Israel früher und heute (27): Moschaw Nahalal

Die Landwirtschaftsschule im Moschaw Nahalal 1938 und 2017 (gefunden auf Facebook):

Die Landwirtschaftsschule 1930 und 2017:

Die Landwirtschaftsschule 1943 und 2017:

Landwirtschaftsschule 1942 und 2017:

1942 und 2017:

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Die Tempel von Jerusalem im Islam

Martin Kramer, The Washington Institute, 18. September 2000

Der politische Status des Tempelbergs in Jerusalem ist Gegenstand der Endstatus-Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern. Presseberichten zufolge fragte der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat während der Camp David-Verhandlungen im vergangenen Juli zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt sein israelisches Gegenüber: „Woher wollen Sie wissen, dass Ihr heiliger Tempel dort stand?“ Eine Titelgeschichte des „Jerusalem Report“ (vom 11. September 2000) brachte das in den Zusammenhang damit, dass von palästinensischer Seite die Existenz des Ersten und Zweiten Tempels zunehmend geleugnet wurde. „Es ist offensichtlich, dass der Erste Tempel eine Erfindung ist“, wird ein palästinensischer Archäologe an der Bir Zeit-Universität zitiert. „Auch der Zweite gehört ins Reich der Fantasie.“

Die Archäologen mögen darüber debattieren und der Platz dafür ist im akademischen Bereich. (Dort wird der biblische Bericht über den Ersten Tempel angezweifelt, während die Existenz des Zweiten Tempels und seine grundsätzliche Lage auf dem Tempelberg als gut belegte Fakten gelten.) Aber am Verhandlungstisch stellt die Heiligkeit eines jeden Orts eine konkrete Realität dar, die so, wie sie ist, respektiert werden muss. Das gilt umso mehr für die Existenz und den Standort des Ersten und des Zweiten Tempels: beide werden von genau den islamischen Quellen bezeugt, die die Heiligkeit des Haram al-Scharif (einschließlich der Aqsa-Moschee und des Felsendoms) für den Islam bescheinigen.

(Die folgenden Koranverse werden nach der englischen Fassung von Abdullah Yussuf Ali zitiert, die als die weithin konservativste sunnitische Übersetzung mitsamt Kommentar gilt. Sie wurde im Auftrag von König Fahd von Saudi Arabien von vier Komitees überprüft und korrigiert und durch königlichen Erlass in Medina veröffentlicht.)

Gab es die Tempel?

Der Koran spricht in Sure 17,7 von der Existenz beider Tempel. In diesem Abschnitt behandelt der Koran die Bestrafung der Kinder Israel wegen ihrer Übertretungen durch Allah:

(Wir erlaubten euren Feinden)
eure Gesichter zu entstellen
und euren Tempel zu betreten,
wie sie ihn zuvor schon betreten hatten,
und euch mit Vernichtung heimzusuchen,
alles, was in ihre Macht fiel.

Das von Abdullah Yussuf Ali (und durch den einflussreichen Übersetzer Marmaduke Pickthall vor ihm) mit „Tempel“ übersetzte Wort ist „masjid“. Dieses Wort, das gewöhnlich mit „Moschee“ wiedergegeben wird, hat die Bedeutung eines Heiligtums, wo immer es in einem vor-islamischen Kontext erscheint. Die übliche Auslegung dieses Verses (einschließlich der von Abdullah Yussuf Ali) besagt, dass er sich auf die Zerstörung des Ersten und Zweiten Tempels bezieht.

Die muslimische Tradition beharrt besonders auf der Existenz des Ersten Tempels, von Salomo gebaut, der im Koran als Prophet und Muster an Weisheit erscheint. Sure 34,13 ist ein Bericht, wie Salomo Dschinne (Geister) rief, um den Tempel zu bauen:

Sie arbeiteten für ihn,
wie er es wünschte, (machten) Bögen,
Bilder, Becken,
so groß wie Teiche
und (Koch-)Kessel, (die
fest eingebaut sind)

Die frühen Muslime betrachteten den Bau und die Zerstörung des Tempels Salomons als wichtiges historisches und religiöses Ereignis, und Berichte über den Tempel werden von vielen der frühen muslimischen Historiker und Geographen (einschließlich Ibn Qutayba, Ibn al-Faqih, Mas’udi, Muhallabi und Biruni) angeführt. Fantastische Geschichten, wie Salomo den Tempel baute, erscheinen auch in den „Qisas al-anbiya“, dem mittelalterlichen Kompendium muslimischer Legenden über die vor-islamischen Propheten. Der Historiker Raschid Khalidi schrieb 1998 (wenn auch nur in einer Fußnote), es gebe zwar keinen „wissenschaftlichen Beweis“ dafür, dass Salomos Tempel existierte, doch „müssen alle Anhänger irgendeines abrahamitischen Glaubens notgedrungen akzeptieren, dass es ihn gab“.[i] Das gilt für Muslime nicht weniger als für Christen und Juden.

Der Standort der Tempel

So viel zur Existenz der Tempel. Was ist nun mit ihrem Standort? Das islamische Heiligtum des Haram al-Sharif stützt sich auf Sure 17,1:

Preis Ihm (Allah),
der Seinen Diener des Nachts
auf eine Reise nahm,
von der Heiligen Moschee
zu der Fernsten Moschee

Das ist der Textbeleg für die „isra’“, den irdischen Abschnitt der Nachtreise des Propheten Mohammed: Über Nacht wurde Mohammed auf wundersame Weise von „der Heiligen Moschee“ (al-Masjid al-Haram) – d.h. die Ka’ba (bzw. ihre Umgebung) in Mekka – zu „der Fernsten Moschee“ (al-Masjid al-Aqsa) und zurück befördert. Später begann die muslimische Tradition, „die Fernste Moschee“ mit Jerusalem gleichzusetzen. Zu Mohammeds Lebzeiten gab es jedoch keine Moschee in Jerusalem; die Muslime eroberten die Stadt erst einige Jahre nach seinem Tod. Abdullah Yussuf Alis Kommentar dieses Verses fasst die traditionelle Erklärung zusammen: „Die Fernste Moschee“, schreibt er, „muss sich auf den Ort des Tempels Salomons in Jerusalem auf dem Berg Moriah beziehen.“

Als dann Muslime auf diesem Hügel eine Moschee bauten, so die muslimische Tradition, bauten sie sie bewusst an der Stelle, an der nachgewiesenermaßen frühere Heiligtümer standen. Nach muslimischer Tradition suchte der Kalif Omar, als er Jerusalem nach der Eroberung besuchte, nach dem Heiligtum Davids oder der Gebetsecke („mihrab Dawud“), die im Koran (Sure 38,21) erwähnt wird. (David soll den Ort ausgesucht haben, an dem Salomo baute). Als Omar sicher war, sie gefunden zu haben, befahl er, dass dort ein Gebetsort (musalla) eingerichtet werden solle. Das entwickelte sich zu einem Vorläufer der späteren Al Aksa-Moschee. Damit begann die Islamisierung des Komplexes, der später als Haram al-Scharif bekannt wurde. Es wurde islamische Tradition, dass Muslime die Stätte wieder ihrer früheren Funktion als Ort des Flehens aller Propheten, einschließlich Abrahams, Davids und Salomons, zugeführt hätten.

Sari Nusseibeh, Präsident der al-Quds-Universität, hat diese ursprüngliche Bedeutung des Orts für die Muslime betont: Die Moschee ist das letzte und endgültige einer Reihe dort errichteter Heiligtümer. „Die Moschee war selbst eine Wiederbelebung des alten jüdischen Tempels“, schreibt Nusseibeh, „ein Repräsentativ-Beispiel der Einheit mit der abrahamitischen Botschaft, eine Verkörperung des neuen Tempels, der lange ersehnt und vorhergesagt war. Warum sollte das seltsam erscheinen, wenn Mohammed selbst, dem Koran zufolge, genau der Prophet war, der von der ‚wahren’ jüdischen Literatur erwartet und beschrieben wurde?“[ii] Ob er nun Tempelberg oder al-Haram al-Scharif genannt wird, dieser Teil von Jerusalem ist die physische Überlappung von Judentum und Islam. Die oben zitierte Sure 17 des Koran wird „Bani Isra’il“ genannt – die Kinder Israels. Der heutige Staat Israel hat im Interesse des Friedens die Heiligkeit des Orts für die heutigen Muslime anerkannt. Wenn Muslime unter Missachtung des Korans und der muslimischen Tradition die Existenz der Tempel in Frage stellen oder sogar leugnen, bedeutet das, dass sie genau die Quellen anzweifeln, die ihren eigenen Anspruch untermauern.

[i] Raschid Khalidi: „Transforming the Face of the Holy City: Political Messages in the Built Topography of Jerusalem“ (Veränderung des Gesichts der Heiligen Stadt: Politische Botschaften in der städtebaulichen Topographie Jerusalems). Referat für die Konferenz zu “Landscape Perspectives on Palestine“ (Landschafts-Perspektiven zu Palästina), Bir Zeit Universität, 12. – 15. November 1998, http://www.jqf-jerusalem.org/journal/1999/jqf3/khalidi.html

[ii] Sari Nusseibeh: „Islam’s Jerusalem“ (Das Jerusalem des Islam), http://www.passia.org/jerusalem/publications/religiousaspectstext.htm#Islam’s%20Jerusalem

historische Fotos aus Israel (24): Kleidung

eine jüdische Familie in Jerusalem, ca. 1915 (gefunden auf Facebook):

Um das falsche Narrativ eines „einzigartigen palästinensischen Volks“  mit „Traditionen über Jahrhunderte“ zu untermauern, sind Tatsachenverdreher so weit gegangen zu behaupten, es gebe eine palästinensische lokale Kleidung.
Fotografen des frühen 20. Jahrhunderts machten Aufnahmen von Ortsansässigen, die sich mit der für alle üblichen Kleidung der Zeit zeigten; dieselben Kleider waren in Armenien, Bosnien, Syrien usw. zu finden.
Europäer, Araber und auch Juden kleideten sich in die wunderschön bestickten Kleidungsstücke der Zeit, um sich fotografieren zu lassen.
(gefunden auf Facebook)

Diese jungen arabischen Muslime und wir

Hume Horan, Middle East Quarterly, Herbst 2002

Vorbemerkung heplev:
Ich fand diesen Artikel sehr interessant, auch wenn ich persönlich ihm nicht in allen Teilen zustimme. Besonders die Forderung nach Anerkennung, dass Juden, Christen und Muslime alle zum selben Gott beten, ist nicht akzeptabel. Ich begreife nicht, wieso das sein muss. Allerdings finde ich, dass unterschiedliche Religionen kein Hinderungsgrund sein dürften, in gegenseitiger Akzeptanz zu leben, ohne sich zu bekämpfen.
Ich fürchte auch, dass Horan mit der Annahme nicht richtig liegt, dass die Amerikaner alles so durchsetzen können, wie er das in seinem Lösungsansatz glaubt. Trotzdem sind seine Vorstellungen bedenkenswert.

Die Monate, die seit dem 11. September 2001 vergingen, haben viel Nachdenken unter den Arabisten, wie bei allen Amerikanern gebracht. Besonders wir professionellen Arabisten haben uns die Frage immer wieder gestellt: Warum sind junge, männliche, arabische Muslime in den Akten des Terrors des letzten Vierteljahrhunderts so herausragend in Erscheinung getreten?

Um ein paar Vorfälle zu erwähnen: da gab es 1970 die Ermordung des Militärattachés Bob Perry in Amman und des Botschafters Cleo Noel und seines Stellvertreters Curt Moor 1972 im Sudan; die Bombe auf die Kaserne der US-Marines in Beirut 1983; die zwei Bomben auf die US-Botschaft in Beirut 1983 und 1985; die Ermordung Leon Klinghoffers an Bord der „Achille Lauro“ 1985; Die Ermordung von Oberstleutnant William Higgins 1988 im Südlibanon; der Anschlag auf das World Trade Center von 1993; die Zerstörung der US-Botschaften in Nairobi und Daressalam 1998; der Anschlag auf die „USS Cole“ 2000; und dann die Schrecklichkeit am 11. September. So lang diese Liste schon scheinen mag, sie ist bei Weitem nicht vollständig.

Es gibt verschiedene Gründe für die Wut, die einige junge Muslime uns gegenüber fühlen – Muslime, die in den sterilen Brutplätzen der Flüchtlingslager oder den Religionsschulen von Saudi Arabien aufgezogen werden. Am häufigsten wird unsere Unterstützung Israels genannt. Aber diese Sache verdient eine genauere Betrachtung.

Es gibt keine Anerkennung

Es ist traurig, aber wahr, dass Amerika nie viel Anerkennung für das bekommen hat, was es tatsächlich für die Palästinenser tut. Seit einem halben Jahrhundert haben wir den größten Anteil der Finanzen für die UNRWA (United Nations Relief and Works Agency) für die Palästinenser gezahlt. Fast genauso lange haben wir die internationalen Bemühungen angeführt, den Friedensprozess im Nahen Osten voran zu bringen. Präsident Clinton höchstpersönlich saß den intensiven Verhandlungen vor, die den Oslo-Vereinbarungen von 1993 und der Schaffung der palästinensischen Autonomiebehörde folgten. Er widmete darüber hinaus zwei Wochen seiner zu Ende gehenden Präsidentschaft der Umreißung und dem Versuch, die Parteien zu einer Annahme der Grundlinien der Vorstellung einer Vereinbarung anzubetteln – nur, zu erleben, wie Yassir Arafat das ablehnte, ohne es auch nur als Grundlage für weitere Diskussionen zu akzeptieren. Und wir hören wenig von den US-Bemühungen den Muslimen in Kuwait, Somalia, Bosnien und dem Kosovo zu helfen.

Stattdessen bekam ich, als ich an den saudischen Außenminister Prinz Saud appellierte, der UNRWA mehr Mittel zu geben, die Antwort: „Ich Amerikaner habt das Flüchtlingsproblem geschaffen, jetzt löst es auch.“ Als Antwort fragte ich ihn, ob er sich vorstellen könne, dass, wenn eine Katastrophe eine halbe Million Kanadier nach North Dakota, Idaho und Minnesota getrieben hätte, dass drei Generationen später diese Menschen immer noch in Flüchtlingslagern gehalten würden? Wie ganz anders die halbe Million Juden, die 1948 aus den arabischen Ländern vertrieben wurden, in Israel empfangen wurden, verglichen mit dem Empfang der halben Million Araber, die im selben Jahr aus Palästina getrieben wurden, durch ihre arabischen Nachbarn.

Die Wahrheit ist, dass für arabische Regierungen die Palästinenserfrage – unter anderem – eine nützliche Taktik ist. Indem sie „die blutige Fahne schwenken“, können die arabischen Regierungen ihre Untertanen von schlechter Regierung, Unterdrückung und Elend Zuhause ablenken. Besonders die Klagen der Palästinenser gegenüber Israel finden Ihresgleichen in dem halben Jahrhundert Ablehnung und Unterdrückung, die sie durch ihren vermeintlichen „Brüdern“, den arabischen Regimen erlitten haben.

Tatsache ist, dass so, wie die Dinge jetzt stehen, wir auch bei einer raschen Lösung des palästinensisch-israelischen Konflikts durch Diktat von außen, immer noch das Angriffsziel entfremdeter junger, arabischer Muslime sein würden. Warum? Weil der Konflikt der Araber mit Israel nur ein Symptom eines tiefer gehenden Problems ist, eines, das nicht durch Shuttle-Diplomatie, Sonderbeauftragte oder Konferenzen in Wye gelöst werden kann.

Dieses tiefer gehende Problem existiert auf zwei Ebenen. Oberflächlich hat es mit dem Fehlschlagen arabischer politischer und intellektueller Institutionen zu tun, sich mit den Bedürfnissen der jungen Bevölkerung auseinander zu setzen. Wie kann Staatsbürger eines Landes wie Syrien, dem Libanon oder Ägypten, Algerien oder Sudan zu sein jungen Arabern das Gefühl patriotischer Identität geben, wie sie Amerikaner durch ihre US-Staatsbürgerschaft bekommen? Arabische Staaten haben wenig emotionalen Zugang zur Loyalität ihrer Bevölkerungen; die meisten arabischen Regime sind Korrupt und moralisch unglaubwürdig. Das trifft insbesondere auf Saudi Arabien zu, das sich außenpolitisch auf die USA stützt, während es innenpolitisch Opposition dadurch beschwichtigte wie unterdrückte, dass es die „Rechtsgewalt“ in sozialen Angelegenheiten an reaktionäre, fremdenfeindliche muslimische Geistliche (Ulema) abgab. Welche persönliche Bindung können Saudis – von denen 60 Prozent jünger als 18 Jahre als sind – für ihre Herrscher empfinden? Der König und viele der führenden Prinzen sind über 70 Jahre alt und müssen als von den Saudis weiter entfernt erscheinen, als – sagen wir, George Washington es von uns ist.

Arabische Intellektuelle haben die jungen Araber ebenfalls im Stich gelassen. Wo sind die arabischen Reinhold Neibuhrs, Christopher Dawsons, Karl Barths, Martin Bubers? Wo sind die politisch engagierten Intellektuellen, die jungen Arabern helfen können Klarheit in einer Besorgnis erregenden modernen Welt zu finden? Sie existieren kaum in der arabischen Welt. Die wenigen, die das versuchen, werden bedroht, ins Gefängnis gesteckt, ins Exil gezwungen – oder noch Schlimmeres. Im Januar 1985 kontaktierte ich den sudanesischen Präsidenten, um um das Leben eines frei denkenden islamischen Reformers zu bitten: Mahmud Mohammed Taha. Während seines Verfahrens wegen Gotteslästerung unter der Sharia (dem muslimisch-religiösen Gesetz) hatte Taha es abgelehnt, seine liberalen Ansichten zu widerrufen und wurde zum Tode verurteilt. Mir wurde gesagt, dass der Präsident nicht mit mir sprechen würde und dass kein Appell beim herrschenden Religionstribunal möglich sei. Taha wurde öffentlich gehenkt.

Dementsprechende wird vielen jungen und sensiblen Arabern – insbesondere Mitgliedern der gebildeten Elite – moralische und intellektuelle Führung durch ihre eigenen religiösen Institutionen verweigert. Ohne bedeutsame Leitung nutzen sie Gewalt, um die Lücke zu füllen, um eine Art Antwort- wenn auch eine negative – auf die Frage zu erhalten: „Wer bin ich?“ Waschlappen, die sie sind, werden dann viele von ihnen zu den Felsen der Weltsicht eines Osama bin Laden gezogen.

Die Herausforderungen der Moderne

Aber noch grundsätzlicher werden alle arabischen Muslime – nicht nur die jungen, gebildeten Männer – von der modernen Welt kosmologisch herausgefordert. Von Anfang an betrachteten Muslime die islamische Gesellschaft als eine „Stadt Gottes“ auf Erden. Die islamische Gesellschaft wurde auf den perfekten Lehren von Gottes offenbartem Wort gebaut, diktiert und unveränderbar: dem Koran. In einem Geist, der an das dritte und vierte Buch Mose erinnert, wurden die Anweisungen selbst für die kleinsten Kleinigkeiten des täglichen Lebens darin göttlich gewürdigt. Praktischerweise stellte die sofortige, schnelle Ausdehnung des Islam, seine politischen und kulturellen Triumphe unbestreitbare Belege für die Muslime, dass Gott die Menschheit mit seinen perfekten und ultimativen Anweisungen ausgestattet hatte, für jetzt und immer. Und Araber betrachteten Gottes Offenbarung des Koran an die Araber und in arabischer Sprache als ein Merkmal besonderer göttlicher Bevorzugung.

Aus der Sicht eines Muslims waren die Herausforderungen vor Mohammed von einer Größe, die tatsächlich nur durch göttliche Führung und Inspiration überwunden werden konnten. Mohammed war der Prophet, der Träger von Gottes letzter Offenbarung. Aber angesichts der politischen Anarchie Arabiens, seiner sozialen und intellektuellen Unordnung und der Nähe der sassanidischen (persischen) und byzantinischen Reiche musste er auch den islamischen Staat gründen. Er musste die politischen und rechtlichen Institutionen schaffen, die seinen Lehren schützen und bleibenden Ausdruck verleihen konnten.

Als religiöse Person war Mohammed mehr ein Moses als ein Christus. Trotzdem wurden im sunnitischen Islam die säkularen wie die religiösen Seiten der Mission Mohammeds gleichermaßen unverletzlich und unveränderbar – und sind es theoretisch bis heute geblieben. Muslime waren in Weltfragen überlegen, weil sie Recht hatten; und sie hatten Recht, weil sie überlegen waren. Erst im 18. Jahrhundert begann diese beruhigenden, selbstgefällige Allianz zwischen Offenbarung und Macht auseinander zu brechen. Dieser Bruch hat sich seitdem fortgesetzt – und sich beschleunigt.

Im Gegensatz dazu war im Christentum die Beziehung von Politik zu Offenbarung ganz anders. Die christliche Offenbarung entstand im römischen Reich und unter Roms etablierten Rechts- und Politik-Institutionen. Das frühe Christentum neigte dazu, diese als gegeben zu betrachten. Es erwartete eine baldige Rückkehr des Messias und konzentrierte sich auf die spirituellen, jenseitigen Aspekte der christlichen Offenbarung. Die Entwicklung des Christentums war dementsprechend nicht sonderlich durch göttliche Vorschriften für die praktische Organisation des menschlichen Lebens auf der Erde beschränkt.

Wie sollte ein junger, arabischer Muslim also heute die große Frage beantworten: „Wie nun sollte ich leben?“. Wie ihre Folgen: „Wie sollen wir die Versicherungen göttlicher Gunst und weltlicher Macht des Koran mit dem täglichen Beweis überein bringen, dass wir Muslime zurück fallen? Dass wir nicht nur hinter die USA und Europa zurück bleiben, sondern sogar hinter ihrem gering geschätzten ‚Stiefkind’, Israel? Wo sind heute die glücklichen, erfolgreichen und vor allem mächtigen Staaten des Islam? Wie kann Gott erlauben, dass sein Volk derart verwirrt wird? Sind unsere Leiden eine Bestrafung für unsere falsche Umsetzung seiner Lehren?“ Eine zunehmende gemeinsame Antwort zu all diesen Zweifeln ist diese: „Ich sollte mich entschließen, immer stärker eifrig und rigoros dem Islam zu folgen.“

Leider wird dieses Rezept nie eine Erleichterung des Gefühls der politischen oder moralischen Verlassenheit vieler junger Araber bringen. Sie sind sozusagen gefangen am Boden eines Brunnens und versuchen zu entkommen, indem sie tiefer graben – nach China. Die Lösung verschlimmert das Problem nur. Ihre Wut und ihr Frust gegen den Westen wachsen, besonders gegen den Standartenträger, die USA. Unser weltlicher Erfolg, unsere bloße Existenz, bedroht die Überzeugungen und Tradition zu widerlegen, die dem Leben der arabischen Jugendlichen Bedeutung geben.

Was muss getan werden? Die langfristigere Lösung der Drangsals der arabisch-muslimischen Zivilisation muss in den inneren Ressourcen und stärkenden Kräften des Islam selbst gefunden werden. Aber hier begegnen wir einem anderen Problem: die passive, rigide, unkreative Art, in die die islamische Kultur seit dem islamischen Mittelalter verwandelt wurde. Modernen arabischen Gesellschaften fehlt eine Tradition der Selbstkritik, der rationalen Analyse. Ohne die Fähigkeit, erfolgreich das Handeln der Welt um sie herum zu analysieren oder nur ihre eigene Gesellschaft, hat das öffentliche arabische Ego viele Rückschläge erfahren. Sie ist defensive und unsicher geworden. Die öffentliche Auseinandersetzung wird von einem Zeitgeist dominiert, der jede schlechte Nachricht dem Wirken verschiedener externer, feindseliger Mächte zuschreibt: dem Britischen Geheimdienst, der zionistischen Verschwörung, der CIA – aber nie den eigenen Unzulänglichkeiten. Solch ein Alibi entledigt die arabischen Egos jeglicher Verantwortung oder Schuld für jeden einzelnen Rückschlag.

Denken Sie an ein recht neues Beispiel: die Weigerung der ägyptischen Regierung auch nur die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass am 31. Oktober 1999 der Pilot von Egypt Air Flug 990 sein Flugzeug absichtlich ins Meer flog, wobei er sich, die übrige Besatzung und 271 Passagiere an Bord tötete. Für die Ermittler des National Transportation Safety Board war die Ursache offensichtlich: der Pilot hatte absichtlich das Flugzeug ins Verderben gestürzt. Aber bis heute verfolgt die ägyptische Regierung unkritisch immer erfinderischere und weiter her geholte Strategien der Verleugnung. Vervielfältigt durch eine beliebige Anzahl ähnlicher Vorfälle jedoch führt dazu, dass die Araber sich als ohnmächtig empfinden, als Spielzeug unsichtbarer, aber immer feindseliger Kräfte.

Es ist für uns im Westen schwer, selbst, wenn wir „als Freund sprechen“, den unbegreiflichen, verletzten Stolz einer großen Zivilisation zu heilen. Man wird uns nicht zuhören. Es gibt im Islam keine ökumenische Tradition. Es gibt in ganz Amerika Moscheen – sogar in Rom steht eine -, aber Christen dürfen nicht einmal eine Bibel nach Saudi Arabien mitbringen. Es ist unvorstellbar, dass irgendwo in der islamischen Welt der Kopf einer religiösen Schule Professuren für Buddhismus, Frauenfragen und die Rolle der Religion in internationalen Konflikten einrichten würde, wie Vater Bryan Hehir es in Harvard tat. In islamischen Kulturen erfährt die ausgestreckte Hand des Fremden keine Antwort; vielmehr wird diese Geste wahrscheinlich zurückgewiesen oder falsch gedeutet.

Gleichermaßen könnte ein Muslim versuchen einen Christen oder Juden zu bekehren. Aber dass er sich in einen echten Dialog mit ihnen einlassen würde, würde andeuten, dass ihr Glaube ein Fünkchen Wahrheit enthielte, die nicht im Koran gefunden werden kann und von Muslimen für eine perfektere Anbetung und ein besseres Verständnis Gottes nützlich sein könnten. Und eine solche Möglichkeit ist für einen treuen islamischen Gläubigen buchstäblich unvorstellbar.

Ich werde König Faisals höfliches, aber kühles Abtun meiner naiven Andeutung – 1973 als junger Geschäftsträger in Jiddah -, dass viel Gewinn für den Westen wie die arabische Welt daraus entstehen könne, wenn Saudi Arabien einige junge islamische Gelehrte an religiöse Schulen in den USA schicken würde. Ein königlicher Ratgeber hielt mir hinterher vor, die Frage aufgebracht zu haben: „Sie verlangten von seiner Majestät, die Wahrheit mit Falschheit zu vermengen!“

Gefechtsbedingungen

Was könnten die Muslime selbst tun, um sich der modernen Welt wieder anzuschließen, zu Bedingungen, die im Einklang mit unserer Zeit und der islamischen Offenbarung stehen? Einige Ideen hierzu folgen.

Zuallererst müssen die Muslime versuchen aus der Abgeschlossenheit zu entkommen, in die die Geschichte sie gebracht hat. Was immer vor so langer Zeit als kanonisch für das islamische säkulare und spirituelle Leben des Islam offenbart wurde, wurde sein Gefängnis. Der Islam, wie andere Religionen, hat, geblendet und überwältigt von der transzendenten Macht der Gottheit, ausführlich gearbeitet, um die Macht zu zähmen und zu begrenzen, damit sie sicher beobachtet werden kann oder sogar zu nützlicher Arbeit durch die Sterblichen gebraucht wird. Um es anders auszudrücken: Nicht unähnlich der klerikalen Klasse anderen Glaubens hat die islamische Ulema au seiner Religion eine Art göttliches Vehikel, alles in Schach zu halten – ein Regelbuch, ein mechanischer Code, der den wahren Gläubigen Macht und Erlösung verspricht.

Die verschiedenen muslimischen Geistlichen und ihre Helfer in der arabischen Welt werden natürlich jede Herausforderung des lukrativen Monopols der Interpretation des Koran bekämpfen, das sie mehr als ein Jahrtausend lang genossen. Aber in der Zwischenzeit ändert sich die Welt um sie immer schneller; sie lässt sie und die Gesellschaften, die sie zu führen vorgeben, immer weiter zurück. Der jüngste katastrophale Fehlschlag des militanten politischen Islam mag die Todeszuckungen eines Kreuzzugs zu repräsentieren, der schrecklich irre ging. Werden nach dem 11. September und nach der Vernichtung der Taliban in Afghanistan junge Muslime immer noch Osama bin Laden nacheifern? Wer erinnert sich heute noch an die Mahdi, die von Kitchener 1898 in Omdurman geschlagen wurden, oder die gefürchteten Assassinen von Alamut, die von Hulagu Khan 1256 vernichtet wurden?

Man könnte hoffen, dass besonders die Vernichtung der Taliban den Weg für die Muslime frei macht, zu überlegen, wie es weiter gehen soll. Auf der Makroebene könnten junge Muslime beginnen die gotteslästerliche Natur des aggressiven, politischen Islam zu erkennen, der seine Nachfolger von der Verehrung Gottes und dem Streben nach sozialer Gerechtigkeit abhält, um einen ablenkenden Kreuzzug nach Macht in dieser Welt zu führen. Der politische Islam hat eine Götzen-Qualität, die irdische Macht das Hauptziel der muslimischen Bestrebungen macht. Man fühlt sich an die Verunglimpfung des römischen Historikers Livy jeglicher Religion erinnert, „durch die der Wille der Götter als Vorwand für Verbrechen angeboten wird“.

Auf der Mikroebene sieht man, dass junge Muslime die fehl gehenden Aspekte ihrer Tradition nicht zurückweisen, sondern sie schlichtweg ignorieren. Viele ernsthafte, gottesfürchtige muslimische Männer und Frauen schaffen sich ihre eigenen „rechtschaffen begründeten“ Übereinstimmungen mit der Moderne. Sie handeln, wie es viele Katholiken tun: folgen ihrem eigenen Gewissen zu Geburtenkontrolle und anderen sozialen Fragen – trotz des päpstlichen Anspruchs auf Unfehlbarkeit in Fragen des Glaubens und der Moral.

Da der Koran mehr oder weniger gebildeten Muslimen weitgehend verfügbar ist, könnte der sunnitische Islam für seine eigene protestantische Reformation reif sein. Gott hat im Islam immer eine persönliche, direkte Beziehung zu seinen Gläubigen: „Ich bin euch sogar näher als die Arterie eures Genicks“, sagt der Koran. Könnten Muslime – von der Basis aus nach oben – bereit sein, aus der Orthodoxie auszubrechen, die ihnen vor so langer Zeit aufgedrückt wurde? Der jetzige Augenblick könnte der richtige sein für das Erscheinen eines geläuterten, realistischen, flexibleren muslimischen Ansatzes für das 21. Jahrhundert. Wenn einzelne Muslime eigenständig an die Sache heran gehen können und, falls notwendig, die „Tore des Itihad“ neu öffnen können – d.h. neue Interpretationen durch zeitgenössische Gelehrte legitimieren -, dann könnte es Hoffnung für die Aussöhnung ihrer Gemeinschaft mit unserer Zeit geben. Im arabischen Herzland des Islam – Ägypten, Syrien und Jordanien – könnte eine solche Initiative von gebildeten, durchsetzungsfähigen, berufstätigen arabischen Frauen kreativ angeführt werden. An anderer Stelle könnte ein solcher Versuch in der muslimischen Diaspora stattfinden – in Indonesien oder Indien oder sogar in den USA. Und wie sieht es mit dem schiitischen Zweig des Islam aus? Es wäre ironisch, wenn die Schiiten, die ihren rechtskundigen – den großen Ayatollahs – so große interpretative Autorität gewähren, die islamische Welt zu einer bedeutenderen und besser angepassten Form des Islam führen sollten.

Es könnte Hoffnung geben. Aber, wie unser bemerkenswerter, verstorbener Botschafter in Saudi Arabien, William Porter, zu sagen pflegte: „Hoffnung ist ein guter Weggenosse, aber ein schlechter Führer.“ Als Mit-Monotheisten, als Bewunderer der Beiträge des Islam zur Zivilisation können wir hoffen, dass der Islam sich nicht in einer obskuren Sackgasse selbst in die Falle führt. Die Geschichte ist jedoch schonungslos darwinistisch gegenüber Gesellschaften, die von der natürlichen Selektion nicht gemocht werden. Die Geschichte tischt uns Gewinner und Verlierer auf. Wo befindet sich jetzt die klassische Zivilisation? In unseren kulturellen Genen oder im Museum. Byzanz? Es überlebt als ein verstümmelter, rechthaberischer Teil „dessen, was einmal groß war“. Das Tempo der modernen Welt nimmt zu. Es wird für Gesellschaften, die nicht auf die Herausforderungen der heutigen Zeit und die Bedürfnisse ihrer Mitglieder reagieren, immer schwieriger dranzubleiben, geschweige denn aufzuholen. Und stellen Sie sich die Gewalt, den Schmerz, die furchtbare Mühsal, wenn die islamische Zivilisation, Halbbruder des Westens, in die Häckselmaschine der Geschichte gezogen würde. Als Freunde des Islam können wir nicht an der Bettkante Wache halten – und hoffen und beten.

Wie Amerika helfen kann

Aber es gibt nicht viel mehr, das wir tun könnten. Ich würde zuerst vorschlagen, dass wir alle, wenn wir in Englisch sprechen oder schreiben, aufhören „Gott“ zu benutzen, wenn wir „Gott“ meinen. Ein Leser oder Hörer könnte schließen, dass der Gott der Muslime furchtbar ist, ein Moloch oder etwas, das aus der aztekischen Mythologie stammt. Wenn wir uns nicht einigen können, dass wir denselben Gott verehren und dass er allen Gebeten gleichermaßen zuhört – den Gebeten der Juden, der Christen und der Muslime -, dann werden wir uns nie über kleinere Fragen einigen, wie der des arabisch-israelischen Konflikts.

Zweitens sollten die USA mit ihrer niemals gleichen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Macht gebieterisch den arabisch-israelischen Konflikt beenden. Er hat schon zu viele Leben verschwendet, zu viel unserer Aufmerksamkeit in Anspruch genommen und Ressourcen verschlungen, die hätten helfen können die Gegend voran zu bringen. Er ist eine zu große Ablenkung gewesen. Der Begriff „Vertrauen bildende Maßnahmen“ trägt eine fantastische, sogar zynische Irrealität, wenigstens so, wie er im Nahen Osten verwendet wird. Der sogenannte „Friedensprozess“ hat sich als wenige mehr als ein diplomatisches Perpetuum Mobile erwiesen. Er sorgt dafür, dass jeder Entschuldigungen finden, die Dinge aufzuhalten. Zwischen arabischem Antisemitismus und jüdischer Angst vor arabischem Revanchismus kann wahrscheinlich keine Vereinbarung erreicht werden bzw. eingehalten zu werden, wenn wir keine harte Hand einsetzen.

Uns und vielen anderen Freunden der Region sind die Umrisse einer Einigung ziemlich klar: Sie würden den Vorschlägen von Camp David ähnlich sehen. Es würde einen palästinensischen Staat geben, der sich verpflichtet mit Israel in Frieden zu leben; Israels Siedlungen in der Westbank – ein Stachel, der jede Friedensbemühung scheitern lässt – würden abgebaut. Es würde Sicherheitsgarantien für Israel wie für die Palästinenser geben. Als Begleitung jeglicher Übereinkunft sollte es Maßnahmen zur Beobachtung der Art des entstehenden palästinensischen Staates geben; ein von den Taliban dominierter Staat hat gereicht.

Wir sollten hart daran arbeiten, die Verbindung und Unterstützung unserer westlichen Alliierten in diesen Bemühungen zu bekommen. Aber wir sollten nicht in Details versinken. Wir sollten diejenigen ignorieren und links liegen lassen, die unsere Friedensbemühungen durch Versuche verhindern, die Einsprüche wieder aufleben lassen, die aus 50 Jahren fehl geschlagenen Friedensbemühungen stammen. Nach meiner Erfahrung ist es so, dass, wenn die USA aller Welt deutlich machen, dass sie zu allem entschlossen sind, um etwas zu erreichen, die Wirklichkeit dazu tendiert, sich entgegenkommend damit zu arrangieren. Wenn wir das tun, dann könnten die arabischen und israelischen Führer ihrer Bevölkerung gegenüber treten und Schulter zuckend sagen: „Was hätten wir denn gegen die Macht und den Willen der USA tun können?“

Drittens sollte unsere Außenpolitik härter und beständiger Amerikas Ideale widerspiegeln. Als Außenminister Power so überzeugend die Unterdrückung der Frauen durch die Taliban verurteilte, war ich da der einzige Zuhörer, der dachte, das würde genauso viel Sinn machen, wenn erst „saudi“ sagte, wo immer „afghanisch“ erwähnt wurde? Unsere Regierung sagt, sie wolle die Herzen und den Verstand der Muslime erreichen, die „Straße“. Aber wie soll das geschehen? Es gibt für uns eine Lektion in der politischen Landschaft des Nahen Ostens: Wo immer die Regierung uns freundlich gesonnen ist, da sind wir auf der arabischen Straße unbeliebt. Wo immer die Regime uns unfreundlich gesonnen sind, da sind wir in der Regel beliebt. Der Grund könnte sein, dass wir in dem einen Fall als Regierung betrachtet werden, als ein Komplize der unbeliebten lokalen Machthaber, während wir in dem anderen Fall als befreiende Zivilisation gelten.

Die amerikanische Ausnahmestellung ist nie deutlicher demonstriert worden, als nach den Ereignissen des 11. September und unserem Sieg in Afghanistan. Wir stehen in der Weltgeschichte einzigartig da, praktisch ungehemmt von traditionellen Überlegungen zur Machtbalance. Zur Zeit gibt es keinen wirklichen Gegner. Daher sind wir frei die Quelle unserer Stärke und unsere Zugkraft in vollerem Umfang zu gebrauchen. Trotzdem sollten wir, wie Reinhold Niebuhr sagte, „bescheidene Falken“ sein. Wir sollten diesen Jahrtausend-Augenblick nutzen und an einer internationalen Gemeinschaft arbeiten, die unsere Ideale besser wieder gibt, die weder Ost noch West ist und deren Anziehungskraft die Mehrzahl der Kulturen übersteigt.

Entschlüsselung der palästinensischen Position innerhalb der UNO

Emma Colbran, The Washington Institute, 1. Februar 2018

Die palästinensische Flüchtlingsfrage ist angesichts der Haltung der Administration Trump sowohl zu Flüchtlingen und dem Nahost-Friedensprozess erneut kontrovers. Da ist eine laufende Krise seit Israels Unabhängigkeitserklärung am 14. Mai 1948, die Kämpfen auf lokaler Ebene folgte und zur folgenden arabischen Invasion führte, die am Abend des 14. Mai begann. Gleichzeitig war der Zweite Weltkrieg gerade zu Ende gegangen und die Welt hatte mit einem allgemeinen Problem internationaler Flüchtlinge zu tun. Eine Reihe UNO-Organisationen wurden geschaffen, um diese Flüchtlingskrisen zu handhaben und wurden später zusammengefasst. Letztlich wurden zwei UNO-Organisationen geschaffen, um diese Flüchtlingskrisen anzugehen. Das Büro des UNO-Hochkommissars für Flüchtlinge (UNHCR – United Nations High Commissioner for Refugees) wurde gegründet, um sich um die Millionen europäischer Flüchtlinge zu kümmern, während das UNO-Hilfs- und Arbeitsagentur für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA – United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees) geschaffen wurde, um sich ausdrücklich um mehr als 700.000 palästinensische Flüchtlinge zu kümmern.

Es ist eine Herausforderung die beiden UNO-Organisationen auseinanderzuhalten, die ähnliche Aufgaben haben. Das Rahmenwerk und die Geschichte dieser Organisationen erklären, warum es eine einzelne UNO-Organisation für Palästinenser-Flüchtlinge gibt und wie diese Operationen diese Menschen beeinflussen.

Unter dem UNHCR haben manche Palästinenser Recht auf legalen und physischen Schutz, die Minimierung von Bedrohung mit Gewalt – einschließlich sexueller Übergriffe – und Hilfe, d.h. Bildung und Gesundheitsdienste. Einige fallen unter das Flüchtlingsmandat des UNHCR, während andere unter das „Mandat der Staatenlosigkeit“ fallen. Weitere haben ein Anrecht auf Hilfe unter der UNRWA. Die Position der Palästinenser unter diesen Organisationen ist eindeutig facettenreich. Dieser Artikel soll nicht versuchen alle Komplexitäten der palästinensischen Flüchtlingskrise anzusprechen.

Palästinensische Flüchtlinge sind die einzige Flüchtlingsgruppe, die einen UNO-Hilfsorganisation haben, die sich ausschließlich ihnen widmet. Die UNRWA ist nicht unter demselben Mandat oder denselben Definitionen tätig wie der UNHCR. Das hat zu einer rapiden Zunahme an Palästinensern geführt, die unter die UNRWA-Definition eines Flüchtlings fallen.

Es gibt zwei Schlüsselunterschiede zwischen dem UNHCR und der UNRWA. Der UNHRC hat ein Statut mit ausdrücklichem Hinweis rechtlichen Schutzes, während die UNRWA nur Hilfe bietet. Die zweite Diskrepanz besteht in der rechtlichen Definition, die jede der Organisationen nutzt, um den Begriff „Flüchtling“ zu definieren, die dann die Reichweite der jeweiligen Agentur und auf gewisse Weise die Krise selbst bestimmt.

Der UNHCR begann seinen Arbeit am 1. Januar 1951 mit einem Mandate „Flüchtlinge zu beschützen und dauerhafte Lösungen zu finden“. Die Organisation bezog ihre Flüchtlingsdefinition aus zwei Eckpfeilern des internationalen Rechts. Die Konvention von 1951 zum Status von Flüchtlingen definiert einen Flüchtling als jemanden, der zur Zeit der Verabschiedung der Konvention „eine gut begründete Angst vor Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Mitgliedschaft in einer bestimmten sozialen Gruppe oder politischen Meinung hat; der sich außerhalb seines/ihres Herkunftslandes befindet und nicht in der Lage oder bereit ist den Schutz des eigenen Landes zu nutzen oder ohne Angst vor Verfolgung dorthin zurückzukehren. Das Protokoll von 1967 bezieht sich auf den Status des Flüchtlings, der unabhängig von der Konvention von 1951 ist, aber integral mit ihm in Verbindung steht; er „hebt die zeitlichen und geografischen Grenzen, die in der Flüchtlingsdefinition der Konvention zu finden ist“.

Während der Bildung des UNHCR wurde die Stellung der palästinensischen Flüchtlinge ausgiebig diskutiert. Eine Reihe arabischen Länder lehnte es heftig ab sie ins UNHCR-Mandat einzubeziehen, weil sie glaubten, dass es die Bedeutung und Aufmerksamkeit auf ihre Misere und die Aussicht au die Rückkehr in ihre Häuser verschlechtern würde. Als Ergebnis schloss die Konvention von 1951 jede Gruppe aus, die „Schutz oder Hilfe“ von einer anderen UNO-Agentur erhält, d.h. die Palästinenser. Einer der rechtlichen Schlüsselunterschiede zwischen den Mandaten der beiden Organisationen besteht darin, dass die UNRWA den Palästinensern unter ihrem Mandat ausdrücklich Hilfe leistet, keinen Schutz bietet. Damit allen diejenigen Palästinenser, die die Kriterien für UNRWA-Hilfe erfüllen, keine international geschützten Flüchtlinge sind. Die UNRWA mag für ihren Schutz eintreten, aber sie hat keine rechtliche Autorität oder Mittel die Palästinenser physisch zu schützen.

UNRWA begann die Arbeit vor Ort am 1. Mai 1950 mit der Steuerung von Hilfs- und Arbeitsprogrammen ihren Operationsbereichen  Libanon, Jordanien, der Syrisch-Arabischen Republik, der Westbank (einschließlich Ostjerusalem) und dem Gazastreifen. UNRWAs Mandat wurde nach dem Krieg von 1967 (oder dem dritten arabisch-israelischen Krieg) erweitert, als die UNO-Vollversammlung UNRWA damit beauftragte „humanitäre Hilfe auf Notfallgrundlage und als vorübergehende Maßnahme auch Personen in dem Bereich zu leisten, die aktuell vertrieben und ernsthaft sofortige Hilfe in ihrer Bedürftigkeit benötigen“. UNHCR ist verantwortlich für palästinensische Flüchtlinge außerhalb des Tätigkeitsgebiets der UNRWA, denen internationale Flüchtlingsschutz zusteht, also denen, die im Irak, Ägypten, Libyen und andernorts leben oder dorthin ziehen.

Derzeit definiert die UNRWA einen palästinensischen Flüchtling als „Person, deren üblicher Wohnort während der Zeit von 1. Juni 1946 bis 15. Mai 1948 Palästina war und der sowohl Heim und Erwerbsquelle als Ergebnis des Konflikts von 1948 verlor. Palästina-Flüchtlinge und Nachkommen von männlichen Palästinaflüchtlingen, einschließlich legal adoptierter Kinder, berechtigt sich für die Dienste der UNRWA zu registrieren.“

Die ursprünglich zur Definition gehörende „Bedürftigkeit“ zugunsten der Palästinenser wurde 1993 formell fallen gelassen. Zusätzlich wurde die Anforderung, dass ein palästinensischer Flüchtling ursprünglich in ein Land innerhalb des Operationsgebiets der UNRWA fliehen musste, aufgegeben. Beide Veränderungen erweiterten die Weitreiche der UNRWA durch die Öffnung der Registrierung von Palästinensern für solche, die vorher nicht zugelassen waren. UNRWA bietet all den Palästinensern Hilfe, die sich registrieren und die innerhalb ihres Operationsgebiets leben, was „Hilfe auf Grundlage des Status statt der Bedürftigkeit“ schafft. Jeder Palästinenser, der gemäß der UNRWA-Definition eingestuft ist,, selbst als Bürger eines Landes innerhalb des Operationsgebiets der UNRWA, wird als Flüchtling betrachtet und kann Leistungen beziehen.

Sowohl der UNHCR als auch die UNRWA erlauben Familienmitgliedern Anspruch auf Flüchtlingsstatus.

Alternative gehören zu UNHRC-Flüchtlingen, die Anspruch auf vom „Hauptantragsteller“ (dem vom UNHRC anerkannten Flüchtling) abgeleiteten Flüchtlingsstatus haben, die Partner und unverheiratete Kinder bis 18 Jahren des „Hauptantragstellers“, Eltern oder primäre Pflegekräte eines „Hauptantragstellers“, der jünger als 18 Jahre ist sowie die minderjährigen Geschwister eines „Hauptantragstellers“, der noch keine 18 Jahre alt ist. Sie werden diesen Status verlieren, wenn die Familie sich trennt oder die „Kinder volljährig werden“, womit der Kreislauf der Generationen gestoppt wird.

Gemäß den Regeln der UNRWA sind Nachkommen von Vätern palästinensischer Flüchtlinge wie auch die Nachkommen der Palästinenser, die nicht in die UNRWA-Definition erfüllen, weil sie nicht sowohl Heim als auch Erwerbsquelle verloren haben, qualifiziert für die Registrierung bei der Organisation. Nachkommen der männlichen Linie, die außerhalb des Operationsbereichs der Organisation leben, können den UNRWA-Flüchtlingsstatus beantragen, solange sie unterstützende Dokumentation vorweisen können. Die Menge der „palästinensischen Flüchtlinge“, die hilfeberechtigt sind, ist gemäß der UNRWA eine ständig wachsende Gruppe; ihre Zahl ist von 700.000 bis 2016 auf mehr als 5,3 Millionen angewachsen.

Es gibt zwei Möglichkeiten den Flüchtlings- und den sekundären Status zu verlieren: Streichung und Erlöschen. Allerdings scheinen beide für die UNRWA nicht zu existieren, da die Flüchtlinge, die in einem anderen Land innerhalb des Bereichs der UNRWA die Staatsbürgerschaft erwerben, weiterhin als Flüchtlinge betrachtet werden. Die Konvention von 1951 erkennt Flüchtlingen, die eine Staatsbürgerschaft bekommen oder einen der Staatsbürgerschaft ähnlichen Status in einem Aufnahmeland erwerben, den Flüchtlingsstatus ab. Während dieser Staatsbürgerstatus andere Flüchtlinge vom internationalen Schutz durch den UNHRC ausschließt, hilft die UNRWA ihnen weiter und betrachtet sie als Flüchtlinge.

Der UNHRC listet drei „dauerhafte Lösungen“ für Flüchtlinge unter ihrem Mandat auf. Das sind freiwillige Rückführung, Neuansiedlung in einem anderen Land und Integration in die Gastgebergesellschaft. Anders als der UNHRC hat die UNRWA nicht den Auftrag eine dauerhafte Lösung für die palästinensischen Flüchtlinge zu entwickeln; stattdessen bietet sie Hilfe und tritt dafür ein, dass die internationale Gemeinschaft verpflichtet ist eine gerechte und dauerhafte Lösung für diese Menschen zu finden. Diese drei Lösungen gibt es für palästinensische Flüchtlinge nicht, da es für sie nicht nur keine Rückkehr in ihre Häuser gibt, sondern die Gastgeberländer wie Libanon, Syrien, Irak und Jodanien lehnen es ab alle Palästinenser aufzunehmen. Derzeit leben 1,5 Millionen palästinensische Flüchtlinge in 58 offiziellen Flüchtlingslagern, die in der Regel als unliebsam eingestuft werden. Während Jordanien Millionen palästinensischen Flüchtlingen die Staatsbürgerschaft gewährte, wurden den Palästinenser in vielen Fällen die poltischen wirtschaftlichen Rechte aberkannt, die in Gastgeberländern wie dem Irak und dem Libanon leben. Viele Palästinenser wehren sich gegen die Idee der Neuansiedlung, da sie die Rückkehr nach Palästina anstreben.

Es gibt eine ganze Bandbreite an Gründen, die Menschen dazu bringen könnten sich als Flüchtlinge gekennzeichnet sehen, ist ein gemeinsames Thema ihre Unfähigkeit nach Hause zurückzukehren. Palästinensische Flüchtlinge, die den meisten Flüchtlingen in jeder dieser Situationen ähneln, sind nicht in der Lage oder werden davon ausgeschlossen in die Häuser ihrer Vorfahren zurückzukehren. Es gibt weitere Fälle von Flüchtlingen, die nicht die in das Modell der „traditionellen Lösungen“ passen: die ethnischen Azeris aus Nagorny-Karabach und die Bosnier, Opfer ethnischer Säuberungen durch serbische Nationalisten, um nur zwei Beispiele zu nennen. Obwohl diese Konflikte anhaltende Krisen mit Flüchtlingen/Vertriebenen zum Ergebnis hatte, ist keine besondere UNO-Agentur gegründet worden, um ihnen zu helfen. Außerdem gibt es zahlreiche weitere Beispiele staatenloser Menschen. Beispielsweise beherbergt Myanmar rund 810.000 staatenlose Personen, die Elfenbeinküste 700.000 und Thailand 506.197, für die keine eigene Agentur geschaffen wurde.

Warum dann haben seit der Gründung des UNHRC neben den Palästinensern keine anderen Flüchtlingsgruppen eine spezielle Agentur gehabt, die für sie eingerichtet wurde? Ein Grund dürften fehlende Gelder für die Gründung weiterer Agenturen sein. Eine andere Erklärung wäre, dass die palästinensischen Flüchtlinge durch eine bewusste Entscheidung der UNO, die Resolution 181 und die Anerkennung Israels am 14. Mai 1948, entstanden, im „vollen Wissen der Konsequenzen“ entstanden. Heute haben arabische Staaten den mit 5,3 Millionen Flüchtlingen Höchststand  aller Zeiten als Mittel genutzt Druck auf Israel auszuüben, es solle den Palästinensern ihren eigenen Staat ermöglichen. Zu ihrem Nutzen oder ihrem Nachteil verewigen die auf sie anwendbaren rechtlichen Definitionen der UNRWA eine sich immer weiter ausweitende und schnell zunehmende weltweite Bevölkerung der Flüchtlingsklasse, die vielleicht wirtschaftlich vielfältiger sind, als es nach UNHCR-Kennzeichnung wahrscheinlich wäre.

Tod Amerika

Daniel Pipes, New York Post, 8. September 2002

(Vorbemerkung heplev: Persönlich denke ich, dass Amerikas Krieg gegen den Terror nicht schon 1979 begann; angesichts der Versäumnisse, die Daniel Pipes hier und in anderen Artikeln aufzeigt, begann 1979 der Krieg des militanten Islam gegen Amerika, aber noch nicht umgekehrt. Dieser findet erst seit dem Herbst 2001 statt.)

Amerikas Krieg gegen den Terrorismus begann nicht im September 2001. Er begann im November 1979.

Das war kurz nachdem Ayatollah Khomeini die Macht im Iran mit dem Slogan „Tod Amerika“ übernommen hatte – und prompt begannen bald darauf die Anschläge auf Amerikaner. Im November 1979 besetzte ein militant-islamischer Mob die US-Botschaft in Teheran und nahm 52 Amerikaner 444 Tage lang als Geiseln.

Das Rettungsteam, das die Geiseln im April 1980 befreien sollte, hatte acht Tote; das machte sie zu den ersten von vielen amerikanischen Opfern des militanten Islam. Andere folgten, darunter:

April 1983: 17 Tote in der US-Botschaft in Beirut.

Oktober 1983: 241 Tote in der Kaserne der US-Marines in Beirut.

Dezember 1983: 5 Tote in der US-Botschaft in Kuwait.

Januar 1984: Der Präsident der Amerikanischen Universität von Beirut wird getötet.

April 1984: 18 Tote in der Nähe einer US-Luftwaffenbasis in Spanien.

September 1984: 16 Tote in der US-Botschaft in Beirut (einmal mehr).

Juni 1985: Ein Toter bei einer Flugzeugentführung nach Beirut.

Nach einer Pause begannen die Angriffe erneut: 5 und 19 Tote in Saudi Arabien 1995 und 1996; 224 Tote bei den US-Botschaften in Kenia und Tansania im August 1998 und 17 Tote auf der USS Cole im Jemen im Oktober 2000.

Gleichzeitig fand der mörderische Angriff des militanten Islam auch auf amerikanischem Boden statt:

Juli 1980: ein iranischer Dissident in der Umgebung von Washington D.C. getötet.

August 1983: ein Führer der islamischen Ahmadiyya-Sekte in Canton, Michigan getötet.

August 1984: drei Inder in einem Vorort von Tacoma, Washington getötet.

September 1986: ein Arzt getötet in Augusta, Georgia.

Januar 1990: ein ägyptischer Freidenker getötet in Tucson, Arizona.

November 1990: ein jüdischer Führer in New York getötet.

Februar 1991: ein ägyptischer Islamist in New York getötet.

Januar 1993: zwei CIA-Mitarbeiter vor dem Hauptquartier in Langley, Virginia getötet.

Februar 1993: 6 Menschen im World Trade Center getötet.

März 1994: ein jüdisch-orthodoxer Junge auf der Brooklyn-Bridge getötet.

Februar 1997: ein dänischer Tourist im Empire State Building getötet.

Oktober 1999: 217 Passagiere der Egypt Air vor New York getötet.

Vor dem September 2001 verloren alles in Allem 800 Menschen durch Angriffe des militanten Islam auf Amerikaner ihr Leben – mehr als von jedem anderen Feind seit dem Vietnamkrieg getötet wurden. (Außerdem schließt diese Liste nicht die Dutzende Amerikaner in Israel mit ein, die von militant-islamischen Terroristen getötet wurden.)

Und trotzdem wurden diese Morde kaum wahr genommen. Erst mit den Ereignissen vor einem Jahr begriffen die Amerikaner endlich, dass „Tod Amerika“ wirklich ein Schlachtruf des gefährlichsten Feindes aus dieser Gegend ist – des militanten Islam.

Im Nachhinein betrachtet fing der Fehler an, als Iraner die US-Botschaft in Teheran angriffen und keinen Widerstand erlebten. Es ist interessant, dass ein Marine-Feldwebel, der sich an diesem schicksalsträchtigen Tag im November 1979 in der Botschaft befand, dieser Wertung zustimmt. Als der militant-islamische Mob die Botschaft stürmte, folgte Rodney V. Sickmann seinen Befehlen und schützte weder sich noch die Botschaft. Das Ergebnis war, dass er zur Geisel wurde und heute seine Geschichte erzählen kann. (Er arbeitet jetzt für Anheuser-Busch.)

In der Rückschau betrachtet, sieht er seine Passivität heute als Fehler an. Die Marines hätten ihren Dienst tun sollen, auch wenn es ihr Leben gekostet hätte. „Hätten wir das Feuer auf sie eröffnet, hätten wir vielleicht nur eine Stunde durchgehalten.“ Aber hätten sie das getan, dann „hätten sie die Geschichte verändert“.

Sich zu verteidigen hätte ein starkes Signal ausgesandt, dass die USA nicht straflos angegriffen werden können. Die Kapitulation der Botschaft sandte statt dessen das gegenteilige Signal – dass die Amerikaner Freiwild sind. „Wenn man zurück blickt, dann fing es 1979 an und eskalierte seitdem“, schlussfolgert Sickmann völlig zu Recht.

Dem kann der größte geostrategische Denker des Landes, Robert Strausz-Hupé nur seine Zustimmung geben. Kurz bevor er dieses Jahr im Alter von 98 Jahren starb, schrieb Strausz-Hupé seine letzten Worte und zwar über den Krieg gegen den Terrorismus: „Ich habe lange genug gelebt um das Gute mehrfach über das Böse gewinnen zu sehen, wenn auch zu einem Preis, der höher war als nötig. Diesmal haben wir bereits den Preis für den Sieg bezahlt. Es ist an uns, ihn zu gewinnen.“