Pierres neuer Freund – der Großimam der Al-Aqsa-Moschee

Pierre Rehov, Facebook, 14. Februar 2017

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Der Großimam der Al-Aqsa-Moschee wurde gefragt: „Wie kannst du wissen, dass Jerusalem der Ort ist, an dem die Al-Aqsa-Moschee gebaut werden sollte.“ Er antwortete: „Als der Prophet Mohammed zur ersten Moschee gefragt wurde, sagte er, dass die erste Moschee die Heilige Moschee in Mekka ist und die zweite in der Welt gebaute, war die Al-Aqsa-Moschee. Das ist, was der Prophet uns als Beweis gegeben hat. Und dass vierzig Jahre zwischen ihnen liegen. Das bedeutet, dass derjenige, der die Heilige Moschee baute, ADAM ist und der eine, der die Al-Aqsa-Moschee baute entweder ADAM oder sein Sohn ist…“

Das habe ich nicht erfunden. Das ist die genau Übersetzung von seinem Auftritt auf Arabisch auf ITV auf. Noch viel mehr von diesem Quatsch können Sie in „Unveiling the Tempel Mount“ (Entschleierung des Tempelbergs) sehen, der Dokumentation, die zu drehen ich die Ehre hatte (Danke für eure großzügigen Spenden! Übrigens, weitere Spenden sind weiterhin willkommen.)

Europas Besatzungs-Heuchelei

Michael Freund, Jerusalem Post, 9. Februar 2017

Nachdem Montag das Gesetz verabschiedet wurde, das bestimmte Landfragen in Judäa und Samaria regulieren soll, verschwendeten Israels angebliche Freunde in Europa keine Zeit, bevor sie mit bemerkenswert barschen Tönen auf den jüdischen Staat eindroschen. Die Führer des Kontinents führten alle ihnen zur Verfügung stehenden Giftigkeit ins Feld, die grenzenlos zu sein scheinen, wenn das Thema Israel ist; sie begannen einen rhetorischen Amoklauf, der genauso obszön wie beleidigend war.

Wie üblich war es die Hohe Repräsentantin für äußere Angelegenheiten, Federica Mogherini, die die Übertreibungen au Maß brachte, als sie das Gesetz als „neu und gefährlich“ bezeichnete, als wäre die Lösung von Landstreitigkeiten durch Entschädigung ein noch nie da gewesenes Konzept des modernen Rechts. Dann ging Mogherini jedoch noch weiter; sie erklärte: „Das israelische Parlament hat ein Gesetz zum rechtlichen Status von Land beschlossen, das innerhalb besetzten Gebietes liegt, was eine Frage ist, die jenseits seiner Zuständigkeit liegt.“

Die Ironie ihrer eigenen Äußerung hat sie offenbar nicht bemerkt. Denn welche „Zuständigkeit“ hat Mogherini, dass sie sich in Israelis innere Angelegenheiten einmischen, sein demokratisch gewähltes Parlament beschimpfen oder die von ihm beschlossenen Gesetze interpretieren kann? Andere Führungspolitiker wie der französische Präsident François Hollande verurteilte das Gesetz mit der Aussage, es würde „die Weg in die Annexion der besetzten Gebiete öffnen“; derweil sagte der UNO-Sonderkoordinator für den Frieden im Nahen Osten, Nikolai Mladenov, mit der Gesetzgebung „auf besetztem palästinensischem Land“ habe Israel „eine sehr dicke rote Linie überschritten“.

Nun, wenn europäische und internationale Staatsmänner wirklich eine Debatte über „besetzte Gebiete“ führen wollen, dann sage ich ihnen: Versucht es doch.

Ein guter Ort damit anzufangen wären einige der kolonialen Relikte Europas, an denen es raffgierig festhält wie ein verkaterter Penner, der sich an einer Flasche mit ein paar verbleibenden Tropfen Wodka festkrallt.

Nehmen wir zum Beispiel die Insel Korsika, deren wunderschöne Strände, beschauliche Buchten und dichte Wälder eine hässliche historische Tat verstecken: Frankreichs Invasion von 1768/69 und die Annektierung der aufkeimenden Republik. Obwohl fast 250 Jahre vergangen sind, sehnen sich immer noch viele Korsen nach größerer Autonomie oder sogar Unabhängigkeit.

Im Dezember 2015 gewann die nationalistische Partei Pè a Corsica die Regionalwahlen der Insel; sie verpasste die absolute Mehrheit nur um zwei Sitze. Meinungsumfragen zeigten, dass zwei Drittel der Korsen ein Referendum zur Unabhängigkeit von Frankreich abhalten wollten.

Unabhängig gesinnte Korsen sagen, Paris habe bewusst versucht die Inseln zu „französisieren“, indem ihre Kultur und Sprache unterdrückt wurden.

Doch wann war das letzte Mal, dass Sie hörten, wie europäische Führungspolitiker oder übrigens sonst irgendjemand Frankreich wegen seiner „besetzten Gebiete“ verurteilt? Und dann gibt es natürlich Katalonien, wo die Regionalregierung plant m September diesen Jahres trotz der Opposition der spanischen Obrigkeit eine Volksabstimmung zur Unabhängigkeit zu veranstalten. Seltsamerweise scheint jedoch die Sehnsucht der Katalanen nach Unabhängigkeit in Europas Hauptstädten nicht so viel Interesse zu auszulösen wie die der Palästinenser, obwohl erstere deutlich stärkeren Anspruch auf einen eigenen Staat geltend machen können.

Erst einmal gab es im 17. Jahrhundert tatsächlich einen katalanischen Staat, wenn auch nur kurz, während es in der gesamten Geschichte nie ein unabhängiges Palästina gegeben hat. Und selbst wenn man glaubt, dass die Palästinenser seit 1967 besetzt sind, hat Spanien Katalonien seit mehr als drei Jahrhunderten besetzt gehalten. Das macht ihn zu einem länger andauernden Disput und hinausgeschobene Gerechtigkeit ist verwehrte Gerechtigkeit. Darüber hinaus können Katalanen legitim beanspruchen eine Nation mit einer klar eigenen Sprache zu sein; das können die Palästinenser nicht.

Die Liste geht natürlich weiter und dazu gehören auch Orte wie die Falklandinseln.

Im April vor 35 Jahren entsandte Großbritannien eine Marinestreitkraft von mehr als 100 Schiffen, um die Inseln von Argentinien zurückzuerobern, womit es seine Jahrhunderte alte koloniale Besetzung behauptete.

Erst vor kurzem zementierte Norwegen in einer der größten Landnahmen der Geschichte seinen Zugriff auf mehr als 2,7 Millionen Quadratkilometer der Antarktis, als es im Juni 2015 einseitig erklärte, sein Territorium im östlichen Teil der Region erstrecke sich bis ganz hinunter bis zum Südpol. Ein vom norwegischen Außenministerium veröffentlichtes Weißbuch erklärte offen: „Der Zweck der Annexion war es das Land, das derzeit nicht beansprucht wurde, untertan zu machen.“ Norwegen behauptet ihm gehöre das Land, weil es zuerst dort war.

Seltsamerweise scheinen sie dieselbe Logik nicht auf Judäa und Samaria anzuwenden, wo die jüdische Präsenz der Gründung des Islam um mehr als 1.500 Jahre vorausgeht.

Wenn man die Dinge in historische Perspektive setzt, dann ist Europas Gebrüll wegen Israels „besetzten Gebieten“ eindeutig nicht mehr als diplomatische Doppelzüngigkeit. Das trifft besonders angesichts der Tatsache zu, dass Judäa und Samaria das uralte Kernland des jüdischen Volks und die Wiege unserer Zivilisation sind.

Anders als viele der von Europa selbst besetzen Gebiete hat Israel jedes Recht – moralisch, historisch, theologisch und militärisch – in Judäa und Samaria zu sein und deshalb werden wir bleiben.

Wenn also die EU das nächste Mal beschließt wegen der Notwendigkeit der „Beendigung der Besatzung“ loszubrüllen, sollte Israel ankündigen Menschenrechtsbeobachter nach Korsika, Katalonien und anderer solche Gebiete zu schicken, um sicherzustellen, dass die europäischen Besatzungsmächte nicht auf den Rechten der indigenen Einwohner herumtrampeln.

Außerdem sollte der jüdische Staat auch anfangen am Entwurf eine UNO-Resolution zu arbeiten, die die fortgesetzte europäische Besatzung verschiedener Landbereiche überall auf der Welt zu verurteilt.

Es mag albern klingen, aber statt ständig in der Defensive zu sein ist es für Israel vielleicht das letzte Mal, dass es Europa mal so behandelt, wie es andere behandelt.

Das Oslo-Syndrom: Der Irrglaube eines belagerten Volkes

Kenneth Levin, Middle East Forum, 26. September 2005

Ausgerechnet am Abend des Handschlags zwischen Yitzhak Rabin und Yassir Arafat auf dem Rasen des Weißen Hauses im September 1993 ging Letzterer ins jordanische Fernsehen und sagte seiner Anhängerschaft, dass sie die Oslo-Vereinbarungen als die erste Phase des Stufenplans verstehen sollte, den die PLO 1974 ausgearbeitet hatte und dessen Endziel die Vernichtung Israels ist. Arafat wiederholte seine Aussage mindestens ein Dutzend Mal während der ersten Monate von Oslo. Warum bestand Israel auf dem Oslo-Prozess, obwohl es nach Arafats Ankunft in den Gebieten im Juli 1994 die schlimmsten Terroranschläge seiner Geschichte erlebte?

Der Oslo-Prozess hätte am Ende einen echten Frieden zwischen den Arabern und Israelis erreichen sollen; statt dessen ergab sich daraus der schlimmste Terror, den Israel je erlebt hat. Wir müssen fragen, warum das so ist. Warum ging Israel vielfache Vereinbarungen mit Arafat ein, obwohl er offen erklärte, dass sein Ziel die Auslöschung Israels sei?

Nach Angaben von Ari Shavit, der für Ha’aretz schreibt, waren aufgeklärte Israelis während der Oslo-Vereinbarungen von einer messianischen Idee beeinflusst – sie glaubten, dass das Ende des alten Nahen Ostens, das Ende der Geschichte, das Ende der Kriege und das Ende von Konflikten nahe war. Sie täuschten sich selbst mit Wahnvorstellungen, so geblendet, dass sie einen Akt messianischer Trunkenheit begingen.

Um das Warum dieser Situation zu verstehen, müssen wir einen Blick auf die Psychologie chronisch belagerter Bevölkerungen werfen. Fast unvermeidlich gibt es Teile der Bevölkerung, die die Anklagen der Belagerer in der Hoffnung akzeptieren, dass sie damit Erlösung und Frieden gewinnen können. Das ist eine psychologische Antwort auf das Belagert werden und die Juden sind seit 2000 Jahren belagert worden. Max Nordau schrieb vor mehr als 100 Jahren, dass der größte Erfolg der Antisemiten war, dass sie die Juden dazu gebracht hatten sich selbst durch antisemitische Augen zu sehen. Nordau sah die Idee eines jüdischen Staates als Zuflucht für alle Juden, ungeachtet ihrer politischen Ansichten, Sprache oder Nationalität.

In den 1920-ern und 1930-ern wurde in der zionistischen Bewegung der „neue Jude“ als säkularer Sozialist entworfen, ohne die Ausstattung, die die weitere nichtjüdische Welt erzürnte. Deutsche jüdische Intellektuelle wie Martin Buber setzen ihre Missbilligung in moralische Begriffe und argumentierten, dass Juden sich über die Notwendigkeit eines Staates hinaus bewegt hätten, waren aber auch besorgt, dass sie ihre neu erworbenen Nationalitäten verlieren könnten, wenn ein jüdischer Staat gegründet würde.

Seit der Gründung des jüdischen Staates bis 1977 wurde Israel von sozialistischen Zionisten geführt. Das änderte sich 1977, als erstmals eine nicht sozialistische Regierung gewählt wurde. Von 1977 bis 1992 begann die Wählerschaft der Arbeitspartei die Idee zu akzeptieren, dass, wenn Israel sich auf die Linien von 1967 zurückzog, die Araber ihnen erlauben würde in Frieden zu existieren. Die Bewegung der neuen Historiker unterstützte ebenfalls die Idee, dass Israel, um Frieden zu erreichen, seine Schuld anerkennen und einem Rückzug zustimmen müsse. Mehr noch: Sie bot die Sichtweise an, das Israel die Hauptverantwortung für den Hass trug, mit dem es von seinen Nachbarn gesehen wurde. Die pro-zionistische Bewegung argumentierte, dass Israel zu jüdisch sei und dass es das Rückkehrgesetz aufgeben und die Flagge und die Nationalhymne ändern müsse, weil diese den Arabern gegenüber unfair seien.

Innerhalb eines Jahres nach den Wahlen von 1992 hatte die Arbeitspartei einige dieser Ideen akzeptiert. Trotzdem ging die „Friedensbewegung“ gegen Premierminister Yitzhak Rabin auf die Straße, mit dem Argument, dass er nicht schnell genug Zugeständnisse machte. Diese Bewegung machte weiter Druck, mehr Konzessionen zu machen, trotz Arafats Äußerungen, dass dies die erste Phase im Plan zum Auslöschen Israels sei und trotz der Terroranschläge, die gegen Israel verübt wurden.

Die Koalition der Arbeitspartei wurde 1996 geschlagen, als Benjamin Netanyahu zum Premierminister gewählt wurde. In seinen drei Jahren als Kopf der Regierung war Netanyahus Ton weniger konziliant, aber er setzte die Führung einer Reihe von Verhandlungen fort, die auf dem Prinzip der israelischen Zugeständnisse im Austausch für palästinensische Zusicherungen gründete. Die Terroranschläge nahmen nicht ab.

Ehud Barak und eine von der Arbeitspartei geführte Koalition folgten 1999 Netanyahu nach. Baraks Ansatz war rhetorisch und praktisch dem von Rabin gleich, dessen Nachfolger er zu sein schien. Eine Serie intensiver Verhandlungen wurde unternommen, so z.B. in Scharm el-Scheikh, aber mit jedem Schritt kamen die Anschläge häufiger und schrecklicher.

Der Barak-Ansatz der Hinzufügung schrittweiser Zugeständnisse schlug furchtbar fehl. Im September 2000, als Arafat seinen Terrorkrieg gegen Israel begann, wurde einem zunehmenden Prozentsatz der Bevölkerung Israels klar, dass weder Rückzug noch Zugeständnisse ihnen den Frieden bringen würden, den sie so ernsthaft wünschten. Der Prozess kulminierte Anfang 2001 in der Wahl Ariel Scharons zum Premierminister. Der folgende Terrorkrieg und die Schlacht in Jenin überzeugten viele in der israelischen Öffentlichkeit, dass Zugeständnisse ein Auslaufmodell waren.

Obwohl es fast 60 Jahre belagert wird, hat Israel eine freie, Leben sprühende und kreative Gesellschaft geschaffen. Die Frage ist, ob Israel weiter fördern kann, was es als Mittel für echten Wandel in der arabischen Welt aufgebaut hat, oder ob die Israelis bei ihrer Suche nach wahrem Frieden weiterhin nach Täuschungen von Frieden greifen, die alles bedrohen, was sie geschaffen haben?

Israels Moral und die Kurzsichtigkeit der Welt

Daniel Gordis, AJC 7. Dezember 2004

Jedes Diskussion um die Art und Weise, wie Israel den bewaffneten Konflikt mit den Palästinensern in den letzten Jahren geführt hat, verlangt zu allererst Klarheit über die Natur des Konflikts und was auf dem Spiel steht. Israel befindet sich im Krieg – nicht gegen „Militante“ oder gegen solche, die das palästinensische Volk „befreien“ wollen. Israel befindet sich in einem Krieg um sein Überleben, gegen gut bewaffnete und zunehmend gut ausgebildete, hoch disziplinierte Gruppen von Terroristen, die ihre Ziele offen verkünden. Ihr Plan ist nicht die Befreiung der „Gebiete“, die im Juni 1967 in einem Krieg erobert wurden, den Israel nicht wollte. Ihr Ziel, wie Hamas und Hisbollah (und andere) frei verkündetn, ist die Auslöschung des „zionistischen Gebildes“ von da, wo ihrer Vorstellung nach ein ausschließlich muslimischer Naher Osten sein sollte.

Das sind nicht die Tschtschenen gegen Russland. Alles, was die Tschetschenen wollen, ist Unabhängigkeit. Würde ihnen die gewährt, gibt es allen Grund zu erwarten, dass der tschetschenische Terror gegen Wladimir Putins Russland aufhören würde. Dasselbe gilt für die Basken in Spanien. Aber nicht so im Fall von Israel. Die einzige Möglichkeit, dass Israel dem Versuch der Terroristen, jeglichen Anschein von Normalität für das israelische Leben zu zerstören, aufhört, wäre, dass es aufhört zu existieren. Die Israelis begreifen das und willen sehr gut, dass jedes andere Land, das um seine pure Existenz kämpft, darüber erbost sein würde, wenn man es so beurteilt wie Israel, insbesondere von Europa, in den letzten vier Jahren beurteilt wird.

Wie dieser Krieg begann

Die Israelis erinnern sich auch daran, wann dieser Krieg begann – unmittelbar, nachdem Ehud Barak Yassir Arafat aufforderte Farbe zu bekennen. Barak bot dem palästinensischen Volk den Staat und die Unabhängigkeit an, von der sie immer sagten, dass ihre Jahrzehnte dauernde Terror-Kampagne sie ihnen bringen sollte. Aber bei Baraks Vereinbarung hätte Israel weiterhin existiert. Und das konnte Arafat letztlich nicht ertragen. Also versuchten er und eine Vielzahl lose dazu gehörende Terror-Organisationen, zu denen nicht nur Hamas, Islamischer Jihad, Hisbollah, Fatah, Force 17 und die Al Aksa-Märtyrerbrigaden gehören, Israel in die Knie zu zwingen, indem sie die gesamte Bevölkerung in die Unterwerfung ängstigen.

Es wird absurderweise immer noch gesagt, dass Arafat das Paket von Camp David nicht unterschreiben konnte, weil Baraks Angebot nicht gut genug war. Die Westbank, so einige, wäre in drei Kantone geteilt worden, zwischen denen Israel die Kontrolle des Verkehr weiter behalten hätte. Vielleicht. Das Bild ist nicht klar. Aber lassen Sie uns annehmen, dass die Behauptung stimmt und dass Arafat ehrlich eine Vereinbarung gewollt hätte. Das effektivste, das er hätte machen können, wäre gewesen, den Zehntausenden von Palästinensern, die damals das Recht hatten nach Israel einzureisen, zu sagen, sie sollten sich auf die Autobahnen Jerusalem – Tel Aviv und Tel Aviv – Haifa setzen. Er hätte CNN einladen können, deren Anwesenheit es der IDF unmöglich gemacht hätte, die Menge mit Gewalt auseinander zu treiben. Und Arafat hätte die Landkarte von Baraks Vorschlag auf die zweite Seite der New York Times bringen könnten, um der Welt zu zeigen, dass er nicht unterschreiben konnte. Israel wäre gezwungen gewesen nachzugeben und die Karte wäre geändert worden.

Wir werden den Frieden nicht mehr erleben

Aber das stand nicht in Arafats Planung. Daher verstehen die meisten Israelis heute, dass es keinen Frieden geben wird. Nicht zu unseren Lebzeiten und wahrscheinlich nicht zu Lebzeiten unserer Kinder. Es mag eine Einstellung der Feindseligkeiten geben – einige Jahre mit mehr, andere mit weniger Gewalt – aber wir wissen nun, dass hier zu leben bedeutet, dass wir in einem Zustand des dauerhaften Krieges leben und unsere Kinder in diesem aufziehen. Dieser Satz, dieses „Schicksal“ hat Schmerz, Verzweiflung, Traurigkeit und sogar Hass in der israelischen Gesellschaft geschaffen. Und angesichts dieser Verzweiflung und dem zurückgewiesenen Angebot ist es bemerkenswert, welche Zurückhaltung Israel geübt hat. Wer sonst würde, angesichts des Wissens, dass, egal, was wir tun, wir uns immer im Krieg befinden werden, solche Zurückhaltung üben?

Die Welt ignoriert die israelische Zurückhaltung

Die Welt ignorierte natürlich diese Zurückhaltung. Sie richtet sich nicht auf amerikanische Takitik in Afghanistan oder dem Irak oder den Krieg der Russen in Tschetschenien oder die Gräueltaten im Sudan. Statt dessen konzentriert sie sich auf die Fehler, die zugegebenermaßen von Israel gemacht worden sind. Das Verhalten einer kleinen Minderheit unter den Soldaten an Straßensperren ist verurteilenswert gewesen (und juristische Schritte gegen viele von ihnen sind eingeleitet). Die Beschlagnahmung arabischer Häuser durch Truppen ist fraglos abscheulich, wenn auch manchmal unvermeidbar. Unschuldige Palästinenser, darunter Kinder, sind ins Kreuzfeuer geraten und israelische Truppen sind manchmal unvorsichtig und gelegentlich gehässig gewesen. Die Israelis wissen das und die meisten sind davon peinlich berührt.

Aber dass die Terroristen sich entschlossen haben zivile Stadtviertel zu ihren Operationsbasen zu machen, wird selten erwähnt. Niemand hat es gewagt, den Israelis „Auge-in-Auge“-Taktiken zu benutzen, bei denen Busse oder Hochzeitsgesellschaften oder Restaurants gesprengt werden, denn solche Vorwürfe wären lächerlich. Als Terroristen in die Geburtskirche in Bethlehem flogen, umringten israelische Truppen die Kirche, stürmten sie aber nicht. Vergleichen Sie das mit dem Umgang der Amerikaner mit Moscheen in Nadschaf oder Falludscha, als ihre Geduld mit Moqtada Al-Sadr zu Ende ging, oder was gemacht worden wäre, hätten Juden sich in einer Kirche oder Synagoge versteckt und die Palästinenser hätten sie verfolgt. All das entgeht dem kritischen Auge des wachsamen Westens.

Ebenso ist es mit der ständigen Entschlossenheit der IDF es besser zu machen. Der erfolglose Versuch vom September 2002 den Hamaschef Ahmed Yassin zu töten, den Yossi Klein-Halevi in seinem Teil dieser Serie diskutierte, hat eine Geschichte. Israel verwendete eine 500kg-Bomber, weil es anerkannte, dass es bei der Tötung von Hamas-Chef Saleh Schehadeh zwei Monate früher einen Fehler gemacht hatte. Damals benutzte die IDF eine 1000kg-Bombe, die Schehadeh tötete, aber auch vierzehn andere Personen in der Nähe, darunter Kinder. Die Reaktion Israels erfolgte prompt und emotional. Die Israelis waren beschämt und entsetzt. Als Yassin zwei Monate später überlebte, wurde jegliche Enttäuschung darüber, dass überlebte, bei Weitem von einem gewissen Stolz übertroffen, dass wir gelernt hatten, dass wir denselben Fehler nicht noch einmal begingen und dass wir trotz unseres Wunsches Yassin zu töten, den Wert unschuldigen Lebens an die erste Stelle setzten. Wir haben aber auch gemerkt, dass die Welt von dieser geänderten Taktik keine Notiz nahm.

Im April 2002, als Israel Terroristen in die Kasbah von Jenin verfolgte, machten wir das am Boden, in Kämpfen von Haus zu Haus, um zu vermeiden, dass unnötige Opfer auf palästinensischer Seite entstanden. An einem Tag wurden vierzehn unserer Soldaten getötet. Aber die Welt – statt auf die Unterschiede zwischen Israels Umgang mit der Schlacht und dem, was andernorts geschehen wäre aufzuzeigen – beschuldigte Israel ein Massaker angerichtet zu haben. Europäische Zeitungen berichteten das Massaker als Tatsache, nicht als Vorwurf. Kofi Annan, wegen Israels Dementis befragt, antwortete: „Kann Israel Recht haben und die ganze Welt Unrecht?“ Aber als eine UNO-Untersuchung belegte, dass es kein Massaker gegeben hatte und dass Israel Recht hatte, entschuldigte Annan sich? Nicht mit einem einzigen Wort. Druckten die europäischen Zeitungen Gegendarstellungen? Im Großen und Ganzen machten sie das nicht.

Kurzsichtigkeit beim Trennzaun

Die Kurzsichtigkeit der Urteile der Welt zu Israels Moralität wird am offensichtlichsten beim derzeit im Bau befindlichen Trennzaun. Wie die israelische Rechte es richtig begreift, ist der Zaun eine faktische Möglichkeit Land abzugeben. Wenn der Zaun gebaut würde und funktionierte, dann gäbe es keine Notwendigkeit, dass die israelischen Streitkräfte hinüber gehen und im täglichen Leben der Palästinenser präsent sind. Er würde natürlich auch den Terror dramatisch verringern. Aber die Welt, die komplett die palästinensische Desinformationskampagne kauft, die den Bau des Zauns unmöglich machen soll, spricht vom „Apartheid-Zaun“, statt von den Anschlägen, die zu seinem Bau führten oder von der Verringerung israelischer Militär-Präsenz, die er einläutet.

Warum sind die Palästinenser überhaupt gegen den Zaun? Weil der Zaun den Konflikt ziemlich beenden würde (obwohl die Qassam-Raketenangriffe andeuten, dass der Zaun keine vollständige Lösung sein wird). Und wie wir wissen ist das Ende des Konflikts das Letzte, was die Palästinenser wollen.

Der Zaun hat bei den Palästinensern unzweifelhaft Belastungen verursacht. Einige davon sind unvermeidbar angesichts der Art und Weise, in der die zwei Bevölkerungen in der Westbank und um Ostjerusalem ineinander verwoben sind. Und einige Teile des Verlaufs waren schlecht geplant. Aber vergleichen sie die Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag mit dem des israelischen Obersten Gerichts. Der ICJ verlangte, dass Israel die Mauer als Ganzes entfernt. Israels Oberstes Gericht entschied, dass der Zaun prinzipiell rechtens ist und stimmte mit der Armee überein, dass sein Sinn die Sicherheit ist, kein Versuch palästinensisches Land zu stehlen. Aber trotzdem verlangte das Gericht, dass Teile des Zauns verlegt würden, um den Belastungen für die palästinensische Bevölkerung entgegen zu kommen.

Der Gerichtshof der internationalen Meinung jedoch scheint das außergewöhnliche Phänomen nicht bemerkt zu haben, dass der Gerichtshof eines Landes, das sich im Krieg befindet, zu Gunsten der Bevölkerung urteilte, die dieses Land vernichten will. Außen stehende Beobachter schrieben, dass „selbst das israelische Oberste Gericht sagt, dass der Zaun unmoralisch ist“. Dabei war genau das Gegenteil der Fall. Selbst unter Kriegsbedingungen, Bedingungen, die sich wohl nicht so bald ändern werden, funktioniert Israels demokratischer Apparat weiter, bis hin zum Schutz der Interessen derer, die gegen das Land Krieg führen, in dem das Gericht seinen Sitz hat. Auch hier stellt Israel die Interessen von unschuldigen (oder auch nicht so unschuldigen) Zivilisten über die eigenen Sicherheitsinteressen. Und auch das wurde von der Welt ignoriert.

Israels intensive Diskussion um die Führung des Krieges

Dieser demokratische Ethos der israelischen Gesellschaft deutet auf noch eine weitere einzigartige Dimension des Konflikts. Es könnte keinen radikaleren Unterschied zwischen Israel und der radikaleren Unterschied zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde geben, die gegen den jüdischen Staat Krieg führt: Israel ist ein Land, in dem eine intensive und offene Debatte darüber geführt wird, wie die Bedürfnisse nach Sicherheit mit jüdischen Werten weiter geführt wird. Trotz meiner eigenen Ansicht, dass alles in allem unsere Kriegsführung zurückhaltend gewesen ist, stimmt nicht jeder Israeli dem zu. Einige junge israelische Männer haben sich geweigert, jenseits der Grünen Linie zu dienen und vor Kurzem wurde ihre Militärdienst abgebrochen, ohne weitere ernsthafte Folgen. Eine Gruppe Piloten, über die viel publiziert wurde, verkündete, sie würde nicht länger gewissen Missionen fliegen, die sie als moralisch problematisch ansahen. Wenn man die Autobahnen Israels entlang fährt, kann man oft Demonstranten sehen, die Zeichen hochhalten, auf denen „hayalim amitzim lo maftzitzim“ steht („mutige Piloten, werft keine Bomben“). Ob man ihre Meinung teilt oder nicht, wir haben ein Recht stolz auf eine Demokratie zu sein, in der solche Fragen offen diskutiert werden, wo die Pressefreiheit regiert, wo die talmudische Tradition praktisch unbegrenzter Debatten über moralische Fragen weiter geht.

Wo sind die Palästinenser, die in ihren Straßen wegen der Beendigung der Bombenanschläge diskutieren, über die Qassam-Raketen, die Schießereien, damit ihr Leben zur Normalität zurückgeführt werden kann? Wegen des Sicherheitszauns sieht man hunderte von Graffitis, die Israel einer Apartheids-Politik beschuldigen, verlangen, dass der Zaun entfernt wird. Aber wo sind die Graffitis, die ein Ende des Terrors fordern, der den Zaun erst hat entstehen lassen? Oder die Graffitis, die anmerken, dass, wenn nur Arafat weiter verhandelt hätte, nichts davon passiert wäre? Diese Stimme ist leider nicht zu hören.

Während ich das schreibe führt Ariel Scharon einen Versuch an, dass Israel sich aus dem Gazastreifen und einer Hand voll Siedlungen in der Westbank zurückzieht. Und was war die Reaktion aus Gaza? Ein Hagel von Qassam-Raketen, der israelische Kinder töteten und ganze israelische Städte in Angst versetzte, alles dazu gedacht den Rückzug unmöglich zu machen. Denn der Rückzug aus Gaza würde der Welt zeigen, dass Israel nicht daran interessiert ist, für immer an diesen Gebieten festzuhalten; die Palästinenser sind verzweifelt daran interessiert, dass die Welt das nicht zu sehen bekommt. Denn der Rückzug aus Gaza würde Israel eine besser zu verteidigende Front verschaffen, was die Palästinenser nicht wollen. Und weil ein Rückzug aus Gaza die Menschen in Gaza zwingen würde anzuerkennen, dass ihre Armut und ihr Leid nicht das Ergebnis israelischer Politik sind, sondern der israelischen Eroberung des Landes von 1967 voraus gingen und ihr ebenso folgen werden.

Wie antwortete Israel auf den Qassam-Hagel? Mit der Operation „Tage der Reue“ im Oktober 2004 – wieder am Boden, wieder mit Gefallenen – und nicht aus der Luft, was sicherer gewesen wäre, was aber unzweifelhaft mehr Kollateralschäden verursacht hätte.

Trotz der großen Komplexität des israelisch-arabischen Konflikts im Allgemeinen und der derzeitigen Konflikts mit den Palästinensern im Besonderen, sind einige Grundfakten klar: Israel versuchte einen palästinensischen Staat zu schaffen. Als diesem Angebot mit einem Terrorkrieg begegnet wurde, versuchte Israel einen Zaun zu bauen, der die Terroristen auf der einen Seite und die Soldaten auf der anderen Seite hielt. Als der Zaun als „Apartheidzaun“ behandelt wurde, versuchte Israel sich aus dem Gazastreifen zurückzuziehen, was die Palästinenser unmöglich zu machen versuchen. Die Welt nennt Israel rassistisch, aber die einzige Bevölkerung, die Scharon umzusiedeln versucht, ist die jüdische Bevölkerung von Gaza, nicht die Dörfer, die offen Terroristen beherbergen und unsere Kinder umzubringen versuchen. Und all das ereignet sich im Kontext einer demokratischen Gesellschaft, die – in Fortsetzung tausender Jahre jüdischer Tradition – leidenschaftlich darüber streitet, ob unsere Antworten zu drakonisch gewesen sind oder zu unzureichend die Palästinenser bedacht haben (einige davon ja, andere nicht), die traurigerweise im Kreuzfeuer einer Tragödie gefangen wurden, die von ihren eigenen Führern losgetreten wurde.

Israels moralischer Kampf gegen den Terror

Yossi Klein Halevi argumentiert, dass Israels Sieg in diesem Krieg gegen den Terror eines Tages als einer der größten Siege der jüdischen Geschichte angesehen werden könnte. Das mag durchaus stimmen. Aber Israels Führung dieses Krieges wird, den Verdacht habe ich, ebenfalls als eine der moralischsten Kämpfe gegen den Terror angesehen werden, einem krank machenden Phänomen, das durchaus die westliche Welt über die nächsten Jahre in immer größerem Ausmaß ergreifen könnte.

Unglücklicherweise ist Israel oft ein Barometer dessen, wem sich die westliche Welt demnächst gegenüber sehen wird. Als Israel 1981 den irakischen Atomreaktor zerstörte, war die Verurteilung praktisch universal. Heute weiß die westliche Welt, dass Israel sie vor einem Desaster bewahrt haben dürfte. Dasselbe gilt für den Kampf gegen den islamischen Terror. So wie der Kampf sich ausweitet und Westler in Großbritannien, Frankreich, Spanien und den USA mehr und mehr Terror aus erster Hand erleben, wird die Welt dazu kommen, die Zurückhaltung und innere Stärke zu bewundern, mit der Israel um sein Leben gekämpft hat. Letztendlich, glaube ich, wird Israels Führung dieses Krieges – mit all ihren Fehlern und Schwächen – ein Modell sein, nach dem große Teile der derzeit kritischen Welt eines Tages vorzugehen versuchen wird.

Yitzhak Rabin und sein Platz in der Geschichte

Dr. Joel Fishman, Editorial in Makor Rishon, 29. Oktober 2004 (direkt vom Autor)

Der vergangene Mittwoch, 27. Oktober – oder nach dem hebräischen Kalender der 12. Heschwan – war der Jahrestag des Todes von Premierminister Yitzhak Rabin. Dieses Tages wurde mit einer ganzen Reihe von Zeremonien in Schulen, der Knesset, sowie im Regierungsradio und Fernsehen gedacht. Neun Jahre sind seit der Ermordung vergangen und es besteht weiter ein nationales Bedürfnis sich des Premierministers zu erinnern, der einen gewaltsamen Tod starb. Wir müssen uns an das Geschehene in der Hoffnung erinnern, dass das Verbrechen des politischen Mordes und einer nationalen Tragödie dieser Art sich nie wiederholt. Mit dem Lauf der Jahre ergibt sich aber eine weitere Ebene des Verständnisses und des Bewusstseins, die unsere Aufmerksamkeit benötigt, nämlich den Platz Yitzhak Rabins in unserer nationalen Geschichte. Kerzen anzünden, Lieder, Nostalgie, Anekdoten, Reden und sorgfältig ausgearbeitete Fernseh-Dokumentationen sind kein Ersatz für kritische Geschichtsschreibung.

Eine der charakteristischen Eigenschaften jüdischer Tradition ist, dass sogar Könige wie David, Salomo und die Hasmonäer-Herrscher den Gesetzen unterworfen sind und entsprechend beurteilt werden. Als Volk haben wir ein realistisches historisches Verständnis der Stärken und Schwächen unserer Führer und Könige. Wir haben eine reiche geschichtliche Tradition und es wäre ein Rückfall auf eine niedrigere kulturelle Ebene, würden wir aufhören gute historische Aufzeichnungen zu machen und jeden politischen Führer über Kritik zu stellen und ihm damit eine Art Heiligkeit gewährten.

Eine gesunde Gesellschaft braucht die Schriften kritischer Geschichtsschreibung, weil ein akkurates Verständnis der Vergangenheit notwendig ist für das Verständnis der Gegenwart. Es sollt auch vermerkt werden, dass einig europäische Staaten die Notwendigkeit erfahren haben, mit ihrer jeweiligen nationalen Geschichte während des Zweiten Weltkriegs umzugehen. Obwohl ihre Wirklichkeit anders aussah, können ihre Bemühungen als Beispiel für andere dienen. Die Deutschen haben den Begriff der „Vergangenheitsbewältigung“, der sich besonders auf Deutschlands Nazi-Vergangenheit bezieht. Ähnlich ist es in den Niederlanden, das bereits bei seiner Befreiung ein staatliches Institut für Kriegsdokumentation einrichtete, das Informationen in Form offizieller Dokumente und mündlicher Zeugnisse über die Zeit sammelte. Der Direktor des Instituts, Prof. L. de Jong – mein Freund und Lehrer – schrieb die offizielle Geschichte des Königreichs der Niederlande im Zweiten Weltkrieg in einer großen Arbeit, die die schmerzhafte Wahrheit erzählte und eine gründliche und schockierende Untersuchung holländischer Kollaboration mit der deutschen Besatzungsarmee auf allen Ebenen von Regierung und Gesellschaft bietet. Bei jeder Erscheinung eines Bandes war die Presse empört, aber nach dem ersten Schock stimmten die meisten Holländer überein, dass de Jong die Wahrheit sagte. Die Wahrheit zu sagen, selbst wenn sie schmerzt, ist eine wichtige öffentliche Notwendigkeit. Es ist von großer Wichtigkeit, dass israelische Historiker ebenfalls beginnen mit der Vergangenheit klar zu kommen, insbesondere in Bezug auf den Mann Yitzhak Rabin, den Oslo-Prozess und sein Erbe.

Es gibt eine nationale Notwendigkeit die Diskussion um Yitzhak Rabin auf eine höhere Ebene zu bringen. Ein sorgfältiger Blick auf die historischen Fakten würde es schwieriger machen Verallgemeinerungen zu verbreiten wie: „Die Rechte hat den Friedensprozess getötet“ (Amnon Lipkin-Shahak) oder: „Wir hätten Frieden, wenn Yitzhak weiter gelebt hätte“ (Itamar Rabinowitsch). Behauptungen wie diese zeugen weder von kritischem Denken, noch erweitern sie unser Wissen. Die erste, die dem Vorwurf gleicht, dass die Juden Jesus töteten, ist ungenau und die zweite heuchlerisch.

Ein erster Schritt zum kritischen historischen Verständnis der Sache sollte die Überprüfung der Terminologie sein, mit der Meinungsströmungen in Israel beschrieben werden. Man sollte lieber Golan Lahats Vorschlag anwenden, dass die israelische Gesellschaft nicht als entlang der traditionellen europäischen Linien von „links“ und „rechts“ geteilt betrachtet werden sollte, sondern eher anhand ihrer Ansichten zur Sicherheit. So könnte man Israelis danach einordnen, wer Oslo anfangs unterstützte und dann ablehnte. (Das würde auch auf den theoretischen Fall von Israelis anwendbar sein, die erst dagegen waren und dann dafür – wofür es aber anscheinend keine vermerkten Beispiele zu geben scheint.)

Der Sinn dieses Aufsatzes ist nicht die Debatte der historischen Fragen, sondern einige der Fragen festzustellen, denen man sich stellen muss. Nur wenige würden leugnen, dass Oslo keinen Frieden brachte, aber es ist wichtig, dass man erfährt warum. In diesem Zusammenhang ist eine der wichtigsten Fragen, die ehrliche Historiker untersuchen müssen, die nach Yitzhak Rabins Verantwortung für die nicht da gewesene Zahl an zivilen Opfern, die dadurch entstanden, dass man die PLO aus Tunis hierher holte und sie mit Waffen versorgte.

Nach dem Mord an Ofra Feliks im Januar 1995 führte Rabin den Ausdruck Korbanoth Ha-Shalom ein, wörtlich: Opfer für den Frieden. Damit wurde die Tatsache geleugnet, dass sie Terroropfer waren. Rabin imitierte Ben Gurions Erklärung vom September 1939 („Wir werden den Krieg führen, als gäbe es kein Weißbuch und das Weißbuch bekämpfen als gäbe es keinen Krieg“) und erklärte wiederholt, dass Israel den Terror bekämpfen würde als gäbe es keine Verhandlungen und Verhandeln als gäbe keinen Terror. Diese Stellungnahme diente als vernünftige Erklärung für Rabins Entscheidung das Leben von Zivilisten zu opfern. Heute müssen wir fragen, ob es verantwortlich war, diese Opfer als „Preis für den Frieden“ zu akzeptieren und rationale Diskussion durch Leugnung der Wahrheit und den Gebrauch von Schlagworten und Werbeliedern zu unterdrücken.

Ähnlich müssen sich Historiker der unterschwelligen Annahme von Oslo stellen, dass die PLO den Willen wie die Möglichkeit haben würde die Extremisten von Hamas und Islamischen Jihad zu bekämpfen und so Israel vor Terror zu schützen. David Makovsky hat diese Prämisse als „eine der großen Fehleinschätzungen von Oslo“ bezeichnet. Das Ergebnis davon war eine Reihe problematischer politischer Entscheidungen, so die Einsetzung einer Diktatur in der Palästinensischen Autonomie. Weiter beschreibt Natan Sharansky Rabins Glaube, dass die undemokratische Natur des Regimes Arafats den Interessen Israels dienen würde. Er schildert ausführlich, dass eine Woche nach Unterzeichnung der Oslo-Vereinbarungen 1993 „Premierminister Rabin den Satz prägte, der den gesamten Ansatz der Regierung eisig so zusammenfasste: ‚Arafat wird sich um die Terroristen kümmern’, sagte er, ‚ohne Obersten Gerichtshof, ohne B’Tselem und ohne alle möglichen blutenden liberalen Herzen.’“

David Makovsky wie Dore Gold haben die Frage nach der launenhaften Natur der Entscheidungsfindung der Regierung Rabin aufgeworfen; Entscheidungen wurden oft ohne die Hilfe des Einholens von professionellem Rat getroffen. Wie war es möglich, dass Rabin den wichtigen Schritt des Eintritts in Verhandlungen mit der PLO unternahm, ohne professionellen militärischen und juristischen Rat einzuholen? Man könnte sich fragen, ob es im größeren Zusammenhang eine zu große Konzentration auf die Macht auf der obersten Ebene gab und ob die Entscheidungsfindungsprozess , wie er in Sachen nationale Sicherheit statt fand, nicht richtig funktionierte. Gleichermaßen muss Rabins Entscheidung bewertet werden, die Palästinenser zu bewaffnen. Viele Israelis erinnern sich der Worte der Erklärung Yitzhak Rabins im Radio aus dem Dezember 1993:

Hört auf Angst zu haben. Es gibt die Gefahr nicht, dass diese Gewehre gegen uns benutzt werden. Der Sinn dieser Waffen für die palästinensische Polizei ist, dass sie in ihrem umsichtigen Kampf gegen die Hamas benutzt werden. Sie werden nicht einmal davon träumen sie gegen uns einzusetzen, denn sie wissen sehr wohl, dass, sollten diese Gewehre auch nur einmal gegen uns benutzt werden, der Oslo-Vertrag annulliert werden wird und die IDF an alle Orte zurückkehrt, die ihnen übergeben wurden. Der Oslo-Vertrag ist, trotz allem, was die Opposition behauptet, nicht unwiderrufbar.

Über die Frage des Inhalts dieser Stellungnahme [für die es derzeit anscheinend keine bestätigte Verschriftlichung zu geben scheint] hinaus geht die Art und Weise, in der Rabin seine neue Politik der israelischen Öffentlichkeit präsentierte und der Grad an Verantwortung, die er gegenüber seinem Volk empfand. Während des Winters 1993/94 erklärte Rabin (wie andere Olso-Vertreter auch), dass, wenn Oslo nicht funktionieren würde, er seine Politik umkehren und alles zurücknehmen würde – eine Idee, die ursprünglich von Shimon Peres stammte. Als aber klar wurde, dass das Glücksspiel um den Frieden nicht klappte, verhandelte Rabin weiter, statt die Verluste zu mindern. Für Neal Kozodoy, den früheren Redakteur von „Commentary“, der eine Sammlung von Aufsätzen zum Friedensprozess veröffentlichte, war die zentrale Frage: „Warum, nachdem die Täuschungen und Selbsttäuschungen von Oslo schließlich demaskiert waren und die Wirklichkeit nicht länger geleugnet werden konnte, warum waren immer noch Stimmen zu hören, die darauf bestehen, dass ‚der Nahost-Friedensprozess, nur weil er fehl geschlagen ist, nicht aufgegeben werden darf?’“

Das bringt uns zurück zu verschiedenen Grundproblemen. War Rabins Politik realistisch? Stellten seine Versprechen eine Art Verpflichtung dar, ob sie nun erfüllt wurden oder nicht? In welchem Ausmaß betrachtete Rabin sich selbst an sein Wort gebunden, wenn überhaupt? Sicher, wir können nicht erwarten, das Wahlkampf-Versprechen einen juristischen Vertrag darstellen oder dass sie bis auf den letzten Buchstaben erfüllt werden. Im wirklichen Leben könnten sie auch völlig ignoriert werden. Trotzdem stellen sie eine Art moralischer Verpflichtung dar. Zwischen Ideal und Wirklichkeit mag es eine Lücke geben, aber trotzdem würde man von einem Führer nicht erwarten, dass er solche Dinge mit der Absicht unternimmt sie zu erfüllen oder genau das Gegenteil dieser Plattform zu tun. Es handelt sich hier um schwer wiegende Versprechen und wenn sie nicht wenigstens zu einem gewissen Maß erfüllt werden, dann gibt es ein echtes Problem.

Weiterhin gibt es die Frage, wie ein Führer in einer Demokratie mit der Opposition umgehen sollte. Es war nie ein Geheimnis, dass es Teil der Regierungspolitik war, ihre Gegner systematisch anzugreifen, um sie zu diskreditieren und dass sie dabei eine hetzerische und gewalttätige Sprache benutzte. Hillel Halkin berichtte, dass die Schlagseite der Titelseite von Ha’aretz am 26. März 1995 lautete: „Rabin: Likud, Kollaborateur der Hamas“. Nach Halkin wurde in dem Artikel berichtet, dass Rabin den Likud angriff und erklärte, „die Terrororganisationen haben Erfolg, weil der Likud ein Kollaborateur des Islamischen Jihad und der Hamasgeworden ist“.Dieser Artikel beschreibt die Entscheidung in der (Arbeits-)Partei, die Angriffe gegen die politische Rechte zu verstärken, weil Netanyahu in den Umfragen vorne lag. Die Tatsache, die nicht herunter gespielt oder geleugnet werden sollte, ist, dass es heftige Hetze auch seitens derjenigen gab, die gegen Oslo waren. Aber der Historiker muss fragen, ob es in einer Demokratie korrekt war, dass die Regierung ihre Gegner delegitimisierte, die zumeist aus gesetzestreuen Bürgern bestanden. In diesem Zusammenhang muss man die Atmosphäre der moralischen Drangsalierung vermerken, die die Regierung Rabin damals schürte und die Tatsache, dass auch der geringste Zweifel oder Fragen höhnisch oder mit Schweigen abgetan wurden.

Wenn wir an Rabin denken, dann denken wir meistens an Oslo und die Palästinenser, aber seine Verhandlungsführung mit Syrien sollte nicht vergessen werden. Am Tag vor den Wahlen von 1992 z.B. erklärte er in deutlicher Sprache, dass jeder, der die Golan-Höhen aufgibt, sich der Aufgabe der Sicherheit Israels schuldig macht. Dann, nach der Erreichung der Macht, geißelte er die, die ihn an seine Versprechen erinnerten. Uri Dan berichtet, dass Rabin am 8. Juni 1993 erklärte: „Sobald konkrete Vorschläge da sind, können sich die Siedler auf dem Golan in ihren Demonstrationen drehen wie Propeller. Es wird ihnen nichts einbringen.“ Später verglich Rabin einige von ihnen verächtlich mit der Hamas und, so wird berichtet, bezeichnete sie als „Feinde des Friedens“. Über seine öffentlichen Statements hinaus fügte er Israels zukünftiger Verhandlungsposition durch die im Alleingang geführten indirekten Verhandlungen mit Syrien Schaden zu. Erst bat er die Amerikaner den Syrern die hypothetische Frage zu stellen, welchen Art von Frieden sie Israel im Tausch für einen kompletten Rückzug von den Golan-Höhen anbieten würden. Innerhalb von vier Monaten und mit der Einmischung der Amerikaner wurde dieser diplomatische Schritt bald als israelischer Versuch interpretiert von den gesamten Golan-Höhen abzuziehen. (Das erinnert an den Gefangenen-Austausch mit der Terrorgruppe Ahmed Jibril, der im Mai 1985 vorgenommen wurde, als Rabin Verteidigungsminister war. Damals entließ Israel im Tausch für sechs israelische Soldaten 1.100 verurteilte PLO-Terroristen, die lebenslange Freiheitsstrafen wegen Mord verbüßten, darunter Kozo Okamoto. Das Ergebnis dieser Transaktion war, dass Rabin ähnlich erfolgreich Israels zukünftige Position bei Geisel-Verhandlungen schwächte.)

Rabin hatte keine deutliche Mehrheit in der Knesset, aber er erzählte Besuchern gewöhnlich, dass er selbst mit einer Mehrheit von nur einer Stimme machen würde. Daher kaufte er, um das Oslo II-Abkommen Ende 1995 ratifiziert zu bekommen, die entscheidende Unterstützung von Gonen Segev und Alex Goldfarb (Segev war Infrastruktur-Minister und wurde später wegen Kreditkarten-Betruges verurteilt; er erhielt eine Bewährungsstrafe. Derzeit wartet er auf den Beginn eines Verfahrens wegen Drogenschmuggel). Amotz Asa-El von der „Jerusalem Post“ schrieb, dass der Fall Segev „historisch ist, weil er den Mann betrifft, der die entscheidende Stimme für die sensibelste und kontroverseste politische Entscheidung abgab, die hier je getroffen wurde, in einer Zeit, als die israelische Gesellschaft bereits entzweit war von der Debatte um die Oslo-Verträge und den Terror, der ihrer Genehmigung folgte.“ Was sagt uns diese Tatsache über den Mann Rabin und sein Erbe?

Es gibt auch ein Thema in Bezug auf das Studium des Führers eines Landes, das in Israel weit gehend ignoriert wurde, aber überall sonst als legitim gilt: persönliche Vorzüge, Gewohnheiten, Schwächen und Gesundheit, insbesondere vor dem Hintergrund, wie diese das politische Verhalten beeinflussen. Doris Kearns Goodwin hat z.B. detailliert über Franklin D. Roosevelt, seine Geliebte und seine gesundheitlichen Probleme geschrieben, die oft vernachlässigt werden. Was Israel angeht, so kennen wir die Auswirkungen von Entmutigung und Depression bei Menachem Begin.

Im Fall von Yitzhak Rabin gibt es mehrere Fragen, die Historiker in aller Fairness stellen müssen. Hatte Rabin seine Alkohol-Abhängigkeit hinter sich gelassen, als er 1992 sein Amt antrat? Wenn ja, wann? Litt er unter einer Krankheit, die seine Stimmung und sein Verhalten beeinflusst haben könnte und nahm er Medikamente? War er in der Lage Druck auszuhalten, wie z.B. im Fall des Austauschs der Gefangenen von Jibril oder die Entscheidung die Hamas-Männer wieder zu repatriieren, die im Dezember 1992 ins Exil in den Libanon geschickt wurden? Manche Beobachter, so auch Yigal Carmon, haben großzügig erklärt, dass Rabins letzte Jahre im Amt nicht seine besten waren. Andere, wie Itamar Rabinovitch, haben geschrieben, dass Rabin in genau diesen Jahren seinen Höhepunkt als ausgereifter Staatsmann erreicht hatte. Wer hat recht? Wie auch immer, wir müssen nach der Wahrheit suchen.

Einen Tag im Jahr muss man seiner gedenken. Die übrigen 364 Tage müssen wir unsere Geschichte so schreiben, „wie sie wirklich war“. Wir sollten uns nicht das Gehirn vernebeln lassen, sondern die harten Fragen stellen und unser Bestes tun, eine ehrliche und kritische Geschichte des Mannes Rabin und seines Erbes ohne ideologische Einseitigkeit und ohne Rechtfertigungen schreiben.