Die Unmöglichkeit einer Zukunft der Christen im Nahen Osten

Ein uralter Glaube verschwindet aus den Ländereien, in denen er er zuerst wurzelte. Es steht nicht nur eine Religionsgemeinschaft auf dem Spiel, sondern das Schicksal des Pluralismus in der Region.

Emma Green, The Atlantic, 23. Mai 2019 (Fotos von Alexandra Rose Howland und Elaine Cromie)

Der Anruf kam 2014, kurz nach Ostern. Vier Jahre zuvor hatte Catrin Almakos Familie Sondervisa für die USA beantragt. Catrins Ehemann Evan hatte während der frühen Jahre der amerikanischen Militärbesetzung des Irak US-Soldaten die Haare geschnitten. Jetzt war ein Mitarbeiter der International Organization for Migration am Telefon. „Sind Sie bereit?“, fragte er. Der Familie war ein Ausreisedatum in nur ein paar Wochen zugewiesen worden.

„Ich war so durcheinander“, sagte Catrin mir vor kurzem. Während der Jahre, in denen sie auf ihre Visa warteten, hatten Catrin und Evan diskutiert, ob sie den Irak wirklich verlassen wollten. Beide waren in Karamles aufgewachsen, einer kleinen Stadt im historischen Herzen der irakischen Christenheit, der Ebene von Ninive. Evan gehörte ein Frisörladen in der Nähe einer Kirche. Catrin liebte ihre Küche, in der sie ihre Tage damit verbrachte mit Nüssen und Datteln gefülltes Gebäck zu machen. Ihre Familien lebten dort: ihre fünf Geschwister und alternden Eltern, seine zwei Brüder.

Sie lebten allerdings in ständiger Gefahr. „Jeder, der militärisch mit den Vereinigten Staaten gearbeitet hat – sie werden getötet“, sagte Catrin. Evan war 2004 bei einer Explosion nahe einer Basis der U.S. Army in Mossul verletzt worden. Catrin machte sich Sorgen, weil er zur Basis und zurück auf Autobahnen fahren musste, die einige der am stärksten umkämpften Gebiete im Irak durchquerten. Selbst nachdem er aufhörte für das Militär zu arbeiten, hatten Sie Angst, er könnte Opfer der von Gewalt werden. Diese Angst war mit ihrem Glauben gemischt: Während der Kriegsjahre griffen Aufständische in einem Terrorfeldzug ständig christliche Städte und Kirchen an.

Die Almakos hatten gesehen, wie Nachbarn und Freunde mit derselben Frage kämpften: bleiben oder weggehen? Heute entscheiden sich immer mehr Christen die Region zu verlassen. Die Kurve des Niedergangs der Religion im Nahen Osten hat sich in den letzten Jahren von einem steten Rückgang in einen Absturz wie von einer Felsklippe verwandelt. Die Zahlen im Irak sind besonders krass: Vor der amerikanischen Invasion lebten mindestens 1,4 Millionen Christen im Land. Heute bleiben weniger als 250.000 dort – ein Absturz von 80 Prozent in weniger als zwei Jahrzehnten.

Die Almakos entschlossen sich das Land zu verlassen. Sie verbrachten die verbleibende Zeit in Karamles damit nachzudenken, was sie mitnehmen und was sie zurücklassen sollten. „Du weißt nicht, was du mitnehmen wirst“, sagte Evan mir. „Du muss eine Menge Dinge diskutieren: das eine Wichtige, das andere nicht wichtig.“ Am Ende erwies sich die Auswahl ihrer Besitztümer als zu schwierig. Sie beschlossen fast alle Erinnerungen und Erbstücke zurückzulassen, einschließlich Kästen mit Bildern ihrer Familie und ihrer beiden kleinen Kinder Ajub (damals 12) und Sofya (10). Catrin bestand darauf ein emotional gefärbtes Teil mitzunehmen, ein in Italien gefertigtes kleines gewebtes Tuch von Jesus.

Im Uhrzeigersinn von oben links: Catrin Almako mit Familienmitgliedern, als sie im Irak aufwuchs; Catrin Zuhause in Michigan; ein gewebtes Tuch von Jesus, gefertigt in Italien, das das eine emotionale Teil war, das Catrin mitnahm, als die Almakos den Irak verließen. (Bilder: mit freundlicher Genehmigung von Thabet; Elain Cromie)

Am letzten Abend der Almakos in Karamles platzte ihr Haus aus allen Nähten, weil die Leute der Stadt zu ihnen kamen. Es schien so, als hätten sie alle ein Geschenk, das sie Catrin und Evan für Familienmitglieder in Amerika mitgeben wollten: Süßigkeiten, Gewürze, Kleidung. Nichts, das man in den Vereinigten Staaten nicht finden könnte, aber „das kannst du ihnen nicht sagen“, sagte Evan. Die Menschen im Irak betrachten die USA als einen Ort der Großzügigkeit, erklärte er, aber er ist immer noch grundsätzlich fremd. Von den drei Koffern der Familie war einer mit diesen Geschenken aus der Heimat gefüllt.

Einer nach dem anderen versuchte jedes ihrer Familienmitglieder Catrin und Evan davon zu überzeugen in Karamles zu bleiben. Ihr älterer Bruder Thabet ist Priester und der entschiedenste Verteidiger der Stadt. „Geht nicht“, erinnert sich Catrin an seine Worte. „Bleibt hier.“

Der letzte der Besucher, eine von Catrins Schwestern, blieb bis nach Mitternacht. Die Familie sollte in ein paar Stunden abreisen, aber Catrin konnte nicht schlafen. Sie lag wach, katalogisierte alles, das sie an ihrer Heimat vermissen würde und sorgte sich wegen der vor ihnen liegende Reise. Sie war noch nie mit einem Flugzeug geflogen. Sie war nie weit von Karamles weg gewesen. Einmal abgereist, glaubte sie, würde sie nie wiederkehren.

Die Familie verbrachte ein paar Tage in Bagdad. Sie hatten Aufenthalt in Jordanien, Deutschland und New Jersey. Schließlich kamen sie erschöpft in Detroit an. Sie verbrachten die ersten Wochen im Hause eines Cousins. Catrin hatte großes Heimweh. Allmählich lebte die Familie sich aber ein. Evan fand Arbeit auf dem Bau. Catrin bekam einen Job bei der Heilsarmee. Sie mieteten eine Wohnung. Ihr neues Leben nahm Formen an.

Die Almakos waren weniger als drei Monate in Detroit, als sie hörten, dass der Islamische Staat nach Osten auf Karamles marschierte. Die Terrorgruppe und ihr Vorläufer waren lange südlich der Ninive-Ebene aktiv. Catrin und Evan glaubten immer noch, dass ihre Stadt sicher sei. Sie versuchten verzweifelt ihre Familienmitglieder anzurufen und SMS zu schicken. Sie waren jetzt fast 10.000km weit weg von ihren Lieben. Niemand antwortete.

Allein die unsichere Situation der Christenheit im Irak ist schon tragisch. Die Welt könnte bald schon Zeuge der dauerhaften Vertreibung einer uralten Religion und eines uralten Volkes sein. Diese in dieser Region Einheimnischen haben mehr gemeinsam als den Glauben: Sie bezeichnen sich selbst als Suraye und beanspruchen eine Verbindung zu den antiken Völkern, die dieses Land lange vor der Geburt Christi bewohnten.

Aber das Schicksal der Christenheit an Orten wie der Ebene von Ninive ist auch von geopolitischer Bedeutung. Religiöse Minderheiten sind ein Test der Toleranz eines Landes für Pluralismus; eine gesunde Demokratie schützt verletzbare Gruppe und erlaubt ihnen die Teilnahem an einer freien Gesellschaft. Ob Christen in mehrheitlich muslimischen Ländern überleben und gedeihen können, ist ein entscheidender Indikator dafür, ob Demokratie auch an diesen Orten machbar ist. Im Irak ist die Perspektive düster, so wie auch in anderen Staaten der Region, die historisch christliche Bevölkerung beherbergen, darunter Ägypten, Syrien und die Türkei. Christen, die dort leben, sind Diskriminierung, von der Regierung zugelassener Einschüchterung und regelmäßiger Gewalt ausgesetzt.

Karamles in der Ebene von Ninive ist das gegrafische Herz der irakischen Christenheit – und liegt ein einem erbittert umkämpften Landstreifen. (Alexandra Rose Howland)

Sie haben jedoch einen einflussreichen und mächtigen Verbündeten: die Regierung der USA, die unter Präsident Donald Trump die Unterstützung der Christen im Nahen Osten zu einer noch unverhohlenere Priorität der amerikanischen Außenpolitik gemacht hat als unter George W. Bush oder Barak Obama. Seit Trump das Amt übernahm hat die Ninive-Ebene beträchtliche Investitionen der US-Regierung erhalten.

Zum Teil gründet diese Haltung in der Außenmpolitik in der Innenpolitik. Die konservativen Wähler, die Trump zum Wahlsieg verhalfen, kümmern unterdrückte Christen enorm und sie vermitteln ihre Sorge durch eine außergewöhnlich effektive Lobby-Maschinerie in Washington DC. Aber das Leid der Christen in der Region ist auch ein natürlicher Grund für eine Administration, die Außenpolitik als Kampf zum Erhalt des Einflusses des Westens betrachtet. Für Trump kann das Christentum ein Bollwerk westlicher Werte in einer Region voller wahrgenommener Feinde sein.

Christen, diein ihrem Heimatland bleiben wollen, sagten Vertreter der Administration, sollten die Wahl haben das zu tun. Aber viele Familien in der Ebene von Ninive sind bezüglich ihrer Zukunft zwiegespalten. Sie hegen dieselben Ängste, die Catrin und Evan dazu brachten fortzuziehen, bevor die Verwünstung durch ISIS sie heimsuchte; das Leben ist für christliche Minderheiten seitdem nur schwieriger geworden. Als ich letztes Jahr Familien in der Ninive-Ebene interviewte, gestanden fast alle ein, dass sie weggegangen wären, hätten sie die Chance gehabt. Selbst die, die am stärksten entschlossen sind zu bleiben, haben die Sorge, dass sie, egal, wie viel Hilfe sie aus Washington erhalten, immer noch gefährdet sind. Das Überleben der Christenheit an einem der Orte, wo sie zuerst Wurzeln schlug, wird davon abhängen, ob sie sich entscheiden zu bleiben.

Die Nacht hatte sich über Karamles gesenkt. Es war der 6. August 2014 – das Fest der Verklärung, das die biblische Geschichte der Verwandlung Jesu und dass er von Gott als sein Sohn genannt wurde begeht. Wochen lang waren Priester in der Ebene von Ninive mit kurdischen Militärs, den Peschmerga, wegen der drohenden Gefahr durch ISIS in Kontakt gewesen, der schnell nach Osten vorgestoßen war. Früher im Sommer hatte er die Kontrolle über Mossul erobert, nur 25km von Karamles entfert. Aus der Großen Moschee von Mossul hatte der Kleriker Abu Bakr al-Baghdadi sich zum Kopf eines neuen islamischen Kalifats erklärt. Trotzdem sagten einige im kurdischen Militär, dass sie das Gebiet verteidigen würden.

Aber in dieser Nacht war der ISIS unterwegs und die Peschmerga entschlossen sich zum Rückzug. Gegen 23 Uhr läutete Catrins Bruder Thabet die Glocke von St. Adday, der Hauptkirche von Karamles, die laut genug ist um in jedem Haus in der kleinen Stadt gehört zu werden. So spät in der Nacht konnte das vertraute Läuten nur eine schlimme Warnung sein. Innerhalb von Stunden waren fast alle 820 Familien auf der Schnellstraße aus der Stadt hinaus, unterwegs nach Osten, in die Sicherheit der großen, vorwiegend kurdischen Stadt Erbil.

Thabet wartete, bis er glaubte, alle außer ihm selbst wären evakuiert. Selbst als seine Leute flohen hatte Thabet versucht optimistisch zu bleiben. „Ich hatte die geringe Hoffnung, dass ISIS vielleicht nicht kommen würde“, sagte er mir kürzlich, als wir auf der staubigen Schnellstraße unterwegs waren, die sich westlich von Erbil bis Mossul erstreckt. Aber als Thabet die Peschmerga sich zurückziehen sah, Karamles unverteidigt blieb, erkannte er, dass seine Stadt verloren war. Innerhalb von ein paar Stunden sollten ISIS-Kämpfer eintreffen.

Von jungen Jahren an hatte Thabet sich zum Priesteramt berufen gefühlt. Er liebte den Dienst als Messdiener in seiner chaldäischen Kirche, die aus einem uralten östlichen Ritus der Christenheit entstand, der heute mit dem römischen Katholizismus abgeglichen ist. Nach Jahren der Ausbildung am Seminar, einschließlich etwas Zeit in Rom, wurde Thabet 2008 ordiniert, als er in seinen späten 20-ern war. Bilder von ihm und seiner Familie in den Jahren vor der Besetzung durch den ISIS und besonders vor der US-Invasion im Irak legen ein relativ isyllisches Leblen nahe. Politisch unterschied sich die Lage sehr von Christen in dieser Zeit: Saddam Hussein beaufsichtigte eine Serie brutaler religiöser Maßregelungen, als er an der Macht war, aber sein Regime tolerierte die christliche Minderheit des Landes. Einer seiner sichtbarsten Berater, Tariq Aziz, war Mitglied der Chaldäisch-katholischen Kirche.

Thabet als junger Priester (links) in Karamles während der Karwoche (mit freundlicher Genehmigung von Thabet; Alexandra Rose Howland)

Jetzt sah Thabet, wie alle, die er kannte und liebte, aus seiner Stadt flohen. Eine kleine christliche Enklave in den Außenbezirken von Erbil quoll mit der Ankuft von 13.200 heimatlosen Christen aus der gesamten Ebene von Ninive über. Manche, einschließlich Thabet, waren ohne die Mitnahme grundlegender Güter des täglichen Bedarfs weggegangen. „Als ich ankam, war ich ohne Orientierung, weil ich zwei Tage lang nicht geschlafen hatte“, erinnerte er sich. „Ich musste ausruhen und etwas Kleidung kaufen.“

Weil sie nirgendwo sonst hingehen konnten, schliefen einige der christlichen Flüchtlinge im Hof einer Kirche. „Wir sammelten die Menschen aus den Gärten, von den Straßen und schufen einen kleinen Platz für sie“, sagte Thabet. Irgendwann ließen sich viele der Einwohner von Karamles auf dem Fußboden eines noch nicht fertiggestellten Wohngebäudes nieder; es hatte ein Dach, aber keine Wände. 40 Tage lang lebten die Gemeindeglieder in dem Gebäude, zusammen mit hunderten Flüchtlingen aus anderen Städten.

Bald wurde klar, dass die Vertreibung der Gemeinde nicht in Tagen gemessen werden würde. Familien begannen sich um Erbil herum zu zerstreuen; einige konnte Wohnungen mieten, andere zogen in hastig errichtete Lager. Thabet wrude zum inoffiziellen Führer seiner Leute im Exil – teilweise Priester, teilweise geliebter Onkel, teilweise inoffizieller Bürgermeister. Als Hilfsgelder und andere Hilfe von Gurppen wie den Kolumbus-Rittern ankam, ging das über Kirchenvertreter wie Thabet. Wenn Menschen Kleidung oder eine Unterkunft brauchten, kamen sie zu ihm.

Es dauerte mehr als zwei Jahre, bis das irakische Militär die Ebene von Ninive zurückeroberte. Ein paar Tage vor der Befreiung von Karamles stieg Thabet auf einen kleinen Berg über der Ebene, während Regierungssoldaten in der gesamten Region kämpften. Durch ein Fernglas sah er zu, wie Rauch aus seiner Heimatstadt aufstieg. Als die Kämpfe beendet waren, war er der erste Einwohner, der die Stadt wieder betrat.

Die Zerstörung war atemberaubend. Die Hände einer lebensgroßen Marien-Statue, hellblau gekleidet, waren an den Handgelenken abgeschlagen. Die Glocke von St. Aday, die die Einwohner in der Nacht, als ISIS kam, in Sicherheit geleitet hatte, saß jetzt schief in ihren Turm. Die Kirche selbst war zum Teil schwarz vor Ruß; Thabet glaubt, dass Kämpfer en paar Tage vor ihrem Rückzug Sprengsätze gezündet haben. Enthauptete Statuen von Maria und Jesus umgaben den Altar, dazu die Überbleibsel von Engeln, die von den Wänden geschossen worden waren. Thabet fand im Schutt ein zerrissenes Stück seines Ordinationsumhangs – das einzigeTeil, das ihn an den Tag erinnern kann, als er gelobte seiner Gemeinde zu dienen.

Langsam begannen Thabet und die anderen Priester in der Gegend den Prozess des Wiederaufbaus. In jeder Stadt erstellten Anführer genaue Auswertungen örtlicher Gebäude und berechneten den Schaden in der Ebene von Ninive. Thabet breitete eine große, farblich codierte Karte von Karamles auf den Boden des Pfarrhauses aus. Ein kleines Quadrat stellte sein Elternhaus dar, rot eingefärbt, um zu zeigen, dass es zerstört worden war. Ein weiteres zeigte das Haus von Catrin und Evan – geplündert, aber weitgehend verschont. Insgesamt wurden 672 Häuser beschädigt oder niedergebrannt. Fast 100 waren praktisch abgerissen worden.

Im Herbst 2017 begannen die ersten der Einwohner von Karamles nach Hause zu kommen. Langsam füllten die Straßen sich mit kleinen Zeichen von Gemeinschaftsleben: Menschen wässerten ihre Gärten und riefen nach umherstreifenden Kindern; auf roten Plastikstühlen sitzende Männer, die unter Lichterketten sitzen, die kreuz und quer über das Stadtzentrum hängen. Bis zum Frühjahr sind 450 Familien zurückgekehrt, wenn auch in vielen Fällen in unvertraute Häuser – die von Verwandten, Nachbarn oder Fremden, die sich entschieden nicht nach Hause zu kommen. Ein Schild bei der Kirche, auf Arabisch und in falsch geschriebenem Englisch, verkündet WELLCOME BACK.

Doch selbst jetzt sind die belebetesten Blöcke mit leeren Heimen gesprenkelt, die auf ihre Eigner warten, die sich vielleicht niemals sicher genug fühlen zurückzukommen. Manche Christen verließen die Region komplett; andere begannen in Erbil ein neues Leben.

Im Uhrzeigersinn von links: Zusätzliche Sicherheitskräfte wurden dieses Jahr zu Ostern überall in Karamles angeworben, wobei Soldaten an jeden Eingang zu Dorf stationiert wurden; ein Mitglied der Kirceh zeigt auf eine Landkarte von Karamles, die zeigt, welche Häuser vom Islamischen Staat zerstört wurden; der Hauptfriedhof in Karamles, der von ISIS weitgehend zerstört wurde. (Alexandra Rose Howland)

Einige der Einwohnder von Karamles betrachten ISIS als extremen Ausdruck einer Feindseligkeit, die dem Aufstieg der Gruppe voraus ging und nach ihrer Niederlage bleibt. Im Irak ist Diskriminierung direkt in die Verfassung geschrieben. Das Dokument wurde zwei Jahre nach der US-Invasion geschrieben und erklärt den Islam zur offiziellen Religion des Landes; es verbietet jegliche Gesetze, die „den eingeführten Vorkehrungen des Islam widersprechen“. Dies formt Leben auf alltägliche, aber bedeutsame Weise. Personalausweise kennzeichnen Bürger als Muslime, Christen, Mandäer, Jesiden. Nichtmuslimische Männer können keine muslimischen Frauen heiraten. Kinder gemischter Eltern werden automatisch als Muslime klassifiziert, wenn ein Elternteil muslimisch ist, selbst wenn sie als Folge von Vergewaltigung geboren werden. Für viele im nördlichen Irak lebende Christen ist Diskriminierung Teil des Lebens: Viele Nichtchristen werden keine Christen in ihren Firmen einstellen. Familien beobachten ihre Töchter genau, aus Angst, dass sie Opfer sexueller Gewalt werden.

Angesichts dieser täglichen Demütigungen – sowie der bedenklichen politischen und wirtschaftlichen Umwelt des Irak – hat eine große Zahl an Christen und anderen Minderheiten beschlossen zu fliehen. Aber Möglichkeiten in die USA zu kommen sind jetzt noch seltener als sie es waren, als Catrin Almako ihre Familie nach Detroit brachte. Die Entschlossenheit der Administration Trump Christen im Nahen Osten zu unterstützen korrespondierte mit einem starken Abfall in der Zahl der in den USA aufgenommenen christlichen Flüchtlinge. Unter Obama beschwerten sich Fürsprecher, die Demokraten lehnten es ab verfolgte Christen aufzunehemn, aber die Zahl der aus dem Irak angenommenen Christen hat in den letzten zwei Jahren um 98 Prozent abgenommen. Nach Angaben von Daten des US-Außenministeriums und der Wohlfahrtsorganisation World Relief wurden 2018 nur 23 irakische Christen in den USA aufgenommen, verglichen mit 2.000 im Jahr 2016. Familien, die noch im Irak sind, setzen jetzt stattdesen auf Europa und Australien.

Vertreter der Administration Trump argumentieren, dass eine kleinere christliche Bevölkerung in der Ebene von Ninive der Region langfristig schaden wird. In gewisser Hinsicht haben sie recht. Weniger Christen bedeutent weniger Repräsentation in der irakischen Regierung und geringere Chancen, dass Bagdad christliche Sorgen beherzigen wird. Eine kleinere christliche Gemeinschaft könnte zudem den Feinden der Diversität Mut machen. Länder mit mehr Religionsfreiheit tendieren dazu ein niedrigeres Niveau an Fremdenfeindlichkeit und glaubensbasierte Gewalt aufzuweisen.

Birnadet Hanna, eine in Karamles lebende Historikerin, sagte, ihr Betreuer, ein Muslim, sei überrascht gewesen, dass sie zurückkehrte, nachdem das irakische Militär ISIS aus der Region drängte; er sorgte sich um ihre Sicherheit. Andere Kollegen sagten ihr, dass sie weggehen sollte: Christen gehören nicht in den muslimischen Irak, sagten sie. Sie glaubt jetzt, dass manche ihrer muslimischen Nachbarn mit der Weltanschauung von ISIS sympathisiert haben. Der Aufstieg des Kalifats – und die sinkende Fortune der Christen des Irak – befähigten sie ihren Fanatismus offener zu leben.

Chaldäische Gottesdienste boten eine reichhaltige sinnliche Erfahrung, angefüllt mit Erinnerungen, dass diese Tradition sich in den ersten hundert Jahren nach Christus entwickelte. Die Geschlechter sitzen in der Regel getrennt und Frauen bedecken ihren Kopf mit Spitze als Zeichen ihres Anstands. Ministranten schwenken süßen Weihrauch, Rauchwolken ziehen durch die Gänge. Die Messe wird in einem Dialekt des Aramäischen gefeiert, der Sureth genannt wird – die Eingeborenen-Sprache der Christen hier und eine Schwestersprache der Sprache, die Jesus sprach.

Die Messe ist auch der Schauplatz, wo die obersten Geistlichen ihre politischen Muskeln spielen lassen können; sie führen Argumente an, die weit über die Kirchenbänke hinausreichen. Bei einem Gottesdienst in Ankawa demonstrierte vor kurzem einer der mächtigsten Bischöfe im Irak, Baschar Warda, seine Fähigkeit seine Verbündeten im Westen zu beeinflussen.

An diesem Sonntag, während die Gemeindemitglieder sangen und leichthin plauderten, kam eine Reihe Männer in dunklen Anzügen herein: der damalige US-Botschafter im Irak Douglas Silliman und seine Mitarbeiter. Warda, der Gewänder und einen gepflegten Haarschnitt trug und glatt rasiert war, grüßte die Amerikaner selbstbewusst und stellte sicher, dass sie englische Kopien der Predigt hatten, die er halten wollte. Seine Botschaft war mehr für sie gedacht als für seine eigene Gemeinde.

Thabet (links) leitet das Abendgebet vor St. Adday, einer der Kirchen in Karamles. (Alexandra Rose  Howland)

„Wenn der Rest der Welt wirklich glaubt, dass es einen multikulturellen Nahen Osten geben müsse“, sagte Warda, „muss er auch ehrlich darin sein die sich ständig ändernden und bedingten Formen der muslimischen Toleranz gegenüber Minderheiten abzulehnen.“ Er gab den USA besondere Verantwortung für die Hilfe für die Christen. Die nichtmuslimischen Minderheiten des Irak sind „die Opfer des letzten Regimewechsels im Irak und Opfer des Versagens des politischen Systems seit 2003“, als die USA einmarschierten, sagte er.

Nach der Predigt sagte Silliman mir, die USA hätten sich der Unterstützung dieser Gruppen verpflichtet. „Ich kann mir diesen Teil der Welt, insbesondere die Ebene von Ninive, nicht ohne diese diverse religiöse und kulturelle Geschichte vorstellen“, sagte er. „Sie sind sehr heilige Gemeinschaften, sie haben hier tief gehende Geschichte und wir wollen sicherstellen, dass sie andauern.“ Er wurde bald zu seinem nächsten Stopp gebracht: einem privaten Treffen mit Warda.

Noch unter der Administration Obama betrieben irakische christliche Leiter und ihre Fürsprecher in Washington eine sich lange hinziehende Kampagne, um mehr Geld für Christen in der Ebene von Ninive einzubringen. Auslandsregierungen haben über das Entwicklungsprogramm der UNO (UNDP) Geld zur Stabilisierung fließen lassen, die bis vor 18 Monaten der bei weitem größte Spieler in der Entwicklung der Region war. Schon früh äußerten Religionsführer des Irak, angeführt von Warda, Unzufriedenheit mit der Leistung der UNO. Die Organisation stellte Arbeiter ein, die überbezahlt und unterbeschäftigt waren, behaupteten sie. Ihre Ergebnisse waren oft lausig. (Die stellvertretende Sonderrepräsentantin der UNO für den Irak, Marta Ruedas, sagte mir, die Budget-Zwänge der Organisation waren für die halbfertigen Hausbau-Projekte in der Region verantwortlich. Das UNDP hat Hausbauarbeiten in Bartella und Baschika vollendet.)

Delegierte der Kirchen der Region arbeiteten mit einer internationalen NGO zusammen, um eine Gruppe zusammenzurufen, die sie das Wiederaufbaukomitee Ninive nannten; dieses stellte lokale Männer an, um Häuser in ihren Städten wieder aufzubauen. Unterstützungsfonds würden besser genutzt werden, wenn sie direkt an die Kirchen gingen, argumentierte die Gruppe.

Messe in Karamles (Alexandra Rose Howland)

Fürsprecher der Christen begannen dies in Washington vorzutragen. Bald kam die Administration Trump an Bord. Auf Anweisung des Präsidenten beauftragte Vizepräsident Mik Pence USAID – die Organisation, die Entwicklungsprojkte rund um die Welt finanziert – damit einen Sonderfinanzierungsprozess einzurichten, der dafür sorgt, dass man sich nicht mehr so stark auf die UNO verlässt. Als dieser Prozess die Forderungen der irakisch-christlichen Gemeinschaft nicht erfüllte, gab Pence eine hitzige Erklärung ab; darin sagte er, er würde „keine bürokratischen Verzögerungen tolerieren” und verurteilte das Versagen der Regierung die Verpflichtungen zu erfüllen, die man gegenüber den Minderheiten des Irak eingegangen war. Mark Green, Liter von USAID, nahm Haltung an und kündigte an, eine Reise in die Region stehe unmittelbar bevor. Um diese Zeit tauchte Silliman in der Messe von Warda auf. (Pences Büro antwortete nicht auf Anfragen nach Kommentaren.)

Die Administration Trump hat die Position übernommen, dass Christen und andere Minderhieten zu schützen ein Schlüsselmerkmal der Sicherheit im Nahen Osten ist. Würden Christen in der Ebene von Ninive eliminiert werden, „dann würde das, denke ich, auch ein nicht regiertes Vakkum beschleunigt herbeiführen, das von den Bösen nur allzu leicht gefüllt wird“, sagte Green mir gegenüber. „Sie streben an diese Art von Öffnung auszunutzen. Die Gesundheit und die Sicherheit und die Führung in diesen Gemeinschaften zu begünstigen … dreht sich ebenfalls um die Stabilisierung der Gegend und darum einen Puffer gegen die Rückkehr des gewalttätigen Extremismus zu schaffen.“

Sam Brownback, ehemaliger Gouverneur von Kansas und US-Botschafter für Religionsfreiheit, sagte mir, dass die Unterstützung der Administration für religiöse Minderheiten (zu denen sowohl Christen als auch Jesiden gehören, die von ISIS gleichermaßen verfolgt wurden) eine Fortsetzung des Projkts des Irak-Kriegs ist, wobei er behutsam die Tatsache mied, dass der amerikanische Krieg half die Bedingungen für ISIS’s Aufstieg zu schaffen. Die US-Regierung wirbt für demokratische Prinzipien, argumentierte er, einschließlich des Schutzes religiöser Minderheiten. „Ich denke, es ist für den Irak wichtig und ich denke, es ist für uns wichtig. Ich denke es ist wirklich wichtig für diese Region“, sagte er.

Die ideologische Brücke zwischen der Ebene von Ninive und Washington hat zweifelsohne zum Nutzen der Christen gewirkt. Im Oktober kündigte USAID sogar noch mehr Gelder an: Eine neue Investition von $178 Millionen bringt die gesamte Investition der US-Regierung auf fast $300 Millionen.

Der grüne Hinterhofbereich der Katholischen Universität in Erbil. Fußball- und Basketball-Felder werden gebaut und die Bautätigkeit an einem dauerhaften Gebäude hat begonnen. (Alexandra Rose Howland)

Zum größten Teil ist amerikanisches Geld in den Wiederaufbau von Schulen, Kliniken und Wasser- sowie Elektrizitätssysteme geflossen. In Erbil hat Warda sich zudem ein mächtiges Netzwerk größtenteils privater christlicher Spender zunutze gemacht, um eine Reihe ziviler Institutionen zu bauen: eine farbenprächtige Privatschule, in der Kinder in vier Sprachen lernen; ein katholisches Kolleg, in das christliche Mädchen frei von Belästigung gehen können; ein neues Krankenhaus. Ohne solche Infrastruktur wie diese argumentieren Geistliche und Aufbauhelfer, gibt es keine Chance, dass Christen im Land bleiben werden.

Infrastruktur alleine kann aber kein sozials Vertrauen aufbauen oder die Regierung stabilisieren; und sie kann nicht die physische Sicherheit der Menschheit garantieren. Christen fürchten, dass sie, wenn sie in ihr Leben zurückkehren, nur erneut vertrieben werden. Ob amerikanische Unterstützung und Zugang zu amerikanischer Großzügigkit ausreichen werden, um die Christen des Irak zu versorgen, ist eine offene Frage. Ein Beamter im US-Außenministerium, der unter der Bedingung nicht genannt zu werden sprach, weil er nicht autorisiert war von der Presse interviewt zu werden, sagte mir, die US-Bemühungen den religiösen Minderheiten des Irak zu helfen seien ohne Beispiel, könnten aber auch nicht nachhaltig sein. Die Gruppen im Nordirak gehören zu den vielen rund um die Welt, die Schutz durch die US-Regierung verdienen. Schlussendlich, sagte er, werden die USA auswerten müssen, ob es langfristig für die Stabilität im Irak tatsächlich einen Unterschied macht und ob nicht andere Orte und Völker mehr von diesen Investitionen benötigen.

Seit der US-Invasion im Irak haben regionale Mächte darum gewetteifert das Schicksal des Landes zu bestimmen und fast alle davon haben Anspruch auf die Ebene von Ninive erhoben. Im Norden ist Kurdistan, eine halbautonome Zone, die von der kurdischen ethnischen Minderhit des Landes kontrolliert wird. Territorium im Süden wird von Bagdad regiert, das aggressiv gegen die kurdische Autonomie vorgeht. Im Herbst 2017, um die Zeit, in der christliche Familien begannen in ihre Häuser zurückzukehren, beschlossen die Kurden ein Referendum, mit dem die komplette Unabhängigkeit vom Irak erklärt wurde. Bagdad schlug zurück, verbot internationale Flüge aus den Flughäfen Kurdistans und unternahm Schritte einiges der zwischen den biden Regionen unklaren Territorien zurückzuerobern, einschließlich Teilen der Ninive-Ebene. Das hat manche Christen auf dem Trockenen sitzen lassen: In der Stadt Betanya mussten Menschen, die gehofft hatten ihre Häuser nach der Niederlage von ISIS wieder aufzubauen, wieder fliehen, um den neuen Kämpfen zu entgehen.

Im Uhrzeigersinn von oben links: In der Stadt Karamles wird ein Haus gebaut; ein Bauarbeiter ght in ein katholisches Krankenhaus, das in Ankawa im Bau ist; die  Kathedrale des Heiligen Josef, Erzbischof Baschar Wardas Kriche, im Zentrum von Ankawa. (Aexandra Rose Howland)

Die Ost-West-Achse ist nicht weniger belastet. Im Westen liegt Syrien, wo bis vor kurzm die letzten Hochburgen des ISIS verblieben. Im Osten liegt der Iran, der ständig daran arbeitet seinen Einfluss beim langjährigen Nachbarn und regelmäßigen Rivalen auszuweiten und die Interessen der schiitischen Mehrheit des Irak zu fördern. Mit den Schiiten verbundene Gruppen haben in der Ebene von Ninive in den letzten Jahren an Einfluss gewonnen, während der Iran vorgeblich ein Interesse an dem Gebiet als strategischem Fuß in der Tür in dem Korridor bekommen hat, der durch Erbil und Mossul nach Syrien verläuft. Das hat die Christen mit der Angst zurückgelasen, dass ihr Heimatland zum Hauptziel der Bemühungen des Iran wird, im Nahen Osten zur dominierenden Macht zu werden. Im Mai befahl das US-Außenministerium die Evakurierung allen nicht unbedingt nötigen Personals aus der Botschaft in Bagdad – und dem Konsulat in Erbil – weil mögliche Angriffe aus dem Iran befürchtet wurden.

Inmitten dieses Konfliktknäuels dienen Christen und andere Minderheiten als Spielsteine von Spielern mit mehr Macht in der Region. Die Christen des Irak müsen ständig durch ein kompliziertes Netzwerk an konfessionellen und politischen Interessen navigieren. Einflussreiche Priester in Erbil, dem Sitz der kurdischen Regionalregierung, sind schnell dabei ihre kurdischen Nachbarn zu loben. Die KRG hat ein Interesse daran die religiösen Minderheiten innerhalb ihrer Territorien zu schützen; Teil der Appelle der Kurden an den Westen ist, dass sie toleranter und mehr dem Pluralismus verpflichtet sind als die Araber. Quert man aber die Linie in arabisch dominierte Teile des Irak und die Loyalität der Priester wechselt: Thabet sagte mir, er glaube das Land solle unter einheitlicher Kontrolle Bagdads stehen. Privat beschweren sich Christen auf beiden Seiten der Grenze über Misshandlung durch Araber wie Kurden, von der Beschlagnahme von Land bis zu dem, was sie als extremistische Predigten in lokalen Moscheen betrachten.

Diese regionalen Spannungen können auch Minderheitsgruppen zutiefst argwöhnisch gegeneinander werden lassen. Christliche Leiter in der Ebene von Ninive nehmen eine existenzielle Bedrohung durch eine Minderheitengruppe wahr, die in den letzten Jahren ähnlich Ziel war und marginalisiert wurde: die Schabak. Die kleine ethno-religiöse Gruppe ist synkretisch und divers, viele Mitglieder identifizieren sich als sunnitisch, schiitisch, arabisch, kurdisch oder eine Kombination davon. Wie andere Minderheiten im Irak waren die Schabak beträchtlichen Nöten ausgesetzt. Manche waren gezwungen sich in dem Konflikt zwischen arabischen und kurdischen Nationalisten zu entscheiden, was in den 1970-er Jahren begann und sie wurden in der Zeit von Saddam Husseins völkermörderischer Kampagne und Vergeltung gewaltsam bestraft. Nach Husseins Sturz wurden die Schabak, wie die Christen und die Jesiden, vom ISIS terrorisiert und vertrieben.

Aber in den letzten Jahren, behaupten christliche Leiter, fanden die Schabak im Iran einen mächtigen Helfer. Schabak-Führer haben Verbindungen zu dem nahen Schiiten-Regime bestritten und das US-Außenministerium hat keine eindeutigen Beweise gefunden, die die vorgeworfene Verbindung nahe legen, hieß es von dem Beamten. Trotzdem glauben christliche Leiter, das die Gruppe vesucht ihre Gemeinden aus der Ebene von Ninive zu verdrängen.

Zehn Minuten auf einer anarchischen Schnellstraße von Karamles entfernt liegt Bartella, eine weitere historisch chrisliche Stadt, von der Thabet befürchtet, sie könnte die Zukunft seiner eigenen Gemeinde repräsentieren. Traditionell haben ethnische Gruppen im Irak dazu tendiert innerhalb ihrer eigenen Städte zu verbleiben. Viele Jahre lang lebten die Schabak als Nachbarn der Christen in der Ebene von Ninive; das Tal um Karamles und Bartella ist gesprenkelt mit kleinen Schabak-Dörfern. Aber als die schiitischen politischen Parteien nach der US-Invasion im Irak zur Macht aufstiegen, begannen Schabak-Gruppen Grundeigentum in historisch christlichen Gebieten aufzukaufen – mit der Hilfe, glauben christliche Leiter, finanzieller Unterstützer aus dem Iran.

Christen, die nach Bartella zurückkehrten, berichten, dass das Leben in ihrer Stadt schwieriger geworden ist, als es vor der Besatzung durch ISIS war. Geschäfte haben wieder geöffnet, aber viele wollen keine Christen beschäftigen. Behnam Benoka, ein syrisch-katholischer Priester, sagte mir, dass eine Reihe Familien von Schikanen durch Schabak-Einwohnern berichteten, etwas, das in früheren Jahren höchst ungewöhnlich gewesen ist. Die zehnjährige Tochter einer Familie wurde auf dem Weg von der Schule nach Hause angegriffen und ihr wurden die Ohrringe gestohlen.

Die Familie des Mädchens lebt in einem leeren Block gegenüber von zwei abgebrannten Häusern. Ihr Haus wurde von ISIS zerstört; sie leben heute im Haus eines Verwandten und Fotografien ihres verlorenen Eigentums in einem Stapel farbenprächtiger Aktenordner. Sie sind sich in der Stadt zu bewegen, nervös, wenn sie ihr Töchter allein zur Schule schicken. Sie Träumen von Auswanderung nach San Diego, wo sie Familie haben.

Die Lage in Bartella ist immer in Thabets Hinterkopf, während er versucht seine Leute davon zu überzeugen nach Karamles zurückzukehren bzw. dort zu bleiben. Im Westen waren Integration und Diversität als löbliche Ziele betrachtet. Im Irak ist die Mentalität nach Angaben von Thabet anders. Die Schabak und die Chaldäer haben verschiedene Kulturen und Bräuche. Sie interprepieren soziale Hinweise und Gesten unterschiedlich. Sie sprechen verschiedene Sprachen. „Es ist für uns besser, wenn sie in ein anderes Dorf ziehen“, sagte mir Thabet.

Andernorts im Nahen Osten stehen Christen vor ähnlichen existenziellen Bedrohungen. In der Türkei übernimmt die Regierung eine aktive Rolle bei religiöser Unterdrückung. Armenische Christen leben mit fast täglichen Drohungen und Vandalismus durch Nachbarn, denen von der örtlichen Polizei Straffreiheit gegeben wird. In Ägypten erklärte Präsident Abdel Fattah al-Sisi seinen Wunsch Gewalt gegen und Diskriminierung von Christen zu verhindern, hat sich aber weithin als machtlos erwiesen dem nachzukommen. Er feierte vor kurzem die Eröffnung einer großen Kathedrale östlich von Kairo, wobei er zu Muslimen und Christen erklärte: „Wir sind eins und wir werden eins bleibn.“ Doch die Kopten, Ägyptens größte christliche Minderheit, sind im Verlauf der letzten Jahre Opfer regelmäßiger Bombenanschläge und Schüsse auf Menschenmengen geworden. An Palmsonntag 2017 töteten Explosionen an zwei Kirchen mehr als 40 Menschen. Im letzten November griffen islamische Militante Busse an, die durch die westliche Wüste fuhren; sie töteten sieben Menschen und verletzten weitere.

Obwohl der Status von Minderheiten in der Region sich unterscheidet, haben diese Fälle eine wichtige gemeinsame Qualität. Sie alle fanden in Ländern statt, die manchmal eine einzige religiöse Identität betonen. Diese Länder versäumten es die Rechte von Minderheiten zu schützen, so sie das überhaupt versuchten. Christen wie auch andere religiöse Minderheiten in der Region werden mit derselben unmöglichen Wahl zurückgelassen, mit der Catrin und Evan vor Jahren rangen: bleiben oder weggehen. Familien müssen abwägen zwischen dem Wunsch in ihren Heimen zu – und damit den Heimen ihrer Vorfahren – zu bleiben und dem Wunsch frei von Diskriminierung und Furcht zu leben.

Für Christen, die in einer Kirche mit so starkem Gefühl für den Ort aufgewachsen sind, bringt Umzug die furchtbare Möglichkeit auf, dass sie eine wsentliche Verbindung zu ihrem Glauben verlieren. An einem Sonntagmorgen im letzten Herbst schloss ich mich Catrin und Evan bei der Messe der Madonna der immerwährenden Hilfe an, einer großen chaldäisch-katholischen Kirche in Detroit. Die Metro Area ist Heimat der größten chaldäischen Diaspora-Gemeinde der Welt: 160.000 Christen aus dem Irak leben dort nach Angaben der chaldäisch-amerikanischen Handelskammer. Nahöstliche Christen, die anderen Traditionen zugehören, z.B. der assyrischen Kirche des Ostens, sind in um um die Stadt ebenfalls vorhanden, zusammen mit einer großen Zahl irakischer Muslime.

Catrin und Evan besuchen die Madonna der ewigen Hilfe, eine große chaldäisch-katholischen Kirche in Detroit (Elaine Cromie)

In der Lobby der Kirche tummeln sich Familien, einschließlich Frauen, die dieselben zarten Spitzentücher für die Haare tragen, wie die Frauen im Irak, bestickt mit den Namen von Pilgerorten wie Lourdes und Jerusalem. Die Priester wechselten zwischen Arabisch und Sureth, segneten die Eucharestie in einer sprache, die der uralten Zunge ihres Erlösers nahe ist. Catrin sagte mir, dass viele der Kinder in der Gemeinde, auch ihre eigenen, Englisch, Arabisch und Sureth sprechen, aber Familien manchmal damit kämpfen ihre Muttersprache an ihre Kinder weiterzugeben. Das gleiche könnte für ihren Glauben gelten. Catrins Sohn Ayoob, jetzt 17 alt, sagte mir, die meisten seiner Freunde in der Schule seien Chaldäer, aber nur wenige von ihnen gehen zur Kirche. Er ist nicht sonderlich interessiert an Religion, sagt er, und findet die Messe lang und langweilig. Am Morgen, an dem ich zu Besuch war, gingen Catrin und Evan alleine zur Kirche.

An das Leben in Amerika gewöhnen sie sich langsam. Zuerst konnte Catrin Englisch kaum verstehen, ganz abgesehen vom Akzent in Michigan. Evan übersetzte für sie im Walmart oder bei Meijer, einer Lebensmittelkette im Mittleren Westen, obwohl er inzwischen verlegen zugibt, dass seine Übersetzungen manchmal nicht richtig waren. Nach vier Jahren waren sie in der Lage ein bescheidenes Haus zu kaufen, das Evan mit der Hilfe von Verwandten und Freunden renovierte. Sie versuchen für Möbel zu sparen; als ich zu Besuch war, war der einzige Gegenstand in ihrem Wohnzimmer eine Topfpflanze.

Catrin und Evan sagten mir, sie vermissen Karamles ungemein; der Geruch der Luft im Frühling, der Geschmack des im dortigen Boden gezogenen Gemüses, die Schönheit seiner für Weihnachten herausgeschmückten Straßen. Am meisten vermissen sie die Menschen. Das Leben in Karamles ist weitgehend um die gesellschaftlichlen Kontakte mit Familie und Nachbarn herum organisiert; Catrin verbrachte Stunden mit Gesprächen und Lachen mit ihren Freundinnen. Nachbarn und Cousins saßen in Reihen vor den Geschäften, sammelten Nachrichten und schüttelten Passanten die Hände. In Detroit, sagte Evan, hat er festgestellt, dass die meisten Menschen beschäftigt sind und in ihren eigenen Häusern bleiben. Catrin arbeitet in Teilzeit und er arbeitet Überstunden, um genug Geld zu verdienen, damit sie ihre Hypothek und die Steuern bezahlen können. Sie bestehen jedoch darauf, dass den Irak zu verlassen die richtige Entscheidung war. „Ich glaube, dass jeder den Irak verlassen sollte“, sagte Catrin mir. „Es ist unsicher. Du weißt einfach nicht, was passieren wird.“

Sie weiß jedoch nicht, ob ihr Bruder jemals weggehen wird. Solange es in Karamles eine christliche Gemeinde gibt, glaubt Thabet, es sei seine Pflicht dort zu bleiben. „Er ist eine Führungspersönlichkeit“, sagte Evan. „Der Anführer kümmert sich um alle. Das ist der Unterschied zwischen mir und ihm.“

Thabet empfindet eine Verantwortung die Stadt wieder aufzubauen und in der nächtsen Generation ein Gefühl des Stolzes auf ihre Geschichte. Aber er weiß um Gefahren im Irak zu bleiben und die Grenzen seiner Macht die Gemeinde intakt zu halten. Seit Catrin in die USA ging, haben weitere Geschwister Karamles verlassen. Eine Schwester ging nach Jordanien. Eine weitere blieb in Erbil, nachdem sie vor ISIS floh. Sie hat Angst nach Hause zu gehen.

Nach einer vierstündigen Messe versammeln sich Einwohner von Karamls auf dem zentralen Platz, um zu Ostern gefärbte Eier aufzubrechen. (Alexandra Rose Howland)

Rund 56 km nordwestlich von Karamles schmiegt sich eine Sadt namens Alqosh an die Berge, die den Irak von der Türkei trennen. Für Christen in der Ebene von Ninive ist Alqosh ein Ort nationalen und religiösen Stolzs, eine Zwischenstation für wichtige Menschen der antiken christlichen Welt, die einige hier in ihrer Bedeutung mit Jerusalem oder Rom vergleichen.

Es gibt zu Alqosh eine weitere Geschichte. Weiter die sich windende Straße der Stadt entlang liegt ein Grab, das Nahum gehören soll, einem biblischen Propheten, von dem man glaubt, er habe in im siebten Jahrhundert v.Chr. in der Region gelebt. Unabhängig davon, ob er tatsächlich dort bestattet wurde oder nicht, beten Juden an diesem Ort. Das Gebäude war eine Synagoge und die Wände sind mit hebräischer Schrift bedeckt. Eine Gravur in einem Stein verspricht: „Dies wird für immer deine Bleibe sein.“

Juden lebten Jahrhunderte lang in Alqosh und tausende Jahre im Irak, wenn auch der Priester, der mich herumführte, Vater Araam, sie nur aus Geschichten kannte. Der babylonische Talmud, der der wichtigste Text des rabbinischen Judentums ist, wurde hier geschrieben. Dann verschwanden die Juden innerhalb einiger wenigen Jahre. Fast alle der im Irak verbliebenen Juden wurden in den späten 1940-er Jahren und Anfang der 1950-er Jahre unter intensivem politischen Druck und Mob-Gewalt richtiggehend aus dem Land vertrieben.

Priester in der Ebene von Ninive betrachten diese Geschichte als Warnung. Auch ihre Gemeinden könnten eines Tags nichts weiter als zugewucherte Gräber sein. Wenn Christen weiterhin die Ebene von Ninive und andere derartige Bereiche verlassen, wird eine beeindruckende Geschichte zu Ende gehen. In der in den USA vorherrschenden protestiantischen Denkweis ist der Leib der Kirche dort, wo immer die Menschen sind. Aber für die uralten christlichen Gruppen im Irak gilt das nicht. Die Menschen, die ich dort traf, erinnerten mich ständig daran, dass die assyrische Kultur dort vor dem Christentum gegründet wurde. Sie weisen auf die Reste antiker Aquädukte und Siedlungshügel hin, Belege für das Imperium, das einst in dieser Region blühte.

Für sie ist das Christentum nicht nur ein Glaube. Es ist Bindung an einen Ort, eine Sprache, eine Nationalität. Verstreut über Länder und Kontinente kann dieses Identitätsgefühl – als Volk, nicht nur als Mitglieder einer Religion – viel schwieriger aufrecht zu erhalten. Das Schicksal der Ebene von Ninive zu sichern, ist entscheidend „um unsere Identität, unser väterliches Erbe, unsere Sprache zu schützen“, sagte mir Thabet. „Wir sind das Urvolk des Irak.“

Wann ist in Israel Weihnachten?

Je nachdem, wenn man fragt, wird Weihnachten in Israel an einer Reihe unterschiedlicher Tage gefeiert.

Maayan Jaffe-Hoffman, Jerusalem Post, 20. Dezember 2019

In der Kathedrale des Heiligen Jakobus, einer armenischen Kirche aus dem 12. Jahrhundert in Jerusalems Armenischem Viertel. (Foto: Wikimedia Commons)

Amerikanische Christen sind es gewohnt Weihnachten am 25. Dezember zu feiern, dem Datum, von dem heute viele glauben, dass es der Jahrestag der Geburt Jesu ist.

Aber in Israel wird Weihnachten am 25. Dezember, 7. Januar und 19. Januar gefeiert.

Warum?

Es gibt zwei verschiedene Kalender, zwei unterschiedliche Daten für Feiern und drei Kirchen.

Dr. Sergio La Porta, Haig und Isabel Berberian-Professor für Armenien-Studien und Interim-Dekan in Stellvertretung am College of Arts and Humanities der California State University in Fresno, erklärte dem Magazin, dass die römisch-katholische Kirche dem gregorianischen Kalender folgt, während die armenische Kirche in Jerusalem und die griechisch-orthodoxe Kirche dem julianischen Kalender folgen.

Armenier im Rest der Welt folgen dem gregorianischen Kalender, der erstmals 1582 von Papst Gregor XIII. eingesetzt wurde. Heute ist der gregorianische Kalender natürlich der international anerkannte Zivilkalender und auch als der westliche, säkulare oder christliche Kalender bekannt.

Der julianische Kalender ist ein Datierungssystem, das von Julius Caesar eingeführt wurde.

„Das machten sie bewusst während der osmanischen Zeit, damit ihre Feiern in der Geburtskirche sich nicht überschneiden“, erklärte La Porta die unterschiedlichen Daten. „Aber das schafft eine Menge Verwirrung – nun, uns verwirrt es stark.“

Die römischen Katholiken feiern am 25. Dezember. Die griechisch-orthodoxe Kirche feiert auch am 25. Dezember, aber nach dem julianischen Kalender, der vom gregorianischen etwa 13 Tage abweicht. Der 25. Dezember des julianischen Kalender fällt auf den 7. Januar [des gregorianischen Kalenders].

Die armenische Kirche in Jerusalem feiert Weihnachten am 6. Januar des julianischen Kalenders, der im gregorianischen Kalender auf den 19. Januar fällt.

La Porta sagte, die Armenier feiern die Geburt und die Offenbarung – den Tag, von dem sie glauben, dass Jesus als Gottes Sohn offenbart wurde – innerhalb von zwei Tagen, vom 5. auf den 6. Januar des julianischen Kalenders oder vom Nachmittag des 18. bis Mitternacht des 19. Januar im gregorianischen Kalender.

„Das half in der osmanischen Zeit immens“, sagte La Porta unter Verweis darauf, dass die Armenier Jerusalems am julianischen Kalender festhalten, während der Rest der armenischen Welt den logischen Wechsel vornahm. „Andernfalls würde jeder zur gleichen Zeit zur Geburtskirche gehen und es hätte Auseinandersetzungen gegeben. Weil sie die Armenier dazu bringen am julianischen Kalender festzuhalten, findet Weihnachten für sie etwa zwei Wochen später statt. Das hilft wirklich.“

La Porta erklärte, dass man in der Zeit des römischen Kaisers Konstantin, der selbst Christ war, anfing Weihnachten am 25. Dezember zu feiern. Das römische Imperium wählte diesen Tag wahrscheinlich, weil die Wintersonnenwende und das antike heidnisch-römische Sonnenwendfestes Dies Natalis Solis Invicti oder Fest der „uneroberten“ Sonne in diesem Zeitraum gefeiert wurden.

„Konstantin hatte die Geburt auf den 25. geschoben, um die Erinnerung an den Sonnen-Feiertag auszulöschen und auch, weil die Menschen damals schon etwas feierten, also war es ein guter Zeitpunkt für einen Feiertag“, sagte La Porta. „Die meisten Forscher glauben, dass Jesus im Frühling geboren wurde, aber es gibt eine Menge Streit darüber.“

Es gibt aber dazu, welcher Kalender genauer ist, keine Diskussion. Der gregorianische Kalender ist genauer als der julianische, der zu viele Tage hatte. Tatsächlich gingen, als 1582 der Wechsel vom julianischen zum gregorianischen Kalender vorgenommen wurde, 10 Tage verloren.

Weihnachtsfeiern in Israel nähern sich langsam stärker an westlichen Feiern an, einschließlich des Aufstellens von Weihnachtsbäumen und Lichterschmuck. Aber der Feiertag im heiligen Land konzentriert sich weiter auf liturgischen Gottesdienst in Bethlehem und gemeindliche Feiern.

Eine Sprecherin der armenischen Presse- und Informationsabteilung des armenischen Patriarchats erzählte dem Magazin von Weihnachtsfeiern am Krippenplatz, wo die Stimmen der jungen Chorsänger und Freudenrufe ihrer Aussage nach von Trompetenklängen, Dudelsäcken und Musik begleitet sind.

Der armenischen Gemeinschaft Jerusalems schließen sich Gottesdienstbesucher aus Jaffa, Haifa und Ramle sowie Pilger aus der Türkei, Armenien und den Vereinigten Staaten an. Die frommeren Besucher beten in der Mitternachtsmesse in der Kirche; der Gottesdienst beginnt zwischen 22 und 23 Uhr und endet erst gegen 6 oder 7 Uhr am nächsten Morgen.

Dann, sagte die Sprecherin, sammelt sich die Gemeinde zu besonderen Kuchen, Brot und Süßigkeiten.

„Es gibt immer Essen für alle“, sagte sie.

Ein neuer christlicher Antisemitismus

Die Aufgabe der Theologie erforderte eine Bewertung nicht nur der Bibel, sonder der Realität um uns herum.

Pesach Wolicki, Jerusalem Post, 28. November 2019

Eine indonesische Christin trägt ein Kreuz, während sie am Karfreitag, 6. April 2012 die Via Dolorosa in Jerusalems Altstadt entlang geht. Christliche Gläubige gehen die Route nach, die Jesus zu seiner Kreuzigung entlang der Via Dolorosa in die Grabeskirche ging. (Foto: Darren Whiteside/Reuters)

„Lasst sie in das Land und nach Jerusalem gehen, den Tempel bauen, das Priestertum, das Fürstentum und Moses mit seinem Gesetz errichten, so dass sie wieder Juden werden und das Land besitzen können. Wenn das geschieht, sollten sie uns bald auf ihren Fersen haben und auch Juden werden.“ – Martin Luther (aus Heiko Obermans Wurzeln des Antisemitismus. Christenangst und Judenplage im Zeitalter von Humanismus und Reformation [aus dem Englischen zurück übersetzt – heplev])

Lässt man die sarkastische Natur dieses Zitats Luthers beiseite, wirft es die Frage auf, die für das komplizierte Unternehmen zunehmend relevant ist, das man als jüdisch-christliche Beziehungen kennt. Nämlich: Wie würde Luthers Theologie zu den Juden ausgesehen haben, hätte der aktuelle Staat Israel in seiner Zeit existiert, wohlhabend und bevölkert von Millionen Juden, die von den vier Enden der Erde gesammelt wurden. Ich lege nicht nahe, dass Luther sein Versprechen erfüllt hätte zum Judentum überzutreten. Aber hätte er diese Äußerung auf diese Weise gemacht? Gewiss nicht.

Luther und vor ihm Augustinus betrachteten den Zustand des jüdischen Volks – zerstreut, machtlos und in einem scheinbar ewigen Exil – und zogen ihre theologischen Schlüsse auf Grundlage dessen, was sie sahen und wie sie die Bibel verstanden. Sie und viele andere christliche Theologen vor und nach ihnen lehrten, dass die Kirche Israel als zukünftigen Empfänger der Bundesverheißungen der Bibel ersetzt hat.

Vor ein paar Monaten wurde ich von einer presbyterianischen Pastorin aus den Vereinigten Staaten eingeladen in ihrer Kirche zu sprechen, nachdem sie mich bei einem Besuch in Israel getroffen hatte. Als angesehenes Mitglied der Presbyterianischen Kirche der USA (PCUSA) erbat sie die Erlaubnis des General Presbyter (Kirchenvorstehers) ihres Staates für die Veranstaltung. Die Antwort des GP war lauwarm. Wenig überraschend war er wegen ihrer Anfrage nicht glücklich.

Die PCUSA hegt seit mehreren Jahrzehnten eine obsessive Feindseligkeit gegenüber Israel. Zum Beispiel verabschiedete die Synode 2018 Resolutionen, die Israel als „Kolonialprojekt“ und „Apartheidstaat“ bezeichnete. Einfach „PCUSA and Israel“ googeln wird leichten Zugang zu diesen und anderen ähnlichen Standpunkten liefern.

Was mich überrumpelte war eine bestimmte Äußerung in seiner E-Mail an die Pastorin: „Ich glaube nicht, dass das die Nation Israel des Alten Testaments und die heutige Nation Israel äquivalent sind. Meiner Einschätzung nach sollten sie das auch nicht sein.“

Was war der Zweck dieser Behauptung? War das als historische oder als theologische Äußerung gedacht? Meinte er beteuern zu müssen, dass das jüdische Volk von heute nicht die Nachkommen des biblischen Volks Israel ist? Das mag zwar für die meisten modernen Menschen wahr klingen, die sich nicht als genetische Nachkommen einer bestimmten Nation von vor 3.000 Jahren betrachten, aber es ist eine Behauptung, die ein historisches Problem darstellt, von dem ich nicht sicher bin, dass dieser General Presbyter darüber nachgedacht hat.

Die Geschichte der jüdischen Kontinuität ist festgehalten. Trotz ein paar relativ kurzen Lücken in den schriftlichen Aufzeichnungen gibt es kontinuierliche Aufzeichnungen von Gemeindeleben aus jedem Land und fast jeder Generation von Juden, die mindestens 1.500 Jahre zurückreichen.

Lassen Sie es uns so ausdrücken: Ich bezweifle, dass er behauptete die Juden von heute seien keine Nachfahren der Juden des, sagen wir, 16. Jahrhunderts oder des 12. Jahrhunderts. Diese Behauptung macht nun gar keinen Sinn. Die genealogischen Aufzeichnungen sind durchaus bekannt. Behauptete er, die Juden des 10. Jahrhunderts hätten keine Verbindung zu den Juden des 5. Jahrhunderts am Ende der talmudischen Ära? Unglaubwürdig, gelinde gesagt. Und die Juden der Zeit des zweiten Tempels sind leicht mit denen des babylonischen Exils in der Zeit von Esra und Sacharja zu verbinden.

Ist seine Behauptung theologisch statt historisch? Wenn dem so ist, gibt es weitere Fragen in Hülle und Fülle. Vielleicht ist das Judentum mit Aufkommen des Christentums jetzt irrelevant und daher gibt es keine Juden. Wenn dem so ist, warum behauptete das weder Luther im 16. noch Augustinus im 5. Jahrhundert? Sie und andere christliche Theologen waren in ihrer Antipathie für das jüdische Volk unverfroren. Warum behaupteten sie nicht Ähnliches?

Ich glaube, dass die Antwort in dem Punkt liegt, mit dem ich begann: Die Aufgabe der Theologie erforderte eine Bewertung nicht nur der Bibel, sondern der Wirklichkeit um uns herum. Luther hatte keinen Grund die jüdische Abstammungslinie der Juden um ihn herum zu bestreiten. Für Luther war die Vorstellung, dass die Nachfahren der Nation Israel aus Fleisch und Blut eines Tages in das Land Israel zurückkehren würden, so abwegig, dass er sarkastisch geloben konnte zum Judentum überzutreten, sollte das jemals eintreten. Es war leicht zu sagen, dass die Juden nicht länger irgendeine besondere Bundesbeziehung zum Gott der Bibel hätten. Die Wirklichkeit der misslichen Lage der Juden in seiner Zeit reichte aus, um seine Theologie zu stützen.

Unser Freund, der General Presbyter, hat diesen Luxus nicht. Wenn er die historische Tatsache anerkennt, dass das jüdische Volk heute die Nachfahren des antiken Israel ist, beginnen die theologischen Dominosteine zu fallen. Wenn die Juden das biblische Israel sind, dann ist die Nation Israel tatsächlich ins Land Israel zurückgekehrt. Wenn sie in das Land zurückgekehrt sind, nachdem sie „bis ans Ende des Himmels versprengt“ wurden (5. Mose 30,4), es „in Besitz genommen“ und „glücklicher und zahlreicher als ihre Väter“ (5. Mose 30,5) werden, was heißt das dann über den modernen Staat Israel? Was bedeutet das zu Jahrhunderten christlicher Ersetzungstheologie, die behauptet, dass die Juden keine Bundesverbindung mehr zu Gott haben?

Statt bescheiden mit den Folgen dieses theologischen Umbruchs umzugehen, wie es viele andere Christen, auch der katholischen Kirche, es getan haben, entscheidet sich dieser General Presbyter eine neue Lösung für sein Rätsel zu erfinden.

Nach Angaben von Dr. Tricia Miller, einer christlichen Akademikerin, die christliche Einstellungen zu Israel beobachtet, zirkuliert diese neue Behauptung, dass die heutigen Juden nicht wirkliche Juden sind, erst seit etwa 20 Jahren in den großen protestantischen Kreisen. Es ist nicht schwer die offensichtlich politischen Motive für diese neue Idee zu identifizieren.

Die Ersetzungstheologie der Vergangenheit wurde von der Realität der schlimmen Lage der Juden im scheinbar endlosen Exil gestützt. So antijüdisch sie auch war, sie war eine vertretbare Interpretation der Realitäten der Geschichte, wie sie damals zu sein schienen.

Da diese Theologie jetzt durch die aktuellen Ereignisse unhaltbar geworden ist, haben die antisemitischen Theologen der PCUSA und Ihresgleichen einen neuen Ansatz übernommen. Statt ihre Theologie auf Grundlage der neuen Realitäten anzupassen, die Gott in die Welt unserer Zeit gebracht hat, entschieden sie sich für das Gegenteil. Sie beschlossen die Realität neu zu interpretieren, damit sie zu ihrer antijüdischen theologischen Haltung passt. Statt zu argumentieren, dass die Kirche Israel ersetzt hat, argumentieren sie, dass es überhaupt kein Israel gibt.

Es ist an der Zeit dieser neue Herangehensweise der Haupt-Israelhasser als das zu bezeichnen was sie ist: Die Leugnung jüdischer Identität und jüdischer Geschichte ist der neue theologische Antisemitismus.

Die Auslöschung des jüdischen und christlichen Erbes des Nahen Ostens

Raymond Ibrahim, 9. Oktober 2019 (Front Page Magazine)

Die muslimische Welt befindet sich mit der Geschichte im Krieg. Das muss sie sein, wenn sie hofft das Narrativ bezüglich dessen zu verändern, wie sie entstand und – weit wichtiger – wie niemand außer Muslimen irgendein Recht auf Land hat, das vom Islam beansprucht wird.

Erst vor Kurzem erklärte der Kulturminister der palästinensischen Autonomiebehörde im offiziellen PA-Fernsehen:

Unser Kampf geht gegen den Staat [Israel], der aus dem Nichts kam, ohne eine Geschichte und ohne Geografie, der unser Land stahl und unserer Existenz ein Ende setzen will… Es gibt in der Geschichte nichts, das diese Anwesenheit beweist. Sie haben nicht einen einzigen Stein gefunden… Israel weiß, dass es keine Verbindung zu dieser Stadt [Jerusalem] habt, dass sie keine Verbindung zu dieser Geschichte haben und dass sie keine Verbindung zur Geografie haben, so wie sie keine Verbindung zur Zukunft haben.

Nur Tage später, Anfang September 2019, gab der Kulturminister ähnliche Behauptungen von sich: „Unser Kampf mit dem Besatzungsgebilde ist ein Kampf um das Narrativ. Wir sind die legalen Erben all dessen, was im Land ist… Das Narrativ des Besatzers ist falsch und all seine Versuche Rechtfertigung für seine Anwesenheit zu finden, sind fehlgeschlagen.“

Abu Sayfs Ansichten sind bei den Palästinensern Standard. So hält ein Bericht vom 15. September 2019 fest: „Eines der zentralen Elemente des palästinensischen Narrativs ist die Negierung der gesamten jüdischen Geschichte im Land Israel im Allgemeinen und in Jerusalem im Besonderen. Trotz zahlreicher Quellen und archäologischer Funde, die das Gegenteil beweisen, wiederholt die palästinensische Autonomiebehörde regelmäßig diese Behauptung, weil es die Grundlage dafür ist, dass die PA Israels Existenzrecht bestreitet.“

Die Ironie ist: Obwohl das Judentum eine Jahrtausende alte Geschichte und Anwesenheit in Jerusalem hat, eroberten, kolonisierten und arabisierten Muslime aus Arabien brutal diese antike Stadt im Jahr 637.

Das ist das „philosophische“ Problem, dem nicht nur die Palästinenser trotzen, sondern ein Großteil der muslimischen Welt: Das meiste Territorium, das der Islam beansprucht, wurde Nichtmuslimen durch gewaltsame Eroberung und Kolonisierung in Besitz genommen.

Wenn von daher Eroberer und ihre Nachkommen Rechte auf Macht gründen – wie der Islam es immer getan hat – sollte es so scheinen, dass sie wenig Rechte in Anspruch nehmen können, wenn ihre Macht einmal nachlässt. Daher die muslimische Tendenz die Geschichte umzuschreiben, insbesondere wenn es um Nichtmuslime geht – sich nicht als Eroberer, sondern als „rechtmäßige“ Anspruchsberechtigte auf dieses oder jenes Land darzustellen.

Während solcher Revisionismus in den erwähnten PA-Zitaten zu Israel erwiesen ist, ist er besonders in den Versuchen des Islam Beweise des Christentums aus den von ihm eroberten Ländern zu löschen allgegenwärtig. Das ist nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass das Herz der muslimischen Welt – einschließlich ganz Nordafrikas (von Marokko bis Ägypten) und dem Nahen Osten (Syrien, Irak, Türkei usw.) – Jahrhundert vor dem Kommen des Krummsäbels des Islam christlich war.

Dr. Hena al-Kaldani sagte einst auf einer Konferenz in Amman (Jordanien), für die das Jerusalem Center for Political Studies Gastgeber war: „Es gibt eine komplette Streichung arabisch-christlicher Geschichte der vorislamischen Zeit“, „viele historische Fehler“ und „nicht zu rechtfertigende historische Sprünge in unserem Lehrplan in Jordanien“. „Schulbücher für die 10. Klasse lassen jegliche Erwähnung von Christen oder Kirchengeschichte in der Region aus.“ Wo immer die Christenheit erwähnt wird, wuchern Auslassungen und Falschdarstellungen, einschließlich der Schilderung des Christentums als westliche (d.h. „fremde“) Quelle von Kolonisierung, sagte al-Kaldani.

„Im Irak haben wir dieselbe Situation“, sagte Sharara Yousif Zara, ein Politiker im irakischen Bildungsministerium: „Es gibt fast nichts über uns [Christen] in unsren Geschichtsbüchern und was es dort gibt, ist völlig falsch. Es gibt nichts über uns vor dem Islam. Die einzigen erwähnten Christen kommen aus dem Westen. Viele Iraker glauben, wir seien von dort hierhergezogen. Aus dem Westen. Dass wir Gäste in diesem Land sind.“

„Es klingt absurd, aber Muslime wissen mehr oder weniger nichts über Christen, obwohl sie einen großen Teil der Bevölkerung ausmachen und faktisch die Original-Ägypter sind“, sagte Kamal Mougheth, ein pensionierter Lehrer aus Ägypten: „Ägypten war sechs oder sieben Jahrhunderte [vor der muslimischen Invasion um 640] christlich. Das Traurige ist, dass die Geschichtsbücher seit vielen Jahren von Kleopatra zur muslimischen Eroberung Ägyptens springen. Die Ära der Christen ist verloren gegangen. Verschwunden. Ein riesiges schwarzes Loch.“

Das stimmt mit dem überein, was Kopten mir zu ihren Erfahrungen in der Schule erzählt haben: Es gab praktisch keine Erwähnung von Hellenismus, Christenheit oder der koptischen Kirche – eintausend Jahre der vorislamischen Geschichte Ägyptens. Die Geschichte begann mit den Pharaonen, dann springt sie ins siebte Jahrhundert, als arabische Muslime Ägypten für den Islam „öffneten“. (Wo immer Muslime nichtmuslimische Gebiete erobern, bezeichnet islamische Hagiografie das Ereignis euphemistisch als „Öffnung“, fath, nie als „Eroberung“.)

So wie mit ihrem Umgang mit Jerusalem hat die Löschung der Christenheit aus der Geschichte des Nahen Ostens durch die muslimische Welt Generationen lang muslimische Schüler indoktriniert die unter ihnen lebenden christlichen Minderheiten zu verdächtigen und zu hassen; sie werden als konstruierte parasitische Überbleibsel betrachtet, die angeblich von westlichen Kolonialisten zurückgelassen wurden (obwohl die Christenheit, wie gesehen, dem Islam in der Region um rund sechs Jahrhunderte vorausging).

Das erklärt auch eine der bittersten Ironien des Islam: Die Vorfahren der vielen Muslime, die derzeit Christen im gesamten Nahen Osten verfolgen – inklusive dem PA-Gebiet – waren selbst verfolgte Christen, die im Verlauf der Jahrhunderte zum Islam übertraten um ihr eignes Leiden zu beenden. Mit anderen Worten: Muslimische Nachkommen verfolgter Christen schlachten heute ihre christlichen Cousins ab, ohne jede Ahnung zu ihrer eignen gemeinsamen Herkunft.

So sieht die Tragödie aus, die durch das Umschreiben der Geschichte durch den Islam verursacht ist – ein Umschreiben, das notwendig ist, wo immer Muslime versuchen sich als die „rechtmäßigen“ Anspruchsberechtigten für dieses oder jenes Land darzustellen.

Muslimführer bestreitet jüdische Rechte in Jerusalem vor Repräsentanten des Vatikan

Elder of Ziyon, 4. Oktober 2019

Am Donnerstag besuchten die Repräsentanten des Vatikan für die östlichen Kirchen Leonard Sandri und Fracesco Patton den Tempelberg/das Al-Aqsa-Gelände.

Kardinal Sandri hielt eine Rede, in der er die Position des Vatikan zu Jerusalem betonte, darunter dieses Zitat von Papst Franziskus vom letzten März:

Wir glauben es ist wichtig die Heilige Stadt Jerusalem als gemeinsames Erbe der Menschheit zu erhalten und vor allem für die Gläubigen der drei monotheistischen Religionen, als einen Treffpunkt und Symbol friedlicher Koexistenz, an dem gegenseitiger Respekt und Dialog kultiviert werden.
Mit diesem Ziel vor Augen müssen der besondere multireligiöse Charakter , die geistliche Dimension und die eigene kulturelle Identität Jerusalems erhalten und gefördert werden.
Wir hoffen daher, dass den Gläubigen der drei monotheistischen Religionen in der Heiligen Stadt die volle Freiheit des Zugangs und das Recht eines Jeden seinen eigenen Gottesdienst zu feiern gewährt wird, damit in Jerusalem von seinen Gläubigen das Gebet zu Gott, dem Schöpfer von allem, für einen zukünftigen Frieden und Brüderlichkeit auf der Erde aufgerichtet wird.

Scheik Mohammed Azzam Al-Khatib Al-Tamimi, Generaldirektor der Waqf und der Al-Aqsa-Moschee, antwortete mit einer antiisraelischen Äußerung, die zudem jegliche jüdische Verbindung zu Jerusalem leugnete:

Ich danke der franziskanischen Delegation in Jerusalem, der Delegation des Vatikan, für diesen Besuch und für Ihre Solidarität mit der Behörde der Waqf in Jerusalem, die wegen der fortgesetzten historischen israelische Verletzung der Al-Aqsa-Moschee eine schwierige Zeit erlebt.
Das heutige Treffen hat eine historische Bedeutung und wir können sagten, dass es früheren Besuchen des Obersten Pontifex Franziskus bei unserem Grundbesitz (Waqf) und unserer Al-Aqsa-Moschee folgt und er ist eine klare und feierliche Botschaft auf Grundlage der christlich-muslimischen Koexistenz und Ihre fortgesetzte Unterstützung zum Erhalt des historischen Status quo in islamischen und christlichen Schreinen gemäß den Vereinbarungen, die vor der Besetzung Jerusalems 1967 eingerichtet wurden.
Das Modell der friedlichen islamischen und christlichen Koexistenz in Jerusalem hat 1.400 Jahre angehalten, aber leider können wir nicht vergessen, sondern verurteilen die Kriege und Angriffe gegen Gotteshäuser, gegen die Gläubigen und die unschuldigen Einwohner der Heiligen Stadt und betrachten diese Taten als Anomalie in der Geschichte Jerusalems.

Dann macht er es noch schlimmer:

Wir nutzen die Gelegenheit dieses Treffens um unser Festhalten an den Prinzipien des Omar-Paktes, der die Form der christlich-muslimischen Beziehung auf der Grundlage einrichtete, dass die Al-Aqsa-Moschee ausschließlich Gebetsort für die Muslime ist, so wie die Grabeskirche das für die Christen ist.

Dieser Pakt, auf Arabisch als „al-‘Uhda al-‘Umariyya“ bekannt, ist bezüglich seiner Authentizität in Frage gestellt; es gibt viele Versionen. Die scheinbar zuverlässigste Version, von Al-Tabari festgehalten, beinhaltet:

Dies ist die Zusage der Sicherheit [aman], die der Diener des Gottes, Omar, der Kommandeur der treuen Gläubigen, dem Volk von Jerusalem gegeben hat. Er hat ihnen Sicherheit für sich selbst, ihren Besitz, ihre Kirchen, ihre Kreuze, den Kranken und Gesunden der Stadt zugesichert, für alle ihre Rituale, die zu ihrer Religion gehören. Ihre Kirchen werden nicht von Muslimen bewohnt werden, noch werden sie zerstört werden. Weder sie noch das Land, auf dem sie stehen, auch nicht ihr Kreuz, nicht ihr Landbesitz werden beschädigt werden. Sie werden nicht zwangskonvertiert. Kein Jude wird mit ihnen in Jerusalem leben.*

Wenn Al-Tamimi sich auf Omars Versprechen an die Christen bezieht, löscht er weiter jüdische Geschichte aus.

Die Vertreter des Vatikans sind natürlich zu höflich, um bei einer Zeremonie gegen den auseindeutigen Antisemitismus des Repräsentanten der Waqf zu protestieren, die die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Religionen feiert sollte. Die Juden den Wölfen zum Fraß vorzuwerfen ist ein kleiner Preis, der dafür bezahlt wird.

Oh und arabische Nachrichtenseiten berichten über Tamimis Worte, als würde der Vatikan dem zustimmen.

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* Gehörte der antisemitische Teil wirklich zu Omars Zusicherung? Tamimi scheint das so zu sagen. Islamicity in den USA argumentiert, es habe nicht so sein können, zerstört dann aber Tamimis Beharren auf muslimische Exklusivität für den Tempelberg!

Es gibt in dem Vertrag zwar eine Klausel bezüglich des Bannes der Juden aus Jerusalem, aber deren Authentizität ist umstritten. Einer der Führer von Omar in Jerusalem war ein Jude namens Kaab al-Ahbar. Omar erlaubte Juden weiterhin auf dem Tempelberg und an der Klagemauer zu beten, während die Byzantiner ihnen alle solche Aktivitäten verboten. Damit steht die Authentizität der Klausel zu den Juden in Frage.

Andere Quellen sagen, dass Omar Jerusalem niemals besuchte, sondern Zeugen sahen, dass Juden auf den Tempelberg gelassen wurden und sogar halfen den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee zu bauen.