In Farbe: Unglaubliche Fotos von Juden und Muslimen im Heiligen Land aus dem Jahr 1900

Die damals revolutionäre Photochrom-Methode gab der Welt ihre ersten Farbfotos – auf Grundlage der Fantasie der die Druckplatten bearbeitenden Arbeitskräfte.

Chen Malul, The Librarians, Land of Israel, 12. November 2017

Die Fotosammlungen der Nationalbibliothek enthalten zwei Alben, deren Bilder am Ende des 19. Jahrhunderts erstellt wurden; dabei wurde der als Photochrom bekannte Prozess verwendet. Was für eine Methode war das und warum ähneln die Fotos eher Ölgemälden als den Schwarz-weiß-Originalen?

Das erste Farbfoto wurde 1880 von Thomas Sutton, einem Mathematik-Studenten, und dem Erfinder James Clerk Maxwell gemacht. Es war ein Bild auf einem Schal.

Die Westmauer am Ende des 19. Jahrhunderts. Männer und Frauen lehnen sich an die Mauer.
Das Rahelgrab

Obwohl die Technik zur Erstellung von Farbfotos innerhalb von Jahrzehnten nach der Erfindung der Fotografie entwickelt wurde, sollte es mehr als 100 Jahre dauern, bis die Farbfotografie Schwarz-weiß-Fotos in die Welt der Kunst verbannte. Die massenhafte Verschiebung zur Farbe erfolgte in den1970-er Jahren. Bis dahin gehörten zur Farbfotografie teure Techniken und sie wurde fast ausschließlich von Profi-Fotografen eingesetzt. In den ersten Jahrzehnten galt sie als unzuverlässig.

Zwanzig Jahre nach der Erzeugung des ersten Fotobildes entwickelte eine schweizerischer Drucker namens Orell Fussli Photochrom. Anders als die Farbfotografie, die die Originalfarben des Objekts einfängt, beinhaltet die Photochrom-Technik Schwarz-weiß-Fotos. Fusslis Erfindung bestand darin Lithografie zu verwenden, eine Druckmethode, die es schon Jahrhunderte gab.

Innerhalb weniger Jahre war Photochrom weit verbreitet. Ihr Hauptvorteil waren ihre niedrigen Kosten und relativ einfach herzustellende mehrfache Kopien, die man verkaufen konnte.

1888 eröffnete die Firma Fussli eine Tochter namens Photochrom Zürich. Seit seiner Erfindung bis in die 1920-er Jahre nutzte die Firma ihr Patent, um den Weltmarkt für Farbfotos zu dominieren. Zürich war der Ort, an den man gehen konnte, wenn jemand Farbe in ein Foto bringen wollte.

Der Vorplatz der Al-Aqsa-Moschee
Jaffa-Tor, Jerusalem
Der Grundstein im Felsendom
Jordan

Das Monopol der schweizerischen Firma führte zu einer interessanten Wendung. In Ermangelung genauer Anweisungen hatten die Beschäftigten der Firma keine Möglichkeit die Originalfarben in einem Schwarz-weiß-Foto wiederherzustellen. Also mussten sie sich auf ihre Vorstellungskraft verlassen.

Was uns zu den beiden Alben in der Nationalbibliothek in Jerusalem bringt.

Das erste Album, 1900 erstellt, ist eine Sammlung von Fotos der Pilgerreise einer Gruppe Österreicher ins Heilige Land. Aber es war nicht die Zeit der Touristen-Pilger, die Fotos machten. Damals gab es im osmanischen Palästina mehrere professionelle Fotografen. Die Bilder wurden von Profis aufgenommen und die Farbgebung erfolgte durch Photochrom Zürich.

Die Pilger, wie auch andere Kunden, die an Fotos aus dem Heiligen Land interessiert waren, suchten ihre Lieblingsbilder aus, offenbar von Orten, die sie auf ihrer Reise besucht hatten.

Ein aschkenasischer Jude in einer regenbogenfarben-gestreiften Kittel (Mitte).
Das Löwentor, Jerusalem
Eine Frau aus Bethlehem.
Muslimischer Betender. Das Bild wurde offenbar in der Al-Aksa-Moschee aufgenommen.

Daher überrascht es nicht, dass die meisten der Fotos im ersten Album Schlüsselorte in Jerusalem und der näheren Umgebung zeigen. Die einzige andere Stelle, die die Fotografien zeigen, ist die Küstenstadt Jaffa. Auf diesem Foto sind Hafenarbeiter aus Jaffa zu sehen, die das Boot des bekannten Fremdenführers Rolla Floyd rudern.

Der Fremdenführer Rolla Floyd zeigt Touristen den Hafen von Jaffa.

In diesem Album war der Vorplatz der Al-Aqsa-Moschee mit wunderbaren Farben verziert, während das Jaffa-Tor, das Löwentor und der Grundstein im Felsendom ebenfalls die Behandlung mit Photochrom erhielten. Es ist möglich, dass die Art, wie diese Fotos koloriert wurden, die Auffassungen der schweizerischen Angestellten von den Einwohnern des Landes spiegelt. In allen Fotos werden sie gezeigt, wie sie schwere Gewänder mit grellen Farbkombinationen tragen.

Ein arabischer Schneider
Der Felsendom (aus dem  zweiten Album)

Wir wissen sehr wenig von der Geschichte des zweiten Albums, das früher erstellt wurde. Wir wissen, dass es auf jeder kartonierten Seite den Eigentumsstempel einer schweizerischen evangelischen Schule gibt. Es ist möglich, dass die Eigentümer das Heilige Land tatsächlich besuchten, aber es ist auch möglich, dass sie das Album einfach von einer anderen Quelle erwarben.

Die 36 Photochrom-Drucke in diesem Album zeigen Landschaften im osmanischen Palästina und Syrien. Mehrere Fotos im ersten Album sind auch im zweiten zu finden und in einigen Fällen zeigen die Fotos dieselben Szenen in einem etwas anderen Moment.

Auf jeden Fall illustriert dieses Album mehrere Beispiele der künstlerischen Freiheit der Beschäftigten der schweizerischen Firma. Ein Beispiel ist ein Foto eines aschkenasischen Juden in einem regenbogenfarbig gestreiften Kittel – was höchstwahrscheinlich mit dem Original nicht übereinstimmt.

Und dieser Artikel kann nicht enden, ohne das schöne Foto der Westmauer vom Ende des 19. Jahrhunderts zu erwähnen. Darauf sieht man Männer und Frauen an der Mauer lehnend, gekleidet in ein wildes Spektrum in schwarz, weiß, rot, grün und braun.

Palästinensischer Propagandafehlschlag des Tages: Jaffa wiederbelebt?

David Lange, Israellycool, 11. August 2020

Eine Reihe antiisraelischer Propagandaseiten haben einige Fotos von Jaffa gepostet, das im eigentlichen Israel liegt und den Ort um das Jahr 1900 zeigt, bevor die „Zionisten“ es angeblich besetzten.

Quds News Network Alte Fotos der Stadt Jaffa im besetzten Palästina im Jahr 1900, die von den Zionisten 1948 besetzt wurde.
Palestine Revolutionary United Front Als Palästina noch frei von Zionisten war!! Die Stadt Jaffa, 1900

Lassen wir die Tatsache beiseite, dass in Jaffa damals Juden lebten. Es gibt noch ein weiteres Problem: Das Foto im ersten Bild oben rechts und im zweiten Bild rechts ist überhaupt nicht Jaffa. Es handelt sich um das Jaffa-Tor der Altstadt in Jerusalem. Und das ist auch nicht das erste Mal, dass Quds News Network diesen Fehler gemacht hat.

Oh, wie vertraut sie mit ihrem geliebten Jaffa und Jerusalem sie doch sind, dass sie nicht einmal wissen, wie sie aussehen und miteinander verwechseln!

Tel Avivs erste Feuerwehrleute

Die Geschichte von Israels erster Feuerwehr

Chen Malul, the Librarians, 7. Juli 202

Ein Feuerwehrmann in Tel Aviv (The Photohouse Collection)

Als Kinder wollten wir alle Feuerwehrmänner werden. Das lag an dem, was wir im Fernsehen sahen. Wir verkleideten uns zu Purim oder Halloween als Feuerwehrleute, spielten mit roten Feuerwehrautos und löschten mit imaginären Schläuchen. Wir wollten Feuer bekämpfen und in Bäumen festsitzende Katzen retten. Um ehrlich zu sein: Es waren nicht so sehr die heldenhaften Aspekte, die so reizten, als die einfache Tatsache, dass Feuerwehrleute ein tolles Foto geben. Die Feuerwehrleute von Tel Aviv waren sich dessen durchaus bewusst und führten die Tradition bereitwillig fort – was niemanden überraschte: Sie waren unglaublich fotogen.

Feuerwehrmänner in Tel Aviv, 1938 (The Photohouse Collection)

Die Händler der Stadt waren die ersten, die die Notwendigkeit erkannten und auch die ersten, die handelten: Sie spendeten zwei große, handbetriebene Löschpumpen, zwei kleine, dazu 200m Schläuche, 50 Eimer, Äxte und Schaufeln zur Gründung der ersten Feuerwehr in Israel – der Feuerwehr von Tel Aviv.

In ihren frühen Jahren war die Feuerwehr hauptsächlich auf Freiwillige angewiesen. Sie agierten die gesamten 1920-er Jahre hindurch – dem Jahrzehnt der Gründung der Feuerwehr – und improvisierten dabei, ohne Leitung durch die Behörden. Sobald sie eingerichtet waren, forderten die Freiwilligen, dass der Stadtrat ihnen Ausrüstung und Gelder zur Verfügung stellt.

Erst 1929, als die Zahl der Brände in der Stadt zunahm, begann der Stadtrat der Feuerwehr Gelder zuzuteilen. 1935, ein Jahr, nachdem die Freiwilligen damit kämpften einen Brand zu löschen, der in der Fabrik „Ha’argaz“ in Petach Tikva ausgebrochen war, wurde ein Sonderausschuss ernannt, um den Zustand der Infrastruktur der Stadt zur Brandbekämpfung zu untersuchen; er kam zu dem Schluss, dass eine Belegschaft aus Freiwilligen nicht mehr ausreichte; stattdessen sollte eine große Feuerwehr aufgebaut werden, voll ausgestattet mit Spitzen-Löschausrüstung und Berufsfeuerwehrleuten.

In ihrem Buch Umgeben von Licht und Meer (hebräisch) vermerkt Anat Helman: „Einige der Schlussfolgerungen des Ausschusses wurden allmählich umgesetzt und ein paar Jahre später wurden Brände zumeist von Berufsfeuerwehrleuten gehandhabt, während Freiwilligen eine untergeordnete Rolle hatten.“

Ein Heft mit dem Titel “Der freiwillige Feuerwehrmann: Die Feuerwehr von Tel Aviv feiert ihr “Bar Mitzwa”-Jubiläum” (hebräisch), Januar 1938. Die Grafik-Illustration unten im Bild zeigt die Anzahl der Feuer während der Jahre 1931 bis 1937.

Die Feuerwehr von Tel Aviv war nicht nur damit beschäftigt Feuer zu löschen und Katzen zu retten. Nach der Schließung des Polizeiorchesters von Tel Aviv konkurrierten die Orchester der Feuerwehr und von Maccabi Tel Aviv um die Gunst der Öffentlichkeit. Mitte der 1930-er Jahre gewann die Feuerwehr den ersten Platz im Orchester-Wettbewerb von Tel Aviv.

Die Freiwillige Feuerwehr war auch damit beauftragt für Sicherheit bei öffentlichen Veranstaltungen zu sorgen. Mehr als einmal nutzten sie ihre Feuerwehrschläuche, um Proteste auseinanderzutreiben, die außer Kontrolle geraten waren, eine Praxis, für die es einige harte Kritik seitens der Öffentlichkeit gab.

Die Feuerwehr von Tel Aviv am Wasserturm auf dem Rothschild-Boulevard während der 1920-er Jahre (The Bitmuna Collection)

Die Feuerwehrleute von Tel Aviv (The PhotoHouse Collection)