Hitlers palästinensischer Verbündeter: der Großmufti Amin Al-Husseini

Akiva van Koningsveld, HonestReporting, 10. Februar 2021

Obwohl weniger bekannt ist als sein entfernter Cousin, der PLO-Gründer Yassir Arafat, spielte Jerusalems Großmufti Haddsch Amin al-Husseini (1897 – 1974) eine herausragende Rolle im Palästina vor 1948. Als einer der „Gründerväter“ des palästinensischen Nationalismus bleibt Al-Husseini eine in der palästinensischen Gesellschaft respektierte Persönlichkeit.

Der Großmufti – von PA-Präsident Mahmud Abbas als „Held“ und „Pionier“ gepriesen – gewann den Großteil seines berüchtigten Rufs allerdings als Nazi-Kollaborateur. Während des Zweiten Weltkriegs diente der Kleriker als arabischer Verbündeter und Propagandist des Dritten Reichs in Berlin; dort setzte er seine Kampagne antisemitischer Hetze fort, die er in Palästina begonnen hatte.

Amin al-Husseini: Schüren der Flammen judenfeindlicher Stimmung

Mohammed Amin al-Husseini wurde während der osmanischen Herrschaft über Palästina in eine wohlhabende und einflussreiche Familie geboren und sollte eine bedeutende Persönlichkeit in der palästinensischen Geschichte werden. Männliche Mitglieder seiner Familie hatten seit dem 18. Jahrhundert religiöse Schlüsselposten in Jerusalem inne. Die Familie hatte großen politischen Einfluss: Mehr als ein Drittel der Bürgermeister Jerusalems von 1877 bis 1914 waren Mitglieder des Husseini-Clans.

Amins Vater, der Mufti Mohammed Tahir al-Husseini, war einer der frühen lautstarken Gegner des Zionismus. Seine Bemühungen überzeugten 1897 den örtlichen Vertreter Konstantinopels den Verkauf von Land an Juden mehrere Jahre einzustellen. Im selben Jahr schlug er vor, dass die jüdischen Zuwanderer „vor der Vertreibung aller ausländischen Juden, die sich seit 1891 in Palästina neiderließen, terrorisiert“ werden.

Amin al-Husseini trat in die Fußstapfen seines Vaters und wurde im Alter von 20 Jahren in den arabischen Widerstand gegen den Zionismus involviert. Nachdem die Briten nach dem Ersten Weltkrieg die Kontrolle über Palästina übernahmen, organisierte er Kundgebungen gegen die Balfour-Erklärung. Eine seiner Reden schürte am 4. April 1920 die Flammen judenfeindlicher Stimmung, was in gewalttätigen Krawallen mündete. Als der Staub sich nach vier Tagen legte, waren fünf Juden und vier Araber tot. Weitere 211 Juden und 33 Araber blieben verletzt zurück.

Aus Angst vor Verhaftung für seinen Anteil an der Initiierung der Krawalle floh al-Husseini nach Syrien. Tatsächlich verurteilte ihn ein britisches Militärgericht zu zehn Jahren Gefängnis. Die Briten begnadigten ihn allerdings, was den Weg für seine Rückkehr nach Jerusalem ebnete. Nur wenige Monate später, nach dem Tod seines Bruders, krönte der britische Hochkommissar Sir Herbert Samuel Amin al-Husseini zum Mufti von Jerusalem. Als ein Jahr später der oberste Muslimrat gegründet wurde, wurde er dessen Präsident, was ihm den Titel des Großmuftis einbrachte.

Die Briten glaubten, die Ernennung des jungen al-Husseini zum Großmufti, dem höchsten religiösen Amt, sei ein Weg in Jerusalem den Frieden zu erhalten. In einem Memorandum mit Datum vom 11. April 1921 berichtete Sir Herbert Samuel von einem Gespräch mit dem vorgeschlagenen Mufti:

„Er versicherte, dass der Einfluss seiner Familie und er selbst sich der Beibehaltung der Ruhe in Jerusalem verpflichtet seien und er fühle sich sicher, dass dieses Jahr keine Störungen zu befürchten seien. Er sagte, dass die Krawalle des letzten Jahres spontan und nicht vorbereitet gewesen seien.“

Geschichtsbücher zeigen, dass der Großmufti es versäumte seine Versprechen einzuhalten. Während seiner 15-jährigen Amtszeit stachelte al-Husseini zu gewalttätigen Kampagnen gegen jüdische Zivilisten und britische Beamte auf, die heftigsten waren die Krawalle von 1929 (zu denen das Massaker von Hebron gehörte) und der arabische Aufstand von 1936 bis 1939.

Der letzte Aufstand ließ die britische Polizei im Juli 1937 einen Haftbefehl für den Großmufti ausgeben. Nachdem er drei Monate lang im Felsendom Zuflucht gesucht hatte, floh al-Husseini erneut aus Palästina, diesmal in den Libanon. Seine Titel wurden ihm von den Briten aberkannt, bei den Arabern war er aber immer noch beliebt; von Exil in Beirut aus ermutigte der Rebellenführer weiter zu judenfeindlicher und britenfeindlicher Gewalt.

Der Mufti und Adolf Hitler

Allerdings gewann Amin al-Husseini den größten Teil seines berüchtigten Rufs, nachdem er das  Mandat Palästina verließ. Auf die Geschichte des relativ unbekannten Palästinenserführers wurde die internationale Presse 2015 aufmerksam, als der israelische Premierminister Netanyahu in einer Rede behauptete, al-Husseini habe Hitler zur Planung des Holocaust inspiriert.

Obwohl Holocaust-Forscher Netanyahus Version der Geschichte  widerlebten und Deutschland eine scharfe Rüge zu Netanyahus Anmerkungen ausgab, stimmen Experten zu, dass der Mufti bereits Unterstützung von ranghohen Vertretern des Dritten Reichs erhielt, als er sich noch in Jerusalem befand. Seine Kontakte zu Nazideutschland reichten bis 1933 zurück. Kaum zwei Monate, nachdem Hitler die Macht übernahm, traf sich Amin al-Husseini mit dem deutschen Konsul in der Heiligen Stadt. Bei dem Treffen sprach er beifällig von der judenfeindlichen Politik der Nazis und übermittelte seine Sorgen über die Zunahme der jüdischen Einwanderung aus Deutschland nach Palästina. Der deutsche Konsul fasste das Treffen wie folgt zusammen:

„Der Mufti machte mir gegenüber detaillierte Angaben dahingehend, dass Muslime innerhalb und außerhalb Palästinas das neue Regime in Deutschland begrüßen und auf die Verbreitung der faschistischen, antidemokratischen Führung in andere Länder hoffen.“

1939, nach einer weiteren Flucht, zog der Mufti vom Libanon in den Irak. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, stellte er sich eindeutig auf die Seite der Nazis, hoffte ihre Unterstützung für arabischen Nationalismus und die Vertreibung von Juden aus dem Nahen Osten sicherzustellen. In Bagdad unterstützte er im April 1941 einen deutschenfreundlichen Staatsstreich. Er zettelte auch ein Pogrom gegen die lokale jüdische Gemeinde an (den Farhud, von einigen „Iraks Kristallnacht“ genannt), während er gleichzeitig Nazi-Propaganda verbreitete. Im Gegenzug erhielt er finanzielle Unterstützung aus Berlin sowie Gelder aus dem faschistischen Italien.

Der Putsch scheiterte und al-Husseini zog weiter, ins von den Nazis besetzte Europa. Nach einem Zwischenstopp in Italien kam er im November 1941 in Berlin an. Einmal in Deutschland angekommen, boten die Nazis dem Großmufti mehrere Residenzen und ein monatliches Gehalt von 90.000 Reichsmark (zu einer Zeit, als die meisten Deutschen Berichten zufolge ein Jahreseinkommen von weniger als 1.500 Reichsmark hatten). „Die gewaltige Höhe von Husseinis Monatsgehalt deutet die Bedeutung an, die das Nazi-Regime ihm und seinem Gefolge zumaß“, machen Forscher geltend.

Während seines vierjährigen Aufenthalts in Berlin arbeitete der Mufti eng mit höchsten Vertretern des Dritten Reichs zusammen. Unter anderem traf er sich mit Außenminister von Ribbentrop und Adolf Eichmann, der für die Deportation der Juden in Vernichtungslager zuständig war. Al-Husseini hatte zudem mehrere Treffen mit SS-Chef Heinrich Himmler, dem Hauptarchitekten des Holocaust. 1943 schrieb der SS-Reichsführer al-Husseini einen Brief, in dem er die „jüdischen Eindringlinge“ beklagte und ihm seine „herzlichsten Grüße für die glückliche Durchführung Ihres Kampf [bis zum Endsieg]“ schickte.

Am 28. November 1941, nur wenige Wochen nach seiner Ankunft in der deutschen Hauptstadt, lud Adolf Hitler Haddsch Amin al-Husseini in sein Büro ein. Dieser erklärte dem Führer, dass die Araber Deutschlands „natürliche Freunde“ seien, weil sie dieselben Feinde wie Deutschland hätten: „die Engländer, die Juden und die Kommunisten“.

Die offizielle Mitschrift des Treffens besagt, dass Hitler dem Mufti versicherte, er werde „den Kampf zur totalen Vernichtung des jüdisch-kommunistischen Imperiums in Europa“ fortführen. Schließlich, wenn die deutsche Armee den Südausgang des Kaukasus erreichten würde, würde der Führer „der arabischen Welt zusichern, dass seine Stunde der Befreiung gekommen sei“ und dass „das unter dem Schutz der britischen Macht im arabischen Bereich hausende jüdische Element“ vernichtet wird.

Haddsch Amin al-Husseini inspiziert eine Einheit muslimischer Bosniaken im Dienst der Nazis (Fotoarchiv von Yad Vashem)

In seinen Jahren in Berlin trug al-Husseini sogar noch stärker zu den Kriegsanstrengungen der Nazis bei. Er rekrutierte und organisierte bosnisch-muslimische Bataillone für die Waffen-SS und versuchte die Achsenmächte zu überzeugen Tel Aviv zu bombardieren. Der Nazijäger Simon Wiesenthal unterstellt, dass der Mufti auch die Todeslager Auschwitz und Majdanek besuchte, aber Historiker haben diese Behauptung bestritten. Ein niederländischer Augenzeuge beschrieb jedoch, dass er den Mufti 1943 in Monowitz sah, einem Arbeitslager, das Teil von Auschwitz war.

Darüber hinaus setzte der Mufti seine rabiate antisemitische Hetze über Sendungen von Radio Berlin bis zum Ende des Krieges fort: „Araber, erhebt euch wie ein Mann und kämpft für eure heiligen Rechte. Tötet die Juden, wo immer ihr sie findet; das gefällt Allah, der Geschichte und der Religion. Das rettet eure Ehre. Allah ist mit euch“, hatte er Zitaten zufolge am 1. März 1944 gesagt.

„Als Held, der mit Hitlers Hilfe den Zionismus bekämpfte“

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs floh Amin al-Husseini nach Ägypten. In Kairo wurde ihm ein Heldenempfang bereitet. Hassan al-Banna, der Gründer der Muslimbruderschaft, bejubelte ihn als einen „Helden, der ein Imperium herausforderte und den Zionismus mit der Hilfe Hitlers und Deutschlands bekämpfte“. Al-Banna verkündete: „Deutschland und Hitler sind Vergangenheit, aber Amin al-Husseini wird den Kampf fortsetzen.“

Al-Husseini wurde zum Führer des Hohen Arabischen Rates und der Volkspartei Palästina gewählt und er sammelte Unterstützung gegen die Teilung des Mandats Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat. Nach Israels Sieg 1948 nahm der politische Einfluss des Muftis allerdings stark ab. Er starb 1974 in Beirut, ohne jemals wegen seiner Verbrechen vor Gericht gestanden zu haben. Obwohl allein schon seine Propaganda-Sendungen eine Anklage bei den Nürnberger Prozessen gerechtfertigt hätte, entging er der Gerechtigkeit.

„Während Husseinis Einfluss auf die Entscheidungsfindung der Nazis beschränkt war, war seine Bedeutung für das Nazi-Regime beachtlich“, schlossen Experten zu deutscher Geschichte. Als einflussreicher arabischer Führer und Nazi-Propagandist war ein Komplize beim systematischen Mord an Juden während des Zweiten Weltkriegs. Trotzdem bleibt er bei den Palästinensern eine verehrte Persönlichkeit. Der Großmufti wird in Schulbüchern immer noch positiv dargestellt und Kinder werden gelehrt zu ihm als Held aufzuschauen.

„Die Beweise für seine Kollaboration mit den Nazis wurde entweder vergessen, ignoriert oder als eine Form gerechtfertigten Antikolonialismus im Verbund mit Nutzen, nicht gemeinsamer ideologischer Leidenschaft gegen einen gemeinsamen Feind gerechtfertigt“, schrieb Prof. Jeffrey Herf, führender Wissenschaftlicher in diesem Bereich, 2014.

Bild: Heinrich Hoffmann Collection/Wikipedia

Totalitäre Gesellschaft, totalitärer Staat

Wir rutschen – vielleicht ist das der falsche Ausdruck, denn das ist weniger ein Rutsch, als ein sehr gesteuertes Agieren – in den Totalitarismus. Dafür gibt es subtile Anzeichen, aber auch eklatant offene Belege.

Zu den subtileren Anzeichen gehört ein Sprachgebrauch, der unnötig ist, aber immer weiter durchgesetzt wird. Wir kennen politisch korrekte, umständliche bis monströse Wortkonstrukte aus totalitären Staaten wie der DDR. „Weihnachtsengel“ durfte es dort nicht geben, das waren „Jahresendflügelfiguren“. Solche Ungetüme werden heute noch weit übertroffen und selbst die werden immer noch wieder geändert, damit sie „besser“, „korrekter“ werden. So reicht inzwischen selbst „Mensch mit Migrationshintergrund“ nicht mehr, das muss – jedenfalls im offiziellen Berlin – jetzt „Mensch mit internationaler Geschichte“ heißen; aus der Zigeunersoße wird „Soße ungarischer Art“ gemacht; „Ausländer“ ist pöhse und verpöhnt, das heißt jetzt – jedenfalls im offiziellen Berlin – „Einwohnende ohne deutsche Staatsbürgerschaft“. Der Trend wird klar, oder?

Die Vehemenz, mit der solche sprachlichen Verunstaltungen vorangetrieben werden, ist das nächste Zeichen, das zeigt, dass es hier nicht um Demokratie oder Gerechtigkeit geht, sondern wir in den Totalitarismus marschieren. Gleiches gilt dafür, dass es diese Verunstaltungen überhaupt gibt, ohne dass sie als so lächerlich bezeichnet werden, wie sie sind. Das nächste Zeichen ist der Einzug dieser Formulierungsungetüme in die Bürokratie.

Die Entwicklung im Zusammenhang mit „Menschen mit internationaler Geschichte“ ist ähnlich wie die mit der vorwiegend afrikanischstämmigen farbigen Bevölkerung, früher vor allem in den USA, heute auch in Europa. Die Neger – damals ein neutrales Wort, das eine Hautpigmentierung beschrieb und nicht mit dem Schimpfwort mit den zwei g in der Mitte verwechselt werden sollte – wurden zu Schwarzen; dann war das auch falsch und es wurden „african Americans“ daraus. Heute ist das zu „People of Color“ weiterentwickelt worden. Ein Weißer darf nicht mehr „schwarz“ sagen, die „people of color“ aber offenbar sehr wohl, sonst könnte die Bewegung, die in den USA haufenweise Innenstädte in Schutt und Asche gelegt und jede Menge kleine Geschäftsleute in den Ruin getrieben hat, sich nicht „Black Lives Matter“ nennen – außer sie beziehen sich tatsächlich ausschließlich auf dunkel pigmentierte Menschen, die ihre Herkunft auf Afrika zurückführen können. Warum heißt es nicht „People of Colors Lives Matter“?

All dieser sprachliche Irrsinn geschieht in totalitären Staats- bzw. Gesellschaftsgebilden (bzw. in solchen, die sich auf dem Weg dahin und kurz davor befinden). Freie Menschen tendieren dazu sich einfach statt in krampfhaften Gebilden auszudrücken und dabei nicht zwanghaft überkandidelte Interpretationen hineinzulesen, die völlig unsinnig nach Diskriminierungen und Beleidigungen suchen, die da nicht vorhanden sind, sondern auf Teufel komm raus hineingelesen werden, um die Menschen nach ideologischen Vorgaben umzuerziehen.

Das spielt sich mehr oder weniger auf der gesellschaftlichen Ebene ab. Der Staat spielt da auch eine wichtige Rolle, weil er über die Bürokratie viel davon durchsetzt. Die eigentlichen politischen Steuerungen in den totalitären Staat laufen anders. Ein Beispiel dafür hat gerade erst Angela Merkel geliefert, als sie in ihrer Pressekonferenz nach dem Impfgipfel mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer sagte: „Solange es nach wie vor so ist, dass nur ein kleiner Teil der Menschen geimpft ist, wird es keine neuen Freiheiten geben.“

„Keine neuen Freiheiten“, sagte sie. Tatsächlich. Und welche neuen Freiheiten meinte sie damit? Einzig Freiheiten, die in einer Demokratie seit Jahrzehnten, wenn nicht länger Selbstverständlichkeiten sind. Also mitnichten „neue“ Freiheiten, sondern längst etablierte, die sie uns genommen hat und offenbar nicht wiedergeben will. Wie kann es sein, dass sie von „neuen Freiheiten“ redet, die selbstverständlich waren und alles andere als „neu“? Weil wir auf gewaltig auf dem Weg in den Totalitarismus sind. Solche schon orwell’schen Ankündigungen sind deutlich.

Wollen Sie noch einen Beleg? Bitter, hier ist er: Dieser Totalitarismus braucht immer auch mindestens einen Sündenbock. In unserem Fall sind es die „alten weißen Männer“, was sich nicht auf alte weiße Männer beschränkt, sondern durchaus alle Weißen einschließt, nicht nur, aber vor allem wenn sie nicht kuschen. Heute sind die „alten weißen Männer“ qua Existenz rassistische Unterdrücker, weil sie weiß sind, insbesondere als Männer. Sie dürfen nichts mehr, vor allem keine abweichende Meinung haben. Beschwert sich einer davon, dass er diskriminiert würde oder dass diese Kategorisierung ungerecht oder Blödsinn ist, gilt das als Beweis dafür, dass er ein rassistischer Unterdrücker ist.

Das dürfen jetzt aktuell die Teilnehmer einer „Die letzte Instanz“-Talkrunde des WDR erleben. Diese hatten sich so geäußert, dass u.a. die Verwendung von „Zigeunersoße“ zu verbieten oder Witze darüber zu machen ziemlicher Unsinn ist. Vor allem Janine Kuntze hat ihren überbordenden Shitstorm, weil sie das sehr treffend damit begründete und ein Beispiel anführte – solle sie sich als „blonde Frau mit relativ großer Brust“ jetzt auch über alles Mögliche mokieren, fragte sie in Anspielung auf Blondinenwitze. Das geht ja nun gar nicht, hieß es in den asozialen Medien, dass 4 Weiße sich darüber auslassen, was geht und was nicht, war der Tenor.

Warum nicht? Es spielt doch keine Rolle, welche Hautfarbe jemand hat, der den Schwachsinn nicht mitmacht, denn Farbige, die sich dem entgegenstellen erleben dasselbe. Das war ganz klar während und nach einer Sendung von Frank Plasberg zu sehen, der kurz einen schwarzafrikanischen Koch in einer Sendung dazu reden ließ (er war kein Teilnehmer der Diskussionsrunde!), der in Kiel ein Restaurant namens „Zum Mohren“ betreibt und das überhaupt nicht schlimm findet, sondern sich über Leute aufregte, die sich über den Restaurant-Namen echauffierten, dafür aber nicht glauben wollten, dass er der Inhaber des Restaurants ist. „DAS war rassistisch“, stellte der Mann fest – nur um sich hinterher von weißen Snowflake-Typen erklären lassen zu müssen, dass er ja völlig auf dem falschen Dampfer sei.

Dieser Vorfall ist nur einer von vielen, die demonstrieren, dass es diesen Antidiskriminierern mitnichten um Gleichberechtigung, Ende von Rassismus oder sonstige hehre Ziele geht, sondern um Macht, Deutungshoheit und darum Andersdenkende zu unterjochen. Kennzeichen des Totalitarismus.

Anmerkung zum Internationalen Holocaust-Gedenktag

gefunden auf twitter:

#WeRemember ein Tag, an dem man so manchen betroffenheitsbesoffenen Politiker fragen möchte, ob es ihm tatsächlich um den Schutz jüdischen Lebens geht oder darum, sich medienwirksam als „Judenfreund“ darzustellen. Die Diskrepanz zwischen Worten und Taten ist unerträglich!

Deutschlands Kämpfe zwischen Licht und antisemitischer Dunkelheit

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die angezeigten antisemitischen Berichte in Deutschland nehmen weiter zu. Ihre Zahl ist inzwischen sehr beträchtlich.[1][2] Viele weitere antisemitische Vorkommnisse bleiben außerhalb des Auges der Öffentlichkeit. Probleme bezüglich Juden, Israel, der Wahrnehmung des Holocaust und vieler andere, damit in Verbindung stehender Themen spielen 75 Jahre nach dem Ende des deutschen Völkermords weiterhin eine sehr wichtige Rolle im Land.

Das sind komplexe Dinge, die sehr schwer einzuschätzen sind. Es hilft, spezielle Analysemittel einzusetzen, um bessere Einblicke in die Entwicklung einiger der oben erwähnten Themen zu erhalten. Angesichts der alles andere als moralisch verdauten massiv völkermörderischen Vergangenheit Deutschlands könnte eine Art das zu tun darin bestehen, die Lage als Kampf zwischen zwei Kategorien von Enkelkindern der Generation anzusehen, die den Völkermord beging: Diejenigen, die das Licht und diejenigen, die die antisemitische Dunkelheit repräsentieren. Über diesen Ansatz kann man über Leben und die indirekten Folgen der kriminellen Mentalität der Generation der Großväter bei einer Vielzahl der deutschen Menschen und Belange des deutschen Volks besser verstehen.

Einige Teile dieses Kampfes sind gut sichtbar. Andere finden auf verschiedenen Ebenen unter der Oberfläche statt. Wieder andere fallen in beide Kategorien und sind eher grau als schwarz/weiß. Die vorherrschende deutsche politische Haltung – die auch in vielen Medien zum Ausdruck kommt – besteht darin die Dinge vereinfacht darzustellen. Es ist einfach zu erklären, dass zu den dunklen Enkeln erst einmal die Rechtsextremen gehören. Sie haben einen Teil der Überzeugungen und Einstellungen direkt von den Nazis übernommen.

Eine solche Analyse wird ziemlich rasch schwierig. Alle anderen Parteien im Parlament lehnen es ab mit der rechtsextremen AfD zusammenzuarbeiten. Eine kritischere und detailliertere Bewertung offenbart jedoch, dass die AfD – weitgehend – aus zwei Strömungen besteht. Diese sind unvereinbar, sie hätten zwei Parteien bilden müssen und könnten sich immer noch trennen. Ihr rechtsextremer Flügel befindet sich eindeutig nahe an den Enkeln der Dunkelheit.

Es ist jedoch schwierig zu behaupten, dass der moderate Teil der AfD für Juden problematischer ist, als zum Beispiel die SPD-Jugendorganisation, die Jusos. Auf ihrem Kongress im November 2020 nahmen Letztere einen Text an, mit sich ihre Bewegung mit der Fatah-Jugend identifiziert, die Israel nicht anerkennt.[13] Deutschland ist das einzige europäische Land, das in der gerade veröffentlichten Liste des Simon Wiesenthal Centers (SWC) mit den zehn wichtigsten antisemitischen Vorfällen weltweit im Jahr 2020 große Aufmerksamkeit erhielt.[4] Die Jusos sind dort mit aufgeführt, die AfD nicht.

2011 veröffentlichte die Universität Bielefeld eine Studie für die sozialdemokratische Friedrich-Ebert-Stiftung. Aus diesem Bericht kann man schließen, dass mindestens 150 Millionen EU-Bürger im Alter ab 16 Jahren dämonische Sichtweisen zu Israel hegen. Die Studie wurde in sieben europäischen Ländern durchgeführt. Die Forscher befragten im Herbst 2008 eintausend Menschen pro Land im Alter über 16 Jahren.

Mit einer der gestellten Fragen wurde eruiert, ob sie der Aussage zustimmen, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führt. Den niedrigsten Anteil derer, die zustimmten, gab es in Italien und den Niederlanden mit jeweils 38% und 39%. In Deutschland lag der Anteil bei 48%.[5] Indem sie die kriminelle deutsche Einstellung ihrer Großvater-Generation auf den jüdischen Staat projizieren, gehört fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung in die Kategorie der antisemitischen Dunkelheit. Hierbei spielten die Texte einer Vielzahl der deutschen Medien eine Rolle, dass dies möglich wurde.

Auf der Seite der Enkel des Lichts gibt es die Organisationen, die den Antisemitismus bekämpfen. Eine wichtige Rolle spielen auch die Antisemitismus-Beauftragten der Bundesländer und verschiedener zivilgesellschaftlicher Institutionen. Insbesondere der Antisemitismus-Beauftragte des Bundes, Felix Klein, ist bei der Bekämpfung der vielen Erscheinungsformen des Judenhasses in Deutschland sehr aktiv.

Auf Regierungsebene erreicht man schnell Grauzonen. Es ist unmöglich die CDU-Bundeskanzlerin voll in die Kategorie der Enkel des Lichts einzuordnen.[6]* Während ihrer Kanzlerschaft hat sie große Anstrengungen unternommen, damit sich ihr Land und Israel näher kommen. Andererseits war sie 2015 die treibende Kraft hinter dem Zustrom von mehr als einer Million Muslimen ohne zu überprüfen, ob sie Antisemiten sind.[7] Wir wissen heute aus Studien, dass die Hälfte von ihnen Antisemiten sind.

Der stellvertretende Dekan des Simon Wiesenthal Centers, Rabbi Abraham Cooper, argumentiert, dass Deutschlands wiederholt erklärte staatliche Verantwortung gegenüber den Juden und Israel 75 Jahre nach Auschwitz durch Politik und Handeln widerlegt wird, weil diese das jüdische Volk im Inland und in Israel in Gefahr bringen. Er sagte, SPD-Außenminister Heiko Maas mag zwar behaupten, er sei wegen Auschwitz in die Politik gegangen, das habe aber keinen Einfluss auf Deutschlands fortbestehende Beziehung zum Regime des Iran gehabt, das Völkermord-Absichten gegenüber Israel hegt.[8]

Eine neue, sehr umstrittene Entwicklung ergab sich im Dezember. Mehr als 30 Direktoren führender deutscher Theater und Stiftungen gaben eine gemeinsame Erklärung aus, die sich gegen die Anti-BDS-Resolution des Bundestags vom Mai 2019 richtet. Letztere erklärte, dass die Bewegung für Boykott, De-Investition und Sanktionen einen antisemitischen Charakter hat und der Staat keine Unterstützung für finanzieren oder Räume für mit ihr verbundene Projekte zur Verfügung stellen sollte.

Nach Angaben der israelischen Tageszeitung Ha’aretz trafen sich die Teilnehmer, die die Erklärung des kulturellen Sektors abgaben, über ein Jahr lang einmal im Monat, um diese Stellungnahme auszuarbeiten.[9] Es ist leicht zu erkennen, wie deformiert der Geist dieser Unterzeichner ist. Wie kommt es, dass bei diesen Treffen niemand fragte, warum fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung das extreme Böse des historischen Nationalsozialismus auf das gegenwärtige Israel projiziert? Und wenn es jemanden in der Gruppe gab, der das in Frage stellte, wurde er oder sie offenbar unterdrückt.

Die Antwort auf diese Frage ist einfach. Die Initiative der kulturellen Dunkelmänner und -frauen gibt dem dunklen Geist dieses Teils der Enkel der Völkermord-Verbrecher Ausdruck. Viele führende Kultur- und Kunstschaffende folgten Hitler und dem Nationalsozialismus, weil das in der damaligen Zeit Mode war. Viele führende Kulturschaffende folgen der heutigen Mode der freien Meinungsäußerung, schweigen aber gleichzeitig zu dem, was an antisemitischen Hass-Überzeugungen großer Teile der deutschen Gesellschaft falsch ist. Das ist heute in Mode. Durch ihr Coming out gegen den Anti-BDS-Beschluss des Bundestags mit gleichzeitigem Schweigen zur massiven und extremen Dämonisierung Israels in Deutschland haben sich diese führenden Kulturschaffenden moralisch schuldig gemacht.

Seit der Veröffentlichung hat die Zahl der Unterstützer dieser Erklärung enorm zugenommen.[10] Die ursprünglichen Unterzeichner mitgerechnet, darunter z.B. das Goethe-Institut, die Kulturstiftung des Bundes, das Deutsche Theater Berlin, der Kunstprogramm des DAAD,[11] die Berliner Festspiele – ein Gremium, das eine Vielzahl Festivals für darstellende Künste unterstützt – und so weiter. Ha’aretz behauptet, dass ihre Leiter sich aus einer Gruppe ranghoher Personen zusammensetzt, deren Einfluss in der deutschen Kulturwelt nicht überschätzt werden kann.[12]

Deutsche Bekundungen antisemitischer Dunkelheit haben auch oft jüdische Unterstützer. In diesem Fall ist eine davon Susan Neiman, Direktorin des Einstein-Forums in Potsdam.[13] Es wird selten gesagt, aber Deutschland ist die für das Handeln jüdischer Masochisten, Selbsthasser und antiisraelischer Juden vorteilhafteste Demokratie.[14][15]

In ihrer Erklärung dankten die Leiter der Kulturinstitutionen mehreren Personen, die ihnen halfen. Dazu gehörten Stephan Detjen, ein altgedienter Korrespondent des Deutschlandfunks,[16] die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann[17] und Andreas Görgen, Leiter der Abteilung für Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt.[18] Dessen Name steht auch auf der SWC-Liste der Top Ten der antisemitischen Vorfälle 2020.

Diese drei Personen befürworteten auch die Einladung von Achille Mbembe, einem afrikanischen Antisemiten und extrem antiisraelischen Hass-Verbreiter, der die Eröffnungsrede der Ruhr-Triennale halten sollte. Als das Festival wegen der Pandemie abgesagt wurde, kam es dazu nicht.[19]

Auch viele andere Dinge werden deutlich. Wenn man Entwicklungen mit dem Mittel von Licht und Dunkel analysiert, wird deutlich, dass es kein Zufall ist, dass Berlin zur Hauptstadt des europäischen Antisemitismus geworden ist, eine Rolle, die es von Schwedens drittgrößter Stadt Malmö übernommen hat.[20] Es ist auch kein Zufall, dass das Jüdische Museum Berlin unter seinen zwei ersten Direktoren extrem antiisraelische Juden zu Vorträgen einlud. Die amerikanisch-jüdische Selbsthasserin Judith Butler konnte auf viel Applaus eines vollen Saals im Museum zählen, als sie dort zum Boykott Israels aufrief.[21]

In Deutschland hat es Jahre lang Diskussionen darüber gegeben, ob man einen Schlussstrich unter den Holocaust ziehen kann. Jetzt scheint es so, als ob in der deutschen Gesellschaft noch auf Jahrzehnte hinaus dieser Völkermord und seine vielen davon abgeleiteten Motive weiterhin in zahlreichen Formen auftreten werden.

* Anmerkung heplev: Die „dunkle“ Seite der Regierung Merkel zeigt sich auch in ihrem Abstimmungsverhalten in der UNO, die jeder Beteuerung der Sicherheit des Staates Israel als deutscher Staatsräson Hohn spricht.


[1] www.dw.com/en/germany-anti-semitism-despite-remembrance-culture/a-53360634 ;  www.dw.com/en/germany-antisemitsm-crimes/a-53583839

[2] http://www.foreigner.fi/articulo/world/watchdog-concerned-about-anti-semitism-among-muslim-pupils-in-german-schools/20201230085654009790.html

[3] http://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/antisemitismus-bei-den-jusos-spd-nachwuchs-solidarisiert-sich-mit-israel-hassern-74208228.bild.html

[4] http://www.wiesenthal.com/about/news/top-ten-2020.html

[5] Library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf

[6] www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/287704

[7] www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/286273

[8] https://blogs.timesofisrael.com/are-the-sands-of-time-draining-germany-of-holocaust-memory-and-responsibility; http://www.jpost.com/international/german-foreign-minister-ignoring-lessons-of-auschwitz-supports-iran-598755

[9] http://www.haaretz.com/israel-news/.premium.HIGHLIGHT.MAGAZINE-in-germany-a-witch-hunt-rages-against-israel-critics-many-have-had-enough-1.9362662

[10] http://www.fdd.org/analysis/2020/08/21/boykott/

[11] Deutscher Akademischer Austauschdienst

[12] www.welt.de/debatte/kommentare/article222235952/Theater-gegen-BDS-Resolution-Ein-klarer-Fall-von-demokratischem-Antisemitismus.html

[13] http://www.deutschlandfunkkultur.de/aleida-assmann-und-susan-neiman-zur-causa-mbembe-die-welt.974.de.html?dram:article_id=475512

[14] https://taz.de/BDS-Diskussion-in-Goettingen/!5657615/

[15] www.jns.org/opinion/the-bundestag-bds-and-ex-pat-israelis-in-berlin/

[16] https://www.deutschlandfunkkultur.de/streitgespraech-mbembe-und-der-antisemitismus-vorwurf.2950.de.html?dram:article_id=477439

[17] http://www.goethe.de/prj/lat/en/dis/21874221.html

[18] http://www.jpost.com/bds-threat/german-diplomat-tweets-to-defend-advocate-of-holocaust-trivializationbds-625620

[19] besacenter.org/perspectives-papers/achille-mbembe-antisemitism/

[20] https://heplev.wordpress.com/2019/02/18/berlin-europas-hauptstadt-des-antisemitismus/ (Englisch: https://besacenter.org/perspectives-papers/berlin-antisemitism/)

[21] www.jpost.com/Jewish-World/Jewish-Features/Israel-rips-Jewish-Museum-for-pro-boycott-speaker

Der Demokratie-Marshallplaner

wird zurecht durch den Kakao gezogen:

Wie Deutschland die jüdischen Organisationen weltweit austrickste

Die Bundestags-Resolution zur Kennzeichnung der Bewegung Boykott, De-Investitionen und Sanktionen als antisemitisch könnte auf dem Papier als lobenswert erscheinen, aber er hat in der Praxis null juristische Gültigkeit.

Eldad Beck, Israel HaYom, 5. Januar 2021

Als das deutsche Parlament die Bewegung Boykott, De-Investitionen und Sanktionen als antisemitisch kennzeichnete, gewann es das Lob jüdischer Organisationen weltweit.

Aber trotz der Bedeutung des Schritts, der viele weitere europäische Länder dazu veranlasste ähnliche Entscheidungen zu treffen, blieb die Tatsache verborgen, dass der Beschluss keine juristische oder praktische Gültigkeit hatte. Er war lediglich eine Empfehlung.

Neben der Tatsache, dass viele linke Seiten im Bundestag gegen die Entscheidung stimmten, bestand der Zweck der Initiative darin einen radikaleren Vorschlag von Rechts zu blockieren, der ein komplettes Verbot von BDS-Aktivitäten in Deutschland forderte.

Die Abstimmung erntete sofortige öffentliche Kritik von BDS-Anhängern, darunter Israelis, Juden, Journalisten und der ehemalige israelische Botschafter höchstselbst. Sie behaupteten, die Entscheidung sei eine Verletzung des Prinzips der freien Meinungsäußerung. Zudem wurde behauptet, Israel zwinge die deutsche Regierung die Kritiker der Politik der Regierung in Jerusalem zum Schweigen zu bringen, ein Argument, das im Kern antisemitisch ist.

Eine Woche später veröffentlichte der Forschungs- und Dokumentationsdienst des Bundestags eine Stellungnahme, in der es hieß, dass der Beschluss rechtlich gegenstandslos ist.

Und das ist die Art, wie die deutsche Obrigkeit einen genialen Schritt unternahm: Einerseits präsentierten sie sich als Pionier im Kampf gegen Antisemitismus und die Delegitimierung Israels; andererseits fehlt ihrem Entschluss jede praktische Möglichkeit die antisemitische Boykottbewegung zu bekämpfen.

Das ist die Art, wie das gute alte Deutschland immer vorgegangen ist: Seine offizielle Politik erklärt, dass die Existenz und Sicherheit Israels Teil des nationalen Interesses des Staates sei; gleichzeitig unterstützt es antiisraelische Organisationen, von denen man weiß, dass sie Verbindungen zu Terroristen haben und stimmt in der UNO ständig gegen Israel.

Als Ergebnis der indirekten Genehmigung des Forschungs- und Dokumentationsdienstes ist der Antisemitismus in Deutschland zum Teil der freien Meinungsäußerung geworden.

Hätte Israel ein Außenministerium, das tatsächlich das Wohl Israels in den Mittelpunkt stellt, hätte es diese deutsche Heuchelei lange bloßgestellt. Leider ist das nicht der Fall. Israel behauptet offiziell weiter, dass die beiden Länder eine wunderbare Freundschaft teilen.

Europa sieht, dass das Außenministerium Deutschland erlaubt Israel zum Narren zu halten und zieht daraus seine eignen Schlüsse: Was Deutschland Israel im Namen der „aus der Geschichte gezogenen Lektionen“ antun kann, das können sie auch.

Bewirbt sich da einer für die Liste der schlimmsten Antisemiten 2021?

In der FAZ vom 2. Januar sinniert Timo Frasch über Politiker und ihr Verhältnis zur Kamera. Dabei fällt ihm im Zusammenhang mit Verabschiedungen nach Interviews folgendes ein:

Auf eine Geste jedoch wird man nicht so schnell festgenagelt wie auf ein freundliches Wort, das, wenn es zwischen Journalist und Politiker fällt, im Volk schnell Mutmaßungen weckt, dahinter verberge sich ein zionistischer Kinderschänderring. (Hervorhebung hinzugefügt.)

In dem gesamten Text fällt auf, dass a) nur „C“-Politiker (negativ) angeführt werden und es b) ansonsten zu nichts eine Beziehung gibt, das hier das Einbringen von „zionistisch“ irgendwie rechtfertigen könnte. Es gibt keinerlei Beziehung zu irgendetwas, wodurch „Kinderschänderring“ mit einem ideologischen, ethnischen oder sonstigen Adjektiv versehen werden müsste.

Da darf die Frage gestattet sein, wieso dieses Adjektiv – „zionistisch“ – hier verwendet wurde.

Sollte dem mehr oder weniger vielleicht geneigten Leser dazu einfallen, dass Kinderschänderringe offenbar etwas Zionistisches – also Jüdisches – sind? Dass Kinderschänderringe von Zionisten/Juden betrieben werden? Wo sind diese zionistischen Kinderschänderringe bisher aufgedeckt worden? Oder arbeiten sie im Geheimen und wurden bisher nicht entdeckt? Oder gar von den Behörden ignoriert, weil die Juden diese so im Griff haben wie die Banken und die Politik? Mir ist bisher kein solcher „zionistischer Kinderschänderring“ bekannt, auch keine Berichterstattung über einen solchen. Muss an der jüdischen Weltverschwörung liegen…

Hätte Herr Frasch nicht „muslimische Kinderschänderringe“ schreiben können? Oder zumindest „islamistische Kinderschänderringe“? Schließlich gibt es dafür in Großbritannien Beispiele zuhauf. Dann hätte das wenigstens einen Bezug zur Realität, wenn auch nicht zur deutschen Politik in ihrem Verhältnis zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Aber das geht natürlich nicht, Islamophobie ist so verpönt, dass die britischen Behörden Jahre lang die Augen vor den „asiatischen“ Kinderschändern verschlossen. Da kann ein deutscher Redakteur nichts schreiben, was zwar der Realität näher kommt als „zionistischer Kinderschänderring“, aber absolut politisch nicht korrekt ist.

Auch ein „lipperländer Kinderschänderring“, alternativ „ostwestfälischer Kinderschänderring“ (Stichwort Lügde) durfte anscheinend nicht sein. Dabei haben wir im eigenen Land ausreichend skandalös agierende Leute. Warum also nicht? Stigmatisierung der dortigen Bevölkerung, die nicht geht?

Nein, wenn schon, dann müssen Juden herhalten. Das geht immer, auch im Erfinderland des Holocaust dürfen Juden heutzutage wieder (oder immer noch?)  stigmatisiert werden. Das geht, kein Problem. Da regen sich nicht viele auf, die paar Juden, die sich vielleicht mucken, fallen nicht ins Gewicht, die regen sich ja sowieso ständig wegen irgendwelchem Antisemitismuskrams auf. Dabei wissen wir doch alle, dass Antisemitismus exklusiv Rechtsextremen gehört und in der Geschichte bekämpft werden muss.

Wahrscheinlich müssen wir Herrn Frasch auch noch dankbar sein, dass er uns so gut demonstriert hat, dass der Antisemitismus so mitten in der Gesellschaft „angekommen“ (oder nie weg gewesen?) ist bzw. festsitzt, dass ein Redakteur der Frankfurter Allgemeine Zeitung sich eine solche Ungeheuerlichkeit leisten kann.

Simon Wiesenthal Center, bitte merken Sie Herrn Timo Frasch schonmal für 2021 vor!

PS: Bis zum Schreiben dieses Textes habe ich lediglich auf twitter zwei Reaktionen gefunden, hoffentlich folgen weitere; bei Herrn Frasch, der seinen Kommentar natürlich verlinkte, gab es bisher auch keine kritischen Kommentare:

Abrechnung mit ÖR Programm ist nicht neu. Übel ist, wenn für die Darstellung schlechten Programms Juden oder Israel hinhalten müssen.
@FAZ @TimoFrasch beschreibt angebliche qualitative Mängel als „zionistischer Kinderschänderring“. Antisemitischer geht kaum!

Ist „zionistischer Kinderschänderring“ als Kraftausdruck angebracht, @faznet, @FAZ_NET? Oder ist @TimoFrasch einfach ein [INSERT Kraftausdruck]? Worte schaffen Feindbilder. Sie bleiben hängen. Daher sollten wir auf unsere Sprache achten! https://m.faz.net/aktuell/politi