dazu rief er auf sie in Israel komplett zu verbieten.

Die Unmöglichkeit einer Zukunft der Christen im Nahen Osten

Ein uralter Glaube verschwindet aus den Ländereien, in denen er er zuerst wurzelte. Es steht nicht nur eine Religionsgemeinschaft auf dem Spiel, sondern das Schicksal des Pluralismus in der Region.

Emma Green, The Atlantic, 23. Mai 2019 (Fotos von Alexandra Rose Howland und Elaine Cromie)

Der Anruf kam 2014, kurz nach Ostern. Vier Jahre zuvor hatte Catrin Almakos Familie Sondervisa für die USA beantragt. Catrins Ehemann Evan hatte während der frühen Jahre der amerikanischen Militärbesetzung des Irak US-Soldaten die Haare geschnitten. Jetzt war ein Mitarbeiter der International Organization for Migration am Telefon. „Sind Sie bereit?“, fragte er. Der Familie war ein Ausreisedatum in nur ein paar Wochen zugewiesen worden.

„Ich war so durcheinander“, sagte Catrin mir vor kurzem. Während der Jahre, in denen sie auf ihre Visa warteten, hatten Catrin und Evan diskutiert, ob sie den Irak wirklich verlassen wollten. Beide waren in Karamles aufgewachsen, einer kleinen Stadt im historischen Herzen der irakischen Christenheit, der Ebene von Ninive. Evan gehörte ein Frisörladen in der Nähe einer Kirche. Catrin liebte ihre Küche, in der sie ihre Tage damit verbrachte mit Nüssen und Datteln gefülltes Gebäck zu machen. Ihre Familien lebten dort: ihre fünf Geschwister und alternden Eltern, seine zwei Brüder.

Sie lebten allerdings in ständiger Gefahr. „Jeder, der militärisch mit den Vereinigten Staaten gearbeitet hat – sie werden getötet“, sagte Catrin. Evan war 2004 bei einer Explosion nahe einer Basis der U.S. Army in Mossul verletzt worden. Catrin machte sich Sorgen, weil er zur Basis und zurück auf Autobahnen fahren musste, die einige der am stärksten umkämpften Gebiete im Irak durchquerten. Selbst nachdem er aufhörte für das Militär zu arbeiten, hatten Sie Angst, er könnte Opfer der von Gewalt werden. Diese Angst war mit ihrem Glauben gemischt: Während der Kriegsjahre griffen Aufständische in einem Terrorfeldzug ständig christliche Städte und Kirchen an.

Die Almakos hatten gesehen, wie Nachbarn und Freunde mit derselben Frage kämpften: bleiben oder weggehen? Heute entscheiden sich immer mehr Christen die Region zu verlassen. Die Kurve des Niedergangs der Religion im Nahen Osten hat sich in den letzten Jahren von einem steten Rückgang in einen Absturz wie von einer Felsklippe verwandelt. Die Zahlen im Irak sind besonders krass: Vor der amerikanischen Invasion lebten mindestens 1,4 Millionen Christen im Land. Heute bleiben weniger als 250.000 dort – ein Absturz von 80 Prozent in weniger als zwei Jahrzehnten.

Die Almakos entschlossen sich das Land zu verlassen. Sie verbrachten die verbleibende Zeit in Karamles damit nachzudenken, was sie mitnehmen und was sie zurücklassen sollten. „Du weißt nicht, was du mitnehmen wirst“, sagte Evan mir. „Du muss eine Menge Dinge diskutieren: das eine Wichtige, das andere nicht wichtig.“ Am Ende erwies sich die Auswahl ihrer Besitztümer als zu schwierig. Sie beschlossen fast alle Erinnerungen und Erbstücke zurückzulassen, einschließlich Kästen mit Bildern ihrer Familie und ihrer beiden kleinen Kinder Ajub (damals 12) und Sofya (10). Catrin bestand darauf ein emotional gefärbtes Teil mitzunehmen, ein in Italien gefertigtes kleines gewebtes Tuch von Jesus.

Im Uhrzeigersinn von oben links: Catrin Almako mit Familienmitgliedern, als sie im Irak aufwuchs; Catrin Zuhause in Michigan; ein gewebtes Tuch von Jesus, gefertigt in Italien, das das eine emotionale Teil war, das Catrin mitnahm, als die Almakos den Irak verließen. (Bilder: mit freundlicher Genehmigung von Thabet; Elain Cromie)

Am letzten Abend der Almakos in Karamles platzte ihr Haus aus allen Nähten, weil die Leute der Stadt zu ihnen kamen. Es schien so, als hätten sie alle ein Geschenk, das sie Catrin und Evan für Familienmitglieder in Amerika mitgeben wollten: Süßigkeiten, Gewürze, Kleidung. Nichts, das man in den Vereinigten Staaten nicht finden könnte, aber „das kannst du ihnen nicht sagen“, sagte Evan. Die Menschen im Irak betrachten die USA als einen Ort der Großzügigkeit, erklärte er, aber er ist immer noch grundsätzlich fremd. Von den drei Koffern der Familie war einer mit diesen Geschenken aus der Heimat gefüllt.

Einer nach dem anderen versuchte jedes ihrer Familienmitglieder Catrin und Evan davon zu überzeugen in Karamles zu bleiben. Ihr älterer Bruder Thabet ist Priester und der entschiedenste Verteidiger der Stadt. „Geht nicht“, erinnert sich Catrin an seine Worte. „Bleibt hier.“

Der letzte der Besucher, eine von Catrins Schwestern, blieb bis nach Mitternacht. Die Familie sollte in ein paar Stunden abreisen, aber Catrin konnte nicht schlafen. Sie lag wach, katalogisierte alles, das sie an ihrer Heimat vermissen würde und sorgte sich wegen der vor ihnen liegende Reise. Sie war noch nie mit einem Flugzeug geflogen. Sie war nie weit von Karamles weg gewesen. Einmal abgereist, glaubte sie, würde sie nie wiederkehren.

Die Familie verbrachte ein paar Tage in Bagdad. Sie hatten Aufenthalt in Jordanien, Deutschland und New Jersey. Schließlich kamen sie erschöpft in Detroit an. Sie verbrachten die ersten Wochen im Hause eines Cousins. Catrin hatte großes Heimweh. Allmählich lebte die Familie sich aber ein. Evan fand Arbeit auf dem Bau. Catrin bekam einen Job bei der Heilsarmee. Sie mieteten eine Wohnung. Ihr neues Leben nahm Formen an.

Die Almakos waren weniger als drei Monate in Detroit, als sie hörten, dass der Islamische Staat nach Osten auf Karamles marschierte. Die Terrorgruppe und ihr Vorläufer waren lange südlich der Ninive-Ebene aktiv. Catrin und Evan glaubten immer noch, dass ihre Stadt sicher sei. Sie versuchten verzweifelt ihre Familienmitglieder anzurufen und SMS zu schicken. Sie waren jetzt fast 10.000km weit weg von ihren Lieben. Niemand antwortete.

Allein die unsichere Situation der Christenheit im Irak ist schon tragisch. Die Welt könnte bald schon Zeuge der dauerhaften Vertreibung einer uralten Religion und eines uralten Volkes sein. Diese in dieser Region Einheimnischen haben mehr gemeinsam als den Glauben: Sie bezeichnen sich selbst als Suraye und beanspruchen eine Verbindung zu den antiken Völkern, die dieses Land lange vor der Geburt Christi bewohnten.

Aber das Schicksal der Christenheit an Orten wie der Ebene von Ninive ist auch von geopolitischer Bedeutung. Religiöse Minderheiten sind ein Test der Toleranz eines Landes für Pluralismus; eine gesunde Demokratie schützt verletzbare Gruppe und erlaubt ihnen die Teilnahem an einer freien Gesellschaft. Ob Christen in mehrheitlich muslimischen Ländern überleben und gedeihen können, ist ein entscheidender Indikator dafür, ob Demokratie auch an diesen Orten machbar ist. Im Irak ist die Perspektive düster, so wie auch in anderen Staaten der Region, die historisch christliche Bevölkerung beherbergen, darunter Ägypten, Syrien und die Türkei. Christen, die dort leben, sind Diskriminierung, von der Regierung zugelassener Einschüchterung und regelmäßiger Gewalt ausgesetzt.

Karamles in der Ebene von Ninive ist das gegrafische Herz der irakischen Christenheit – und liegt ein einem erbittert umkämpften Landstreifen. (Alexandra Rose Howland)

Sie haben jedoch einen einflussreichen und mächtigen Verbündeten: die Regierung der USA, die unter Präsident Donald Trump die Unterstützung der Christen im Nahen Osten zu einer noch unverhohlenere Priorität der amerikanischen Außenpolitik gemacht hat als unter George W. Bush oder Barak Obama. Seit Trump das Amt übernahm hat die Ninive-Ebene beträchtliche Investitionen der US-Regierung erhalten.

Zum Teil gründet diese Haltung in der Außenmpolitik in der Innenpolitik. Die konservativen Wähler, die Trump zum Wahlsieg verhalfen, kümmern unterdrückte Christen enorm und sie vermitteln ihre Sorge durch eine außergewöhnlich effektive Lobby-Maschinerie in Washington DC. Aber das Leid der Christen in der Region ist auch ein natürlicher Grund für eine Administration, die Außenpolitik als Kampf zum Erhalt des Einflusses des Westens betrachtet. Für Trump kann das Christentum ein Bollwerk westlicher Werte in einer Region voller wahrgenommener Feinde sein.

Christen, diein ihrem Heimatland bleiben wollen, sagten Vertreter der Administration, sollten die Wahl haben das zu tun. Aber viele Familien in der Ebene von Ninive sind bezüglich ihrer Zukunft zwiegespalten. Sie hegen dieselben Ängste, die Catrin und Evan dazu brachten fortzuziehen, bevor die Verwünstung durch ISIS sie heimsuchte; das Leben ist für christliche Minderheiten seitdem nur schwieriger geworden. Als ich letztes Jahr Familien in der Ninive-Ebene interviewte, gestanden fast alle ein, dass sie weggegangen wären, hätten sie die Chance gehabt. Selbst die, die am stärksten entschlossen sind zu bleiben, haben die Sorge, dass sie, egal, wie viel Hilfe sie aus Washington erhalten, immer noch gefährdet sind. Das Überleben der Christenheit an einem der Orte, wo sie zuerst Wurzeln schlug, wird davon abhängen, ob sie sich entscheiden zu bleiben.

Die Nacht hatte sich über Karamles gesenkt. Es war der 6. August 2014 – das Fest der Verklärung, das die biblische Geschichte der Verwandlung Jesu und dass er von Gott als sein Sohn genannt wurde begeht. Wochen lang waren Priester in der Ebene von Ninive mit kurdischen Militärs, den Peschmerga, wegen der drohenden Gefahr durch ISIS in Kontakt gewesen, der schnell nach Osten vorgestoßen war. Früher im Sommer hatte er die Kontrolle über Mossul erobert, nur 25km von Karamles entfert. Aus der Großen Moschee von Mossul hatte der Kleriker Abu Bakr al-Baghdadi sich zum Kopf eines neuen islamischen Kalifats erklärt. Trotzdem sagten einige im kurdischen Militär, dass sie das Gebiet verteidigen würden.

Aber in dieser Nacht war der ISIS unterwegs und die Peschmerga entschlossen sich zum Rückzug. Gegen 23 Uhr läutete Catrins Bruder Thabet die Glocke von St. Adday, der Hauptkirche von Karamles, die laut genug ist um in jedem Haus in der kleinen Stadt gehört zu werden. So spät in der Nacht konnte das vertraute Läuten nur eine schlimme Warnung sein. Innerhalb von Stunden waren fast alle 820 Familien auf der Schnellstraße aus der Stadt hinaus, unterwegs nach Osten, in die Sicherheit der großen, vorwiegend kurdischen Stadt Erbil.

Thabet wartete, bis er glaubte, alle außer ihm selbst wären evakuiert. Selbst als seine Leute flohen hatte Thabet versucht optimistisch zu bleiben. „Ich hatte die geringe Hoffnung, dass ISIS vielleicht nicht kommen würde“, sagte er mir kürzlich, als wir auf der staubigen Schnellstraße unterwegs waren, die sich westlich von Erbil bis Mossul erstreckt. Aber als Thabet die Peschmerga sich zurückziehen sah, Karamles unverteidigt blieb, erkannte er, dass seine Stadt verloren war. Innerhalb von ein paar Stunden sollten ISIS-Kämpfer eintreffen.

Von jungen Jahren an hatte Thabet sich zum Priesteramt berufen gefühlt. Er liebte den Dienst als Messdiener in seiner chaldäischen Kirche, die aus einem uralten östlichen Ritus der Christenheit entstand, der heute mit dem römischen Katholizismus abgeglichen ist. Nach Jahren der Ausbildung am Seminar, einschließlich etwas Zeit in Rom, wurde Thabet 2008 ordiniert, als er in seinen späten 20-ern war. Bilder von ihm und seiner Familie in den Jahren vor der Besetzung durch den ISIS und besonders vor der US-Invasion im Irak legen ein relativ isyllisches Leblen nahe. Politisch unterschied sich die Lage sehr von Christen in dieser Zeit: Saddam Hussein beaufsichtigte eine Serie brutaler religiöser Maßregelungen, als er an der Macht war, aber sein Regime tolerierte die christliche Minderheit des Landes. Einer seiner sichtbarsten Berater, Tariq Aziz, war Mitglied der Chaldäisch-katholischen Kirche.

Thabet als junger Priester (links) in Karamles während der Karwoche (mit freundlicher Genehmigung von Thabet; Alexandra Rose Howland)

Jetzt sah Thabet, wie alle, die er kannte und liebte, aus seiner Stadt flohen. Eine kleine christliche Enklave in den Außenbezirken von Erbil quoll mit der Ankuft von 13.200 heimatlosen Christen aus der gesamten Ebene von Ninive über. Manche, einschließlich Thabet, waren ohne die Mitnahme grundlegender Güter des täglichen Bedarfs weggegangen. „Als ich ankam, war ich ohne Orientierung, weil ich zwei Tage lang nicht geschlafen hatte“, erinnerte er sich. „Ich musste ausruhen und etwas Kleidung kaufen.“

Weil sie nirgendwo sonst hingehen konnten, schliefen einige der christlichen Flüchtlinge im Hof einer Kirche. „Wir sammelten die Menschen aus den Gärten, von den Straßen und schufen einen kleinen Platz für sie“, sagte Thabet. Irgendwann ließen sich viele der Einwohner von Karamles auf dem Fußboden eines noch nicht fertiggestellten Wohngebäudes nieder; es hatte ein Dach, aber keine Wände. 40 Tage lang lebten die Gemeindeglieder in dem Gebäude, zusammen mit hunderten Flüchtlingen aus anderen Städten.

Bald wurde klar, dass die Vertreibung der Gemeinde nicht in Tagen gemessen werden würde. Familien begannen sich um Erbil herum zu zerstreuen; einige konnte Wohnungen mieten, andere zogen in hastig errichtete Lager. Thabet wrude zum inoffiziellen Führer seiner Leute im Exil – teilweise Priester, teilweise geliebter Onkel, teilweise inoffizieller Bürgermeister. Als Hilfsgelder und andere Hilfe von Gurppen wie den Kolumbus-Rittern ankam, ging das über Kirchenvertreter wie Thabet. Wenn Menschen Kleidung oder eine Unterkunft brauchten, kamen sie zu ihm.

Es dauerte mehr als zwei Jahre, bis das irakische Militär die Ebene von Ninive zurückeroberte. Ein paar Tage vor der Befreiung von Karamles stieg Thabet auf einen kleinen Berg über der Ebene, während Regierungssoldaten in der gesamten Region kämpften. Durch ein Fernglas sah er zu, wie Rauch aus seiner Heimatstadt aufstieg. Als die Kämpfe beendet waren, war er der erste Einwohner, der die Stadt wieder betrat.

Die Zerstörung war atemberaubend. Die Hände einer lebensgroßen Marien-Statue, hellblau gekleidet, waren an den Handgelenken abgeschlagen. Die Glocke von St. Aday, die die Einwohner in der Nacht, als ISIS kam, in Sicherheit geleitet hatte, saß jetzt schief in ihren Turm. Die Kirche selbst war zum Teil schwarz vor Ruß; Thabet glaubt, dass Kämpfer en paar Tage vor ihrem Rückzug Sprengsätze gezündet haben. Enthauptete Statuen von Maria und Jesus umgaben den Altar, dazu die Überbleibsel von Engeln, die von den Wänden geschossen worden waren. Thabet fand im Schutt ein zerrissenes Stück seines Ordinationsumhangs – das einzigeTeil, das ihn an den Tag erinnern kann, als er gelobte seiner Gemeinde zu dienen.

Langsam begannen Thabet und die anderen Priester in der Gegend den Prozess des Wiederaufbaus. In jeder Stadt erstellten Anführer genaue Auswertungen örtlicher Gebäude und berechneten den Schaden in der Ebene von Ninive. Thabet breitete eine große, farblich codierte Karte von Karamles auf den Boden des Pfarrhauses aus. Ein kleines Quadrat stellte sein Elternhaus dar, rot eingefärbt, um zu zeigen, dass es zerstört worden war. Ein weiteres zeigte das Haus von Catrin und Evan – geplündert, aber weitgehend verschont. Insgesamt wurden 672 Häuser beschädigt oder niedergebrannt. Fast 100 waren praktisch abgerissen worden.

Im Herbst 2017 begannen die ersten der Einwohner von Karamles nach Hause zu kommen. Langsam füllten die Straßen sich mit kleinen Zeichen von Gemeinschaftsleben: Menschen wässerten ihre Gärten und riefen nach umherstreifenden Kindern; auf roten Plastikstühlen sitzende Männer, die unter Lichterketten sitzen, die kreuz und quer über das Stadtzentrum hängen. Bis zum Frühjahr sind 450 Familien zurückgekehrt, wenn auch in vielen Fällen in unvertraute Häuser – die von Verwandten, Nachbarn oder Fremden, die sich entschieden nicht nach Hause zu kommen. Ein Schild bei der Kirche, auf Arabisch und in falsch geschriebenem Englisch, verkündet WELLCOME BACK.

Doch selbst jetzt sind die belebetesten Blöcke mit leeren Heimen gesprenkelt, die auf ihre Eigner warten, die sich vielleicht niemals sicher genug fühlen zurückzukommen. Manche Christen verließen die Region komplett; andere begannen in Erbil ein neues Leben.

Im Uhrzeigersinn von links: Zusätzliche Sicherheitskräfte wurden dieses Jahr zu Ostern überall in Karamles angeworben, wobei Soldaten an jeden Eingang zu Dorf stationiert wurden; ein Mitglied der Kirceh zeigt auf eine Landkarte von Karamles, die zeigt, welche Häuser vom Islamischen Staat zerstört wurden; der Hauptfriedhof in Karamles, der von ISIS weitgehend zerstört wurde. (Alexandra Rose Howland)

Einige der Einwohnder von Karamles betrachten ISIS als extremen Ausdruck einer Feindseligkeit, die dem Aufstieg der Gruppe voraus ging und nach ihrer Niederlage bleibt. Im Irak ist Diskriminierung direkt in die Verfassung geschrieben. Das Dokument wurde zwei Jahre nach der US-Invasion geschrieben und erklärt den Islam zur offiziellen Religion des Landes; es verbietet jegliche Gesetze, die „den eingeführten Vorkehrungen des Islam widersprechen“. Dies formt Leben auf alltägliche, aber bedeutsame Weise. Personalausweise kennzeichnen Bürger als Muslime, Christen, Mandäer, Jesiden. Nichtmuslimische Männer können keine muslimischen Frauen heiraten. Kinder gemischter Eltern werden automatisch als Muslime klassifiziert, wenn ein Elternteil muslimisch ist, selbst wenn sie als Folge von Vergewaltigung geboren werden. Für viele im nördlichen Irak lebende Christen ist Diskriminierung Teil des Lebens: Viele Nichtchristen werden keine Christen in ihren Firmen einstellen. Familien beobachten ihre Töchter genau, aus Angst, dass sie Opfer sexueller Gewalt werden.

Angesichts dieser täglichen Demütigungen – sowie der bedenklichen politischen und wirtschaftlichen Umwelt des Irak – hat eine große Zahl an Christen und anderen Minderheiten beschlossen zu fliehen. Aber Möglichkeiten in die USA zu kommen sind jetzt noch seltener als sie es waren, als Catrin Almako ihre Familie nach Detroit brachte. Die Entschlossenheit der Administration Trump Christen im Nahen Osten zu unterstützen korrespondierte mit einem starken Abfall in der Zahl der in den USA aufgenommenen christlichen Flüchtlinge. Unter Obama beschwerten sich Fürsprecher, die Demokraten lehnten es ab verfolgte Christen aufzunehemn, aber die Zahl der aus dem Irak angenommenen Christen hat in den letzten zwei Jahren um 98 Prozent abgenommen. Nach Angaben von Daten des US-Außenministeriums und der Wohlfahrtsorganisation World Relief wurden 2018 nur 23 irakische Christen in den USA aufgenommen, verglichen mit 2.000 im Jahr 2016. Familien, die noch im Irak sind, setzen jetzt stattdesen auf Europa und Australien.

Vertreter der Administration Trump argumentieren, dass eine kleinere christliche Bevölkerung in der Ebene von Ninive der Region langfristig schaden wird. In gewisser Hinsicht haben sie recht. Weniger Christen bedeutent weniger Repräsentation in der irakischen Regierung und geringere Chancen, dass Bagdad christliche Sorgen beherzigen wird. Eine kleinere christliche Gemeinschaft könnte zudem den Feinden der Diversität Mut machen. Länder mit mehr Religionsfreiheit tendieren dazu ein niedrigeres Niveau an Fremdenfeindlichkeit und glaubensbasierte Gewalt aufzuweisen.

Birnadet Hanna, eine in Karamles lebende Historikerin, sagte, ihr Betreuer, ein Muslim, sei überrascht gewesen, dass sie zurückkehrte, nachdem das irakische Militär ISIS aus der Region drängte; er sorgte sich um ihre Sicherheit. Andere Kollegen sagten ihr, dass sie weggehen sollte: Christen gehören nicht in den muslimischen Irak, sagten sie. Sie glaubt jetzt, dass manche ihrer muslimischen Nachbarn mit der Weltanschauung von ISIS sympathisiert haben. Der Aufstieg des Kalifats – und die sinkende Fortune der Christen des Irak – befähigten sie ihren Fanatismus offener zu leben.

Chaldäische Gottesdienste boten eine reichhaltige sinnliche Erfahrung, angefüllt mit Erinnerungen, dass diese Tradition sich in den ersten hundert Jahren nach Christus entwickelte. Die Geschlechter sitzen in der Regel getrennt und Frauen bedecken ihren Kopf mit Spitze als Zeichen ihres Anstands. Ministranten schwenken süßen Weihrauch, Rauchwolken ziehen durch die Gänge. Die Messe wird in einem Dialekt des Aramäischen gefeiert, der Sureth genannt wird – die Eingeborenen-Sprache der Christen hier und eine Schwestersprache der Sprache, die Jesus sprach.

Die Messe ist auch der Schauplatz, wo die obersten Geistlichen ihre politischen Muskeln spielen lassen können; sie führen Argumente an, die weit über die Kirchenbänke hinausreichen. Bei einem Gottesdienst in Ankawa demonstrierte vor kurzem einer der mächtigsten Bischöfe im Irak, Baschar Warda, seine Fähigkeit seine Verbündeten im Westen zu beeinflussen.

An diesem Sonntag, während die Gemeindemitglieder sangen und leichthin plauderten, kam eine Reihe Männer in dunklen Anzügen herein: der damalige US-Botschafter im Irak Douglas Silliman und seine Mitarbeiter. Warda, der Gewänder und einen gepflegten Haarschnitt trug und glatt rasiert war, grüßte die Amerikaner selbstbewusst und stellte sicher, dass sie englische Kopien der Predigt hatten, die er halten wollte. Seine Botschaft war mehr für sie gedacht als für seine eigene Gemeinde.

Thabet (links) leitet das Abendgebet vor St. Adday, einer der Kirchen in Karamles. (Alexandra Rose  Howland)

„Wenn der Rest der Welt wirklich glaubt, dass es einen multikulturellen Nahen Osten geben müsse“, sagte Warda, „muss er auch ehrlich darin sein die sich ständig ändernden und bedingten Formen der muslimischen Toleranz gegenüber Minderheiten abzulehnen.“ Er gab den USA besondere Verantwortung für die Hilfe für die Christen. Die nichtmuslimischen Minderheiten des Irak sind „die Opfer des letzten Regimewechsels im Irak und Opfer des Versagens des politischen Systems seit 2003“, als die USA einmarschierten, sagte er.

Nach der Predigt sagte Silliman mir, die USA hätten sich der Unterstützung dieser Gruppen verpflichtet. „Ich kann mir diesen Teil der Welt, insbesondere die Ebene von Ninive, nicht ohne diese diverse religiöse und kulturelle Geschichte vorstellen“, sagte er. „Sie sind sehr heilige Gemeinschaften, sie haben hier tief gehende Geschichte und wir wollen sicherstellen, dass sie andauern.“ Er wurde bald zu seinem nächsten Stopp gebracht: einem privaten Treffen mit Warda.

Noch unter der Administration Obama betrieben irakische christliche Leiter und ihre Fürsprecher in Washington eine sich lange hinziehende Kampagne, um mehr Geld für Christen in der Ebene von Ninive einzubringen. Auslandsregierungen haben über das Entwicklungsprogramm der UNO (UNDP) Geld zur Stabilisierung fließen lassen, die bis vor 18 Monaten der bei weitem größte Spieler in der Entwicklung der Region war. Schon früh äußerten Religionsführer des Irak, angeführt von Warda, Unzufriedenheit mit der Leistung der UNO. Die Organisation stellte Arbeiter ein, die überbezahlt und unterbeschäftigt waren, behaupteten sie. Ihre Ergebnisse waren oft lausig. (Die stellvertretende Sonderrepräsentantin der UNO für den Irak, Marta Ruedas, sagte mir, die Budget-Zwänge der Organisation waren für die halbfertigen Hausbau-Projekte in der Region verantwortlich. Das UNDP hat Hausbauarbeiten in Bartella und Baschika vollendet.)

Delegierte der Kirchen der Region arbeiteten mit einer internationalen NGO zusammen, um eine Gruppe zusammenzurufen, die sie das Wiederaufbaukomitee Ninive nannten; dieses stellte lokale Männer an, um Häuser in ihren Städten wieder aufzubauen. Unterstützungsfonds würden besser genutzt werden, wenn sie direkt an die Kirchen gingen, argumentierte die Gruppe.

Messe in Karamles (Alexandra Rose Howland)

Fürsprecher der Christen begannen dies in Washington vorzutragen. Bald kam die Administration Trump an Bord. Auf Anweisung des Präsidenten beauftragte Vizepräsident Mik Pence USAID – die Organisation, die Entwicklungsprojkte rund um die Welt finanziert – damit einen Sonderfinanzierungsprozess einzurichten, der dafür sorgt, dass man sich nicht mehr so stark auf die UNO verlässt. Als dieser Prozess die Forderungen der irakisch-christlichen Gemeinschaft nicht erfüllte, gab Pence eine hitzige Erklärung ab; darin sagte er, er würde „keine bürokratischen Verzögerungen tolerieren” und verurteilte das Versagen der Regierung die Verpflichtungen zu erfüllen, die man gegenüber den Minderheiten des Irak eingegangen war. Mark Green, Liter von USAID, nahm Haltung an und kündigte an, eine Reise in die Region stehe unmittelbar bevor. Um diese Zeit tauchte Silliman in der Messe von Warda auf. (Pences Büro antwortete nicht auf Anfragen nach Kommentaren.)

Die Administration Trump hat die Position übernommen, dass Christen und andere Minderhieten zu schützen ein Schlüsselmerkmal der Sicherheit im Nahen Osten ist. Würden Christen in der Ebene von Ninive eliminiert werden, „dann würde das, denke ich, auch ein nicht regiertes Vakkum beschleunigt herbeiführen, das von den Bösen nur allzu leicht gefüllt wird“, sagte Green mir gegenüber. „Sie streben an diese Art von Öffnung auszunutzen. Die Gesundheit und die Sicherheit und die Führung in diesen Gemeinschaften zu begünstigen … dreht sich ebenfalls um die Stabilisierung der Gegend und darum einen Puffer gegen die Rückkehr des gewalttätigen Extremismus zu schaffen.“

Sam Brownback, ehemaliger Gouverneur von Kansas und US-Botschafter für Religionsfreiheit, sagte mir, dass die Unterstützung der Administration für religiöse Minderheiten (zu denen sowohl Christen als auch Jesiden gehören, die von ISIS gleichermaßen verfolgt wurden) eine Fortsetzung des Projkts des Irak-Kriegs ist, wobei er behutsam die Tatsache mied, dass der amerikanische Krieg half die Bedingungen für ISIS’s Aufstieg zu schaffen. Die US-Regierung wirbt für demokratische Prinzipien, argumentierte er, einschließlich des Schutzes religiöser Minderheiten. „Ich denke, es ist für den Irak wichtig und ich denke, es ist für uns wichtig. Ich denke es ist wirklich wichtig für diese Region“, sagte er.

Die ideologische Brücke zwischen der Ebene von Ninive und Washington hat zweifelsohne zum Nutzen der Christen gewirkt. Im Oktober kündigte USAID sogar noch mehr Gelder an: Eine neue Investition von $178 Millionen bringt die gesamte Investition der US-Regierung auf fast $300 Millionen.

Der grüne Hinterhofbereich der Katholischen Universität in Erbil. Fußball- und Basketball-Felder werden gebaut und die Bautätigkeit an einem dauerhaften Gebäude hat begonnen. (Alexandra Rose Howland)

Zum größten Teil ist amerikanisches Geld in den Wiederaufbau von Schulen, Kliniken und Wasser- sowie Elektrizitätssysteme geflossen. In Erbil hat Warda sich zudem ein mächtiges Netzwerk größtenteils privater christlicher Spender zunutze gemacht, um eine Reihe ziviler Institutionen zu bauen: eine farbenprächtige Privatschule, in der Kinder in vier Sprachen lernen; ein katholisches Kolleg, in das christliche Mädchen frei von Belästigung gehen können; ein neues Krankenhaus. Ohne solche Infrastruktur wie diese argumentieren Geistliche und Aufbauhelfer, gibt es keine Chance, dass Christen im Land bleiben werden.

Infrastruktur alleine kann aber kein sozials Vertrauen aufbauen oder die Regierung stabilisieren; und sie kann nicht die physische Sicherheit der Menschheit garantieren. Christen fürchten, dass sie, wenn sie in ihr Leben zurückkehren, nur erneut vertrieben werden. Ob amerikanische Unterstützung und Zugang zu amerikanischer Großzügigkit ausreichen werden, um die Christen des Irak zu versorgen, ist eine offene Frage. Ein Beamter im US-Außenministerium, der unter der Bedingung nicht genannt zu werden sprach, weil er nicht autorisiert war von der Presse interviewt zu werden, sagte mir, die US-Bemühungen den religiösen Minderheiten des Irak zu helfen seien ohne Beispiel, könnten aber auch nicht nachhaltig sein. Die Gruppen im Nordirak gehören zu den vielen rund um die Welt, die Schutz durch die US-Regierung verdienen. Schlussendlich, sagte er, werden die USA auswerten müssen, ob es langfristig für die Stabilität im Irak tatsächlich einen Unterschied macht und ob nicht andere Orte und Völker mehr von diesen Investitionen benötigen.

Seit der US-Invasion im Irak haben regionale Mächte darum gewetteifert das Schicksal des Landes zu bestimmen und fast alle davon haben Anspruch auf die Ebene von Ninive erhoben. Im Norden ist Kurdistan, eine halbautonome Zone, die von der kurdischen ethnischen Minderhit des Landes kontrolliert wird. Territorium im Süden wird von Bagdad regiert, das aggressiv gegen die kurdische Autonomie vorgeht. Im Herbst 2017, um die Zeit, in der christliche Familien begannen in ihre Häuser zurückzukehren, beschlossen die Kurden ein Referendum, mit dem die komplette Unabhängigkeit vom Irak erklärt wurde. Bagdad schlug zurück, verbot internationale Flüge aus den Flughäfen Kurdistans und unternahm Schritte einiges der zwischen den biden Regionen unklaren Territorien zurückzuerobern, einschließlich Teilen der Ninive-Ebene. Das hat manche Christen auf dem Trockenen sitzen lassen: In der Stadt Betanya mussten Menschen, die gehofft hatten ihre Häuser nach der Niederlage von ISIS wieder aufzubauen, wieder fliehen, um den neuen Kämpfen zu entgehen.

Im Uhrzeigersinn von oben links: In der Stadt Karamles wird ein Haus gebaut; ein Bauarbeiter ght in ein katholisches Krankenhaus, das in Ankawa im Bau ist; die  Kathedrale des Heiligen Josef, Erzbischof Baschar Wardas Kriche, im Zentrum von Ankawa. (Aexandra Rose Howland)

Die Ost-West-Achse ist nicht weniger belastet. Im Westen liegt Syrien, wo bis vor kurzm die letzten Hochburgen des ISIS verblieben. Im Osten liegt der Iran, der ständig daran arbeitet seinen Einfluss beim langjährigen Nachbarn und regelmäßigen Rivalen auszuweiten und die Interessen der schiitischen Mehrheit des Irak zu fördern. Mit den Schiiten verbundene Gruppen haben in der Ebene von Ninive in den letzten Jahren an Einfluss gewonnen, während der Iran vorgeblich ein Interesse an dem Gebiet als strategischem Fuß in der Tür in dem Korridor bekommen hat, der durch Erbil und Mossul nach Syrien verläuft. Das hat die Christen mit der Angst zurückgelasen, dass ihr Heimatland zum Hauptziel der Bemühungen des Iran wird, im Nahen Osten zur dominierenden Macht zu werden. Im Mai befahl das US-Außenministerium die Evakurierung allen nicht unbedingt nötigen Personals aus der Botschaft in Bagdad – und dem Konsulat in Erbil – weil mögliche Angriffe aus dem Iran befürchtet wurden.

Inmitten dieses Konfliktknäuels dienen Christen und andere Minderheiten als Spielsteine von Spielern mit mehr Macht in der Region. Die Christen des Irak müsen ständig durch ein kompliziertes Netzwerk an konfessionellen und politischen Interessen navigieren. Einflussreiche Priester in Erbil, dem Sitz der kurdischen Regionalregierung, sind schnell dabei ihre kurdischen Nachbarn zu loben. Die KRG hat ein Interesse daran die religiösen Minderheiten innerhalb ihrer Territorien zu schützen; Teil der Appelle der Kurden an den Westen ist, dass sie toleranter und mehr dem Pluralismus verpflichtet sind als die Araber. Quert man aber die Linie in arabisch dominierte Teile des Irak und die Loyalität der Priester wechselt: Thabet sagte mir, er glaube das Land solle unter einheitlicher Kontrolle Bagdads stehen. Privat beschweren sich Christen auf beiden Seiten der Grenze über Misshandlung durch Araber wie Kurden, von der Beschlagnahme von Land bis zu dem, was sie als extremistische Predigten in lokalen Moscheen betrachten.

Diese regionalen Spannungen können auch Minderheitsgruppen zutiefst argwöhnisch gegeneinander werden lassen. Christliche Leiter in der Ebene von Ninive nehmen eine existenzielle Bedrohung durch eine Minderheitengruppe wahr, die in den letzten Jahren ähnlich Ziel war und marginalisiert wurde: die Schabak. Die kleine ethno-religiöse Gruppe ist synkretisch und divers, viele Mitglieder identifizieren sich als sunnitisch, schiitisch, arabisch, kurdisch oder eine Kombination davon. Wie andere Minderheiten im Irak waren die Schabak beträchtlichen Nöten ausgesetzt. Manche waren gezwungen sich in dem Konflikt zwischen arabischen und kurdischen Nationalisten zu entscheiden, was in den 1970-er Jahren begann und sie wurden in der Zeit von Saddam Husseins völkermörderischer Kampagne und Vergeltung gewaltsam bestraft. Nach Husseins Sturz wurden die Schabak, wie die Christen und die Jesiden, vom ISIS terrorisiert und vertrieben.

Aber in den letzten Jahren, behaupten christliche Leiter, fanden die Schabak im Iran einen mächtigen Helfer. Schabak-Führer haben Verbindungen zu dem nahen Schiiten-Regime bestritten und das US-Außenministerium hat keine eindeutigen Beweise gefunden, die die vorgeworfene Verbindung nahe legen, hieß es von dem Beamten. Trotzdem glauben christliche Leiter, das die Gruppe vesucht ihre Gemeinden aus der Ebene von Ninive zu verdrängen.

Zehn Minuten auf einer anarchischen Schnellstraße von Karamles entfernt liegt Bartella, eine weitere historisch chrisliche Stadt, von der Thabet befürchtet, sie könnte die Zukunft seiner eigenen Gemeinde repräsentieren. Traditionell haben ethnische Gruppen im Irak dazu tendiert innerhalb ihrer eigenen Städte zu verbleiben. Viele Jahre lang lebten die Schabak als Nachbarn der Christen in der Ebene von Ninive; das Tal um Karamles und Bartella ist gesprenkelt mit kleinen Schabak-Dörfern. Aber als die schiitischen politischen Parteien nach der US-Invasion im Irak zur Macht aufstiegen, begannen Schabak-Gruppen Grundeigentum in historisch christlichen Gebieten aufzukaufen – mit der Hilfe, glauben christliche Leiter, finanzieller Unterstützer aus dem Iran.

Christen, die nach Bartella zurückkehrten, berichten, dass das Leben in ihrer Stadt schwieriger geworden ist, als es vor der Besatzung durch ISIS war. Geschäfte haben wieder geöffnet, aber viele wollen keine Christen beschäftigen. Behnam Benoka, ein syrisch-katholischer Priester, sagte mir, dass eine Reihe Familien von Schikanen durch Schabak-Einwohnern berichteten, etwas, das in früheren Jahren höchst ungewöhnlich gewesen ist. Die zehnjährige Tochter einer Familie wurde auf dem Weg von der Schule nach Hause angegriffen und ihr wurden die Ohrringe gestohlen.

Die Familie des Mädchens lebt in einem leeren Block gegenüber von zwei abgebrannten Häusern. Ihr Haus wurde von ISIS zerstört; sie leben heute im Haus eines Verwandten und Fotografien ihres verlorenen Eigentums in einem Stapel farbenprächtiger Aktenordner. Sie sind sich in der Stadt zu bewegen, nervös, wenn sie ihr Töchter allein zur Schule schicken. Sie Träumen von Auswanderung nach San Diego, wo sie Familie haben.

Die Lage in Bartella ist immer in Thabets Hinterkopf, während er versucht seine Leute davon zu überzeugen nach Karamles zurückzukehren bzw. dort zu bleiben. Im Westen waren Integration und Diversität als löbliche Ziele betrachtet. Im Irak ist die Mentalität nach Angaben von Thabet anders. Die Schabak und die Chaldäer haben verschiedene Kulturen und Bräuche. Sie interprepieren soziale Hinweise und Gesten unterschiedlich. Sie sprechen verschiedene Sprachen. „Es ist für uns besser, wenn sie in ein anderes Dorf ziehen“, sagte mir Thabet.

Andernorts im Nahen Osten stehen Christen vor ähnlichen existenziellen Bedrohungen. In der Türkei übernimmt die Regierung eine aktive Rolle bei religiöser Unterdrückung. Armenische Christen leben mit fast täglichen Drohungen und Vandalismus durch Nachbarn, denen von der örtlichen Polizei Straffreiheit gegeben wird. In Ägypten erklärte Präsident Abdel Fattah al-Sisi seinen Wunsch Gewalt gegen und Diskriminierung von Christen zu verhindern, hat sich aber weithin als machtlos erwiesen dem nachzukommen. Er feierte vor kurzem die Eröffnung einer großen Kathedrale östlich von Kairo, wobei er zu Muslimen und Christen erklärte: „Wir sind eins und wir werden eins bleibn.“ Doch die Kopten, Ägyptens größte christliche Minderheit, sind im Verlauf der letzten Jahre Opfer regelmäßiger Bombenanschläge und Schüsse auf Menschenmengen geworden. An Palmsonntag 2017 töteten Explosionen an zwei Kirchen mehr als 40 Menschen. Im letzten November griffen islamische Militante Busse an, die durch die westliche Wüste fuhren; sie töteten sieben Menschen und verletzten weitere.

Obwohl der Status von Minderheiten in der Region sich unterscheidet, haben diese Fälle eine wichtige gemeinsame Qualität. Sie alle fanden in Ländern statt, die manchmal eine einzige religiöse Identität betonen. Diese Länder versäumten es die Rechte von Minderheiten zu schützen, so sie das überhaupt versuchten. Christen wie auch andere religiöse Minderheiten in der Region werden mit derselben unmöglichen Wahl zurückgelassen, mit der Catrin und Evan vor Jahren rangen: bleiben oder weggehen. Familien müssen abwägen zwischen dem Wunsch in ihren Heimen zu – und damit den Heimen ihrer Vorfahren – zu bleiben und dem Wunsch frei von Diskriminierung und Furcht zu leben.

Für Christen, die in einer Kirche mit so starkem Gefühl für den Ort aufgewachsen sind, bringt Umzug die furchtbare Möglichkeit auf, dass sie eine wsentliche Verbindung zu ihrem Glauben verlieren. An einem Sonntagmorgen im letzten Herbst schloss ich mich Catrin und Evan bei der Messe der Madonna der immerwährenden Hilfe an, einer großen chaldäisch-katholischen Kirche in Detroit. Die Metro Area ist Heimat der größten chaldäischen Diaspora-Gemeinde der Welt: 160.000 Christen aus dem Irak leben dort nach Angaben der chaldäisch-amerikanischen Handelskammer. Nahöstliche Christen, die anderen Traditionen zugehören, z.B. der assyrischen Kirche des Ostens, sind in um um die Stadt ebenfalls vorhanden, zusammen mit einer großen Zahl irakischer Muslime.

Catrin und Evan besuchen die Madonna der ewigen Hilfe, eine große chaldäisch-katholischen Kirche in Detroit (Elaine Cromie)

In der Lobby der Kirche tummeln sich Familien, einschließlich Frauen, die dieselben zarten Spitzentücher für die Haare tragen, wie die Frauen im Irak, bestickt mit den Namen von Pilgerorten wie Lourdes und Jerusalem. Die Priester wechselten zwischen Arabisch und Sureth, segneten die Eucharestie in einer sprache, die der uralten Zunge ihres Erlösers nahe ist. Catrin sagte mir, dass viele der Kinder in der Gemeinde, auch ihre eigenen, Englisch, Arabisch und Sureth sprechen, aber Familien manchmal damit kämpfen ihre Muttersprache an ihre Kinder weiterzugeben. Das gleiche könnte für ihren Glauben gelten. Catrins Sohn Ayoob, jetzt 17 alt, sagte mir, die meisten seiner Freunde in der Schule seien Chaldäer, aber nur wenige von ihnen gehen zur Kirche. Er ist nicht sonderlich interessiert an Religion, sagt er, und findet die Messe lang und langweilig. Am Morgen, an dem ich zu Besuch war, gingen Catrin und Evan alleine zur Kirche.

An das Leben in Amerika gewöhnen sie sich langsam. Zuerst konnte Catrin Englisch kaum verstehen, ganz abgesehen vom Akzent in Michigan. Evan übersetzte für sie im Walmart oder bei Meijer, einer Lebensmittelkette im Mittleren Westen, obwohl er inzwischen verlegen zugibt, dass seine Übersetzungen manchmal nicht richtig waren. Nach vier Jahren waren sie in der Lage ein bescheidenes Haus zu kaufen, das Evan mit der Hilfe von Verwandten und Freunden renovierte. Sie versuchen für Möbel zu sparen; als ich zu Besuch war, war der einzige Gegenstand in ihrem Wohnzimmer eine Topfpflanze.

Catrin und Evan sagten mir, sie vermissen Karamles ungemein; der Geruch der Luft im Frühling, der Geschmack des im dortigen Boden gezogenen Gemüses, die Schönheit seiner für Weihnachten herausgeschmückten Straßen. Am meisten vermissen sie die Menschen. Das Leben in Karamles ist weitgehend um die gesellschaftlichlen Kontakte mit Familie und Nachbarn herum organisiert; Catrin verbrachte Stunden mit Gesprächen und Lachen mit ihren Freundinnen. Nachbarn und Cousins saßen in Reihen vor den Geschäften, sammelten Nachrichten und schüttelten Passanten die Hände. In Detroit, sagte Evan, hat er festgestellt, dass die meisten Menschen beschäftigt sind und in ihren eigenen Häusern bleiben. Catrin arbeitet in Teilzeit und er arbeitet Überstunden, um genug Geld zu verdienen, damit sie ihre Hypothek und die Steuern bezahlen können. Sie bestehen jedoch darauf, dass den Irak zu verlassen die richtige Entscheidung war. „Ich glaube, dass jeder den Irak verlassen sollte“, sagte Catrin mir. „Es ist unsicher. Du weißt einfach nicht, was passieren wird.“

Sie weiß jedoch nicht, ob ihr Bruder jemals weggehen wird. Solange es in Karamles eine christliche Gemeinde gibt, glaubt Thabet, es sei seine Pflicht dort zu bleiben. „Er ist eine Führungspersönlichkeit“, sagte Evan. „Der Anführer kümmert sich um alle. Das ist der Unterschied zwischen mir und ihm.“

Thabet empfindet eine Verantwortung die Stadt wieder aufzubauen und in der nächtsen Generation ein Gefühl des Stolzes auf ihre Geschichte. Aber er weiß um Gefahren im Irak zu bleiben und die Grenzen seiner Macht die Gemeinde intakt zu halten. Seit Catrin in die USA ging, haben weitere Geschwister Karamles verlassen. Eine Schwester ging nach Jordanien. Eine weitere blieb in Erbil, nachdem sie vor ISIS floh. Sie hat Angst nach Hause zu gehen.

Nach einer vierstündigen Messe versammeln sich Einwohner von Karamls auf dem zentralen Platz, um zu Ostern gefärbte Eier aufzubrechen. (Alexandra Rose Howland)

Rund 56 km nordwestlich von Karamles schmiegt sich eine Sadt namens Alqosh an die Berge, die den Irak von der Türkei trennen. Für Christen in der Ebene von Ninive ist Alqosh ein Ort nationalen und religiösen Stolzs, eine Zwischenstation für wichtige Menschen der antiken christlichen Welt, die einige hier in ihrer Bedeutung mit Jerusalem oder Rom vergleichen.

Es gibt zu Alqosh eine weitere Geschichte. Weiter die sich windende Straße der Stadt entlang liegt ein Grab, das Nahum gehören soll, einem biblischen Propheten, von dem man glaubt, er habe in im siebten Jahrhundert v.Chr. in der Region gelebt. Unabhängig davon, ob er tatsächlich dort bestattet wurde oder nicht, beten Juden an diesem Ort. Das Gebäude war eine Synagoge und die Wände sind mit hebräischer Schrift bedeckt. Eine Gravur in einem Stein verspricht: „Dies wird für immer deine Bleibe sein.“

Juden lebten Jahrhunderte lang in Alqosh und tausende Jahre im Irak, wenn auch der Priester, der mich herumführte, Vater Araam, sie nur aus Geschichten kannte. Der babylonische Talmud, der der wichtigste Text des rabbinischen Judentums ist, wurde hier geschrieben. Dann verschwanden die Juden innerhalb einiger wenigen Jahre. Fast alle der im Irak verbliebenen Juden wurden in den späten 1940-er Jahren und Anfang der 1950-er Jahre unter intensivem politischen Druck und Mob-Gewalt richtiggehend aus dem Land vertrieben.

Priester in der Ebene von Ninive betrachten diese Geschichte als Warnung. Auch ihre Gemeinden könnten eines Tags nichts weiter als zugewucherte Gräber sein. Wenn Christen weiterhin die Ebene von Ninive und andere derartige Bereiche verlassen, wird eine beeindruckende Geschichte zu Ende gehen. In der in den USA vorherrschenden protestiantischen Denkweis ist der Leib der Kirche dort, wo immer die Menschen sind. Aber für die uralten christlichen Gruppen im Irak gilt das nicht. Die Menschen, die ich dort traf, erinnerten mich ständig daran, dass die assyrische Kultur dort vor dem Christentum gegründet wurde. Sie weisen auf die Reste antiker Aquädukte und Siedlungshügel hin, Belege für das Imperium, das einst in dieser Region blühte.

Für sie ist das Christentum nicht nur ein Glaube. Es ist Bindung an einen Ort, eine Sprache, eine Nationalität. Verstreut über Länder und Kontinente kann dieses Identitätsgefühl – als Volk, nicht nur als Mitglieder einer Religion – viel schwieriger aufrecht zu erhalten. Das Schicksal der Ebene von Ninive zu sichern, ist entscheidend „um unsere Identität, unser väterliches Erbe, unsere Sprache zu schützen“, sagte mir Thabet. „Wir sind das Urvolk des Irak.“

Wann ist in Israel Weihnachten?

Je nachdem, wenn man fragt, wird Weihnachten in Israel an einer Reihe unterschiedlicher Tage gefeiert.

Maayan Jaffe-Hoffman, Jerusalem Post, 20. Dezember 2019

In der Kathedrale des Heiligen Jakobus, einer armenischen Kirche aus dem 12. Jahrhundert in Jerusalems Armenischem Viertel. (Foto: Wikimedia Commons)

Amerikanische Christen sind es gewohnt Weihnachten am 25. Dezember zu feiern, dem Datum, von dem heute viele glauben, dass es der Jahrestag der Geburt Jesu ist.

Aber in Israel wird Weihnachten am 25. Dezember, 7. Januar und 19. Januar gefeiert.

Warum?

Es gibt zwei verschiedene Kalender, zwei unterschiedliche Daten für Feiern und drei Kirchen.

Dr. Sergio La Porta, Haig und Isabel Berberian-Professor für Armenien-Studien und Interim-Dekan in Stellvertretung am College of Arts and Humanities der California State University in Fresno, erklärte dem Magazin, dass die römisch-katholische Kirche dem gregorianischen Kalender folgt, während die armenische Kirche in Jerusalem und die griechisch-orthodoxe Kirche dem julianischen Kalender folgen.

Armenier im Rest der Welt folgen dem gregorianischen Kalender, der erstmals 1582 von Papst Gregor XIII. eingesetzt wurde. Heute ist der gregorianische Kalender natürlich der international anerkannte Zivilkalender und auch als der westliche, säkulare oder christliche Kalender bekannt.

Der julianische Kalender ist ein Datierungssystem, das von Julius Caesar eingeführt wurde.

„Das machten sie bewusst während der osmanischen Zeit, damit ihre Feiern in der Geburtskirche sich nicht überschneiden“, erklärte La Porta die unterschiedlichen Daten. „Aber das schafft eine Menge Verwirrung – nun, uns verwirrt es stark.“

Die römischen Katholiken feiern am 25. Dezember. Die griechisch-orthodoxe Kirche feiert auch am 25. Dezember, aber nach dem julianischen Kalender, der vom gregorianischen etwa 13 Tage abweicht. Der 25. Dezember des julianischen Kalender fällt auf den 7. Januar [des gregorianischen Kalenders].

Die armenische Kirche in Jerusalem feiert Weihnachten am 6. Januar des julianischen Kalenders, der im gregorianischen Kalender auf den 19. Januar fällt.

La Porta sagte, die Armenier feiern die Geburt und die Offenbarung – den Tag, von dem sie glauben, dass Jesus als Gottes Sohn offenbart wurde – innerhalb von zwei Tagen, vom 5. auf den 6. Januar des julianischen Kalenders oder vom Nachmittag des 18. bis Mitternacht des 19. Januar im gregorianischen Kalender.

„Das half in der osmanischen Zeit immens“, sagte La Porta unter Verweis darauf, dass die Armenier Jerusalems am julianischen Kalender festhalten, während der Rest der armenischen Welt den logischen Wechsel vornahm. „Andernfalls würde jeder zur gleichen Zeit zur Geburtskirche gehen und es hätte Auseinandersetzungen gegeben. Weil sie die Armenier dazu bringen am julianischen Kalender festzuhalten, findet Weihnachten für sie etwa zwei Wochen später statt. Das hilft wirklich.“

La Porta erklärte, dass man in der Zeit des römischen Kaisers Konstantin, der selbst Christ war, anfing Weihnachten am 25. Dezember zu feiern. Das römische Imperium wählte diesen Tag wahrscheinlich, weil die Wintersonnenwende und das antike heidnisch-römische Sonnenwendfestes Dies Natalis Solis Invicti oder Fest der „uneroberten“ Sonne in diesem Zeitraum gefeiert wurden.

„Konstantin hatte die Geburt auf den 25. geschoben, um die Erinnerung an den Sonnen-Feiertag auszulöschen und auch, weil die Menschen damals schon etwas feierten, also war es ein guter Zeitpunkt für einen Feiertag“, sagte La Porta. „Die meisten Forscher glauben, dass Jesus im Frühling geboren wurde, aber es gibt eine Menge Streit darüber.“

Es gibt aber dazu, welcher Kalender genauer ist, keine Diskussion. Der gregorianische Kalender ist genauer als der julianische, der zu viele Tage hatte. Tatsächlich gingen, als 1582 der Wechsel vom julianischen zum gregorianischen Kalender vorgenommen wurde, 10 Tage verloren.

Weihnachtsfeiern in Israel nähern sich langsam stärker an westlichen Feiern an, einschließlich des Aufstellens von Weihnachtsbäumen und Lichterschmuck. Aber der Feiertag im heiligen Land konzentriert sich weiter auf liturgischen Gottesdienst in Bethlehem und gemeindliche Feiern.

Eine Sprecherin der armenischen Presse- und Informationsabteilung des armenischen Patriarchats erzählte dem Magazin von Weihnachtsfeiern am Krippenplatz, wo die Stimmen der jungen Chorsänger und Freudenrufe ihrer Aussage nach von Trompetenklängen, Dudelsäcken und Musik begleitet sind.

Der armenischen Gemeinschaft Jerusalems schließen sich Gottesdienstbesucher aus Jaffa, Haifa und Ramle sowie Pilger aus der Türkei, Armenien und den Vereinigten Staaten an. Die frommeren Besucher beten in der Mitternachtsmesse in der Kirche; der Gottesdienst beginnt zwischen 22 und 23 Uhr und endet erst gegen 6 oder 7 Uhr am nächsten Morgen.

Dann, sagte die Sprecherin, sammelt sich die Gemeinde zu besonderen Kuchen, Brot und Süßigkeiten.

„Es gibt immer Essen für alle“, sagte sie.