Eine notwendige, äußerst wichtige Botschaft an das Holocaust Forum

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Dutzende Staatsoberhäupter werden nach Jerusalem kommen, um am Fünften Holocaust-Forum teilzunehmen. Diese Veranstaltung wird am 23. Januar in Yad Vashem beginnen und unter der Schirmherrschaft des israelischen Präsidenten Reuven Rivlin stattfinden. Die Zusammenkunft ist eine einzigartige Gelegenheit einem Top-Publikum öffentlich eine entscheidende Botschaft im Kampf gegen Antisemitismus zu vermitteln. Die israelische Regierung und jüdische Institutionen haben es Jahrzehnte lang versäumt die Botschaft öffentlich zu weiterzugeben, dass Antisemitismus mehr als tausend Jahre lang ein integraler Bestandteil westlicher Kultur gewesen ist. Diese Tatsache ist unentbehrlich für das Verständnis und die Bekämpfung von zeitgenössischem Antisemitismus und muss daher kontinuierlich wiederholt werden.

Vor mehr als einem Jahrtausend haben mächtige Organisationen – hauptsächlich, aber nicht ausschließlich im Westen – die Idee propagiert, dass Juden absolut böse sind. Die römisch-katholische Kirche war die Originalquelle dieser hasserfüllten Idee. Ihr folgten später verschiedene andere christliche Denominationen. Juden in allen Generationen wurden beschuldigt den mutmaßlichen Sohn Gottes, Jesus, getötet zu haben; ihnen wurde die Verantwortung für seinen Tod vorgeworfen.

Christliche Theologen stereotypisierten die Juden. Statt den Fehler bei einzelnen Individuen in einer lange zurückliegenden Vergangenheit zu suchen, machten sie alle Juden jeder Generation für ein Verbrechen verantwortlich, das ihre Ahnen nicht begangen hatten. Damit lieferten sie einen riesigen Beitrag zu dem, was heute allgemein Rassismus genannt wird. Menschen zu stereotypisieren ist ein Kernelement dieses Übels. Als Christen Juden brutal behandelten, entwickelten sie die boshafte Behauptung, das daraus resultierende Leiden der Juden sei göttliche Strafe dafür, dass sie Jesus nicht anerkennen.

Unter den protestantischen Reformern sticht Martin Luther in seinen späten Jahren als fanatischer Antisemit heraus. Er schrieb, dass Juden in Ställen gehalten werden sollten, ihre Bücher sollten ihnen weggenommen werden und wenn Rabbiner predigten, dass sollten sie getötet werden. Luther empfahl auch, dass Synagogen zur Ehre Gottes und der Christenheit niedergebrannt werden sollten.[1] Heutzutage gehört der Ökumenische Rat der Kirchen („Weltkirchenrat“) zu den großen christlichen Hass Schürenden gegen Israel.[2]

Auf der Jahrhunderte alten Infrastruktur des christlichen Antisemitismus entwickelte sich ein zweiter Typ des Antisemitismus: der ethnische/nationalistische Antisemitismus. Ohne die christliche Hass-Grundlage hätten viele in den europäischen Gesellschaften vermutlich weniger bereitwillig mit den deutschen Mördern bei der Verfolgung der Juden kooperiert.

Die Anti-Defamation League hat mehrere Studien zu einer Reihe von europäischen Ländern sowie den Vereinigten Staaten und Argentinien veröffentlicht. Die Umfragen stellten fest, dass selbst heute noch 26% der Christen an die Falschmeldung glauben, dass die Juden für den Tod Jesu verantwortlich sind.[3]

Mit der Entwicklung der westlichen Kultur mutierte auch der Antisemitismus. Anti-Israelismus hat dieselben Kernmotive wie die beiden früheren Typen des „klassischen“ Antisemitismus. Im christlichen Antisemitismus waren die Juden aufgrund der falschen Anschuldigung, sie hätten Jesus getötet, das absolut Böse. In der nachfolgenden Nazi-Ideologie waren die Juden das absolut Böse, weil sie fälschlich als untermenschlich, mit Defekten geboren, Insekten, Ungeziefer oder Bakterien angesehen wurden.

In der zeitgenössischen Gesellschaft stellt sich das absolut Böse als sich wie Nazis zu verhalten und Völkermord zu planen dar. Aus verschiedenen Studien wissen wir, dass eine große Minderheit der Bevölkerung Europas fälschlicherweise glaubt, Israel habe vor Völkermord an den Palästinensern zu begehen; alternativ wird geglaubt, es verhalte sich den Palästinensern gegenüber wie die Nazis es den Juden gegenüber machten.[4]

Es gibt viele Belege der fortbestehenden Verflechtung von Antisemitismus und westlicher Kultur. Rothschild, die Juden und Geld sind immer wiederkehrende, von Antisemiten verwendete Verknüpfungen. Lange davor hatte die Kirche bereits Judas Ischariot vorgeworfen Jesus für Geld verkauft zu haben. Shylock taucht immer noch in der westlichen Gesellschaft als der Inbegriff des Wucherers auf. Trotz des extremen Bösen des Nationalsozialismus wurde der Nazi-Denker Martin Heidegger zum führenden Philosophen des Nachkriegs-Europa.[5]

Es gibt viele weitere Belege, dass dieser Antisemitismus mit der westlichen Kultur verflochten ist. In der Postmoderne entwickeln viele wichtige neue intellektuelle oder ideologische Strömungen früher oder später antisemitische Ausdrucksformen. Die Menschenrechtsbewegung ist vollgestopft mit antiisraelischen NGOs. Ihr höchstes Organ, der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UNHRC), ist ein moralisch korruptes Gremium, das von antiisraelischen Hass Schürenden durchsetzt ist.

Es gibt eine Vielzahl anderer Beispiele zeitgenössischer ideologischer Bewegungen, in denen Antisemitismus aufgekommen ist. Ein paar Beispiele: Der Feminismus ist eine offensichtliche.[6] Ebenso Teile der LGBT-Bewegung. Einige Leute in dieser Bewegung beschuldigen Israel des „Pinkwashing“. Diese Idee behauptet, dass Israel der Schwulengemeinschaft gleiche Rechte einräumt, sei ein Mittel die Aufmerksamkeit von seiner angeblichen Diskriminierung der Palästinenser abzulenken.[7] Die Intersektionalitätsbewegung zielt oft auf die Solidarität aller Opfer mit Ausnahme der Juden.

In der akademischen Welt bezeichnen Verfechter des Postkolonialismus Israel manchmal als „Kolonialmacht“.[8] Der Begriff ist eine gewaltige Entstellung. Israels Verhalten gegenüber den Palästinensern enthält keine Ähnlichkeit zu den massiven Verbrechen der belgischen, britischen, niederländischen, französischen, deutschen, portugiesischen und spanischen Kolonisatoren an den eroberten Völkern im Verlauf der Jahrhunderte. Diese Länder unterwarfen Völker, um Geld zu machen. Juden machten das Gegenteil. Sie investierten große Mühen und beträchtliche Geldsummen in die Wiederbelebung ihres angestammten Landes, um es aus langjähriger Verwahrlosung zu holen.

Das bevorstehende Holocaust-Forum ist eine einzigartige Gelegenheit für die Organisatoren die obigen Botschaften öffentlich zu präsentieren. Es ist eine Schande, dass so viele jüdische Organisationen es versäumt haben die fortgesetzte Verflechtung von Juden hassendem Antisemitismus mit westlicher Kultur hervorzuheben und was das dafür bedeutet den zeitgenössischen Antisemitismus zu verstehen und zu bekämpfen.

[1] https://jcpa.org/article/historical-roots-anti-israel-positions-liberal-protestant-churches-2/

[2] www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/11053; https://jerusalemjournal.net/news-and-views/fools-on-the-ground-the-world-council-of-churches-in-israel-and-its-eappi-by-dexter-van-zile

[3] www.adl.org/news/press-releases/adl-poll-anti-semitic-attitudes-in-america-decline-3-percent

[4] Zum Beispiel: library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf

[5] https://www.newyorker.com/culture/richard-brody/why-does-it-matter-if-heidegger-was-anti-semitic

[6] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/18876

[7] http://www.jpost.com/Israel-News/Ilhan-Omar-Rashida-Tlaib-respond-to-Palestinian-LGBTQ-ban-on-Twitter-599139

[8] https://spme.org/spme-research/analysis/philip-carl-salzman-reflections-on-postcolonial-theory-and-the-arab-israel-conflict/4259/

Wie der Labour-Antisemitismus das britische Judentum veränderte

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Mit fast 60% der Stimmen wurde Jeremy Corbyn im September 2015 zum Vorsitzenden der Labour Party gewählt.[1] Seitdem haben die von einer Reihe der gewählten Repräsentanten der Partei berichteten antisemitischen Ausfälle die öffentliche Einstellung vieler britischer Juden und ihrer Führungspersönlichkeiten enorm verändert.

Corbyn ist ein linksextremer Sympathisant der völkermörderisch-antisemitischen Terrororganisationen Hamas und Hisbollah. Viele in der Labour Party betrachten ihn als weithin verantwortlich für die schwere Niederlage bei den Parlamentswahlen vom 12. Dezember. Corbyn hat angekündigt, dass er in naher Zukunft als Parteivorsitzender zurücktreten wird. Dies ist eine passende Gelegenheit die wichtigen Veränderungen in den Einstellungen der Juden während der letzten vier Jahre zu bewerten. Traditionell pflegen die Leiter des britischen Judentums ein eher zurückhaltendes Profil. Das machte Sinn, denn die Juden stellen nur etwa 0,4% der Bevölkerung des Landes. Bei Fragen des Gemeinschaftsinteresses kontaktierten Leiter die Obrigkeit direkt um ihre Unterstützung zu erhalten.

Nach Angaben früherer Labour-Amtsträger, die die Beschwerden in der Partei bearbeiteten, war Antisemitismus vor Corbyns Parteivorsitz selten, wenn überhaupt ein Thema.[2] Später stellten Recherchen allerdings fest, dass es unter Corbyns Vorgänger Ed Miliband einige extrem antisemitische Aussprüche gegeben hatte. Diese kamen hauptsächlich von muslimischen Funktionären.[3]

Die ersten Anzeigen zu Labour-Antisemitismus nach Corbyns Wahl betrafen Anfang 2016 eine kleine Gruppierung – den Oxford’s University Labour Club (OULC)[4][5] Es wurden nur Schlüsselfolgerungen der Ermittlung dieser Gruppe durch die nicht jüdische Labour-Peer Baroness Royall veröffentlicht.[6][7][8] Den anfangs vertuschten vollständigen Bericht, ließ jemand ein paar Monate später durchsickern, vermutlich Baroness Royall.[9]

Dann tauchten weitere Informationen zu Antisemitismus in der Labour Party auf. Daraufhin beauftragte Corbyn die nichtjüdische Menschenrechtsexpertin Shami Chakrabarti damit, das zu untersuchen.[10] Ihr am 30. Juni 2016 veröffentlichter Bericht war schlecht zusammengestellt. Sie zeigte zudem große Ignoranz gegenüber dem Wesen des Antisemitismus.[11] Kurz darauf wurde sie auf Corbyns Empfehlung hin zur Baroness Chakarabarti erhoben.[12] Es bleibt unklar, wann ihr der Adelstand versprochen wurde.

Die Reaktion des Board of Deputies of British Jews – den offiziellen Repräsentanten der Gemeinschaft – auf den stümperhaften Bericht war dürftig.[13] Doch bereits im Mai 2016 sagte Oberrabbiner Ephraim Mirvis, dass die Krise um Labour „den Deckel von der Borniertheit gelüftet“ habe.[14] Nach Corbyns Pressekonferenz zum Bericht von Chakrabarti am 1. Juli sagte Mirvis, dass der Vorsitzende „bei der jüdischen Gemeinschaft große Sorger statt der Wiederherstellung des Vertrauens“ verursacht hatte.[15] Der ehemalige Oberrabbiner Lord Jonathan Sacks bezeichnete Corbyns Worte dort als „Entmenschlichung höchsten Grades, ein Skandal und inakzeptabel.“[16]

Viele der frühen heftigsten Attacken auf den Labour-Antisemitismus kamen von Einzelpersonen. David Collier schrieb, es sei klar gewesen, dass Corbyns Problem mit Antisemitismus „weit tiefer geht als zu ein paar Stadträten und Parlamentariern“.[17] Eine weitere Person, die sich gegen Corbyn aussprach, war David Hirsch.[18] Im September 2016 reichte die kleine Organisation Campaign Against Antisemitism (CAA) eine formelle Beschwerde gegen Corbyn ein. Sie beschuldigte ihn und seine Verbündeten schon lange Verbindung zu Antisemiten zu haben.[19]

Einige jüdische Labour-Parlamentarier begannen zudem allmählich den Antisemitismus der Partei offenzulegen. MP Ruth Smeeth verließ Corbyns Pressekonferenz zum Chakrabarti-Bericht, nachdem sie von einem Reporter beleidigt worden war.[20] Smeeth behauptete, dass Corbyn es verfehlte zu intervenieren, als in seiner Gegenwart antisemitische Beleidigungen gegen sie gerichtet wurden.

Die Jewish Labour Movement (JLM) wurde 1901 gegründet. Sie ist seit über 100 Jahren mit der Labour Party verbunden. Ursprünglich, als der Antisemitismus der Partei ans Licht kam, versuchte die Bewegung sich durchzuwursteln. In späteren Jahren wurde sie zu einer beharrlichen Anti-Corbyn-Kraft.

Im Verlauf der Jahre gingen der Partei viele traditionellen jüdischen Labour-Wähler von der Stange. Im April 2019 stellte eine Umfrage der jüdischen Intereswenvertretung Jewish Leadership Council fest, dass 87% der britischen Juden Corbyn für antisemitisch hielten. Ziemlich plötzlich begannen in den letzten Jahren viele britische Juden über mögliche Auswanderung zu reden, sollte Corbyn zum Premierminister gewählt werden. Die Umfrage berichtete deren Zahl als 47%. Selbst wenn man Zweifel hat, wie viele Juden das Königreich im Fall eines Labour-Sieges tatsächlich verlassen würden, war es eine radikale Entwicklung, dass davon geredet wurde.[21]

Ein Treffen von Leitern des Board of Deputies und des Jewish Leadership Council mit Corbyn im April 2018 kam zu dem Schluss, dass Corbyns Vorschläge „nicht einmal minimales Handlungsniveau erfüllten“.[22] Ein paar Wochen zuvor schrieben die beiden jüdischen Organisationen in einem offenen Brief: „Wieder und wieder hat sich Jeremy Corbyn auf die Seite von Antisemiten statt die der Juden gestellt.“ Am 26. März organisierte das Board of Deputies eine Demonstration vor dem Parlament in London.[23]

Im Juli 2018 unternahmen der Jewish Chronicle, die Jewish News und der Jewish Telegraph, die allesamt miteinander rivalisieren, den nie da gewesenen Schritt dieselbe Titelseite zu veröffentlichen. Sie erklärten, dass dieser Schritt von der „existenziellen Bedrohung jüdischen Lebens in diesem Land motiviert war, die eine von Jeremy Corbyn geführte Regierung darstellen würde“.[24]

Den höchsten Preis für jüdische Opposition gegen Corbyn wurde von mehreren jüdischen Abgeordneten gezahlt: Ruth Smeeth wurde bei den letzten Parlamentswahlen nicht wiedergewählt. Bereits beim jährlichen Labour-Parteitag im September 2016 musste sie mit Leibwächtern kommen, nachdem sie 25.000 Schmäh-Botschaften erhalten hatte.[25] MP Luciana Berger erhielt bis April 2016 tausende Hass-Mails, von denen einige ihr mit Vergewaltigung und Mord drohten.[26] Später verließ sie Labour und wurde danach als liberaldemokratische Kandidatin geschlagen. Eine dritte jüdische MP, Louisa Ellman, verließ die Partei im Oktober 2019.[27] Die einzige verbliebene jüdische Labour-Abgeordnete ist Dame Margaret Hodge. 2018 bezeichnete sie Corbyn in der Lobby des Parlaments als Rassisten und Antisemiten.[28]

Corbyn wird bald zurücktreten. Oberrabbiner Mirvis hat erklärt, dass Antisemitismus nicht weggehen wird.[29] In dem abgelaufenen Prozess haben die öffentlichen Einstellungen des britischen Judentums sich stark verändert. Der Geist, der aus der Flasche heraus ist, kann nicht wieder hineingestopft werden.

[1] www.theguardian.com/politics/2015/sep/12/jeremy-corbyn-wins-labour-party-leadership-election

[2] https://jewishnews.timesofisrael.com/labour-antisemitism-whistleblowers-reveal-spike-in-cases-after-corbyn-election/

[3] www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/18841

[4] http://cherwell.org/2016/02/15/oulc-cochair-resigns-citing-antisemitism-within-club/

[5] www.independent.co.uk/student/news/oxford-university-labour-club-anti-semitism-report-baroness-royall-jewish-students-a7170446.html

[6] www.thejc.com/news/uk-news/baroness-royall-report-reveals-oxford-labour-students-engaged-in-antisemitism-1.61720

[7] https://jewishnews.timesofisrael.com/labour-accused-of-cover-up-over-suppressed-royall-inquiry/

[8] www.thejc.com/news/uk-news/labour-nec-bans-publication-of-royall-report-into-oxford-university-labour-club-antisemitism-1.57112

[9] www.thejc.com/news/uk-news/baroness-royall-report-reveals-oxford-labour-students-engaged-in-antisemitism-1.61720

[10] www.theguardian.com/politics/2016/apr/29/jeremy-corbyn-sets-up-inquiry-into-labour-antisemitism-claims

[11] www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/19312

[12] www.theguardian.com/uk-news/2016/aug/04/shami-chakrabarti-peerage-labour-tensions-corbyn

[13] www.bod.org.uk/jonathan-arkush-reacts-to-report-by-shami-chakrabarti-inquiry-on-antisemitism/

[14] www.theguardian.com/world/2016/may/04/chief-rabbi-labour-has-severe-problem-with-antisemitism

[15] www.bbc.com/news/uk-politics-36676018

[16] ebenda

[17] http://david-collier.com/antisemitism-root-labour-party/ from 10 May 2016

[18] www.thejc.com/comment/comment/the-chakrabarti-report-failed-again-and-again-1.60223

[19] www.independent.co.uk/news/uk/politics/jeremy-corbyn-anti-semitism-complaint-a7326551.html

[20] /www.dailymail.co.uk/video/news/video-1303488/MP-Ruth-Smeeth-walks-party-s-anti-Semitism-event.html

[21] http://www.israelhayom.com/2019/11/04/almost-50-of-jews-in-uk-say-will-leave-if-labours-corbyn-wins-general-elections/

[22] timesofisrael.com/uk-jewish-leaders-corbyn-meeting-was-a-disappointing-missed-opportunity/

[23] www.reuters.com/article/us-britain-labour-antisemitism/british-jews-protest-against-labours-corbyn-over-anti-semitism-idUSKBN1H21H1

[24] www.thejc.com/comment/leaders/three-jewish-papers-take-the-unprecedented-step-of-publishing-the-same-page-on-labour-antisemitism-1.467641

[225] http://www.independent.co.uk/news/uk/politics/labour-membership-new-rules-abuse-online-jeremy-corbyn-trolling-a7319906.html

[26] www.timesofisrael.com/jewish-labour-mp-posts-anti-semitic-abuse-she-received-online/

[27] www.theguardian.com/politics/2019/oct/16/louise-ellman-quits-labour-party-over-antisemitism

[28] www.timesofisrael.com/jewish-labour-mp-who-called-corbyn-an-anti-semite-wins-contest-to-run-again/

[29] www.timesofisrael.com/uk-chief-rabbi-election-is-over-but-concerns-over-anti-semitism-racism-remain/

 

Arutz Sheva-Autor als führender Antisemitismus-Forscher anerkannt

Dr. Manfred Gerstenfeld schreibt regelmäßig auf Arutz Sheva (und abseits vom mainstream – heplev), ist Hauptredner der CIJR-Gala, listet Prioritäten im Kampf gegen Antisemitismus.

Israel National News, Redaktion, 8. Dezember 2019

Marchla Abramovitz überreicht Dr. Gerstenfeld die Auszeichnung (Foto: INN/MG)

Dr. Manfred Gerstenfeld, Autor für Arutz Sheva, wo er regelmäßig Beiträge veröffentlicht, war am 1. Dezember der Hauptredner auf der jährlichen Gala des Canadian Institute for Jewish Research (CIJR) in Montreal.

Auf der Gala wurde Gerstenfeld die Auszeichnung International Lion of Judah (Internationaler Löwe von Juda) des CIJR für „hervorragende Dienste für Israel und das jüdische Volk“ verliehen. Die Einladung zum Abend kündigte ihn als die anerkannte führende internationale Autorität auf dem Gebiet des Antisemitismus an.

In seiner Rede vermerkte Gerstenfeld drei strategische Prioritäten im Kampf gegen fast grenzenlose antisemitische Bedrohungen; zuvor erklärte er, dass es gemäß der globalen Studie der Anti-Defamation League, weltweit mehr als eine Milliarde Antisemiten gibt. Diese Zahl bezieht sich nur auf den klassischen religiösen und ethnisch-nationalen Antisemitismus. Nicht eingerechnet sind Menschen, die sich nur als antiisraelisch betrachten. Er merkte an, dass diese Erkenntnis sich in rund 75 Antisemiten auf jeden Juden übersetzt, Babys und selbsthassende Juden eingeschlossen.

Gerstenfeld definierte seine drei Prioritäten wie folgt:

  • Er forderte die Bildung einer Agentur für Propagandabekämpfung, die für die israelische Regierung höchste Priorität haben sollte. Nur eine solche Organisation kann sich systematisch um die weit verbreiteten Hasskampagnen gegen Israel und die Juden weltweit kümmern. Israel hat die Gelder zur Verfügung, um eine solche Organisation zu gründen und zu unterhalten. Eine solche Agentur könnte den vielen proisraelischen Organisationen und Einzelpersonen unschätzbare Hilfe bieten. Gerstenfeld nannte Beispiele dafür, wie leicht es war Pro-BDS-Akademiker davon abzuschrecken diese antisemitische Aktivität zu unterstützen.
  • Die zweite Priorität nach Gerstenfeld besteht darin in erster Linie nichtjüdische Politiker und andere Prominente zu überzeugen, dass sie eingestehen, dass Antisemitismus mehr als tausend Jahre lang integraler Bestandteil westlicher Kultur gewesen ist. Wie sich die Kultur entwickelte, machten es auch der Antisemitismus und seine Mutationen.

Gerstenfeld führte als Beispiel dafür die horrende falsche Vorstellung an, dass Juden absolut böse sind. Im Christentum bestand solches Übel darin, dass Juden für den Tod des behaupteten Sohnes Gottes, Jesus, verantwortlich gemacht wurden. In der schlimmsten Erscheinungsform ethnischen Nationalismus, dem Nationalsozialismus, waren die Juden absolut böse, weil sie als Untermenschen betrachtet wurden. Als Ungeziefer oder Bakterien, entschieden die Nazis, sollten Juden ausgelöscht werden.

Im Weiteren hob Gerstenfeld heraus, dass der Nationalsozialismus und die Planung von Völkermord heute die Symbole des absolut Bösen sind. Im übelsten Antiisraelismus wird Israels Handeln gegenüber palästinensischen Arabern fälschlich dem der Nazis gegen die Juden gleichgesetzt. Er fügte hinzu, dass Israel zudem fälschlich beschuldigt wird Völkermord an den palästinensischen Arabern zu planen. Mehr als 150 Millionen von 400 Millionen erwachsenen EU-Bürgern glauben diese Verleumdung.

Gerstenfeld fügte hinzu, wenn erst einmal akzeptiert wird, dass westliche Kultur von Antisemitismus durchdrungen ist, dann wird es leichter viele zeitgenössische Fälle von Antisemitismus in historischer Perspektive aufzudecken. Wenn Juden und Nichtjuden erst einmal darin übereinstimmen, wird es möglich effektiver gegen diesen ältesten Hass vorzugehen.

  • Als dritte, aber nicht weniger wichtige Priorität als die beiden ersten, nannte Gerstenfeld die Notwendigkeit jüdische Masochisten zu entlarven. Er sagte, dass es in der jüdischen Tradition eine langjährige Strömung des Masochismus gibt. Zeitgenössische jüdische Masochisten in Israel und im Ausland behaupten, Israel müsse perfekt sein, während andere das nicht sein müssen. Sie werden selten, wenn überhaupt, jemandem sagen, dass Israels Feinde etwas falsch machen. Das ist gemäß der am meisten anerkannten Definition des Antisemitismus eine antisemitische Einstellung; diese Definition ist die der Holocaust-Gedenkallianz (IHRA).

Jüdische Masochisten, fuhr er fort, sind die idealen nützlichen Idioten, um von Israels Feinden manipuliert und benutzt zu werden. Diese können sich immer auf Äußerungen dieser Masochisten stützen, um Israel zu kritisieren. Ein Beispiel für einen prominenten jüdischen Masochisten, sagte Gerstenfeld, ist einer der  Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten Bernie Sanders. Sanders hat Netanyahu als Rassisten bezeichnet, während er zu Mahmud Abbas schwieg, der sagte, dass im zukünftigen Palästinenserstaat keine Israelis leben werden.

Gerstenfeld sagte, dass viele jüdische Aktivisten, die jüdische Masochisten kennen, diesen sagen, dass sie, indem sie Israel aussondern und zur Kriminalität der Palästinenser schweigen, antisemitisch handeln.

Er stellte weiterhin heraus, dass die zentralen Kräfte, die in der westlichen Öffentlichkeit Hass auf Israel verbreiten, aus der liberalen Linken kommen. Muslimische Fanatiker und Rechtsextremisten sind weit gewalttätiger, sind jedoch in Mainstream-Medien und Politik marginal.

Gerstenfeld sprach zudem das Thema freie Meinungsäußerung an. Freie Meinungsäußerung in sozialen Medien hat zu einer Explosion des Hassredens geführt. Diejenigen, die für unbegrenzte freie Meinungsäußerung sind, unterminieren indirekt die westliche Demokratie. Er fuhr fort, das die Interaktion von Juden mit der Gesamtgesellschaft es ermöglicht, dies und viele andere Probleme weit klarer zu erkennen.

Gerstenfeld wurde vom ehemaligen kanadischen Justizminister und führenden internationalen Menschenrechtsaktivisten Irwin Cotler vorgestellt, der zu seinen Ehren sprach und ihn einen Universalgelehrten nannte. Es gab zudem lobende Videos von Rabbi Abraham Cooper, dem Prodekan des Simon Wiesenthal Center in Los Angeles sowie Hillen Neuer, dem Direktor von UN Watch in Genf. Professor Alvin Rosenfeld, der Direktor des Institute for the Study of Contemporary Antisemitism an der Indiana University, schickte einen geschriebenen Text voll Lob, der von Professor Fred Krantz, dem Direktor des CIJR, vorgelesen wurde.

In früheren  Jahren wurde Gerstenfeld, der der emeritierte Vorsitzende des Jerusalem Center for Public Affairs ist, vom Journal for the Study of Antisemitism eine Auszeichnung für sein Lebenswerk sowie der International Leadership Award des Simon Wiesenthal Centers verliehen.

Antiisraelismus und Antisemitismus in Norwegen

Manfred Gerstenfeld interviewt Bjarte Ystebo (direkt vom Autor)

Die Faustregel in Norwegen lautet: Je weiter politisch links die Parteien und  Organisationen stehen, desto antiisraelischer sind sie. Von 1948 bis in die frühen 1970-er Jahre gehörte Norwegens Arbeitspartei zu den besten Freunden Israels in der Welt. Das hat sich radikal geändert. Die Arbeitspartei steht in Übereinstimmung mit den antiisraelischen Kräften des Mainstreams in Europa.

Foto

Bjarte Ystebo ist der Herausgeber der christlichen Wochenzeitung Norge Idag. Er ist der Gründer des Oslo-Symposiums und ein regelmäßiger Beitragsschreiber für norwegische Medien zu Israel und Antisemitismus.

Er stellt fest: Ein weiterer Besorgnis erregender Trend ist das Wachstum der Grünen-Bewegung. Sie ist wie eine Wassermelone: außen grün – innen rot. Die Grüne Partei schnitt bei den Lokalwahlen im September 2019 sehr gut ab. Das gab ihnen in Norwegens beiden größten Städten Oslo und Bergen politische Macht.

Die Grüne Partei unterstützt antiisraelische Mainstream-Trends wie die BDS-Bewegung. In Oslo überlegt die Stadtverwaltung BDS zu akzeptieren. In Bergen wird das von den blockierenden Stimmen der Christdemokraten aufgehalten. Der Zugewinn der grünen Bewegung wird wahrscheinlich bei der Wahl von 2021 die Macht von der aktuellen Mitte-Rechts-Regierung nach links verschieben.

Die sehr große Gewerkschaft LO ist ebenfalls extrem antiisraelisch. Ihre Linksdrift bezüglich des palästinensisch-israelischen Konflikts ist der Arbeitspartei gefolgt. Auch die LO unterstützt BDS unter Zitierung ihrer Genossen in der palästinensischen Arbeiter-Gewerkschaft. Ihre Politik ist ideologisch geprägt, nicht interessengeleitet. Viele ihrer Mitglieder leben von der norwegischen Öl- und Gas-Industrie. Diese Industrie hat potenziell große Vorteile durch Zusammenarbeit mit Israel und israelischen Firmen.

Für die Norwegischen Freunde Israels ist der nationale Rundfunksender NRK die größte Enttäuschung. Er ist seit Jahrzehnten der führende Berichter zum Nahen Osten. NRK hat eine lange Geschichte antiisraelischer Einseitigkeit. Die Stimme des landesweiten Senders wird durch die anderen wichtigen norwegischen Medien ergänzt: den kommerziellen TV2 und die führenden nationalen Journale VG, Aftenposten und Dagbladet. In ihrer normalen Berichterstattung verlassen sich diese Zeitungen hauptsächlich auf internationale Nachrichtenagenturen. VG, Norwegens am weitesten verbreitete Zeitung, ist vielleicht die mit den differenziertesten Kommentaren. Ihre politische Chefredakteurin Hanne Skartveit ist eine Stimme der Vernunft.

Die Universitätsleitungen sind ebenso regelmäßig einseitig gegen Israel. 2011 lehnten mehrere Universitäten das Angebot kostenloser Vorträge durch den Harvard-Professor Alan Dershowitz ab. Sie hatten das Gefühl, er sei zu umstritten. Von Zeit zu Zeit kommen Akademische Boykott-Initiativen auf. In den technologischen Disziplinen wird Israel in der akademischen Welt oft fairer behandelt. Es gibt eine wachsende Partnerschaft zwischen der Universität von Stavanger – die Stadt ist Norwegens Ölzentrum – und israelischen Akademikern und Industrie.

Die lutherische Kirche, als Staatskirche bekannt, wurde 2012 halb vom Staat getrennt. Ihre Führung ist linkslastig. Sie will sich an Themen wie Umwelt, die Neuverteilung von Ressourcen und Einwanderung beteiligen. Diese Ideen decken sich regelmäßig mit dem Antiisraelismus in der norwegischen Gesellschaft. Die Kirche ist da keine Ausnahme.

Hinter diesem Antiisraelismus steckt die christliche Ersetzungstheologie. Sie hat im Verlauf der Jahrhunderte viele jüdische Leben gekostet. Diese Theologie besagt, als viele Juden Jesus als den Messias ablehnten, entzog Gott die Israel gegebenen Verheißungen und übertrug sie auf die Kirche – die Anhänger Jesu Christi. Daher sind diese christlichen Strömungen dem jüdischen Volk und dem Staat Israel gegenüber weniger positiv eingestellt. Evangelikale in Norwegen, den USA und an anderen Orten der Welt betrachten Israel und die Juden allgemein als Gottes auserwähltes Volk und lieben und segnen es.

Der Antisemitismus auf den Straßen und den Schulhören kommt eher von Muslimen als von einheimischen Norwegern. Imame und andere Muslimführer erwähnen Israel oder die Juden im öffentlichen Diskurs nicht. Viele Muslime sind aber Mitglieder politischer Parteien, vorwiegend der Arbeitspartei. Dort handeln sie in Harmonie mit der Partei in politischen Haltungen, die vertretbar als antisemitisch zu betrachten sind, darunter die Romantisierung des palästinensischen Befreiungskampfs.

Es gibt in Norwegen nur wenig rechten Antisemitismus. Die Neonazi-Gruppen sind schwach und die Polizei ist effektiv darin diese Subkulturen durch Stopp der Rekrutierung zu bekämpfen.

Ystebo stellt die aktuellen Themen in den Kontext der gegenwärtigen Gesamtrealität: Norwegen ist ein kleiner, verletzlicher Staat, sowohl finanziell als auch militärisch. Der derzeitige internationale Handelskrieg und die ungewisse geopolitische Lage haben veranlasst, dass das Land sich mehr auf seine eigenen nationalen Interessen konzentriert.

Ein Großteil des Einkommens des Landes entstammt Öl und Gas. Hohe Ölpreise sind historisch synonym mit einer starken norwegischen Währung gewesen. Im gegenwärtigen wirtschaftlichen Klima suchen die Märkte Zuflucht im Dollar. Das trotzt der gewöhnlichen Gesetze der Finanzmärkte. Die schwache norwegische Krone nutzt dennoch unserer Export-Industrie.

Als Nation entscheiden wir uns für Stabilität. Ohne die NATO haben wir keine Verteidigung. Seit Präsident Trump ins Amt kam, haben wir angefangen uns über Amerikas Selbstverpflichtung für die Allianz nachzudenken. So haben sich Norwegens Politiker im Verlauf der letzten drei Jahre mehr Sorgen zu unserer eigenen Sicherheit gemacht als über Frieden und guten Willen rund um die Welt.

Neue intellektuelle und kulturelle Strömungen zeigen Verflechtung von Antisemitismus mit westlicher Kultur

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Es ist nicht schwer zu beweisen, dass Antisemitismus ein integraler Bestandteil westlicher Kultur ist. Um klarzustellen: Das ist etwas radikal Anderes als zu sagen, dass alle Europäer Antisemiten sind. Dennoch gestehen westliche Politiker und andere Führungspersönlichkeiten diese offensichtliche Realität zu den Kulturen ihrer Gesellschaften nie ein.

Einer der raren Europäer, die die Wahrheit klar ausgesprochen haben, ist der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby. 2016 schrieb er: „Antisemitismus ist ein heimtückisches Übel. Die Angewohnheiten des Antisemitismus haben sich in die europäische und britische Kultur eingegraben, solange wir uns erinnern können. In England sah sich die jüdische Gemeinschaft im späten Mittelalter ständiger Verfolgung ausgesetzt: Shylock, der große Bösewicht in Der Kaufmann von Venedig, war ein Klischee seiner Zeit. Als Comwell England unter dem Commonwealth in den 1650-er Jahren wieder für jüdische Ansiedlung öffnete, war der Antisemitismus innerhalb des allgemeinen Sprachgebrauch und Kultur mutiert. Die schändliche Wahrheit lautet, dass die Kirche über ihre theologische Lehre, die ein Gegenmittel hätte anbieten sollen, die Verbreitung dieses Virus verschlimmert hatte.“[1]

Die Jahrhunderte alte Verflechtung von Antisemitismus und westlicher Kultur zeigt sich auf viele Weisen. Zeitgenössischer Antisemitismus beinhaltet nicht nur wichtige Elemente des mittelalterlichen Antisemitismus, sondern auch viele neuere Erscheinungsformen. Eine Möglichkeit unter vielen das zu beweisen ist: In vielen neuen Ideologien und Bewegungen oder intellektuellen Strömungen rücken früher oder später in Teilen davon in Ausdrucksformen in den Vordergrund. Dieser Hass kann sich auf Juden konzentrieren oder auf Israel. Eine Reihe kurzer Erwähnungen aus einer Vielzahl von Bereichen illustriert dies.

Im Bereich der Menschenrechtsorganisationen ist eindeutig Antisemitismus erkennbar. Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen (UNHRC) steht ganz oben auf der Liste der Förderer des jüngsten Typs des Antisemitismus, der Befürwortung des Hasses auf Israel. Viele seiner Mitgliedstaaten sind Diktaturen.[2] Hillel Neuer, Geschäftsführer von UN Watch, fasste es so zusammen: „Der UNO-Menschenrechtsrat in Genf hat einen festen Tagesordnungspunkt gegen Israel. Israel ist das einzige Land, das bei jedem Treffen gezielt ins Visier genommen wird. Nicht einmal schlimme Menschenrechtsverletzer wie China, Kuba, Pakistan, Saudi-Arabien, der Sudan, Syrien oder Simbabwe werden einer solchen Behandlung unterzogen.“[3]

Der Feminismus ist eine weitere Bewegung, in der sich Antisemitismus regelmäßig manifestiert. In dieser Bewegung zur Gleichstellung von Frauen entwickeln sich allmählich Trends des Israelhasses. Die amerikanische Professorin emeritus für Psychologie und Frauenstudien Phyllis Chesler, selbst eine Feministin, berichtete von einer solchen Erfahrung. 2003 war sie eingeladen vor einem hauptsächlich afroamerikanischen und hispanoamerikaischen femnistischen Publikum bei einer Konferenz am Barnard College zu sprechen. Sie wurde gefragt, wo sie in Sachen Frauen in Palästina steht. Chesler antwortete, dass der Islam der größte Praktizierende von Geschlechter- und Religions-Apartheid der Welt ist. Sie stützte ihre Äußerung mit der Erwähnung von Zwangsverschleierung, arrangierten Ehen, Polygamie, auf Ehre basierender Gewalt und Ehrenmorden in der palästinensischen Gesellschaft. Chesler sagt: „Es brach beinahe ein Aufstand aus. Ich wurde eilig in Sicherheit gebracht. Diesen Feministinnen war Palästina egal, ihnen ging es darum Israel zu dämonisieren.“[4]

Ein weiteres Beispiel: Die amerikanische Akademikerin und Feministin Angela Davis, ehemaliges Mitglied der Black Panther und Kommunistin, ist eine extreme Hetzerin gegen Israel. Sie gehört zu denen, die das Töten eines afroamerikanischen Mannes durch einen weißen Polizisten in Ferguson (Missouri) mit dem Handeln Israels im Gazastreifen verglich, das damit überhaupt nichts zu tun hat.[5]

Die Plattform Black Lives Matter, eine weitere Gleichberechtigungsbewegung, beschuldigt Israel des Völkermordes.[6] Eine andere Gleichberechtigungsbewegung konzentriert sich auf die Recht der LGBTQ-Gemeinschaften. Israels Feinde in diesen Kreisen beschuldigen Israel oft des „Pinkwashing“. Das bedeutet, das Land räume der Schwulengemeinschaft gleiche Rechte ein, um die Aufmerksamkeit von seiner Diskriminierung der Palästinenser abzulenken.[7] Der diskriminierenden Tatsache, dass die Organisatoren der Schwulenparade von Chicago 2017 Teilnehmer ausschloss, die Flaggen mit Davidstern trugen, erhielt große Aufmerksamkeit.[8]

Die vegetarischen und veganen Bevölkerungsabteile nehmen zu. Ihre ideologischen Elemente scheinen sogar noch schneller zu wachsen. Der Vergleich des Leidens von Tieren mit dem Holocaust ist ein immer wiederkehrendes Motiv. Ingrid Newkirk, Gründerin der Organisation People for the Ethical Treatment of Animals (PETA), behauptete schon 1983 mit den Holocaust verzerrender Wortwahl, Tiere seien Menschen gleich: „ Eine Ratte ist ein Schwein ist ein Junge“ und „Sechs Millionen Menschen starben in Konzentrationslagern, aber sechs Milliarden Masthähnchen werden dieses Jahr in Schlachthäusern sterben“.[9] Der Begriff „Tierholocaust“ tauchte in späteren Jahren immer wieder in PETA-Material. PETA entschuldigte sich gelegentlich für diesen Missbrauch.[10]

Der damalige Direktor der Anti-Defamation League (ADL) Abe Foxman analysierte das: „Die Bemühungen von PETA die vorsätzliche, systematische Ermordung von Millionen Juden mit der Sache der Tierrechte gleichzusetzen ist abscheulich. PETAs Versuch ‚Zustimmung‘ zu ihrer ‚Holocaust auf deinem Teller‘-Kampagne zu gewinnen ist empörend, beleidigend und bringt Chutzpe auf eine neue Höchstebene… Gegen den missbräuchlichen Umgang mit Tieren sollte opponiert werden, aber er kann und darf nicht mit dem Holocaust gleichgesetzt werden. Die Einzigartigkeit menschlichen Lebens ist selbst heute die moralische Grundlage für die, die dem Hass der Nazis und anderen zu Völkermord Widerstand leisteten.“[11]

Die Tierrechtsbewegung in Europa hat in mehreren europäischen Ländern den Erfolg gehabt das jüdische rituelle Schlachten verbieten zu lassen. Die jüngeren Fälle sind komplexer, weil sie sich hauptsächlich auf muslimisches rituelles Schlachten konzentrieren. Die Juden sind in diesem Fall Kollateralschaden. Die Kinderrechtsbewegung greift oft die nicht medizinische Beschneidung an.[12]

Bei den Gegnern des Völkermords durch den Einsatz von Atombomben, eine im Mainstream bereits übliche Ausdrucksform, heißt es, dass ein „atomarer Holocaust“ verhindert werden muss. In seiner Erklärung von 2007 sagte US-Präsident George W. Bush, das Atomprogramm des Iran drohe „eine bereits für Instabilität und Gewalt bekannte Region unter den Schatten eines atomaren Holocaust“ zu stellen.[13] Man kann im Internet eine Liste an Filmen über den atomaren Holocaust finden,[14] ebenso bei Wikipedia Literatur über atomaren Holocaust.[15] Die Einzigartigkeit des Holocaust, dem ein komplexer neoindustrieller Prozess der Diskriminierung, der Beraubung und physischen Misshandlung der Juden voraus ging, wird durch diesen Vergleich radikal verzerrt.

In der akademischen Welt ist der Postkolonialismus zu einer beliebten neuen intellektuellen Kategorie geworden. Irgendwann begannen Israels Feinde das Land als Kolonialmacht zu bezeichnen. Diese neue Ausdrucksform des Antisemitismus hat an Boden gewonnen und wird oft von Linken verwendet, wenn sie über Israel reden. Es gibt kaum etwas in Israels Verhalten, das mit den massiven Verbrechen der belgischen, britischen, französischen, deutschen, niederländischen, portugiesischen und spanischen Verbrechen in ihren früheren Kolonien im Verlauf der Jahrhunderte vergleichbar wäre.[16]

Westliche Mächte sind in ihre Kolonien eingedrungen und haben sie erobert, um durch sie an Geld zu kommen. Das jüdische Volk machte aber das Gegenteil. Juden investierten Geld ins Mandat Palästina und später Israel. Das totale Fehlen von Vergleichbarem hielt Israels Feinde in der akademischen Welt aber nicht auf.

Der Anthropologe Philip Carl Salzman, der an der McGill University in Montreal lehrt, fasst zusammen: „Postkolonialismus beleuchtet weniger die Völker, Orte und Zeiten, von denen er redet, sondern zwingt vielmehr seinen Diskurs auf und versucht über ad hominem- und parteiische Argumentation alle anderen zum Schweigen zu bringen.“[17]

Ein weiteres neues Konzept ist Intersektionalität. Diese versucht hauptsächlich die aufgrund von Ethnie, Geschlecht und Klasse Unterdrückten und Opfer zeitgenössischer Gesellschaften zu vereinen. Die linke Hymne des 19. Jahrhundert, die „Internationale“, forderte die Arbeiter auf sich zu vereinigen. Intersektionalität fordert Minderheitsopfer auf sich zu vereinigen. Das aber mit Ausnahme der Juden, die Paradebeispiel-Minderheit im letzten Jahrhundert.

Viele Befürworter von Menschenrechten, Feministen, Vegan-Ideologen, Akademiker, die postkoloniale Theorien propagieren, sind keine Antisemiten. Doch die Tatsache, dass in all diesen nicht damit zusammenhängenden Themen Platz für viel Antisemitismus ist, verbindet diese neuen Hass-Elemente der Kultur mit den früheren.

Mit all dem verzahnt ist das Konzept des absolut Bösen in der zeitgenössischen Gesellschaft: Völkermord zu begehen oder wie die Nazis zu sein. Dabei handelt es sich dennoch nur um eine weitere extreme Erscheinungsform dafür, wie sehr der Antisemitismus mit der westlichen Kultur verwoben ist. Rund 150 Millionen von 400 Millionen erwachsenen EU-Bürgern denken, dass Israelis sich gegenüber den Palästinensern wie Nazis verhalten und die Absicht haben sie auszulöschen.[18]

All diese übermäßige Verwendung von Semantik ist vom französischen Linguisten George-Elia Sarfati zusammengefasst worden. Er sagte, dass die gegen Israel verwendeten Äquivalenzen „so übel sind, weil sie die vier wichtigen negativen Charakteristika der westlichen Geschichte im letzten Jahrhundert – Nationalsozialismus, Rassismus, Kolonialismus und Imperialismus – dem Staat Israel anhängen. Sie betreffen eine kollektive Erinnerung und prägen sich leicht ein.“[19]

[1] www.thejc.com/news/uk-news/archbishop-of-canterbury-justin-welby-antisemitism-jonathan-arkush-response-1.464880

[2] www.un.org/press/en/2018/ga12077.doc.htm

[3] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/14063?fbclid=IwAR24AuCgM1gjJpoHe1huurSh4XakWjACTI6YrhhuC3kQlylbO4HbCHobHUU

[4] www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/18876 https://phyllis-chesler.com/articles/the-brownshirts-of-our-time

[5] www.adl.org/news/op-ed/lets-not-compare-ferguson-to-palestine

[6] https://mosaicmagazine.com/picks/israel-zionism/2018/06/black-lives-matter-has-an-israel-problem/

[7] www.jpost.com/Israel-News/Ilhan-Omar-Rashida-Tlaib-respond-to-Palestinian-LGBTQ-ban-on-Twitter-599139 ; https://en-law.tau.ac.il/sites/lawenglish.tau.ac.il/files/media_server/Law/NowheretoRun,%20Michael%20Kagan%20%26%20Anat%20Ben-Dor%20(2008).pdf

[8] www.bbc.com/news/world-us-canada-40407057

[9] James M. Jasper and Dorothy Nelkin, The Animal Rights Crusade (New York: Free Press, 1992).

[10] Ingrid Newkirk, “Apology for a Tasteless Comparison,” IsraelInsider.com, 5 May 2005.

[11] ADL, “Holocaust Imagery and Animal Rights,” Press Release, 2 August 2005.

[12] www.independent.co.uk/life-style/new-york-city-circumcision-america-protest-infant-sons-foreskin-a8500026.html
www.theguardian.com/society/2019/jul/21/foreskin-reclaimers-the-intactivists-fighting-infant-male-circumcision

[13] “N Korea ‘May End’ Nuclear Pact,” BBC News, 22 March 2002

[14] http://www.syfy.com/syfywire/the-14-most-frightening-films-about-nuclear-holocaust-just-fyi

[15] https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_nuclear_holocaust_fiction

[16] www.ranker.com/list/worst-colonial-european-regimes/melissa-sartore

[17] https://spme.org/spme-research/analysis/philip-carl-salzman-reflections-on-postcolonial-theory-and-the-arab-israel-conflict/4259/

[18] https://library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf

[19] www.jcpa.org/phas/phas-17.htm

Das „Amselfeld“: Der 630 Jahre alte Grund dafür, dass Osteuropäer den Islam nicht mögen.

Raymond Ibrahim, 15. Juni 2019

Gemälde der Kosovo-Schlacht von Peter Radicevic, 1987

Warum Osteuropäer unwilliger sind muslimische Migranten aufzunehmen als ihre westlichen Gegenüber, kann zu den Umständen um eine ausschlaggebende Schlacht zurückverfolgt werden, die des Kosovo, die vor genau 630 Jahren, am 15. Juni 1389 stattfand. Darin kämpften muslimische Invasoren gegen osteuropäische Verteidiger oder die Vorfahren der vielen heutigen Osteuropäer, die dem Islam Widerstand leisten.

Weil der Jihad so alt ist wie der Islam, ist er von verschiedenen Völkern die Jahrhunderte hindurch (Araber im Nahen Osten, Mauren/Berber und Afrikaner in Spanien und Westeuropa usw.) betrieben worden. Das erfolgreiche Eindringen des Islam in Osteuropa wurde von den Türken betrieben, insbesondere von dem Stamm, der im westlichsten Anatolien (Kleinasien) siedelte und damit am nächsten an Europa, den osmanischen Türken, benannt nach ihrem Gründer Osman Bey. Als er 1323 im Sterben lag, lauteten seine Abschiedsworte an seinen Sohn und Nachfolger Orhan: „Verbreite den Islam mit deinen Waffen.“

Das machte sein Sohn dann auch; der Reisende Ibn Batutua, der Orhan einst in Bursa traf, beobachtete, dass obwohl der Jihaidist einige hundert byzantinische Festungen erobert hatte, „er nie einen ganzen Monat in einer Stadt blieb“, weil er „ständig gegen die Ungläubigen kämpft und sie belagert“. Christliche Städte fielen wie Dominosteine: 1329 Smyrna, 1331 Nicäa und 1337 Nicomedia. Bis 1340 befand sich ganz Nordwest-Anatolien unter türkischer Kontrolle. Inzwischen und um einen europäischen Zeitgenossen zu zitieren, „trennte die Feinde des Kreuzes und die Mörder der Christen, das sind die Türken, von Konstantinopel lediglich ein Kanal von drei oder vier Meilen.“

Bis 1354 schafften es die osmanischen Türken unter Orhans Sohn Suleiman die Dardanellen zu überqueren und die aufgegebene Festung Gallipoli zu besetzen, womit sie erstmals in Europa Fuß fassten. „Wo es Kirchen gab, zerstörte er sie oder wandelte sie in Moscheen um“, schreibt ein osmanischer Chronist: „Wo es Glocken gab, zerbrach Suleiman sie und warf sie ins Feuer. So gab es anstelle von Glocken Muezzine.“

Von allem christlichen „Dreck“ gereinigt, wurde Galliopoli, wie ein späterer osmanischer Bey prahlte, „der muslimische Hals, der jede christliche Nation verschlingt – der die Christen erstickt und vernichtet.“ Aus dieser zerfallenen, aber strategisch platzierten Festungsstadt begannen die Osmanen einen Terrorfeldzug durch das Land, immer in der Überzeugung, das Werk Gottes zu tun. „Sie leben vom Bogen, dem Schwert und Ausschweifungen, fanden Gefallen daran Sklaven zu nehmen, verschrieben sich Mord, Plünderung, Beutezug“, erklärte Gregory Palamas, ein orthodoxer Metropolit, der in Gallipoli gefangen genommen wurde; er fügte hinzu: „Und sie begehen nicht nur diese Verbrechen, sondern sie glauben sogar – was für eine Verirrung – dass Gott ihnen dafür Anerkennung zollt!“

Nach Orhans Tod 1360 und unter seinem Sohn Murad I. – dem ersten seiner Linie, der den Titel „Sultan“ annahm – begann der westwärts gerichtete Jiahd in den Balkan ernsthaft und war nicht aufzuhalten. Bis 1371 hatte er Teile Bulgariens und Mazedoniens in sein Sultanat annektiert, das nun Konstantinopel so umschloss, dass „ein Bürger das Reich einfach dadurch verlassen konnte, dass er durch die Stadttore ging“.

Es überrascht daher nicht, dass, als Prinzi Lazar von Serbien (geb. 1330) Murads Invasionskräfte 1387 besiegte, „es stürmischen Jubel der Slawen des Balkans gab. Serben, Bosnier, Albaner, Bulgaren, Wallach und Ungarn aus den Grenzprovinzen sammelten sich allesamt um Lazar wie nie zuvor, entschlossen die Türken aus Europa zu vertreiben“.

Murad reagierte auf diese Unverfrorenheit am 15. Juni 1389 im Kosovo. Dort kämpfte eine Koalition mit serbischer Mehrheit, verstärkt durch Kontingente aus Ungarn, Polen und Rumänien – zwölftausend Mann unter der Führung von Lazar – gegen dreißigtausend Osmanen unter der persönlichen Führung des Sultans. Trotz des anfänglichen Gusses türkischer Pfeile donnerte die serbische schwere Artillerie durch die osmanischen Frontlinien und brach den linken Flügel auf; die osmanische Rechte unter Murads älterem Sohn Bayezid schwenkte um und umfasste die Christen. Der chaotische Zusammenstoß ging Stunden weiter.

In der Nacht vor der Schlacht flehte Murad Allah an ihm „die Gunst zu erweisen für den wahren Glauben zu fallen, also um den Märtyrertod.“ Irgendwann gegen Ende der Schlacht wurde sein Gebet erhört. Nach Angaben der Tradition bot Miloš Obilić, ein serbischer Ritter, an zu den Osmanen überzulaufen; seine Bedingung war, dass ihm angeischts seines hohen Rangs erlaubt werde sich vor dem Sultan selbst zu ergeben. Sie brachten ihn vor Murad und nachdem Milos in falscher Unterwerfung niederkniete, stürzte er sich auf den muslimischen Kriegsherrn und rammte ihm einen Dolch tief in den Bauch (andere Quellen sagten: „mit zwei Stößen, die am Rücken wieder austraten“). Die ansonsten langsamen Wachen reagierten damit den Serben in Stücke zu hacken. Blutüberströmt und Blut spuckend lebte Murad lange genug, um zu sehen, wie sein Erzfeind, der inzwischen gefangen genommene Lazar, vor ihn gebracht, gefoltert und enthauptet wurde. Als kleiner Ausgleich mochte das ein Lächeln auf das Gesicht des sterbenden Märtyrers gebracht haben.

Murads Sohn Bayezid übernahm sofort das Kommando. „Seine erste Tat als Sultan bestand darin, über der Leiche seines Vaters den Tod seines Bruders durch Strangulation zu befehlen. Das war Jakub, sein Mitkommandeur in der Schlacht, der sich auf dem Feld einen Ruf und Beliebtheit bei seinen Truppen erworben hatte.“ Als Nächstes brachte Bayezid die Schlacht zu einem entscheidenden Ende; er warf alles, was ihm zur Verfügung stand, auf den Feind, was zum Abschlachten auch des letzten Christen führte – aber noch mehr seiner eigenen Leute in dem Prozess.

Auf das riesige Feld an Leichen strömten derart viele Vögel und schlemmten, dass die Nachwelt sich an den Kosovo als „Amselfeld“ erinnerte. Obwohl das praktisch ein Unentschieden war – oder bestenfalls ein Pyrrhus-Sieg für die Osmanen – fühlten die Serben, mit zu Beginn weniger Ressourcen am Start im Vergleich zum aufkommenden muslimischen Reich, den Schmerz stärker.

In den auf die Schlacht im Kosovo folgenden Jahren wurde die osmanische Kriegsmaschine unaufhaltbar: die Nationen des Balkan wurden von den Muslimen erobert – nachdem es ein Jahrtausend an Jihadkriegen widerstanden hatte, fiel Konstantinopel 1453 selbst dauerhaft an den Islam – und sie blieben Jahrhunderte lang unter osmanischer Herrschaft.

Das kollektive Gedächtnis der Osteuropäer für die nicht allzu weit zurückliegenden Erfahrungen mit und unter dem Islam sollten nie unterschätzt werden, wenn man bedenkt, warum sie im Vergleich zu ihren westlichen, liberalen Gegenübern beträchtlich skeptischer – wenn nicht regelrecht feindselig – dem Islam und seinen Migranten gegenüber sind.

So erklärte der ungarische Premierminister Victor Orbán einmal:

Wir wollen Frankreich, Belgien und alle anderen Länder nicht kritisieren, aber wir glauben, dass alle Länder ein Recht haben zu entscheiden, ob sie eine große Anzahl Muslime in ihren Ländern haben wolln oder nicht. Wenn sie mit ihnen zusammenleben wollen, können sie das. Wir wollen das nicht und ich denke wir haben das Recht zu entscheiden, dass wir keine große Zahl an muslimischen Menschen in unserem Land haben wollen. Die Folgen davon eine große Zahl an muslimischen Gemeinschaften zu haben mögen wir nicht, wie wir sie in anderen Ländern sehen und ich sehe keinen Grund dafür, dass irgendjemand sonst uns zwingen sollte Möglichkeiten zu schaffen in Ungarn auf eine Art zusammenzuleben, die wir nicht haben wollen… Ich muss sagen, wenn es um Zusammenleben mit muslimischen Gemeinschaften geht, sind wir die einzigen, die Erfahrung haben, denn wir hatten die Gelegenheit diese Erfahrung 150 Jahre lang durchzumachen.

Und diese Jahre – von 1541 bis 1699, als das islamisch-osmanische Reich Ungarn besetzte – sind reichlich bestückt mit Massakern, der Versklavung und der Vergewaltigung von Ungarn.

Antisemitismus entgegentreten – wichtige Schritte

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

In dem gewaltigen Kampf gegen den Antisemitismus müssen Juden und sympathisierende Nichtjuden sich fragen, was sie dazu beisteuern können. Der Anfang des neuen jüdischen Jahres ist eine gute Gelegenheit Prioritäten für das Handeln derer aufzulisten, die bereit sind sich an dieser Konfrontation zu beteiligen.

Was können die israelische Regierung, Bürger, jüdischen Führungspersönlichkeiten und Einzelne im Ausland tun, um die Lage zu verbessern? Der Hauptimpuls muss aus Israel kommen. Der Staat Israel hat weit mehr Möglichkeiten zu handeln als selbst die größten jüdischen Organisationen im Ausland. Die israelische Regierung hat enorm darin versagt sowohl den klassischen Antisemitismus als auch den Antiisraelismus systematisch zu analysieren, zu beobachten und sich ihnen entgegenzustellen. Die Knesset hat gleichermaßen die Gelegenheiten verpasst zu fordern, dass die Regierung eine Organisation zur Bekämpfung der Propaganda aufbaut.

Es gibt jetzt eine neue Knesset. Jeder Anhänger einer politischen Partei oder Person, der Zugang zu einem Knesset-Mitglied hat, kann ihn oder sie fragen: „Was tut deine Partei oder was tun Sie, um die Regierung zu überzeugen solch eine Organisation einzurichten, obwohl es sehr spät in diesem Spiel ist? Wir haben eine Arme, um unsere Feinde und Terroristen zu bekämpfen. Wir haben Geheimdienste, um Informationen über unsere Feinde zu besorgen und Gegenspionage zu betreiben. Israel investiert eine riesige Menge an Ressourcen in Cyber-Verteidigung und -Sicherheit. Warum haben wir keine Organisation für Propagandabekämpfung?“ Es ist in der Tat unglaublich, dass diese nicht in den letzten zwei Jahrzehnten gegründet worden ist.

Eine zweite Priorität besteht darin sich an israelische und jüdische Führungskräfte zu wenden. Sie sollten nichtjüdische Führungskräfte und prominente Personen dazu ermutigen einzugestehen, dass Antisemitismus ein integraler Teil der westlichen Kultur ist oder alternativ zumindest zu sagen, dass Antisemitismus mit der westlichen Kultur verwoben ist. Dieser Hass bricht in westlichen Gesellschaften im Verlauf der Jahrhunderte ständig aus. Bisher haben nur ein paar wenige jüdische Forscher und Autoren das Offensichtliche herausgehoben. Justin Welby, der Erzbischof von Canterbury, Leiter der anglikanischen Kirche, ist einer der besonders seltenen Nichtjuden, der diese Wahrheit eingestanden hat. In diesem Kontext ist jedoch auch klar gemacht worden, dass die Tatsache, dass Antisemitismus mit der westlichen Kultur verwoben ist, keinesfalls bedeutet, dass die meisten Westler Antisemiten sind.

Ohne diese Verwobenheit der westlichen Kultur mit antisemitischen Glaubenssätzen wäre der Holocaust nicht möglich gewesen. Das Jahrzehnte lange extreme Herausheben Israels für Vorwürfe seitens der Vereinten Nationen mit der Unterstützung vieler westlicher Länder ist nur eines von vielen Beispielelen für zeitgenössischen Antisemitismus. Ein weiteres besteht darin, dass Antisemitismus früher oder später einen Platz in wichtigen neuen ideologischen Bewegungen oder westlichen intellektuellen Trends findet, entweder direkt oder über Holocaust-Missbrauch. Das ist zum Beispiel in Bereichen wie Menschenrechte, Feminismus, Postkolonialismus, Intersektionalität, Veganismus, Tierrechtsorganisationen, Anti-Atom-Gruppen und Kinderrechtsbewegungen der Fall. Anerkennung der Verwobenheit des Antisemitismus mit westlicher Kultur bietet viel breitere Perspektiven zur Realität dieses Jahrhunderte alten Hasses.

Einzelpersonen können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Sie können sich lernen, wie man auf Kritiker antwortet, die Israel herausgreifen, um ihm Schuld zuzuschieben, ohne die extreme Kriminalität der Palästinenserführung oder das Fehlen einer bedeutsamen Opposition zu ihr aus der palästinensischen Gesellschaft zu verweisen. Gemäß der wichtigen nicht gesetzlichen Definition von Antisemitismus der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA) sind Fälle, in denen Israel das einzige demokratische Land ist, dem bestimmtes Handeln, das auch andere Länder begehen, vorgeworfen wird, ein Ausdruck von Antisemitismus. Israel zu attackieren und bei den enormen Verbrechen in Teilen der muslimischen Welt mit extrem völkermörderischen Absichten wie dem Iran und Terrororganisationen wegzusehen, macht die Angreifer de facto zu Verbündeten der Kriminellen.

Ein vorrangiges Ziel für Juden ist der Kampf gegen jüdische Masochisten innerhalb und außerhalb Israels. Es gibt eine lange masochistische jüdische Tradition, die tausende Jahre zurückgeht. Jüdischer Masochismus hat sich im Verlauf der Jahrhunderte auf viele Arten manifestiert. Eine wichtige zeitgenössische Version kritisiert Israel, als müsse es der einzige perfekte Staat der Welt sein. Die Masochisten kritisieren Israels Feinde nicht – oder wenn doch, dann nur oberflächlich. Sie zu genießen es oder halten zumindest Genugtuung davon daraus, das sie Israels tatsächliche oder eingebildete Unzulänglichkeiten bekunden.

Ein weiteres Beispiel für Masochismus trat dieses Jahr auf, als 240 israelische und ausländische jüdische Akademiker einen Brief an die deutsche Regierung unterschrieben, die den Beschluss des Bundestags kritisierte, der BDS mit Antisemitismus gleichsetzte. Deutschland ist das Land, das das größte Völkermord-Verbrechen an Juden verübt hat. In der derzeitigen deutschen Enkelgeneration gibt es immer noch viele Einflüsse aus dieser Zeit.[1] Diese masochistischen Juden sprachen sich gegen die Einschränkung der freien Meinungsäußerung in einem Land aus, in dem Neonazis auf den Straßen von Dortmund marschieren, die die Vernichtung Israels fordern.[2]

In den Vereinigten Staaten geht es in einem besonderen Kampf darum, alle Juden zu entlarven, die in den Vorwahlen der Demokraten für Bernie Sanders stimmen wollen. Dieser hat Netanyahus Regierung als „rassistisch“ bezeichnet,[3] hat aber wegen des extremen palästinensischen Rassisten Mohammed Abbas geschwiegen, dem Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde. Der hat gesagt, es werde in einem freien Palästina nicht einen einzigen Israeli geben.[4]

Sanders hat zudem erklärt, dass die Palästinenser es verdienen mit „Würde und Respekt“ behandelt zu werden.[5] Seine Anhänger sollten aufgefordert werden die Würde eines Volkes zu erklären, das nicht gegen seine Führung opponiert, die Mörder dafür bezahlt israelische Zivilisten zu töten. Man sollte Sanders‘ Anhänger auch fragen, ob sie wünschen, dass diejenigen, die die Mörder des 9/11 preisen, mit Würde behandelt werden sollen oder die Muslime, die ISIS beipflichten.

Antisemitismus kann nicht eliminiert, sondern nur eingedämmt werden. Er ist in westlichen und muslimischen Gesellschaften viel zu lange propagiert worden. Diejenigen, die glaubten, der Holocaust habe der gesamten Menschheit eine Lektion erteilt, lagen falsch. Viele Menschen lernten daraus, aber viele andere auch nicht. Mehr Menschen dazu zu bringen zuzugeben, dass Antisemitismus mit westlicher Kultur verwoben ist, ist ein wichtiger Schritt eine Infrastruktur des Bewusstseins zu schaffen, um ihn zu bekämpfen. Antisemiten zu konfrontieren verhindert, dass sie ein freies antisemitisches Mittagessen genießen. Es ist vordringlich mehr Druck auf Antisemiten auszuüben und den Spieß umzudrehen, damit sie vorsichtiger werden.

[1] https://besacenter.org/perspectives-papers/jewish-academics-masochism/

[2] www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-5601134,00.html

[3] www.jpost.com/Middle-East/Bernie-Sanders-calls-Netanyahu-government-racist-587653

[4] http://www.timesofisrael.com/abbas-says-there-will-be-no-israelis-in-palestine/

[5] http://www.washingtonexaminer.com/news/bernie-sanders-us-policy-should-not-be-pro-israel