BDS-Gewalt in Amsterdam: Ich war da

Sie saßen bei meinem Vortrag in Amsterdam im Publikum und sind jede Woche auf dem Dam-Platz. Die Polizei allerdings nicht.

Barry Shaw, Israel National News, 20. März 2017

Barry Shaw (PR)

Als ich in Holland zu Besuch war um zu jüdischem und christlichem Publikum zu sprechen und private Treffen mit pro-israelischen Führungspersönlichkeiten wahrzunehmen, wurde mir erzählt, wie sehr niederländischen Juden zunehmend Angst haben sich zu äußern oder ihre Unterstützung Israels zu zeigen. Ihre größte Angst rührt von der bedrohlichen Atmosphäre her, die von antiisraelischen Protestlern und BDS-Aktivisten angeheizt wird.

Ich wurde Rabbi Benjamin Jacobs vorgestellt; er ist der Leiter der jüdischen Gemeinschaft in den Niederlanden und das Opfer von fünf Übergriffen. Juden sind im gleichen Verhältnis zum Aufstieg von BDS und anderem antiisraelischem Aktivismus angegriffen worden.

Es überraschte daher, dass bei meinem Vortrag vor den jüdischen Publikum im Liberalen Jüdischen Zentrum in Amsterdam drei Personen im Publikum saßen, von denen mir gesagt wurde, das sie führende Mitglieder der niederländischen BDS seien. Sie saßen hier im Anne-Frank-Saal in Anwesenheit der Leute, die mir sagten, sie hätten Angst vor ihnen.

Ich verwickelte sie gezielt in einen öffentlichen Dialog. Einer gab offen zu, dass BDS das Ziel einer Einstaatenlösung verfolgt und keinen Zweistaaten-Frieden. Mit anderen Worten: Er war Omar Barghouti treu, dem BDS-Gründer, der immer für das Ende des jüdischen Staates Israel eintrat. Dieser Typ mit seinem braunen Hemd, auf dem „BOYCOTT ISRAEL“ auf den Hintergrund einer palästinensischen Flagge gestickt prangte, teilte bestimmt das Ziel eines Palästinenserstaats „vom Fluss bis zum Meer“.

Am Ende wischte ich mit ihm den Boden in einem Wortwechsel, in dem ich all die emotionalen Worthülsen, die er Israel entgegenschleudern konnte. Ich zeigt ihm – aber wichtiger noch: dem Publikum – dass die Beleidigungen, mit denen er nach Israel warf, in höchstem Maße auf die Israel umgebenden arabischen Regime und die Palästinenser selbst zutreffen.

Apartheidstaat? Sehen Sie sich Jordanien an, das zehntausende Araber und Muslime siebzig Jahre lang staatenlos in Flüchtlingslagern hielt.

Ethnische Säuberung? Sehen sie sich das Abschlachten von Palästinensern und die Massendeportation von Palästinensern aus Kuwait?

Blockade des Gazastreifens? Was ist mit Ägyptens totaler Blockade des Gazastreifens im Vergleich mit den tausend LKWs, die tagtäglich aus Israel in den Gazastreifen strömen?

Menschenrechte? Dieser „propalästinensische“ BDS-Fürsprecher protestierte nie gegen die grauenhaften Menschenrechtsverletzungen, die gegen sein eigenes Volk sowohl von der Fatah als auch der Hamas begangen werden.

Die BDS-Scheinheiligkeit ist atemberaubend. Ihre Argumente mögen für die Uninformierten emotional eloquent sein, aber für die, die die Fakten kennen, sind sie intellektuell dumm. Warum haben dann die Juden in Holland Angst diesen Idioten die Stirn zu bieten?

BDS-Aktivisten zeigen regelmäßig ihre Dummheit. Nehmen wir zum Beispiel den Fall des BDS-Idioten, der, nachdem er den Morgen am Dam-Platz verbrachte, um Leute zu überzeugen Israel zu boykottieren, in ein Falafel-Café ging, um seinen Hunger zu stillen. Dieser Dummkopf war sich nicht bewusst, dass er sein Geld einer Fastfood-Kette in israelischem Besitz ausgab! Reden wir von dumm und dümmer.

Was an Holland und besonders in Amsterdam besonders beunruhigt, ist, dass der BDS erlaubt wird jede Woche ihre Lügen am Dam-Platz anzupreisen, während proisraelische Aktivisten Probleme haben eine Erlaubnis zu bekommen Gegenveranstaltungen auf demselben Platz zu veranstalten.

Allerdings entschieden sich zwei mutige und beharrliche junge Frauen, Brenda Aartsen und Sabine Sterk jeden Sonntag, wenn die BDS-Letue ihre antiisraelischen Vorführungen veranstalten, in israelische Flaggen gehüllt Israel präsentieren. Andere haben sich ihnen angeschlossen, haben angenehme Gespräche mit Touristen und Besuchern und zeigen jetzt ein großes Bodenposter mit dem Namen ihrer Gruppe „Zeit für Israel einzustehen“.

Das hat den BDS-Mob zur Raserei und Gewalt getrieben.

Am Sonntag, 12. März 2016 zeigte ein Hitzkopf das wahre Gesicht des BDS. Er sagte einer der in eine israelische Flagge gehüllten jungen Frauen: „Du Sch…-jüdische Zionistin! Geh in dein eigenes Land und demonstriere dort.“ Die geschmähte Frau war weder Israelin noch jüdisch. Als der Täter sah, dass ein Mann Bilder davon machte, griff er ihn an. Andere kamen dem Kameramann zu Hilfe und der BDS-Hooligan griff noch einen Mann so heftig an, dass dieser Kopfwunden erlitt. Die Polizei war zur Zeit des Vorfalls nicht auf dem Platz. Sabine folgte dem Angreifer, als sie die Notrufnummer der Polizei wählte. Als er sie ihm folgen sah ging er auf sie los; zwei Männer schützten sie von seinem Angriff. Er schaffte es ihr ins Gesicht zu spucken, bevor die Polizei kam und ihn festnahm.

Bei einem früheren Vorfall erhielten die jungen Frauen Morddrohungen von Haya el-Fatahi, einer radikalisierten Muslima. Eine Woche später kehrte diese Frau auf den Dam-Platz zurück und schlug Sabine die Kamera aus der Hand; aber Sabine schaffte es die Gewalt zufilmen. El-Fatahis Gerichtsverfahren ist für den 10. Mai angesetzt.

Jüdische und proisraelische Gemeinschaften in Holland haben echte Ursache für Sorge. Die Beschwerden, die ich höre, lauten, dass sie sich von der Polizei und den Behörden nicht geschützt fühlen, die sonntags auf dem Dam-Platz unerwartet abwesend sind.

Wenn die frohe Anwesenheit von in israelische Flaggen gehüllte Frauen an diesem zentralen Ort in Amsterdam gebracht wird, bricht die „Hasst Israel“-Brigade in Gewalt aus. Der hartnäckige Widerstand der beiden christlichen jungen Frauen und anderer Einzelpersonen, die sich ihnen angeschlossen haben, hat Beifall verdient. Sie sind bereit auf den Platz zu gehen, um angesichts der Lügen und Drohungen eine israelische Sicht zu offerieren.

Diese beiden jungen Frauen zeigen dem Rest von uns, dass es wirklich an der Zeit ist für Israel einzustehen.

Antisemitismus und Aliyah

Isi Leibler, The Jerusalem Post, 8. März 2017

Politische Korrektheit scheint uns dazu zu verdonnern mit dem Skandieren des Mantras weiterzumachen, dass es uns verboten ist Antisemitismus als Ursache für Umzüge nach Israel zu nennen und darauf zu bestehen, dass heute die einzige Motivation für Aliyah darin besteht, einem engagierten Juden die Möglichkeit zu geben ein wahrhaft jüdisches Leben in seiner Heimat zu führen.

Ohne dem zu widersprechen ist es höchste Zeit, dass die Diaspora-Juden in vielen Teilen der Welt ihre Weigerung ablegen und sich der Realität stellen. Sie müssen anerkennen, dass alle Indikatoren voraussagen, dass ihre Lage sich nur verschlechtern wird und dass in einigen Ländern ein Aufruf zu Aliyah angesichts des zunehmenden Antisemitismus berechtigt ist.

Die fieberhafte Zunahme des Antisemitismus ist ein weltweites Phänomen. Während aber Judenhass in den Vereinigten Staaten, Kanada und Australien von dem weit entfernt ist, was in Europa und Südafrika geschieht, gibt es selbst dort ein Hexengebräu aus muslimischem, linkem und Neonazi-Hass, der Einfluss nimmt.

In den Vereinigten Staaten kommt die Hauptbedrohung neben Bombendrohungen und Friedhofsschändungen aus kombinierten linksextremen und muslimischen Antisemiten, in erster Linie an Universitäten, wo jüdische Studenten zunehmend eingeschüchtert werden.

Die linksliberalen Juden, die darin versagten auf Barack Obamas bösartigen, antiisraelischen diplomatischen Angriffe zu reagieren und das Gift an den Uni herunterspielten, propagieren jetzt eine voreingenommene politische Agenda, mit der sie Präsident Donald Trump für die jünsten Drohungen und Schändungen verantwortlich machen. Sie unterstützen sogar Anti-Trump-Bewegungen, die von Antisemiten und ehemaligen islamischen Terroristen geführt werden. Mit der Werbung für diese niederträchtige Kampagne schaffen sie Verbitterung bei bisher pro-israelischen christlichen Elementen.

Trotz dieser Spannungen ist die Vorhersage einer Aliyah-Welle aus den USA in Reaktion auf Antisemitismus unsinnig. Grundsätzlich sind die Amerikaner das am wenigsten antisemitische Volk der Welt. Die stärker assimilierten jüdischen Linken lassen Israel im Stich und die Chancen, dass sie weiter jüdisch bleiben, stehen nicht gut. Die Hauptaliyah aus den USA, wie aus Kanada und Ausrlaien, wird weiterhin in kleinen Anzahlen orthodoxer und engagierter Juden sein, die ihre langfristige Zukunft als Juden in Israel sehen.

Aber in Europa ist alles ganz anders. Hier nimmt der Antisemitismus direkt Einfluss auf Juden, die bereits dem Status der Parias unterworfen worden sind und deren Lebensqualität im Alltag sich mit Sicherheit verschlechtern wird.

Das soll nicht nahelegen, dass Juden in Europa vor der unmittelbar bevorstehenden Auslöschung stehen, wie es am Vorabend des Holocaust der Fall war. Die Existenz eines jüdischen Staates, der bereit ist für jeden Juden einen sicheren Hafen zu stellen, bietet eine Versicherung, dass eine solche Situation niemals wieder eintreten wird.

Aber die Qualität jüdischen Lebens in Europa heute rechtfertigt einen Aufruf zur Massenemigration.

Welche Art von Leben ist es für einen Juden, wenn er Angst haben muss in der Öffentlichkeit mit einer Kippa oder einem anderen äußeren Zeichen seines Judentums gesehen zu werden, das ihn zum Ziel für Gewalt oder einen Magnet für wildgewordene Terroristen macht?

Oder wenn Schulen, Synagogen und jeder andere Ort, an dem Juden sich treffen, militärische Schutzmaßnahmen brauchen oder jüdische Gemeinde dazu verpflichtet werden für ihre eigenen Sicherheitsdienstleistungen aufzukommen? Wer hätte vor nur zehn Jahre von einer solchen Situation geträumt?

Wer hätte sich vorstellen können, dass die besten Universitäten im Vereinten Königreich und Europa in Plattformen für antiisraelische und antisemitische Aktivitäten verwandelt werden und die regelmäßig jüdische Studenten einschüchtern, ihnen die freie Meinungsäußerung verweigern und pro-israelische Redner daran hindern eine gleiche Chance zu haben ihren Fall zu präsentieren?

Folglich versuchen viele jüdische Studenten ihr Jüdisch sein zu verbergen und einige übernehmen führende Rollen als schicke antizionistische Aktivisten, um sozial akzeptiert zu werden. Es ist eine Albtraum-Situation, an die die meisten Juden sich einfach als unausweichlich negativen Aspekt ihres Lebens angepasst haben.

Gewalttätiger islamischer Terrorismus, einschließlich der einheimischen Variante, ist heute für die Europäer eine tägliche Bedrohung. Der Zustrom an „Flüchtlingen“, von denen viele tief im Antisemitismus stecken, hat dieses Problem nur verschärft und wo immer möglich zielen barbarische islamische Terroristen in erster Linie auf Juden.

Während die meisten Regierungen Lippenbekenntnisse für den Kampf gegen den Antisemitismus abgeben, nimmt der „Volks“-Hass auf Juden zu und Israel wird – trotz klarer Beweise des Gegenteils – beschuldigt, die Quelle des islamischen Extremismus zu sein.

In den Medien und auf der politischen Bühne grassiert Antisemitismus, aber selbst die geringste Kritik an islamischem Extremismus führt zu Islamophobie-Vorwürfen und Anklagen des „Rassismus“, was eine Beeinträchtigung der freien Meinungsäußerung spiegelt, wenn es darum geht islamisch-extremistische Aktivitäten zu entlarven.

Die Lage ist in jedem Land ein wenig anders. Osteuropäische Länder sind weniger feindselig als ihre westlichen Gegenüber. Frankreich ist am extremsten. In Großbritannien ist die Lage, rotz einer positiven Regierung, an der Basis katastrophal und man kann angesichts des tief sitzenden Hasses auf Israel und Juden, wie er durch Demonstrationen und Reaktionen in den sozialen Medien und beliebten Zeitungen dokumentiert sind, nur schockiert sein.

Dazu kommt Jeremy Corbyn, der Parteichef der Opposition, der nur als linkes Pendant des verstorbenen britischen Faschistenführers Oswald Mosley beschreiben werden kann. Zu seinen Freunden und Verbündeten gehören islamische Terroristenhelfer und unverblümte Antisemiten.

Seine Wahlaussichten sind heute trübe. Aber wenn man die Liberaldemokraten beiseite lässt, hat Britannien ein Zweiparteien-System. Sollte die gegenwärtige Regierung einer Finanzkrise begegnen, deuten Präzedenzfälle an, dass die Wähler schlicht gegen den Amtsinhaber stimmen würden. Sollte der Labour Party mit ihrer derzeitigen Führung unter solchen Umständen die Zügel der Macht übergeben werden, wäre das katastrophal und das Königreich würde die erste Land mit einer gewählten, wahrhaft antijüdischen Regierung in Westeuropa seit dem Zweiten Weltkrieg werden.

Der Einfluss der massiven arabischen Migration auf die Lebensqualität hat enormes Ressentiment in ganz Europa geschaffen. Zusammen mit Trumps unerwartetem Wahlsieg in den USA sind viele antiarabischen, populistischen Parteien sehr mächtig geworden. Einige davon, wenn sie kleine Randparteien sind, beherbergten antisemitische Elemente, obwohl die Antisemiten in den meisten Fällen in Frankreich und Österreich aus den Parteien ausgeschlossen wurden, die breitere Akzeptanz suchten.

In Frankreich finden sich viele Juden in einer Zwickmühle, das sie vor Wahlen und der wenig beneidenswerte Aufgabe des Abstimmens stehen, ob nun für instinktiv israelfeindliche Mitte-Links-Gruppen, populistische Parteien, die früher schon antisemitische Bestandteile hatten oder sich enthalten.

Die Lage ist für ultraorthodoxe Juden, die in ghettoartigen Gesellschaften leben, nicht so akut. Aber wegen ihrer markanten Kleidung sehen sie sich auf der Straße zunehmender Feindschaft gegenüber.

Diejenigen, die sich nicht länger um ihr Jüdisch sein kümmern, versuchen sich unauffällig zu verhalten und versuchen ihre jüdische Identität abzulegen. In den meisten Fällen werden ihre Kinder sich nicht länger als Juden betrachten.

Es sind die verbliebenen engagierten Juden, die sich einer verfahrenen Situation gegenüber sehen. Viele von ihnen leben unter Mitjuden und sind Antisemitismus selten direkt ausgesetzt. Sie leben in Verweigerung und tun die Feindseligkeit und die Diskriminierung, die ihre Kinder erdulden, philosophisch ab.

Juden sollten nicht bereit sein unter solchen Umständen zu leben. Es gibt in keiner Gesellschaft eine Garantie, dass Kinder die Traditionen ihrer Eltern beibehalten werden. Aber im heutigen Europa ist es fast unmöglich irgendwie Zuversicht zu haben jüdische Enkel zu erziehen, die ihr Erbe bewahren und stolz darauf sind. Für viele ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie ihre jüdische Identität aufgeben.

Es ist an der Zeit sich klar zu äußern. Die Umstände für Juden werden sich in Europa fast mit Gewissheit verschlimmern, selbst in Ländern wie Großbritannien. Juden, die ihr Erbe schätzen und sich wünschen, dass ihre Kinder und Enkel stolze und engagierte Juden bleiben, sollten alles unternehmen um wegzugehen.

Zu emigrieren ist keine leichte Herausforderung. Lässt man unvermeidliche soziale Verlagerung außen vor, können wohlhabende Familien sofort einpacken und wegziehen und in vielen Fällen weiter komfortabel leben.

Doch selbst wenn man die Tatsache zugesteht, dass Israel heute über eine der erfolgreichsten Wirtschaften der Welt verfügt, werden viele Familien im mittleren Alter es schwierig finden sinnvolle Arbeit zu finden. Die meisten werden bleiben.

Sie sollten wenigstens ihre Kinder ermutigen sich in Israel niederzulassen. Diese werden den Vorteil haben eine enorme Vielfalt an Karrieremöglichkeiten vorzufinden und in einem Umfeld zu leben, das es ihnen ermöglicht stolze Juden zu sein, die am Wachstum ihres Heimatlandes beteiligt zu sein.

Die niederländischen Parlamentswahlen, Israel und die Juden

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Geert Wilders‘ populistische Freiheitspartei (PVV) spielt bei den bevorstehenden niederländischen Parlamentswahlen am 15. März eine zentrale Rolle. Dafür gibt es mehrere Gründe. Deutschlands offene Grenzen, das Brexit-Referendum und die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten haben dem Populismus eine Menge Aufmerksamkeit gebracht und ihn mancherorts stimuliert. Wilders‘ Verurteilung durch ein niederländisches Gericht[1], nachdem er zusammen mit seinen Anhängern rief, er wolle weniger Marokkaner, könnte der PVV weitere Wähler gebracht haben. In verschiedenen, allerdings unzuverlässigen Meinungsumfragen liegt die PVV bereits seit vielen Monaten beständig an der Spitze. Sie könnte eventuell die Zahl ihrer Parlamentssitze auf 30 der insgesamt 150 verdoppeln.

Das Wahlprogramm der Partei macht eine Koalition mit anderen Parteien schwierig bis unmöglich. Die niederländischen Parteien veröffentlichen in der Regel ein detailliertes Wahlprogramm, das sie dem Zentralen Planungsbüro vorlegen, damit dieses berechnet, ob das vorgeschlagene Handeln sich in geeignete Haushaltsentwürfe umsetzen lassen.[2] Wilders betrachtet diese Vorgehensweise als Unsinn. Er hat angekündigt, dass das PVV-Wahlprogramm nicht mehr als eine einzige Seite lang sein würde, die bereits veröffentlicht wurde.[3]

2016 setzte ein Mitglied des Senats aus der Liberalen Partei VVD – ohne signifikante Untermauerung – die PVV auf eine Stufe mit der niederländischen Nazikollaborationspartei NSB und verglich Wilders mit Hitler.[4] Wilders seinerseits sagt, dass der Islam möglicherweise gefährlicher ist als der Nationalsozialismus.[5]

Wilders‘ neueste Position lautet, dass der Koran „toleriert“ werden sollte. Er sagt, dieser sei voller Gewalt. Früher hatte Wilders angeregt das heilige Buch des Islam zu verbieten, da es mehr antisemitischen Hass beinhalte als Hitlers Mein Kampf. Der Vergleich mit Mein Kampf ist in der Vergangenheit bereits von dem verstorbenen PVV-Europaparlamentarier Hans Jansen, einem Arabisten, geäußert worden.[6]

Wilders bleibt dabei, er sei für die Schließung aller Moscheen und islamischen Schulen. Er merkte an: „Die Welt wäre schockiert, wenn es in den Niederlanden Nazi-Tempel gäbe. Der Islam gehört nicht in unser Land.“[7] Darüber hinaus will die PVV, dass die Niederlande die Europäische Union verlässt, für die das Land einen Nettobeitrag von mehreren Milliarden Euro leistet.[8]

Gemäß der PVV sollte die Militärpolizei die niederländischen Grenzen bewachen und Drohnen sollten über dem Land fliegen.[9] Andere Punkte des Programms der PVV sind: null Akzeptanz von Asylsuchenden, Abschaffung aller Entwicklungshilfe sowie die Beendigung der finanziellen Unterstützung für Griechenland.[10]

Die Niederlande sind ein traditionelles „Polderland“. Seine wichtigsten Städte liegen auf trockengelegtem Land unterhalb des Meeresspiegels. Das hat zu einer nationalen „Poldermentalität“ geführt, in der der historische Feind das Meer ist. Sobald ein Damm bricht, müssen alle Bürger zusammenarbeiten, um das Wasser draußen zu halten. Weigern sich einige, könnten alle ertrinken. Diese Poldermentalität findet ihren Weg in viele Sprichwörter. Eines lautet: „Wir müssen alle durch eine Tür.“ Das bedeutet unter anderem, dass man achtgeben muss niemanden zu stark zu beleidigen. Das schuf viele Nachkriegsjahrzehnte lang eine relativ milde Diskussionsatmosphäre.

All das hat sich durch die Immigration von einer Million Menschen aus muslimischen Ländern geändert, die hauptsächlich aus der Türkei und Marokko kommen. Sie und ihre Nachkommen stellen sechs Prozent der Bevölkerung und viele haben eine völlig andere Mentalität als die Niederländer. Eine Studie des sozial-kulturellen Planungsbüros stellte fest, dass vierzig Prozent derer, die zu den türkischen und marokkanischen Gemeinschaften gehören, nicht das Gefühl haben in den Niederlanden Zuhause zu sein. Viele Jugendliche sehen im Islam eine Alternative zur niederländischen Identität.[11]

Wegen des starken Zustroms an Muslimen hat eine gewisse Islamisierung stattgefunden. Was genau Islamisierung bedeutet, ist jedoch nie richtig definiert worden. Das Entstehen der PVV ist eine Reaktion auf weitgehend fehlgeschlagenen „Multikulturalismus“. Die Partei erklärt, dass sie die Niederlande „entislamisieren“ will.[12] Dennoch wäre es falsch die PVV als rechte Partei zu bezeichnen, da sie in sozialen Fragen eher links steht.

Die Hürde ins Parlament zu kommen ist sehr niedrig. Man braucht nur etwa 0,7% der Stimmen, um dort einen Sitz zu gewinnen. Derzeit bilden die Liberalen unter Premierminister Mark Rutte und die Arbeitspartei gemeinsam das Kabinett. Beide werden voraussichtlich schwere Verluste hinnehmen müssen. Die Arbeitspartei könnte durchaus mehr als zwei Drittel ihrer 38 Sitze verlieren. Da keine der Parteien eine Koalition mit der PVV eingehen will, könnte ein Vielparteien-Koalitionskabinett wie in Israel entstehen. Es würde vermutlich beträchtliche innere Wiedersprüche haben.

Die linken Parteien – die Sozialisten (SP), die Grüne Linke, die Partei für die Tiere und die Arbeitspartei, sowie die linksliberale D66 – sind allesamt antiisraelisch und unterstützen sogar Sanktionen, wenn Israel in Friedensverhandlungen mit den Palästinensern die von ihnen gesetzten Kriterien nicht erfüllt. Diese Leute schauen einfachheitshalber weg, wenn die größte palästinensische Partei, die Hamas, für den Völkermord an Juden wirbt. Ihr Antiisraelismus wird zudem von dem Wunsch angespornt muslimische Wähler zu gewinnen, ohne „mit irgendetwas Substanziellem dafür zu zahlen“.

Die hauptsächlichen antiisraelischen Hetzer im Parlament sind zwei ehemalige Mitarbeiter des Ministeriums für Äußere Angelegenheiten: Sjoerd Sjoerdsma von der D66 und Michiel Servaes von der Arbeitspartei,[13] der regelmäßig anführt, dass seine Mutter Jüdin ist. Bei den Wahlen wird eine kleine antiisraelische Partei, die hauptsächlich aus Türken und Marokkanern besteht, wahrscheinlich einen oder zwei Sitze gewinnen.

Die Immigration aus muslimischen Ländern ist sowohl für Israel als auch die Juden enorm negativ gewesen. Ein Grund dafür ist ihre Massivität. Ein weiterer die fehlende Selektivität. Eine weltweite Studie der Anti-Defamation League stellte fest, dass 80 Prozent der Marokkaner[14] und 69 Prozent der Türken[15] wichtige klassisch antisemitische Vorurteile hegen. Antisemitische Vorfälle kommen in unverhältnismäßigem Anteil aus der muslimischen Gemeinschaft, ebenso die extremsten, darunter ein Plan – der zum Glück verhindert wurde – eine Bombe an einer Synagoge in Amsterdam zu legen.[16]

Es gab weitere indirekte Folgen der muslimischen Immigration, darunter dass eine Kombination aus Defiziten beim muslimischen rituellen Schlachten, zusammen mit antiislamischen Empfindungen zu einer starken Bewegung „gegen rituelles Schlachten ohne Betäubung“ geführt haben, zu der auch die PVV gehört. In dieser Frage ist die Partei – die pro-israel ist – der jüdischen Gemeinschaft diametral entgegengesetzt, die von einem Gesetz gegen rituelles Schlachten ebenfalls betroffen wäre. Aus Sicht muslimischer Bräuche steht auch die männliche Beschneidung von Zeit zu Zeit in der öffentlichen Kritik, was undenkbar wäre, wenn sie nur von der kleinen jüdischen Gemeinschaft praktiziert würde.

Zu guter Letzt haben einige der Kandidaten für das Parlament jüdische Vorfahren. Einer von ihnen ist der neue Parteichef der Arbeitspartei, der stellvertretender Premierminister Lodewijk Asscher, der väterlicherseits aus einer bekannten jüdischen Familie stammt. Er hat Äußerungen wie diese gemacht: „Ich will nicht in einem Land leben, in dem nur mit gewaffneten Wachen vor der Tür an die Kristallnacht erinnert werden kann.“[17] Und: „[Antisemitische] Beleidigungen machen mich jüdischer“.[18] Dennoch kann Asscher die antiisraelische Politik und Hetze seiner Partei nicht ändern, auch wenn er das wollte. Der einzige Kandidat, der sich mit der jüdischen Gemeinschaft identifiziert und darin aktiv ist, ist Gidi Markuszower, derzeit Mitglied des Senats. Er steht auf der Liste der PVV auf Platz 4 und wird daher mit Sicherheit ins Parlament einziehen.

[1] http://www.nu.nl/geert-wilders/4362579/geen-straf-wilders-in-zaak-minder-marokkanen-wel-schuldig-verklaard.html

[2] fd.nl/economie-politiek/1187905/cpb-doorrekening-partijen-laten-het-geld-weer-rollen

[3] http://www.geertwilders.nl/index.php/94-english/2007-preliminary-election-program-pvv-2017-2021

[4] http://www.elsevier.nl/nederland/achtergrond/2016/09/pvv-is-gevaarlijker-dan-nsb-wilders-heerst-als-fuhrer-354181

[5] http://www.telegraaf.nl/binnenland/27604304/___Islam_erger_dan_Nazisme___.html

[6] http://www.rd.nl/vandaag/binnenland/arabist-jansen-koran-sadistisch-over-ongelovigen-1.247251

[7] http://www.telegraaf.nl/binnenland/27604304/___Islam_erger_dan_Nazisme___.html

[8] http://www.elsevier.nl/economie/achtergrond/2016/08/nederland-tussen-landen-die-in-2015-meeste-betaalden-aan-eu-337637/

[9] http://www.nrc.nl/nieuws/2017/02/12/wilders-nuanceert-koranverbod-a1545637

[10] http://www.volkskrant.nl/politiek/wilders-klop-niet-bij-ons-aan-voor-steun-aan-griekenland~a2433908/

[11] http://www.elsevier.nl/nederland/achtergrond/2017/02/voor-allochtonen-is-islam-alternatief-voor-identificatie-met-nederland-452086/

[12] http://www.geertwilders.nl/index.php/94-english/2007-preliminary-election-program-pvv-2017-2021

[13] http://www.niw.nl/ik-ben-niet-naief787/

[14] http://global100.adl.org/#country/morocco/2014

[15] http://global100.adl.org/#country/turkey/2014

[16] http://www.joods.nl/2016/11/synagoge-amsterdam-doelwit-jihadisten/

[17] http://www.parool.nl/amsterdam/lodewijk-asscher-er-was-en-er-is-antisemitisme-in-ons-land~a3786388/

[18] http://www.niw.nl/interview-lodewijk-asscher-227/

Blinder Glaube

Annika Hernroth-Rothstein, Israel HaYom, 12. September 2016

„Provokativ und unchristlich“: So entschied sich Gunnar Sjoberg, Kommunikationsleiter der schwedischen Kirche, die Medienkampagen #MittKors (Mein Kreuz) vom August zu kommentieren, mit dem Christen angehalten werden in Unterstützung der verfolgten Christen der Welt ein Kreuz zu tragen.

Die Kampagne war eine Reaktion darauf, dass Christen von der Gruppe Islamischer Staat, den Terroristen, die im gesamten Nahen Osten Dorf um Dorf brandschatzen, ermordet oder entführt und versklavt werden; man sollte glauben, dass dieser Kampagne einhellige Unterstützung zuteil würde.

Aber damit läge man falsch.

Der Nahe Osten war der Ort, wo die ersten Kirchen der Welt standen und wo erstmals Klöster gebaut wurden. Heute ist er die Szenerie endlosen Abschlachtens, während der Islamische Staat sich über das Land bewegt wie ein teuflischer Sandsturm. Hunderttausende Christen fliehen zu Fuß, während aus ihren Gebetsstätten Bordelle und Gefängnisse gemacht und tausende Jahre Geschichte zerstört und niedergebrannt werden, so dass man sie nie wieder sehen wird.

Dieses Blutbad ist nicht auf den Nahen Osten beschränkt, sondern ist über die Gewässer gezogen, wie man an der Enthauptung eines französischen katholischen Priesters vor kurzem und der Belästigung von Christen in Flüchtlingslagern überall in Europa sehen kann. Die Verfolgung von Christen durch Muslime ist eine Plage, die keine Grenzen kennt und verdient unsere ungeteilt Aufmerksamkeit und unsere Solidarität, sei es durch Symbole, Worten oder Krieg.

Doch zu all dem sagt Sjoberg: „Das Kreuz Christi könnte damit enden als Waffe gegen einen anderen Glauben benutzt zu werden und nicht als Symbol der Unterstützung für Christen“, womit er sich entschied sich mit der Sache nicht weiter zu beschäftigen. Das ist feige ungerecht, obwohl es mit dem dokumentierten fehlenden moralischen Kompass der schwedischen Kirche auf einer Linie liegt. Schwedens größte Tageszeitung, Aftonbladet, hat eine ähnlich und gleichermaßen anrüchige Reaktion gezeigt, indem sie das Kreuz mit dem Hakenkreuz und die Kampagne #MeinKreuz mit der Nazipropaganda auf eine Stufe stellte, womit sie schamlos den Extremisten in die Hände spielen, die aus Christen die am stärksten verfolgte Gruppe der Welt gemacht haben.

Vor zwei Wochen fand in Stockholm die jährliche Kairos-Palästina-Konferenz statt und einer ihrer Koordinatoren war die bekannte schwedische Priesterin Anna Karin Hammar, die für ihren anhaltenden Kampf gegen Israel bekannt ist. Die Konferenz ist ein gemeinsames Unternehmen der internationalen Christlichen Allianz, den Schwedischen Freunden von Sabeel und dem Palästinensischen Ökumenischen Zentrum. Das ursprüngliche Kairos-Dokument, nach dem Konferenz benannt ist, soll vom südafrikanischen Kairos-Dokument von 1985 gegen Apartheid inspiriert worden sein. Kairos-Palästina erklärt, dass das jüdische Volk Israel als Preis zur Kolonisierung verliehen bekommen hat; Grund war, was als „europäisches Verbrechen an den Juden“ bezeichnet wird. Es erkennt weder die jüdische Geschichte im Land Israel noch irgendwelche Rechte am Land an, die dem Zweiten Weltkrieg vorausgingen. Das offizielle Ziel der Kairos-Palästina-Konferenz von 2016 bestand darin einen „gerechten Frieden“ zwischen Israel und Palästina zu erzielen; am Ende des Beisammenseins von 35 Personen wurde eine Erklärung veröffentlicht, die aus dem Manuskript der palästinensischen Public Relations hätte genommen worden sein können.

Als sie aus der Konferenz kam, sagte Hamamr, der Weg nach vorne bestehe für die schwedische Kirche darin Boykott, De-Investition und Sanktionen gegen Israel zu verfügen, um „Druck von außen“ der Art einzusetzen, wie er in Südafrika eingesetzt wurde, um die Apartheid zu beenden; sie stellt zurecht heraus, dass die schwedische Kirche bereits auf ihrer nationalen Kirchensynode 2012 dafür stimmte. Hammar soll gesagt haben, sie sei von Robert Herbst „sehr inspiriert“ worden, dem Sprecher von Jewish Voice for Pease [jüdische Stimme für Frieden] und einer der Sprecher auf der Kairos-Palästina-Konferenz, sowie von der Tatsache, dass er die „Besatzung“ als jüdisches Problem unserer Zeit und eine Frage großer Dringlichkeit und des Gewissens geschrieben hat.

Die schwedische Kirche findet also, dass ein Kreuz zu tragen „provokativ und unchristlich“ ist – aber ein demokratisches Land anzugreifen und es der Apartheid zu beschuldigen ist im Geist Jesu. Obwohl ich ihren Glauben nicht teile, weiß ich genug, um zu wissen, dass da im Staat der schwedischen Christenheit etwas faul ist.

Dadurch, dass sie eine Haltung gegen die Kampagne in den sozialen Medien einnimmt und offen erklärt, dass sie Angst davor haben Muslime anzugreifen, kehren sie sich von ihren Mitchristen ab, die wegen ihres Glaubens um ihr Leben laufen. Stattdessen entscheiden sie sich ihre Zeit und Energie damit zu verbringen das einzige Land im Nahen Osten zu schikanieren, in dem Christen vor Enthauptungen, Menschenhandel und Versklavung sicher sind.

Ich würde angesichts dieser Absurdität lachen, aber leider ist diese Farce nicht witzig. Die Kirche könnte etwas bewirken. Durch Solidarität in Wort und Tat könnte sie abertausende Leben retten. Doch statt zu ihrem Glauben zu stehen, entscheidet sie sich für Gleichgültigkeit. Die Geschichte wir sie streng dafür beurteilen, dass die Politik predigte statt die Schrift.