Die Schriftrollen vom Toten Meer gehören nicht Israel, sagt Deutschland

Die Israelische Antiquitätenbehörde lehnt es wegen Deutschlands Entscheidung ab die Schriftrollen aus Israel auszuleihen, was die Absage einer Ausstellung des Frankfurter Bibelmuseums zur Folge hatte.

Benjamin Weinthal, The Jerusalem Post, 1. Dezember 2017

Besucher betrachten ein Faksimile des Jesaja-Rolle, einer der Schriftrollen vom Toten Meer, die im Schrein des Buches im Israel-Museum in Jerusalem ausgestellt wird – 26. September 2011 (Foto: REUTERS/Baz Ratner)

Uwe Becker, stellvertretender Bürgermeister von Frankfurt, brachte Donnerstag wegen der Entscheidung der deutschen Regierung, die Schriftrollen vom Toten Meer nicht als Eigentum Israels anzuerkennen, Empörung zum Ausdruck; diese Entscheidung hatte die Absage einer für 2019 geplanten Ausstellung im Bibelmuseum in Frankfurt veranlasst.

„Wenn Deutschland nicht bereit ist, klar den rechtlichen Status der Fragmente von Qumran als israelisches Kulturerbe zu bekunden, würde das die Koordinaten in unseren deutsch-israelischen Beziehungen dramatisch verändern. Und es würde den Bau einer Mauer zu den Ursprungsorten des Christentums im heiligen Land bedeuten, denn dasselbe wird dann auch für Bethlehem, Jericho, Ostjerusalem und weitere Stätten des Wirkens Jesu gelten“, sagte Becker gegenüber der Jerusalem Post am Donnerstag.

Becker sagte: „Ich kritisiere beide Ministerien der Schädigung der deutsch-israelischen Beziehungen. Ich habe an beide Minister Briefe geschrieben, in denen ich meine ganze Verärgerung zum Ausdruck bringe und fordere beide auf ihre neue Haltung zu ändern und die Arbeit der Ausstellung zu unterstützen.“

Becker schickte seinen Brief an Monika Grütters, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie den deutschen Außenminister Sigmar Gabriel, der derzeit in Washington ist und für den Erhalt des umstrittenen Atomdeal mit dem Iran zu wirbt.

Becker fügte hinzu: „Wegen des nicht vorhandenen Bereitschaft beider Ministerien die notwendige Erklärung abzugeben, weil Qumran in der Westbank liegt, lässt die israelische Antiquitätenbehörde das Material nicht aus dem Land und das Bibelmuseum musst seine Pläne streichen.“

Die Schriftrollen vom Toten Meer wurden 1946 bis 1956 in zwölf Höhlen um Umfeld der als Wadi Qumran bekannten Stelle nahe des Toten Meers im umstrittenen Gebiet der Westbank gefunden.

Dr. Jürgen Schefzyk, der Direktor des Museums Bibelhaus Frankfurt, schrieb der Post am Freitag per E-Mail. „Nach einem Vorvertrag mit der israelischen Antiquitäten-Behörde zur Kooperation mit dem Bibelmuseum Frankfurt im Jahr 2015 begannen wir mit der Arbeit an einer Ausstellung zu den Rollen vom Toten Meer. Die Voraussetzung für eine solche Ausstellung ist eine rechtsverbindliche Rückgabezusage der deutschen Behörden. Aus Gründen, die nicht in unserer Hand liegen, sind wir derzeit nicht in der Lage ein solches Dokument zu bieten, trotz aller Bemühungen, darunter Kontakten zu allen Regierungsinstitutionen in Deutschland.“

Er fügte an: „Obwohl Fragmente der Schriftrollen vom Toten Meer aus sicheren Museumssammlungen an anderen Orten in Deutschland verfügbar wären, stimmen wir dem Fachwissen unserer israelischen und deutschen Kollegen zu, dass eine Ausstellung ohne Stücke aus der Sammlung in Jerusalem nicht passend wäre.
Um unsere Loyalität Israel und unserem wichtigsten Partner gegenüber, der IAA, zu demonstrieren, entschieden wir gestern dieses Projekt nicht weiter zu verfolgen und die Ausstellung aufzuschieben, bis DSS-Fragmente aus Jerusalem verfügbar werden. Diese Entscheidung fiel uns nicht leicht, weil bereits eine Menge Geld investiert wurde und wir überzeugt sind, dass es überfällig ist der deutschen Öffentlichkeit diese wichtigen Objekte des Kulturerbes zu zeigen.“

„Der Qumran-Skandal ist nicht akzeptabel“, sagte Becker über Deutschlands Weigerung die Rollen vom Toten Meer in Frankfurt zu schützen.

Becker sagte, dass europäische Staaten in der Vergangenheit in Vergleichbaren Fällen Ausstellungen aus dem jüdischen Staat eine rechtsverbindliche Rückgabezusage für Ausstellungen gaben, die in der EU gezeigt werden. Er führte Österreich und die Niederlande als Beispiele an. Becker, der weithin als Israels größter Unterstützer in der Bundesrepublik gilt, führt eine gesetzgebende Initiative zum Verbot von BDS-Aktivitäten (Boykott, De-Investition, Sanktionen) gegen Israel in Frankfurt an.

Becker sagte, die Entscheidung der deutschen Regierung eine Rückkehr der Schriftrollen vom Toten Meer nicht zu garantieren, schädige Deutschlands Beziehungen zur Christenheit im Nahen Osten. Er vermerkte: „Bei aller Rücksichtnahme auf palästinensische Empfindlichkeiten, wiegen die besonderen Beziehungen zu Israel schwerer.“

Die Schriftrollen vom Toten Meer sind für das Judentum und die biblische Geschichte von erheblicher Bedeutung. Die Rollen sind ein Lager zumeist hebräischer Schriften aus der Periode des Zweiten Tempels und der Zeit unmittelbar danach. Dazu gehören viele biblische Texte und man glaubt, dass sie von Mitgliedern einer jüdischen Sekte geschrieben worden sind, die als Essener bekannt waren.

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Eine Reaktion auf die Entscheidung:
Enteignungsversuch der Qumran-Rollen

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Die Medien und Karl Lagerfelds Offenlegung des muslimischen Antisemitismus in Deutschland

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

In welchem Maß sagte der Top-Designer Karl Lagerfeld die Wahrheit, als er Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Sendung Salut les Terriens! (Hallo Erdlinge!) am 11. November auf Kanal 8 wegen ihrer Politik der offenen Grenzen für Flüchtlinge angriff? Er stellte fest, dass man – selbst wenn Jahrzehnte dazwischen liegen – nicht Millionen Juden töten kann und später dann Millionen ihrer schlimmsten Feinde holt. Lagerfeld fügte hinzu: „Ich kenne jemanden in Deutschland, der nahm einen jungen Syrer auf, der sagte: ‚Das Größte, was Deutschland erfand, war der Holocaust.‘ Der junge Mann wurde vor die Tür gesetzt.“[1]

Lagerfeld merkte auch an, dass Merkel bereits Millionen Immigranten hatte, die gut integriert sind und es daher nicht nötig hatte eine weitere Million aufzunehmen, um nach der griechischen Krise ihr Image als böse Stiefmutter verbessern wollen.“[2]

Lagerfelds Äußerung kann als im Kern wahr, wenn auch zum Teil verzerrt zusammengefasst werden. Die Hauptwahrheit – neben der deutlichen Anmerkung über Deutschlands mörderisches Verhalten während des Holocaust – besteht darin, dass eine gewaltige Zahle an Muslimen hauptsächlich aus arabischen Ländern nach Deutschland zu bringen bedeutet, dass ein großer Anteil von ihnen in unterschiedlichem Maß antisemitisch ist.

Die Verzerrung in seinen Äußerungen besteht darin, dass die Millionen bereits in Deutschland befindlichen Immigranten gut integriert sein sollen. Zu ihnen gehört eine beträchtliche Anzahl, die sich nicht integrieren will. Der Anteil der Antisemiten unter ihnen ist vermutlich ebenfalls hoch. Man könnte hinzufügen, dass die Lage in Deutschland, was den Antisemitismus unter muslimischen Immigranten angeht, sich nicht dramatisch von der in anderen europäischen Ländern wie Frankreich unterscheidet.

Mitte November wurde eine Studie zum Antisemitismus in Hessen veröffentlicht. Sie stellte fest, dass die Zahl der Täter unter Rechtsextremen und Muslimen die bei weitem am höchsten ist und auf etwa demselben Niveau liegt.[3] Und das trotz der Tatsache, dass beides relativ kleine Gruppen der deutschen Bevölkerung sind. Die Studie ist daher eine weitere Stütze des Kerns von Lagerfelds Äußerung.

Viele Medien beschränkten sich darauf nur zu berichten was Lagerfeld sagte. Es wäre für sie schwierig gewesen das zu kommentieren, ohne zuzugeben, dass muslimischer Antisemitismus in Europa weit verbreitet ist und dass er in seinen Extremen Ausformungen gewalttätig und manchmal tödlich ist. Umso mehr, als alle in Europa aus ideologischen Gründen getöteten Juden des neuen Jahrhunderts von Muslimen ermordet wurden. Weit verbreiteten muslimischen Antisemitismus zuzugeben wird in Europa von denen, die sich als „Progressive“ bezeichnen, oft als politisch unkorrekt betrachtet. Ihn zu negieren, wenn man Lagerfelds Äußerungen diskutiert, würde jedoch das extreme Reinwaschen des Hasses durch die Medien offenbaren.

Trotzdem hatten einige Medienorgane kein Problem damit Lagerfeld zu attackieren, während sie den muslimischen Antisemitismus ignorierten oder bagatellisierten. Ein solches Medium war die New York Times. Sie geht mit Lagerfeld um, wie es die Boulevardpresse tun würde und verbannte das Thema in ihren Modeteil. Dort schrieb ihre Reporterin Valeriya Safronova: „Karl Lagerfeld, der Kreativdirektor von Chanel und Fendi, ist bekannt für taktlose und beleidigende Kommentare.“ Dann führte sie eine Auswahl früherer Äußerungen an, die keine Bedeutung für seine Behauptung bezüglich muslimischem Antisemitismus und der deutschen Bereitschaft Antisemiten einwandern zu lassen hatten.[4]

Safronova schrieb dann über Lagerfelds Äußerungen: „Sein jüngster Moment unerklärlicher Befindlichkeitsäußerungen kam am Samstag.“[5] Die Medienwatch-Organisation CAMERA hat über die Jahre hunderte, wenn nicht tausende Beispiele für die Einseitigkeit und Manipulationen der New York Times veröffentlicht. Ihrer Sammlung kann sie Safranovas Artikel hinzufügen.

Ein weniger bedeutendes US-Nachrichtenmedium, das es schaffte Lagerfeld zu attackieren, während es muslimischen Antisemitismus in Deutschland bagatellisierte, war Salon, eine ansehnliche linke Nachrichten- und Meinungs-Internetseite. Der stellvertretende Kultur-Redakteur nutzte mehr als eintausend Worte, um zu sagen, dass Lagerfeld für das, was er ist, verurteilt und bestraft werden sollte, denn er sei ein Islamophober.[6]

Der vermutlich größte Manipulator des Themas war der deutsche Privatfernsehsender RTL mit seinem Magazin Exclusiv. RTL-Journalist Marc Sterzenbach fragte, warum Lagerfeld sich so äußerte. Seine Antwort: „Tatsächlich ist das Unternehmen Chanel, für das er arbeitet, fest in jüdischer Hand. Eigentümer ist die Familie Wertheimer.“[7] Die Tageszeitung DIE WELT schrieb, dass RTL „klassische antisemitisches Klischees der sogenannten ‚jüdischen Weltverschwörung‘“ nutzte.[8]

Für diejenigen, die nicht verstanden haben, was Letzteres hieß, wurde es von dem jüdischen Autoren Henryk Broder in einem weiteren Artikel im selben Blatt erklärt. Er schrieb: „Noch nie hat das auf Klatsch und Tratsch, auf Promis und deren Probleme spezialisierte Magazin die Religionszugehörigkeit irgendeiner Familie thematisiert, die ein Unternehmen führt, für das irgendein Promi arbeitet. Dabei gibt es etliche Mode- und Kosmetik-Firmen, die „fest in jüdischer Hand“ sind, was bei RTL bis jetzt weder aufgefallen ist noch jemanden gestört hat.“[9]

Nach seiner Kritik entschuldigte sich RTL. Der Sender gestand ein, dass er es an „semantischer Sensibilität“ hatte mangeln lassen. Er erklärte, seine Wortwahl „spiegelt keinesfalls die Einstellung des Autors und natürlich nicht die des Senders“.[10]

Der vielleicht beste Kommentar war in der österreichischen Wiener Zeitung zu finden. Ihr Gastkommentator Christian Ortner schrieb unter der Schlagzeile „Kann die Wahrheit Verhetzung sein?“: „Damit, dass die Willkommenskultur von 2015 hohe Kosten, schwere soziale Probleme und erhebliche Frauenfeindlichkeit mit sich gebracht hat, können deren ehemalige Proponenten wohl gerade noch leben – aber einzubekennen, nun auch Antisemitismus verursacht zu haben, ist gerade in Österreich oder Deutschland unerträglich. Auch und gerade, wenn es stimmt.“[11]

Hunderte beschwerten sich über Lagerfelds Äußerungen bei der französischen Medienaufsichtsbehörde (CSA), die jetzt diese heiße Kartoffel handhaben muss. Sollte sie den kapitalen muslimischen Antisemitismus nicht erwähnen, wird sie sich selbst gerechtfertigter Kritik aussetzen. Die CSA hat allerdings reichlich Zeit sich zu überlegen, was sie sagen will, da sie einen gewaltigen Berg an Beschwerden über andere Sendungen abzuarbeiten hat.

[1] http://www.youtube.com/watch?v=EJKPn51ZrD8

[2] ebenda.

[3] http://www.fr.de/rhein-main/juden-in-hessen-antisemitismus-wandelt-sich-a-1387328

[4] http://www.nytimes.com/2017/11/14/fashion/karl-lagerfeld-migrants-angela-merkel.html

[5] ebenda

[6] http://www.salon.com/2017/11/15/following-karl-lagerfelds-islamophobic-rant-is-it-time-we-walk-away-from-the-designer/

[7] http://www.youtube.com/watch?v=H6DTUmzKC-c

[8] http://www.welt.de/vermischtes/article170660822/RTL-liefert-fragwuerdige-Erklaerung-fuer-Lagerfeld-Kritik.html

[9] http://www.welt.de/debatte/kommentare/article170679536/Wer-oder-was-hat-RTL-fest-in-der-Hand.html

[10] http://www.tagesspiegel.de/medien/fest-in-juedischer-hand-rtl-bedauert-formulierung-in-bericht-ueber-lagerfeld/20594858.html

[11] http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/929472_Kann-die-Wahrheit-Verhetzung-sein.html

Kloppe: Die aktuellen „Weisheiten“ des Sigmar Gabriel

Er hat es wieder geschafft. Sigmar Gabriel sorgt für den nächste Eklat mit einem anderen Staat, der als ein befreundetes Land gilt.

Wir kennen das. In Hebron schwafelte der Außenminister-Darsteller von israelischer Apartheid, später kamen noch ein paar andere Dinger hinzu, unter anderem dass er darauf bestand sich ausschließlich mit Vertretern zweier israelischer Propagandalügen-NGOs zu treffen, was Premier Netanyahu dazu veranlasste Gabriel nicht zu empfangen.

Offensichtlich versucht Gabriel Freunde Deutschlands möglichst heftig vor den Kopf zu stoßen. Saudi-Arabien attestierte er nicht nur „Abenteurertum“ bei seinem Kampf gegen die iranischen Stellvertreter und Kriegstreiber im Jemen, er tönte auch, „wir“ seien nicht langer bereit „das einfach sprachlos  hinzunehmen“. Nach der humanitären Krise durch den Krieg im Jemen und dem Konflikt mit dem Golfemirat Katar sei mit der Art und Weise, „wie mit dem Libanon umgegangen wird“, nun die Spitze erreicht.

Saudi-Arabien ist so brüskiert, dass es seinen Botschafter „zu Konsultationen nach Riyadh zurückruft“ und der deutsche Botschafter dort eine Protestnote empfangen muss.

Vielleicht sind die Saudis ja tatsächlich etwas zu empfindlich, aber das hätte man im Auswärtigen Amt dann wissen müssen. Die Saudis sind keine Sympathieträger, aber sie kämpfen im Jemen gegen die Expansionsgelüste der Mullahs von Teheran, die die Welt mit Terror „abglücken“ und sehr aktiv die Hegemonie über die arabisch-muslimische anstreben – was für das saudische Königshaus ein Kampf ums Überleben ist, denn wenn die iranischen Schiiten dort an die Macht kommen, ist es mit dem Hause Saud vorbei. Für den Libanon gilt dasselbe, nur dass die Saudis dort nicht aktiv sind. Dass man sich da von einem deutschen Möchtegern-Diplomaten nichts sagen lassen will, ist verständlich.

Noch verständlicher wird es, wenn man sich vor Augen hält wie Gabriel es mit den Terror-Mullahs treibt. Er war der erste, der nach Obamas irrsinnigen Atom-Deal mit großem Gefolge in Teheran aufschlug um Geschäfte in Milliardenhöhe einzufahren. Er hat freundliche Worte für die Unterdrücker des persischen Volks und Verfolger seiner Minderheiten.

Wenn das Großmaul tatsächlich etwas für Menschenrechte übrig hätte und „Freunden“ ein Mahnung wegen Vergehen zukommen lassen wollte – „man muss ja mal kritisieren dürfen…“ – dann fällt auf, dass die Mullahs bisher nie auch nur ansatzweise einen Anlass sahen sich über Gabriel zu beschweren.

Der SPD-Versager (als Parteichef wie als Kanzlerkandidat grandios gescheitert, als Ministerpräsident abgewählt) hält seine „Kritik“ offenbar nicht für Terrorstaaten bereit, die eine tatsächliche Gefahr darstellen. Er schießt gegen die, bei denen er keine Angst haben muss, dass böse Worte für ihn keine Folgen haben werden. Was ist schon eine diplomatische Krise mit Israel oder den Saudis, die schicken keine Terroristen – der Iran eher schon. Die Mullahs agieren aggressiv, morden „notfalls“, statt sich auf den diplomatischen bösen Finger zu beschränken.

Fragt sich nur, ob Gabriel tatsächlich aus Angst so handelt – ich fürchte, er macht das aus Überzeugung, weil er tatsächlich glaubt mit den Terror-Mullahs besser fahren zu können und dass diese nicht so schlimm sind. Fragt, sich was dümmer ist. Ich glaube Letzteres ist eher der Fall und das macht mir auch mehr Sorgen.

Vielleicht will Gabriel aber auch vor dem Ende seiner Amtszeit noch so viel Porzellan wie möglich zerschlagen, um das Merkel als „Erbe“ zu hinterlassen. (Pöse, aber da haben wir ein Vorbild in den USA…)

Henryk Broder und die ewigen Antisemiten

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Malmö, die drittgrößte schwedische Stadt, wird von vielen Experten als Hauptstadt des zeitgenössischen europäischen Antisemitismus betrachtet. Ein paar wenige der vielen Aspekte, die diese Charakterisierung rechtfertigen, werden teilweise in einer neuen deutschen Dokumentation mit dem Titel „Der ewige Antisemit – Geschichte einer unerwiderten Liebe“ entlarvt. Sie wurde anlässlich des Jahrestages der Kristallnacht am späten Abend des 8. November im Bayrischen Fernsehen ausgestrahlt.[1]

Der Film folgt dem deutsch-jüdischen Autor Henryk Broder bei seiner Reise durch Deutschland, Frankreich und Schweden. Er wird oft von Hamad Abdel Samed begleitet, einem in Deutschland lebenden ägyptischen Publizisten (mit deutscher Staatsangehörigkeit). Mehrere Theologen der ägyptischen Muslimbruderschaft haben eine Fatwa ausgegeben, dass er wegen Ketzerei getötet werden muss. Im Film ist er mit Personenschützern der Polizei zu sehen.[2]

Bevor Broder und Abdel Samad nach Malmö kamen, hatten sie Termine mit dem Polizeichef und der Bürgermeisterin vereinbart, die in letzter Minute abgesagt wurden. Sie trafen den amerikanischen Rabbiner der jüdischen Gemeinde Stadt, Shneur Kesselman. Er erzählt ihnen, dass die schrumpfende Gemeinde in der Synagoge schusssichere Fenster installieren musste. Selbst das half nicht. Eine Bombe explodierte vor der Synagoge und eine weitere Bombe wurde in die Kapelle des jüdischen Friedhofs geworfen, die komplett zerstört wurde.

Der der Chabat-Bewegung angehörende Rabbiner sagt, er werde regelmäßig schikaniert, wenn er auf die Straße geht. Aus vorbeifahrenden Autos werden ihm Beleidigungen wie „Tod den Juden“ zugerufen. Er wird mit Gegenständen beworfen, darunter befanden sich schon ein Apfel, ein Feuerzeug, ein Glas und eine Flasche. Kesselman kam vor zwölf Jahren nach Malmö. Er sagt, hätte er die Realität der Juden in der Stadt gekannt, wäre er nicht gekommen, aber heute will er aus Loyalität gegenüber der schrumpfenden jüdischen Gemeinde nicht fortgehen.

Kesselman erwartet, das viele Kinder der Gemeindemitglieder Malmö verlassen werden. Vor ein paar Wochen, der Film war schon fertiggestellt, zerschmetterten Steine einmal mehr die Fenster der Synagoge. Bei dieser Gelegenheit sagte der ehemalige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde gegenüber der Presse, dass die meisten Vorfälle von Muslimen oder Arabern verübt werden.[3]

Ein jüdischer Lehrer an einer öffentlichen Grundschule in einem problematischen Viertel Malmös wird ebenfalls interviewt. Er spricht von Schießereien im Viertel, manchmal mit tödlichen Folgen. Kinder aus anderen Klassen öffnen manchmal die Klassentüren und rufen ihm antisemitische Beleidigungen zu. Ein Elfjähriger schrie „Heil Hitler“. Die Schulleitung mag die antisemitischen Vorfälle nicht öffentlich machen; sie sagt: „Das sind nur Kinder.“

Bevor sie durch ein Viertel Malmös mit einer großen Zahl an Migranten fahren, warnt die Polizei die Filmemacher, dass sie das Auto nicht verlassen, nicht einmal anhalten sollten. Auf gut Deutsch übersetzt heißt das: „Das ist ein muslimisches Ghetto, in dem die Polizei die Kontrolle verloren hat.“ Die Filmemacher verwenden durchweg das Wort „Migranten“, während der Zuschauer selbst begreifen muss, dass sie Muslime meinen. Dieser Teil der Dokumentation ist ein direkte Anklage der progressiven Behörden in Malmö und vielen anderen schwedischen Städten.

In Deutschland besuchen Broder und Abdel-Samad einen jüdischen Restaurant-Besitzer – einen irakischen Juden – in München. Dieser erzählt ihnen, dass er vor kurzem sein zweites Restaurant schließen musste. Er sieht sich oft antisemitischen Beleidigungen und Schikanen ausgesetzt, die von Deutschen ausgehen. Die Filmemacher besuchen Naumburg in Sachsen-Anhalt. Dort treffen sie einen Holocaust-Leugner, der ihnen erzählt, dass es in Auschwitz keine Gaskammern gab.

Der Interviewpartner ist sozialdemokratischer Bürgermeister eines Dorfes gewesen. Er wechselte später zur Neonazi-Partei NPD. Nachdem er erklärte, der Holocaust sei ein Mythos, wurde er in zwei Instanzen vor Gericht wegen Holocaustleugnung verurteilt. Das Oberlandesgericht Naumburg sprach ihn dann frei.

In Hildesheim wird eine Diskussion über extrem antisemitisches Material gegen Israel gezeigt, das in ein Seminar an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) eingefügt wurde. Von einem Podiumsmitglied werden ein paar Beispielbilder gezeigt, die Israel mit den Nazis gleichsetzen. Die Hochschulrektorin sagt, sie sei nicht überzeugt, dass das Seminar Antisemitisches beinhaltete. Broder kommentiert, dass die Nazis wussten, wie sie einen Juden definieren, aber heute Deutsche Probleme haben Antisemitismus zu definieren. In Köln wird eine Kunstmesse besucht, auf der ein Bild je nach Blickwinkel ein Hakenkreuz oder einen Davidstern zeigt. Die Messe findet in einem Gebäude statt, aus dem Juden und andere während des Krieges in Vernichtungslager geschickt wurden.

In Frankreich wird das alte Pariser Viertel um die Rue des Rosiers besucht. Die Gedenktafel des früheren Restaurants Goldenberg wird an einer Wand gezeigt. 1982 töteten Palästinenser sechs Gäste und verletzten 22 weitere. Schwer bewaffnete Soldaten patrouillieren das Viertel.

Der Film wurde von Broder und Joachim Schneider gemacht. Ein anderer von Letzterem erstellter Film, „Auserwählt und ausgegrenzt – der Hass auf Juden in Europa“, wurde im Frühjahr diesen Jahres vom deutsch-französischen Fernsehsender Arte zensiert, der ihn in Auftrag gegeben hatte. Später wurde er vom WDR gezeigt, der den Film verstümmelte, indem viele kritischen Anmerkungen in ihn eingearbeitet wurden.

Schließlich versucht Broder zu analysieren, was in Europa geschieht. Er diskutiert dies mit einem Freund, dem niederländisch-jüdischen Schriftsteller Leon de Winter. Da sie den Antisemitismus nicht erklären können, kommt de Winter zu dem Schluss, dass in der Vergangenheit niemand mehr Liebe für Europa hatte als die Juden. Diese Liebe wurde nicht erwidert. Er glaubt, dass jetzt die letzte Phase der Existenz der Juden in Europa angebrochen ist. De Winter prognostiziert, dass das europäische Judentum in 40 bis 50 Jahren verschwunden sein wird. Ob es so kommt, bleibt abzuwarten.

Derzeit gibt es Broders und Schröders Film nur auf Deutsch. Englische und französische Untertitel würden ihn einem weit größeren Publikum zugänglich machen.

[1] http://www.br.de/mediathek/video/dox-der-dokumentarfilm-der-ewige-antisemit-av:59cb7a607460e90012ceaeb7?t=1m7s

[2] http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/28/hamed-abdel-samad-rettung

[3] http://jewishnews.timesofisrael.com/stones-shatter-window-of-synagogue-in-sweden/

Nicht dasselbe: deutsche und österreichische Rechtsextreme

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Bei den jüngsten Parlamentswahlen verbesserten die weit rechts stehende deutsche AfD und die österreichische FPÖ erheblich ihre Positionen. Bezüglich sowohl Juden als auch Israel ist eine detailliertere Analyse nötig, um die Unterschiede der Einstellungen dieser beiden rechten Parteien zu verstehen. Viele Medien werfen sie in einen Topf, als wären sie dasselbe. Israelische und lokale jüdische Interessen in Bezug auf diese Parteien sind ebenfalls nicht notwendigerweise dieselben.

Mit 12,6 Prozent der Stimmen bei der Wahl vom 24. September ist die AfD zum ersten Mal in den Bundestag eingezogen. Sie wurde die drittstärkste Partei. Teile ihrer aktuellen Führung scheinen eine langfristige Oppositionsrolle anzustreben. Dadurch sind einige ihrer Schlüsselpersonen in der Lage extreme Positionen einzunehmen und die AfD fühlt sich nicht unter Druck dubiose Vertreter auszuschließen.

Ein ins Parlament zurückgekehrtes AfD-Mitglied ist Martin Hohmann. 2003 schloss die CDU dieses Bundestagsmitglied aus, Monate nachdem er Israelis als „eine Nation von Kriminellen“ bezeichnet hatte. Er nutzte den Ausdruck „Tätervolk“ – ein Begriff, der allgemein für Nazideutschland reserviert ist.[1]

Alexander Gauland, Co-Vorsitzender der Partei, ist auch ein ehemaliges CDU-Mitglied. Er will einen Schlussstrich unter die Nazi-Vergangenheit ziehen, obwohl schon eine oberflächliche Analyse zeigt, dass die Vergangenheit das zeitgenössische Deutschland weiterhin auf viele Weisen beeinflusst.[2] Diese Realität ist als Ergebnis der vielen negativen Reaktionen auf Kanzlerin Angela Merkels Willkommenspolitik für mehr als eine Million Flüchtlinge gestärkt worden.

Gauland hat die deutschen Soldaten, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg ihre Pflicht taten, gerühmt. Er machte klar, dass er weder den Holocaust noch die von der Wehrmacht verübten Kriegsverbrechen bestreitet.[3] Gauland erklärte zudem, dass Juden von seiner Partei nichts zu befürchten haben.[4] Mehrere deutsch-jüdische Leiter sind anderer Meinung.

Der AfD-Parteichef in Thüringen, Björn Höcke, hat Berlins Holocaust-Mahnmal „ein Monument der Schande“ genannt. Er hat zudem bestritten, dass Adolf Hitler absolut böse war. Höcke fügte hinzu: „Wir wissen, dass es in der Geschichte kein Schwarz und Weiß gibt.“ Seine Haltung wurde von mehreren anderen Mitgliedern seiner Partei angegriffen, aber er ist nicht der Einzige in der AfD, der Äußerungen getätigt hat, die die Bedeutung des Holocaust verzerren und missbrauchen.[5]

Man sollte beachten, dass Frauke Petry, eine ehemalige Mit-Parteichefin, die AfD verlassen hat. Sie wollte eine konservative AfD, frei von Antisemitismus, die ein potenzieller Koalitionspartner sein könnte. Auf Petrys Antrag hin schrieb ich eine Stellungnahme, die den antisemitischen Charakter einer Reihe von Äußerungen Wolfgang Gedeons bestätigte, [6] Mitglied der AfD im Landtag von Baden-Württemberg. Daraufhin überzeugte Petry Gedeon die AfD-Fraktion zu verlassen.[7]

Die Zukunft der AfD bleibt unklar. Am wahrscheinlichsten wird es anhaltende Spannungen zwischen radikalen Nationalisten und moderateren Persönlichkeiten geben. Dennoch ist zu bezweifeln, dass die Anhänger der AfD einen Teil der Muslime in Deutschland als die extremsten Antisemiten des Landes ersetzen werden. Allerdings ist Deutschland ein föderaler Staat und die Einstellungen regionaler AfD-Repräsentanten sind nicht unbedingt identisch mit denen an der nationalen Spitze. Holocaust-Verzerrung und antisemitische Äußerungen können wieder vorkommen. Die deutschen Juden können protestieren, werden aber damit leben müssen. Es gibt Hinweise, dass die meisten Mitglieder der AfD-Führung pro-israelisch sind.[8]

In Österreich ist die Situation teilweise anders. Die konservative ÖVP mit ihrem 31-jährigen Vorsitzenden Sebastian Kurz ging als stärkste Partei aus der Parlamentswahl vom 15. Oktober hervor; sie erhielt 31,5% der Stimmen. Kurz hat sich entschieden in Koalitionsverhandlungen mit der FPÖ einzutreten, die von Heinz-Christian Strache geführt wird. Die weit rechts stehende Partei belegte mit 26% der Stimmen den dritten Platz, kurz hinter der sozialistischen SPÖ unter Führung von Noch-Kanzler Christian Kern.

Kurz hatte erklärt, dass ihm Null Toleranz für Antisemitismus sehr wichtig ist. Er sagte der FPÖ, dass er von ihr eine Verpflichtung gegen Antisemitismus erwartet und fügte hinzu: „Es handelt sich um eine klare Vorbedingung für eine Koalition unter meiner Leitung.“[9]

Wenn die Koalition zustande kommt, wird es nicht die erste ÖVP-FPÖ-Regierung sein. Von 2000 bis 2005 bildeten die beiden Parteien unter Kanzler Wolfgang Schüssel bereits eine solche Koalition. Weit früher, 1970, berief der sozialistische Kanzler Bruno Kreisky vier ehemalige Nazis in sein Kabinett aus elf Ministern. Er legitimierte sie nicht nur, sondern wusch sie auch rein. Kreisky war ein selbsthassender Jude, der sagte, die Juden seien kein Volk und wenn sie ein Volk wären, dann wären sie ein mieses Volk.[10]

Die österreichische jüdische Gemeinschaft hat Widerstand gegen den Eintritt der FPÖ in die Regierung zum Ausdruck gebracht. Oskar Deutsch, der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, hat einen offenen Brief an die ÖVP und die SPÖ geschrieben. In einer Erklärung zur FPÖ sagte er: „Wenn sich der nationalistische Wolf einen blauen Schafspelz überzieht, ändert er sein Wesen nicht, nur sein Aussehen.“[11] Als Deutsch auf seiner Facebookseite gegen die FPÖ schrieb, erhielt er eine Flut antisemitischer Reaktionen.[12] Der frühere Gemeindevorsitzende Ariel Muzicant hat bei mehreren Gelegenheiten gesagt, die FPÖ habe einen „Kern von Kellernazis“.[13]

Die derzeitige Realität der AfD wird es nicht nötig machen, das Israel irgendwelche offiziellen Kontakte mit ihren Vertretern hat. Wenn die FPÖ in die österreichische Regierung eintritt, könnten ihre Minister Kontakte zu israelischen Repräsentanten haben oder das Land besuchen. Wenn Israels Regierung die Minister der niederländischen, linskliberalen, antiisraelischen Hetzpartei D66 nicht boykottiert, dann gibt es keinen Grund die FPÖ-Minister zu boykottieren, außer sie äußern sich antisemitisch, was ihnen auch Ärger mit Kanzler Kurz einbringen würde.

[1] http://www.welt.de/politik/article308309/Hohmann-vor-Parteigericht-der-CDU.html

[2] http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-09/afd-alexander-gauland-nazi-zeit-neubewertung

[3] http://www.welt.de/politik/deutschland/article168696834/Gauland-verteidigt-seine-Aussage-ueber-Wehrmachtssoldaten.html

[4] http://www.tachles.ch/news/juden-haben-gemaess-der-afd-nichts-zu-befuerchten

[5] http://www.newsweek.com/jews-germany-anti-semitic-hitler-afd-579952

[6] http://www.audiatur-online.ch/2016/11/01/definition-von-antisemitismus-eine-graue-theorie/

[7] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wolfgang-gedeon-tritt-aus-afd-fraktion-aus-a-1101509.html

[8] http://www.timesofisrael.com/loathed-by-jews-germanys-far-right-afd-loves-the-jewish-state/

[9] http://derstandard.at/2000066522122/Regierungsverhandlung-Warnung-vor-FPOe-loest-antisemitischen-Sturm-aus

[10] Robert S. Wistrich: From Ambivalence to Betrayal: The Left, the Jews, and Israel. Lincoln (University of Nebraska Press) 2012, S. 496. S. auch: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41376698.html

[11] http://derstandard.at/2000066468022/Israelitische-Kultusgemeinde-warnt-OeVP-und-SPOe-vor-dem-blauen-Wolf

[12] http://derstandard.at/2000066522122/Regierungsverhandlung-Warnung-vor-FPOe-loest-antisemitischen-Sturm-aus

[13] http://diepresse.com/home/innenpolitik/711439/Muzicant_FPOe-hat-einen-Kern-von-Kellernazis

Menschenrechte und die deutsch-israelischen Beziehungen nach der Affäre Gabriel

Gadi Taub, Fathom, Herbst 2017

Im April 2017 entschied sich der sozialdemokratische deutsche Außenminister Sigmar Gabriel sich mit den zwei israelischen NGOs Breaking the Silence und B’Tselem zu treffen, während er Israel besuchte. Er tat das im Wissen, dass dies zum Ergebnis haben würde, dass der israelische Premierminister ein Treffen mit ihm ablehnen würde. Der nach eigenem Eingeständnis israelische „Linke“ Gaid Taub untersucht die politische Bedeutung der „Gabriel-Affäre“. Warum machte der Premierminister es zu einer Sache des „B’Tselem oder ich“ und hatte er damit recht? Wie sollten Breaking the Silence und B’Tselem charakterisiert werden – als legitime Menschenrechtsorganisationen oder als den Staat Israel dämonisierend? Und wie sollte die angemessene Beziehung zwischen Eintreten für Menschenrechte und der ungelösten nationalen Frage in Israel und Palästina aussehen?

Die meisten Israelis nehmen an – oder zumindest taten sie es bis vor sehr kurzem – dass Deutschland ein felsenfester Freund Israels ist. Daher können sie sich nur schwer vorstellen, dass es aktiv Organisationen unterstützt, die zur Delegitimierungskampagne  gegen Israels Existenzrecht beitragen. Doch alles das dürfte sich nach dem Debakel im April zwischen Deutschlands Außenminister Sigmar Gabriel und Israels Premierminister Benjamin Netanyahu geändert haben.

Gabriel verkündete anlässlich eines offiziellen Besuchs zum Holocaust-Gedenktag, dass er die Vertreter zweier linksradikaler Bürgerrechtsorganisationen treffen würde – Breaking the Silence und B’Tselem. Als Netanyahu sagte, wenn diese Treffen stattfänden, würde er den Besuch boykottieren und es ablehnen sich mit Gabriel zu treffen, glaubten viele, er reagiere über. Wenige erwarteten allerdings, dass Gabriel sich für diese beiden Organisationen statt den israelischen Premierminister (und amtierenden Außenminister) entscheiden würde. Und als er das machte, begannen die Dinge in einem neuen Licht zu erscheinen. Es schien nicht länger so, dass der deutsche Außenminister einen ehrenwerten Fehler machte, nicht wissend, wie umstritten diese Organisationen bei den Israelis waren. Es erschien stattdessen so, dass er genau wusste, was er tat und dass wir, die israelische Öffentlichkeit, es waren, die mit unseren Annahmen über die deutsch-israelischen Beziehungen einen Fehler machten.

Breaking the Silence und B’Tselem werden nicht von vielen Israelis als ehrliche Menschenrechts-Schützer betrachtet. Vielmehr haben viele den Verdacht, dass sie das Thema der Menschenrechte im Dienst einer weltweiten Kampagne zur Dämonisierung Israels missbrauchen. Dass ein deutscher Minister darauf bestehen würde denen Unterstützung zu bieten, die von vielen als Teil der Kampagne betrachtet werden, die den Juden das Recht auf Selbstbestimmung verweigern, war derart verblüffend, dass es eine Weile brauchte um anzukommen. Und als es ankam, fand Netanyahu Unterstützung für seinen ungewöhnlichen Schritt, selbst von Leuten, die weit jenseits seiner Wählerschaft sind. Viele hatten den Verdacht, dass der Minister genau diese Organisationen nicht trotz der Tatsache besuchte, dass sie für die so nützlich sind, die uns dämonisieren, sondern genau wegen dieser Tatsache. Und dieser Verdacht schien Beweiskraft zu gewinnen, als die Affäre sich entaltete.

Breaking the Silence

Breaking the Silence sammelt Aussagen von IDF-Soldaten über angebliche Menschenrechtsverletzungen in den Gebieten. Für sich genommen sollte das als etwas Gutes angesehen werden. Es ist Israels Pflicht solche Missbräuche zu ermitteln, sie zu bestrafen und das ethische Verhalten seiner Armee zu verbessern. Doch Breaking the Silence berichtet diese Aussagen zumeist anonym, also können die Behörden sie nicht verifizieren, nicht zu ihnen ermitteln oder bestrafen. BtS konzentriert sich zudem stark auf seine Bemühungen die Aussagen im Ausland zu veröffentlichen, statt in Israel. Ihre Arbeit hilft nicht wirklich die Verhaltensnormen der IDF zu verbessern.

Das ist der Grund, dass viele in Israel das Gefühl haben, die Organisation sei nicht wirklich in Sorge um Menschenrechte an sich, sondern nutze das Thema vielmehr zynisch als Mittel für ein anderes Ziel: Sie glaubt, sie könne Israel zwingen die Besatzung zu beenden, aber nicht dadurch, dass ihre Bürger überzeugt werden den Versuch zu unternehmen das zu tun, sondern indem über den Kopf des Wahlvolks hinweg gearbeitet und Israel in den Augen der Welt dämonisiert wird. Das soll externen Druck der internationalen Gemeinschaft generieren, bis Israel gezwungen ist die Besatzung zu beenden. So scheint es jedenfalls in der Theorie auszusehen.

Wenn dem so ist, wie manche betont haben, dann steht jede Verbesserung der IDF-Verhaltensnormen dieser politischen Strategie im Weg, da sie davon abhängt, dass Israel im schlimmstmöglichen Licht dargestellt wird. Das mag auch erklären, warum in einigen der wenigen Aussagen, die Breaking the Silence mit verifizierbaren Details veröffentlicht hat, die Zuverlässigkeit sich als mehr als ein wenig fragwürdig herausstellte. Hamakor, das investigative Journalismus-Programm von Kanal 10, machte eine Stichprobe mit 10 Zeugenaussagen von Breaking the Silence. Es stellte fest, dass vier nicht überprüft werden konnten, zwei wurden verifiziert, zwei waren übertrieben und zwei stellten sich als falsch heraus. Das ist keine beeindruckende Bilanz, wenn man sich sorgfältige Dokumentation zum Ziel setzt. Als Demontrationsmittel ist das jedoch sehr eindrucksvoll.

All dies führt viele dazu zu glauben, dass die Nützlichkeit der Organisation für unverhohlen antisemitische Organisationen in der BDS-Bewegung (Boykott, De-Investition, Sanktionen) kein reiner Zufall sein kann.

B’Tselem

B’Tselem, eine ältere Organisation, ist ebenfalls nicht unbedingt nur eine aufrichtige Menschenrechts-Beobachtungsgruppe. Roy Yellin, Leiter der PR-Abteilung von B’Teselem, scheint das zugegeben zu haben, als er dies (auf Hebräisch) in Reaktion auf einen meiner Texte in Ha’aretz twitterte: „Das Problem besteht darin, dass Taub annimmt, das Ziel von Breaking the Silence und B’Tselem sei die Verbesserung der Besatzung, während beide Organisationen daran arbeiten die Besatzung zu beenden.“

Es gibt ein Problem, wenn das Thema Menschenrechte, das über allen parteilichen Überlegungen stehen sollte, in den Dienst einseitiger Ziele gebogen wird. Und natürlich könnten auch bei B’Tselem die beiden Ziele – Verteidigung der Menschenrechte und Druck auf Israel zu generieren – miteinander im Konflikt stehen: Je mehr Israels Verhaltensnormen verbessert werden, desto weniger (nicht fingierte) Munition gibt es, um den Staat zu dämonisieren. Wenn das Ziel darin besteht die Bürde für die Besatzung und die fortbestehende Pattsituation im Friedensprozess allein Israel anzulasten, dann, so scheint es, ist es um so besser, je schlimmer Israel sich verhält.

Die Internetseite von B’Tselem führt diesen Werbeslogan ganz oben auf ihrer Homepage: „Das israelische Informationszentrum für Menschenrechte in den besetzten Gebieten.“ Das ist allerdings eine irreführende Beschreibung. Sie sammeln keine Informationen zu allen Menschenrechtsverletzungen, sondern nur zu den von Israelis begangenen. Palästinensische Zuwiderhandlungen, von denen es unter dem nicht allzu demokratischen Regime der Fatah reichlich gibt, werden einfach ignoriert. Das war eine Konsens-Entscheidung, die schon 1996 getroffen wurde. Fragen Sie Bassam Eid, einen Palästinenser, der mit B’Tselem arbeitete und sich unter Protest daraus zurückzog, nachdem die Organisation diesen Weg einschlug.

Man kann den Eindruck kaum aus dem Wege gehen, dass auch hier Menschenrechte ein Mittel sind, kein Ziel; und dass sie im Kontext benutzt werden ein einseitiges Narrativ über den Konflikt zu schaffen, in dem Israel der böse Schikaneur und die Palästinenser dessen unschuldige Opfer sind. Und wenn, wie Yellin zuzugeben scheint, das Ziel darin besteht die Besatzung zu beenden, nicht Abhilfemaßnahmen zu fördern, dann gibt es wohl in der Strategie wenig Unterschiede zwischen B’Tselem und Breaking the Silence.

Vielen Israelis, so wie ich, die seit Jahrzehnten gegen die Siedlungen opponieren und gerne sehen würden, dass die Besatzung endet, ist nicht nur unwohl bei dem, was eine Dämonisierungskampagne zu sein scheint, sondern sie glauben auch, dass diese Strategie zur Beendigung der Besatzung übel falsch aufgebaut ist. Die Palästinenser, nicht Israel, haben wiederholt Friedensabkommen abgelehnt (und tun das weiter, indem sie auf dem „Recht“ von Millionen Nachkommen der Flüchtlinge von 1948 bestehen nach Israel „zurückzukehren“). Einseitiger Druck auf Israel wird daher nur ihre Widerspenstigkeit anspornen. Warum sollte man nach all dem irgendeine der Forderungen aufgeben, wenn Druck nur auf die andere Seite ausgeübt wird? Außerdem: Wenn die Israelis die „neuen Nazis“ sind – d.h. das absolute Böse – warum sollte man dann irgendetwas tun außer zu warten, bis die zivilisierte Welt sie bricht, wie sie es mit den ursprünglichen Nazis tat?

Die Affäre Gabriel

Vor der Affäre Gabriel waren sich wenige Israelis bewusst, wie beliebt es in Deutschland ist Israel mit den Nazis zu vergleichen. Aber man muss zugegeben, dass das eine eigene, abartige psychologische Logik hat. Wenn die Juden heute die sind, die andere zu Opfer machen, statt die Opfer zu sein, nimmt das dann nicht einen Teil der Last der deutschen Schuld? Schafft das nicht ein Gegengewicht zum allgegenwärtigen Gefühl, dass schon die Existenz der Juden eine ständige Erinnerung an die Sünden der Deutschen ist? Drängt nicht das psychologische Bedürfnis, wenn schon nicht das Argument selbst, auf einen Weg der Entlastung, wenn den Opfern Vorwürfe gemacht werden?

Durch die Ablehnung von Netanyahus Ersuchen und die Unterstützung von Organisationen, die versessen darauf sind Israel zu dämonisieren, sorgte Gabriel dafür, dass viele sich fragten, ob er nicht eigentlich genau diese Art von politisch-psychologischem Spiel betrieb, das auf seine Wählerschaft Zuhause abzielen könnte. Aber ein deutscher Außenminister auf Staatsbesuch aus Anlass des Holocaust-Gedenktags kann doch sicher nicht versuchen Symbole und Emotionen zu manipulieren, um aus Opfern Täter zu machen! Oder doch? Wir sind jetzt ganz Ohr.

Es wurde hier in Israel daher nicht übersehen, dass Gabriel bei seiner Rückkehr nach Deutschland der Frankfurter Rundschau sagte, die Sozialdemokraten, seine Partei, seien zusammen mit den Juden „die ersten Opfer des Holocaust gewesen“ (das wurde später auf der Internetseite der Zeitung von „Opfern des Holocaust“ in „Opfer der Nazis“ geändert). Nachdem er also seinen Staatsbesuch dazu nutzte Israel durch das Objektiv von Organisationen zu betrachten, die unsere Sünden betonen und uns damit als Täter zu klassifizieren, machte er sich nun selbst (stellvertretend) zum Opfer und nicht nur zu irgendeinem Opfer, sondern zu einem Opfer des Nationalsozialismus? Wohin führte das alles? Es brachte die bitter sarkastische Bemerkung in Erinnerung, die dem israelischen Psychologen Zvi Rex zugeschrieben wird: „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen.“ Werden wir uns für ihn bald bei Gabriel entschuldigen müssen?

All dies, sollten wir beachten, wurde unter dem Mantel selbstherrlicher – und entschieden herablassender – Rhetorik betrieben. Gabriel half, uns nach eigener Auskunft über die Gefahren des Nationalismus – des unseren – und die Tugenden „europäischer Werte“ und Demokratie zu belehren. Aber trotz des makellosen humanitären Vokabulars war es nicht schwer das Gefühl zu haben, dass etwas sehr Unheimliches im Gang war, da das Interesse des Ministers an böswilligem Nationalismus und Menschenrechten selektiv zu sein schien. Er war offenbar mehr an Fällen interessiert, bei denen Israel Schuld zugeschrieben werden kann. Er hatte keine Pläne irgendwelche zivilgesellschaftlichen Organisationen zu treffen, die palästinensische Missstände dokumentieren und seine edelgesinnten Mahnungen vor jüdischem Nationalismus wurden durch keine einzige Kritik an der mörderischen Art fremdenfeindlichen Nationalismus ergänzt, zu dem die Palästinenser gewohnheitsmäßig – und institutionell – ihre Leute ermutigen, besonders ihre Jugend. (Gabriel hat seitdem als Teil einer offiziellen Veranstaltung des Außenministeriums einen religiösen iranischen Führer bewirtet, der die Auslöschung Israels forderte, berichtete die Jerusalem Post.) Natürlich ist palästinensischer Antisemitismus als „Lektion aus dem Holocaust“ nützlich, wenn eine solche Lektion nur dazu gedacht ist etwas zu unterstellen – selbstverständlich auf gewundene, niemals ausdrückliche Art – dass die ehemaligen Opfer heute die Täter geworden sind, womit geholfen wird Deutschlands moralische Bürde leichter zu machen.

Netanyahu hatte absolut recht mit seiner energischen Ablehnung bei einem derart fragwürdigen Spiel der Andeutungen mitzumachen. Vielleicht sollten wir Gabriel daher am Ende dankbar sein, dass er die Gelegenheit lieferte all das den Israelis klarzumachen. Wir können würdigen, dass die deutsche Vergangenheit tatsächlich eine schwer zu tragende Last ist; und wir können sogar den Schmerz der Söhne mitfühlen, die mit den Sünden ihrer Väter leben müssen. Aber es ist beileibe nicht die Aufgabe der Juden ihnen zu helfen sich die Sacher leichter zu machen, geschweige denn Deutschlands historische Schuld zu schultern. Es ist also leicht zu sehen, warum Israelis die gesamte Affäre eher widerlich fanden.

Doch selbst das war noch nicht alles. Viele Israelis lehnten die schrille Rhetorik von Netanyahus rechtsgerichteter Regierung ab, in der Beschwerden darüber, dass europäisches Geld über die PA für die Unterstützung von Terrorismus geleitet wird, im allgemeinen Klima der paranoid scheinenden Rhetorik scheinbar verlorengehen könnte. Aber auch diese Beschwerde erhielt jetzt mehr Aufmerksamkeit, wie es anscheinend sein musste, als die USA vor kurzem gegen die Unterstützung der PA für die Familien von Terroristen eine recht entschiedene Haltung bezog. Die PA unter Mahmud Abbas nennt palästinensische Terroristen gewohnheitsmäßig „Märtyrer“ und bietet ihren Familien großzügige finanzielle Hilfe. Gabriel, der es bezüglich Israels moralischem Verhaltens so genau nahm, hatte nichts dazu zu sagen, dass deutsches Geld auf diese Weise genutzt wird. Wir aber schon. Und wir sollten alle Spender haftbar machen, wenn sie erlauben, dass ihr Geld dafür genutzt wird Anreize für Terrorismus zu liefern. Deutschland ist ein guter Ort damit anzufangen und Netanyahu hatte recht all das herauszustellen.

Nach Angaben von Presseberichten in Israel, die auf Gabriels Besuch folgten, verweigerte Deutschland Vertretern der Regierung von Recep Erdoğan die Einreise, als sie sich mit deutschen Bürgern türkischer Herkunft treffen wollten. Deutschland fürchtete, dass Repräsentanten des türkischen Staates Mitglieder ihrer eigenen Bürgerschaft radikalisieren würden. Letzten Endes sieht es also so aus, als wäre im Vergleich Netanyahus Umgang mit Gabriel eigentlich sogar recht milde umgegangen. Vielleich sollte das in der Zukunft weniger milde sein.