Gute Palästinenser, böse Israelis

Reuven Ben-Shalom, The Jerusalem Post (opinions), 25. Januar 2015

Mein Vater fragte mich vor kurzem, ob ich bereit wäre einen seiner alten Freunde zu treffen, der Israel besuchte. „Aber bevor du zustimmst“, warnte er, „muss du einige seiner antiisraelischen Artikel lesen.“

„Keine Sorge“, antwortete ich. „Ich würde lieber Kritik entgegentreten und helfen die Sicht von jemandem zu formen, als mit denen zu reden, die uns bedingungslos unterstützen.“

Profl. William A. Cook war in den 1960-er Jahren der Lehrer meines Vaters an der Leghigh University in Pennsylvania. Er ist heute Professor für Englisch an der Universität La Verne in Kalifornien und hat viele Jahre mit der Recherche über und dem Schreiben zum israelisch-palästinensischen Konflikt verbracht. Die Titel seiner Bücher, z.B. „The Rape of Palestine: Hope Destroyed, Justice Denied” (Die Vergewaltigung Palästinas: Hoffnung vernichtet, Gerechtigkeit verweigert) und “The Plight of the Palestinians: A Long History of Destruction” (Die Not der Palästinenser: Ein lange Geschichte der Zerstörung), deuten an, wo er steht.

Seine Biografie auf der offiziellen Internetseite der Englisch-Fakultät verweist auf Israel als 51. Staat der USA und nennt es „einen Apartheidstaat, der entschlossen ist das palästinensische Volk zu vernichten“.

Nachdem ich einige seiner Artikel gelesen hatte, änderte ich meine Meinungund lehnte das Angebot zu einem Treffen ab. Sein Ansichten waren so radikal, dass ich annahm, es gäbe nichts, das ich sagen könnte, um ihn zu beeinflussen. Doch er überraschte mich mit einer langen E-Mail, in der er Enttäuschung wegen meiner Entscheidung zum Ausdruck brachte und den aufrichtigen Wunsch vermittelte durch meinen langen Dienst in der IDF „über die wissenschaftliche Forschunghinaus“ aufgeklärt zu werden.

Wir trafen uns in Tel Aviv und sprachen drei Stunden lang miteinander. Es war eine faszinierende Diskussion, denn Bill ist extrem intelligent, sachkundig und eloquent. Er war auch sehr freundlich und bereit zu hören, was ich zu sagen hatte. Doch die Dinge, die er sagte, ließen mir das Blut in den Adern gefrieren und meinen Magen sich umdrehen.

Es war keine Debatte über Nuancen der Politik, sondern ein Darstellung Israels als boshaftes Gebilde, 1947 in Sünde geboren, das seit damals Gräueltaten begeht. Es war nicht nur seine Kritik an Israels Handeln, das mich schockierte, sondern die Zuschreibung bösartiger Absicht und sogar mentaler Wahn seitens des Volks Israels.

Was mich am stärksten überraschte: Die meisten der Grundlagen, auf denen seine Ansichten aufbauten, sind faktisch haltlos oder verzerrt. Was ich hörte, war eine Vielzahl abwegiger Anschuldigungen, Fehleinschätzungen und Dingen, die aus dem Zusammenhang gerissen waren oder völlig außer Proportion aufgeblasen wurden. Nach Cook war das von der christlichen Phalange in den Flüchtlingslagern Sabra und Shatila 1982 verübte Massaker „von Israel inszeniert“.

Ein weiterer tragischer Vorfall, der von Cook als Beweis für israelische Brutalität genommen wird, ist der versehentliche Beschuss eines UNIFIL-Geländes nahe Qana im Libanon. Viele Zivilisten wurden getötet, als Israel auf Positionen der Hisbollah zurückschoss, die aus einer nahe gelegenen Stellung gezielt schoss. Er glaubt, wir hätten das absichtlich gemacht.

Die Behauptung während der Schlacht von Jenin 2002 habe ein Massaker stattgefunden, ist von internationalen Organisationen lange widerlegt worden. Doch Bill Cook redet immer noch vom „Massaker von Jenin“, als wäre das eine Tatsache.

Das Kommandounternehmen gegen die türkische MV Mavi Marmara 2010 wird von ihm als „brutale Attacke“ durch israelische Kommandos beschreiben. Er selbst reiste danach in den Libanon, um bei einer weiteren Flottille mitzufahren, die aber wegen diplomatischer Intervention nie ablegte. Cook schrieb dann über Israel: „ein Volk das bereit ist auf alle Moral und Prinzipien zu verzichten, um ultimative Macht zu erlangen, der seelenlose Mensch ohne Gewissen oder Reue, die lebenden Toten.“

Der Kampf gegen die Hamas beschrieb er als „sinnlose Aggression, entfesselt gegen ein unschuldiges, wehrloses Volk“. Es gibt keinen relevanten Zusammenhang, keine tatsächlichen Ursache und Wirkung – nur israelische Brutalität.

Das weithin kritisierte Buch „Torat Hamelech“ („Die Torah des Königs“), das das theoretische jüdische Recht in Kriegszeiten zusammenfasst, ist für ihn der Beweis, dass die IDF ihre Soldaten lehrt, dass sie jeden Nichtjuden bei Sichtkontakt töten können. Ich weiß, das klingt verrückt, aber er hörte von dem Buch, sah einen Artikel darüber, dass eine bestimmte IDF-Einheit das Buch aus ihrer Synagoge geworfen hatte und klitterte sich alles zusammen.

Ich finde es zutiefst beunruhigend, dass etwas derart Dummes und Unbedeutendes wie dieses als Spiegelbild Israels genommen werden kann. Er hat jede aberwitzige, verleumderische Story mit „Fakten“ und „Daten“ abgesichert und er glaubt alles wirklich. Ich sah ihn an, wie er leidenschaftlich seine Anschuldigungen abfeuerte und hatte irgendwie Mitleid mit ihm, weil so in seiner erdichteten Welt eingetaucht war. Gleichzeitig war ich zutiefst traurig durch die Erkenntnis, wie verdreht und gefährlich antiisraelische Einseitigkeit sein kann.

Er war verblüfft, als ich ihm sagte, dass ich arabische Freunde habe und als ich israelische Araber als Mitbürger bezeichnete. Als ich sagte, dass die meisten Israelis in Frieden leben wollen, Seite an Seite mit unseren palästinensischen Nachbarn, legte er ungläubig die Stirn in Falten.

Vielleicht passte ich nicht in sein Bild derer, „die kein Gewissen, keine Reue und keine Seele“ haben, wie er einst schrieb. In seinen Augen hassen alle Israelis die Araber und Israel ist ein tyrannisches Regime, das sich einem „systematischen Völkermord“ verschrieben hat. Für ihn sind die Juden eine ausländische Kolonialmacht, die das Land seinen „rechtmäßigen Eigentümern“ gestohlen hat – dem „uransässigen Volk von Palästina“. Er glaubt sogar, das die Königreiche Davids und Salomos „Märchen waren und sind“.

Er bezeichnet die jüdisch-militanten Organisationen der Zeit des britischen Mandats (Izl/Irgun und Lehi/Stern-Gruppe) als „Terrororganisationen“, nennt die Hamas aber unterdrückte Freiheitskämpfer, die lediglich ihre Kränkungen zum Ausdruck bringen. Ich konnte ihm keine Verurteilung der Selbstmordbomber entlocken, die Busse und Einkaufszentren in die Luft jagen.

Die IDF ist für ihn eine brutale Armee und jeder tragische Vorfall, bei dem Zivilisten im Kampfzonen zu Schaden kommen, ist Beweis für einen absichtlichen Angriff gemäß Israels Plan der „ethnischen Säuberung“. Er glaubte mir nicht, dass – meiner Erfahrung nach – keine andere Armee der Welt so viel unternimmt, um das Leben von Zivilisten zu gewährleisten. Seine Welt ist schwarz und weiß. Gute Palästinenser, böse Israelis.

Cook erklärt, dass die jüdischen Mörder des arabischen Teenagers Muhammed Abu Khdeir im letzten Sommer würden in Israel nicht als Extremisten betrachtet, das Rassismus hier „so durch und duch eingebunden ist. Widerlich.

Antisemitismus? Nicht die Spur. Bill hat jüdische Freunde und Kollegen und selbst die Tatsache, dass er einen Tag mit meinem Kippa tragenden Vater durch Israel tourte, sagte ein Menge darüber aus, wie er sich Juden gegenüber und unter ihnen fühlt. Es ist der zionistische „Terrorstaat“, den er verabscheut und er diffamiert, dämonisiert und delegitimiert es geschickt, wo immer er kann.

Für mich war es eine unglaubliche Lehre zu sehen, wie jemand etwas zu seinem Lebenswerk machen kann und mit einem völlig verzerrten Verständnis davon enden kann. Bill kam auf der Suche nach historischen Archiven hier, um Israels Unmoral zu beweisen, lehnte es jedoch ab meine Aussagen lebendiger Geschichte über unsere Moral und Werte zu akzeptieren.

Völkermord? Apartheid? Sicher weiß jeder, der Zeit in Israel verbracht hat, dass es keinen systematischen Prozess der Vernichtung der Palästinenser gibt; und die Leute können „Apartheid“ sagen, bis wie im Gesicht blau werden, aber es gibt keine Form der Rassentrennung, die eine solche Behauptung unterstützen könnte.

Ich schrieb diesen Artikel nicht, um Professor Cook zu kritisieren. Doch nachdem ich seine Denkweise kennenlernte, hatte ich das Gefühl ich müsse mein Aufwachen zu der Tatsache teilen, dass sich seit den Ritualmordvorwürfen, die Juden für das Töten von christlichen Kinder um ihres Blutes willen verantwortlich machten, nicht viel geändert hat. Ankaras Bürgermeister hat gerade behauptet, dass Israel die Terroranschläge in Paris gelenkt hat.

Aufgrund meiner Erkenntnis der Abgründe, die antiisraelische Einseitigkeit erreichen kann, bin ich natürlich besorgt wegen der „einleitenden Untersuchung“, die vom Internationalen Strafgerichtshof nach den palästinensischen Beschuldigungen wegen israelischer Kriegsverbrechen eingeleitet wurde. Davon Israel grausame Absichten und barbarische Taten zuzuschreiben zur Leugnung des Holocaust, des Heiligen Tempels und selbst historischer jüdischer Existenz im Land Israel – die Um-Schreibung der Geschichte und Erfindung falscher Narrative sind gefährliche Waffen im Feldzug zur Delegitimierung Israels geworden.

Doch Fakten zählen. Geschichte zählt.

Ich glaube, dass es keine Basis für Verhandlungen mit den Palästinensern gibt, solange es nicht ein Mindestmaß an Wahrheit in ihrer Wahrnehmung der Geschichte und der Fakten vor Ort gibt. Die internationale Gemeinschaft muss begreifen, dass die Ermutigung der Irreführung und Fälschung weder der palästinensischen Sache dient noch Aussöhnung und Frieden fördern.

Der Autor ist ehemaliger Pilot der israelischen Luftwaffe und Gründer der Cross-Cultural Strategies Ltd.

Knallchargen

Gesine Schwan, Politikwissenschaftlerin – „Was früher das Judentum war, ist heute der Islam.“ Sagte sie – unwidersprochen – bei Günther Jauch. Was raucht die? (Gerd Buurmann hat eine passende Antwort.)

Fredrik Reinfeld, ehemaliger Premierminister von Schweden – der hatte eine Weihnachtsbotschaft: Die Grenzen Schwedens sind Fiktion und das Land gehört den Einwanderern, nicht den Schweden. „Ist dieses Land eines, das denen gehört, die drei oder vier Generationen lang hier gelebt haben oder ist Schweden das, was Leute, die mitten im Leben herkommen, daraus machen? Für mich ist offensichtlich, dass es Letzteres sein sollte und dass es eine stärkere und bessere Gesellschaft ist, wenn sie offen ist.“ Das erleben wir ja tagtäglich, vor allem in Malmö, der Hauptstadt der Vergewaltigungen ethnischer Schwedinnen durch zugewanderte Kulturbereicherer…

Carl Bildt, ehemaliger Außenminister (Schweden) – wann immer man Israel anpöbeln kann, ist Carl Bildt dabei. Und da (er)kennt er nichts. Nicht einmal Satire. Und so beschwerte er sich über Twitter, dass Israel seinen Bürgen eine Reisewarnung für Schweden ausgegeben hatte.

Michel Friedmann, Journalist – „Pegiada ist ein Anschlag auf die Pressefreiheit“ (wie der in Paris, nur halt ein verbaler). Der Mann hat sie nicht mehr alle. Nur weil die Medien schweigen und Propaganda betreiben und die Pediga-Leute deshalb nicht mit ihnen reden? Oh, weil sie die Medien als „Lügenpresse“ bezeichnen. Das geht ja nun gar nicht. Unsere Medien sind die einzig wahren Demokraten, die einzig wahren Meinungsvielfaltsgaranaten, oder nicht? Äh, nein: Meinungsvervielfältigungsgaranten wäre die richtige Bezeichnung, wenn man so sieht, wie fast alle Medien ständig ins gleiche Horn tuten und sich nur in Extremismen unterschieden – so z.B. dadurch, dass der Kinderstürmer deutlicher hetzt als andere. Mit solchen Aussagen bestätigt Friedmann eigentlich nur Broder, der mal schrieb: „Jetzt wissen fünf Millionen BILD-Leser, dass der Sarrazin den Friedman ein Arschloch genannt hat. Das ist nicht nett und, wie unsere Kanzlerin sagen würde, überhaupt nicht hilfreich. Und außerdem stimmt es nicht. Friedman ist ein selbstverliebtes Riesenarschloch. So, das musste mal gesagt werden.“

Radio Leverkusen – die sagten am Samstagmorgen (10.01.2014) rückblickend etwas über die Morde in Paris und sprachen von einer nie da gewesenen Welle der Gewalt und des Terrors – „drei Islamisten sind tot“ (so der Moderator). Erst im weiteren Verlauf der Zusammenfassung brachte dann der Korrespondent die Zahl von 17 unschuldigen Toten ins Spiel!

BBC - Am 8. Januar veröffentlichten die BBC-Nachrichten einen Artikel zu Medienreaktionen zum Terroranschlag auf Charlie Hebdo in Paris. Es wurden Reaktionen in vielen Länder dokumentiert. Am Ende des Artikels fand sich ein Absatz zu iranischen Medien:

Die konservative Hemayat fragt sich, wie die Angreifer den Ort des Geschehens „so einfach“ verlassen konnten und betrachtet das als „wichtigen Beweis“ der Zusammenarbeit zwischen der extremistischen Gruppe Islamischer Staat und Israel bei der Verfolgung „der Ziele dieses Regimes weltweit“.

Da fand also tatsächlich jemand bei BBC News, dass diese lächerliche Verschwörungstheorie berichtenswert ist und geeignet, dem Publikum weltweit beschrieben zu werden.

Reporter ohne Grenzen (Reporters sans frontières – RSF) – die schickten einen Reporter in den Libanon, um mal bei Al-Manar – dem Hisbollah-Hetzsender – vorbeizuschauen. RSF ist dagegen, dass der Sender in Frankreich verboten ist. Sie sind für Dialog. Und unterstellen dabei (nicht nur unterschwellig), dass die Antisemiten von der Hisbollah gar keine Antisemiten sind, sondern nur aufgrund von europäischen Sensibilitäten so wahrgenommen werden.

Ahmed Davutoğlu, Ministerpräsident und Stiefelknecht von Erdoğan (Türkei) – sieht einen Grund für radikal-islamistische Gewalttaten wie die Terroranschläge von Paris in Widerständen aus Brüssel und in Europa gegen das Streben der Türkei für eine Aufnahme in die EU. Merke: Die Türkei ist der Nabel der Welt, es dreht sich alles um sie. (Oder wollte er uns damit sagen, dass die Terroristen im Auftrag der Türkei handeln????)

Joachim Lux, Intendant (Thalia Theater Hamburg) – befand zu den Morden in Paris: „Der Terrorakt in Paris war ein Anschlag gegen die Muslime, weil dadurch das Ansehen der friedlichen Mehrheit der Muslime, eine ganze Glaubensgemeinschaft, diskreditiert wird.“

Exotisch?

Diese Woche machten wieder ein paar Models/Promis wieder von sich reden, weil sie in einem arabischen Emirat mit dem Komplettsack als Kleidung flirteten. Sie finden das exotisch bis erotisch.

gefunden auf Facebook und eingedeutscht:

Nicht-exotisch