Eigentlich beginnt der europäische Antisemitismus oben

Evelyn Gordon, Commentary Magazine, 11. Feb. 2015

Dass die Obama-Administration unerklärlicherweise abstritt, dass der Anschlag auf einen koscheren Supermarkt in Paris möglicherweise antisemitisch sein könnte, überschattete das andere Schmankerl an der Antisemitismus-Front von gestern. Deutsch-jüdische Organisationen aufgebracht, weil einer von der Bundesregierung eingerichteten Expertenkommission, die den Kampf gegen Antisemitismus beraten soll, kein einziger Jude angehört. Es ist schwer vorstellbar, dass eine Kommission zu – sagen wir mal – Vorurteilen gegenüber Muslimen oder Schwarzen Repräsentanten der ins Visier genommenen Gemeinschaft ausschließen würde. Doch die wichtigere Sorge besteht darin, dass ein Gremium ohen Juden eine der Hauptmanifestationen des modernen Antisemitismus ignorieren wird, wie eine weitere deutsche Entscheidung gerade letzte Woche veranschaulichte: Ein Gerichtsurteil, dass nichts Antisemitisches dabei ist eine Synagoge in Brand zu setzen, um gegen israelisches Handeln im Gazastreifen zu protestieren.

In den Fall involviert waren zwei deutsch-palästinensische Erwachsene, die im Juli Molotowcocktails auf die Wuppertaler Synagoge warfen und damit 800 Euro Schaden anrichteten. Das Gericht entschied, dass der Anschlag nicht antisemitisch war und ließ sie deshalb mit Bewährungsstrafen und gemeinnütziger Arbeit davonkommen. Und warum war das nicht antisemitisch? Weil die Täter, sagte das Gericht, nur versuchten auf den Gaza-Konflikt „aufmerksam zu machen“, der damals zwischen der Hamas und Israel tobte. Und natürlich ist nichts Antisemitisches dabei, wenn man Juden in einem Land angreife, um die Taten anderer Juden in einem anderen Land „aufmerksam zu machen“; sie sind doch alle Juden, oder nicht? Zweifellos würde das Gericht gleichermaßen verständnisvoll sein, wenn Israelis eine deutsche Kirche anzündeten, um auf dieses widerliche Urteil „aufmerksam zu machen“.

Das Urteil ist auch kein Ausreißer; es ist ziemlich repräsentativ für das Denken der deutschen Eliten. Letztes Jahr veröffentlichte Prof. Monika Schwarz-Friesel von der Technischen Universität Berlin eine Studie, die 10 Jahre Hasspost untersuchte, die an den Zentralrat der Juden in Deutschland und die israelische Botschaft in Berlin geschickt wurde. Zu ihrer Überraschung kamen nur 3 Prozent von Rechtsextremen, während mehr als 60 Prozent von gebildeten Mitgliedern „des sozialen Mainstream“ stammten. Und diese Briefe waren nicht bloße „Israelkritik“; sie beinhalteten klassisch antisemitische Äußerungen wie „Es ist möglich, dass der Mord an unschuldigen Kindern in eure lange Tradition passt“ oder „In den letzten 2000 Jahren habe ihr Land gestohlen und Völkermord begangen“.

Unnötig zu erwähnen, dass die gebildeten Eliten in anderen europäischen Ländern nicht viel besser sind. Letzten Monat z.B. bekam ein BBC-Reporter Feuer, weil er implizierte, dass der Anschlag auf den koscheren Supermarkt in Paris irgendwie gerechtfertigt sei, weil „die Palästinenser durch jüdische Hände auch enorm leiden“. Und erst letzte Woche „entschuldigte“ sich Britanniens Sky News dafür, dass man Bilder aus dem Gazastreifen zu einem Laufband zeigte, das während eines Interviews mit dem britischen Oberrabbiner zum Holocaust-Gedenktag „Erinnerung an Auschwitz“ zeigte; die „Entschuldigung“ verteidigte die ursprüngliche Entscheidung als „logisch“, obwohl zugegeben wurde, das sie im Nachhinein betrachtet „unglücklich“ war. Was könnte schließlich logischer sein, als implizit einen Krieg, bei dem rund 2.100 Palästinenser (und 72 Israelis“ getötet wurden, mit der vorsätzlichen Vernichtung von sechs Millionen Juden zu vergleichen?

In der Tat ist dieser Vergleich für viele Westler so „logisch“, dass während des Gaza-Kriegs Israels Holocaust-Museum Yad Vashem es für nötig befand einen besonderen FAQ-Bereich auf seiner Internetseite einzurichten, in dem erklärt wird, warum der Krieg nicht mit dem Holocaust vergleichbar ist, warum Palästinenser keine Opfer von Völkermord sind und warum der Gazastreifen kein Ghetto ist. Man sollte glauben, dass das selbstverständlich ist, doch in einer Welt, in der 35 Prozent der Deutschen sagen Israel behandle die Palästinenser genauso wie die Nazis die Juden behandelten und in der die Briten Israel stärker verabscheuen als jedes andere Land bis auf Nordkorea, ist das eindeutig nicht der Fall.

Kurz gesagt: Moderner Antisemitismus kann nicht bekämpft werden, indem man ein Problem angeht, das viel zu viele Mitglieder der gebildeten Eliten Europas nicht sehen wollen: Wer den heutigen Antisemitismus verbreitet, kommt in erster Linie aus ihren eigenen von Israel besessenen Reihen, nicht vom rechtsextremen Rand. Und man kann nicht anders als sich zu fragen, ob Juden bei der deutschen Expertenkommission genau deshalb außen vor gelassen werden, weil sie die Dreistigkeit haben könnten darauf hinzuweisen.

Partei BIG lügt

gefunden auf Facebook:

ParteiBIGlügtDie ersten muslimischen Gastarbeiter kamen erst in den 1960-er Jahren nach Deutschland. Der Wiederaufbau fand vorher statt. Dass Afrikaner mit (wieder-) aufbauten habe ich auch noch nicht gehört.

(BIG heißt “Bündnis für Innovation & Gerechtigkeit” und ist die 2010 gegründete erste muslimische Partei in Deutschland. Sie gilt als Ableger von Recep Tayyip Erdoğans AKP.)

 

Der Chor der Ignoranten

gefunden auf Facebook:

Mazyek-Chor

Zusatzbemerkung heplev:
Ayman Mazyek behauptete in seiner Rede, die Islamisten seien religiöse Anlaphabeten. Das ist gelogen. Diese Leute kennen ihren Koran exrem gut. Sie können ihn oft auswendig. Sie kennen jede Sure, jeden Vers, der ihnen sagt, dass das, was sie tun, richtig ist. Religiöse Analphabeten sind die, die behaupten, das sei nicht mit dem Islam kompatibel.

Wahre moderate Muslime stellen keine solchen Behauptungen auf, sondern reformieren den Islam – bereinigen ihn von dem, was mit Menschenwürde, Menschenrechten usw. nicht kompatibel ist. Aber dafür müssten sie einen Grundsatz aufgeben: Dass der Koran und die Haditeh unantastbar sind.

Welcher aufrichtige Muslim tut das?

Einer hatte Spaß

Lauter ernste Gesichter in Paris – die staatsoberhauptlichen Demonstranten für Meinungsfreiheit hatten einen äußerst ernsten Job zu erledigen. Schließlich hatte es jede Menge Tote gegeben, ermordet von Muslimen, auch wenn sie denen sie das Muslim sein absprachen. Aber da es in Frankreich geschah, war das auf einmal tatsächlich richtiger Terrorismus. Nicht so, wie wenn Juden in Israel von Arabern ermordet werden. (Und dass in Frankreich gezielt Juden angegriffen wurden, spielte ja auch nur eine enorm untergeordnete Rolle. Lediglich der Oberfranzose hatte es gewagt im Zusammenhang mit den Toten im Lebensmittelladen von Antisemitismus zu reden.) Und zwischen den ganzen ernst dreinblickenden hohen Persönlichkeiten steht einer, der über alle Backen fröhlich strahlt und seine Freude nicht verhehlen kann.

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Denn das zweierlei Maß samt seiner Heuchelei wurde durch die ausdrückliche französische Einladung an einen Mann deutlich, dessen Anwesenheit nun wahrlich niemand anders denn als Hohn empfinden sollte: Mahmud Abbas, persönlich eingeladen von Präsident Hollande – sonst wäre er gar nicht gekommen.

Alleine dadurch hatte er schon allen Grund zur Freude. Es kommt aber noch besser. Denn warum bekam er die Einladung überhaupt?

Ganz einfach: Weil Benjamin Netanyahu seine Teilnahme angesagt hatte. Ursprünglich hatte der israelische Premier das gar nicht vor(aus Sicherheitsgründen). Dann überlegte er, ob er nicht doch kommen sollte. Daraufhin bekam er aus Frankreich gesagt, er möge bleiben, wo er war. Wenn er käme, würde das „entzweiend“ sein. Dem gab Bibi erst nach. Dann erfuhr er, dass Avigdor Lieberman und Naftali Bennett teilnehmen würden – politische Rivalen, die damit punkteten, wenn er nicht auch mitzog. Also sagte er den Franzosen, dass er käme. Daraufhin drohte Paris, Abbas werde auch eingeladen. Und so kam es. Außerdem wurden pressewirksame Treffen mit dem Fatah-Führer durchgeführt. Und keiner hatte etwas dagegen, dass der Typ sich in die erste Reihe schmuggelte, wo er herzlichst von Frau Merkel bemerkt wurde.

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Noch mehr wird dem Terrorführer gefallen haben, wie die Franzosen sonst noch mit Netanyahu umgesprungen sind. Nach Angaben der Tunis Tribune auf ihrer Facebook-Seite fuhren gleich zwei Busse los zum Marché Républicaine, ohne den Israeli einsteigen zu lassen.

In der Le Monde fand sich eine Liste der Staatsgäste. Darauf waren erst einmal alle Staats- und Regierungschefs samt ihres Staates verzeichnet; sogar der Mann ohne eigenen Staat wurde als „Präsident Palästinas“ aufgeführt. Direkt davor gab es einen, der hatte keinen Staat: „Benyamin Nétanyahou, avec son chef de la diplomatie, Avigdor Lieberman“.

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Israel? Was ist das? Inzwischen ist das bei Le Monde korrigiert und auch Naftali Bennett kommt darin vor. Fragt sich, ob das auf die Kappe von Le Monde geht oder die französische Regierung dafür verantwortlich war. Doch auch die korrigierte Fassung hat ein Problem:

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Was fällt auf? Zweite Reihe von unten, zweiter rechts: Avigdor Lieberman, Außenminister. Zwischen all den Regierungschefs. Nicht Netanyahu unter den ganze Premierministern, Kanzlern und Präsidenten. Nett…

Die Tunis Tribune hat übrigens noch ein Ding auf Lager: Gleich nach dem Satz mit den Bussen schreibt sie, dass Reporter ohne Grenzen (RSF) empört war und sich entsprechend äußerte: „Anwesenheit von Unterdrückern der Meinungsfreiheit“ aus Ländern wo Journalisten und Blogger systematisch unterdrückt werden. Ob das jetzt von den Tunesiern so zusammengerückt wurde oder die Reporter ohne Grenzen sich auf die Israelis bezogen, muss wohl offen bleiben (außer jemand hat die Original-Stellungnahme der RSF und sieht mal nach.

Und auch Präsident Holland setzt noch einen drauf: Neben Netanyahu war noch eine weiter Person absolut unwillkommen – und diese konnte man auch einfach von der Veranstaltung verbannen – Marine LePen vom rechtsextremen Front National. Das könnte uns einiges darüber sagen, wo Holland und Konsorten Netanyahu verortet sehen wollen.

Wundert es, dass der Finanzier des Attentats bei den Olympischen Spielen von München und Doktor der Holocaust-Leugnung so viel Spaß hatte? Ganz abgesehen davon, dass die Welt ihn als Friedensengel und Moderaten mitmachen ließ, obwohl er genau solche Leute, gegen die angeblich die ganze Welt hier angeblich zu Felde zog, Zuhause als Helden und Vorbilder feiert? Dass seine Anwesenheit ein Hohn für den angeblichen Sinn der Veranstaltung war? Viel mehr konnte man nicht als Terrorchef nun wirklich kaum erwarten. Zum Glück war das Ganze eine Schweige-Veranstaltung, sonst hätte der Lügenbaron noch eine Rede halten müssen. Da wäre er vor Lachen vermutlich umgefallen…