Irre Kreuzträger

Die Märkische Allgemeine Zeitung berichtet:

Führende Kirchenvertreter aus Brandenburg haben öffentlich Zweifel an der deutschen Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg geäußert. „Ich vermute, es ist zu einfach zu sagen, am 1. September ’39 hat der Zweite Weltkrieg durch Deutschland begonnen und Deutschland war ganz allein Schuld und alle anderen wollten gar keinen Krieg, die Großmächte“, sagte die evangelische Generalsuperintendentin Heilgard Asmus im RBB-Fernsehen.

Auch der katholische Potsdamer Pfarrer Klaus-Günter Müller äußerte sich missverständlich: „Der Friede von Versailles, der war so ungerecht, dass die Leute sagen, das ist Unrecht. Und wenn man einen ungerechten Frieden macht: dass das nach Revanche schreit, ist doch klar.“ Der Versailler Vertrag sei ein ungerechter Frieden gewesen und habe nach Revanche geschrien, sagte er.

Der Artikel enthält noch mehr, das diese Kirchenvertreter in recht zweifelhaftes Licht stellt. Aber dieser Wahn sollte schon genügen.

Dass der Versailler Vertrag ein Rache-Frieden war und den Boden für die Revanchisten ebnete, dürfte zweifelsohne eine berechtigte Sicht sein. Aber wer sich die Entwicklung in der zweiten Hälfte der 1920-er Jahre ansieht, der sollte erkennen, dass sich da ein gewaltiger Wandel ergab. Dieser wurde durch den Machtantritt der Nazis zurückgeschraubt, aber der Versailler Vertrag wurde im Laufe der 1930-er Jahre ausgehöhlt und seine Vorkehrungen zum Teil abgeschafft. Das Nazi-Regime brach ihn, zog sich aus dem Völkerbund zurück und führte sich heftig auf, ohne dass es Konsequenzen gab.

Noch eklatanter war Hitlers Wille Krieg zu führen und „Lebensraum“ zu erobern. Dazu war er fanatisch entschlossen und keiner konnte etwas dagegen unternehmen, ohne Krieg zu führen. Das belegen alle Protokolle und Bericht aus Hitlers Umfeld und der Nazi-Führungsetage. Er wollte diesen Krieg, koste es, was es wolle. Das beweisen alleine schon seine Ausbrüche nach dem Münchener Abkommen.

Wer vor diesem Hintergrund behauptet, die die Entente-Mächte mit ihrem Versailler Vertrag hätten eine Mitschuld am Zweiten Weltkrieg zu tragen, der lügt. Man kann die Westmächte kritisieren, weil sie Hitler zu lange mit Appeasement ruhigzustellen versuchten. Man kann sie kritisieren, dass sie die Tschechen verrieten, dass sie den Verletzungen der Bestimmungen des Versailler Vertrags durch Hitler keine Konsequenzen folgen ließen. Aber die Schuld für den Zweiten Weltkrieg trägt Hitlerdeutschland alleine.

Wer etwas anderes behauptet, ist entweder völlig ahnungslos oder ein Charakterschwein, das nicht in der Lage ist geradeaus zu denken. (Aber welche modernen … nee, das lasse ich jetzt, das ist ein Vorurteil, wenn auch eines, das immer wieder bestätigt wird.)

Europas Wirtschaftskrieg gegen Israel

Benjamin Weinthal, New York Post, 11. Juni 2015

Wenn es darum geht mit den zunehmenden Aufrufen zu Boykott, De-Investitionen und Sanktionen gegen Israel umzugehen, bewegen sich die USA und Europa in zwei entgegengesetzte Richtungen.

Letzte Woche unterschrieb die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, ein Gesetz, das öffentlichen Gremien verbietet Geschäfte mit Firmen zu machen, die Israel diskriminieren. Es ist das erste seiner Art, allerdings werden andere Staaten wahrscheinlich nachziehen. Derweil hat die wachsende Unzufriedenheit mit dem eingefrorenen israelisch-palästinensischen Friedensprozess die EU-Staaten zu der Forderung gebracht, Produkte aus Siedlungen in den umstrittenen Gebieten in der Westbank und auf den Golanhöhen sowie in Ostjerusalem zu kennzeichnen.

Wenn jüdische Waren zu kennzeichnen dunkle Erinnerungen wachruft, dann auch bei deutschen Neonazi-Gruppen, die gerade die BDS-Bewegung des Landes vereinnahmt haben. Die Neonazis sollten aber nicht die ganze Aufmerksamkeit bekommen – Waren aus Ostjerusalem zu kennzeichnen ist ein unverfrorener Akt des europäischen Wirtschaftskriegs, zudem einer, der die Prinzipien genau des Friedensprozesses verletzt, den Europa zu fördern behauptet. Die Europäische Union selbst definiert Jerusalem als corpus separatum – eine „abgetrennte Einheit“, deren Status Verhandlungen unterliegt – statt besetztes Gebiet.

Weiter gefasst hat der Drang israelische Handelsgüter zu kennzeichnen Deutschlands wieder auflebender Rechtsextremen erlaubt sich an die Front der Antiisrael-Bewegung zu drängen. 2009 forderte Jürgen Rieger, ein Holocaust-Leugner und damals stellvertretender Vorsitzender der Neonazi-Partei NPD, die Deutschen auf Israel zu boykottieren. 2012 brachte die Partei einen Gesetzesvorschlag im Landesparlament von Mecklenburg-Vorpommern ein, alle israelischen Produkte zu kennzeichnen. Udo Pastörs, der NPD-Parteichef in diesem Bundesland, hat Deutschland zu einer „Judenrepublik“ erklärt. Inzwischen ehrte die NPD in Thüringen den sozialdemokratischen Bürgermeister von Jena, Albrecht Schröter, wegen dessen Unterschrift unter einer Petition, mit der eine verpflichtende Kennzeichnung israelischer Waren gefordert wird.

2013 brachte Deutschlands einflussreiche Grüne Partei eine Initiative in den Bundestag ein, die weithin die von den Neonazis befürworteten Gesetzesvorlagen aus dem Vorjahr spiegelt. Letzten Sommer entwarf auf der Höhe der Massendemonstrationen gegen Israels Anstrengungen die Hamas-Raketenangriffe zu stoppen eine weitere Neonazi-Partei, „Der Dritte Weg“, eine detaillierte Aufforderung zum Boykott Israels. Die Bewegung, deren Ziel die Schaffung eines „deutschen Sozialismus“ ist, überschrieb ihren Plan mit: „Was jeder gegen den zionistischen Völkermord tun kann“.

Aus Israels Perspektive stellt der europäische Vorschlag der Kennzeichnung von Waren eine heikle Sache dar, die zu einem voll entfalteten Boykott israelischer Produkte führt. Eine Antwort aus Israels Außenministerium fing die Entrüstung ein: „Es scheint so, als ob europäische Staaten jetzt einen gelben Flecken auf israelische Produkte kleben wollen. Wir wissen, dass das, was als Kennzeichnung israelischer Produkte beginnt, schnell in einen kompletten Boykott israelischer Waren verkommt.“

Zu seinen Gunsten muss gesagt werden, dass Deutschland den Brief europäischer Außenminister nicht unterschrieb, mit dem die Kennzeichnung von Produkten gefordert wird. Die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel hat demonstriert, dass sie aus der Geschichte ihres Landes gelernt hat: Die erste Phase des Holocaust begann immerhin mit das Vorgehen gegen jüdische Geschäfte mit dem kruden Nazi-Motto „Kauft nicht bei Juden“. Beim Besuch in Israel sagte Merkel rundheraus, dass Israel zu boykottieren „für Deutschland nicht zur Debatte steht“.

Trotzdem unterschrieben 16 der 28 EU-Außenminister den Brief für Sanktionen, darunter führende Regionalpolitiker aus Frankreich und Großbritannien, ebenso Deutschlands Nachbar (und Hitlers Geburtsland) Österreich.

Wirtschaftsmaßnahmen, die Israel schaden sollen, werden die Israelis noch weiter davon überzeugen, dass Europa kein fairer Vermittler beim Erreichen einer friedlichen Lösung des Nahost-Konflikts sein kann. Europäer, die hoffen die Sache des Friedens voranzubringen, sollten es sich zweimal überlegen, Ideen zu fördern, die an das dunkelste Kapitel des Kontinents erinnern.

Mit der GEW Israel hassen

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 29. Mai 2015 (direkt vom Autor)

Die hessische Abteilung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bietet für ihre Pädagogen eine Studienreise nach „Palästina/Israel“ an. Nach einer Anreise über Kiew stehen auf dem Programm Gespräche und Treffen mit palästinensischen Organisationen wie “Al-Haq”, dem Bethlehemer Forschungszentrum Research-Center Arij von Raed E Abed Rabbo und ein Gespräch mit Ali Jiddah vom „Alternativen Informationszentrum“ in Jerusalem. In Nablus sind Gespräche mit „Aktivisten“ geplant. Der Hydrologe Clemens Messerschmidt wird die Gruppe zu einem „Wassertag“ durch das Jordantal führen. Messerschmidt bezichtigt Israel, den Palästinensern Wasser zu stehlen und behauptete, dass Israel (nicht existierende) Staudämme gebaut habe, um den Gazastreifen zu überschwemmen. Mit Mazin Qumsiyeh der Uni Betlehem wird einer der führenden Aktivisten des „gewaltlosen Widerstands“ in Palästina vorgestellt, dessen Aktionen zu gewalttätigen Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften führen.

Obgleich die Studienreise laut Ankündigung auch nach Israel führt, stehen nur eine Busfahrt durch „die jüdische Siedlung“ Ma’ale Adumim und ein Besuch im palästinensisch-israelischen Dorf Neve Shalom/Wahat al-Salam im Programm. Danach geht es zu den Ruinen des „ehemaligen palästinensischen“ Dorfes Sar´a. Das biblische Dorf geriet 1948 zwischen die Fronten. Seine Bewohner flohen nach Kalandia, einem Flüchtlingslager in Jerusalem, aus dem auch der Reiseleiter Fuad Hamdan stammt. Seit 1993 ist er Geschäftsführer des „Eine-Welt-Haus“ in München.

Hamdan vertritt die „Einstaatenlösung“ und die „Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge“. Dieser Revisionismus stößt auf keine Kritik. Vertreter der Sudetendeutschen, Ostpreußen oder Schlesier werden selten von deutschen Gewerkschaften eingeladen. In der Süddeutschen Zeitung schrieb Hamdan, Israel sei „mit Abstand die stärkste und zugleich aggressivste Militärmacht in der Region. Der kleine David hat sich längst zu einem atomaren Monster entwickelt.“ Es fragt sich, was die Gewerkschaft deutscher Erzieher und Lehrer mit dieser Propagandafahrt für seine Mitglieder bezweckt. Kein Wunder, wenn derart indoktrinierte Lehrer daheim dem Hass auf Juden wenig entgegensetzen.

Die GEW schreibt: „Es ist eine besondere Verpflichtung der Pädagogen und Wissenschaftler in Deutschland ein Klima der Toleranz gegenüber Minderheiten zu schaffen. Das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Kulturen zu ermöglichen, ist in unserer Zeit eine Hauptaufgabe aller gesellschaftlichen Einrichtungen und Gruppen.“ Für Juden oder Israelis scheint das bei den hessischen Vertretern der GEW nicht zu gelten.

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (31.05.-06.06.2015)

Sonntag, 31.05.2015:

Die PA lässt wieder hetzen: In einem Musikvideo singt ein bewaffneter Kindersoldat zu trainierenden und schießenden Terroristen. Abbas-Berater Sultan Abu Al-Einein sagt, der Widerstand müsse wiederbelebt werden, damit es „tägliche Konfrontation mit dem Feind“ gibt. Weil das Gewehr der PalAraber stärker ist als man glaubt.

Die PA hat Terrorismus verurteil – der darin bestehen soll, dass sich Juden auf dem Tempelberg befinden.

War auch zu erwarten: Er hatte den Antrag auf Ausschluss Israels aus der FIFA zurückgezogen, aber Jibril Rajoub will weiter daran arbeiten, dass dieser eingebracht und beschlossen wird.

Einmal mehr betonte die Hamas, dass sie weite israelische Soldaten entführen will. Das ist der beste Weg Terroristen aus israelischen Gefängnissen freizubekommen.

Beim Besuch von Walter Steinmeier sagte Netanyahu, die Palästinenser sollten ihre Delegitimierungsbemühungen einstellen und ohne Vorbedingungen an den Verhandlungstisch zurückkehren. Der einzige gangbare Weg sind direkte Gespräche. Er glaube, dass die Lösung in zwei Staaten für zwei Völker besteht.

Montag, 01.06.2015:

Die PA zerstört weiter jede Chance auf Frieden, indem sie ihre Kinder lehrt, dass Juden eine innewohnende boshafte Natur haben und Konflikt Teil des Islam ist. Aktuell strahlen sie im Kinderprogramm des Fernsehens ein Mädchen mit einem Gedicht aus, in dem es u.a. heißt, Juden seien „barbarische Affen“, „die übelsten Kreaturen“, und „die, die Allahs Propheten ermordeten“.

Dass Jibril Rajoub seinen Antrag auf Ausschluss Israels aus der FIFA zurückgezogen hat, kommt bei den PalArabern gar nicht gut an. Die Palestinina BDS Campaign geifert, er habe seine Verpflichtung nicht erfüllt. Aus dem Gazastreifen nennt man ihn einen Feigling. Und vieles mehr.

Jetzt dürfen Juden auf dem Tempelberg nicht einmal mehr von den öffentlichen Wasserspendern trinken. Anweisung der Polizei!

Shimon Peres und Wissenschaftsminister Danny Danon haben ein neues Technikprojekt initiiert, bei dem sich jüdische und arabische Studenten/Schüler aus ganz Israel online treffen, um sich besser oder überhaupt erst kennenzulernen.

Heckmeck:
Es steinmeiert wieder Israel: Er hat die Hoffnung, dass alle Seiten sich bewusst sind, dass wir hier (in Gaza) auf einem Pulverfass sitzen und sichergestellt werden muss, dass die Lunte nicht angezündet wird. Das Risiko einer neuen Eskalation kann nur entscheidend reduziert werden, wenn wir „wirtschaftliche Entwicklung im Gazastreifen zusätzlich zur humanitären Hilfe und Wiederaufbau leisten“. Und das ginge nur mit offenen Grenzen. Was voraussetzt, dass es keine Raketenangriffe auf Israel mehr gibt. [Kommentar: Das Risiko kann nur reduziert werden, wenn die Ideologie der Hamas beseitigt wird! Und wenn auch die PA aufhört zu hetzen und die Bevölkerung zum Judenhass zu erziehen. Geschieht das nicht, ist alle sonstige Hilfe sinnlos. Und das muss auch Herr Steinmeier endlich einmal begreifen!]

Dienstag, 02.06.2015:

Die Sicherheitskräfte der Hamas warnen: Junge israelische Frauen geben auf Facebook vor Araberinnen zu sein und suchen Kontakt mit jungen Arabern des Gazastreifens, um sie in Fallen zu locken und Informationen für Israel zu sammeln.

Kindersendung im PA-Fernsehen: Eines Tages werden wir Jaffa, Haifa, Akko und Nazareth zurückerobern.

Das ist wohl die falsche Adresse: Die Regierung der Niederlande gab eine Reiseempfehlung/-warnung aus, in der vor Steine werfenden Siedlern in Judäa und Samaria gewarnt wird. (Vor Steine werfenden Arabern wird nicht gewarnt…)

Mittwoch, 03.06.2015:

Die Hisbollah wurde gestern nicht von der israelischen Luftwaffe angegriffen. Das war ein Fehler, der dadurch zustande kam, dass gleichzeitig mit dem Auftauchen israelischer Kampfflugzeuge in der Region eine syrische Rebellengruppe einen Hisbollah-Posten angriff.

Die PA – das sind die mit dem zu wenig Geld für die Versorgung der eigenen Bevölkerung – hat einen neuen Fernsehsender gegründet, der als Zielgruppe die israelischen Araber hat. Das Programm des Senders ist klar: Hetze gegen Israel und Aufhetzung der Araber dort.

Donnerstag, 4. Juni 2015:

Die Islamistengruppe, die die letzten Raketen nach Israel schoss, hat gelobt weitere Raketenangriffe zu starten und „die Juden anzugreifen“ (NICHT die „Zionisten“ – „die Juden“).

Mahmud Abbas verlieh einer Terroristin, die 1967 ein Kino in die Luft jagte, den „Militärischen Ehrenstern“ für seine „Pionierrolle im Kampf“ und „das Gute für die Öffentlichkeit“.

Heckmeck:
Saeb Erekat bestritt Gerüchte, dass die PA Geheimgespräche mit Israel führt.

Freitag, 05.06.2015:

Hassan Nasrallah droht damit im nächsten Krieg „Millionen“ Israelis heimatlos zu machen. Die Zeit, „in der die Israelis unsere Häuser zerstörten und die ihren behielten, ist seit 2006 beendet“, behauptete er.

Die Hamas ließ am Donnerstag wissen, dass die Unterscheidung zwischen „Flüchtlingen von 1948“ und „Evakuierten von 1967“ nur aus propagandistischen Gründen und wertlose Verhandlungen vorgenommen wurde, die die Palästinenser schwächten und die Rechte der palästinensischen Flüchtlinge wertlos machten.

Hamas wettert wieder einmal über „Aggression“ Israels, weil die Luftwaffe diese Woche in Reaktion auf die Raketenangriffe auf israelische Zivilisten Angriffe auf Terrorziele flog. Die Angriffe hätten den Waffenstillstand verletzt.

Warum hat Deutschlands junge Generation negative Ansichten zu Israel?

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 12. Mai 2015

Viele junge Deutsche können Israels Verteidigungskriege gegen tödlich-antisemitische Terrororganisationen wie die Hamas, die Hisbollah und den Islamischen Jihad für sich schlicht nicht als gültig annehmen.

Der unvergleichliche Nahost-Historiker Bernard Lewis schreib vor fast 30 Jahren in seinem bahnbrechendes Buch Semites and Anti-Semites, dass deutsche Schuld nach dem Holocaust zur positiven Reaktion auf die Gründung Israels beitrug. Er warnte jedoch vorherwissend, dass „solche Gefühle ein schwindender Aktivposten für Israel sind und unweigerlich wegsterben, da die Erinnerung an Naziverbrechen in die Vergangenheit verschwindet“.

Die Worte Lewis‘ überbringen für den heutigen 50. Jahrestag der diplomatischen Aussöhnung zwischen Deutschland und Israel große Dringlichkeit. In einer E-Mail an die Jerusalem Post sagte Israels Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, die „junge Generation wird im Zentrum des diesjährigen Jubiläums stehen“.

Lässt man die Unmenge an Artikeln über in Berlin lebende junge israelische Künstler als implizites Zeichen jüdischen Vergebens für die Schoah beiseite, gibt es ein wachsendes Fehlen an Gegenseitigkeit seitens der Deutschen. Nach Angaben einer Studie der Bertelsmann-Stiftung vom Oktober hat eine Mehrheit der Deutschen in der wichtigen Altersgruppe von 18 bis 29 Jahren eine negative Sicht zu Israel. In starkem Gegensatz zu den Erkenntnissen der Bertelsmann-Stiftung stellte eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung, dass 81% der Israelis sich engere Beziehungen zu Deutschland wünschen.

Wie kann man dieses Auseinandergehen erklären? Zvi Rex, ein israelischer Psychoanalyst, merkte bekanntlich mit stechendem Sarkasmus an: „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz niemals vergeben.“ Pathologische Holocaust-Schuldgefühle spielen zwar bei der negativen Sicht auf Israel immer noch eine Rolle, aber der jungen Generation ist auch eine radikal pazifistische Kultur eingeprägt worden. Viele junge Deutsche können Israels Verteidigungskriege gegen tödlich antisemitische Terrororganisationen wie die Hamas, die Hisbollah und den Islamischen Jihad für sich schlicht nicht als gültig annehmen. Für eine beträchtliche Zahl junger Deutscher scheint es schmerzhaft zu sein den deutschen Wahlspruch „Nie wieder Auschwitz“ über die eigenen geografischen Grenzen hinaus auf den jüdischen Staat auszuweiten.

Eine zusätzliche Erklärung für abschätzige Ansichten gegenüber Israel sind die reumütigen neuen Generationen, die, wie der Schriftsteller Wolfgang Pohrt es beschrieb, als Israels Bewährungshelfer dienen, um zu verhindern, „dass ihre Opfer rückfällig werden“. Einfach gesagt: Ein große Zahl der Deutschen hat das Gefühl, sie hätten die Verbrechen des Holocaust durchgearbeitet und sind jetzt in der Position den Israelis Lektionen über die Notwendigkeit von Frieden zu diktieren.

Deutsche antiisraelische Verstimmung in allen sozialen Schichten der Bundesrepublik erreicht Höchststände, wenn Israel seine Sicherheitsinteressen unabhängig von Aufrufen deutscher Politiker zur Zurückhaltung verfolgt. Solche Gefühle erreichten letztes Jahr um die Operation Fels in der Brandung einen Höhepunkt. Der deutsch-jüdische Historiker Michael Wolffsohn sagte dem Tagesspiegel am Sonntag, dass er von den Diskussionen über Israel verunsichert ist, weil sie „eine zunehmende Distanziertheit, Aggressivität und Gehässigkeit“ zeigt.

Während der Operation Fels in der Brandung organisierte die Solid Ruhr der Partei Die Linke einen pro-palästinensische Demonstration, bei der Aktivisten Flaschen und Steine auf pro-israelische Protestierende warfen. Einige Demonstranten brüllten „Brennt, Scheißjuden!“ Die LINKE ist die größte Oppositionspartie im Bundestag. Fairerweise drängte der Solid-Zweig der Berliner LINKE die Solid Ruhr in Nordrhein-Westfalen das antiisraelische Hassfest abzusagen.

Der wachsende Drang Israel Zucht und Strafe aufzuzwingen, hat einen großen Teil der linkslastigen deutschen Zivilgesellschaft durchdrungen. Rudolf Dressler, von 2000 bis 2005 Botschafter der SPD-geführten Regierung in Israel – forderte Anfang Mai „den Handel mit Israel zu reduzieren“, um die Regierung Netanyahu unter Druck zu setzen im Friedensprozess Zugeständnisse zu machen. Dressler betrachtet sich zweifellos als Freund Israels und würde jede Kontinuität zwischen Naziboykotten jüdischer Geschäfte und Forderungen nach Wirtschaftssanktionen gegen den jüdischen Staat zurückweisen.

In der Badische Zeitung, einer Zeitung, die das Simon Wiesenthal Center 2013 auf die Liste der antisemitischen/antiisraelischen Verunglimpfungen Äußernden setzte, drängte Inge Günther, Reporterin der Frankfurter Rundschau, darauf, dass Produkte aus den umstrittenen Gebieten als eine Form der Siedlungsaktivität gekennzeichnet werden. Günther berichtete als Korrespondentin über die Feiern zum 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen und schrieb, dass die Welt Israel klar machen muss, dass es einen Preis zu zahlen hat.

Was regelmäßig übersehen ist: Der Beginn der Kampagne zur Markierung israelischer Produkte ist in Neonazi-Eingaben bei der Stadt Schwerin aus dem Jahr 2012 zu finden. Es ist unklar, ob Günther sich bewusst war, dass ihr Mittel zur Bestrafung Israels eine Neonazi-Rechtshandlung der örtlichen NPD widerspiegelt.

Ein Test für die junge Generation der Deutschen wird ihre Haltung gegenüber der Bewegung Boykott, D-Investition und Sanktionen gegen Israel sein. Werden junge Deutsche Parallelen zur ersten Phase des Holocaust erkennen, nämlich Wirtschaftsmaßnahmen gegen Juden? Lewis schrieb: „Es kann keinen Zweifel geben, dass eine der wichtigsten Quellen der Unterstützung Israels die Zeit nach dem Sturz Hitlers Schuld war, wobei das Wort im modernen Sinne eher als psychologischer Zustand denn als rechtliche Tatsache gemeint ist.“

Viele deutsche Kommentierende, einschließlich des WELT-Kolumnisten Henryk M. Broder, haben angemerkt, dass die deutsch-israelischen Beziehungen nicht auf der Grundlage von Schuld gedeihen können, ob sie nun pathologisch oder reuevoll ist. Die Umarmung der Freiheit, Israels Kern des Sicherheitsinteresses, demokratische Werte – und ja: eine hippe israelische Jugendkultur – können jungen Deutschen helfen ihre negativen Gefühle gegenüber Israel zu überwinden.

Der Historiker Wolffsohn, der in der israelischen Armee diente, beschrieb die deutsch-israelische Beziehung als „seltsame Freunde“ Vielleicht werden junge Deutsche – in größerem Stil – Israelis und den jüdischen Staat irgendwann in der Zukunft als Freunde betrachten.

„Deutsche Urlauber in Israel mit Brandsatz attackiert“

So die Überschrift einer Meldung der Rheinischen Post, die berichtet, dass „nahe der Palästinenserstadt Ramallah ein Bus mit deutschen Urlaubern“ angegriffen wurde. (Andere können das auch.)

Das ist interessant. Die Rheinische Post ist entweder abseits vom Mainstream unterwegs und erkennt an, dass Judäa und Samaria Teil Israels sind; oder sie will ums Verrecken nicht die PalAraber bzw. PA über die Schlagzeile mit einem Terroranschlag gegen Deutsche in Verbindung bringen.

Was wohl richtig sein wird? Darf ich mal böse sein? Wenn es um deutsche Qualitätsmedien geht, schließt sich die erste Annahme eigentlich aus. Dann heißt das aber: Die Presse, die so schreibt, will Israel etwas anhängen. Will Israel schlecht da stehen lassen. Will, dass Israel die Folgen für Terrorismus zu tragen hat, den Araber in ihren Autonomiegebieten verüben.

Das zeigt einmal mehr die böswillige Einseitigkeit, die unsere Medien so auszeichnet.

Dazu passt auch, dass „ein Bus … angegriffen“ wurde. Von wem? Marsmännchen? Israelis? Dass Araber den Mordversuch unternahmen – geschenkt, verschwiegen, ausgeklinkt.

Dass die deutschen Medien auch lediglich eine israelische Pressemeldung wiedergeben, spricht ebenfalls Bände. Eigene Recherche? Warum nicht die eigenen Reporter berichten lassen? Hm, könnten die etwas bringen, was nicht ins Bild soll? Die Fotos? Fehlanzeige, die muss man sich in Israel ansehen.

Ein wirklich interessanter Vorfall. Nicht wegen des Geschehens dabei, sondern dem, was bei uns ankommt…

(zur Idee Dank an Tiqvah, die auch die Fotos postete:)

Bus-Deutsche-Terror-Ramallah