Eine fesselnde Reise: Das sich verändernde Land Israel im Lauf der Jahrhunderte

Sehen Sie, wie ein schottischer Künstler die Landschaft des Landes Israel in seinen Gemälden Mitte des 19. Jahrhunderts interpretierte. Sehen Sie, wie ein israelischer Künstler seinen Spuren nachgeht und ein Jahrhundert später seine Arbeiten nachbildet.

Chen Malul, the Librarians, 24. Januar 2019

Die weißen Klippen von Rosh Hanikra: Berger-Vilnay Litographie Nr. 55 und das begleitende Foto von Yelena Grof, 2016

Er hätte das in so frühem Alter nicht wissen können, aber Zvi Bergers erste Erinnerung sollte den Schlüssel zu seiner Zukunft und einen Hinweis enthalten, wer er als Erwachsener sein würde. Als Berger sich erinnerte – spazierte er mit einem Stück Kreide in der Hand durch die Viertel des Haifa der Mandatszeit und zeichnete, was immer seine neugierigen Augen einfingen.

Zwanzig Jahre nach dieser ersten Erinnerung finden wir das durch Haifa wandernde Kind in Jerusalem lebend wieder. Er ist bereits ein herausragender Student an der Bezalel Academy of Art and Design, inzwischen verheiratet und hat eine Tochter. Der Geograf und  Historiker Professor Ze’ev Vilnay schlägt ihm ein interessantes Projekt vor. Der Professor möchte, dass er der Reise eines schottischen Malers des 19. Jahrhunderts durch das Land Israel nachspürt und einige der wichtigen Meilensteine von dessen Reise in Lithografien nachbildet. Bergers Job wird darin bestehen die verschiedenen Orte zu zeichnen und Vilnay wird die Lithografien zusammensetzen und sie in den historischen Kontext stellen.

Zvi Berger zeichnet in Akko, Juli 1957. Aus der Sammlung seiner Tochter Adi Berger-Ram.
Der Künstler Zvi Berger auf einem Aussichtspunkt in Israel, Jahr unbekannt. Aus der Sammlung seiner Tochter Adi Berger-Ram.

Das Gelobte Land durch die Augen von David Roberts

124 vor Bergers und Vilnays Abmachung kam ein schottischer Reisender im Hafen von Alexandria in Ägypten an. Es war August 1838 und der junge Schotte hieße David Roberts. Roberts war in mit dem Malen von Landschaften aufgewachsen und  gut mit Ägyptens hervorragenden orientalistischen Gemälden vertraut. Das waren von europäischen Künstlern wie Dominique Vivant Denon geschaffene Arbeiten, der sich künstlerisch auf eine ähnliche Reise begab wie Napoleons Armee eine Generation zuvor.

Die Zeugnisse einer verlorenen Welt, verkörpert durch antike Tempel und Inschriften, scheinen Roberts stärker angezogen zu haben als die Kunststile, in denen er ausgebildet war. Bis Dezember hatte er hunderte Gemälde der verschiedenen Tempel geschaffen, die in und um Kairo verstreut lagen. Am 7. Februar 1839 brach er in einem Konvoi aus 21 Kamelen und 15 arabischen Leibwächtern ins Heilige Land auf. Am Ende einer eimonatigen Reise, zu der ein viertägiger Treck durch die Wüste Sinai gehörte, erreichte der Konvoi in Hebron.

Porträt von David Roberts

Roberts verbrachte wenig mehr als einen Monat im Heiligen Land, damals Teil des osmanischen Reichs, bevor er vom Hafen von Alexandria nach Europa segelte. Die kreative Energie, die ihn in Ägypten verzehrte, zeigte sich auch im Land Israel. Er war beeindruckt von der „fast englischen Sauberkeit“, die er in Hebron vorfand, der Schönheit von Gaza und dem Charakter seiner Einwohner. Aber es war Jerusalem, das von Anfang an die Vorstellungskraft des christlichen Malers gefangen nahm und er erwartete unruhige auf seine Ankunft in der uralten Stadt.

Auf der Straße nach Jerusalem schrieb er: „Ich habe dieses perfekte Vergnügen der Schönheit der Natur seit den Tagen meiner Kindheit nicht mehr gespürt… Die Berge Judäas rahmen die Landschaft ein und dahinter liegt die prachtvolle Stadt.“

Obwohl er seine Meinung über Jerusalem änderte, nachdem er dessen Tore betrat, stellte er die Stadt, ihre Landschaften und die von ihm besuchten verschiedenen Stellen in Dutzenden Zeichnungen und Gemälden dar. Roberts kehrte mit 272 Illustrationen, einem Panorama von Kairo und drei Heften voller Skizzen nach England zurück. In den zehn auf seine Reise folgenden Jahren stützte Roberts seine Arbeiten auf die Skizzen und Illustrationen, die er während seiner Zeit in Ägypten und dem Heiligen Land anfertigte.

Auf Roberts‘ Spuren

Zvi Berger und Ze’ev Vilnay versuchten Roberts‘ Reise durch das Land Israel anhand von dessen Werken nachzuvollziehen. Die Landkarte von Roberts‘ Reise, höchstwahrscheinlich 1855 geschaffen, half ein allgemeines Bild zusammenzustellen. Roberts‘ Reiseprotokoll (das seitdem in mehreren Auflagen veröffentlicht wurde) bot einen intimen Blick auf die Gefühle und Eindrücke des Künstlers im Heiligen Land. Vor allem nutzten Berger und Vilnay Roberts’s Originalillustrationen und Gemälde als Anhaltspunkte, gingen seinen Spuren mit Hilfe seiner Kunstwerke nach.

Eine Landkarte der Reise Roberts‘

Das Projekt von Berger und Vilnay begann 1962 und es dauerte 3 Jahre bis zu seiner Vollendung. „Horizonte Israels“, das Buch, das sie gemeinsam veröffentlichten, beinhaltete 56 Originallithografien von Landschaften des Staates Israel. Im Jahr seiner Veröffentlichung gewann ihre Sammlung eine Silbermedaille bei der Kunstbuch-Messe in Mailand.

Hier können Sie eine gescannte Version dieses wundervollen Buchs ansehen.

Das Paar begegnete einer Reihe moderner Hindernisse als sie Roberts‘ historische Reise nachvollzogen. Nassers Ägypten z.B. war nicht zugänglich. Diese Tatsache hatte jedoch keine Folgen für die zwei, die sich auf jeden Fall auf Roberts‘ Reise im Land Israel konzentrieren wollten. Die politische Realität Israels in den Jahren vor dem Sechstage-Krieg durchkreuzte jedoch Bergers und Vilnays Ersuchen auf Zugang zu vielen Bereichen, die Roberts besucht hatte, als da wären: Ostjerusalem, der Gazastreifen und die Westbank waren für Berger und Vilnay unzugänglich. Aus diesem Grund blieben viele der Örtlichkeiten der Gemälde von Roberts knapp außerhalb der Reichweite des Paars, darunter das Gemälde unten, das die Grabeskirche zeigt.

Roberts‘ Gemälde der Grabeskirche in der Altstadt Jerusalems

Abgesehen von diesen Hindernissen schaffte es das Team Berger-Vilnay eine ganze Reihe anderer Illustrationen nachzubilden. Einer der Aussichtspukte, die Roberts am meisten anzog, war der Hügel, den man heute als „Giv’at Yonah“ kennt. Gemäß örtlicher Folklore will dieser Hügel die Stelle sein, an der der Leviathan Jonah wieder an Land spuckte. Während der arabischen Eroberung des Landes Israel im siebten Jahrhundert n.Chr. wurde in dieser Gegend die Stadt Isdud gegründet.

Berger und Vilnay konnten Anfang der 1960-er Jahre die Stelle von Roberts‘ Illustration genau bestimmen. Bergers Zeichnung Nr. 15 in dem Album zeigt den Stolz des zionistischen Vorhabens zur damaligen Zeit. Das war der neue Hafen von Aschdod, mit einem Wellenbrecher, der 1963 eröffnet wurde. In Roberts‘ Gemälde sind im Vordergrund Hirten zu sehen. In Bergers Zeichnung wird der Künstler mit seiner Familie abgebildet. Seine dreijährige Tochter Adi (behalten Sie ihren Namen) wird weit rechts im Bild dargestellt.

Roberts‘ Gemälde der Stadt Isdud und die begleitende Zeichnung des Hafens von Aschdod von Berger-Vilnay; Lithografie Nr. 15

Ein weiterer interessanter Vergleich ist Bergers Nachstellung von Roberts‘ Aussichtspunkt auf dem Berg Tabor. In Roberts’ Gemälde scheint das Tal am Fuß des Berges ohne jegliche Wohnstätten zu sein (aber wir sehen eine Karawane an Menschen vorbeiziehen). In Bergers Zeichnung Nr. 39 können wir die Verklärungskirche auf dem Gipfel des Berges erkennen. Der Bau der Kirche durch den Architekten Antonio Barluzzi wurde 1924 vollendet. Am Fuß des Berges liegt eine Siedlung, die wir nur schwer identifizieren konnten. Am wahrscheinlichsten handelt es sich um die arabische Stadt Daburiya.

Der Berg Tabor. Roberts‘ Gemälde und die begleitende Zeichnung von Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 39

Die Zeichnung, die Berger „Ein Blick vom Carmel auf die Bucht von Haifa“ nannte, stellt den genauen Winkel von Roberts‘ Gemälde nach. Anders als beim vorherigen Beispiel sehen wir sehr wenige Abweichungen zwischen den Darstellungen der Bucht durch die beiden Künstler.

Der Berg Carmel. Roberts‘ Gemälde und die begleitende Zeichnung von Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 29v

Berger und Vilnay erlaubten sich von Roberts‘ ursprünglichen Aufbau abzuweichen, wenn sie das Gefühl hatten es verbessere die moderne Darstellung und das Nebeneinander von Altem und Neuem. In der ersten Lithografie, die in ihrem Album erscheint, schuf Berger ein Gemälde neu, das Roberts auf der Straße nach Jerusalem entwarf (das Gemälde trägt das Datum 5. April 1839). Während Roberts die Stadt Jerusalem darstellt, indem er deren emporragende Moscheen herausstellte, betont Vilnays kurze Beschreibung die Unterschied im Fokus des Paares. Bergers Zeichnung ist „Jerusalem – Hauptstadt Israels“ genannt worden und Vilnays kurze Beschreibung beinhaltet die Erklärung eines „alten“ Brauchs – eine Übung, bei der Juden auf einer Pilgerreise nach Jerusalem ihre Kleider zerreißen sobald die uralte Stadt in Sicht kam.

Roberts‘ Gemälde von Jerusalem und seiner Umgebung
Bergers Skizze, Jerusalem – Hauptstadt Israels, Lithografie Nr. 1

Eine ähnliche Abweichung tritt zutage, wenn man die zwei Darstellungen des Hafens von Jaffa vergleicht. Roberts kam am 25. März 1839 in der Stadt an. Er zeichnete sie von Norden und im Zentrum des Bildes sehen wir eine Gruppe polnischer Juden, die nach einer Reise nach Jerusalem nach Europa zurückkehren. Das Team Berger-Vilnay entschloss sich für seine Zeichnung (Nr. 12) eine ähnlich Perspektive, aber sie setzten den Beobachtungspunkt in eine größere Entfernung. Diese Tatsache kann der Botschaft zugeschrieben werden, die sie vermitteln wollten: die Einbeziehung von Jaffas jüngerer Schwesterstadt. Das Zentrum von Bergers Zeichnung ist die Promenade von Tel Aviv, der ersten hebräischen Stadt. „Im Hintergrund ragt das Profil von Jaffa aus dem Meer – eine der ältesten Städte der Welt“, schrieb Vilnay im Kommentar des Albums.

Roberts: Die Stadt Jaffa
Berger-Vilnay: Tel Aviv-Jaffa, Lithografie Nr. 12

Das Duo fügte zudem zwei weitere Bilder von Tel Aviv hinzu. Diese Bilder waren keine Neuschaffungen der Kunst von Roberts, sie nutzten auch keinen seiner Standpunkte als Bezugspunkt. Vilnay lieferte die Begründung in seinen Anmerkungen im Album: „Tel Aviv wurde 1909 gegründet“ – 70 Jahre nach Roberts‘ Ausreise aus dem Land Israel.

Berger-Vilnay: King George Street in Tel Aviv, Lithografie Nr. 13

Unterschiedliche Blickwinkel desselben Orts sind auch in den Darstellungen von Ein Gedi zu finden. Roberts beobachtete die Gegend von Ein Gedi aus der Warte des Toten Meers. Berger und Vilnays Version ist eine Feier der Wiedergründung von Ein Gedi als Gemeinde, die 1953 mit der Aufstellung  des (militärisch-landwirtschaftlichen) Außenpostens Nahal begann. Drei Jahre später war der Außenposten zum Kibbuz Ein Gedi geworden.

Roberts: Das Tote Meer
Berger-Vilnay: Ein Gedi, Lithografie Nr. 20

Obwohl Berger und Vilnay sich entschieden Roberts‘ Thema der antiken Ruinen von Aschkelon (1270 zerstört) und nicht die Neustadt (gegründet 1948) zu nehmen, beschloss das Paar ihre Darstellung von einem anderen Blickwinkel aus zu erstellen. Roberts malte die Altstadt mit Blick nach Süden, während Berger nach Norden blickte.

Roberts: Aschkelon
Berger-Vilnay: Die antike Stadt Aschkelon, Lithografie Nr. 16

Eine weitere bemerkenswerte Wahl des Teams Berger-Vilnay, die keinen Zwilling bei Roberts‘ Gemälden hat, war Nr. 55, der Darstellung von Abraham Melnikvs Statue des brüllenden Löwen. Die Statue gedenkt  Joseph Trumpeldors und seiner sieben Kameraden, die 1920 am Tel Hai fielen.

Berger-Vilnay: Der brüllende Löwe von Tel-Hai, Lithografie Nr. 55

Das Mädchen im Bild und das umgekippte Regal

Im Sommer 2014 kippte ein Regal im Haus von Adi Berger-Ram um. In Adis Buch über ihren Vater, Auf seinem eigenem Weg: Die Bilder und das Leben des Malers Zvi Berger (hebräisch), beschrieb sie den Vorfall als schicksalhafte Anomalie. Sie beschrieb die Zeichnungen, die fast drei Jahrzehnte, bis es umkippte, unberührt im Regal lagen als Aufschrei: „Wie wollen, dass die Welt uns sieht!“

Die von ihrem Vater Zvi Berger erzeugte gewaltige, kreative Energie brachte einen regelrechten Vorrat an Arbeiten an den Tag, die nie veröffentlicht wurden. Für Adi war es eine aufregende Reise in die Welt der Arbeit ihres Vaters. Sie war begeistert von der Kraft und Quantität der bis dahin unentdeckten Werke, die sie fand. In den vier Jahren nach dem Umkippen des Regals schaffte Adi Berger-Ram es, zwei volle Bücher auf Grundlage der Arbeit von Zvi zu veröffentlichen, sie sie beide zusammenstellte. Adi hat ihre Zeit der Erinnerung an die Arbeiten ihres Vaters gewidmet und ließ seine Leidenshaft in jede Publikation einfließen – seine Liebe zum Land und seinen Menschen. Im Geist dieser Stimmung organisierte sie Mehrgenerationen-Treffen zwischen Kindern und Erwachsenen und zwischen Neueinwanderern und erfahrenen Israelis.

Die Promenade von Tel Aviv-Jaffa: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 12 und die begleitende Fotografie von Yelena Grof. Die Promenade Tel Aviv-Jaffa 2017

Das erste dieser beiden Bücher, „Auf seinem Weg“, ist eine Kunstsammlung, die das Leben von Zvi Berger ausführlich beschreibt, auch mit Gemälden aus verschiedenen Perioden seines Lebens. Das Buch wurde 2016, am dritten Jahrestag des Todes des Künstlers veröffentlicht. Das zweite Buch, „Im Kreislauf der Monate“ (hebräisch) kam nur ein Jahr später heraus. Das Buch war eine Zusammenarbeit von Benjamin Bilavsky, einem erfahrenen Buchgestalter und Student der hebräischen Sprache, und seiner Lehrerin Adi Berger-Ram. Das Buch erzählt die Geschichte der hebräischen Monate. Es ist in einfachem Hebräisch aus Ich-Perspektive geschrieben. Es beinhaltet Original-Illustrationen von Zvi Berger, die seine Tochter inspirierten das Buch zu schreiben.

Die Exkursion von Berger und Vilnay im Kielwasser von Roberts‘ ursprünglicher Reise überzeugte Adi ihre eigene kleine Reise zu unternehmen. Sie suchte gewissenhaft die Punkte auf, von denen aus ihr Vater seine Zeichnungen erstellte und versuchte sie aus demselben Blickwinkel zu fotografieren. Das Ergebnis ist ein fesselnder Vergleich von „damals und heute“.

Von den zehn vom Team Adi Berger-Ram, Yelena Grof und Arthur Grof auf Film eingefangenen Punkten wurden drei auch von Roberts fast zwei Jahrhunderte zuvor gemalt. Die drei Orte sind Aschkelon, Aschdod und die Promenade von Jaffa/Tel Aviv.

Auf dem Foto von Aschkelon können wir den Stand sehen, der aus demselben Winkel eingefangen wird, den ihr Vater wählte (im Gegensatz zu Roberts‘ Wahl). „Die Altstadt“, wie Berger es nannte, hat sich seitdem entwickelt. Der Strand hat heute einen Rettungsschwimmer-Turm und eine Reihe Gebäude, die im Hintergrund gebaut wurden.

Aschkelon: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 16 und das begleitende Foto von Yelelna Grof, 2016

Auf einem von Yelena Grof aufgenommenen Foto können wir sehen, dass der Hafen von Aschdod sich weiter entwickelt hat, seit Zvi Berger 1963 seine Skizze anfertigte. Adi, die in der Skizze ihres Vaters rechts außen erscheint, hat einen Kurzauftritt als erwachsene Frau, die auf dem Foto rechts neben ihrem Ehemann steht.

Im Februar 2017 kletterte Adi, ausgerüstet mit der Originallithografie der Stadt Aschkelon, mit ihrem Mann und Freunden auf denselben Aussichtspunkt. Sie wurden getreulich von einer Kindheitserinnerung geleitet, erhalten von der Verewigung des Bildes in einer Lithografie.

Der Hafen von Aschdod: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 15 und das begleitende Foto von Yelena Grof, 2017

Wie sie inzwischen gemerkt haben werden, kann das Verstreichen einer relativ kurzen Zeitspanne (selbst in einem uralten Land) enorme Veränderungen hervorbringen. Ein Vergleich von einem aktuellen Foto von Be’er Sheva mit Bergers 50 Jahre alter Zeichnung illustriert dies wunderbar.

Be’er Sheva von Nordwesten: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 17 und das begleitende Foto von Yelena Gof, 2017

An anderen Orten scheint es so, als habe sich nicht viel verändert. Tel Hais Löwe brüllte immer noch und die dramatischen Klippen sind noch nicht ins Meer gestürzt.

Der Brüllende Löwe von Tel-Hai: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 55 und das begleitende Foto von Hadas Ram, 2016
Die weißen Klippen von Rosch Hanikra: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 55 und das begleitende Foto von Yelena Gof, 2016

Adis Fotografien erlauben uns, in Kombination mit Bergers Zeichnungen und (in einigen Fällen) Roberts‘ Gemälden, einen Blick auf jede Örtlichkeit in der Perspektive von zwei (und manchmal drei) verschiedenen Jahrhunderten zu werden.

Und zum Finale: Hier ist unsere Ergänzung der Sammlung, die Bergers Zeichnung der Nationalbibliothek begleitet:

Vielen Dank an Adi Berger-Ram für ihre Hilfe bei der Recherche und Zusammenstellung dieses Artikels.

Ein Buch von 1976 dokumentiert die ethnische Säuberung von Juden aus Jerusalem 1948 mit überwältigenden Fotos

Elder of Ziyon, 13. August 2021

Richard Pollack schreibt in JNS:

Vor kurzem stolperte ich über ein Fotobuch, dessen Bilder der gefeierte Kriegsfotografe John Phillips vom Magazin Life aufgenommen hatte. Das große, harmlos aussehende Buch trug den einfachen Titel „A Will to Survive“ (Überlebenswille). Nachdem ich durch einige Seiten blätterte, erkannt ich, dass ich eine Zeitkapsel betreten hatte, die die arabische Zerstörung des uralten Jüdischen Viertels in Jerusalem 1948 ein Denkmal setzte.

Es ist nicht nur ein dramatischer Bericht des Falls des Jüdischen Viertels 1948 aus erster Hand, sondern dokumentiert die Verbrannte-Erde-Taktiken der Arabischen Legion, die dort jedes Bauwerk, einschließlich all seiner Synagogen und Jeschiwen schleifte und niederbrannte. Die Araber vertrieben sämtliche Einwohner der Stadt, hauptsächlich wehrlose, alte orthodoxe Juden. Ihnen wurde eine Stunde gegeben, um Häuser zu räumen, in denen zumeist Großfamilien seit Jahrhunderten gelebt hatten.

Und kein internationales Gremium hat je Rechenschaft für die barbarischen Taten der Arabischen Legion nach der Kapitulation des Viertels gefordert.

Um diese Aufnahmen im Mai 1948 zu bekommen, gab sich Phillips in Jerusalem als britischer Offizier der Arabischen Legion aus. Er schmuggelte zudem seine Fotos hinaus, um arabischen Zensoren zu entgehen, die erpicht darauf waren die Plünderung des Jüdischen Viertels geheim zu halten.

Phillips setzte sich persönlicher Gefahr aus, um die Aufnahmen zu machen. Er kam undercover in den Nahen Osten und trug die Uniform der Arabischen Legion, einer von den Briten geschaffenen arabischen Armee, die von britischen Offizieren geführt wurde, von denen viele bei ihren Einheiten blieben, um gegen die Juden zu kämpfen. „Die arabische Bevölkerung hielt mich für einen britischen Offizier und ließ mich in Ruhe“, schrieb er.

Er war entsetzt von der arabischen Zensur. „In dem Bewusstsein, dass die Plünderung des Jüdischen Viertels die westliche Welt schockieren würde, versuchten die arabischen Obrigkeiten im gesamten Nahen Osten zu verhindern, dass die Nachricht bekannt würde. Jerusalem durfte unter keinen Umständen erwähnt werden“, schrieb er.

„Ich wusste, dass meine Bilder des Todeskampfs des Jüdischen Viertels im Papierkorb eines Zensors enden würden. Ich wollte nicht, dass das passiert und beschloss sie aus dem Nahen Osten zu schmuggeln.“

Ich fand eine Online-Ausgabe des Buchs. Die Fotos darin sind überwältigend.

Hier ist die Hurva-Synagoge in Trümmern.

Eine Ansicht der Zerstörung des Jüdischen Viertels von dort, wo heute der Vorplatz der Kotel ist; in der Mitte sind die Yosef-Synagoge und die Jeschiwa.

Juden sammeln sich zur Deportation vor der zerstörten Synagoge Tiferet Israel.

Weitere Fotos von Juden, wie sie überstürzt weggehen – sie hatten eine Stunde ihre Habseligkeiten zusammenzuraffen.

Hier sind Araber, die die Reste plündern – einschließlich, dass sie die Thora-Hüllen aus einer sephardischen Synagoge mitnehmen und eine Frau mit einer Kiste Matzen auf dem Kopf.

So sieht ethnische Säuberung aus.

Phillips kehrte 1976 zurück und interviewte Dutzende Juden, die 1948 in der letzten Schlacht um die Altstadt gekämpft hatten.

Als im Land Israel Speiseeis verboten war

Warum war es den Einwohnern des Mandats Palästina drei ganze Jahre lang verboten Speiseeis zu essen?

Amit Naor, the Librarians, 20. Juli 2021

Yardena Herzberger genießt ein Eis. (Foto: Hanan Herzberger, Bitmuna-Sammlung, Nationalbibliothek Israels)

Im Frühjahr 1942 kündigten die Schlagzeilen in allen englischen, hebräischen und arabischen Tageszeitungen des Mandats Palästina das lokale Verbot von Produktion, Verkauf und Verteilung von Speiseeis ab dem 1. Mai an. Die Einwohner würden nicht länger in der Lage sein ein Hörnchen Eis am Strand oder eine Kugel zu einem Stück warmen Schokoladenkuchen in einem örtlichen Café zu genießen. Kein Schokolade, Vanille oder Pistazie mehr. Ab jetzt gab es nur noch Zitrone, Weintraube und Ananas.

Die Gründe für diese strenge Anordnung hatten mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun, der sich zu dieser Zeit auf seinem Höhepunkt befand, wobei die Kämpfe beinahe die Grenzen des Landes Israel erreichten. Deutsche Streitkräfte unter Feldmarschall Erwin Rommel, dem „Wüstenfuchs“, eilten über den Sand Nordafrikas und drohten Ägypten zu besetzen, wo britische Streitkräfte stationiert waren. Im Mandat Palästina waren Vorbereitungen für eine mögliche Invasion der Nazis im Gang. Im Fall einer solchen Katastrophe plante die jüdische Gemeinschaft sogar eine letzte Verteidigung am Berg Karmel.

Aber was hat das alles mit einem gefrorenen Dessert zu tun? Hatten die Juden nicht schon genug gelitten? Warum verhinderte eine Bedrohung durch Nazis, dass die Menschen im Land Israel einen Bissen Speiseeis genießen? Die Antwort liegt in der globalen Knappheit von Rohstoffen. Fakt ist: Hinter dem Verbot steckte die Versorgungsbehörde des britischen Mandats. Für die großen Mengen an Milch und Zucker, die für die Herstellung von Speiseeis benötigt werden, gab es grundlegendere Verwendung – zumindest in den Augen der Behörden. Das Verbot der Herstellung von Speiseeis sollte bis zum Ende des Krieges bestehen bleiben. Vergessen Sie nicht, dass Mitte 1942 noch niemand wusste, wie lange der Krieg dauern würde.

The Palestine Post, 22. April 1942

Was war mit der Öffentlichkeit? Die nahm das Verbot nicht leicht. Den Bemühungen der Medien zum Trotz die Bürger zu überzeugen, dass nicht milchige Ersatzstoffe genauso gut schmeckten, stimmte nicht jeder zu. Es stimmt, dass auch andere Lebensmittelprodukte rationiert, ihre Produktion eingeschränkt und während der Kriegsjahre überwacht waren, aber das Speiseeisverbot war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Einschränkungen sorgten sogar für Aufregung bei den Auslandskorrespondenten und Journalisten im Land, die ihren Lesern Zuhause darüber berichteten. Einer der Reporter schrieb über das Desaster: „Das ist die schlimmste Widrigkeit, die das Heilige Land noch erfahren musste.“

Eine „Anzeige“ für die Nifla [„Wunderbar“] Eismischung. Der hebräische Text beschreibt das Produkt als „Speiseeis-Pulver“, das in den Geschmacksrichtungen Vanille, Zitrone, Ananas, Mokka, Schokolade und Erdbeere verfügbar war. Poster-Sammlung in der Nationalbibliothek Israels.

Andere verstanden die Notwendigkeit den Gürtel in so schwieriger Zeit enger zu schnallen. Der jiddische Schriftsteller Zusman Segalowitsch veröffentlichte in der Zeitung HaBoker am Morgen, des Inkrafttretens des Verbots, eine Kolumne. Darin schrieb er: „Ab heute ist es verboten Speiseeis zu produzieren und zu essen. Das ist eine Anordnung. Ein Gesetz, das wir befolgen müssen, besonders in einer Zeit, in der in der Welt ein solcher Kampf ausgetragen wird. Das ist keine Katastrophe, man kann eine Zeit lang ohne Speiseeis auskommen. … Ich persönlich bin kein großer Fan, obwohl ich hin und wieder einem süßen Leckerbissen nicht abgeneigt bin. Aber in der Theorie denke ich, dass Speiseeis etwas sehr Notwendiges ist, etwas Gutes und Süßes und Nützliches, auch etwas Internationales, die einzige Internationale [ein Spiel mit Die Internationale, der Hymne der Linken, da das Verbot am 1. Mail in Kraft trat, dem Internationalen Tag der Arbeit], die Süßes und Frieden hat.“ Zusman fuhr mit Erinnerungen zu einem Café fort, das er in Polen kannte, das ausgezeichnetes Speiseeis anbot. Er versuchte seine Kolumne mit einer hoffnungsvollen Anmerkung zu beenden:

Es ist keine Katastrophe, dass Speiseeis vorläufig verboten worden ist. Das ist vorübergehend. Es ist nur wegen des Kriegs und der Krieg wird genau deshalb geführt, damit die Leute in Frieden Eis essen können. Der Krieg wird enden und dann werden die Leute wieder Dinge für sich finden, die angenehm und nützlich sind und ist das nicht die Logik des Lebens? Die Menschen werden den wahren Lebensweg finden müssen, jeder für sich, den Weg zu Schönheit und den Weg zu noch schmackhafterem Speiseeis.

Die Belohnung der Erde ist voller Güte, Früchte, die man gut essen kann und Schönheit, die betrachtet werden kann. Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Bananen, Weintrauben, Mandeln, Aprikosen und Orangen. Immerhin kann aus all diesen Eis gemacht werden. Und Schokolade und Kakao, Milch und Sahne – jede Menge köstlicher Zutaten für Speiseeis. Und die Weisen werden endlich zugeben müssen, dass die guten Dinge in der Welt allen gehören und mit gutem Willen alles ehrlich geteilt werden kann. Alles für alle!

Der Geizhals wird wie ein trockener Halm auf dem von ihm angesammelten Gold verdorren. Aber Bäume werden blühen und grünen, die Erde wird Lebensmittel liefern, die Sonne wärmen. Und die Menschen werden mehr Eis kosten … alles wird wieder gut sein.

Zeitgenössische Karikatur: Eine Familie auf dem Weg zum Café muss den Zucker selbst mitbringen. Ha’aretz, 24. Juli 1942

Die Speiseeis-Knappheit brachte nicht nur philosophische Betrachtungen hervor, sondern auch Praktischeres. Am 30. April 1942, dem letzten Tag, bevor das Eiskremverbot in Kraft trat, waren Cafés und Eisdielen ein sehr beschäftigt. „Ungewöhnlicher Verkehr in Cafés“ berichtete die Zeitung HaMaschkif unter Verweis auf die „Lecker“, die die letzte Chance nutzten sich vom Speiseeis zu verabschieden.

„Letzter Tag zum Essen von Eiskrem“, schrien die Schlagzeilen. Ha’aretz, 30. April 1942

Natürlich erforderte eine solche Maßnahme eine Zeit der Anpassung. Verschiedene Händler versuchten die Herstellung von Speiseeis mit den knappen, ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln fortzusetzen, neben den Fruchtsorbets, deren Herstellung wie üblich weiterging. Andere betrieben offenbar gesetzeswidrige Profitmacherei mit Rohmaterialien, die zur Herstellung von Speiseeis verwendet werden und manche versuchten das vor Gericht durchzusetzen. Zusätzlich zu diesen Verwicklungen kam noch die Tatsache, dass die britische Armee und andere Streitkräfte, die an ihrer Seite kämpften, weiterhin die Versorgung mit allen Sorten an Speiseeis gestatteten.

Palestine Post, 6. Mai 1942

Es lohnt sich festzuhalten, dass das Verbot an sich gerechtfertigt war. Nach Angaben von Berichten sagten die Behörden voraus, dass bereits in der ersten Woche des Verbots 400t Zucker und 600t Milch gespart würden. Die Zuckermenge entsprach in etwa der Menge, die ganz Tel Aviv fünf volle Monate lang geliefert wurde.

Eine Frau leckt 1950 auf der Allenby-Straße an einem Eiskrem-Hörchen (Foto: Boris Carmi, aus der Meitar-Sammlung, Nationalbibliothek Israels)

Schließlich ging, wie jeder weiß, der Zweite Weltkrieg mit einem Sieg der Alliierten über die Nazis und ihre Komplizen zu Ende. Die Endphase des Krieges erlebte die Aufhebung des drakonischen Verbots der Herstellung und des Verkaufs von Speiseeis im Mandat Palästina. Im Gegensatz zu dem, was man hätte erwarten können, wurde der Rückkehr des Speiseeises nicht mit spontanen Tänzen auf der Straße begegnet. Schon im Februar 1945 gaben sich die Zeitungsverlage mit kurzen Berichten aus zwei bis drei Zeilen Text zufrieden, um ihre Leser zu informieren, dass Speiseeis im Land Israel wieder verzehrt werden könne. Ein paar Monate später, als Nazideutschland schließlich besiegt war, beschloss der Stadtrat von Kfar Saba eine gebührende Feier, indem 1.000 kostenlose Eisportionen an die lokalen Schulkinder verteilt wurden. Mit Wiederherstellung des Friedens konnte der Geschmack echten Speiseeises wieder genossen werden.

Nati Gabay an der Vorbereitung des Artikels beteiligt.