Die Nazis konnten den Künstler David Friedmann nicht zerstören

Jetzt sucht seine Tochter nach seinen von den Nazis geplünderten und verlorenen gegangenen Kunstwerken

Miriam Friedman Morris, the Librarians, 22. Juli 2020

David Friedmann 1936 in seiner Wohnung in der Paderborner Straße 9 in Berlin-Wilmersdorf. Im Hintergrund sein Gemälde des Berliner Doms. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es in der Wohnung seiner Schwägerin gefunden. Friedmanns Gemälde von Schlossbrücke und zeugnaus, heute im Deutschen Historischen Museum, erscheint ebenfalls. Diese Gemäldoe gehören zu den hunderten von den Nazis geplünderten und verloren gegangenen Kunstwerken.

Seit ich ein Kind war, sah ich meinen Vater mit einer Intensität und Leidenschaft malen, die etwas in mir berührte. Ich war fasziniert von seiner erfolgreichen Vorkriegs-Karriere und dem Schicksal seiner von den Nazis geplünderten Kunst. Er hatte weniges, das er aus einer Sammlung hunderter Gemälde, Zeichnungen, Lithografien und Radierungen zeigen konnte. Das verstärkte meine Leidenschaft diese Arbeiten zu finden und vor dem Vergessen zu retten.

David Friedmann wurde am 20. Dezember 1893 in Märisch-Ostrau (Österreich-Ungarn) geboren, dem heutigen Ostrava in der Tschechischen Republik. Er studierte Radierungen bei Hermann Struck und Malerei bei Lovis Corinth in Berlin. Er malte einige der wichtigsten Ereignisse der modernen Geschichte, überlebte den Ersten und den Zweiten Weltkrieg als Künstler. Friedmann schuf spätimpressionistische Landschaften, Stillleben, Innenräume, Akte und erhielt Applaus als Maler, der für seine Porträts bekannt war, die aus dem Leben gezeichnet waren. Er stellte an der Akademie der Künste, in der Berliner Secession und zahlreichen Galerien in ganz Deutschland und der Tschechoslowakei aus. Seine Verwendung von Hell und Dunkel, seine Fähigkeit Gesichtsausdrücke zu vermitteln, die Komposition sind alle Kennzeichen seiner Arbeit. Mit Bleistift und Papier fing er die großen Schachmeister der 1920-er Jahre ein. 1924 brachten ihm seine Schnellzeichner-Fertigkeiten eine zweite Karriere als freier Pressekünstler ein. Er skizzierte hunderte berühmte zeitgenössische Persönlichkeiten aus den Künsten, Musik, Theater, Sport,  Politik und Industrie, veröffentlichte hauptsächlich in den Berliner Zeitungen und in der Radio-Programmzeitschrift Der Deutsche Rundfunk. Zu den porträtierten Berühmtheiten gehörten Albert Einstein, Arnold Schönberg, Thomas Mann, Max Liebermann und Emaunel Lasker.

„Richard Réti am Schachbrett“, Lithografie, 1923. Diese erschien in einem Portfolio mit dem Titel „Das Schachmeister-Turnier in Mährisch Ostrau“ und alternativ „Köpfe berühmter Schachmeister“. Fünf Portfolios sind gefunden worden. (© Miriam Friedman Morris; Bild zur Verfügung gestellt von der Nationalbibliothek der Niederlande)

Friedmanns blühende Karriere in Berlin wurde 1933 durch das Naziregime beendet. Während sich alle seine Optionen einschränkten, produzierte er weiterhin Kunst, die Ereignisse illustrierte, sowie seine persönlichen Erfahrungen in der damaligen Zeit.1938 floh Friedmann mit seiner Familie nach Prag, entkam den Nazis einzig mit seinem künstlerischen Talent als Mittel zum Überleben. Er stellte das menschliche Schicksal als Flüchtling in Prag, als Gefangener im Ghetto von Lodz, im Auschwitz-Außenlager Gleiwitz I und als Überlebender bildlich dar. Seine Frau Mathilde und die kleine Tochter Mirjam Helene wurden in Auschwitz ermordet.

1941 plünderte die Gestapo sein hinterlassenes Werk in Berlin. Er verlor seine Ateliermöbel und -materialien, hunderte Ölgemälde, Wasserfarben, Zeichnungen, Radierungen und Lithografien. Nach Friedmanns Deportation ins Ghetto Lodz plünderten die Nazi-Behörden seine Kunstproduktion in Prag. 1946, als die Post von Berlin nach Prag endlich wieder eingerichtet war, erhielt Friedmann Porträt-Drucke und Fotos seiner Arbeit in einem Album. Die Prager Porträts waren auf 1940/41 datiert und geben zahlreichen bekannten und unbekannten Opfern ein Gesicht – historisch bedeutende Beweise einer dynamischen jüdischen Gemeinschaft, die vom Nazi-Regime vernichtet wurde. Weitere Porträts wurden im Nationalmuseum in Prag, Beit Theresienstadt in Givat Haim (Ihud) in Israel und in zwei der Familie gehörenden Sammlungen gefunden. Zahlreiche Arbeiten, darunter Porträts und Landschaften, tauchten im jüdischen Museum im Prag auf.

Überlebende Fotos von Stillleben, die David Friedmann 1939 und 1940 in Prag malte. Sein letzter Wohnort vor der Deportation ins Ghetto Lodz war die Dušní 10 im jüdischen Viertel der Stadt.
Diese Porträt-Drucke David Friedmanns von Jakob Edelstein, František Weidmann und Herbert Langer wurden 1940/41 in Prag produziert. Das Album wurde später dem Kunstmuseum von Yad Vashem gestiftet.

Kunstwerke wurden vom Nazi-Regime systematisch beschlagnahmt und auf Auktionen versteigert. Der Verbleib der restlichen geplünderten Kunst Friedmanns ist unbekannt.

Anschaulicher Titel: „Am Ufer“, Öl auf Holz, signiert von David Friedmann unten links und datiert auf 1932.
Das war eines von mehreren Gemälden, das später in Frankreich mit der roten Zahl „6198“ auftauchte, was nahe legt, dass es sich um eine Auktions-Verkaufsnummer handelt.

Aus seiner Haftzeit wurde eine Porträt-Zeichnung eines polnischen Gefangenen in Gleiwitz I im Staatsmuseum Auschwitz-Birkenau in Polen entdeckt. Es tauchten auch Beweise von Friedmanns Arbeit im Ghetto auf. Seine Radierung der Ghettobrücke von Lodz aus dem Jahr 1942 erschien als Kopfteil auf Seiten des The Chronicle of the Lodz Ghetto, 1941-1944 auf. Ein handgemachtes Album mit 33 Zeichnungen, die die Aktivitäten eines Hutmacher-Geschäfts („ressort“) im Ghetto Lodz 1943 dokumentieren, wird zudem in der Sammlung des Jüdischen Historischen Instituts in Warschau aufbewahrt.

Diese kolorierte Zeichnung stammt aus einem Album von 1943 von David Liebermann, das die Aktivitäten der Hutmacher-Werkstatt („ressort“) im Ghetto Lodz dokumentiert. (Foto: E. Ringelblum, Jüdisches Historisches Institut Warschau, Inventarnummer MZIH B-419/24)

Im Alter von 51 Jahren wurde Friedmann befreit – beträchtlich älter als die meisten anderen Überlebenden; er glaubte, es habe einen Grund gegeben, dass er überlebte. Die Verantwortung Zeugnis abzulegen lastete schwer auf seinem Gewissen, schon vor der Deportation. Sein brennender Wunsch war der Welt die skrupellose Verfolgung und Unmenschlichkeit zu zeigen, wie sie von den Nazis praktiziert wurde, in der Hoffnung, dass eine solche Barbarei niemals wieder geschehen würde. Friedmann fing die Szenen ein, die er nicht aus seinem Gedächtnis löschen konnte – Zwangsarbeit, Folter, Tötungen und der Todesmasch. Er nannte die Reihe „Weil sie Juden waren!“

„Todesmarsch vom Lager Gleiwitz I ins Lager Blechhammer“, Öl, 1947. David Friedmann zeigt sich selbst als Gefangener mit Brille als Erinnerung daran, dass seine Kunst ein Zeugnis des Bösen aus erster Hand ist. Er wurde von der Roten Armee am 25. Januar 1945 in Blechhammer befreit. (© Miriam Friedman Morris)

Friedmann malte seine Nachkriegsreise hindurch weiter. 1948 in Prag heiratete er Hildegard Taussig, eine Überlebende mehrerer Konzentrationslager. Ihre Ehe begann der Geschwindigkeit von  Flüchtlingen. Ein Jahr später floh das Paar aus der kommunistischen Tschechoslowakei nach Israel, wo ihre Tochter, erneut Miriam genannt, geboren wurde. Er arbeitete in einem Schilderladen und trug zur Gründung von Israels kommerzieller Kunstindustrie bei.

In jeder freien Minute zeichnete er für sich selbst. Friedmanns Farbpalette veränderte sich zu helleren, sonnendurchfluteten Tönen, weil er seine alte, dunkle Welt hinter sich ließ, um sein neu angenommenes Land zu erkunden. Nach zwei Jahren gründete er seine eigene Werbefirma und war Freischaffender für die Zeitungen, was ihm mehr Zeit für künstlerische Vorhaben erlaubte. Neben Porträts malte er Landschaften des Sees Genezareth, von Jaffa, Haifa, Tel Aviv, Netanya, Naharia und Tiberias. Einige Werke signierte er mit „Dfri“, die hebräischen Buchstaben für Daled, Peh, Resch, Jod.

Er genoss es auch Ansichten des Flusses Yarkon und von Hadar Yosef zu malen, wo er lebte. Mit Verständnis für die verarmten Juden, die aus dem Jemen eimigriert waren, porträtierte er Bettler auf den Straßen, um ihr Leid auszudrücken. David Friedmann hatte die Landschaft des Beginns des jüdischen Staates eingefangen. Jahrzehnte später hatte ich das enorme Vergnügen die dramatisch veränderte Szenerie aufzuspüren, die er malte, die heute schwer zu finden oder nicht mehr existent ist.

„Jemenitischer jüdischer Bettler“, Öl, 1950. Aus einer Privatsammlung.
„Straße zwischen Tel Aviv und Jaffa“, Ö, ca. 1950. Aus der Sammlung von Miriam Friedman Morris.

Israel war ein neuer Staat in armseligen wirtschaftlichen Verhältnissen. Unbeirrt davon, dass er 61 Jahre alt war, richtete Friedmann seine Ambitionen auf Amerika; 1954 kam er in New York an. Er musste vergessen, was in seinem Herzen verborgen war, die Gemälde aus den Konzentrationslagern und seinen Lebensunterhalt bestreiten. Direkt vom Schiff kommend sprach er bei der Werbetafel-Firma General Outdoor Advertising (GOA) vor. Er malte so schnell wie möglich, weil nur das unsere Familie vor der Armut retten würde. GOA kümmerte weder sein Alter, noch dass er kaum Englisch sprach.

Sie waren beeindruckt von einem fähigen Künstler, der mit erstaunlicher Geschwindigkeit malte – dieselben Fertigkeiten, die ihm 1994 in Gleiwitz I das Leben retteten, wo Friedmann mit primitiven Materialen improvisiert hatte, seine eigenen Farben und Pinsel aus Mitteln des Lagers herstellte, um ein Wandbild auf der Mauer einer Baracke zu malen, um den SS-Offizieren seine künstlerische Fähigkeit zu zeigen und ihn vor dem Tod zu bewahren. Was konnte er produzieren, um sie zu beeindrucken? Er dachte an die Havel, gemalt in Berlin mit „weißen Wolken am blauen Himmel, Bäumen und dazwischen ein paar kleine Häuser mit roten Dächern, Wasser, weißen Segelbooten und ihren Spiegelungen im Wasser“.

„Havel-Landschaft, Berlin“, Öl, 1923. Dieses Gemälde hing Jahrzehnte lang im Haus von Andrea Kress, die neugierig auf David Friedmann wurde. Sie erfuhr davon, dass die Tochter des Künstlers nach verlorener Kunst suchte und schickte dieses Foto.

Die GOA ließ die Familie zuerst nach Chicago und dann nach St. Louis umziehen. Nach nur fünfzehn Monaten in Amerika wurde Friedmann in die höchste künstlerische Position seiner Branche ernannt worden. Statt Bildern aus den Konzentrationslagern malte er die kultigen Schönen und fröhliche Leute, die auf zwei Stockwerke hohen Reklametafeln Bier verkauften. Die neue Karriere brachte Anerkennung und Zufriedenheit mit dem Leben in Amerika. 1960 wurde die Familie Friedmann zu stolzen Staatsbürgern der USA und ließ symbolisch das zweite „n“ im Nachnamen fallen.

Nach seiner Pensionierung 1962 sollte seine Kunst nicht schweigen. Er produzierte eine zweite Serie Holocaust-Kunst, um gegen den Antisemitismus und Rassenhass aller Menschen zu kämpfen. Die Ausstellung David Friedmann eröffnete 1965 in Baltimore (Maryland), beging 20 Jahre seit der Befreiung; darüber wurde sogar in der israelischen Presse berichtet.

David Friedmann legt letzte Hand an seine Kohlezeichnung „Befreiung?“ an. Der Künstler stellt sich selbst als den Gefangenen mit Brille dar. (Foto: Peter Rosvik, St. Louis, Missouri, 1964)

Friedmann starb im Alter von 86 Jahren am 27. Februar 1980. Er ist international mit Arbeiten anerkannt, die dauerhaft im Museum der Holocaust- Geschichte in Yad Vashem in Jerusalem, im Holocaust Museum & Learning Center in St. Louis und dem Sokolow-Museum in der Tschechischen Republik ausgestellt sind. Seine Arbeiten befinden sich in Sammlungen im Staatsmuseum Auschwitz-Birkenau in Polen, und im United States Holocaust Memorial Museum in Washington DC sowie anderen Institutionen und Museen. Weitere Ausstellungsorte sind die Halle der Berliner Philharmonie, das Terezin-Mahnmal in der Tschechischen Republik, der Hauptsitz der Vereinten Nationen und das deutsche Konsulat in New York.

1954 gehörte Friedmann zu den ersten, die von Deutschland wegen von den Nazis geplünderter Kunst entschädigt wurden. Die damit verbundene Summe beinhaltete Ansprüche für all seinen geplünderten Besitz. Er setzte seinen Kampf um Gerechtigkeit fort. 1961 erkannte ihm das oberste internationale Entschädigungsgericht in Berlin eine höhere Anpassung zu.

Dieses Gemälde von David Friedmann wurde 2002 in einem Katalog für das Auktionshaus Joseph Weiner gefunden. Obwohl es „Stillleben“ heißt, lautet der angemessene Titel „Vase mit Anemonen“, Öl, 1923. Letzte bekannte Ortsangabe war Haidhausener Kunst- und Antiquitäten GmbH, München.
„Liegender Häftling“, Kohle, 1945. Zuletzt gesehen in Israel, der Ort der Zeichnung aus dem Häftlingslager Gleiwitz I ist unbekannt. Die Zeichnung – eine von acht der Sammlung von Ze’ev Schek – war als Spende seiner Witwe Alisa Schek an das Kunstmuseum Yad Vashem in Jerusalem gedacht. Drei  Zeichnungen aus dieser Sammlung sind dauerhaft im Museum der Holocaust-Geschichte in Yad Vashem ausgestellt.

David Friedmann war ein erfolgreicher Künstler mit sowohl jüdischer als auch nichtjüdischer Klientel. Die Kunst wurde privat, in Galerien, Ausstellungen und bei Auktionen verkauft. Bei ihrer Flucht aus dem Deutschen Reich stellten die meisten Emigranten fest, dass sie ihre Kunst verkaufen mussten, um ihre Flucht zu finanzieren. Andere schafften es mit ihrer Kunst zusammen zu fliehen.

Kunstwerke finden weiterhin oft neue Eigentümer – verkauft auf Auktionen oder privat – und wird von Menschen gekauft, die nicht als Sammler bekannt sind. Stücke werden Generationen lang an Wänden von Familienheimen ausgestellt und die Tochter des Künstlers sucht nach ihnen. Kunstwerke von David Friedmann sind überall in der Welt aufgetaucht – den Niederlanden, Dänemark, Österreich, Belgien, England, Frankreich, Deutschland, Italien, der Tschechischen Republik, Polen, Israel, Australien, China, Kanada und in den Vereinigten Staaten. Während der letzen zwei Jahrzehnte habe ich angefangen seine Vorkriegs-Kunst zu finden.

Jedes Gemälde, das auftaucht, ist ein Sieg gegen das Deutsche Reich. David Friedmann trug Wichtiges sowohl im Rahmen der Kunst des 20. Jahrhunderts als auch im Schaffen von Materialien bei, die eine machtvolle menschliche Rolle in der Bildung von Menschen über die Realität des Holocaust spielen.

Mein Ziel ist es einen Katalog seiner Werke zu veröffentlichen, Beweise der brillanten Karriere, die die Nazis nicht zerstören konnten.

Gemalt von David Friedmann 1915 im Studentenatelier von Professor Lovis Corinth in Berlin, ist dies eines der seltenen überlebenden Werke aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Nach einer Jahrzehnte dauernden  Suche hatte die Autorin das Glück mit der Familie des Eigentümers in Verbindung zu treten und das Originalgemälde 2012 in Israel zu sehen.

Um mehr über David Friedmann und Informationen, die sie über bestehende Werke erhalten wollen, besuchen Sie bitte www.davidfriedmann.org oder die Facebook-Seite David Friedmann—Artist As Witness.

Dieser Artikel ist als Teil der Gescher L’Europa veröffentlicht worden, der Initiative der Nationalbibliothek Israels Geschichten zu teilen und mit Menschen, Institutionen und Gemeinschaften in Europa und darüber hinaus in Verbindung zu treten.

„Jordanien und Palästina sind Partner in der Geschichte“. Ihre Geschichte kann nicht lang sein.

Elder of Ziyon, 2. September 2021

Ich habe in der Vergangenheit viele Male festgehalten, dass Palästinenser, wenn sie sagen, das „historische Palästina“ sei deckungsgleich mit den Grenzen des 1921 geschaffenen britischen Mandats , nicht allzu viel Geschichte haben können.

Der palästinensische Premierminister bewies das am Mittwoch einmal mehr.

Der jordanische Landwirtschaftsminister besuchte den palästinensischen Premierminister Mohammed Schtayyeh in Ramallah und Schtayyeh äußerte sich über die reichhaltigen Beziehungen zwischen seinem nicht existenten Staat und Jordanien.

Er „bekräftigte den Geist der Partnerschaft zwischen Palästinensern und Jordanien auf allen Ebenen und die Geschichte hindurch, wobei er betonte, dass die beiden Länder in Blut, Geschichte und Schicksalseinheit Partner sind“.

Vor 1946 war der Jordan nur ein Fluss. Vor 1922 war Transjordanien nur eine Region – so wie Palästina es vor 1921 war.

Reise von Jerusalem nach Gaza
Wir verließen Jerusalem um halb acht am Morgen. Während unsere Sachen gepackt wurden, eilte ich einmal mehr auf die höchsten Terrassen und erreichte sie gerade, als die Sonne sich in Herrlichkeit über die transjordanischen Berge erhob…

Die Palästinenser stammen nicht mehr von den Kanaanitern ab, als die Jordanier von den Moabitern oder Ammonitern.

Ich vermute daher, dass Jordanien und „Palästina“ eine gemeinsame Geschichte haben, die darin besteht, dass sie bis vor kurzem keine Geschichte hatten.

Die Kiefer ist in Israel heimisch

Elder of Ziyon, 22. August 2021

MK Ayman Odeh wiederholt eine beliebte Lüge, wenn er in Ha’aretz schreibt:

Die Kiefer war das Hauptsymbol des neuen [Jüdischen Nationalfonds]; sie wächst schnell und braucht keinen tiefen Boden um Wurzeln zu schlagen. Wie die Briten vor ihm wählte der JNF die Kiefer statt das natürliche Mittelmeer-Waldland zu erweitern, das in den Bergen Judäas wuchs. Die Kiefer sieht nett aus, aber sie ist ein fremdes Implantat in der lokalen Umwelt und gefährdet sie, weil sie in unserem heißen Klima besonders entzündlich ist.

Ich habe diese Behauptung 2016 widerlegt, aber hier sind weitere Beweise.

Der Survey of Western Palestine, Special Papers on Topography, Archaeology, Manners and Customs, Etc., Band 4 vom Palestine Exploration Fund aus dem Jahr 1881 zitiert einen Beobachter des 7. Jahrhunderts zu den großen Kiefernwäldern im Zentrum des Landes Israel:

Darüber, dass die Menge dieser Art Wald materiell abgenommen hat und immer noch abnimmt, gibt es keinen Zweifel. Die Hauptursachen sind die fortgesetzte Zerstörung von Bäumen für Brennholz, die Dummheit der Bauernschaft bei der Verstümmelung wachsender Bäume durch Abschneiden der Wurzeln oder Abbrennen der Zweige und dem Bedarf aller Gesetze für den Erhalt dieses wertvollen spontanen Wachstums. Im Jahr 700 n.Chr. erwähnt Acrulphus einen Kiefernwald zwischen Hebron und Jerusalem, in der Nachbarschaft von  Hareth (Kharas), der heute komplett verschwunden ist und mit ein oder zwei verkümmerten einsamen Bäumen lediglich Spuren hinterlassen hat.

Aus dem Untergrund von Jerusalem: Ein Bericht einiger der wichtigsten Schwierigkeiten, die bei seiner Erkundung angetroffen wurden und zu den gewonnenen Ergebnissen. Mit einer Schilderung einer Expedition durch das Jordantal und einem Besuch bei den Samaritanern von Sir Charles Warren aus dem Jahr 1876:

Die wenigen großen Bäume, die über Palästina verstreut übrig sind, belegen die Größe, die sie einst hatten. Es gibt jedoch kein Holz, das jetzt im Land zu Bauzwecken erworben werden kann, bis der Libanon erreicht wird. Verschiedene Kiefernarten sind ebenfalls verbreitet und könnten sehr vorteilhaft gezogen werden, sowohl um Holz zu gewinnen als auch um das Klima zu verbessern; die Samen, die Nüsse, die der Kiefernzapfen produziert, sind ausgezeichnet und haben mir oft mittags ein Mahl geschaffen.

In The Trees and Plants Mentioned in the Bible von William Howse Grosser (1895) erfahren wir, dass die Aleppo-Kiefer (Jerusalem-Kiefer) der beliebteste Baum in Palästina war:

Die Kiefern bewohnen die gemäßigten Regionen beider Hemisphären und sind seit undenkbaren Zeiten als die nützlichsten Zapfen tragenden Bäume bekannt. Mindestens drei der vier oben aufgezählten syrischen Arten waren neben der Zypresse klassischen Autoren bekannt und werden auf dem Kontinent Europa immer noch wertgeschätzt. Die Pinaster oder Strandkiefer bildet einen kleinen Wald auf den Sandhügeln bei Beirut, wo sie (wie P.Hepensis) wahrscheinlich gepflanzt worden ist, um das Eindringen der Treiberden zu aufzuhalten. Sie ist auch eingesetzt worden, um die öden landes an der Westküste Frankreichs wiederzugewinnen. Sie wächst in Italien bis hinunter nach Genua, wo sie der wichtigeren Aleppo- oder Seekiefer weicht. Das ist die in Palästina am häufigsten vorkommende Art; sie erscheint vom Libanon bis zu den Hügeln südlich von Jerusalem und von der Küstenebene im Westen bis zu den Bergen jenseits des Jordan. Reisende haben wiederholt aufgezeichnet, wie ein „Kiefernbereich“ die Veränderung der Temperatur infolge der Höhe dieser syrischen Anhöhen verändert. Der Karmel hat immer noch Kiefernwälder, aber diese waren, wie andere Nutzholzbäume in früheren Zeiten weit zahlreicher und großflächiger verbreitet.

Die Leute, die behaupten, dass die Kiefer ein jüngerer Import ist, neigen auch dazu zu glauben, dass Juden selbst erst vor kurzem in die Region kamen. Mit beiden Behauptungen liegen sie gleichermaßen falsch.

Als Hitlers Mufti eine Pressekonferenz hielt

Sean Durns, The Algemeiner, 9. August 2021

Der Mufti von Jerusalem, Haddsch Amin al-Husseini, trifft 1941 Adolf Hitler. (Foto: Deutsches Bundesarchiv, via Wikimedia Commons)

Im März vor 60 Jahren hielt ein berüchtigter Nazikollaborateur und Palästinenserführer in Beirut eine Pressekonferenz, in der er sowohl jede Beteiligung am Holocaust als auch jede Beziehung zu dessen führendem Architekten Adolf Eichmann bestritt. Amin al-Husseini, allgemein als „Hitlers Mufti“ bekannt, kannte Eichmann jedoch. Und studiert man die Beziehung zwischen den beiden Männern, die sich über Jahrzehnte und Kontinente erstreckte, dann bietet sich ein Einblick in einen Krieg gegen das jüdische Volk, der noch lange nach der Schoah weiterging und uns bis heute begleitet.

Von der CIA freigegebene Dokumente und Telegramme sowie aktuelle Forschung helfen die Geschichte zu erzählen.

Am 23. Mai 1960 verkündete Israels Premierminister David Ben-Gurion, dass israelische Agenten erfolgreich Adolf Eichmann gefangen genommen hatten, der unter einem Aliasnamen in Argentinien lebte. Zwölf Tage zuvor hatten israelische Geheimdienstoffiziere Eichmann gefangen genommen und ihn für ein Gerichtsverfahren nach Israel gebracht. Die Operation wurde später zwar in Filmen und Büchern gefeiert, die halfen den Mythos vom unbezwingbaren Mossad zu polieren, aber viele westliche Nachrichtenmedien verurteilten Israel ursprünglich für dieses Handeln.

Die Washington Post z.B. „rügte Israel dafür ‚Rache nehmen‘ zu wollen statt nach Gerechtigkeit zu streben“, wie die Historikerin Francine Klagsbrun in ihrer Biografie der israelischen Premierministerin Golda Meir dokumentierte. Die New York Times drückte ähnliche Gefühle aus; sie intonierte, dass „keine unmoralische oder illegale Tat eine weitere rechtfertigt“.

Wie Daniel Gordis festhielt, sagte der Christian Science Monitor, Israel Entscheidung „über Verbrechen an Juden Recht zu sprechen, die außerhalb von Israel begangen wurden, sei identisch mit dem Anspruch der Nazis auf ‚die Loyalität aller Personen deutscher Geburt oder Abstammung‘ wo immer sie leben.“ Und das Magazin TIME bezeichnete seinerseits die Gefangennahme eines gesuchten Nazi-Kriegsverbrechers als „umgekehrten Rassismus“.

Und die Presse war nicht allein. Acht Länder, darunter die Vereinigten Staaten, stimmten für eine Resolution des UNO-Sicherheitsrats, die erklärte, dass Israel Argentiniens Souveränität verletzt habe und den jüdischen Staat drängte Entschädigung zu zahlen.

Aber Argentinien und zahlreiche weitere Staaten hatten Nazi-Kriegsverbrechern Unterschlupf gewährt. Trotz ihrer Zusagen Völkermord-Täter der Gerechtigkeit zuzuführen, hatte die Welt, einschließlich der Alliierten, weggesehen – oder Schlimmeres getan. Eichmanns Gefangennahme und das folgende Gerichtsverfahren waren auch Anlass weitere Fragen zum Verbleib und der Beteiligung weiterer Nazi-Apparatschiks und -Verbündeten zu stellen.

Golda Meir, damals Israels Außenministerin, war fest entschlossen sich besonders auf einen Kollaborateur zu konzentrieren: Amin al-Husseini.

Das Committee for Accuracy in Middle East Reporting and Analysis (CAMERA) wies in einem Aufsatz in Mosaic vom 27. Juli 2021 darauf hin, dass die Obrigkeit im des von den Briten regierten Mandats Palästina Husseini mit Prestige, Macht und Posten ausgestattet hatte, wobei sie hoffte einen palästinensisch-arabischen Führer zu besänftigen, der sich unauflösbar gegen den Zionismus stellte, den zu unterstützen die britische Regierung verpflichtet war. Es überrascht nicht, dass die Entscheidung Husseini für den einzuführenden Posten des „Großmufti von Jerusalem“ und als Leiter des Obersten Muslimrats zu unterstützen sich als schlechte Investition der Briten erwies.

Husseini stachelte 1920, 1921 und 1929 zu Pogromen auf. 1936 begann Husseini, reichlich ausgestattet mit Geldern des faschistischen Italien und später bewaffnet und ausgerüstet von Nazi-Deutschland, den sogenannten Arabischen Aufstand, bei dem Juden und britische Offizielle gleichermaßen ermordet wurden.

Der Mufti floh aus dem Mandat Palästina und sollte später in Berlin auftauchen, wo er bei der Rekrutierung für die SS, geplanten Aktionen gegen Juden im Nahen Osten und der Ausstrahlung von Kriegspropaganda gegen die Alliierten half, die in großen Teilen mit Antisemitismus durchsetzt war. Er intervenierte zudem erfolgreich, um zu verhindern, dass jüdische Flüchtlingskinder Hitlers Klauen entkamen, wodurch tausende in den Tod geschickt wurden.

Derweil ermordeten Husseinis Schergen arabische Rivalen und Kritiker und arbeiteten damit daran seine Vorherrschaft als unumstrittener Führer der palästinensischen Araber sicherzustellen. In der Tat verlangte der Mufti große Bereiche des Nahen Ostens, von denen er hoffte, dass sie ihm nach einem Sieg der Nazis zugesprochen würden.

Als die 1960-er Jahre anbrachen hatte sich Husseinis Position allerdings beträchtlich verschlechtert. In Ablehnung von Frieden und jeglicher Übereinkunft mit dem Zionismus hatten seine Kräfte versucht – waren damit gescheitert – Israel während seines Unabhängigkeitskriegs 1948 zu vernichten. Husseini hatte keinen großen Mäzen mehr und war von Unterstützung aus Ägypten und später Saudi-Arabien angewiesen. Trotzdem lebte er vergleichsweise luxuriös mit einem Gefolge an Mitarbeitern, zu denen ein Fahrer für seine Limousine gehörte, und plante ständig Komplotte gegen den jüdischen Staat und den Westen.

Meir wollte, dass Gideon Hausner, der israelische Generalstaatsanwalt und Ankläger bei Eichmanns Verfahren, den berüchtigten Nazi mit Husseini in Verbindung bringt und damit „Israels arabische Feinde mit den Nazis“ verknüpft. Hausner ließ Avraham Zellinger, der für das Gerichtsverfahren recherchierte, die Beziehung zwischen den beiden Männern untersuchen. Zellinger fand einen Eintrag im Tagebuch des Mufti, der von den „besten Freunden der Araber“ spricht und unter dem der Name „Eichmann“ geschrieben stand. Aber das Gericht, hielt Klagsbrun fest, „ging nicht weiter als anzuerkennen, dass Eichmann den Mufti einmal getroffen hatte, ohne Beweise für eine enge Beziehung zwischen den beiden“.

Vor diesem Hintergrund hielt Amin al-Husseini am 4. März 1961 eine Pressekonferenz in Beirut. Der Mufti, enthüllen Noten der CIA, „bestritt kategorisch jegliche Verbindung zur Verfolgung von Juden in Deutschland im Zweiten Weltkrieg“. Er behauptete: „Alle Vorwürfe diesbezüglich sind haltlos und waren von zionistischer Feinschaft ihm und der palästinensischen Nationalbewegung gegenüber veranlasst.“

Der Mufti verteilte auch eine Erklärung als Antwort auf ein gerade veröffentlichtes Buch des amerikanischen Journalisten Quentin Reynolds über Eichmann, in dem behauptet wird, dass Husseini mehrere Kontakte zu dem SS-Offizier hatte und die Nazi-Todeslager besuchte. Husseini „sagte, er kenne Eichmann nicht und dass er keine wie auch immer geartete Verbindung zu ihm habe“. Darüber hinaus „hatten weder er noch irgendein anderer Araber in der Vergangenheit oder Gegenwart Pläne irgendeine Rasse auszulöschen, seien es Juden oder andere“. Husseini beendete die Pressekonferenz mit der Behauptung, dass das, „was die Juden in Israel getan haben dem gleicht, was die Nazis ihnen in Deutschland antaten“ – eine Verleumdung, die von Antisemiten heute immer noch wiederholt wird.

Husseinis Presskonferenz war vollgestopft mit Lügen.

Husseini war sich der Pläne Hitlers für das europäische Judentum sehr bewusst. Tatsächlich hoffte er sie im Nahen Osten zu kopieren.

In seinen Memoiren protokollierte der Mufti ein Treffen mit Hitler am 28. November 1941: „Unsere fundamentale Bedingung für die Kooperation mit Deutschland war freie Hand jeden Juden in Palästina und der arabischen Welt auszulöschen. Ich bat Hitler um seine ausdrückliche Zusage uns zu ermöglichen das jüdische Problem auf eine Weise zu lösen, die unseren nationalen und rassischen Bestrebungen und den wissenschaftlichen Methoden entspricht, die von Deutschland im Umgang mit seinen Juden einführt wurden.“

„Die Antwort, die ich bekam lautete: ‚Die Juden gehören Ihnen.‘“

Viele Fürsprecher, Journalisten und Akademiker verbrachten Jahrzehnte damit zu bestreiten dass Husseini Konzentrationslager besuchte, aber 2017 tauchten schlüssige fotografische Beweise auf, die Husseini zeigen, wie eine Tour durch das Lager Trebbin bei Berlin machte.

„Die Fotos“, schrieb der Historiker Wolfgang Schwanitz im Magazin Tablet, „boten unwiderlegbare Beweise“, dass Husseini „genaue Kenntnisse des Schicksal der Juden in Hitlers Deutschland besaß.“ Es ist auch möglich, dass der Mufti andere Lager besuchte, als er in Polen war.

Husseinis Behauptung zu Eichmann war eine vergleichbare Lüge.

Wie Schwanitz und der verstorbene Historiker Barry Rubin in „Nazis, Islamists and the Making of the Modern Middle East“ ausführten, nahm Eichmann Husseini am 4. Dezember 1941 „mit in den Kartenraum des Büros für jüdische Angelegenheiten des Reichssicherheitshauptamts, um zu erklären, wie Deutschland die Judenfrage lösen würde.“ Man sollte festhalten, dass das vor der Wannsee-Konferenz war, die das Schicksal des europäischen Judentums offiziell beschloss. Husseini „bat Eichmann sogar einen Experten – wahrscheinlich Dieter Wisliceny – nach Jerusalem zu schicken, um sein persönlicher Berater für den Aufbau von Todeslagern und Gaskammern zu sein, sobald Deutschland den Krieg gewonnen hatte und er an der Macht war.“

Tatsächlich hatte Husseine seine Kontaktsuche nach Deutschland begonnen kurz nachdem die Nazis an die Macht kamen. Und am 2. Oktober 1937 schickten die Nazis einen damals obskuren Vertreter nach Haifa, um Husseini zu treffen. Sein Name war Adolf Eichmann. Die Briten schöpften Verdacht und Eichmann wurde auf ein Schiff nach Ägypten gesteckt, aber er schaffte es trotzdem in Kairo Husseinis Repräsentanten und Helfer zu treffen.

Husseini kam Eichmann nach dem Zweiten Weltkrieg sogar zuhilfe. Schwanitz und Rubin halten fest: „Husseini schickte seinen Abgesandten Hussein Haurani im Oktober 1949, um Eichmanns Frau Veronica Geld zu geben, damit sie und ihre Kinder zu ihrem Ehemann nach Argentinien kamen.“

Diese Tatsache veranschaulicht die Tiefe der Hybris Husseinis: Nicht nur kannte er Eichmann, sondern er spielte auch eine Schlüsselrolle dabei einem Nazi-Kriegsverbrecher zu helfen.

Eichmann selbst wurde1962 in Israel hingerichtet. Hitlers Mufti hingegen sollte der Gerechtigkeit entkommen und starb 1974. Aber sein bösartiges Vermächtnis lebt weiter.

Eine fesselnde Reise: Das sich verändernde Land Israel im Lauf der Jahrhunderte

Sehen Sie, wie ein schottischer Künstler die Landschaft des Landes Israel in seinen Gemälden Mitte des 19. Jahrhunderts interpretierte. Sehen Sie, wie ein israelischer Künstler seinen Spuren nachgeht und ein Jahrhundert später seine Arbeiten nachbildet.

Chen Malul, the Librarians, 24. Januar 2019

Die weißen Klippen von Rosh Hanikra: Berger-Vilnay Litographie Nr. 55 und das begleitende Foto von Yelena Grof, 2016

Er hätte das in so frühem Alter nicht wissen können, aber Zvi Bergers erste Erinnerung sollte den Schlüssel zu seiner Zukunft und einen Hinweis enthalten, wer er als Erwachsener sein würde. Als Berger sich erinnerte – spazierte er mit einem Stück Kreide in der Hand durch die Viertel des Haifa der Mandatszeit und zeichnete, was immer seine neugierigen Augen einfingen.

Zwanzig Jahre nach dieser ersten Erinnerung finden wir das durch Haifa wandernde Kind in Jerusalem lebend wieder. Er ist bereits ein herausragender Student an der Bezalel Academy of Art and Design, inzwischen verheiratet und hat eine Tochter. Der Geograf und  Historiker Professor Ze’ev Vilnay schlägt ihm ein interessantes Projekt vor. Der Professor möchte, dass er der Reise eines schottischen Malers des 19. Jahrhunderts durch das Land Israel nachspürt und einige der wichtigen Meilensteine von dessen Reise in Lithografien nachbildet. Bergers Job wird darin bestehen die verschiedenen Orte zu zeichnen und Vilnay wird die Lithografien zusammensetzen und sie in den historischen Kontext stellen.

Zvi Berger zeichnet in Akko, Juli 1957. Aus der Sammlung seiner Tochter Adi Berger-Ram.
Der Künstler Zvi Berger auf einem Aussichtspunkt in Israel, Jahr unbekannt. Aus der Sammlung seiner Tochter Adi Berger-Ram.

Das Gelobte Land durch die Augen von David Roberts

124 vor Bergers und Vilnays Abmachung kam ein schottischer Reisender im Hafen von Alexandria in Ägypten an. Es war August 1838 und der junge Schotte hieße David Roberts. Roberts war in mit dem Malen von Landschaften aufgewachsen und  gut mit Ägyptens hervorragenden orientalistischen Gemälden vertraut. Das waren von europäischen Künstlern wie Dominique Vivant Denon geschaffene Arbeiten, der sich künstlerisch auf eine ähnliche Reise begab wie Napoleons Armee eine Generation zuvor.

Die Zeugnisse einer verlorenen Welt, verkörpert durch antike Tempel und Inschriften, scheinen Roberts stärker angezogen zu haben als die Kunststile, in denen er ausgebildet war. Bis Dezember hatte er hunderte Gemälde der verschiedenen Tempel geschaffen, die in und um Kairo verstreut lagen. Am 7. Februar 1839 brach er in einem Konvoi aus 21 Kamelen und 15 arabischen Leibwächtern ins Heilige Land auf. Am Ende einer eimonatigen Reise, zu der ein viertägiger Treck durch die Wüste Sinai gehörte, erreichte der Konvoi in Hebron.

Porträt von David Roberts

Roberts verbrachte wenig mehr als einen Monat im Heiligen Land, damals Teil des osmanischen Reichs, bevor er vom Hafen von Alexandria nach Europa segelte. Die kreative Energie, die ihn in Ägypten verzehrte, zeigte sich auch im Land Israel. Er war beeindruckt von der „fast englischen Sauberkeit“, die er in Hebron vorfand, der Schönheit von Gaza und dem Charakter seiner Einwohner. Aber es war Jerusalem, das von Anfang an die Vorstellungskraft des christlichen Malers gefangen nahm und er erwartete unruhige auf seine Ankunft in der uralten Stadt.

Auf der Straße nach Jerusalem schrieb er: „Ich habe dieses perfekte Vergnügen der Schönheit der Natur seit den Tagen meiner Kindheit nicht mehr gespürt… Die Berge Judäas rahmen die Landschaft ein und dahinter liegt die prachtvolle Stadt.“

Obwohl er seine Meinung über Jerusalem änderte, nachdem er dessen Tore betrat, stellte er die Stadt, ihre Landschaften und die von ihm besuchten verschiedenen Stellen in Dutzenden Zeichnungen und Gemälden dar. Roberts kehrte mit 272 Illustrationen, einem Panorama von Kairo und drei Heften voller Skizzen nach England zurück. In den zehn auf seine Reise folgenden Jahren stützte Roberts seine Arbeiten auf die Skizzen und Illustrationen, die er während seiner Zeit in Ägypten und dem Heiligen Land anfertigte.

Auf Roberts‘ Spuren

Zvi Berger und Ze’ev Vilnay versuchten Roberts‘ Reise durch das Land Israel anhand von dessen Werken nachzuvollziehen. Die Landkarte von Roberts‘ Reise, höchstwahrscheinlich 1855 geschaffen, half ein allgemeines Bild zusammenzustellen. Roberts‘ Reiseprotokoll (das seitdem in mehreren Auflagen veröffentlicht wurde) bot einen intimen Blick auf die Gefühle und Eindrücke des Künstlers im Heiligen Land. Vor allem nutzten Berger und Vilnay Roberts’s Originalillustrationen und Gemälde als Anhaltspunkte, gingen seinen Spuren mit Hilfe seiner Kunstwerke nach.

Eine Landkarte der Reise Roberts‘

Das Projekt von Berger und Vilnay begann 1962 und es dauerte 3 Jahre bis zu seiner Vollendung. „Horizonte Israels“, das Buch, das sie gemeinsam veröffentlichten, beinhaltete 56 Originallithografien von Landschaften des Staates Israel. Im Jahr seiner Veröffentlichung gewann ihre Sammlung eine Silbermedaille bei der Kunstbuch-Messe in Mailand.

Hier können Sie eine gescannte Version dieses wundervollen Buchs ansehen.

Das Paar begegnete einer Reihe moderner Hindernisse als sie Roberts‘ historische Reise nachvollzogen. Nassers Ägypten z.B. war nicht zugänglich. Diese Tatsache hatte jedoch keine Folgen für die zwei, die sich auf jeden Fall auf Roberts‘ Reise im Land Israel konzentrieren wollten. Die politische Realität Israels in den Jahren vor dem Sechstage-Krieg durchkreuzte jedoch Bergers und Vilnays Ersuchen auf Zugang zu vielen Bereichen, die Roberts besucht hatte, als da wären: Ostjerusalem, der Gazastreifen und die Westbank waren für Berger und Vilnay unzugänglich. Aus diesem Grund blieben viele der Örtlichkeiten der Gemälde von Roberts knapp außerhalb der Reichweite des Paars, darunter das Gemälde unten, das die Grabeskirche zeigt.

Roberts‘ Gemälde der Grabeskirche in der Altstadt Jerusalems

Abgesehen von diesen Hindernissen schaffte es das Team Berger-Vilnay eine ganze Reihe anderer Illustrationen nachzubilden. Einer der Aussichtspukte, die Roberts am meisten anzog, war der Hügel, den man heute als „Giv’at Yonah“ kennt. Gemäß örtlicher Folklore will dieser Hügel die Stelle sein, an der der Leviathan Jonah wieder an Land spuckte. Während der arabischen Eroberung des Landes Israel im siebten Jahrhundert n.Chr. wurde in dieser Gegend die Stadt Isdud gegründet.

Berger und Vilnay konnten Anfang der 1960-er Jahre die Stelle von Roberts‘ Illustration genau bestimmen. Bergers Zeichnung Nr. 15 in dem Album zeigt den Stolz des zionistischen Vorhabens zur damaligen Zeit. Das war der neue Hafen von Aschdod, mit einem Wellenbrecher, der 1963 eröffnet wurde. In Roberts‘ Gemälde sind im Vordergrund Hirten zu sehen. In Bergers Zeichnung wird der Künstler mit seiner Familie abgebildet. Seine dreijährige Tochter Adi (behalten Sie ihren Namen) wird weit rechts im Bild dargestellt.

Roberts‘ Gemälde der Stadt Isdud und die begleitende Zeichnung des Hafens von Aschdod von Berger-Vilnay; Lithografie Nr. 15

Ein weiterer interessanter Vergleich ist Bergers Nachstellung von Roberts‘ Aussichtspunkt auf dem Berg Tabor. In Roberts’ Gemälde scheint das Tal am Fuß des Berges ohne jegliche Wohnstätten zu sein (aber wir sehen eine Karawane an Menschen vorbeiziehen). In Bergers Zeichnung Nr. 39 können wir die Verklärungskirche auf dem Gipfel des Berges erkennen. Der Bau der Kirche durch den Architekten Antonio Barluzzi wurde 1924 vollendet. Am Fuß des Berges liegt eine Siedlung, die wir nur schwer identifizieren konnten. Am wahrscheinlichsten handelt es sich um die arabische Stadt Daburiya.

Der Berg Tabor. Roberts‘ Gemälde und die begleitende Zeichnung von Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 39

Die Zeichnung, die Berger „Ein Blick vom Carmel auf die Bucht von Haifa“ nannte, stellt den genauen Winkel von Roberts‘ Gemälde nach. Anders als beim vorherigen Beispiel sehen wir sehr wenige Abweichungen zwischen den Darstellungen der Bucht durch die beiden Künstler.

Der Berg Carmel. Roberts‘ Gemälde und die begleitende Zeichnung von Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 29v

Berger und Vilnay erlaubten sich von Roberts‘ ursprünglichen Aufbau abzuweichen, wenn sie das Gefühl hatten es verbessere die moderne Darstellung und das Nebeneinander von Altem und Neuem. In der ersten Lithografie, die in ihrem Album erscheint, schuf Berger ein Gemälde neu, das Roberts auf der Straße nach Jerusalem entwarf (das Gemälde trägt das Datum 5. April 1839). Während Roberts die Stadt Jerusalem darstellt, indem er deren emporragende Moscheen herausstellte, betont Vilnays kurze Beschreibung die Unterschied im Fokus des Paares. Bergers Zeichnung ist „Jerusalem – Hauptstadt Israels“ genannt worden und Vilnays kurze Beschreibung beinhaltet die Erklärung eines „alten“ Brauchs – eine Übung, bei der Juden auf einer Pilgerreise nach Jerusalem ihre Kleider zerreißen sobald die uralte Stadt in Sicht kam.

Roberts‘ Gemälde von Jerusalem und seiner Umgebung
Bergers Skizze, Jerusalem – Hauptstadt Israels, Lithografie Nr. 1

Eine ähnliche Abweichung tritt zutage, wenn man die zwei Darstellungen des Hafens von Jaffa vergleicht. Roberts kam am 25. März 1839 in der Stadt an. Er zeichnete sie von Norden und im Zentrum des Bildes sehen wir eine Gruppe polnischer Juden, die nach einer Reise nach Jerusalem nach Europa zurückkehren. Das Team Berger-Vilnay entschloss sich für seine Zeichnung (Nr. 12) eine ähnlich Perspektive, aber sie setzten den Beobachtungspunkt in eine größere Entfernung. Diese Tatsache kann der Botschaft zugeschrieben werden, die sie vermitteln wollten: die Einbeziehung von Jaffas jüngerer Schwesterstadt. Das Zentrum von Bergers Zeichnung ist die Promenade von Tel Aviv, der ersten hebräischen Stadt. „Im Hintergrund ragt das Profil von Jaffa aus dem Meer – eine der ältesten Städte der Welt“, schrieb Vilnay im Kommentar des Albums.

Roberts: Die Stadt Jaffa
Berger-Vilnay: Tel Aviv-Jaffa, Lithografie Nr. 12

Das Duo fügte zudem zwei weitere Bilder von Tel Aviv hinzu. Diese Bilder waren keine Neuschaffungen der Kunst von Roberts, sie nutzten auch keinen seiner Standpunkte als Bezugspunkt. Vilnay lieferte die Begründung in seinen Anmerkungen im Album: „Tel Aviv wurde 1909 gegründet“ – 70 Jahre nach Roberts‘ Ausreise aus dem Land Israel.

Berger-Vilnay: King George Street in Tel Aviv, Lithografie Nr. 13

Unterschiedliche Blickwinkel desselben Orts sind auch in den Darstellungen von Ein Gedi zu finden. Roberts beobachtete die Gegend von Ein Gedi aus der Warte des Toten Meers. Berger und Vilnays Version ist eine Feier der Wiedergründung von Ein Gedi als Gemeinde, die 1953 mit der Aufstellung  des (militärisch-landwirtschaftlichen) Außenpostens Nahal begann. Drei Jahre später war der Außenposten zum Kibbuz Ein Gedi geworden.

Roberts: Das Tote Meer
Berger-Vilnay: Ein Gedi, Lithografie Nr. 20

Obwohl Berger und Vilnay sich entschieden Roberts‘ Thema der antiken Ruinen von Aschkelon (1270 zerstört) und nicht die Neustadt (gegründet 1948) zu nehmen, beschloss das Paar ihre Darstellung von einem anderen Blickwinkel aus zu erstellen. Roberts malte die Altstadt mit Blick nach Süden, während Berger nach Norden blickte.

Roberts: Aschkelon
Berger-Vilnay: Die antike Stadt Aschkelon, Lithografie Nr. 16

Eine weitere bemerkenswerte Wahl des Teams Berger-Vilnay, die keinen Zwilling bei Roberts‘ Gemälden hat, war Nr. 55, der Darstellung von Abraham Melnikvs Statue des brüllenden Löwen. Die Statue gedenkt  Joseph Trumpeldors und seiner sieben Kameraden, die 1920 am Tel Hai fielen.

Berger-Vilnay: Der brüllende Löwe von Tel-Hai, Lithografie Nr. 55

Das Mädchen im Bild und das umgekippte Regal

Im Sommer 2014 kippte ein Regal im Haus von Adi Berger-Ram um. In Adis Buch über ihren Vater, Auf seinem eigenem Weg: Die Bilder und das Leben des Malers Zvi Berger (hebräisch), beschrieb sie den Vorfall als schicksalhafte Anomalie. Sie beschrieb die Zeichnungen, die fast drei Jahrzehnte, bis es umkippte, unberührt im Regal lagen als Aufschrei: „Wie wollen, dass die Welt uns sieht!“

Die von ihrem Vater Zvi Berger erzeugte gewaltige, kreative Energie brachte einen regelrechten Vorrat an Arbeiten an den Tag, die nie veröffentlicht wurden. Für Adi war es eine aufregende Reise in die Welt der Arbeit ihres Vaters. Sie war begeistert von der Kraft und Quantität der bis dahin unentdeckten Werke, die sie fand. In den vier Jahren nach dem Umkippen des Regals schaffte Adi Berger-Ram es, zwei volle Bücher auf Grundlage der Arbeit von Zvi zu veröffentlichen, sie sie beide zusammenstellte. Adi hat ihre Zeit der Erinnerung an die Arbeiten ihres Vaters gewidmet und ließ seine Leidenshaft in jede Publikation einfließen – seine Liebe zum Land und seinen Menschen. Im Geist dieser Stimmung organisierte sie Mehrgenerationen-Treffen zwischen Kindern und Erwachsenen und zwischen Neueinwanderern und erfahrenen Israelis.

Die Promenade von Tel Aviv-Jaffa: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 12 und die begleitende Fotografie von Yelena Grof. Die Promenade Tel Aviv-Jaffa 2017

Das erste dieser beiden Bücher, „Auf seinem Weg“, ist eine Kunstsammlung, die das Leben von Zvi Berger ausführlich beschreibt, auch mit Gemälden aus verschiedenen Perioden seines Lebens. Das Buch wurde 2016, am dritten Jahrestag des Todes des Künstlers veröffentlicht. Das zweite Buch, „Im Kreislauf der Monate“ (hebräisch) kam nur ein Jahr später heraus. Das Buch war eine Zusammenarbeit von Benjamin Bilavsky, einem erfahrenen Buchgestalter und Student der hebräischen Sprache, und seiner Lehrerin Adi Berger-Ram. Das Buch erzählt die Geschichte der hebräischen Monate. Es ist in einfachem Hebräisch aus Ich-Perspektive geschrieben. Es beinhaltet Original-Illustrationen von Zvi Berger, die seine Tochter inspirierten das Buch zu schreiben.

Die Exkursion von Berger und Vilnay im Kielwasser von Roberts‘ ursprünglicher Reise überzeugte Adi ihre eigene kleine Reise zu unternehmen. Sie suchte gewissenhaft die Punkte auf, von denen aus ihr Vater seine Zeichnungen erstellte und versuchte sie aus demselben Blickwinkel zu fotografieren. Das Ergebnis ist ein fesselnder Vergleich von „damals und heute“.

Von den zehn vom Team Adi Berger-Ram, Yelena Grof und Arthur Grof auf Film eingefangenen Punkten wurden drei auch von Roberts fast zwei Jahrhunderte zuvor gemalt. Die drei Orte sind Aschkelon, Aschdod und die Promenade von Jaffa/Tel Aviv.

Auf dem Foto von Aschkelon können wir den Stand sehen, der aus demselben Winkel eingefangen wird, den ihr Vater wählte (im Gegensatz zu Roberts‘ Wahl). „Die Altstadt“, wie Berger es nannte, hat sich seitdem entwickelt. Der Strand hat heute einen Rettungsschwimmer-Turm und eine Reihe Gebäude, die im Hintergrund gebaut wurden.

Aschkelon: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 16 und das begleitende Foto von Yelelna Grof, 2016

Auf einem von Yelena Grof aufgenommenen Foto können wir sehen, dass der Hafen von Aschdod sich weiter entwickelt hat, seit Zvi Berger 1963 seine Skizze anfertigte. Adi, die in der Skizze ihres Vaters rechts außen erscheint, hat einen Kurzauftritt als erwachsene Frau, die auf dem Foto rechts neben ihrem Ehemann steht.

Im Februar 2017 kletterte Adi, ausgerüstet mit der Originallithografie der Stadt Aschkelon, mit ihrem Mann und Freunden auf denselben Aussichtspunkt. Sie wurden getreulich von einer Kindheitserinnerung geleitet, erhalten von der Verewigung des Bildes in einer Lithografie.

Der Hafen von Aschdod: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 15 und das begleitende Foto von Yelena Grof, 2017

Wie sie inzwischen gemerkt haben werden, kann das Verstreichen einer relativ kurzen Zeitspanne (selbst in einem uralten Land) enorme Veränderungen hervorbringen. Ein Vergleich von einem aktuellen Foto von Be’er Sheva mit Bergers 50 Jahre alter Zeichnung illustriert dies wunderbar.

Be’er Sheva von Nordwesten: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 17 und das begleitende Foto von Yelena Gof, 2017

An anderen Orten scheint es so, als habe sich nicht viel verändert. Tel Hais Löwe brüllte immer noch und die dramatischen Klippen sind noch nicht ins Meer gestürzt.

Der Brüllende Löwe von Tel-Hai: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 55 und das begleitende Foto von Hadas Ram, 2016
Die weißen Klippen von Rosch Hanikra: Berger-Vilnay, Lithografie Nr. 55 und das begleitende Foto von Yelena Gof, 2016

Adis Fotografien erlauben uns, in Kombination mit Bergers Zeichnungen und (in einigen Fällen) Roberts‘ Gemälden, einen Blick auf jede Örtlichkeit in der Perspektive von zwei (und manchmal drei) verschiedenen Jahrhunderten zu werden.

Und zum Finale: Hier ist unsere Ergänzung der Sammlung, die Bergers Zeichnung der Nationalbibliothek begleitet:

Vielen Dank an Adi Berger-Ram für ihre Hilfe bei der Recherche und Zusammenstellung dieses Artikels.

Seit hundert Jahren lügen die Araber, dass Juden dabei sind die Al-Aqsa zerstören

Elder of Ziyon, 20. August 2021

The Guardian, 28. August 1924

In den 1920-er Jahren baute der berüchtigte antisemitische Mufti von Jerusalem – von den Briten ernannt – seine Machtbasis damit aufs, dass er in der arabischen Welt Geld für die Restaurierung der Al-Aqsa-Moschee und des Felsendoms Geld sammelte, die in 400 Jahren osmanisch-muslimischer Herrschaft verfallen waren.

Ein Teil seiner Verkaufsmasche lautete, die Juden hätten vor die Moschee zu zerstören, um einen dritten Tempel zu bauen. Er nahm Äußerungen von rabbinischen Leitern in Palästina über die messianische Ära und gab vor, Juden planten die Bauwerke auf dem Tempelberg abzureißen.

Das war eine machtvolle Botschaft, die die antisemitische arabische Welt begierig aufnahm. Es war die Lüge, die 1929 die Wurzel des tödlichen Massakers an Juden bildete.

Der Muslimische Kongress in Jerusalem 1931, angeführt vom Mufti, band diese Lügen geschickt mit „jüdischen Planungen“ zur Al-Aqsa an seinen Antisemitismus, als er alle jüdischen Reporter von der Berichterstattung über die Konferenz ausschloss.

1967 wurde die Lüge wieder aufgenommen, obwohl Israel die komplette Kontrolle über den Tempelberg hätte übernehmen können (und sollen).

Arabische politische Karikaturen puschen weiter die Lüge, dass Israel plant die Al-Aqsa und dne Felsendom abzureißen, obwohl es die Möglichkeit seit 54 Jahren gehabt hätte.

An jedem 21. August erreicht die Lüge einen fiebrigen Höhepunkt am Jahrestag des Anschlags eines geistesgestörten australischen Christen namens Denis Michael Rohan auf die Al-Aqsa.

Die palästinensisch-arabischen Medien lügen in der Regel rundheraus und sagen, Rohan sei Jude gewesen und dass diese Brandstiftung Teil eines zionistischen Komplotts zur Zerstörung der Al-Aqsa war.

Diese Lüge ist ein verlässliches Mittel die arabischen Leidenschaften zu entflammen, befeuert durch arabischen Antisemitismus. Sie ist besonders nützlich, wenn Palästinenserführer die Aufmerksamkeit von ihrem eigenen Versagen und den Problemen ihrer eigenen Leute ablenken wollen, indem sie ihren Judenhass als politisches Mittel einsetzen – genauso wie der Mufti es vor einem Jahrhundert machte.

Die Hamas will morgen Massenkundgebungen am Gaza-Zaun veranstalten, unter Nutzung dieses Jahrestages als Vorwand, um die Gazaner mit Hass anzuheizen. Die Jugendabteilung der Hamas hat eine Erklärung ausgegeben:

Die Feuer, die auf den Mauern und an den Seiten der gesegneten Al-Aqsa-Moschee seit 1969 entzündet wurden, sind noch nicht gelöscht worden. Der Geruch von schwarzem zionistischem Hass wabert immer noch umher und ihre Intrigen warten immer noch in der Al-Aqsa-Moschee, um die kriminellen Pläne gegen sie umzusetzen, angefangen mit der Absicht der Besatzung die Moschee in Zeit und Raum zu teilen, bis zur Idee sie abzureißen und an ihrer Stelle ihren angeblichen Tempel zu errichten.

Das entzündete Feuer war nicht, wie die Besatzung behauptet, eine Anomalie eines verrückten Menschen. Es handelt sich vielmehr um eine systematische Politik und eine feste Vision, die von der Besatzung seit dem ersten Tag an übernommen wurde, an dem sie ihre dreckigen Füße auf das reine Land  unseres Jerusalem setzte, deshalb richtete sie ihr Augenmerk auf das Projekt der Verjudung der Al-Aqsa-Moschee und Jerusalems.

Das Narrativ lautet, dass palästinensische „Standhaftigkeit“ das ist, was bisher die Juden von der Zerstörung des Gebäudes abhielt, also muss der Antisemitismus geschürt werden, um die Al-Aqsa gegen eine erfundene Bedrohung zu „verteidigen“.

Die gesamte Geschichte der Lüge ist mit Judenhass verbunden.

Palästinenser glauben, Britannien stahl ihnen Big Ben

Elder of Ziyon, 20. August 2021

Diese Story wurde früher dieses Jahr veröffentlicht, aber ich habe sie verpasst, aber sie ist zu gut um sie nicht zu teilen:

Vor weniger als zwei Jahren behauptete die offizielle Nachrichten-Internetseite der Fatah (die Partei von Präsident Mahmud Abbas) von der palästinensischen Autonomiebehörde, dass das, was man heute als Londons Big Ben kennt, ursprünglich ein Glockenturm war, der am Hebron-Tor (heute allgemein als Jaffa-Tor bekannt) in Jerusalems Altstadt stand.

Nach Angaben der Fatah-Internetseite wurde der Glockenturm 1909 vollendet, als Jerusalem noch unter osmanischer Herrschaft stand. Nachdem die Briten die Kontrolle über die Stadt übernahmen und ihr Mandat einrichteten, befahlen sie den Abbau des Glockenturms (was stimmt) und transportierten ihn ab, zuerst zu einem anderen Teil Jerusalems, dann später nach London (das stimmt nicht), wo er schließlich am Nordende des Palasts von Westminster gestellt wurde.

Big Ben wurde 1859 gebaut, fünfzig Jahre bevor der Glockenturm vom Jaffa-Tor gebaut wurde.

Daniel Greenfield gab eine detaillierte Beschreibung des osmanischen Glockenturms in Palästina, den zu lesen sich lohnt.

Die Behauptung findet sich überall in arabischen Medien. Hier setzte Schehab News sie nebeneinander, als ob das etwas beweisen würde:

Es gibt ein kleines Problem mit der Größe. Der gesamte Jaffa-Tor-Glockenturm war fast 13 Meter hoch, während Big Ben 96 Meter hoch ist. Allein das Ziffernblatt von Big Ben ist 7 Meter hoch, was bedeutet, dass es, wenn man es auf den Boden stellt, mehr als die Hälfte des gesamten Turms vom Jaffa-Tor hinauf reicht!

Und gebaut wurde der Mechanismus des Glockenturms vom Jaffa-Tor in … Deutschland. Er ist nach keinem Sinn des Wortes „palästinensisch“. Die Vorstellung, dass die Briten so beeindruckt von diesem kleinen Uhrenturm waren, dass sie ihn abbauten und nach England verschifften, ist in etwa so wahnhaft egozentrisch, wie es übler nicht geht.

(Anmerkung heplev: Big Ben ist nicht der Glockenturm, sondern die größter der darin befindlichen 5 Glocken.)