Tweets, Kontext und Geschichte

Daniel Gordis, 30. Dezember 2014

Immer wieder mal ist etwas Einfaches wie ein Tweet Ursache für die Erinnerung daran, dass – im Leben allgmein, aber besonders in dieser Region – Kontext und Geschichte wichtig sind.

Der fragliche Tweet dieser Woche kam von Gershon Baskin, dem Gründer des Israel/Palestine Center vor Research and Information und selbsterklärtem Befreier von Gilad Shalit. Der Tweet war einfach: „Wenn die Welt die Anerkennung des Staats Palästina befürwortet, befürwortet sie auch Israel auf 78% des Landes zwischen Fluss und Meer.“

Nun, da fühle ich mich doch gleich viel besser.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, als Stockholm, Paris, Dublin und andere „Palästina“ (in Anführungszeichen, weil es Palästina nicht gibt) anerkannten, war das zu einem gewissen Grad ein feindlicher Akt gegenüber Israel. Immerhin erkennten die Führer von „Palästina“ Israel als jüdischen Staat nicht an und beharren darauf, dass sie es nie tun werden. Sie bestehen auf dem Rückkehrrecht der Flüchtlinge, was Israel als jüdischen Staat vernichten würde und sagen zumindest öffentlich, dass sie sich in dieser Sache niemals bewegen werden.

Also ja, ich gebe es zu: Wenn europäische Hauptstädte einen Staat anerkennen, der sowohl nicht existiert als auch anstrebt Israel als jüdischen Staat zu vernichten, dann bin ich besorgt.

Doch jetzt, wird mir gesagt, soll ich mich besser fühlen. Denn diese Länder – sowie die, die ihnen wahrscheinlich noch folgen werden – versuchen überhaupt nicht Israel Schaden zuzufügen. In Wirklichkeit ist eine solche Anerkennung Palästinas „Unterstützung Israels“ auf 78 Prozent des Landes zwischen Fluss und Meer.

Abgesehen davon, dass der Tweet Palästinas Haltung zu Israel ignoriert, ist es auch wert erwähnt zu werden, was für ein kleiner Teil dessen diese 78% sind, was dem jüdischen Volk ursprünglich versprochen wurde. Wir mögen deswegen nichts unternehmen können, aber wir sollten scharfsichtig sein, welches Spiel die internationale Gemeinschaft schon seit langem spielte und weiterhin spielt.

Die Balfour-Erklärung von 1917 besagte: Die Regierung Seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstatt für das jüdische Volk in Palästina und wird ihr Bestes tun, die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei, wohlverstanden, nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nicht-jüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern in Frage stellen könnte.

Es können viele Fragen zu Balfour gestellt werden. Ist eine „nationale Heimstatt“ ein Staat? Wie kann die jüdische Heimat aufgebaut werden, ohne irgendwie die „bestehenden nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina“ zu beeinflussen? Und vieles mehr. Aber für unsere Vorhaben ist eine Frage absolut vorherrschend: Was ist dieses Palästina, wo die jüdische Heimstatt aufgebaut werden soll und wie sehen seine Grenzen aus? Das sagt Balfour nicht.

Später fügten britische Dokumente Klarheit hinzu. Die Palestine Royal Commission von 1937 (allgemein als Peel-Kommission bekannt) erklärte klar: „Als Feld, in dem die jüdische nationale Heimstatt gegründet werden sollte, wurde zur Zeit der Balfour-Erklärung das ganze historische Palästina verstanden.“

Das „Ganze“ schloss natürlich Transjordanien ein, das man heute als Jordanien kennt. Das hielt die Peel-Kommission nicht davon ab die Größe eines vorgeschlagenen jüdischen Staates noch weiter zu reduzieren. Damit wurde das Land, das das britische Empire dem jüdischen Volk versprach 1922 erstmals geteilt, als 75% des „historischen Palästina“ abgeschlagen und zur Schaffung eines Landes namens Jordanien genutzt wurde.

Peel schlug dann etwas noch Kleineres vor.

Dann wurden, als 1947 die UNO über eine (zweite) Teilung abstimmte, weitere Teile aus einem zukünftigen jüdischen Staat ausgeschlossen; das Sonderkomitee der UNO zu Palästina hatte entschieden noch einen zweiten arabischen Staat auf den Land zu gründen, den die Balfour-Erklärung für die Juden vorgesehen hatte. (zum Beispiel hatte die Peel-Kommission vorgeschlagen Westgaliläa den Arabern zu geben.) Die Karte, über die die UNO-Vollversammlung am 29. November 1947 abstimmte, war eine, die den Juden weniger als ein Achtel dessen gab, wie ihnen mit Balfour nur 30 Jahre früher versprochen worden war.

Dem jüdischen Staat Land wegzunehmen ist eine langjährige Tradition.

Der einzige Grund, dass Israel niemals dazu gezwungen war tatsächlich innerhalb der nicht zu verteidigenden und unbewohnbaren Grenzen von 1947 zu leben, besteht darin, dass die Araber Israel nach der Abstimmung in der UNO angriffen; und dann noch lärmender, nachdem Israel am 14. Mai 1948 seine Unabhängigkeit erklärte. In dem von den Arabern losgetretenen Krieg war Israel in der Lage – mit Waffengewalt – Land zu erobern, das die UNO ihm nicht versprochen hatte. Die 1949 erreichten Linien, die sogenannte Grüne Linie, sind keine in irgendeinem Friedensvertrag vereinbarten Grenzen. Sie sind Waffenstillstandslinien: Sie sind einfach da, wo die zwei erschöpften Seiten sich entschieden die Dinge ruhen zu lassen, als die Kämpfe abklangen.

Israel eroberte dann im Juni 1967 weiteres Land, in einem weiteren Krieg, den es nicht wollte. Es übernahm die Westbank von Jordanien, nachdem es König Hussein anbettelte nicht in die Kämpfe einzutreten – eine Warnung, die der König dummerweise ignorierte. Die internationale Gemeinschaft hat entschieden, dass das von Israel 1967 eroberte Territorium zurückgegeben werden muss.

Wird sie das eines Tages auch von Land sagen, das Israel zwischen der Abstimmung in der UNO im November 1947 und dem Ende des Unabhängigkeitskriegs im März 1949 eroberte? Vielleicht nicht, aber wer weiß? Das Schachbrett namens Naher Osten unterscheidet sich stark von dem vor nur gerade mal einem Jahrzehnt. Israels Aktien in der internationalen Gemeinschaft stehen schlechter als seit langer Zeit, vielleicht schlechter als je zuvor. Die Kälte in den Beziehungen zwischen den USA und Israel (von beiden Seiten bestritten, aber offensichtlich sehr real) schächte Israel weiter. Amerikanische Juden sind zunehmend wegen eines Israel frustriert, das ihrer Meinung nach zu wenig Annäherungsversuche den Palästinenser gegenüber macht. Der Iran kommt Atomwaffen immer näher und Israel könnte die USA durchaus benötigen (wahrscheinlich mit einem ganz anderen Präsidenten), um ihn aufzuhalten.

Ungeachtet aller Beteuerungen einiger Israelis könnte Israel sich auf dem Rückzug vom Jordan zu etwas finden, das der Grünen Linie nahe kommt. Einige Israelis werden jubeln, andere werden trauern. Der Rückzug könnte Frieden bringen; wahrscheinlicher ist, dass er das am Ende nicht tut.

Doch was immer auch geschieht, wir sollten zumindest verstehen, was geschieht. Ja, Israel würde mit kolossalen 78% des Landes zwischen Fluss und Meer zurückbleiben. Aber das ist nur ein Bruchteil dessen, was dem jüdischen Volk ursprünglich versprochen wurde und wenn die internationale Gemeinschaft weiterhin darauf besteht, dass Israel Territorium aufgibt, das es kämpfend gewonnen hat, könnte uns am Ende weit mehr fehlen.

Täuschen wir uns nicht. Die europäischen Regierungen, die Palästina anerkannten, erkennen nichts zu Israel an. Sie warten lediglich darauf, ihren nächsten Zug auf dem Schachbrett tun zu können.

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (30.08.-05.09.2015)

Sonntag, 30.08.2015:

Eine 92-jährige Araberin kann sich heute noch für das Massaker von Hebron 1929 begeistern und wünscht sich, dass die „Palästinenser“ von heute das weiter machen werden. Ein entsprechendes Video konnten von MEMRI gesichert werden.

Dienstag, 01.09.2015:

Katastrophenalarm durch die UNO: Bis 2020 könnte der Gazastreifen infolge von sozialen, Gesundheits- und Sicherheitsproblemen unbewohnbar werden. Die hohe Bevölkerungsdichte und Überbevölkerung seien dabei wichtige Faktoren. (Fragt sich nur, wer das wieder schuld sein soll – der Leiter von COGAT berichtet wieder einmal, dass die Hamas den Wiederaufbau des Gazastreifens verzögert bis verhindert.)

Heckmeck:
Premierminister Netanyahu vor einer Frauengruppe: Israel ist interessiert daran die Friedensgespräche mit Abbas wieder aufzunehmen. Ohne Vorbedingungen.

Mittwoch, 02.09.2015:

Die Polizei von Jerusalem hat nach einer Terrorwarnung ihre Präsenz im Bereich der Straßenbahn verstärkt.

Der Premierminister hat angeordnet, dass die Sicherheitskräfte an der Straße 443 (von Jerusalem nach Modi’in) verstärkt und dort auch vermehrt Beobachtungsposten eingerichtet werden. (An der Straße hat es zunehmend Angriffe mit Steinwürfen und Brandsätzen auf Verkehrsteilnehmer gegeben.)

Abbas und die PA befürworten fortgesetzten Konflikt auf dem Tempelberg, ermutigen zu „Ribat“ (religiösem Konflikt/Krieg) zum Schutz von als islamisch beanspruchtem Land.

Die historische Wahrheit verpesten

Dan Margalit, Israel HaYom, 25. August 2015

Der idiotischste Streit in der extremen Linken Israels gab es in den frühesten 1950-er Jahren: Statt zuzugeben, dass Joseph Stalins Sowjetunion von einer Bande Mörder regiert wurde, hatten Mitglieder der Partei Mapam (einer 1948 gegründeten marxistisch-zionistischen Partei) ausführlich darüber diskutiert, ob die Zusammensetzung aus Marxismus und Leninismus mit Bindestrich oder mit der Konjunktion „und“ geschrieben werden sollte.

Die hitzigen, bornierten Ideologen betonten, dass die Doktrinen von Karl Marx und Wladimier Lenin ein und dasselbe waren und keine trennbaren Lehren. Doch dann wurden die Schrecken des Gulags (sowjetische Zwangsarbeitslager) aufgedeckt und Alexander Solschenizyns Bücher wie „Ein Tag im Leben des Ivan Denissowitsch“ wurden veröffentlicht und die bittere Wahrheit wurde offengelegt – diese Halunken hatten Hunderte Millionen unschuldiger Opfer mit falscher Propaganda manipuliert.

Dieselbe Art von Absurdität ist in der neuesten Initiative des Van Leer Institute zu finden ein Symposium zur Veröffentlichung eines Buchs mit dem Titel „Der Holocaust und die Nakba: Erinnerung, nationale Identität und die jüdisch-arabische Partnerschaft“ zu veranstalten, das eine gemeinsame Überlegung zur Verbindung zwischen Holocaust und der Nakba „dem arabischen Begriff für die Dislokation palästinensischer Flüchtlinge während Israels Unabhängigkeitskriegs) anregt. Dieser Gedanke könnte möglicherweise Wurzeln schlagen, was der Himmel verhüten möge.

Nach Angaben der Nachrichtenseite NRG lehnte Professor Gavriel Motzkin, der Direktor des Instituts die Kritik am Symposium ab, indem der sich dumm stellte und sagte, das Institut setze den Holocaust nicht mit der Nakba gleich. Er fügte jedoch sofort den Traumafaktor als gemeinsamen Nenner beider Ereignisse hinzu, womit er sie unter ein gemeinsames verbales Dach zusammenfügte.

Es gibt keine zwei Worte um zu beschreiben, wie diese zwei Ereignisse noch unterschiedlicher sein könnten und jeder, der versucht sie mit einem „und“ oder einem Bindestrich zu vereinen, verpestet die historische Wahrheit.

Mit was kann das verglichen werden? Vor kurzem wurde ein Buch des britischen Autors Ben MacIntyre mit dem Titel „A Spy Among Friends“ (Ein Spion unter Freunden) veröffentlicht. Das Buch beschreibt in allen Einzelheiten die wahre Geschichte des Spions Kim Philby, der zum Leiter des britischen Spionageabwehrdienstes gegen Sowjetunion im Kalten Krieg aufstieg – während er heimlich als Doppelagent agierte und für den Feind in Moskau spionierte.

Philby wurde an der prestigeträchtigen Universität Cambridge von den Ideen des Kommunismus gefesselt und formte zusammen mit Donald Maclean, Guy Burgess und Anthony Blunt einen Spionagering, der Geheimnisse an die Sowjetunion verkaufte.

Was würde wohl Professor Motzkin sagen, wenn jemand ein Symposium mit dem Titel „Van Leer und Cambridges großer Verrat“ veranstalten würde? Dieser Jemand würde offensichtlich festhalten, dass beide Institutionen ausgezeichnete akademische Einrichtungen sind, aus denen gefeierte Forscher und Professoren hervorgegangen sind, aber auch ein paar verfaulte Äpfel. Und wie Motzki würden die Organisatoren ihr Symposium damit rechtfertigen zu sagen, dass sie keinesfalls behaupten, das Van Leer Institute sei eine Brutstätte für Verräter.

Auch wenn die Situation am Van Leer in keiner Weise der Atmosphäre der Spionage in Cambridge in den 1930-er Jahren ähnelt, könnte jemand den Vergleich ziehen, obwohl die beiden Fälle keinerlei Ähnlichkeiten miteinander haben.

Es muss ausdrücklich gesagt werden, dass es absolut keine Verbindung zwischen den beiden Ereignissen gibt, aber das Wesen einer solch primitiven, unterschwelligen und oberflächlichen Propaganda besteht darin, dass sie die Idee in die Gemüter der Massen einpflanzt und damit zwei Ereignisse miteinander verbindet, die keine wirkliche Verbindung haben. Dann ist es nur eine Frage der Zeit, bevor das „und“ oder der Bindestrich auftauchen.

Es besteht keine Notwendigkeit einzuschreiten oder – Gott behüte – das Symposium des Van Leer Institute zu unterbinden, das es das Vorrecht der Organisatoren ist Schaden anzurichten.

Buch setzt Holocaust mit palästinensischer Nakba gleich – entfacht Empörung

Ein neues Buch, das offiziell in zwei Wochen vorgestellt wird, hat bereits zu Kontroversen geführt, weil es das Leiden der Juden mit der arabischen Niederlage im Unabhängigkeitskrieg gleichsetzt. • Interessenvertretung sagt, das Buch ist ein Affront für die Holocaustüberlebenden in Israel und im Ausland.

Yael Branovsky, Israel HaYom, 25. August 2015

Holocaust-Nakba-Buch

Ein neues Buch, das Parallelen zwischen dem Holocaust und der palästinensischen Nakba (der arabische Begriff für die Heimatlosigkeit der palästinensischen Flüchtlinge durch Israels Unabhängigkeit) zieht, hat rund zwei Wochen vor der öffentlichen Vorstellung des Buches durch den Gastgeber Van Leer Jerusalem Institute einen massiven Tumult verursacht.

Im Tirtzu, das den eigenen Auftrag als „Stärkung und Verbesserung der Werte des Zionismus in Israel“ beschreibt, hat dem Van Leer Jerusalem Institute einen Brief geschrieben, in dem gefordert wird, dass die Veranstaltung abgesagt wird, der zu Ehren der Autoren des Buches abgehalten werden soll und den Titel „Der Holocaust und die Nakba: Erinnerung, nationale Identität und jüdisch-arabische Partnerschaft“ trägt.

Das Buch ist eine Gemeinschaftsarbeit zwischen dem Institut und der Hakibbutz Hameuchad-Sifriat Poalim Publishing Group.

In dem Brief informiert Im Tirtzu den Direktor des Instituts, Professor Gabriel Motzkin, dass „wir von dieser grotesken Gleichsetzung zwischen dem Holocaust und dem europäischen Judentum – als Millionen Juden verbrannt, erschossen und lebendig begraben wurden, obwohl sie nichts Falsches getan hatten – und der kolossalen Niederlage der Feinde Israelis im Unabhängigkeitskrieg, die im Arabischen Nakba genannt wird, höchst beunruhigt sind“, schrieben sie.

Der Brief nannte die Veranstaltung zudem „einen Affront für die Holocaust-Überlebenden, die in Israel und im Ausland leben, indem ihre Notlage missachtet wird, indem unsere kollektive Intelligenz beleidigt wird und indem der menschlichen Ethik Schande gebracht wird.“ Es wird vermerkt, dass „der niederschmetternde Schlag, der den Araber während des Unabhängigkeitskriegs versetzt wurde, das Ergebnis eines von den arabischen Armeen begonnenen Krieges war, die es ablehnten das Recht des jüdischen Volks in ihrer Heimat zu leben anzuerkennen.

Der Holocaust wurde wegen eines ungetrübten Hasses auf Juden und durch die systematische Ausrottung Millionen unschuldiger Menschen begangen. Das ist der Grund, weshalb wir fordern, dass die Veranstaltung, die ein solches Buch ehrt, das unlogische und abscheuliche Vergleiche zieht, sofort abgesagt wird“, schlossen sie.

Motzkin tat die Kritik geradeheraus ab. Im Gespräch mit Israel HaYom sagte er: „Wir setzen den Holocaust nicht mit der Nakba gleich; wir ziehen lediglich Parallelen zwischen der Weise, wie beider ein Denkmal gesetzt wird – das ist nicht dasselbe“, sagte er und betonte: „Es kam uns nie in den Sinn, auch war es nie unser Interesse, die Botschaft zu vermitteln, dass die beiden Ereignisse vergleichbar sind.“

Er ging dann dazu über die Gründe hinter dem Buch zu erklären: „Erinnerung ist von Haus aus anders als die tatsächlichen Ereignisse, denn nicht jeder erinnert sich auf genau die gleiche Weise an die Ereignisse, wie sie sich entwickelten“, sagte er. „Wir betreiben eine Ausstellung über den Holocaust und wir halten jährliche Feiern zu Ehren des Holocaust-Gedenktags; wir haben nicht das Verlangen die Bedeutung des Holocaust zu verharmlosen. Unser Buch enthält eine Vielfalt an Meinungen, von denen einige den Palästinensern gegenüber höchst kritisch sind. Es gibt keine politischen Motive hinter dieser Veröffentlichung; es ist lediglich ein Versuch die Gemütsverfassung und die Mentalität beider Seiten zu verstehen.“

Das Van Leer Jerusalem Institute veröffentlichte ein offizielles Programm für die Veranstaltung, das das Buch und seine Botschaft ausführlich darlegt. „Das Buch lädt die Leser ein über Möglichkeiten nachzudenken den Holocaust und die Nakba zusammen nachzudenken und sie zu diskutieren und die Möglichkeit eines solchen verbundenen Gedankens zu untersuchen – nicht weil die Ereignisse identisch oder auch ähnlich sind, sondern weil sie beide traumatisch und identitätsstiftend waren“, heißt es in dem Programm.

„Die Nakba und der Holocaust formten die Schicksale der beiden Völker und Identitäten, wenn auch auf völlig unterschiedliche Weise“, heißt es darin weiter.

Nach Angaben des Instituts umfasst das Buch „Artikel und Aufsätze von jüdischen und palästinensischen Forschern, Autoren und Denkern, die sich um die Auseinandersetzung mit dem Thema bemühen. Die Beiträge sind nicht monolithisch: Einige befürworten den gemeinsamen Ansatz zu den beiden Ereignissen und sehen darin ein Tor zu Versöhnung und Frieden; andere lehnen eine solche Möglichkeit kurzerhand ab. Das Ergebnis ist ein urtypisches und einzigartiges Mosaik an Positionen, die eine Herausforderung für das konventionelle Denken über die traumatischen Erinnerungen beider Völker darstellt.“

Im Tirtzu schickte dann einen Brief an den Direktor der Hakibbutz Hameuchad-Sifriat Poalim Publishing Group, General Uzi Shavit; darin baten sie ihn zu verhindern, dass die Veranstaltung stattfindet. „Es übersteigt das Vorstellungsvermögen zu glauben, dass Sie als Leiter der Verlagsgruppe, die auf ihrer Internetseite stolz verkündet, dass es das Verlagshaus des Kibbutz Artzi Federation and Hashomer Hatzair war, die zustimmte bei der Veröffentlichung eines Buche szu helfen, das den Verlust der Araber im Unabhängigkeitskrieg auf einer Stufe mit den horrenden Ereignissen des Holocaust stellt“, heißt es in dem Brief; es wird zudem erwähnt, dass einige jüdische Helden aus der Zeit des Holocaust Hashomer Hatzair nahe standen: „Nur falls Sie es vergessen haben: Das war die Bewegung von Mordechai ANielewicz, Zivia Lubetkin, Abba Kovner und anderer; die Schande dieser Veranstaltung wird noch viele Generationen lang in Schande leben.“

Die Hakibbutz Hameuchad-Sifriat Poalim Publishing Group lehnte eine Kommentar zum Brief ab.

Alles Nazis!

gefunden auf Facebook (Daniel Seaman) (s. auch Israel National News):

Weil Netanyahu ein Foto mit seinem Hund veröffentlicht hat, setzt Yigal Sarna, linker israelischer Jouranlist, ihn mit Hitler gleich. Wow! Seht euch mal all diese Nazis an!

Sarna_NaziReaganRonald Reagan
Sarna_NaziChurchillWinston Churchill
Sarna_NaziObama1
Sarna_NaziObama2Barack Hussein Obama
Sarna_NaziClintonBill Clinton
Sarna_NaziNixonRichard Nixon
Sarna_NaziFDRFranklin D. Roosevelt
Sarna_Nazi_xTheodore (Teddy) Roosevelt

 

 

Aus die Maus: BDS ist das Gesicht des modernen Antisemitismus

Der Versuch Matisyahu zu boykottieren hat einen unbezahlbaren Blick in die einzigartige Struktur des zeitgenössischen Antisemitismus geboten – und zeigt uns, wie er bekämpft werden kann.

Ari Soffer, Israel National News, 23. August 2015

Die Debatte darüber ob die BDS-Bewegung – die Boykotte, De-Investitionen und Sanktionen gegen den Staat Israel fordert – antisemitisch ist, tobt seit deren Gründung vor etwa einem Jahrzehnt.

Als Beweis ihres Antisemitismus deuten die BDS-Gegner auf die Tatsache, dass sie den jüdischen Staat (eigentlich besonders die israelischen Juden und jüdische Institutionen/Firmen in Israel, nicht israelische Araber) aussondert, während sie massive Menschenrechtsverletzungen anderswo in der Region ignoriert – selbst wenn sie, wie z.B. in Syrien, an anderen Palästinensern verübt werden.

Sie führen weiterhin die schaurigen Ähnlichkeiten zwischen den Kampagnen zum Boykott (von Juden) im jüdischen Staat und früheren antisemitischen Boykottkampagnen in Europa (z.B. die von Nazi-Deutschland verübten) an. Und natürlich ist da die Frage der vielen offenen Antisemiten, die vom BDS und breiteren antiisraelischen Bewegungen aus allen Ecken des politischen Spektrums angezogen werden.

Die BDS-Unterstützer begegnen diesem Argument weitgehend damit, dass sie auf die nicht unbedeutende Handvoll Juden zeigen, die eine – manchmal herausragende – Rolle in ihrer Kampagne spielen, ebenso auf die Tatsache, dass (in ihren eigenen Worten) sie öffentlich jede Form von Rassismus ablehnen. Wie kann eine Kampagne, an der Juden beteiligt sind und die Rassismus ablehnt, eine antisemitische sein?

Die jüngste Saga zu Matsyahus Auftritt beim Rototom Sunsplash-Festival sollte diese Debatte ein für alle Mal beenden. Nach den Ereignissen der letzten Wochen sollte es mehr als klar sei, dass BDS nicht nur völlig antisemitisch ist, sondern sie und die breitere Antiisrael-Bewegung sind in der Tat gerade das Symbol des modernen Antisemitismus.

Es geht nicht um das „Warum-Geeiere“

Es geht nicht darum, dass BDS Matisyhau aufgrund der fadenscheinigen Grundlage der Sorge um „Menschenrechte“ ins Visier nahm, während die extrem homophoben Künstler ignoriert werden, die auf demselben Festival auftraten. Sicher, diese Scheinheiligkeit ist ein Kennzeichen der Schande für die Festival-Organisatoren; die Wiedereinladung Matisyahus macht die Tatsache nicht ungeschehen, dass sie ihn als „Verdächtigen“ behandelten, weil er ein pro-israelischer Jude war, während mit Homophoben, die das Verbrennen von Schwulen befürworten, nicht ebenso unter Druck gesetzt wurden.

Das ist ein wichtiger Punkt: Die BDS ist nicht antisemitisch, weil sie „sich nicht auf andere Menschenrechtsverletzung konzentriert“. Dieses Argument, das von pro-israelischen Gruppen oft angeführt wird, ist ineffektiv. Fakt ist, dass BDS eine der zahllosen Ein-Thema-Kampagnen rund um die Welt ist, die sich auf eine bestimmte Frage/Ort/angebliche Ungerechtigkeit fokussiert während andere ignoriert werden. So funktioniert eine Ein-Thema-Kampagne nun mal. Um Antisemitismus zur Rechenschaft zu ziehen und zu bekämpfen, müssen wir ihn unbedingt genau identifizieren – und die dass BDS sich auf ein einziges Thema konzentriert, spielt keine Rolle.

(Die einzige Ausnahme ist, wenn BDS – eine Gruppe, die behauptet sich zutiefst wegen der Rechte der Palästinenser zu sorgen – „palästinensischem Leid“ vergleichsweise wenig bis keinerlei Aufmerksamkeit widmet, wenn Israel nicht beteiligt ist. Zum Beispiel, wenn in Syrien das Regime und ISIS gleichermaßen Palästinenser abschlachtet oder an Hunger sterben lässt; oder im Libanon und Jordanien, wo ihnen grundlegende Rechte wie das Recht auf Arbeit, die Staatsbürgerschaft oder andere grundlegende Freiheiten verweigert werden. Aber selbst dann, obwohl diese Heuchelei ein Indikator ist, dass etwas an der Kampagne stinkt, ist das an sich noch kein Antisemitismus.)

Um zu verstehen, wieso BDS den modernen Antisemitismus im Westen verkörpert (die arabisch-muslimische Welt ist ein völlig anderer Fall), müssen wir zuerst die genaue Natur dieser eigenartigen Unterart der Bigotterie untersuchen. Antisemitismus tendiert wie ein Virus dazu sich zu wandeln und dadurch zu entwickeln, dass er sich die vorherrschenden Gewohnheiten und Diskurse der Gesellschaft nutzbar macht, um der Art von „Fortschritt“ gegenüber resistent zu bleiben, der unausweichlich anderer Formen der Engstirnigkeit aus dem Mainstream-Diskurs hinauswirft.

Als der christliche Fundamentalismus der letzte Schrei war, waren Juden „Christusmörder“. Als die Theorien der Rassenüberlegenheit als Mainstream galten, „verunreinigten/zerrütteten/ Juden die weiße Rasse“ oder wirkten gegen sie. Im Zusammenhang mit dem Kommunismus waren Juden Teil der „Bourgeoisie/Eliten/globalen Banker“ – im Gegensatz zu faschistischen Regimen, für die wir Hand in Hand mit den Kommunisten arbeiten.

Es kann verwirrend sein einem derart verworrenen Mix aus oft diametral entgegengesetzten Beschuldigungen zu folgen – aber so sieht das Wesen des Antisemitismus aus.

Wie andere Formen des Fanatismus ist er irrational. Wie andere Formen des Fanatismus wird es immer solche geben, die sich ihm anschließen und in seinem Namen sogar abscheuliche Verbrechen begehen. Aber anders als andere Formen des Fanatismus ist er „Fortschritt“ gegenüber resistent; seine Anhänger werden immer eine Möglichkeit finden ihn nicht nur für sich selbst zu rechtfertigen, sondern – was entscheidend ist – ihn selbst im Mainstream-Diskurs „akzeptabel“ und „gerechtfertigt“ zu halten.

Um zeitgenössischen Antisemitismus zu erkennen ist es daher entscheidend sich neben die früheren Paradigmen zu stellen, innerhalb derer er einst agierte, die er aber seitdem preisgegeben hat. Innerhalb solcher veralteter Paradigmen zu agieren – z.B. nach Beweisen für auf Rasse oder Religion basierenden Fanatismus zu suche – stärkt die zeitgenössischen Antisemiten sogar darin für ihre neue Version des Hasses zu werben, indem sie die echten Unterschiede zwischen sich und ihren Vorgängern als Beweis aufzeigen, dass sie „nicht wie die“ sind. Und doch ist es ein Fehler, den wir immer und immer wieder machen.

Um das zu illustrieren gib es eine gemeinsame Haltung, die von vielen Gegnern der BDS zu hören bekommen habe: „Während die Bewegung selbst nicht per se antisemitisch ist, gibt es gewiss einige/viele Antisemiten, die darin involviert sind.“ Was diese Leute tatsächlich sagen, ohne es zu erkennen: Es gibt Leute innerhalb der BDS und der breiteren Antiisrael-Bewegung, die einigen der alten, diskreditierten Versionen des Antisemitismus beipflichten, auch wenn die Bewegung selbst – damit erkennt man ihren Giftgehalt – manchmal versucht sich von ihnen zu distanzieren. In diesem Sinne haben sie recht; man musst innerhalb der Antiisrael-Gruppe nicht weit sehen, um eine kunterbunte Auswahl rechtradikaler Holocaustleugner, islamistische Fanatiker, Anhänger der christlichen Ersetzungstheologie und Neomarxisten zu finden, die allerlei „weniger akzeptable“ antisemitische Verschwörungstheorien und Ideen speien.

Doch wieder kann zwar die Tatsache, dass solche Einzelpersonen von der Antiisrael-Bewegung angezogen werden, ein Indikator ihrer antisemitischen Natur sein, aber das ist kein eindeutiger Beweis, solange solche Gruppen sich offen und öffentlich von solchen Vorstellungen distanzieren (so voller Ungereimtheiten solche Distanzierungen auch klingen mögen).

Antizionismus as Antisemitismus

BDS und andere antiisraelische Gruppen im Westen glauben – als Bewegung – nicht, dass alle Juden getötet oder bekehrt werden sollten (obwohl viele Einzelne innerhalb der Bewegung solche Überzeugungen hegen mögen und die Bewegung selbst offen andere völkermörderische Gruppen wie die Hamas unterstützt). Das ist keine spezifische Form des Antisemitismus, dem sie sich anschließen. Sie sind jedoch sehr offen, was die Version des Antisemitismus angeht, der sie beipflichten, obwohl sie die typischerweise so abstreiten: Antizionismus.

Dieser kommt zwar in vielen Schattierungen daher, aber der Zionismus in seinem grundlegendsten Sinn ist schlicht der Glaube, dass das jüdische Volks das Recht auf Freiheit und politische Unabhängigkeit in seinem uralten, historischen, angestammten Heimatland, Eretz Yisrael hat. Antizionismus oder „gegen Israel“ zu sein ist damit der Glaube, dass – während jede andere Nation dieses Recht besitzt – wir Juden es nicht haben oder an uns zumindest ein anderes Maß angelegt werden sollte, wenn wir es einmal haben, erbarmungslos unter die Lupe genommen gepiesackt werden sollten, wobei jeder Mangel (ob real oder imaginär) unter ein Mikroskop gelegt wird.

Noch tiefer sitzt, dass diese Überzeugung auf der perversen Vorstellung des Juden als „edlem Opfer“ basiert. Das ist der Grund, warum so viele antiisraelische Typen betonen, dass sie den Holocaust verurteilen (das ist natürlich sehr großzügig von ihnen) oder keine Mühen scheuen zu sagen, dass sie großes Mitgefühl für die Erfahrung der Juden haben, die ihn durchmachten. In den meisten Fällen tun sie das wirklich aufrichtig – denn Holocaust-Opfer sind genau die Art von tragisch schönen, „reinen“, verfolgten Juden, mit denen sie leben können. Jüdische Schwäche ist für zeitgenössische Antisemiten „attraktiv“, während jegliches wie auch immer geartetes Anzeichen jüdischer Stärke automatisch für „provokativ“ gehalten wird.

In diesem Sinne ist der zeitgenössische Antisemitismus eher mit dem Rassismus gegen Schwarze der Apartheid, des Jim Crow und der anschaulichsten Sklaverei vergleichbar als mit – sagen wir – dem Antisemitismus der Nazis.

Viele oder sogar die meisten Sklavenhalter zum Beispiel „hassten“ schwarze Menschen nicht in dem Ausmaß, dass sie sie alle tot sehen wollten. Viele von ihnen mögen sogar Zuneigung zu „ihren“ schwarzen Sklaven gehabt und sie gut behandelt haben. Aber das machte sie nicht zu Nichtrassisten, denn sie waren weiter der fundamental rassistischen Überzeugungssystem verschrieben, dass Schwarze Weißen rassisch unterlegen waren und dass ihre Status innerhalb der Gesellschaft das daher spiegeln sollte (entweder als Sklaven oder zumindest als Bürger zweiter Klasse). Schwarze, die für eine Veränderung agitierten, wurden als Unruhestifter oder Schlimmeres betrachtet – weil sie „kein Recht hatten“ frei zu sein.

Im zeitgenössischen Diskurs betrachten Antisemiten Juden auf die gleiche Weise.

Während andere Nationen frei sind, sogar ermutigt und unterstützt werden für ihre nationalen Rechte zu kämpfen, werden Juden dazu aktiv demotiviert und dafür schlecht gemacht. Während in jedem anderen Zusammenhang ein indigenes Volk, das seine angestammte Heimat physisch befreien will und gleichzeigt die durch die erobernden imperialistischen Mächte geänderte Ortsnamen zurückfordert – egal, wie lange es her ist, dass sie ihnen genommen und sie kolonisiert wurde – Wohlwollen gewinnen würde, werden Juden, die das tun, verhöhnt und verdammt, beschuldigt „auf uralter Geschichte herumzureiten“.

Es ist schon erstaunlich, dass wir Juden gleichzeitig der Unterdrückung des „uralten“ palästinensischen Volks – die angeblich „uralte“ Geschichte ist unerklärlich relevanter und weniger absurd als unsere eigene wachzurufen – über unseren modernen Nationalstaat beschuldigt werden. Diese schamlose logische Widersprüchlichkeit dienst als grafische Illustration der Schlüpfrigkeit des Antisemitismus und seiner Fähigkeit selbst in einem zeitgenössischen Kontext sein Aussehen zu ändern – manchmal innerhalb eines einzigen Atemzugs.

Das ist der Grund, dass Matisyahu zu boykottieren absolut auf einer Linie mit den Haltungen der BDS. Es spielt keine Rolle, dass er kein Israeli ist, worauf es ankommt ist, dass er ein jüdischer „Unruhestifter“ ist, denn auch wenn er nie politische Aussagen auf der Bühne macht, ist er klar pro-Israel und schämt sich dafür nicht.

Mit denjenigen, die dagegen vorgehen – bestimmt können sich nur die extremsten, Schaum vor dem Mund habenden, randständigen Antisemiten innerhalb der BDS-Bewegung möglicherweise einem solch offenen antisemitischen Standpunkt verschreiben – würde ich gerne einen Tweet teilen, den ich von jemandem erhielt, den sie vielleicht erkennen:

Ari Soffer:
Die Weigerung der BDS gegenüber zu katzbuckeln diente als Vorbild für junge Juden. Bei jüdischem Stolz geht es nicht um gefühlte Notwendigkeit „sich selbst zu beweisen“.
Jim Clancy:
Jeder trifft seine Wahl.
Poster:
Matiyahu und David Broza werden life auf der AIPAC-Politik-Konferenz 2015 auftreten.
Air Soffer:
Alter Schwede! Ein Jude, der Israel mag. Schnell, zwing ihn zur Unterwerfung!

Sagen Sie über Jim Clancy, was Sie wollen, aber der Mann betrachtet sich gewiss nicht als antisemitisch. Doch er suggeriert – als ehemaliger Rundfunksprecher eines der am stärksten zum „Mainstream“ gehörenden Senders, den man sich vorstellen kann – offensichtlich, dass die Tatsache, dass ein Juden es wagt Israel zu unterstützen, wenn auch nur auf sehr allgemeine Weise, ihn dies zu Freiwild für Boykotte und Attacken macht.

Natürlich ist das nur ein Tweet. Aber er ist ein genauer Spiegel der vielen Botschaften, die in Verteidigung der BDS-Entscheidung zirkulierten Matisyahu ins Visier zu nehmen und dass Rototom ihn dann auslud, als die Story noch ganz neu war: „Das ist nicht, weil er Jude ist – das ist, weil er Zionist ist!“

Zerlegt man jedoch die Terminologie, dann wird die fundamentale Bigotterie einer solchen Äußerung offensichtlich: „Natürlich ist es inakzeptabel einen jüdischen Künstler zu boykottieren, nur weil er eine jüdische Einzelperson ist. Aber das Problem mit Matisyahu besteht darin, dass er sich mit den nationalen Rechten seines Volks und dessen Erscheinungsformen identifiziert und dass macht ihn natürlich zu Freiwild.“

Mit anderen Worten: Juden, israelisch oder nicht, sollten ihren Platz kennen.

Dass es Juden gibt, die sich antizionistischen Ideen verschreiben, beweist nichts. In Wirklichkeit spiegelt es genau die Reaktion der stark assimilierten Juden einerseits und der hareidischen Antizionisten andererseits während der letzen großen Welle des europäischen Antisemitismus.

Der Judenhass der Nazis, darauf bestanden viele assimilierte deutsche Juden, war für die „Ostjuden“ reserviert – den primitiven, religiösen, unkultivierten Juden Osteuropas. Selbst als der Antisemitismus der Nazis auch sie anvisierte, geschah das nur, weil einige Europäer nicht zwischen „guten“ assimilierten Juden und „schlechten“ primitiven unterscheiden konnten.

Nach Ansicht der hareidischen/religiösen Antizionisten war der Antisemitismus eine Strafe Gottes für den „Zionismus“, den sie (fälschlich) sowohl als inhärent säkulare Idee, als auch als „Provokation der Nationen“ betrachteten – dieses unterwürfige letztere Argument wurde aus einer eigenartigen Interpretation talmudischer Schriften abgeleitet und besagt, dass man versuchen soll jüdische Unabhängigkeit bis zur Ankunft des Messias zu verhindern. Als solche würde Gott sie sicherlich schützen, während die zionistischen „Sünder“ untergehen würden.

Wie falsch sie lagen! Und wie falsch ihre ideologische Nachkommenschaft doch auch heute falsch in dem Glauben liegt – von der assimilierten jüdischen Linken bis zur Naturei Karta – sie hätten Liebe, Akzeptanz und Schutz gewonnen, weil sie sich von nationaler Unabhängigkeit fernhalten. In Wirklichkeit haben sie lediglich ihren Status als zweitklassige menschliche Wesen akzeptiert.

Renitenz als Lösung

Wenn Matisyahu anzuvisieren der BDS die Maske herunterriss und das Gesicht des modernen Antisemitismus offenlegte, hat seine Reaktion eine wichtige Lektion geboten, wie man zurückschlägt.

Er kapitulierte vor ihren Forderungen nicht und demütigte sich nicht vor dem bellenden Mob in der vergeblichen Hoffnung sie würden besänftigt werden; aber genauso wichtig ist, dass er keine Ausreden für seine Unterstützung Israel machte. Er ging nicht einmal auf die völlig haltlosen, beleidigenden Beschuldigungen des Staates Israel ein – obwohl er natürlich nicht mit ihnen übereinstimmte – denn das zu tun würde ihnen eine Legitimität einräumen, die sie nicht verdienen. Er ist kein Unterstützer von Bigotterie (anders als andere, die auf derselben Veranstaltung auftraten), sonder der legitimen Recht des jüdischen Volks; warum also sollte er sich gegen haltlose Anschuldigungen verteidigen?

Stattdessen war seine Reaktion eine der Verachtung – Verachtung gegenüber den Beschuldigungen und Beschuldigern und Verachtung gegenüber dem empörenden Ultimatum, das ihm gestellt wurde; die Art von Verachtung, die nur mit Selbstvertrauen und Sicherheit bezüglich der Richtigkeit der eigenen Sache kommt.

Die BDS-Bewegung und jeder andere antiisraelische Bewegung wie sie, will nicht den Juden ihre Leben oder ihre Religion rauben, sondern ihre Würde – ob durch Kapitulation oder durch gestammelte Ausflüchte. Das ist das Gesicht des modernen Antisemitismus.

Genau die Tatsache, dass in einer Diskussion über den arabisch-israelischen Konflikt die Stange dafür, nicht total bigott zu sein, oft in der „Anerkennung des Existenzrechts Israels“ liegt – eine Äußerung, die absolut bizarr, sogar beleidigend wäre, würde sie über irgendein anderes Land getätigt – ist ein Hinweis darauf, dass dieses Vorurteil zwar nicht durchgängig akzeptiert ist, aber den Diskurs des Mainstreams infiltriert und infiziert hat und dies weiter tut.

Die Reaktion muss daher darin bestehen, dass wir die uns Angreifenden verachten und auf das Wissen um die Richtigkeit unserer Sache stolz sind.

Für das zu kämpfen, von dem wir wissen, dass es richtig ist, ohne Ausflüchte und ohne Angst.

Etwa so: