Deutschland – die vielen Verbündeten des Antisemitismus

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor; eine englische Version wurde bei BESA veröffentlicht)
(Vorbemerkung heplev: Dr. Gerstenfeld schreibt: Dieselbe Analyse hätte mit Brumlik und Aleida Assman erstellt werden können, sich auf einen zu konzentrieren ist aber vermutlich effektiver.)

Ein Teil der Komplexität der gegenwärtigen Antisemitismus-Debatte und ihrer Analyse ist die Vielzahl der Aspekte. Man kann nicht einfach eine bestimmte Handlung mit der Antisemitismus-Definition der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA) vergleichen, um zu bestimmen, ob sie antisemitisch ist.1 Die Akzeptanz dieser Definition durch den IHRA-Vorstand im Jahr 2016 erforderte die Zustimmung von mehr als 30 westlichen Ländern und war ein wichtiger Erfolg.2 Diese Definition deckt jedoch nur Teile der vielen Erscheinungsformen des Antisemitismus ab.

Der vorherige Vorsitzende der britischen Labour Pary, Jeremy Corbyn, bezeichnete die völkermörderischen, antisemitischen Organisationen Hamas und Hisbollah als seine „Brüder“ und „Freunde“.3 Das waren Ausdrucksformen extremen Antisemitismus, dennoch sind diese Äußerungen nicht von der IHRA-Definition abgedeckt. Es gibt viele andere antisemitische Akte, die nicht unter die Definition fallen. Der IHRA-Text musste kurz sein, mit einer begrenzten Anzahl an Beispielen. Seine Initiatoren hätten sich nur schwer einen führenden westlichen Politiker vorstellen können, der sich mit den extremsten völkermörderischen Antisemiten identifiziert.

Für den Antisemitismus-Analysten wäre es falsch seine Einschätzung auf Antisemiten zu beschränken. Es gibt eine beträchtliche Anzahl von Leuten, die selbst keine Antisemiten sind, aber als deren Verbündete oder Helfer betrachtet werden können. Das ist in Deutschland besonders gut zu analysieren. Die enorm kriminelle Vergangenheit des Landes hat heute immer noch Folgen. Die Probleme waren dort bereits vorhanden, haben aber seit der massiven Willkommenspolitik für Immigranten ab 2015 stark zugenommen. Unter den Ankömmlingen aus der muslimischen Welt befinden sich viele Antisemiten.

Die führende deutsche Immigrations-Befürworterin, Kanzlerin Angela Merkel, ist die wichtigste Importeurin von Antisemiten nach Westeuropa. Ein indirektes Ergebnis ihrer Politik war das Wachstum einer rechten Partei, der AfD. Diese Partei hat einen rechtsextremen Flügel mit vielen problematischen Persönlichkeiten.

Die Verbündeten von Antisemitismus und Antisemiten in Deutschland fallen in eine ganze Reihe verschiedener Rubriken. Eine wichtige Kategorie sind Weißwäscher von entweder Antisemiten oder antisemitischen Taten oder beidem. Ein extremer Fall ereignete sich dieses Jahr in Bezug auf die sogenannte Affäre Mbembe. Dieser in Kamerun geborene Philosoph lehrt an der Universität Witwatersrand in Johannesburg. Er war von den Organisatoren der Ruhr-Triennale, einem wichtigen Musik- und Kulturfestival, das diesen Sommer stattfinden sollte, als Hauptredner eingeladen worden.4

Es wurde bekannt, dass Mbembe ein extremer antiisraelischer Hetzer und Teilzeit-Antisemit ist. Später sollte der deutsche Journalist Alan Posener beweisen, dass Mbembe ein Feind der Aufklärung, Demokratie-Bagatellisierer und Nihilist ist.5 Das Festival und damit Mbembes Rede wurde wegen der Corona-Epidemie abgesagt. Inzwischen wurden weitere Informationen über Mbembes antisemitischen Einstellungen und Verhalten bekannt.

Trotzdem wuschen viele Intellektuelle n Deutschland und im Ausland – einschließlich in Israel und Afrika – Mbembe rein. Ein erster offener Brief verteidigte ihn. Zu den Unterzeichnern gehörte Wolfgang Benz. Er war von 1990 bis 2011 Direktor des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin.6

In einem Artikel zeigte Mbembe sich auch als beachtlicher Lügner. Er behauptete fälschlich, er sei angegriffen worden, weil er schwarz ist. Das war in der Diskussion zuvor überhaupt nicht aufgekommen. Darüber hinaus schrieb Mbembe, dass seine Angreifer aus der extremen Rechten kamen. Das war nicht wahr, weil die meisten Angriffe von Mainstream-Autoren kamen.7

In dieser Debatte tauchte eine zweite Kategorie Antisemiten auf. Sie wuschen nicht nur Mbembe rein, sondern forderten auch, dass die Regierung den nationalen Antisemitisus-Beauftragten Felix Klein entlässt. Früher in der Debatte hatte Letzterer Mbembe zurecht als Antisemiten bezeichnet. Später untermauerten weitere Informationen diese Aussage.8

Angesichts des grassierenden Antisemitismus ernannte die deutsche Regierung Mitte 2018 Klein als ersten nationalen Antisemitismus-Beauftragten. Er hat bemerkenswerte Arbeit geleistet, indem er viele der Aspekte des Antisemitismus im Land anprangerte. Den Erfolg eine solche Schlüsselfigur aus dem Amt zu bekommen, würde Antisemiten und ihren Verbündeten sehr nützen. Als er angegriffen wurde, erhielt Klein viel Unterstützung von deutschen Organisationen sowie auch von einigen im Ausland.9

Diese aggressivere Kategorie Verbündeter der Antisemiten besteht auch aus jüdischen Lehrern an israelischen und amerikanischen Universitäten sowie Künstlern – viele von ihnen bekannte jüdische Masochisten. Sie schrieben Bundesinnenminister Horst Seehofer. Sie behaupteten, dass Mbembe kein Antisemit sei, dass BDS nicht antisemitisch sei und dass der nationale Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein entlassen werden müsse.10

Am 17. Mai verabschiedete der Bundestag einen Antrag, der die DS mit Antisemitismus gleichsetzt. In Reaktion darauf schrieben 240 jüdische und israelische Wissenschaftler einen Brief, der diese Gleichsetzung zurückwies. Sie riefen die deutsche Regierung auf, sie solle den Antrag nicht gutzuheißen und die freie Meinungsäußerung schützen und respektieren, die ihrer Behauptung nach unter Beschuss geraten sei.11 Es war ein Brief, an dem die deutschen Antisemiten ihre Freude haben konnten.

Eine weitere Bekundung der Verbündeten von Antisemiten gab es, als 2020 ein Buch mit dem Titel „Streitfall Antisemitismus: Anspruch auf Deutungshoheit und politische Interessen“ erschien. Sein Herausgeber ist Benz. Darin wird zum Beispiel behauptet, dass Antisemitismus zusammen mit dem Kampf gegen Rassismus angegangen werden muss. Dieses Argument geht weit, um den Kampf gegen den Antisemitismus zu schwächen, da die Geschichte des Antisemitismus sich enorm von der des Rassismus unterscheidet.

Das Buch stellt die BDS-Bewegung als marginal dar. Sie zielt angeblich nur darauf ab die israelische Besatzung palästinensischer Gebiete zu beenden. Eine ganze Reihe Publikationen zeigt jedoch, dass es innerhalb der BDS-Bewegung viele Gruppen gibt, die zu Gewalt aufrufen, Antisemitismus propagieren und Verbindungen zu Terrororganisationen haben.12

In Deutschland ist der abschätzige Ausdruck „du Jude“ weit verbreitet. Das Buch behauptet, dieser Ausdruck sei nicht unbedingt antisemitisch. Das ist ein typisches Beispiel des Bagatellisierens von Antisemitismus.

Eine weitere wichtige Möglichkeit Antisemiten zu helfen, besteht darin die IHRA-Definition anzugreifen. Ihre Initiatoren wussten, dass sie nicht perfekt war. Dennoch war sie ein wichtiger Schritt voran im Kampf gegen Judenhass. Ihre Existenz ist für viele Antisemiten sehr unangenehm. Sie erschwert einen Teil ihrer Freiheit zu hetzen. Sie und ihre Verbündeten greifen daher die Gültigkeit der Definition an. Eine sehr übliche Behauptung lautet, dass die Definition die Angriffe auf Israel nicht einschließen sollte.

Antisemiten und ihre Verbündeten präsentieren die Definition gewöhnlich als eine Möglichkeit Kritik am jüdischen Staat zu verhindern. Dennoch verhindern die kombinierten Texte der IHRA-Definition zu Israel bezüglich dessen, was antisemitisch ist, keine Kritik am jüdischen Staat. Es heißt darin: „Dem jüdischen Volk sein Recht auf Selbstbestimmung zu verweigern, z.B. das Aberkennen des Rechts des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung, z.B. durch die Behauptung, die Existenz des Staates Israel sei ein rassistisches Unterfangen; die Anwendung doppelter Standards, indem man von Israel ein Verhalten fordert, das von keinem anderen demokratischen Staat erwartet oder gefordert wird; das Verwenden von Symbolen und Bildern, die mit traditionellem Antisemitismus in Verbindung stehen (z.B. der Vorwurf des Christusmordes oder die Ritualmordlegende), um Israel oder die Israelis zu beschreiben; und Vergleiche der aktuellen israelischen Politik mit der Politik der Nationalsozialisten.“13

Im August 2020 schickten 60 deutsche und israelische Intellektuelle und Künstler einen offenen Brief an Kanzlerin Merkel, in dem sie Klein beschuldigten, er unterdrücke offene Diskussion und ersticke Kritik an der israelischen Regierung. Benz gehörte zu den Unterzeichnern.14 Klein merkte an, dass keiner der Unterzeichner des Briefs, die ihn angriffen, handelte, als die deutsche Regierung 2017 die Antisemitismus-Arbeitsdefinition annahm.15

Der deutsche Antisemitismus-Experte Gunther Jikeli weist darauf hin, dass dieser Brief eine Debatte andeutet, den Antisemitismus-Vorwurf statt des Antisemitismus zum Skandal zu machen. Er vermerkte, dass viele der Unterzeichner des Briefs gegen Klein sich in der Vergangenheit schon kritisch gegen Israel geäußert haben.16

Die Antisemitismus-Forscherin Monika Schwarz-Friesel reagierte auf den Brief der 60; sie schrieb, dass es in Deutschland ein Klima der Angst gibt – nicht unter linken Intellektuellen, sondern unter Juden. Das israelfeindliche Narrativ ist aggressiv. Pro-israelische oder israel-neutrale Stimmen werden massiv in Verruf gebracht.17

Um die hochtrabenden, pseudomoralischen Behauptungen der Verbündeten der Antisemiten zu entlarven, muss man in der Regel nur etwas Einfaches untersuchen. Wie viel, wenn überhaupt, hat jede dieser Personen in den letzten Jahren über die Todeskultur veröffentlicht, die die palästinensische Gesellschaft durchzieht18, d.h. die Förderung von Völkermord durch die palästinensische Mehrheitspartei Hamas, die Belohnung palästinensische Mörder durch die palästinensische Autonomiebehörde, die von der zweitgrößten Partei, der Fatah, kontrolliert wird, und so weiter?

Um die erwähnten Phänomene zu veranschaulichen, konzentriert man sich am besten auf eine Person. Benz‘ Bilanz bringt die Sache ans Licht. 2014 behauptete er in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit, dass der Antisemitismus in Deutschland nicht zugenommen habe. Er stellte diese Behauptung trotz Angriffen auf Juden und jüdische Stätten während Israels Verteidigungsoperation im Gazastreifen auf.19

2018 holten zwei Jugendliche eine Israel-Fahne ein und versuchten erfolglos sie zu verbrennen. Die größte deutsche Zeitung, BILD, betrachtete das als Beleg für muslimischen Antisemitismus. Benz reagiert: „Israel-Fahnen auf der Straße abzuhängen macht einen nicht zum Antisemiten.“20

2019 sagte Benz in einem Interview über Palästinenser nur eines: „Empathie für die Zivilbevölkerung des besetzten Palästina ist kein Antisemitismus.“ Er empfand es nicht als notwendig die wichtigen völkermörderischen Strömungen bei den Palästinensern und ihre Verherrlichung von Mord an Israelis, einschließlich Zivilisten, zu erwähnen. Benz gibt auch die falsche Weißwäscher-Idee weiter, dass diejenigen, die die Boykott-Bewegung in ihrem Kern als antisemitisch betrachten, fanatisiert seien und nicht mehr objektiv urteilen.21

Wieder 2019 behauptete Benz, dass der Antisemitismus in Deutschland in den letzten Jahren nicht zugenommen habe. Der Antisemitismus-Beauftragte der jüdischen Gemeinde Berlin, Sigmount Königsberg, warf ihm vor sich von einem Antisemitismus-Forscher zum Antisemitismus-Bagatellisierer gewandelt zu haben.22

2020 behauptete Benz in einem Interview: „95% der Hassverbrechen gegen Juden wurden von Rechtsextremisten begangen, nicht von Neuankömmlingen.“23 Es ist undenkbar, das Benz, der Antisemitismus-Experte, nicht weiß, dass diese deutschen Statistiken manipuliert sind. Bei der Hälfte der antisemitischen Vorfälle sind die Täter unbekannt. Die Behörden gehen davon aus, dass das alles Rechtsextreme waren.

Die israelische Regierung hat es viele Jahre nicht für nötig befunden ein professionelles Gremium zur Bekämpfung der Propaganda gegen den Staat schaffen. Folglich wird der Kampf gegen die fortgeschrittensten Formen des aggressiven Antisemitismus ein paar Einzelnen überlassen. Sie versuchen so gut wie möglich da einzuspringen, wo es nationalen Einsatz geben müsste.

„Deutscher Außenminister ignoriert Lektionen von Auschwitz“, unterstützt Iraner

Bei allem Respekt: Es ist an der Zeit, dass der deutsche Außenminister seine Behauptung fallen lässt, es seien die Lehren aus Auschwitz gewesen, die ihn ins öffentliche Leben trieben.“

Benjamin Weinthal, The Jerusalem Post, 15. August 2020

Heiko Maas (Reuters)

Die Verachtung für die Politik des deutschen Außenministers Heiko Maas, der anscheinend den tödlichen Antisemitismus und Atomwaffen-Ambitionen des iranischen Regimes gegenüber Israel befürwortet, verschärft sich laut einer Vielzahl prominenter politischer und bürgerlicher Kritiker tagtäglich.

Der stellvertretende Dekan des Simon Wiesenthal Center, Rabbi Abraham Cooper, sagte Donnerstag gegenüber der Jerusalem Post:

Bei allem Respekt, es ist an der Zeit, dass der deutsche Außenminister seine Behauptung aufgibt, es seien die Lehren von Auschwitz gewesen, die ihn ins öffentliche Leben trieben. Er hat eindeutig keine der Lektinen auf die aktuelle Lage angewandt. Statt das tyrannische, völkermörderische Regime in Teheran zu schwächen, tut er alles, um den Iran zu stärken. Seine Anweisungen an den deutschen UNO-Botschafter sind nicht die eines Freundes eines jüdischen Staates.“

Maas, ein Sozialdemokrat, verkündete letztes Jahr , dass er „wegen Auschwitz“ in die Politik ging.

Cooper sagte: „“Bevor er [Maas] Auschwitz wieder beschwört, sollte er zurückgehen und die Geschichte nochmal lesen. Wir erwarten weit mehr von Außenminister Maas. Leider erleben wir ihn auf der falschen Seite der Spuren der existenziellen Bedrohungen, denen sich Israel jeden Tag ausgesetzt sieht.“

In einem sehr kritischen Kommentar in der Neue Zürcher Zeitung (NZZ) am Dienstag nahm sich der FDP-MdB Frank Müller-Rosentritt Maas wegen Deutschlands katastrophaler Außenpolitik zur Brust: „Unter Heiko Maas, der laut eigenen Angaben einst wegen Auschwitz in die Politik gegangen ist, jagt in der Nahostpolitik ein fragwürdiger Fehltritt den nächsten“, schrieb Müller-Rosentritt, einer der größten Unterstützer des jüdischen Staats im deutschen Bundestag.

Müller-Rosentritt führt Beispiele der Maas‘ vorgeworfenen Fehler während dessen 18-monatiger Amtszeit an, darunter seinem Staatssekretär Niels Annen zu erlauben in der iranischen Botschaft in Berlin die Revolution des Iran zu feiern.

Die Vereinigten Staaten klassifizieren das iranische Reime als führenden internationalen Staatssponsor von Terrorismus.

Unter Maas‘ Aufsicht, schrieb Müller-Rosentritt, markierte Christian Clages, der deutsche Repräsentant in Ramallah, „in sozialen Netzwerken antiisraelische und antisemitische Inhalte mit «gefällt mir». Und vergangene Woche wurde bekannt, dass der frühere Diplomat Bernd Erbel den vorgesehenen Posten als Chef des Zahlungsmechanismus Instex für europäische Iran-Geschäfte nicht antreten wird.“

Erbel musste vom Instex-Posten zurücktreten, weil er in Deutschland Gespräche mit dem deutschen Holocaustleugner Ken Jebsen gegen Israel und das iranische Regime geführt hatte.

Die BILD schrieb: „Mitte Juli plauderte der ehemalige Botschafter Erbel zweieinhalb Stunden mit Jebsen über den Iran und Israel – die Gesprächspartner verstanden sich offenbar prächtig. Erbel berichtet davon, dass das Atomabkommen mit dem Iran ‚der einzige Punkt‘ sei, an dem Deutschland sich ‚den israelischen Wünschen entzogen‘ hätte.“

Maas ignorierte die Wünsche der winzigen deutschen jüdischen Gemeinschaft den Handel mit der Islamischen Republik Iran einzustellen.

Müller-Rosentritt, der im Mai half den Anti-BDS-Beschluss des Bundestags zu formulieren, sagte, Maas erlaube Deutschlands Botschafter bei der UNO Christoph Heusgen „Israel zu attackieren und sogar mit der Hamas gleichzusetzen“.

Trotz seiner Zusage Deutschlands antiisraelisches Abstimmungsmuster bei der UNO zu verbessern, hat Maas Deutschlands Verurteilung des jüdischen Staates nicht eingestellt.

Der FDP-Abgeordnete schrieb: „Eine Änderung des deutschen Abstimmungsverhaltens bei der regelmäßigen einseitigen Verurteilungswelle gegen Israel innerhalb der Uno ist nach wie vor nicht absehbar.“

Müller-Rosentritt schrieb, dass Maas den Aktivitäten der tödlich antisemitischen Terrororganisation Hisbollah gegenüber gleichgültig ist. „Die terroristischen und kriminellen Aktivitäten der Hisbollah, ob im Libanon oder in Europa, werden vom Auswärtigen Amt geflissentlich ignoriert. Die Terrororganisation als solche einzustufen – wie es etwa Kanada, die Niederlande oder Großbritannien tun –, scheint für die deutsche Regierung nicht einmal diskussionswürdig.

Kanzlerin Angela Merkels Regierung erlaubt 1.050 Hisbollah-Mitgliedern und -Anhängern in Deutschland zu agieren. Die Hisbollah-Akteure rekrutieren in Deutschland neue Mitglieder, sammeln Geld für die Terrororganisation aus Beirut im Libanon und verbreiten in Deutschland antisemitische und jihadistische Ideologien.

Müller-Rosentritt schloss seien Artikel mit der Erklärung: „Es ist an der Zeit, dass Heiko Maas nicht nur über deutsche Verantwortung redet, sondern im Auswärtigen Amt für eine würdige deutsche Außenpolitik mit Haltung sorgt!“

Der prominente deutsch-jüdische Historiker Dr. Michael Wolffsohn kritisierte am Dienstag Maas‘ „doppelzüngige“ Aktivitäten in einem Kommentar in der BILD.

Zynisch oder zumindest doppelzüngig ist jene Solidarität mit Juden, angesichts des deutschen Abwiegelns gegenüber dem Iran. Dessen Führung verkündet jahraus-jahrein, das „Zionistische Gebilde“, also Israel, von der Landkarte tilgen zu wollen. Das deutsche Appeasement gegenüber dem Iran wird von den drei letzten Außenministern personifiziert: Steinmeier, Gabriel, Maas. Ist das Solidarität mit Juden? Oder will man für diese Doppelzüngigkeit nur den Koscher-Stempel von Juden?“

Wolffsohn nutzte seinen beißenden Kommentar, um den von Maas behaupteten Kampf gegen Antisemitismus durch Erscheinen bei einer Solidaritätsveranstaltung mit dem Berliner Rabbiner Yehuda Teichtal, der im August von zwei Arabisch Sprechenden angegriffen wurde scharf zu kritisieren. Zur Kritik an seiner unterstellten Scheinheiligkeit, seiner pro-iranischen und antisraelischen Außenpolitik befragt, sagte ein Sprecher Maas‘ der Post: „Außenminister Maas hat wiederholt seine Haltung zum Holocaust und dem Kampf gegen den Antisemitismus deutlich gemacht. Er legt größten Wert auf eine aufrichtige und unerbittliche Konfrontation mit der Geschichte und der Bekämpfung des Antisemitismus. Sie können seine Kommentare sowohl auf [der Internetseite des deutschen Außenministeriums] diplo.de als auch auf seinem Twitter-Account nachlesen. Wir haben ihnen einige Beispiele aus der Vergangenheit zugeschickt.“ Der Sprecher verwies dann auf Maas‘ „Willkommensworte beim Solidaritätsgebet aus Anlass des antisemitischen Vorfalls gegen Rabbi Teichtal“.

Der Sprecher verwies die Post auch auf außenpolitische Verteidigung die Hisbollah nicht zu verbieten, weil die Terrorgruppe Teil des politischen System des Libanon ist, sowie auf Deutschlands Ablehnung der Wiedereinführung der US-Sanktionen gegen den Iran. Eine Presseanfrage der Post an Kanzlerin Merkels Büro wurde erst einmal nicht beantwortet.

 

Wie der Exodus aus Ägypten hinter den Linien des Ersten Weltkriegs gefeiert wurde

Abraham Adolf Fränkel, ein promovierte Mathematiker, diente während des Großen Krieges in der deutschen Armee und organisiert ein Pessah-Seder für jüdischen Soldaten.

the Librarians, 8. April 2019

Während des Großen Krieges im frühen 20. Jahrhundert schlossen sich junge Juden in ganz Europa ihren Altersgenossen an und traten ins Militär ein, um ihren Ländern zu dienen; allein in der deutschen Armee dienten etwa 100.000 Juden. Zu den Reihen dieser mutigen Männer gehörte der bayrische Soldat Abraham Adolf Fränkel, ein Doktor der Mathematik, der später seine Erfahrungen als Jude im Ersten Weltkrieg in seinen Memoiren „Erinnerungen eines jüdischen Mathematikers in Deutschland“ erzählte.

In seinen Memoiren beschreibt Fränkel die Probleme, die er als traditioneller Jude im Militär hatte, „besonders bezüglich des Essens aber auch in Sachen Gebet, Gebetsriemen, sich nicht zu rasieren und vielem anderen“. Obwohl er es schaffte weiter koscher zu essen, stellte er fest, dass er selten in der Lage war die Schabbat-Traditionen einzuhalten.

„Erinnerungen eines jüdischen Mathematikers in Deutschland“ von Abraham A. Fraänkel. Herausgegeben von Jiska Cohen-Mansfield und übersetzt von Allison Brown. Springer International Publishing, Schweiz 1916.

1915 fand sich Abraham als Krankenpfleger der Armee wieder, wozu solche Aufgaben gehörten wie Autopsie-Berichte vom Diktat abzuschreiben und bei kleineren chirurgischen Eingriffen zu assistieren. Während seiner zwei Dienstjahre in Feldhospitälern war Fränkel auch vom bayrischen Kultusministerium autorisiert als jüdischer Seelsorger für seine Kameraden im Militär zu dienen. Diese Position reduzierte nicht die Verantwortlichkeiten, die er in seinem Alltagsdienst hatte, aber das bot ihm eine Chance mit seiner Religion verbunden zu bleiben und auch anderen zu helfen ihre Traditionen beizubehalten.

1915 war Fränkel im Militärkrankenhaus in der französischen Stadt Cambrai stationiert. Fränkel erklärt in seinem Buch, dass er für die religiösen Angelegenheiten der jüdischen Soldaten zuständig war. Er füllte die Lücke zwischen ihren religiösen Bedürfnissen und der Verfügbarkeit von Armee-Rabbinern, die nicht immer da sein konnten, wo die gebraucht wurden. Fränkel nahm seine Position ernst, sorgte für Gebetsdienste im Feld und stellte sicher, dass die religiösen Soldaten ihre Feiertage soweit möglich entsprechend der Tradition begehen konnten.

Abraham A. Fränkel, aus der Sammlung der Nationalbibliothek Israels

Ende März 1915 bereitete Fränkel die Feier des jüdischen Pessah vor und erstellte dafür eine Liste lokaler Soldaten, die Interesse hatten das Seder mitzufeiern, das traditionelle Mahl, bei dem der Exodus der Juden aus der Sklaverei in Ägypten erzählt wird; es sollte am 29. und 30. März stattfinden.

„Die Teilnehmer wurden gebeten anzugeben, ob sie an beiden Abendessen oder nur am ersten teilnehmen wollten“, hieß es im Registrierungsformular. Den Teilnehmern wurde geraten Urlaub aus religiösen Gründen einzureichen, damit ihnen eine Genehmigung zur Teilnahme an den Festivitäten erteilt werden würde. Die eingeschriebenen Teilnehmer wurden angewiesen, dass sie nur Urlaub für den Tag des Feiertags erhalten würden und es wurde geraten, wenn sie am Feiertags-Gebetsgottesdienst teilnehmen wollten, sollten sie ihre eigenen Gebetsbücher mitbringen – natürlich nur, wenn sie solche hatten.

Liste der Teilnehmer am Seder. Aus der Sammlung der Nationalbibliothek Israels.

Insgesamt neun Soldaten meldeten sich für die zwei Pessah-Seder, darunter Männer, die als Sanitäter, Logistikoffiziere, Pioniere dienten und einer in der neu gebildeten deutschen Luftwaffe, der nicht festlegte, an welchem Seder er teilnehmen wollte, vielleicht weil wusste, dass er eventuell in letzter Minute abberufen würde.

Während der zweiten Hälfte des Ersten Weltkriegs wurde Fränkel zu einer Einheit zur Wettervorhersage versetzt, eine Aufgabe, die besser zu seinen herausragenden Talenten als Mathematiker passte. Am Ende des Krieges kehrte Abraham Fränkel an die Universität Marburg zurück und arbeitete später als Professor für Mathematik in Kiel. 1926 besuchte der Mathematiker zusammen mit seiner Familie das Land Israel und drei Jahre später zog er in das Land und wurde zum Mathematik-Professor an der Hebräischen Universität ernannt. 1938 wurde er als Rektor der Universität ausgewählt. In Israel veröffentlichte er mathematische Arbeiten und entwickelte viele mathematische Begriffe für Konzepte, die es bis in die damalige Zeit in der hebräischen Sprache nicht gab.

Abraham Adolf Fränkel; aus der Abraham Schawdron Porträt-Sammlung in der Nationalbibliothek Israels.

Fränkel behielt die Liste der Teilnehmer des Seder von 1915 in seinem persönlichen Besitz und bewahrte sie viele Jahrzehnte lang auf. Die Liste der Seder-Teilnehmer kam zusammen mit dem Rest seines persönlichen Archivs in die israelische Nationalbibliothek.

Starke Zunahme der Mitglieder palästinensischer Terrorgruppen und Anhänger in Deutschland

Die Unterstützung für die PFLP hat zugenommen; sie wurde 1967 gegründet und ist angetrieben von einer marxistisch-leninistischen Doktrin verbunden mit radikal-arabischem Nationalismus.

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 15. Juli 2020

Palestinensische Mitglieder der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLPP nehmen an einer Militärparade im Gazastreifen teil (Foto: REUTERS)

Die Zahl der Mitglieder und Anhänger der von den USA und der EU offiziell als Terrororganisation eingestuften Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) hat in Deutschland dramatisch zugenommen, kann die Jerusalem Post berichten.

Entsprechend eines Überblicks des neu veröffentlichten Berichts des deutschen Verfassungsschutzes stieg die Zahl der Mitglieder der PFLP von 100 im Jahr 2018 auf 120 im Jahr 2019. Der Geheimdienstbericht wurde Freitag veröffentlicht und deckt den Zeitraum 2019 ab.

Der Bericht stellte fest, dass es in Deutschland 120 Mitglieder/Anhänger gibt. Eine genaue Aufschlüsselung der Mitglieder und Anhänger wurde nicht gezeigt. Es ist unklar, was die Ursache für die Zunahme der PFLP-Mitgliedschaften und -Anhänger ist. Das Dokument lieferte dafür keine Erklärung.

Die Post hat PFLP-Aktivitäten beim jährlichen Al-Quds-Marsch in Berlin beobachtet, der zur Vernichtung des jüdischen Staates aufruft. Der Gründer der Islamischen Republik Iran, Ayatollah Ruhollah Khomeini, schuf die weltweite al-Quds-Kundgebung.

Im Mai schrieb Jonathan Spyer, Direktor des Middle East Center for Reporting and Analysis, in der Post: „Diese zunehmende Verbindung PFLP–Iran ist keine neue Offenbarung. Über sie ist in den vergangenen Jahren durchaus berichtet worden.“

Die PFLP wurde 1967 gegründet und ist angetrieben von einer marxistisch-leninistischen Doktrin, verbunden mit radikalem arabischem Nationalismus.

Die deutschen Geheimdienstvertreter schrieben, die „PFLP lehnt Israels Existenz ab“ und „propagiert einen bewaffneten Kampf“ gegen Israel. Nach Angaben des Berichts kooperiert die PFLP mit anderen jihadistischen politischen Bewegungen des Auslands wie Hamas und Hisbollah.

In dem Bericht hieß es weiter, dass die PFLP Terroranschläge verübt hat, die Opfer forderten. „Auch hierbei offenbart die PFLP ihren von ihr selbst nach außen hin geleugneten antisemitischen Charakter, indem sie ihre Anschlage gezielt gegen jüdische Israelis richtet“, schrieben die Geheimdienst-Vertreter.

Die PFLP ist in Deutschland nicht als Terrorgruppe aktiv, vermerkte der Bericht. Aus ihm geht jedoch nicht hervor, ob die PFLP-Mitglieder und -Anhänger Deutschland als Finanz-Pipeline nutzen, um Geld an die PFLP und andere Terroreinheiten im Nahen Osten zu schicken.

„Die hier aktiven Anhänger verbreiten insbesondere israelfeindliche Propaganda und versuchen, politische Unterstützung zu generieren. Die PFLP unterhält auch Kontakte zum deutschen Linksextremismus, vor allem zur ‚Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands‘ (MLPD) sowie zum ‚antiimperialistischen‘ Spektrum.“, schrieben die Autoren.

2014 ermordeten zwei PFLP-Mitglieder in einer Jerusalemer Synagoge vier Rabbiner und einen Polizisten.

Während die EU und die USA die PFLP als Terrororganisation eingestuft haben, lehnt es Deutschland ab sie zu verbieten. Die Post berichtete erstmals im April, dass die deutsche Regierung ein vierjähriges Reiseverbot gegen Khaled Barakat, ein ranghohes Mitglied der PFLP, verhängt hat; er soll Terrorismus und die Bewegung Boykott,De-Investitionen und Sanktionen gegen den jüdischen Staat unterstützen.

Barakat hat zudem der libanesischen Terrororganisation Hisbollah materielle Hilfe geleistet. PFLP-Mitglieder und -Anhänger sind in der deutschen BDS-Kampagne gegen Israel höchst aktiv.

Deutschland: Herausstehende Fälle von Antisemitismus im vergangenen Jahrzehnt

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Es ist schwer den Überblick über die wichtigen antisemitischen Vorfälle in den europäischen Ländern zu behalten, in denen der Hass massiv ist. Zu Deutschland habe ich zum Beispiel mehr als 200.000 Worte an Notizen gesammelt, die weniger als zwei Jahre abdecken.

Ein rascher Weg etwas Perspektive zu Deutschlands antisemitischen Vorfällen des vergangenen Jahrzehnts zu bekommen, besteht darin die jährlichen Berichte des Simon Wiesenthal Center (SWC) zu den weltweit zehn schlimmsten antisemitischen Vorfällen durchzusehen. Diese Berichte werden seit 2010 veröffentlicht.

Diese Berichte des SWC helfen uns einige der auffälligsten Bekundungen von Antisemitismus in Deutschland während des letzten Jahrzehnts zu bestimmen. Der Mitte-links eingeordnete SPIEGEL ist Europas am weitesten verbreitete Wochenzeitschrift. In einer Online-Ausgabe von 2012 schrieb der SPIEGEL-Kolumnist Jakob Augstein: „Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs.“ Das war eine dicke Lüge, da der damalige US-Präsident Barack Obama eine Politik verfolgte, die oft weit entfernt von oder sogar dem entgegengesetzt war, war Israel wollte.

Augstein fügte eine weitere Lüge an: „‚Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.‘ Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er stimmt. Und weil ein Deutscher ihn sagt, ein Schriftsteller, ein Nobelpreisträger, weil Günter Grass ihn sagt. Darin liegt ein Einschnitt. Dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen.“ Der verstorbene Grass, in seiner Jugend Nazi, war ein extrem antisemitischer Verleumder Israels. Blickt man darauf zurück, wo seitdem Kriege stattgefunden haben, ist es leicht zu erkennen, dass Augstein ebenfalls ein großer Verleumder Israels ist.

Er fuhr fort: „Israel wird von den islamischen Fundamentalisten in seiner Nachbarschaft bedroht. Aber die Juden haben ihre eigenen Fundamentalisten. Sie heißen nur anders: Ultraorthodoxe oder Haredim. Das ist keine kleine, zu vernachlässigende Splittergruppe. Sie stellen 10% der israelischen Bevölkerung. Diese Leute sind aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihre islamistischen Gegner. Sie folgen dem Gesetz der Rache.“ Jeder, der auch nur ansatzweise mit der Realität vertraut ist, weiß jedoch, dass es einen enormen Unterschied gibt zwischen den Völkermord propagierenden muslimischen Fundamentalisten von Hamas und Hisbollah und Israels Haredim, die Mord verabscheuen, der von den Zehn Geboten verboten ist.

Noch ein Augstein-Zitat: „Gaza ist ein Ort aus der Endzeit des Menschlichen. 1,7 Millionen Menschen hausen da, zusammengepfercht auf 360 Quadratkilometern. Gaza ist ein Gefängnis. Ein Lager. Israel brütet sich dort seine eigenen Gegner aus.“[1] Die Wahrheit lautet, dass es die Hamas ist, die Völkermord an Israelis propagiert. Israelische Reaktionen erfolgen zu seiner Verteidigung. Der SPIEGEL ist ebenfalls verantwortlich, weil der diese Lügen und Diffamierungen Israels weithin verbreitet.

Der deutsch-jüdische Autor Henryk Broder, der im deutschen Parlament als Experte für Antisemitismus im Land aussagte, bezeichnete Augstein als „kleinen Streicher“. Er fügte hinzu: „Jakob Augstein ist kein Salon-Antisemit, er ist ein lupenreiner Antisemit, eine antisemitische Dreckschleuder, ein Überzeugungstäter, der nur dank der Gnade der späten Geburt um die Gelegenheit gekommen ist, im Reichssicherheitshauptamt Karriere zu machen. Das Zeug dazu hätte er.“[2]

Am 10. November 2014 lud die Partei Die Linke die berüchtigten Israel-Basher Max Blumenthal (auf der Top 10-Liste des SWC für 2013 geführt) und David Sheen ein, um bei einem „Fachgespräch“ im Fraktionssitzungssaal der Partei im Bundestag zu sprechen – am Tag nach dem Gedenktag zur Reichskristallnacht, dem Pogrom von 1938, als die Nazis in ganz Deutschland jüdische Synagogen niederbrannten. Blumenthal bezeichnet den Zionismus oft als Rassismus und verbindet angebliche israelische Verbrechen mit Nazi-Bildsprache.

Das war dem damaligen Fraktionsvorsitzenden der Partei Gregor Gysi dann doch zu viel und er sagte die Nutzung des Fraktionssitzungssaals ab. Der Vorfall wurde als „Toiletten-Affäre“ bekannt, weil Gysi gezwungen war sich in einer Toilette zu verbarrikadieren, um dem Zorn von Blumenthal und Sheen zu entgehen. Dieser Vorfall hob die fortbestehenden Bemühungen einer Gruppe extrem antiisraelischer Abgeordneter Israel zu dämonisieren hervor, die von Inge Höger und Annette Groth angeführt wird. Diese beiden Parlamentarierinnen waren an Bord der umstrittenen Gaza-Flottille mit der Mavi Marmara und wurden bei ihrer Rückkehr nach Berlin von vielen der Abgeordneten ihrer Partei bejubelt.

Das SWC schrieb, dass Groth, Häger und die Vertreter der Linkspartei Claudia Haydt und die MdB Heike Hänsel – als Organisatoren und Teilnehmer – eine entscheidende Rolle dabei spielten während der „Toiletten-Affäre“ Israelhass zu schüren. Beim Vortrag von Blumenthal und Sheen waren sie alle anwesend. Sie sind Teil einer beträchtlichen Gruppe von Hardcore-Israelfeinden in der Fraktion der Linkspartei im Bundestag. In Reaktion auf den „Toiletten-Affäre“-Skandal erklärten MdBs, die eine Petition des Reform-Flügels der Linkspartei unterschrieben: „Wiederholt müssen wir konstatieren, dass sich – allen wiederholten Bekenntnissen zu einer differenzierten Sicht auf den Nahostkonflikt zum Trotz – Mitglieder unserer Partei in verantwortlichen Positionen durch Schürung obsessiven Hasses auf und der Dämonisierung von Israel antisemitische Argumentationsmuster und eine Relativierung des Holocausts und der deutschen Verantwortung für die millionenfache Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden befördern.“[3]

Aus dem SWC-Bericht von 2016: Führer der lokalen Lehrergewerkschaft GEW in Oldenburg riefen zu einem totalen Boykott Israels auf. Im September veröffentlichte die GEW Oldenburg einen pro-BDS-Artikel von Christoph Glanz, einem Lehrer an einer öffentlichen Schule und fanatischer Gegner des jüdischen Staats. Glanz, der versucht hatte sich als Jude auszugeben, um Antisemitismusvorwürfe zu umgehen, forderte die Ausmerzung des Staates Israel und die Umsiedlung seiner Juden nach Südwestdeutschland.

Das extremste antisemitische Ereignis des Jahres 2019 war der fehlgeschlagene Anschlag auf die Synagoge in Halle. Dutzende in dieser Synagoge am Yom Kippur – dem heiligsten Tag des Judentums – betende Juden entkamen wie durch ein Wunder der sicheren Verletzung oder gar dem Tod durch die  Hand eines Neonazi, weil der Angreifer es nicht schaffte eine Sicherheitstür an der Synagoge in Halle aufzubrechen. Nachdem er mit dem Eindringen in die Synagoge scheiterte, tötete der mit einer Maschinenpistole und Sprengstoff bewaffnete Stephan Balliet (27) zwei in der Nähe befindliche Zivilisten und verletzte zwei weitere. Balliet gab zu, dass er von seinem Judenhass motiviert war. In seinem Bekennerschreiben erklärte er: „Töte so viele Anti-Weiße wie möglich, vorzugsweise Juden.“[4]

Aus dem Bericht von 2019: Deutschland befindet sich mitten in einer 18-monatigen Arbeitsperiode im UNO-Sicherheitsrat. Sein UNO-Botschafter Christoph Heusgen schaffte es 2019 auf die Liste der Top 10. Er sorgte für Aufruhr, nachdem bekannt wurde, wie oft er gegen Israel abstimmte, aber vor allem durch seine Gleichsetzung von 130 innerhalb einer Woche auf durch die Terrororganisation Hamas auf israelische Zivilisten geschossene Raketen mit dem Abriss der Häuser von Terroristen.

Heusgen erklärte: „Wir glauben, dass das internationale Recht der beste Weg ist Zivilisten zu schützen und ihnen zu ermöglichen, in Frieden und Sicherheit und ohne Angst vor israelischen Bulldozern oder Hamas-Raketen zu leben.“[5] BILD, Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung, beschuldigte Heusgen in einem Editorial „reiner Boshaftigkeit“ gegen den jüdischen Staat. Heusgen stimmte 2018 in der UNO 16-mal gegen Israel und enthielt sich einmal der Stimme. 2019 stimmte er für neun antiisraelische Resolutionen, darunter eine, die Jerusalems heiligste Stätten als „besetztes palästinensisches Gebiet“ bezeichnete, während er sich dreimal enthielt und nur einmal gegen eine antiisraelische Resolution stimmte.

Das ist weit weniger als ein Prozent meiner Notizen zu Antisemitismus in Deutschland. Dennoch zeigt es prägnant, dass das Land weit davon entfernt ist bei der Ausrottung des Antisemitismus Erfolg zu haben. Die Veröffentlichung von Augsteins Artikel durch den SPIEGEL, die für Boykott werbende Lehrergewerkschaft und Heusgens Gleichsetzung Israels mit der Hamas spiegelt, wie dieser Hass den deutschen Mainstream durchdrungen hat und lebt.

[1] Die Augstein-Zitate finden sich u.a. hier: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Jakob_Augstein

[2] https://www.achgut.com/artikel/0027684

[3] https://www.tagesspiegel.de/politik/antisemitische-argumentationsmuster-nach-der-jagd-auf-gysi-entlaedt-sich-die-wut-in-der-linken/10983888.html

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_in_Halle_%28Saale%29_2019#Tatmotive_und_Vorbilder_im_Internet

[5] https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2019/12/16/israelischer-botschafter-nimmt-deutschen-diplomaten-heusgen-in-schutz/

Schon wieder: Demonstrationen gegen Regierungen von Antisemitismus begleitet

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Antisemitismus ist seit mehr als 1.000 Jahren ein integraler Bestandteil westlicher Kultur gewesen. Das ist heute immer noch der Fall. Eine der vielen Möglichkeiten das zu erkennen, ist, dass Antisemitismus oft in Massendemonstrationen eindringt, die nichts mit Israel oder Juden zu tun haben.

So ist es auch bei den aktuellen „Hygiene-Demonstrationen“ gegen den Corona-Lockdown, die in Deutschland in vielen Städten stattfinden. Tausende Menschen machen bei diesen Protesten mit. In Berlin skandierten viele Teilnehmer: „Freiheit. Widerstand. Verräter“ und „Wir sind das Volk.“ Manche warfen mit Flaschen auf Polizisten, die mit Pfefferspray und Festnahmen reagierten. Unter den Demonstranten befanden sich Verschwörungstheoretiker und Rechtspopulisten.

Bei mehreren Demonstrationen trugen Protestler gelbe Sterne auf Armbinden oder auf der Brust, um die Lockdown-Maßnahmen fälschlich mit der Verfolgung von Juden durch die Nazis und die derzeitige deutsche Regierung mit der von Hitler gleichzusetzen.[1] Auf diesen Sternen steht „ungeimpft“ oder „Covid 19“.[2] Daraufhin verbot die die Stadt München das Tragen eines gelben Sterns bei diesen Versammlungen.[3] Gelegentlich trugen Demonstratoren Kleidung wie KZ-Insassen, dazu ein Schild „Masken machen frei“.[4] In einer Reihe deutscher Städte wurden bei Demonstrationen, für die die rechte Partei AfD geworben hatte, ebenfalls Nazisymbole und Bezüge zum Holocaust gezeigt.

Gideon Botsch, Leiter der Forschungsstelle für Antisemitismus und Rechtsextremismus am Moses-Medelssohn-Zentrum in Potsdam, sagte, die Teilnehmer an diesen Demonstrationen seien zwar sehr unterschiedlich, aber „der ständig präsente, wenn auch latente Antisemitismus hinter Verschwörungstheorien ist inzwischen offensichtlich“.[5]

Saba Nur-Cheema vom Anne Frank Bildungszentrum sagte, Antisemitismus spiele bei den Protesten eine wichtige, wenn auch nicht immer offene Rolle. Einige Demonstranten sagten in Aufnahmen offen, Juden würden hinter der Corona-Pandemie stecken. Das geschieht allerdings nicht häufig. Sie fügte hinzu, dass der Antisemitismus üblicherweise indirekt ausgedrückt wird. Zum Beispiel werden George Soros oder Israel beschuldigt den Virus initiiert zu haben. Nur-Cheema merkte an, dass Rechtsextreme auf solch eine Krisensituation warten, um ihre Ideologie zu propagieren und aus der Bevölkerung weitere Mitglieder anzuwerben.

Die Art, wie Antisemitismus die aktuellen Demonstrationen infiltriert, erinnert an mehr oder weniger ähnliche Geschehnisse bei den Occupy Wall Street-Protesten von 2011. Die Protestler waren größtenteils keine Antisemiten, aber Antisemitismus befleckte diese Proteste. Das Emergency Committee for Israel wurde von William Kristol geleitet, dem jüdischen Herausgeber der Wochenzeitung Standard. Das Komitee bereitete ein Video der Occupy-Demonstration in New York vor. Man konnte sehen, wie Juden angegriffen und für die Finanzkrise und Finanzhilfe für Israel verantwortlich gemacht wurden. Auf Schildern stand unter anderem: „Gaza unterstützt die Besetzung der Wall Street“ und „Hitlers Banker“.

Ein afroamerikanischer Demonstrant wurde gesehen, wie er Juden beschuldigte „Amerika übernommen zu haben“. Er sagte: „Die kleinste Gruppe in Amerika kontrolliert das Geld, die Medien und alles andere. Die Fingerabdrücke gehören den jüdischen Bankern. Ich bin dagegen, dass Juden Amerika ausrauben. Sie sind das eine Prozent, das Amerika kontrolliert. Präsident Obama ist eine jüdische Marionette. Die gesamte Wirtschaft ist jüdisch. Jeder Bundesrichter an der Ostküste ist jüdisch.“[6]

2019 fanden samstags in Frankreich „Gelbwesten“-Kundgebungen statt. Diese Proteste begannen im November 2018. Sie erhielten ihren Namen durch die von den Demonstranten getragenen Autobahn-Sicherheitswesten. Die Ereignisse waren ein Protest für mehr wirtschaftliche Gerechtigkeit. Ursprünglich waren Hauptangriffsziele die gestiegenen Benzinpreise und die hohen Lebenskosten. Die Proteste zogen Unterstützer aus dem gesamten politischen Spektrum an. Ein Teil von ihnen standen der radikalen Linken sehr nahe. Andere waren den Rechtsaußen-Positionen näher.  Das waren keine antisemitischen Demonstrationen und hatten nichts mit Juden oder Israel zu tun.

Doch fast jeden Samstag gab es verbale Angriffe auf die jüdische Gemeinschaft. Jean Yves Camus von der Jean Jaurès-Stiftung sagte, dass es kein Ordnungssystem gab und jeder sich diesen Demonstrationen anschließen konnte. Er merkte an, dass kleine Gruppen teilnahmen, die, wenn sie sich nicht bei den Protesten zeigten, völlig unbekannt blieben.[7]

Antisemitismus bei den Gelbwesten erhielt große Aufmerksamkeit, als am 17. Februar 2019 der jüdische Philosoph Alain Finkielkraut – Mitglied in der Académie Française – an der Demonstration vorbei kam. Ein paar Demonstranten kontaktierten ihn und brüllten: „Dreckige Scheiße, Frankreich gehört uns, Drecksrasse, du Rassist, du Hasser, du bist ein Hasser. Du wirst sterben. Du kommst in die Hölle. Die Leute werden dich bestrafen. Der Schöpfer wird dich bestrafen … du Zionist!“ Der Polizei sagte einer der Protestler: „Ich habe nichts gegen dich. Das geht gegen diese Scheiße.“ Ein Polizist erkannte später einen derer, die Finkielkraut drangsalierten. Er wurde vor Gericht gestellt,[8] das ihn zu einer zweimonatigen Bewährungsstrafe verurteilte.[9]

Ein weiteres Beispiel: Im Januar 2014 fand in Paris eine Großkundgebung statt. Dieser „Tag des Zorns“ hatte nichts mit einem sonderlich jüdischen Thema zu tun. Ein Teil des Protests richtete sich gegen die Wirtschaftspläne des französischen Präsidenten François Hollande. Aber allerlei Teilnehmergruppen begannen antisemitische Parolen zu brüllen. Darunter „Juden, Frankreich gehört euch nicht“ und (der Holocaust-Leugner“) „Faurisson hat recht“ sowie „Der Holocaust war Betrug“.

Der französische Journalist und Denker Michel Gurfinkiel schrieb, es sei erschütternd, dass niemand handelte, um die antisemitischen Protestler zu entfernen. Die Polizei unternahm nichts, obwohl die Rufe gegen die französischen Gesetze zu Hassreden verstießen. Gurfinkiel bezweifelte, dass die französische Demokratie in der Lage sei den Antisemitismus unter Kontrolle zu halten.[10]

Weicht man ein klein wenig in Richtung einiger Bewegungen ab, die ein Ziel haben, das keinen Bezug zu Juden oder Israel hat, findet man ähnliche Phänomene. Eines der deutlichsten Beispiele ist die amerikanische Bewegung Black Lives Matter. Diese Organisation hat zum Ziel das an afroamerikanischen Bürgern in Vergangenheit und Gegenwart begangene Unrecht wiedergutzumachen. Ihr 40.000 Worte dickes Programm wirft Israel vor Völkermord an den Palästinensern zu begehen, bezeichnet Israel als „Apartheidstaat“ und schloss sich der BDS-Bewegung dabei an den totalen akademischen, kulturellen und wirtschaftlichen Boykott des Landes zu fordern. Keinem anderen Staat gegenüber wurden solche Forderungen gestellt.[11]

Das oben ist nur ein weiterer Aspekt davon wie eingegraben der Antisemitismus in westlichen Gesellschaften ist.

[1] www.wn.de/Muenster/4208139-Kritik-der-Deutsch-Israelischen-Gesellschaft-Antisemitische-Aeusserungen-bei-Corona-Demos; https://www.welt.de/politik/deutschland/plus208356965/Antisemitismus-Immer-im-Hinterkopf-Was-wenn-das-falsche-Regime-an-die-Macht-kommt.html

[2] www.deutschlandfunk.de/libertaerer-antisemitismus-hygienedemos-verbreiten-mythos.886.de.html?dram:article_id=477618

[3] www.n-tv.de/panorama/Muenchen-verbietet-gelben-Ungeimpft-Stern-article21816709.html

[4] www.swp.de/panorama/corona-demo-_judenstern_-und-haeftlingsanzug_-antisemitismus-in-der-corona-krise-46676810.html

[5] http://www.algemeiner.com/2020/05/12/coronavirus-protests-will-boost-far-right-terrorist-radicalization-in-germany-antisemitism-expert-warns/

[6] http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4135361,00.html

[7] http://www.liberation.fr/france/2019/02/18/les-gilets-jaunes-etouffes-par-la-gangrene-antisemite_1710174

[8] http://www.nouvelobs.com/justice/20190522.OBS13313/au-proces-du-gilet-jaune-qui-a-injurie-finkielkraut-je-voulais-lui-dire-mes-positions.html

[9] http://www.lefigaro.fr/actualite-france/finkielkraut-un-homme-condamne-a-de-la-prison-avec-sursis-pour-injures-antisemites-20190712

[10] Jerome Gordon: Gurfinkiel: France may have joined ‘Europe’s league of fringe anti-Semitic countries’. The Iconoclast, 29. Januar 2014.

[11] http://www.tabletmag.com/sections/news/articles/from-left-to-right-jewish-groups-condemn-repellent-black-lives-matter-claim-of-israeli-genocide