Dortmund mag Hamed Abdel-Samed nicht…

gefunden auf Facebook:

hamedabdelsamad-dortmund

Zum Hintergrund:

Die Stadt Dortmund ist ja für ihre Toleranz und Weltoffenheit bekannt, vor allem gegenüber dem Salafismus. Nun hat die Stadt eine Diskussionsveranstaltung mit mir kurzfristig abgesagt, ohne Gründe dafür zu nennen. Das ist feige und charakterlos. Man kann sich hinter der undeutlichen Formulierung „Sicherheitsbedenken“ verstecken, aber das ist unzutreffend. Denn für meinen Schutz sind das BKA und der Staatsschutz zuständig, und von deren Seite gab es keine Bedenken. Also vermute ich eher eine politische Intention hinter der Absage, vor allem weil dies nicht das erste Mal ist, dass das Rathaus von Dortmund versucht, eine Veranstaltung von mir kurzfristig abzuwürgen. Vor zwei Jahren war ich von einem CDU-Arbeitskreis eingeladen, mein Buch in Dortmund vorzustellen. Eine Stelle im Rathaus, die für Integration bzw. Verteidigung des Islam zuständig ist, hat uns den Raum zwei Tage vor der Veranstaltung abgesagt. Auch diesmal kam die Absage wenige Tage vor der geplanten Veranstaltung obwohl alles vor Monaten schon angekündigt war.
Hintergrund: Prof. Aladin Mafaalani von der Uni Münster macht in Zusammenarbeit mit der Stadt eine Diskussionsreihe über den Islam im Dietrich Keuning Haus (DHK), einem Eigenbetrieb der Stadt Dortmund. Er lud mich zu seiner Reihe ein, und obwohl gerade ständig unterwegs bin, sagte ich zu, weil ich ihn und seine Reihe sehr schätze. Nun wurde die Diskussion vom DHK abgesagt ohne mir oder Aladin eine Begründung zu nennen.
Ich frage mich, wann Dortmund eigentlich eine Veranstaltung von Salafisten oder Erdogan-Anhänger abgesagt hatte! Erst zulassen, das sich ein Monster in der Stadt einnistet, dann das Monster futtern bis es noch wilder wird, dann die Kritiker des Monsters für das wirkliche Problem erklären. Und um der Feigheit einer noblen Note zu geben, soll man dann sagen, man habe die Veranstaltung abgesagt, um kein Wasser auf die Mühlen der Rechten zu gießen!
Wenn in Deutschland Islamisten problemlos auftreten und zehntausende Erdogan-Anhänger auf offener Straße für die Todesstrafe plädieren, und gleichzeitig ein Schriftsteller daran gehindert wird, seine Thesen zu erklären, dann bewegt sich dieses Land eindeutig in die falsche Richtung. Dann sind die Rechten nicht das Hauptproblem, sondern nur das Produkt von einer planlosen laissez-faire-Politik!
Eine Stadt, die die Hasspredigten der Salafisten duldet, aber ein paar kritische Thesen zum Islam nicht aushält, gibt sich selbst freiwillig auf!
Ein Land das die Islamkritik aus Angst vor Islamisten oder aus Angst vor dem Erstarken der Rechten abwürgt, kniet sowohl vor Islamisten als auch vor Rechtsradikalen nieder. Wenn diese Debatte nicht in der Mitte der Gesellschaft stattfindet, darf man sich nicht wundern, dass sie von den Rändern besetzt wird!

Angela Merkel im Wunderland aufwecken

Michael Freund, Jerusalem Post, 24. August 2016

Jeder, der nach überzeugenden Beweisen sucht, dass die europäische Zivilisation unaufhaltsam auf ihren selbstverschuldeten Untergang zurast, muss nur den völlig hirnverbrannten Bemerkungen zuhören, die letzte Woche die deutsche Kanzlerin Angela Merkel von sich gab.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Norddeutschland bestand Merkel darauf – offenbar ohne eine Miene zu verziehen – dass die jüngste starke Anstieg islamisch-jihadistischer Anschläge, die viele Deutsche nervös gemacht haben, absolut nichts mit der Flut von über einer Million Flüchtlingen aus Syrien und dem Nahen Osten zu tun habe, die ihre Land im vergangenen Jahr überrannt haben.

„Das Phänomen des islamistischen Terrorismus des IS“, sagte Merkel, „ ist nicht ein Phänomen, das durch die Flüchtlinge zu uns gekommen ist.“ [1] Stattdessen, sagte sie, sei es eine Herausforderung, die „wir auch schon vorher hatten“.

Es gibt da nur ein kleines Problem mit Merkels Äußerung: Sie stimmt einfach nicht.

Vielleicht kann sie sich nicht erinnern, aber es war erst vor einem Monat, am 24. Juli, dass ein syrischer Asylbewerber namens Mohammed Daleel einen Selbstmordbomben-Anschlag vor einem Musikfestival in Ansbach in Bayern verübte, bei dem er sich selbst tötete und 15 Personen verletzte.

An demselben Tag zog in Reutlingen ein weiterer syrischer Flüchtling eine Machete und benutzte sie, um eine Schwangere abzuschlachten, während am 18. Juli ein afghanischer Migrant sich bei Würzburg entschied Fahrgäste in einem Zug mit einem Beil anzugreifen.

Alle drei Anschläge wurden von Möchtegern-Flüchtlingen verübt, die im Zug von Merkels Politik der offenen Tür nach Deutschland kamen; es verschlägt einem also den Atem, dass sie versucht die Verbindung zwischen Europas Migrantenkrise und der Zunahme des islamischen Terrorismus zu bestreiten.

Tatsächlich war es vor weniger als zwei Wochen, dass ein ranghoher deutscher Verfassungsschützer öffentlich zugab, dass es ISIS-Terroristen gibt, die als Asylsuchende in das Land einreisten.

„Wir müssen akzeptieren, dass wir Hit-Teams und Schläferzellen auch hier in Deutschland haben., sagte Manfred Hauser, Vizepräsident des bayrischen Verfassungsschutzes der BBC.[2] Er fügte hinzu: „Wir haben substantielle Hinweise, dass sich unter den Flüchtlingen auch ‚Hit Teams‘ befinden. Es gibt hunderte solcher Berichte, einige von Flüchtlingen selbst.“ Diese Berichte würden nun geprüft, aber es gebe „eindeutige Hinweise“ darauf, dass in Deutschland IS-Kommando-Strukturen existieren, die Terrorangriffe wahrscheinlich machen.

Angesichts all der Belege des Gegenteils ist klar, dass Merkels Behauptung zu den Flüchtlingen wenig mehr als Wunschdenken sind, die an Wahnvorstellung grenzen.

Natürlich sind die Politiker der gesamten Welt dafür bekannt, dass sie annehmen, sie könnte damit davon kommen zu alberne Dinge zu sagen, weil die Menschen ein kurzes Gedächtnis haben. Offenbar gilt dasselbe auch für Berlin.

Doch Merkels Widerwille zuzugeben, was praktisch jeder sonst auf diesem Planeten begreift, ist weit beunruhigender, schon weil sie darauf hindeutet, wie abgeneigt sie und andere westliche Führungspolitiker sind der unbestreitbaren Bedrohung entgegenzutreten, die der islamisch-jihadistische Terrorismus für unsere kollektive Zukunft darstellt.

Immerhin war das Menetekel seit letztem Jahr schon die ganze Zeit vorhanden, als ISIS öffentlich zu behaupten begann, dass er erfolgreich Terroristen nach Europa geschmuggelt habe. Jeder von der libyschen Regierung bis zum ungarischen Premierminister hat gewarnt, dass der Zustrom an Flüchtlingen nach Europa unausweichlich zunehmendem islamischem Terrorismus auf dem Kontinent zur Folge haben würde.

Doch Merkel und ihre Kollegen können oder wollen den Fehler einfach nicht zugeben, den sie machten, als sie sich entschieden mehr als eine Millionen Menschen nach Europa hereinzulassen, von denen viele aus dem Westen und seinen Werten gegenüber feindlich eingestellten Staaten kommen, ohne sich auch nur ansatzweise um eine Überprüfung zu kümmern, wer sie waren.

Man bedenke: Berichte vom Beginn diesen Jahres deuteten darauf hin, dass 80 Prozent der Flüchtlinge, die Deutschland erreichen, keinerlei Ausweispapiere haben. Aber um in München oder Frankfurt ein Prepaid-Handy zu kaufen, muss man irgendeine Identifizierung vorlegen.

Das bedeutet, dass in Merkels Deutschland eine Person, die keinerlei unterstützenden Dokumente vorlegen kann, sich dauerhaft im Land niederlassen kann, aber der Kauf eines Prepaid-Handys als zu riskant angesehen wird. Macht das irgendeinen Sinn? Wer Probleme hat zu begreifen, wie die Kanzlerin denkt, steht damit nicht alleine.

Wie der Protagonist in Lewis Carrolls Klassiker Alice im Wunderland von 1865 scheint Merkel durch ein Kaninchenloch in eine alternative Realität gefallen zu sein, in der Logik und gesunder Menschenverstand schlicht nicht gelten.

Aber wo Carrolls Buch nur eine unterhaltende Kindergeschichte war, hat Merkels Torheit Auswirkungen auf die reale Welt, die sich bereits als tödlich erwiesen haben.

Und wenn ihre bockige Entschlossenheit Millionen Flüchtlinge aus dem Nahen osten im Herzen Europas ohne wirkliche Chance sie zu integrieren und sie absorbieren nicht umgedreht wrid, wird das auf Jahre und sogar Jahrzehnte hinaus verhängnisvolle Folgen haben. Islamisch-jihadistischer Terrorismus und Gewalt werden weiter außer Kontrolle geraden und es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis sie sich weiter über die Grenzen Europas hinaus ausbreiten.

Aber wenn uns Alice im Wunderland irgendetwas lehrt, dann die, dass die Hoffnung nie mehr als eine Dosis Eigenwahrnehmung entfernt ist.

Im letzten Kapitel des Buches verliert Alice die Geduld mit Herzkönig und Herzdame und den grotesken Vorgängen, die sie betreiben; sie sagt ihnen schließlich: „Wen interessiert ihr? Ihr seid nichts als ein Stapel Spielkarten!“ Die Spielkarten fliegen davon und Alice wacht plötzlich auf, den Kopf im Schoß ihrer Schwester und sie erkennt, dass alles nur ein böser Traum war. Mit anderen Worten: Als Alice wieder bei Sinnen war, war der Tag gerettet.

Hoffen wir, dass jemand endlich Angela Merkel aufweckt und sie und den Rest ihrer gleichgesinnten Schelme aus ihrem selbstgeschaffenen Wunderland zurückholt, bevor es zu spät ist.

[1] DIE WELT, 18.08.2016

[2] Rheinische Post, 12.08.2016

Markus Rosch und sein Film zur Evakuierung des Zoos von Khan Junis im Gazastreifen

Ulrich Sahm, 25. August 2016 (über Facebook)

Markus Rosch verlautbart:

Mohammed Eweda, Zoo-Direktor: „Nach dem letzten Krieg kamen einfach keine Besucher mehr. Viele konnten sich das nicht mehr leisten. Die Arbeitslosigkeit ist hier hoch. Es fehlt an Geld.“

Rosch: „…Tiere in einen jordanischen Zoo zu bringen“ Gezeigt wird ein betäubter Affe, der in Israel bleiben soll, was Rosch verschweigt.

Schwenk nach Khan Younis. Kinder.

Rosch: „Die zweitgrößte Stadt im Gazastreifen verliert ihren Zoo. Und für die vielen Kinder hier, die durch drei Kriege in den letzten Jahren gezeichnet sind, wird das Leben noch karger.“

Ich verstehe nicht. Eben hatte er doch behauptet, dass seit dem letzten Krieg 2014 „keine Besucher mehr kamen“. Wieso wird dann deren Leben „noch karger“, wenn Sie ohnehin den Zoo nicht mehr besucht haben????

Dem Tiger Laziz steht eine lange Reise bis Südafrika bevor.

Wieso verschweigt Rosch, dass der auch nicht nach Jordanien gebracht wird, sondern per EL AL vom Ben Gurion Flughafen abfliegen wird? Das hat mir die auch von Rosch interviewte Indra Kley am Telefon erzählt.
Entweder hat dieser Tel Aviv-Korrespondent nicht gefragt oder alle Israel-relevanten Infos wegzensiert. Wie neulich bei der Wassergeschichte, scheint das bei Ihm System zu sein, selbst wenn es sich um eine nette Geschichte über einen Zoo handelt.

(Ein vernünftiger Bericht über den Zoo und die Evakuierung ist bei Audiatur online zu finden.)

ARD änderte Stellungnahme zum Wasserfilm

Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 19. August 2016 (direkt vom Autor)

Markus Rosch von der ARD änderte im Nachhinein seine Stellungnahme zu dem am 14.8. ausgestrahlten Film zur vermeintlichen Wassernot unter Palästinensern. Er hat eingefügt: „Die Dreharbeiten zu den Beiträgen fanden ab dem achten August statt.“ Das ist eine wichtige Angabe, weil es wegen eines „hohen jüdischen Feiertags“ angeblich nicht möglich war, Reaktionen israelischer Sprecher einzuholen.

Rosch verwickelt sich mit dieser Angabe in weitere Widersprüche, denn zwischen dem 8. August und dem Sendedatum gab es keinen jüdischen Feiertag. Schlimmer noch. Seine Lüge, weshalb er keinen Israeli filmen konnte, hat er aus der neu aufgefrischten Stellungnahme nicht gelöscht: „Was wir in diesem Zusammenhang aufrichtig bedauern – und künftig anders machen werden – ist, dass wir es versäumt haben, die israelische Seite durch einen eigenen O-Ton zu Wort kommen zu lassen. Grund dafür war, dass wir wegen eines hohen jüdischen Feiertages nicht in einer der angefragten Siedlungen drehen durften und uns auch die angefragten Experten abgesagt haben.“

Der einzige jüdische Feiertag fand erst am Sendetag, dem Sonntag 14.8. statt.

Neu hinzugekommen ist folgender Passus: „Die Debatte um den Beitrag zeigt, um welch sensibles Terrain es sich hier handelt. Wir bleiben deshalb an diesem wichtigen Thema weiter dran und werden nach Abschluss unserer Recherchen weiter darüber berichten.“

Andere nachweisliche Falschdarstellungen wurden in der neuen Version der Stellungnahme belassen, so zum Beispiel, die Behauptung, dass eine Reaktion der Abgeordneten Michaela Engelmeier nicht auf Facebook zu finden gewesen seien.

Zahlreiche Kritiker hatten dazu angemerkt, dass die Tagesschau es versäumt hatte, auf ihre eigene Facebook-Seite zu schauen.

Meine Antwort auf die ARD – „Nachbemerkungen zu unseren Beiträgen über Wassermangel im Westjordanland, Tagesschau und Tagesthemen vom 14.8.2016“

ARD/BR hat auf die Kritik an ihrem Lügenbericht in der tagesschau/den Tagesthemen vom 14. August reagiert: http://blog.br.de/studio-tel-aviv/2016/08/15/stellungnahme-zur-kritik-am-tagesthemen-beitrag-vom-14-08-2016.html. Darin wurde auch Ulrich Sahm angegriffen. Er kontert:

Von Ulrich Sahm, Jerusalem, 16. August 2016 (direkt vom Autor)

Mitte Juni wurde der Bruch einer Wasserleitung gemeldet. Das habe zu zeitweiligen Engpässen bei der Wasserversorgung geführt. Der Grund war Wasserdiebstahl, was zum Bruch der Hauptleitung nach Salfit führte.

Am 28.7. wurde der Radiobericht des BR gesendet: Der Streit ums Wasser ARD Studio Tel Aviv am 28/07/2016 um 06:00 Uhr

Wie der reine Zufall so will, wurden der gleiche Ali Osman und der gleiche Clemens Messerschmid (nicht „Wasserschmid“ wie bei der unfehlbaren ARD) interviewt, die fast 3 Wochen später dann auch in Tagesschau und in den Tagesthemen auftauchten.

Das Filmchen über einen Rohrbruch hat Cogat auf Facebook am 15.6. gepostet: https://www.facebook.com/cogat.israel/posts/1027620780666939

Am 21. Juli berichtet Cogat erneut über Wasserdiebstahl durch Palästinenser in der gleichen Gegend: https://www.facebook.com/cogat.israel/posts/1049708118458205

In dem Bericht vom 26.6. schreibt die Jerusalem Post über die palästinensischen Verantwortlichkeiten für die Wasserknappheit: Wasserdiebstahl (5 Millionen m³ Wasser pro Jahr), Verweigerung von Gesprächen mit den Israelis, 20-40% mehr Bedarf vor allem für die Landwirtschaft (nicht zum Duschen und Trinken). Um den erhöhten Bedarf zu decken, habe Israel Maßnahmen ergriffen, die aber nicht umgesetzt werden könnten, solange die Autonomiebehörde keine Genehmigung für eine Modernisierung der Infrastruktur gegeben habe. Ohne palästinensische Erlaubnis können die Israelis nicht tätig werden. Die Folgen dieser Weigerung trafen besonders das palästinensische Dorf Salfit. Wasser habe genauso in jüdischen Siedlungen in der Gegend gefehlt: Shiloh, Ariel, Yitzhar, Eli, Kedumim, Itamar, Elon Moreh und Rechilim. Am Freitag (24.6.) habe es in mehreren Siedlungen gar kein Wasser gegeben. Es handelte sich also nicht um eine Maßnahme gegen Palästinenser, sondern um ein allgemeines Problem der Infrastruktur, von der Siedler genauso betroffen waren. Genau in dieser Zeit hat Mahmoud Abbas die Israelis von dem Europäischen Parlament bezichtigt, palästinensische Brunnen zu vergiften. Dieses hat Abbas innerhalb von Stunden widerrufen.

Die ARD hat nicht verraten, wann sie den Rundfunk/Fernsehbericht angefertigt hat.

„Als wir gedreht haben, galt der Rohrbruch als repariert.“ Der nicht erwähnte Rohrbruch „galt“ also als repariert. Warum hat dann die Stadtverwaltung von Salfit das Wasser nicht fließen lassen?

Es heißt in dem BR-Bericht wörtlich: „Nur noch ein- bis zweimal in der Woche pumpen die örtlichen Wasserwerke Trinkwasser in den Stadtteil, in der Familie Osman lebt. Alle Haushalte füllen dann ihre Tanks: Das Wasser muss dann solange reichen, bis die Stadtwerke das nächste Mal den Hahn für diesen Teil der Stadt aufdrehen. In Zahlen heißt das: 167 Liter pro Tag für eine sechsköpfige Familie. In Deutschland liegt der durchschnittliche Verbrauch pro Kopf und Tag bei 126 Litern.”

Darf ich also annehmen, dass das ARD Team gefilmt hat, just bevor die Stadtverwaltung wieder Wasser geliefert hat?

Waschmaschinen: Ich frage erneut, warum denn „früher“ genügend Wasser für die Waschmaschine vorhanden war und jetzt nicht mehr. Da gemäß allen offiziellen Angaben das Wasser früher noch knapper war als heute, müsste man mal prüfen, wie alt die Waschmaschine ist, die Familie Osman allein aus „Hoffnung auf Normalität“ gekauft hat. Wer kauft sich teure Geräte, wohl wissend, sie mangels Wasser nicht benutzen zu können? Die ARD behauptet: „Diese Menschen haben eben noch immer Hoffnung auf Normalität.“

Da Ali Osman hier der einzige „Kronzeuge“ ist, müsste man wenigstens prüfen, ob auch bei anderen in Salfit das Wasser fehlt, oder ob es nur ein Problem in Osmans Stadtteil ist.

Bei einer Pressetour nach Ouja bei Jericho stellte sich heraus:

1) Keiner der Bürger hatte eine installierte Wasseruhr, also zahlte keiner für seinen Wasserkonsum.

2) Der Bürgermeister zeigte (aufgrund meiner Nachfrage) den Journalisten eine happige Wasserrechnung aus Ramallah(!). Diese Rechnung sollten die Europäer bezahlen, da er kein Geld dafür habe. Kein Wunder, da seine Bürger nichts bezahlt haben.

3)  Aus diesem Grund wäre es sinnvoll gewesen, auch Ali Osman nach seinen Wasserrechnungen zu befragen, um seinen früheren Wasserverbrauch zu prüfen. Es geht hier um die grundsätzlichste Recherche. Ebenso hätte der Verantwortliche für Wasserfragen in der Stadtverwaltung von Salfit befragt werden können. Der war gewiss nicht durch „hohe jüdische Feiertage“ verhindert.

4) Niemand bezweifelt, dass die Palästinenser kein Wasser im Überfluss haben, obgleich es durchaus ausreicht, zahlreiche Swimmingpools zu füllen, Straßen mit Wasserstrahl aus dem Hydranten abzuspritzen (mehrfach in Bethlehem gesehen, auf dem Krippenplatz und vor einer Woche an einer der Hauptstraßen). Es reicht für die netten Wasserfontänen in Hebron und anderswo. Der Bericht wäre aufrichtiger gewesen, wenn einerseits die Wasserverschwendung und andererseits die Knappheit gezeigt worden wäre. Denn es gibt beides. Und hat nicht die ARD selber mal eine große Reportage über die reichen Leute im Westjordanland gebracht, mitsamt ihren Pools?

5) Was den Namen der Familie Osman angeht: Nein, darüber sollte man sich nicht lustig machen. Aber wieso heißen einige „Iraki“ und sehr bekannte Palästinenser „el Masri“, auf gutdeutsch „der Ägypter“ usw. Es gibt viele Beispiele für die Herkunft waschechter arabischer „Palästinenser“, die man anhand der Namen sehen kann. Zum Beispiel der Präsident des lutherischen Weltbundes. Der stammt aus Jerusalem und heißt Younan (der Grieche). In Deutschland gibt es das genauso. Jeder Adelige ist nach seinem Herkunftsort („von“ XYZ, oder Graf von XYZ) benannt. Und darf ich ungeprüft vermuten, dass unser Innenminister französische Ursprünge hat? Gleiches Spiel können sie bei den israelischen „Toledanos“ spielen, die heute sogar einen spanischen Pass beantragen dürfen oder den zahlreichen Spiros, Schapiras usw, deren Wurzeln mal in Speyer lagen. Das ist alles sehr irrelevant. Aber wenn ein Volk von sich behauptet, „Ureinwohner“ und „Eingeborene“ zu sein, spielt es vielleicht doch eine Rolle, wenn deren Namen anzeigen, dass sie im 19. oder 20. Jahrhundert aus der Ferne eingewandert sind.

6) „Dass ihr Leiden auf so wenig Empathie stößt, hat uns sehr verwundert.“
Ich habe viel Empathie für leidende Menschen, aber nicht so sehr, wenn sich herausstellt, dass die Leiden hausgemacht sind. Die ARD meint hier wohl mit „Empathie“, dass Israel beschuldigt werden müsse, und nicht etwa, dass Palästinenser vielleicht für die eigenen Versäumnisse verantwortlich sind.

7) Ali Osman besitzt ein anständiges Haus und kann sich Mineralwasser aus dem Supermarkt leisten. Wie steht es um arme Bauern oder gar Flüchtlinge, die sich das nicht leisten können? Wir wissen nicht einmal, welchen Beruf Osman ausübt, jedenfalls hat er ausreichend Geld. Es wäre interessant zu erfahren, warum der gut situierte Osman zweimal bei ARD Zeuge der Anklage gegen Israel sein durfte.

8) „Was wir in diesem Zusammenhang aufrichtig bedauern – und künftig anders machen werden – ist, dass wir es versäumt haben, die israelische Seite durch einen eigenen O-Ton zu Wort kommen zu lassen. Grund dafür war, dass wir wegen eines hohen jüdischen Feiertages nicht in einer der angefragten Siedlungen drehen durften und uns auch die angefragten Experten abgesagt haben.“ Hat der von Ihnen erwähnte „hohe jüdische Feiertag“ auch einen Namen? In dieser fast feiertagslosen Sommerzeit gibt es seit Juni nur Tischa Be´av. Und der wurde am 14.8. begangen, am Tag der Aussendung Ihres Beitrags. Es ist unvorstellbar, dass Sie den Film ausgerechnet an einem Sonntag recherchiert, gedreht und ausgestrahlt haben, zumal es drei Wochen zuvor schon den Radiobericht gab. Es wäre auch hilfreich zu erfahren, bei welchen israelischen Experten Sie angefragt haben. Nur so könnte man nachforschen, warum die alle abgesagt haben. Der Fastentag wäre kein triftiger Grund gewesen.

9) „Dass Wassermangel aufgrund mangelnder Verteilungsgerechtigkeit in Salfit und vielen Orten der Westbank Alltag ist, belegen auch diverse Berichte von unabhängigen Organisationen wie z.B. der Weltbank. http://siteresources.worldbank.org/INTWESTBANKGAZA/Resources/WaterRestrictionsReport18Apr2009.pdf West Bank & Gaza – World Bank Publishes Assessment of Restrictions on Palestinian Water Sector Development http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/weltbank-bericht-palaestinenser-verlieren-jaehrlich-milliarden-durch-besatzung-12671307.html.” Diese Texte sind mir alle wohlbekannt. Wenn ich die ARD richtig verstehe, ist es den Palästinensern zum Beispiel in der “fruchtbaren Jordansenke” richtig gut gegangen, als sie noch “frei” waren, ehe die israelischen Besatzer kamen. Da stimmt was nicht, denn die Jordanier waren genauso „Besatzer“ und davor die Briten und davor 400 Jahre lang die Osmanen. Bei meiner ersten Fahrt 1968 durch das westliche Jordantal (auf der israelisch besetzten Seite) war es eine desolate Wüste. Erst unter den Israelis wurden über 90% der Haushalte im Westjordanland an fließendes Wasser angeschlossen.

„Den Vorwurf von Uli Sahm in der Internetplattform von honestly concerned, der von vielen nachfolgenden Kritikern unhinterfragt fast wörtlich übernommen worden ist, Herr Messerschmid hätte behauptet „Israel hätte Staudämme gebaut, um dann Gaza zu fluten“ streitet Clemens Messerschmid als „fabriziert“ vehement ab. Er distanziert sich auch von anderen, nach eigenen Aussagen, „fabrizierten und nicht belegbaren Behauptungen.“ Einen Mailwechsel zu dieser Kontroverse aus dem Jahre 2013 hat Herr Messerschmid uns vorgelegt.“

Dieser Briefwechsel liegt auch mir vor. Meine erste Mail an Herrn Messerschmid habe ich am Donnerstag, 19.Dezember 2013 um 20:31 Uhr geschickt: „Sehr geehrter Herr Messerschmid, ein Bekannter hat mir empfohlen, dass ich mich an Sie wenden sollte, wegen der Überschwemmungen in Gaza (Rafah und Deir el Balah). Wissen Sie etwas von israelischen Staudämmen, die gebaut worden seien, um den Palästinensern Wasser vorzuenthalten und die jetzt beim Wintersturm geöffnet worden seien, um die Palästinenser zu überschwemmen? Arabische und iranische Medien berichteten. Die Israelis dementierten.”

Herauf antwortete er am 20.12 um 09:35 Uhr:

„Tja, Herr Sahm

nix Genaues weiss ich auch nicht.

Sie meinen wohl technische Details ueber die flood gates…Amira (Hass vom Haaretz, U.S.) hat mich auch schon gefragt und ich musste passen.

die wenigen Dinge, die ich Weiss:

– Israel faengt tatsaechlich den Abfluss aus dem Wadi Hebron-Wadi Besor(Isr)-Wadi Gaza so weit es geht ab. Wenn ich recht im Kopf habe, etwa 12.3 Mio Kubikmeter im Jahr – also stattlich, wenn man bedenkt, dass das zufaellig genau die Menge aller Brunnen ist, die wir seit Oslo in der West Bank bohren konnten.

– Es ist nicht das erste mal, dass Wadi Gaza ueberflutet.

– Das Design ist leider genau so, dass Israel allen ruhigen (nutzbaren) Abfluss fuer sich allein zurueckhaelt, aber den (zerstoererischen) Strom-Runoff, Starkregenabfluss, dann ueber die Kammkannte nach Gaza ablaesst. –> Gaza kriegt also per design immer nur die Flash floods ab.

– Das ist seit vielen Jahren so. Leider spitzt sich aber in Gaza selbst die lage immer mehr zu.

– Immer leute fangen aus Verzweiflung und im Chaos der Zustaende an, IM Wadi selbst zu siedeln (squatten). Das muesste unterbunden werden, aber wer hat schon Ausweichunterkuenfte fuer sie.

– Vor Jahren sollten storm conductance pipes verlegt werden – das wurde auch fleissig von gebern (UN? ich weiss nicht mehr) begonnen, brach aber nach der verhaengung der Totalblockade vor 6 Jahren rapide ab. (Baustoffmangel, etc. – man kennt’s ja zum Ueberdruss). Hier liegt also eindeutig auch eine Verantwortung Israels (und uns Gebern, die wir uns das klaglos gefallen lassen!). Zuverlaessige Freunde berichteten mir von den aufgelassenen,abgebrochenen Baustellen, und wie die Leute aus Gaza dann die „wertvollen“ Bauteile abschleppten…

– Gaza hat natuerlich auch keinen PLATZ (ganz anders wiederum als Israel zw. Beer Sheva und Re’im), um die natuerliche Loesung (Ponder, Auen, Ueberschwemmungs-Feuchtgebiete) anzugehen – Sie kennen die Diskussion ja aus Deutschland (Oberrhein Hochwaesser).

– Und dann noch das Problem der Pumpen, die Strom braeuchten! (Seit November eine E-Werke, bzw.kein Fuel- und dazu Israel’s Strafregime der Unterversorgung – ebenfalls, planvoll, absichtlich…)

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Es gibt ein paar relative zuverlaessige Quellen, die von aktiver Oeffnung von Daemmen sprechen. http://www.ewash.org/en/?view=79YOcy0nNs3D76djuyAnkRVT

Aber aktiv wissen tun wir es nicht. Ich enthalte mich da immer einer Vermutung.

Fuer mich steht aber nach all dem oben Aufgefuehrten fest, dass die eventuelle aktive Oeffnung der Schleusen nur die Spitze eines gewaltigen Eisbergs waere und somit vom eigentlichen Skandal ABLENKEN, der ja im Design verankert ist.

Ich vermute, dass, wenn Israel das Wasser nutzbringend auffangen koennte, es dies auch mit Sicherheit getan haette. Nur hier war die Flut zu stark…

Alles unklar?

Clemens Messerschmid“

Hierzu einige Anmerkungen:

– Israel fängt also doch Wasser ab. Dazu braucht man Mauern oder eben Dämme, die nicht zu finden waren und von den Israelis dementiert worden sind. Messerschmid weiß nichts von solchen Staudämmen, aber er kennt die von Israel so abgefangene Wassermenge.

– Er kennt zwar nicht diese Dämme, aber er kann sich ausführlich zu deren Design äußern: „aber den (zerstoererischen) Strom-Runoff, Starkregenabfluss, dann ueber die Kammkannte nach Gaza ablaesst“. Welch unglaubliche wissenschaftliche Erkenntnis! Wenn ein (nicht existentes) Staubecken vollgelaufen ist, dann fließt das Wasser über die Kante ab. Das ist nun einmal so. Daraus aber zu folgern, dass die Israelis das bewusst tun, um Gaza zu überschwemmen, ist eine heftige Unterstellung. Es sollte Messerschmid und der ARD bekannt sein, dass Israel nicht einmal fähig ist, schwere Überflutungen in Tel Aviv zu verhindern. Und selbst die tollen Amerikaner sind ziemliche Stümper: Siehe die Überschwemmungen in Louisiana. Oder die Deutschen bei Dresden oder entlang des Rheins. Hierzu auch noch ein Kommentar zu den Überschwemmungen in Gaza: https://medforth.wordpress.com/2013/12/19/kommentar-israel-uberflutet-den-gazastreifen/

– Verwunderlich war für mich, dass jemand im Dienst und Lohn deutscher Regierungsbehörden steht, darunter viele deutsche und einige internationale Organisationen und Stiftungen (GIZ, DED, KfW, CIM; Weltbank, USAID, UN), und dann die Einladung zum Empfang aus Anlass des 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit) der Vertretung in Ramallah, im Mövenpick ausgerichtet, aus ideologischen Gründen ausschlägt. In einer Mail vom 22.12.2013 um 18:35 Uhr schrieb er: „Dass Sie mich am 3. Oktober nicht trafen, ist kaum verwunderlich. Am 3. Oktober feiere ich naemlich nicht – Sie schon? Und noch dazu im Moevenpick!?“

– Wenn Messerschmid bei Muslim Markt auftritt, für die palästinensische Kampfseite „electronic intifada“ schreibt und ansonsten sehr anti-israelische Äußerungen an verschiedenen Stellen hinterlassen hat, sollte er sich nicht wundern, wenn das auch seine „Reputation“ als Wasserexperte in Frage stellt. Dass er Landeszentralen, Schulbuchverlage und Abgeordnete nahezu aller Fraktionen berät, sagt nichts aus über seine Glaubwürdigkeit. Gewisse Staudämme nicht zu kennen, sich dann aber ausführlich über deren Design zu äußern, mitsamt der bösen israelischen Absicht, damit den Palästinensern zu schaden, ist ein Widerspruch in sich.

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Auch tapfer in nirgendwo hat auf die Reaktion reagiert:
Tapfer im Nirgendwo antwortet der ARD Tagesschau