Eine Interessante und fehlleitende Studie zu deutschem Antisemitismus

Jede realistische Studie zu Antisemitismus in Deutschland sollte zu dem Schluss kommen, dass Migranten aus muslimischen Ländern mehr antisemitische Einstellungen haben und im Verhältnis zu ihrem Anteil an der Bevölkerung unverhältnismäßig mehr extrem antisemitische Taten als einheimische Deutsche begehen. Das entspricht der Situation in der Welt, wo die bei weitem extremste antisemitische Hetze – einiges davon völkermörderisch – aus Teilen der muslimischen Welt stammt.[1]

Das angesehene Allensbach-Institut hat eine Studie veröffentlicht, deren Ergebnisse nur hinter der Paywall der wichtigen Tageszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zu lesen sind. Sie beinhaltet interessante Daten, spricht aber nicht das erwähnte Schlüsselthema an und führt daher in die Irre.

Eine der Grafiken der Studie zeigt, dass unter den Anhängern der rechtsextremen Partei AfD 55% der Meinung sind, dass Juden „zu viel Einfluss in der Welt haben“. Bei den anderen fünf im Bundestag vertretenen Parteien variiert diese Zahl zwischen 16% und 20%.[2]

Rechtsgerichtete antisemitische Vorurteile erklären jedoch nicht die Tatsache, dass einige jüdische Schulkinder von muslimischen Kindern stark schikaniert werden. Die Drohungen eines muslimischen Klassenkameraden gegen ein jüdisches Mädchen in der zweiten Klasse einer Berliner Grundschule ist ein typisches Beispiel. Er sagte, er sollte sie töten, weil sie nicht an Allah glaubt.[3] [4]

Der Brandanschlag auf eine Synagoge in Wuppertal im Jahr 2014 wurde von drei Palästinensern verübt. Das Gericht sagte, es handele sich dabei nicht um Antisemitismus, sondern um Protest gegen Israel. Es verurteilte die Brandstifter zu einer Geldstrafe und Bewährungsstrafen.[5]

Es gibt unter einheimischen Deutschen weit verbreitete Stereotype sowohl zu Muslimen als auch zu Juden. Juden werden von 66% der Befragten als „erfolgreich“ gesehen, von 22% als „scharf auf Geld“, von 20% als „politisch radikal“ und von 14% „als machthungrig“. Für Muslime lauten die Zahlen 18% für „erfolgreich in Geschäften“, 12% für „scharf auf Geld“, 46% für „politisch radikal“ und 25% für „machthungrig“. Wichtiger als Stereotype sind kriminelle Äußerungen und Gewalttaten. Wenn alle jüdischen Institutionen bewaffnete Wachen benötigen, ist das hauptsächlich die Folge von Drohungen, die aus Teilen der muslimischen Immigrantengemeinschaft kommen.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, rät Juden in großen Städten in der Öffentlichkeit keine Kippot mehr zu tragen. Der Hauptgrund für diesen Rat besteht darin, dass Hass von Muslimen manchmal in Gewalt umschlägt. Ein aktueller Fall ist der des israelischen Arabers Adam Armusch, der das nicht glaubte und absichtlich im Berliner Viertel Prenzlauer Berg eine Kippa trug. Er und sein Begleiter wurden von drei Jugendlichen angegriffen, von denen mindestens einer Arabisch sprach. Armusch filmte den Angriff für die Polizei und die Deutschen und sogar die Welt, „um zu sehen, wie furchtbar es heutzutage ist als Juden durch die Straßen Berlins zu gehen“.[6]

Der Anteil der Deutschen, die einen Schlussstrich unter die wichtige Rolle der Nazizeit im öffentlichen Diskurs ziehen wollen, ist von 66% im Jahr 1986 auf 45% 2018 zurückgegangen. Der Anteil derer, die glauben, dies solle nicht der Fall sein, nahm in diesem Zeitraum von 24% auf 32% zu.

Die FAZ schrieb, dass der Antisemitismus in Deutschland zurückgegangen sei. Das mag der Fall sein, soweit es die Einstellungen und Stereotype betrifft. Weit wichtiger ist die Zahl der antisemitischen Taten, von denen es letztes Jahr im Schnitt vier Stück am Tag gab.[7] Die Regierung ernannte ihren Antisemitismus-Beauftragten nicht wegen der Einstellungen der deutschen Bevölkerung, sondern wegen der großen Zahl antisemitischer Taten.

Die Studie fragte auch: „Sind Antisemitismus und Judenfeindlichkeit heute in großes Problem? Oder haben wir es Ihrer Ansicht nach mit Einzelfällen zu tun?“ Der Fokus dieser Frage ist radikal falsch. Diese Frage sollte sich an die jüdische Bevölkerung richten, nicht deutschen Nichtjuden gestellt werden, die ihre Informationen aus den Medien erhalten. 23 Prozent der Befragten antworteten, dass Antisemitismus ein großes Problem ist. 58 Prozent dachten, dass Antisemitismus eine Sache von Einzelfällen ist. Wenn dieselbe Frage zu dem Angriff auf Armusch und seinen Begleiter gestellt wurde, änderten sich die Zahlen stark. Nur 27% der Befragten sagten, dass es ein Einzelfall war und 44% sagten, der Angriff sei ein Zeichen des weit verbreiteten Antisemitismus bei Arabern in Deutschland.

Was die Einstellung gegenüber den im Holocaust ermordeten Juden angeht: 54 Prozent der Befragten betrachteten die sogenannten „Stolpersteine“ als angemessene Art der jüdischen Opfer der Nazi-Ära zu gedenken, während 15% dagegen waren.

Eine weitere Frage lautete, ob Deutschland eine besondere Verantwortung gegenüber Israel habe. 31 Prozent stimmten zu, während 41% das bestritten. Je jünger die Befragten, desto weniger Unterstützung gab es für Verantwortung gegenüber Israel. In der Altersgruppe von 16 bis 29 Jahren betrug sie nur 22%.

Bei der Betrachtung des Ganzen könnte man erwähnen, dass die Dämonisierung von Juden in Deutschland unter dem Nazi-Regime heutzutage zum Teil durch die Dämonisierung Israels ersetzt worden ist. Eine Studie der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2014 stellte fest, dass 40% der Deutschen glauben Israel führe einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser.[8] Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2015 stellte fest, dass 41% glauben „Israel handelt gegenüber den Palästinensern so wie die Nazis mit den Juden umgingen“.[9]

Der teilweise falsche Fokus der Allensbach-Umfrage hilft denen, die behaupten in Deutschland sei Islamophobie ein größeres Problem als der Antisemitismus. Die Art, wie die Studie strukturiert ist, verschleiert ein grundlegendes Thema: Die Deutschen der Generation unserer Großväter ermordeten 6 Millionen Juden. Es gibt viele Reste der Vorurteile dieser Zeit, die weitgehend in dämonischen Antiisraelismus mutiert sind. Deutschland ist das letzte Land, das massive Zahlen an Immigranten ins Land lassen sollte, ohne diejenigen auszuschließen, die antisemitisch sind.

 

(Lesetipp zur Studie: https://philosophia-perennis.com/2018/06/26/juden-in-deutschland-geht-es-immer-besser-sie-wissen-es-bloss-nicht/)

[1] http://www.jpost.com/Opinion/The-worlds-mega-antisemites-560591; https://heplev.wordpress.com/2018/06/25/die-mega-antisemiten-der-welt/

[2] http://www.faz.net/social-media/instagram/exklusive-allensbach-umfrage-antisemitismus-in-deutschland-15648477.html?premium

[3] http://www.dw.com/en/anti-semitic-bullying-of-jewish-schoolgirl-causes-outrage-in-germany/a-43171701

[4] http://www.thelocal.de/20180327/berlin-elementary-student-receive-threats-for-being-jewish

[5] www.tagesspiegel.de/politik/antisemitismus-in-deutschland-wie-kann-ein-anschlag-auf-eine-synagoge-nicht-judenfeindlich-sein/19572812.html; http://www.jpost.com/Diaspora/German-court-calls-synagogue-torching-an-act-to-criticize-Israel-478330

[6] http://www.timesofisrael.com/man-attacked-in-berlin-for-wearing-kippa-is-israeli-arab/

[7] http://www.dw.com/en/germany-averaged-four-anti-semitic-crimes-per-day-in-2017-report-says/a-42538545

[8] https://ekvv.uni-bielefeld.de/blog/pressemitteilungen/entry/antisemitismus_bedroht_j%C3%BCdisches_leben_und

[9] http://www.bertelsmann-stiftung.de/en/topics/aktuelle-meldungen/2015/januar/germans-take-skeptical-view-of-israel/

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Deutschland ist weit von seiner Vergangenheit weg, aber seine Iran-Politik bleibt schäbig

Deutschlands Vergangenheit hätte es ihm zur Pflicht machen müssen die moralische Führung bei Werben für Regime-Change zu übernehmen, wenn es um den Umgang mit einem totalitären Regime wie dem Iran geht.

Yigal Carmon, JNS.org, 12. Juni 2018

Wenn man von irgendeinem Land der Welt erwarten kann extrem vorsichtig dabei zu sein sich jemandem anzuschließen, der Israels Vernichtung fordert, dann wäre es Deutschland, ungeachtet jeglicher mildernden Umstände – wirtschaftlich, politisch oder sonst wie. Die Bundesrepublik hätte sich von jeglicher substanziellen Verbindung zur Islamischen Republik Iran distanzieren sollen, deren mörderisches Regime damit droht Israel auszulöschen.

Deutschland war das erste Land, das dem moralisch relativierenden Barack Obama hätte sagen sollen, dass totalitäre Regime, wie Deutschlands Nazi-Regime, völlig inakzeptabel sind und dass ihnen jegliche Legitimität verweigert werden sollte, insbesondere wenn es um einen Atomdeal mit ihnen geht. Deutschlands Vergangenheit hätte es ihm zur Pflicht machen müssen offen die moralische Führung dabei zu übernehmen Regime-Change zu propagieren, wenn es um den Umgang mit einem totalitären Regime wie dem Iran geht.

Die Realität ist tragischerweise genau das Gegenteil. Nachdem es aus der Asche aufstieg und eine stabile, humanistische Demokratie wurde, unterstützt Deutschland mörderische, totalitäre Regime. Deutschland, das anderen Ländern Menschenrechte predigt – zum Beispiel Saudi-Arabien wegen dessen Handeln im Jemen, zurecht – hat seine Augen vor den berüchtigten Menschenrechtsverletzungen im Iran verschlossen, genauso davor, wie der Iran seine eigenen Bürger terrorisiert und ermordet. Der Iran ist natürlich, zusammen mit Russland, ein wichtiger Partner bei der größten humanitären Katastrophe des 21. Jahrhunderts: dem Abschlachten und der Vertreibung von Millionen Syriern durch das Regime Assad.

Die Stornierung der von Obama untergeschobenen Iran-Politik durch die Regierung Trump bot Deutschland eine goldene Gelegenheit seine bekundeten Werte wiederzugewinnen. Aber das Gegenteil geschah: Deutschland legitimiert den Iran, verteidigt ihn sogar.

Was motiviert Deutschland einen solche beschämende und unmoralische Politik zu wählen?

Eine mögliche Motivation ist antiamerikanische Stimmung, die nicht mit Donald Trump begann und die Jahrzehnte zurückreicht. Trump verschärfte diese Stimmung natürlich, als er von „America First“ sprach, forderte, dass Deutschland und andere europäische Staaten ihren Anteil an die NATO bezahlen und damit drohte Zölle auf Stahl- und Aluminiumexporte in die USA zu erheben. (Deutschland hat tatsächlich einen schnell wachsenden Handelsüberschuss mit den USA in Höhe von $65 Milliarden – das dritthöchste nach China und Japan – aber die Deutschen haben trotzdem das Gefühl, die Zölle seien ein feindlicher Akt gegen sie).

Ein weiterer Katalysator könnte das Verhalten des französischen Präsidenten Emmanuel Macron sein, der mit Mitteln um die Führung der EU kämpft, die manchmal eher eine Konfrontationspolitik gegenüber den USA sind. Macron betrachtet den Iran als eine Gelegenheit nach Jahren wohlverdienter deutscher Hegemonie in Europa die deutsche Führungsrolle in Brüssel zu auszuhöhlen.

Eine weitere Erklärung, mit der die Deutschen (und die Franzosen) in der Welt hausieren gehen, um ihr Appeasement des Iran zu rechtfertigen, besteht in dem Wunsch Krieg zu vermeiden. Wir hörten diese Erklärung bis zum Erbrechen in den 1930-er Jahren. Dem Iran fehlt das militärische Potenzial von Nazideutschland und er kann keinen Krieg gegen eine moralische westliche Koalition auf die Beine stellen. Das ist aus der iranischen Reaktion auf die neue amerikanische Strategie gegen den Iran ersichtlich, die von Pompeo verkündet wurde; die Iraner krallen sich an der Vereinbarung und an Europa als Verteidigung gegen die USA und ihre regionalen Verbündeten fest. Es wäre höchst unglücklich, wenn Deutschland zu der Politik zurückkehren würde, die ihre früherer Außenminister Joschka Fischer vertrat und sich entschiede als menschlicher Schutzschild des Iran zu dienen.[1]

Unabhängig von Deutschlands Motiven[2] ist diese der Moment, in dem es nationale Führung und Verantwortung demonstrieren kann, die über die unbedeutenden Überlegungen des Wunderknaben Macron und seiner plötzlichen Gereiztheit gegenüber Trump steht und eine Politik auf seinen moralischen Werten aufbaut. Wenn es sich als der Gelegenheit gewachsen zeigt, könnte Deutschland das Thema Iran von anderen isolieren und als wahrer globaler Leuchtturm moralischer Politik dienen. Es gibt andere Wege sein erwähnten Probleme mit den USA zu lösen und sogar in Wirtschaftsfragen eine durchsetzungsfähige Haltung gegenüber Donald Trump einzunehmen.

Leider sind sich Deutschlands Große Koalition und die Oppositionsparteien in der Verteidigung des Iran und gegen die USA einig. Das zeigt, wie tief Deutschlands moralische Finsternis und seine ideologischen Scheuklappen reichen. Das demokratische und humanistische Deutschland, das Land, das so viele verzweifelte syrische Flüchtlinge willkommen hieß, ist weit von seiner dunklen Vergangenheit entfernt; aber seine Iran-Politik ist schäbig. Bezüglich der Islamischen Republik Iran gibt es kein neues Deutschland.

(Yigal Carmon ist der Präsident von MEMRI)

[1] S. Mohamed ElBaradei: The Age of Deception: Nuclear Diplomacy in Treacherous Times. London (Bloomsbury Press), S. 131.

[2] Man muss Deutschland zugute halten, dass es wichtig ist zu betonen, dass entgegen weit verbreitetem Glauben seine unmoralische Politik gegenüber dem Iran nicht auf wirtschaftlichen Überlegungen gründet, sondern auf seiner politischen Feindseligkeit gegenüber Trump. Deutschlands Handel mit dem Iran ist unbedeutend.

Ein Lieblingsfoto von Israelhassern

Aussie Dave, Israellycool, 4. Juni 2018

Dieses Foto von in Berlin protestierenden BDS-A… sagt eine Menge – aber nichts von dem was sie meinten.

Diese BDS-Fans sagen auf ihrem Plakat: „Ingoranz ist etwas, für das man sich entscheidet.“

Tja, wenn Ignoranten sich outen…

Deutschlands neuer Antisemitismusbeauftragter muss die Wahrheit aufdecken

Abraham Cooper und Manfred Gerstenfeld, The Hill, 10. Mai 2018

Die jüngste Zunahme antisemitischer Vorfälle in Deutschland bestätigt die  Notwendigkeit der Ernennung von Felix Klein zum ersten Antisemitismusbeauftragten des Landes. Es ist zudem ein Eingeständnis der deutschen Regierung, dass sie es seit vielen Jahren versäumt hat effektiv mit dem Problem umzugehen.

Wie Klein feststellen wird, manifestieren sich klassischer und neuer Antisemitismus auf viele Weisen – weit über das Rowdytum der Neonazis hinaus. Für ihn wäre ein guter Start seine Ermittlungen darin bestehen sich anzusehen, wie Deutsche den jüdischen Staat sehen. Nazi-Deutschland dämonisierte die Juden. Heutzutage dämonisieren große Teile des demokratischen Deutschlands Israel.

Eine Studie der Universität Bielefeld stellte fest, dass 51 Prozent der Deutschen zustimmen oder dazu neigen zuzustimmen, dass Israel die Palästinenser so behandelt wie die Nazis mit den Juden umgingen. Die Studie stellte 2004 zudem fest, dass 68 Prozent der Deutschen entweder zustimmen oder dazu neigen zuzustimmen, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führt.

Hitlers Deutschland brauchte nur zwei Jahre, um in drei Vernichtungslagern – Belzec, Sobibor und Treblinka – fast 2 Millionen Menschen zu ermorden, die meisten davon Juden. Wäre die von vielen Deutschen gehegte aktuelle dämonische Sicht gegenüber Israel wahr, würde es nur noch wenige Palästinenser geben. Tatsächlich liegt die Geburtenrate der Palästinenser in der Westbank, Ostjerusalem und dem Gazastreifen im Zeitraum von 2011 bis 2013 bei 4,1 Kindern pro Frau.

Eines der ersten Vorhaben des Beauftragten sollte in einer detaillierten Studie bestehen, um festzustellen, woher die Dämonisierung Israels in der deutschen Gesellschaft stammt – und er sollte besondere Aufmerksamkeit auf die Medien legen.

Berichte über Antisemitismus in Großbritannien und Frankreich weisen darauf hin, dass der Antisemitismus von der extremen Rechten, der extremen Linken und Muslimen kommt. Deutschland muss eine gründliche Studie durchführen. Ohne eine solche ist es weit einfacher über die Jahre hinweg das notwendige Vorgehen gegen Antisemitismus zu vermeiden.

Die Zeit der Führung per politischer Korrektheit ist vorbei. Die heutigen Herausforderungen gehen über die angebenden jungen Nazischläger hinaus. Antijüdischer Hass offenbart sich mit Gewalt auf den Straßen Berlins und weiterer deutscher Städte, in den Klassenzimmern öffentlicher Schulen, wo jüdische Schüler schikaniert werden, sowie von den Kanzeln islamistischer theologischen Völkermord-Befürworter.

Vor mehr als drei Jahren, als Deutschlands jetziger Außenminister Heiko Maas Justizminister war, fragte ihn das Simon Wiesenthal Center, wie Deutschland vor habe mit dem von Migranten aus der arabischen und muslimischen Welt mitgebrachten antisemitischen Gepäck umzugehen. Damals gab es keinen Plan; eine Million Immigranten später gibt es immer noch keinen Plan. Die sehr wenigen partiellen aktuellen Meinungsumfragen zeigen, dass die Immigranten, die seit 2015 aus dem Irak, Syrien und Afghanistan weit antisemitischer sind als die einheimische deutsche Bevölkerung.

Um es einfach auszudrücken: Ein Land, das vor zwei Generationen bis zu sechs Millionen Juden ermordete, hätte es – im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte – nicht gestatten dürfen, dass auch nur ein einziger Antisemit nach Deutschland migriert. Trotzdem gibt es keinen Screeningprozess, wenn es um Judenhass geht und es gibt ziemlich wenig Handeln, um diese eigensinnig blinde Politik und ihre Konsequenzen anzugehen.

Zusätzlich entstammen viele antisemitische Vorfälle bestehenden deutsch-muslimischen Gemeinden. Diese werden in der Regel als Einzelfälle behandelt, einschließlich öffentlicher Angriffe auf Einzelpersonen und Synagogen sowie das Schikanieren jüdischer Kinder in Schulen. Es war das Spektakel der öffentlichen Verbrennung einer israelischen Flagge im letzten Dezember in Berlin nötig, damit führende Politiker endlich eingestanden, dass Antisemitismus in Teilen der muslimischen Gemeinschaft ein Problem darstellt. Jens Spahn, gerade zum Gesundheitsminister ernannt, sagte in einem Interview, er betrachte die Immigration aus muslimischen Ländern als einen Grund der jüngsten antisemitischen Demonstrationen in Berlin; er fügte hinzu, dass solche Vorfälle „auch mit Zuwanderung aus einem kulturellen Umfeld in Verbindung stehen, in dem man nicht gegenüber Juden oder Schwulen nicht weich handelt“.

Er fügte hinzu, wenn der Hass auf Juden tagtäglich in den Nachrichten, in der Familie und in der Moschee gepredigt wird, „dann werden diese Einstellungen auf Dauer verankert“, wodurch sie in den Nationen, aus denen muslimische Migranten kamen, zu einem „allgegenwärtigen Teil des Alltagslebens“ werden. Spahn forderte zudem, dass muslimische Organisationen verpflichtet werden sich zu äußern. „Wenn es antiislamischen Hass gibt, erwarten sie zurecht, dass wir dagegen vorgehen. Folglich sollten wir gemeinsam Flagge gegen Antisemitismus zeigen.“

Es ist daher entscheidend die Quellen des bösartigen Judenhasses, die unserer Migrantengemeinschaften infizieren, zu identifizieren und zu handeln. Antisemitismus ist in Europa weit verbreitet. Dennoch nimmt es in Deutschland angesichts seiner Vergangenheit dort besondere Dimensionen an.

Wir hoffen, der Auftrag Kleins und die Gelder dafür hinreichen werden, um zu erkunden, aufzudecken und zu neuer, robuster Politik zu führen, die diese neuen und alten Erscheinungsformen des Antisemitismus die Stirn zu bieten. Durch Darstellung eines uneingeschränkten Bildes des Antisemitismus in Echtzeit wird er helfen sicherzustellen, dass Juden sich wieder auf Deutschlands Straßen bewegen können, ohne Angst vor Dämonisierung oder Angriffen zu haben. Wir hoffen auch, dass diese Bemühungen die Deutschen inspirieren auf immer als Beschützer der Erinnerung zu dienen statt als die zu belohnen, die den Holocaust verhöhnen.

Erfolgreiche Umsetzung dieses Auftrags ist nicht nur für Juden entscheidend, sondern auch für das Wohlergehen des demokratischen Deutschland.

Dear Germany: Hast du irgendetwas gelernt?

Dennis Prager, 2. April 2003

Wie viele Amerikaner und fast alle Juden wuchs ich mit einer großen Wut auf eure Land auf. Aber als junger Mann begann ich meine Ansichten zu den Deutschen zu überdenken. Gegen die Wünsche fast aller, die ich kannte – von denen die meisten nicht einmal ein deutsches Produkt kaufen würden – entschied ich mich nach Deutschland zu reisen. Mein Besuch 1968, im Alter von 20 Jahren, war der erste von mindestens einem Dutzend Reisen in euer Land.

Fakt ist: Ich wurde zu jemandem, der euch verteidigte.

Ich argumentierte, dass es falsch ist irgendeinen Deutschen, der während des Krieges jünger al s13 Jahre alt war, moralisch für die furchtbaren Verbrechen eures Landes verantwortlich zu machen. Ich wählte das Alter von 13 Jahren, weil das im Judentum das Alter der moralischen Schuldfähigkeit ist. Ich argumentierte 1968, dass jeder Deutsche, der damals unter 40 Jahre als war, als unbescholten gelten müsse und wir sollten nicht bei jedem Deutschen über 40 das Schlimmste annehmen.

Ich argumentierte, weil Volkswagen und Mercedes dem arabischen Boykott trotzten und Geschäfte mit Israel machten, sollten Juden deutsche Produkte nicht boykottieren.

Ich argumentierte, dass ihr im Kalten Krieg Gegenüber dem Sowjet-Kommunismus treue Verbündete ward.

Ich argumentierte, was am wichtigsten überhaupt war, dass Deutsche sich ihrer Nazivergangenheit schämten und große moralische Lektionen daraus gelernt hatten.

Das letzte Argument, erkenne ich jetzt, war eher Hoffnung als Fakt. Es gibt keine Frage, dass die überwiegende Mehrheit der Deutschen sich des Nationalsozialismus und des Holocaust schämen. Heute bin ich mir aber genauso sicher wie traurig, dass ihr nichts über Gut und Böse daraus gelernt habe und das ihr heute moralisch genauso verwirrt seid wie ihr es ward, als ihr Hitler unterstützt habt. Nicht weil ihr böse seid, sondern weil ihr nicht in der Lage seid das Böse zu erkennen.

Das ist atemberaubend. Anders als die Japaner, die ihre Gräuel gegenüber den Chinesen und Koreanern ignoriert haben, habt ihr euch eurem Bösen gestellt. Ihr habt die nächsten Generationen der Deutschen über den Nationalsozialismus und den Holocaust gelehrt.

Daher ist es unfassbar, dass all die Bildung zum Bösen eine Generation hervorgebracht hat, die davor zurückschreckt das Böse zu beurteilen, geschweige denn sich ihm entgegenzustellen. Es übersteigt das Vorstellungsvermögen, dass eine Nation, die nur dadurch vom Nationalsozialismus befreit wurde, dass Armeen Krieg führten, den Pazifismus umklammern würde, dass eine Nation, die erlebte, zu welchem Übel das Appeasement führt, dieses jetzt übernimmt.

Ich war sicher, dass einige deutsche Führungspersönlichkeiten aufstehen und sagen würden: „Liebe deutsche Mitbürger, wir erkennen einen Hitler, wenn wir ihn sehen und Saddam Hussein ist einer.“ Aber kein Deutscher stand auf, um das zu sagen. Stattdessen setzte einer eurer Führungspolitiker den amerikanischen Präsidenten mit Hitler gleich.

Ich war sicher, dass einige deutsche Führungspersönlichkeiten aufstehen und sagen würden: „Liebe deutsche Mitbürger, wir erkennen völkermörderischen Antisemitismus, wenn wir ihn sehen und wir sehen ihn in der arabischen Welt.“ Aber auch hier stand keine deutsche Führungspersönlichkeit auf und sagte das.

Wenige von uns erwarteten irgendetwas von den Franzosen. Von den Jakobinern und der Guillotine über das Dreyfus-Verfahren und das Vichy-Regime zu de Gaulles Rückzug aus der antikommunistischen NATO hat Frankreich mit wenigen Ausnahmen kaum etwas getan, das moralisch ist und nichts, das mutig ist. Die Geringschätzung, die viele Amerikaner lange für Frankreich empfunden haben, ist lediglich verstärkt worden.

Aber ich glaube, dass ich im Namen vieler Amerikaner spreche, wenn ich sage, dass wir mehr von euch erwarten. Wegen dem, was wir nach dem Zweiten Weltkrieg und während des Kalten Krieges für euch gemacht haben. Weil ihr, gerade ihr, wisst, das Amerikaner anständige Leute sind. Und besonders, wegen eurer Erfahrung mit dem Bösen. Wie konntet ihr einen Hitler hervorbringen und nur eine Generation später einen weiteren nicht erkennen? Wie konntet ihr aus erster Hand über Folterkammern und Kinderschreie Bescheid wissen und nicht schmerzhaft wollen, dass das in einem anderen Land beendet wird? Wie könnt ihr auch auf die Seite eines amoralischen Frankreich gegen euren Freund Amerika stellen?

Es gibt, so scheint es, nur eine Antwort: Aus dem Nationalsozialismus habt ihr nichts gelernt. Statt zu lernen, dass das Böse bekämpft werden muss, habt ihr gelernt, dass zu kämpfen böse ist.

Deutschlands schiefe Antisemitismus-Statistiken

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Vor kurzem stellte der deutsche Innenminister Horst Seehofer die Kriminalstatistik des Landes für das Jahr 2017 vor. Dazu gehörten 1.500 kriminelle, antisemitische Taten – das sind etwa 4 pro Tag. Der Minister behauptete, 95% davon seien durch rechtsextreme Einstellungen motiviert.[1] Eine weitere Quelle berichtete, es habe 2017 in Berlin 947 antisemitische Vorfälle gegeben, eine Zunahme von 60% gegenüber dem Vorjahr.[2] Bei der Vorstellung der Ergebnisse gab Seehofer die obligatorische verbale Verpflichtung der Null-Toleranz gegenüber Verbrechen gegen Juden ab.

Wenn bei antisemitischen Taten rechtsextreme Täter derart überwiegen würden, warum äußerten sich dann etliche führende Politiker in den letzten Monaten gegen muslimischen Antisemitismus? Die breitere öffentliche Aufdeckung muslimischer Hassverbrechen gegen Juden begann nach dem Verbrennen einer selbstgemachten israelischen Flagge im Dezember 2017 in Berlin. Das Video dieses Vorfalls ging um die Welt. Es weckte unangenehme Assoziationen mit den weit massiveren Buchverbrennungen durch die Nazis 1933.

Seit vielen Jahren ist der muslimische Antisemitismus in Deutschland vorsätzlich ignoriert und manchmal beschönigt worden. Heftige Kriminalfälle, die aus Teilen dieser Gemeinschaft heraus begangen wurden, behandelte man als „Einzelfälle“ statt als strukturelles Problem. Der Christdemokrat Jens Spahn, heute Gesundheitsminister und damals parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium, drückte es klar aus. Er sagte, Antisemitismus sei in einigen muslimischen Ländern allgegenwärtig. Spahn erwähnte fortgesetzte Aufstachelung in Familien und Moscheen. Er betonte zudem, dass die muslimische Zuwanderung zusätzlichen Antisemitismus nach Deutschland gebracht hatte. Spahn forderte die deutschen Muslim-Organisationen auf ihre Pflicht zu tun und die von Muslimen begangenen antisemitischen Verbrechen zu verurteilen.[3]

Bereits im Juni 2017 sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Wir dürfen es nicht hinnehmen, wenn Einwanderer aus muslimisch geprägten Regionen auch ihre Feindbilder importieren.“[4] Im Januar 2018 sagte Stephan Harbarth, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion im Parlament, gegen importierten Antisemitismus müssten Prävention und „alle Mittel der Repression bis hin zu den Möglichkeiten des Ausweisungsrechtes konsequent genutzt werden“.[5]

Ende März sagte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Antisemitismus sein kein „spezifisch muslimisches Problem. Aber jetzt wird er auch durch Migration und durch den von radikalen Kräften in der islamischen Welt geschürten Hass auf Israel wieder stärker.“[6]

Etwa zur gleichen Zeit forderte Volker Kauder, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, dass deutsche Schulen verpflichtet werden antisemitische Vorfälle zu melden. Er stellte diese Forderung, nachdem ein jüdisches Mädchen im zweiten Schuljahr eine Berliner Grundschule von einem muslimischen Klassenkameraden bedroht wurde, er würde sie töten, weil sie nicht an Allah glaubt.[7]

Im April hatte dann sogar Kanzlerin Merkel das Gefühl sie könne nicht länger schweigen. Nach einem weiteren antisemitischen Angriff in Berlin sagte sie, die Behörden müssten mit aller Härte und Entschlossenheit gegen Antisemitismus sowohl bei Deutschen als auch Arabern vorgehen.[8] Ein Artikel in der jüdischen Monatszeitung Jüdische Allgemeine betonte Merkels schwere Verantwortung für Antisemiten, die aus muslimischen Ländern nach Deutschland kommen. Sie war es, die sie hereinholte. Der Artikel zitierte den Modedesigner Karl Lagerfeld zur Flüchtlingspolitik der Kanzlerin: „Selbst wenn Jahrzehnte dazwischen liegen, kann man nicht Millionen von Juden töten und danach Millionen ihrer schlimmsten Feinde ins Land holen.“[9]

Der neu ernannte Antisemitismusbeauftragte Felix Klein sprach sich ebenfalls gegen muslimischen Antisemitismus aus. Er sagte, dass viele muslimische Flüchtlinge in Ländern sozialisiert wurden, in denen ein Hassbild von Juden und Israel gezeichnet wird. Er fügte hinzu: „Diese Menschen legen ihre Vorurteile ja nicht an der Grenze ab.“[10]

Selbst die Fraktionschefin der linken Grünen, Katrin Göring-Eckardt, beschäftigte das Thema. Sie sagte, ihre Partei habe wenig über Antisemitismus bei muslimischen und ethnisch arabischen Immigranten gesprochen. Göring-Eckardt behauptete, die rechte AfD missbrauche den Kampf gegen Antisemitismus, um ungestört islamophob sein zu können. Sie erklärte zudem, dass Antisemitismus in der Form von Feindschaft gegen Israel nicht toleriert werden dürfe.[11]

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer nutzte die Angriffe der AfD auf Muslime – denen sie implizit zuzustimmen schien – um die AfD wegen des Antisemitismus innerhalb ihrer eigenen Reihen anzugreifen.[12]

All diese Äußerungen zu muslimischem Antisemitismus scheinen bizarr, wenn tatsächlich 95% der antisemitischen Verbrechen in Deutschland von rechten Tätern verursacht sind. Die breite Öffentlichkeit hat kaum die Möglichkeit die Wahrheit herauszufinden.

Dafür muss man sich professionellere Dokumente ansehen. Das hessische Landesamt für Verfassungsschutz hat einen Bericht über Antisemitismus im deutschen Internet veröffentlicht; geschrieben wurde er von Ann-Christin Wegener.[13] Bei der Analyse der Erscheinungsformen und des ideologischen Hintergrunds der antisemitischen Agitation in sozialen Netzwerken in Deutschland fand der Bericht heraus, dass rechte und muslimische Täter bei der Verbreitung von Hass in mehr oder weniger gleich hoher Zahl auftreten.[14] Logisch: Fügt man die Hetze in deutschtürkischen und deutscharabischen sozialen Medien hinzu, kommt die Mehrheit dieses antisemitischen Hasses aus muslimischen Quellen.

Wegener erwähnt in ihrer Studie, dass die Behauptung der Behörden, die überwiegende Mehrheit der antisemitischen Vorfälle würden von Rechtsextremen verursacht, durch die Art zustande kommt, wie die Polizei Verbrechen meldet. Solange man nichts über die Motivation der Täter weiß, was oft der Fall ist, werden diese Vorfälle als rechtsextrem motiviert gekennzeichnet.[15]

Angesichts all dessen sollten die deutschen Behörden die Polizei anweisen zukünftig wahrhaftiger zu handeln, wenn sie über Täter antisemitischer Vorfälle berichtet.

[1] http://www.fr.de/politik/politische-straftaten-mehr-faelle-von-antisemitismus-a-1502314?GEPC=s5

[2] http://www.morgenpost.de/berlin/article214050765/947-antisemitische-Vorfaelle-in-Berlin-im-vergangenen-Jahr.html

[3] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jens-spahn-warnt-vor-importiertem-antisemitismus-a-1183490.html

[4] http://www.domradio.de/themen/kirche-und-politik/2017-06-29/steinmeier-warnt-vor-antisemitismus-import-durch-einwanderer

[5] http://www.dw.com/de/union-will-antisemitische-migranten-ausweisen/a-42046601

[6] https://www.welt.de/newsticker/news1/article175050620/Islam-Schaeuble-warnt-vor-Zunahme-von-Antisemitismus-auch-durch-Migration.html

[7] http://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2018-04/volker-kauder-meldepflicht-antisemisitmus-jude-schulen

[8] http://www.welt.de/politik/deutschland/article175597957/Angela-Merkel-will-mit-aller-Haerte-gegen-Antisemitismus-vorgehen.html

[9] juedischerundschau.de/merkel-beklagt-das-vor-allem-wegen-ihrer-politik-wachsende-antisemitismus-problem-in-deutschland-135911986/

[10] http://www.poppress.de/boulevard/der-neue-antisemitismusbeauftragte-der-bundesregierung-felix-klein-fordert-die/56657043

[11] http://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-05/katrin-goering-eckardt-gruene-antisemitismus-muslime

[12] www.welt.de/politik/deutschland/article176352413/CDU-Generalsekretaerin-Kramp-Karrenbauer-attestiert-AfD-Antisemitismus-in-eigenen-Reihen.html

[13] https://lfv.hessen.de/sites/lfv.hessen.de/files/content-downloads/PAAF-Analysen%20IN%20ALLER%20K%C3%9CRZE%20Ausgabe%20%201.pdf

[14] Ebenda.

[15] Ebenda, 3