Deutschland: Herausstehende Fälle von Antisemitismus im vergangenen Jahrzehnt

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Es ist schwer den Überblick über die wichtigen antisemitischen Vorfälle in den europäischen Ländern zu behalten, in denen der Hass massiv ist. Zu Deutschland habe ich zum Beispiel mehr als 200.000 Worte an Notizen gesammelt, die weniger als zwei Jahre abdecken.

Ein rascher Weg etwas Perspektive zu Deutschlands antisemitischen Vorfällen des vergangenen Jahrzehnts zu bekommen, besteht darin die jährlichen Berichte des Simon Wiesenthal Center (SWC) zu den weltweit zehn schlimmsten antisemitischen Vorfällen durchzusehen. Diese Berichte werden seit 2010 veröffentlicht.

Diese Berichte des SWC helfen uns einige der auffälligsten Bekundungen von Antisemitismus in Deutschland während des letzten Jahrzehnts zu bestimmen. Der Mitte-links eingeordnete SPIEGEL ist Europas am weitesten verbreitete Wochenzeitschrift. In einer Online-Ausgabe von 2012 schrieb der SPIEGEL-Kolumnist Jakob Augstein: „Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs.“ Das war eine dicke Lüge, da der damalige US-Präsident Barack Obama eine Politik verfolgte, die oft weit entfernt von oder sogar dem entgegengesetzt war, war Israel wollte.

Augstein fügte eine weitere Lüge an: „‚Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.‘ Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er stimmt. Und weil ein Deutscher ihn sagt, ein Schriftsteller, ein Nobelpreisträger, weil Günter Grass ihn sagt. Darin liegt ein Einschnitt. Dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen.“ Der verstorbene Grass, in seiner Jugend Nazi, war ein extrem antisemitischer Verleumder Israels. Blickt man darauf zurück, wo seitdem Kriege stattgefunden haben, ist es leicht zu erkennen, dass Augstein ebenfalls ein großer Verleumder Israels ist.

Er fuhr fort: „Israel wird von den islamischen Fundamentalisten in seiner Nachbarschaft bedroht. Aber die Juden haben ihre eigenen Fundamentalisten. Sie heißen nur anders: Ultraorthodoxe oder Haredim. Das ist keine kleine, zu vernachlässigende Splittergruppe. Sie stellen 10% der israelischen Bevölkerung. Diese Leute sind aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihre islamistischen Gegner. Sie folgen dem Gesetz der Rache.“ Jeder, der auch nur ansatzweise mit der Realität vertraut ist, weiß jedoch, dass es einen enormen Unterschied gibt zwischen den Völkermord propagierenden muslimischen Fundamentalisten von Hamas und Hisbollah und Israels Haredim, die Mord verabscheuen, der von den Zehn Geboten verboten ist.

Noch ein Augstein-Zitat: „Gaza ist ein Ort aus der Endzeit des Menschlichen. 1,7 Millionen Menschen hausen da, zusammengepfercht auf 360 Quadratkilometern. Gaza ist ein Gefängnis. Ein Lager. Israel brütet sich dort seine eigenen Gegner aus.“[1] Die Wahrheit lautet, dass es die Hamas ist, die Völkermord an Israelis propagiert. Israelische Reaktionen erfolgen zu seiner Verteidigung. Der SPIEGEL ist ebenfalls verantwortlich, weil der diese Lügen und Diffamierungen Israels weithin verbreitet.

Der deutsch-jüdische Autor Henryk Broder, der im deutschen Parlament als Experte für Antisemitismus im Land aussagte, bezeichnete Augstein als „kleinen Streicher“. Er fügte hinzu: „Jakob Augstein ist kein Salon-Antisemit, er ist ein lupenreiner Antisemit, eine antisemitische Dreckschleuder, ein Überzeugungstäter, der nur dank der Gnade der späten Geburt um die Gelegenheit gekommen ist, im Reichssicherheitshauptamt Karriere zu machen. Das Zeug dazu hätte er.“[2]

Am 10. November 2014 lud die Partei Die Linke die berüchtigten Israel-Basher Max Blumenthal (auf der Top 10-Liste des SWC für 2013 geführt) und David Sheen ein, um bei einem „Fachgespräch“ im Fraktionssitzungssaal der Partei im Bundestag zu sprechen – am Tag nach dem Gedenktag zur Reichskristallnacht, dem Pogrom von 1938, als die Nazis in ganz Deutschland jüdische Synagogen niederbrannten. Blumenthal bezeichnet den Zionismus oft als Rassismus und verbindet angebliche israelische Verbrechen mit Nazi-Bildsprache.

Das war dem damaligen Fraktionsvorsitzenden der Partei Gregor Gysi dann doch zu viel und er sagte die Nutzung des Fraktionssitzungssaals ab. Der Vorfall wurde als „Toiletten-Affäre“ bekannt, weil Gysi gezwungen war sich in einer Toilette zu verbarrikadieren, um dem Zorn von Blumenthal und Sheen zu entgehen. Dieser Vorfall hob die fortbestehenden Bemühungen einer Gruppe extrem antiisraelischer Abgeordneter Israel zu dämonisieren hervor, die von Inge Höger und Annette Groth angeführt wird. Diese beiden Parlamentarierinnen waren an Bord der umstrittenen Gaza-Flottille mit der Mavi Marmara und wurden bei ihrer Rückkehr nach Berlin von vielen der Abgeordneten ihrer Partei bejubelt.

Das SWC schrieb, dass Groth, Häger und die Vertreter der Linkspartei Claudia Haydt und die MdB Heike Hänsel – als Organisatoren und Teilnehmer – eine entscheidende Rolle dabei spielten während der „Toiletten-Affäre“ Israelhass zu schüren. Beim Vortrag von Blumenthal und Sheen waren sie alle anwesend. Sie sind Teil einer beträchtlichen Gruppe von Hardcore-Israelfeinden in der Fraktion der Linkspartei im Bundestag. In Reaktion auf den „Toiletten-Affäre“-Skandal erklärten MdBs, die eine Petition des Reform-Flügels der Linkspartei unterschrieben: „Wiederholt müssen wir konstatieren, dass sich – allen wiederholten Bekenntnissen zu einer differenzierten Sicht auf den Nahostkonflikt zum Trotz – Mitglieder unserer Partei in verantwortlichen Positionen durch Schürung obsessiven Hasses auf und der Dämonisierung von Israel antisemitische Argumentationsmuster und eine Relativierung des Holocausts und der deutschen Verantwortung für die millionenfache Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden befördern.“[3]

Aus dem SWC-Bericht von 2016: Führer der lokalen Lehrergewerkschaft GEW in Oldenburg riefen zu einem totalen Boykott Israels auf. Im September veröffentlichte die GEW Oldenburg einen pro-BDS-Artikel von Christoph Glanz, einem Lehrer an einer öffentlichen Schule und fanatischer Gegner des jüdischen Staats. Glanz, der versucht hatte sich als Jude auszugeben, um Antisemitismusvorwürfe zu umgehen, forderte die Ausmerzung des Staates Israel und die Umsiedlung seiner Juden nach Südwestdeutschland.

Das extremste antisemitische Ereignis des Jahres 2019 war der fehlgeschlagene Anschlag auf die Synagoge in Halle. Dutzende in dieser Synagoge am Yom Kippur – dem heiligsten Tag des Judentums – betende Juden entkamen wie durch ein Wunder der sicheren Verletzung oder gar dem Tod durch die  Hand eines Neonazi, weil der Angreifer es nicht schaffte eine Sicherheitstür an der Synagoge in Halle aufzubrechen. Nachdem er mit dem Eindringen in die Synagoge scheiterte, tötete der mit einer Maschinenpistole und Sprengstoff bewaffnete Stephan Balliet (27) zwei in der Nähe befindliche Zivilisten und verletzte zwei weitere. Balliet gab zu, dass er von seinem Judenhass motiviert war. In seinem Bekennerschreiben erklärte er: „Töte so viele Anti-Weiße wie möglich, vorzugsweise Juden.“[4]

Aus dem Bericht von 2019: Deutschland befindet sich mitten in einer 18-monatigen Arbeitsperiode im UNO-Sicherheitsrat. Sein UNO-Botschafter Christoph Heusgen schaffte es 2019 auf die Liste der Top 10. Er sorgte für Aufruhr, nachdem bekannt wurde, wie oft er gegen Israel abstimmte, aber vor allem durch seine Gleichsetzung von 130 innerhalb einer Woche auf durch die Terrororganisation Hamas auf israelische Zivilisten geschossene Raketen mit dem Abriss der Häuser von Terroristen.

Heusgen erklärte: „Wir glauben, dass das internationale Recht der beste Weg ist Zivilisten zu schützen und ihnen zu ermöglichen, in Frieden und Sicherheit und ohne Angst vor israelischen Bulldozern oder Hamas-Raketen zu leben.“[5] BILD, Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung, beschuldigte Heusgen in einem Editorial „reiner Boshaftigkeit“ gegen den jüdischen Staat. Heusgen stimmte 2018 in der UNO 16-mal gegen Israel und enthielt sich einmal der Stimme. 2019 stimmte er für neun antiisraelische Resolutionen, darunter eine, die Jerusalems heiligste Stätten als „besetztes palästinensisches Gebiet“ bezeichnete, während er sich dreimal enthielt und nur einmal gegen eine antiisraelische Resolution stimmte.

Das ist weit weniger als ein Prozent meiner Notizen zu Antisemitismus in Deutschland. Dennoch zeigt es prägnant, dass das Land weit davon entfernt ist bei der Ausrottung des Antisemitismus Erfolg zu haben. Die Veröffentlichung von Augsteins Artikel durch den SPIEGEL, die für Boykott werbende Lehrergewerkschaft und Heusgens Gleichsetzung Israels mit der Hamas spiegelt, wie dieser Hass den deutschen Mainstream durchdrungen hat und lebt.

[1] Die Augstein-Zitate finden sich u.a. hier: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Jakob_Augstein

[2] https://www.achgut.com/artikel/0027684

[3] https://www.tagesspiegel.de/politik/antisemitische-argumentationsmuster-nach-der-jagd-auf-gysi-entlaedt-sich-die-wut-in-der-linken/10983888.html

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_in_Halle_%28Saale%29_2019#Tatmotive_und_Vorbilder_im_Internet

[5] https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2019/12/16/israelischer-botschafter-nimmt-deutschen-diplomaten-heusgen-in-schutz/

Schon wieder: Demonstrationen gegen Regierungen von Antisemitismus begleitet

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Antisemitismus ist seit mehr als 1.000 Jahren ein integraler Bestandteil westlicher Kultur gewesen. Das ist heute immer noch der Fall. Eine der vielen Möglichkeiten das zu erkennen, ist, dass Antisemitismus oft in Massendemonstrationen eindringt, die nichts mit Israel oder Juden zu tun haben.

So ist es auch bei den aktuellen „Hygiene-Demonstrationen“ gegen den Corona-Lockdown, die in Deutschland in vielen Städten stattfinden. Tausende Menschen machen bei diesen Protesten mit. In Berlin skandierten viele Teilnehmer: „Freiheit. Widerstand. Verräter“ und „Wir sind das Volk.“ Manche warfen mit Flaschen auf Polizisten, die mit Pfefferspray und Festnahmen reagierten. Unter den Demonstranten befanden sich Verschwörungstheoretiker und Rechtspopulisten.

Bei mehreren Demonstrationen trugen Protestler gelbe Sterne auf Armbinden oder auf der Brust, um die Lockdown-Maßnahmen fälschlich mit der Verfolgung von Juden durch die Nazis und die derzeitige deutsche Regierung mit der von Hitler gleichzusetzen.[1] Auf diesen Sternen steht „ungeimpft“ oder „Covid 19“.[2] Daraufhin verbot die die Stadt München das Tragen eines gelben Sterns bei diesen Versammlungen.[3] Gelegentlich trugen Demonstratoren Kleidung wie KZ-Insassen, dazu ein Schild „Masken machen frei“.[4] In einer Reihe deutscher Städte wurden bei Demonstrationen, für die die rechte Partei AfD geworben hatte, ebenfalls Nazisymbole und Bezüge zum Holocaust gezeigt.

Gideon Botsch, Leiter der Forschungsstelle für Antisemitismus und Rechtsextremismus am Moses-Medelssohn-Zentrum in Potsdam, sagte, die Teilnehmer an diesen Demonstrationen seien zwar sehr unterschiedlich, aber „der ständig präsente, wenn auch latente Antisemitismus hinter Verschwörungstheorien ist inzwischen offensichtlich“.[5]

Saba Nur-Cheema vom Anne Frank Bildungszentrum sagte, Antisemitismus spiele bei den Protesten eine wichtige, wenn auch nicht immer offene Rolle. Einige Demonstranten sagten in Aufnahmen offen, Juden würden hinter der Corona-Pandemie stecken. Das geschieht allerdings nicht häufig. Sie fügte hinzu, dass der Antisemitismus üblicherweise indirekt ausgedrückt wird. Zum Beispiel werden George Soros oder Israel beschuldigt den Virus initiiert zu haben. Nur-Cheema merkte an, dass Rechtsextreme auf solch eine Krisensituation warten, um ihre Ideologie zu propagieren und aus der Bevölkerung weitere Mitglieder anzuwerben.

Die Art, wie Antisemitismus die aktuellen Demonstrationen infiltriert, erinnert an mehr oder weniger ähnliche Geschehnisse bei den Occupy Wall Street-Protesten von 2011. Die Protestler waren größtenteils keine Antisemiten, aber Antisemitismus befleckte diese Proteste. Das Emergency Committee for Israel wurde von William Kristol geleitet, dem jüdischen Herausgeber der Wochenzeitung Standard. Das Komitee bereitete ein Video der Occupy-Demonstration in New York vor. Man konnte sehen, wie Juden angegriffen und für die Finanzkrise und Finanzhilfe für Israel verantwortlich gemacht wurden. Auf Schildern stand unter anderem: „Gaza unterstützt die Besetzung der Wall Street“ und „Hitlers Banker“.

Ein afroamerikanischer Demonstrant wurde gesehen, wie er Juden beschuldigte „Amerika übernommen zu haben“. Er sagte: „Die kleinste Gruppe in Amerika kontrolliert das Geld, die Medien und alles andere. Die Fingerabdrücke gehören den jüdischen Bankern. Ich bin dagegen, dass Juden Amerika ausrauben. Sie sind das eine Prozent, das Amerika kontrolliert. Präsident Obama ist eine jüdische Marionette. Die gesamte Wirtschaft ist jüdisch. Jeder Bundesrichter an der Ostküste ist jüdisch.“[6]

2019 fanden samstags in Frankreich „Gelbwesten“-Kundgebungen statt. Diese Proteste begannen im November 2018. Sie erhielten ihren Namen durch die von den Demonstranten getragenen Autobahn-Sicherheitswesten. Die Ereignisse waren ein Protest für mehr wirtschaftliche Gerechtigkeit. Ursprünglich waren Hauptangriffsziele die gestiegenen Benzinpreise und die hohen Lebenskosten. Die Proteste zogen Unterstützer aus dem gesamten politischen Spektrum an. Ein Teil von ihnen standen der radikalen Linken sehr nahe. Andere waren den Rechtsaußen-Positionen näher.  Das waren keine antisemitischen Demonstrationen und hatten nichts mit Juden oder Israel zu tun.

Doch fast jeden Samstag gab es verbale Angriffe auf die jüdische Gemeinschaft. Jean Yves Camus von der Jean Jaurès-Stiftung sagte, dass es kein Ordnungssystem gab und jeder sich diesen Demonstrationen anschließen konnte. Er merkte an, dass kleine Gruppen teilnahmen, die, wenn sie sich nicht bei den Protesten zeigten, völlig unbekannt blieben.[7]

Antisemitismus bei den Gelbwesten erhielt große Aufmerksamkeit, als am 17. Februar 2019 der jüdische Philosoph Alain Finkielkraut – Mitglied in der Académie Française – an der Demonstration vorbei kam. Ein paar Demonstranten kontaktierten ihn und brüllten: „Dreckige Scheiße, Frankreich gehört uns, Drecksrasse, du Rassist, du Hasser, du bist ein Hasser. Du wirst sterben. Du kommst in die Hölle. Die Leute werden dich bestrafen. Der Schöpfer wird dich bestrafen … du Zionist!“ Der Polizei sagte einer der Protestler: „Ich habe nichts gegen dich. Das geht gegen diese Scheiße.“ Ein Polizist erkannte später einen derer, die Finkielkraut drangsalierten. Er wurde vor Gericht gestellt,[8] das ihn zu einer zweimonatigen Bewährungsstrafe verurteilte.[9]

Ein weiteres Beispiel: Im Januar 2014 fand in Paris eine Großkundgebung statt. Dieser „Tag des Zorns“ hatte nichts mit einem sonderlich jüdischen Thema zu tun. Ein Teil des Protests richtete sich gegen die Wirtschaftspläne des französischen Präsidenten François Hollande. Aber allerlei Teilnehmergruppen begannen antisemitische Parolen zu brüllen. Darunter „Juden, Frankreich gehört euch nicht“ und (der Holocaust-Leugner“) „Faurisson hat recht“ sowie „Der Holocaust war Betrug“.

Der französische Journalist und Denker Michel Gurfinkiel schrieb, es sei erschütternd, dass niemand handelte, um die antisemitischen Protestler zu entfernen. Die Polizei unternahm nichts, obwohl die Rufe gegen die französischen Gesetze zu Hassreden verstießen. Gurfinkiel bezweifelte, dass die französische Demokratie in der Lage sei den Antisemitismus unter Kontrolle zu halten.[10]

Weicht man ein klein wenig in Richtung einiger Bewegungen ab, die ein Ziel haben, das keinen Bezug zu Juden oder Israel hat, findet man ähnliche Phänomene. Eines der deutlichsten Beispiele ist die amerikanische Bewegung Black Lives Matter. Diese Organisation hat zum Ziel das an afroamerikanischen Bürgern in Vergangenheit und Gegenwart begangene Unrecht wiedergutzumachen. Ihr 40.000 Worte dickes Programm wirft Israel vor Völkermord an den Palästinensern zu begehen, bezeichnet Israel als „Apartheidstaat“ und schloss sich der BDS-Bewegung dabei an den totalen akademischen, kulturellen und wirtschaftlichen Boykott des Landes zu fordern. Keinem anderen Staat gegenüber wurden solche Forderungen gestellt.[11]

Das oben ist nur ein weiterer Aspekt davon wie eingegraben der Antisemitismus in westlichen Gesellschaften ist.

[1] www.wn.de/Muenster/4208139-Kritik-der-Deutsch-Israelischen-Gesellschaft-Antisemitische-Aeusserungen-bei-Corona-Demos; https://www.welt.de/politik/deutschland/plus208356965/Antisemitismus-Immer-im-Hinterkopf-Was-wenn-das-falsche-Regime-an-die-Macht-kommt.html

[2] www.deutschlandfunk.de/libertaerer-antisemitismus-hygienedemos-verbreiten-mythos.886.de.html?dram:article_id=477618

[3] www.n-tv.de/panorama/Muenchen-verbietet-gelben-Ungeimpft-Stern-article21816709.html

[4] www.swp.de/panorama/corona-demo-_judenstern_-und-haeftlingsanzug_-antisemitismus-in-der-corona-krise-46676810.html

[5] http://www.algemeiner.com/2020/05/12/coronavirus-protests-will-boost-far-right-terrorist-radicalization-in-germany-antisemitism-expert-warns/

[6] http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4135361,00.html

[7] http://www.liberation.fr/france/2019/02/18/les-gilets-jaunes-etouffes-par-la-gangrene-antisemite_1710174

[8] http://www.nouvelobs.com/justice/20190522.OBS13313/au-proces-du-gilet-jaune-qui-a-injurie-finkielkraut-je-voulais-lui-dire-mes-positions.html

[9] http://www.lefigaro.fr/actualite-france/finkielkraut-un-homme-condamne-a-de-la-prison-avec-sursis-pour-injures-antisemites-20190712

[10] Jerome Gordon: Gurfinkiel: France may have joined ‘Europe’s league of fringe anti-Semitic countries’. The Iconoclast, 29. Januar 2014.

[11] http://www.tabletmag.com/sections/news/articles/from-left-to-right-jewish-groups-condemn-repellent-black-lives-matter-claim-of-israeli-genocide

Versucht Deutschlands Außenministerium die Beziehungen zu Israel zu sabotieren?

Weit entfernt von seinen offiziellen Bekundungen der Freundschaft und Verbundenheit zu Israel scheint die deutsche Regierung zunehmend harsche Antiisrael-Maßnahmen zu verfolgen.

Eldad Beck, Israel HaYom, 26. Mai 2020

Hinter den Kulissen, in Hinterzimmern und weit weg von offiziellen Bekundungen der Freundschaft und Verbundenheit zu Israel verfolgt die deutsche Regierung zunehmend harsche, antiisraelische Maßnahmen. Über die regelmäßige Finanzierung von Gruppen und Aktivitäten hinaus, die sich auf die Delegitimierung des Staates Israel konzentrieren, hintertreibt die deutsche Regierung und besonders ihr Außenministerium inzwischen gezielt die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

Diese schädlichen Aktivitäten konzentrieren sich aktuell auf die Deutsch-Israelische Gesellschaft, die 1966, weniger als ein Jahr nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Westdeutschland und Israel, gegründet wurde. Heute umfasst der Verein rund 50 Untergruppen in ganz Deutschland mit 5.000 bis 6.000 Mitgliedern. Der Verein war von Anfang an unpolitisch, spiegelte allgemein das Engagement aller deutschen politischen Parteien für Israel. Oberstes Ziel des Vereins ist die „Vertiefung der Beziehungen z wischen Deutschland und Israel in allen Bereichen des öffentlichen und kulturellen Lebens“.

Mit dem Ziel seine Aktivitäten auszuweiten und seine finanzielle Lage zu stabilisieren beantragte die Führung des Vereins jährliche Geldzuschüsse seitens der deutschen Regierung. Der Antrag wurde genehmigt und heute beträgt diese Finanzhilfe, die vom deutschen Auswärtigen Amt verteilt wird, rund €500.000, von den denen €350.000 zur Finanzierung laufender Operationen, €150.000 für Sonderprojekte genutzt werden.

Angeblich symbolisiert diese Geste Deutschlands Bindung an die Pflege guter Beziehungen zu Israel. Aber es gab da einen Haken: Die Vereinsmitglieder erfuhren schnell, dass diese Finanzhilfe keine einfache, großzügige Geste für die Stärkung der Beziehungen zwischen den Ländern war; ihr wahrer Zweck bestand darin Kontrolle über den Verein zu erhalten und ihn der Politik des deutschen Außenministeriums zu unterwerfen, die oft die offizielle Bindung  zu Israel, seiner Existenz und seiner Sicherheit heftig zuwider lief. Es handelt sich um dasselbe Außenministerium, das in internationalen Gremien regelmäßig gegen Israel stimmt und dessen Repräsentanten bei den Vereinten Nationen Israel mal eben mit Nordkorea gleichsetzten.

Wie immer bei Finanzierung mit deutschen Regierungsgeldern gilt: „Folge dem Geld.“ So sind die Vereinsmitglieder an Bedingungen und Verbote gebunden und stehen komplett unter dem Daumen der deutschen Behörden. Den Leitern des Vereins wurde ursprünglich gesagt, sie müssten alle Aktivitäten einstellen, die zwei Kernfragen des arabisch-israelischen Konflikts betreffen: UNRWA und die großzügige Unterstützung der für die palästinensischen „Flüchtlinge“ zuständigen UNO-Organisation, deren Ziel es ist den Staat Israel zu vernichten. In den letzten Jahren, lohnt sich festzuhalten, ist Deutschland einer der größten Geldgeber der UNRWA geworden, stellt rund 180 Millionen Euro zur Verfügung. Später wurde dem Verein gesagt, er dürfe die Regierungsgelder nur für „kulturelle Aktivitäten“ verwenden, was Aktivitäten bezeichnete, die mit einem sehr bestimmten politischen Lager in Israel verbunden sind.

Dieses Jahr kam allerdings der schwerste Schlag. In den letzten Jahren entwickelte sich eine Tradition zum israelischen Unabhängigkeitstag, mit der der Verein zusammen mit anderen proisraelischen Gruppen ein Projekt namens „Israeltage“ organisiert, das in Dutzenden Städten in ganz Deutschland stattfindet. Innerhalb des Rahmens dieses Projekts werden Reden gehalten, Vorstellungen gegeben, Filme gezeigt und zahlreiche PR-Stände aufgestellt, die die deutsche Öffentlichkeit über Israel informieren. Das Projekt, das als kleine und bescheidene Initiative begann, wurde schnell zu einem großen Schaukasten der Unterstützung für Israel.

Dieses Jahr zog das Auswärtige Amt allerdings seine finanzielle Unterstützung der Veranstaltung zurück. Offiziell wurde das damit begründet, dass „diese Veranstaltungen keine neuen Gruppen anziehen um Interesse an Israel zu wecken, sondern eine Gelegenheit für das Zusammenkommen der Vereinsmitglieder sind.“ Um das locker aus dem Deutschen ins Hebräische zu übersetzen: Diese Veranstaltungen befinden sich nicht auf einer Linie mit der Art von Botschaft, die dem Außenministerium genehm sind – heißt: Kritik an Israel und seiner Regierung – sondern schaffen eine positive Atmosphäre um das ansonsten als Israel bekannte „Problem“. Die diesjährigen Veranstaltungen der Israeltage wurden letztlich wegen des Coronavirus abgesagt. Einige fanden online statt. Aber das lenkt nicht von der Tatsache ab, dass die deutsche Regierung einen extrem problematischen Präzedenzfall für die kommenden Jahre geschaffen hat, der die Fortsetzung dieses wichtigen Projekts gefährdet.

Zu allem Übel waren junge Vereinsmitglieder zu Besuch auf Israel vor kurzem sprachlos, dass sie vom Außenministerium eine Liste erhielten, was sie zu tun und zu lassen hätten. In den Anweisungen wurde ihnen ausdrücklich untersagt sich mit rechten israelischen NGOs zu treffen, Treffen mit Siedlern wurden komplett verboten und sie wurden heftig gedrängt sich mit radikal linken Organisationen zu treffen.

Jüdische Zuhälter und Prostituierte am Berliner Zentrum für Antisemitismus studieren

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Am 1. April erhielt ich eine E-Mail, es gebe zwei offene Post-Doktorandenstellen für ein Projekt „Jewish Pimps, Prostitutes and Campaigners in a Transnational German and British Context, 1875–1940“.[1] Die Ankündigung sagte, die Studie werde gemeinsam von Forschern an der School of HIstory an der Queen Mary University in London und dem Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin durchgeführt. Das Projekt wird im Herbst 2020 beginnen und zweieinhalb Jahre dauern.[2] Die Gelder dafür werden vom U.K. Arts and Humanities Research Council (AHRC) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Verfügung gestellt.

Ich gab die Information an eine Bekannte weiter, der ebenfalls zu Antisemitismus ermittelt. Ich warnte sie, dass diese Information mich am 1. April erreichte, also ein Scherz sein könnte. Als ich auf der Website der Queen Mary University wegen der Studie nachsah, stellte sich heraus, dass es sich um ein echtes Forschungsprojekt handelte. Zur Erklärung des Hintergrunds des Projekts hieß es: „Dieses Projekt … wird auf die Fachkenntnis einer Projektgruppe zurückgreifen, die sich auf das Studium von Geschlecht, Antisemitismus und Migration spezialisiert hat, um das Phänomen jüdischer Beteiligung am Rotlichtmilieu zu untersuchen… Dieses Forschungsprojekt…, das von Historikern der jüdischen Geschichte und der Geschichte des Antisemitismus weitgehend vernachlässigt wird, wird einen Blick über institutionelle Rahmenbedingungen hinaus werfen, die das Alltagsleben jüdischer Prostituierter im Zeitalter der großen jüdischen Migration beherrschten, um ein neues Verständnis der internationalen Mobilität in der Zeit der modernen Globalisierung offenzulegen.“[3]

Berlin ist Europas Antisemitismus-Hauptstadt.[4] Hier wird eine große Bandbreite antijüdischer und antiisraelischer Einstellungen zur Schau gestellt. Zu ihnen gehören Dutzende Fälle physischer Aggression gegen Juden, einschließlich Rabbinern. Jüdische Schüler mussten nach extremen Übergriffen öffentliche Schulen verlassen. 35 Prozent der Berliner betrachten Israelis als analog zu Nazis.[5] Jährlich findet in Berlin ein Marsch zum Al-Quds-Tag statt, bei dem die Vernichtung Israels gefordert wird.

Das Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin (ZfA) wurde 1982 eingerichtet. Es behauptet seine Aktivitäten auf die vielfache interdisziplinäre Forschung zum Antisemitismus in der Vergangenheit und Gegenwart zu konzentrieren.[6] Das extrem ungesunde Berliner Umfeld bietet einem Antisemitismus-Zentrum gewaltige Herausforderungen für seine aktuellen Studien.

Das von Skandalen geplagte ZfA hat sich im Lauf der Jahre bedeutender Kritik ausgesetzt gesehen, zum Beispiel dafür einen Forscher zu beschäftigen, der für eine Organisation gearbeitet hatte, die für eine vom iranischen Regime unterstützte Kundgebung warb, auf der die Vernichtung des jüdischen Staates gefordert wurde. Efraim Zuroff vom Simon Wiesenthal Center formulierte es so: „Man stellt sich vor, dass so etwas im Iran gemacht wird. Sie richten ein Institut zum Studium des Antisemitismus ein und laden Antisemiten ein dort zu arbeiten.“[7] Das ZfA ist zudem dafür kritisiert worden Antisemitismus mit Islamophobie gleichzusetzen.[8]

In diesem Zusammenhang finanzielle und menschliche Ressourcen auf eine Studie jüdischer Zuhälter und Prostituierter vor vielen Jahrzehnten zu verwenden ist weit schlimmer als ein Aprilscherz. Es ist die Handlung einer Institution, deren Führung den moralischen Kontext der realen Welt in der Stadt, in der sie arbeitet, komplett verloren zu haben scheint: Europas Hauptstadt des Antisemitismus.

Die Ankündigung dieser falsch aufgefassten Studie kam ein paar Wochen nach einem Artikel von Jeffrey Herf in der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Herf ist ein angesehener Professor an der Maryland University. Er griff einen früheren Artikel in derselben Zeitung an, den Stefanie Schüler-Springorum geschrieben hatte, die aktuelle Leiterin des ZfA. Sie hatte behauptet, dass Antisemitismus-Forschung, um „ihr Thema voll zu erfassen“ interdisziplinär und vergleichend sein und sich auch auf andere Formen der Ausgrenzung konzentrieren muss. Schüler-Springorum erklärte, Antisemitismus-Forschung sei durch politischen Streitigkeiten zerrissen worden.[9]

Herf reagierte: Führende Forscher in den USA, Europa und Israel stimmen überein, dass Antisemitismus nach dem Zweiten Weltkrieg aus drei Quellen kommt: Kommunismus (und die radikale Linke), islamistische Ideologie und christlicher rechter Antisemitismus. Er fügte hinzu, dass das ZfA Jahrzehnte lang diesen wissenschaftlichen Konsens ablehnte und wenig Bereitschaft zeigte linken und islamistischen Antisemitismus anzugehen.

Herfs kräftig zuschlagender Artikel fuhr mit der Erklärung fort, dass das ZfA sich außerhalb des Konsenses befindet. Es beschäftigte sich kaum mit Kommunismus, radikalen Linken und Islamisten. Er stellte heraus, dass das Zentrum nahe bei den Archiven des ehemaligen Ostdeutschland befindet. Dennoch hat kein Forscher eine Studie zu den verschiedenen Arten der Angriffe Ostdeutschlands mit dem Ziel der Vernichtung Israels veröffentlicht.

Herf fuhr mit der Äußerung fort, dass die einseitigen Vorwürfe an Israel wegen des Nahost-Konflikts, wie sie vom kommunistischen Block und der radikalen Linken während des Kalten Kriegs in Europa propagiert wurden, heute in der „selektiven Empörung“ der BDS-Bewegung gegenüber Israel weiterlebt. Diese linke Animosität gegenüber dem Zionismus in Israel belebte die am tiefsten sitzende traditionelle antijüdische Angst der westlichen Welt neu: den Mythos einer mächtigen, bewaffneten und bösen Nation von Juden.

Nach Angaben von Herf hat islamistischer Antisemitismus nach dem Holocaust weiter gelebt, hauptsächlich geformt in den 1930-er und 1940-er Jahren vom Großmufti von Jerusalem, Haddsch Amin al-Husseini; dem führenden Ideologen der Muslimbruderschaft, Sayyid Qutb in den 1950-er und 1960-er Jahren; und dem iranischen Mullah-Regime sowie ab 1988 der Hamas-Charta – die ihre Ideologien allesamt auf einem selektiven Lesen des Koran und der Hadithe gründeten.

Diese fanatische Tradition hat zwanzig Jahre lang Angriffe auf die Juden Europas angezettelt und offen antizionistische Demonstrationen in ganz Deutschland organisiert. Herf schloss, dass die internationale Holocaust-Forschung sich mit „allen drei Gesichtern des Antisemitismus“ beschäftigt und daher nicht von internen Kämpfen zerrissen ist, wie Schüler-Springorum behauptet hatte.[10]

Um das Versagen des ZfA im Umgang mit Schlüsselelementen des zeitgenössischen Antisemitismus besser zu verstehen und warum es Interesse an „Jüdischen Zuhältern und Prostituierten“ in einer weit zurückliegenden Vergangenheit hat, muss man auch einen Blick auf die Ansichten von Wolfgang Benz werfen, der das Zentrum von 1990 bis 2011 leitete. 2014 behauptete Benz in einem Interview in der Wochenzeitung DIE ZEIT, dass Antisemitismus in Deutschland nicht zugenommen hätte. Er stellte diese Behauptung trotz Angriffen auf Juden und jüdische Stellen während der israelischen Operation im Gazastreifen auf.[11]

2018 hängte ein Reporter der Tageszeitung BILD israelische Flaggen in sogenannten Problemzonen mehrerer deutscher Städte auf. Zwei Jugendliche nahmen eine Flagge ab und versuchten erfolglos sie zu verbrennen. BILD betrachtete das als Beweis für muslimischen Antisemitismus – Benz reagiert mit der Aussage: „Israelische Flaggen auf der Straße abzuhängen mach einen nicht antisemitisch.“[12]

2019 sagte Benz in einem Interview zu den Palästinensern nur eins: „Empathie für die Zivilbevölkerung des besetzten Palästina ist kein Antisemitismus.“ Er hielt es nicht für nötig die wichtigen völkermörderischen Strömungen bei den Palästinensern und die Verherrlichung der Morde an Israelis, einschließlich Zivilisten, zu erwähnen. Benz brachte zudem die falschen Idee zum Ausdruck, diejenigen, die die Boykottbewegung als in ihrem Kern antisemitisch betrachten, seien fanatisiert und verfügten über kein objektives Urteilsvermögen mehr.[13]

2020 behauptete Benz in einem Interview, dass 95% der Hassverbrechen in Deutschland gegen Juden von Rechtsradikalen begangen würden, nicht von Neuankömmlingen.[14] Es ist undenkbar, dass Benz, der Antisemitismus-Experte, nicht weiß, dass diese deutschen Statistiken manipuliert sind. Bei der Hälfte der antisemitischen Vorfälle sind die Täter nicht bekannt. Von diesen nehmen die Behörden dann an, dass es sich um Rechtsradikale handelt.

Das ZfA, das sich in Europas Antisemitismus-Hauptstadt Berlin befindet, ist in einer einzigartigen Position, um die Explosion des Antisemitismus im heuen Jahrhundert zu studieren. Das sollte eine Analyse der Gründe einschließen, warum viele Millionen Deutsche Israelis völlig falsch mit Nazis vergleichen. Dort hegt einer von drei Erwachsenen auf der Straße in Berlin diese Ansichten. Stattdessen verschwendet das ZfA seine Energie und nimmt in seine Aktivitäten ein Projekt auf, das auf den ersten Blick wie ein Aprilscherz aussieht.

[1] Jüdische Zuhälter, Prostituierte und Aktivisten in einem transnationalen deutschen und britischen Kontext 1875 – 1940

[2] https://webapps2.is.qmul.ac.uk/jobs/job.action?jobID=5187

[3] ebenda

[4] https://heplev.wordpress.com/2019/02/18/berlin-europas-hauptstadt-des-antisemitismus/ (engl.: https://besacenter.org/perspectives-papers/berlin-antisemitism/)

[5] http://berlin-monitor.de/wp-content/uploads/2019/08/PPT_BerlinMonitor_2019.pdf, S. 14

[6] www.tu-berlin.de/fakultaet_i/zentrum_fuer_antisemitismusforschung/menue/ueber_uns/

[7] www.jpost.com/international/german-center-for-antisemitism-research-hires-alleged-antisemite-569698

[8] www.jpost.com/International/German-intellectuals-blast-Holocaust-professor

[9] http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/antisemitismusforschung-muss-vergleichen-und-differenzieren-16665500.html?premium#void

[10] www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/jeffrey-herf-der-heutige-antisemitismus-hat-drei-urspruenge-16696194.html

[11] www.kantorcenter.tau.ac.il/prof-wolfgang-benz-antisemitism-has-not-increased-germany

[12] www.exberliner.com/features/zeitgeist/a-new-anti-antisemitism/

[13] www.swp.de/politik/inland/interview-mit-antisemitismusforscher-wolfgang-benz-30241771.html

[14] www.exberliner.com/features/zeitgeist/a-new-anti-antisemitism/

Das sich ausdehnende dunkle Universum des Antisemitismus

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor; auf Englisch auch veröffentlicht auf BESA Center, 11. März 2020)

Im weltweiten Kampf gegen die vielen Antisemiten ist eine Definition dieses Hasses unerlässlich. Das ist der Grund, weshalb eine Reihe von Ländern, Städten, Universitäten und anderen Institutionen in Europa die nicht rechtsverbindliche Antisemitismus-Arbeitsdefinition der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA) für den internen Gebrauch angenommen haben.[1]

Dieser Text wurde 2016 vom Vorstand der IHRA genehmigt, der aus den Repräsentanten von 34 Ländern besteht.[2] Die meisten sind Mitglieder der EU, zu den weiteren gehören unter anderem die USA, Kanada und Australien. Die Genehmigung durch alle Mitgliedstaaten war für die Annahme der Definition notwendig.

Das Definitionsdokument der IHRA beinhaltet auch elf Beispiele für Antisemitismus. Eine Reihe von ihnen betreffen Israel. Dennoch würde sich eine gesonderte Definition des Antiisraelismus lohnen. Keine Definition, auch nicht die der IHRA – selbst wenn die Initiatoren viele weitere Beispiele hinzugefügt hätten – kann der Abdeckung der Vielzahl der Fälle nahe kommen, die Elemente des Antisemitismus beinhalten oder berühren. Das ist zum Teil das Ergebnis der postmodernen Zeit, in der wir leben. Viele Dinge sind bruchstückhaft und Antisemitismus ist eines davon.

Es gibt ein riesiges dunkles Universum voller Dinge, die Antisemitismus über die IHRA-Definition hinaus berühren. Viele davon gab es in der klassischen Periode religiöser und nationalistischer/ethnischer Versionen des Antisemitismus vor dem Zweiten Weltkrieg nicht. Eine Reihe ausgesuchter Beispiele wird das illustrieren.

Dem institutionellen Antisemitismus in der britischen Labour Party ist viel Aufmerksamkeit gewidmet worden. Das kam klar an die Öffentlichkeit, nachdem Jeremy Corbyn im September 2015 zum Parteivorsitzenden gewählt wurde. Er hat bei zahlreichen Gelegenheiten antisemitische Einstellungen gezeigt. Dennoch ist die IHRA-Definition bei der Identifizierung davon nicht hilfreich. Sie deckt sein Willkommen der Repräsentanten der völkermörderischen Bewegungen Hamas und Hisbollah im Unterhaus[3] nicht ab. Diejenigen, die die Definition entwarfen, haben zudem die Äußerungen Corbyns nicht vorhersehen können, der diese Repräsentanten extrem mörderischer antiisraelischer Terrororganisationen als seine „Freunde“ und „Brüder“ bezeichnete.[4] Die IHRA-Definition deckt zudem Corbyns – auch finanzielle – Unterstützung der Organisation eines Holocaust-Leugners[5] und das gemeinsame Podium mit einem weiteren Holocaust-Verdreher ab.[6]

Ein weniger transparentes Beispiel im Antisemitismus-Universum betrifft Bernie Sanders, einen führenden jüdischen Bewerber in den Präsidentschaftsvorwahlen der US-Demokraten. Wenn er von den Palästinensern spricht, verweist er auf ihre Würde.[7] Man fragt sich, wie die Würde derer aussieht, die bei den palästinensischen Parlamentswahlen 2006 der Hamas die Mehrheit gaben; diese erklärt offen, dass es ihr Auftrag ist massiv Juden zu ermorden. Andererseits spricht Sanders von Israels „rassistischer Regierung“ und seinem „rassistischen Premierminister“.[8] Die Kombination dieser Äußerungen zeigt Sanders’ Affinität zu extremen palästinensischen Antisemiten.

Vor dem Zweiten Weltkrieg hatten Antisemiten keinen Grund ihren Antisemitismus zu verstecken. Dieser Hass war in Europa vollauf akzeptabel. Heutzutage ist Antisemitismus im Mainstream der Gesellschaften des Westens ausdrücklich nicht mehr politisch korrekt. Daher ist Vernebelung – als Antisemit vorzugeben, man sei kein solcher – recht produktiv eingesetzt worden. Ein Antisemit könnte sogar fälschlich behaupten, der sei ein „Freund Israels“. Eine detaillierte Analyse der Äußerungen des ehemaligen deutschen Außenministers und sozialistischen Parteichefs Sigmar Gabriel zu Israel illustriert dies.[9]

Etwas, das das Verständnis des zeitgenössischen Antisemitismus entscheidend verkompliziert, beseht in der Mutation des Haupttypus der Antisemiten in der westlichen Welt. Während des Aufstiegs und der Herrschaft der Nazis waren viele Judenhasser Vollzeit-Antisemiten. Das war nicht nur bei Deutschen der Fall. Zum Beispiel gehörte Vidkun Quisling, während des Krieges norwegischer Premierminister, in diese Kategorie. Heute sind die meisten jedoch Teilzeit-Antisemiten.

Ein solcher Teilzeit-Antisemit könnte sogar nur eine einzige wichtige antisemitische Äußerung tätigen, ohne sie zu wiederholen. Ein Beispiel für einen Einmal-Antisemiten ist der deutsche Botschafter bei der UNO, Christoph Heusgen. Zur Erklärung der vielen antiisraelischen Abstimmungen seines Landes gab Heusgen im März 2019 in der UNO eine niederträchtige Erklärung ab: „Wir glauben, dass das internationale Recht am besten geeignet ist, Zivilisten zu schützen, damit sie in Frieden und Sicherheit leben können, damit sie ohne Angst vor israelischen Bulldozern oder Hamas-Raketen leben können“, sagte Heusgen im März unter anderem.“[10]

Die größte deutsche Tageszeitung, BILD, schrieb eine Antwort auf Heusgens Äußerung, in der er palästinensische Raketen mit israelischen Bulldozern gleichsetzte. Sie merkte an: „Diese Gleichsetzung ist pure Häme in einer Woche, in der die israelische Bevölkerung immer wieder vor Raketen-Beschüssen der Hamas-Terroristen fliehen musste. Heusgens Anspielung auf die Bulldozer bezieht sich hingegen auf Maßnahmen der israelischen Regierung gegen ungenehmigte Bauten, von denen vor allem Palästinenser, aber auch israelische Siedlungen betroffen sind.“[11] Das Simon Wiesenthal Center nahm Heusgens UNO-Äußerung in seine Liste der wichtigsten antisemitischen Vorfälle des Jahres 2019 auf.[12]

Da Antisemitismus politisch nicht korrekt ist, haben seine Leugnung, Beschönigung und Bagatellisierung exponentiell zugenommen. Die britische Labour Party ist ein Paradebeispiel. Sie steckt voller Antisemitismus-Beschöniger. Eine Umfrage unter zahlenden Labour-Mitgliedern im März 2018 stellte fest, dass 47% sagten, Antisemitismus sei ein Problem, aber das Ausmaß des Problems werde übertrieben, „um der Labour Party und Jeremy Corbin zu schaden oder Kritik an Israel zu abzuwürgen“. Weitere 31 Prozent sagten, Antisemitismus sei kein ernstes Problem. 61 Prozent glaubten, Corbyn handhabe die Antisemitismus-Vorwürfe gut.[13]

Für solche Verschleierung sind viele Techniken entwickelt worden. Man findet sogar Beschöniger extremer Fälle von Antisemitismus. Die naziartigen Umzugswagen beim Karneval im belgischen Aalst im Februar 2020 wie auch ein Jahr zuvor sind ein Beispiel dafür.[14]

Louis Farrakhan ist Amerikas führender Antisemit. Viele seiner Äußerungen über Juden erfüllen die Definition der IHRA. Er hat Juden als „Termiten“ und „Giftmischer“ bezeichnet.[15] Doch wie beschreibt man Leute, die seine Gesellschaft suchen? Ist gewollt mit ihm fotografiert zu werden eine antisemitische Tat? Vermutlich nicht, aber es ist ein weiterer dunkler Fleck im Universum des Antisemitismus. Es ist das, was Barack Obama 2005 machte, bevor er verkündete, dass er sich um die Präsidentschaft bewirbt. Später schaffte Obama es, dieses Foto einige Jahre lang zu unterdrücken.[16] Verschiedene demokratische Kongressmitglieder und Gründer des Women’s March suchten ebenfalls die Nähe zu Farrakhan.[17][18]

Zu behaupten, dass die Juden selbst die Ursache von Antisemitismus sind, war in den historischen Ursprüngen ein Schlüsselfaktor dieses Hasses. Als Christen Juden brutal behandelten, behaupteten sie, dass das sich daraus ergebende Leiden der Juden Gottes Strafe dafür sei Jesus nicht anzuerkennen. Dieses Motiv jüdischer Schuld kehrt in vielen Versionen wieder. Sawsan Chebli, die sozialistische Staatssekretärin für außenpolitische Angelegenheiten in Berlin, twitterte einen Tag nach der Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz dieses Jahr: „Ist ja alles traurig, was damals passierte. Aber dass der Hass wieder aufkommt, da sind die Juden nicht ganz unschuldig. Siehe Siedlungspolitik, Annexion…“ Das höre ich sehr oft, und zwar nicht von Muslimen, Arabern oder Flüchtlingen, sondern von Deutschen ohne Zusatz.“[19]

The Berlin Spectator berichtete, Burkard Dregger, CDU-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, beschuldigte Chebli der Verbreitung von klassischem Antisemitismus und die Juden für ihr Leiden in der Vergangenheit verantwortlich zu machen. [20] Andererseits hat Chebli sich aktiv gegen Antisemitismus ausgesprochen und hat dafür sogar einen Preis erhalten. Sie ist repräsentativ für eine ambivalente Form des Antisemitismus. Man könnte auch sagten, dass sie eine bipolaren Einstellung zu diesem Hass hat.

Es gibt viele weitere Beispiele, die in das dunkle Universum des Antisemitismus gehören. In diesem sich ausdehnenden Universum treten im Verlauf der Zeit neue davon auf.

[1] http://www.holocaustremembrance.com/working-definition-antisemitism

[2] http://www.holocaustremembrance.com/about-us/our-partners

[3] http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/aug/13/jeremy-corbyn-labour-leadership-foreign-policy-antisemitism

[4] ebenda

[5] http://www.telegraph.co.uk/news/2017/05/20/jeremy-corbyns-10-year-association-group-denies-holocaust/

[6] www.theguardian.com/politics/2018/aug/01/jeremy-corbyn-issues-apology-in-labour-antisemitism-row

[7] http://www.jpost.com/American-Politics/Bernie-Sanders-Im-pro-Israel-but-we-must-treat-Palestinians-with-dignity-608540

[8] http://www.newsweek.com/bernie-sanders-calls-israels-netanyahu-reactionary-racist-says-hed-consider-moving-embassy-1489109 www.timesofisrael.com/sanders-netanyahu-is-racist-us-must-also-be-pro-palestinian/ www.timesofisrael.com/netanyahu-gives-restrained-response-after-sanders-calls-him-a-racist/ www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/276245

[9] www.inss.org.il/sigmar-gabriel-german-foreign-minister/

[10] www.jpost.com/Diaspora/Antisemitism/German-UN-ambassador-makes-list-of-worst-antisemiticanti-Israel-incidents-610660

[11] www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/deutscher-uno-botschafter-provoziert-hitzige-debatte-um-gaza-konflikt-60895806.bild.html

[12] www.wiesenthal.com/about/news/top-ten-worst-anti-semitic.htm

[13] www.thetimes.co.uk/article/labour-poll-says-antisemitism-row-is-exaggerated-8tdj7wffh

[14] www.ad.nl/binnenland/beledigende-carnavalsoptocht-in-vlaamse-aalst-zonder-problemen-verlopen~a387fa03/

[15] www.jewishvirtuallibrary.org/minister-louis-farrakhan-in-his-own-words

[16] www.ajc.com/news/local/could-this-long-lost-photo-have-derailed-obama-2008-campaign/jC8NKhQr6a72VjRYY9o0EM/

[17] https://abcnews.go.com/Politics/republican-jewish-coalition-calls-resignation-democrats-ties-farrakhan/story?id=53601481

[18] www.harpersbazaar.com/culture/politics/a25920871/womens-march-controversy-explained-louis-farrakhan/

[19] https://twitter.com/SawsanChebli/status/1222159170306179073; https://berlinspectator.com/2020/01/29/berlin-state-secretary-stirs-outrage-with-tweet-1/

[20] ebenda

Man darf sich doch hoffentlich wenigstens noch wundern…

gefunden auf gab.com:

Diese zwei kurzen Sätze sagen dir eine Menge über unsere Regierung und unserer Kultur:

1. Uns wird geraten nicht ALLE Muslime nach dem Tun von ein paar wenigen Verrückten zu beurteilen
aber: Wir werden ermutigt ALL Waffenbesitzer nach dem Tun von ein paar Irren zu beurteilen.
Interessant, wie das funktioniert.

Und iher ist es noch einer wert darüber nachzudenken:

2. Es scheint so, als würden wir ständig hören, der Sozialversicherung würde das Geld ausgehen.
Wie kommt es, dass wir nie zu hören bekommen, dass der Sozialhilfe das Geld ausgeht?
Interessant ist: Die erste Gruppe arbeitete für ihr Geld, die zweite aber nicht.

Tiefgreifend, oder? Denken Sie mal drüber nach. Geben Sie es weiter.

Überträgt man das von de USA (woher es stammt) auf unsere politische Unkultur: