„Deutscher Außenminister ignoriert Lektionen von Auschwitz“, unterstützt Iran

„Mit Verlaub, es ist an der Zeit, dass der deutsche Außenminister seine Behauptung fallen lässt, dass es die Lektionen von Auschwitz waren, die ihn ins öffentliche Leben trieben.“

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 15. August 2019

Die Verachtung für die Politik des deutschen Außenministers Heiko Maas, der offensichtlich den tödlichen Antisemitismus des iranischen Regimes und dessen Atomwaffenambitionen mit Ziel Israel begünstigt, verstärkt sich nach Angaben einer großen Bandbreite prominenter politischer und Bürgerrechtskritiker jeden Tag mehr.

Der stellvertretende Dekan des Simon Wiesenthal Centers, Rabbi Abraham Cooper, sagte der Jerusalem Post am Donnerstag: „Mit Verlaub, es ist an der Zeit, dass der deutsche Außenminister seine Behauptung fallen lässt, dass es die Lektionen von Auschwitz waren, die ihn ins öffentliche Leben trieben. Er hat eindeutig keinerlei Lektionen auf die aktuelle Situation angewandt. Statt das tyrannische, völkermörderische Regime in Teheran zu schwächen, tut er alles, um den Iran zu stärken. Seine Anweisungen an den deutschen UNO-Botschafter sind nicht die eines Freundes des jüdischen Staates.“

Maas, ein Sozialdemokrat, verkündete letztes Jahr, er sei „wegen Auschwitz“ in die Politik gegangen.

Cooper sagte: „Bevor er [Maas] sich wieder auf Auschwitz beruft, sollte er sich zurücknehmen und noch einmal in der Geschichte nachlesen. Wir erwarten weit mehr von Außenminister Maas. Leider sehen wir ihn auf der falschen Seite, was die existenziellen Bedrohungen angeht, denen sich Israel jeden Tag gegenüber sieht.“

In einem glühenden Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) am Dienstag knöpfte sich der MdB Frank Müller-Rosentritt (FDP) Maas wegen Deutschlands katastrophaler Außenpolitik vor. „Unter Heiko Maas, der laut eigenen Angaben einst wegen Auschwitz in die Politik gegangen ist, jagt in der Nahostpolitik ein fragwürdiger Fehltritt den nächsten“, schrieb Müller-Rosentritt, einer der stärksten Unterstützer des jüdischen Staates im deutschen Bundestag.

Müller-Rosentritt führt Beispiele der Maas vorgeworfenen Fehler während seiner 18-monatigen Amtszeit an, darunter dass seinem Staatsminister Niels Annen erlaubt wurde in der iranischen Botschaft in Berlin die Revolution des Iran zu feiern.

Die USA ordnen das iranische Regime als führenden internationalen Staatssponsor von Terrorismus ein.

Unter Maas Aufsicht, schrieb Müller-Rosentritt, markierte Christian Clages, „der deutsche Repräsentant in Ramallah, antiisraelische und antisemitische Inhalte in sozialen Medien als ‚geliket‘. Und letzte Woche wurde bekannt, dass der ehemalige deutsche Botschafter im Irak und Iran, Bernd Erbel, den Posten des Leiters des Instex-Mechanismus für europäisch-iranische Geschäfte nicht antreten wird“.

Erbel war zum Rücktritt von seinem Instex-Posten gezwungen, weil er sich von dem deutschen Holocaust-Leugner Ken Jebsen antiisraelisch und pro-iranisch interviewen ließ. Die Zeitung BILD schrieb: „Mitte Juli unterhielt sich Botschafter Erbel mit Jebsen zweieinhalb Stunden lang über den Iran und Israel und es schien, dass sie sehr gut miteinander auskamen. Nach Angaben von Erbel gab Deutschland in einem Punkt nicht nach, nämlich Israels Wunsch nachzukommen das Atomprogramm des Iran zu stoppen.“

Maas hat die Wünsche der winzigen deutschen jüdischen Gemeinschaft in seinem Land, den Handel mit der Islamischen Republik Iran zu beenden, ignoriert.

Müller-Rosentritt, der half den Anti-BDS-Beschluss zu formulieren, den der Bundestag im Mai fasste, sagte, Maas erlaubt Deutschlands Botschafter bei der UNO, Christoph Heusgen, „Israel zu attackieren und es mit der Hamas gleichzusetzen“.

Trotz seines Versprechens Deutschlands antiisraelisches Abstimmungsverhalten in der UNO zu reformieren, hat Maas Deutschlands Verurteilungen des jüdischen Staates nicht geändert. Der FDP-Abgeordnete schrieb: „Eine Veränderung im deutschen Abstimmungsverhalten in den regelmäßig einseitigen Wellen der Verurteilung Israels in der UNO ist weiterhin nicht zu erkennen.“

Müller-Rosentritt schrieb, dass Maas den Aktivitäten der tödlich antisemitischen Gruppe Hisbollah gegenüber desinteressiert ist. „Die terroristischen und kriminellen Aktivitäten des Hizbullah, ob im Libanon oder in Europa, werden vom Auswärtigen Amt geflissentlich ignoriert. Die Terrororganisation als solche einzustufen – wie es etwa Kanada, die Niederlande oder Großbritannien tun –, scheint für die deutsche Regierung nicht einmal diskussionswürdig.“

Die Regierung von Kanzlerin Angela Merkel erlaubte 1.050 Hisbollah-Mitgliedern und –Anhängern in Deutschland zu agieren. Die Hisbollah-Akteure rekrutieren in Deutschland neue Mitglieder, sammeln Spenden für die Terrororganisation mit Sitz in Beirut im Libanon und verbreiten antisemitische und jihadistische Ideologien.

Müller-Rosentritt beendete seinen Artikel mit der Erklärung: „Es ist an der Zeit, dass Heiko Maas nicht nur über deutsche Verantwortung redet, sondern im Auswärtigen Amt für eine würdige deutsche Außenpolitik mit Haltung sorgt!“

Der prominente deutsch-jüdische Historiker Dr. Michael Wolffsohn ging am Dienstag mit Maas‘ „doppelzüngige“ Aktivitäten in einem BILD-Kommentar hart ins Gericht. „Zynisch oder zumindest doppelzüngig ist jene Solidarität mit Juden angesichts des deutschen Abwiegelns gegenüber dem Iran“, schrieb Wolffsohn. „Dessen Führung verkündet jahraus-jahrein, das ‚Zionistische Gebilde‘, also Israel, von der Landkarte tilgen zu wollen. Das deutsche Appeasement gegenüber dem Iran wird von den drei letzten Außenministern personifiziert: [Frank-Walter] Steinmeier, [Sigmar] Gabriel [und] Maas. Ist das Solidarität mit Juden? Oder will man für diese Doppelzüngigkeit nur den Koscher-Stempel von Juden?“

Wolffsohn nutzte seinen glühenden Kommentar, um den von Maas‘bei einer Solidarveranstaltung für den Berliner Rabbi Yehuda Teichtal behaupteten Kampf gegen den Antisemitismus als unecht anzugreifen. Teichtal war im August von zwei Arabische sprechenden Männern angegriffen worden. Auf die Kritik der Maas vorgeworfene Scheinheiligkeit, seiner Politik zugunsten des Iran und gegen Israel angesprochen, sagte einer seiner Sprecher gegenüber der Post: „Außenminister Maas hat wiederholt seine Haltung zum Holocaust und dem Kampf gegen Antisemitismus deutlich gemacht. Ihm ist eine ernste und unerbittliche Konfrontation mit der Geschichte und der Bekämpfung des Antisemitismus höchst wichtig. Man kann seine Kommentare sowohl auf (der Internetseite des deutschen Außenministeriums) diplo.de als auch auf seinem Twitter-Account nachlesen. Wir haben Ihnen in der Vergangenheit einige Beispiele zugeschickt.“ Der Sprecher verwies dann auf Maas „Willkommensworte im Solidaritätsgebet anlässlich des antisemitischen Vorfalls gegen Rabbi Teichtal“.

Der Sprecher verwies die Post auch auf die außenpolitischen Verteidigungen die Hisbollah nicht zu verbieten, weil die Terrororganisation Teil des politischen Systems des Libanon ist und auf Deutschlands Ablehnung der Wiedereinführung der US-Sanktionen gegen den Iran. Eine Rückfrage der Post bei Kanzlerin Merkels Büro wurde bisher nicht beantwortet.

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Israelisch-deutsche Beziehungen: Kein Raum für Ambivalenz

Es scheint so, dass viele Deutsche es vorziehen radikal antiisraelische Schritte als nicht antisemitisch, sondern als „Kritik an der israelischen Regierungspolitik“ zu betrachten. Die scheidenden Regierung konfrontierte Berlin in der Sache und Israel darf nicht dazu schweigen, dass das so weiter geht.

Eldad Beck, Israel HaYom, 7. August 2019

Die wichtige Entscheidung des deutschen Parlaments vor ein paar Wochen die Bewegung für Boykotte, De-Investitionen und Sanktionen als antisemitisch zu kennzeichnen, hat paradoxerweise die scheinheilige Vorgehensweise offenbart, die von gar nicht so wenigen deutschen Instanzen bezüglich Israels und den Juden vertreten wird.

Es stimmt, die Entscheidung des Bundestags deutet scheinbar das Gegenteil an, da sie einen historischen Präzedenzfall setzte, indem sie die BDS als antisemitisch erkannte und die öffentlichen Instanzen aufforderte sie nicht zu finanzieren oder mit ihr zu kooperieren.

Das mag wie eine tiefe Verpflichtung für den Kampf gegen Antisemitismus erscheinen, aber was unmittelbar nach dem Beschluss geschah, offenbart eine problematische Realität: eine gut organisierte öffentliche, politische und Mediendruck-Kampagne, die darauf abzielte die Entscheidung des Bundestages als Verletzung der freien Meinungsäußerung darzustellen und Abgeordnete zu drängen sie zu kippen oder zumindest wegzusehen, wenn sie nicht aufrecht erhalten wird.

Viele in der deutschen Elite – der akademischen wie der kulturellen – sind zusammengekommen, um die Entscheidung zu bekämpfen, aber die prominentesten Stimmen hier sind die von Juden und Israelis: Akademiker, Künstler und sogar ehemalige Diplomaten.

Der dadurch zugefügte schaden ist klar. Immerhin: wenn Israelis und Juden selbst behaupten, dass die BDS-Bewegung neu „eine legitime Form der Kritik an der israelischen Besatzungspolitik“ ist, warum sollten ausgerechnet von allen Nationen die Deutschen die BDS-Bewegung als antisemitisch verurteilen?

Das führt natürlich zu einer etwas antisemitischen Darstellung von Juden, die Israel unterstützen, da sie von manchen in den deutschen Medien als zwielichtige Charaktere dargestellt werden, die zweifelhafte Methoden einsetzen, um deutschen gewählten Repräsentanten pro-israelische Politik zu diktieren. Schlimmer noch: Sie nötigten diese gewählten Vertreter unnötigerweise einen Sonderbeauftragten zu wählen, der Antisemitismus bekämpft. Warum unnötigerweise? Weil Deutschland eindeutig frei von Antisemitismus ist.

So haben verschiedene deutsche Offizielle keine Probleme damit antiisraelische Einträge in sozialen Medien zu „liken“ oder Jesus mit palästinensischen Flüchtlingen gleichzusetzen und warum deutsche Botschafter  kein Problem darin sehen sich auf die Seite von Organisationen zu stellen, die Israel nicht anerkennen oder den jüdischen Staat mit Nordkorea auf eine Stufe zu stellen.

Und warum auch nicht? Das ist kein Antisemitismus – es ist schlicht „Kritik an der israelischen Regierungspolitik“.

Letzte Woche erklärte der deutsche Bischof Hans-Jürgen Abromeit, dass Deutschland wegen des Holocaust unter „Überidentifikation“ mit Israel leidet.

Der Bischof betet ein eingegrabenes Konzept nach, gemäß dem Israel und Juden eine Last sind, von der Deutschland sich schlicht nicht befreien kann; eine dauerhafte Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit, die es den Deutschen nicht erlaubt die „problematischeren“ Episoden ihrer Geschichte hinter sich zu lassen.

Abromeit glaubt, dass Schuld, religiöse Gefühle und politische Haltungen miteinander zu vermischen zu Lasten der Palästinenser geh t und Deutschland daher aufhören muss Israel so absolut zu unterstützen.

Aber Deutschland unterstützt Israel nicht absolut. Im Gegenteil, es ist eine Brutstätte antiisraelischer Aktivitäten.

Israel schweigt schon zu lagen zu diesem Thema, aber die scheidende Regierung konfrontierte Berlin. Im Treffen von Premierminister Benjamin Netanyahu mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Jerusalem im Oktober legte er ihr eine detaillierte Liste deutscher Hilfe für antiisraelische Organisationen und Aktivitäten vor.

Das bedeutet nicht, dass Israel seine soliden Beziehungen zu Deutschland aufgeben sollte, sondern diese Beziehungen müssen frei von Zweideutigkeiten sein.

Kulturelles Appeasement in Deutschland

Die Feuilleton-Seiten des Landes betrachten nicht Islamisten, sondern deren Kritiker als die wahren „Hassprediger“

Benjamin Weinthal, Wall Street Journal, 8. Februar 2010

Berlin – Gerade, als man glaubte, die mörderischen Lektionen des politischen Islam – von den zahlreichen Terroranschlägen über „Ehrenmorde“ bis zu Hasspredigern – seien den Medien Deutschlands beigebracht worden, erlitten Schwaden an Journalisten und Akademikern einen kollektiven Rückfall ins Appeasement.

Kommentatoren von der konservativen Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) bis zur linksliberalen Süddeutsche Zeitung (SZ) und der liberalen Wochenzeitung DIE ZEIT identifizierten gerade nicht den radikalen Islam, sondern dessen Kritiker als das wahre Problem. Sie sind „unsere heiligen Krieger“ (Claudius Seidl in der FAZ), „unsere Hassprediger“ (Thomas Steinfeld in der SZ), die „aufgeklärten Fundamentalismus“ repräsentieren (Thomas Assheuer in DIE ZEIT).

Die typischen Ziele dieser Giftigkeit sind Necla Kelek, eine deutschtürkische Soziologin und Autorin, Henryk M. Broder, ein in Polen geborener Jude und SPIEGEL-Kolumnistin Seyran Ates, eine deutschtürkische Anwältin und Autorin, die Morddrohungen erhalten hat, für die ihre anwaltliche Tätigkeit gegen Ehrenmorde und Zwangsehen bei Muslimen der Grund sind. Die Troika Kelek-Broder-Ates setzt eine lebhafte und streitfreudige Haltung ein, um die deutsche Gesellschaft aus ihrer Selbstzufriedenheit gegenüber der islamistischen Bedrohung wachzurütteln. In ihren Texten zeigen die drei „heiligen Krieger“ wenig Geduld für politische Korrektheit und die Forderung, dass Europas Muslime die Ansichten der liberalen Gesellschaft zu Gleichberechtigung der Geschlechter, freier Meinungsäußerung und Religionsfreiheit akzeptieren. Statt Kulturrelativismus glauben die drei, dass die westliche Kultur universale Rechte und Werte verkörpert, die Menschen aus der muslimischen Welt nicht vorenthalten werden dürfen.

Für die Hüter der deutschen Feuilletonseiten ist das zu viel Vertrauen in die (westliche) Kultur. Herr Steinfeld von der SZ ging so weit den jüngsten Mordversuch am dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard durch einen 28-jährigen Somali mit Verbindungen zur islamistischen Al-Schabab-Miliz als weitere fingierte Ausrede auf den Islam einzuprügeln beiseite zu schieben: „Alles, was nötig ist, damit das passiert, ein fehlgeschlagener Angriff z.B. wie der von Anfang letzten Monats und die Diskussion beginnt wieder von Neuem, mit denselben Argumenten – nein, was hier angeboten wird, sind keine Argumente, sondern Parolen.“ Es ist so, als würde die islamische Ideologie des somalischen Radikalen, die seinen Plan zur Ermordung von Westergaards anregte, nicht existieren.

Der Angriff auf die drei islamkritischen Autoren war von Medien zu erwarten, die sich auch darin überbieten, die Bedrohung durch den Iran herunterzuspielen, während auf Israel eingedroschen wird. Nehmen wir Katajun Amirpur, eine deutsch-iranische Islam-Akademikerin, die regelmäßig in der SZ schreibt. 2008 schrieb sie einen weithin gelesenen Aufsatz in der SZ, mit dem sie die Standardübersetzung von Mahmud Ahmadinedschads Äußerung, „Israel muss von der Landkarte gewischt werden“ zurückwies. Frau Amipur argumentierte unfassbarerweise, der iranische Präsident meine lediglich: „Das Besatzungsregime muss Geschichte werden.“ Eine der kaum vorhandenen Stimmen des Widerspruchs, der Frau Amirpurs Verfälschung und ihrem Versuch zu bestreiten, dass die Islamische Republik Israel mit einem weiteren Holocaust droht, war Henryk M. Broder.

Im Januar versuchte die SZ eine weitere akademische Krücke, um den radikalen Islam vor Kritik abzuschirmen. In einem Artikel mit dem Titel „Antisemiten und Feinde des Islam – Hetze mit Parallelen“ behauptet Wolfgang Benz, der umstrittene Direktor des Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung, gespenstische Parallelen zwischen Islamophobie und Antisemitismus. Statt den zunehmenden Antisemitismus bei Islamisten zu beleuchten zieht Benz hysterische Vergleiche zwischen legitimer Kritik am radikalen Islam und der Art von Judenhass, der zu Völkermord geführt hat. Dass der Leiter von Deutschlands einzigem vom Bund finanzierten Antisemitismus-Forschungsinstituts damit den Holocaust verharmlost, wurde besonders verdächtig, nachdem Ende Januar aufgedeckt wurde, dass Benz wiederholt seinen verstorbenen Doktorvater Karl Bosl ehrte, der ein entschiedener Nazi und energischer Ideologe der Bewegung Hitlers war.

Benz hat übrigens eine Geschichte der Positiv-Erklärung der Gewalt des politischen Islam gegen den Westen. Ein paar Tage nachdem 19 islamische Terroristen die Twin Towers einstürzen ließen, sagte Benz die Gebäude „sind Symbole des Stolzes und des Reichtums und der Arroganz … Und das provoziert die drastischen und dramatischen Reaktionen und der kriegerischen Reaktionen.“

Wo „Islamophobie“ mit Antisemitismus gleichgesetzt wird, ist es nur ein kleiner Schritt Israelis mit Nazis gleichzusetzen. Zum Beispiel verteidigte 2008 Patrick Bahners, ein Redakteur des Feuilletons der FAZ, Kritiker Israels, die die Sicherheitsbarriere an der Westbank mit dem Warschauer Ghetto verglich. Nach Maßgabe der Europäischen Union sind solche Vergleiche Erscheinungsformen des modernen Antisemitismus. Herr Bahners konterte, dass „dieser Vergleich nicht durch Redeverbote oder Beleidigungen beseitigt werden können“, was zeigt, dass er nicht begreift, worum es geht. Die  Frage ist nicht, warum seine Aussagen zensiert werden sollten, sondern ob sie Antisemiten sind. Das Problem ist, dass solche Ansichten nicht nur von Deutschlands Kulturelite vertreten werden. Eine Umfrage der Universität Bielefeld von 2004 zeigt, das 51% der Deutschen glauben, Israels Umgang mit den Palästinensern „unterscheidet sich nicht grundsätzlich von dem, was die Nazis mit den Juden machten“.

Herr Bahners Kollege bei der FAZ, Lorenz Jäger, verfolgt ein traditionelleres antisemitisches Thema: Er macht sich Sorgen wegen jüdischer Macht. Die Tatsache, dass es ein paar Zeitungen und Blogger gibt, die Solidarität mit dem jüdischen Staat zeigen, ist für ihn Beweis für ein einflussreiches Netzwerk pro-israelischer Gruppen, das unangemessenen Einfluss ausübt. In Herrn Jägers verschwörerischer Weltsicht „ist es kein Geheimnis mehr“, dass zwei französisch-jüdische Philosophen, André Glucksmann und Bernard Henri-Lévy, „den Interessen der Vereinigten Staaten und Israels“ dienen. Herr Jäger kritisiert die beiden Philosophen auch dafür, dass sie die westliche Opposition zu russischen Menschenrechtsverletzungen und Unterstützung für Georgien während des Kriegs mit Russland von 2008.

All das hilft die heftigen Attacken auf die Islamkritiker zu erklären. Universale Werte sind durch eine bodenlose Grube kultureller Relativität ersetzt worden, wo die Verfechter einer robusten liberalen Demokratie mit Hardcore-Jihadisten gleichgesetzt werden. Die entscheidende Verschiebung hin zu einer Verteidigung antiwestlicher Regime wie Russland und Iran in den deutschen Feuilletons ist kein harmloser Fetisch mehr, sondern eine vorherrschende Ansicht.

[Anmerkung: Das war 2010! Seitdem ist das nur noch schlimmer geworden.]

Berliner Professorin: Zeitgenössischer Antisemitismus ist kein Rassismus oder Fremdenhass

Diesen einzigartigen Charakter des Judenhasses als kulturelle Kategorie sui generis zu begreifen statt als eine Form des Vorurteils unter anderen, ist eine Voraussetzung dafür erfolgreich gegen ihn vorzugehen.

Marc Neugroschel, Jerusalem Post, 12. Juli 2019

Die Statistiken deuten einen dramatischen Anstieg des Antisemitismus überall in der Welt an. Die brutale Ermordung der Holocaust-Überlebenden Mireille Knoll letztes Jahr in Paris und die Ermordung von 11 Gottesdienstbesuchern beim Anschlag auf die Tree of Life-Synagoge in Pittsburg im letzten Oktober sind nur die verheerenden Spitzen dieser Entwicklung. Deutschlands Antisemitismus-Beauftragter warnte, dass es für Juden nicht sicher ist in bestimmten Gegenden Kippot zu tragen.

Im Februar sagte der französische Präsident Macron, der Antisemitismus habe seinen höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht.

„Wir haben diese Entwicklung vor langem vorausgesagt, aber unsere Warnungen wurden als Alarmismus abgetan“, sagt Monika Schwarz-Friesel, Professorin für Kognitionswissenschaften an der Technischen Universität Berlin und eine der führenden Antisemitismus-Forscher der Welt. Sie rügt israelbezogenen Antisemitismus und das Versagen von Politikern, Forschern, Zivilgesellschaft und Medien, weil sie nicht gegen ihn vorgehen. In einem Interview mit The Jerusalem Report spricht Schwarz-Friesel auch über die Ergebnisse ihrer aktuellen Forschung zu Online-Antisemitismus und ihr neues Buch, Judenhass im Internet: Antisemitismus als kulturelle Konstante und kollektives Gefühl.

Woher kommt die derzeitige Explosion des Antisemitismus?

Wir wachen gegenüber einer Realität auf, die sich über einen langen Zeitraum entwickelt hat. Antisemitismus war nie wirklich weg. Es gab nach dem Zweiten Weltkrieg eine Periode, in der ihn offenen zu kommunizieren unterdrückt wurde, aber das heißt nicht, dass er aus den Köpfen der Leute gelöscht war. Er mutierte nur in neue Formen, von denen der israelbezogene Antisemitismus der am weitesten verbreitete und einflussreichste wurde. Letzterer wird sehr markant z.B. durch die BDS-Bewegung propagiert und ist förderlich darin gewesen Judenhass wieder respektabel zu machen, indem er als Kritik an Israel reingewaschen wird. Der gesamte Prozess wurde nicht wirklich infrage gestellt. Im Gegenteil, es ist alles versucht worden ihn zu leugnen und zu marginalisieren. Jetzt sehen wir uns den Konsequenzen gegenüber.

Sie sagen, dass die jetzige Situation vorhersehbar war?

In der Tat. Ich kann Ihnen die Protokolle eines Symposiums vorlesen, an dem ich teilnahm, vor 10 Jahren in Jena, und Sie würden glauben, dass sie jetzt geschrieben wurden. Wir machten damals sehr deutlich, dass israelbezogener Antisemitismus zunehmend die Verbreitung, Radikalisierung und soziale Akzeptanz von Judenhass fördert. Wir warnten ausdrücklich, wenn keine entschiedenen Gegenmaßnahmen getroffen werden, wird es einen Ausbruch und Normalisierung von Antisemitismus geben. Niemand beherzigte unsere Warnungen. Stattdessen wurden sie als Alarmismus abgetan. Der Kampf gegen Antisemitismus blieb auf die Aktivitäten rechter Neonazis konzentriert, die faktisch sehr wenig Einfluss auf die Gesellschaft als Ganzes haben. Im Gegenteil: Israelbezogener Antisemitismus und sein massiver Einfluss auf die Bevölkerung wurden ignoriert. Ich mache ganz klar Politiker, Zivilgesellschaft und Medien dafür verantwortlich, dass die Verbreitung von israelbezogenem Judenhass ignoriert, verharmlost und manchmal sogar praktiziert wird.

Vor kurzem hat allerdings das deutsche Parlament einen Beschluss gegen BDS und antiisraelischen Antisemitismus gefasst.

Dieser Beschluss war eine richtige und wichtige Entscheidung. Aber ich fürchte, er ist zu wenig und kommt zu spät. Er hätte vor 10 Jahren gefasst werden müssen.

Es gibt viele, die glauben, dass Maßnahmen gegen BDS-Kampagnen gegen die freie Meinungsäußerung verstoßen. Wie antworten Sie Leuten, die sagen, die Antisemitismus-Vorwürfe werden genutzt um Kritik an Israel zum Schweigen zu bringen?

Dass sie schlicht falsch liegen. Ihre Anschuldigung hat keinerlei empirischen Wert. Wir überprüften das sogar in mehreren korpusbasierten Studien. Es gibt keinen nennenswerten Akteur oder Diskurs, der je behauptet hat es sei verboten Israel zu kritisieren oder der den Antisemitismus-Vorwurf genutzt hat um rationale und faktenbasierte Kritik an der Politik des jüdischen Staates zum Schweigen zu bringen. Das Gegenteil ist der Fall. Kaum ein anderes Land wird in den europäischen Medien so viel kritisiert wie Israel. Diejenigen, die entschieden behaupten, Kritik an Israel müsse erlaubt sein, bekämpfen ein Tabu, das es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Und sie tun das gewöhnlich, um israelbezogenen Antisemitismus reinzuwaschen.

Wie unterscheiden Sie dann zwischen Kritik an Israel und israelbezogenem Antisemitismus?

Das ist tatsächlich sehr einfach. Die Grenze wird überschritten, wenn Äußerungen über Israel antisemitische Stereotype statt der Realität vor Ort spiegeln.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Nehmen wir das israelische Nationalstaats-Gesetz von neulich. Dieses Gesetz als kontraproduktiv, unnötig oder diskriminierend zu kritisieren ist gewiss nicht antisemitisch. Aber wenn Leute, wie wir das gesehen haben, es als die „neuen Nürnberger Rassengesetze“ oder „diabolisches zionistisches Verbrechen“ etikettieren, dann dämonisieren Sie Israel auf eine Weise, die antisemitisch ist. Solche Äußerungen haben keine Basis nicht in der Realität. Stattdessen projizieren sie stereotypische Vorstellungen von Juden als dem absolut Bösen, indem sie den jüdischen Staat zu einem naziartigen Regime machen.

Antisemitismus-Ausbrüche fallen oft mit israelischen Militäroperationen zusammen, so wie beim Gazakrieg von 2014. Welche Rolle spielt der Nahost-Konflikt beim Propagieren von Judenhass?

Krisen im Nahen Osten lösen oft antisemitische Ausbrüche aus, aber sie sind nicht deren Wurzeln. Wir können das aus unseren Beobachtungen schließen. Die meisten antisemitischen Gespräche reproduzieren Stereotype, die weit älter sind als der israelisch-arabische Konflikt, auf den sie oft projiziert werden. Das gilt auch für Antisemitismus bei Muslimen. Mantras wie „Kindermörder Israel“ zielen auf den jüdischen Staat, aber faktisch wiederholen sie die klassischen Ritualmordlügen, die es seit Jahrhunderten gibt.

Ihre aktuellen Buchdeckel sind neben anderem das Ergebnis Ihrer gefeierten neuen Langzeitstudie zu Online-Antisemitismus. Wie lauten ihre Ergebnisse?

Das ganze letzte Jahrzehnt hindurch hat Antisemitismus im Internet beträchtlich zugenommen. Bei einigen Datensätzen fanden wir eine Zunahme von bis zu 22 Prozent. In den Online-Rückmeldungsbereichen der deutschen Qualitätszeitungen haben sich die antisemitischen Kommentare vervierfacht. Das wird von einer Radikalisierung in der Wortwahl begleitet. Im Gegensatz zu Umfragedaten ist die Internet-Kommunikation, die wir beobachtet haben, authentisch, was bedeutet, dass sie nicht als Reaktion auf die Frage eines Forschers erfolgte, sondern eher die echte Triebkraft derer, die sie schreiben, zum Ausdruck bringen. Bisher ist unsere Studie die erste ihrer Art in der Antisemitismus-Forschung.

Gibt es eine soziale Gruppe, die unter denen besonders herausstach, die online antisemitische Äußerungen produzieren?

Unsere Ergebnisse bestätigten einmal mehr, dass Antisemitismus kein exklusives Problem von politischen Extremisten oder von Leuten mit geringer Bildung ist. Tatsächlich werden die meisten antisemitischen Äußerungen von normalen Alltagsusern getätigt. Das bedeutet, dass wir überall im Web Judenhass begegnen und nicht nur in eingegrenzten Räumen, die speziell radikalen Ideen gewidmet sind.

Vor ein paar Wochen kündigte YouTube an, dass es Videos verbieten würde, die Holocaust-Leugnung propagieren. Kurz davor sagte Facebook, es werde Profile des Verschwörungstheoretikers Alex Jones und des Islamisten Louis Farrakhan löschen. Haben diese Maßnahmen etwas bewirkt?

Nach unseren Beobachtungen über die letzten fünf Jahre hinweg wurde alles nur schlimmer. Wir führten regelmäßig Stichproben durch, um zu sehen, ob gewisse Inhalte geblieben oder verschwunden sind. Auch nachdem Deutschlands sogenanntem Netzwerk-Durchsetzungsgesetz im Oktober 2017 in Kraft trat, änderte das Verhängen von Geldbußen gegen Internetfirmen, die soziale Medien anbieten und den Regularien für die Einschränkung von Hassreden nicht nachkommen, nichts Wesentliches. Das Einzige, was geschieht, ist, dass bestimmte extreme Fälle von Holocaust-Leugnung gelöscht werden. In der Regel tauchen diese Inhalte dann aber später irgendwo anders wieder auf. Eliminatorischer Antisemitismus, der sich in Mantras wie „bombt Israel!“, „vernichtet Israel!“ oder „Juden sind der schlimmste Abschaum der Erde“ äußert, ist immer noch überall im Cyberspace verbreitet. Der alte, antijüdische, eliminatorische Hass ist ungebrochen, als wäre Auschwitz nie geschehen.

Wie ist das möglich?

Es gibt eine sehr einfache Erklärung: 2000 Jahre Judenhass treffen auf nicht mehr als 50 Jahre sehr ineffektiver Bildungsarbeit dagegen. Zusätzlich verschließen sich große Teile der Gesellschaft, wenn es darum geht sich das tatsächliche Ausmaß des Antisemitismus zu stellen. Einflussreiche Menschen, darunter auch Wissenschaftler, stellen sich weiter gegen Anti-BDS-Maßnahmen. Sie behaupten fälschlich, dass Kritik an BDS eine Verletzung der freien Meinungsäußerung ist und sie verbreiten das Märchen, dass Antisemitismus-Vorwürfe genutzt werden, um Kritik an Israel zum Schweigen zu bringen. Solchen Argumenten fehlt jegliche empirische Bestätigung. Sie sabotieren nicht nur den Kampf gegen den Antisemitismus, sondern fördern in Wirklichkeit die Achtbarkeit des modernen Judenhasses.

Was kann man tun?

Die politische Welt muss sich den Fakten stellen und den Kampf gegen den Antisemitismus auf eine wissenschaftliche Forschungsbasis stellen, statt auf empirisch unbegründete Fantasien. Das wird uns automatisch zu dem Schluss führen, dass israelbezogenem Judenhass viel entschiedener begegnet werden muss.

Ebenso müssen wir die falsche, aber beliebte Vorstellung aufgeben, dass zeitgenössischer Antisemitismus das Gleiche ist wie Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit. Antisemitismus wurzelt in den Versuchen der Christenheit die jüdische Basis abzulehnen, auf der es gegründet wurde. Als solches ist er 2.000 Jahre lang ein integraler Bestandteil der westlichen Zivilisation gewesen, der die Weisen enorm formte, wie Menschen denken und fühlen. Diesen einzigartigen Charakter des Judenhasses als kulturelle Kategorie sui generis zu begreifen, statt als eine Form des Vorurteils unter vielen, ist eine Voraussetzung erfolgreich gegen ihn vorzugehen.

Entschlüsselung des Skandals um das Berliner Jüdische Museum

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor; auf Englisch veröffentlicht auf BESA Center)

Die Mitarbeiter des Jüdischen Museums in Berlin haben eine beträchtliche Bilanz an Provokationen gegen das Meinstream-Judentum. 2012 war dieses vom deutschen Steuerzahler finanzierte Museum unter seinem früheren Direktor Gastgeber einer Podiumsdiskussion mit einer führenden amerikanisch-jüdischen, antiisraelischen Hetzerin, Judith Butler. Sie nahm die Gelegenheit wahr zu einem Boykott Israels aufzurufen. Die Veranstaltung war ausverkauft. Mehr als 700 nahmen daran teil und sie überschütteten Butler regelmäßig mit Applaus.[1]

Butler sagte 2006, „Hamas/Hisbollah als soziale Bewegungen zu verstehen, die progressiv sind, die links stehen, die Teil der globalen Linken sind, ist extrem wichtig“.[2] Ein paar Wochen vor dem Treffen im Berliner Museum, beschloss eine Behörde der Stadt Frankfurt Butler mit dem prestigeträchtigen Theodor-Adorno-Preis für Spitzenleistungen im Bereich der Geisteswissenschaften auszuzeichnen.[3]

Weiterhin war Farid Hafez eingeladen, der ein Buch zu „islamischen politischen Denkern“ veröffentlicht hatte. Darin wurden die Gründer der Muslimbruderschaft als Demokraten und Antiimperialisten dargestellt. Ihre Fantasien zum Völkermord an den Juden in Palästina wurden nicht erwähnt. Dennoch wurde er eingeladen über Islamophobie zu sprechen.[4]

2013 war der Hauptredner einer Konferenz zu Antisemitismus in Europa ein ranghoher wissenschaftlicher Mitarbeiter aus Oxford, Brian Klug. Er behauptet, dass der Zionismus „Juden davon abhält ein normales Lebenskonzept für sich zu finden.“[5]

Im März diesen Jahres lud der Direktor des Museums, Peter Schäfer, den iranischen Diplomaten Seyed Ali Moujani ins Museum ein. Bei dem Treffen brachte der iranische Diplomat seine Ansicht zu Ausdruck, dass Antizionismus kein Antisemitismus sei.[6]

Der Zentralrat der Juden in Deutschland griff das Museum im Juni an, weil dieses eine Empfehlung twitterte einen Artikel mit Titel „240 Akademiker gegen BDS-Abstimmung“ in der linksextremen Tageszeitung TAZ zu lesen. Die Zeitung berichtete, dass eine Gruppe israelischer und jüdischer Wissenschaftler das deutsche Parlament wegen des Beschlusses vom 17. Mai kritisierte, mit dem die Boykott-Bewegung gegen Israel als antisemitisch erachtet wird.[7] Der Zentralrat schrieb, dass das Museum offensichtlich aus dem Gleis geraten sei. Er fügte hinzu, dass das Museum „das Vertrauen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland verloren hat“.[8] Nebenbei bemerkt: Es überrascht nicht, dass sowohl Butler als auch Klug zu den 240 Akademikern gehörten, auf die der Tweet sich bezog. Diese Liste beinhaltet zudem Dutzende weitere Stammhetzer gegen Israel.[9]

Früher im Jahr lud Schäfer den britischen Journalisten und Nahost-Experten Tom Gross ein sich die Jerusalem-Ausstellung des Museums anzusehen. Dieser kritisierte hinterher die Ausstellung mit heftigen Worten. Er sagte der Jerusalem Post und schrieb auf seiner Facebook-Seite: „Ich wurde vor kurzem vom Direktor des Jüdischen Museum Berlin eingeladen, mir die aktuelle ‚Jerusalem‘-Ausstellung anzusehen. Ich war von dem Übergewicht der antizionistischen, oft antisemitischen Randbewegung Naturei Karta im jüdischen Teil der Ausstellung schockiert. Die hasserfüllten Plakate dieser Gruppe (die angeblich Holocaust-Leugner im Iran unterstützt haben) waren ohne jegliche widersprechende Erklärung ausgestellt, die den Museumsbesuchern erklärt hätte, wer sie sind.“

Gross fügte an: „Als ich dem Büro des Museumsdirektors gegenüber mein Entsetzen ausdrückte, verfehlten sie es zu reagieren, obwohl sie mich ins Museum eingeladen hatten. Die Jerusalem-Ausstellung dominiert derzeit das Museum, da die Dauerausstellung für mehr als ein Jahr geschlossen ist, während sie komplett überarbeitet wird. Ich hoffe einfach, wenn sie wieder eröffnet wird, werde ich eine ehrliche Bewertung zum Holocaust und Antisemitismus abgeben, nicht irgendeine verfälschte Version.“[10]

Die Jerusalem Post hatte den Knüller über den Tweet des Museums. Dann veröffentlichte sie weitere Kritik am Museum aus verschiedenen Quellen. Zu diesen gehörte der Bürgermeister von Frankfurt Uwe Becker, der auch Beauftragter für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus im Bundesland Hessen ist. Er wurde zitiert: „Das Jüdische Museum Berlin betrachtet es offensichtlich als seine Aufgabe sich gegen jüdisches Leben in unserem Land und besonders gegen Israel zu stellen. Die aktuelle Unterstützung für BDS ist eine Schande! Nach einer völlig einseitigen Ausstellung über Jerusalem jetzt ein weiterer Skandal. Das ist kein jüdisches, sondern ein antijüdisches Museum.“[11]

Nach der massiven Kritik kündigte Schäfer am 14. Juni seinen Rücktritt an, um „weiteren Schaden zu verhindern“.[12] Ende Mai war sein Vertrag um ein Jahr bis 2021 verlängert worden.[13] Sein Abgang führte zu einem Unterstützungsbrief für Schäfer, der von Museumsvertretern aus mehreren Ländern unterschrieben war. Sie drückten ihre Sorge über die Angriffe gegen Schäfer aus, die zu seinem Rücktritt geführt hatten. Der Brief erklärte, dass er ein Mann von großer persönlicher Integrität und internationaler Wissenschaftler ist, der im Feld der Studien des Judentums wichtige Beiträge geleistet hat. Die Unterzeichner waren von den extremen persönlichen Attacken auf Schäfer und seine professionelle Arbeit schockiert. Sie fügten hinzu, dass sie seinen Rücktritt als ein Alarmzeichen für die Unterdrückung freier Diskussion und freier Aussprache betrachten.[14]

Wie so oft in Deutschland schafft die oben angeführte Sammlung an Äußerungen und Gegenäußerungen Konfusion und verbirgt Schlüsselaspekte. Schäfer, der kein Jude ist, ist in der Tat ein wichtiger, preisgekrönter Forscher, der beträchtliche Beiträge zu Studien des Judentums geleistet hat. Das war und ist allerdings keineswegs die einzige Anforderung an einen Direktor eines jüdischen Museums in Berlin. Diese Stadt ist aktuell die Hauptstadt des europäischen Antisemitismus und liegt in dem Land mit der bisher schlimmsten Vergangenheit, was das jüdische Volk betrifft.[15]

Das ist eine Position mit vielen komplexen politischen und geschäftsführenden Aspekten, die Schäfer, in erster Linie Forscher, nie hätte annehmen sollen. Sie erfordert einen erfahrenen Manager mit profundem politischem Verständnis und Instinkten, der in der Lage ist in einer hoch problematischen deutschen Realität, soweit es Juden angeht, zu agieren. Das ist zumindest genauso wichtig wie die Organisation von qualitativ hochwertigen Ausstellungen. Die Bilanz zeigt, dass die Aktivitäten der Museumsangestellten, von denen einige problematische politische Ansichten zu haben scheinen, genau beaufsichtigt werden müssen. Es ist wohlbekannt, dass einseitige Kritik an Israel ein Mittel ist den Deutschen das erleichternde Gefühl zu geben, dass nicht nur ihre Großeltern, sondern auch die zeitgenössischen Israelis schuldig sind. Diejenigen, die zur Unterstützung Schäfers schrieben, scheinen das nicht zu begreifen, obwohl sie zurecht sagten, er hätte nicht persönlich mit falschen Argumenten angegriffen werden sollen.

Es gibt viele Themen, die Aufmerksamkeit oder sogar Ausstellungen in einem jüdischen Museum in Berlin verdienen, aber tabu sind. Um ein paar zu erwähnen: Die im Lauf der Jahre stattgefundene Mutation mörderischen Antisemitismus gegen Juden in Nazideutschland in eine massive Dämonisierung Israels im zeitgenössischen Deutschland. Das bringt sich in den regelmäßigen Vergleichen von Israels Handeln gegenüber den Palästinensern mit dem der Nazis gegenüber den Juden zum Ausdruck.

Eine weitere Ausstellung könnte die zeitgenössische arabische Dämonisierung Israels und der Juden mit der der Nazis vergleichen, bei denen gemeinsame Themen wie das Propagieren von Mord, Juden zu Tieren zu machen und Ritualmorde-Anschuldigungen gezeigt werden könnten. Noch ein Beispiel einer lohnenswerten Ausstellungen ist ein Vergleich zwischen dem Belohnungssystem Nazideutschlands für die, die Juden verrieten, damit sie ermordet werden konnten und den finanziellen Belohnungen der palästinensischen Autonomiebehörde für diejenigen ihrer Bürger, die Israelis ermorden.

Es gibt zudem sehr unterschiedliche mögliche Themen für Ausstellungen, so die Rolle der Kirche beim Anlegen der Infrastruktur zu Verfolgungen in Deutschland und was davon im gegenwärtigen deutsch-christlichen Umfeld fortbesteht, zum Beispiel bei BDS unterstützenden Predigern.

Und schließlich: Eine Ausstellung zu Juden und deutscher Kultur, einschließlich der Frage, wie Antisemitismus im Gefüge der zeitgenössischen deutschen Gesellschaft verwoben ist.

Wenn das Jüdische Museum solche Ausstellungen organisiert, werden wir wissen, dass das messianische Zeitalter anbricht. Bis dahin ist es unwahrscheinlich, dass das Museum twittern wird, man solle diesen Artikel lesen.

Dieser Artikel ist eine erweiterte Version eines früheren Artikels in The Algemeiner.

[1] www.jpost.com/Jewish-World/Jewish-Features/Berlin-Jewish-Museum-event-calls-for-Israel-boycott

[2] ebenda

[3] https://news.berkeley.edu/2012/09/12/butler-wins-adorno-prize/;/www.dw.com/en/adorno-prize-for-judith-butler-irks-jewish-groups/a-16225396

[4] www.welt.de/kultur/article195347713/Das-Juedische-Museum-in-Berlin-braucht-eine-kulturelle-Revolution.html

[5] www.jpost.com/Jewish-World/Jewish-News/Inclusion-of-anti-Israel-speaker-at-Berlin-conference-on-ways-to-tackle-anti-Semitism-sparks-uproar-330733

[6] www.jpost.com/Diaspora/German-Museum-director-sparking-BDS-controversy-resigns-after-condemnations-fly-592564; https://www.algemeiner.com/2019/03/19/berlin-jewish-museum-says-it-has-no-specific-plans-to-cooperate-with-iran-following-criticism-of-meeting-with-tehran-regime-envoy/

[7] https://taz.de/Bundestagsbeschluss-zu-Israel-Boykott/!5601030/

[8] www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/zentralrat-der-juden-scharfe-kritik-an-juedischem-museum-wegen-taz-link-a-1271877.html

[9] https://bdsmovement.net/news/240-jewish-and-israeli-scholars-german-government-boycotts-are-legitimate-and-non-violent-tool

[10] http://www.facebook.com/TomGrossMedia/posts/2233835529987287

[11] http://www.jpost.com/Diaspora/German-antisemitism-combatant-slams-Berlins-pro-BDS-anti-Jewish-Museum-592044

[12] www.jpost.com/Diaspora/German-Museum-director-sparking-BDS-controversy-resigns-after-condemnations-fly-592564

[13] www.zeit.de/kultur/2019-06/peter-schaefer-juedisches-museum-berlin-ruecktritt

[14] juedischesmuseum.blog/2019/06/25/museumsexperten-unterstuetzen-professor-peter-schaefer-und-das-juedische-museum-berlin/

[15] www.jpost.com/Opinion/Berlin-Europes-antisemitism-capital-580076

Wie ein deutsches Museum des Holocaust gedenkt

Roie Yellinek, BESA Center Perspective Papers Nr. 1, 196, 10. Juni 2019

Nürnberg, Deutschland 152, Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände (Foto: David Holt via Flickr CC)

Zusammenfassung: Die selektiven Einzelheiten, die im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg ausgestellt sind, geben einen Hinweis auf die Art, wie das deutsche Volk sich entscheidet des Holocaust und der Zeit der Naziherrschaft zu gedenken.

Die Rassengesetze der Nazis, die zur Ermordung von Millionen Juden im Holocaust führten, wurden in Nürnberg erlassen. Nürnberg ist eine durch und durch deutsche Stadt und die Ereignisse, die dort stattfanden, haben besonders große Bedeutung in der deutschen geschichtlichen Erinnerung.

In Nürnberg hat Deutschland ein Museum im Nordflügel der nicht beendeten Reste der Kongresshalle gebaut, dem Gelände der großen Kundgebungen der Nazis. Dieser Bereich wurde von den Alliierten am Ende des Zweiten Weltkriegs bombardiert.

Das Einführungsvideo des Museums unternimmt große Anstrengungen die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft miteinander zu verbinden. Es stellt das, was heute im Bereich des Museums existiert (grünes Gras, Sportplätze, einen See) dem gegenüber, was in der Vergangenheit dort war (ein riesiges Bauprojekt, das geplant war, um den Namen Hitlers und seiner Partei zu verherrlichen.

Was das Video nicht macht: die Folgen der Entscheidungen ansprechen, die an diesem Ort getroffen wurden. Es versucht ein wohliges, allgemeines Bild eines weiteren historischen Museums zu schaffen, statt sich auf den einzigartigen Status der Örtlichkeit als das einstige Epizentrum der Nazi-Partei zu konzentrieren.

Das Video bringt Neugier und sogar Stolz auf die enorme Größe des Bauprojekts aus der Nazizeit zum Ausdruck, während kein Hinweis auf Schuld oder Verständnis für historische Bedeutung vermittelt wird. Das reibungslos editierte Video ist von angenehmer Musik begleitet und die darin auftretenden Schauspieler sind allesamt jung und „cool“.

Das Museum selbst zeigt den historischen Prozess, der mit der Geburt Hitlers begann und mit den Nürnberger Prozessen endete, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stattfanden. Es fällt auf, dass dem Holocaust keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt wird, ebenso das Herangehen des Museums an die Präsentation der Nürberger Prozesse.

Die Sprache des Museums ist natürlich Deutsch, aber den Besuchern werden Kopfhörer angeboten, damit sie die Bildbeschreibungen verstehen können. Leider ist Hebräisch keine der angebotenen Sprachen. Der Auftrag des Museums schien eher nach innen gerichtet zu sein: um dem deutschen Publikum eine angenehmere Art der Sicht auf die Ereignisse zu geben, die in Nürnberg stattfanden.

Die Ausstellung beginnt mit dem Hintergrund, mit dem Hitler aufwuchs und aus dem heraus er seine mörderische Ideologie entwickelte. Sein Buch Mein Kampf wird als kostbares und seltenes Objekt ausgestellt, obwohl sein Verkauf und Vertrib in vielen Teilen der westlichen Welt verboten ist. Das Museum diskutiert die Folgen des Ersten Weltkriegs für die Deutschen, einschließlich des Schadens für den nationalen Stolz und die Finanzlage des Landes. Es scheint nahe gelegt zu werden, dass die Deutschen von den harten Realitäten, denen sie nach dem Ersten Weltkrieg ausgesetzt waren, zum Krieg gedrängt wurden, eine Botschaft, die sie zumindest in Teilen von der Schuld ihrer folgenden Völkermord-Geschichte entlastet.

Das Museum widmet einen großen Teil der Ausstellung dem internen deutschen Widerstand gegen die Nazipartei, die als große Bewegung dargestellt wird. Dieses Phänomen war faktisch marginal und fast völlig ineffektiv. Die Einordnung durch das Museum versucht den Krieg und den Holocaust als Ereignisse darzustellen, die den Deutschen fast aufgezwungen wurden, nicht als Nazi-Initiativen, die ohne die Mitwirkung und Unterstützung der überwiegenden Mehrheit der deutschen Bevölkerung nicht hätte umgesetzt werden können.

Diese Mitwirkung wird vom Museum erwähnt, aber auf eine Weise, die nostalgisch erscheint. Einmal im Jahr wurde in Nürnberg ein Nazi-Fest veranstaltet und das Museum stellt mehr als einmal heraus, dass Hitler selbst am Hauptbahnhof der Stadt ankam, um diejenigen zu begrüßen, die zu den Festlichkeiten gekommen waren.

Im gesamten Museum wird der Holocaust nur dreimal erwähnt, dazu gibt es eine indirektere Erwähnung. Dieses Herunterspielen des Holocaust illustriert das revisionistische Narrativ, das das Museum versucht zu propagieren.

Bei der ersten Erwähnung (Ausstellungsstück 1605) erschient der Holocaust mit einer sehr kurzen Erklärung (verglichen mit dem Rest der Ausstellung) der systematischen Auslöschung jüdischer und nichtjüdischer Menschen in Konzentrationslagern – ein Programm, das von Deutschen geplant, aufgebaut und betrieben wurde. Die Bildbeschreibung erklärt, das etwas mehr als die Hälfte der Opfer in Konzentrationslagern ermordet wurde, der Rest starb an Krankheiten, Unterernährung und aus anderen Gründen. Auch das klingt wie ein Versuch die Last der Schuld der Nazis zu mindern.

Die zweite Erwähnung erfolgt durch zwei verschwommene Fotos von Leichenstapeln. Die Leichen haben weder Gesichter noch Namen und die Bilder sind aus großer Entfernung aufgenommen. Das reduziert das Ausmaß des dargestellten Horrors und schwächt die Tatsache ab, dass der in den Bildern gezeigte Tod das Ergebnis der Entfaltung der furchtbaren Dinge war, die in vorherigen Teilen des Museums beschrieben wurden.

Die dritte Erwähnung des Holocaust erfolgt kurz vor dem Denkmal für die sechs Millionen Toten (Ausstellungsstück 2002), das in Zusammenarbeit mit dem Holocaustmuseum Yad Vashem und anderen Organisationen gebaut wurde. Der Hinweis auf dem Denkmal erfolgt für „Menschen“, nicht „Juden“, obwohl die darauf stehenden Namen jüdisch sind und die Zahl ausschließlich mit dem Völkermord-Versuch der Nazis am jüdischen Volk zu identifizieren ist.

Das Museum versucht nicht diesen sorgfältig geplanten Völkermord-Versuch zu thematisieren. Es anonymisiert die Opfer, nimmt ihnen jede konkrete ethnisch-religiöse Identifizierung. Damit versuchen die Planer des Museums im Auftrag der offiziellen Gremien des Stadt Nürnberg und anderer deutscher Offizieller die Geschichte der Nazi-Gräuel neu zu gestalten.

Die letzte Abteilung des Museums beschäftigt sich mit den Nürnberger Prozessen. Es beschreibt sie als wichtigen Beitrag zur Entwicklung des modernen Völkerrechts, womit ein nicht unbeträchtlicher Grad an Lokalstolz angedeutet wird. Die Schöpfer des Museums verwischen die Tatsache, dass die Richter Amerikaner und andere waren, während es sich bei den Kriminellen um Deutsche oder mit ihnen Verbundene handelte.

Das Museum, diejenigen, die es planten und diejenigen, die an seiner Einrichtung beteiligt waren, haben versucht sich und dem deutschen Volk eine Geschichte zu verleihen, die einfacher verdauen ist als die historische Realität. Das Narrativ des Museums erklärt: 1) Die Deutschen wurden in eine Situation gebracht, die sie fast dazu zwang den Krieg anzufangen. 2) Während des Nazi-Regimes fanden Dinge statt, auf die die Deutschen stolz sein können. 3) Auch die Deutschen waren Opfer und einige von ihnen waren gegen das Regime. 4) Der Holocaust gehört an die Ränder der historischen Erinnerung.

Das Museum ist eine Anstrengung das kollektive Gedächtnis der Deutschen zu entlasten und das deutsche Volk von der enormen Schwierigkeit zu befreien im Schatten seiner Vergangenheit zu leben. Diese Botschaft macht es einfacher deutsche Feindseligkeit gegenüber Israel, dem einzigen jüdischen Staat der Welt, zu rechtfertigen. Wenn die Deutschen den Iran unterstützen, der Israel vernichten will, dann führen wir uns bemüßigt sie an ihre wahren Geschichte zu erinnern, ob sie zu hören bereit sind oder nicht.

Auf wessen Seite steht Deutschland?

Amerika wird für die Eskalation der Spannungen verantwortlich gemacht.

Joseph Puder, FrontPageMag, 24. Juni 2019

Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die USA Westdeutschland mit amerikanischen Truppen und dem Atomschild vor den expansionistischen Ambitionen der Sowjetunion geschützt. Deutschland wurde als westlicher Verbündeter betrachtet, der sich auf die Seite seines amerikanischen Beschützers stellen würde, wenn dieser einem iranischen, radikal terroristischen Regime mit Atom-Ambitionen gegenüber steht. In den letzten Jahren scheint die deutsche Regierung es jedoch vorzuziehen mit dem Iran Handel zu betreiben, statt sich den USA anzuschließen. Derzeit glauben viele in Berlin, dass die USA, nicht der Iran die aktuellen Spannungen zwischen Washington und Teheran eskalieren. Deutschlands Behinderungstaktiken gegenüber den US-Bemühungen den führenden Staatssponsor von globalem Terrorismus zu bändigen – den Iran – hatte US-Außenminister Mike Pompeo letzten Monat veranlasst einen Besuch in Deutschland abzusagen. Nach Angaben der deutschen Wochenzeitung Der Spiegeleskalieren die Amerikaner derzeit ihren Konflikt mit Teheran – mit unvorhersagbaren Konsequenzen für ihre Verbündeten in Europa“. Für manche in der deutschen Regierung scheint es so, dass die gezielte (direkte oder indirekte) iranische Hand bei den Angriffen auf Öltanker im Golf von Oman keine Konsequenzen hat. Gleichermaßen ist das Drängen des Iran, damit die Hamas letzten Monat Raketen auf die Städte im südlichen Israel schießt, um israelische Zivilisten zu töten, für die Deutschen kein Problem.

Jürgen Trittin, Mitglied der Grünen im Außenpolitischen Ausschuss des Bundestags, kommentierte: „Die USA scheinen nach einem Vorwand zu suchen, um den Konflikt mit dem Iran zu eskalieren.“ Er fügte hinzu: „Die Behauptung, dass der Iran einen Angriff auf die USA plant, riecht nach einem Tonking-Vorfall.“ (Ein Verweis auf den Kongress-Beschluss zum Golf von Tonking am 10. August 1964, der Präsident Lyndon B. Johnson die Genehmigung gab ohne formelle Kriegserklärung militärische Kräfte in Südost-Asien und besonders in Vietnam einzusetzen.)

Anders als beim Iran-Appeasement-Modus der deutschen Regierung und Jürgen Trittin schicken die USA eine Flugzeugträger-Kampfeinheit und Bomber der Luftwaffe in den Nahen Osten, nicht um dem Iran mit Krieg zu drohen, sondern im Gegenteil: um das radikale iranische Regime davon abzuhalten sein provokatives Handeln gegen US-Interesen fortzusetzen, die zu einem Krieg führen könnten, einschließlich des Versuchs US-Marinefahrzeuge zu kapern. Im Januar 2016 nahm das Iranische Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) zwei US-Marinefahrzeuge gefangen und hielt 10 US-Matrosen als Geiseln. John Bolton, Nationaler Sicherheitsberater der USA, zeigte auf, dass eine Flugzeugträger-Kampfeinheit zu schicken „eine klare und unmissverständliche Botschaft an das iranische Regime ist, dass jedem Angriff auf US-Interessen oder die der Verbündeten der USA mit unnachgiebiger Wucht begegnet werden wird“.

Das iranische Regime hat den Atomdeal mit dem Iran (Joint Comprehensive Plan of Action – JCPOA) ad absurdum geführt, indem er intrusive Inspektionen in iranischen Militäreinrichtungen verhinderte und ballistische Langstreckenraketen entwickelte, die Israel und Europa erreichen können; letztlich sind die USA nicht länger in der Lage die atomare Entwicklung des Irans zu beurteilen. Im April 2018 deckte Israels Premierminister Benjamin Netanyahu, dass der israelische Geheimdienst Zehntausende Akten in die Hand bekommen hat, die beweisen, dass der Iran zu seinem Atomwaffenprogramm gelogen hat. Die Akten bewiesen, dass der Iran unter der Nase der internationalen Inspektoren heimlich sein Atomprogramm weiter verfolgt. Netanyahu sagte: „Wir haben seit Jahren gewusst, dass der Iran ein geheimes Waffenprogramm namens Projekt Amad betreibt. Wir können jetzt beweisen, dass Projekt Amad ein umfassendes Programm war, um Atomwaffen zu entwerfen, zu bauen und zu testen. Wir können ebenso beweisen, dass der Iran heimlich Material des Projekts Amad einlagert, um dieses zu einer Zeit seiner Wahl zu nutzen, um Atomwaffen zu entwickeln.“

Es ist interessant, dass Deutschland und offizielle Vertreter Deutschlands wie Jürgen Trittin sich wegen amerikanischer Abschreckungsaktionen Sorgen machen, aber wenig Sorge dazu zum Ausdruck gebracht haben, dass der Iran beim Atom-Deal betrügt, den Berlin so sehr beschützt. Deutsche Offizielle glauben, dass der Iran mit Zurückhaltung auf Druck der USA reagiert und die Ankündigung des Iran, er werde sich nicht weiter an das Limit für die Lagerung von angereichertem Uran und schwerem Wasser halten, „ist nicht direkt von Bedeutung“. Dass der iranische Revolutionsführer nicht nur damit droht die Atomvereinbarung zu brechen, sondern mit dem Projekt Amad tatsächlich verletzt hat, offenbart nur deutsches Appeasement und Scheinheiligkeit. Berlin ist ziemlich still zu iranischen Terror-Aufwiegelungen im Gazastreifen, dem Libanon, Syrien, dem Jemen und Afghanistan, ganz zu schweigen von Teherans verachtenswerten Terroraktionen auf europäischem Boden.

Die Europäer, angeführt von Deutschland, richteten ein Sonderinstrument namens Instex ein, mit dem die US-Sanktionen umgangen werden können und das das amerikanische Finanzsystem umgeht. Deutschland ist erpicht darauf das iranische Regime zu erhalten, das mehr Menschen, einschließlich Kindern, hinrichtet als praktisch jedes andere Land im Nahen Osten und darüber hinaus. Nur in China gibt es mehr solcher Hinrichtungen. Ein Regime, das seinem Volk religiöse Freiheit verweigert und seine ethnischen und religiösen Minderheiten unterdrückt, ist ein krasser Menschenrechtsverletzer.

Die deutsche Regierung hat Einwände gegen die Nahostpolitik der USA zum israelisch-palästinensischen Konflikt. Deutsche Politiker sind anscheinend unglücklich darüber, dass die Administration Trump die diplomatische Mission der Palästinenser in Washington schloss sowie die Finanzierung der United Nations Relief and Works Agency for Palestinians, auch als UNRWA bekannt, nicht fortsetzt. (UNRWA hat palästinensische radikale Bildung ermöglicht, eine Brutstätt für zukünftige Terroristen und die Verewigung der palästinensischen Abhängigkeit). Darüber hinaus brachte Deutschlands außenpolitisches Establishment Missfallen wegen des Umzugs der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem und die Anerkennung der israelischen Kontrolle über die Golanhöhen zum Ausdruck. Tatsächlich beschuldigte Christoph Heusgen, Deutschlands dauerhafter Repräsentant bei der UNO, die USA bei einem Treffen des UNO-Sicherheitsrats im März 2019 der „Verletzung des Völkerrechts“.

Derweil berichtete die Deutsche Welle (DW) am 18. Juni 2019, dass Kanzlerin Angela Merkl sagte, es gebe „starke Beweise“, dass der Iran di Angriffe auf die beiden Tanker im Golf von Oman ausführte. Sie warnte den Iran, wenn er den internationalen Atom-Deal von 2015 verletzt, würde es Konsequenzen für sein Handeln geben. Damals sagte der deutsche Außenminister Heiko Maas jedoch, das „Deutschland immer noch die Beweise evaluiert, bevor es irgendeinen Schluss zieht“. Die divergierenden Äußerungen von Merkel (Parteichefin der CDU) einerseits und ihres Koalitionspartners Maas (von der SPD) andererseits repräsentiert Deutschlands Versuch sowohl die USA als auch den Iran zu beschwichtigen.

Die Deutschen haben abnehmende Solidarität mit den USA erkennen lassen, besonders die jungen Deutschen, insbesondere nach der US-Invasion im Irak 2003 und dem Verlassen des Pariser Klima-Abkommens durch die USA. Eine Umfrage des Pew Research Center und in Deutschland durch die Korber-Stiftung vom Herbst 2018 zeigte, dass die Deutschen den USA gegenüber weit negativer eingestellt sind als die Amerikaner zu Deutschland. 73% der Deutschen sagten, dass die Beziehungen zu den USA schlecht sind. Rund 75% der Deutschen ist zudem überzeugt, dass ein außenpolitischer Weg unabhängig von den USA dem vorzuziehen ist, dass die beiden Länder enge Verbündete bleiben.

Das oben Gesagte spiegelt im Wesentlichen eine deutsche Mentalität, die eine moralische Äquivalenz zwischen einer amerikanischen Demokratie mit ihren westlichen Werten und der theokratischen Diktatur der Ayatollahs des Iran anschlägt. Das wirft die Frage auf, auf welcher Seite Deutschland überhaupt steht.