Judenfeindliche Corona-Verschwörungstheorien in historischem Kontext

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor; auf Englisch auf BESA Center veröffentlicht)

Die Verbrennung von Juden während der Epidemie des Schwarzen Todes 1349. Brüssel, Bibliothèque de Belgique – Bild via Wikimedia

Der Ausbruch des Coronavirus hat zu einer Vielzahl an Verschwörungstheorien geführt, die Juden und Israel mit mehreren seiner Aspekte in Verbindung bringen. Diese Theorien sollten als Fortsetzung ähnlicher antisemitischer Überzeugungen angesehen werden, die vor etwa 2000 Jahren begannen. Flavius Josephus, der jüdische Historiker in römischer Zeit, schreibt über eine der ersten bekannten jüdischen Verschwörungstheorien. Er sagt, dass gemäß dem Judenhasser Apion, einem Griechen, der in Ägypten lebte, die Juden einen Griechen entführten. Dann hielten sie ihn im Tempel in Jerusalem gefangen und mästeten ihn. Danach opferten sie ihn und aßen sein Fleisch.[1] Diese falsche Behauptung war der Wegbereiter des Ritualmordvorwurfs, einem der großen Stränge antisemitischer Verschwörungstheorien.

Gehen wir in die Gegenwart: Nathan Sharansky sagte vor kurzem: „Sie machen die Juden verantwortlich, beschuldigen uns des Versuchs die Wirtschaft zu zerstören, um Geld zu machen.“ Er fügte an, dass „aktuelle, bösartige, antisemitische Propaganda im Iran, der Türkei und verschiedenen anderen Ländern der gesamten Welt entsprang, die die Juden der Verbreitung des Coronavirus beschuldigen. Im Iran tragen die staatlich kontrollierten Medien ebenfalls zur Hetze bei; sie machen ‚Zionisten‘ für die Epidemie verantwortlich und warnen die Menschen keine Coronavirus-Schutzimpfung zu nutzen, wenn diese von israelischen Wissenschaftlern entwickelt wird.“[2]

Die ADL erwähnt die Behauptung weißer Rassisten, Juden seien verantwortlich für die Schaffung des Virus, um ihre Kontrolle über eine dezimierte Bevölkerung zu verstärken und/oder vom Virus zu profitieren. Die ADL sagt, dass ähnliche Botschaften sich auch auf eher dem Mainstream angehörenden Plattformen wie Twitter, YouTube, Instagram und Reddit verbreiten. Manche Verschwörungstheoretiker suggerieren, dass der Virus von den USA und Israel erzeugt wurde, um gegen politische Rivalen wie China und den Iran vorzugehen.[3]

Ein Gast im türkischen Staatsfernsehen sagte: „Juden, Zionisten, haben den neuartigen Coronavirus als biologische Waffe organisiert und entwickelt, genauso wie die Vogelgrippe, ‚um die Welt zu gestalten, Länder zu erobern und die Weltbevölkerung zu kastrieren?]“.[4] Trotzdem schießt der oberste iranische Führer, Ali Khamenei, eher gegen die USA als gegen Israel. Er deutete an, dass amerikanische Medikamente dazu genutzt werden den Virus weiter zu verbreiten. Khamenei unterstellt auch, der Virus sei speziell für den Iran aufgebaut worden, es würden genetische Daten von Iranern verwendet, die die Vereinigten Staaten auf andere Weise in die Hand bekommen hätten. Khamenei sagte zudem, die Vereinigten Staaten könnten Ärzte und Therapeuten in den Iran schicken wollen, wo sie sich persönlich die Auswirkungen des von ihnen produzierten Giftes ansehen können.[5]

Ein separater Fall sind palästinensische Propagandisten von Verschwörungstheorien. Die PA-Tageszeitung Al-Hayat al-Jadida brachte am 16. März eine Karikatur des Coronavirus in Form eines großen israelischen Panzers, der eine kleine Palästinenserin jagte, die ein kleines Kind im Arm hat. Die Tageszeitung Al-Quds in Ostjerusalem schrieb, dass der Coronavirus eine biologische Waffe ist, die die USA und Israel beschlossen gegen China und den Iran einzusetzen, nachdem sie es nicht schafften ihnen mit konventionellen Mitteln Schaden zuzufügen.[6]

Der Schweizer Kultführer Ivo Sasek ist ein Laienprediger und Gründer der „Organische Christus-Generation“ mit Sitz in der Schweiz. Er hat früher behauptet, jüdische Verschwörer bereiteten die Verminderung der Weltbevölkerung um 500 Millionen durch milliardenfachen Massenmord vor.[7] Heutzutage hat genau diese Gruppe ein antisemitisches Flugblatt geteilt, auf dem behauptet wird, der Coronavirus sei eine biologische Waffe, die von dem in Amerika lebenden jüdischen Holocaust-Überlebenden George Soros losgelassen wurde.[8] Der österreichische Rechtsextreme Martin Sellner, Mitglied der neofaschistischen „Identitären“ verbreitet die Idee, dass Soros‘ Open Society Foundation für die Corona-Krise verantwortlich ist.[9] Er hat im Internet tausende Anhänger. Die US-republikanische Kongresskandidatin Joanne Wright hat behauptet, der Virus hänge mit Bill Gates und Soros zusammen.[10]

Diese antisemitischen Verschwörungstheorien sollten in einem langen historischen Kontext betrachtet werden. Die Behauptung, dass Israel und die Juden mit der Verbreitung der Seuche zu tun haben, hängt mit einem zweiten wichtigen Strang an Verschwörungstheorien zusammen – der über die Ritualmord-Vorwürfe hinaus geht – und ebenfalls bis ins Mittelalter zurückreicht. Juden wurden historisch für verschiedene Plagen verantwortlich gemacht. Eine große solche war der Schwarze Tod im 14. Jahrhundert. Damals wurden Juden beschuldigt die Brunnen zu vergiften.

Dieses Gift- und Seuchen-Motiv wurde selbst von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas 2016 im Plenum des Europaparlaments neu verwendet. Dort sagte er, ein Rabbiner habe die israelische Regierung aufgefordert palästinensisches Trinkwasser zu vergiften. Abbas erhielt für seine Rede viel Applaus und stehende Ovationen einer großen Anzahl von Europaparlamentariern. Der damalige EU-Parlamentspräsident, der Deutsche Sozialist Martin Schulz, sagte, Abbas‘ Rede sei „inspirierend“ gewesen. Zwei Tage später musste Abbas zugeben, dass es keinen solchen Rabbiner gab.[11]

Palestinian Media Watch hat eine lange Liste zeitgenössischer palästinensischer Mutationen der uralten Gift-Verleumdung veröffentlicht. Dazu gehört die Verbreitung von AIDS durch Israel unter Palästinensern, insbesondere durch Frauen. Andere Mutationen desselben Motivs beinhalten die Bezahlung von Ärzten zur Verbreitung von Krankheiten unter Palästinensern. In Stalins Sowjetunion wurden jüdische Ärzte verhaftet und angeklagt, weil ihnen vorgeworfen wurde die Vergiftung Stalins und der Sowjetführung zu planen.[12]

Die Variante, dass Juden und Israel versuchen die Welt zu beherrschen, gehört in eine dritte große Kategorie der antisemitischen Verschwörungstheorien. Das Hauptdokument dazu, das die Juden der Verschwörung zur Kontrolle der Welt beschuldigt, Die Protokolle der Weisen von Zion, ist eine zaristische Fälschung, die in großer Zahl neu gedruckt worden ist.[13] Diese Publikation wird regelmäßig wieder aufgelegt, besonders in der muslimischen Welt. Manchmal geschieht das auch in der westlichen Welt. Eine Ausgabe tauchte vor ein paar Jahren in Norwegen auf.[14] Ausgaben des Textes tauchen immer wieder mal auf. Vor ein paar Wochen entfernte die britische Wohlfahrtsorganisation Oxfam zwei Ausgaben der Protokolle aus ihrem Online-Shop, nachdem Mark Regev, Israels Botschafter im Vereinten Königreich, in den sozialen Medien darauf aufmerksam gemacht hatte.[15]

Ein recht amüsanter Fall eine antisemitische Verschwörungstheorie umzukehren wurde von Malcolm Hoelein berichtet, dem Vizevorsitzenden der Conference of Presidents of Major American Jewish Organizations. Er erzählte, dass er bei der Beantwortung von Hörerfragen in einem afroamerikanischen Radiosender einmal zur Rolle gefragt wurde, die die Juden beim Beginn des Irak-Kriegs spielten. Hoenlein antwortete ausführlich, aber andere wiederholten die Frage immer wieder. Hoenlein meinte dann: „Wie ich sehe, ist Colin Powell Außenminister und Condoleezza Rice die Nationale Sicherheitsberaterin. Es scheint mir, dass es sich eher um eine schwarze Verschwörung handelt.“ Danach hörten die Fragen auf.[16]

Die bereits erwähnte wichtige Ritualmordlügen-Variante in der christlichen Welt geht auf die Stadt Norwich im Großbritannien des Jahres 1144 zurück. Im Verlauf der Jahrhunderte kehrte die Lüge an verschiedenen europäischen Orten wieder. Die italienische Stadt Trento im fünfzehnten Jahrhundert ist ein berüchtigtes Beispiel. Vor kurzem stellte der italienische Maler Giovanni Gasparro sein Gemälde mit dem Lügenmotiv „Der Märtyrertod des heiligen Simon von Trento bei der Ausführung eines jüdischen Ritualmords“ auf seine Facebookseite. The Algemeiner schrieb: „Die Arbeit zeigt einen Säugling, umgeben von einer Menge unheimlicher jüdischer Männer, von denen einige Schläfenlocken und religiöse Dinge tragen, die ihn strangulieren, aufschneiden und sein Blut ablassen.“[17]

Raphael Israeli hat ein Buch mit dem Titel Blood Libel and its Derivatives: The Scourge of Anti-Semitism[18] veröffentlicht. Er sagt: „Christen brachten die Ritualmordlüge in die islamische Welt ein. 1840 behaupteten der französische Konsul in Damaskus und einige Mönche fälschlich, ein christlicher Priester in der Stadt, Vater Thomas, sei von Juden ermordet worden, die sein Blut verwendeten. Die Ritualmordlüge wurde auch von den Nazis propagiert. Die antisemitische Zeitung Der Stürmer veröffentlichte 1934 eine Sonderausgabe. Auf der Titelseite befand sich die Zeichnung eines auf einem Tisch liegenden deutschen Jungen, umgeben von Juden mit langen Bärten und Schläfenlocken. Sei saugten mit langen Schläuchen das Blut aus seinem Körper.[19]

Israeli fügte an: „Die arabische Verwendung der Ritualmordlüge offenbart sich zum Teil durch die Wiederverwertung des Falls von Damaskus. Beispielsweise verlieh Mustafa Tlas, der von 1972 bis 2004 syrischer Verteidigungsminister war, dem Ritualmordvorwurf Glaubwürdigkeit, indem er in seiner Dissertation darüber schrieb, als sei sie eine historische Tatsache statt einer antisemitischen Fälschung.“ In seinem Buch führt Israeli Dutzende weiterer Beispiele arabischer Verwendung der Ritualmord-Lüge an.[20]

Eine postmoderne Version der Ritualmord-Lüge behauptet, dass Israel Palästinenser ermordet, um einige ihrer Organe wiederzuverwerten. Am 17. August 2009 veröffentlichte das Feuilleton der größten schwedischen Tageszeitung, die sozialdemokratischen Aftonbladet, einen Artikel von Donald Boström mit der Überschrift „Våra söner plundras på sina organ“ (Die Organe unserer Söhne werden geplündert). Boström erzählte, wie ein junger Palästinenser, der wegen Terrorismus gesucht wurde, kurz nach Beginn einer Spendenkampagne 1992 erschossen wurde; seine Leiche wurde ein paar Tage später seiner Familie zur Beerdigung zurückgegeben. Boström behauptete dann, es gebe Gerüchte, dass die IDF Palästinenser tötet und ihre Organe für Transplantationen erntet – in Zusammenarbeit mit israelischen medizinischen Einrichtungen. Der Artikel endete damit, dass es an der Zeit sei sich diese makaberen Aktivitäten anzusehen und drängt die Israelis die Vorwürfe zu untersuchen.[21]

Der Historiker Richard Landes sagt, heutzutage „sehen wir die Wiederbelebung von Verschwörungstheorien. Muslimische Gesellschaften fallen bei Anfertigung, Zirkulation und Glaube an sie am stärksten auf. Die am besten bekannte Verschwörungstheorie ist vermutlich, dass die Amerikaner selbst oder der Mossad die Terroranschläge vom 9/11 verübten und nicht die Jihadisten von Al-Qaida. Diese Überzeugung durchzieht Eliten in der gesamten muslimischen Welt.“

Landes führte weiter an: „Aus der muslimischen Welt kommende Verschwörungstheorien sind von einem anderen überraschenden Phänomen begleitet. In der Vergangenheit beschuldigten Verschwörer einen heimtückischen anderen – den Juden, die Aussätzigen, die Hexen, die Kommunisten. Heute finden wir Westler, die an Verschwörungstheorien glauben, die sich gegen den Westen richten – zum Beispiel die vom 9/11 – in denen manche Gläubige die paranoiden Beschuldigungen ihrer Feinde bestätigen. Der Sirenengesang der postmodernen Verschwörungstheorie lautet: „‚Wir‘ sind verantwortlich, ‚unser‘ Feind ist unschuldig.“[22]

Die Corona-Verschwörungstheorien beweisen, dass die Juden einmal mehr die ersten sind, die beschuldigt werden, aber nicht die letzten. Man kann sicher sein, dass der Coronavirus weit schneller absterben wird als antisemitische Verschwörungstheorien. Eine moderne Version des Ritualmord-Vorwurfs und heute die bei weitem die wichtigste antisemitische Überzeugung besteht darin, dass Dutzende Millionen Europäer glauben, Israel verhalte sich wie die Nazis oder alternativ, dass es vor hat die Palästinenser auszulöschen.

[1] www.aish.com/h/9av/j/48966346.html

[2] www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/277356

[3] www.adl.org/blog/extremists-use-coronavirus-to-advance-racist-conspiratorial-agendas

[4] http://www.timesofisrael.com/conspiracy-theory-that-jews-created-virus-spreads-on-social-media-adl-says/

[5] www.aljazeera.com/news/2020/03/iran-leader-refuses-cites-coronavirus-conspiracy-theory-200322145122752.html

[6] Palestinian Writers: Corona virus is a biological weapon employed by US, Israel against their enemies. MEMRI, 24. März 2020.

[7] https://stm.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/warnung-vor-antisemitischen-verschwoerungsmythen/

[8] www.weforum.org/agenda/2020/03/coronavirus-conspiracy-theories-false-information-coid19-health/

[9] www.bitchute.com/video/yiTwlJpPXK5O/

[10] https://thehill.com/policy/technology/485427-california-gop-candidate-tweets-coronavirus-conspiracy-theories

[11] www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/20819

[12] ebenda

[13] Hadassa Ben-Itto: The Lie That Wouldn’t Die: The Protocols of the Elders of Zion. Edgware, UK (Vallentine Mitchell) 2005.

[14] Erez Uriely: Jew-Hatred in Contemporary Norwegian Caricatures. Post-Holocaust and Anti-Semitism, 50, 1. November 2006.

[15] https://jewishnews.timesofisrael.com/oxfam-pulls-protocols-of-elders-of-zion-from-online-shop/?fbclid=IwAR3mGtm_CEorgdUCIOrAVFkKw5JbmYBsR4YAO-UpfdvR17N93oLVdt-Flwo

[16] Malcolm Hoenline, persönliches Gespräch.

[17] www.algemeiner.com/2020/03/27/protests-greet-repulsive-painting-by-italian-catholic-artist-depicting-antisemitic-blood-libel/

[18] „Ritualmord-Vorwürfe und ihre Abkömmlinge: Die Geißel Antisemitismus“; Raphael Israeli: Blood Libel and its Derivatives: The Scourge of Anti-Semitism. Transaction Publishers, 2012.

[19] www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/20230

[20] ebenda

[21] Donald Boström: Våra söner plundras på sina organ. Aftonbladet, 17. August 2009 (Schwedisch). S. auch: Mikael Tossavainen: The Aftonbladet Organ-Trafficking Accusations against Israel: A Case Study. Post-Holocaust and Anti-Semitism, 95, 1. März 2010.

[22] Manfred Gerstenfeld, Interview mit Richard Landes: Muslim Conspiracy Theories Affect Jews. In: Demonizing Israel and the Jews. New York (RVP Press) 2013,  S. 151.

Wie sah das Land Israel vor 1948 aus?

David Brummer, HonestReporting 27. Februar 2020

Blickt man auf die geografische und geopolitische Landschaft im 21. Jahrhundert, dann ist das Land Israel vor 1948 fast nicht zu erkennen.

Wenn wir das moderne Israel sehen – ein ultramodernes Land mit mehr als 9 Millionen Bürgern – dann ist es oft schwer in Begriffe zu fassen, wie das Land vor 1948 aussah. Blickt man auf die Skylines vieler der Städter Israels mit ihren schimmernden, funkelnden, vielstöckigen Bürogebäuden, Wohnhäusern – und zunehmend Wolkenkratzern (zumindest in Tel Aviv) – dann ist die Landschaft räumlich nicht mehr zu erkennen.

Die Veränderungen und Unterschiede enden hier aber nicht. Bevor David Ben Gurion, der erste Premierminister Israels, am 14. Mai 1948 Israels Unabhängigkeitserklärung verlas, lebten 600.000 Juden im Land. Gemäß Schätzungen lebten in Jerusalem – der neu erklärten Hauptstadt des entstehenden Staates – etwa ein Fünftel oder bis zu 120.000 Juden. Rund 2.000 Juden lebten– wie sie es Jahrhunderte lang legitim getan hatten – innerhalb der 500 Jahre alten Stadtmauern Jerusalems, sicherlich seit der Rückkehr aus dem Exil in Babylon im 6. Jahrhundert v.Chr.

Außerhalb von Jerusalem waren Juden weithin über das Mandat Palästina verstreut. Etwa die Hälfte der übrigen 480.000 im Land lebenden Juden – 244.000 Menschen – lebten im Raum Tel Aviv. Das erste jüdische Viertel – Never Tzedek – wurde erst 1887 gegründet, das Ergebnis einer Lotterie von anfänglich 60 Familien und eine Notwendigkeit in Jaffa Raum zu schaffen, einer damals mehrheitlich arabischen Stadt. Tel Aviv selbst wurde 1909 gegründet. Vor dem Bürgerkrieg zwischen den Juden und Araber Palästinas 1947/48 und dann dem internationalen Konflikt, der Israels Unabhängigkeitserklärung folgte, war das Land spärlich besiedelt.

Israel Zangwill, ein jüdisch-britischer Roman- und Theaterautor (und jemand, der stark in die Frauenrechtsbewegung involviert war) schrieb früh in seiner Karriere eine Artikelserie; darin beschrieb er Palästina als „Wildnis … eine Verwüstung … ein verlassenes Heim“ und ein Land das „zerstört war“.

Eine damals beliebte Sicht auf das Land lautete, Palästina sei ein „Land ohne Volk, das auf ein Volk ohne Land wartet“. Das ist nicht ganz richtig – da es offensichtlich Menschen gab, die Palästina bevölkerten, aber sie waren nicht so organisiert, dass der Eindruck eines funktionierenden Landes entstand. Es war ein verwaltungsmäßig rückständiger Landstrich des rasch zerfallenden osmanischen Reiches, das die Region 400 Jahre lang beherrschte und kaum etwas zu seiner Entwicklung tat.

Die Araber im Heiligen Land

Aber was ist mit der lokalen arabischen Bevölkerung?

Gegen Ende der osmanischen Herrschaft lebten mehrere tausend in Jerusalem; und was den Rest angeht – größtenteils waren sie weit verteilt – zumeist in Dörfern und Kleinstädten – über Judäa und Samaria sowie Galiläa verteilt. Während der osmanischen Zeit lebten die meisten als Pachtbauern in einem ziemlich feudalen System mit Landbesitzern, aber einige auch in Städten wie Gaza, Hebron, Haifa und anderen Orten.

Am Ende des 19. Jahrhunderts gab es erste Anzeichen arabischen Nationalismus, wobei wohlhabendere palästinensische Araber die türkische Obrigkeit drängten jüdischen Flüchtlingen und Pionieren die Siedlung im Land nicht zu erlauben.

Eine der heute am meisten irritierenden Fragen – oder Themen – ist die Vorstellung, dass irgendwie alle palästinensischen Araber ohne viel Federlesen  von ihrem Land vertrieben wurden – oder dass ihnen zumindest angemessene Entschädigung verweigert wurde. Das ist schlicht nicht so. Erst 1856 hatten die Osmanen ein Gesetz erlassen, das es Ausländern erlaubte Land im Reich zu kaufen; das geschah mit den tanzimat-Reformen, die ein verspäteter und irgendwie halbherziger Versuch waren Menschen zu erlauben sich als Teil des Staates zu fühlen, indem man ihnen Rechte gab.

1881 begannen die Osmanen Landverkauf an Juden und Christen zu verbieten; sie erklärten zudem, dass Juden noch erlaubt sei ins osmanische Reich einzuwandern – allerdings mit der Ausnahme Palästinas. Wie mit so vielen Funktionen türkischer Herrschaft wurden offizielle Erklärungen aus Konstantinopel verwässert, wenn sie in Palästina ankamen.

Der legale Weg zu jüdischem Landerwerb in Palästina blieb offen und der Jischuw machte das Beste aus der Gelegenheit. Araber waren bereit an wohlhabende Juden – wie Moses Montefiore oder Baron Edmond de Rothschild – zu oft überhöhten Preisen [Land] zu verkaufen. Der Jüdische Nationalfond war zudem in der Lage große Landstücke von den Osmanen zu kaufen und viel davon wurde durch ein dauerhaftes Erbe der Zweiten Aliyah (1904-1914) genutzt – die Kibbuz-Bewegung. Die Aufzeichnungen sind für diejenigen eindeutig, die bereit sind die Augen zu öffnen.

Palästinas Haupthafen war Jaffa, vor 1948 der wichtigste Einreiseort ins Land Israel. Ende der 1920-er Jahre entwickelten die Briten Haifa als Tiefseehafen im Versuch einen Vorteil aus dem Öl zu ziehen, das vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Persien gefunden wurde.

Es erscheint ironisch, dass die arabische Revolte von 1936 bis 1939 – ein gewalttätiger nationalistischer Aufstand der palästinensischen Araber, der zum Teil Protest gegen die zunehmende jüdische Einwanderung war – zur Entwicklung von Tel Aviv als neuem Hafen führte. Jaffa zu nutzen wurde als zu unsicher betrachtet; und ein Versuch systematische Veränderung im Land zu bewirken, schlug nicht zum ersten Mal massive auf die zurück, zu deren Gunsten er angeblich erfolgte. Palästinas Juden bauten derweil weiter die Infrastruktur eines potenziellen Staates auf, erwarben Land, investierten in Wassertechnologie, entwickelten die hebräische Sprache weiter und versuchten eine Zivilgesellschaft zu schaffen, die in der Zukunft nötig sein würde.

Die Zivilgesellschaft im jüdischen Teil des Mandats Palästina, als Jischuw bekannt, beinhaltete das Funktionieren von Quasi-Regierungsinstitutionen. Die Position des Jischuw war komplex – er hatte ständig mit veränderlichen Schicksalen zu ringen, die die Briten und deren Versuche, die palästinensischen Araber und Juden gegen einander auszuspielen, betrafen.

Ein entscheidender Moment kam im November 1917 mit der Balfour-Erklärung; eine hart gewonnene Anerkennung der langen historischen Verbindung der Juden  zum Land Israel durch eine imperiale Supermacht, die trotz ihrer (möglicherweise beabsichtigten) Zweideutigkeit dem jüdischen Volk eine Heimat zu garantieren schien. Andere imperiale Mächte diskutierten das Schicksal des Jischuw ebenfalls, besonders im April 1920 in der italienischen Stadt San Remo. Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan kamen zusammen, um die Teilung des Landes zu diskutieren, das früher vom osmanischen Reich gehalten worden war.

Die palästinensischen Araber waren wütend, dass die Juden als Ergebnis davon eine nationale Heimstatt in Palästina haben würden. Ihre Reaktion – wie es so oft der Fall war – und ein Muster, das sich mehr als ein Jahrhundert lang wiederholt hat – bestand darin mit Gewalt zu reagieren. Die Krawalle in Jaffa 1921 begannen eine koordiniertere Verteidigung zu begegnen, die in der Gründung der Haganah sichtbar wurde.

1922 erhielt der Jischuw einen weiteren Schlag, als Winston Churchill, der bis dahin als Freund er zionistischen Sache betrachtet wurde, beschloss die Landkarte des Nahen Ostens neu zu zeichnen. Er schnitt den Teil Palästinas ab, der östlich des Jordan lag und schuf das Land Transjordanien (später als Jordanien bekannt).

Der jüdische Staat, von dem der Jischuw glaubte, er würde ihn am Ende des Mandats bekommen, sollte jetzt 75% kleiner sein als man sie hatte glauben lassen. Er würde in den folgenden Jahrzehnten weiter schrumpfen, obwohl sie das damals noch nicht hätten wissen können. Doch trotz dieser massiven Rückschläge war das übergeordnete Ziel einen Staat zu erringen weiter zentrales Element der zionistischen Sache. Ben-Gurion und andere waren pragmatisch genug zu begreifen, was das bedeuten und was es kosten würde.

Die rapide Entwicklung Israels vor 1948

Das Land Israel vor 1948 war eine eigentümliche Mischung aus uralten, sich langsam bewegenden und traditionellen Lebensstilen und zudem eine Ort, der vor Pioniergeist explodierte. Während des frühen 20. Jahrhunderts, einer Periode, in der das erstarrte osmanische Reich immer noch dominierte, veränderten jüdische Zuwanderung und Landkäufe zunehmend einen vergessenen Ort. Jüdische Zuwanderer belebten rapide ein Land, das während 400 Jahren Herrschaft kaum Infrastruktur und Modernisierung erlebt hatte.

Die physische Landschaft veränderte sich durch die Fortschritte in der Wassertechnologie – die während der Periode des britischen Mandats weiter entwickelt wurde – insbesondere Bewässerung und die Fähigkeit selbst Brackwasser für die Landwirtschaft zu verwenden, zeigte, dass sogar in der Wüste menschliches Leben erhalten werden konnte.

Zusätzlich begannen kleine Städte in große zu wachsen und neue Viertel begannen aus bestehenden Ballungszenten heruaszuschwappen. In dieser Atmosphäre entwickelte sich die hebräische Sprache weiter, wurde in Büchern, Zeitungen, Radio und Theater verwendet – eine fortgesetzte Auferstehung von den Toten. Politische Organisationen waren ebenfalls entscheidend, da die Hebel des Staates – bevor es überhaupt einen Staat gab – auf täglicher Grundlage angewandt wurden. Sie schufen die Bausteine für den blühenden, modernen Staat Israel, den wir heute sehen.

Der Ursprung des Land für Frieden

Paul Schindman, HonestReporting, 25. März 2020

Land für Frieden ist das zentrale Mantra in der Jahrzehnte dauernden Suche nach der Lösung des Konflikts zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn gewesen.

Im Kontext des israelisch-arabischen Konflikts kam das Konzept erstmals 1947 in der diplomatischen Arena der Vereinten Nationen auf. UNO-Resolution 181, besser bekannt als der Teilungsplan, forderte die Zuteilung von Land für die friedliche Gründung zweier Länder – eines jüdischen und eines arabischen.

Die Resolution 181 wurde von den Juden akzeptiert, aber von den Arabern abgelehnt, die den Krieg erklärten, um die Gründung des jüdischen Staates zu verhindern. Obwohl die UNO damit scheiterte 181 in Kraft zu setzen, war diese erste diplomatische Lösung für den Konflikt die ursprüngliche Zweistaaten-Lösung, ein Konzept, das erst wieder in der Folge des Sechstage-Kriegs von 1967 in Mode kam.

Diplomatische Schlüsselsemantik

In den 1960-er Jahren tendierte die Welt dazu vom „arabisch-israelischen“ Konflikt in Begriffen des winzigen jüdischen Staates zu sprechen, der von seinen arabischen Nachbarn umgeben und zahlenmäßig gewaltig unterlegen war. Dieser Konflikt kulminierte 1967, als arabische Länder es nicht schafften ihr Ziel die Juden ins Meer zu treiben zu verwirklichen. Das Ergebnis des Sechstage-Kriegs war ein militärischer Sieg Israels und die Eroberung der Westbank von Jordanien, der Sinai-Halbinsel von Ägypten und der Golanhöhen von Syrien.

Sir Hugh Foot, alias Lord Caradon, der britische US-Botschafter, der die Resolution 242 schrieb

Nach dem Krieg gab es große diplomatische Anstrengungen, deren Ergebnis was die Schaffung eines neuen Standards war, als die UNO einstimmig die Resolution 242 des Sicherheitsrats beschloss. Ihre Formulierung wurde sorgfältig gestaltet, um die Resolution für alle Seiten annehmbar zu machen und beinhaltete den Schlüsselsatz: „Abzug israelischer bewaffneter Kräfte aus Gebieten, die es im jüngsten Konflikt besetzte.“

Das kurze, aber sehr bedeutende Dokument wurde zum Grundstein zukünftiger Verhandlungen. Diejenigen, die mit den semantischen Nuancen der Resolution 242 nicht vertraut sind, ändern die Formulierung in „die Gebiete“ und kommen fälschlich zu dem Schluss, dass das alle Gebiete bedeutet. Der Autor der Resolution, der britische Diplomat Sir Hugh Foote, auch bekannt als Lord Caradon, betonte jedoch ausdrücklich, dass die Mitglieder des Sicherheitsrats Resolution 242 in genauer Kenntnis der gezielten Formulierung einstimmig verabschiedeten.

Es wäre falsch gewesen zu fordern, dass Israel auf seine Positionen vor dem 4. Juni 1967 zurückkehrte, weil diese Positionen nicht wünschenswert und künstlich waren“, sagte Caradon.

Land für Frieden in der Praxis

Seit 1967 hat es mehrere israelische Rückzüge von Land gegeben, das von seinem Militär besetzt war; die bemerkenswertesten waren:

  1. Der Friedensvertrag mit Ägypten (1979): Nach dem historischen ersten Friedensvertrag mit einem arabischen Nachbarn beseitigte Israel über drei Jahre hinweg seine 18 Siedlungen und drei IDF-Basen in einem stufenweisen Abzug aus der strategisch wichtigen Sinai-Halbinsel, die im Krieg von 1967 erobert worden war. Die zwei Länder haben seitdem in Frieden gelebt, was sogar bis zu militärischer Kooperation im Kampf gegen islamischen Terrorismus im Sinai ging.
  2. Friedensvertrag mit Jordanien (1994): Die zwei Seiten lösten einige unwichtige Grenzprobleme und Jordanien entband sich selbst von jeglichen Souveränitätsansprüchen an der Westbank. Israel pachtete einige Bereiche im Jordantal, aber die beiden lösten alle Ansprüche auf Land. Das endete Ende 2019, als Amman es ablehnte, die Pacht zu verlängern.

Die Verträge mit Ägypten wie auch Jordanien erwähnen ausdrücklich, dass Resolution 242 die Grundlage des Friedens ist.

Ägpytens Präsident Anwar Sadat, US-Präsident Jimmy Carter und der israelische Premierminister Menachem Begin feiern nach er Unterzeichnung des israelisch-ägyptischen Friedensvertrags 1979.

Einseitiger Abzug führt nicht zu Frieden

Friedensaktivisten und Diplomaten haben wiederholt das Argument angeführt, Frieden zwischen Israel und den Palästinenser könnte erreicht werden, „wenn nur Israel einfach die besetzten Gebiete verlässt“.

Ähnliche Argumente wurden Ende des 20. Jahrhunderts mit Aufforderungen an Israel erhoben sich aus dem Libanon zurückzuziehen, in der „Hoffnung“, dass das Ergebnis darin bestehen würde „bei der Verhandlung von Friedensverträgen voran zu kommen“.

Zwei schlichte Beispiele beweisen den Trugschluss des Arguments:

Bewaffnete Kräfte der IDF kehren 1985 nach Israel zurück. (Foto: Nati Harnik über das GPO)

1. Rückzug aus dem Südlibanon (2000): Als die zweite Intifada tobte, befahl Premierminister Ehud Barak den Rückzug der IDF aus dem Libanon. Israels Krieg im Libanon begann 1982 in Reaktion auf Terroranschläge von libanesischem Territorium aus und ein Versagen von Recht und Ordnung, als der Bürgerkrieg im Libanon tobte.

Statt des Ziels der UNO, dass die Regierung im Libanon „ihre Streitkräfte im gesamten Südlibanon stationiert“ wurde das Land von der vom Iran bewaffneten und finanzierten Terrororganisation Hisbollah übernommen. Die Hisbollah lehnte es in der Folge ab die zahnlose Resolution 1701 des UNO-Sicherheitsrats umzusetzen, die ihre Entwaffnung und Übernahme in die libanesische Armee forderte.

Gestärkt von Israels Abzug sollte die Hisbollah Jahre später eine Schlüsselrolle dabei spielen, dem syrischen Diktator Bashar Assad zu helfen den Bürgerkrieg brutal niederzuschlagen, der damit begann, dass unbewaffnete syrische Zivilisten demonstrierten, um mehr Menschenrechte zu fordern.

„Der einseitige Abzug aus dem Libanon gab dem Image Israels tatsächlich einen Schub in der internationalen Arena, schadete aber Israels Image in der Region stark“, schrieb Schmuel Even vom Institute for National Security Studies (INSS) in Tel Aviv. Ohne Verhandlungen zwischen beiden Seiten, sagt Even, wurde erwartet, dass „der Rückzug eine neue politische Realität schaffen würde, die den Friedensprozess vorantreibt“. Die neu geschaffene Realität jedoch „stärkte die Gegner des Friedens in der Region“.

2. Der Abzug aus dem Gazastreifen (2005): Unter der Regierung von Premierminister Ariel Sharon, bekannt als entschiedener Rechter und der „Bulldozer“, der den Siedlungsbau vorantrieb, zog Israel eigenmächtig seine Siedlungen und Armeebasen aus dem Gazastreifen ab und übergab der palästinensischen Autonomiebehörde die volle Kontrolle. Sharon erklärte: „Es gibt keinen palästinensischen Partner, mit dem man friedlich einer Regelung näher kommen kann“ und daher muss Israel einseitig handeln, um den Konflikt mit den Palästinensern anzugehen.

Innerhalb von zwei Jahren vollführte die Terrororganisation Hamas einen Militärputsch und übernahm die Macht. Die Hamas bleibt ihrem Ziel verpflichtet militärische Gewalt anzuwenden, um Israel durch einen islamisch-palästinensischen Staat zu ersetzen. Der Gazastreifen steht wegen der Bedrohung durch Waffenschmuggel unter Blockade.

Israels Rückzug aus dem Land im Gazastreifen hatte das Gegenteil von Frieden zur Folge: Es hat mehrere von der Hamas initiierte Kriege gegeben. Die Hamas machte sich nicht nur das Konzept des „Land für Frieden“ nicht zu eigen, die Militärdiktatur, die den Gazastreifen mit eiserner Faust führt, lehnt den Friedensprozess entschieden ab und wird vom Iran gestützt, der wiederholt die „totale Auslöschung“ Israels fordert.

Auf der Klos C gefundene Waffen in Eilat am 10. Mai 2014 ausgestellt.

Die israelischen Abzüge aus dem Libanon und dem Gazastreifen beweisen den Denkfehler, ein einfacher Abzug Israels würde die „Hoffnung“ von Diplomaten erfüllen und zum Frieden führen. Bislang erfordert erfolgreiches Land für Frieden staatliche Akteure, ohne Anzeichen dafür, dass nichtstaatliche Akteure die Möglichkeit haben das Konzept zu erfüllen.

Land für Frieden und die Zweistaatenlösung

Es ist wichtig festzuhalten, dass „Land für Frieden“ 1967 Frieden mit Jordanien, Ägypten und Syrien bedeutete, aber nicht mit einem unabhängigen Palästinenserstaat. Damals war die Palästinensische Befreiungsorganisation kein staatlicher Akteur; sie rief zur Vernichtung Israels auf sowie es durch einen Palästinenserstaat zu ersetzen. Die Resolution 242 forderte lediglich eine „gerechte Regelung des Flüchtlingsproblems“. Es gab nichts von einer Zweistaatenlösung, von der erst wieder geredet wurde, als Geheimgespräche zu den Oslo-Vereinbarungen führten.

Die Realität des 21. Jahrhunderts sieht so aus, dass der arabisch-israelische Konflikt verblasst. Das Konzept Land für Frieden war ein integraler Teil des Friedens, den Israel mit seinen zwei vormals kriegslüsternen Nachbarn hat. Die dritte Schlüsselpartei, Syrien, verbleibt in einem Zustand des Chaos und der Instabilität, verzehrt von seinen internen Problemen – Frieden mit Israel steht nicht auf der Tagesordnung. 1981 beschloss Israel in Anerkennung der Ablehnung vor Frieden durch Syriens Diktator Hafez Assad ein Gesetz, dass auf den Golanhöhen israelisches Recht angewendet werden soll. Das ist noch keine Annexion, aber für Land für Frieden mit Syrien war die Tür durch die Kombination aus dem Zusammenbruch Syriens und der Anerkennung israelischer Souveränität durch die Vereinigten Staaten dort zugeschlagen.

Andere arabische Länder einschließlich Marokko und vieler Golfstaaten haben informelle Verbindungen zu Israel. Sei drängen offen auf Kooperation, womit sie selbst anerkennen, dass Land für Frieden angesichts der gegenwärtigen Situation mit den Palästinensern nicht funktionieren wird. Die meisten arabischen Länder haben ihre antiisraelische Rhetorik erheblich zurückgeschraubt und legen nur Lippenbekenntnisse zur Standardaufforderung nach „israelischem Rückzug aus besetzten Gebieten“ ab.

Während ehemalige Feinde sich Israel annähern verwandelt sich der Konflikt von einem regionalen in einen, der regelmäßiger der israelisch-palästinensische genannt wird. Ein größeres Hindernis für Frieden ist nicht Israels Bockigkeit gegenüber Land für Frieden, sondern die eingegrabene Trennung zwischen der von der Fatah kontrollierten palästinensischen Autonomiebehörde in der Westbank und dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen. Geteilte palästinensische Herrschaft macht Fortschritte bei Friedensbemühungen unmöglich.

„Die Ereignisse der letzten Jahre haben die Bedeutung territorialen Abzugs als einen eine Vereinbarung voranbringenden Schritt erodiert“, schrieb Zaki Shalom vom INSS. „Die Formel ‚Land für Frieden‘, seit den Oslo-Vereinbarungen im Staat Israel ein Mantra, verlor bei vielen seine Wirkung und Praktikabilität…“

Schlussfolgerung

Angesichts der komplexen Natur des Konflikts kann der Friedensprozess nicht auf ein simples Mantra „Land für Frieden“ heruntergeschraubt werden.

Das Konzept gilt, wenn zwei Seiten in gutem Glauben verhandeln, wie es mit Ägypten und Jordanien der Fall war. Aber Friedensbemühungen benötigen auch einen Verhandlungspartner, der sowohl in der Westbank als auch dem Gazastreifen Schritte zum Frieden machen und umsetzen kann.

Die Krise der gespaltenen palästinensischen Führung besteht seit 2007. Solange diese Sackgasse bestehen bleibt, wird Land für Frieden allerdings ein Rohrkrepierer sein.

UNO-Resolution 194 und das „Rückkehrrecht“

Araberführer zeigen fälschlich auf die UNO-Resolution 194 als Beweis, dass arabische Flüchtlinge ein Rückkehrrecht haben, aber was ist mit den vergessenen jüdischen Flüchtlingen?

Elie E. Herz, Myths and Facts

Jüdische Flüchtlinge aus arabischen Ländern, 1950
Palästinensisch-arabische Flüchtlinge , 1950

Resolution 194, von der UNO-Vollversammlung am 11. Dezember 1948 beschlossen, beschäftigte sich mit einer ganzen Reihe von Dingen, aber nur einer von 15 Absätzen beschäftigte sich mit den vom Konflikt geschaffenen Flüchtlingen. Resolution 194 versuchte die Mittel zu schaffen, die nötig waren, um in der Region eine Waffenruhe zu erreichen. Sie schaffte eine Schlichtungskommission mit Repräsentanten aus den Vereinigten Staaten, Frankreich und der Türkei, die den UNO-Vermittler ersetzen sollte. Die Kommission erhielt den Auftrag „eine endgültige Regelung aller Fragen zwischen … betroffenen Regierungen und Obrigkeiten“ zu erzielen. Der „Flüchtlingsabschnitt“ ist kein allein stehender Punkt, wie die arabische Welt uns glauben machen will, sie gilt auch nicht spezifisch für die palästinensisch-arabischen Flüchtlinge.

Von den 15 Absätzen behandeln die ersten sechs Abschnitte Möglichkeiten eine Waffenruhe zu erreichen; die nächsten vier Absätze behandeln die Möglichkeit, dass Jerusalem und die es umgebenden Dörfer und Städte entmilitarisiert werden sollten und wie eine internationale Zone oder Zuständigkeit in und um Jerusalem herum geschaffen werden könnte. Die Resolution ruft zudem alle Seiten auf, den freien Zugang zu heiligen Stätten, einschließlich religiöser Gebäude, zu schützen zu gestatten.

Ein Absatz hat die meiste Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Paragraf 11, der als einziger die Flüchtlingsfrage und Kompensation für diejenigen anspricht, deren Eigentum verloren ging oder beschädigt wurde. Entgegen arabischen Behauptungen garantierte er kein Rückkehrrecht und er garantierte schon gar kein bedingungsloses Recht auf Rückkehr – also das Recht palästinensisch-arabischer Flüchtlinge nach Israel zurückzukehren. Genauso wenig erwähnte sie ausdrücklich arabische Flüchtlinge, womit signalisiert wurde, dass die Resolution alle Flüchtlinge meinte, sowohl jüdische wie auch arabische. Stattdessen empfahl Resolution 194, dass Flüchtlingen erlaubt wird in ihr Heimatland zurückzukehren, wenn sie zwei wichtige Bedingungen erfüllten:

1. dass sie bereit sind in Frieden mit ihren Nachbarn zu leben.

2. Dass die Rückkehr „zum frühest praktizierbaren Datum“ stattfindet.

Die Resolution empfahl zudem, dass denjenigen, die nicht zurückkehren wollten, von den „verantwortlichen Regierungen oder Obrigkeiten Entschädigung für ihr Eigentum … oder den Verlust oder Schaden an Eigentum“ gezahlt werden sollte.

Obwohl Araberführer auf Resolution 194 als Beweis zeigen, dass arabische Flüchtlinge ein Recht auf Rückkehr oder Entschädigung haben, ist es wichtig festzustellen, dass die arabischen Staaten Ägypten, Irak, Libanon, Saudi-Arabien, Syrien und Jemen gegen Resolution 194 stimmten. Israel wird in der Resolution nicht einmal erwähnt. Auch die Tatsache, dass die Wortwahl im Plural verwendet wird – „Regierungen und Obrigkeiten“ – legt nahe, dass entgegen arabischen Behauptungen die Last der Entschädigung nicht allein einer Seite des Konflikts zufällt. Weil sieben arabische Armeen nach Israel eindrangen, war Israel nicht für die Schaffung des Flüchtlingsproblems verantwortlich. Als hunderttausende arabischer Juden mit Morddrohungen und anderen Formen der Verfolgung angegriffen und zur Flucht aus arabischen Staaten gezwungen wurden, nahm der Staat Israel die überwältigende Mehrzahl von ihnen in der damals frisch gegründeten Nation auf.

Die vergessenen jüdischen Flüchtlinge

Aus einer Menge von – praktischen bis konfessionellen – Gründen hat Israel es versäumt das Thema der Mammut-Ungerechtigkeit aufzubringen, die fast einer Million Juden aus arabischen Ländern angetan wurde. Das Ausmaß und die vorsätzliche, staatlich geförderte Verfolgung, die 1948 die Flucht von fast 900.000 Juden aus ihren Heimen veranlasste, hat erst vor kurzem begonnen aufzukommen. Arabische Publizisten haben versucht die Flucht von Juden aus arabischen Ländern komplett vom arabisch-israelischen Konflikt abzutrennen; sie behaupten, das seien zwei separate Phänomene und dass die Israelis das Thema mit jedem einzelnen betroffenen arabischen Staat besprechen sollten, nicht mit den palästinensischen Arabern.

Das ist eindeutig ein Versuch die Geschichte umzuschreiben. Man muss nur den fast prophetischen Artikel in der New York Times zwei Tage nach Israels Erklärung seiner Unabhängigkeit überprüfen („Jews in Grave Danger in all Moslem Lands“ – Juden in allen muslimischen Ländern in großer Gefahr), um die Verbindung zu bestätigen. Die New York Times berichtete am 16. Mai 1948:

Seit fast vier Monaten liegt den Vereinten Nationen einen Appell zur „sofortigen und dringenden“ Erörterung des Falls der jüdischen Bevölkerungen in arabischen und muslimischen Ländern von Marokko bis Indien vor.“

Die New York Times schätzte die gefährdete jüdische Bevölkerung in einer Tabelle mit jedem einzeln aufgeführten Land auf 899.000 Menschen. Der Artikel führte die Entlassung von Juden aus dem öffentlichen Dienst in Syrien an, die Lösegeldzahlungen von $20.000 pro Kopf durch irakische Juden, die den Irak verlassen wollten, eine Zwangsabgabe für die libanesisch-jüdischen Gemeinden zur Unterstützung der arabischen Kriegsanstrengungen parallel zur Aufstachelung und physischen Angriffen auf Juden und dass Juden aus Afghanistan nach Indien flohen. Sie zitierte den Bericht des Wirtschafts- und Sozialrats der UNO:

„Das schiere Überleben der jüdischen Gemeinden in bestimmten arabischen und muslimischen Ländern ist in ernster Gefahr, wenn nicht ohne Verzögerung vorbeugende Maßnahmen getroffen werden.“

Feindschaft und Unterdrückung wurde nur stärker, was am Ende zum Exodus fast aller Juden aus allen arabischen und muslimischen Ländern von Casablanca bis Karachi führte.

Wie und warum gingen palästinensische Araber weg und wer war dafür verantwortlich?

Es ist wichtig die historische Aufzeichnung gerade zu rücken: Die überwältigende Mehrheit der palästinensisch-arabischen Flüchtlinge verließ, was der damals neu gegründete Staat Israel war, aus eigenem Antrieb wegen der strukturellen Schwäche innerhalb der palästinensisch-arabischen Gesellschaft und ihrer Führung.

Der Druck der Umstände der Kriegszeit löste den Kollaps dessen aus, was bereits eine zerbrechliche palästinensisch-arabische Gesellschaft war, insbesondere als palästinensisch-arabische Führer sich entschieden gegen den jüdischen Staat zu opponieren, indem sie offen mit Waffen hantierten, statt einen UNO-Plan für einen eigenen Staat zu akzeptieren. Diese Ereignisse bereiteten die Bühne für die Zwangsvertreibung zahlloser anderer palästinensischer Araber aus von den Juden gehaltenen Gebieten. Diese militärische Notwendigkeit ergab sich nach der Invasion Westpalästinas durch sieben arabische Armeen mit der Zielsetzung den neu geborenen Staat Israel auszulöschen.

Nach eigenen Angaben flohen geschätzte 600.000 palästinensische Araber aus dem Kriegsgebiet, das ihre Führer geschaffen hatten. Geschätzte 250.000 bis 300.000 dieser Flüchtlinge von 1948 verließen ihre Heime, noch bevor diese Teil der Kampfzone wurden.

Abgesehen von der menschlichen Tragödie entwurzelt zu werden, waren die arabischen Flüchtlinge weder glücklose Ziele noch unschuldige Zuschauer. Die erste Phase des Kriegs von 1948 war ein heftiger interethnischer oder antizionistischer Bürgerkrieg, in dem palästinensische Araber die Aggressoren und Initiatoren waren; die zweite Hälfte war ein offener Krieg mit regulären arabischen Armeen, deren Teilnahme die palästinensischen Araber arrangiert hatten.

Der Weg der Gewalt, den die palästinensischen Araber wählten – und die sich anschließende Angst, Orientierungsverlust und wirtschaftliche Mangel durch Krieg – führen zu ihrem eigenen kollektiven Ruin.

Der Zusammenbruch der palästinensischen Gesellschaft und Massenflucht

Was verursachte den Zusammenbruch der palästinensisch-arabischen Gesellschaft? Zum Teil war es das Fehlen einer alternativen arabischen Infrastruktur, nachdem die Briten aus Palästina abzogen. Zusätzlich gab es in der lokalen arabischen Gesellschaft ernste Brüche, die in osmanische Zeiten zurückreichten. Weil die palästinensisch-arabische Gesellschaft abhängig von der britischen Zivilverwaltung und Sozialdiensten gewesen war, hinterließ der Abgang der Briten die arabischen Verwaltungsangestellten arbeitslos zurück. Im Ergebnis hörten die meisten sozialen Dienste und Verwaltungen im arabischen Sektor auf zu funktionieren, was den Fluss notwendiger Massengüter wie Lebensmittel und Treibstoff unterbrach und zu den Nöten, der Ungewissheit und den Gefahren noch hinzu kam.

Im Gegensatz dazu hatte die jüdische Gesellschaft in Palästina oder der „Jischuw“, wie er auf Hebärisch genannt wurde, im Verlauf dreier Jahrzehnte unter dem Mandat seine eigene Zivilgesellschaft aufgebaut. Der Jischuw schuf seine eigenen Repräsentationsgremien und sozialen wie wirtschaftlichen Institutionen, einschließlich Gesundheits- und Sozialdiensten, ein öffentliches Transportnetzwerk sowie ein florierendes, hochentwickeltes Marketingsystem für gefertigte Waren und Lebensmittel – kurz gesagt einen Staat in Entstehung. Er wurde 1934 vom britischen Bericht an den Völkerbund am besten geschrieben:

„Während der letzten zwei oder drei Generationen haben die Juden in Palästina eine Gemeinschaft neu aufgebaut, die inzwischen 80.000 zählt, von denen etwa ein Viertel Bauern und Landarbeiter sind. Diese Gemeinschaft hat ihre eigenen politischen Organe, eine gewählte Versammlung für die Leitung ihrer internen Angelegenheiten, gewählte Räte in den Städten und eine Organisation zur Kontrolle ihrer Schulen. Sie hat ihr gewähltes Oberrabbinat und rabbinische Räte zur Führung ihrer religiösen Angelegenheiten. Ihre Aufgaben werden in Hebräisch als Volkssprache ausgeübt und eine hebräische Presse bedient ihre Bedürfnisse. Sie hat ihr eigenes intellektuelles Leben und zeigt beträchtliche wirtschaftliche Aktivitäten. Diese Gemeinschaft mit ihrer Stadt- und Landbevölkerung, ihren politischen, religiösen und sozialen Organisationen, ihrer eigenen Sprache, ihren eigenen Bräuchen, hat folglich ihr eigenes Leben, hat in der Tat ‚nationale‘ Charakteristika.“

Und während die Zeit verging:

„Diese Charakteristika sind im Verlauf der folgenden zwölf Jahr verstärkt und vergrößert worden. Heute gibt es in Palästina fast 300.000 Juden. Es ist ein ständiger Fluss an Menschen und Geld, neue Industrien werden gegründet, die Zitrusfrüchte-Kultur expandiert, neue Siedlungen entstehen, Städte werden durch Vorort um Vorort vergrößert.“

Während desselben Zeitraums hatten die Araber in Palästina jedoch all ihre Energie in die Bekämpfung jeglicher Form eines entstehenden jüdischen Gemeinwesens investiert. Obwohl die Briten die Gründung einer arabischen Agentur parallel zur Jewish Agency anregten, die die Entwicklung des jüdischen Sektors organisierte und finanzierte, misslang die Entwicklung einer ähnlichen arabischen Organisation.

Es war daher keine Überraschung, dass beim Abzug der Briten die palästinensischen Araber unorganisiert und schlecht vorbereitet blieben, nicht nur für die Eigenstaatlichkeit (die sie ohnehin ablehnten), sondern auch für einen langgezogenen Konflikt mit ihren jüdischen Gegnern. Am Ende verursachte der Krieg erschreckende Opfer bei den Juden und ließen tausende palästinensischer Araber obdachlos zurück.

UNO-Resolution 194:

A/RES/194 (III) vom 11. Dezember 1948 (englisch; deutsch)

„beschließt, dass den Flüchtlingen, die in ihre Heime zurückzukehren wünschen und in Frieden mit ihren Nachbarn zu leben, dies zum frühestmöglichen Zeitpunkt erlaubt wird und dass Ausgleichszahlungen für das Eigentum derer gezahlt werden sollte, die nicht in zurückkehren und für Verlust oder Schaden von Eigentum, das unter den Regeln des internationalen Rechts oder der Gleichbehandlung, von den verantwortlichen Regierungen wieder gut gemacht werden sollten;^

weist die Schlichtungskommission an, die Rückführung, Wiederansiedlung und wirtschaftliche und soziale Rehabilitation der Flüchtlinge und Entschädigungszahlungen zu erleichtern und engen Kontakt mit dem Direktor des UN-Flüchtlingswerks für palästinensische Flüchtlinge und durch ihn mit den entsprechenden Organen und Einrichtungen der Vereinten Nationen zu halten;

Grundlegende Fakten des Nahen Ostens

Wie Nahost-Realitäten das anormale (für den Nahen Osten normalen) Verhalten der Palästinenser spiegeln

Barry Shaw, 4. Februar 2020 (per E-Mail; Israel National News)

Der Nahe Osten wird von den folgenden innermuslimischen Merkmalen geprägt: keine innermuslimische friedliche Koexistenz, Unberechenbarkeit, Instabilität, religiöse und ethnische Fragmentierung, gewalttätige Intoleranz, Terrorismus und Subversion, vom Islam getriebene Ziele und Werte (einschließlich der Nichtakzeptanz eines „ungläubigen“ Gebildes innerhalb des „Wohnsitzes des Islam“.

Der größte Teil des Nahen Ostens wird nicht von dem Wunsch getrieben den Lebensstandard zu verbessern, sondern durch religiöse/ideologische Visionen.

Zugeständnisse, Appeasement und Gesten ermutigen sie zu mehr Aggression und Terrorismus.

Die Annahme, dass ein Palästinenserstaat effektiv entmilitarisiert und ent-terrorisiert sein könnte, sollte vor der Bilanz der Palästinenser beurteilt werden. Die Oslo-Vereinbarungen von 1993 und der Abzug aus dem Gazastreifen von 2005 sollten die Palästinenser entmilitarisieren und ent-terrorisieren; im Gegenzug dafür sollte es dramatisch erhöhte politische und wirtschaftliche Vorteile geben. Stattdessen intensivierten beide Begebenheiten den Terrorismus auf dramatische Weise.

Es gibt eine direkte Korrelation zwischen dem Grad palästinensischer Souveränität und dem Grad des palästinensischen Terrorismus. Zum Beispiel bot Jordanien den Palästinensern 1968 bis 1970 eine beispiellose Operationsplattform. Infolgedessen lösten sei einen Bürgerkrieg aus, versuchten das pro-amerikanische Haschemitenregime zu stürzen.

Während der 1970-er Jahre initiierten sie eine Serie von Bürgerkriegen im Libanon.

Im August 1990 kollaborierten die Palästinenser bei Saddam Husseins Invasion ihres Aufnahmelandes (Kuwait), was die Golfkriege von 1991 und 2003 auslöste.

Nach Israels Abzug aus dem Gazastreifen brach ein palästinensischer Bürgerkrieg aus und die Hamas riss die Macht an sich, unterdrückte jegliche Opposition, zerstörte die von Israel zurückgelassenen landwirtschaftlichen und Gemeinschaftsprojekte und machte aus dem Gazastreifen ein Netzwerk an Terrorbasen, um die Menschen zu Gewalt zu indoktrinieren und tausende Raketen auf israelische Bevölkerungszentren zu schießen.

Die Annahme, den Palästinensern Territorium zu überlassen um eine friedliche Basis für Eigenstaatlichkeit und Wohlstand zu entwickeln, ist zu einem klassischen Oxymoron und furchtbaren diplomatischen Fehler geworden.

Die Palästinenser sind nicht wegen der Größe des jüdischen Staates erregt, sondern wegen seiner bloßen Existenz. Auf allen Seiten der palästinensischen politischen Kluft fordern sie die „Befreiung Palästinas vom Fluss bis zum Meer“, die Vernichtung Israels.

Es lohnt sich, sich arabischer Stimmen der Vergangenheit zu erinnern. Sie sind heute noch so wichtig wie vor Jahrzehnten, als sei ausgesprochen wurden.

Im Oktober 1994 rieten Jordaniens militärische Befehlshaber ihren israelischen Gegenüber: „Die Palästinenser neigen dazu, das, was sie morgens unterschreiben, abends schon zu brechen.“ Sie fügten hinzu: „Ein Palästinenserstaat westlich des Jordan würde das pro-amerikanische Haschemiten-Regime östlich des Flusses dem Untergang weihen.“

Der ehemalige ägyptische Präsident Hosni Mubarak: „Jordaniens König Hussein will keinen Palästinenserstaat; Ägypten, Saudi-Arabien und die VAE sorgen sich nicht um die Palästinenser…“

Der ehemalige ägyptische Präsident Anwar Sadat (reg. 1970-1981): „Will ich einen Palästinenserstaat? Warum sollte ich einen weiteren sowjetischen Stützpunkt und ein weiteres Mitglied der Verweigerungsfront haben wollen?“ („No More War“)

Israelische Fördermaßnahmen und die fehlende globale Gegenreaktion

1948/49 rief Israels erster Premierminister David Ben Gurion einseitig die Souveränität über Westjerusalem und große Teile des Negev und Galiläas aus, gegen Widerstand aus den USA und weltweit.

Nach dem Sechstage-Krieg von 1967 einte Israels Premierminister Eschkol die Stadt Jerusalem, ungeachtet des Widerstands der USA weltweit.

Die israelischen Verteidigungskräfte (IDF) zerstörten einen Atomreaktor, der 2007 in der nordwestsyrischen Provinz Deir al-Zor gebaut wurde.

Im Dezember 1981 machte Israels Premierminister Menachem Begin israelisches Recht auf den Golanhöhen geltend, trotz brutalen Drucks durch die USA, einschließlich der Aussetzung eines wichtigen strategischen Paktes.

Im Juni 1981 zerstörte Israel den Atomreaktor des Irak, ungeachtet brutaler US-Opposition. Begins einseitiges Handeln ersparte den USA im Januar 1991 eine atomare Konfrontation.

Es liegt in Israels unabdingbarem Interesse sowohl das Jordantal als auch einen Großteil des Territoriums in Judäa und Samaria zu annektieren, einschließlich aller Höhen, die den zentralen, schmalen, niedrig gelegenen Küstenstreifen Israels beherrschen.

Diese Fakten sind offensichtlich und wesentlich, um die Sicherheit der Bürger Israels zu gewährleisten, wenn nicht gar des Rests des Nahen Ostens, der – wie dieser Artikel beweist – weiterhin ein Strudel ethnischer, Stammes- und religiöser Gewalt bleibt.

Ist Jerusalem eine heilige islamische Stadt?

Es besteht ein großer Unterschied zwischen einer Stadt, die in den Augen Gottes heilig ist und einer, heiligen islamischen Stadt

Mohamad Tawhidi, The Jerusalem Post, Jan. 26, 2019

Der Heilige Koran sagt klar, dass das Heilige Land, Jerusalem, der jüdischen Nation des Mose, den Israeliten, gehört. (Foto: zur Verfügung gestellt)

Jerusalem ist Heimat von rund 400.000 Muslimen, aber ist es eine gemäß dem Islam heilige Stadt?

Das ist eine Frage, die die Mehrheit der Muslime in der politischen und akademischen Welt versucht zu umgehen, einfach deshalb, weil sie eine recht ungemütliche Diskussion eröffnet. Fakt ist: Ein Muslim, der eine solche Frage stellt, könnte sich schweren Konsequenzen ausgesetzt sehen; zum Beispiel könnte die Gesellschaft seinen/ihren Glauben infrage stellten.

Bis 2014 war ich ein Islamist, der das jüdische Volk verabscheute, offen dafür Krieg gegen es zu führen. Heute jedoch habe ich viele Freunde unter jüdischen Glaubensführern. Dieser Wandel war nicht politisch, er war eher theologisch. Kurz gesagt, begann ich bestimmte Behauptungen infrage zu stellen, die mir von meinen Lehrern und der muslimischen Gemeinschaft beigebracht worden waren. Ich begann mich zu fragen: Gehört Jerusalem wirklich dem Islam und den Muslimen?

Um diese lebenswichtige Frage zu beantworten, müssen wir untersuchen, wie Städte gemäß dem Islam heilig werden.

Heilige Städte im Islam

Die Menschheitsgeschichte hindurch ist jede Religion mit einem Gebiet in Verbindung gestanden, das geheiligt, respektiert und verehrt worden ist. Der Islam ist da nicht anders. Es gibt im Islam zehn heilige Städte, darunter Mekka, Medina, Qom, Kerbela und Nadschaf – aufgrund deutlicher Verse im Koran, die ihre Herrlichkeit bestätigen oder aufgrund von Aussagen des Propheten Mohammed, der den Muslimen ihre Erhebung bestätigt.

Es gibt einen großen Unterschied dazwischen, dass eine Stadt in den Augen Gottes heilig ist und dass sie eine heilige islamische Stadt ist. Beispielsweise werden alle Prophetengräber, Geburtsorte und Gegenden, wo Wunder stattfanden, als im Islam heilig betrachtet, aber sie sind keine ausdrücklich islamischen Orte. Ein heiliger islamischer Ort ist einer, an dem ein bedeutendes islamisches Ereignis stattgefunden hat, entweder durch Allah oder durch den Propheten Mohammed.

Jerusalem in islamischen heiligen Schriften

Der Heilige Koran erklärt sehr klar, dass das Heilige Land, Jerusalem, der jüdischen Nation des Moses, den Israeliten gehört.

„Und wie Moses zu seinem Volke sprach: «O mein Volk, besinnt euch auf Allahs Huld gegen euch, als Er aus eurer Mitte Propheten erweckte und euch zu Königen machte und euch gab, was Er keinem anderen (Volke) auf der Welt gegeben.“ (Ab Sure 5,20)

Dieser Vers macht auch deutlich, dass Gott „(dieses Land) niemandem in der Welt gegeben hat“ außer der jüdischen Nation.

Aus diesem Vers und weiteren mit ähnlichem Inhalt erkennen wir, dass Jerusalem eine gemäß Gott heilige Stadt ist, aber sie ist keine heilige islamische Stadt, denn Tatsache ist, dass ihre Heiligkeit vor der Existenz des Islam festgesetzt wurde.

Nach dem Entstehen des Islam, im Jahr 621 unserer Zeitrechnung, wird geglaubt, dass der Prophet Mohammed eine übernatürliche und spirituelle nächtliche Reise zur Al-Aqsa-Moschee (der fernen Moschee) unternahm. Dieses Ereignis wird im Koran in den folgenden Versen berichtet: „Preis Ihm, Der bei Nacht Seinen Diener hinweg führte von der Heiligen Moschee zu der Al-Aqsa (Fernen) Moschee, deren Umgebung Wir gesegnet haben, auf dass Wir ihm einige Unserer Zeichen zeigen. Wahrlich, Er ist der Allhörende, der Allsehende.“ (Sure 17,1)

Zwei entscheidende Dinge müssen zu den oben angeführten Versen thematisiert werden:
1. Dass der Prophet Mohammed an einen Ort reiste, mach diesen nicht „islamisch“.
2. Es gibt wenig Belege, dass die „Al-Aqsa-Moschee“ sich tatsächlich in Jerusalem befindet und es gibt eine große Zahl Muslime, die glauben, dass „die Ferne Moschee“ eine Anspielung auf eine Moschee in den Himmeln ist, nicht auf der Erde; infolge der Tatsache, dass die heutige Al-Aqsa-Moschee zu Lebzeiten des Propheten Mohammed nicht existierte, ist es für ihn unmöglich sie besucht zu haben.

Jahrhunderte vor dem Propheten Mohammed sind Botschafter des Judentums wie des Christentums nach Jerusalem gekommen, um ihre heiligen Schriften zu predigen. Daher kann es nicht historisch genau sein zu sagen, dass Mohammed vor ihnen den Islam nach Jerusalem brachte.

Bis zum Umzug Mohammeds nach Medina im Jahr 622 und der offiziellen Gründung des Islam dort, war der Islam eine Minderheitsreligion, verglichen mit den beiden fest etablierten Religionen des Judentums und des Christentums. Außerdem änderten die Bürger Jerusalems, die zum Islam konvertierten, nur ihren Glauben, nicht die gesamte Geschichte der Stadt.

Daher behaupten weder die islamischen heiligen Schriften noch die Geschichte, dass Jerusalem eine heilige islamische Stadt ist.

Jerusalem trifft auf den Islam

Im Mai 632 unserer Zeitrechnung ernannte der Prophet Mohammed Osama ibn Said zum Kommandeur seiner Armee, um in einer vereinbarten Schlacht in Palästina auf die Römer zu reagieren.

Am nächsten Tag machte sich Osama mit seiner Expedition auf den Weg, aber dann erfuhr er, dass Mohammed gestorben war und kehrte deswegen nach Medina zurück. Kalif Abu Bakr befahl Osama dann seine Armee auf 3.000 Männer zu verstärken und die Einwohner des Königreichs Moab und das von den Byzantinern gehaltene Darum anzugreifen und so viele zu töten oder gefangen zu nehmen, wie möglich, was Osama tat.

Dieses Ereignis beweist, dass es bis zum Ableben des Propheten Mohammed keine Muslime dort in dem Landstrich gab, den wir heute als Palästina kennen und dass es von den byzantinischen Römern bewohnt war.

Der Prophet Mohammed hätte auch keinen Krieg gegen eine Stadt voller Muslime geführt. In Wirklichkeit kam der Islam als Religion offiziell im Jahr 636 nach Palästina, vier Jahre nach dem Tod Mohammeds und während der Herrschaft von Omar, de, zweiten Kalifen des Islam.

Das islamische Kalifat führte einen Angriff auf Jerusalem aus, das von den byzantinischen Römern regiert wurde. Die Stadt wurde ab dem November dieses Jahres vier Monate lang belagert. Nach vier Monaten Entbehrungen und Gemetzel übergab der orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Sophronius, im Jahr 637 die Stadt dem Kalifen Omar. Als der Kalif Omar erkannte, dass der Islam in der Region immer noch eine Minderheit war, führte er das System der Jizyah ein, mit dem er Christen und Juden zwang dem islamischen Kalifat eine Steuer zu zahlen.

Nach einem Massaker an den Bürgern Jerusalems kam unser Kalif Omar nach Jerusalem, um seine Statthalter zu ernennen. Dann baute er, was wir heute als die „Al-Aqsa-Moschee“ kennen, von der viele Muslime fälschlich glauben, sie sei vom Propheten Mohammed gebaut worden.

Die Jerusalemer Moschee mit der goldenen Kuppel ist den Muslimen als „Qubbat al-Sakhrah“ (Felsendom) bekannt und wurde 691 von der Omajjaden-Dynastie vollendet, dem nachfolgenden islamischen Kalifat. Für Muslime wäre es wohl nicht zulässig, in der Al-Aqsa-Moschee und im Qubbat al-Sakhrah zu beten, wenn diese auf überfallenem und besetztem Land errichtet wurden.

Im neunten Jahrhundert beherrschte die Fatimiden-Dynastie, ein schiitisch-islamisches Kalifat, große Bereiche Nordafrikas. Sie waren auch Terroristen, die in Palästina eindrangen und in Jerusalem Christen massakrierten, weil die sich auf die Seite der Römer von Byzanz stellten, die versucht hatten, ihr Land zurückzuerobern. Der berüchtigte Kalif des Fatimiden-Kalifats Al-Hakim verursachte der gesamten Region großen Schaden, tötete sogar Johann VII., den Patriarchen von Jerusalem, eine Provokation, die den Grundstein für den ersten Kreuzzug legte. Infolge der Niederlage der Kreuzritter wurden Muslime zur Mehrheit, durch das Schwert und nicht durch den Stift.

Bis dahin war die gesamte Mittelmeerküste Palästinas erobert worden, gefolgt von einer Reihe Massaker am christlichen Volk und einem Völkermord, der sich bis nach Damaskus und Beirut ausbreitete. Der Islam wurde in Palästina bis zum 9. Jahrhundert zur etablierten Religion und wurde während der Mameluken-Ära zwischen 1250 und 1516 zur Mehrheitsreligion der Region.

Daher kamen wir Muslime nicht als Prediger nach Palästina und konvertierten seine Nation zu Muslimen. Wir ermordeten ihre Führer und führten Serienmassaker aus, geführt von terroristischen sunnitischen wie von schiitischen islamischen Kalifen. Die Bürger Palästinas mögen zum Islam konvertiert sein, aber Palästina kann keinesfalls als muslimisches Land betrachtet werden. Natürlich kann man diese Haltung bestreiten, aber Fakt ist, dass die Juden lange, selbst bevor das Christentum aufkam, in diesem Land waren. Ihre uralten kulturellen Verbindungen bleiben ungebrochen, so wie es jedes Pessah gesagt wird: „Nächstes Jahr in Jerusalem.“

Unsere arabisch-muslimischen Vorfahren kamen als Eroberer aus ihren Wüsten und nicht als Lernende, nicht als Führende, nicht um bei anderen Führung zu suchen. Sie glaubten, dass sie ausreichend Wissen und Weisheit hatten und dass sie nichts von anderen lernen mussten. Diese Illusion meiner Glaubensbrüder besteht bis heute fort, trotz der Tatsache, dass die Welt sich verändert hat.

Beunruhigende Ereignisse in der islamischen Geschichte

Andererseits verstehe ich den muslimischen Kampf um Jerusalem nicht. Islamisches Recht verbietet streng sich zu erleichtern, während man in Richtung Mekka blickt. Tatsächlich sind Toiletten in allen islamischen Ländern und den meisten muslimischen Häusern so angelegt, dass man nicht Richtung Mekka blickt; der Grund ist Respekt für die heilige Stadt. Dennoch berichtet Bukhari, dass unser Prophet Mohammed sich absichtlich und wiederholt erleichterte, während er in Richtung Mekka gewandt war, obwohl er sich stattdessen auch in eine andere Richtung hätte wenden können.

Macht es Sinn, dass Palästinenser für Jerusalem sterben, wenn ihr geliebter Prophet es vorzog, seinen Darm in dessen Richtung zu entleeren?
Ob Palästina jüdisches Land ist oder ob Israel ein Staat ist, sind zwei völlig verschiedene Diskussionen. Ein Muslim mag Israel als Staat ablehnen, aber er kann die Tatsache nicht abstreiten, dass die gesamte Region, einschließlich Palästinas, faktisch jüdisches Land ist.


Der Autor ist ein im Iran geborener australisch-schiitischer Imam und Präsident der Islamic Association of South Australia.