Über dieses Bild eines Steine werfenden „religiösen Juden“

David Lange, Israellycool, 17. November 2021

Vor ein paar Tagen twitterten die Israelhasser von IfNotNow dieses Foto, angeblich ein jüdischer „Siedler“, der Steine auf palästinensische Bauern wirft, wobei er Tallit und Tefillin trägt.

„Das sollte von jedem Rabbiner, jedem jüdischen Schulleiter, jedem jüdischen Lagerdirektor gesehen werden.
Am Freitag warf dieser Siedler Steine auf palästinensische Bauern, womit er die jüdischen Kultgegenstände schändete. Unsere Tradition ist eine der Moral und Gerechtigkeit – nicht der Gewalt.

Viele Israel-Unterstützer sahen das und behaupteten das Foto sei eindeutig gestellt. Welcher klar denkende Jude würde Steine werfen und dabei diese heiligen Gegenstände tragen (ganz zu schweigen davon überhaupt Steine zu werfen)?

Manche vermerkten eine Ähnlichkeit zwischen dem abgebildeten Mann und jemandem namens Shay Kendler, der als der Fotograf angeführt  ist – obwohl sich herausstellte, dass sie sich in diesem Fall auf dem Holzweg befanden:

Sieht noch irgendwer die Ähnlichkeit zwischen dem „gewalttätigen jüdischen Siedler“, dessen virales Foto von Shay Kendler aufgenommen wurde, und Shay Kendler?
UPDATE: @kweansmom weist auf einen anderen Shai Kendler auf Facebook hin, der professioneller Fotograf ist und dem anderen nicht ähnlich sieht. Es scheint wahrscheinlicher, dass dieser der Fotograf ist.

Andere versuchten zu zeigen, dass es eine Photoshop-Arbeit ist:

A. Kopfbedeckung im Bild hinzugefügt.
B. Felsen waren nicht Teil des Originalfotos.
C. Beine abgschnitten.
Sehr schlechtes Photoshop

Ich fühle zwar mit denen, die nichts trauen, was IfNotNow von sich gibt, aber ich muss noch sehen, dass jemand die Authentizität dieses Fotos tatsächlich widerlegt.

Diejenigen von uns, die Israel unterstützen, müssen sich der Tatsache stellen, dass es einige Leute auf unserer Seite gibt, die Gewalt ausüben und auch sonst Falsches tun. Wir haben ein paar Irre; und ja, wenn dieses Foto authentisch ist, scheint der abgebildete Typ ein Jude zu sein, der kein Minyan zusammenbekommen hat.

Und wir müssen das verurteilen.

Ich glaube, die reflexhaften Reaktionen auf dieses Foto sind insofern aufschlussreich, als sie das innewohnende Unbehagen zeigen, das die große Mehrheit von uns hat, wenn wir dieses Bild sehen. Die Vorstellung dessen, was ein dem Äußeren nach religiöser Jude zu sein scheint, der Gewalt übt (außer in Selbstverteidigung) ist für uns Anathema. Wir hassen die Vorstellung eines Mitjuden, der Gottes Namen auf diese Weise schändet.

Im Gegensatz dazu werden Fotos palästinensischer Araber, die mutwillig Gewalt üben – und das auf viel härtere Weise als die hier dargestellte – von den Israelhassern tagtäglich stolz geteilt. Die Subjekte dieser Fotos werden als mutige Freiheitskämpfer gepriesen, die es wert sind, dass man sie nachahmt. In Wirklichkeit unterstützt IfNotNow selbst mörderische Terroristen.

Ich denke „jeder Rabbiner, jeder jüdische Schulleiter, jeder jüdische Lagerdirektor“ wäre ermutigt, dass die weit überwiegende Mehrheit von uns das Bild hasst, das IfNotNow twitterte. Nicht, dass es IfNotNow wirklich kümmert, was authentische Rabbiner, Leiter jüdischer Schulen und Direktoren jüdischer Lager denken.

Kampagne in Südafrika

Südafrika hat sich zu einem der schlimmten Israelfeinde und Antisemiten-Land entwickelt. Dem versucht die Organisation „StandWithUs“ zu Zeit entgegenzuwirken. So gibt es derzeit eine Kampagne, die u.a. mit einem Zitat von Nelson Mandela wirbt:

Wir bestehen auf dem Existenzrecht des Staates Israel“

Mal sehen, wie lange Mandela wirklich noch als Nationalheld Südafrikas gehandelt wird…

Gedenken an Babi Yar, als niemand sonst das tat

Zwei Jahrzehnte lang war eines der schlimmsten Massaker des Holocaust so gut wie vergessen.

Zack Rothbart, the Librarians, 29. September 2021

Frühe Bemühungen in den 1960-er Jahren zur Lokalisierung und Identifizierung von Überresten in Babi Yar, wo nur zwanzig Jahre zuvor 100.000 Menschen ermordet wurden. Aus dem Archiv Emmanuel (Amik) Diamant, Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volks in der Nationalbibliothek Israels (Foto: Joseph Schneider)

Am 29./30. September 1941 begingen die Nazis und ihre Kollaborateure eines der größten Massaker des Holocaust; sie ermordeten in nur zwei Tagen in einer Schlucht in Babi Yar (manchmal auch „Babyn Yar“ geschrieben), das damals direkt außerhalb von Kiew lag und heute innerhalb der modernen Stadt der Ukraine liegt, fast 35.000 Juden. In nur zwei Jahren wurden mehr als 100.000 Menschen ermordet.

Die Schlucht von Babi Yar. Aus der Sammlung Emmauel (Amik) Diamant, Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volks in der Nationalbibliothek Israels (Foto: Joseph Schneider)

Dennoch war die Erinnerung an Babi Yar auf viele Weisen vergessen – das Ergebnis der Bemühungen Geschichte auszulöschen und umzuschreiben sowie der Tatsache, dass die Rolle und die Bilder der Todeslager oft die zentrale Bedeutung überschatteten, die andere Massenmorde wie in Babi Yar in der Geschichte des Holocaust spielten.

In den 1960-er Jahren begann sich das zu ändern.

1961 wurde Jewgeni Jewtuschenkos berühmtes Gedicht „Babi Yar“ veröffentlicht. Ein Originalmanuskript davon ist kurz darauf in den Sammlungen der Nationalbibliothek Israels gesichert worden.

Fünf Jahre später kam Anatoly Kusnetzows Buch mit demselben Titel heraus und eine breitere Bewegung, angeführt von jungen, lokalen Juden mit Interesse an ihrem eigenen Erbe und Geschichte begann zu wachsen. Das persönliche Archiv eines der Leiter dieser Bewegung, einem Ingenieur namens Emmaunel (Amik) Diamant, kam vor kurzem ins Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volks in der Nationalbibliothek Israels in Jerusalem.

Babi Yar 1966. Aus der Sammlung Emmanuel (Amik) Diamant, Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volks in der Nationalbibliothek Israels (Foto: Joseph Schneider)

1966, am 25. Jahrestag des Massakers, wurde ein inoffizielles Gedenkschild aufgehängt, das zu den folgenden Jahrestagen tausende lokale Juden anzog und zu einer zentralen Kraft bei der Erweckung des sowjetischen Judentums werden sollte.

Anstrengungen an der Basis begannen ebenfalls um diese Zeit die Massengräber in der Gegend zu lokalisieren, etwas anderes, das für die sowjetischen Behörden sicher keine Priorität hatte.

Frühe Bemühungen die Überreste in Babi Yar zu lokalisieren und zu identifizieren, 1966. Aus der Sammlung Emmanuel (Amik) Diamant, Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volks in der Nationalbibliothek Israels (Foto: Joseph Schneider)

Einige dieser Aktivitäten wurden von Joseph Schneider, Holocaust-Überlebender, Veteran der Roten Armee, antisowjetischer Dissident und zionistischer Aktivist, eingefangen; sein Archiv kam vor kurzem ebenfalls in das Zentralarchiv für die Geschichte des Jüdischen Volks.

Joseph Schneider 1960. Joseph Scheider-Archiv, Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volks in der Nationalbibliothek Israels.

Diese Fotos enthüllen die grausigen, aber entscheidenden frühen Bemühungen das Vermächtnis von Babi Yar besser zu verstehen und seiner Opfer zu gedenken.

Frühe Bemühungen die Überreste in Babi Yar zu lokalisieren und zu identifizieren, 1966. Aus der Sammlung Emmanuel (Amik) Diamant, Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volks in der Nationalbibliothek Israels (Foto: Joseph Schneider)

Eine fesselnde Reise: Das sich verändernde Land Israel im Lauf der Jahrhunderte

Sehen Sie, wie ein schottischer Künstler die Landschaft des Landes Israel in seinen Gemälden Mitte des 19. Jahrhunderts interpretierte. Sehen Sie, wie ein israelischer Künstler seinen Spuren nachgeht und ein Jahrhundert später seine Arbeiten nachbildet.

Chen Malul, the Librarians, 24. Januar 2019

Die weißen Klippen von Rosh Hanikra: Berger-Vilnay Litographie Nr. 55 und das begleitende Foto von Yelena Grof, 2016

Er hätte das in so frühem Alter nicht wissen können, aber Zvi Bergers erste Erinnerung sollte den Schlüssel zu seiner Zukunft und einen Hinweis enthalten, wer er als Erwachsener sein würde. Als Berger sich erinnerte – spazierte er mit einem Stück Kreide in der Hand durch die Viertel des Haifa der Mandatszeit und zeichnete, was immer seine neugierigen Augen einfingen.

Zwanzig Jahre nach dieser ersten Erinnerung finden wir das durch Haifa wandernde Kind in Jerusalem lebend wieder. Er ist bereits ein herausragender Student an der Bezalel Academy of Art and Design, inzwischen verheiratet und hat eine Tochter. Der Geograf und  Historiker Professor Ze’ev Vilnay schlägt ihm ein interessantes Projekt vor. Der Professor möchte, dass er der Reise eines schottischen Malers des 19. Jahrhunderts durch das Land Israel nachspürt und einige der wichtigen Meilensteine von dessen Reise in Lithografien nachbildet. Bergers Job wird darin bestehen die verschiedenen Orte zu zeichnen und Vilnay wird die Lithografien zusammensetzen und sie in den historischen Kontext stellen.

Zvi Berger zeichnet in Akko, Juli 1957. Aus der Sammlung seiner Tochter Adi Berger-Ram.
Der Künstler Zvi Berger auf einem Aussichtspunkt in Israel, Jahr unbekannt. Aus der Sammlung seiner Tochter Adi Berger-Ram.

Das Gelobte Land durch die Augen von David Roberts

124 vor Bergers und Vilnays Abmachung kam ein schottischer Reisender im Hafen von Alexandria in Ägypten an. Es war August 1838 und der junge Schotte hieße David Roberts. Roberts war in mit dem Malen von Landschaften aufgewachsen und  gut mit Ägyptens hervorragenden orientalistischen Gemälden vertraut. Das waren von europäischen Künstlern wie Dominique Vivant Denon geschaffene Arbeiten, der sich künstlerisch auf eine ähnliche Reise begab wie Napoleons Armee eine Generation zuvor.

Die Zeugnisse einer verlorenen Welt, verkörpert durch antike Tempel und Inschriften, scheinen Roberts stärker angezogen zu haben als die Kunststile, in denen er ausgebildet war. Bis Dezember hatte er hunderte Gemälde der verschiedenen Tempel geschaffen, die in und um Kairo verstreut lagen. Am 7. Februar 1839 brach er in einem Konvoi aus 21 Kamelen und 15 arabischen Leibwächtern ins Heilige Land auf. Am Ende einer eimonatigen Reise, zu der ein viertägiger Treck durch die Wüste Sinai gehörte, erreichte der Konvoi in Hebron.

Porträt von David Roberts

Roberts verbrachte wenig mehr als einen Monat im Heiligen Land, damals Teil des osmanischen Reichs, bevor er vom Hafen von Alexandria nach Europa segelte. Die kreative Energie, die ihn in Ägypten verzehrte, zeigte sich auch im Land Israel. Er war beeindruckt von der „fast englischen Sauberkeit“, die er in Hebron vorfand, der Schönheit von Gaza und dem Charakter seiner Einwohner. Aber es war Jerusalem, das von Anfang an die Vorstellungskraft des christlichen Malers gefangen nahm und er erwartete unruhige auf seine Ankunft in der uralten Stadt.

Auf der Straße nach Jerusalem schrieb er: „Ich habe dieses perfekte Vergnügen der Schönheit der Natur seit den Tagen meiner Kindheit nicht mehr gespürt… Die Berge Judäas rahmen die Landschaft ein und dahinter liegt die prachtvolle Stadt.“

Obwohl er seine Meinung über Jerusalem änderte, nachdem er dessen Tore betrat, stellte er die Stadt, ihre Landschaften und die von ihm besuchten verschiedenen Stellen in Dutzenden Zeichnungen und Gemälden dar. Roberts kehrte mit 272 Illustrationen, einem Panorama von Kairo und drei Heften voller Skizzen nach England zurück. In den zehn auf seine Reise folgenden Jahren stützte Roberts seine Arbeiten auf die Skizzen und Illustrationen, die er während seiner Zeit in Ägypten und dem Heiligen Land anfertigte.

Auf Roberts‘ Spuren

Zvi Berger und Ze’ev Vilnay versuchten Roberts‘ Reise durch das Land Israel anhand von dessen Werken nachzuvollziehen. Die Landkarte von Roberts‘ Reise, höchstwahrscheinlich 1855 geschaffen, half ein allgemeines Bild zusammenzustellen. Roberts‘ Reiseprotokoll (das seitdem in mehreren Auflagen veröffentlicht wurde) bot einen intimen Blick auf die Gefühle und Eindrücke des Künstlers im Heiligen Land. Vor allem nutzten Berger und Vilnay Roberts’s Originalillustrationen und Gemälde als Anhaltspunkte, gingen seinen Spuren mit Hilfe seiner Kunstwerke nach.

Eine Landkarte der Reise Roberts‘

Das Projekt von Berger und Vilnay begann 1962 und es dauerte 3 Jahre bis zu seiner Vollendung. „Horizonte Israels“, das Buch, das sie gemeinsam veröffentlichten, beinhaltete 56 Originallithografien von Landschaften des Staates Israel. Im Jahr seiner Veröffentlichung gewann ihre Sammlung eine Silbermedaille bei der Kunstbuch-Messe in Mailand.

Hier können Sie eine gescannte Version dieses wundervollen Buchs ansehen.

Das Paar begegnete einer Reihe moderner Hindernisse als sie Roberts‘ historische Reise nachvollzogen. Nassers Ägypten z.B. war nicht zugänglich. Diese Tatsache hatte jedoch keine Folgen für die zwei, die sich auf jeden Fall auf Roberts‘ Reise im Land Israel konzentrieren wollten. Die politische Realität Israels in den Jahren vor dem Sechstage-Krieg durchkreuzte jedoch Bergers und Vilnays Ersuchen auf Zugang zu vielen Bereichen, die Roberts besucht hatte, als da wären: Ostjerusalem, der Gazastreifen und die Westbank waren für Berger und Vilnay unzugänglich. Aus diesem Grund blieben viele der Örtlichkeiten der Gemälde von Roberts knapp außerhalb der Reichweite des Paars, darunter das Gemälde unten, das die Grabeskirche zeigt.

Roberts‘ Gemälde der Grabeskirche in der Altstadt Jerusalems

Abgesehen von diesen Hindernissen schaffte es das Team Berger-Vilnay eine ganze Reihe anderer Illustrationen nachzubilden. Einer der Aussichtspukte, die Roberts am meisten anzog, war der Hügel, den man heute als „Giv’at Yonah“ kennt. Gemäß örtlicher Folklore will dieser Hügel die Stelle sein, an der der Leviathan Jonah wieder an Land spuckte. Während der arabischen Eroberung des Landes Israel im siebten Jahrhundert n.Chr. wurde in dieser Gegend die Stadt Isdud gegründet.

Berger und Vilnay konnten Anfang der 1960-er Jahre die Stelle von Roberts‘ Illustration genau bestimmen. Bergers Zeichnung Nr. 15 in dem Album zeigt den Stolz des zionistischen Vorhabens zur damaligen Zeit. Das war der neue Hafen von Aschdod, mit einem Wellenbrecher, der 1963 eröffnet wurde. In Roberts‘ Gemälde sind im Vordergrund Hirten zu sehen. In Bergers Zeichnung wird der Künstler mit seiner Familie abgebildet. Seine dreijährige Tochter Adi (behalten Sie ihren Namen) wird weit rechts im Bild dargestellt.

Roberts‘ Gemälde der Stadt Isdud und die begleitende Zeichnung des Hafens von Aschdod von Berger-Vilnay; Lithografie Nr. 15

Ein weiterer interessanter Vergleich ist Bergers Nachstellung von Roberts‘ Aussichtspunkt auf dem Berg Tabor. In Roberts’ Gemälde scheint das Tal am Fuß des Berges ohne jegliche Wohnstätten zu sein (aber wir sehen eine Karawane an Menschen vorbeiziehen). In Bergers Zeichnung Nr. 39 können wir die Verklärungskirche auf dem Gipfel des Berges erkennen. Der Bau der Kirche durch den Architekten Antonio Barluzzi wurde 1924 vollendet. Am Fuß des Berges liegt eine Siedlung, die wir nur schwer identifizieren konnten. Am wahrscheinlichsten handelt es sich um die arabische Stadt Daburiya.

Der Berg Tabor. Roberts‘ Gemälde und die begleitende Zeichnung von Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 39

Die Zeichnung, die Berger „Ein Blick vom Carmel auf die Bucht von Haifa“ nannte, stellt den genauen Winkel von Roberts‘ Gemälde nach. Anders als beim vorherigen Beispiel sehen wir sehr wenige Abweichungen zwischen den Darstellungen der Bucht durch die beiden Künstler.

Der Berg Carmel. Roberts‘ Gemälde und die begleitende Zeichnung von Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 29v

Berger und Vilnay erlaubten sich von Roberts‘ ursprünglichen Aufbau abzuweichen, wenn sie das Gefühl hatten es verbessere die moderne Darstellung und das Nebeneinander von Altem und Neuem. In der ersten Lithografie, die in ihrem Album erscheint, schuf Berger ein Gemälde neu, das Roberts auf der Straße nach Jerusalem entwarf (das Gemälde trägt das Datum 5. April 1839). Während Roberts die Stadt Jerusalem darstellt, indem er deren emporragende Moscheen herausstellte, betont Vilnays kurze Beschreibung die Unterschied im Fokus des Paares. Bergers Zeichnung ist „Jerusalem – Hauptstadt Israels“ genannt worden und Vilnays kurze Beschreibung beinhaltet die Erklärung eines „alten“ Brauchs – eine Übung, bei der Juden auf einer Pilgerreise nach Jerusalem ihre Kleider zerreißen sobald die uralte Stadt in Sicht kam.

Roberts‘ Gemälde von Jerusalem und seiner Umgebung
Bergers Skizze, Jerusalem – Hauptstadt Israels, Lithografie Nr. 1

Eine ähnliche Abweichung tritt zutage, wenn man die zwei Darstellungen des Hafens von Jaffa vergleicht. Roberts kam am 25. März 1839 in der Stadt an. Er zeichnete sie von Norden und im Zentrum des Bildes sehen wir eine Gruppe polnischer Juden, die nach einer Reise nach Jerusalem nach Europa zurückkehren. Das Team Berger-Vilnay entschloss sich für seine Zeichnung (Nr. 12) eine ähnlich Perspektive, aber sie setzten den Beobachtungspunkt in eine größere Entfernung. Diese Tatsache kann der Botschaft zugeschrieben werden, die sie vermitteln wollten: die Einbeziehung von Jaffas jüngerer Schwesterstadt. Das Zentrum von Bergers Zeichnung ist die Promenade von Tel Aviv, der ersten hebräischen Stadt. „Im Hintergrund ragt das Profil von Jaffa aus dem Meer – eine der ältesten Städte der Welt“, schrieb Vilnay im Kommentar des Albums.

Roberts: Die Stadt Jaffa
Berger-Vilnay: Tel Aviv-Jaffa, Lithografie Nr. 12

Das Duo fügte zudem zwei weitere Bilder von Tel Aviv hinzu. Diese Bilder waren keine Neuschaffungen der Kunst von Roberts, sie nutzten auch keinen seiner Standpunkte als Bezugspunkt. Vilnay lieferte die Begründung in seinen Anmerkungen im Album: „Tel Aviv wurde 1909 gegründet“ – 70 Jahre nach Roberts‘ Ausreise aus dem Land Israel.

Berger-Vilnay: King George Street in Tel Aviv, Lithografie Nr. 13

Unterschiedliche Blickwinkel desselben Orts sind auch in den Darstellungen von Ein Gedi zu finden. Roberts beobachtete die Gegend von Ein Gedi aus der Warte des Toten Meers. Berger und Vilnays Version ist eine Feier der Wiedergründung von Ein Gedi als Gemeinde, die 1953 mit der Aufstellung  des (militärisch-landwirtschaftlichen) Außenpostens Nahal begann. Drei Jahre später war der Außenposten zum Kibbuz Ein Gedi geworden.

Roberts: Das Tote Meer
Berger-Vilnay: Ein Gedi, Lithografie Nr. 20

Obwohl Berger und Vilnay sich entschieden Roberts‘ Thema der antiken Ruinen von Aschkelon (1270 zerstört) und nicht die Neustadt (gegründet 1948) zu nehmen, beschloss das Paar ihre Darstellung von einem anderen Blickwinkel aus zu erstellen. Roberts malte die Altstadt mit Blick nach Süden, während Berger nach Norden blickte.

Roberts: Aschkelon
Berger-Vilnay: Die antike Stadt Aschkelon, Lithografie Nr. 16

Eine weitere bemerkenswerte Wahl des Teams Berger-Vilnay, die keinen Zwilling bei Roberts‘ Gemälden hat, war Nr. 55, der Darstellung von Abraham Melnikvs Statue des brüllenden Löwen. Die Statue gedenkt  Joseph Trumpeldors und seiner sieben Kameraden, die 1920 am Tel Hai fielen.

Berger-Vilnay: Der brüllende Löwe von Tel-Hai, Lithografie Nr. 55

Das Mädchen im Bild und das umgekippte Regal

Im Sommer 2014 kippte ein Regal im Haus von Adi Berger-Ram um. In Adis Buch über ihren Vater, Auf seinem eigenem Weg: Die Bilder und das Leben des Malers Zvi Berger (hebräisch), beschrieb sie den Vorfall als schicksalhafte Anomalie. Sie beschrieb die Zeichnungen, die fast drei Jahrzehnte, bis es umkippte, unberührt im Regal lagen als Aufschrei: „Wie wollen, dass die Welt uns sieht!“

Die von ihrem Vater Zvi Berger erzeugte gewaltige, kreative Energie brachte einen regelrechten Vorrat an Arbeiten an den Tag, die nie veröffentlicht wurden. Für Adi war es eine aufregende Reise in die Welt der Arbeit ihres Vaters. Sie war begeistert von der Kraft und Quantität der bis dahin unentdeckten Werke, die sie fand. In den vier Jahren nach dem Umkippen des Regals schaffte Adi Berger-Ram es, zwei volle Bücher auf Grundlage der Arbeit von Zvi zu veröffentlichen, sie sie beide zusammenstellte. Adi hat ihre Zeit der Erinnerung an die Arbeiten ihres Vaters gewidmet und ließ seine Leidenshaft in jede Publikation einfließen – seine Liebe zum Land und seinen Menschen. Im Geist dieser Stimmung organisierte sie Mehrgenerationen-Treffen zwischen Kindern und Erwachsenen und zwischen Neueinwanderern und erfahrenen Israelis.

Die Promenade von Tel Aviv-Jaffa: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 12 und die begleitende Fotografie von Yelena Grof. Die Promenade Tel Aviv-Jaffa 2017

Das erste dieser beiden Bücher, „Auf seinem Weg“, ist eine Kunstsammlung, die das Leben von Zvi Berger ausführlich beschreibt, auch mit Gemälden aus verschiedenen Perioden seines Lebens. Das Buch wurde 2016, am dritten Jahrestag des Todes des Künstlers veröffentlicht. Das zweite Buch, „Im Kreislauf der Monate“ (hebräisch) kam nur ein Jahr später heraus. Das Buch war eine Zusammenarbeit von Benjamin Bilavsky, einem erfahrenen Buchgestalter und Student der hebräischen Sprache, und seiner Lehrerin Adi Berger-Ram. Das Buch erzählt die Geschichte der hebräischen Monate. Es ist in einfachem Hebräisch aus Ich-Perspektive geschrieben. Es beinhaltet Original-Illustrationen von Zvi Berger, die seine Tochter inspirierten das Buch zu schreiben.

Die Exkursion von Berger und Vilnay im Kielwasser von Roberts‘ ursprünglicher Reise überzeugte Adi ihre eigene kleine Reise zu unternehmen. Sie suchte gewissenhaft die Punkte auf, von denen aus ihr Vater seine Zeichnungen erstellte und versuchte sie aus demselben Blickwinkel zu fotografieren. Das Ergebnis ist ein fesselnder Vergleich von „damals und heute“.

Von den zehn vom Team Adi Berger-Ram, Yelena Grof und Arthur Grof auf Film eingefangenen Punkten wurden drei auch von Roberts fast zwei Jahrhunderte zuvor gemalt. Die drei Orte sind Aschkelon, Aschdod und die Promenade von Jaffa/Tel Aviv.

Auf dem Foto von Aschkelon können wir den Stand sehen, der aus demselben Winkel eingefangen wird, den ihr Vater wählte (im Gegensatz zu Roberts‘ Wahl). „Die Altstadt“, wie Berger es nannte, hat sich seitdem entwickelt. Der Strand hat heute einen Rettungsschwimmer-Turm und eine Reihe Gebäude, die im Hintergrund gebaut wurden.

Aschkelon: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 16 und das begleitende Foto von Yelelna Grof, 2016

Auf einem von Yelena Grof aufgenommenen Foto können wir sehen, dass der Hafen von Aschdod sich weiter entwickelt hat, seit Zvi Berger 1963 seine Skizze anfertigte. Adi, die in der Skizze ihres Vaters rechts außen erscheint, hat einen Kurzauftritt als erwachsene Frau, die auf dem Foto rechts neben ihrem Ehemann steht.

Im Februar 2017 kletterte Adi, ausgerüstet mit der Originallithografie der Stadt Aschkelon, mit ihrem Mann und Freunden auf denselben Aussichtspunkt. Sie wurden getreulich von einer Kindheitserinnerung geleitet, erhalten von der Verewigung des Bildes in einer Lithografie.

Der Hafen von Aschdod: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 15 und das begleitende Foto von Yelena Grof, 2017

Wie sie inzwischen gemerkt haben werden, kann das Verstreichen einer relativ kurzen Zeitspanne (selbst in einem uralten Land) enorme Veränderungen hervorbringen. Ein Vergleich von einem aktuellen Foto von Be’er Sheva mit Bergers 50 Jahre alter Zeichnung illustriert dies wunderbar.

Be’er Sheva von Nordwesten: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 17 und das begleitende Foto von Yelena Gof, 2017

An anderen Orten scheint es so, als habe sich nicht viel verändert. Tel Hais Löwe brüllte immer noch und die dramatischen Klippen sind noch nicht ins Meer gestürzt.

Der Brüllende Löwe von Tel-Hai: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 55 und das begleitende Foto von Hadas Ram, 2016
Die weißen Klippen von Rosch Hanikra: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 55 und das begleitende Foto von Yelena Gof, 2016

Adis Fotografien erlauben uns, in Kombination mit Bergers Zeichnungen und (in einigen Fällen) Roberts‘ Gemälden, einen Blick auf jede Örtlichkeit in der Perspektive von zwei (und manchmal drei) verschiedenen Jahrhunderten zu werden.

Und zum Finale: Hier ist unsere Ergänzung der Sammlung, die Bergers Zeichnung der Nationalbibliothek begleitet:

Vielen Dank an Adi Berger-Ram für ihre Hilfe bei der Recherche und Zusammenstellung dieses Artikels.

Ein Buch von 1976 dokumentiert die ethnische Säuberung von Juden aus Jerusalem 1948 mit überwältigenden Fotos

Elder of Ziyon, 13. August 2021

Richard Pollack schreibt in JNS:

Vor kurzem stolperte ich über ein Fotobuch, dessen Bilder der gefeierte Kriegsfotografe John Phillips vom Magazin Life aufgenommen hatte. Das große, harmlos aussehende Buch trug den einfachen Titel „A Will to Survive“ (Überlebenswille). Nachdem ich durch einige Seiten blätterte, erkannt ich, dass ich eine Zeitkapsel betreten hatte, die die arabische Zerstörung des uralten Jüdischen Viertels in Jerusalem 1948 ein Denkmal setzte.

Es ist nicht nur ein dramatischer Bericht des Falls des Jüdischen Viertels 1948 aus erster Hand, sondern dokumentiert die Verbrannte-Erde-Taktiken der Arabischen Legion, die dort jedes Bauwerk, einschließlich all seiner Synagogen und Jeschiwen schleifte und niederbrannte. Die Araber vertrieben sämtliche Einwohner der Stadt, hauptsächlich wehrlose, alte orthodoxe Juden. Ihnen wurde eine Stunde gegeben, um Häuser zu räumen, in denen zumeist Großfamilien seit Jahrhunderten gelebt hatten.

Und kein internationales Gremium hat je Rechenschaft für die barbarischen Taten der Arabischen Legion nach der Kapitulation des Viertels gefordert.

Um diese Aufnahmen im Mai 1948 zu bekommen, gab sich Phillips in Jerusalem als britischer Offizier der Arabischen Legion aus. Er schmuggelte zudem seine Fotos hinaus, um arabischen Zensoren zu entgehen, die erpicht darauf waren die Plünderung des Jüdischen Viertels geheim zu halten.

Phillips setzte sich persönlicher Gefahr aus, um die Aufnahmen zu machen. Er kam undercover in den Nahen Osten und trug die Uniform der Arabischen Legion, einer von den Briten geschaffenen arabischen Armee, die von britischen Offizieren geführt wurde, von denen viele bei ihren Einheiten blieben, um gegen die Juden zu kämpfen. „Die arabische Bevölkerung hielt mich für einen britischen Offizier und ließ mich in Ruhe“, schrieb er.

Er war entsetzt von der arabischen Zensur. „In dem Bewusstsein, dass die Plünderung des Jüdischen Viertels die westliche Welt schockieren würde, versuchten die arabischen Obrigkeiten im gesamten Nahen Osten zu verhindern, dass die Nachricht bekannt würde. Jerusalem durfte unter keinen Umständen erwähnt werden“, schrieb er.

„Ich wusste, dass meine Bilder des Todeskampfs des Jüdischen Viertels im Papierkorb eines Zensors enden würden. Ich wollte nicht, dass das passiert und beschloss sie aus dem Nahen Osten zu schmuggeln.“

Ich fand eine Online-Ausgabe des Buchs. Die Fotos darin sind überwältigend.

Hier ist die Hurva-Synagoge in Trümmern.

Eine Ansicht der Zerstörung des Jüdischen Viertels von dort, wo heute der Vorplatz der Kotel ist; in der Mitte sind die Yosef-Synagoge und die Jeschiwa.

Juden sammeln sich zur Deportation vor der zerstörten Synagoge Tiferet Israel.

Weitere Fotos von Juden, wie sie überstürzt weggehen – sie hatten eine Stunde ihre Habseligkeiten zusammenzuraffen.

Hier sind Araber, die die Reste plündern – einschließlich, dass sie die Thora-Hüllen aus einer sephardischen Synagoge mitnehmen und eine Frau mit einer Kiste Matzen auf dem Kopf.

So sieht ethnische Säuberung aus.

Phillips kehrte 1976 zurück und interviewte Dutzende Juden, die 1948 in der letzten Schlacht um die Altstadt gekämpft hatten.