Würde der letzte ehrliche Reporter bitte die Lichter ausmachen?

Vorbemerkung: Orson Scott Card ist Demokrat und Zeitungskolumnist. Er beschreibt den Zustand der US-Medien in diesem Präsidentschafts-Wahlkampf. Aber damit beschreibt er mindestens genauso hart und klar den Zustand der europäischen/deutschen Medien, die sich an Obama berauschen und die Republikaner als das Übel der Supermacht USA schlechthin darstellen. Er führt ein paar sehr dringend zu verbreitende Fakten an, die überall willentlich ignoriert oder unter den Teppich gekehrt werden. Bei uns weiß wohl kaum jemand, wer Freddie Mac und Fannie Mae sind – einfach deshalb, weil niemand darüber informiert wird, dass diese beiden staatlichen Finanzinstitutionen der Anfang der Krise waren und wieso es dazu kommen konnte. Das jetzt im Einzelnen zu erklären, wäre hier zu viel. Die aus Cards Text zu entnehmenden Informationen sollten allerdings ausreichen zu erkennen, was hinter im Groben das Kernproblem des Anfangs dieser Krise war.

Orson Scott Card, Meridian, 22.10.2008

Ein offener Brief an die lokale Tageszeitung – fast jede lokale Tageszeitung in Amerika:

Ich erinnere mich daran, wie ich All the President’s Men las und dachte: Das ist Journalismus. Man tut, was nötig ist, um die Wahrheit zu bekommen und legt es der Öffentlichkeit vor, weil die Öffentlichkeit das Recht hat, das zu wissen.

Diese Immobilienkrise kam nicht aus dem Nichts. Sie war keine vage Auswirkung der bösen Bush-Administration. Sie war direktes Ergebnis der politischen Entscheidung aus den 1990-er Jahren, die Regeln für die Vergabe von Krediten zu lockern, damit Hypotheken für arme Leute einfacher zu bekommen sind. Fannie Mae und Freddie Mac wurden ermächtigt riskante Kredite zu genehmigen.

Was ist ein riskanter Kredit? Es ist ein Kredit, den der Kreditnehmer wahrscheinlich nicht in der Lage ist zurückzuzahlen.

Das Ziel dieser Regeländerung war es, den Armen zu helfen – was besonders Mitgliedern der Minderheiten helfen sollte. Aber wie hilft es diesen Leuten, ihnen einen Kredit zu geben, den sie nicht zurückzahlen können? Sie ziehen in das Haus, ja, aber wenn sie die Rückzahlungen nicht einhalten können, verlieren sie das Haus – zusammen mit ihrer Kreditwürdigkeit.

Am Ende sind sie schlechter dran als vorher.

Das war völlig vorhersehbar und Fakt ist, dass viele das vorher sahen. Eine politische Partei im Kongress und in der Exekutive versuchte wiederholt die Regeln zu verschärfen. Die andere Partei blockierte jeden solchen Versuch und versuchte sie zu lockern.

Darüber hinaus gaben Freddie Mac und Fannie Mae politische Spenden an genau die Mitglieder des Kongresses, die ihnen erlaubten die unverantwortlichen Kredite zu vergeben. (Allerdings ist es mir ein Rätsel, warum Quasi-Bundesbehörden das zu tun erlaubt ist. Das ist so, als würde das Pentagon dem Wahlkampf von Politikern Gelder zukommen lassen, die für die Erhöhung des Verteidigungshaushaltes sind.)

Gibt es hier nicht eine Story? Verlangt nicht der Journalismus, dass unsere Tageszeitungen die Wahrheit darüber bringen, was uns in eine Lage gebracht hat, wo der einzige Ausweg das Vertrauen in unsere Wirtschaft zu erhalten eine 700 Milliarden-Dollar-Rttungsaktion ist? Solltet ihr nicht dem Geld folgen und sehen, welche Politiker persönlich von der Deregulierung der Hypothekenvergabe profitierten?

Ich habe keine Zweifel: Wenn diese Fakten auf die Republikanische Partei oder John McCain als Schuldige gedeutet hätten, würdet ihr das als Riesenskandal behandeln. „Housing-Gate“, mit Sicherheit; oder „Fannie-Gate“.

Statt dessen waren es Senator Christopher Dodd und der Abgeordnete Barney Frank, beides Demokraten, die leugneten, dass es überhaupt Probleme gab, die die Forderungen der Bush-Administration zurückwiesen eine Regulierungsbehörde aufzubauen, die Fannie Mae und Freddie Mac kontrollieren sollten; und es waren sie, die diese beiden Institutionen immer weiter pushten, um immer noch weiter die minderwertigen Hypotheken zu fördern, fast bis zu dem Augenblick, als das zusammenbrach.

Thomas Sowell zeigt in einem Aufsatz bei Townhall.com (Titel: Do Facts Matter? – Spielen Fakten eine Rolle?) auf: „Alan Greenspan warnte sie vor vier Jahren. Ebenso der Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater des Präsidenten. Genauso wie Bushs Finanzminister.“

Hier sind die Fakten: Es war absolut möglich diese Krise zu verhindern. Die Partei, die jeden Versuch sie zu verhindern blockierte war – die Demokratische Partei. Die Partei, die versuchte sie zu verhindern war – die Republikanische Partei.

Doch als Nancy Pelosi der Bush-Administration und der republikanischen Deregulierung vorwarf die Krise verursacht zu haben, habt ihr von der Presse sie wegen dieser Lüge nicht zur Rechenschaft gezogen. Statt dessen habt ihr die Republikaner kritisiert, die sich an dieser Lüge gestört haben und es ablehnten für die Rettungsaktion zu stimmen!

Wie bitte? Nicht der Lügner, sondern die Opfer der Lüge sind verantwortlich zu machen?

Gehen wir dem Geld nach… direkt zu dem Präsidentschaftskandidaten, der die Nummer zwei der Empfänger der Wahlkampfunterstützung von Fannie Mae ist.

Und nach Freddie Raines, dem CEO von Fannie Mae, der 90 Millionen Dollar machte, während er sie vor die Wand fuhr, wegen seiner Inkompetenz gefeuert wurde, machte ließ sich ein Präsidentschaftskandidat tatsächlich von ihm zur Immobilienfrage beraten. Wenn dieser Präsidentschaftskandidat John McCain gewesen wäre, hättet ihr das einen großen Skandal genannt und wir würden jeden Tag in eurer Zeitung Artikel stehen haben, wie inkompetent und korrupt er sei.

Statt dessen war dieser Kandidat Barack Obama und so habt ihr die Story begraben; und als die McCain-Kampagne es wagte Raines einen „Berater“ der Obama-Kampagne zu nennen – weil diese Wahlkampftruppe seinen Rat gesucht hatte – da habt ihr Obamas Leute damit davonkommen lassen McCain der Lüge zu beschuldigen, nur weil Raines nicht als offizieller Berater der Kampagne Obamas aufgelistet ist.

Solche zweideutigen Pingeligkeiten würdet ihr von einem Republikaner niemals tolerieren.

Wenn ihr, die ihr unsere tägliche Lokalzeitung produziert, wirklich irgendwelche Grundsätze hättet, würdet ihr diese Story hämmern, denn der Wohlstand aller Amerikaner wurde von dem dummen, kurzsichtigen, politischen selbstsüchtigen und möglicherweise korrupten Handeln führender Demokraten riskiert, auch von Obama.

Wenn ihr, die ihr unsere tägliche Lokalzeitung produziert, wirklich persönliche Ehre hättet, würde ihr es unerträglich finden, das amerikanische Volk glauben zu lassen, dass die Republikaner irgendwie für diese Krise verantwortlich zu machen ist.

Es gibt Präzedenzfälle. Obwohl Präsident Bush und seine Regierung niemals sagte, dass der Irak 9/11 gesponsert hat oder damit in Verbindung stand, konntet ihr es nicht ertragen, dass die Amerikaner diese falsche Ansicht hatten – also habt ihr uns mit der Tatsache beprügelt, dass es eine solche Verbindung nicht gab. (Und dabei habt ihr dann den falschen Eindruck erweckt, dass Bush sie belogen hätte und sagte, es habe eine Verbindung gegeben.)

Hättet ihr irgendwelche Grundsätze, dann würdet ihr doch sicher jetzt, wo das amerikanische Volk dabei ist Präsident Bush und John McCain für eine Krise verantwortlich zu machen, die sie zu verhindern versuchten, und sich gerade Barack Obama wegen einer Krise zuzuwenden beginnen, die er zu schaffen half, mindestens genauso schwer daran arbeiten diesen falschen Einbruch zu korrigieren.

Euer Job als Journalisten ist es, die Wahrheit zu sagen. Das behauptet ihr auch zu tun, wenn ihr das Geld der Menschen annehmt, um eure Zeitung zu kaufen oder zu abonnieren.

Aber genau jetzt stimmt ihr einer großen, fetten Lüge zu oder verbreitet sie aktiv – der, dass die Immobilienkrise irgendwie Bush, McCain und den Republikanern zur Last gelegt werden sollte. Ihr habt das amerikanische Volk trainiert für alles Schlechte – selbst für das schlechte Wetter – Bush verantwortlich zu machen und sie antworten so, wie ihr es sie gelehrt habt.

Wenn ihr irgendwelche persönliche Ehre hättet, würde jeder Reporte rund Herausgeber darauf bestehen die Wahrheit zu sagen – selbst wenn es den Wahlchancen eures Lieblingskandidaten schaden würde. Denn das ist es, was ehrenhafte Leute tun. Ehrliche Menschen sagen die Wahrheit sogar dann, wenn ihnen die vermutlichen Konsequenzen nicht gefallen. Das ist es, was Ehre bedeutet. So verdient man sich Vertrauen.

Barack Obama ist nur ein weiterer Politiker und kein besonders weiser. Er hat seine Ignoranz und Naivität immer wieder offenbart – und ihr habt das unter den Teppich gekehrt und als Nichts behandelt.

In der Zwischenzeit habt ihr bei der Schmierenkampagne gegen Sarah Palin mitgemacht, brutale Angriffe auf sie wegen der Schwangerschaft ihrer unverheirateten Tochter berichtet – während ihr gleichzeitig den Ehebruch von John Edwards viele Monate lang ignoriert habt.

Also frage ich euch: Habt ihr überhaupt irgendwelche Standards? Wisst ihr überhaupt, was Redlichkeit bedeutet?

Ist die Leute dazu zu bringen für Obama zu stimmen für euch so wichtig, dass ihr alles über Bord werft, für das der Journalismus stehen sollte?

Ihr solltet euch an die Art erinnern, wie die National Organization of Women ihre Integrität über Bord kippte, als sie Bill Clinton trotz seines gut bekannten Musters sexueller Ausnutzung machtloser Frauen unterstützte. Wer hört NOW noch zu? Wir wissen, dass sie für nichts stehen; sie haben keine Grundsätze.

Das ist der Punkt, an dem wir uns genau jetzt befinden.

Es ist nicht zu spät. Ihr wisst, dass wäre die Situation umgekehrt, und wenn sie McCain schaden und Obama helfen würde, ihr Himmel und Hölle in Bewegung setzen würde, um die wahre Story hinauszuposaunen.

Wenn ihr eure Ehre erlösen wollt, dann werdet ihr schwer schlucken und eine Liste der Storys machen, die ihr abdrucken würdet, wäre es McCain gewesen, der Geld von Fannie Mae bekommen hätte, wäre es McCain gewesen, dessen Wahlkampf-Kampagne sich von einem diskreditierten CEO hätte beraten lassen, wäre es McCain gewesen, der gegen die Verschärfung der Kreditvergabepraxis gestimmt hätte.

Dann werdet ihr sie drucken, obwohl jede einzelne dieser wahren Geschichten mit dem Finger auf die Verantwortung der unbesonnenen Demokratischen Partei zeigen würde, die den Wohlstand unserer Nation riskierte, damit sie sich gut fühlen konnten, weil sie den Armen helfen; und ihr würdet einen angemessenen Teil der Verantwortung Obama vor die Tür legen.

Ihr werdet auch die Wahrheit über John McCain erzählen: dass er als Senator versuchte zu tun, was nötig war, um diese Krise abzuwenden. Ihr werdet die Wahrheit über Präsident Bush erzählen: dass seine Administration mehr als einmal versuchte den Kongress dazu zu bewegen die Kreditvergabe auf verantwortliche Weise zu regulieren.

Diese Krise ist vom Kongress gemacht, angefangen während der Clinton-Administration, damit, dass Demokraten den Weg in die Krise anführten und jeden Versuch blockierten rechtzeitig aus ihr herauszukommen.

Wenn ihr bei unserer lokalen Tageszeitung weiterhin die Amerikaner dazu bringt zu glauben und so abzustimmen, als hätten Präsident Bush und die Republikaner diese Krise verursacht, dann schliet ihr euch dieser Lüge an.

Wenn ihr nicht die Wahrheit über die Demokraten – einschließlich Barack Obama – sagt und das mit derselben Energie tut, die ihr einsetzten würdet, wenn die Schurken Republikaner wären – dann seid ihr nach keinem Standard Journalisten.

Ihr seit nur die PR-Maschinerie der Demokratischen Partei und es ist an der Zeit, dass ihr alle gefeuert werdet und echte Journalisten geholt werden, damit wir endlich eine Nachrichten-Zeitung in unserer Stadt bekommen.

Linker Wahlkampf, linke Fairness

Vom Lager Barack Hussein Obamas ist man inzwischen einiges gewohnt. Es wird nichts ausgelassen, womit man den Gegenkandidaten – noch lieber seine nominierte Vizepräsidentin – verunglimpfen und persönlich diffamieren kann. Der größte Teil der US-Medien (in Europa ist es nicht wirklich anders) mischt kräftig mit und ist alles andere als neutral, sondern geriert sich als Wahlkampf-Truppe des Jung-Senators aus Illinois. Jüngstes Beispiel für die Verleumdungs-Kampagne ist der Versuch John McCain lächerlich zu machen, weil der „keine E-Mails verschicken kann“. Tenor: Der ist zu blöde dafür. Die Wahrheit: Aufgrund seines Aufenthalts im „Hanoi Hilton“ und der überaus gesundheitsfördernden Behandlung dort kann McCain eine Tastatur nur unter starken Schmerzen bedienen und es dauert, bis er etwas geschrieben hat. Statt dessen sitzt er mit seiner Frau zusammen, liest seine E-Mails und diktiert er seine Antworten, seine Frau tippt sie ins Laptop – und das war schon im Jahr 2000. McCain war ein Pionier des Wahlkampfes im Web. Es bleibt abzuwarten ob The One (oder einer seiner Hilfsarbeiter) sich für die Verleumdung entschuldigen wird; ich wage das zu bezweifeln. Einer der Gründe, vielleicht der wichtigste, wird von Melanie Phillips in anderem Zusammenhang beschrieben. Sie zeigt auf, wo die wahren Extremisten des Westens zu finden sind und was sie antreibt:

Die Stasi-Taktiken des Obama-Lagers

Melanie Phillips, diary, 12. September 2008

Andrew Bolt zerpflückt in der australischen HeraldSun die Versuche der Medien Sara Palin zu vernichten, indem man sich auf ihr erstes Fernsehinterview zu außenpolitischen Fragen stürzt, um herauszufinden, ob sie weiß wer Putin ist. Wie Bolt zeigt, machen sie damit allerdings sich selbst lächerlich.

Wie James Taranto im Blog des Wall Street Journal schreibt, sinkt die Obamasphäre von Hysterie auf Sittenlosigkeit herab, indem sie Palins Entscheidung ihren Sohn Trig auf die Welt zu bringen als offensichtlichen Beweis dafür benutzen, sie sei für ein Amt nicht geeignet. Wenn sie Trig sehen, dann sehen sie kein kleines, verletzbares menschliches Wesen; sie sehen die Kraft der Liebe nicht, die über Unglück triumphiert; alles, was sie sehen, ist ein behindertes Etwas, dem niemals zu leben hätte erlaubt werden dürfen.

Beleidigend und widerlich, in der Tat – und wie entlarvend für das „liberale“ Bewusstsein – aber was das auch zeigt: Die Salon-Kommunisten haben begriffen, dass diese Wahl ihre Agenda des sozialen und moralischen Nihilismus einfach stoppen könnte, die sie als progressive Politik tarnen. Deswegen all das Heulen und Klagen und Kleiderzerreißen und dazwischen werden – auf beiden Seiten des Atlantiks – die Giftpfeile auf Sarah Palin abgeschossen. Das ist der Grund, weshalb Sozialkonservative überall – das sind Leute, die den Lügen die Wahrheit vorziehen, das Richtige dem Falschen, Moral der Anarchie und die Fortführung westlicher Zivilisation den diese bedrohenden Kräften des Totalitarismus – erfolgreich den Kopf aus dem Schützengrabens stecken und ein Zeichen sehen, mit den sie nie gerechnet hatten: dass die Zivilisation tatsächlich bereit sein könnte sich zu wehren.

Inzwischen ist das Lager Obama, so scheint es, in akuter Gefahr einen kollektiven Nervenzusammenbruch zu erleiden. Sie haben völlig vergessen, das The One eigentlich gegen John McCain im Rennen ist und haben sich erlaubt sich statt dessen auf seine Mitkandidatin zu fixieren. Obama sieht aus und klingt verunsichert aus und ist verunsichert – eine Tatsache, die an sich schon schwer schädigend ist; wenn er wegen einer Hockey Mom [dt: Fußball-Mutter/Tennis-Mutter] aus Alaska auseinanderbricht, wie zum Teufel würde er sich verhalten, wenn er sich mit Ahmadinedschad auseinandersetzen muss? Ist Obama ein Mann oder ein Elch?

Offensichtlich hat das Obama-Lager Dutzende Leute schnellstens nach Alaska geschickt, um die Leichen in Palins Keller zu finden, von denen sie einfach wissen, dass es sie geben muss. Unfähig die Tatsache zu verarbeiten, dass die Linke ihre rechtmäßige Machterlangung nicht bekommen könnte, von der wir alle wissen, dass sie ihnen nach der natürlichen Grundordnung es Universums zu steht, verhält sie sich wie eine amerikanische Stasi.

Und je mehr sie sich in der grotesken Art verhält, desto kontraproduktiver ist das alles. Palin ist eine Art Kontrastmittel für die US-Wählerschaft: So mehr sie ins System eindringt, desto stärker werden die Bosheit und pure Niedertracht der Demokratischen Partei und ihre Einpeitscher-Rüpel ind en Medien um sie herum in ihrer Krankhaftigkeit beleuchtet. Das Ergebnis ist, dass die Medien und die Demokraten sich schlicht unsäglichen Schaden zufügen, insbesondere, weil die Blogosphäre die auf Palin geschleuderten Besudelungen so schnell zerschießen, wie sie gemacht werden.

Aber hey: Das ist die einzige Art, wie die Linken mit „der Rechten“ umzugehen wissen. Sie schrecken charakteristischerweise davor zurück sich durch angemessene Argumente mit ihren politischen Gegnern über die Diskussion der Fragen auseinanderzusetzen. Nein, was sie statt dessen ausnahmslos tun, ist auf Beschimpfung und Verleumdung zurückzugreifen, auf Rufmord und die Karriere beendende Etiketten wie „rassistisch“, „sexistisch“, „homophob“, „islamophob“, „rechtsextrem“, „fundamentalistisch“ und den ganzen restlichen Haufen davon. Denn ihr Ziel ist nicht die Diskussion, sondern ihren Gegner insgesamt zu vernichten und somit den Streit abzuwürgen, bevor er in Gang kommen kann.

Was sagt uns das? Dass die totalitäre Linke sich vor Auseinandersetzungen fürchtet, weil sie selbst weiß, dass sie auf sehr wackeligem Boden steht. Sie hat kein Vertrauen in ihre eigenen angeblichen Überzeugungen. Sicher, es ist Angst einflößend, wenn die Gegner den Kampf um den Wahlerfolg gewinnen könnte; aber viel dringender ist, dass sie von Angst besessen, dass die recht haben könnten. Das ist der wahre Grund, dass die Linke niemals eine Auseinandersetzung haben will – für den Fall, dass dies ihr selbst die Plattheit ihrer eigenen Haltung offen legt.

Ein lebenswichtiger Teil des linken Denkens ist die Annahme, dass links zu sein die einzig sinnvolle/anständige/mit hohen Grundsätzen versehene Haltung ist, die man einnehmen kann und die daher nie falsch sein kann; das ist so, weil von der Linken abzuweichen „rechts“ ist und die Rechte ist unverbesserlich bösartig. (Die Vorstellung, dass gegen die Linke zu sein, nicht unbedingt „rechts sein“ muss oder überhaupt irgendeine andere Haltung annehmen kann als sich gegen die Ideologie und ihre brutalen Auswirkungen stellen kann, ist etwas, das die Linke einfach nicht in den Kopf bekommen kann.) Und so besteht der wirkliche Albtraum darin, dass, wenn sich herausstellt, dass „der Rechte“ tatsächlich mit irgendetwas richtig liegt und der Linke falsch, die Tatsache zu akzeptieren den Linken nach seiner eigenen Definition in einen bösartigen Rechten verwandelt. Seine gesamte moralische und politische Identität wird zusammenzubrechen und er wird Hörner und einen Schwanz entwickeln. Um als jede Möglichkeit zu verhindern, dass diese Katastrophe passiert, muss der Gegner eliminiert werden.

Das wird gerade mit Sarah Palin gemacht. Das ist der Grund, dass ihr Interview im Moment falsch berichtet und verdreht wird, obwohl Millionen Menschen es gesehen und gehört haben. Das ist der Grund, warum sie alle zwei Minuten mit einer neuen Verleumdung angegriffen wird. Das ist der Grund, weshalb ihre ganze Familie auf den Kopf gestellt wird, während die Medien zu den ernsthaft beunruhigenden Fragen zu Obamas Verbindungen und Ansichten kein Wort verliert. Das wird schnell zu einer Wahl über groben Machtmissbrauch. McCain sollte diese Frage aufnehmen und so laut und wütend damit hausieren gehen, wie er kann.

Das von Phillips beschriebene Phänomen des linken Umgangs mit Andersdenkenden hat Tradition. DAS haben sie ausnahmsweise nicht von den immerzu Empörten gelernt (sie haben denen eher demonstriert, wie effektiv es sein kann und die haben es weidlich genutzt), sondern von den Nazis, setzen aber auch das Vorgehen von Lenin und Stalin (von denen es die Nazis zum Teil übernommen haben). Vielleicht könnte es auch sein, dass diese Gemeinsamkeit beim Vorgehen gegen Konkurrenten/Gegner die Linke so anfällig für Sympathie gegenüber extremistisch-tyrannisch gesinnte Religionsvertreter macht.

Nachtrag: Och, guck, Zettel findet das auch: Das Niedermachen aller, die nicht der eigenen Subkultur angehören, habe ich eigentlich immer nur bei Linken angetroffen.

Die Rede…

… zusammengefasst:

(abgekupfert bei Ivo Bosic; der hat’s von Slate)

Weitere lesenswerte Kommentare (in der Reihenfolge, wie ich sie gelesen habe, ohne Wertung):
Messias Obama (Antibürokratieteam)
Warum ärgern wir uns nicht über Obama? (Libertas Cara)
Obama schlägt Jesus (Joachim Steinhöfel)
Obama ist eine Naturkatastrophe (Gideon Böss)
Kleingedrucktes (Bissige Liberale ohne Gnade)
Obama: Champion im Nichtssagen (Bettina Röhl)
Yes, you can (send more soldiers) (No Blood for Sauerkraut)
Deutschlands Lieblingsamerikaner (Lizas Welt)
Die gefährlichen Tagträume des Barack Obama (Castollux)

englische:
Barack Obama, the John Lennon Candidate (Richard Landes)
Obama promises to “tear down walls” between Muslims and the rest of the world (Dhimmi Watch)
Rush knows what moment it is (Power Line Blog)
Obama in Berlin (Michael Rubin: Leadership is about more than rhetoric)
One World? Obama’s on a different Planet (John R. Bolton in der Los Angeles Times)

Und zum guten Schluss etwas über die deutschen Fernsehsender und Obamas Rede:
Der Pfeifton, der muss weg (F.A.S. in der FAZ)

Zu den Bildern eines politischen Blenders

Sixty years ago, the planes that flew over Berlin did not drop bombs; instead they delivered food, and coal, and candy to grateful children. And in that show of solidarity, those pilots won more than a military victory. They won hearts and minds; love and loyalty and trust – not just from the people in this city, but from all those who heard the story of what they did here.

Sagte Barack Obama in den ersten Minuten seiner Rede:
Vor 60 Jahren warfen die Flugzeuge, die über Berlin flogen, keine Bomben; statt dessen brachten sie Lebensmittel und Kohle und Süßigkeiten für dankbare Kinder. Und mit dieser Demonstration der Solidarität gewannen diese Piloten mehr als einen militärischen Sieg. Sie gewannen Herzen und Seelen, Liebe und Loyalität und Vertrauen – nicht nur von den Menschen in dieser Stadt, sondern all derer, die die Geschichte hörten, was sie hier taten.

Alles schön und gut. Die Berliner wurden zu Amerika-Liebhabern, weil die Luftbrücken-Piloten sie vor Stalin retteten. Hat dieses Gewinnen der Herzen und Seelen der Berliner dafür gesorgt, dass die Sowjets dort nicht einmarschierten? Hat das Gewinnen der Herzen und Seelen der Berliner dafür gesorgt, dass Stalin Westeuropa nicht zu überrennen versuchte?

Die Luftbrücke und der Gewinn der Herzen und Seelen der Berliner war EIN Teil der Taten, mit denen die Amerikaner den Westen vor dem Kommunismus bewahrten. Und ohne den vorherigen militärischen Sieg hätte es die Luftbrücke erst gar nicht gegeben. Obama legt die Bedeutung der Luftbrücke auf den falschen Schwerpunkt. Es ging nicht darum die Herzen und Seelen der Berliner zu gewinnen; es ging darum den Sowjets zu zeigen, dass ihnen Widerstand entgegengesetzt wird; dass Stalin begriff, dass er dem Westen nicht seinen Willen einfach aufzwingen kann. Es ging um die Abwehr der Ausbreitung des stalinistisch-kommunistischen Imperialismus, nicht um die Berliner an sich.

Wenn Obama auf diese Weise versucht Geschichte zugunsten seiner politischen Agenda umzudeuten, dann rennt er allerdings gerade in Deutschland offene Türen ein. „Die Berliner“ (Entschuldigung, es soll nicht für 100% der Berliner gelten!) sehen sich gerne als Nabel der Republik und glauben besonders gerne, dass es 1948/49 nur um sie ging. Das ist so eine Art Lokalpatriotismus, den sie gerne zum Ausdruck bringen. „Die Deutschen“ (auch hier die Einschränkung, ich bin ja selbst einer und sehe das etwas anders) haben dem Militär abgeschworen und glauben, man könne mit netten Worten und viel Geld alles richten. Vor allem Tyrannen und völkermörderische Diktatoren und Ideologien von ihren Zielen abbringen. Obama bedient diese Denkweisen nicht nur, er tut es aus eigener Überzeugung. Was ist da schon ein wenig Perspektivenverlust in Sachen Geschichte, wenn man sich das schön so hinbiegen kann, wie man es braucht?

Die USA haben viel mehr getan als Berlin zu versorgen. Sie waren bereit über Jahrzehnte hinweg ihre Truppen bei uns zu stationieren, riesige Summen auf die Entwicklung von Waffensystemen und ihre Herstellung zu verschwenden, die den Westen Europas vor der Expansion des Sowjetsystems retteten und diese Waffen notfalls einzusetzen. Dem hat gerade das Deutschland der letzten vier Jahrzehnte nichts Substanzielles entgegenzusetzen; hier gab es nur „Ami go home“, „Ho-Ho-Ho Tschi Min“ und „Nein“ zu allem was angeblich aus den USA kam (dass der NATO-Doppelbeschluss von einem deutschen Kanzler entwickelt und vorgeschlagen wurde, weiß wohl kaum noch jemand).

Wenn Barack Obama also die Luftbrücke als Parabel für seine Politik nimmt, dann wäre es gut, wenn man sich in Erinnerung ruft, was die Motive und Handlungsweisen waren, die sie ausmachten. Denn so erkennt man den Missbrauch der Geschichte, der sich gestern in Berlin abgespielt hat.

Ihr Menschen der Welt…

…schaut auf diesen Mann! Mich! Ich werde euch führen und ihr werdet damit einverstanden sein, dann wir lösen unter meiner Führung die Probleme der Welt.

Senator Barack Hussein Obama wird allenthalben gelobt, dass er eine tolle Rede gehalten hat. Das stimmt, er hat eine gute Stimmung verbreitet. Die Leute haben ihn toll gefunden. Die deutsche Presse vermerkt, dass er nicht gegen George Bush geschossen hat. Das allein qualifiziert ihn anscheinend schon zum tollen Hengst. Aber hat er etwas gesagt, das echte Substanz hatte?

Dass wir alle gemeinsam arbeiten müssen. Hm, hat Bush auch gesagt, nur wollten die anderen auf einmal nicht mehr mitziehen, obwohl sie es erst auch mitzutragen versprachen (mitmachen war noch nicht einmal gefragt). Und schon war er der Böse, weil der das dann doch machte, was zuerst angesagt war.

Er hat gesagt, dass Amerika sich anders verhalten wird. Konkret war da nichts, außer dass deutlich wurde, dass er zuhören würde. Sonst? Hm.

Er hat gesagt, dass gekämpft werden muss. Dass das Volk von Afghanistan Hilfe braucht, auch Soldaten. Der Applaus hielt sich sehr in Grenzen. Dass er Solidarität mit den Afghanen einfordert und sagt, man dürfe ihnen nicht den Rücken kehren – wie bringt er das auf die Reihe, wenn er gleichzeitig genau diese No-nos fordert (Solidarität entziehen, den Rücken kehren), wenn es um den Irak geht?

Ach ja, die Lieblingsthemen der Europäer und Deutschen waren natürlich auch dran: Die Atomwaffen müssen weg. Schon war die Stimmung wieder ganz oben. Wir müssen die Einwanderer rein lassen. Juchhu! Wir müssen dafür sorgen, dass sich alle wohl fühlen. Jawoll! Der Klimaschutz muss vorangetrieben werden, das wird er machen (deutliche Anspielung: anders als Bush) – dass McCain das auch will, spielt in der Berichterstattung keine Rolle.

Er sagt aber nicht, wie das alles machbar sein könnte. Oder was und wer dem entgegen steht.

Er redet vom Terror – als sei das ein Feind und keine Taktik. Er redet davon, den weltweiten Terror zu bekämpfen. Das Wie fehlt völlig, keine Andeutung (mit Ausnahme Afghanistans).

Auch sonst keine Ansätze, wie das erreicht werden soll, was er verkündet. Seine Worte sind Allgemeinplätze.

Das hindert den ZDF-Moderator nicht daran festzustellen, dass „bis heute“ keiner wieder so bejubelt wurde wie Kennedy. Kennedy-Vergleiche noch und nöcher. Mit dem kleinen Hinweis, dass man erst noch abwarten muss, ob die Rede „uns“ so in Erinnerung bleiben wird wie Kennedys „Ich bin ein Berliner“. Und Christiane Amanpour von CNN begeistert sich über das „Obama-Fest“, das etwas vom Oktoberfest hat.

Barack H. Obama hat eine geschickte Rede gehalten. Eine ohne wirkliche Substanz. Eine, die die Emotionen voran bringt. Aber das war’s dann auch. So sehr die Moderatoren das auch anders hinstellen wollen.

Nachtrag 25.01.08: Da scheint sich doch bei dem einen oder anderen ein wenig Ernüchterung einzustellen, auch wenn er seine große Hoffnung nicht trüben zu lassen bereit ist. Aber Thomas Nehls, ARD-Hauptstadtkorrespondent, hat doch tatsächlich ein paar kritische Worte:

Dass er seine außen- und sicherheitspolitischen Hausaufgaben gemacht hat, sollte nicht belegt werden müssen – das ist eine Selbstverständlichkeit. Rezepte für einen weltpolitischen Neuanfang waren erwartet worden.

Da reicht es nicht, das friedliche Neben- oder Miteinander von Religionen zu predigen oder sich eine Welt ohne Atomwaffen zu wünschen. Zu solchen Kapiteln gehört schon ein bisschen Tacheles, mindestens eine Ideenskizze, wie in Richtung Kooperation statt Konfrontation denn zu navigieren wäre…

Lobpreisungen Europas als engster Partner der Vereinigten Staaten sind eine nette Geste; erforderlich wäre es gewesen, die Schwachstellen aufzuzeigen und Gegenmaßnahmen zu skizzieren.

Mag sein, dass auch Barack Obama die transatlantische Talsohle nach acht problematischen Bush-Jahren als Wendepunkt für einen Neubeginn nutzen wird, wenn er denn im November gewählt werden sollte, aber warum sagt er’s dann nur durch die Blume?…

Warten wir also auf die Taten nach den nicht erfolgten öffentlichen Worten.

Es wäre erstaunlich schön zu sehen, dass diese Minimalkritik von weiteren Journalisten und sonstigen Meinungsmachern an den Tag gelegt würde. Dass ich mich ausgerechnet von einem ARD-Journalisten (offenbar auch noch vom WDR) bestätigt sehen kann, dass Obama nichts von Substanz von sich gegeben hat, ist allerdings eine ziemliche Überraschung.

Obamania

WDR5 macht eine Sendung über Obama in Berlin – morgens früh, als er noch gar nicht da ist. Wie toll, wie gut. Was ist die Meinung der Hörer, wie kann Obama die USA wieder näher an Europa bringen? Klar wird, Obamas Besuch und Rede „hier“ weckt große Erwartungen, die Hoffnungsfigur der Demokraten ist für die auch hier der Messias.

Melinda Crane erzählt etwas von den Erwartungen an den heutigen Tag; auch, wie er ablaufen soll und wie das mit den Leuten heute Abend sein wird. „Ganz große Show also“, fällt der Moderator ein – und meint das absolut ernst. War das nicht immer anders? War es nicht immer so, dass die „große Show“ der Amerikaner etwas Negatives ist, ein Igittigitt, das bloß nicht nach Europa schwappen darf, weil es eben Show ist und nicht Substanz?

Wirklich kritische Stimmen sind in der Sendung kaum zu erwarten. Eine Frau, die moniert, dass der Mann hier in Deutschland Wahlkampf macht, wird zwar nett, aber deutlich abgebügelt: Darauf sollten wir stolz sein, dass Deutschland so eine große Bedeutung für ihn hat.

Die nächste Hörerin findet Obama „unbescheiden“, aus ihrem Erleben des Mannes im Fernsehen. Das hätte bescheidener aufgezogen werden können, es war völlig überzogen. Moderator daraufhin: Wenn Sie das alles mal ausblenden, wenn Sie Mimik und Gestik weglassen, horchen Sie denn darauf, was er sagt? Da kann sie nichts zu sagen; sie weiß nur, dass der Mann „eine große Hoffnung des amerikanischen Volkes ist“. Und Frau Crane erklärt: Er wird heute eine außenpolitische Rede halten (huch, seine Berater sagten, er würde keine politische Rede halten) usw., eine Rede „mit Inhalt“, denn er will nach USA signalisieren, dass er das nicht alles aus Opportunismus macht. Zum Thema Bescheidenheit: Wir haben in den USA eine etwas andere Erwartung als hier. (Aha, das ist dann die politische Sensibilität anderen gegenüber, nicht wahr? Wenn John McCain oder Bush so agieren würden, hätten wir nicht diese Einforderung von Verständnis für die amerikanische Haltung.) Da gelten halt andere Maßstäbe. Und McCain ist auch überhaupt nicht bescheiden. Hillary war das auch nicht.

Obama ist sympathisch, stimmt die Hörerin der Amerikanerin zu, die ihn sonst unbescheiden findet.

Der dritte Hörer findet ihn auch sympathisch und gut, dass er Kandidat ist. Aber wir dürfen nicht glauben, dass er persönlich entscheidet, welche Punkte wichtig sind, um in Amerika zu punkten. Sein Stab weiß das genau einzuschätzen. Der Moderator unterbricht: Bevor wir in der Produktion von Bildern stecken bleiben, was macht es wünschenswert, dass er Präsident wird. Und schon geht das Bush-Bashing durch Vorurteile, Halb- und Unwissen los, dass der Bush so furchtbar ist und sich von Bin Laden finanzieren ließ vor 20, 25 Jahren und auf jeden Fall der McCain nicht Präsident werden darf, weil der aus dem Bush-Lager ist. Aber er hat Angst, dass mit dem Schwarzen Präsidenten schlecht umgangen, dass ein schmutziger Wahlkampf geführt wird.

Das Problem der Rasse wird von Frau Crane „erklärt“: Erst am Wahltag werden wir wissen, welche Rolle die Rassenfrage spielen wird, weil die Rassisten ihren Rassismus nicht zugeben und die Umfragen deshalb nicht repräsentativ sind.

Ach ja, der Hörer findet, dass, so lange die Schicht der Reichen und Mächtigen zufrieden ist, braucht man um Obamas Leben keine Angst zu haben… amerikanische Mafia oder wie man das nennen will… – sagenhaft!

Hörer Nummer 4 referiert über die Bedeutung der Showeffekte des Auftritts in Berlin; Obama weiß sehr genau, wie der Dollarkurs aussieht, wie die Öl-Lage aussieht und dass der wirtschaftliche Nutzen Europas für die USA in Zukunft viel, viel größer aussieht, weil er diesen großen Wirtschaftsraum Europa braucht und Deutschland da eine große Rolle spielt. Weil ja die wirtschaftlich marode Situation der USA so schlecht ist. Und Obama vertritt eine ganz neue Generation amerikanischer Präsidenten.

Das Thema Wirtschaft greift der Moderator auf und lässt Frau Crane zu wirtschaftlichen Fragen antworten. Und jetzt geht’s richtig los mit dem Lob des Kandidaten, der von Deutschland lernen will, der die Energiefragen anders – europäisch – behandelt, der fortschrittlich ist (nicht wie McCain, ach so). Zukunftshoffnung Europa als Thema, Hinwendung, Europa ist Hilfe für die Amerikaner wieder auf die Füße zu kommen.

Der eigentliche Kernpunkt (Moderator und Hörer): Die alleinige Weltmacht der USA ist zu Ende. Und da hat der Kandidat doch ja richtig tolle Haltungen.

Hörerin 5 fiel auf, dass es anfangs darum ging, wo man den vielleicht zukünftigen Präsidenten empfängt. Das findet sie „sehr deutsch“. Sie findet das nicht so toll, dass wir in Deutschland in dem Wahlkampf so drin hängen. Wir sind noch immer in einer Art Schockzustand (Bush!) und der wird als Riesenhoffnung hingestellt.

Wie in Europa die letzten Jahre mit der Ära Bush wahrgenommen worden sind, muss Frau Crane erklären. Die große Asymmetrie der Macht zwischen Amerika und Europa greift sie auf. Es wird ihr gerne suggeriert, dass Amerika so etwas wäre wie Rom früher (Moderator: vielleicht Rom vor dem Untergang – das passt dann wieder ins Konzept des WDR; man kann die Grundhaltung eines Journalisten auch über seine „Witze“ entlarven). Vor diesem Hintergrund sieht sie es als positives Zeichen, dass Obama glaubt, er könne hier Stimmen in den USA gewinnen – weil er Deutschland so große Bedeutung zumisst. (Findet das sonst keiner widersprüchlich?)

Noch ein Hörer: Der findet das völlig in Ordnung, dass Obama hier Wahlkampf macht, weil Amerika das Schicksal nicht nur das Schicksal Europas, sondern der Welt bestimmt. Eigentlich müssten alle Menschen der Welt den US-Präsidenten mitwählen dürfen (seine amerikanische Freunde denken auch so, Professoren, Akademiker) – zumindest ein gewisses Mitspracherecht müsste die Welt bei der Wahl haben. (Der Moderator findet das unterwürfig, weil der Hörer nur ein „gewisses Maß“ an Einfluss haben will.)

Der letzte Hörer hofft, dass John McCain die Wahlen gewinnt (dass der Mann durchgeschaltet wurde ist schon verwunderlich). Das Verhalten Obamas in Berlin stärkt ihn in dieser Haltung, weil er es unverschämt findet, wie der Mann sich hier verhält. Außerdem findet er, dass der Mann in Krisensituationen versagen wird, weil er keine Erfahrung hat.

Zum Abschluss die Bemerkung, dass sie „hier“ (im WDR-Studio) eine „kleine Wunschliste“ an Herrn Obama, den vielleicht zukünftigen Präsidenten, haben und zuversichtlich sind, dass er diese erfüllen wird (sie haben schon etwas vorliegen, worüber er reden wird). Fehlte nur noch ein entsprechender Jubelgruß.

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N24 zeigt minutenlang das in Berlin gelandete Flugzeug „Obama One“ und bejubelt den charismatischen, modernen Politiker, der sich hier außenpolitische Erfahrung holt. Der Sprecherin fällt dann auf einmal auf, dass man sich verhält, als wäre Obama schon Präsident – um dann darauf hinzuweisen, dass der andere Kandidat derzeit ganz schlecht da steht. (Und ich habe gestern erst eine Umfrage gesehen, dass McCain durchstartet und Obama zurückfällt…)

Aber „heute ist der Tag des Barack Obama“ und das wird N24 den Tag über durchziehen.

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Auch n-tv wird den ganzen Tag Sondersendungen zu Obama bringen. Ein Porträt bringt die Mär vom amerikanischen Traum des armen Jungen, der an der Eliteuniversität Harvard studiert. Dass seine Mutter nach der Enttäuschung mit dem kenianischen Muslim einen weiteren – „asiatischen“ – Muslim heiratet und der Junge nicht einfach nur „bei seiner Mutter und den weißen Großeltern“ aufwächst, sondern auch in Indonesien, erfährt man nicht. Kein kritisches Wort, kein Ansatz eines Hinweises auf Negatives – bei Bush wäre es umgekehrt, McCain ist nicht existent. Eine ganz „wichtige“ Frage: Das Rennen um die Präsidentschaft ist ja noch nicht entschieden, wie muss die Kanzlerin sich gegenüber Barack Obama geben? – Hä? Die Frage ist in Art und vor allem Ton so gestellt, dass man unwillkürlich gezwungen ist zu denken, Merkel müsse jetzt aufpassen, was sie sagt und wie sie sich verhält, um dem König nicht auf die Zehen zu treten und nicht Gefahr laufen darf nach der Wahl in Ungnade gefallen zu sein. So etwas hätte es gegenüber Bush nicht gegeben, dem hätte sie gar nicht genug zwischen die Beine treten können – da haben die Fragen gelautet: „Was muss die Kanzlerin tun, damit Bush endlich begreift…“ Mit anderen Worten: Bush hat man gefälligst vor den Kopf zu stoßen, wir sind kein Büttel der Amerikaner. Bei Obama wird der Ko-tau gefordert. Es ist halt immer eine Frage der politischen Einstellung, die der Besucher hat. Der entsprechend formuliert man in Deutschland und Europa seine Ansprüche – dem einen gegenüber so, dem anderen gegen über genau das Gegenteil. (Aber das passt dann ja auch wieder zum „vermutlichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten“.)

Sogar der Begriff der Obamania wird aufgegriffen, positiv besetzt und als tolle Sache hingestellt. Ich sehe die Obamania anders. Sie kann nicht gut sein. Wenn ein Politiker zum Messias stilisiert wird, dann stellen sich mir die Nackenhaare auf; denn dieser Personenkult erinnert mich an andere, die der Welt nun gar nicht gut getan haben, geschweige denn ihren Staaten. Dazu kommen die hohlen Phrasen, die Unwahrheiten, die wechselnden „Meinungen“ je nach Publikum, die hinterher geleugnet werden, die den Mann einfach zu einer Figur machen, die in dem Amt nichts zu suchen hat. Obamania ist etwas für die Oberflächlichen, die sich mit Schlagworten und Parolen begnügen (in die sie viel Substanz hineinfantasieren) und von ein großes Lächeln für Politik halten.

Dass die Obamanier eigentlich noch viel hohler sind als ihr Idol jemals zu sein verspricht, zeigte sich Gideon Böss, als er ein paar Stunden vor der Rede in Richtung Siegessäule spazierte.
Und die beste Überschrift zum Verhalten von N24 in Sachen seiner Ankunft stammt von Christian Hannover von den Freunden der offenen Gesellschaft: Der Messias ist gelandet.

Gut im Morden, noch besser in der PR

Gestern machten die Medien einen Aufstand um ein Video, das angeblich zeigte, wie ein 16-jähriger Guantanamo-Häftling gefoltert wurde.

Das war reine Stimmungsmache! Wo auf dem Video ist Folter zu sehen?

Nur, weil der Typ jammert und heult, sein T-Shirt auszieht und dem ihn befragenden seine Narben zeigt, soll Folter bewiesen sein?
Nur, weil der Anwalt behauptet, dem illegalen Kämpfer und Mörder sei Schlaf entzogen worden, soll das auch stimmen?

Es ist mal wieder wie üblich: Der Terrorist kann behaupten, was er will, unsere Medien stürzen sich drauf, nehmen es als Evangelium (oder besser: Koran, die absolute Wahrheit, die nicht angetastet werden darf) und schon haben die USA wieder eine Untat am Hals.

Dabei war es ein kanadischer Agent, der die Befragung durchführte. Kümmert keinen (und der Mann hat offensichtlich lediglich Fragen gestellt).

Was der Terrorist gemacht hat, dass er jetzt auf Kuba einsitzt – uninteressant, böse und kriminell sind nur die Amerikaner. Und unsere Medien steigen mehr als drauf ein.

Ein paar bessere Informationen, wenn auch leider nur in Englisch, finden sich bei Gateway Pundit.

Wer übrigens wissen will, wie die Amis foltern, der kann mal eben bei Broder auf der Achse des Guten nachsehen.

Nachtrag: Genauer wird einer der Soldaten, die den Mordbuben gefangen nahmen. “Mein bleibendes Bild von Omar ist, dass er sich im Schutt duckte und darauf wartete, dass die US-Soldaten nahe genug heran kamen, um einen von ihnen zu töten; und genau das machte er… Omar ist nicht irgendein Kind, das irgendwo von der Straße weggeholt wurde und fälschlicherweise beschuldigt und unfair beurteilt wurde. Ich denke, er ist genau da, wo er sein muss. Er hat sich den Aufenthalt dort verdient.”

Leseempfehlung: Foltervorwürfe als Taktik in Informationsoperationen militanter Islamisten