Die höchst unprofessionelle Untersuchung des britischen Labour-Antisemitismus

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Am 30. Juni veröffentlichte Shami Chakrabarti ihren Untersuchungsbericht zu Antisemitismus, Islamophobie und anderen Formen des Rassismus in der britischen Labour Party.[1] Es handelt sich um ein höchst unprofessionelles Dokument.

Der Einleitungssatz ihres Vorworts verkörpert bereits eine zweifache Manipulation. Chakrabarti schreibt: „Die Labour Party wird nicht von Antisemitismus, Islamophobie oder anderen Formen des Rassismus überrannt.“ Die eine Manipulation in diesem Satz besteht darin, dass der die britische Labour Party seit Monaten in die Krise stürzende Skandal ausschließlich extrem antisemitische Äußerungen gewählter Vertreter der Partei betrifft. Dass ihrem Auftrag Islamophobie und Rassismus hinzugefügt wurden, deren die Labour Party nicht beschuldigt worden ist, verwässert die spezifischen, zahlreichen Antisemitismus-Vorwürfe.

Die zweite Manipulation in diesem Einleitungssatz ist eine Täuschung, die man „Strohmann-Argument“ nennt – eine Taktik, bei der einem Gegner eine extreme und leicht zu widerlegende Äußerung zugschrieben und dieses erfundene, nicht vorgebrachte Argument dann „entkräftet“ wird. In diesem Fall bestritt Chakrabarti, das die Labour Party „von Antisemitismus“ überrannt worden sei. Allerdings hat dies nie jemand behauptet. Es protestierten weit mehr Parlamentsmitglieder gegen den Antisemitismus, als es die wenigen MPs und andere führende Persönlichkeiten in der Partei gab, die versuchten seine Bedeutung zu bagatellisieren.[2]

Um was es wirklich geht, ist etwas ganz anderes. Chakrabarti hatte um Eingaben für ihre Untersuchung gebeten. Ich habe einen offenen Brief veröffentlicht, den ich auch ihr für ihre Untersuchung übermittelte.[3] Ich schrieb: „Es gibt starke Hinweise darauf, dass der Antisemitismus in der Labour Party nicht nur ein paar Einzelne betrifft, sondern ein viel weiter verbreitetes Phänomen ist. Gewählte Repräsentanten der Labour Party würden solch extreme antisemitische und antiisraelische Äußerungen nicht tätigen, wenn sie aus ihrer Wählerschaft erheblichen Widerstand dagegen zu spüren bekämen. Ihre in sozialen Medienplattformen geposteten Hass-Verunglimpfungen sind ihren Wählern leicht zugänglich und die Zahl solcher Posts deutet darauf hin, dass es wenig bis keinen Widerstand ihnen gegenüber gibt. … Die jüdische Abgeordnete Luciana Berger hat in Reaktion auf ihre Kritik an der Verweigerung der Verurteilung von Antisemitismus in der Labour Party tausende extremer Hass-Mails bekommen; einige davon drohten ihr mit Vergewaltigung und Mord.[4] Es scheint logisch, dass die Absender alle oder hauptsächlich Mitglieder und Unterstützer der Labour Party sind. Warum sollten auch Menschen, die die Labour Party nicht unterstützen, sich für MP Bergers Kritik an dieser Partei interessieren? Eine Meinungsumfrage der Tageszeitung Times stellte fest, dass nur eines von zehn Labour-Parteimitgliedern Antisemitismus als ein Problem der Partei betrachtet.

Man könnte all das so zusammenfassen: „Beträchtliche Teile der Labour Party sind von Antisemitismus durchdrungen oder diesem gegenüber unempfindlich.“[5]

Chakrabartis nächste Manipulation besteht darin, dass sie Labour-Führer Jeremy Corbyn preist, der ihr den Auftrag gab, weil er nicht in ihrer Arbeit interveniert hat.[6] Nirgendwo in ihrem Bericht wird erwähnt, dass dieser Mann linksextremen Antisemitismus legitimiert. Corbyn lud Repräsentanten der Terrororganisationen Hisbollah und Hamas ins britische Parlament ein; er nannte sie „meine Freunde“.[7]

Trotz monatelangen Drucks hatte er zu der Zeit der Veröffentlichung des Chakrabarti-Berichts noch nicht eingestanden, dass das ein Fehler war. Corbyn hatte zudem wichtige Parteiämter an den Hamas-Freund Seamus Milne, der die Gründung Israels ein Verbrechen genannt hatte, sowie den früheren Bürgermeister von London, Ken Livingstone, gegeben. Livingstone hatte als Bürgermeister dem in Ägypten geborenen und in Qatar ansässigen Yussuf al-Qaradawi einen Empfang mit rotem Teppich bereitet. Dieser führende sunnitische Kleriker billigt Selbstmord-Bombenanschläge und vertritt sowohl antisemitische als auch homophobe Ansichten.[8]

Es ist unwichtig, ob man mehrere weitere bedeutende Verzerrungen Chakrabartis als Manipulationen oder Auslassungen bezeichnet. Das extremste Beispiel des exzessiven Fehlens an Professionalismus besteht darin, dass es auf seinen 28 Seiten keine konkrete Definition für Antisemitismus gibt. Wie kann man den antisemitischen Charakter einer ellenlangen Reihe an Juden und Israel hassenden Verunglimpfungen untersuchen, wenn man nicht definiert, was Antisemitismus ist? Chakrabarti veröffentlicht in ihrem Bericht keine Liste der antisemitischen Äußerungen der suspendierten gewählten Repräsentanten. Sie will offenbar nicht deutlich machen, dass es die Zahl und der extreme Charakter dieser Verleumdungen sind, die zu ihrem Auftrag führten.

In der Eingabe des Board of Deputies, der Dachorganisation der britischen Juden,[9] wurde zum Beispiel gefordert, dass die IHRA/EUMC-Definition des Antisemitismus genutzt werden solle. Ich machte in meinem offenen  Brief an sie denselben Vorschlag.

Dass der Chakrabarti-Bericht keine Antisemitismus-Definition nutzt, ist für die Labour Party ein Rückschritt bei ihrem Kampf gegen das Schüren von Hass. Der Report of the British All Party Parliamentary Inquiry into Anti-Semitism aus dem Jahr 2006 empfahl, dass „die EUMC-Definition von der [britischen] Regierung und den Strafverfolgungsbehörden übernommen und unterstützt wird“.[10] Die Untersuchung wurde von einer Labour-MP initiiert und von einem weiteren Labour-MP geleitet. Sechs ihrer 14 Mitglieder waren Labour-MPs.

Chakrabarti macht eine recht kryptische Bemerkung dazu, dass sie Muslima ist: „Ich wurde oft (besonders in den sozialen Medien) als eine Sympathisantin muslimischer Terroristen beschrieben. Ich stritt die Bezeichnung als Muslima nie ab.“[11] Ist das ein berechtigter Grund alle Beweise wegzulassen, dass eine unverhältnismäßig hohe Zahl der Suspendierten oder des Antisemitismus in der Labour Party Beschuldigten Muslime sind? Darüber hinaus wurde die extremste Verunglimpfung Israels, eine völkermörderische, von einer muslimischen Stadträtin geäußert. Der Vorwurf: Sie hat getwittert, sie hoffe, dass der Iran einen Atomwaffe dazu nutzen wird ‚Israel von der Landkarte zu wischen‘.[12] Es muss auch vermerkt werden, dass verschiedene der suspendierten gewählten Repräsentanten der Labour Party aus Bereichen mit einem hohen muslimischen Bevölkerungsanteil kommen, zum Beispiel der Region Bradford, wo etwa ein Viertel der Einwohner Muslime sind.

Corbyn hat eine enorme Anzahl an Fehlern gemacht. Sich für Chakrabarti zu entscheiden, um die Untersuchung durchzuführen, ist allerdings keiner davon. Sie schreibt: „Als jemand, die für freie Meinungsäußerung eintritt, habe ich immer an das Recht zu beleidigen geglaubt. Aber als Rechtsanwältin kenne ich den Unterschied zwischen einem Recht und einer Pflicht.“[13] Es ist unwahrscheinlich, dass ein Ermittler mit einer solchen Einstellung gegenüber Hassreden in ihrer Bewertung einer Reihe Juden und Israel hassender Verunglimpfungen in der Partei streng sein wird.

Dann gibt es in dem Bericht etwas, das man einen Propagandabereich nennen könnte. Diesem widmet Chakrabarti, die erst vor kurzem Parteimitglied wurde, der Skizzierung dessen, wie die Partei in der Vergangenheit Juden willkommen geheißen hat. Das ist für die aktuelle Situation irrelevant. Es ist zudem historischer Revisionismus, da sie vergisst den ehemaligen Außenminister Ernest Bevin zu erwähnen, einen Labour-Mann, der in großen Teilen der jüdischen Welt einer der am meisten gehassten Politiker war, weil er Israels Unabhängigkeit heftig ablehnte.

Ist es ein  Ausgleich für all ihre Auslassungen, dass Chakrabarti uns ein weiteres Extra gibt? Sie schreibt in dem Bericht regelmäßig von ihren Erfahrungen und denen ihrer Familie. Dieser Egotrip ist nur eine weitere Ablenkung von dem, was dieser Bericht hätte leisten sollen: die extrem antisemitischen, gehässigen Verunglimpfungen durch Labour-Repräsentanten zu untersuchen.

Der Text Chakrabartis mäandert durch verschiedene Äußerungen, ohne ein Leitbild zu vermitteln. Einige Anmerkungen sind von Bedeutung, beispielsweise dass der Holocaust nicht missbraucht werden sollte. Andere sind bestenfalls marginal, so die Empfehlung Begriffe wie „Zio“ oder „Paki“ nicht zu verwenden. Sie war einmal schockiert, als jemand als „Paki“ bezeichnet wurde und erwähnt das in ihrem Bericht. Nicht erwähnenswert sind dann aber Verunglimpfungen wie die durch einen Labour-Repräsentanten, darunter „Adolf Hitler war der ‚größte Mann der Geschichte’.“[14]

Chakrabarti betreibt außerdem auf eine weitere Weise Schadenskontrolle für die Labour Party. Sie schlägt vor, dass es ein Moratorium zur Vergangenheit geben sollte. Sollten weitere Fälle von Antisemitismus aus der Vergangenheit ans Licht kommen, so sollte man sich nicht weiter darum kümmern.

An dem Bericht könnte viel mehr Kritik geübt werden, aber das würde einen ganzen Aufsatz erfordern. Es gibt einen weiteren Grund, dass der Bericht einen gewissen Wert hat. Er ist eine Sammlung wichtiger Manipulationen, wichtiger Auslassungen und Verwässerungen dessen, was sein einziges Thema hätte sein sollen. Kurz gesagt: Ein Musterbeispiel für Reinwaschen und Schadenskontrolle, gemischt mit einem Egotrip. Wenn man Antisemitismus im Unterricht behandelt, ist er ein idealer Text, um ihn von Schülern bzw. Studenten kommentieren zu lassen und zu erklären, wie Antisemitismus wirklich untersucht werden sollte und was an dem Chakrabarti-Bericht radikal falsch ist.

[1]http://www.labour.org.uk/page/-/party-documents/ChakrabartiInquiry.pdf

 [2] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/18940

[3] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/19002 und https://heplev.wordpress.com/2016/06/13/37463/

[4] www.dailymail.co.uk/news/article-3566667/Jewish-Labour-MP-speaks-vile-anti-semitic-abuse-subjected-online-bullies.html; www.timesofisrael.com/jewish-labour-mp-posts-anti-semitic-abuse-she-received-online/

[5] www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/19002#.V3jQ__l967Q

[6] www.labour.org.uk/page/-/party-documents/ChakrabartiInquiry.pdf, S.3

[7] http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/aug/13/jeremy-corbyn-labour-leadership-foreign-policy-antisemitism

[8] news.bbc.co.uk/2/hi/4165691.stm

[9] http://www.bod.org.uk/board-of-deputies-makes-submission-to-labours-chakrabarti-inquiry/board-of-deputies-inquiry-submission-3/

[10] Report of the British All-Party Parliamentary Inquiry into Antisemitism (London: Stationery Office Ltd, September 2006), Abs. 26.

[11] www.labour.org.uk/page/-/party-documents/ChakrabartiInquiry.pdf, S.4

[12] http://www.dailymail.co.uk/news/article-3531852/Labour-councillor-20-suspended-claims-called-Hitler-greatest-man-history-latest-anti-Semitic-scandal-hit-Corbyn-s-party.html

[13] www.labour.org.uk/page/-/party-documents/ChakrabartiInquiry.pdf, S. 11.

[14] http://www.dailymail.co.uk/news/article-3531852/Labour-councillor-20-suspended-claims-called-Hitler-greatest-man-history-latest-anti-Semitic-scandal-hit-Corbyn-s-party.html

 

Wie ich es sehe: Wenn einer, der die Wahrheit sagt, sich Diaspora-Juden entgegenstellt

Tenenbom sagt Wahrheiten, deren Spuren Linke, einschließlich linker Juden, gerne versuchen zu beseitigen. Er sieht überall feige und kriecherische Juden, die versuchen ihr Jüdisch sein zu verbergen.

Melanie Phillips, The Jerusalem Post, 9. Juni 2016

Tuvia Tenenbom signiert Exemplare seiner Bücher (Foto: GREEN PUBLISHING)

Tuvia Tenenbom hat ein Problem. Seine Bücher verkaufen sich derart gut, dass in der Englisch sprechenden Welt er keinen Verleger findet.

Sein letztes Buch, Allein unter Juden, war ein spektakulärer internationaler Erfolg. Veröffentlicht in Deutschland und – auf Englisch – in Israel, schoss es an die Spitze zahlreicher Bestsellerlisten. Sein vorheriges Buch, Allein unter Deutschen, war in Deutschland ebenfalls ein Bestseller.

Tenenbom schreibt für DIE ZEIT. Obwohl er in Bnei Brak geboren wurde, lässt sein helles Haar Leute annehmen, dass er ein deutscher Nichtjude ist und damit antijüdische Ansichten hegt. Unter Ablehnung die Menschen diesbezüglich eines Besseren zu belehren, läuft er herum und stellt gezielte Fragen zu Themen, die die Leute zu meiden versuchen. Das Ergebnis ist so vernichtend wie lustig.

In Allein unter Deutschen offenbarte er anhaltenden deutschen Judenhass. In Allein unter Juden entdeckte er, dass die deutsche und andere europäische Regierungen die Aufstachelung zu Judenhass an NGOs outsourcen, von denen viele durch Juden geleitet werden.

Er hat begeisterte Rezensionen und eine internationale Fangemeinde gewonnen. Er ist „Michael Moore und Borat in einem“ (DIE WELT), „eine Naturgewalt“ (La Repubblica) und „ein freier Künstler,  der für Wahrheit und Toleranz kämpft“ (Le Vif/L’Express) genannt.

Sein neues Buch, Don’t Quote Me (Allein unter Amerikanern) wird Anfang September in Deutschland veröffentlicht. ER hat dort seine Taktik wiederholt herumzureisen und aufzuschreiben, was Menschen ihm gegenüber sagten.

Er fragt die Leute, was sie über Obama denken und sie reden von ihrer Unterstützung für die Palästinenser.

Gewarnt, Orte nicht zu besuchen, die „zu gefährlich“ für Weiße sind, sucht er Ghettos Schwarzer auf, die in Armut und Verzweiflung wie in der Dritten Welt leben. Weiße amerikanische Linke besuchen diese Orte nie, dafür agitieren sie zur Notlage der Palästinenser und der Schrecklichkeit Israels.

In Detroit besuchte er Museumsführer, die darauf trainiert sind ausdrucklos zu schauen, wenn die Öffentlichkeit sie zu Henry Fords Antisemitismus befragt. Auf einer Konferenz von Christians United for Israel in Washington wird er von einem Demonstranten von der Jewish Voice for Peace als „dreckiger Sch…jude“ bezeichnet.

In einem jüdischen Tempel in St. Paul (Minnesota) hört er einen schwarzen Islamkonvertiten sagten, seit ihrem Übertritt habe sie entdeckt, dass Juden Rassisten sind. Die Juden applaudieren. In Chicago nimmt er an einem Treffen teil, bei dem die jüdische Gemeinde einem jüdischen Offiziellen der Obama-Administration zuhört, wie er die Herrlichkeit des Iran-Deals rühmt und dann einem israelischen Diplomaten, der darum bettelt, dass sie sich auf die Seite Israels dagegen stellen. Die Juden entschließen sich schließlich sich nicht zu entscheiden.

Wie inzwischen offensichtlich sein dürfte, hat Tenenbom wieder ein Buch geschrieben, das man nicht aus der Hand legen kann. Sein deutscher Verleger hat es zum seinem Buch des Monats gemacht, um aus den US-Wahlen Kapital zu schlagen. Man könnte also glauben, es würde von englischsprachigen Verlegern aufgenommen, insbesondere in Amerika.

Pustekuchen! Ein Verlag nach dem anderen hat es abgelehnt. In diesem kritischen Augenblick scheint es so, dass sein wildes, verstörendes, komisches und wichtiges Buch darüber, wie die Amerikaner denken, in Deutschland und Israel, aber nicht in Amerika veröffentlicht wird.

Bemerkenswerterweise traf Tenenbom mit seinen beiden früheren Büchern auf dasselbe Problem. Ursprünglich war er gezwungen Allein unter Deutschen selbst zu veröffentlichen, weil deutsche Verleger es nicht drucken wollten. Einer sagte, er würde es nur herausbringen, wenn die Angriffe auf Juden als Angriffe auf Israel formuliert würden.

US-Literaturagenten lehnten es ab Allein unter Juden auch nur anzurühren. Selbst nachdem es zum Bestseller geworden war, sagte ihm eine, sie sei derart entsetzt, dass sie den Text nicht einmal in ihrem Briefkasten haben wolle.

Amerikanische Velrage sagten, das Buch würde bei amerikanischen Juden nicht ankommen. Als ein Philantrop anbot hunderte Expemplare für Hillen und Birthright zur Verfügung zu stellen, lehnten die es ab sie anzunehmen.

The Forward, Amerikas ehrwürdige und liberale jüdische Zeitung, verriss das Buch in ihrer Rezension.

Tenenbom, der zwei Jahre lang für The Forward geschrieben hatte, sagt, als er eine Kolune über die schwarze Frau in Minnesota schrieb, die behauptete Juden seien Rassisten, lehnte die Zeitung die Veröffentlichung ab.

Eine ähnliche Reaktion begegnete er in Britannien. Er legte einige seiner amerikanischen Ergebnisse bei Limmud vor, dem jährlichen jüdischen Bildungstreffen in Großbritannien. Das Publikum, schreibt er, ging unter die Decke. Wie konnte er es wagen zu sagen, es gäbe in Amerika so viel Rassismus, brüllten sie! Wie konnte er es wagen zu sagen, amerikanische Juden seien selbsthassend! Dann luden sie ihn aus seiner geplanten verbleibenden Präsentation aus.

Der Grund, dass Tenenbom solche Probleme hat, besteht darin, dass Diaspora-Juden, die nach außen oft selbstsicher erscheinen, in Wirklichkeit zutiefst verängstigt sind. Wovor haben sie Angst? Sie haben Angst vor der Wahrheit.

Tenenbom hält einen Spiegel hoch, den sie zerschlagen wollen.

Er zeigt ihnen ein Spiegelbild des tiefen Vorurteils gegen Israel  und die Juden in der englischsprachigen Gesellschaft, ein Vorurteil, das viele Juden leugnen wolle und das nur allzu viele selbst erschreckend teilen.

Eine der hässlichsten Wahrheiten, die Tenenbom bloßstellt, ist der Beistand, der von so vielen Juden in der Linken dem Judenhass gegeben wird. Und Juden in der Linken tendieren dazu in der Verlagswelt unverhältnismäßig stark vertreten zu sein.

Tenenbom erzählt Wahrheiten, die Linke, einschließlich linker Juden, gerne zu beseitigen versuchen. Er sieht überall Juden Er sieht überall feige und kriecherische Juden, die versuchen ihr Jüdisch sein zu verbergen. Das sagt er. Und das werden sie ihm nicht vergeben.

Offener Brief an Frau Shami Chakrabarti

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)ManfredGerstenfeld

Sehr geehrte Frau Chakrabarti,

seit inzwischen fünfzehn Jahren habe ich den Antisemitismus in seinem drei Hauptpermutationen erforscht: klassisch-religiösen und ethnischen Antisemitismus sowie das viel neuere Verbreiten von antiisraelischem Hass. Einen Teil meiner Forschungsergebnisse habe ich in zehn Büchern in englischer Sprache publiziert. Einige davon sind auch in anderen Sprachen veröffentlicht worden. In den Jahren 2000 bis 2012 bin ich der Vorsitzende des führenden Think Tanks Israels gewesen. Mein Hauptfokus liegt auf den antisemitischen Ausbrüchen im Westeuropa des 21. Jahrhunderts.

Ich nehme mir die Freiheit Ihre Aufmerksamkeit auf eine Reihe von Problemen angesichts der anstehenden Untersuchung von Antisemitismus, Rassismus und Islamophobie in der britischen Labour Party zu lenken, die von Ihnen geleitet wird. Ich richte diesen offenen Brief an Sie persönlich, da Sie gesagt haben, Sie würden die Verantwortung für den Bericht übernehmen.[1]

1. Ein Großteil der Ergebnisse einer Untersuchung von Antisemitismus hängt von der Definition ab, die genutzt wird, um diese Verbreitung von Hass zu beschreiben.

Der Bericht der britischen parlamentarischen Allparteien-Untersuchung von Antisemitismus[2] aus dem Jahr 2006 empfahl, dass „die EUMC-Definition von der [britischen] Regierung und den Strafvollzugsbehörden übernommen und unterstützt wird“. Diese Untersuchung wurde von einem Parlamentsabgeordneten der Labour Party initiiert und von einem weiteren Labour-MP geleitet. Sechs der 14 Mitglieder waren Labour-Abgeordnete.[3]

Vor kurzem übernahm die International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA – Internationale Allianz für das Holocaust-Gedenken) eine identische Antisemitismus-Definition. Um das zu tun war die Zustimmung aller 31 Mitgliedsstaaten dieses zwischenstaatlichen Gremiums nötig, dessen Zweck die Förderung von Holocaust-Bildung, Erinnerung und Forschung ist.[4] Das Vereinte Königreich gehört zu diesen Mitgliedern.

2. Man kann das Thema des klassischen Antisemitismus und Antiisraelismus in der Labour Party nicht erforschen, ohne die britische Geschichte und Kultur zu erwähnen. Anfang diesen Jahres erklärte der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, dass Antisemitismus in der britischen Kultur eingebettet ist.[5] 2015 hatte er bereits festgestellt, dass Antisemitismus ein komplexes und schwieriges Thema ist; er fügte hinzu, dass er tief „in unsere Geschichte und Kultur in Westeuropa“ eingebettet ist.[6] Der – inzwischen verstorbene – führende akademische Antisemitismus-Experte unserer Genration, Robert Wistrich sprach mit mir in einem Interview ausführlich darüber, wie tief der Antisemitismus in der britischen Kultur eingebettet ist.[7]

Eine Studie der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2011 stellte fest, dass 42% der britischen Bürger im Alter über 16 Jahren glauben, Israel führe einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser.[8] Das ist eine extreme und weit verbreitete falsche Anschuldigung. Wäre das tatsächlich der Fall, dann müsste man erwarten, dass die palästinensische Bevölkerung im Lauf der Zeit fast verschwunden wäre. Die starke Zunahme der palästinensischen Bevölkerung über die Jahre ist die offensichtliche Widerlegung dieser Lüge.

3. Antisemitismus, insbesondere seine antiisraelische Version, hat eine lange, breit gefächerte Geschichte in einer Reihe europäischer sozialdemokratischer Parteien. Bereits vor mehreren Jahrzehnten beschuldigten führende sozialdemokratische Politiker Europas Israel fälschlich, es wende Nazi-Praktiken an, eine antisemitische Verleumdung. Zu diesen Politikern gehörten der französische Präsident François Mitterand,[9] der schwedische Premierminister Olof Palme[10] und der griechische Premierminister Andreas Papandeou.[11] Der Trend setzt sich heute mit viel antiisraelischer Aufstachelung – und bewusster Missachtung des Werbens für völkermörderischen Hass von Palästinensern gegenüber Juden – in sozialdemokratischen Parteien , um nur einige wenige zu nennen, in Schweden, Norwegen[12] und den Niederlanden fort.[13] Viele Experten betrachten die drittgrößte Stadt Schwedens, Malmö, als die europäische Hauptstadt des Antisemitismus. Ihr ehemaliger sozialdemokratischer Bürgermeister Ilmar Reepalu trägt einen Großteil der Verantwortung für diese Entwicklung.[14]

Ich möchte vorschlagen, dass Sie in Ihrem Bericht die Frage thematisieren, was speziell die Verbreitung von antisemitischem Hass in sozialdemokratischen und Arbeitsparteien hervorbringt.

4. Wie gesagt ist das Problem des Antisemitismus in seinen klassischen Formen und des Antiisraelismus in nicht wenigen westeuropäischen sozialdemokratischen und Arbeitsparteien habituell. Allerdings habe ich nie zuvor ein solches Ausmaß und eine solche Bandbreite an veröffentlichten Verleumdungen gesehen, wie sie gewählten Repräsentanten der britischen Labour Party zugeschrieben werden. Es ist angedeutet worden, dass Juden hinter dem 9/11 und ISIS stecken, dazu Behauptungen, dass orthodoxe Juden in Russland in Sex-Frauenhandel involviert sind. Zu „mächtigen“ Juden in den Vereinigten Staaten wurde Abscheu zum Ausdruck gebracht. Auffällig kommt zudem der Name Hitler in den Verleumdungen vor, in Äußerungen, die dafür halten, dass Hitler der Größte Mann der Geschichte sei, dass Hitler der zionistische Gott sei und dass Hitler die Zionisten unterstützte. Wegen ihre großen Zahl werde ich in diesem Brief keine vollständige Liste der Verleumdungen vorlegen.[15]

5. Es gibt starke Hinweise darauf, dass der Antisemitismus in der Labour Party nicht nur ein paar Einzelne betrifft, sondern ein viel weiter verbreitetes Phänomen ist. Gewählte Repräsentanten der Labour Party würden solch extreme antisemitische und antiisraelische Äußerungen nicht tätigen, wenn sie aus ihrer Wählerschaft erheblichen Widerstand dagegen zu spüren bekämen. Ihre in sozialen Medienplattformen geposteten Hass-Verunglimpfungen sind ihren Wählern leicht zugänglich und die Zahl solcher Posts deutet darauf hin, dass es wenig bis keinen Widerstand ihnen gegenüber gibt.

Die jüdische Abgeordnete Luciana Berger hat in Reaktion auf ihre Kritik an der Verweigerung der Verurteilung von Antisemitismus in der Labour Party tausende extremer Hass-Mails bekommen; einige davon drohten ihr mit Vergewaltigung und Mord.[16] Es scheint logisch, dass diese alle oder hauptsächlich Mitglieder und Unterstützer der Labour Party sind. Warum sollten auch Menschen, die die Labour Party nicht unterstützen, sich für MP Bergers Kritik an dieser Partei interessieren?

Eine Meinungsumfrage der Tageszeitung Times stellte fest, dass nur eines von zehn Labour-Parteimitgliedern Antisemitismus als ein Problem der Partei betrachtet.[17]

6. Da Sie die von Ihnen geführte Untersuchung auf Islamophobie erweitert haben, möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass eine unverhältnismäßig große Zahl der wegen Antisemitismus Suspendierten und Beschuldigten in der Labour Party Muslime sind. Darüber hinaus scheint die extremste Verleumdung Israels, eine über Völkermord, von einer lokalen muslimischen Stadträtin getätigt worden zu sein. Es wird ihr vorgeworfen, sie twitterte, sie hoffe der Iran werde eine Atomwaffe einsetzen, um „Israel von der Landkarte zu wischen“.[18]

Es muss ebenfalls angeführt werden, dass verschiedene suspendierte Repräsentanten der Labour Party aus Bereichen mit einem hohen muslimischen Bevölkerungsanteil kommen, zum Beispiel aus der Region Bradford, in der etwa ein Viertel der Bevölkerung muslimisch ist.

Eine Reihe Studien in verschiedenen westeuropäischen Staaten zeigt, dass Antisemitismus bei Muslimen beträchtlich stärker verbreitet ist als unter der einheimischen Bevölkerung; zudem ist er oft weit extremer.

Zusätzlich sind die meisten gewalttätigen Ausdrucksformen von Antisemitismus in Westeuropa regelmäßig unter Muslimen entstanden. Alle antisemitischen Morde an Juden in Westeuropa seit dem Jahr 2000 sind von Muslimen begangen worden (Paris 2003, Paris 2006, Toulouse 2012, Brüssel 2014, Paris 2015, Kopenhagen 2015).

Es wäre eine enorme Verdrehung, sollte Ihre Untersuchung Recherchen zu Islamophobie anstellen und zu charakteristischem muslimischem Antisemitismus schweigen.

7. Ein Thema, das in den Medien kaum angesprochen wird, ist, dass es Taten gibt, die in keine formelle Definition von Antisemitismus passen, aber eindeutig in seine Peripherie gehören. Dazu gehören zum Beispiel die Legitimierung von antiisraelischen – einschließlich völkermörderischen – Terrororganisationen, Treffen mit Holocaustleugnern, politische Ernennungen von Personen, die antisemitische Verleumdungen bekunden, Antisemitismus bagatellisieren, ignorieren oder den antisemitischen Charakter von Tatsachen bestreiten, die Unterdrückung von Berichten zu Antisemitismus und so weiter. Angesichts einer Reihe von Handlungen Jeremy Corbyns ist das ein Thema, das Ihr Komitee angehen sollte.[19] Er hat in der Vergangenheit israelische Führungspolitiker als Kriminelle bezeichnet.[20] Er hat außerdem die Völkermord anstrebenden Bewegungen Hamas und Hisbollah als seine Freunde bezeichnet und es in einer Debatte mit Premierminister David Cameron im Parlament abgelehnt sich namentlich von ihnen zu distanzieren.

Die Hamas-Chartaerklärt seine völkermörderische Haltung gegenüber den Juden: „Der Prophet, Allah segne ihn und gewähre ihm Errettung, hat gesagt: ‚Der Tag des Gerichts wird nicht kommen, bis Muslime die Juden bekämpfen (die Juden töten); dann wird ein Jude sich hinter Felsen und Bäumen verstecken. Die Felsen und Bäume werden sagen: ‚Oh Muslime, oh Abdullah, da ist ein Jude hinter mir, komm und töte ihn.‘“[21]

8. Da sich Ihre Untersuchung auch mit Rassismus beschäftigt, möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf eine selten erwähnte Form des Rassismus lenken, für den ich vor einigen Jahren den Begriff „humanitärer Rassismus“ prägte.[22] Dem rechtsradikalen Rassismus eines, sagen wir, Ku-Klux-Klan ähnlich, gründet der humanitäre Rassismus zum Beispiel darauf farbige Menschen als minderwertig zu betrachten. Die Schlüsse der beiden Typen Rassisten sind jedoch sehr unterschiedlich. Der Ku-Klux-Klan diskriminiert einen farbigen Menschen, weil er ihn als minderwertig betrachtet. Der humanitäre Rassist überlegt, dass eine farbige Person nicht voll und manchmal nicht einmal zum Teil für sein oder ihr Tun verantwortlich gemacht werden kann, was impliziert, dass er/sie minderwertig ist. In der Universalen Erklärung der Menschenrechte heißt es jedoch: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“[23] Gleiche Würde bedeutet auch, dass Menschen gleichermaßen für ihr Tun verantwortlich sind.

Ich stehe Ihnen für alle Rückfragen Ihrerseits zur Verfügung.

Hochachtungsvoll

Manfred Gerstenfeld

[1] http://www.thejc.com/news/uk-news/158247/head-inquiry-labour-antisemitism-shami-chakrabarti-reveals-she-has-joined-party

[2] Report of the British All-Party Parliamentary Inquiry into Antisemitism (London: Stationery Office Ltd, September 2006)

[3] Report of the British All-Party Parliamentary Inquiry into Antisemitism (London: Stationery Office Ltd, September 2006), Abs. 26.

[4] http://www.holocaustremembrance.com/sites/default/files/press_release_document_antisemitism.pdf

[5] religionnews.com/2016/05/20/archbishop-anti-semitism-embedded-in-british-culture/

[6] http://www.archbishopofcanterbury.org/articles.php/5492/archbishops-remarks-at-appg-antisemitism-report-launch

[7] http://jcpa.org/article/antisemitism-embedded-in-british-culture/

[8] library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf

[9] http://www.nytimes.com/1982/08/11/world/begin-hints-that-mitterrand-remark-paved-way-for-terrorists-attack.html

[10] Per Ahlmark, “Palme’s Legacy 15 Years On,” Project Syndicate, February 2001.

[11] Moses Altsech (Daniel Perdurant, pseud.), “Anti-Semitism in Contemporary Greek Society,” Analysis of Current Trends in Anti-Semitism, 7 (Jerusalem: Hebrew University, 1995), 10.

[12] Manfred Gerstenfeld and Orna Orvell, “The Norwegian Government: Antisemitism and Anti-Israel Policies (2005–2013).” The Vidal Sassoon Center, Acta 37, 2015

[13] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/16474

[14] http://www.jta.org/2013/01/09/news-opinion/world/in-malmo-record-number-of-hate-crimes-complaints-but-no-convictions

[15] www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/18841; http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/18921

[16] www.dailymail.co.uk/news/article-3566667/Jewish-Labour-MP-speaks-vile-anti-semitic-abuse-subjected-online-bullies.html; http://www.timesofisrael.com/jewish-labour-mp-posts-anti-semitic-abuse-she-received-online/

[17] http://www.thejc.com/news/uk-news/158299/only-one-10-labour-members-believes-party-has-antisemitism-problem-poll-reveals

[18] http://www.dailymail.co.uk/news/article-3531852/Labour-councillor-20-suspended-claims-called-Hitler-greatest-man-history-latest-anti-Semitic-scandal-hit-Corbyn-s-party.html

[19] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/18910

[20] http://jewishnews.timesofisrael.com/corbyn-letter/

[21] http://avalon.law.yale.edu/20th_century/hamas.asp

[22] http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4179427,00.html

[23] http://www.un.org/en/universal-declaration-human-rights/

Nichtmuslimische Hetzer in der britischen Labour Party

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Muslime haben im aktuellen Skandal um antisemitische Hetze in der britischen Labour Party eine unverhältnismäßig große Rolle gespielt.[1] Dem bisherigen Überblick über muslimische Hetzer solltne weitere Namen hinzugefügt werden. Einer ist der Europarlamentarier Afzal Khan. 2014 twitterte er: „Die israelische Regierung handelt im Gazastreifen wie die Nazis.“ Ein Sprecher der Partei bestätigte, dass Khan keinerlei Disziplinarmaßnahmen befürchten muss, aber an seine Verantwortung erinnert werden würde.[2] Das ist eine bequeme rhetorische Formel, die auf gut Deutsch heißt: „Keine Sorge, wir rühren dich nicht an…“

Der prominenteste Täter antiisraelischer und antisemitischer Verleumdungen ist ein einheimischer Brite, Ken Livingstone, Linksextremer und ehemaliger Bürgermeister von London. Er hat eine lange und fortdauernde Geschichte der Verbreitung von Hass auf Israel und die Juden.

2005 verhöhnte Livingstone einen Journalisten, von dem er wusste, dass er Jude war; er nannte ihn einen Nazi-KZ-Wächter.[3] Im selben Jahr hieß er den in Ägypten geborenen und in Qatar ansässligen Yusuf Al-Qaradawi nach London ein. Dieser führende sunnitische Kleriker billigt Selbstmord-Bombenanschläge und hat sowohl antisemitische als auch homophobe Ansichten. Livingstone sagte, Al-Qaradawi würde helfen die Beziehungen zwischen dem Westen und der muslimischen Religion zu verbessern.[4]

2006 sagte Livingstone, wobei er sich auf die in Indien geborenen jüdischen Brüder Reuben bezog, die Grundstücksentwickler irakischer Herkunft sind: „Wenn sie hier nicht glücklich sind, dann können sie in den Iran zurückgehen und ihre Glück bei den Ayatollahs versuchen, wenn sie die Planungsdirektiven oder meine Heransgehensweise nicht mögen.“[5] Man kann sich nur vorstellen, wie die Reaktionen aussehen würden, hätte ein Londoner Bürgermeister dasselbe über muslimische Geschäftsleute gesagt.

Nachdem Jeremy Corbyn zum Parteichef gewählt wurde, ernannte er Livingstone zum Vizevorsitzenden für die Überprüfungsgruppe von Verteidigungsangelegenheiten.[6] Livingstone zog in die aktuelle Antisemitismusdebatte bei Labour ein, weil er die suspendierte Parlamentsabgeordnete Nazim Shah unterstützte, die vorgeschlagen hatte Israel soll in die USA verlagert werden.[7] Livingstone sagte zudem, dass Hitler den Zionismus unterstützt habe,[8] was zu seiner Suspendierung führte.[9]

Seamus Milne ist allerdings bis heute nicht suspendiert worden, trotz seiner Kommentare im Jahr 2007, als der Hamas-Anhänger die Gründung Israels als Verbrechen bezeichnete.[10] Seine öffentlich verkündeten Ansichten hinderten Corbyn nicht daran ihn als verantwortlichen Direktor für Strategie und Kommunikation ins Spiel zu bringen. Das ist in der Partei ein Schlüsselposten.[11]

Der Ursprung der aktuellen Antisemitismus-Debatte in der Labour Party ist bis zum Rücktritt des Vorsitzenden des Oxford University Labour Club (OULC), Alex Chalmers, zurückzuverfolgen. Auf seiner Facebook-Seite schrieb Chalmers: „Ein großer Teil sowohl der OULC als auch der linken Studenten in Oxford haben allgemeiner gesehen ein Problem mit Juden.“[12][13][14] Später trat Brahma Mohanty, der Behindertenbeauftragte des Clubs ebenfalls zurück.[15] Diese Rücktritte führten zu einer Ermittlungen der Labour-Politikerin Baroness Royall.[16] Das National Executive Committee der Partei hat nur Teilen des Berichts zur Veröffentlichung freigegeben.[17]

Nachdem der Oxford University Labour Club (OULC) für die Unterstützung der Israel Apartheid Week stimmte, sagte Parteichef Ed Miliband seinen Vortrag dort ab. Er sagte, er sei wegen der Antisemitismusvorwürfe dort sehr beunruhigt.[18]

Vicky Kirby wurde 2014 erstmals suspendiert, nachdem einige ihrer Tweets in den sozialen Medien bekannt wurden. Sie wurde in der Folge mit einer Verwarnung von der Partei wieder zugelassen und später zur Vizevorsitzenden des Exekutivekomitees der Labour Party in Woking gewählt.

Kirby war als Labour-Kandidatin für den Wahlkreis Woking bei den allgemeinen Wahlen von 2015 vorgesehen. Die Partei zog ihre Kandidatur zurück, als man herausfand, dass sie wieder eine Reihe antisemitischer und antiisraelischer Tweets in den sozialen Medien gepostet hatte. Manche besagten, Hitler könnte der „zionistische Gott“ gewesen sein, dass „wir Israel erfanden, als wir sie vor Hitler retteten, der heute ihr Lehrer gewesen zu sein scheint“ und selbst „ich werde nie vergessen und ich werde sicherstellen, dass meine Kinder ihre Kinder lehren werden, wie übel Israel ist!“ Das steht im Einklang mit ihrer früheren Twitter-Geschichte, einschließlich einem Eintrag im Jahr 2011, der darauf verwies, dass Juden „große Nasen“ haben; in einem anderen fragte sie, warum ISIS nicht die wahren Unterdrücker angriff, Israel.[19][20] Sie ist jetzt erneut suspendiert worden.

Ebenfalls suspendiert ist Jackie Walker, Vizevorsitzende des Momentum National Steering Committee- einer linken Interessengruppe der Labour Party – und Vizevorsitzende der Labour Party in South Thanet. Sie schrieb über „den afrikanischen Holocaust“ und Juden als „Hauptfinanziers des Zucker- und Sklavenhandels“.[21] Walker erwähnte, dass sie jüdischer Herkunft sei, eine irrelevante Bemerkung, da Juden wie jeder andere auch Antisemiten sein können. Ihre Suspendierung wurde später aufgehoben.

Dvid Watson ist der jetzt suspendierte Spendenkoordinator der Labour Party in Walthamstow. Watson hatte auf seiner Facebook-Seite einen Artikel geteilt, der den Mossad mit den Nazis gleich setzt und Israel des Völkermords an den Palästinensern beschuldigt.[22]

Ein weiteres suspendiertes Parteimitglied ist John McAuliffe, der für Online-Publikationen schreibt und behauptet Experte für Außenpolitik zu sein. Er erklärte auf seiner Facebook-Seite, der Holocaust sei „ein politisches Mittel“, das von Israel benutzt werde „um im Westen einen finanziellen Hebel einführen zu können“.[23]

Obwohl die bei weitem meisten antisemitischen Äußerungen in der Politik, die in jüngster Zeit ans Licht kamen, von Mitgliedern der Labour Party kamen, sind sie nicht alleine. Der ehemalige liberaldemokratische Abgeordnete David Ward ist heute Stadtverordneter der Partei in Bradford. Er twitterte: „Anerkennung für #NazShah für das Aufbringen des wichtigen Themas der #US Unterstützung für den Schurkenstaat #Israel.“

Ein Sprecher der Liberaldemokraten in Yorkshire sagte: „David ist an seine Verpflichtungen als gewählter Offizieller und die Entschlossenheit der Partei Antisemitismus zurückzuweisen erinnert worden.“[24] Das ist ein weiteres Beispiel leeren Geredes. Während Wards Amtszeit im Parlament hatte er Israel einen Apartheidstaat genannt und wurde von seiner Partei suspendiert.[25]

Das Ausmaß und die Bandbreite der ins Blickfeld gekommenen antiisraelischen und antisemitischen Verleumdungen durch muslimische und nichtmuslimische Hetzer in der britischen Labour Party ist beträchtlich. Es hat Andeutungen gegeben, dass orthodoxe Juden hinter dem 9/11 und ISIS stecken, Behauptungen, dass Juden in Russland in Sexhandel mit Frauen involviert sind und solche, die Ekel wegen der „mächtigen“ Juden in den USA äußern. Hitlers Name spielt in den Verleumdungen eine wichtige Rolle, In Äußerungen, er sei der größte Mann der Geschichte, er sei der zionistische Gott und dass er die Zionisten unterstützte.

Bezüglich Israels ist die Bandbreite noch größer. Zu den Verleumdungen gehören Äußerungen, dass die Gründung Israels ein Verbrechen war und dass Großbritannien sich für die Balfour-Erklärung entschuldigen sollte.[26] Einige gewählte Labour-Repräsentanten haben Israel beschuldigt hinter ISIS zu stecken, sich gegenüber den Palästinensern wie die Nazis zu verhalten und sie haben behauptet, dass Israelis im Gazastreifen einen Holocaust begangen haben.

Doch trotz der Bedeutung der nichtmuslimischen antisemitischen und antiisraelischen Hetze in der Labour Party wurden ihre Bemerkungen und Aussagen von Aysegul Gurbuz‘ Wunsch nach Völkermord übertroffen. Diese muslimische Labour-Stadtverordnete aus Luton twitterte, dass sie hofft der Iran würde Atomwaffen einsetzen, um „Israel von der Landkarte zu wischen“.[27]

[1] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/18841

[2] http://www.telegraph.co.uk/news/2016/05/18/labour-refuses-to-discipline-mep-who-compared-israel-to-the-nazi/

[3] http://www.theguardian.com/media/2005/feb/12/pressandpublishing.londonpolitics

[4] news.bbc.co.uk/2/hi/4165691.stm

[5] http://www.theguardian.com/commentisfree/2006/mar/22/livingstoneemployslowlevelr

[6] http://www.telegraph.co.uk/news/politics/labour/12002961/Ken-Livingstones-appointment-shows-Jeremy-Corbyns-contempt-for-his-MPs.html

[7] http://www.newstatesman.com/politics/staggers/2016/04/naz-shah-resigns-labour-frontbench

[8] http://www.theguardian.com/politics/2016/apr/30/livingstone-muddies-history-to-support-hitler-and-zionism-claims

[9] http://www.bbc.com/news/uk-36165298

[10] http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/211571

[11] http://www.newstatesman.com/politics/media/2015/10/jeremy-corbyn-appoints-seumas-milne-head-strategy-and-communications

[12] https://www.facebook.com/alex.chalmers.16/posts/1054958807895916?pnref=story

[13] http://www.independent.co.uk/student/news/oxford-university-labour-club-co-chair-alex-chalmers-resigns-amid-anti-semitism-row-a6878826.html

[14] http://www.telegraph.co.uk/education/educationnews/12160167/Oxford-Universitys-Labour-club-embroiled-in-anti-Semitism-row.html

[15] http://www.thejc.com/news/uk-news/154883/second-oxford-university-labour-club-officer-resigns

[16] http://www.jlm.org.uk/blog_baroness_royal_on_her_report_there_is_too_often_a_culture_of_intolerance_where_jews_are_concerned_and_there_are_clear_incidents_of_antisemitism

[17] http://www.thejc.com/news/uk-news/158303/labour-nec-bans-publication-royall-report-oxford-university-labour-club-antisemi

[18] http://www.bbc.com/news/uk-england-oxfordshire-35602993

[19] http://www.thejc.com/news/uk-news/154610/labour-suspends-vicki-kirby-pending-investigation

[20] http://www.theguardian.com/politics/2016/mar/15/labour-suspends-activist-vicki-kirby-over-antisemitism-claims

[21] http://www.bbc.com/news/uk-england-kent-36203911

[22] http://www.thejc.com/news/uk-news/157845/labour-suspends-walthamstow-activist-antisemitic-facebook-posts

[23] http://www.thejc.com/news/uk-news/157341/labour-activist-suspended-saying-israel-uses-holocaust-a-political-tool%E2%80%99

[24] http://www.thejc.com/news/uk-news/157947/lib-dems-speak-ex-mp-david-ward-after-he-backs-naz-shah-antisemitic-comments

[25] http://www.theguardian.com/politics/2013/jul/18/david-ward-whip-israel-apartheid-state

[26] http://www.dailymail.co.uk/news/article-3578892/We-say-sorry-creating-Israel-suggests-Labour-MP-party-continues-reel-Livingstone-s-suspension-remarks-Hitler.html

[27] http://www.dailymail.co.uk/news/article-3531852/Labour-councillor-20-suspended-claims-called-Hitler-greatest-man-history-latest-anti-Semitic-scandal-hit-Corbyn-s-party.html

 

Jeremy Corbyn, der Antisemiten legitimiert

ManfredGerstenfeldManfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Der Ausbruch von Antisemitismus und Antiisraelismus in der britischen Labour Party sollte vor dem Hintergrund der Einstellungen und dem Verhalten ihres aktuellen Parteichefs Jeremy Corbyn sowie einiger seiner Stellenbesetzungen gesehen werden. Dieser extreme Linke wurde im September 2015 mit fast 60% der Stimmen zum Parteichef gewählt.[1] Das durch sein Erscheinen als Leiter von Labour geschaffene Klima hat antiisraelische und antisemitische Parteimitglieder ermutigt eine Kakofonie an Hassäußerungen von sich zu geben.

In der Vergangenheit trug Corbyn auf verschiedene Weisen zu Antiisraelismus und Antisemitismus in der Labour Party bei. Er lud z.B. Vertreter der Terrororganisationen Hisbollah und Hamas ins britische Parlament ein und nannte sie „meine Freunde“.[2] Seine Einstellung zur Hamas, einer Organisation, die für Völkermord an Juden wirbt,[3] erhielt das Lob einer Führungskraft der palästinensischen Terrorgruppe.[4] Obwohl sich mehrere ranghohe Sozialdemokraten z.B. in Norwegen[5] mit Hamas-Vertretern getroffen haben, brachte keiner von ihnen ähnliche Wärme gegenüber den Terroristen zum Ausdruck.[6]

Corbyn hat auf Spendenveranstaltungen für die Organisation Interpal gesprochen und erschien in einem ihrer Werbevideos. Der Interpal-Vorsitzende Ibrahim Hewitt – ein Mann, dem die Einreise in die USA, Kanada und Australien verboten ist und bekannt für Ansichten wie der Empfehlung Ehebrecher zu steinigen – ist Corbyns „guter Freund“.[7] Die Daily Mail berichtete, dass Interpal Geld für ein Festival in Gaza gespendet hat, auf dem Kinder vorspielten, wie man auf israelische Soldaten einsticht.[8]

Soweit es Antisemitismus betrifft hat Corbyn eine langjährige Beziehung zum Holocaustleugner Paul Eisen, mit dem er sich bei mehreren Gelegenheiten getroffen hat. Eisen behauptet Corbyn habe fünfzehn Jahre lang an Treffen mit seiner extremen Gruppe Remember Deir Yassin[9] teilgenommen und ihrer Sache Geld gespendet.[10] Der Jewish Chronicle warf sieben Fragen zu höchst problematischen Themen aus Corbyns Vergangenheit auf.[11] Schließlich gab ein Sprecher eine ausweichende und nicht eindeutige Antwort.[12]

Nichts davon macht Corbyn zum direkten Antisemiten. Man kann ihn viel besser als jemanden bezeichnen, der Terroristen und Antisemiten durch sein Auftreten und seine Worte legitimiert. Solches Tun wird in keiner Definition des Antisemitismus erscheinen. Sie sind jedoch typisch für viele „Mitreisende“ antijüdischer und antiisraelischer Hassverbreiter.

Von rund zwanzig der Mitglieder, die von der Labour Party bislang suspendiert wurden, sind die Namen bekannt. Zwar sind es mehrheitlich Muslime, der prominenteste suspendierte Hassverbreiter ist aber Ken Livingstone, ein einheimischer Engländer, ehemaliger Bürgermeister von London und enger Vertrauter Corbyns. Als Corbyn zum Parteichef aufstieg, ernannte er Livingstone zum Labour-Vizevorsitzenden für die Überprüfung von Verteidigungsangelegenheiten.[13]

Nicht alle in den vergangenen Wochen aufgedeckten Verleumdungen gehen auf die Zeit von Corbyns Parteiführung zurück. Doch das Scheinwerferlicht der Medien auf Labours Antisemitismusproblem hat die Aufmerksamkeit auch auf früheren Antiisraelismus und Antisemitismus gelenkt, wie er von gewählten Funktionären und Mitgliedern der Partei zum Ausdruck gebracht wurde.

Nachdem er zum Labour-Parteichef gewählt wurde, musste Corbyn etwas behutsamer sein als während seiner Arbeit als Abgeordneter am Rand der Partei. So holte er z.B. die proisraelische jüdische MP Luciana Berger in sein Schattenkabinett und gab ihr das Gesundheits-Portfolio.[14] Während der jährlichen Labour-Konferenz im September 2015 musste er auch vor den Labour Friends of Israel sprechen. Er tat das, erwähnte Israel aber nicht ein einziges Mal.[15]

Seamus Milne, einer der engsten Mitarbeiter Corbyns, hat ebenfalls seinen Hass auf Israel zum Ausdruck gebracht. Dieser Journalist der Tageszeitung The Guardian wurde vom neuen Parteichef kurz nach dessen Wahl in die Position des Exekutivdirektors der Partei für Strategie und Kommunikation ernannt.[16] Mit anderen Worten: Er ist Corbyns Imageberater. Es wurde ein Video veröffentlicht, in dem Milne die Gründung Israels als ein Verbrechen beschreibt. Er ist außerdem ein Hamas-Unterstützer und sagte: „Trotz der entsetzlichen Verluste ist die Hamas nicht gebrochen und wird wegen des Widerstandsgeistes des palästinensischen Volks auch nicht gebrochen werden.“[17]

Corbyn hat widerwillig auf die Vorwürfe zum Antisemitismus in seiner Partei reagiert. Er zog es vor abzustreiten, dass das Problem existiert. Ende April diesen Jahres erklärte Corbyn in Reaktion auf die Antisemitismus-Beschuldigungen in der Labour Party: „Nein, es gibt kein Problem. Wir sind absolut gegen Antisemitismus in jeder Form innerhalb der Partei. Mit der sehr geringen Zahl der Fälle, auf die wir aufmerksam gemacht worden sind, wurde rasch und direkt umgegangen und das wird auch weiter geschehen.“[18]

Während der Fragen an den Premierminister am 4. Mai des Jahres griff David Cameron Corbyn mehrmals wegen dessen Freundschaft mit Hamas und Hisbollah an. Er bezeichnete diese Terrororganisationen als Corbyns Freunde und fragte: „Sind sie Ihre Freunde oder nicht?“ Cameron fügte in seiner Attacke auf den Labour-Chef hinzu: „Weil diese Organisationen in ihren Satzungen an die Verfolgung und das Töten von Juden glauben, sind sie antisemitische Organisationen, sie sind rassistische Organisationen; er muss aufstehen und sagen, dass sie keine Freunde sind.“[19] Corbyn beantwortete die Frage typischerweise nicht mit einem klaren Ja oder Nein.

David Hirsch, ein jüdischer Akademiker, der in der akademischen Welt seit Jahren gegen britischen Antisemitismus kämpft, hat die Einstellungen von Corbyn und den Linken, die er repräsentiert, methodisch analysiert. Er fasste die Ansichten des derzeitigen Labour-Chefs wie folgt zusammen: „Die corbynistische Weltsicht ist eine, die einige autoritäre Staaten, einige Terrorbewegungen und einige Arten von Antisemitismus als objektiv auf unserer Seite gegen Imperialismus sieht, als Teil der globalen progressiven Bewegung. Manchmal erfolgt ein Eingeständnis, dass die Gewalt und der Antisemitismus dieser ‚Genossen‘ nicht ganz mit unseren eigenen Werten in Einklang stehen; sie sind zugegebenermaßen nicht schön, aber wer sind ‚wir‘, die Unterdrückten über Werte zu belehren?“[20]

Es stellt sich heraus, dass Antiisraelismus und Antisemitismus als nützliches Prisma dienen, durch das die moralische Degeneration einer weiteren sozialdemokratischen Partei Europas betrachtet werden kann. Es ist meist auch ein Indikator für weitere große Probleme. Corbyns politische Ansichten zum Beispiel gefährden die britische Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. Angesichts des derzeitigen Zustands der Labour Party ist es höchstwahrscheinlich, dass über die bereits problematische Durchdringung der Wählerrepräsentation durch Antisemiten und Beschöniger von Hassverbreitung viele weitere Probleme ans Licht kommen werden.

[1] http://www.theguardian.com/politics/2015/sep/12/jeremy-corbyn-wins-labour-party-leadership-election

[2] http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/aug/13/jeremy-corbyn-labour-leadership-foreign-policy-antisemitism

[3] http://avalon.law.yale.edu/20th_century/hamas.asp

[4] http://www.breitbart.com/jerusalem/2016/05/02/exclusive-hamas-corbyns-willingness-talk-us-painful-hit-zionist-enemy

[5] http://news.bbc.co.uk/2/hi/6470669.stm

[6] http://sicsa.huji.ac.il/pdf/ACTA37.pdf, S. 8-9.

[7] http://www.dailymail.co.uk/news/article-3561337/As-Labour-anti-Semitism-row-deepens-revealed-Jeremy-Corbyn-s-pet-charity-funded-Palestinian-festival-hate-children-dressed-terrorists-acted-murdering-Jews.html

[8] http://www.dailymail.co.uk/news/article-3561337/As-Labour-anti-Semitism-row-deepens-revealed-Jeremy-Corbyn-s-pet-charity-funded-Palestinian-festival-hate-children-dressed-terrorists-acted-murdering-Jews.html

[9] „Erinnert an Deir Yassin“ oder „Gedenkt Deir Yassin“

[10] http://www.dailymail.co.uk/news/article-3187428/Jeremy-Corbyn-s-links-notorious-Holocaust-denier-revealed.html

[11] http://www.thejc.com/news/uk-news/142144/the-key-questions-jeremy-corbyn-must-answer

[12] http://www.thejc.com/news/uk-news/142656/jeremy-corbyn-responds-jc%E2%80%99s-seven-questions

[13] http://www.telegraph.co.uk/news/politics/labour/12002961/Ken-Livingstones-appointment-shows-Jeremy-Corbyns-contempt-for-his-MPs.html

[14] http://www.independent.co.uk/news/uk/politics/jeremy-corbyn-creates-new-dedicated-minister-for-mental-health-in-his-shadow-cabinet-10500075.html

[15] http://www.thejc.com/news/uk-news/146106/jeremy-corbyn-heckled-after-labour-friends-israel-speech

[16] http://www.newstatesman.com/politics/media/2015/10/jeremy-corbyn-appoints-seumas-milne-head-strategy-and-communications

[17] http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/211571

[18] http://www.telegraph.co.uk/news/2016/04/28/ken-livingstone-suspended-labour-party-anti-semitism/

[19] http://www.independent.co.uk/news/uk/politics/david-cameron-jeremy-corbyn-hamas-hezbollah-friends-pmqs-labour-antisemitism-row-a7012821.html

[20] http://fathomjournal.org/the-corbyn-left-the-politics-of-position-and-the-politics-of-reason/

Das Ende des Erinnerns an den Holocaust

Jeff Jacoby, The Boston Globe, 1. Mai 2016

Lange bevor der Holocaust seinen Lauf nahm gab es bereits verzweifeltes Drängen ihn nicht vergessen zu lassen. In Verstecken und auf der Flucht, im Schatten der Gaskammern und dem Rauch der Krematorien versuchten Juden verzweifelt Zeugnis von den Ungeheuerlichkeiten der Nazis festzuhalten. Umgeben von Grauen, in Erwartung des eigenen Todes appellierten sie an die Zukunft: Erinnert euch.

In seiner Rede zur Verleihung des Nobelpreises erinnerte sich Elie Wiesel 1986 an den angesehenen Historiker Simon Dubnow, der immer und immer wieder sein Mitbewohner des Ghettos von Riga beschwor: „Yidden schreibt und farschreibt“ – „Juden, schreibt alles auf.“

Viele empfanden ein überwältigendes Bedürfnis die Wahrheit zu bewahren. „Zahllose Opfer wurden zu Chronisten und Historikern in den Ghettos, selbst in den Todeslagern“, sagte Wiesel. „Sie hinterließen außergewöhnliche Dokumente. Zeugnis abzulegen wurde zu einer Obsession. Sie hinterließen uns Gedichte und Briefe, Tagebücher und Fragmente für Romane, von denen einige weltweit Berühmtheit erlangten, andere immer noch unveröffentlicht sind.“ Und als der Krieg aus war und man das wahnsinnige Ausmaß der Endlösung voll begriff – die deutschen und ihre Kollaborateure hatten 6 Millionen Juden aus allen Ecken Europas ausgelöscht und mehr als ein Drittel der jüdischen Weltbevölkerung vernichtet – wurde der moralische Imperativ sich zu erinnern nur noch stärker.

Das Judentum hat mit Erinnerung immer eine intensive Bedeutung beigegeben; in zahlreichen Versen der hebräischen Bibel macht diese sie sogar zu einer ausdrücklichen religiösen Verpflichtung. Es überrascht nicht, dass Israels Parlament dem jüdischen Kalender für jeden Frühling den Yom HaSchoah – oder Holocaust-Gedenktag – hinzugefügt hat. (Er beginnt dieses Jahr Mittwochabend.) Für viele Holocaust-Überlebende und ihre Kinder wurde „Never Forget“ (Niemals vergessen) verständlicherweise fast zum 11. Gebot.

Aber eine Hingabe an Erinnerung ging weit über die Gemeinschaft dieser am stärksten von der industriellen Nazi-Kampagne zur Ausrottung der Juden hinaus. In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Holocaust-Gedenken, besonders im Westen, zu einem weit verbreiteten Kulturphänomen. Zahllose Bücher, Vorträge und Dokumentationen sind dem Thema gewidmet worden. Die akademische Welt ist reichlich mit Programmen für Holocaust-Studien ausgestattet. Auf kleinen wie großen Bildschirmen sind Filme und Miniserien zum Thema Holocaust sind zu überragenden Erfolgen geworden. Online-Quellen zum Lernen über den Holocaust sind fast zu zahlreich, als dass man sie zählen kann. Und Holocaust-Gedenkstätten und -Museen sind in großen und kleinen Städten auf jedem Kontinent außer der Antarktis gebaut worden.

Die Auslöschung des europäischen Judentums durch die Nazis, ein Übel, das so ohnegleichen ist, dass das Wort „Genozid“ zu seiner Beschreibung geprägt werden musste, gehört zu den am vollständigsten erforschten, dokumentierten und mit Gedenkstätten versehenen Verbrechen des 20. Jahrhunderts. Der mächtige Naziführer Heinrich Himmler, der 1943 den bereits gut in Gang gekommenen Massenmord an den von Juden 1943 als „eine ruhmvolle Seite in unserer Geschichte, die niemals geschrieben werden darf“ bezeichnete, lag falsch. Die Geschichte wurde geschrieben. Die Erinnerung daran wird von einem Ozean an Forschung, Zeugenaussagen, Literatur und Bildung aufrechterhalten. Die letzten lebenden Überlebenden des Holocaust sind heute zumeist in ihren 80-er und 90-er Jahren; in ein paar Jahren wird fast niemand mehr übrig sein, um von den persönlichen Erfahrungen dessen zu erzählen, was es bedeutet in den einzigartigen Horror der Schoah eingehüllt zu sein.

Doch die Überlebenden haben zumindest diese Zusicherung: Was ihnen geschah wird nicht vergessen werden.

Oder etwa doch?

Die Ereignisse des Holocaust haben mich verfolgt, sei ich mich erinnern kann. Mein Vater, der 1925 in einem winzigen Dorf an der Grenzen zwischen der Tschechoslowakei und Ungarn geboren wurde, ist ein Überlebender von Hitlers Vernichtungsprogramm. Mit seinen Eltern und vier seiner Brüder und Schwestern wurde er von den Nazis im Frühjahr 1944 verhaftet, in einem überfüllten Ghetto eingesperrt und dann nach sechs Wochen in einen Viehwaggon getrieben, um nach Auschwitz abtransportiert zu werden. Von den sieben unmittelbaren Familienangehörigen, die im Todeslager ankamen, wurden sechs ermordet; einzig mein Vater entkam dem Tod.

Für mich ist der Holocaust immer immens persönlich gewesen. Er mag zwar vor eineinhalb Jahrzehnte vor meiner Geburt geendet haben, aber ich haben immer verstanden, dass auch ich zur Vernichtung ausgewählt war. In einer öffentlichen Rede hatte Hitler 1939 gelobt „die Vernichtung der jüdischen Rassen in Europa“ zu verwirklichen. Der Kern der Endlösung besteht darin endgültig zu sein. Keine Juden sollten überleben – vor allem keine jüdischen Kinder, über die 3.000 Jahre jüdischer Existenz fortzusetzen. Das war das Ziel, für das Deutschland eine solche, auf dem ganzen Kontinent durchgeführte Operation aufbaute und solch immense finanzielle Ressourcen einsetzte: Um auch den letzten Juden in Europa ausfindig zu machen und zu ermorden.

Niemals zuvor hatte eine Weltmacht, von Antisemitismus wahnsinnig gemacht, die Ausrottung eines gesamten Volks zu ihrem zentralen Ziel gemacht oder es derart zum Äußerten getrieben es zu erreichen. Das ist es, was den Holocaust so grotesk, entsetzlich einzigartig macht. Die beispiellose Bosheit des Antisemitismus, eines Hasses, der älter und anders ist als jeder andere der Menschheitsgeschichte, ist der Kern, um den es beim Holocaust geht – dies und die Rolle der Juden als der Kanarienvogel im Bergwerk der Zivilisation. Wenn eine Gesellschaft sich mit giftigen moralischen Dämpfen vollstopft, werden Juden zum Ziel von Fanatismus und Terror. Aber es endet selten bei ihnen. Hitler macht sich daran die Juden zu verbrennen; am Ende stand ganz Europa in Flammen.

Die Geschichte ist angefüllt mit furchtbaren Illustrationen der menschlichen Fähigkeit zu Grausamkeit, Hass und Gewalt; in jedem Zeitalter hat es skrupellose Tyrannen gegeben, die bereit waren zum Erhalt von Macht und Wohlstand zu foltern und zu töten. Dass unkontrollierte Intoleranz und Rassismus zu barbarischen Verbrechen führen können, ist eine unverzichtbare Lektion. Aber wenn „Nie wieder“ mehr als das ist, dann muss die Holocaust-Erinnerung als Fehlschlag gewertet werden.

Es war immer unausweichlich, dass die Ungeheuerlichkeit im öffentlichen Bewusstsein schwinden würde. Der menschliche Verstand ist zum Vergessen gemacht; weder Einzelne noch Gesellschaften können verhindern, dass das Ausmaß der quälenden Erinnerungen im Lauf der Zeit abnimmt. IN seinem neuen Buch In Praise of Forgetting denkt David Rieff über König Philips Krieg nach, einen mörderischen Konflikt zwischen englischen Siedlern und Indianern im Neuengland des 17. Jahrhunderts. Auf einer Pro-Kopf-Basis war es der blutigste Krieg der amerikanischen Geschichte und diejenigen, die das Gemetzel überlebten, müssen leidenschaftlich überzeugt gewesen sein, dass es niemals vergessen werden wird.

„Und doch“, schreibt Rieff, „redet abgesehen von professionellen Historikern der Krieg von König Philip fast niemand mehr darüber… Die historische Bedeutung eines Ereignisses in seiner eigenen Zeit und in den Jahrzehnten danach bietet keine Garantie, dass man sich im nächsten Jahrhundert noch daran erinnern wird, ganz zu schweigen von den vielen danach.“

Früher oder später – ich fürchte: früher als später – wird dem Holocaust dasselbe Schicksal zuteil werden.

Wie andere furchtbare Ausbrüche an Grausamkeit und Gemetzel wird der Holocaust gewissermaßen „gewöhnliche“ Geschichte werden. Inzwischen gibt es reichlich Belege, dass das, was Europas Juden während des Zweiten Weltkriegs widerfuhr, aus dem Allgemeinwissen verschwindet. 2013 stellte eine Umfrage bei 53.000 Befragten in 101 Ländern fest, dass lediglich 54 Prozent der Erwachsenen der Welt vom Holocaust überhaupt gehört hatten – und von diesen glaubt ein Drittel, dass er entweder ein Mythos ist oder enorm übertrieben worden ist.

So entmutigend diese Zahlen auch sind, sie werden sich zwangsläufig verschlechtern. Da die Generation der Holocaust-Überlebenden stirbt, da Holocaust-Leugner ihr Gift verbreiten, da Gleichgültigkeit gegenüber der Geschichte ihren unvermeidlichen Tribut fordert, wird die Erinnerung an den Völkermord der Nazis an den Juden sich verflüchtigen.

Mehr und mehr werden die Holocaustterminologie und seine Bilder banalisiert werden. Tatsächlich sind die Worte und Bilder seit Jahren furchtbar missbraucht worden. In ihrer Kampagne „Der Holocaust auf Ihrem Teller“ hat die Tierschutzorganisation PETA Hitlers Millionen menschliche Opfer mit Hühnern gleich gesetzt, die als Lebensmittel geschlachtet werden. In Taiwan wurden riesige Hitler-Bilder mit zum Nazigruß erhobenen Arm genutzt, um für Heizgeräte zu werben. In einer Fernsehsendung bestand der evangelikale Prediger Pat Robertson darauf, dass „was Nazideutschland den Juden antat, hat tut das liberale Amerika heute den evangelikalen Christen an … Das ist nichts anderes, das ist dasselbe.“

Holocaust-Erinnerung hat das Einsetzen der Holocaust-Amnesie nicht verhindert.

Während ein paar Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg machte seine schiere Monstrosität den Holocausts als Thema für Witze es undenkbar. Aber auch das ist über Bord gegangen, zusammen mit dem kurzfristigen Nachkriegs-Tabu, das widerlichen Antisemitismus aus der höflichen Gesellschaft verbannte. Heute wuchern Holocaust-Witze. „Geschmacklos und in üblem Geist sind einige davon Teil des Repertoires populärer Stand-up-Comedians geworden“, schreibt Alvin Rosenfeld, ein Forscher an der Indiana University. „Indem man jüdisches Leiden bespöttelt und verhöhnt versuchen Komiker wie Frankreichs Dieudonné, Norwegens Otto Jespersen, Irlands Tommy Tiernan und ihre Pendants in anderen Ländern Hitlers jüdische Opfer mit einem Lachen abzutun, indem sie sie über sie lustig machen.“

Das Gewissen der Welt war – hinterher – schockiert vom Ausmaß und der Grausamkeit des Holocaust. Angesichts solch monumental Bösenkönnte „Niemals vergessen“, wie „Nie wieder“ die einzig mögliche anständige Antwort gewesen sein. „Nach dem Krieg“, sagte Elie Wiesel, „beruhigten wir uns selbst damit, dass es ausreichen würde von einer einzigen Nacht in Treblinka zu erzählen … um die Menschheit aus ihrer Gleichgültigkeit zu rütteln und die Folterer davon abzuhalten jemals wieder zu foltern.“

Aber das reichte nicht. Berichte von dem, was in Treblinka getan wurde, verhinderte den Massenmord in Kamboscha oder Bosnien oder Ruanda nicht. Holocaust-Erinnerung hat die Menschen nicht gegen brutale Behandlung anderer Menschen geimpft. Museen und Filme und College-Kurse über die Schoah haben Völkermord nicht undenkbar gemacht – nicht einmal einen weiteren an Juden, wie die Regime im Iran und dem Gazastreifen regelmäßig deutlich machen.

Holocaust-Erinnerung hat Ausbruch der Holocaust-Vergesslichkeit nicht verhindert.

Für Überlebende wie meinen Vater und für die von ihnen aufgezogenen Söhne und Töchter ist es selbstverständlich, dass „Niemals vergessen“ ein unauslöschbarer moralischer Imperativ bleibt. Ich habe den Holocaust immer persönlich genommen und werde es immer tun. Aber die Welt, das weiß ich, wird es nicht tun. Irgendwann wird alles vergessen. Selbst die schlimmsten Verbrechen der Geschichte.