Der schleichende Antiisraelismus in der evangelikalen Bewegung

Jim Fletcher, FrontPageMag, 15. Januar 2015

Die Tentakel antijüdischen Eifers scheinen überall zu sein. Nicht einmal die Amerikanische Kirche ist immun gegenüber der Krankheit des Antisemitismus und die Netzwerke zu durchforsten kann eine faszinierende Übung sein. Sie sind so divers und daher auf unterschiedliche Weise gesattelt. Aber sie alle verbindet eine Abneigung gegenüber Juden und Israel.

Ich lebe in einer kleinen Stadt im amerikanischen Süden. Vor ein paar Jahren hielt ich an einem Gemischtwarenladen und bemerkte auf der Theke eine Boulevardzeitung. Ich nahm ein Exemplar und als ich nach Hause kam, erkannte ich, dass eine weiße Herrenmenschen-Postille war, die großzügig mit antisemitischer Propaganda besprenkelt war. Es fühlte sich sogar mächtig wie klassischer, mittelalterlicher Antisemitismus an, der niemals ganz außer Mode kam.

So kommt es, dass ich heute einen großen Teil meiner Zeit mit Recherchen über den Niedergang der Israel-Unterstützung verbringe, besonders innerhalb des amerikanischen Evangelismus, der einst ein Bollwerk der Unterstützung für den jüdischen Staat war.

Von Besuchen bei in Israel erbeuteten palästinensischen Waffen und ausgestellter Propaganda-Literatur bis zur Teilnahme an evangelikalen Führungskonferenzen, an denen antiisraelische Sprecher mitwirkten, ist das Zusehen bei der Erosion der Unterstützung für Israel erschütternd.

Ein Freund schickte mir vor kurzem einen Link zu Blog „Mondoweiss“; diese Seite behauptet, man sei

eine Nachrichtenseite, die sich der Berichterstattung zur amerikanischen Außenpolitik im Nahen Osten widmet, hauptsächlich aus einem jüdisch-progressiven Blickwinkel.

Dieser besondere Link brachte einen Aufsatz von Marc Ellis, Professor em. (der Baylor University), der heute in der Lage ist weit mehr seiner Zeit seiner antiisraelischen Obsession zu widmen, einschließlich Gleichsetzungen Israels mit dem Dritten Reich. Eingeführt wurde er mit einer billigenden Vermerk durch niemand anderen als Dr. Cornel West:

Jedes Mal, wenn ich an meinen Bruder Marc Ellis denke, denke ich an die ruhige Würde, spirituelle Integrität, moralische Beständigkeit, leidenschaftliche Standhaftigkeit und nicht aufzuhaltende Entschlossenheit die Wahrheit zu erzählen, Lügen offenzulegen und Zeugnis abzulegen.

Der Titel dieses Textes – „Burning Children: A Jewish View of the War in Gaza“ (Kinder verbrennen: ein jüdischer Blick auf den Krieg im Gazastreifen) – sagt Ihnen alles, was Sie über Ellis‘ Sicht auf Israelis wissen müssen. Besonders bemerkenswert finde ich den Ton, der denen von Texten ähnelt, die „evangelikalen“ Anführer wie Donald Miller und Lynne Hybels schreiben. Darin liegt eine äußerst interessante Verbindung.

Miller, ein recht berühmter Autor („Blue Like Jazz“) und Hybels, Mitgründerin der mächtigen Willow Creek Association, haben beide auf Catalyst-Konferenzen gesprochen. Mitarbeiter und Organisatoren von Catalyst arbeiten hart daran die Organisation als evangelikale Führungsverbindung darzustellen. Das machtvolle Netzwerk führt jedes Jahr drei Konferenzen durch (in Südkalifornien, Dallas und Atlanta, womit sie das gesamte Land abdecken), auf denen eine vielschichtiger Pulk mitte-linker Redner 50.000 hochrangige Pastoren und andere Kirchenmitarbeiter fesseln. Die Datenbank von Catalyst beinhaltet viele Tausende weitere Pastoren mit reichhaltigen Geldquellen.

Hybels sprach auf Catalyst Atlanta; der Titel ihrer Rede lautete „We Belong to Each Other: Americans, Israelis and Palestinians for Peace“ (Wir gehören zusammen: Amerikaner, Israelis und Palästinenser für Frieden). Er implizierte eine gewaltfreie Form des Protests gegen die „Besatzung“, aber sie verdammte die Anwesenheit der IDF in den Gebieten, sprach vom negativen Einfluss des Sicherheitszauns und behauptete, dass den Palästinensern Wasserquellen fehlen. Ihr Bild mit dem Titel „Der Sechstage-Krieg von 1967“ bekundete: „Israelische militärische Besatzung der Westbank und des Gazastreifens beginnt.“

Alles Standardkost der PLO.

Hybels ist nicht die einzige Fürsprecherin der Palästinenser, die sich an Kirchenpublikum wendet. Auf dem Treffen der Evangelicals for Middle East Understanding (EMEU – Evanglikale für Verständigung im Nahen Osten) in Kalifornien, sprach der anglikanische Vikar Stephen Sizer; Sizer ist der vielleicht größte Kritiker Israels und seiner Freunde – insbesondere christlicher Zionisten – in der Welt.

Die gesamte Konferenz war frei von jedem Kontext: Es gab keine Erwähnung der arabischen Invasion Israels 1948 oder des Zusammenhangs des Sechstage-Kriegs oder des Kriegs von 1973. Zusätzlich waren einige antisemitische Untertöne offensichtlich. Gegen Abschluss der Konferenz sagte Don Wagner (ehemals Professor am Northpark Seminary in Chicago), was manche als Witz beschrieben:

Mehreren der christlich-zionistischen Kandidaten der Republikaner wurde von den Medien direkt vor einer Diskussion gesagt, dass Gaddafi in die Schläfe geschossen wurde.“ [Schläfe ist im Englischen „temple“ wie der Tempel, in dem gebetet wurde.] „Oh mein Gott“, sagte einer, „ich wusste nicht, dass er jüdisch war!“

Solches Gerede wird auf christlichen Konferenzen im ganzen Land Standard.

2011 lud Catalyst Cornel West, den radikalen Professor aus Princeton, ein, über Videolink zur Versammlung in Atlanta zu sprechen. Wie seltsam, dachte ich. Warum sollten betont evangelikale Leiter einen Mann einladen, der sich selbst als „nicht marxistischen Sozialisten“ bezeichnet? (Sie wissen, was das bedeutet, nicht wahr? Er ist Marxist.)

Also frage ich Catalyst-Direktor Brad Lomenick. Viermal.

Keine Antwort.

Schließlich frage ich ihn persönlich auf der Catalyst-Konferenz in Dallas im Mai 2014. Er reichte mich an den neuen Direktor Tyler Reagin weiter, der – so stellte sich heraus – ebenfalls nicht die Zeit hatte meine Frage zu beantworten.

Catalyst will nicht, dass die breite Masse der Evangelikalen herausfinden, was einige von uns, die an Konferenzen teilnahmen, bereits wissen: Sie sind Linke.

Beachten Sie die Einführung in Wests Biographie von 2011, die auf der Internetseite von Catalyst eingestellt ist:

Cornel West ist ein prominenter und provokativer, demokratischer Intellektueller.

David Horowitz‘ diskutiert in seinem Buch „Radicals“ (Radikale“) die geistlose Art des Lebenslaufs von West. Würden doch die evangelikalen christlichen Leiter, die West in den Mainstream bringen, das wissen.

Für diese evangelikalen Leiter ist Horowitz‘ Feststellung zu West lehrreich, dass dieser sich in religiöse Sprache hüllt:

Als unermüdlicher Selbstdarsteller bezeichnet West gewohnheitsmäßig sich und sein Werk als „prophetisch“ (z.B.: „Ich bin ein prophetischer christlicher Freiheitskämpfer“) und hat seine Worte als „prophetisch“ oder „Prophetie“ in die Titel von vieren seiner Bücher gesetzt, darunter eine Sammlung an informeller Texte und Buchrezensionen, die er „Prophetische Fragmente“ nannte, als sei Hesekiel sein Seelenverwandter und die Pergamente mit seinen Weisheiten vom Sand der Zeit gefressen worden.

Das ist ein wichtiger Punkt, denn Cornel West ist bestenfalls ein radikaler Sozialist; dennoch umschlingen ihn christliche Leiter. Es wurde angekündigt, dass West im Juni auf der „Justice Conference“ (Gerechtigkeits-Konferenz) in Chicago sprechen wird, zusammen mit Leitern aus dem evangelikalen Mainstream – Lynne Hybels, Bob Goff und Louie GIglio. Angesichts der angeblichen ideologischen Kluft zwischen Evangelikalen und Linken ist das schockierend.

Es ist die leere Natur der Anerkennung Wests, die wahren Evangelikalen zu schaffen macht,d ie die Infiltration der Gemeinde durch die Linken erkennen. So vermerkt Horowitz:L

Wer ist der Mann, der durch kulturelle Vermittler des Auf und Ab zu solcher Berühmtheit erhoben haben? Seine gerade veröffentlichte Biographie „Brother West: Living and Loving Out Loud [Bruder West: lauthals leben und lieben] (versuchen Sie gar nicht erst diesen Titel zu verstehen) beantwortet die Frage mit einem Sinnspruch, der ein Zitat von ihm selbst ist:

„Ich bin ein Blues-Musiker im Leben des Geistes und ein
Jazz-Musiker in der Welt der Ideen.“ -Cornel West.

Wie viele Sätze, die West schreibt, ist dieser eingängige Satz ein Ersatz für Denken, das keinerlei Sinn macht. „Aber was bedeutet es, Blues-Musiker im Leben des Geistes zu sein?“

Eine gute Frage, aber die spielt für christliche Leiter keine Rolle, die entschlossen sind junge Leiter und Laien linken Ideologen auszusetzen. Darüber hinaus sind Wests antisemitische Verbindungen zutiefst beunruhigend.

„Radikale“ setzen uns zu Wests Sicht der Juden ins Bild:

Er war 2012 ein Promi-Sponsor des „Global March to Jerusalem“, eines vom islamistischen Iran organisierten Angriffs auf den jüdischen Staat. Er hat regelmäßig in der schwarze Befreiungskirche eines weiteren Sponsors des Global March, Jeremiah Wright, gesprochen; dieser ist ein notorischer Antisemitismus und Rassenhasser, den West als „meinen leiben Bruder“ und „prophetischen christlichen Prediger“ betrachtet.

Was Konservative begreifen müssen, ist: Diese Demonstrationen des Schürens von Hass sind nicht länger auf die akademische Gemeinschaft beschränkt. Sie werden inzwischen genauso in den Mainstream des Bible Belt gebracht. Bedenken Sie, dass Donald Miller über Israel geschrieben hat, die IDF sogar Kriegsverbrechen beschuldigt hat (sie habe palästinensische Frauen und Kinder ermordet) und Hybels das Land durchquert und für das palästinensische Narrativ das Wort ergreift.

Die in Paul Kengors wichtigem Buch „Dupes“ (Betrogene) vorgelegten Forschungsergebnisse klingen wahrhaftig glaubhaft. Seit 80 Jahren arbeiteten Totalitäre (zumeist die Sowjets) lange und hart daran Amerika von innen heraus zu untergraben. Während wir unsere Küsten bewachten, erkannten wir die zerstörerischen Auswirkungen des Marxismus nicht, der unsere Universitäten und sogar Predigerseminare durchdrangen. Sie haben die volle Blüte erreicht, was für Freiheit liebende Amerikaner und ihren engen Freund und Verbündeten Israel nichts Gutes verheißt.

Die größte lückenhaft berichtete Story im heutigen Amerika ist Vereinnahmung der evangelikalen christlichen Gemeinde durch die palästinensischen Propagandisten. Es wird sich verschlimmern.

In dieser mutigen neuen Welt finden wir uns durch die Ansichten von West unterdrückt, die gegen den Westen zielen.