„Man wusste nie, wann es ein Pogrom geben würde“

Warum mein Großvater Europa verließ

Sharon Taylor, the Librarians, July 15, 2020

Opfer des Pogroms von Khorkov 1919. Aus der  Pritzker Family national Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels

Als ich sechs Jahre alt war, hörte ich fasziniert, wie mein ältester Bruder meinen Großvater mütterlicherseits, Isidore Weisner, ausfragte. Als Jüngste in der Familie saß ich mit überschlagenen Beinen nahe des Küchentischs, dem einzigen Platz in unserer engen Küche, der frei war.

„Opa, warum hast du Europa verlassen?“, fragte mein Bruder.

„Die Pogrome; die Pogrome waren furchtbar und man wusste nie, wann es ein Pogrom geben würde. So wollte ich nicht leben, also ging ich fort.“

Opa starb, als ich elf war und in dem halben Jahrhundert seitdem haben die Fragen, die ich ihm gerne gestellt hätte, exponentiell zugenommen. Mit dem Studium des Lebens in Galizien, insbesondere junger Männer an der Wende zum 20. Jahrhundert, habe ich angefangen die Gründe besser zu verstehen, warum mein Großvater, wie so viele andere, seine Familie und das Land seiner Geburt verließ.

Mein Großvater wurde 1889 als Sohn von Abraham Wiesner und Rose Fleisig geboren. Er lebte in Kulikow (heute Kuljkiw in der Ukraine), nördlich von Lemberg, der Provinzhauptstadt von Galizien. Abraham arbeitete als Getreidehändler, ein Beruf, den viele galizische Juden ausübten. Damals waren rund 35% der Einwohner Kulikows Juden. Mein Großvater war der Jüngste in einer großen Familie. Bis auf einen Neffen kamen alle seine Geschwister mit ihren Ehepartnern und Kindern im Holocaust um.

Isidore Weisners Mutter Rose in Kulikow 1926. Auf der Rückeite steht auf Deutsch: „Zur Erinnerung von deiner Mutter.“ (Zur Verfügung gestellt von Sharon Taylor)

Aber im Dezember 1908, lange vor der Katastrophe, verließ mein Großvater seine Heimat und ging auf die lange Reise nach Rotterdam, wo er ein Schiff nach Ellis Island bestieg. Auf dem Schiff, als sein Geld dahinschwand, freundete er sich mit einer gut situierten Familie an, die ihn dafür bezahlte nach ihren kleinen Kindern zu sehen. Er verbrachte die zwölftägige Überfahrt damit den Kinder Schach spielen beizubringen, eine Fähigkeit, die in meiner Familie seit Generationen weitergegeben worden ist. Er kann am 5.Januar 1909 in New York an, wo Einwanderungsbeamte seinen Namen als Asryel Wiesner eintrugen. Irgendwann nach seiner Ankunft wollte er amerikanischer klingen und änderte seinen Vornamen in Isidore und ließ seinen Nachnamen Weisner buchstabieren.

Während die meisten Juden Galizien Ende des 19. Und Anfang des 20. Jahrhunderts verließen, um bessere wirtschaftliche Chancen zu suchen, war die Auswanderung meines Großvaters durch judenfeindliche Gewalt motiviert. In seiner Kindheit war der Antisemitismus im gesamten Kronland im Steigen begriffen. Im Frühling 1898, als mein Großvater neun war, berichtete der Standard of London von „Brotaufständen“ in Lemberg, die rasch niedergeschlagen wurden. Obwohl dort Hunger das Motiv war, verbreiteten die Unruhen sich westwärts und richteten sich gegen Juden. Nur 130km weiter in Przemysl drangen Aufrührer in den jüdischen Teil der Stadt ein, plünderten jüdische Häuser und Geschäfte. Trotz Eingreifens des österreichischen Militärs wurden die Angriffe in Przemysl so gewalttätig, dass der Londoner Observer berichtete, „die gesamte jüdische Bevölkerung ist geflohen“.

Juden und  Uniformierte Beamte in Przemysl, ca. 1900. Au sdem Folklore Research Cnter, Hebräische Universität Jerusalem; Teil der digitalen Sammlung der Nationalbibliothek Israels.

Den ganzen Frühling und Sommer des Jahres hindurch gingen die judenfeindlichen Krawalle weiter, zumeist in Westgalizien. Jüdische Häuser wurden geplündert und dann in Brand gesetzt. Christen stellten Kruzifixe, Kerzen und Heiligenstatuetten in ihre Fenster, um so ihre Häuser zu retten. Das Militär wurde gerufen, um die Gewalt zu kontrollieren, aber die Ausschreitungen ließen erst Ende Juni nach, als in mehreren betroffenen Bezirken das Pendant zum Kriegsrecht ausgerufen wurde.

Anders als die Pogrome von 1898 waren die meisten galizischen Pogrome lokale Ereignisse, über die die in englischsprachigen Zeitungen nie berichtet wurde. In seinem Buch Shtetl Memoirs gibt der Autor Joachim Schönfeld mehrere Berichte wieder, dass lokalisierte Gewalt eine tägliche Bedrohung jüdischen Lebens in Galizien um die Jahrhundertwende war. In seiner Heimatstadt Sniaty (heute Snyatyn in der Ukraine) trauten sich jüdische Jungen selten aus den jüdischen Teilen der Stadt hinaus und jüdische Frachtkutscher bildeten für den Warentransport Gruppen, um nicht zum Ziel von Gewalt zu werden.

Opfer des Pogroms von Bialystok, 1905. Aus der Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels

Ein ungünstiger Handel auf dem Marktplatz oder bei einer Hochzeit zu viel getrunken zu haben konnte sich in ein Pogrom wenden, bei dem Bauern durch die jüdischen Straßen der Stadt marschierten und „Tötet die Juden!“ brüllten. Juden wurden verprügelt, Fenster wurden eingeschlagen und Geschäfte geplündert. Oft war alles vorbei, bevor die Behörden eintreffen konnten. Nach Angaben von Schönfeld verbrachten die Juden von Sniatyn die folgenden Tage damit die Fenster zu ersetzen und die Schrammen und gebrochenen Knochen zu versorgen, aber es dauerte nicht lange, bis dieselben Bauern wieder auf dem Markt waren und mit jüdischen Händlern Geschäfte machten, als sei nichts geschehen.

Eine Frau verschafft sich einen Überblick über ihr zerstörtes und geplülndertes Haus nach dem Pogrom von Kischinew 1903. Während des Pogroms von Kischinew weltweit einen Aufschrei auslöste, waren Pogrome in ganz Osteuropa eine alltägliche Erscheinung, die oft wenige Aufmerksamkeit außerhalb der unmittelbar betroffenen Gemeinde erlagte. Aus der Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels

Wahrscheinlich trat diese Gewalt in Kulikow auf, insbesondere um die Zeit der umstrittenen Wahl von 1907, in der die Nationaldemokratische Partei mit ihrer antisemitischen Rhetorik eine Reihe von Sitzen Reichsrat des kaiserlichen Wien gewann.

Mein Großvater begann seine Reise nach Amerika im Jahr darauf. Ich werde nie die Einzelheiten des Progroms erfahren, das ihn veranlasste Galizien zu verlassen, aber wenn ich zu diesem Gespräch vor langer Zeit zurückgehen könnte, würde das eine der ersten Fragen sein, die ich ihm stellen würde.

Zwei-Pistolen-Cohen: Aus einem geschickten Drückeberger wurde eine chinesische Legende und Held Israels

„Er war wie eine Figur aus einem Buch. Er war wie etwas, das jemand schrieb.“

Daniel S. Levy, the Librarians, 20. Dezember 2020

Morris „Zwei Pistolen“ Cohen – auf Chinesisch bekannt als „Ma Kun“ – umgeben von Soldaten, Juli 1926. Originalbild aus der Sammlung von Josef L. Rich OBE

„Es stellte sich heraus, dass General Zwei-Pistolen-Cohen keine Scherze machte, als er sagte, er habe bei den Chinesen Einfluss“, erinnerte sich Saul Hayes, Vorsitzende des Canadian Jewish Congress. Er kannte nicht nur die chinesischen Mitglieder, sondern „er besorgte uns die verdammtesten Dokumente. Ich habe nie gefragt wie oder warum.“

Als Hayes eines Tages mit Cohen die Straße entlang ging, trafen sie auf Wellington Koo, den chinesischen Botschafter in den USA, Vizepremier H. H. Kung und Premierminister T.V. Soong.

„Und bei Gott, das erste, was ich sah, war, dass sie den Mann umarmten.“

Es war April 1945, unmittelbar vor der Kapitulation Nazideutschlands und das tausendjährige Reich starb. Vier Dutzend Nationen waren in San Francisco zusammengekommen, um die Vereinten Nationen zu gründen. Großbritannien hatte Palästina beherrscht, seit es nach dem Ersten Weltkrieg seine Verwaltung übernommen hatte und viele Juden waren in Sorge wegen der Zukunft des britischen Mandats für das Gebiet.

T.V. Soong, Leiter der chinesischen Delegation, spricht vor der ersten Plenarsitzung der Konferenz in San Francisco, 26. April 1945 (UNO-Foto/Rosenberg; CC BY-NC-ND 2.0)

Repräsentanten von Gruppen wie die American Jewish Conference und die Jewish Agency of Palestine – zusammen mit prominenten Leitern wie den Rabbinern Stephen Wise und Abba Hillel Silver – schwärmten in die Bay City, um für ihre Sache zu werben.

Jüdische Organisationen machten sich besonders Sorgen, dass Britannien sein Engagement zur Gründung einer jüdischen Heimstatt aufgeben könnte. Sie wollen sicherstellen, dass die UNO die jüdischen Rechte in Palästina gemäß der Balfour-Erklärung von 1917 – die erklärte, dass Britannien „die Gründung einer nationalen Heimstatt für das jüdische Volk in Palästina mit Wohlwollen betrachtet“ – oder das vom Völkerbund 1922 genehmigte Mandat über Palästina nicht mindert oder gar abschafft. Daher hofften sie, dass eine Klausel in die UNO-Charta aufgenommen wird, die die Rechte von Minderheitengruppen wie der in Palästina lebenden Juden schützt.

Sie waren dort allerdings nicht die einzigen Lobbyisten. Eine arabische Delegation hoffte, dass der Rat nur die Rechte der einen größten Gruppe in jedem Treuhandgebiet anerkennen werde. In Palästina bildeten die Araber die Mehrheit.

Die jüdischen Delegierten veranstalteten Planungstreffen und bereiteten sich auf die formellen Sitzungen vor, hatten jedoch Mühe Zugang zu einigen der Delegationen zu bekommen. Eine Gruppe, die die Zionisten nicht kontaktieren konnten, war die chinesische. Dann erinnerte sich Rabbi Israel Goldstein, der Leiter der Zionist Organization of America, daran, dass Morris „Zwei Pistolen“ Cohen sich während des Krieges in Montreal niedergelassen hatte.

Rabbi Israel Goldstein beim Besuch neu gegründeter Siedlungen im Negev 1969. (Foto: Dan Hadani) Aus dem Dan Hadani-Archiv, Pritzker Family National Photography Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Goldstein hatte den Abenteurer kurz zuvor getroffen, der auf so unwahrscheinliche Weise zum General der chinesischen Armee geworden war. Der Rabbiner telegrafierte ihm und „drängte ihn nach San Francisco zu fliegen und uns zu helfen mit ihnen bekannt zu werden“.

Cohen kam dem gerne nach.

Cohen, der zwei Jahrzehnte in China verbracht hatte, kannte viele der Führer des Landes und bot an seinen Freunden in der chinesischen Delegation Eliahu Elath, den Leiter der Jewish Agency, und andere vorzustellen.

Die Lobbyarbeit bei allen nationalen Delegierten zahlte sich aus. Palästina blieb Mandatsgebiet und Artikel 80 – Spitzname „Palästinaklausel“ der  UNO-Charta – schützte die Rechte „eines jeden Staates oder eines jeden Volks“ innerhalb des Treuhandgebiets.

Saul Hayes formulierte das später so:

Ich behaupte nicht, wenn wir keinen Erfolg gehabt hätten, würde es keinen Staat Israel geben… Ich sage, es hätte viele Jahre weitere Plackerei gedauert, wenn es jemals in die Treuhandschaftsabteilung gegangen wäre.“

Von Londons East End in die kanadische Prärie

Morris Abraham Cohen war eine Anomalie.

Niemand hätte geahnt, dass ein Mann, der als jugendlicher Straftäter begann, sich so gut herausmachen würde. Am 3. August 1887 in Polen in eine orthodoxe Familie geboren, kam er als junges Kind nach London und wuchs dort im East End auf. Er war mehr eine Art geschickter Drückeberger als ein Jeschiwa-bucher und wurde als Teenager wegen Taschendiebstahls verhaftet. Die Behörden schickten ihn in eine Arbeitsschule für missratene jüdische Kinder.

Karte von Ostlondon, farblich gekennzeichnet mit dem Anteil jüdischer Einwohner, 1900. Schwarz bedeutet, dass der Bereich 95 – 100% jüdisch ist. Aus der Eran Laor Cartographic Collection, Nationalbibliothek Israels.

Wie viele derer, die die Briten loswerden wollten, machte sich Cohen 1905 davon, ins westliche Kanada. Auf einer Farm außerhalb von Whitewood in Sasketchewan baute er Feldfrüchte an, kümmerte sich um die Tiere und half bei den Hausarbeiten. Und als jemand, der eines Tages als „Zwei Pistolen“ bekannt werden sollte, lernte er auch, wie man mit einer Pistole umgeht. Aber ein Jahr auf dem Land zu arbeiten reichte Cohen und er begann von Moose Jaw (Saketchewan) nach Winnipeg (Manitoba) zu wandern.

Er war Ansager in einem Reisezirkus, hausierte mit fragwürdigen Waren und schlug sich als Falschspieler durch. Es überrascht nicht, dass er regelmäßig verhaftet und für alles von Glücksspiel und Taschendiebstahl bis zu Geschlechtsverkehr mit einer unter 16-jährigen, deren Zuhälter er war, inhaftiert wurde.

Robsart (Sasketchwan) ca. 1915 (Foto: John Asplund)

Ein chinesische Legende

Hätte es nicht einen Zufall gegeben, wäre Cohen von der Geschichte ignoriert worden. Cohen war ein dicker Mann, der chinesisches Essen fast so sehr genoss wie eine zwielichtige Kartenhand. Eines Abends betrat er ein chinesisches Restaurant in Saskatoon (Sasketchewan), in dem spät abends Glückspiel stattfand. Dort stolperte er mitten in einen bewaffneten Raubüberfall.

„Es war ein Raubüberfall“, erinnerte er sich später, „aber ich war nicht bewaffnet und ich musste vorsichtig sein. Ich näherte mich ihm, bis ich zu nahe stand, als dass er seine Stange benutzen konnte und schlug ihm aufs Kinn. Der Typ war ausgezählt.“

So etwas hatte man noch nie gehört. Wenige Weiße kamen im Kanada des frühen 20. Jahrhunderts einem Chinesen zu Hilfe. Als Jude hatte Cohen jedoch ein Gefühl der Verbundenheit zu dem chinesischen Underdog. Er wusste, wie es war ein Außenseiter zu sein, jemand, den die Gesellschaft mied.

Cohens selbstlose Tat brachte ihm sofort den Respekt der chinesischen Gemeinschaft ein. Seine neuen chinesischen Freunde sahen ihn mit Geld wetten und baten ihn bald sich der Tongmenghui anzuschließen, der politischen Organisation des Revolutionsführers Dr. Sun Yat-sen, die sich ein paar Jahre später in die Guomindang entwickelte. Cohen wurde ein treues Mitglied, lernte Suns Lehren, nahm regelmäßig an Haustreffen teil, begann bei einigen der Versammlungen zu reden und spendete großzügig aus seinem Glückspiel-Verdienst an verschiedene Fonds.

Mitglieder der Guomindang (Chinesische Nationale Liga) und geladene Gäste 1918. Aus dem Galt Museum an dArchives, Lethbridge (Alberta) in Kanada.

Doch selbst mit seinem politischen Erwachen trieb Cohen weiter dahin. Er verbrachte Zeit im Gefängnis in Prince Albert (Sasketchewan) und verpasste Dr. Suns Spendensammel-Besuch in Kanada. Cohen wanderte nach Edmonton (Alberta), verdiente Geld mit Immobilien und kümmerte sich als Sprecher der örtlichen Auslandsgemeinschaft um die Bedürfnisse der Chinesen.

Erster Weltkrieg und dann nach China

Als die ruhmeichten Tage der Immobilienblase kurz vor dem Ersten Weltkrieg platzte, machte Cohen, was viele neu arbeitslose Männer machte – er verpflichtete sich beim Militär.

In Belgien bauten er und seine Kameraden im 8. Bataillon der Kanadischen Eisenbahntruppen Gleise, mit denen Soldalten und Nachschub an die Front geschickt wurden und er hatte die Aufsicht über einige der Chinesischen Arbeitskorps. Dort erlebte er in der Schlacht von Passchendaele schmerzhaft eine der schlimmsten Schlachten des Krieges.

Sergeant in Stellvertretung Morris Cohen (Mitte) ca. 1916. Au sder Sammlung von Victor D. Cooper

Nach dem Waffenstillstand engagierte sich Cohen stark in der Great War Veterans Association in Edmonton und agierte als politischer Vertreter seiner chinesischen Brüder.

Das Leben war allerdings nach dem Krieg nicht mehr dasselbe. Der kanadische Immobilienmarkt hatte sich nicht erholt. Cohen fühlte sich verunsichert und wollte sich verändern. 1922 machte er sich daher nach Schanghai auf.

Einmal dort nutzte er seine Guomindang-Verbindungen und seine polierten Methoden als Verkäufer, um sich ein Einstellungsgespräch bei Dr. Sun und einen Job als Personenschützer für den Führer und seine Frau Soong Qingling zu verschaffen.

Als Adjutant Suns wurde Cohen schnell einer der Hauptschützer des Führers und lebte in Suns Militärgelände, als der chinesische Führer nach Kanton zurückkehrte.

Cohens Visitenkarte, frühe 1920-er Jahre (Public Record Office, Kew)

Währen dieser Zeit in den 1920-er Jahren hatten Warlords das Land aufgeteilt. Während Sun Yat-sen in ganz China bekannt und respektiert war, kontrollierte er wenig und versuchte verzweifelt seine Position im Süden Chinas zu konsolidieren. Er war ein Träumer, der glaubte, er könne die Nation erobern und eine demokratische Gesellschaft etablieren. In bescheidenem Umfang versuchte Cohen seinem Boss bei der Verwirklichung dieses Traums zu unterstützen. Er half die anderen Personenschützer zu beaufsichtigen, bildete die Männer im Boxen aus, lehrte sie schießen  und das alles, während er Anschläge auf Suns Leben vereitelte.

Cohen in weißem Anzug bei der Einweihung der Militärakademie Whampoa (Auf der Bühne von links: Lioao Zhongkai, Chian Kei-Schek, Sun Yat-sen, Soong Qingling), Juni 1924. Aus der Sammlung von Josef L. Rich

General Zwei Pistolen

Während eines Anschlags auf Sun verletzte ein Kugel Cohen am Arm. Die Verletzung ließ Cohen innehalten:

„Die Kugel traf mich am linken Arm und brachte mich ins Nachdenken. Angenommen, es wäre mein rechter Arm gewesen und ich trage meine Waffe auf dieser Seite, wäre ich nicht in der Lage gewesen sie zu benutzen. Sobald wir zurück in Kanton waren, besorgte ich mir eine zweite Waffe, einen weiteren Smith and Wesson-Revolver, und steckte ihn griffbereit für meine linke Hand ein. Ich übte ihn zu ziehen und stellte fest, dass ich recht beidhändig war – die eine Waffe kam genauso schnell heraus wie die andere.“

Seine modischen Accessoires für zwei Pistolen zogen di Aufmerksamkeit der westlichen Gemeinschaft auf sich, die bereits von diesem jüdischen Engländer fasziniert war, der mit den Chinesen herumtollte. Sie begannen ihn „Zwei Pistolen“-Cohen zu nennen. Ein Spitzname war geboren.

Leider starb Sun 1925 ohne seinen Traum der Einigung Chinas verwirklicht  zu haben. Cohen arbeitete dann für eine Reihe Führer in Kanton und Schanghai, von Sun Yat-sens Sohn, dem Politiker Sun Fo, bis zu Sun Yat-sens Schwager T.V.Soong. Er schloss sich auch verschiedenen südchinesische Warlords an.

Cohenmit den Soldaten, Juli 1926. Au sder Sammlung von Josef L. Rich OBE

Einer von Cohens Hauptjobs für seine Bosse war der Kauf von Waffen. Er war überall, besuchte Nordamerika, Südamerika, Südafrika und Südostasien, kaufte von England Lewis-Gewehre, von Deutschland Mausers, Zephy-Maschinengewehr von der Tschechoslowakei und in Hongkong Kanonenboote.

1935 wurde er zum Generalmajor beförderte und war bis dahin zu einem festen Bestandteil des Nachtlebens von Schanghai und Hongkong geworden, veranstaltete Bankette und verschwendete einen Großteil seines Einkommens.

„Seine Eltern glaubten, er sei der währe Präsident des Landes.“ Dieses  Zitat und Foto von Cohen erschien in einer Dokumentation über ihn, die im B’nai B‘rith Messenger vom 6. Mai 1932 veröffentlicht wurde. Verfügbar über die NLI Digital Collection

Salonlöwe und Spion

Cohen verbrachte auch Zeit im Hong Kong Jewish Club, wo er die Zeit mit Freunden beim Pokern verbrachte und Kindern Zaubertricks zeigte. Die New Yorker-Autorin Emily Hahn hatte sich mit Cohen angefreundet und erinnerte sich besonders daran:

„Er war wie eine Figur aus einem Buch. Er war wie etwas, das jemand schrieb.“

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs war Cohen in Waffenkäufe und Beobachtungsarbeit zur Bekämpfung der eindringenden japanischen Armee involviert und arbeitete für die Special Operations Executive des britischen Geheimdienstes.

Als der Krieg sich in Europa ausbreitete, strömten jüdische Flüchtlinge nach Schanghai, einem der wenigen Orte, die kein Einreisevisum verlangten. Weil die Japaner das umgebende Territorium kontrollierten, war die internationale Siedlung der Stadt zu einer Flüchtlingsgemeinde geworden und die japanischen Streitkräfte warteten unruhig darauf dort einzumarschieren.

Deutsche, österreichische und polnische Juden überfluteten die Stadt. Im Februar 1939 kamen 2.500 neue jüdische Flüchtlinge in Schanghai an. Bis Ende des Jahres war ihre Zahl auf 17.000 angestiegen. Die meisten benötigten Hilfe. Schanghais bescheidene jüdische Hilfsorganisationen konnten den Zustrom so vieler Menschen nicht versorgen und das US-Außenministerium wollte die abfertigen, die in die USA unterwegs waren.

Eine in Schanghai gedruckte und verwendete Haggadah, 1943. Aus der Sammlung der Nationalbibliothek Israels

In der Hoffnung die Abläufe zu glätten, setzte das Außenministerium das American Jewish Joint Distribution Committee unter Druck zur Entlastung Geld zu schicken. Das J.D.C. schickte auch die amerikanische Sozialarbeiterin Laura Margolis, um die Hilfsmaßnahmen zu untersuchen und neu zu organisieren.

Margolis landete im Mai 1941 in Hongkong. Sie verbrachte eine Woche in der Kolonie, während sie versuchte auf einem niederländischen Schiff nach Norden einen Platz zu bekommen. Weil sie Zeit hatte, besuchte sie die Büros der Fast East Rice Bowl Dinner Campaign.

„Als ich zurück ins Hotel kam, fand ich eine Einladung zum Abendessen vor – im Haus von Frau Sun Yat-sen. Ich sollte am Abend von einem General Cohen abgeholt werden“, sagte sie zu den unerwarteten Vorbereitungen. „Er sammelte mich auf und wir kamen in ihrem Haus zum Abendessen an. Es war ein entzückender Abend mit Ausländern und Chinesen.“

Margolis sollte Soong und Cohen öfter sehen:

„General Cohen und ich wurden sehr gute Freunde. Er nahm mich überall hin mit und wurde meine Eskorte für Hongkong.“

Genauso führte Cohen Ernest Hemingway und seine Frau, die Korrespondentin Martha Gellhorn, herum, als sie nach China kamen, um über den heftiger werdenden Krieg zu berichten.

Martha Gellhorn und Ernest Hemingway in Chongqing, China, 1941. Aus der Ernest Hemingway Photograph Collection, John F. Kennedy Presidential Library and Museum in Boston

Cohen war im Dezember 1941 in Hongkong, als die Japaner angriffen und eskortierte Madame Soong zusammen mit ihrer Schwester Ailing – der Frau von H.H. Kung – in eines der letzten Flugzeuge, die die Kolonie verließen.

„Ich brachte die beiden Schwestern aufs Festland und verabschiedete mich von ihnen“, sagte Cohen über diesen langen Abend.

„Es war ein ziemlich betrüblicher Abschied. Wir alle wussten, dass es wahrscheinlich unser letzter war. Diesmal war ich absolut sprachlos. Ich konnte schlicht nichts sagen. Wir gaben uns die Hand und ich platzte einfach heraus: ‚Wir werden jedenfalls bis zum bitteren Ende kämpfen.‘“

Madame Soong hielt auf der Flugzeugtreppe an und starrte auf ihn hinunter. „Wir werden auch kämpfen, Morris“, sagte sie zu ihm, „aber nicht bis zum bitteren Ende. Wenn das Ende kommt, wird es süß sein.“

Cohen mit Soong Qingling, 1950-er Jahre. Aus der Sammlung von Victor D. Cooper

Die Japaner nahem die Stadt rasch ein und internierten tausende in Gefangenenlager. Cohen wurde ins Stanley-Gefängislager auf einer Landenge am Südende der Insel gesteckt. Dort wurde er von seinen Wärtern schlimm geprügelt und er verbrachte seine Zeit damit sich unauffällig zu verhalten.

Falscher Bericht über Cohens Ende, veröffentlich im The Sentinel, 19. März 1942. Verfügbar in der Digital Collection der Nationalbiliothek Israels: Japan hat General Ma Ma – Zwei-Pistolen-Cohen gefangen genommen und erschossen. Bericht erklärte, dass sie  ihn mit anderen chinesischen Soldaten aufstellten und ihnen ein Ende bereiteten…

 

Zwischen Kanada und China

Cohen war kanadischer Staatsbürger und Ende 1943 wurde er Teil eines Gefangenenaustauschs der Japanern mit den Alliierten. Er kam im Dezember in Montreal an. Im folgenden Sommer heiratete er Judith Clark – die Inhaberin eines Geschäfts für hochwertige Kleidung – im Tempel Emanu-El.

Morris und Judith Cohen am ihrem Hochzeitstag, 18. Juni 1944. Aus der Sammlung von Josef L. Rich OBE

Damit endete Cohens aktive chinesische Karriere, aber es war auch der Beginn seiner Mythenbildung, weil er seine Position in China aufbauschte und verzweifelt versuchte seine Position im Land wiederherzustellen.

Das war schwierig.

Mao Tse-tung und Chiang Kai-schek kämpften um die Seele Chinas und es gab für Cohen keinen Platz in dem neuen politischen Topf. Trotzdem garantierten seine Zeit mit Sun und die Verehrung für den Namen des Führers, dass man sich an ihn immer als loyalen Assistenten des Vaters des modernen China erinnerte.

Cohen und Chiang Kai-schek 1950. Aus der Sammlung von Victor D.Cooper

Cohens Verbindung zu Sun gab ihm zudem einen seltenen, wenn auch begrenzten Zugang zu beiden Lagern.

Er verbrachte jedes Jahr mehr als vier Monate in China, in denen er sich zumeist in Schanghai und Hongkong aufhielt, alte Freunde besuchte und mit jedem sprach, der seinen Geschichten zuzuhören bereit war.

Es gab viele Geschichten.

Das Buch „Two Gun Cohen“ half die Mathen um Cohens Leben und Heldentaten zu pflegen. Aus der Sammlung der Nationalbibliothek Israels

Zionistischer und jüdischer Aktivismus

Neben seiner Arbeit für die Zionisten bei der UNO-Konferenz in San Francisco 1945, half Cohen einer zionistischen Gruppe aus Schanghai Pläne auszuarbeiten, um britische Standorte zu bombardieren, sollten die Briten nicht aus Palästina abziehen und Ende der 1940-er Jahre half er einer Reihe jüdischer Schanghaier ihre Freiheit zu gewinnen, nachdem sie von schwer kontrollierbaren chinesischen Truppen entführt worden waren.

1947 bestätigten die Vereinten Nationen die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina.

Die Araber waren gegen den Plan und zwischen den Arabern und den Juden brachen weitere Kämpfe aus. Aus Angst, dass die umgebenden arabischen Staaten angreifen würden, sobald die Briten 1948 abzogen, kauften viele kanadische Juden Gewehre, Maschinengewehre, Mörser, Flugzeuge und anderes Überschuss-Material [aus dem Zweiten Weltkrieg] zur Lieferung ins jüdische Palästina

Sie packten die Frachtkisten mit der Aufschrift „Maschinenteile“ und schickten sie über Fassendorganisationen in den Nahen Osten.

Sydney Shulemson, der am höchsten ausgezeichnete kanadische Jude, der im Zweiten Weltkrieg kämpfte, arbeitete aktiv, um Soldaten und Waffen für Palästina zusammenzutrommeln. Im November hörte er, dass China Kanada 200 Bomber vom Typ De Havilland Mosquito abgekauft hatte. Der legendäre Sperrholz- und Balsa-„Mozzie“ hat einen robusten Rumpf und Rolls Royce-Motoren, die ic nso schnell und wendig machten, dass das Flugzeug sich bei seinen Einsätzen gegen Schiffe und fliegende Bomben (V1) auszeichnete.

De Havilland Mosquitos

Shulemson gibt an:

„Die kanadische Regierung hatte am Ende des Zweiten Weltkriegs eine große Anzahl davon… Ich erinnere mich gelesen zu  haben, dass alle testgeflogen, aufgearbeitet und dann auseinandergenommen, in Kisten gepackt und nach China geschickt worden waren. Mir fiel ein, dass ich nie gehört hatte, dass China sie jemals einsetzte. Ich fragte mich, ob es möglich sein könnte sie für Israel zu erwerben. Das wäre die gesamte Luftwaffe gewesen.“

Shulemson traf sich mit Cohen, der den chinesischen Botschafter in Ottawa anrief. Als Cohen auflegte, fragte er Shulemson: „Mögen Sie chinesisches Essen?“ Shulemson bestätigte und Cohen sagte ihm daraufhin: „Nun, wir essen morgen mit den chinesischen Botschafter in Ottawa zu Mittag.“

Trotz ihrer Bemühungen wurde aus dem Flugzeugdeal nichts. Die chinesische Regierung war zu korrupt um sich darum zu kümmern.

„Irgendwann sagte General Cohen mir, ich solle das nicht weiter verfolgen. Die Flugzeuge wurden nie ausgepackt, aber sie konnten nicht verkauft werden. Offenbar waren die Leute, die den Tausch arrangierten, mehr daran interessiert chinesische Währung in kanadische zu tauschen.“

Zurück nach England

Leider forderten Cohens lange Abwesenheiten von Montreal einen Tribut in seiner Ehe mit Judith. Als er 1956 geschieden wurde, war er schon zu einer seiner Schwestern in Manchester gezogen.

Cohen in Manchester (England) 1966. Aus der Sammlung der Familie Cohen

Cohens letzter Besuch in China fand 1966 als Gast von Premierminister Zhou En-lai zum 100. Jahrestag der Geburt von Dr. Sun statt.

Seine Kämpfe endeten schließlich an einem Herbsttag 1970. Der Mann, der zu seinen Lebzeigen oft als getötet gemeldet wurde, starb friedlich in England, umgeben von zwei seiner Schwestern, aber weit entfernt von seiner angenommenen Heimat und seinen chinesischen Kameraden. Verwandte, Bekannte und die Presse nahmen am nächsten Tag an der jüdischen Beerdigung teil.

Die Beerdigung war einer der wenigen öffentlichen Anlässe, bei denen offizielle Vertreter der kommunistischen Chinesen und der nationalistischen Taiwanesen gemeinsam in der Öffentlichkeit auftraten.

Selbst wenn diese Landsleute es ablehnten die Existenz des jeweils anderen zu akzeptieren: Als sie Seite an Seite an Cohens Grab standen, konnten seine alten Verbündeten ihren westlichen Bruder nie ignorieren.

Auch Dr. Suns Frau, Soong Qingling, konnte Cohen nicht vergessen. Als sie von seiner Familie kontaktiert wurde, schickte sie eine chinesische Inschrift, die neben der englischen und der hebräischen Schriftauf seinem Grabstein aus schwarzem Granit eingraviert wurde. Eine letzte Anerkennung für ihren treuen Beschützer und Freund.

Morris „Zwei Pistolen“ Cohens Grabstein, Manchester, England (Foto: Daniel S. Levy)

 

Wie der Islam Tribalismus in Göttlichkeit erhob

Raymond Ibrahim, 25. Dezember 2020

Abgesehen von seiner religiösen Fassade kann der Islam leicht über ein komplett areligiöses Wort definiert und verstanden werden: Tribalismus – dem Fluch jeder demokratischen oder pluralistischen Gesellschaft.

Fakt ist: Die gesamte Anziehungskraft des Aufrufs Mohammeds an die Araber seiner Zeit liegt in seiner Kompatibilität mit ihren Stammesgebräuchen, besonders mit dreien: Loyalität gegenüber dem eigenen Stamm; Feindschaft gegenüber anderen Stämmen; und Überfälle auf Letztere, um den Reichtum Ersterer zu mehren.

Für Araber des siebten Jahrhunderts – und spätere Stammesvölker, hauptsächlich Türken und Tataren, die ebenfalls natürliche Anziehungskraft im Islam fanden und zu ihm konvertierten – war der Stamm das, was die Menschheit für moderne Völker ist: Teil davon zu sein bedeutete menschlich behandelt zu werden; nicht dazu zu gehören bedeutete unmenschlich behandelt zu werden. Das ist nicht übertrieben: Der muslimische Philosoph Ibn Khaldun (gest. 1406) beschrieb die Araber seiner Zeit (ganz zu schweigen von denen aus Mohammeds primitiverer Ära acht Jahrhunderte zuvor) als „die unzivilisiertesten menschlichen Wesen, die es gibt. Verglichen mit sesshaften Menschen befinden sie sich auf einem Niveau mit wilden, unzähmbaren Tieren und tumben Raubtieren. Solche Leute sind die Araber.“

Mohammed verstärkte die Zweiteilung des Tribalismus, aber indem er Mitmuslime über Blutsverwandte stellte. Damit setzte er – in seiner „Verfassung von Medina“ – fest, dass „ein Gläubiger keinen Gläubigen um eines Ungläubigen willen umbringen darf, auch darf er keinem Ungläubigen gegen einen Gläubigen helfen.“ Darüber hinaus sollten alle Muslime „einander Freunde werden, wobei Außenseiter auszuschließen sind“.

Daraus wurde die umma – ein arabisches Wort, das etymologisch mit dem Wort „Mutter“ verbunden ist und das den islamischen „Superstamm“ bezeichnet, der über Rassen-, nationale und  linguistische Grenzen hinausgeht – geboren und ihr natürlicher Feind blieb jedermann, der außerhalb davon steht.

Die islamische Doktrin der al-wala ’wa’l-bara (Loyalität und Feindschaft), die Mohammed predigte und der Koran gebietet, fängt all das ein. Letzteres geht so weit, dass allen Muslimen geboten wird sich von ihren nichtmuslimischen Verwandten zu „abzukehren“ und sie zu „verstoßen“ – „selbst wenn es sich um ihre Väter, ihre Söhne, ihre Brüder oder ihre nächste Verwandtschaft handelt“ – und sie nur „Feindschaft und Hass“ für sie empfinden sollen, bis sie „allein an Allah glauben“ (Suren 58,22 und 60,4; s. auch Suren 4,89, 4,144, 5,51, 5,54, 9,23 und 60,1). Diese Verse beziehen sich auf eine Reihe enger Gefährten Mohammeds, die sich von ihren eigenen nichtmuslimischen Verwandten abwandten und sie schließlich abschlachteten, um ihre Loyalität Allah und den Gläubigen gegenüber zu zeigen: einer tötete seinen Vater, ein anderer seinen Bruder, ein dritter – Abu Bakr, der erste Kalif – versuchte seinen Sohn umzubringen und Omar, der zweite Kalif, schlachtete mehrere Verwandte ab. (Mehr darüber erfahren Sie in der fast 63 Seiten starken Abhandlung „Loyalty and Enmity“ im The Al-Qaeda Reader.)

Daraus wurde der Jihad geboren. Da es nur zwei Stämme gab – die islamische umma im einen Zelt und die entmenschlichten Stämme der Welt in einem anderen – wurden Muslime dazu angehalten all diese „Ungläubigen“ anzugreifen und zu unterwerfen, um ihren eigenen Stamm zum höchsten zu machen.

Kurz gesagt, tribalistische Blutsbande wurden gegen religiöse – das heißt die islamischen – Bande ausgetauscht.

Diese zweiteilige Weltanschauung bleibt im islamischen Gesetz – Scharia – verankert, das anordnet, dass Dar al-Islam (der „Wohnsitz des Islam“) das Dar al-Kufr (das „Haus der Untreue“) auf ewig bekämpft, bis Ersteres das Letztere unterordnet.

Das erklärt auch, warum neben den Arabern weitere Stammesgesellschaften ebenfalls angezogen wurden und den Islam attraktiv fanden.

Zum Beispiel betrieben die frisch konvertierten türkische Stämme, beschrieben im ältesten Epos der Türken, Das Buch von Dede Korkut (anhand mündlicher Traditionen), heidnische Praktiken, die vom Islam entweder missbilligt oder verboten sind: Sie essen Pferdefleisch und trinken Wein oder andere fermentierte Getränke; und ihre Frauen sind im Vergleich zu muslimischen Frauen relativ frei. Erst im Kontext der Überfälle auf die „Ungläubigen“ – die die „Stammesaußenseiter“ ersetzten – sind in ihrem Leben Echos des Islam offenkundig. „Ich werde die Länder der blutigen Ungläubigen überfallen, ich werde Köpfe abschneiden und Blut vergießen, ich werde die Ungläubigen Blut erbrechen lassen, ich werde Sklaven und Sklavenmädchen mit zurückbringen“ ist eine typische Kampf-Prahlerei. „Sie zerstörten die Kirchen der Ungläubigen, sie töteten ihre Priester und setzten an ihre Stelle eine Moschee. Sie hatten den Gebetsruf ausgerufen, sie hatten den Aufruf [oder schahada] im Namen Allahs des Allmächtigen aufgesagt. Die besten Jagd-Vögel, die reinsten Dinge, die lieblichsten jungen Frauen … suchten sie aus“, ist ein typischer Bericht der frommen Heldentaten dieser neuen türkischen Konvertiten.

Ansonsten kommt der Islam in ihrem Leben nicht vor. Obwohl das persische und arabische Establishment anfänglich von türkischer Frömmigkeit nicht beeindruckt war, priesen sie die neu Konvertierten, weil sie „auf Allahs Weise kämpften, Jihad gegen die Ungläubigen führten“ (was damals wie heute immer viel dafür tat, um von ansonsten unislamischem Verhalten freizusprechen).

Dasselbe galt für die Mongolen, die den Islam annahmen. So stellte Ricoldo von Monte Croce (gest. 1320) einst fest: „Die Tataren hatten den Islam übernommen, weil er die einfache Religion war, so wie das Christentum die schwierige war.“ Während der Islam ihre vorher bestehende Lebensart ergänzte, stellte das Christentum sie nur in Frage.

So kommt es, dass Mohammeds dauerhaftester Beitrag zur Weltgeschichte der ist, dass er mit der Neuverpackung der Stammesbräuche des Arabien des siebten Jahrhunderts über ein theologisches Paradigma auch den Tribalismus in einer Art Hyper-Tribalismus vergöttlichte, der seine historische Situation überlebte und in die Moderne überlief. Während viele Zivilisationen der Welt in der Lage gewesen sind ihren historischen Tribalismus abzustreifen oder zumindest zu mäßigen, ist für Muslime der Bruch mit dem Tribalismus ein Bruch mit Mohamed und seinen Gesetzen – ein Bruch mit grundlegenden islamischen Lehren.

Daher der notorische Widerstand gegen Assimilierung im Westen, die Schaffung von Enklaven und Clan-No-Go-Areas; die unablässigen staatszersetzenden Aktivitäten von Gruppen wie der Muslimbruderschaft und CAIR; und das sporadische Aufflackern von Terrorismus und Hassverbrechen.

Ze’ev Jabotinsky kommt wieder nach Hause

Über die Person des Ze’ev Jabotinsky wurde auch deutlich nach seinem Tod noch kontrovers diskutiert. Der Vater des Revisionistischen Zionismus und die ideologische Säule der israelischen Rechten wurde 1964 endlich zur Ruhe gebettet, 24 Jahre nach seinem Tod.

Chen Malul, the Librarians, 12. Juli 2018

Ze’ev Wladimir Jaobtinsky. Wenn Sie von ihm gehört haben, dann kennen Sie ihn als Vater der rechten revisionistischen und Betar-Bewegungen. Für viele Juden in aller Welt ist er sowohl eine inspirierende als auch umstrittene Persönlichkeit.

Sein Tod, ist gesagt worden, war so umstritten wie sein Leben.

Porträt von Ze’ev Jabotinsky – Schwadron Portrait Collection in der Nationalbibliothek Israels.

Als er 1935 sein Testament veröffentlichte, fügte er eine Klausel ein, die forderte, dass seine Gebeine, sollte er außerhalb des Landes Israel sterben, dort begraben werden sollen, aber nur auf Anordnung der zukünftigen jüdischen Regierung, die an die Macht kommen würde.

Jabotinsky in seiner Zelle in Akko nach seiner Verhaftung durch die britische Obrigkeit nach den Palästina-Krawallen von 1920. Schwadron Portrait Collection in der Nationalbibliothek Israels.
Jabotinskys letzter Wille und Testament, veröffentlicht in der hebräischen Tageszeitung Ma’ariv am 28. Juli 1957; darin erklärter er: „Mein Wille lautet, dass ich beerdigt oder meine Leiche an dem Ort verbrannt wird, wo der Tot mich findet. Meine Knochen (sollte ich im Ausland beerdigt werden) dürfe nicht nach Eretz Israel überführt werden, außer durch Anweisung seiner etwaigen jüdischen Regierung.

Jabotinsky starb 1940 in New York und in den turbulenten frühen Jahren des Staates Israel kam die Idee Jabotinskys sterbliche Überreste zur Bestattung über den Atlantik zu bringen, kam dem damaligen Premierminister David Ben-Gurion, Jabotinskys erbittertem ideologischen Rivalen, trotz der öffentlichen Kampagne der von Jabotinskys Nachfolger Menachem Begin geführten Partei Herut in den 1950-er Jahren nicht. Erst nachdem Ben-Gurion 1963 aus dem Amt schied, beherzigtet der neue Premierminister Levi Eschkol die Forderungen derer, die darum kämpften Jabotinskys sterbliche Überreste zur Beerdigung auf dem Herzlberg in den Staat Israel zu bringen, wo er und seine Frau schließlich ein Jahr später zur Ruhe gebettet wurden.

Das israelische Kabinett genehmigt die Rückholung von Jabotinskys sterblichen Überresten, berichtet in „The Sentinel“, 19. März 1964.

Begin schickte eine Dankesbotschaft „aus tiefstem Herzen“ an Levi Eschkol, in der er die Dankbarkeit seiner Partei für diese historische Entscheidung zum Ausdruck brachte. Eschkol hoffte nach Jahren bitterer Spannungen zwischen Begin und Ben-Gurion nationale Aussöhnung zu fördern. Der Herut-Vorsitzende schloss sich später in der Krisenzeit vor dem Sechstage-Krieg 1967Eschkols Regierung an.

Menachem Begin sollte schließlich 1977 Israels Premierminister werden, als Parteichef des Likud, dem politischen Fackelträger der revisionistischen Bewegung.

Weitere historische Bilder von Ze’ev Jabotinsky finden Sie hier in der Schwadron Portrait Collection der Nationalbibliothek Israels.

Muslime predigen „christliche Passivität“, um Christen zu entwaffnen

Raymond Ibrahim, 4. Dezember 2020

Eine der in Vergangenheit und Gegenwart am wenigsten bekannte – und bis in die Moderne weitgehend vergeblichste – von Muslimen verwendete Taktik, um Christen zu entwaffnen, hat darin bestanden darauf zu bestehen, dass das Christentum allgemein gegen Krieg und Gewalt ist.

Diesbezüglich ist die aktuellste Muslima, die sich in die Hülle des christlichen Theologen kleidet, niemand anderes als die in Somalia geborene Abgeordnete Ilhan Omar aus Minnesota (Demokratin). Um den 18. November, nachdem Senator Marco Rubio (Republikaner aus Florida) den Senatskandidaten Raphael Warnock aus Georgia kritisierte, weil der behauptete Christen könnten nicht sowohl Gott als auch im Militär dienen, zitierte die Muslima Omar die Bibel (soll heißen: sie zitierte sie falsch). In einem Tweet mit einem Verlegenheits-Emoji, als wolle sie suggerieren, dass das, was Rubio sagte, derart verlegen machend sei – tatsächlich war das Emoji angemessen, allerdings wegen ihrer Rechtschreibfehler – postete sie:

Mathäus [sic] 6,24:
Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem dMammon. [sic] Die Lügen und Verleumdungen der Republikanischen Partei haben keine Grenzen, aber das ist eine Blamage und schändlich.

Omar ist nicht die erste Muslima, die versucht christliche Theologie zum Nachteil der Christen und zu ihrem eigenen Schaden zu manipulieren. Vor fast einem Jahrtausend, vor der Belagerung Antiochias durch die Kreuzritter im Jahr 1098, wurden muslimische Emissäre zu Verhandlungen geschickt. Sie erzählten den Europäern, ihre Herren seien „erstaunt, dass ihr die Grabstätte eures Herrn als Bewaffnete sucht, ihr Volk [Muslime] in lange gehaltenem Land vernichtet – sie fürwahr mit dem Schwert abschlachtet, etwas, das Pilger nie tun würden.“

Natürlich sagten diese Diplomaten nichts darüber, was „ihr Volk“ christlichen Untertanen und Pilgern angetan hatte – heißt: sie zu erpressen, zu foltern, zu vergewaltigen und zu töten – was überhaupt erst die Kreuzzüge veranlasste.

Gleichermaßen würde Omar, die aus einer radikal-islamischen Nation (Somalia) stammt – die als drittschlimmster Christenverfolger der Welt gilt – lieber Christen „beschämen“ als sie mit Gewalt Widerstand leisten zu lassen, besonders der Gewalt durch Muslime.

Mit anderen Worten: Sie ist, wie so viele andere, eine Vertreterin des Fußabtreter-Christentums – einer passiven, nicht wertenden Form des Christentums, das es für tugendhaft hält sich vor dem Feind in den Staub zu werfen. Muslime und andere Elemente verfolgen weltweit Unschuldige? Zeigt Liebe und Toleranz, haltet die andere Wange hin, sprecht ein Gebet und fühlt euch wegen eurer eigenen Verbrechen – oder sogar die Verbrechen eurer Vorfahren – für schuldig, ist eine der dominierenden Verrenkungen dieser Sorte.

Fußabtreter-Christentum war während Barack Hussein Obamas Präsidentschaft regelmäßig zu sehen: „An Ostern denke ich über die Tatsache nach, dass ich als Christ lieben soll“, sagte er 2015 – drei Tage, nachdem ein islamischer Terroranschlag auf Christen in Kenia 147 Menschen tötete, was ein paar amerikanische Christengruppen dazu brachte Wut zu äußern. „Und ich muss sagen, dass ich mir manchmal, wenn ich von Christen weniger als liebevolle Äußerungen höre, Sorgen mache.“

Genauso führte Obama während des Nationalen Gebetsfrühstücks am 5. Februar 2015 Grundsätze des Fußabtreter-Christentums an, damit Christen sich dafür schämen, den Gräueltaten des Islamischen Staates gegenüber zu kritisch zu sein: „Damit wir nicht auf unser hohes Ross steigen und glauben, das [islamische Enthauptungen, Sexsklaverei, Kreuzigungen, rösten und beerdigen von Menschen bei lebendigem Leib] sei woanders einzigartig“, mahnte der amerikanische Präsident, „erinnern Sie sich daran, dass Menschen während der Kreuzzüge und der Inquisition im Namen Christi furchtbare Taten begingen.“

Was die Kreuzritter angeht: Wie reagierten diese, als muslimische Diplomaten sich schockiert zeigten, dass sie – christliche Pilger – mit dem Schwert gekommen waren? Mit mehr Wissen über die christliche Theorie eines gerechtfertigten Krieges als Omar, Obama und Ihresgleichen wollen, dass wir akzeptieren. Nach Angaben des Berichts von Robert dem Mönch, antworteten die Kreuzritter „einstimmig“:

Niemand mit etwas Verstand hätte überrascht sein dürfen, dass wir als bewaffnete Männer zum Grab unseres Herrn kommen und euch Leute von diesem Gebiet entfernen. Jeder von unseren Leuten, der mit Stab und Schriftstück hierher kam [d.h. unbewaffnete Pilger], wurde mit widerlichem Verhalten empfangen, erlitt die Schmach schlechter Behandlung und wurde in extremen Fällen getötet.

Das war noch untertrieben. Dreißig Jahre zuvor und nur als eines von zahllosen Beispielen schrieb ein Pilger über das, was Muslime einer „adligen Äbtissin mit ansprechendem Körperbau und religiösem Anblick“ antaten, die sich einer deutschen Pilgerreise nach Jerusalem angeschlossen hatte: „Die Heiden nahmen sie gefangen und vor aller Augen vergewaltigten diese schamlosen Männer sie, bis sie ihren letzten Atemzug tat, um alle Christen zu entehren. Die Feinde Christi vollführten solche Misshandlungen und andere wie diese an Christen.“

Vor den Mauern Antiochias, wo das Wort „Christen“ erstmals geprägt wurde, setzten die Kreuzritter ihre Antwort damit fort, dass sie feststellten, das Land „gehörte ursprünglich unserem Volk [Christen] und ihr Leute [Muslime] habt sie angegriffen und es ihnen niederträchtig weggenommen, was bedeutet, dass es nicht euch gehören kann, egal wie lange ihr es hattet.“ Entsprechend „wird durch fränkische Schwerter Vergeltung an euren Hälsen geübt werden“.

Dem modernen Leser wird ein solcher Denkansatz extrem erscheinen, auf jeden Fall „mittelalterlich“. Aber den Anhängern des Fußabtreter-Christentums wird nichts außer totaler Kapitulation genügen. So schalt die ehemalige Nonne, die sich heute für den Islam einsetzt, Karen Armstrong: „Während des 12. Jahrhunderts fochten Christen brutale heilige Kriege gegen Muslime, obwohl Jesus seinen Anhängern geboten hatte ihre Feinde zu lieben, nicht sie auszulöschen.“ Kein Wort davon, dass es Muslime waren, die diese „brutalen heiligen Kriege“ initiiert hatten und diejenigen, die zuerst anfingen Christen „auszulöschen“.

Kurz gesagt: Das Christentum bietet ausreichend Raum für gerechten Krieg – auch wenn diejenigen, die danach streben das zu untergraben, anders argumentieren.

Waren die arabischen Immgranten nach Palästina „Kolonisten“? „Siedler-Kolonisten?“ „Illegale Immigranten“? oder „Palästinenser“?

Elder of Ziyon, 2. November 2020

Aus der Palestine Post, 22. November 1933:

100.0000 illegale arabische Migranten

Riesiger Strom aus Syrien, Hauran, Irak und Transjordanien

In den Jahren 1920 bis 1931 wurden die Muslime und Christen Palästinas zusätzlich zu ihrer natürlichen Zunahme um 100.000 aufgestockt.
Das ist der Schluss, den A. Reubeni in einem Artikel in „Doar Hayom“ vom Montag zog. Nach Angaben einer Volkszählung von 1922 betrug die Zahl der Muslime 590.000 und die der Christen 73.024, schreibt er. Die Shaw-Kommission schätzte 1928 die Zahl der Muslime auf 660.000 und die der Christen auf 79.000. Die Zahl der Muslime in Palästina nahm daher von 1922 bis 1928 um 70.000 zu, die der Christen um 6.000. Nach Angaben der Volkszählung vom November 1931 zählten die Muslim 759.712 und die Christen 91.398.

Von Anfang 1928 bis Ende 1931 nahmen die Muslime um 100.000 und die Christen um 12.000 zu, das heißt 112.000 in drei Jahren, verglichen mit 76.000 in den sechs vorhergehenden Jahren.

„Was war die Ursache dieser rapiden Zunahme?“, fragt Reubeni. Auf Grundlage der normalen natürlichen Zunahme war zu erwarten, dass die Muslime in den Jahren 1929 bis 1931

höchstens um 39.000 und die Christen um 3.000, zusammen also 42.000 zunehmen würden. Wie erklärt sich die Differenz zwischen dieser Zahl und 112.000, nämlich unerwartete 70.000?

Eigentlich, schließt Reubeni, ist die Zunahme bis 1929 noch größer, da in der Folge herauskam, dass die Volkszählung von 1922, auf der die Shaw-Kommission ihre Berechnungen stützte, die Zahl der Beduinen um mindestens ein Drittel aufgebauscht hatte. Die Beduinen, war seitdem klar gemacht worden, zählten damals höchstens 65.000 und nicht, wie angegeben, 103.000. So irrte sich die Shaw-Kommission um rund 40.000 in ihrer Schätzung für 1928. Tatsächlich betrug der Überschuss der Muslime und Christen gegenüber ihrer natürlichen Zunahme in den Jahren 1929 bis 1931 mehr als 100.000.

Diese Zahl stellt muslimische und christliche Immigranten aus benachbarten Ländern dar, die zu mindestens 95% ungenehmigt waren. Es handelt sich um Syrer, Libanesen, Hauraniten, Iraker, Transjordanier, Hedschasis und Ägypter.

So viel zu arabischer Zuwanderung Ende 1931. Aber sie ist seitdem angeschwollen und dringt heute aus der hungrigen Wüste und den Armutsgebieten Syriens und Ägyptens nach Palästina ein, erblühte durch jüdische Anstrengungen, argumentiert Reubeni. Wir sind heute Zeugen einer gewaltigen Welle aus den umliegenden, dürren Ländern in das Land des Reichlichen, das Land, das im Prinzip für die Gründung der jüdischen nationalen Heimstatt vorgesehen war…

Es gibt keine Zweifel, dass es in den 1920-er und 1930-er Jahren eine beträchtlich arabische Zuwanderung ins britische Mandat Palästina gab. Doch anders als die damalige jüdische Zuwanderung werden die Araber nie als „Kolonisten“ oder „Siedler-Kolonisten“ bezeichnet, wie es mit den Juden gemacht wird.

In wahrer Ironie werden sie tatsächlich heute als „Palästinenser” betrachtet – obwohl die meisten von ihnen nur 20 Jahre lang im britischen Mandat Palästina lebten. Und sie übernahmen den Namen der Menschen, die damals Palästinenser genannt wurden.

Palästinenser in Missouri

Zwei Studenten an der Universität

Columbia, Missouri, 18. Januar

Zwei Studenten aus Palästina sind dieses Jahr an der University of Missouri eingeschrieben worden. Frl. Annette Shapiro aus Tel Aviv und davor aus New York macht ihren Major in Sport. Sie hat vor, nach ihrem Abschluss nach Palästina zurückzukehren, um für die Organisation Hapoel zu arbeiten. Obwohl ihr Kurs vier Jahre dauert, erwartet Frl. Shapiro ihren Abschluss in weniger als der vorgesehen Zeit ihren zu schaffen.

Mosche Shapiro aus Haifa, Sohn von Dr. J. M. Shapiro, Leiter der Malariaforschung in Palästina, macht den Kurs in Agraringenieurwesen. Auch er hat vor, nach seinem Abschluss nach Palästina zurückzukehren, um dort amerikanische Landwirtschaftsmethoden einzuführen. Es ist Herrn Shapiros erstes Jahr an der University of Missouri.

Beide Studenten sind aktive Mitglieder des International Club an der Universität und nehmen an vielen weiteren Studenten-Aktivitäten teil. Beide leisten in ihren Kursen ausgezeichnete Arbeit.

Die Geschichte einer Skulptur: Der brüllende Löwe von Tel Hai

Ein Jahrhundert ist seit dem Fall von Tel Hai vergangen; dies ist die Geschichte der Skulptur Brüllender Löwe von Abraham Melnikoff.

Gil Weissblei, the Librarians, 18. März 2019

„Ist Ihnen Melnikoff bekannt?“ Dan Ben Amotz und Haim Hefer fragen ihre Leser am Anfang einer der Geschichten zu Hebron in der Sammlung von Geschichten und zweifelhaften Berichten, die als Yalkut HaKzavim (Ein Sack Fabeln) bekannt ist. „Diese Geschichte handelt von seinem Bruder oder seinem Vater. Sie handelt von ihm“, fahren sie fort, in der Annahme, dass zur Zeit, als sie das schreiben, jeder Israeli genau wusste, von wem sie reden. Wir kommen zu dieser großen Erzählung zurück, die bei den Kämpfern des Palmach beliebt wurde, weil das meiste davon erstaunlicherweise wahr ist. Aber zuerst – für diejenigen, die nicht wissen, wer Melnikoff ist oder wovon wir reden – wollen wir mit einer kurzen Einführung beginnen; dazu sollen uns Dokumente aus seinem persönlichen Archiv helfen, die in der Nationalbibliothek erhalten sind und Antworten auf einige der Rätsel rund um sein Leben enthalten.

Wenige, die die Skulptur Der brüllende Löwe besuchen, der neben der Grabstätte von Joseph Trumpeldor und seinen Kameraden am Tel Hai steht, bemerken, dass der Schöpfer dieses beeindruckenden Denkmals ebenfalls nahebei beerdigt ist. Abraham Melnikoff, einer der Gründungsväter der modernen hebräischen Skulpturszene, fand seinen letzte Ruhestätte bei den Gräbern der Mitglieder der Organisation „HaSchomer“ am Fuß des Denkmals, mit dem er am meisten identifiziert wird. Aber Melnikoffs turbulentes Leben begann weit weg von den Hügeln Galiläas. Er wurde 1892 in Bessarabien geboren, eine Region, die damals unter der Herrschaft des russischen Zaren stand.

Trotz seiner Einwände wurde der sensible Jugendliche, der Talent fürs Zeichnen zeigte, von seinen Eltern nach Wien geschickt, um dort Medizin zu studieren. Kurz danach führten die Meinungsverschiedenheiten wegen seiner Zukunft dazu, dass seine Eltern ihre finanzielle Unterstützung einstellten. In der Folge verließ er die Schule und begann zu reisen; schließlich kam er in die Vereinigten Staaten. Dort, sollte er später erzählen, traf er den berühmten Schriftsteller Jack London, mit dem er sich anfreundete. Die beiden wurden sogar von der örtlichen Polizei festgenommen, nachdem eine ihrer regelmäßigen abendlichen Zechtouren böse endete.

Der Wunsch Kunst zu studieren siegte schließlich über ein Leben der Reisen und Abenteuer und 1917 schrieb sich der 25-jährige Melnikoff in der Kunstschule in Chicago ein. Doch trotz seines brillanten Talents und der Versprechen seiner Lehrer nach einer glänzenden Zukunft konnte er dort den Kurs nicht durchhalten und im März 1918 meldete sich Melnikoff freiwillig für die Jüdische Legion. Er sollte seine junge Frau und seine Tochter, die ein paar Monate zuvor geboren wurde und den Namen Bat Zion erhielt, nie wieder sehen.

Die Kämpfe im Nahen Osten waren bald vorbei und nach einem kurzen Aufenthalt in einem britischen Armeelager in Ägypten kam Melnikoff nach Palästina. Er sollte ein paar Jahre später nach Ägypten zurückkehren, auf der Suche nach einem Bild eines brüllenden Löwen.

Abraham Melnikoff 1922 in Jerusalem. Unbekannter Fotograf, Abraham Melnikoff-Archiv, ARC.4* 1956 03 49

Selbst nachdem er seine Uniform auszog und einer der Führer der Gemeinschaft junger hebräischer Künstler wurde, die gegen die Bezalel-Schule für Kunst und Handwerk rebellierte, nahm Melnikoff weiterhin Waffen in die Hand, wenn das nötig war. Der starke, muskuläre junge Mann war einer der Verteidiger Jerusalems während der Krawalle von 1920 und die Nachricht, dass Trumpeldor und seine Kameraden in Galiläa gefallen waren, machte ihn fassungslos.

Melnikoff demonstrierte sein Talent als Bildhauer mit vielen eindrucksvollen Denkmälern, die im ganzen Land errichtet wurden; das größte und am beeindruckendste davon war das Denkmal für General Allenby in Beer Sheva. Diese Skulptur sollte ihm eines Tages große Schmerzen bereiten, nachdem es von einem Mob wütender Randalierer zerschlagen wurde.

Melnikoff bei der Arbeit an seinem Porträt Allenbys in seinem Studio am Damaskustor, 1922. Fotograf unbekannt. Abraham Melnikoff-Archiv, ARC. 4* 1956 03 42

Trotzdem waren die 1920-er Jahre der Höhepunkt seiner Kreativität: Melnikoff, der die Vereinigung jüdischer Künstler leitete, wurde ausgewählt, um die Skulptur für das Denkmal des Grabs des zionistischen Autors und Philosophen Ahad Ha’am zu schaffen und er hatte Pläne für viele weitere große Gedenk-Skulpturen.

Foto des Gipsmodells des Denkmals, das Melnikoff für das Grab von Ahad _Ha’am in Tel Aviv gestaltete. Abrahem Melnikoff-Archiv, ARC. 4* 1956 03 07

Die Gelegenheit, auf die Melnikoff gewartet hatte, kam Ende 1928, als der Philanthop Sir Alfred Mond, erschütterte davon, dass noch kein Denkmal für die Verteidiger des Tel Hai errichtet worden war, beschloss es selbst zu finanzieren. Er suchte Melnikoff persönlich aus, um das Projekt durchzuführen das zu schaffen, was vielleicht das erste moderne national-zionistische Denkmal überhaupt war.

Der tatkräftige Künstler präsentierte den Leitern der nationalen Institutionen, die das Projekt beaufsichtigten, einen organisierten Vorschlag. Er hatte vor eine Skulptur in der Form eines brüllenden Löwen zu schaffen, die aus galiläischem Stein nahe Tel Hai geschlagen wurde. Yitzhak Sadeh wurde angeworben, um Melnikoff zu helfen und zusammen fanden sie den Stein, den Arbeiter unter Sadehs Anleitung herausbrechen sollten, damit er dem Künstler geliefert wurde.

Wir überspringen die bürokratischen Hindernisse, denen Melnikoff sich gegenüber sah, bevor das Herausbrechen begann und kehren zu der Erzählung am Beginn unserer Geschichte zurück. Was hatten Ben Amotz und Hefer über Melnikoff zu sagen?

„Als Melnikoff gebeten wurde die Skulptur des Löwen für Trumpeldors Grab zu erstellen“, erzählten sie, „sagte er zuerst, er müsse eine echten Löwen sehen. Und so wurde ihm gesagt: Geh und finde einen Löwen für dich. In dieser Zeit gab es im Land keinen einzigen Löwen, den man sich ansehen konnte. Er ging zu Dr. Bodenheimer in Jerusalem, der etwas von Tieren verstand und fragte ihn auf Deutsch, wo man einen echten Löwen finden könne. Wo ist der Zoo? Er hielt folgende Antwort: ‚Kannst du das Brüllen der Wüstenbestien hören? Dort wirst du den Zoo finden.‘ Er ging los, und ging immer weiter, bis er schließlich ankam … und einmal angekommen lief er direkt zum Löwenkäfig.“ Hefer und Ben Amotz beschreiben anschaulich, wie Melnikoff den verantwortlichen ägyptischen Beamten bestechen musste, um die Erlaubnis zu bekommen den Löwenkäfig zu betreten und die Tiere zu skizzieren.

In Melnikoffs Archiv aufbewahrte Fotografien und Dokumente zeigen, dass diese Geschichte tatsächlich nicht nur eine erfundene Erzählung war: Melnikoff konsultierte Schimon Fritz Bodenheimer, einen der ersten Zoologen im Mandat Palästina, der ihm half nach Ägypten und in den Zoo von Gizeh zu kommen. Wir können annehmen, dass Bodenheimer diesen gewaltigen 1911 eröffneten Zoo gut kannte. Obwohl wir keine Aufzeichnungen über die Schmiergelder haben, die Melnikoff über den offiziellen Eintritt hinaus zu zahlen gezwungen war, ist es vertretbar anzunehmen, dass dies der Fall war. Erstaunlich war aber, dass Melnikoff statt Papier und Bleistift, die er nach Angaben der Geschichte aus der Tasche zog, holte er eine Kamera heraus, die ihm gegeben wurde und mit der er prompt anfing die Löwen zu dokumentieren, die er dort sah. Die Fotos der Löwen vom Zoo in Gizeh in Melnikoffs Archiv zeigen die Hilfe, die er von dortigen Mitarbeiten bekam, sie ihn Posen zu halten, die für die Vorbereitung der Skulptur nötig waren. Es ist bemerkenswert darüber nachzudenken, dass der hier dokumentierte ägyptische Löwe das Modell war, mit dessen Bild eines der berühmtesten zionistischen Monumente geschaffen wurde.

Fotos aus dem Zoo in Gizeh, September 1932. Abraham Melnikoff-Archiv, ARC. 4* 1956 03 38

Der Stein, den Melnikoff auswählte, wurde erst Ende 1930 gebrochen, wonach er die schwierige Arbeit des Bildhauens begann. Die wenigen unscharfen Fotografien, die in Melnikoffs Papieren überlebten, zeigen einen unbekannten Teil des Prozesses – den, den Stein mit extrem primitiven Methoden an Ort und Stelle zu ziehen.

Aufrichtung des Denkmals in Tel Hai, ca. 1931. Abraham Melnikoff-Archiv, ARC. 4* 1956 03 39

Melnikoff dokumentierte den Augenblick, der von seiner Kamera eingefangen wurde, in seinen Memoiren: „Der Steinblock begann seine letzte Reise zur Basis des Monuments um 11 Uhr vormittags und stand Nachmittags um 17:30 Uhr vor Ort. Nach zwei Jahren harter, technischer Arbeit sah ich die Proportionen des Denkmals zum ersten Mal. Es war sehr beeindruckend, aber ich muss zugeben, dass es von der Umgebung geschluckt wurde.“

Enthüllung des Denkmals für die Helden von Tel Hai, 23. Februar 1934. Fotograf nbekannt. Abraham Melnikoff-Archiv, ARC.4* 156 03 41

Das Denkmal wurde am 23. Februar 1934 enthüllt, etwa fünf Jahre, nachdem die Arbeit begonnen hatte und fast vierzehn Jahre nachdem Tel Hai fiel. Bei starkem Regen wurde eine beeindruckende Feier gehalten, an der die gesamt Führung des Jischuw teilnahm. Melnikoff wartete nicht auf die vernichtenden Besprechungen, die bald verbreitet wurden und ein paar Tage nach der Feier verließ er das Land. Der britische zionistische Anwalt und Leiter Harry Sacher lud ihn nach England ein, um Porträt-Büsten seiner Familie zu erstellen; das versprach ihm gute Arbeitsbedingungen und ein großzügiges Gehalt, vielleicht als Ausgleich für Melnikoffs Leiden und Opfer während der schwierigen Jahre der Arbeit in Tel Hai.

Porträt-Büste der Sacher-Kinder. Foto: Photo Plastica, Tel Aviv. Abraham Melnikoff-Archiv, ARC.4* 1956 03 31

Diesmal verließ Melnikoff seine Familie nicht. Seine zweite Frau Charlotte und ihre junge Tochter Chava schlossen sich ihm bald an und sie ließen sich schließlich in London nieder.

Melnikoff mit seiner Ehefrau Charlotte und Tochter Clara, Tel Aviv 1929.Fotograf unbekannt. Abraham Melnikoff-Archiv, ARC.4* 1956 03 65

Für Melnikoff waren die nächsten erfolgreiche Jahre: Er legte seinen gewagten Stil ab, gewann aber Anerkennung von Mitgliedern der britischen Aristokratie, Regierung und Upper Class. Männer und Frauen strömten in Scharen an die Seite des kühnen, in Russland geborenen Kämpfers, der eine Skulptur von General Allenby mitten in der Wüste Palästinas geschaffen hatte, ein staunenswerter Violinist war und sogar Kurzgeschichten in geschliffenem Englisch verfasste. Einer der Höhepunkte seines Erfolgs war die Anfertigung der Büste des britischen Premierministers Winston Churchill, der bereit war Zeit in seinem engen Terminkalender zu schaffen, um dem Künstler Modell zu sitzen.

Abraham Melnikoff mit dem Modell der Büste von Winston Churchill, ca. 1941. Abraham Melnikoff-Archiv, ARC. 4* 1956 03 29

Die Jahre des Zweiten Weltkriegs waren schwierig: Melnikoffs Londoner Studio wurde bei einem deutschen Bombenangriff zusammen mit vielen seiner fertigen Arbeiten schwer beschädigt. Er war gezwungen seine geliebte Frau (die 1949 starb) zu verlassen und sein Kind auf ein Internat zu schicken. Ein Herzinfarkt ließ ihn über die Rückkehr nach Israel nachdenken, aber Jahre vergingen und er war nicht in der Lage sich seinen Traum zu erfüllen. Inzwischen kehrte seine Tochter Chava nach Israel zurück und passte sich gut an das dortige Leben an.

Melnikoff plante seine Reise nach Israel lange, war aber erst nach viel Geschmeichel von Freunden und Familie in der Lage das durchzuziehen. Im November 1958 schrieb ein Freund aus London an Chava Melnikoff: „[Melnikoff] hat noch nicht beschlossen in einen Kibbuz zu gehen, Kfar Giladi oder einen anderen. Er wird sein Geld nutzen müssen, um ein Studio im Kibbuz zu bauen, aber er wird vom Kibbuz eine Unterkunft erhalten […] Er scheint mir sehr zufrieden mit der Tatsache zu sein, dass er nach Israel reist und besonders, dass er dich bald trifft.“

Als Melnikoff im Sommer 1959 in Israel ankam, war er ein völlig anderer Mensch als der junge Künstler, der es 25 Jahre zuvor verlassen hatte. Als sein Gesundheitszustand sich verschlechterte, schwanden seine Pläne für neue Skulpturen und Denkmäler. Eine Gruppe Skulpturen, die er zur Mitnahme eingepackt hatte, kam nach vielen Problemen bei der Reise aus London an und er musste Zollgebühren zahlen, damit der Zoll im Hafen von Haifa sie ihm aushändigte. Auf dem Weg dorthin erlitt Melnikoff einen Schlaganfall und kurz darauf starb er. Wir werden die traurige Geschichte, was aus seinen Skulpturen und seinem künstlerischen Erbe wurde, die weitgehend verschwanden, ein anderes Mal behandeln.

Einen Tag nach seinem Tod, am 5. September 1960, wurde Abraham Melnikoff auf dem Friedhof von Tel Hai bestattet. Seine letzte Ruhestätte liegt, wie von ihm gewünscht, am Fuß des Denkmals des brüllenden Löwen, der sein ganzer Stolz war.

Weitere Bilder der Aufrichtung der Skulptur „Der brüllende Löwe“.