Ums Überleben gespielt

Kay Wilson, Israellycool, 6. April 2021

Viele Juden Europas haben sich für die Geige als ihr Instrument entschieden. Die Wahl wurzelt in Zweckmäßigkeit. Einem Pogrom mit so etwas wie einem Klavier zu entkommen war viel umständlicher als sich einfach eine Geige zu greifen.

Im Alter von vier Jahren bekam Bronisław Huberman von seinen verarmten Eltern dieses jüdischste aller Instrumente geschenkt. 1901, als er 9 war, spielte er das Violionkonzert in D-Dur (Opus 77) vor dessen Komponisten Johannes Brahms. Sein Werk, das man für unspielbar hielt, hielt das Wunderkind nicht ab. Seine Darbietung war fehlerlos. So begann der Junge aus einer armen Familie seine Karriere und wurde wohl zu einem der größten Violinisten des 20. Jahrhunderts.

Huberman verbrachte die nächsten drei Jahrzehnte damit überall auf der Welt mit renommierten europäischen Musikern zu spielen, was ihn zu einer großen Berühmtheit machte, die dem öffentlichen Interesse von Harry und Meghan heute entspricht. An seinem 50. Geburtstag berichtete die von Stars faszinierte britische Zeitung The Times, die nach einem Knüller suchte, er habe sich versehentlich einen Kratzer an der Hand zugezogen.

Als die dunklen Wolken des Nationalsozialismus in Deutschland aufzogen, begriff Huberman anders als einige andere europäisch-jüdische Intellektuelle, die hofften, Hitler sei nur eine vorübergehende Marotte, dass die aus der Aufklärung geborene jüdische Emanzipation ihr Ende erreicht hatte. In Protest gegen Hitler lehnte er alle Einladungen in Deutschland zu spielen ab und zog stattdessen in die Schweiz. Als Hitler jüdische Musiker aus allen deutschen Orchestern entfernte, nahm Huberman sich vor zu kämpfen: Seine Waffe war die Geige.

Trotz des horrenden Antisemitismus und der Verfolgung schlugen Länder ihre Grenzen für Juden zu. Huberman wusste, dass er etwas tun musste. Er heckte einen Plan aus jüdische Musiker zu retten, mit denen er im Lauf der Jahre gespielt hatte; seine Hoffnung war, dass er sie nach Eretz Yisrael schaffen konnte. Da das Land unter britischer Herrschaft stand, war sein Plan brillant: Er würde das jüdische „Palestine Symphony Orchestra“ formen.

Er reiste durch Europa, um jüdische Musiker vorspielen zu lassen. Da es in jedem Orchester nur begrenzt Plätze gibt, wusste er genau, welches Schicksal die erwartete, die es nicht schafften. Es war mehr als ein Vorspielen. Es war eine unvorstellbare, ungewollte und erschütternde „Selektion“, bei der ein Musiker, der es nicht schaffte, herzerweichend kommentierte, er sei „wegen musikalischer Mittelmäßigkeit zum Tod verurteilt“ worden.

Ohne Geldmittel von außen finanzierte Huberman persönlich die Reise von mehr als 70 Musikern, ihren Eltern, Brüdern und Schwestern, Tanten und Onkeln. Damit rettete er mehr als 800 Juden vor der Hölle, die über Europa hereinbrach.

Yair Haklai, CC BY SA-.0, via Wikimedia Commons

Um den Debut-Auftritt in Eretz Yisrael zu dirigieren brachte er den berühmten italienischen Dirigenten Arturo Toscanini ins Land. Toscanini hatte bereits Mussolini die Stirn geboten, indem er es ablehnte die faschistische italienische Hymne zu spielen und verließ ein Konzert in Deutschland am Tag, an dem Hitler an die Macht kam. Er lehnte auch Bezahlung durch Huberman ab.

Am 26. Dezember 1936 kamen Juden aus dem gesamten Land, um das Palestine Symphony Orchestra im neuen Messezentrum von Tel Aviv spielen zu hören. Die Debut-Vorstellung war aus Europas besten Musikern zusammengestellt. Die Hunderte, die nicht zu den Glücklichen 3.000 mit Eintrittskarten gehörten, hörten dem Konzert einfach auf dem Dach zu. Nach der Gründung des Staates Israel und hunderte Konzerte später änderte das Palestine Symphony Orchestra seinen Namen in die geliebte Institution, als die es heute bekannt ist – das Israeli Philharmonic Orchestra.

Die Geschichte des Davidsterns

Der sechszackige Stern steht im Buddhismus für Frieden und Harmonie, während Alchemisten glaubten, er symbolisiere die Natur – wie kam der Davidstern im Judentum zu seiner Bedeutung?

Sharon Cohen, the Librarians, 19. Mai 2021

„in diese Symbole geht etwas vom Geheimnis der Menschen ein.“ (Gerschom Scholem)

Der Davidstern entstand lange bevor er vom jüdischen Glauben und der zionistischen Bewegung übernommen wurde; er tauchte vor tausenden von Jahren in den Kulturen des Ostens auf, Kulturen, die ihn bis heute verwenden. In der Vergangenheit war, das wissen wir heute, der Davidstern ein beliebtes Symbol in heidnischen Traditionen wie auch als dekoratives Mittel, das in Kirchen des ersten Jahrhunderts und sogar in der muslimischen Kultur verwendet wurde.

Aber wie ist der Davidstern mit dem Schicksal des jüdischen Volks verbunden?

Im hebräischen Kontext wird der Davidstern eigentlich „Schild Davids“(magen David) genannt, ein Ausdruck, der erstmals im Babylonischen Talmud erwähnt wird, aber nicht als Symbol, sondern als Beiname Gottes [Pesachim 117b]. Eine weitere Verbindung zum Schild-Konzept ist eine jüdische Legende, gemäß der das Emblem den Schild der Armee König Davids zierte; darüber hinaus wählte sogar Rabbi Akiva den Davidstern als Symbol für Bar Kochbas Revolte gegen den römischen Kaiser Hadrian (Bar-Kochbas Name bedeutet „Sohn des Sterns“).

Der Davidstern wurde erst Mitte des 14. Jahrhunderts zu einem eindeutig jüdischen Symbol, als der Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Karl IV. den Juden von Prag das Recht gewährte eine Flagge zu tragen; sie wählten den sechszackigen Stern. Von Prag aus verbreitete sich die Verwendung des Davidsterns als offiziellem Symbol des Judentums und so begann die Bewegung jüdische Quellen zu finden, die das Symbol bis zum Haus Davids zurückverfolgten.

Der Davidstern an der Alten Synagoge in Prag.

Andererseits behauptete der berühmte Kabbalah-Gelehrte Gerschom Scholem, dass der Davidstern keinesfalls aus dem Judentum stammt. Obwohl er festhielt, dass das Symbol auf einem in Sidon gefundenen jüdischen Siegel aus dem 7. Jahrhundert v.Chr. identifiziert wurde, ebenso in Synagogen-Verzierungen aus dem 3. und 4. Jahrhundert, wurde der Stern neben anderen Symbolen gefunden, die als nicht jüdischer Herkunft bekannt sind.

Wo können wir also Darstellungen des Hexagramms (ein sechszackiger Stern) in anderen Kulturen finden?

Das Hexagramm ist tausende Jahre lang auch in Indien in Gebrauch gewesen und es ist auf antiken Tempeln sowie im alltäglichen Gebrauch zu finden; im Buddhismus wird er als Meditationshilfe verwendet, um ein Gefühl des Friedens und der Harmonie zu erreichen und im Hinduismus ist er ein Symbol der Göttin Lakschmi – der Göttin des Glücks und des materiellen Überflusses.

Hexagramme sind in der Alchemie zuhauf vorhanden, in der Theorie und dem Studium von Materialien, aus dem sich die moderne Wissenschaft der Chemie entwickelte; Alchemisten nahmen den sechszackigen Stern für ihre graphische Sprache der Zeichen und Symbole: ein aufrechtes Dreieck symbolisierte Wasser, ein umgekehrtes Dreieck symbolisierte Feuer und zusammen beschrieben sie die Harmonie zwischen gegensätzlichen Elementen. In alchemistischer Literatur repräsentiert das Hexagramm zudem die „vier Elemente“ – die Theorie, dass alle Materie der Welt sich aus den vier Elementen zusammensetzt: Luft, Wasser, Erde und Feuer – praktisch alles, was existiert. Man könnte sagen, dass der Stern das ultimative alchemistische Symbol ist.

Die Alchemie borgte sich aus der klassischen griechischen Tradition die Idee, dass Maskulinität Weisheit bedeutet, während Feminität die Natur symbolisiert; der Mann ist Philosophie und die Frau ist die physische Welt. Die folgende Illustration, die in einem alchemistischen Text des 18. Jahrhunderts erschient, zeigt einen Mann, der eine Laterne hält und einer Frau folgt, die ein Hexagramm hält –  Weisheit ist der Schlüssel, der die Geheimnisse der Daseins offenbart.

„Der Philosoph bei der Untersuchung der Natur“ – eine Illustration, die in einem alchemistischen Text von 1749 erscheint (Sidney Edelstein Collectioni in der Nationalbibliothek Israels)

Im Islam wird das Hexagramm als „Siegel Salomons“ bezeichnet und es schmückt viele Moscheen rund um die Welt. Bis 1945 war das Emblem auch auf der marokkanischen Flagge zu finden. Es wurde zum fünfzackigen Stern (Pentagramm) geändert, als der sechszackige Stern zum Emblem der zionistischen Bewegung wurde. In der islamischen Welt hat die Verwendung dieses Symbols aus demselben Grund nachgelassen. Das Hexagramm ist zudem in mittelalterlichen und frühmodernen Kirchen zu finden – wenn auch nicht als christliches Symbol, sondern als dekoratives Motiv.

Das Hexagramm im Islam

Trotz der Verwendung in anderen Kulturen schmückt der Davidstern die israelische Flagge und wird folglich als unumstrittenes Symbol des Staates Israel betrachtet, ungeachtet seiner Herkunft. Die Kraft eines Symbols liegt immerhin in der Bedeutung, die wir ihm geben.

[Quellen für diesen Artikel mit freundlicher Genehmigung durch Chaya Meier Herr, Direktorin der Edelstein Collection for History and Science, sowie Dr. Ziv Leschem, Direktor der Gerschom Scholem Collection in der Nationalbibliothek Israels.]

Hagia Sophia: Ein wahres „Zentrum des Wissens über den Islam“

Raymond Ibrahim, 31. Mai 2021

Im letzten Sommer wandelte die türkische Obrigkeit die Hagia Sophia („Heilige Weisheit“) – die ursprünglich als eine der großartigsten Kathedrale der Christenheit gebaut wurde und ein Jahrtausend lang als solche wirkte – (wieder) in eine Moschee um. An diesem Freitag, 24. Juli 2020 (den viele östliche Christen heute als „Trauertag“ erachten), trafen sich Muslime im Innern der entweihten Kirche, wo sie von einem ein Schwert schwingenden Imam bei krampfartigen „Allahu Akbar“-Rufen angeführt wurden.

Die Türken, angefangen mit ihrem Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, haben diese kulturelle Aneignung als  ihr „Recht“ dargestellt. Imam Ali Erbas, der Präsident für religiöse Angelegenheiten der Türkei, ist noch weiter gegangen; kürzlich behauptete er: „Das Ziel aller unserer Moscheen und besonders der Hagia Sophia, ist es Zentren des Wissens über den Islam zu werden.“

So sei es. Da der Jahrestag der türkischen Eroberung Konstantinopels und seiner Hagia Sophia gerade hinter uns liegt (29. Mai 1453), wollen wir auf das zurückkommen, was an diesem Tag geschah – ein Tag, der wahrhaftig viel „Wissen über den Islam“ vermittelt, nicht zuletzt, weil wir Primärquellen-Dokumente haben, die genau beschreiben, was die Türken taten, insbesondere in und  um die Hagia Sophia. (alle im folgenden Bericht zitierten Texte wurden aus zeitgenössischen Quellen bezogen, zumeist Augenzeugenberichte; exakte Verweise sind in Kapitel 7 von Sword and Scimitar zu finden.)

Als sie erst einmal nach Konstantinopel eingedrungen waren, „gaben wütenden türkischen Soldaten kein Pardon“:

Als sie massakriert hatten und es keinen Widerstand mehr gab, waren sie versessen darauf zu plündern und schweiften durch die Stadt, stahlen, entkleideten, brandschatzten, töteten, vergewaltigten, nahmen Männer, Frauen, Kinder, alte Männer, junge Männer, Mönche, Priester, alle möglichen Menschen in allen möglichen Zuständen gefangen … Es gab Jungfrauen, die aus unruhigem Schlaf erwachten, um diese Räuber über sich stehend zu sehen, mit Blut an den Händen und Gesichtern voll bitterer Wut… die Türken schleiften sie fort, zerrissen sie, zwangen sie, entehrten sie, vergewaltigten sie an Straßenkreuzungen und brachten sie dazu sich den furchtbarsten Gewalttaten zu unterwerfen… Zarte Kinder wurden brutal von der Brust ihrer Mütter gerissen und Mädchen wurden erbarmungslos fremden und furchtbaren Verbänden gegeben und tausend andere furchtbare Dinge geschahen.

Weil tausende Bürger fliehen mussten und sich in der Hagia Sophia versteckt hatten, bot die uralte Basilika eine ausgezeichnete Ernte an Sklaven, sobald ihre Türen mit Äxten eingeschlagen waren:

Ein Türke suchte nach der Gefangenen, die die reichste zu sein schien, ein anderer bevorzugte ein schönes Gesicht unter den Nonnen… Jeder raublustige Türke war begierig seine Gefangene an einen sicheren Ort zu verbringen und dann wiederzukehren, um sich einen zweiten und einen dritten Preis zu sichern … Dann waren lange Reihen Gefangener zu sehen, die die Kirche und ihre Schreine verließen und wie Vieh oder Schafherden getrieben wurden.

Manchmal kämpften die Sklaventreiber miteinander bis zum Tod wegen „einer wohlgeformten jungen Frau“, während viele von diesen es „vorzogen sich in die Brunnen zu stürzen und zu ertrinken statt den Türken in die Hände zu fallen“.

Nachdem sie die Hagia Sophia in Besitz genommen hatten – die zur Zeit ihrer Eroberung tausend Jahre lang als Kathedrale gedient hatte – betrieben die Eindringlinge „darin alle Arten von Widerwärtigkeit, machten sie zu einem öffentlichen Bordell“. Auf „ihren heiligen Altären“ vollführten sie „Perversionen mit unseren Frauen, Jungfrauen und Kindern“, darunter der „Tochter des Großfürsten, die sehr schön war“. Sie wurde gezwungen sich „auf den großen Altar der Hagia Sophia zu legen, ein Kreuz unter ihrem Kopf und wurde dann vergewaltigt“.

Als nächstes „paradierten sie das Hauptkruzifix [der Hagia Sophia] in höhnischer Prozession durch ihr Lager, schlugen davor Trommeln, kreuzigten Christus erneut unter Bespucken und Blasphemie und Flüchen. Sie setzten ihm eine türkische Mütze auf den Kopf und schrien höhnisch: ‚Seht auf den Gott der Christen!“

Praktisch alle anderen Kirchen der uralten Stadt erlitten dasselbe Schicksal. „Die Kreuze, die auf die Dächer oder an die Wände der Kirchen gesetzt waren, wurden herabgerissen und auf ihnen wurde herumgetrampelt.“ Die Eucharistie wurde „zu Boden geworfen und getreten“. Bibeln wurden ihrGold oder Silber genommen, bevor sie verbrannt wurden. „Ikonen wurden ausnahmslos den Flammen übergeben.“ Patriarchengewänder wurden Hunden um die Hüfte gelegt; Priestergewänder wurden auf Pferde gelegt.

„Überall gab es Ungemach, jeder war von Schmerz berührt“, als Sultan Mohammed schließlich groß in die Stadt einzog. „Es gab Klagen und Weinen in jedem  Haus, Schreien an den Straßenkreuzungen und Leid in allen Kirchen; das Stöhnen der erwachsenen Männer und die gellenden Schreie der Frauen begleiteten Plünderung, Versklavung, Trennung und Vergewaltigung.“

Der Sultan ritt zur Hagia Sophia, stieg ab und ging hinein und „bestaunte den Anblick“ der großen Basilika. Nachdem er sie von ihren Kreuzen, Statuen und Ikonen reinigen ließ – Mohammed selbst stieß den Hauptaltar um und trampelte darauf herum – befahl er einem Muezzin auf die Kanzel zu steigen und „ihre widerwärtigen Gebete“ ertönen zu lassen, schrieb ein verdrossener Christ. „Dann stieg dieser Sohn des Frevels, dieser Vorläufer des Antichrist auf den Heiligen Tisch, um seine eigenen Gebete auszustoßen“, womit er „aus der großen Kirche einen heidnischen Schrein für seinen Gott und seinen Mahomet machte“.

Um seinem Triumph die Krone aufzusetzen ließ Mohammed die „elenden Bürger von Konstantinopel“ während der Abendfestlichkeiten vor seine Männer schleifen und befahl, dass „viele von ihnen in Stücke gehauen werden, als Unterhaltung“. Der Rest der Bevölkerung der Stadt – nicht weniger als 45.000 – wurde in Ketten weggeschleppt, um in österliche Gefangenschaft verkauft zu werden.

So sieht das „Wissen über den Islam“ aus, das die Erfahrungen der Hagia Sophia vermittelt.

Die Dinge bezüglich der Eroberung von Konstantinopel richtigzustellen, wie es dieser Artikel getan hat, ist heute doppelt wichtig, da Google und Big Tech sich wie die Türken dem Verbergen der Wahrheit widmen. Bevor die Türkei die Hagia Sophia gewaltsam in eine Moschee umwandelte, erbrachte eine Google-Suche nach dem Datum „29. Mai“ – einem Tag, der Jahrhunderte vor Pearl Habor „Schmach brachte“ –zahlreiche Suchergebnisse zur muslimischen Eroberung von Konstantinopel; heute sind es nur sehr wenige.

Jerusalem im Unabhängigkeitskrieg – in Farbe

Die Blockade Jerusalems begann während der ersten Tage des Unabhängigkeitskriegs, breitete sich von dem jüdischen Viertel der Altstadt über den Rest Jerusalems aus. Diese Farbfotos von 1948 zeigen uns, wie das Leben in der vom Rest des Landes abgeschnittenen Stadt war.

Amit Naor, the Librarians, 9. Ma 2021

Ganz zu den Wasserreservoiren während der Blockade Jerusalems. (Foto: Moshe Martin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)

Es waren die ersten Tage von Israels Unabhängigkeitskrieg und Jerusalem stand unter Blockade. Die Stadt war schon oft zuvor belagert worden. Zuerst kamen die Assyrer, dann die Babylonier, gefolgt von den Persern, den Griechen, den Römern, den Muslimen, den Kreuzrittern, den Osmanen und diese Liste ist noch nicht einmal vollständig. Doch diesmal lagen die Dinge etwas anders. Jerusalem war zum Beispiel über die Mauern der Altstadt hinaus gewachsen. Ein weiterer Unterschied war die Existenz der Kamera.

Zuerst war es nur das jüdische Viertel der Altstadt, das vom Rest der Stadt abgeschnitten war, aber schon bald erkannten die arabischen Kräfte, dass ganz Jerusalem davon abhängig war die Straße nach Tel Aviv und der Küstenebene offenzuhalten – das war die einzige Route, um entscheidende Lebensmittel und Nachschub dorthin zu bringen. Faktisch wird ein Anschlag vom 30. November 1947 auf einen Bus, der von Netanya nach Jerusalem fuhr, oft als Eröffnungsschuss betrachtet, der den Unabhängigkeitskrieg auslöste. Später wurde die Lage ernster, als Jordaniens von Großbritannien ausgebildete Arabische Legion in dem Feldzug das Kommando übernahm, gefolgt von Israels Ausrufung der Eigenstaatlichkeit im Mai 1948. Ende Mai, nach einer mehrmonatigen Belagerung, kapitulierte das jüdische Viertel der Altstadt vor den jordanischen Streitkräften, während die Blockade der Straße nach Jerusalem bestehen blieb. Die Konvois, die versuchten die Stadt (und den nahe gelegenen Etzion-Block) zu erreichen, die israelischen Militäroperationen, die versuchten die Blockade aufzuheben, die Schlacht um Castel und der Bau der alternativen „Burma Road“ zur Küste – all das bleiben bis heute Symbole des Unabhängigkeitskriegs.

Wie das Schicksal es wollte, lebte während der Blockadezeit 1947/48 ein Mann namens Moshe (Marlin) Levin in der Stadt. Levin, der in den USA geboren und aufgewachsen war, kam mit seiner Ehefrau 1947 ins Mandat Palästina. Er bekam schnell Arbeit als stellvertretender Redakteur bei der Palestine Post (die später zur Jerusalem Post wurde) und wurde später der Jerusalem-Korrespondent der Zeitung. Während des Unabhängigkeitskriegs berichtete er für die Nachrichtenagentur United Press über den Krieg. Später gründete und managte er das Büro des Magazins Time Life in Israel und arbeitete dort bis er in den 1990-er Jahren in Rente ging.

Während die Kämpfe um die Kontrolle über die Stadt und ihre Zugangsstraßen tobten, lebten Jerusalems jüdische Einwohner – damals fast 100.000 – ihr Alltagsleben weiter. Zumindest versuchten sie einen Anschein von Routine aufrecht zu erhalten. Immerhin mussten sie ihren Lebensunterhalt bestreiten. Levins Kamera gibt uns einen außergewöhnlichen Einblick in diese Momente – und das in Farbe!

Eine Rotkreuz-Fahne über dem Terra Sancta-Gebäude in Jerusalem. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)

Die meisten von Levins Fotos aus der Belagerung sind persönlicher Natur: In einem kann man seine Frau Batya (Betty) und ihre gemeinsamen Freunde Gershon und Ethel Agron sehen, die während des Krieges ihren Alltagsaktivitäten nachgehen. Gershon Agron war Chefredakteur der Palestine Post, wo Levi arbeitete; später wurde er Bürgermeister von Jerusalem. Selbst jemand wie Agron musste Möglichkeiten finden während der Blockade über die Runden zu kommen.

Gershon und Ethel Agron während der Blockade Jerusalems. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)

In einem der Fotos ist zum Beispiel Betty Levin zu sehen, wie sie mit der Haushälterin des Paares zu Fuß unterwegs ist, um mit Kannen und Eimern Wasser zu holen – die reguläre Wasserversorgung war abgeschnitten und die Leute mussten sauberes Wasser rationieren. Ein weiteres Bild zeigt die drei Frauen, die einen großen Wasserbehälter nach Hause tragen, eines von vielen Fotos in der Sammlung, die Jerusalems Einwohner zeigen, wie sie Wasser in Kannen tragen. Auch auf Dächern wurden Wasserbehälter installiert, um Regenwasser zu sammeln und zu lagern.

Auf dem Weg während der Blockade Jerusalems Wasser aus den Reservoiren zu holen. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)
Betty Levin, Ethel Agron und Haushälterin der Agrons tragen während der Blockade Jerusalems einen Wasserkanister. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)
Moshe Marlin Levin, der während der Blockade Jerusalems einen Kanister Wasser trägt. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)
Tanks zur Lagerung von Wassre auf Jerusalems Dächern während der Blockade Jerusalems. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)

Während der Blockade war Wasserknappheit ein ernstes Problem und ein Bild zeigt Betty Levin mit einem Mönch beim Tausch eines halben Laibs Brot gegen Wasser. Auch Lebensmittel waren knapp und in einem weiteren Foto hält Levin eine Tüte mit den Lebensmittelrationen, die sie erhielt. Und wie sah es in dieser Zeit mit dem Kochen aus? Moshe Levin fotografierte seine Frau beim Zubereiten von Essen auf einem improvisierten Ofen auf ihrem Hinterhof.

Ein halber Laib Brot im Tausch für Wasser. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)
Betty Levin und ein Mönch. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)
Betty Levin kocht während der Blockade Jerusalems auf einem improvisierten Ofen. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)
Betty Levin erhält während der Blockade Jerusalems ein Paket Lebensmittelrationen. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)

Die Lebensmittelzuteilung reichte nie aus: Moshe Levin dokumentierte auch Menschen, die Mülleimer nach Lebensmitteln durchstöberten oder einen Bettler, der an einer Straßenecke Passanten um Hilfe bat.

Ein Mann sucht während der Blockade Jerusalems in einem Müllemer nach Lebensmittelresten. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)
Ein Einwohner des Viertels Nahlaot während der Blockade Jerusalems. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)
Ein Bettler während der Blockade Jerusalems. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)

Und mitten in all dem ging das Alltagsleben weiter. Moshe Levin dokumentierte auch das Banale, ob es nun während einer Waffenruhe war oder zu anderen Zeiten. Er fotografierte auf der Straße spielende Kinder, seine Frau auf der Jaffa Street und sogar Nonnen, die mit Sonnenschirmen die King George Street entlang gingen. Trotz allem ging das Leben weiter.

Kinder spielen während der Blockade Jerusalems. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)
Kinder auf der Ben Yehuda-Straße während der Blockade Jerusalems. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)
Betty Levy während der Blockade Jerusalems auf der Jaffa Street. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)
Nonnen gehen während der Blockade auf der King George Street in Jerusalem. (Foto: Moshe Marlin Levin; aus der Sammlung Meitar, Nationalbibliothek Israels)

Alle Fotos des Artikels sind aus dem Archiv von Moshe (Marlin) Levin, Teil der Sammlung Meitar in der Nationalbibliothek Israels. Moshe Levins Archiv ist kürzlich katalogisiert worden und viele weitere Fotos sind online auf der Internetseite der Nationalbibliothek Israels zur Ansicht verfügbar.

Konnten Sie in den Bildern oben jemanden erkennen? Wenn ja, bitte kontaktieren Sie die Nationalbibliothek Israels.

Richtigstellung: die Lügen-Landkarten der Palästinenser

gefunden auf twitter (mit meinen Erläuterungen):

1946: britisches Mandat Palästina
1947: UNO-TeilungsPLAN, von den Araber abgelent.
1948: Israel wird angegriffen und siegt.
1949 bis 1967: Judäa und Samaria im Besitz von Jordanien, Gazastreifen im Besitz Ägyptens. Die Sterne bedeuten arabische Staatsbürger Israels („arabische“ Orte).
1967: Israel wird angegriffen und siegt.
1967 bis 1995: Israel in den Grenzen des Mandatsgebiets verwirklicht.
heute: Israel hat Gebiete an eine von Terroristen geführte Selbstverwaltung abgetreten, die weniger verwaltet als viel mehr terrorisiert.

„Muslimische Historiker bestätigen durchgehend jüdische Verbindungen zu Jerusalem“

Ein neues Buch, das vor dem Jerusalem-Tag veröffentlicht wurde, beschreibt, wie das muslimische Narrativ über die jüdische Verbindung zum Tempelberg verfälscht.

Nadav Shragain, Israel HaYom, 10. Mai 2021

Das Buch Islam, Jews and the Temple Mount (Islam, Juden und der Tempelberg) wird in der muslimischen Welt für einigen Aufruhr sorgen. Es stellt eine umfassende Liste früher islamischer Quellen dar, die den historischen jüdischen Anspruch auf Jerusalem anerkennen, im Gegensatz zu modernen muslimischen Religionsführern, die – im Zusammenhang mit dem arabisch-israelischen Konflikt – jede jüdische Verbindung zum Tempelberg bestreiten und das Argument fördern, es habe nie ein jüdischer Tempel dort gestanden.

54 Jahre nach der Vereinigung Jerusalems und der Etablierung israelischer Kontrolle über die Altstadt halten Professor Yitzhak Reiter und sein Co-Autor Dvir Dimant dem vorherrschenden muslimischen Narrativ einen Spiegel vor.

Nach Angaben des Buchs bestreiten islamische Führer kanonische muslimische historische Arbeiten, die bis ins 7. Jahrhundert n.Chr. nach dem Tod des Propheten Mohammed zurückreichen und erklären, dass der Grund, dass der Islam dazu kam den Grundstein im Zentrum des Felsendoms als heilig zu betrachten infolge des Wissens entstand, dass der jüdische Tempel dort stand.

Professor Yitzhak Reiter

Es ist alles da. Muslimische Quellen beschreiben immer wieder die Geschichte auf dieselbe Weise wie jüdische Quellen es tun: Der Bau des ersten Tempels auf dem Grundstein durch König Salomon; seine Zerstörung durch den babylonischen König Nebukadnezar; das babylonische Exil; die Erlaubnis des persischen Kaisers Kyros des Großen, dass die Juden nach Jerusalem zurückkehren und den zweiten Tempel bauen; und dessen Zerstörung durch den römischen Kaiser Titus.

Darüber hinaus bestätigen nicht nur die angesehensten Historiker des Islam die jüdische geschichtliche Zeitleiste, sondern sie betonen auch, dass der Grund dafür, dass Jerusalem und der Tempelberg im Islam als heilig angesehen werden, darin besteht, dass diese Orte auch im Judentum als heilig galten. Das entstammte der Ansicht des Islam als Fortsetzung des Judentums, sowie des Patriarchen Abraham und anderer Persönlichkeiten in den heiligen Schriften.

In ihrem Buch stellen Reiter, Experte für Islam-, Nahost- und Israelstudien, und Dimant, Absolvent des Shalem Center in Jerusalem und Forschungsassistent am Truman Institute for Peace Research, jüdische und islamische Quellen Seite an Seite vor und zeigen die unbestreitbare Ähnlichkeit der beiden auf.

Islam, Jews and the Temple Mount zeigt, dass muslimische Quellen bis zur Balfour-Erklärung von1917 die jüdische Verbindung zu Jerusalem nicht bestreiten, sondern sie zeigen sie systematisch auf und bestätigen sie. 1967 jedoch, als Israel im Sechstage-Krieg die Kontrolle über die Altstadt übernahm, nahm das Narrativ eine dramatische Wende und jede jüdische Verbindung zum Tempelberg zu bestreiten wurde zum verbreiteten Argument.

Von da an kehrten Muslime einer unermesslichen und reichhaltigen islamischen Literatur den Rücken, die die jüdische Verbindung zum Tempelberg bestätigt.

Im 10. Jahrhundert n.Chr. beschrieb Muhammad ibn Jarir al-Tabari, vielleicht einer der bekanntesten und respektiertesten Historiker der religiösen muslimischen Welt, wie Gott den König David davon abhielt den Tempel zu bauen, weil er Blut an seinen Händen hatte und die Aufgabe daher seinem Sohn Salomon zugeteilt wurde. Seine Beschreibung ist fast identisch zu der in der jüdischen Quelle, dem Buch der Chroniken.

Im 11. Jahrhundert beschrieb Abu Bakr Muhammad ibn Ahmad al-Wasiti, der als Prediger der Al-Aqsa-Moschee diente, dass König Salomon Probleme hatte die Tore des Tempels zu öffnen und es nur schaffte, nachdem er im Gebet den Namen seines Vaters erwähnte. Die Geschichte steht fast Wort für Wort im babylonischen Talmud.

Palästinenser beten vor dme Felsendom (Foto: Reuters/Ammar Awad)

Im 14. Jahrhundert vermerkte auch der arabische Historiker Ibn Khaldun in seinem kanonischen Werk Muqaddimah, dass König Salomon im vierten Jahr seiner Regierung den Tempel baute. Seine Beschreibung der Einweihung des Tempels ist identisch zu der in 1. Könige 6.

Im 15. Jahrhundert erwähnte dann der Historiker Mujir al-Din aus Jerusalem, dass der Tempel von König Salomon gebaut wurde, ebenso viele andere nach ihm. Fast immer war die Beschreibung in muslimischen Quellen ähnlich der der heiligen Schriften der Juden.

Das Wichtigste, sagten Reiter und Dimant gegenüber Israel HaYom, „ist, dass der Al-Aqsa-Komplex oder wie die Juden ihn nennen, der Tempelberg, vom [modernen] Islam als Stelle der beiden jüdischen Tempel und, noch wichtiger, Salomons Tempel anerkannt wird“.

„Der Islam hat die jüdische und christliche Tradition diesbezüglich übernommen und im Mittelalter versuchte er nicht die Tatsache zu bestreiten, dass der Felsendom die Fortsetzung von Salomons Tempel symbolisiert. Man könnte so weit gehen zu sagen, dass der Islam stolz darauf war“, sagten sie.

„Einige Forscher stellten sogar fest, dass bestimmte Bräuche und Zeremonien während der Omajjaden-Dynastie, die außerhalb des Felsendoms und sogar in dessen Inneren stattfinden, denen ähnelten, die im jüdischen Tempel stattfanden.“

Dimant fügte hinzu, dass eine der besten Quellen, die man sich ansehen kann, wenn man etwas über das traditionelle muslimische Narrativ bezüglich der jüdischen Verbindung zum Tempelberg lernen will, das heiligste Buch des Islam ist: der Koran.

Die Quellen, die wir in dem Buch anführen, haben eine besondere Bedeutung darin, dass sie sich nicht mit Geschichte befassen. Das zeigt, wie tief verwurzelt das Thema der beiden Tempel und der Israeliten bei Koran-Kommentatoren war.“

Reiter, der an dutzenden diplomatischer Treffen zwischen Israelis und Arabern teilnahm, sagte, dass er oft Palästinenser und Muslime aus Jordanien, Ägypten und anderen arabischen Ländern traf, die überzeugt waren, dass die Juden die Geschichte des ersten und des zweiten Tempels nach der Gründung des modernen Staates aus politischen und nationalen Gründen erfunden hätten.

„Darüber hinaus wurde mir klar, dass ranghohe arabische öffentliche Führer und Akademiker oft mit ihren historischen Quellen nicht vertraut waren, die Jahrhunderte lang den jüdischen Tempel in Jerusalem und die Geschichte der Israeliten in Jerusalem und dem Land Israel beschrieben“, sagte er.

Frage: Wie reagieren diese Intellektuellen, wenn Sie Ihnen erstmals diese Geschichte mitteilen?

„Viele gaben zu, dass sie [das] nicht wissen, aber es gibt auch Intellektuelle, Akademiker, die diese Bücher in ihren Regalen stehen haben. Sie sagen mir im privaten Gespräch, dass das, was [der ehemalige Vorsitzende der PLO Yassir] Arafat seinerzeit sagte, dass es in Jerusalem nie einen Tempel gab, Unsinn ist. Gleichzeitig erklären sie, dass sie im gegenwärtigen Stand des Konflikts öffentlich nicht dem akzeptierten akademischen Narrativ zustimmen können, das auch das jüdische Narrativ ist. ‚Wir müssen unseren Mund halten‘, sagten sie“, erklärte Reiter.

Frage: Wie geht der Islam mit dem offensichtlichen Widerspruch zwischen seinem aktuellen Argument um, das den am meisten respektierten historischen Quellen widerspricht?

„Das wird geleugnet. Ausgeblendet. Es gibt Verlegenheit. Ich zeigte arabischen Studenten, die ich unterrichte, das Manuskript. Was mich verblüffte, war, dass es keine Reaktionen gab. Niemand sprach sich dafür oder dagegen aus. Niemand sagte, das sei wahr oder es sei falsch. Einfach komplettes Schweigen. Ich schickte auch einem Freund in der jordanischen Königsfamilie eine Kopie, der zum Konflikt um den Tempelberg auf dem Laufenden gehalten werden wollte. Auch er schweigt derzeit.“

Die Al-Aqsa-Moschee (Getty Images)

Über die Jahre machte die israelische Regierung, wenn es um Verhandlungen um Jerusalem ging, keinen Gebrauch von den Quellen, die Reiter und Dimant in ihrem Buch anführen.

„Das Ziel war eine diplomatische und politische Debatte beizubehalten, ohne den religiösen Aspekt hineinzubringen“, erklärte Reiter, der drei israelischen Premierministern als stellvertretender Berater für arabische Angelegenheiten diente – Menachem Begin, Yitzhak Shamir und Shimon Peres.

Begin fragte mich einmal nach dem genauen Vers im Koran, der sagt, dass das Land Israel dem Mose verheißen wurde“, erinnert sich Reiter. „Aber dann stellten wir fest, dass einer der Kommentatoren des Koran erklärte, obwohl die jüdische Nation mit dem Heiligen Land verbunden ist, verdienen sie es nicht; Grund ist die Sünde des goldenen Kalbes.“

Frage: Glauben Sie, nachdem sie jetzt diese Quellen zusammenstellten und die Information zur Verfügung stellen, dass israelische Diplomaten sie nutzen werden?

„Unser Ziel ist es, den Diskurs quellenbasierter zu machen. Das ist sehr heikel. Wir wollen niemanden vor den Kopf stoßen. Das Buch ist Sprengstoff und Offizielle werden nicht danach drängen es zu verwenden. Wir sollen nicht, dass das Buch eine Quelle von Konflikt wird, sondern den Diskurs umgestalten und mit einem Aspekt bereichern, der ihm bisher völlig fehlt“, sagte Dimant.

Frage: Die Verbindung zwischen Islam und Judentum – wie weit reicht die zurück?

„Zufälligerweise las ich letzte Woche eine Biographie Mohammeds, die einige Jahrzehnte nach seinem Tod geschrieben wurde. Der Prophet, heißt es in dem Buch, traf sich mit Stammesführern aus der Stadt Medina, die mit Juden studiert hatten und sich oft mit Juden trafen. Er fragte sie über die Juden und ihren Glauben aus und sie sagten ihm unter anderem, dass Juden an einen einzigen Gott glauben“, sagte Reiter.

„Die Verbindung zwischen Islam und Judentum bestand von Beginn des Islam an. Der Islam hat sich immer als Fortsetzung des Judentums betrachtet. Der Koran ist voller Geschichten von [jüdischen] Propheten. Die Sure Yussuf im Koran ist fast identisch mit der Geschichte von Josef und seinen Brüdern im ersten Buch Mose. Und das ist nur ein einziges Beispiel“, fügte er hinzu.

Reiter und Dimant erklärten, dass der moderne Islam weit weniger stolz auf seine jüdische Ursprünge ist und sich oft große Mühe gibt sie zu verbergen. Der moderne Islam hat zudem archäologische Ausgrabungen auf dem Tempelberg verboten und nutzt das Fehlen bedeutender archäologischer Entdeckungen auf dem Berg – was das Ergebnis des Verbots ist – um seine Leugnung jeglicher jüdischer Verbindung zu Jerusalem oder die Existenz der Tempel zu untermauern.

Reiter und Dimant listen in ihrem Buch mehrere Typen von „Leugnern“ auf: diejenigen, die behaupten, dass der jüdische Tempel überhaupt nicht im Land Israel stand, sondern auf der Arabischen Halbinsel; diejenigen, die überzeugt sind, dass Abraham, König David und König Salomon keine Juden, sondern Persönlichkeiten des Islam waren; und diejenigen, die glauben, dass der traditionelle Islam ein Satz unausgewogener, erfundener Traditionen ist, der von Juden verändert wurde, die zum Islam konvertierten und die Religion mit ihren eigenen Inhalten beeinflussten.

Einige zeitgenössische Führer, erklärten Reiter und Dimant, erkennen an, dass es einmal einen jüdischen Tempel auf dem Berg gab, aber behaupten, er sei ein kleines Gebäude, das nicht lange stand und die Juden daher an der Stelle heute kein Recht haben. Nach ihnen haben die Juden von heute keine Verbindung zu diesen Israeliten.

Für viele Muslime „ist das Judentum das Rückgrat des Zionismus und sie betrachten die Religion als Bedrohung für den Islam und die Al-Aqsa-Moschee und sie beschlossen diese Bedrohung dadurch anzugehen, dass sie die muslimische Geschichte einerseits und die Geschichte der Juden andererseits neu schrieben.“

Frühe islamische Quellen, schlossen Reiter und Dimant, „akzeptierten die jüdische Tradition und ihre Spanne über hunderte Jahre ganz oder fast ganz, fast von den frühesten Tagen des Islam bis ins 20. Jahrhundert.

Wir behaupten, dass die, die die jüdische Verbindung zum Tempelberg aufgrund politischer Absichten bestreiten, ungewollt die islamische Geltung der Al-Aqsa und des Felsendoms untergraben, ebenso die Glaubwürdigkeit grundlegender, in Arabisch geschriebener Quellen, die die Klassiker des Islam und seiner Kultur und Identität sind.“

An den Strömen Babylons

Kay Wilson, Israellycool, 11. April 2021

Die Dattelpalme wird im Tanach mehrfach erwähnt, aber nach dem Babylonischen Exil starb der Baum in Israel aus. Erst in den 1930-er Jahren, als Ben Zion Israeli, ein in der Ukraine geborener, glühender Zionist, zu Ehren von Rachel Bluwstein, seiner verstorbenen Freundin und Mitpionierin, einen biblischen Garten pflanzen wollte, blühte die Dattelpalme in Israel wieder auf.

Mit einer mageren Geldsumme und einem LKW, die ihm von David Ben-Gurion zugeteilt wurden, begab sich Ben Zion Israeli auf die gefährliche Fahrt nach Babylon. Sein Ziel war es die verarmte und unterdrückte jüdische Gemeinschaft zu besuchen und einige Ableger von Dattelpalmen mit zurückzubringen.

Es war ein massives Vorhaben, nicht nur, wegen der Gefahren der Wüstenreise, sondern weil Palmen nicht aus Samen wachsen: Sie wachsen aus dicken, dornigen Ablegern, die vom Baumstamm genommen werden und bis zu einem Meter lang sein können.

An den Strömen Babylons wandte sich Ben Zion Israeli an Juden, die ihre Herkunft im Irak bis zur Zerstörung des ersten Tempels (586 v.Chr.) zurückverfolgen konnten. Er erzählte ihnen, dass Juden aus aller Welt nach Hause kämen. Ohne Mühe überzeugte er sie, dass es an der Zeit war ihre Sachen zu packen und nach Hause zurückzukehren, um als freies Volk im eigenen Land zu leben.

Die Gemeinschaft teilte mit ihm uralte Geheimnisse der Kultivierung der Dattelpalmen und verkaufte ihm sogar die kostbarsten Ableger zu einem so geringen Preis, dass er in der Lage war ein paar tausend auf dem LKW zu verstecken. Nach Angaben von Ben Zion Israelis Enkelin baute er zudem im LKW einen falschen Boden, damit er ein paar Leute zurück nach Israel schmuggeln konnte.

Die erste Reise war nur der Anfang.

Von seinem Auftrag motiviert, unternahm er acht weitere Reisen nach Ägypten, Persien und in den Jemen mit dem Ziel so viele unterschiedliche Palmenarten wie möglich mit zurückzubringen. Jedes Mal, wenn er diese muslimischen Länder besuchte, schmuggelte er hebräische Literatur, den Tanach und Siddurim.

Und jedes Mal, wenn er nach Jerusalem zurückkehrte, sprach er über die Armut und Verfolgung der Gemeinden, die er getroffen hatte. Dank seines Mutes, seiner Wagnis und Entschlossenheit erlebte die Mitte der 1930-er Jahre eine große Welle jüdischer Flüchtlinge aus dem Irak, die die der Immigration deutscher, österreichischer und tschechoslowakischer Juden entsprach, die aus Hitlers Europa flohen.

Seine letzte Reise führte ihn nicht nach Babylon, sondern ins biblische Persien, in den Tagen, als der frischgebackene Staat Israel diplomatische Beziehungen zu dem damals säkularen Iran hatte. Das Ziel waren diesmal massive 30.000 Ableger. Bei einer solchen Menge konnte der LKW nicht ausreichen. Nur ein Schiff würde das tun.

Dattelpalmen-Ableger können ohne die Mutterpflanze nicht allzu lange überleben. Leider kam Ben Zion Israeli daher aufgrund der Hitze und der unerwarteten Verspätung des Schiffes ohne Erfolg zurück. Aber trotzdem hatte er zumindest das Versprechen erfüllt, das er seiner Freundin Rachel Bluwstein gegeben hatte, die ein paar Jahre zuvor gestorben war. Er pflanzte am Südufer des Sees Genezareth einen Palmengarten zu ihrem Gedenken und nannte ihn „Rachels Garten“.

1954, als er im Kibbuz Ma’agan Michael an einer Flugvorführung zu Ehren der jüdischen Fallschirmjäger teilnahm, die in Nazi-Europa hinter den Feindlinien absprangen, stürzte eines der kleinen Flugzeuge in die Menge und tötete ihn und 17 weitere Menschen. Bittere Ironie wollte es, dass das zur gleichen Zeit geschah, als der Grundstein für Yad Vashem gelegt wurde.

Obwohl Ben Zion Israeli nicht mehr erleben sollte, dass Dattelpalmen aus dem Iran geholt wurden, setzte einer seiner Partner seine Arbeit fort und brachte schließlich tausende mit.

Jede einzelne der vom Süden Israels bis in den Norden gepflanzten Palmen steht als stolzes Zeugnis für seinen Mut, seine Hingabe an sein Volk und seine Liebe zu seiner Freundin Rachel, was alles zusammen die Dattelpalme in unser Heimatland zurückgebracht hat.