Warum französische Juden Hummer sind

Paula R. Stern, A Soldier’s Mother, 13. Januar 2016

Lassen Sie mich die Dinge für Sie zusammensetzen … jetzt langsam. Vielleicht ist das, was mir wie gesunder Menschenverstand erscheint, gar nicht so offensichtlich. Oder eher: Es ist offensichtlich, aber Sie zögern. Vor Jahren saß ich im Speisesaal der Columbia University, um einen Israeli über den Umzug nach Israel sprechen zu hören. Sein Name war Yaakov Kirschen und er ist der unglaublich talentierte Künstler hinter den Dry Bones-Karikaturen.

Kirschen erzählte eine Geschichte von Hummern – etwas, das praktizierende Juden nicht essen … aber sein Punkt war, was zählte. Er erklärte, dass er Hummersalat hatte kaufen wollen, aber der Laden war geschlossen; also nahm er zwei lebende Hummer mit nach Hause und versuchte sie zu kochen. Er füllte Wasser in den Ofen, erhitzte es und versuchte dann die Hummer hineinzutun… aber sie krabbelten immer heraus. Und dann kam jemand und erklärte ihm die richtige Weise Hummer zu kochen, die Kaltblüter sind.

Man legt sie in einen hübsch großen Topf mit kaltem Wasser. Legt den Deckel drauf … und dreht dann die Flamme auf. Das Wasser wird warm werden, aber der Hummer denkt: „Es war vorher kalt, es wird wieder kalt werden… Ich werde das einfach aussitzen.“

Dann wird es heiß … und heißer … und sehr heiß … und jedes Mal denkt der Hummer: „Es war vorher kalt; es wird wieder kalt werden… ich werde das einfach aussitzen.“ Und schon bald, erklärte Kirschen, hatte er die Hummer gekocht.

Warum erzählte er diese Geschichte einer Truppe religiöser junger Leute an der Columbia University? „Ihr seid alle Hummer“, sagte er. Und mein Herz rutschte mir in die Hose, denn ich wusste, er hatte Recht. Ich wusste es damals; ich weiß es jetzt.

Den französischen Juden: Ihr seid alle Hummer. Ihr bleibt an einem Ort, wo das Wasser heißer und heißer wird.

1. Ich habe „terror attacks jews france“ (Terroranschläge Juden Frankreich) gegoogelt und bekam mehr als 12 Millionen Treffer.

2. Gerade wurde in Marseilles ein jüdischer Lehrer angegriffen … heute, und vor zwei Monaten…

3. Ein jüdisches Delikatessengeschäft in Paris wurde angegriffen und vier Menschen wurden ermordet – nicht willkürlich, wie der Chefideologe von Washington euch Glauben machen will.

4. In Paris wurden ein jüdischer Vater und zwei Kinder ermordet.

5. Juden wird jetzt … gestern … gesagt, sie sollten in Marseilles keine Kippot (Yarmulkes) tragen.

Ja, ich weiß, dass in den letzten Jahren viele französische Juden bereits nach Israel gezogen sind und dieses Jahr mehr als je zuvor planen zu kommen … es reicht nicht. Das geht nicht schnell genug.

In einem Land, wo man keine Menorah anzünden kann … ja, ja … am Ende wurde es unter massivem Polizeischutz gemacht; in einem Land, wo man keine Kippa tragen kann – das ist ein Land, in dem Juden nicht leben sollten.

Der ehemalige Präsident Nicolas Sarkozy sagte, dass Frankreich nicht gegen die Deutschen kämpfte, nur damit die Juden jetzt gezwungen würden das Land zu verlassen … persönlich erinnere ich mich nicht, dass die Franzosen gegen die Nazis kämpften, aber egal – das ist Frankreichs Problem, nicht unseres. In einem Land, in dem Juden nicht frei und sicher als Juden leben könne, ist das Wasser bereits zu heiß.

Wir alle wünschten, die deutschen Juden … die europäischen Juden … hätten sich vorstellen können, was Hitler vorhatte; dass sie seinen Worten geglaubt hätten, seinen Versprechen, und sich entschieden hätten wegzugehen, bevor die Tore Europas, Amerikas, des britischen Mandats Palästina und anderer Orte zugeschlagen wurden. Wir haben heute keine Entschuldigung mehr dafür, nicht zu glauben, dass es möglich ist, sogar wahrscheinlich, dass mehr und mehr Juden in den kommenden Tage, Wochen und Monaten auf den Straßen Europas sterben werden.

1933 gab es keine echte Wahl. 2016 gibt es nur eine echte Option.

Nie wieder werden die Tore unseres heiligen Landes für Juden verschlossen sein – das war das Versprechen, das am 14. Mai 1948 gegeben wurde und dieses Versprechen gibt jeder unserer Söhne und Töchter, wenn sie die Uniform der Israelischen Verteidigungskräfte tragen.

Die Tore sind offen … die Flugzeuge warten. Israel ist keine andere Welt … es ist ein kurzer Flug.
Geht! Weg! Jetzt!

„Zionistische Invasoren erhoffen sich Europa zu besetzen“

Elder of Ziyon, 24.November 2015

Israelhasser sind seltsame Wesen:

Eine Reihe zionistischer Investoren kaufte in Finnland eine Insel, die 450.000 Euro wert ist, um daraus eine israelische Kolonie zu machen.

Eine Reihe zionistischer Investoren kauften unter dem Vorwand in einer Flaute zu stecken eine Insel in einem der skandinavischen Länder (Finnland), die 450.000 Euro kostet“, berichtete die israelische Zeitung Yedioth Ahronoth.

Sie haben vor eine Kolonie für Israel zu schaffen, für Leute, die die Natur leben. Diese Insel heißt offiziell Petäjäsaari.

Die Namen einiger der Investoren sind enthüllt: Amir Weil, Aviad Scheibitz, Assaf Giller und Moti Shemtovi.

Einige antizionistischen jüdischen Gruppen haben dieses Tun mit der Besatzung Palästinas durch die Juden 1948 gleich gesetzt.

Die wahre Geschichte steht bei YNet. Israelis kauften eine der Tausenden von Inseln, die in Finnland zu Verkauf stehen, um ökologische Ferienwohnungen für die zu bauen, die weit entfernt vom Alltagsleben sind. Während sie die Hütten unter Israelis vermarkten, verkaufen sie sie an jeden, der eine haben will und haben bisher Hütten an Käufer in England, Deutschland, der Schweiz und sogar Finnland verkauft.

Die örtlichen Finnen sind von dem Kauf begeistert. Ihre einzige Anfangssorge war nicht, dass die Israelis das Land kauften, sondern dass sie eine Strohmann-Organisation von Russen sein könnten.

Es ist aber nett, dass die Israelhasser mit ihrer Analogie zuzugeben scheinen, dass Juden in Palästina legal Land kauften, als sie im 19. und 20. Jahrhundert dorthin zogen.

Israel, die Juden und die europäische Flüchtlingskrise

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Große europäische Krisen haben in der Regel wichtige Aspekte, die für Israel und die Juden eine besondere Relevanz haben. Die Krisen in der Ukraine[1] und in Griechenland[2] dienen hier zur Illustration. Besonders maßgebliche Aspekte sind in der sich schnell entwickelnden europäischen Flüchtlingskrise bereits erkennbar. Das liegt an der Zahl der beteiligten Menschen, dem großen Unterschied ihrer Kultur von der europäischen, ihrer Verschiedenheit und dem Tempo, mit dem sie in die Europäische Union kommen. Einige für Israel und die Juden wichtige Schlüsselelemente sind bereits augenscheinlich, andere werden es bald sein.

Israel muss sich die falsche Handhabung der aktuellen Krise durch die EU sehr sorgfältig ansehen. Die EU hat eine Einstellung moralischen Imperialismus, besonders dann, wenn Israel beteiligt ist. Sie liefert regelmäßig Tadel ab und hat sich als selbstherrlicher moralischer Schlichter, Richter und Geschworener aufgebaut. Sie hat ein riesiges Defizit an Voraussicht sowie große moralische und organisatorische Inkompetenz demonstriert.

Inzwischen sind vier Millionen syrische Flüchtlinge in Jordanien, dem Libanon, der Türkei und dem Irak registriert. Innerhalb Syriens gibt es 7,6 Millionen Binnenflüchtlinge.[3] Die EU hätte vor langem schon erkennen müssen, dass ein Teil dieser Flüchtlinge versuchen würde ihre Grenzen zu überschreiten. Syrien ist die größte Quelle in die EU hereinkommender Flüchtlinge, aber es gibt mehrere weitere. Finnland zum Beispiel ist Hauptziel für Flüchtlinge aus dem Irak.[4] Außerdem schätzt man, dass allein dieses Jahr 2.500 Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrunken sind.[5]

Während der letzten Wochen hat es zeitweise Grenzschließungen zwischen verschiedenen europäischen Ländern gegeben, zum Teil trotz des Schengen-Abkommens, das Europas Politik der offenen Grenzen regelt. Ungarn hat an seiner Grenze zu Serbien einen Zaun gebaut und begonnen einen weiteren an der Grenze zu Kroatien zu errichten.[6] Es hat angekündigt einen Zaun entlang eines Teils seiner Grenze zu Rumänien zu bauen.[7] Zeitungen zitieren Flüchtlinge, die behaupten, die Ungarn würden sie wie Tiere behandeln.[8] Bei verschiedenen Gelegenheiten saßen Flüchtlinge zwischen den Grenzen fest.[9] In Deutschland[10] und der Schweiz[11] wurden dieses Jahr bereits für Flüchtlinge vorgesehene Gebäude angezündet.

Europäische Bevölkerungen scheinen heute in drei große Gruppen geteilt zu sein. Israel wird andere Ansätze für jede dieser Gruppen entwickeln müssen und die Führungspolitiker des Landes würden gut daran tun darüber so schnell wie möglich nachzudenken.

Die erste Kategorie besteht aus denen, die die Flüchtlinge willkommen heißen. Hier stehen die Regierungen Deutschlands und Schwedens mit ihrer Bereitschaft, eine im Vergleich mit anderen EU-Ländern relativ große Anzahl an Flüchtlingen aufzunehmen, an erster Stelle. Beträchtliche Zahlen an Bürgern in mehreren anderen Ländern haben Flüchtlinge ebenfalls mit offenen Armen willkommen geheißen.

Die zweite Kategorie besteht hingegen aus denen, die das Gefühl haben, dass das Leid der Flüchtlinge zwar beträchtlich ist, die möglichen negativen langfristigen Auswirkungen großer muslimischer Immigration aber von höchster Bedeutung sind. Diese Kategorie teilt sich in zwei Bereiche. Zu ihr gehören mehrere osteuropäische Länder, die von Europas Misserfolgen bei der Integration vieler bei früheren Einwanderungswellen angekommener Muslime gelernt haben. Sie ziehen es vor heute als unsensibel beim Import großer unentwirrbarer langfristiger Probleme betrachten zu werden. Das ist umso mehr der Fall, als EU-Präsident Donald Tusk die derzeitige Welle als lediglich beginnende Flut bezeichnete.[12]

Die antiislamischen Parteien bilden das zweite Element innerhalb dieser Kategorie. Die gegen Einwanderung eintretende Schweizer Volkspartei ist im schweizerischen Parlament bereits die größte Fraktion. In Frankreich deuten Umfragen an, dass in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen die Parteichefin des Front Nationale, Marine Le Pen, vorne liegen, während der aktuelle sozialistische Präsident François Hollande nicht in die Stichwahl gelangen wird.[13] Eine aktuelle Umfrage zeigte, dass in den Niederlanden die von Geert Wilders geführte antiislamische Partei PVV inzwischen die bei weitem stärkste ist.[14] In Schweden erhalten die Schweden-Demokraten weit höhere Anteile als sie derzeit in im Parlament Sitze haben.[15] Bei den Landtagswahlen im österreichischen Oberösterreich verdoppelte die rechtspopulistische FPÖ ihren Stimmenanteil auf 30%.[16]

Der von Kanzlerin Merkel beseelte Schub mehr Flüchtlinge aufzunehmen begünstigt indirekt Faschismus. Eine Umfrage Mitte September in Ungarn gab der neofaschistischen Jobbik-Partei 26%; in den Parlamentswahlen von 2014 hatte sie 20,5% erhalten.[17] Mit dem im Hinterkopf dürften die westlichen Behauptungen eines neuen Europa recht bald so dahinschwinden wie vor ein paar Jahren ein anderer utopischer Begriff: der Arabische Frühling.

Die dritte Kategorie besteht aus Regierungen und Menschen, die irgendwo dazwischen stehen. Ein Beispiel ist der britische Premierminister David Cameron. Sie sehen sowohl das Leid der Flüchtlinge als auch beträchtliche Probleme mit ihnen in der Zukunft. Daher versuchen sie Zwischenpositionen zu finden.

Für europäische Juden, regelmäßig ein Hauptziel muslimischer Terroristen, sind die Probleme akuter. Obwohl ISIS-Mörder unter den Immigranten oder potenzielle ISIS-Rekruten unter ihnen allgemein für ihre Gastgeber eine zusätzliche Gefahr darstellen, ist die Bedrohung für die europäischen Juden greifbarer.

Zusätzlich ist eine Reihe ankommender Muslime antisemitisch – und zwar nicht nur die Extremisten und die Rassisten, die den Koran wörtlich nehmen und glauben, dass Juden Tiere sind. So wird der Zustrom von mehr Muslimen in der Regel das Niveau des örtlichen Antisemitismus anheben. Das macht weniger Sorgen, solange der Prozentsatz neuer muslimischer Einwanderer im Verhältnis zu bereits vorhandenen muslimischen Bevölkerung in ihren neuen Gastgeberländern gering ist.

In den Ländern in denen das Verhältnis zwischen muslimischen Neueinwanderern und der bestehenden muslimischen Bevölkerung weit größer ist – wie in Schweden und Deutschland – sind zusätzliche Probleme für die jüdische Bevölkerung unvermeidbar. Es ist kein Trost, dass die Regierungen dieser Länder aufgrund ihrer Zuwanderungspolitik ebenfalls Probleme nationalen Ausmaßes schaffen. Der deutsche Geheimdienst hat bereits gewarnt, dass Salafisten unter den neuen Flüchtlingen Werbung rekurtieren.[18]

Eine dritte Frage ist, inwiefern die kleinen jüdischen Gemeinden in den verschiedenen Ländern die Freiheit haben zur Flüchtlingsfrage eine unabhängige Meinung zu haben. Es gibt in er österreichischen jüdischen Gemeinschaft einen große Debatte nach der Entscheidung ihrer Führung der antiisraelischen katholischen NGO Caritas Geld zu spenden.[19]

Die Europäische Union hat ihren Ursprung in einem löblichen Ziel: dem gemeinsamen Markt. Mehrere Schlüsselentscheidungen seit damals waren große Reinfälle. Eine solche war es, sich trotz des relativen Wohlstands Europas weiter auf das US-Militär zu verlassen. Die zweite war die Aufnahme eines massiven Zustroms muslimischer Immigranten ohne Auswahl; viele von ihnen wollten sich nicht integrieren oder konnten wegen der Unfähigkeiten der europäischen Länder nicht integriert werden. Die dritte war die Schaffung des Euro als gemeinsamer Währung, während es keine allgemeine europäische Wirtschafts- und Fiskaleinheit gibt. Derzeit könnte es sein, dass das Schengen-Abkommen zum freien Grenzübertritt beträchtlich eingeschränkt werden muss. Der erfahrene CDU-Politiker Kurt Biedenkopf sagte, dass die Römer so klug genug waren die Küsten auf beiden Seiten des Mittelmeeres zu kontrollieren. Das hat die Europäische Union jedoch nicht begriffen.[20]

Beim Begehen eines großen Patzers nach dem anderen hat die EU immer noch die Zeit gefunden Israel zu diskriminieren, indem man darauf besteht Produkte aus den umstrittenen Gebieten der Westbank und dem Golan mit gesonderter Kennzeichnung zu versehen. Solche Maßnahmen sind nicht für das türkisch besetzte Nordzypern getroffen worden.[21] Solches zweierlei Maß ist ein klassisches Beispiel für Antisemitismus. Um alles nur noch schlimmer zu machen, besucht eine Reihe europäischer Politiker den Iran – mit seiner völkermörderischen Politik gegenüber Israel – um für Geschäfte zu werben. Ich würde vorschlagen, dass das Simon Wiesenthal Center[22] die Europäische Union dieses Jahr mit auf seine diesjährige Liste der am stärksten für stark antisemtische Verleumdungen oder Aktivitäten setzt.[23]

[1] Manfred Gerstenfeld: Warum Israel den Konflikt in der Ukraine genau beobachten sollte. abseits vom mainstream, 21. Mai 2014.

[2] Manfred Gerstenfeld: Was Israel aus der Griechenland-Krise lernen sollte. abseits vom mainstream, 16. Juli 2015.

[3] Tom Miles: As refugee crises grows, U.N. agency faces questions. Reuters, 16. September 2015.

[4] Finland split over bibbest refugee influx since Russian Revolution. AFP (Agence de Feuille Politiques), 21. September 2015.

[5] Patrick Kingsley: Migrant crisis: up to 200 dead after boat carrying refugees sinks off Libya. The Guardian, 28. August 2015.

[6] Valentina Pop/Margit Feher: Croatia Buses Migrants to Hungary Border. The Wall Street Journal, 18. September 2015.

[7] Hungary to build anti-immigration fence on Romanian border. DW-News, 15. September 2015.

[8] Ungarn behandelt Flüchtlinge wie Tiere. DIE WELT (Video), 12. September 2015.

[9] Patrick Kingsley: Refugees stuck in no man’s land between Croatia and Serbia. The Guardian, 22. September 2015.

[10] Brandenburg: Geplante Flüchtlingsunterkunft in Nauen niedergebrannt. SPIEGEL online, 25. August 2015.

[11] Simon Gemperli: Brennende Asylheime in der Schweiz keine Seltenheit. Neue Zürcher Zeitung, 26. August 2015.

[12] Ian Traynor: EU refugee summit in disarray as Tuks warns ‚ greatest tide yet to come‘. The Guardian, 24. September 2015.

[13] Nick Hallett: Marine Le Pen would win first round of the next French presidential election if it were held now, a poll has found. Breitbart, 10. September 2015.

[14] PVV stijgt door I peiling. NOS, 20. September 2015. [Niederländisch]

[15] Poll: Sweden Democrats stagnate as left gains. The Local, 20. September 2015.

[16] FPÖ verdoppelt Stimmenanteil. DIE ZEIT online, 27. September 2015.

[17] http://www.electograph.com/2015/09/hungary-september-2015-ipsos-poll.html

[18] Junge Flüchtlinge „leichte Beute“ für Salafisten. DIE WELT, 22. September 2015.

[19] Benjamin Weinthal: Austrian Jews in bind over donation to anti-Israel NGO. The Jerusalem Post, 17. September 2015.

[20] Torsten Krauel: Merkel wird Europa verändern. DIE WELT, 21. September 2015.

[21] Eugene Kontorovich: How the EU directly funds settlements in occupied territory. The Jerusalem Post, 28. Dezember 2013. S. auch: Evelyn Gordon: EU sollt wegen Umgang mit „besetzten Gebieten“ Druck bekommen. abseits vom mainstream, 30. Juli 2015

[22] www.wiesenthal.com/site/pp.asp?c=lsKWLbPJLnF&b=6212365

[23] 2014 – Top Ten Worst Global Anti-Semitic/Anti-Israel Incidents. Simon Wiesenthal Center, 2014.

Frankreich: Anfangsdiagnose des neuen Antisemitismus

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Der Antisemitismus ist in Europa auf ein Niveau gestiegen, auf dem viele engagierte Juden sich fragen, ob sie nicht auswandern sollten. Dasselbe gilt auch für eine beträchtliche Anzahl stärker assimilierter Juden. Noch stärker in der jüdischen Gemeinschaft verbreitet ist die Frage, ob ihre Kinder in ihren Heimatländern bleiben sollten.

In einem Umfeld, in dem die jüdische Gemeinschaft große Zweifel bezüglich ihrer Zukunft hat, hilft es eine größere Perspektive zu gewinnen, indem man auf den europäischen Antisemitismus zurückblickt, der nach der zweiten Intifada im Jahr 2000 einen nie da gewesenen Stand erreichte.

Unter allen europäischen Ländern ist Frankreich aus einer Reihe von Gründen gut als Beispiel zu nutzen. Seit dem Jahr 2000 sind Niveau und Art der antisemitischen Vorfälle, die sich in Frankreich ereignen – zu denen mehrere Morde an Juden durch Muslime gehören – ernster als in anderen europäischen Ländern. Frankreich hat mit einer halben Million nicht nur die größte jüdische Gemeinde Europas, sondern mit geschätzten fünf Millionen auch die größte muslimische Gemeinschaft. Zusätzlich gab es in Frankreich die ersten hochrangigen Analysten, die zu Bewertungen des neuen Antisemitismus hervortraten, der sich in großem Maß vom klassischen religiösen und ethnischen Antisemitismus unterscheidet.

Die Arbeit dieser Analysten ist international nicht allzu bekannt, weil sie zumeist in Frankreich veröffentlicht wurde. Sie bleibt jedoch von großer Bedeutung, denn sehr viel von dem, was sie ursprünglich beobachteten, hat sich in noch größere Proportionen ausgeweitet. Das ist zu einem großen Teil dem Versagen der Regierungsbehörden geschuldet. Der Soziologe Shmuel Trigano, einer der führenden jüdischen Denker Europas, gehört zu den ersten, die einen substanziellen Beitrag zur Aufdeckung und Bewertung der Lage leisteten. Ende 2001 begann Trigano die Veröffentlichung einer Artikelserie mit dem Titel „Observatoire du monde juif“[1] (Beobachtung der jüdischen Welt); diese Serie lief über mehr als zweieinhalb Jahre.

Trigano hatte damit Erfolg die Zusammenarbeit einer beträchtlichen Anzahl an Autoren zu organisieren, die viele Aspekte der von Hass getriebenen Ausbrüche analysierten. Die erste Ausgabe – datiert vom November 2001 – hatte Titel zum Inhalt, die auf das Klima für die französische jüdische Gemeinschaft hinwiesen: „Zielt die Intifada gegen die Juden Frankreichs?“, „Eine Atmosphäre der Unsicherheit“, „Der Nahost-Konflikt wird in westliche Demokratien exportiert“, „Religiöser Antisemitismus“, „Politischer Antisemitismus“ und „Die extreme Linke und ihre ideologischen Manipulationen“.[2] Das könnten durchaus Titel aktueller Aufsätze sein. Seitdem hat sich die Lage nur verschlechtert.

In einer der 2002 veröffentlichten Ausgaben erklärte Alexandre del Valle in einem Artikel mit dem Titel „Die neuen roten, braunen und grünen Gesichter des Antisemitismus“ das Zusammenlaufen verschiedener Totalitarismen; das bezog sich auf das Zusammentreffen von Kommunismus, Faschismus und Islamismus in Bezug auf Antisemitismus.[3] In der nächsten Ausgabe beschrieb Michèle Tribalat, dass das islamistische Netzwerk voller Botschaften war, die Israel mit den Nazis gleichsetzte.[4]

Ein weiterer wichtiger Wissenschaftler, der sehr viel zur Diagnose der antisemitischen Realität in Frankreich beitrug, ist Pierre-André Taguieff. Dieser nichtjüdische Philosoph veröffentlichte sein Buch „Die neue Judenphobie“ im Jahr 2002; es trug Wichtiges zum Verständnis des Antiisraelismus bei. Taguieff diskutierte diese neueste Mutation des Antisemitismus und wie sie das französische Judentum traf. Er stellte fest, dass zwar der klassische Antisemitismus als politisch inkorrekt betrachtet wird, Antiisraelismus aber nicht solchem Widerstand begegnete und damit in der Lage war sich rasch auszubreiten.

Taguieff entlarvte den Prozess, mit Hilfe dessen über die Verbrechen der angeblich Beraubten, einer Gruppe, zu der die Palästinenser zu gehören behaupten, hinweggesehen wird. Er beschrieb die Rolle der Medien bei der Rechtfertigung von Gewalt und der Darstellung von Kriminellen als Opfern. Er stellte heraus, dass der nächste Schritt im Verfälschungsprozess darin bestand zu erklären, dass die Kriminellen, jetzt als Opfer getarnt, für ihre Taten nicht zur Verantwortung gezogen werden durften, weil sie durch ihre sozio-ökonomischen Umstände geformt wurden.

Taguieff entlarvte auch weitere Schlüsselthemen wie den Glauben, dass Muslime und Araber sich so verhalten, wie sie es tun, weil sie angeblich erniedrigt oder verfolgt sind. Er identifizierte den neuen Mythos des „eigentlich guten Palästinensers“ oder – mit anderen Worten – dass die Palästinenser nicht Falsches tun können. Taguieff erklärte, dass blinder Pazifismus sowohl den Aggressor als auch sein Opfer auf dasselbe moralische Niveau stellt und legitime Selbstverteidigung in ein kriminelles Vergehen kehrt.[5] Heute können wir viele Beispiele dieses Phänomens sehen, einschließlich des neu veröffentlichten Berichts des UNO-Menschenrechtsrats zum Gazakrieg von 2014.[6]

Taguieff entlarvte auch den weit verbreiteten Trugschluss, dass Islamophobie ein größeres Problem sei als Antisemitismus. Das Risiko von Juden in Frankreich, angegriffen zu werden, war und bleibt viele Male größer als das Risiko von Muslimen, angegriffen zu werden.

Ein weiterer wichtiger Beiträge leistender dafür Frankreichs fortgesetzten Verfall zu verstehen, war Emmanuel Brenner, das Pseudonym des Historikers Georges Bensoussan. Zusammen mit einer Reihe anderer Mitwirkender veröffentlichte er 2002 ein Buch, dessen Titel mit „Die verlorenen Territorien der französischen Republik“ übersetzt werden kann. Die Autoren analysierten den Zusammenbruch von Recht und Ordnung in mehreren Bereichen der französischen Gesellschaft; sie wiesen auf die Angst von Polizisten hin, bestimmte städtische Bereich zu betreten, die hauptsächlich von nordafrikanischen Immigranten und deren Nachkommen bewohnt sind. Sie analysierten zudem den Zusammenbruch der Gesellschaft in Teilen des Schulsystems, wo Antisemitismus, Rassismus und sexuelle Diskriminierung grassieren. Sie berichteten, dass in Schulen mit großen muslimischen Mehrheiten Kinder mit anderem Hintergrund oft derart eingeschüchtert werden, dass sie versuchen ihre Identität zu verbergen.[7]

Ebenfalls in Frankreich wurde die erste Regierungsstudie zum massiven neuen Ausbruch von Antisemitismus in Europa durchgeführt. Sie wurde 2003 von Nicolas Sarkozy angeordnet, der damals Innenminister war. Der Autor der Studie war der Arzt, Diplomat und Menschenrechtsaktivist Jean-Christophe Rufin, der den Kern vieler der mit Antisemitismus und Rasse in Verbindung stehenden Probleme Frankreichs identifizierte, die nicht nur fortbestehen, sondern auch exponentiell zunehmen. Dieses Dokument verdient eine eigene Analyse.[8]

[1] http:// obs. Monde.juif.free.fr/

[2] ebenda.

[3] Alexandre del Valle: Les nouveaux visage rouge-bruns-verts de l’antisémitisme. Obeservatoire du monde juif, Bulletin Nr. 3, Juni 2002.

[4] Michèle Tribalat: L’obsession anti-israélienne sur le net islamique. Observatoire du monde juif, Bulletin Nr. 4/5, Dezember 2002.

[5] Pierre-André Taguieff: Rising from the Muck: The New Anti-Semitism in Europe. Chicago (Ivan R. Dee) 2004). Im französischen Original wurde es veröffentlicht unter dem Titel: La nouvelle judéophobie. Paris (Fayard/Mille et Une Nuits) 2002.

[6] Bericht der detaillierten Feststellungen der Untersuchungskommission des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen zum Gaza-Konflikt von 2014 (A/HRC/29/CRP.4), veröffentlicht am 22. Juni 2015.

[7] Emmanuel Brenner: Les territoires perdus de la République: Antisémitisme, racisme et sexisme en milieu scolaire. Paris (Mille et Une Nuits) 2004 (französisch).

[8] http://www.interieur.gouv.fr/rubriques/c/c2_le_ministere/c21_actualite/2004_10_19_rufin/rapport_Rufin.pdf

Die selektive Identität niederländischer Juden

Manfred Gerstenfeld interviewt Carlo van Praag (direkt vom Autor)

In den Niederlanden leben schätzungswiese 53.000 Juden. Diese Zahl basiert auf zwei demografischen Studien, die in der jüdischen Gemeinschaft durchgeführt wurden – die erste 1999, die zweite 2009. Der Hauptgrund für diese Studien bestand darin, die Rolle des Bandes zwischen Juden und Judentum zu ermitteln. Viele der Interviewten zögerten, wenn sie ihr Jüdisch definieren sollten. Die Zahl oben spiegelt eine heterogene Bevölkerung; rund 30.000 oder 57% identifizieren sich als Juden, während 17.000 von sich sagen, sie haben „jüdische Wurzeln“.

Rund 7% betrachten sich in bestimmten Momenten als Juden. Das Phänomen sich jüdisch zu „fühlen“ kann zum Beispiel aufkommen, wenn man sich unter Juden befindet oder auch wenn man sich unter Nichtjuden befindet. Es kann auch aufkommen, wenn man mit Antisemitismus oder mit Kritik an Israel durch Nichtjuden konfrontiert wird. Rund 4% betrachten sich als nicht jüdisch. Nur 1% der Juden sind Konvertiten.

Praag, Carlo van
Carlo van Praag

Carlo van Praag hat an der Universität Amsterdam Sozialgeografie studiert. Er war bis zu seinem Ruhestand stellvertretender Direktor des Sozialen und Kulturellen Planungsbüros, einer Regierungsbehörde, die soziale Forschung betreibt und die niederländische Regierung berät.

Er fügt hinzu: Die Zahl derer in den Niederlanden, die nach dem jüdischen Gesetz Juden sind (halachische Juden) beträgt rund 37.000. Diese Bevölkerung hält ihre Anzahl zum Teil wegen der zunehmenden Zahl in den Niederlanden lebender Israelis, die derzeit etwa 9.000 beträgt. Sie bleiben allerdings oft nur zeitlich begrenzt im Land, da viele von ihnen Studenten sind oder wegen einer in den Niederlanden gefundenen Arbeitsstelle dort leben. Juden, die nur jüdische Väter oder Großväter haben, gelten nach dem jüdischen Gesetz nicht als Juden.

Im Verlauf der letzten zehn Jahre ist die Assimilierung der Juden in den Niederlanden weiter fortgeschritten, so wie vielerorts in Europa sonst auch. Der andere deutliche Trend ist die Abnahme der Mitgliedschaft in jüdischen Organisationen. Mischehen sind sowohl ein Indikator als auch ein Stimulator der Assimilation. Einerseits führten sie zu größerer Stabilität bei den Zahlen der niederländischen Juden. Andererseits nimmt die Intensität der Bindung an das Judentum ab.

Rund 19% der Juden betrachten Antisemitismus als wichtiges Thema in den Niederlanden. Der Prozentsatz derer, die sagen, dass sie persönlich Antisemitismus erlebt haben, ging jedoch im Verlauf der letzten zehn Jahre zurück und steht aktuell bei 22%. Ein niederländischer Jude, der wie ich in einem achtbaren Viertel wohnt, leidet nicht darunter. Lebt man jedoch in einem angesagten Viertel zusammen mit vielen muslimischen Einwanderern oder ihren Nachkommen, dann wird man als Jude zum Ziel, da viele dieser Muslime sich mit den Palästinensern identifizieren.

Unsere Studie von 2009 zeigt, dass die organisierte jüdische religiöse Gemeinschaft um die 9.000 Mitglieder zählt. Die größte war die niederländisch-aschkenasische Gemeinde (NIK), gefolgt von der progressiven (liberalen) Gemeinde; nur 3% gehörten zur portugiesisch-sephardischen Gemeinde.

Das Band zum Judentum ist von vielfältiger Beschaffenheit. Es besteht zum Beispiel aus selektiver Teilnahme an religiösen Aktivitäten, Feiertagen und Bräuchen. Oft entscheiden sich Menschen nur an „einfachen“ Aktivitäten teilzunehmen. Es hat eine Zunahme von Juden gegeben, die an Passah-Sedern teilnehmen, Matzen essen und Bar- bzw. Bat-Mitzwa-Feiern haben. Andererseits befolgen nur 5% der niederländischen Juden den koscheren Speisevorschriften und etwas derselbe Prozentsatz hält alle Sabbat-Gesetze ein. Ein etwas größerer Anteil verzichtet auf Schweinefleisch. Mit anderen Worten: Je angenehmerer und festlicher Aktivitäten sind, desto mehr Juden halten sich an diese jüdischen Bräuche. Es ist fordernd, regelmäßig Gottesdienste in der Synagoge zu besuchen und noch mehr, koscher zu essen; daher haben diese Aktivitäten nachgelassen.

Eine zweite Methode das Band zum Judentum beizubehalten besteht darin einen hohen Anteil jüdischer Freunden zu haben, Mitglied in einer jüdischen Organisation zu sein und das Fortbestehen der jüdischen Gemeinde für wichtig zu erachten.

Eine dritte Art von Band drückt sich durch Interesse an jüdischer Kultur aus. Beispielsweise nehmen Menschen an jüdischen kulturellen Aktivitäten teil, sehen jüdische Fernsehprogramme oder hören jüdische Radiosendungen.

Eine vierte Art ist die Pflege der Verbindung zu Israel: Folgt man den Nachrichten über Israel, verteidigt man Israel und spendet man an pro-israelische Organisationen?

Man kann die Verbindung zum Judentum in zwei große Kategorien unterscheiden, die recht unabhängig voneinander sind. Die erste ist von positiver Eigenart – das sogenannte religiös-kulturelle Band. Es drückt sich in aktiver Teilnahme am jüdischen Leben und der Bedeutung, die dem Beibehalten eines jüdischen Lebens gegeben wird, sowie dem Gefühl der Solidarität mit der Gemeinschaft, aus.

Die zweite Form ist negativer Natur. Sie gründet auf der jüdischen Erfahrung während des Zweiten Weltkriegs und/oder Antisemitismus. Damit ist das Ausdruck einer Empfindsamkeit für das, was in der Vergangenheit geschah oder für das, was heute geschieht.

Das positive Band ist für die Identifikation eines Einzelnen mit dem Judentum weit wichtiger als das negative. Ohne Einbezug des Themas Zweiter Weltkrieg würden sich allerdings eine Reihe der befragten sich nicht als Juden verstehen.

Heute identifiziert die Mehrheit der niederländischen Juden sich weiter mit dem Judentum. Das gilt besonders für diejenigen, deren Eltern beide Juden sind. Ich teile aber die Ansicht, dass das Judentum in Westeuropa bis auf kleine Überbleibsel verschwinden wird. Die Frage ist, wie lange der andauernde Assimilierungsprozess dauern wird. In der Zukunft könnten jedoch unerwartete Ereignisse diesen Trend brechen.

Weiter nichts Neues in den Niederlanden

Vor einigen Wochen hatte sich die Regierung von Luxemburg für die Rolle ihres Landes bei der Kollaboration mit den Nazis im Holocaust entschuldigt. 70 Jahre dem Krieg scheint das reichlich spät zu sein, aber für Opfer ist es sicherlich trotzdem wichtig, dass Geschichte auch nach so langer Zeit geklärt wird. Das zeigte sich auch bei einer Veranstaltung im Simon Wiesenthal Center in Los Angeles, wo sich die Firma Mitsubishi offiziell bei einem amerikanischen Soldaten und überlebenden Kriegsgefangenen entschuldigte.

Eine solche Entschuldigung zeigt, dass die Nachfolger bzw. Nachkommen der Täter mit den Verfolgten in der historischen Interpretation der Ungerechtigkeit bzw. der Taten einer Meinung sind.

Die luxemburgische Entschuldigung kam sehr spät. Man sollte meinen und glauben, dass die (west-) europäischen Ländern damit ihren Anteil am Holocaust aufarbeiten und den ersten Schritt abgeschlossen haben. Dem ist aber nicht so, denn es gibt eine Regierung, die sich immer noch weigert dies zu tun. Wie Manfred Gerstenfeld schon mehrfach auf meinem Blog dokumentiert hat, sind die Niederlande ein Staat, der sich immer noch weigert das zu tun.

Bei Beginn der deutschen Besatzung lebten 140.000 Juden in den Niederlanden. 102.000 wurden bis 1945 ermordet. Sie wurden von niederländischen Polizisten verhaften, von der niederländischen Eisenbahn abtransportiert, von niederländischer Militärpolizei bewacht.

Die niederländische Exilregierung, berichtet Gerstenfeld zusammen mit Rabbi Abraham Cooper vom Simon Wiesenthal Center im Wall Street Journal, fragte erst rund 18 Monate nach Beginn der Deportationen in die Todeslager nach dem Schicksal dieser Juden. Ein Niederländer schrieb einen Bericht darüber, in dem stand, dass nach seiner Schätzung bereits 90% der Deportierten ermordet worden waren. Niemand in der Exilregierung war bereit den Bericht auch nur zu lesen.

Es gibt in den Niederlanden keinen Widerstand sich für Fehler zu entschuldigen. Die Regierung entschuldigte 2011 sich bei Witwen in Indonesien für ein Massaker an ihren Männern, das niederländische Soldaten 1947 verübt hatten. Der niederländische Verteidigungsminister entschuldigte sich bei den Familien bosnischer Muslime, die in Srebrenica von Serben ermordet wurden, nachdem niederländische Blauhelme sie nicht schützten, sondern aus einer Kaserne warfen. Es gibt weitere Beispiele.

Es mangelt auch nicht an Forderungen von Niederländern, dass es eine offizielle Entschuldigung geben muss, darunter auch frühere Regierungsmitglieder und selbst ein ehemaliger Premierminister. Man kann natürlich fragen, warum der das nicht in seiner Amtszeit gemacht hat, aber er ist inzwischen zur Einsicht gekommen. Anders als die aktuelle Regierung unter Mark Rutte, der sich mehrfach weigerte; er verwies lediglich auf eine Rede von Königin Beatrix in der Knesset, in der diese bedauert hatte, dass das Volk der Niederlande es nicht geschafft hatte ihre jüdischen Mitbürger vor der Vernichtung zu retten. Eine Verweis auf aktives Mittun von niederländischen Behörden, Polizei usw. und das Verhalten der Regierung im Exil fehlte damals auch schon. Eine Entschuldigung war das nicht.

Darüber, warum die Regierung Rutte eine Entschuldigung weiter verweigert, kann nur spekuliert werden. Fakt ist: Die Niederlande als Staat weigern sich ihre Schuld einzugestehen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich das irgendwann ändert. Die Erfahrung lässt leider vermuten, dass die Regierung mit massivem Druck dazu gezwungen werden muss – Druck von innen, aus der Bevölkerung. So wie bei einigen anderen Dingen, die sich niederländische Regierungen und Behörden nach dem Krieg leisteten.