Über die Verantwortung des Islam (3): Nicht der Islam ist bösartig

Daniel Pipes, The New York Post, 30. Juli 2002

„Der Islam ist bösartig.“ Das war die Nachricht, die ein Agent des US Secret Service gesetzwidrig am 18. Juli auf einem islamischen Gebetskalender hinterließ, als ein Al Qaida-Verdächtiger in Dearborn, Michigan ausgehoben wurde.

Sein derbes Graffiti fasst eine Ansicht zusammen, die seit dem 11.9. in den USA vermehrt zu hören ist. Sie ist Besorgnis erregend und falsch.

Hier liegt das Problem: Es ist ein Fehler, den Islam (eine Religion, die immerhin 1400 Jahr alt ist) für das Böse verantwortlich zu machen, das dem militanten Islam (einer weniger als 100 Jahre alten totalitären Ideologie) zugeschrieben werden sollte. Der Terrorismus der Al Qaida, Hamas, der iranischen Regierung und anderer Islamisten ergibt sich aus den Ideen solch zeitgenössischer Radikaler wie Osama bin Laden und Ayatollah Khomeini, nicht aus dem Koran.

Dem könnte man antworten: Aber bin Laden und Khomeini haben ihre Vorstellungen aus dem Koran. Und sie sind das einzig dauerhafte Muster Jahrhunderte alter muslimischer Aggression.

Nicht ganz. Schauen wir uns beide Punkte näher an.

* Aggressiver Islam: Der Koran und andere maßgebliche islamische Schriften beinhalten Aufhetzung gegen Nichtmuslime. Der berühmte Historiker Paul Johnson zitiert z.B. zwei koranische Verse: „Die am meisten Feindschaft gegen die Gläubigen hegen, wirst du unter den Juden und Heiden finden“ (Sure 5,85) und „dann tötet die Götzendiener, wo ihr sie trefft, und ergreift sie, und belagert sie, und lauert ihnen auf in jedem Hinterhalt“ (Sure 9,5).

* Aggressive Muslime: Vierzehn Jahrhunderte Islam haben eine lange Geschichte von mit Jihad (Heiligen Krieg) beschäftigten Muslimen gesehen, die das Gebiet unter islamischer Herrschaft vergrößerten, von den frühen Eroberungen der Kalifen zu dem, was Samuel Huntington die „blutigen Grenzen“ des heutigen Islam nennt.

Ja, diese beiden Punkte stimmen. Sie sind aber nur die eine Seite der Geschichte.

* Milder Islam: Wie andere heilige Schriften kann der Koran auf Zitate durchsucht werden, die gegensätzliche Meinungen unterstützen. In diesem Fall zitiert Karen Armstrong, eine Verteidigerin des Islam mit Bestseller-Quoten, zwei freundlichere Passagen aus dem Koran: „Es soll kein Zwang sein im Glauben.“ (Sure 2, 256) und „O ihr Menschen, Wir haben euch von Mann und Weib erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, dass ihr einander kennen möchtet“ (Sure 49,13).

* Milde Muslime: Es hat Gelegenheiten von muslimischer Mäßigung und Toleranz gegeben, so im alten Sizilien und Spanien. Und Mark R. Cohen bemerkt in einem viel sagendes Beispiel, dass „die Juden des Islam besonders während der Gründungsjahre und der klassischen Jahrhunderte (bis zum 13. Jahrhundert) weitaus weniger Verfolgung erfuhren als die Juden des Christentums.“

Mit anderen Worten: Die Schriften des Islam und seine Geschichte zeigen Variationen.

Zugegebenermaßen ist es derzeit schwer, sich dieser positiven Seite zu erinnern, zu einer Zeit, in der Rückständigkeit, Ablehnung, Extremismus und Gewalt in so großen Teilen der muslimischen Welt vorherrschen. Aber die Gegenwart ist nicht typisch für die lange Geschichte des Islam; sie könnte in der Tat die schlimmste Ära seiner Geschichte sein.

Die Dinge können besser werden. Aber das wird nicht einfach sein. Dazu müssen die Muslime die große Herausforderung angehen ihren Glauben an die Realitäten des modernen Lebens anzupassen.

Was bedeutet das praktisch? Hier einige Beispiele:

Vor 500 Jahren stimmten Juden, Christen und Muslime darin überein, dass der Besitz von Sklaven akzeptabel war, aber das Zahlen von Zinsen nicht. Nach bitteren, langwierigen Debatten änderten Juden und Christen ihre Meinung. Heute billigt keine jüdische oder christliche Gruppe Sklaverei oder hat religiöse Bedenken gegen die Zahlung vernünftiger Zinssätze.

Muslime denken dagegen noch in den alten Bahnen. Sklaverei gibt es in einer großen Zahl mehrheitlich muslimischer Länder (besonders im Sudan und Mauretanien, aber auch in Saudi Arabien und Pakistan) und unterliegt einem Tabu. Um es frommen Muslimen zu ermöglichen keine Zinsen zahlen zu müssen, hat sich eine islamische Finanzindustrie entwickelt, die geschätzte 150 Milliarden US-Dollar stark ist.

Die Herausforderung ist klar: Muslime müssen es ihren Mit-Monotheisten in der Modernisierung ihrer Religion in Bezug auf Sklaverei, Zinsen und vieles andere gleich tun. Keinen Jihad mehr führen um anderen die muslimische Herrschaft aufzudrücken. Keine Unterstützung von Selbstmord-Terrorismus. Keine zweitklassige Bürgerschaft für Nicht-Muslime. Keine Todesstrafe mehr für Ehebrecher und keine „Ehrenmorde“ an Frauen mehr. Keine Todesstrafe mehr für Blasphemie oder Abfall vom Glauben.

Statt über das behauptete „Böse“ des Islam zu schimpfen, wäre es unsere Pflicht – der Muslime wie der Nichtmuslime – bei der Modernisierung dieser Zivilisation zu helfen.

Das ist die ultimative Botschaft des 11.9. Sie geht viel tiefer und ist viel ambitionierter als westliche Regierungen das derzeit zu begreifen scheinen.

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Über die Verantwortung des Islam (2): Macht den Islam verantwortlich

Aber nicht den ganzen

Jonah Goldberg, 12. Juli 2002

Die Anschläge vom 11. September in den USA haben eine vorsichtige Debatte in Saudi Arabiens abgeschlossener Gesellschaft ausgelöst. Es geht darin um die Intoleranz gegenüber Nichtmuslimen und die Einstellung gegenüber dem Westen, die jetzt von manchen als Inspiration inakzeptabler Gewalt betrachtet werden.

So begann ein Artikel in der New York Times vom heutigen Freitag.

„Die Debatte scheint eine bedeutende Verschiebung in einer Gesellschaft zu repräsentieren, deren wahhabitischer Zweig des Islam dazu tendiert, eine solche Fragestellung für tabu zu erklären“, fährt Times-Reporter Neil MacFarquhar fort. „Offenbar regt eine kleine Gruppe Intellektueller, Akademiker, Journalisten und religiöser Gelehrter leise an, dass eine Veränderung nötig ist.“

„Mir müssen uns mit einer Menge Dinge beschäftigen, von denen wir dachten sie seien normal“, sagte Khaled M. Batarfi der Times. Batarfi ist der Chefredakteur von Al Madina, einer Tageszeitung, die nach der Times progressiv ist und neue Wege zu gehen versucht.

„Vor dem 11. September war das nur eine Meinung: ‚Ich glaube, wir sollten die anderen hassen’“, sagt Batarfi. „Nach dem 11. September fanden wir heraus, dass einige dieser Gedanken Handlungen zur Folge hatten, die uns weh tun, die alle Muslime vor Gericht bringen.“

Ach so: Es ist nicht der Hass an sich, der das Problem ist. Es ist dieser dumme Gegenwind, den der Hass verursacht. Wenn wir „die anderen“ (sprich: die Christen, Juden, Hindus und alle andere, die nicht muslimisch sind) einfach hassen könnten, ohne den Muslimen so viel Unannehmlichkeiten zu bereiten, nun, dann würde alles in Ordnung sein.

Bedenken Sie, dass Herr Batarfi in Saudi Arabien als ein Herzblut-Liberaler gilt. Er möchte einfach ohne Unannehmlichkeiten hassen können. Saudische „Konservative“ empfinden solche Ansichten als gotteslästerlich, zu was ist schließlich Hass ohne zu töten gut? Hass ohne zu töten, das ist nicht richtig. Da könntest du deine Schwester küssen, wenn du Juden und Christen hasst ohne sich umzubringen. Ich meine: Wo ist da der Sinn?

Die Times berichtet zum Beispiel, dass Ansichten wie die von Herrn Batarfi „kontrovers bleiben“. Als eine Gruppe saudischer Intellektueller ein Manifest veröffentlichte, in dem sie die Idee aufbrachten, dass es „gemeinsame Grundlagen mit dem Westen“ gäbe, wurden sie nach der Times „einer vernichtenden Rüge derer ausgesetzt, die den wahhabitischen Begriff anerkennen, der Islam gedeihe auf der Feindschaft gegenüber den Ungläubigen“.

„Es wird der falsche Eindruck vermittelt, dass viele Menschen den Krieg gegen Amerika verurteilten“, eiferte ein Kritiker auf einer populären Internetseite. „Aber die Wahrheit ist, dass viele Menschen glücklich sind, dass dieser Krieg erklärt ist, der den Muslimen ein Gefühl der Erlösung gibt.“

Scheik Hamad Rais al-Rais, ein älterer, blinder Gelehrter, beschwerte sich, dass die Sympathie des Manifests für die Opfer des 11. September – nach den Worten der Times – „dem Islam die Grundlage entzögen“, weil sie vergäßen, dass der Jihad eine zentrale Lehre des Islam sei. „Ihr weint über das, was den Amerikanern auf ihren Märkten und in ihren Büros und Ministerien geschah und den Katastrophen, die sie erfahren mussten“, schrieb der Scheik. „Und ihr vergesst die Unterdrückung und Ungerechtigkeit und Aggression dieser Amerikaner gegen die gesamte islamische Welt.“

(Eine kurze Zwischenfrage: Warum scheint so, dass viele islamische Gelehrte, dabei besonders die widerlichen, blind sind? Sagt der Koran, dass man kein Vitamin A nehmen darf? Ich habe sicher etwas nicht mit bekommen, aber Rabbis und Franziskanermönche scheinen nicht häufiger zu erblinden als die Durchschnittsbevölkerung.)

Merken Sie sich, dass der Scheik die „gesamte islamische Welt“ anruft. Mehr dazu gleich.

Ein anderer populärer (und wahrscheinlich sichtbeschränkter) Scheik, der letztes Jahr starb, veröffentlichte eine Fatwa, die erklärt, das im Ausland lebende Muslime „Feindseligkeit und Hass auf die Ungläubigen im Herzen verankern und davon Abstand nehmen sollten, sich mit ihnen anzufreunden.“

Nun, einige Saudis mögen den Unterschied zwischen Konservativen und Liberalen zu machen und erklären, dass die Unterscheidung zwischen Hassen und Töten nicht die richtige Wahl ist, wie Bill Clinton sagen würde. Man kann hassen, so viel man will, ohne dass es Gegenwind gibt. Ein Professor für islamisches Recht erklärte der Times: „Natürlich hasse ich Sie, denn Sie sind Christ, aber das heißt nicht, dass ich Sie töten will.“

Gut, machen wir nicht den Islam, sondern die Wahhabiten verantwortlich

Ich könnte den ganzen Tag über diesen Artikel der Times weiter machen. Er liest sich wie eine Onion-Parodie. Lesen Sie das selbst und stellen Sie sich einen identischen Artikel über Nazideutschland vor. „’Bis zur Invasion in der Normandie glaubten viele hier, dass Nichtarier zu hassen nur eine Meinung darstelle, aber jetzt haben einige unter uns das Gefühl, dass unser Völkermord und die Eroberungen den Deutschen schadet und alle Deutschen vor Gericht stellt’, sagt Piter Thorman… Andere haben das Gefühl, dass Sympathie für die massakrierten Juden vollständig den Lehren Adolf Hitlers widerspricht…“ usw. usw.

Ich möchte aber über John Derbyshires wundervolles Essay „Gebt nicht dem Islam die Schuld“ sprechen. Ich empfehle es jedem sehr. Derb – wie wir ihn gedruckt nennen – unternimmt einen überzeugenden Versuch nicht den Islam verantwortlich zu machen. Ein zentraler Punkt seiner Argumentation ist, dass es fundamental unfair ist einer Religion – egal welcher – die Taten der Menschen vorzuwerfen, die sie falsch interpretieren. Die jüdische Bibel beinhaltet alle möglichen Schlägereien und Wut. Aber außerhalb von Israels Nachbarschaft hat mein Volk in der letzten Zeit nicht gerade viel Schläge verteilt. Und unsere Wut äußert sich meistens in der Art von Klagen vor Gericht oder dem Boykott chinesischer Restaurants. Die christliche Bibel predigt Liebe und dass man die andere Wange auch hin halten solle. Und trotzdem sind die Christen in ihrer Geschichte mehr als ein paar Male von diesem Text abgewichen. Der Koran war einmal der Text, der eine große und relativ tolerante Zivilisation definierte. Die Tatsache, dass er jetzt benutzt wird um alle möglichen Arten des Horrors zu rechtfertigen, spricht für die Probleme der verschiedenen arabischen Gesellschaften. Um Derbs Argumentation einmal unfair zusammenzufassen: Nicht Religion tötet Menschen, sondern Menschen töten Menschen.

Meine Antwort darauf ist: Jein. Wie Derb wahrscheinlich sehr viel besser weiß, gibt es sehr reale Unterschiede zwischen dem Islam und dem Christentum. Der Islam war eine Religion des Schwertes. Die vielleicht wichtigste Definition des Jihad ist, historisch gesprochen, ein Heiliger Krieg um muslimisches Land zurückzuerobern oder zu verteidigen. Wer stirbt, während er die Erde verteidigt, wird seine Jungfrauen und den Rest der Geschenke hinter dem Vorhang bekommen. Das, so scheint mir, ist eine religiöse Doktrin, die besonders auf den Aufbau eines Reiches passt. Aber ihr könnt mich ja als verrückt bezeichnen.

Das Christentum wurde dagegen im Leiden geboren. Ein christlicher Märtyrer starb, wenigstens in den Gründungsjahrhunderten der Christenheit, weil er es ablehnte seinen Glauben aufzugeben, nicht, weil er es ablehnte, Territorium aufzugeben.

Jeder Nichtmuslim kann immer noch (an)erkennen, dass Mohammed nach jeder Definition einer historisch großen Persönlichkeit unzweifelhaft ein großer Mann war. Er war weise und mutig, intelligent und viele andere wunderbare Sachen. Er veränderte die Welt schneller und bedeutender als jeder sonst in der menschlichen Geschichte, auch unter Einschluss Jesu und aller Propheten. Aber anders als Jesus war Mohammed auch ein General. Er befahl seine Feinde zu köpfen. Er nahm die Frauen und Kinder der Besiegten und gab sie seinen Männern als Beute. Jesus machte nichts dergleichen. Ich bin kein Experte, aber ich glaube das Gewalttätigste, was er je tat, war einige Tische umzustoßen und einigen Geldwechslern in den Hintern zu treten.

Diese Unterschiede sind kaum unbedeutend. Trotzdem übernehme ich Derbs Ansicht und stimme ihm überwiegend zu. Der Islam muss keine Hass erfüllte Religion sein und ist es für unzählige Millionen anständiger Menschen auf der ganzen Welt natürlich nicht. Ich glaube, jeder Muslim, dem ich persönlich begegnet bin, hat einen freundlichen und großzügigen Eindruck auf mich gemacht. Und da der Islam, ob wir wollen oder nicht, nicht verschwinden wird, sollten wir besser mit den Guten in der islamischen Welt an die Arbeit gehen, damit die Bösen nicht gewinnen.

Was mich wieder zu Saudi Arabien bringt und dazu, weshalb ich mit Derb nicht überein stimme. Er lässt den Wahhabismus und die Saudis in seinem Essay außer Acht und deshalb weiß ich nicht genau, wo er steht.

Ich akzeptiere das Argument, dass keine wirklich erfolgreiche und dauerhafte Religion fundamental bösartig sein kann. Religion kann so nicht funktionieren. Aber „dauerhaft“ kann eine sehr lange Zeit sein. Und die Geschichte ist voll von Beispielen kurzlebiger böser und gefährlicher Religionen.

Es hat Reihen von Kulten gegeben, die von sich behaupteten der „wahre Glaube“ einer größeren, dominanten Religion zu sein. Viele dieser Kulte schafften blühende, gesunde Konfessionen: Die schiitischen Muslime, Lutheraner, Lubawoitscher Juden usw. Und manchmal waren diese Kulte ganz einfach gefährlich und furchtbar. Und manchmal, denke ich, begannen diese Kulte verrückt und gefährlich zu werden und wurden im Laufe der Zeit milder.

Mit meiner Kolumne „Der Islam braucht einen Papst“ habe ich eine Menge dieses Bereichs abgedeckt, aber ich denke, dass ernsthafte Menschen sich der Tatsache zuwenden müssen, dass zwar der Islam vieler der Anwürfe gegen ihn unschuldig ist, aber der Wahhabismus schuldig in allen Punkten der Anklage. Er ist ein Kult, der jeden Tag neu Terroristen ausbrütet. Saudi Arabien ist das muslimische Äquivalent der Sowjetunion der 1930-er Jahre. Sie sind Zuhause brutal repressiv und im Ausland fanatische Bekehrer. Auf der ganzen Welt gehen die Menschen, die die Lüge „Islam bedeutet Frieden“ verbreiten, in wahhabitische Moscheen. Afghanistan unter den Taliban war politisch wie ideologisch ein saudischer Satellitenstaat. In Pakistan, Indonesien und den USA ist saudisches Geld und saudische (wahhabitische) Ideologie die Bedrohung. Der Artikel der New York Times ist nur ein Tropfen im Ozean der Beweise, aber er sagt alles, was man wissen muss. Der Islam predigt nicht unbedingt mehr Hass als das Christentum. Aber unter dem Wahhabismus ist Hass genauso eine Pflicht wie Gebet (und trotzdem fahren die Verteidiger der Saudis fort sie „moderat“ zu nennen, weil sie uns Öl verkaufen).

Offenbar mögen Wahhabisten es nicht Wahhabisten genannt zu werden, denn sie behaupten einfach, dass sie die tief gläubigsten Muslime sind. Sie Wahhabisten zu nennen legt nahe, sie seien nur ein Zweig – oder Kult – dessen, was ein geeinter, monolithischer Glaube sein sollte. Wahhabitische Kleriker behaupten für alle Muslime zu sprechen. Und sie sind keine islamischen Derbyshires. Sie sagen, dass sich alle Muslime mit allen Christen und Juden im Krieg befinden, denn Christen und Juden sind auf jeden Fall verantwortlich zu machen.

In der Zwischenzeit arbeiten die Saudis sehr hart an der Sicherstellung, dass sie tatsächlich für alle Muslime sprechen. Sie geben Millionen dafür aus, die ganze muslimische Welt zum „wahren Glauben“ zu konvertieren. Und wenn sie Erfolg haben, wenn die Muslime der Welt alle den wahhabitischen Weg wählen, dann wird Derb es viel schwerer haben, wenn er sagt, dass nicht der Islam verantwortlich ist. Daher sollten wir an die Arbeit gehen und den Muslimen helfen, von denen Derb redet, bevor es zu spät ist.

Über die Verantwortung des Islam (1): Macht nicht den Islam verantwortlich

Gebt der Religion eine Chance

John Derbyshire, National Review online, 11. Juli 2002

Vor ein paar Tagen hatte mein Sohn Geburtstag. Nun ist es so, dass sein Geburtstag auf denselben Tag im Jahr fällt wie der der Schwester meiner Mutter, Tante Muriel. Diese Tante war sehr gut zu mir, als ich Kind war. Ich lebte lange Zeiträume in ihrem Haus; das war – und ist immer noch – im Witton District von Birmingham, einer alten Industriestadt in den englischen Midlands. (Samuel Johnson, der aus dem nahen Lichfield stammte, prahlte über seine Heimatstadt, dass „Wir eine Stadt der Philosophen sind. Wir arbeiten mit unseren Köpfen und lassen die Dummköpfe in Birmingham für uns mit den Händen arbeiten.“)

Witton ist ein Bezirk roter Backstein-Reihenhäuser des 19. Jahrhunderts. In meiner Kindheit war es ein Viertel der weißen Arbeiterschaft mit vielen kleinen Fabriken, von denen sich die meisten einer Form der Metallbearbeitung verschrieben hatten. Tante Muriel arbeitete als „Tee-Mädchen“ für eine dieser Firmen und nahm mich meistens auf ihren täglichen Gängen dorthin mit, wenn sie Tee für die Mittagspause der Arbeiter kochte. Ihr Ehemann, Onkel Fred, arbeitete in einer anderen Firma und stellte elektrische Ausrüstungen her.

Sie sind jetzt beide Rentner, leben aber immer noch in demselben Haus in derselben Straße. Witton ist nicht länger ein Ort der weißen Arbeiter. In den 1970-er Jahren zogen die meisten Weißen aus. Ihre Häuser wurden von denen gekauft, die die Engländer als „asiatische“ Immigranten bezeichnen – in diesem Fall hauptsächlich Muslime aus Pakistan und Bangladesch. Muriel und Fred sind nicht die letzten Weißen in ihrer Straße, aber Weiße sind heute eine kleine Minderheit.

Aufgrund der Zufälligkeit der Geburtstage rufe ich Tante Muriel an diesem Tag immer an und wir reden lange mit einander. Es geht natürlich hauptsächlich um Familiensachen, aber eines Tages drückte ich einige Sorgen darüber aus, wie es ihnen ginge. Beide sind alt und haben so langsam Schwierigkeiten sich zu bewegen. Tante Muriel, eine Frohnatur, hatte damit keine Probleme. „Oh, uns geht es gut. Und die Nachbarn sind wunderbar. Wir bekommen so viel Hilfe angeboten fürs Einkaufen, die Gartenarbeit, für alles. Allerdings von den Asiaten. Sie sind wirklich sehr nett. Die Engländer bieten keine Hilfe an!“

Diese „asiatischen“ Nachbarn sind natürlich solide Muslime – es gibt in der Nähe auch eine recht große Moschee. Tante Muriels Bemerkung machte mich nachdenklich. Ich denke, es könnte eine Art Stockholm-Syndrom vorliegen – so nach dem Motto: „Wenn wir schon unter all diesen Muslimen fest sitzen, dann können wir uns auch auf ihre positiven Seiten konzentrieren, um das Beste draus zu machen.“ Nun kenne ich meine Tante aber gut genug um zu wissen, dass sie nicht so reden würde, wenn nichts dran wäre. Ich vermute, dass ihre muslimischen Nachbarn wirklich nett sind oder zumindest mehr freundlich als unfreundlich.

Haben wir – die USA, der Westen – eine Auseinandersetzung mit dem Islam? Wir haben mit Sicherheit eine Auseinandersetzung mit einer Menge Muslime. Mit einer Bande muslimischer Fanatiker, die im letzten September 3.000 von uns ermordete. Die Medien in muslimischen Ländern sind voll von Antiamerikanismus. Darüber hinaus praktizieren die meisten muslimischen Länder Regierungsformen, die mit den von den Amerikanern bevorzugten Vorstellungen von Politik nun überhaupt nicht überein stimmen. Sie sind despotisch, intolerant und gegen jede aufklärerische Tendenz gerichtet. Sogar die folkloristischen Aspekte muslimischer Länder erscheinen oft unangenehm: Sie scheinen mit dem Muster der so genannten „schändlichen Kulturen“ übereinzustimmen, in denen die Richtigkeit oder Falschheit einer Tat nicht durch einen inneren moralischen Kompass bestimmt wird, sondern durch die Reaktion der Zuschauer.

Und dann gibt es den fürchterlichen Antisemitismus, mit dem der Islam durchsetzt zu sein scheint. Von Professoren der Theologie an saudischen Universitäten bis zu New Yorker Taxifahrern scheint es manchmal so zu sein, dass man nur leicht an einem Muslim kratzen muss um einen Antisemiten der boshaften, irrationalen Art zu finden, der aus der christlichen Welt seit einem halben Jahrhundert weit gehend verschwunden ist.

Kultivierte Muslime erzählen, dass das in Wirklichkeit nur Antizionismus ist, eine Reaktion auf die Kränkungen, die ihre Glaubensbrüder in Palästina erlitten. Das kann man glauben, wenn man will. Ich glaube das nicht. Es scheint mir einfach anders zu sein. Muslimische Antisemiten sagen „Zionismus“, wenn sie sehr vorsichtig sind, sagen aber meistens „Juden“. Außerdem ist Israel ein ethnischer Staat, eine jüdische Heimstatt. Seine Gefühle ausgerechnet gegen diese Nation zu richten und dabei die Juden anderer Länder außen vor zu lassen (von denen die meisten ohnehin Israel zu einem gewissen Grad unterstützen), ist eine Art moralischer Haarspalterei, zu der wenige Menschen wirklich fähig sind. Ich bin sicher, dass es Antizionisten gibt, die nicht antisemitisch sind (es gibt tatsächlich eine jüdische Sekte, die Neturei Karta, die antizionistisch sind), aber ich bin auch sicher, dass ihre Anzahl gering ist – und unter Muslimen, so glaube ich, unbedeutend. Und natürlich geht muslimischer Antisemitismus auf Zeiten vor der Gründung des modernen Staates Israel zurück.

Was sollen wir als vom Islam halten? Ist er eine grausame, dunkle Religion voller Hass, deren charakteristischstes Merkmal politischer Ausdrucksfähigkeit korrupte Diktatur ist? Wenn das so sein sollte, warum sind all diese Muslime so freundlich zu meiner Tante Muriel? In der Suche nach Aufklärung versuchte ich den Koran zu lesen. Das brachte mich nicht sonderlich weiter. Ehrlich gesagt, fand ich das Ding nicht lesbar. Es scheint keinen „roten Faden“ zu haben, wie es bei den Evangelien oder den geschichtlichen Büchern des Alten Testaments der Fall ist. Er liest sich wie die langweiligen Stücke der Bibel, dem zweiten Buch Mose oder der Offenbarung oder einige der ermüdenden Propheten.

Ich weiß aber nicht, ob das wirklich etwas bedeutet. Die heiligen Bücher anderer Völker sind immer schwer zu lesen. Ich versuchte mich einmal an einigen buddhistischen Schriften; die waren auch reichlich langweilig. Die „Analekten“ des Konfuzius, die ich tatsächlich ganz durch gelesen habe, ist meiner Meinung nach ein echt stumpfsinniges Buch. Die Sache mit heiligen Büchern ist, dass sie nicht wie jedes andere Buch betrachtet werden können. Man muss in sie hinein tauchen, mit Vorzug von frühester Kindheit an. Um die besten Ergebnisse zu erzielen, muss man sie auswendig lernen – wie es fromme Muslime mit dem Koran tun und ein Gentleman des kaiserlichen China es mit den „Analekten“ zu tun pflegte. Einer der späteren davon, der Gelehrte Cheng Yi aus dem 11. Jahrhundert, berichtete: „Manchmal, wenn ich die Analekten lese, beginnen meine Hände unbewusst zu tanzen oder meine Füße auf den Boden zu klopfen.“ Die Schriften der eigenen Religion zu lesen ist nicht das Gleiche wie eine Novelle oder einen Roman zu lesen. Es ist eine andere Art von Erfahrung, die außen Stehenden nicht möglich ist. (Ich vermute tatsächlich, dass jeder Text tief schürfend erscheinen kann, wenn man ihn genügend verinnerlicht. Für eine Theaterproduktion am College musste ich Samuel Becketts Monolog-Geschichte Imagination Dead Imagine auswendig lernen. Aus der erhabenen und vielleicht etwas voreingenommenen Perspektive des Mittelalters neige ich dazu zu glauben, dass die Sache komplettes Geschwafel ist. Ich kann mich aber daran erinnern, dass ich damals davon recht mitgerissen war und dachte, wenn ich nur seine tiefere Bedeutung ergründen könnte, würde mir das ganze Geheimnis des Lebens offenbart.)

Da mir der Wille fehlt, eine komplette Textanalyse der muslimischen Schriften vorzunehmen, kann ich vielleicht von den gut bekannten Lehrsätzen ausgehen, dass der Islam keine Religion ist, die von ihren Anhängern verlangt, dass sie solch absurde Dinge glauben? In aller Aufrichtigkeit: Ich kann das nicht. Wie mit den Schriften ist es auch mit den Lehrsätzen der Religionen anderer Völker so, dass man sie nur schwerlich auf faire und ausgewogene Weise angehen kann. Die Lehrsätze meiner Religion besagen, dass ich bei der Kommunion tatsächlich das Fleisch und Blut eines Wanderpredigers aufnehme, der vor 1973 Jahren in einem rückständigen Außenposten des Römischen Reiches starb. Ich bin persönlich an den Gedanken gewöhnt, aber ich kann verstehen, dass es für einen außen Stehenden grotesk erscheinen könnte. Dass Mohammed Gottes Botschafter war, erscheint nicht a priori weniger wahrscheinlich, als dass Jesus Christus Sein Sohn war. Mit dem, was ich über den Islam weiß, erscheint er sogar weniger mit abergläubischen Extravaganzen gespickt zu sein als andere Religionen. Weinende Statuen, Heiligen-Erscheinungen, Felsbrocken, die in der Luft schweben (wie der, der im burmesischen Buddhismus erscheint) oder Tempel, die verschwinden, wenn man sich ihnen zu nähern versucht (die Hindus haben mindestens zwei davon) – all dieses Tamtam scheint im Islam nicht zu existieren. Er ist eine strenger, abstrakter Glaube, der eng an seinem Buch klebt – ähnlich den strengeren Formen des Protestantismus.

Da mir die textlichen oder philosophischen Grundlagen gegen den Islam fehlen, kann ich soziale oder historische Dinge anführen? Immerhin gibt es, wie ich oben schon darstellte, keine besonders erfolgreichen islamischen Staaten, es hat sie seit dem Mittelalter nicht gegeben. Den Islam als die vorherrschende Religion des eigenen Landes zu haben, scheint eine sichere Garantie für intellektuelle, politische, wirtschaftliche und militärische Stagnation zu sein – im günstigsten Fall (Malaysia, Indonesien) für eine schwache Art von Kumpel-Kapitalismus. Ich bin allerdings auch nicht sicher, ob das gegen den Islam verwendet werden kann. Das Christentum ist an einigen recht schrecklichen Orten die vorherrschende Religion – z.B. in einer Reihe von afrikanischen Staaten. Armenien und Äthiopien sind nicht gerade überwältigend erfolgreich. Das Christentum war 900 Jahre lang die dominierende Religion in Russland, was aber offensichtlich die armen Russen nicht gegen die Schrecken des Leninismus immun machte. (Ähnliches gilt für Kambodscha und den Buddhismus.) Bis vor 30 Jahren waren Spanien und Portugal so arm und unkreativ wie die heutigen Ägypten und Syrien, obwohl sie fromm christlich waren. Anhand des historischen Beweismaterials erscheint es so, dass jeder Horror, den man aufzählen kann – natürlich einschließlich des Antisemitismus – jede Nation mit jeder Religion befallen kann.

Was ist aber mit dem fatalistischen Aspekt des Islam: Insch’Allah, es ist Allahs Wille, du kannst nichts dagegen tun, am besten beruhigst du dich, setzt dich hin und schreibst ein Gedicht darüber. Wirkt das nicht Unternehmergeist und Selbsterfüllung entgegen? Na ja, vielleicht tut es das, aber mit dem Calvinismus muss es dann genauso sein, da er doch noch mehr von Vorherbestimmung geprägt ist. In der modernen Schweiz und in Holland war der Calvinismus dagegen ein Motor der verfassungsmäßigen Entwicklung und des intellektuellen Fortschritts. Er war eine Schlüsselkomponente im Erfolg der ersten amerikanischen Kolonien.

Ich kann die verärgerten E-Mails bereits in meiner Mailbox klappern hören: „Derb hat sich dem Multikulturalismus verschrieben! Er glaubt, der Islam sei so gut wie das Christentum!“ Habe ich nicht und tu‘ ich nicht. Ich glaube nicht, dass Mohammed Gottes Botschafter war. Ich glaube, dass das Christentum eine Reichweite und eine Tiefe hat, die andere Glauben nicht besitzen. Eine schnelle Durchsuchung des Koran nach dem Schlüsselwort „frei“ deutet an, dass es in ihm nichts Vergleichbares für Johannes 8:32 gibt („und ihr werdet die Wahrheit erkennen[a], und die Wahrheit wird euch frei machen“). Alles, was ich sagen will, ist, dass ich die Rückständigkeit, Grausamkeit, Ignoranz und Intoleranz der arabischen Welt oder Pakistans oder des Iran nicht notwendigerweise dem Islam zuschreiben kann.

Ich bin nicht sicher, dass die Lehren einer Religion zwangsläufige Konsequenzen für das Schicksal der Glaubensgemeinschaften haben. Steve Sailer merkte an, wenn das ganze Wissen eines Marsmenschen aus der Bibel stammen würde, dann müsste er schließen – nach dem Hören der donnernden, verärgerten Stimme des alttestamentlichen Jehova, nach dem Lesen der Eroberungen Josuas, Gideons und Davids, gefolgt von den milden Worten von Christus und Paulus, dass diese kriegerischen, kämpferischen Juden die sanftmütigen, die andere Wange hin haltenden Christen seit 2000 Jahren herumgestoßen haben müssen. Das ist ja nun – na ja, nicht ganz das, was geschehen ist.

Texte sind nie so wichtig wie die Einstellungen, die Menschen ihnen gegenüber einnehmen. Es ist Allgemeingut der politischen Wissenschaften – ich glaube, Aristoteles bemerkte das – dass ein Staat eine sehr demokratische Verfassung haben und trotzdem eine Diktatur sein kann und umgekehrt. (Die Volksrepublik China ist , wenn man nach ihrer Verfassung geht, eine perfekte Demokratie mit der vollen Bandbreite ziviler Freiheiten; Großbritannien ist aufgrund gleichen Maßstabs eine absolute Monarchie.) Es gibt in der Bibel haufenweise Textabschnitte, die ich höflich ignoriere – z.B. den Kram aus dem 3. Buch Mose über die richtige Art des Sklavenerwerbs.

Wirklich wichtig in der Bestimmung des Schicksals und Charakters eines Volkes sind Kultur, Tradition, eingefleischte Handlungsweisen. Meistens macht Religion nicht mehr als, diese Dinge etwas zu modellieren und sich um sie herum zu legen. Die Vorliebe der germanischen Völker für Volksversammlungen, Parlamente, Althinge, Debatten und Wahlen scheint aus der Zeit vor dem Christentum zu stammen; die Entschiedenheit und das Selbstvertrauen jüdischer Frauen kann man weit zurück im Alten Testament bereits sehen, in den Geschichten von Sarah und Deborah – lange bevor das Judentum sesshaft wurde. Ich weiß es nicht, aber ich würde darauf wetten, dass Araber ihre Frauen aus dem öffentlichen Leben heraus hielten, lange bevor Mohammed auftauchte. Ich würde mich nicht wundern, wenn ich erführe, dass sie auch bereits recht unfreundlich zu Juden waren.

In unserem derzeitigen Konflikt sind alle unsere Feinde Muslime. Ich glaube dennoch nicht, dass unser Feind der Islam ist. Der Islam kam als primitive Stammesgesellschaft auf, die seitdem nie wirklichen politischen Fortschritt erfuhr. Die Araber sind heute immer noch primitiv und am Stamm orientiert, aber ihr Versagen moderne Nationalstaaten zu schaffen kommt aus ihren alt hergebrachten Gewohnheiten, Verhalten und sozialem Austausch, aus geografischen Beschränkungen, nicht aus dem Islam. Die arabischen Länder, die auf säkularen Prinzipien gründen – Irak und Syrien – sind sogar noch herunter gekommener und korrupter als die Theokratien.

Und obwohl eine Religion mit dem menschlichen Material arbeiten muss, das es vorfindet, kann sie erhebend und Fortschritte machend sein. Der englische Romanautor Evelyn Waugh konvertierte zum Katholizismus. Er blieb trotzdem ein furchtbarer Mensch: rüde, egoistisch und ein krachender Snob. Als einer seiner Freunde ihn tadelte, weil er kein besserer Christ sei, antwortete Waugh: „Mein lieber Freund, du kannst es dir nicht vorstellen. Ohne meinen Glauben wäre ich kaum menschlich.“ Ich glaube, so ist es mit der ganzen Menschheit. Religion kann uns nicht perfekt machen und natürlich wissen wir alle, dass schreckliche Dinge im Namen Gottes getan werden. Insgesamt sind wir aber mit Religion besser dran als ohne. So schlecht wir uns auch manchmal mit ihr verhalten, ohne sie würden wir kaum menschlich sein.

Eine fest gefügte und etablierte Religion wie der Islam ist ein Schatz der menschlichen Rasse mit dem Potenzial die Herzen weicher zu machen und den Verstand des Gläubigen zu erleuchten. Es könnte das Instrument sein, die Gläubigen aus dem Lügensumpf zu ziehen, aus der Grausamkeit, Intoleranz und Stagnation, in die ihre Stammeskulturen sie gerissen zu haben scheinen. Wenn der Islam heute der Welt ein hässliches Gesicht zeigt, ist das kein Grund den Islam aufzugeben. Das Christentum zeigte im Dreißigjährigen Krieg auch ein ziemlich hässliches Gesicht (ganz zu schweigen von den Kreuzzügen). Ein paar Generationen später beendete es den Sklavenhandel, sorgte für den spirituellen Treibstoff einer mächtigen kommerziellen Zivilisation und brachte Bildung und Medikamente an Orte, die weder das eine noch das andere je hatten.

Statt den Islam zu verspotten und aufzugeben, sollten wir seine Gläubigen auffordern sich die edleren und großzügigeren Texte ihrer Schriften anzusehen, die Texte, die eine gemeinsame Menschheit betonen. Wir können nichts gewinnen, wenn wir die ehrlichen Muslime ausstoßen, wie auch sie nichts davon haben die Feinde des Westens zu sein. Wenn wir uns an das erste erinnern können und sie überzeugen, sich an das zweite zu erinnern, könnte es die Aussicht geben, dass den Legionen von mit glänzenden Augen den Koran schwingenden Mördern die Unterstützung entzogen wird, mit denen die Welt zur Zeit infiziert ist, und den zerstörerischen Zusammenprall zu vermeiden, von dessen Unvermeidbarkeit wir alle langsam, aber sicher überzeugt werden.

 

Eine neue Runde von Wut und Erniedrigung: Der Islam nach dem 11. September

Daniel Pipes in: Wladyslaw Pleszczynski (Hrsg.): Our Brave New World: Essays on the impact of September 11. Stanford (Hoover Institution Press), 2002, S. 41-61

„Die muslimische Welt hat sich verändert“, sagt man im Westen oft in Kommentaren zum 11. September, aber wenige Muslime sehen das auch so. Mit einander widersprechenden Erklärungen am 7. Oktober, dem Tag, an dem der Krieg in Afghanistan begann, gaben Präsident George Bush und Osama bin Laden Beispiele für diesen Unterschied. Während der erste von „plötzlichem Terror“ sprach, der die USA erst 27 Tage vorher getroffen hatte, berichtete der zweite, dass die muslimische Welt mehr als 80 Jahr „Erniedrigung und Unehre“ durch Amerikaner erleben musste, in denen ihre Söhne getötet und ihre Heiligtümer geschändet wurden. 27 Tage gegen 80 Jahren fasst den Unterschied zwischen einem sprachlosen amerikanischen Gefühl der zerrissenen Unschuld und dem brodelnden Gefühl epochalen Betrugs und Traumas auf Seiten des militanten Islam zusammen. Aus diesem und anderen Gründen war die muslimische Welt vom Tod von mehr als dreitausend Amerikanern nicht annähernd so aufgerüttelt wie der Westen.

Um weiter gefasst den Einfluss des 11. September auf die muslimische Welt zu verstehen, muss die Antwort des Westens bei Seite geschoben werden; man muss sich in die muslimischen Empfindlichkeiten versetzen. Der beste Ort, das zu beginnen, ist ein Verständnis des tiefen Grolls gegen den Westen, den bin Laden ausformuliert und den so viele Muslime teilen.

Islamische Geschichte und die Feindschaft gegenüber dem Westen

Diese Wut hat tiefe Wurzeln. Seit dem Beginn der islamischen Religion im siebenten Jahrhundert und für mehr oder weniger ein Jahrtausend danach war die Geschichte der Muslime die eines beständigen weltlichen Erfolgs. Nach welchem Maßstab auch immer man urteilt – Macht, Wohlstand, Gesundheit oder Bildung – die Muslime an der Spitze globaler Erfolge. Diese Verbindung zwischen der Annahme der islamischen Botschaft und der offensichtlichen Belohnung durch Gott betraf so viele Aspekte des Lebens an so vielen Orten über eine so lange Zeitspanne, dass Muslime sehr bereit annahmen, dass mondänes Wohlergehen ihnen als Zeichen von Gottes Wohlwollen zustand. Muslim zu sein, bedeutete auf der Seite der Sieger zu stehen.

Aber dann, ungefähr zu Beginn des 19. Jahrhunderts, gingen die Dinge schief. Macht, Wohlstand, Gesundheit und Bildung gingen an andere Orte, besonders nach Europa, das lang als rückständig verachtet wurde. Seit zwei langen Jahrhunderten haben Muslime andere Völker, besonders christliche, voranstürmen sehen. Nicht nur, dass Frankreich, England und die USA das in großem Stil taten, seit kurzem hat Ostasien die muslimische Welt überholt. Das Ergebnis ist ein Gefühl des Versagens, das das muslimische Leben überzogen hat. Wenn der Islam Gottes Gunst bringt, haben sich viele Muslime gefragt, warum geht es den Muslimen dann so schlecht? Dieses Trauma, dass alles falsch läuft, ist der Schlüssel zum Verständnis des modernen Islam.

Das hat große Fragen aufgeworfen, was getan werden muss, um die richtige Richtung zu finden; aber es gibt wenig befriedigende Antworten. Trotz umfassender Selbstsuche haben die Muslime bisher keine Antwort auf die Frage gefunden, was falsch gelaufen ist. Stattdessen sind sie von einem Schema zum nächsten getorkelt, fanden aber nirgendwo Befriedigung. Eine Reihe von Fehlstarts haben die Muslime tief verwirrt über ihr Schicksal und nicht gerade wenig frustriert zurück gelassen. Insgesamt empfinden die Muslime selbst ihren auffallend fehlenden Erfolg der Versuche, aus ihren derzeitigen, erniedrigenden Umständen herauszukommen.

Dieses Gefühl des Versagens geht sehr weit, um die akute Feindseligkeit gegen den Westen zu erklären, der in den meisten muslimischen Gesellschaften vorherrscht. Muslime erkennen vage, dass, wie Martin Kramer es ausdrückt, „der Nahe Osten vor tausend Jahren der Schmelztiegel der Weltzivilisation war“, während er heute „am Rand einer Weltzivilisation schmollt, die im Westen geschmiedet wird“.1 Dieses Schmollen hat sich in Wut, Neid, Feindschaft, irrationale Furcht, Verschwörungstheorien und politischen Extremismus übertragen. Diese Emotionen sind sehr aktiv, um die Neigung zu einer Reihe radikaler Ideologien zu verantworten, die (wie Faschismus und Leninismus) importiert und (wie Panarabismus und Pansyrismus) hausgemacht sind. Jede dieser Bewegungen bestätigt im Gegenzug das Gefühl, dass der Westen der Feind ist.

Heute ist der stärkste Träger solcher Emotionen der militante Islam (auch als Islamismus bekannt), eine politische Bewegung, die die Religion des Islam zur Grundlage einer totalitären Ideologie macht, die viel mit früheren Versionen teilt, besonders mit dem Faschismus und dem Marxismus-Leninismus. Wie diese sucht er z.B. den Kapitalismus und Liberalismus als vorherrschende Weltordnung zu ersetzen. Die Anziehungskraft des militanten Islam ist enorm aktiv, um den antiwestlichen Hass zu begründen, der aus vielen Muslimen an vielen Orten auf der ganzen Welt spricht, darunter auch muslimische Einwohner des Westens selbst.

Islamisten stellen eine lange Liste von Ländern auf, von denen sie glauben, das muslimische Herrscher die Drecksarbeit des Westens erledigen, indem sie ihre Bewegung unterdrücken: Algerien, die Türkei, Ägypten und Malaysia sind berühmte Beispiele. Sie haben auch eine weitere Liste – Kaschmir, Afghanistan, Tschetschenien und der Sudan stehen auf dieser weit oben – wo sie sehen, dass der Westen aktiv noble islamistische Bemühungen zur Schaffung einer gerechten Gesellschaft unterdrückt. Ein Islamist erklärt: Wo immer sich Muslime in Richtung auf die Schaffung eines islamischen Staates bewegen, „gibt es dort die verräterischen Hände des säkularen Westens in der muslimischen Welt, der die Niederlage der islamischen Kräfte bringen will.“2 Islamisten betrachten sich selbst als vom Westen umzingelt und belagert. In der ganzen Welt fühlen sie sich von einem arroganten und imperialistischen Westen lahm gelegt.

Der Hass auf die USA

Islamisten sehen besonders die Vereinigten Staaten als aggressive Kraft, die den Muslimen ihre Ressourcen stehlen wollen, ihre Arbeitskraft ausbeuten und ihre Religion untergraben. Ein weiter Konsens besteht darüber, dass Washington und Hollywood sich zusammen getan haben um eine Hegemonie über die Welt zu errichten (die „neue Weltordnung“). Mit den Worten Ayatollah Khomeinis, des vielleicht einflussreichsten modernen Auslegers des Islam: „Die Gefahr, die von Amerika ausgeht, ist so groß, dass du, wenn du nur die kleinste Kleinigkeit übersiehst, zerstört werden wirst… Amerika plant, uns alle zu zerstören, uns alle.“3 Mit den Worten eines Ägypters: Die Amerikaner „haben uns die Schlinge um den Hals gelegt.“

Dieser Ausblick hat den entscheidenden Aspekt, dass Gewalt gegen Amerika seiner Natur nach als Verteidigung angesehen wird. Das rechtfertigt dann auch muslimische Versuche, Amerikaner zu schädigen oder sogar die USA zu zerstören. Ikrama Sabri, Yassir Arafats hat als Chef in der religiösen Hierarchie der Palästinensischen Autonomie in Jerusalem eine prestigeträchtige und einflussreiche Position inne. Er zieht oft in seinen Freitagspredigten in der Al Aksa-Moschee gegen die USA vom Leder. Zum Beispiel flehte er Allah 1997 mit seinem Lieblingsanliegen an: „O Allah, zerstöre Amerika, seine Agenten und seine Verbündeten!“4

Um Amerikaner zu entmenschlichen, stellen Fundamentalisten sie mit bestialischen Begriff dar – Parasiten, Hunde und Bakterien – und machen sie so zu Feinden, die es wert sind ausgerottet zu werden. Der Westler ist aus der Sicht von Adil Hussein, einem führenden Ägyptischen Schriftsteller, „nicht mehr als ein Tier, dessen Hauptsorge es ist, seinen Bauch zu füllen.“5 Unmoralisch, verbrauchend und drohend hat es den Tod verdient. Auch die Verschwörungstheorien, die so viele nahöstliche religiöse Einrichtungen vertreten, entmenschlichen die Amerikaner und machen aus ihnen listige Komplott-Schmiede, die sich muslimisches Land, Wohlstand und Frauen unter den Nagel reißen.

Ein Ergebnis davon ist der Ausdruck von Entzücken, wenn man von amerikanischen Toten hört. Ahmad Jibril, ein Palästinenserführer, teilte seine Freude öffentlich mit, als er von den Toten des Erdbebens in San Francisco von 1989 hörte und fügte hinzu: „Ich weiß nicht, wie ich es geschafft hätte, an den USA Vergeltung zu üben, aber sieht so aus, als hätte Gott das für mich getan.“6 Solch boshafte Ansichten werden auch von Muslimen geäußert, die in den USA leben: In einer Antwort auf die Nachricht eines US Air Force-Unfalls nicht viel später veröffentlichte Islam Report, eine Zeitschrift in San Diego, die Schlagzeile: „O Allah, lass sie in ihre eigenen Fallen gehen!“7

Diese Litanei an Aussagen deutet auf zwei Fakten hin: Osama bin Laden ist nicht einzigartig, sondern spiegelt Ansichten wider, die von einigen der größten Autoritäten und einflussreichsten islamischen Würdenträger vertreten werden; und diese Standpunkte finden unter Muslimen in der ganzen Welt Widerhall, sogar unter einigen, die im Westen leben.

Dieser Zusammenhang hilft zu erklären, warum die muslimische Welt auf die Gräuel des 11. September so antwortete, wie sie es tat, noch bevor klar war, wer diese begangen hatte. Fast überall in der Welt war die erste Reaktion auf diese Nachrichten Trauer. Völker wie Regierungen antworteten mit Trauer, die von Herzen kam und mit einem Sinn gemeinsamer Menschlichkeit. Aber unter den Muslimen verursachte die Tötung tausender Amerikaner weniger ein Gefühl der Trauer als das eines des Genusses.

„Voll ins Schwarze“, kommentierte ein ägyptischer Taxifahrer, als er sich die Wiederholungen des Zusammenbruchs des World Trade Centers ansah. „Jetzt kriegen sie’s zurück“, sagte eine Frau in Kairo. Andere Ägypter drückten ihren Wunsch aus, George W. Bush hätte unter den Gebäuden begraben werden sollen oder jubelten, dass dies für sie der schönste Augenblick seit Jahrzehnten sei. Und so ging das durch den ganzen Nahen Osten. Im Libanon und der Westbank schossen Palästinenser mit Gewehren in die Luft – eine übliche Art seine Freude zu zeigen. „Wir sind hingerissen“, sagte ein Libanese. In Jordanien verteilten Palästinenser Süßigkeiten, eine andere Art seine Freude auszudrücken.

Außerhalb des Nahen Ostens gaben viele Muslime ihrer Ansicht Ausdruck, dass die Amerikaner bekamen, was sie verdienten. Nigerianische Zeitungen berichteten, das die Islamische Jungenorganisation in der Provinz Zamfara anlässlich der Anschläge eine Feier organisierte. „Was immer Amerika an Zerstörung erlebt, als Muslim macht mich das glücklich“, war ein typisches Zitat aus Afghanistan. Ein pakistanischer Führer sagte, dass Washington für seine Politik gegen die Palästinenser, den Irak, Bosnien und andere Muslime bezahlen muss und warnte dann: „Das Schlimmste kommt noch.“

In den Wochen darauf konnte man in der gesamten muslimischen Welt fast identische antiamerikanische Sprechchöre hören: „USA, geh zur Hölle!“ (Indonesien), „Fahr zur Hölle, Amerika“ (Malaysia), „Tod Amerika“ (Bangladesch und Indien), „Amerika ist Gottes Feind“ (Oman), „Amerika ist der große Satan“ (Jemen), „USA, fahr zu Hölle“ (Ägypten), „Nieder mit den USA!“ (Sudan).

Die meisten muslimischen Regierungen zeigten nach dem 11. September ihr bestes Benehmen und beweinten den Verlust amerikanischen Lebens. Aber auch hier gab es Brüche. Der offizielle Iran fand es z.B. schwer, den Amerikanern Mitleid entgegen zu bringen und bestand darauf, den arabisch-israelischen Konflikt in die Diskussion einzubringen. Einige Analysen verbinden den Terrorismus mit Amerikas „blinder Unterstützung für das zionistische Regime“; andere beschuldigten sogar Israel, die Anschläge organisiert zu haben, vorgeblich in dem Versuch die Weltmeinung von seinem eigenen Konflikt mit den Palästinensern abzulenken. (Das wurde mit der Zeit die anerkannte Wahrheit in vielen muslimischen Ländern und dazu haben sie ausführliche Verschwörungstheorien zur Rolle des Mossad.) Im Irak stimmen die staatlich kontrollierten Medien der Gewalt zu, was nicht überrascht. Sie kommentieren, dass „die amerikanischen Cowboys die Früchte ihrer Verbrechen gegen die Menschheit ernten.“ Sie verkündeten auch, dass der „Mythos Amerikas mitsamt dem World Trade Center zerstört wurde.“

Liebe zu bin Laden

Schon vor dem 11. September genoss Osama bin Laden ein hohes Ansehen wegen seiner beharrlichen Feindschaft zu den USA. Sein Biograph, Simon Reeve, schrieb 1999, dass „viele, die ihn nie getroffen hatten, die Kontakt zu ihm nur durch eines seiner Interviews, eine Radiosendung oder eine Internetseite hatten, sich bereit erklärten, für seine Sache zu sterben.“8 Der mächtige sudanesische Führer Hassan at-Turabi befand, dass bin Laden sich „zu einem Meister, einem Symbol des Islam für alle jungen Leute in der gesamten muslimischen Welt“9 entwickelt habe.

Als er als Hintermann der Anschläge vom 11. September auftauchte, schnellte sein Ansehen in der muslimischen Welt in außergewöhnliche Höhe. „Lang lebe bin Laden“, schrien fünftausend Demonstranten in den südlichen Philippinen. In Pakistan verkauften sich Massen von Waren mit bin Ladens Gesicht und bei massiven Straßendemonstrationen gab es zwei Tote. Zehntausende marschierten in den Hauptstädten von Bangladesch und Indonesien. Im nördlichen Nigeria hatte bin Laden (nach Reuters-Meldungen) „Heiligenstatus gewonnen“10 und seine Partisanen lösten religiöse Straßenschlachten aus, die zu 200 Toten führten.11 Pro-bin Laden-Demonstrationen fanden sogar in Mekka statt, von wo offener politischer Aktivismus nicht bekannt ist.

Überall, berichtete die Washington Post, jubelten Muslime über bin Laden „praktisch einstimmig“.12 Das Internet brummte mit Lobhymnen auf ihn als einen Mann „soliden Glaubens und Willenskraft“.13 Ein Saudi erklärte, dass „Osama ein sehr, sehr, sehr, sehr guter Muslim“ sei.14 Ein Kenianer fügte hinzu: „Jeder Muslim ist Osama bin Laden.“15 „Osama ist keine Einzelperson, sondern ein Name eines Heiligen Krieges“, stand auf einem Banner im Kaschmir.16 In der vielleicht außergewöhnlichsten Stellungnahme erklärte ein Pakistani, dass „bin Laden der Islam ist. Er repräsentiert den Islam.“17 In Frankreich riefen muslimische Jugendliche bin Ladens Namen, als sie Steine auf Nichtmuslime warfen.

Die Palästinenser sind besonders auf ihn versessen. Nach Hussam Khadir, einem Mitglied von Arafats Fatah-Partei, ist „bin Laden nach Arafat die populärste Person in der Westbank und Gaza.“18 Ein 10-jähriges Mädchen verkündete, sie liebe ihn wie einen Vater.19 Sie war damit nicht allein. „Jeder liebt in dieser Zeit Osama bin Laden. Er ist der gerechteste Mann der Welt“, erklärte eine palästinensische Frau.20 Ein palästinensischer Polizist nannte ihn „den größten Mann der Welt … unseren Messias“, während er (widerstrebend) Schüler auseinander trieb, die einen Solidaritätsmarsch für die Saudis veranstalteten.21

Umfrage-Untersuchungen helfen, diese Gefühle zu verstehen. In der Palästinensischen Autonomie fand eine Umfrage der Bir Zeit-Universität heraus, dass 26 Prozent der Palästinenser der Meinung sind, dass die Anschläge vom 11. September in Übereinstimmung mit dem Islam stehen.22 Eine Gallup-Umfrage in Pakistan fand heraus, dass 24 Prozent dort zu demselben Schluss kommen.23 Sogar die, die die Anschläge vom 11. September als einen Terroranschlag betrachten (jeweils 64% der Palästinenser und der Pakistanis), zeigten Respekt für diese Akte politischer Herausforderung und technischen Könnens. „Natürlich regt uns auf, dass in New York so viele Menschen starben. Aber gleichzeitig staunen wir über das, was passierte“, sagt eine junge Frau in Kairo.24 Eine Internet-Umfrage unter Indonesiern fand heraus, dass 50 Prozent bin Laden als einen „gerechten Kämpfer“ und 35 Prozent als einen Terroristen betrachten.25 Etwas weiter gehend schätze ich, dass bin Laden in den ersten Wochen gefühlsbedingte die Unterstützung der Hälfte der muslimischen Welt hatte.

Mit Ausnahme einer von der Regierung verordneten anti-bin Laden-Demonstration in Pakistan und sehr wenigen prominenten islamischen Gelehrten verurteilte ihn im September oder Oktober 2001 kaum jemand öffentlich. Der einzige islamische Gelehrte in Ägypten, der die Selbstmord-Aktionen vom 11. September ungehemmt verurteilte, gab zu, dass er völlig isoliert ist.26 Darüber hinaus unterstützte nicht eine einzige muslimische Regierung öffentlich die amerikanische Bombardierung gegen bin Laden. Amerikanische Regierungsvertreter warteten vergeblich darauf, dass muslimische Politiker sich äußerten. „Es wäre nett, wenn einige politische Führungspersonen sich hinstellen und sagen würden, dass die Vorstellung absurd ist, die USA bekämpften den Islam“, bemerkt ein US-Diplomat.27 Sie taten das nicht, weil dies zu tun bedeutet hätte, dem Lob für bin Laden entgegen zu wirken.

Aber dann fand ein bemerkenswerter Wandel statt.

Enttäuschung über bin Laden

Die US-Regierung begann ihr militärisches Vorgehen in Afghanistan am 7. Oktober. Einen Monat lang gab es keine sichtbaren Ergebnisse. Noch am Morgen des 9. November herrschten die Taliban über die Gebiete, die seit mehreren Jahren unter ihrer Kontrolle waren – rund 95 Prozent Afghanistans. Aber dann brach die Taliban-Herrschaft zusammen. Tage später kontrollierten sie nur noch 15 Prozent des Landes und am 7. Dezember hatten sie die Kontrolle über Kandahar, ihre letzte Stadt, verloren und flüchteten in die Berge und die Höhlen Afghanistans. Sie waren eine verbrauchte Macht, abgelehnt von jubelnden Afghanen.

Die schnelle Wende des Glücks ergab sich zum großen Teil aus dem mächtigen Gebrauch der Luftwaffe der USA, aber auch aus der mangelnden Beharrlichkeit von Teilen der Taliban-Truppen. Überwältigt von der Kraft der Amerikaner wechselten viele auf die Seite der von den USA unterstützten Nordallianz. Nach einem Analysten belegen „die Desertationen, die sogar mitten in der Schlacht stattfanden, den raschen Zusammenbruch der ehemals regierenden Taliban-Miliz in ganz Afghanistan.“28 Amerikanisches Muskelspiel und Willenskraft machten aus dem militanten Islam ein Projekt der Verlierer. Die Macht, die ihr Land regiert hatte, fiel vor ihren Augen auseinander und die Kämpfer der Taliban erkannten, dass sie auf der Verliererseite standen. Sie hatten nicht den Wunsch, mit unterzugehen und entschieden sich etwas dagegen zu tun.

Diese Bereitschaft, die Seite zu wechseln, passt in ein größeres Muster, das innerhalb von wenigen Tagen am 11. November deutlich wurde; Muslime in der ganzen Welt spürten die gleiche Verschiebung der Kräfteverhältnisse weg vom militanten Islam und reagierten ähnlich.

Besonders deutlich wurde das in Pakistan, wo der Enthusiasmus für die Sache der Taliban im September und Oktober 2001 besonders hoch gewesen ist. Ein Bericht der Los Angeles Times begann mit einer Szene vom 8. Oktober in Quetta in der Nähe der Grenze zu Afghanistan – einen Tag, nachdem die Kämpfe begannen. Nachdem Demonstranten „Bilder des amerikanischen und des pakistanischen Präsidenten verbrannten, Autos in Brand steckten, die Polizeistation stürmten und Schaufenster einschlugen“, wandten sich Unruhe stiftende religiöse Führer jeden Freitag an 10.000 Menschen im Ayub Stadion. Sie

  trugen Rache im Bauch, Frevel im Herzen, ihre Wut kam mit einer solchen Flut an Worten, dass einige von ihnen heiser wurden. „Die Zeit wird kommen, in der die Köpfe der Amerikaner auf der einen Seite sind und unsere Gewehre auf der anderen!“, schrie einer. „Bereitet euch auf den Jihad vor und ich versichere euch, dass der Erfolg uns gehören wird.“

Als aber dann die amerikanischen Militärerfolge klar wurden, verloren die antiamerikanischen Eiferer die Nerven. In dem Station, das einen Monat vorher von 10.000 Menschen gefüllt wurde, verloren sich weniger als 500. „Ein einsames, verschrumpeltes Poster von Osama bin Laden baumelte in der ersten Reihe. Nachdem ein Trupp religiöser Führer etwas über Jihad (Heiligen Krieg) in die Mikrophone bellte, war die Menge, nachdem sie zwei Stunden in fast vollständiger Ruhe gesessen hatte, kaum noch in der Lage am Ende den Schrei Allahu akbar (Gott ist groß) heraus zu bringen.“ Im Swat-Tal wurden 10.000 bis 15.000 Mann von den Jihad-Rufen ergriffen und gingen, um gegen die USA in Afghanistan zu kämpfen; rund 20 Prozent von ihnen kamen nicht zurück. In einigen Fällen waren die Verluste weit höher: Ein Pakistani berichtete, dass 41 von seiner Kameraden ihr Leben in Afghanistan verloren.29 Diese Verluste verursachten intensive Ablehnung gegenüber den militant-islamischen Führern, die sie – unvorbereitet und sogar unwillkommen – in den Krieg schickten, während sie selbst im Komfort ihrer heimatlichen Dörfer zurück blieben.

Die Pakistanis wendeten sich gegen die militant islamischen Gruppen, besonders jene, die die eifrigen Muslime ermutigt hatten nach Afghanistan zu fahren und den Taliban zu helfen. Tehrik Nifaz Shariat-e-Mohammedi hat z.B. zugegeben, dass zwei- bis dreitausend seiner Freiwilligen vermisst und vermutlich tot sind; der Führer der Organisation, Sufi Muhammad, fand sich von pakistanischen Beamten verhaftet im Gefängnis wieder, als er im November aus Afghanistan zurückkehrte. Es gibt weit verbreitet Wut ihm gegenüber. „Wir verfluchen Sufi Muhammad, weil er viele unschuldige Leben geopfert hat“, sagt ein Stammes-Ältester. „Wegen ihm sind so viele Kinder Waisen und Frauen Witwen geworden.“30 Weiter gefasst:

  Die Kampfeslust, die zu Beginn des Krieges durch die Region fegte, ist weitgehend verpufft, nachdem tausende fremder freiwilliger Kämpfer – viele von ihnen Pakistanis -in Waffen-Visieren geblieben sind. … In diesen Grenz-Gemeinden, wo die Mullahs immer mehr Gewicht hatten als die Regierung, gibt es eine sich vertiefende Ablehnung der religiösen Führer, die so viele junge Männer in den sicheren Tod riefen.31

Milde ausgedrückt: Das ist kaum die erwartete Reaktion auf die amerikanischen Luftwaffen-Einsätze in Afghanistan, von der viele Experten vorher sagten, sie würde die pakistanische Gesellschaft in Aufruhr versetzen und vielleicht sogar zum Sturz der Regierung durch die führen, die dem militanten Islam wohl gesonnen gegenüber stehen. Statt dessen führte eine überzeugende Demonstration amerikanischer Macht dazu, dass der militante Islam den Kopf ein- und sich zurückzog.

Ein ähnlicher Ablauf ist in den arabischsprachigen Ländern zu beobachten. Martin Indyk, früherer US-Botschafter in Israel, bemerkte, dass in der ersten Woche nach dem Beginn der US-Luftschläge am 7. Oktober, neun antiamerikanische Demonstrationen stattfanden. Die zweite Woche brachte drei solche, die dritte Woche eine, die vierte Woche zwei. „Dann – nichts“, beobachtete Indyk. „Die arabische Straße ist ruhig.“32 Das ist umso bemerkenswerter angesichts der gleichzeitig beträchtlichen Aufheizung des arabisch-israelischen Konflikts, vielleicht dem emotionalsten Punkt des arabischen Lebens. Ein weit gereister Reporter kam zu einer ähnlichen Einschätzung:

  Fast zwei Monate nach Beginn einer intensiven Militäraktion und zur Mitte des heiligen muslimischen Monats Ramadan scheint die arabische „Straße“ (oder öffentliche Meinung) auf bin Ladens Aufruf zu antiwestlichen Aufständen in der gleichen Weise geantwortet zu haben, wie sie auf ähnliche Aufrufe islamischer Militanter, des irakischen Präsidenten Saddam Hussein und anderer reagierte – indem sie den (Fernseh-)Kanal wechselte und zur Tagesordnung über ging.33

Tatsächlich verschob sich die Stimmung genau entgegen der vorhergesagten Richtung. In Kuwait war z.B. die Gesetzgebung kurz davor, vor dem 11. September in Einklang mit den islamischen Forderungen und Strafen gebracht zu werden; die Wirklichkeit der Stärke der USA führte zu einem raschen Stimmungswandel. Das Wall Street Journal berichtete: „Amerikas schnelles Handeln nach den Terroranschlägen des 11. September und dies Szenen jubelnder Afghanen über die Abschaffung genau dieser religiösen Beschränkungen, dämpften den Enthusiasmus“ für solche Wechsel sehr schnell.34 Ein Führer von Kuwaits militant-islamischer Partei gab den Zusammenhang geradeheraus zu: „Die säkularen Menschen triumphieren jetzt. Sie haben das Gefühl, dass sie Macht bekommen… Jetzt wollen die säkularen Menschen alle islamischen Gesetze abschaffen, die in Kuwait oder Saudi Arabien gelten. Es gibt sogar Stimmen, die die Zulassung von Alkohol vertreten.“

Auf gleiche Weise wandten sich die arabischen Medien von bin Laden ab, als er wie ein Verlierer auszusehen begann. Den Trend generalisierend, befand die Washington Post, dass „es den klaren Versuch gegeben hat, bin Laden religiös zu diskreditieren und seine kriminellen Neigungen, politischen Ziele und seine Ansprüche auf Frömmigkeit ins Licht zu rücken.“35 Einige Analysten gingen tatsächlich so weit den Verdacht zu äußern, der Schaden, den bin Laden dem Islam zufügte, sei ein israelisches Komplott! „Wenn der Weltzionismus Milliarden von Dollars ausgab um das Bild des Islam zu besudeln, wird er damit nicht erreichen, was die Terroristen mit ihren Taten und Worten getan haben.“36 Bin Laden war so tief gefallen, dass er jetzt nicht mehr als ein Werkzeug der behaupteten jüdischen Verschwörung war.

Dieses Verhaltensmuster kann in der gesamten muslimischen Welt gefunden werden, in Ländern wie Indonesien, Indien und Nigeria, wo die überreizten Leidenschaften des September schnell zu weit entfernten Erinnerungen wurden.

Die militärischen Erfolge der Amerikaner ermutigten die Behörden so sehr, dass sie endlich begannen zu handeln. Am stärksten konnte man das in Pakistan sehen. „Es hat in den letzten Wochen einen tief gehenden Wechsel in der Politik des religiösen Extremismus in Pakistan gegeben“, berichtete die Los Angeles Times. Sie fuhr mit der Erklärung fort, dass die Regierung militant islamischen Gruppen jahrelang erlaubt hatte in fast vollständiger Freiheit zu agieren; als sie sah, in welche Richtung der Wind nun blies, begann sie „die Jihad-Organisationen an die Leine zu legen und ihren beherrschenden Einfluss auf das nationale Bildungs-, das politische und das soziale Wohlfahrtssystem zu überprüfen.“ Diese Prediger aus dem Swat-Tal fanden sich z.B. hinter Gittern wieder. Der bedeutendste Schritt erfolgte am 12. Januar 2002, als Präsident Pervez Musharraf den militanten Islam in einer großen Rede angriff („Der Tag der Abrechnung ist gekommen. Wollen wir, dass Pakistan ein theokratischer Staat wird?“), von der ein Beobachter andeutete, dass sie „das Potential hat – das Potential – die Sorte von durchschlagendem Umbruch für die muslimische Welt zu sein, wie man ihn seit Anwar el-Sadats Besuch in Israel 1977 nicht mehr gesehen hat.“37 Musharraf hielt Wort und seine Regierung schloss in der Woche nach seiner historischen Rede hunderte religiöser Büros und verhaftete mehr als zweitausend Personen. Militante islamische Gruppen äußerten große Unzufriedenheit mit diesen Schritten, taten aber fast nichts, um sie zu behindern („Wir können nicht gegen unseren eigenen Staat kämpfen, wir können nur auf bessere Zeiten warten“).38

Dieses Muster wurde in anderen Ländern kopiert. Der eigentliche Herrscher Saudi Arabiens warnte religiöse Führer, dass sie in ihren Äußerungen vorsichtig sein und verantwortungsbewusst sein sollten („wägt jedes Wort gut ab, bevor ihr es aussprecht“)39, nachdem er sah, dass Washington es ernst meinte. Ähnlich ging die ägyptische Regierung aggressiver gegen ihre militant islamischen Elemente vor. Im Jemen griff die Regierung hart gegen islamistische Ausländer durch, die ins Land kamen. In der gleichen Weise verbot die Regierung in China den Verkauf von Abzeichen, die Osama bin Laden feierten („Ich bin bin Laden. Warum sollte ich mich fürchten?“)40 erst nachdem die US-Siege begannen. Ironischerweise konnte man dieselbe Stärkung der Entschlusskraft in den Vereinigten Staaten selbst beobachten; nachdem die Holy Land Foundation, eine islamische „Wohlfahrts“-Stiftung, seit 1993 unter Beobachtung stand, schlossen die Bundesbehörden sie erst im Dezember 2001, als sie das Vertrauen hatten, das ihrer eigenen, erfolgreichen militärischen Kampagne entsprang.

  1. September gegen 11. November

Die Ereignisse während der kurzen, dreimonatigen Phase nach dem 11. September senden eine mächtige und unzweideutige Botschaft über das Schicksal des militanten Islam und die Anwendung von Macht.

Wenn der militante Islam am 11.9. seinen Höhepunkt erreichte, dann könnte der 9.11. der Zeitpunkt sein, an dem der Niedergang der Bewegung begann. Das erste Datum markierte die Spitze des militanten Islam, den Tag seines größten Erfolgs in der Erniedrigung des Westens, an dem er Tod und Panik verursachte. Das zweite Datum, als die Taliban ihre erste große Stadt verloren, markiert einen offensichtlichen Wendepunkt, an dem der Westen seine Entschlossenheit und seine Stärke zeigt, sich mit seinem neuen Hauptfeind auseinander zu setzen.

Der deutliche Unterschied zwischen diesen beiden Daten hat mehrere Konsequenzen für das Verständnis der muslimischen Welt. Erstens ist die öffentliche Meinung in der muslimischen Welt unbeständig und antwortet auf Entwicklungen der Ereignisse in einer emotionalen, oberflächlichen und veränderbaren Art. Zweitens ist, wie die Los Angeles Times bemerkt, „die Unterstützung des Volkes für den militanten Islam nicht annähernd so breit wie man einmal glaubte.“41 Die Bewegung ist laut und sie ist lärmend, aber sie bringt nicht mehr als eine kleine Minderheit der muslimischen Welt dazu sie aktiv zu unterstützen. Drittens ist der militante Islam ein bisschen ein Papiertiger – wild, wenn er ohne Opposition ist, aber sehr einfach einzuschüchtern. Viertens hat die sogenannte Straße wenig Auswirkungen auf die Entwicklungen. Sie erhebt sich mit viel Lärm, aber ohne viele Konsequenzen, ist nicht in der Lage Regierungen zu zwingen, die von ihr gewünschten Handlungen durchzuführen. Sie stirbt ab, wenn es ihrer Lieblingssache schlecht ergeht.

Es darf aber nicht verschwiegen werden, dass viel Wut weiterhin gegen die USA gerichtet ist („Der Jihad wird bis zum Jüngsten Tag fortgeführt oder bis Amerika besiegt ist, egal was von beidem“)42 oder dass bin Laden in einigen Kreisen seine Anziehungskraft behält (ein Afghane: „für mich ist er ein Gott“).43 Das soll nur heißen, dass amerikanische Kraft und Entschlossenheit nicht dazu führen es unwahrscheinlich zu machen, dass diese Gefühle wieder zu Aktionen führen.

Folgerungen für die US-Politik

Seit zwei Jahrzehnten – seit Ayatollah Khomeini 1979 im Iran mit dem Schlachtruf „Tod für Amerika“ an die Macht kam – wurden US-Botschaften, Flugzeuge, Schiffe und Kasernen angegriffen, was zu hunderten toten Amerikanern führte. Diese Anschläge fanden rund um die Welt statt, besonders im Nahen Osten und in Europa, aber auch in den USA selbst. Angesichts dieser anhaltenden Angriffe gab es aus Washington kaum eine Antwort. Die Politik dieser Jahre war es, die Anschläge als lediglich eine Serie einzelner krimineller Vorfälle zu betrachten und nicht als Teil eines andauernden militärischen Angriffs auf das Land. Dieser Ansatz hat verschiedene Konsequenzen. Er bedeutete:

  Konzentration auf die Verhaftung der entbehrlichen Figuren und sie vor Gericht zu stellen, die die gewalttätigen Akte ausführten, was aber die Geldgeber, Planer, Organisateure und Kommandeure des Terrorismus unangetastet ließ, damit diese weitere Anschläge vorbereiten konnten.

Man verließ sich hauptsächlich auf solche Verteidigungsmaßnahmen wie Metalldetektoren, Sicherheitsleute, Bunker, Verhaftungen durch die Polizei und strafrechtliche Redegewandtheit – statt auf offensive Werkzeuge wie Soldaten, Flugzeuge und Schiffe.

Betrachtung der Motivation der Terroristen als nur kriminell, wobei man die beteiligten extremistischen Ideologien ignorierte.

Ignorierung der Tatsache, dass Terroristengruppen (und der Staaten, die sie unterstützen) den Vereinigten Staaten den Krieg erklärt haben (manchmal sogar öffentlich).

Es wurde gefordert, dass die US-Regierung Beweise vorlegen kann, die der Verhandlung in einem US-Gericht stand halten, bevor Militär aufmarschieren darf; damit wurde sicher gestellt, dass in der Mehrzahl der Fälle eine begrenzte Antwort auf die Tötung von Amerikanern erfolgte.

Als die Muslime zusahen, wie der militante Islam auf Amerikaner und amerikanische Interessen eindrosch, konnten sie nur zu dem Schluss gelangen, dass die USA – mit all ihren Möglichkeiten – müde und weich waren. Sie kannten die Natur der Demokratie nicht – dass es lange dauert, bis sie aufgerüttelt ist, aber schonungslos, wenn sie verärgert wird; sie bewunderten die Verwegenheit des militanten Islam und seine Fähigkeit, mit den Anschlägen davon zu kommen. Diese Ehrfurcht gipfelte in den Nachwirkungen des 11. September, als Osama bin Laden und die Taliban-Führer offen zu nicht weniger als der „Vernichtung Amerikas“ aufriefen.44 Zu dieser Zeit schien das nicht unmöglich.

Diese ambitionierten Forderungen werfen ein Licht auf die Ziele der Anschläge des 11. September. Obwohl man sich seines Sinns nicht sicher sein kann, macht es Sinn, dass sie darauf abzielten, die USA zu schwächen. Nach den Einschätzungen der vorherigen Erfolge des militanten Islam muss Al Qaida gedacht haben, sie würde bei diesen Anschlägen mit nicht mehr davon kommen als den üblichen Kriminal-Untersuchungen. Angesichts der nicht vorhandenen amerikanischen Bereitschaft Verluste zu verarbeiten und der Schäden, die die in Afghanistan stationierten Islamisten der Sowjetunion mehr als ein Jahrzehnt früher zugefügt hatten, dachte Al Qaida vielleicht weiterhin, dass seine Schläge die amerikanische Bevölkerung demoralisieren und zu zivilen Unruhen führen würden, vielleicht sogar dazu, dass eine beginnende Serie von Ereignissen schließlich zum Zusammenbruch der US-Regierung führt. Wenn sie so dachten, rechneten sie wahrscheinlich damit, dass die amerikanische Polizei Regierungsgebäude beschützen würde, statt die Al Qaida-Hintermänner zu verfolgen.

Wie sollten bin Laden und seine Kollegen wissen, dass ihre Taten zu einem aufrüttelnden Ruf zu den Waffen führen würde? Warum sollten 240 Tote in einer Beiruter Kaserne zu keiner Vergeltung führen und etwas mehr als dreitausend Tote an der Ostküste das Land in einer Art mobilisieren, wie sie seit Pearl Harbor nicht mehr zu sehen war? Man kann ihnen kaum einen Vorwurf machen, dass sie diese Veränderung nicht vorher sahen. Es hat etwas mit den geheimnisvollen Kräften der Demokratie und der öffentlichen Meinung zu tun, die sie so sehr ignorierten.

Noch weniger konnten sie verstanden haben, dass am 11. September ein Paradigmenwechsel statt fand, durch den der Terrorismus den Bereich der Kriminalität verließ und den der Kriegsführung betrat. Dieser Wechsel hat viele Folgen. Er bedeutete, dass nicht länger nur die Fußtruppen verfolgt wurden, die die Gewalt ausübten, sondern die Organisationen und Regierungen, die hinter ihnen standen. Er bedeutete, dass man sich auf die Streitkräfte verlässt, nicht auf die Polizei. Er bedeutete, dass man sich in Übersee verteidigt statt in amerikanischen Gerichtssälen. Er bedeutete, dass die Organisationen und Regierungen, die Terrorismus sponsern, einen Preis bezahlen würden, nicht nur die Fußtruppen, die ihn ausführen. Er bedeutete, dass auf die unrealistisch hohen Erwartungen an Beweise verzichtet wird, so dass, wenn eine vernünftige Beweislage darauf hin deutet, dass ein Regime oder eine Organisation Amerikanern Schaden zufügte, US-Militär eingesetzt werden kann. Er bedeutete, dass das Militär so eingesetzt werden kann, dass die Bestrafung in keinem Verhältnis mehr zum Anschlag steht. Er bedeutete auch, dass, wie in einem konventionellen Krieg, Amerikas Militär die Namen und besonderen Aktivitäten der feindlichen Soldaten nicht kennen muss, bevor es sie bekämpft. Es ist nicht nötig, die genaue Identität eines Täters zu kennen; im Krieg gibt es Zeiten, in denen man erst zuschlägt und die Fragen später stellt.

Es könnte seltsam erscheinen, dass die militärische Variante nicht früher übernommen wurde, wo sie doch so offensichtlich weitaus angemessener war als die kriminalistische. Tatsache ist aber, dass sie auch den Amerikanern viel mehr abverlangt und eine Bereitschaft fordert, über einen langen Zeitraum mehr Geld auszugeben und Leben zu verlieren. Militärische Macht funktioniert nur als Teil einer fortwährenden Politik, nicht als Einmal-Maßnahme. Ein paar Bomben zu werfen (wie das gegen das libysche Regime 1986 und gegen Orte in Afghanistan und im Sudan 1998 getan wurde) kann keine ernsthafte Politik sein. Den militärischen Weg zu gehen bedarf einer langfristigen Verbindlichkeit, die über viele Jahre hinweg den Amerikanern viel abverlangt.

Das Muster ist klar: So lange, wie die Amerikaner sich passiv den mörderischen Angriffen des militanten Islam aussetzte, gewann diese Bewegung Unterstützung unter den Muslimen. Als die Amerikaner schließlich die Waffen in die Hand nahmen, um den militanten Islam zu bekämpfen, wurden seine Streitkräfte überwältigt und seine Anziehungskraft nahm rapide ab. Mit anderen Worten: Der Sieg auf dem Schlachtfeld hat nicht nur die offensichtlichen Vorteil, die USA zu schützen, sondern auch den wichtigen Nebeneffekt, das antiamerikanische Geschwür aufzustechen, das diese Anschläge überhaupt erst ausbrütete.

Die Bedeutung ist klar: Es gibt keinen Ersatz für Sieg. Wenn die US-Regierung ihren strategischen Feind, den militanten Islam, zu schwächen wünscht, muss sie zwei Schritte unternehmen: erstens den Krieg gegen den Terror global weiter führen und dabei die angemessenen Maßnahmen ergreifen; das fängt in Afghanistan an, muss aber weiter gehen, wo immer der militante Islam eine Gefahr darstellt – in mehrheitlich muslimischen Ländern (wie Saudi Arabien), in Ländern mit einer muslimischen Minderheit (wie den Philippinen) und sogar in den USA selbst. Wenn diese Anstrengung Erfolg bringt, muss Washington zweitens moderate Muslime fördern. Sie werden nicht nur einen gesunden Wechsel vom Totalitarismus des militanten Islam darstellen, sondern sie, und sie allein, können das Trauma des Islam angehen und Ideen voran bringen, die für ein Sechstel der Menschheit den Weg in die Moderne erleichtert.

Ironischerweise werden die Muslime, die die Wirkung des 11. September nicht so heftig spürten wie die Menschen im Westen, langfristig diejenigen sein, die weitaus stärker von ihm betroffen sein werden.

Fußnoten:
1 Martin Kramer: „Islam’s Sober Millennium“, 31.12. 1999.
2 Shamim A. Siddiqi: Methodology of Dawah Ilallah in American Perspective (Brooklyn, N.Y.: The Forum for Islamic Work, 1989), S. ix-x.
3 Imam Khomeini, Islam and Revolution, übers. von Hamid Algar, (Berkeley, Calif.: Mizan Press, 1981), S. 286, 306.
4 Voice of Palestine, am 12.09.1997.#1e
5 Ash-Sha`b (Cairo), 22.07.1994. #101
6 The Sunday Independent, 26.11.1989. #37
7 Quoted in Steven Emerson, „The Other Fundamentalists,“ The New Republic, 12.06. 1995, S. 30.
8 Simon Reeve, The New Jackals: Ramzi Yousef, Osama bin Laden, and the Future of Terrorism (Boston: Northeastern University Press, 1999), S. 203.
9 Quoted in Reeve, The New Jackals, S. 213.
10 Reuters, 19.10.2001.
11 Reuters, 14.10.2001,
12 The Washington Post, 9.10.2001.
13 Reuters, 8.10.2001.
14 Time, 15.10.2001.
15 The New York Times<, 13.10.2001.
16 Reuters, 11.10.2001.
17 The New York Times, 30.09.2001
18 The Boston Globe, 10.10.2001.
19 The Independent, 11.10.2001.
20 The Guardian, 9.10.2001.
21 The Independent, 11.10.2001.
22 IRI, 11.10.2001.
23 Newsweek, 14.10.2001.
24 The Washington Post, 9.10.2001.
25 Reuters, 17.?10.2001. http://straitstimes.asia1.com.sg/asia/story/0,1870,77031,00.html
26 Newsweek, 15.10.2001.
27 The Washington Post, 9.10.2001.
28 Associated Press, 17.11.2001.
29 The New York Times, 27.01.2002.
30 Associated Press, 11.12.2001.
31 Los Angeles Times, 3, 10.12.2001.
32 Newhouse News Service, 16.11.2001.
33 Howard Schneider, „Arab ‚Street‘ Unmoved by News,“ The Washington Post, 30.11.2001.
34 31.12.2001.
35 The Washington Post, 23.11.2001.
36 Nabil Luka Bibawi in Al-Ahram, zitiert in: The Washington Post, 23.11.2001.
37 Thomas L. Friedman, „Pakistan’s Constitution Avenue,“ The New York Times, 20.01.2002.
38 Reuters, 18.01.2002.
39 Arab News, 15.11.2001.
40 Associated Press, 17.11.2001, Zitat aus Beijing Youth Daily.
41 Los Angeles Times, 3, 10.12.2001.
42 The New York Times, 27.01.2002.
43 The Times (London), 19.01.2002.
44 Associated Press, 15.11.2001.

Töte einen Juden für Allah

John Derbyshire, National Review online, 22. März 2002

Neulich bekam ich eine lange, sorgfältig geschriebene E-Mail von einem Leser, der mich anbettelte, diesen unter „anderen Meinungsmachern“ zu verbreiten. Darin wurde ein Plan für den Frieden im Nahen Osten entwickelt. Der Schreiber, offensichtlich eine intelligenter und gut informierter Mensch, hatte die E-Mail mit großer Sorgfalt entworfen. Auch mit einiger Leidenschaft – er wollte wirklich eine Lösung für das israelisch-arabische Problem finden. Hier war eine von der inspirierte Person, die ihr Bestes als Staatsbürger gibt um eine Idee zu verbreiten, die – wie sie inbrünstig glaubte – dem Horror ein Ende setzen würde.

Was war die Idee? Kurz gesagt: Die USA sollten Israel schwer unter Druck setzen die jüdischen Siedlungen in arabischem Land aufzugeben – d.h. jenseits der israelischen Grenzen vor 1967. Diese Siedlungen, argumentierte mein Leser, seien die Wurzel des Streits. Sie zu schließen würde den Hauptkriegsgrund aufheben und der gute Wille, der durch diese Tat gezeigt würde, würde den Arabern die Augen für den Fakt öffnen, dass Friede mit Israel möglich ist. Die Blockade würde durchbrochen.

Ich weiß nicht, was ich solchen Menschen sagen soll. Sie sind offensichtlich ehrbare, gute Bürger. Offensichtlich geben sie ihr Bestes – versuchen, konstruktiv zu sein, der Welt etwas Hoffnung zu geben. Wie sage ich ihnen, was ich fühle? Dass sie irgendwo zwischen Uranus und Neptun durchs Weltall treiben und einen Ort bewohnen, der die wirkliche Welt nicht an einer einzigen Stelle berührt.

Schauen Sie: Es würde wahrscheinlich so etwas wie abstrakte Gerechtigkeit geben, wenn die Siedlungen geschlossen würden, das weiß ich nicht. Ich muss zugeben, dass ich das nicht so sehe. Warum sollten Juden nicht unter Arabern leben? In Israel leben eine Menge Araber und es geht ihnen dort gut. Es gibt reiche israelische Araber; es gibt israelisch-arabische Popstars und Komödianten; es gibt israelisch-arabische Intellektuelle, Lehrer, Schriftsteller, Geschäftsleute und Sportler. Wenn man das ganze sortiert: Warum sollte es keine Juden geben, die in arabischen Gebieten leben – wie es Jahrhunderte lang war? Was genau ist an den Siedlungen falsch? Ich kann da nichts erkennen.

Aber gut, gehen wir davon aus, dass es einen gültigeN moralische Widerspruch zur Existenz der Siedlungen gibt; und gehen wir davon aus, der Plan meines Lesers würde ausgeführt und alle Siedlungen abgebaut, ihre Bevölkerung in die Städte Israels zurück gebracht, ihre Gebäude abgerissen, ihre Felder mit Salz gepflügt. Glaubt jemand, dass das tatsächlich einen Unterschied macht? Vor dem Krieg von 1967 gab es keine Siedlungen, keine „besetzten Gebiete“. 1960 z.B. gab es so etwas nicht, als Adolf Eichmann aus seinem Versteck in Buenos Aires von israelischen Geheimagenten entführt wurde – ein Ereignis, das von Saudi Arabiens größter, regierungskontrollierter Zeitung so dargestellt wurde: „EICHMANN VERHAFTET, DER DIE EHRE HATTE 6 MILLIONEN JUDEN ZU TÖTEN.“

Das Problem des Nahen Ostens sind nicht die Siedlungen. Es geht nicht um dieses oder jenes Stück Land. Es geht nicht um die Golanhöhen oder Ostjerusalem oder den Tempelberg. Es geht nicht um Öl oder Land oder Wasser oder Geschichte oder Geographie oder Metaphysik. Das Problem ist klar erkennbar. Sie wissen, was das Problem ist, genauso wie ich. Das Problem ist, dass der Nahe Osten die Juden hasst.

Ich sage „der Nahe Osten“, weil ich keine genauere Beschreibung kenne, das auszudrücken. Man kann nicht „die Araber“ sagen (obwohl natürlich die Araber die Juden mehr als irgendjemand sonst hassen), denn die Iraner und die Pakistanis und der Berber Nordafrikas hassen die Juden auch und sie sind keine Araber. Man kann nicht „die Muslime“ sagen. Ich glaube, das kommt der Sache sehr viel näher und es kann nur wenig Zweifel geben, dass der institutionelle Islam von Judenhass durchsetzt ist. Aber Malaysia ist ein muslimisches Land und sie hassen die Juden nicht außer auf eine Pro-forma-Art der Mitläufer, um ihre guten Beziehungen zu den Saudis und den Golf-Emiraten zu behalten.

Und bevor Sie mir schreiben: Ich bin sicher, dass viele Menschen im Nahen Osten die Juden nicht hassen. Viele Araber, vielleicht Millionen, hassen die Juden nicht. Vielleicht hassen viele nicht arabische Muslime die Juden auch nicht. Trotzdem ist es schwer den Eindruck zu vermeiden, wenn man die Übersetzungen von MEMRI liest, wenn man das betrachtet, was die Schulen im gesamten Nahen Osten lehren (wie auch die islamischen Schulen hier in den USA – s. unten), wenn man die Äußerungen der Politiker des Nahen Ostens hört (erinnern Sie sich, dass der syrische Außenminister dem Papst – dem Papst! – erklärte, dass „wenn ich einen Juden vor mir habe, ich ihn töte“?) und wenn man die zufälligen Unterhaltungen mit New Yorker Taxifahrern hört, dass der aus dem Bauch kommende, mörderische Judenhass unter Arabern, Pakistanis, Iranern und Nordafrikanern furchtbar weit verbreitet ist. Furchtbar weit verbreitet.

Zwischen dem Erhalt der E-Mail und ihrer Beantwortung habe ich im Zuge meiner täglichen Arbeit zwei Dinge getan, die damit nichts zu tun hatten. Eines war, einen Kommentar für die Druckausgabe des National Review über islamische Schulen hier in den USA vorzubereiten, der auf einer langen Studie der Washington Post vom 25. Februar basierte. Es wird geschätzt, dass es zwischen 200 und 600 private islamische Tagesschulen mit bis zu insgesamt 30.000 Schülern in den USA gibt. Sie benutzen aus Pakistan und Saudi Arabien importierte Schulbücher. Eines, das in der Islamic Saudi Academy in einem Vorort in Virginia benutzt wird, lehrt die Leser, dass ein sicheres Zeichen des Jüngsten Tages sein wird, dass Muslime Juden bekämpfen und töten werden, die sich hinter Bäumen verstecken, die sagen: „O Muslim, o Diener Gottes, hinter mir versteckt sich ein Jude. Komm her und töte ihn.“ Schulbehörden unternahmen schnell Versuche der Schadenskontrolle (wie es die Saudis nach dem inzwischen berühmten Ritualmord-Artikel unternahmen – Anmerkung heplev: Dieser Artikel ist von unseren Medien in Deutschland nicht einmal erwähnt worden!). Die Schulbücher, so versicherten sie uns, würden gerade durch besondere Ausgaben ersetzt, die amerikanischen Schülern angepasster seien und die töte-einen-Juden-für-Allah-Kram ausließen. Vermutlich bleibt dieser Anteil daheim in Saudi Arabien, Pakistan, Ägypten, Syrien, Iran, Libyen usw. unangetastet. Deren Kinder werden die richtige Botschaft vermittelt bekommen, da kann man sicher sein. „Was soll das heißen, du hasst die Juden nicht? Schau, sogar die gesegneten Bäume hassen sie!“

Das Zweite, das ich machte, war Jeffrey Goldbergs Artikel über Saddam Hussein im New Yorker (mit der Überschrift: „Der große Terror“ in der Ausgabe vom 25.3.02) zu lesen.

„Irakische Dissidenten stimmen darin überein, dass die Programme Iraks zum Bau von Massenvernichtungswaffen sich auf Israel konzentrieren. ‚Es geht nur um Israel‘, sagte mir Ahmad Chalabi, der Führer des Irakischen Nationalkongresses. … ‚Saddam denkt, er kann 100.000 Juden an einem Tag mit biologischen Waffen töten…‘ Experten für den Irak und seine Regierung stimmen generell darin überein, dass Saddam sich selbst gerne zum Führer aller Araber machen würde. Und der einzige Weg, das zu tun, ist Israel feindlich gegenüber zu treten.“

Aus dem, was ich sehe und höre, erscheint es mir, dass diese Experten Recht haben: Dass durch die Konfrontation mit Israel – indem 100.000 Israelis an einem Tag getötet werden – Saddam die Herzen der gesamten arabischen Welt gewinnen könnte, dazu die der Iraner, Pakistanis, Afghanen und Nordafrikaner. (Hasst Washingtons neuer Liebling Hamid Karzai die Juden? Hat ihn überhaupt jemand danach gefragt?) Ich bin sicher, dass Saddam selbst glaubt, dass es so ist und dass er, bei all seinen kleinen charakterlichen Schwächen, ein Mann ist, der etwas über die arabische Mentalität weiß.

Es ist nicht besonders schwierig sich einen Plan vorzustellen, mit dem die angesprochenen Klagegründe der Palästinenser angegangen werden und ein Kompromiss gefunden werden könnte. Die Staatsführungen der Welt – einschließlich Israels – haben tatsächlich jede Menge solcher Pläne, die mit liebevoller Sorgfalt von Unmengen von Diplomaten, Experten, Politikern, Botschaftern, Forschern und privaten Gutmenschen wie meinem Leser über Jahrzehnte hinweg entworfen wurden. In einem Klima des guten Willens und echtem Verlangen nach einer Lösung, könnte die Quadratur des palästinensischen Kreises gelingen. Man bräuchte nur einen dieser Pläne aus dem Regal zu holen, den Staub abzuwischen und zu sagen: „Lasst uns das als Ausgangspunkt benutzen.“ Die Quadratur des Kreises wird aber nicht gelingen – nicht George W. Bush, nicht meinem E-Mail-Freund mit seinem sorgfältigen Plan die Siedlungen zu schließen, keiner weiteren Runde der „Shuttle-Diplomatie“, keiner noch so harten Arbeit an einem „Friedensprozess“. Sie wird nicht gelingen, denn es gibt den guten Willen nicht und kein wirkliches Verlangen nach einer Lösung auf der Seite der Feinde Israels. Oder besser gesagt: Es gibt das weit verbreitete Verlangen nach nur einer Lösung: der Auslöschung Israels und die Austreibung oder Massentötung der Juden. Das ist es, was der Nahe Osten will; das ist alles, was sie wollen.

Ich denke nicht, dass wir Diplomaten in den Nahen Osten schicken sollten. Ich denke, wir sollten Psychiater-Teams schicken. Die Kultur dort ist krankhaft, eine kranke Kultur. Kommen wir zu diesem schändlichen Wiederaufbringen der Blutschuld-Verleumdung in der saudischen Presse zurück. Glauben Sie, irgendjemand in der Leserschaft dieser Zeitung fand etwas seltsam daran, fand etwas erbärmlich daran? Ich glaube das nicht. Für die Zeitungsleser Saudi Arabiens war das normal, eine Erklärung des Offensichtlichen. Wenn MEMRI die Aufmerksamkeit der zivilisierten Welt nicht darauf gelenkt hätte, glauben Sie, die saudischen Behörden hätten sich darum gekümmert? Glauben Sie, sie hätten inzwischen ein Ahnung davon, um was es bei der Aufregung geht? Natürlich benutzen die Juden das Blut der Nichtjuden, um ihre Plätzchen zu backen. Weiß das nicht jeder? Wir sollten uns trotzdem geschockt zeigen. Diese Amerikaner sind ja soooo empfindlich!

Wir haben es hier mit Leuten zu tun, die – gelinde gesagt – verrückt sind. Die Araber, die Iraner, die Pakis, die Libyer: Sie sind verrückt, jedenfalls die große Mehrheit dort. Schlichtweg verrückt. Sie spielen nicht mit einem kompletten Kartenspiel. Sie sind nicht richtig gewickelt. Der Rauch zieht bei ihnen nicht vollständig durch den Schornstein ab. Verrückt.

Können wir irgendetwas dagegen tun? Nur das, was uns Peggy Noonan in ihrem brillanten Artikel letzte Woche im Wall Street Journal erzählte: Tu, was du tust, wenn du dich in einem Raum voller stieläugiger Verrückter im örtlichen Irrenhaus wieder findest. Lächle, sprich sanft, mache keine plötzlichen Bewegungen, nicke und lächle und behalte den Elektroschocker fest in deiner Tasche in der Hand. Im Nahen Osten leben 300 Millionen Menschen und die meisten von ihnen sind völlig verrückt. Ich bin froh, dass ich nicht dort lebe.

Gott und Mammon: Verursacht Armut den militanten Islam?

Daniel Pipes, National Interest, Winter 2001/2002

Die Ereignisse vom 11. September haben eine lange geführte Debatte intensiviert: Was veranlasst Muslime, sich dem militanten Islam zuzuwenden? Einige Analysten haben die Armut Afghanistans bemerkt und daraus geschlossen, dass hierin das Problem liegt. Jessica Stern von der Harvard University schrieb, dass die USA „es sich nicht länger leisten können, dass Staaten versagen“. Wenn sie nicht Gesundheit, Ausbildung und wirtschaftlicher Entwicklung eine weit höhere Priorität einräumen, so schreibt sie, „werden weiter neue Osamas auftreten“. Susan Sachs von der New York Times stellt fest: „Es ist voraussagbar, dass die enttäuschte Jugend Ägyptens und Saudi Arabiens sich der Religion zuwendet um dort Trost, Wohlergehen zu finden.“ Auffallender traten andere dafür ein, dass Afghanistan mit Lebensmitteln nicht gleichzeitig, sondern anstatt Sprengstoff bombardiert werden solle.

Hinter diesen Analysen liegt die Annahme, dass sozio-ökonomische Erschöpfung Muslime in den Extremismus treibt. Die Beweislage unterstützt diese Erwartung allerdings nicht. Der militante Islam (der Islamismus) ist keine Antwort auf Armut oder Verarmung; nicht nur Bangladesch und der Irak sind Horte des militanten Islam, sondern er ist oft in Ländern aufgebrandet, die rasches wirtschaftliches Wachstum erleben. Die Faktoren, die militanten Islam abschwächen oder aufblühen lassen, scheinen mehr mit Fragen der Identität als der Wirtschaft zu tun zu haben.

Alle anderen Probleme verschwinden

Die übliche Weisheit, dass wirtschaftlicher Druck militanten Islam verursacht und wirtschaftliches Wachstum nötig ist um ihn stumpf werden zu lassen, hat viele gut positionierte Anhänger. Sogar einige der Islamisten akzeptieren diese Verbindung. In den Worten eines feurigen Scheichs aus Kairo: „Der Islam ist eine Religion der schlechten Zeiten.“ Der Hamas-Führer in Gaza, Mahmud az-Zahar, sagt: „Es reicht, die von Armut heimgesuchten Außenbezirke von Algier oder die Flüchtlingslager in Gaza zu sehen um die Fakten zu verstehen, die die Stärke der islamischen Widerstandsbewegung nähren.“ In diesem Geist bieten die militanten islamischen Organisationen eine breite Palette von Wohlfahrtsangeboten an um Parteigänger zu finden. Sie werben auch für das, was sie eine „islamische Wirtschaft“ nennen, als das „barmherzigste System der Solidarität in einer Gesellschaft. In einem solchen System stürzen die Ehrenhaften nicht, die Ehrlichen gehen nicht zugrunde, die Bedürftigen leiden nicht, die Behinderten verzweifeln nicht, die Kranken sterben nicht wegen Mangels an Fürsorge und Völker zerstören einander nicht.“

Viele säkulare Muslime betonen auch, dass der militante Islam seine Quelle in der Armut als Glaubensgrundsatz hat. Süleyman Demirel, früherer türkischer Präsident, sagt: „Solange es Armut, Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Systeme politischer Unterdrückung gibt, werden die fundamentalistischen Tendenzen in der Welt anwachsen.“ Die frühere türkische Premierministerin Tansu Çiller befindet, dass die Islamisten in den Wahlen von 1994 so gut abschnitten, weil „die Leute auf die Wirtschaft reagierten“. Der Chef des jordanischen Armee-Geheimdienstes vertritt die Ansicht, dass die „wirtschaftliche Entwicklung fast alle unsere Probleme [im Nahen Osten] lösen könnte“. „Einschließlich des militanten Islam?“, wurde er gefragt. „Ja“, antwortete er. „In dem Moment, wo jemand wirtschaftlich gut da steht, er Arbeit hat und seine Familie ernähren kann, verschwinden alle anderen Probleme.“

Linke im Nahen Osten stimmen zu, interpretieren das wieder Aufleben des militanten Islam als „Zeichen des Pessimismus. Wie die Menschen verzweifelt sind, flüchten sie sich ins Übernatürliche.“ Auch Sozialwissenschaftler schließen sich dem an: Hooshang Amirahmade, Akademiker mit iranischen Wurzeln, macht geltend, man müsse „nach den Wurzeln des islamischen Radikalismus außerhalb der Religion suchen, in der realen Welt der kulturellen Hoffnungslosigkeit, wirtschaftlichen Niedergans, politischer Unterdrückung und spirituellen Durcheinanders in dem die meisten Muslime sich heute wieder finden.“ Natürlich erkennen die Akademiker mit ihrer verschleppten marxistischen Neigung und der Verachtung für (religiösen) Glauben diese „Armut treibt den militanten Islam“-Meinung fast einstimmig an. Ervand Abrahamian vertritt die Meinung, dass „das Verhalten von Khomeini und der Islamischen Republik weniger durch die Prinzipen der heiligen Schriften als durch unmittelbare politische, soziale und wirtschaftliche Nöte bestimmt worden ist“. Ziad Abu-Amr, Verfasser eines Buchs zum militanten Islam (und Mitglied des Palästinensischen Legislativrats), schreibt eine palästinensische Umkehr zur Religiosität „dem düsteren Klima der Zerstörung, des Krieges, der Arbeitslosigkeit und Depression“ zu, das „die Menschen dazu bringt Trost zu suchen und dafür wenden sie sich an Allah“.

Auch westliche Politiker finden das Argument unwiderstehlich. Der frühere Präsident Bill Clinton sagte: „Diese Kräfte der Reaktion nähren sich aus Desillusionierung, Armut und Verzweiflung“ und befürwortete eine sozialwirtschaftliche Arznei: „Verteilt Wohlstand und Sicherheit an alle.“ Edward Djerejian, einst eine Top-Persönlichkeit des Außenministeriums, berichtet, dass „politisch-islamistische Bewegungen zu einem wichtigen Anteil in sich verschlimmernden sozio-ökonomischen Bedingungen des jeweiligen Landes verwurzelt sind“. Martin Indyk, ein weiterer ehemals hochrangiger US-Diplomat, warnt, dass diejenigen, die die Anziehungskraft des militanten Islam zu reduzieren wünschen, zuerst die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Probleme lösen müssen, die seine Brutstätte bilden.

Der militante Islam spiegelt nach Klaus Kinkel, dem früheren deutschen Außenminister, „die wirtschaftliche, politische und kulturelle Enttäuschung“ der Muslime wider. Der frühere französische Innenminister Charles Pasqua befindet, dass dieses Phänomen „zeitlich mit der Verzweiflung von Teilen einer großen Sektion der Massen und insbesondere junger Menschen zusammen fällt.“ Eddie Fenech, Premierminister Maltas, zieht noch engere Verbindungen: „Fundamentalismus wächst im gleichen Maße wie wirtschaftliche Probleme.“ Israels Außenminister Shimon Peres behauptet glatt, „Armut ist die Grundlage des Fundamentalismus“ und dass er „eine Möglichkeit bietet, gegen Armut, Korruption, Missachtung und Diskriminierung zu protestieren“.

Bewaffnet mit dieser Theorie von Ursache und Wirkung tätigen Geschäftsleute gelegentlich ihre Investitionen mit einem Blick auf politische Verbesserungen. Der Vorsitzender der Virgin Gruppe, Richard Branson, erklärte bei der Eröffnung eines Musikgeschäfts in Beirut: „Die Region wird stabil, wenn in sie investiert wird, Arbeitsplätze geschaffen und Länder wieder aufgebaut werden, die Aufbau benötigen, nicht durch ihre Ignorierung.“

Irgendwo an der Stratosphäre

Die empirischen Daten zeigen aber wenige Zusammenhänge zwischen wirtschaftlicher Situation und militantem Islam. Gesamtmessungen von Wohlstand und wirtschaftlichen Trends versagte als Vorhersage-Instrumente dafür, wo der militante Islam stark sein wird und wo nicht. Auf der individuellen Ebene zeigt die allgemeine Weisheit auch darauf, dass der militante Islam die Armen, die Ausgegrenzten und die Randgruppen anzieht – aber die Forschung zeigt, dass genau das Gegenteil zutrifft. Wenn wirtschaftliche Faktoren erklären sollen, wer Islamist wird, dann zeigt sich, dass es die sind, denen es gut geht, nicht die Armen.

Nehmen wir Ägypten als Beispiel: Für eine Studie von 1980 befragte der ägyptische Sozialwissenschaftler Saad Eddin Ibrahim Islamisten in ägyptischen Gefängnissen und fand heraus, dass das typische Mitglied „jung ist (Anfang 20), vom Land oder aus kleinstädtischem Hintergrund, aus der mittleren oder unteren Mittelklasse stammt, gute Leistungen und hohe Motivation aufweist, verhältnismäßig mobil ist, eine wissenschaftlicher oder Ingenieurs-Ausbildung absolviert hat und aus einer normal zusammen haltenden Familie stammt.“ Mit anderen Worten, schloss Ibrahim, diese jungen Männer waren „deutlich oberhalb des Durchschnitts ihrer Generation angesiedelt“; sie waren „ideale oder junge Modell-Ägypter“. In einer folgenden Studie fand er heraus, dass von 34 Mitgliedern der gewalttätigen Gruppe At-Takfir w’al-Hijra ganze 21 Väter im Staatsdienst hatten, fast alle im Mittleren Dienst. Weniger lang zurückliegend fand der Kanadische Geheimdienst heraus, dass die Führung der militant-islamischen Gruppe Al-Jihad „im Großen und Ganzen eine Hochschulausbildung und einen Mittelklasse-Hintergrund besitzen“. Dies sind nicht die Kinder der Armut oder Verzweiflung.

Andere Forscher bestätigen diese Erkenntnisse für Ägypten. In einer Studie der wirtschaftlichen Probleme des Landes schließt Galal A. Amin, ein Wirtschaftswissenschaftler an der Amerikanischen Universität in Kairo, mit dem Vermerk „wie selten man Beispiele für religiösen Fanatismus unter den höheren oder sehr niedrigen sozialen Schichten der ägyptischen Bevölkerung findet“. Als ihre Assistentin in Kairo Islamist wurde, erzählte die amerikanische Journalistin Geraldine Brooks von ihrer Überraschung: „Ich hatte angenommen, dass die Zuwendung zum Islam eine verzweifelte Wahl der armen Menschen sei, die nach himmlischem Trost suchen. Aber Sahar [ihre Assistentin] war weder verzweifelt noch arm. Sie gehörte irgendwo in die Schicht von Ägyptens peinlich müde Gesellschaft.“ Beachten Sie auch diesen Bericht des begabten Journalisten Hamza Hendawi: In Ägypten

zieht eine neue Art von Predigern in Anzügen und mit Handys eine steigende Anzahl der Reichen und Mächtigen an, weg vom westlichen Lebensstil und in den religiösen Konservatismus. Die modernen Imame halten ihre Seminare bei Festessen in einigen von Kairos luxuriösesten Häusern und Ägyptens Erholungsorten an der Küste ab und wenden sich an den Sinn der Reichen für Stil und Komfort.

Was für Ägypten zutrifft, ist auch anderswo richtig. Wie Faschismus und Marxismus-Leninismus in ihren Hoch-Zeiten, spricht der militante Islam hoch kompetente, motivierte und ambitionierte Personen an. Sie sind bei weitem nicht die trägen Teile der Gesellschaft, sondern ihre Führer. Brooks, ein weit gereister Journalist, stellte fest, dass die Islamisten „die höchst Begabten“ der Jungendlichen waren, die sie traf. Die, „die die islamischen Aufrufe hörten, gehörten zu den Studenten mit den meisten Möglichkeiten, nicht nur die hoffnungslosen Fälle… Sie waren die Elite der nächsten zehn Jahre: die Leute, die die Zukunft ihrer Nation formen würden.“

Sogar Islamisten, die das letzte Opfer bringen und ihr Leben geben, passen in dieses Muster der finanziellen Leichtigkeit und der vorzüglichen Ausbildung. Eine unverhältnismäßig große Anzahl an Terroristen und Selbstmord-Attentätern haben eine höhere Ausbildung, oft im Bereich des Ingenieurwesens und der Wissenschaften. Diese Verallgemeinerung trifft gleichermaßen auf den palästinensischen Selbstmord-Attentäter zu, der Israel angreift, wie auch auf die Gefolgsleute Osama Bin Ladens, die die vier Flugzeuge am 11. September entführten. Im Fall der ersteren fand ein Forscher bei der Betrachtung ihrer Profile heraus, dass „wirtschaftliche Umstände kein entscheidender Faktor zu sein scheinen. Zwar konnte keine der 16 Personen als wohlhabend beschrieben werden, einige hatten sicher weniger wirtschaftliche Probleme als andere.“ Im zweiten Fall würden, wie es der Historiker Sean Wilentz von Princeton zynisch ausdrückte, die Biographien der Killer vom 11. September ergeben, dass die Wurzel des Terrorismus „Geld, Ausbildung und Privilegien“ sind. Etwas allgemeiner kommentierte einst Fathi ash-Shirqaqi, Gründungs-Führer des mörderischen Islamischen Jihad: „Einige der jungen Leute, die sich [in Terror-Operationen] geopfert haben, kamen aus wohlhabenden Familien und hatten erfolgreiche Universitäts-Karrieren.“ Das macht Sinn, denn Selbstmord-Attentäter, die sich gegen fremde Feinde werfen, bieten ihr Leben nicht aus Protest gegen finanzielle Ausblutung, sondern um die Welt zu verändern.

Auch die, die militant-islamischen Organisationen den Rücken stärken, sind von der Tendenz her wohlhabend. Sie stammen öfter aus der reichen Stadt als vom ärmeren Land, eine Tatsache, die – wie Khalid M. Amayreh, ein palästinensischer Journalist, heraushebt – „die weithin gemachte Annahme widerlegt, dass islamistische Popularität in wirtschaftlicher Misere gedeiht“. Und sie kommen nicht nur aus der Stadt, sondern auch aus deren höheren Schichten. Zeitweise sind erstaunliche 25 Prozent der Mitglieder in der führenden militant-islamischen Organisation der Türkei – heute die Saadet-Partei – Ingenieure gewesen. Tatsächlich ist ein typischer Kader in der militant islamischen Partei ein Ingenieur in den 40-ern, geboren in der Stadt, mit Eltern, die vom Land dort hin zogen. Amayreh stellte fest, dass in den jordanischen Parlamentswahlen von 1994 die Moslem-Bruderschaft in den Mittelklasse-Bezirken genauso gut abschnitt wie in den armen Vierteln. Er verallgemeinert daraus, dass „eine beträchtliche Mehrheit der Islamisten und ihrer Unterstützer aus den mittleren und oberen sozio-ökonomischen Schichten stammen.“

Martin Kramer, Herausgeber des Middle East Quarterly, geht weiter und sieht den militanten Islam als

das Gefährt der Gegen-Eliten, Menschen, die von den Tugenden der Ausbildung und/oder des Einkommens potentielle Mitglieder der Elite sind, die aber aus dem einen oder anderen Grund davon ausgeschlossen werden. Ihrer Ausbildung mag ein wichtiges, Prestige verleihendes Element, die Quellen ihres Reichtums mögen nicht ganz makellos sein. Oder sie könnten gerade die falsche Herkunft haben. Während sie als gut ausgebildet und reich sind, haben sie einen Grund zur Klage: Ihr Streben wird abgeblockt, sie können ihre sozio-ökonomischen Werte nicht in politischen Einfluss umsetzen. Islamismus ist für diese Menschen, teilweise wegen seiner sorgfältigen Manipulation, besonders nützlich; es ist möglich unter den Armen eine Gefolgschaft zu finden, die wertvolles Fußvolk bilden.

Kramer zitiert als Beispiel für seine Gegen-Elite in ihrer reinsten Form die sogenannten Anatolischen Tiger, Geschäftsleute, die eine wichtige Rolle für den Rückhalt der türkischen militant-islamischen Partei gespielt hatten.

Kein Produkt der Armut

Das gleiche Muster, das für individuelle Islamisten gilt, existiert genauso auf der Ebene von Gesellschaften. Dieses soziale Muster kann mit vier Thesen ausgedrückt werden.

Erstens: Reichtum macht nicht immun gegen den militanten Islam. Kuwaitis erfreuen sich eines Einkommens westlichen Stils (und verdanken sogar die Existenz ihres Staates dem Westen), aber Islamisten gewinnen im Allgemeinen den größten Anteil an Sitzen im Parlament (zurzeit zwanzig von fünfzig). Dem Westjordanland geht es besser als dem Gazastreifen, trotzdem erfreuen sich die militant-islamischen Gruppen im ersten größerer Beliebtheit als im zweiten. Der militante Islam gedeiht in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und in Nordamerika, wo Muslime als Gruppe einen höheren Lebensstandard als der jeweilige nationale Durchschnitt genießen. Und unter diesen Muslimen haben die Islamisten, wie Khalid Durán heraus stellt, gewöhnlich ein höheres Einkommen: „In den USA ist der Unterschied zwischen Islamisten und einfachen Muslimen größtenteils einer zwischen Besitzenden und Habenichtsen. Muslime haben die Anzahl, Islamisten haben die Dollars.“

Zweitens: Eine blühende Wirtschaft macht nicht immun gegen radikalen Islam. Die heutigen militant-islamischen Bewegungen starteten in den 70-er Jahren, genau zu der Zeit, als die Öl exportierenden Staaten sich ungewöhnlicher Wachstumsraten erfreuten. Muhammar Gaddhafi entwickelte damals seine exzentrische Version des prototypischen militanten Islam; fanatische Gruppierungen in Saudi Arabien eroberten gewalttätig die Große Moschee in Mekka; und Ayatollah Khomeini übernahm die Macht im Iran (obwohl zugegebenermaßen das Wachstum einige Jahre vor dem Sturz des Schahs nachgelassen hatte); In den 80-er Jahren erfuhren einige Länder, die wirtschaftlich exzellente Daten aufwiesen, einen Aufschwung des militanten Islam. Jordanien, Tunesien und Marokko ging es wirtschaftlich in den 90-er Jahren gut – wie auch ihren militant-islamischen Bewegungen. Türken unter Turgut Özal erlebten beinahe ein Jahrzehnt besonders eindrucksvollen wirtschaftlichen Wachstums, während sie gleichzeitig militant-islamischen Parteien in immer größerer Zahl beitraten.

Drittens: Armut erzeugt keinen militanten Islam. Es gibt viele arme muslimische Staaten, aber wenige von diesen sind Zentren des militanten Islam geworden – nicht Bangladesch, nicht der Jemen, auch nicht der Niger. Wie ein amerikanischer Kenner richtigerweise anmerkt, „ist wirtschaftliche Hoffnungslosigkeit, die oft genannte Quelle der Macht des politischen Islam, dem Nahen Osten bekannt“; wenn der militante Islam mit Armut verbunden ist, warum war er in den vergangenen Jahren und Jahrhunderten nicht stärker, als die Region ärmer war als heute?

Viertens: Eine schwächelnde Wirtschaft erzeugt keinen militanten Islam. Der Crash in Indonesien und Malaysia verursachte keine große Hinwendung zum militanten Islam. Die Einkommen im Iran haben sich mindestens halbiert, seit die Islamische Republik 1979 an die Macht kam; im Gegenteil, weit entfernt von zunehmender Unterstützung für die militant-islamische Ideologie des Regimes, hat die Verarmung eine massive Entfremdung vom Islam verursacht. Die Iraker haben einen noch steileren Abfall des Lebensstandards erlebt: Abbas Alnasrawi schätzt, dass das Pro-Kopf-Einkommen seit 1980 um mindestens 90 Prozent abgestürzt ist, auf ein Niveau, auf dem es sich in den 40-er Jahren befand. Das Land hat eine Zunahme der persönlichen Frömmigkeit erfahren, weder ist aber der militante Islam aufgebrandet noch ist er führender Ausdruck von Gefühlen gegen die Regierung.

Wenigstens ein paar Beobachter haben aus diesen beobachteten Mustern die richtigen Schlüsse gezogen. Der offen bekennende algerische Säkularist Saïd Sadi lehnt die These glatt ab, dass Armut den militanten Islam anstachelt: „Ich hänge nicht der Ansicht an, dass es weit verbreitete Arbeitslosigkeit und Armut sind, die Terrorismus produzieren.“ Ähnlich befindet Amayreh, dass der militante Islam „kein Produkt oder Nebenprodukt von Armut ist“.

Für ein annehmbares Leben sorgen

Wenn Armut den militanten Islam verursacht, dann wäre breit gefächertes wirtschaftliches Wachstum die Lösung. Und tatsächlich argumentieren Beamte in so verschiedenen Ländern wie Ägypten und Deutschland für die Konzentration auf den Aufbau von Wohlstand und die Förderung der Schaffung von Arbeitsplätzen zur Bekämpfung des militanten Islam. Auf der Höhe der Krise in Algerien in den 90-er Jahren drohte die Regierung, als sie um westliche Wirtschaftshilfe flehte, implizit damit, dass ohne diese die Islamisten die Oberhand gewinnen würden. Diese Interpretation hat praktische Folgen: Die Regierung Tunesiens beispielsweise hat einige Schritte in Richtung der freien Marktwirtschaft unternommen, aber keine Privatisierung durchgeführt, weil sie fürchtet, dass die anschwellende Anzahl von Arbeitslosen Futter für die militant-islamischen Gruppierungen sorgen würde. Dasselbe gilt für den Iran, wo Europa und Japan ihre Politik auf der Idee gründen, dass ihre wirtschaftlichen Verbindungen zur Islamischen Republik diese zähmen und militärisches Abenteurertum verhindern würden.

Diese Betonung von Arbeit und der Schaffung von Reichtum veränderte auch die Bemühungen in der Oslo-Ära, den arabisch-israelischen Konflikt zu beenden. Vor 1993 hatten die Israelis darauf bestanden, dass eine Resolution die Araber zu der Anerkennung verpflichten sollte, dass der jüdische Staat eine permanenter Lebens-Tatsache ist. Man dachte dies durch zu erreichen sei durch Gewinnung der Anerkennung des jüdischen Staates und der Einigung auf allseits akzeptable Grenzen. Dann, nach 1993, ereignete sich ein wichtiger Wechsel: den arabischen Wohlstand zu mehren wurde zum Ziel, in der Hoffnung, dass dies den Reiz des militanten Islam und andere radikaler Ideologien verringern würde. Ein Startsprung der Wirtschaft sollte den Palästinensern einen Einsatz im Friedensprozess geben und so den Reiz der Hamas und des Islamischen Jihad reduzieren. In diesem Zusammenhang schrieb Serge Schmemann von der New York Times (ohne Belege zu bringen), dass Arafat „weiß, dass die Ausrottung der Militanz sich letztendlich mehr auf der Sorge für ein anständiges Leben als auf dem Anwendung von Gewalt verlassen muss“.

Der israelische Analyst Meron Benvenisti stimmte zu: der „militante Charakter des Islam ist darauf zurückzuführen, dass sich in ihm eine tiefe Frustration der Unterprivilegierten ausdrückt… Der Aufstieg der Hamas war direkt verbunden mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation und der angesammelten Frustration und Verschlimmerung der fortgeführten Besatzung.“ Auch Shimon Peres machte sich stark: „Islamischer Terror kann nicht militärisch bekämpft werden, sondern durch die Ausrottung des Hungers, der ihn ausbrütet.“ Von dieser Theorie geleitet gaben die westlichen Staaten und Israel Milliarden von Dollars als Beihilfe an die palästinensische Autonomiebehörde. Noch bemerkenswerter: die israelische Regierung bekämpfte Versuche von pro-Israel-Aktivisten in den Vereinigten Staaten, die US-Hilfe an die PLO abhängig davon zu machen, dass Arafat seine formalen, schriftlich festgehaltenen Versprechungen an Israel erfüllt.

Zu diesem späten Zeitpunkt muss man kaum auf die Falschheit der Annahmen Oslos hinzuweisen. Wohlstand löst Hass nicht auf; ein reicher Feind mag einfach einer sein, der besser in der Lage ist Krieg zu führen. Der Westen und die Israelis nahmen an, dass die Palästinenser ein breites wirtschaftliches Wachstum zu ihrem Hauptziel machen würden, während dies ein geringes Anliegen war. Was statt dessen zählte, waren Fragen der Identität und Macht, aber die Theorie, dass der militante Islam aus Armut entstehe, ist so stark, dass das Fehlschlagen Oslos es nicht geschafft hat, den Glauben an die politischen Vorteile des Wohlstands unglaubwürdig zu machen. So unterstützte im August 2001 ein hochrangiger israelischer Offizier den Bau eines Elektrizitätswerks im nördlichen Gazastreifen, weil es Arbeitsplätze schaffen würde „und jeder [Palästinenser], der arbeitet, ein Paar Hände weniger für die Hamas ist“.

Eine andere Schlussfolgerung

Wenn Armut nicht die Triebkraft hinter dem militanten Islam ist, müssen für die Politik verschiedene Konsequenzen gezogen werden. Erstens kann Wohlstand nicht als Lösung gegen den militanten Islam angesehen werden und Auslandshilfen können nicht als Hauptmittel der Welt für ihren Kampf dagegen dienen. Zweitens bietet die Verwestlichung auch keine Lösung. Im Gegenteil, viele heraus ragende militant-islamische Führer sind nicht nur mit westlichen Lebensstilen vertraut, sondern regelrechte Experten darin. Besonders ist, dass eine unverhältnismäßig große Anzahl von ihnen qualifizierte Abschlüsse in Technik und Wissenschaften hat. Es erscheint manchmal so, dass Verwestlichung ein Weg in den Hass gegen den Westen ist. Drittens führt wirtschaftliches Wachstum nicht automatisch zu besseren Beziehungen mit muslimischen Staaten. In einigen Fällen (z.B. Algerien) könnte es helfen; in andere (wie Saudi Arabien) schaden sie.

Könnte es im Gegenteil so sein, dass der militante Islam aus Reichtum statt aus Armut resultiert? Es ist möglich. Schließlich gibt es das universelle Phänomen, dass Menschen sich nur ideologisch stärker engagieren und politisch aktiv werden, wenn sie einen recht hohen Lebensstandard erreicht haben. Revolutionen finden nur statt, so wurde oft bemerkt, wenn eine große Mittelklasse existiert. Birthe Hansen, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität von Kopenhagen, deutet dies an, wenn sie schreibt, dass „die Verbreitung des marktwirtschaftlichen Kapitalismus und der liberalen Demokratie … wahrscheinlich ein bedeutender Faktor hinter dem Aufstieg des militanten Islam ist“.

Überdies gibt es ein besonderes islamisches Glaubens-Phänomen, das mit weltlichem Erfolg verbunden ist. Durch die Geschichte hindurch, von der Zeit des Propheten Mohammed bis ins Ottomanische Reich ein Jahrtausend später, waren Muslime gewöhnlich reicher und mächtiger als andere Völker; sie waren alphabetisiert und gesund. Mit der Zeit wurde der islamische Glaube mit einem weltlichen Wohlstand verbunden – im Endeffekt einer Art muslimischem Calvinismus. Diese Verbindung scheint sich immer noch zu behaupten. Wie z.B. in der als Issawis Gesetz bekannten Formulierung („Wo Muslime sind, gibt es Öl; die Umkehrung ist nicht richtig“) angeführt wird, profitierten hauptsächlich Muslime vom Öl-Boom der 70-er Jahre; es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass die jetzige Welle des militanten Islam damals ihren Anfang nahm. Islamisten, die sich als „Pioniere einer Alternativ-Bewegung zur westlichen Zivilisation“ sehen, brauchen eine starke wirtschaftliche Basis. Wie Galal Amin schreibt: „Es dürfte eine starke Verbindung geben zwischen dem Anwachsen der Einkommen, was eine Art wirtschaftlicher Miete darstellt, und dem Wachsen des religiösen Fanatismus.“

Im Gegensatz dazu haben arme Muslime dazu geneigt, von alternativen Zugehörigkeiten mehr beeindruckt zu sein. Über die Jahrhunderte hinweg ist z.B. die Abwendung von der Religion immer dann am häufigsten aufgetreten, als es ihnen schlecht ging. So war das, als die Tataren unter die russische Herrschaft fielen oder der sunnitische Libanon seine Macht an die Maroniten verlor. So war es auch 1995 im irakischen Kurdistan, einer Gegend, die doppelt unter dem Embaro und dem Bürgerkrieg litt.

Während sie ihr Leben mitten in Feuer und Schießpulver zu leben versuchen, haben die kurdischen Dorfbewohner den Punkt erreicht, wo sie dazu bereit sind, wirklich alles aufzugeben, um sich vor Hunger und Tod zu retten. Aus ihrer Sicht ist es eine zunehmend wichtige Maßnahme, die Religion zu wechseln, um ein Visum in den Westen zu bekommen.

Es gibt also, kurz gesagt, genügend Gründe für die Ansicht, dass der militante Islam eher aus Erfolg wächst als aus Niederlagen.

Der Fahrstuhl zur Macht

Da dies wahrscheinlich ist, ist es vermutlich fruchtbarer, weniger auf die Wirtschaft zu schauen und statt dessen auf andere Faktoren zu achten, wenn man die Quellen des militanten Islam sucht. Materielle Gründe sprechen das Empfindungsvermögen des westlichen Menschen stark an, bieten aber in diesem Fall wenig Anleitung. Generell, stellt David Wurmser vom American Enterprise Institute fest, schreibt der Westen zu viele der Probleme der arabischen Welt „besonderen materiellen Fragen“ zu, wie Landbesitz und Vermögen. Das bedeutet gewöhnlich die Tendenz, „unverfälschten Glauben und strikte Befolgung von Prinzipien zu verharmlosen und als zynische Ausnutzung der Massen durch Politiker abzutun. So betrachtet der Westen die materiellen Dinge und Führer, nicht den spirituellen Zustand der arabischen Welt als das zentrale Problem.“ Oder in Osama bin Ladens übler Ausdrucksweise: „Weil Amerika das Geld verehrt, glaubt es, dass [andere] Völker genauso denken.“

Wenn man sich von den Kommentatoren des militanten Islam abwendet und statt dessen tatsächlich einmal den Islamisten selbst zuhört, wird schnell deutlich, dass sie selten über Wohlstand reden. Ayatollah Khomeini drückte das denkwürdig so aus: „Wir haben keine Revolution gemacht um den Preis von Melonen zu senken.“ Wenn überhaupt, dann schauen sie mit Abscheu auf die Konsumgesellschaft des Westens. Wajdi Ghunayim, ein ägyptischer Islamist, sieht es als „die Herrschaft von Dekolletee und Mode“, deren gemeinsamer Nenner die Ansprache der tierischen Instinkte der menschlichen Natur ist. Wirtschaftliche Werte stellen für den Islamisten nicht das gute Leben dar, sondern zusätzliche Kraft für die Schlacht gegen den Westen. Geld dient zum Training der Kadetten und zum Waffenkauf, nicht zum Kauf eines größeren Hauses oder des neuesten Autos. Reichtum ist ein Weg, kein Ziel.

Ein Weg wohin? Zur Macht. Islamisten kümmern sich weniger um materielle Stärke als darum, wo sie in der Welt stehen. Sie sprechen ständig davon. In einer typischen Stellungnahme sagte Ali Akbar Mohtashemi, der führende iranische Hardliner, voraus, dass „letztlich der Islam die Vormacht werden wird“. Ähnlich erklärt Mustafa Mashhur, ein ägyptischer Islamist, dass der Wahlspruch „Allah ist groß“ widerhallen wird, „bis der Islam sich über die ganze Welt ausbreitet“. Abdessalam Yassine, marokkanischer Islamist, behauptet: „Wir verlangen die Macht“ – und der Mann, der ihm im Weg stand, der verstorbene König Hassan, schloss daraus, dass für Islamisten der Islam „der Fahrstuhl zur Machtübernahme“ ist. Er hatte Recht. Wenn wir die wirtschaftliche Dimension auf die ihr zustehende Größe reduzieren und die religiöse, die kulturelle und die politische Dimension (entsprechend) würdigen, werden wir vielleicht wirklich anfangen zu verstehen, was den militanten Islam verursacht.

Kurze Ergänzung von IMRA vom 21. August 2002:

Nach der „Wasserklosett-Theorie“ von Shimon Peres würde der arabische Terror enden, wenn nur die Araber gut verdienend beschäftigt wären und gute Unterkünfte hätten.
Israel Television Kanal 2 zeigte einige der Villen von gut verdienend beschäftigten Einwohnern des gut entwickelten Silwan-Viertels in Jerusalem, die zur gefährlichsten und blutigsten Terrorzelle in der Geschichte Israels gehörten.
Die Gruppe, deren Mitglieder alle in Israel beschäftigt waren und in schönen Häusern wohnten, folgten den Befehlen der Hamas aus Ramallah, die einem in Damaskus entwickelten Plan folgten und für die Anschläge im Café Moment, der Hebräischen Universität und Rishon Letzion verantwortlich waren, wie auch für einen Anschlag auf ein Benzinlager, das tausende von Israelis bei Tel Aviv verbrannt haben würde.

Entscheidend ist, welche Form des Islam sich durchsetzt

Daniel Pipes, Los Angeles Times, 22. Juli 1999

Der Islam soll in den Vereinigten Staaten 6 Millionen Anhänger haben und die am schnellsten wachsende Religion des Landes sein; 1960 lebten hier schätzungsweise 100.000 Muslime. Auf eine wichtige Weise ist das eine einzigartige Gemeinschaft, anders als jede andere, die vorher kam, und sie sieht sich Entscheidungsmöglichkeiten ausgesetzt, die vermutlich einigen Einfluss auf die USA und die nicht muslimischen Staaten der Welt haben.

Amerikanische Muslime – Immigranten, wie hier geborene – betrachten die USA auf eine von zwei vorherrschenden Möglichkeiten. Mitglieder der einen Gruppe, die Integrationisten, haben kein Problem damit, gleichzeitig patriotische Amerikaner und überzeugte Muslime zu sein. Symbolisch für diese Betrachtungsweise der USA, weht am Islamic Center of Southern California eine amerikanische Flagge.

Diese Integrationisten bestehen darauf, dass die Normen des Westens – nachbarschaftliche Beziehungen, Arbeitsfleiß, Ehrlichkeit – im Grunde das sind, was der Islam lehrt. Umgekehrt stellt der Islam die Erfüllung amerikanischer Werte dar und betrachtet Muslime als positive Kraft, die Amerika voran bringt. Ein Integrationist drückte das so aus, dass man, um ein guter Muslim zu sein, ein guter Amerikaner sein muss und umgekehrt. Oder, wie der schwarzamerikanische Leiter W. Deen Mohammed es sagte: „Der Islam kann dem Westen etwas bieten, statt eine Bedrohung des Westens darzustellen.“ Integrationisten akzeptieren, dass die USA nie ein muslimisches Land sein werden und haben sich damit abgefunden in einem nicht islamischen Umfeld zu leben; sie rufen die Muslime auf, ins öffentliche Leben einzutauchen, um nützlich wie einflussreich zu werden.

Im Gegensatz dazu streben Chauvinisten an, die USA zu einem muslimischen Staat zu machen, der eventuell gar dem iranischen oder sudanesischen Modell entspricht. Im Glauben, dass die islamische Zivilisation allem Amerikanischen überlegen ist, werben sie für den Islam als Lösung für alles Schlechte im Land. In den Worten ihres führenden Theoretikers, Ismail Al-Faruqi: „Nichts könnte großartiger sein als dieser junge, lebhafte und reiche Kontinent [Nordamerika], der sich von seiner bösen Vergangenheit löst und unter dem Banner des Allahu Akbar [Gott ist groß] vorwärts marschiert.“ Oder in den Worten eines Lehrers an der Al-Ghazly Islamic School in Jersey City (New Jersey): „Unser kurzfristiges Ziel ist es, den Islam einzuführen. Als langfristiges Ziel müssen wir die amerikanische Gesellschaft retten. Allah wird fragen, warum ich nicht vom Islam sprach, denn dieser Landstrich ist Allahs Eigentum.“

Einige dieser Sorte reden sogar davon, die US-Regierung zu stürzen und durch eine islamische zu ersetzen. Obwohl das bizarr klingt, gewinnt diese Haltung ernsthafte und weit gestreute Unterstützung bei Muslimen, von denen einige diskutieren, ob friedliche Mittel ausreichend sind oder ob Gewalt eine notwendige Option ist. (Scheik Omar Abdel Rahman vom World Trade Center-Anschlag von 1993 gehört eindeutig zu denen, die glauben, dass Gewalt notwendig ist.)

Kurz gesagt sind die Integrationisten erfreut in einem demokratischen Land zu leben, wo die Gesetzestreue vorherrscht, während die Chauvinisten die Bräuche des Nahen Ostens und Südasiens importieren wollen. Die eine Gruppe akzeptiert das Konzept eines amerikanisierten Islam als nicht weniger wert als den ägyptischen oder pakistanischen Islam, während die andere im amerikanischen Leben wenig Attraktives findet.

Welches dieser beiden Elemente sich durchsetzt, hat große Bedeutung für die Vereinigten Staaten und die Welt des Islam. Wenn die überwiegende Mehrheit der amerikanischen Muslime den integrativen Ansatz übernimmt, sollte sich die muslimische Gemeinschaft gut in das Gewebe des amerikanischen Lebens einfügen. Zusätzlich gibt es den Nutzen, dass die gut ausgebildete, wohlhabende und ambitionierte Gemeinschaft amerikanischer Muslime ihre Version eines modernen und toleranten Islam in den Nahen Osten, Südasien und andernorts Orte ausbreiten wird.

Wenn aber die Chauvinisten zahlreicher sind und (wie es heute der Fall ist) die meisten muslimischen Institutionen in den USA beherrschen, könnten die Folgen wirklich bitter sein. Nehmen wir den Vorfall vom März 1996, als Mahmud Abdul-Rauf, ein 27-jähriger Konvertit zum Islam, der damals in der National Basketball Association spielte, sich entschied sitzen zu bleiben, als die amerikanischen Nationalhymne vor jedem Spiel gespielt wurde. Als Muslim, sagte er, könne er der amerikanischen Flagge keinen solchen Respekt erweisen, da er sie als ein „Symbol der Unterdrückung, der Tyrannei“ betrachtete. Die Entfremdung dieses reichen und erfolgreichen Muslimen hat furchtbare Konsequenzen, wenn sie sich weit verbreitet.

Hier gibt es eine Rolle für jeden – Muslime, Nicht-Muslime, Geschäftsführer, Hollywood-Produzenten, Journalisten, Lehrer, religiöse Leiter – zu erklären, was es heißt Amerikaner zu sein und gegen muslimischen Chauvinismus zu argumentieren. Man könnte glauben es sei offensichtlich, dass das Leben in diesem Land dem im Iran oder Sudan unendlich vorzuziehen ist, aber das ist eindeutig nicht für jeden offensichtlich. Diejenigen von uns, die diese einfache Wahrheit verstehen, müssen sie unseren Mitbürgern erklären.