Die Kibbuz-Bewegung: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Margo Dickstein, HonestReporting, 22. Juli 2019

Die Kibbuz-Bewegung ist eine der Säulen des Staates Israel. Sie ist eine einzigartige israelische Institution, die von vielen geliebt wird. Was aber sind die Ursprünge des Kibbuz und hat er eine Zukunft im modernen Staat Israel?

Die Ursprünge der Kibbuz-Bewegung

Juden, die zur Jahrhundertwende das osmanische Palästina aus Osteuropa kommend erreichten, waren von revolutionären sozialistischen Idealen ihrer Heimatländer beeinflusst. Sie lehnten frühere jüdische Siedlungen ab, die arabische Arbeitskräfte nutzten; sie strebten eine „Eroberung der Arbeit“ an, in dem Glauben, dass nur jüdische Arbeitskraft dazu führen würde, dass das Land erlöst und ein jüdischer Staat gegründet wird.

Während diese frühen Pioniere das Land selbst bearbeiten wollten, konnten sie nicht mit erfahrenen arabischen Arbeitern konkurrieren, die für weniger Geld arbeiteten. Um den Bedürfnissen der neuen Pioniere gerecht zu werden, richtete das zionistische Siedlungsbüro Landwirtschaftsschulen ein.

Eine Gruppe aus der Schule wurde zur Arbeit auf dem Land in der Nähe des Sees Genezareth geschickt, das damals Um Juni genannt wurde. Sie verließen es aber nach weniger als einem Jahr. Eine neue Gruppe Pioniere, die erfolgreich Land bei Hadera bestellten, wurde nach Um Juni geschickt, in der Hoffnung auf ähnlichen Erfolg. Sie sahen sich vielen Herausforderungen ausgesetzt, darunter verfallender Infrastruktur, die die vorherige Gruppe hinterlassen hatte, sowie Angriffen seitens der lokalen Araber.

Diese Gruppe Pioniere war die erste, die an einem Ort blieb und nicht in eine andere Siedlung zog, wie andere sozialistische Juden es zu der Zeit taten. Sie beschlossen die Siedlung Degania zu nennen, nach dem Wort dagan, Hebräisch für die Getreide, die sie anbauten und nach degania, den Kornblumen, die in der Gegend wuchsen. Der Kibbuz Degania wurde 1910 der erste Kibbuz in Israel.

Das Leben in Degania und anderen frühen Kibbuzim im Allgemeinen, war schwierig. Das Land war schwer zu bearbeiten und zu kultivieren, zudem hatten die meisten aus Europa kommenden Neueinwanderer wenig bis keine Erfahrung in der Landwirtschaft. Araber, die nahe neuen jüdischen Siedlungen lebten, verübelten ihnen ihre Anwesenheit weitgehend und Plünderungen waren üblich. Deswegen schufen die frühen jüdischen Siedler die Hashomer-Verteidigungskräfte.

Kibbuzim dienten als Zentren zur Eingliederung von neuen Immigranten und stellten der Haganah während der Mandatszeit Verteidigungskämpfer.

Ein Mitglied des Kibbuz Degania-B pflügt 1945 ein Feld.

Veränderungen

Ursprünglich waren Kibbuzim fast gänzlich landwirtschaftlich und vollständig sozialistisch. Familien lebten in bescheidenen, gleichen Häusern und alle Mahlzeiten wurden gemeinsam im Speisesaal eingenommen. In einigen Kibbuzim schliefen Kinder nachts in einem Kinderhaus statt bei ihren Eltern. Alles verdiente Einkommen ging an den Kibbuz und wurde dann gemeinschaftlich und gleichmäßig verteilt. Es gab keine Verbindung zwischen individuellen Beiträgen für die Gemeinschaft und Einkommen.

In den 1960-er Jahren lebten nur vier Prozent der Israelis in Kibbuzim, aber Mitglieder der Kibbuz-Bewegung stellten 15% der Knesset-Abgeordneten.

Aber in den 1980-er Jahren sah sich Israel einer Wirtschaftskrise gegenüber und die Kibbuzim waren besonders davon betroffen. Infolge steigender Schulden, Inflation und Menschen, die in die Städte zogen, beschloss die Kibbuz-Bewegung, dass die Beibehaltung eines kompletten sozialistischen Rahmens unmöglich sein würde. Die meisten bewegten sich in Richtung Teil-Privatisierung.

2015 kamen nur zwei Mitglieder der Knesset aus einem Kibbuz. Die Schwächung der politischen Macht der Kibbuzim korrelierte mit einer Schwächung der Arbeits-Zionismus-Bewegung als Ganzem.

Kühe in einem Kibbuz.

Der Kubbuz heute

Die heutigen Kibbuzim folgen einem von drei Wirtschaftsmodellen:

  • Der Gemeinschaftskibbuz: Die Aufteilung des Einkommens erfolgt gemeinschaftlich und zu gleichen Teilen, unabhängig vom individuellen Beitrag zur Gemeinschaft.
  • Der integrierte Kibbuz: Das individuelle Einkommen eines Mitglieds gründet auf einer anfänglichen, gleichen Summe, die von jedem Kibbuz-Mitglied geleistet wird, einer zusätzlichen Summe, die darauf basiert, wie lange sie im Kibbuz gelebt haben und einer weiteren Summe auf Grundlage des Gehalts/Beitrags zum Kibbuz.
  • Der erneuerte Kibbuz: Die Aufteilung des Einkommens ist unterschiedlich. Je mehr jemand verdient, desto mehr erhält er. Es wird jedoch ein gewisser Prozentsatz vom Gehalt eines jeden Kibbuz-Mitglieds abgezogen, um Gemeinschaftsausgaben und Einkommen von Mitgliedern, deren Verdienst unter das vom Kibbuz festgesetzte Mindestgehalt fällt, abzudecken.

Die überwiegende Mehrheit der heutigen Kibbuzim, fast 190, entschieden sich „erneuerte Kibbuzim“ zu werden; sie betrachten sich selbst als „Reformer“ und passten die Kibbuz-Methoden an die wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen des 21. Jahrhunderts an. Etwa 60 Kibbuzim operieren mit der Gemeinschafts-Methode, 20 sind integriert.

Alle Kibbuzim funktionieren als Demokratien, in denen Mitglieder bei der Formulierung der Politik, der Wahl von leitenden Vertretern, der Autorisierung des Kibbuz-Budgets und der Bestätigung neuer Mitglieder abstimmen. Kibbuz-Mitglieder wählen Mitglieder in Komitees, die die Entscheidungen zu Dingen wie Unterkünften, Finanzen, Produktion, Planung, Gesundheit und Kultur treffen.

Produktion von Kibbuzim macht 5,2% des israelischen Bruttosozialprodukts aus und 9,2% der Industrieproduktion aus. Während Kibbuzim weniger starke landwirtschaftliche Produzenten sind als früher, hinterlassen sie immer noch einen enormen Einfluss auf den Staat; 34% der gesamten Landwirtschaftprodukte kommen aus Kibbuzim. Kibbuzim gehören 10% des Landes innerhalb des Staates.

Die Zukunft der Kibbuz-Bewegung

Heute haben Kibbuzim weit über die kleinen, sozialitischen Kommunen hinaus expandiert, die sie einst waren. Viele Industrien, die in Kibbuzim arbeiten, werden in Tel Aviv und an Börsen im Ausland gehandelt.

Israelis tragen diese Ideale in 100 sogenannte „Stadt-Kibbuzim“, in denen geschätzte 2.000 Israelis leben. Die Bewegung der Stadt-Kibbuzim keimt auch im Ausland, besonders in den USA, Australien und Deutschland.

Viele glauben, dass die Kibbuz-Bewegung eine Wiederbelebung erfährt; Kibbuzim expandieren und Menschen ziehen aus Städten in die Peripherie, um den ländlichen Kibbuz-Lebensstil zu erfahren. Die meisten argumentieren, dass diese Expansion nur infolge der Evolution der Kibbuzim möglich ist.

Es ist zu klar, dass dieser Expansion nicht von einer politischen Expansion der Arbeiterbewegung geholfen wird. Es ist etwas tiefer Gehendes – etwas ruft Menschen, den leichten Lebensstil der Stadt aufzugeben und in Kibbuzim zu leben, die 100 Jahre alte Bewegung ins 21. Jahrhundert zu tragen.

Kurz gesagt: Der Kibbuz ist im modernen Staat Israel da um zu bleiben.

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Die Fata Morgana eines internationalen Jerusalem

Wie die Idee von Jerusalems Status als „internationaler Stadt“ in zahllose UNO-Resolutionen und Außenpolitik eingebettet wurde und warum sie völlig ohne Grundlage ist.

Chris McGrath/Getty Images.

Michel Gurfinkel, Mosaic, 8. Juli 2019

Die Entscheidung der Vereinigten Staaten vom 6. Dezember 2017, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die amerikanische Botschaft von Tel Aviv dorthin zu verlegen, war eine der bedeutsamsten diplomatischen Handlungen, die je von einer US-Administration in Nahost-Angelegenheiten unternommen wurde. Und zwar derart, dass niemand glaubte Präsident Donald Trump würde es tatsächlich tun, bis er es tat.

Als er es machte, begrüßten es die meisten Israelis und proisraelischen Amerikaner oder waren positiv erfreut. Im Gegensatz dazu war die amerikanische politische Klasse, Republikaner wie Demokraten, fassungslos – obwohl der Präsident lediglich ein vom Gesetz gegebenes Mandat erfüllte, den Jerusalem Embassy Act, der einstimmig von beiden Häusern des Kongresses während der Präsidentschaft von Bill Clinton vor 22 Jahren, 1995, verabschiedet worden war, nur um von folgenden Weißen Häusern zwei Jahrzehnte lang wiederholt zurückgestellt zu werden. Altgediente Nahost-Arabisten im Außenministerium setzten hingegen ein strenges Gesicht auf und gehorchten.

Was folgte, war keine Überraschung. Die „internationale Gemeinschaft“, von der Vollversammlung der Vereinten Nationen bis zur Europäischen Gemeinschaft, ganz zu schweigen von der Arabischen Liga und der Islamischen Weltkonferenz, lehnten die amerikanische Initiative heftig ab. Zwei Wochen nach der Verkündung des Beschlusses stimmten 128 der 193 Mitgliedsstaaten der Vollversammlung für eine von der Türkei und dem Jemen entworfene Resolution – ES-10.L22 – und forderten, dass „alle Staaten die Resolutionen des Sicherheitsrats zur Heiligen Stadt Jerusalem befolgen und keinerlei Handlungen oder Maßnahmen anerkennen, die im Widerspruch zu diesen Resolutionen stehen“. Nur acht Länder, darunter Israel, stellten sich auf die Seite der USA.

Diese internationale Verurteilung vertraute auf eine altehrwürdige Vorstellung: dass der Rechtsstatus von Jerusalem – Gehört es Israel? Den Palästinensern? Oder beiden? Oder keinem von ihnen? – eine gelöste Sache sei und dass die Antwort auf diese Fragen „keine davon“ lautete. Stattdessen hatten das Völkerrecht und Präzedenzfälle die Stadt als internationales Mündel zurechtgeschnitzt.

Es gibt in der Tat eine lange Rechtsgeschichte, die auf vielen Resolutionen und Vereinbarungen mit genau diesem Ziel aufbaut. Aber mit dieser festgelegten Überzeugung gibt es zwei Probleme. Erstens werden ihre Wurzeln im Recht ungeheuer falsch dargestellt. Zweitens beruht der Anspruch, dass Jerusalem tatsächlich Israel gehört, auf starken rechtlichen, moralischen und demografischen Fundamenten.

Fangen wir mit dem Recht an.

I. Was internationales Recht ist

Was ist internationales Recht? Es ist ganz leicht die Vorstellung anzuzweifeln, wenn nicht sogar sich darüber lustig zu machen, dass es so etwas gibt – heißt, eine universal anerkannte Gesetzessammlung beschlossener Regeln, die für das Verhalten von Staaten bindend sind. Trotzdem wollen wir für unsere Zwecke postulieren, dass internationales Recht existiert, dass es sich einer eindrucksvollen Geschichte erfreut und dass es die Genehmigung der zivilisierten Welt abnötigt oder abnötigen sollte.

Heute wird allgemein angenommen, dass internationales Recht hauptsächlich von den Vereinten Nationen entschieden und für Recht erklärt wird, wenn streitende Länder damit einverstanden sind, und zwar durch einen Zweig der UNO, den Internationalen Gerichtshof. Daher zitiert fast jedes Argument, das gegen Präsident Trumps Entscheidung zu Jerusalem ins Feld geführt wird, verschiedene UNO-Resolutionen und sagt, dass Jerusalem nicht die Hauptstadt Israels ist. Besonders herausstechend ist die Resolution 470 des Sicherheitsrats, die am 20. August 1980 verabschiedet wurde und den Beschluss eines verfassunggebenden Gesetzes des israelischen Parlaments verurteilte, mit dem Jerusalem als Israels Hauptstadt verankert wurde und die die Regierungen, die ihre Botschaften bereits in die Stadt verlegt hatten, aufforderte sie wieder abzuziehen. Resolution 470 beruht im Gegenzug weitgehend auf früheren Resolutionen des Sicherheitsrats von 1967 und 1968, die Israel jegliches Recht an Veränderung des „Status“ Jerusalems als Ergebnis des Sechstage-Krieges im Juni 1967 verweigerten.

Aber besitzen die Vereinten Nationen die Befugnis über solche Resolutionen Gesetze zu erlassen? Immerhin sind sie nicht mehr als eine Vereinigung souveräner Länder, die letztlich frei bleiben UNO-Resolutionen einzuhalten oder sie zu ignorieren. Und wenn die UNO keine Superregierung ist, was ist dann mit ihren Resolutionen?

Wie durchaus bekannt ist, gibt es zwei Arten davon. Resolutionen der Vollversammlung werden – wie gerade erst ES-10/L.22 – von einer Mehrheit der Mitglieder verabschiedet. Gemäß der UNO-Charta sind sie rechtlich nicht bindend. Stattdessen bezeugen sie eine politische Ansicht, die von der Mehrheit der Länder zu einem bestimmten Moment vertreten werden, sich mit der Zeit aber auch ändern kann. So wurde die berüchtigte Resolution 3379 vom 10. November 1975, die – mit einer Mehrheit von 72 zu 32 Stimmen bei 32 Enthaltungen – festlegte, dass „Zionismus eine Form von Rassismus und Rassendiskriminierung ist“ sechzehn Jahre später von Resolution 4686 am 16. Dezember 1991 mit 111 Stimmen gegen 25 bei 13 Enthaltungen aufgehoben.

Doch obwohl sie an sich nicht maßgeblich sind, führen Resolutionen der Vollversammlung manchmal zu Resolutionen des Sicherheitsrats, von denen manche als „Entscheidungen“ formuliert werden, die für alle UNO-Mitgliedstaaten rechtlich bindend sind. Unter den Kapiteln VII und VIII der UNO-Charta können solche Sicherheitsrats-Resolutionen wirtschaftliche oder militärische Sanktionen gegen einen Schurkenstaat verhängen. Alle Resolutionen des Sicherheitsrats erfordern nicht nur eine Mehrheit der Ratsmitglieder, sondern auch die Zustimmung der fünf ständigen Mitglieder, von denen jedes mit Veto-Macht ausgestattet ist.

So viel zum rasch gegebenen Hintergrund. Selbst wenn man die Rechtsautorität der UNO kurzerhand, wie es viele tun, infrage stellt, ist es das eine, auf dieser Grundlage die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels abzulehnen; es ist auch etwas ganz anderes Israels Fall zu verfechten. Tatsächlich gibt es jedoch jede Menge Dokumentierung der besonderen Beziehung des jüdischen Volks zum Heiligen Land und damit zur Stadt Jerusalem.

Erstens war diese besondere Beziehung in die Balfour-Erklärung vom 2. November 1917 und in verschiedenen Folgedokumenten, die darauf Bezug nahmen, inbegriffen, einschließlich der Resolution der Konferenz von San Remo vom 25. April 1920 und einer gemeinsamen Resolution des US-Kongresses vom 21. September 1922. Der Anspruch wurde im britischen Weißbuch zu Palästina vom 3. Juni 1922 ausdrücklich anerkannt, ebenso in der Präambel des Völkerbund-Mandats für Palästina vom 24. Juli desselben Jahres, der so beginnt: „Angesichts dessen, dass Anerkennung … für die historische Verbindung des jüdischen Volks zu Palästina und die Gründe für die Wiederherstellung seiner nationalen Heimstätte in diesem Land gegeben sind…“

Zweitens: Jerusalem war von 1920 bis 1948 Sitz von Palästinas Verwaltungsregierung. Ja, der UNO-Plan zur Teilung Palästinas zwischen den Juden und den Arabern vom November 1947 schlug vor, aus Jerusalem ein Gebilde (corpus separatum) zu machen, das von den beiden Staaten abgetrennt ist – ein Thema, zu dem wir bald zurückkehren werden. Aber dieser Plan, obwohl er von der UNO-Vollversammlung befürwortet wurde, war nie mehr als ein Vorschlag. Die arabischen Staaten und Palästinas arabische Führung lehnten den Vorschlag ab und er wurde nie umgesetzt. Da Jerusalem Palästinas Regierungssitz war, bevor Israel entstand, blieb es das für den jüdischen Staat nach der Unabhängigkeit nach 1948.

Dazu kommt: Wie auch immer der Rechtsstatus der Vereinbarung zwischen Israel und der PLO von 1993 aussieht, die wir als die Oslo-Vereinbarungen kennen, ließ diese Abmachung bewusst den Fall Jerusalem für ein späteres Stadium im Friedensprozess aus. Das hat vertretbarerweise implizit den Status quo – Jerusalem war die Hauptstadt Israels – einstweilen bestätigt.

Drittens: Diese Staaten, die bilaterale Beziehungen mit dem Staat Israel unterhalten, erkennen Jerusalem auch de facto als Hauptstadt an, seit ihre Führer oder Repräsentanten regelmäßig nach Jerusalem reisen, um Israels Führungspolitiker zu treffen oder vor dem israelischen Parlament zu sprechen. Gemäß dem israelischen Recht ist eine de-facto-Anerkennung so gültig wie die de-jure-Anerkennung, jedenfalls so lange, wie die de-facto-Umstände herrschen.

Mit anderen Worten: Es ist sowohl eine krasse Ungereimtheit als auch ein Bruch der akzeptierten Regeln für internationale Beziehungen der vielen UNO-Mitgliedstaaten, die Israel anerkennen und deren Führungskräfte oder Repräsentanten Israels Führungspolitiker und Abgeordnete besuchen – eine Liste, zu der von den großen EU-Mächten Deutschland, Frankreich und Großbritannien gehören – wenn sie die Entscheidung von Präsident Trump als rechtlich nicht zulässig verurteilen.

II. Die Halbwertzeit eines internationalen Jerusalem

Warum hat dann, wenn ein solch lange etablierter Präzedenzfall vorhanden ist Jerusalem als Israels Hauptstadt zu betrachten, die „internationale Gemeinschaft“, einschließlich einiger Beispiele der USA, Israels Recht an der Stadt derart energisch missachtet? Die Antwort kann in Begrifflichkeiten einer  Metapher ausgedrückt werden: So wie bestimmte Isotopen eine gewisse Zeit brauchen, damit ihre Radioaktivität auf die Hälfte ihres ursprünglichen Werts fallen und dann mehr Zeit, bis sie komplett zerfallen, erfreuen sich manche politischen Fakten oder Verständigungen einer ähnlichen „Halbwertzeit“, lange nachdem sie von den Umständen der realen Welt hinweggefegt wurden – besonders wenn ihr Überleben den Interessen einer ganzen Reihe von Seiten dient.

Was uns zum UNO-Teilungsplan für das Mandat Palästina von 1947 zurückbringt und besonders zu seinen Vorkehrungen bezüglich Jerusalems.

Der Teilungsplan wurde vom UNO-Sonderkomitee zu Palästina (UNSCOP) entwickelt. Die UNO-Vollversammlung stimmte am 29. November 1947 mit Zweidrittel-Mehrheit für den Plan, was die palästinensischen Juden (der Jischuw) und die Juden im Ausland als Bestätigung des zionistischen Traums feierten. Selbst heute ist sein Jahrestag in Israel eine Art nationaler Feiertag. Palästinensische Fraktionen und die palästinensische Autonomiebehörde gedenken des Tages mit Trauer als Teil der sich entwickelnden nationalen „Katastrophe“ (nakba) dieser Jahre.

In einer Hinsicht war der Plan der UNO entschieden pro-jüdisch und pro-zionistisch: Er sah ausdrücklich die Gründung eines jüdischen Staates vor. Aber der Plan war auch zutiefst fehlerhaft und sein Kontext ist von der internationalen Gemeinschaft schmerzlich und oft vorsätzlich missverstanden worden.

Zur Zeit der Verabschiedung des Plan1947 war alle internationale Unterstützung für einen jüdischen Staat ein Aktivposten, den die zionistische Bewegung nicht ausschlagen konnte, wie auch immer diese Unterstützung tatsächlich aussah und wie auch immer Form und Größe dieses vorgeschlagenen  Staates aussahen. Zweifellos wurde von den meisten Mitgliedern des Sonderkomitees, wie auch von denen, die daran arbeiteten den Plan genehmigt zu bekommen, ganz genau verstanden, was auf dem Spiel stand und sie dachten nicht nur an das Versagen der internationalen Gemeinschaft bei der Rettung des europäischen Judentums im Zweiten Weltkrieg, sondern auch an das Leid der hunderttausenden staatenlosen Holocaust-Überlebenden, die immer noch in Auffanglagern eingesperrt waren.

Die Verfasser glaubten eine territoriale Teilung, für die es vergleichbare Fälle in Irland und kurz zuvor in Indien gab, sei ein Schritt hin zur Zustimmung der Briten, der USA und der internationalen Gemeinschaft als Ganzer zu einem jüdischen Staat. Aber es gab, um das zu wiederholen, viele und tief gehende Mängel. Der Zweistaaten-Plan, wie er in UNO-Resolution 181 formuliert wurde, gab den Arabern mehr Land als die jüdischen und britischen Väter der Balfour-Erklärung und des Mandats Palästina vorgesehen hatten.

Dazu kommt, dass jeder der beiden Staaten, wie der Plan es vorsah, aus ein paar größtenteils nicht zusammenhängenden Enklaven bestanden, die strategisch nicht lebensfähig und wirtschaftlich bundesstaatlicher oder konföderativer Vorkehrungen beraubt waren – was im Gegenzug die Notwendigkeit internationaler Aufsicht und vielleicht Einschränkungen der Souveränität beider Staaten impliziert. Zu guter Letzt, aber kaum unwichtig: Indem Jerusalem vom jüdischen Staat abgetrennt und ein Corpus Separatum für diese mehrheitlich jüdische Stadt geschaffen wurde, beinhaltete der Plan Vorstellungen, die die historischen Verbindungen der Juden zu Jerusalem herabsetzten und ihre Fähigkeit bestritt die heiligen Stätten aller dortigen Religionen zu schützen.

Man könnte entsprechend verstehen, warum manche (hauptsächlich rechte) Zionisten den Teilungsplan von Anfang an ablehnten. Aber die offizielle Führung, beherrscht von Parteien links der Mitte, glaubte, dass der wichtigste politische Gewinn – ein von der UNO begrüßter jüdischer Staat – alle Unzulänglichkeiten überwog: Besser einen Staat durch Teilung als überhaupt keinen jüdischen Staat. Fakt ist, dass jüdische Führer in Palästina ein Jahr zuvor ihren eigenen Teilungsplan in den Raum stellten, der eine internationale Zone in Jerusalem beinhaltete.

Es gab zudem einen tieferen Grund dafür, dass die jüdische Führung für einen Kompromiss-Plan offen war: Es sah so aus, als würde am Ende des Tages ein solcher Plan keine wirkliche Rolle spielen. Sobald ein jüdischer Staat geschaffen sein würde, würde seine tatsächliche Form nicht länger von irgendeinem vorab festgelegten Plan der UNO bestimmt werden, sondern durch die Fakten vor Ort. In der Rede, die er am 3. Dezember 1947 vor dem Zentralkomitee der jüdischen Arbeiterbewegung hielt und deren Substanz er bei den Überlegungen zum Text der Unabhängigkeitserklärung Israels im Mai 1948 bekräftigen sollte, deutete David Ben-Gurion diese Logik an.

Die UNO-Resolution verstümmelt eindeutig unsere Ambitionen und missachtet die internationalen Zusagen, die im Zuge des Ersten Weltkriegs gegeben wurden. Sie reduziert ziemlich offensichtlich das Gebiet des jüdischen Landes. Man kann nicht anders als festzustellen, dass Jerusalem eine internationale Stadt werden soll … dass uns fast alle Berge genommen wurden … und dass die Grenzen des jüdischen Staates gelinde gesagt bizarr sind. Trotz allem glaube ich, dass es der größte Aktivposten ist, der dem jüdischen Volk im Verlauf seiner gesamten Geschichte jemals gewährt wurde. Solange ein solcher Staat entsteht und gedeiht…

Abgesehen davon würde ein souveräner jüdischer Staat auf der Stelle hunderttausende jüdischer Immigranten aufnehmen und stark genug werden, um für ihn zu kämpfen, falls – was wahrscheinlich war – die arabische Seite sich für Krieg entschied. Oder um günstigere Bedingungen auszuhandeln. Selbst viele UNSCOP-Mitglieder, einschließlich ihres Vorsitzenden, des Schweden Emil Sandström, gestanden ein, dass die Teilung nicht umgesetzt werden könnte „ohne auf Gewalt zurückzugreifen“. Zudem machte das haschemitische Königreich Transjordanien in Geheimverhandlungen deutlich, dass es sowohl in den Krieg zeihen als auch Anspruch auf die arabisch bevölkerten Gebiete im cisjordanischen Palästina (grob, der „Westbank“) erheben würde, was praktisch sicher stellte, dass der die Westbank kontrollierende palästinensisch-arabische Staat Transjordanien sein würde, kein neuer arabischer Staat.

Wenn das erklärt, warum eine Teilung des Landes von den Zionisten zumindest als taktischer und temporärer Schritt begrüßt werden konnte, galt dieselbe Denkweise mutatis murandis für die Bereitschaft auf einen Streit um Jerusalem zu verzichten – den Ort, der nach jedem Maßstab das Jüdischste im ganzen Land überhaupt war.

In strategischen Begriffen gesprochen waren die Juden in Jerusalem viel schwächer als überall sonst. Die Heilige Stadt war vergleichsweise isoliert vom Großteil des jüdischen Palästina, das sich an der Mittelmeerküste und in Galiläa befand. Die große ultraorthodoxe Gemeinschaft in der Stadt hatte sich Jahrzehnte lang von den Hauptorganisationen des Jischuw getrennt gehalten und seine Einwohner waren weitgehend nicht für militärisches oder paramilitärisches Training zu gebrauchen. Was die Dinge weiter komplizierte: Obwohl einig Juden in Jerusalem sich tatsächlich Selbstverteidigungs-Netzwerken angeschlossen hatten, tendierten sie dazu die Einheiten zu favorisieren, die mit den jabotinskischen Flügel verbunden waren (Etzel und Lehi), statt mit den Einheiten, die für die Führung waren (Haganah und Palmah) und ansonst das Kommando hatten; die Koordination der beiden war alles andere als einfach.

Unter solchen Umständen war ein corpus separatum eine sinnvolle vorläufige Option. Und „vorläufig“ ist erneut das Schlüsselwort. Wo eine jüdische Armee in Jerusalem die Kontrolle übernimmt und Gebiete hält, könnte die Idee des corpus separatum als Teil eines Teilungsplans, der nie wirksam wurde, vergessen werden. Sollten die Juden dort scheitern, könnte der Plan des corpus separatum jüdischen Führern erlauben etwas internationalen Schutz für in der Stadt verbleibende Juden zu gewinnen. In der Zwischenzeit war Bereitschaft für Kompromiss zu zeigen ein wichtiges diplomatisches Guthaben.

III. Eine christlich regierte Stadt

Ein Grund dafür zu Jerusalem Kompromisse einzugehen war dieser: Damals war „Internationalisierung“ ein Codewort für die Fortsetzung besonders einer christlichen Präsenz sowohl in Jerusalem als auch im Heiligen Land; im Gegenzug war jüdische Zustimmung zu einer solchen fortgesetzten Präsenz notwendig für christliche Zustimmung bzw. Unterstützung eines jüdischen Staates. Dieser entscheidende, aber oft übersehene Punkt verdient eine kurze Zusammenfassung.

Ein Jahrhundert lang ab etwa den 1850-er Jahren hatte eine stetige christliche Wiederbelebung in Jerusalem stattgefunden. Sie war zwar demografisch schwächer als die jüdische Wiederbelebung, dafür aber weit sichtbarer und spektakulärer, was Institutionen, Gebäude und Landbesitz angeht. Unter dem osmanischen Landbesitzgesetz von 1857 wurde den meisten christlichen Sekten und Gemeinden erlaubt so viel Land zu kaufen, wie sie sich leisten konnten, einschließlich großer Gebiete Wüste oder Halbwüste außerhalb der Stadtmauern, entweder um bestehende christliche Schreine oder Gebäude zu schützen oder um neue Viertel zu bauen. Es wurde derart viel Land angesammelt, dass Christen ab den 1920-ern begannen Land an den Jüdischen Nationalfond oder private jüdische Bauträger zu verpachten.

Ein Großteil dieser christlichen Aktivitäten nahm nach 1917/18 zu, als die Briten im Ersten Weltkrieg Palästina von den Osmanen eroberten. Für viele christlichen Denominationen und für christlich orientierte Europäer sah diese Entwicklung sehr stark wie sehr verspätete Gelegenheit aus die erniedrigenden Niederlagen der Kreuzzüge zu beheben, besonders (nach der Gründung eines vorwiegend christlichen Landes im Libanon) die Niederlage Europas durch Saladin im 13. Jahrhundert.

Damit im Hinterkopf ist es kein Wunder, dass die Christen Palästinas und ihre Verbündeten im Ausland in den ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg fürchteten, der bevorstehende britische Rückzug aus dem Land würde ihre welthistorische Chance gefährden. Ein überwiegend arabisches Palästina würde ein überwiegend muslimisches Palästina sein, mit wenig Geduld für die Christenheit; für manche warf ein jüdisches Palästina ähnliche Bedenken auf. Solche Sorgen mussten besänftigt werden, auch zu hohen Kosten – daher die Bedeutung einer jüdischen Bereitschaft aus Jerusalem eine „internationale“ Enklave zu machen.

Erinnern Sie sich, dass es immer noch 1947 war: Ein Jahrzehnt vor der endgültigen Auflösung der europäischen Kolonialreiche. Die Vereinten Nationen und die „internationale Gemeinschaft“ blieben weitgehend von Christen dominierte Länder. Von einem internationalen Jerusalem wurde daher erwartet, dass es aus lauter praktischen Gründen eine christlich regierte Stadt sein würde.

Teil dieser Kalkulationen waren zusätzlich die andauernden Verhandlungen zwischen der jüdischen Führung und insbesondere der katholischen Kirche.

Bis 1944 hatte der Heilige Stuhl sich unnachgiebig sowohl gegen den Zionismus als auch gegen jüdische Immigration nach Palästina gestellt. In den Jahren unmittelbar nach dem Krieg nahm Papst Pius XII. jedoch eine nuanciertere Haltung ein. Beim Treffen mit einer arabisch-palästinensischen Delegation Anfang August 1946 predigte der Pontifex Frieden und beklagte „die Verfolgungen, die dieser fanatische Antisemitismus“ über das „hebräische Volk“ hereinbrechen ließ. Er stellte sicher, dass seine Worte in der New York Times berichtet wurden, die die Kirche als höchst einflussreiche „jüdische Zeitung“ in Amerika betrachtete.

Nach diskreten Gesprächen zwischen dem Heiligen Stuhl und jüdischen sowie zionistischen Vertretern und der Bereitschaft Letzterer die Idee einer internationalen Herrschaft über Jerusalem in Erwägung zu ziehen, ließ der Vatikan seine antizionistische Haltung fallen und versprach Neutralität im Disput über Palästina. Im Juni 1947 vertraute Monsignore Thomas MacMahon, der für christliche arabische Angelegenheiten bei der UNO zuständige amerikanische Prälat, der UNSCOP an:

Uns ist die Form des Regimes, das Ihr geschätztes Komitee empfehlen wird, völlig egal, vorausgesetzt, die Interessen der Christenheit – katholisch, protestantisch oder orthodox – finden in ihrer endgültigen Empfehlung Abwägung.

Einen Monat später nutzte Bruder Simon Bonaventure, ein Franziskaner-Repräsentant für die Aufsicht über das Heilige Land, exakt dasselbe Argument und setzte „den Schutz der christlichen Dienste“ als einziges Interesse seines Ordens fest. Im Gegenzug machte die „Gleichgültigkeit“ oder Neutralität des Heiligen Stuhls es UNSCOP und den Repräsentanten der katholischen Länder in der UNO, besonders den lateinamerikanischen, leichter den Teilungsplan zu unterstützen.

Dieser christliche Blickwinkel erklärt auch, warum das corpus separatum, wie die UNO-Resolution 181 es vorsah, geographisch deutlich über die Grenzen der Stadt Jerusalem in der Mandatszeit hinaus ausgeweitet ausgedehnt wurden. Das zielte darauf so viele christliche Gemeinden und heiligen Orte wie möglich unter „internationale“ – heißt christliche – Kontrolle zu bringen, darunter auch Bethlehem und Beit Jalla.

Aus dem gleichen Grund wurden allerdings auch abgelegene muslimische Gemeinden eingeschlossen, was den Effekt hatte, dass die jüdische Mehrheit im neuen „internationalen Jerusalem“ von ihrer damaligen 60-Prozent-Mehrheit der Stadtbevölkerung auf 49 Prozent verdünnt würde – immer noch eine relative Mehrheit, aber weniger als die absolute demografische Dominanz, die die Juden seit den 1870-er Jahren genossen hatten.

Aber hier greifen wir vor. Für den Fall erwiesen die taktischen Kalkulationen der jüdischen Führung sich als korrekt und das corpus separatum wurde nie umgesetzt. Der Krieg, der direkt nach dem November 1947 als innerer Konflikt zwischen Gruppen begann und dann, nach dem britischen Abzug im Mai 1948, zu einem ausgewachsenen Krieg zwischen dem neuen Staat Israel und sieben benachbarten arabischen Ländern entwickelte, wurde von den Juden weitgehend gewonnen. Die Waffenstillstandslinien, auf die man sich Anfang 1949 einigte, gaben Israel 75 Prozent des Mandats Palästina. Und auch die demografische Balance des Landes änderte sich über Nacht, weil mehr als eine Million jüdischer Immigranten, zumeist Holocaust-Überlebende, hineinströmten, während mehr als eine halbe Million Araber in die arabisch kontrollierten Gebiete Palästinas und andere arabische Länder flohen.

Wie vorhergesehen, fanden die schwersten Kämpfe in Jerusalem statt, aber am Ende schaffte Israel es das meiste der jüdischen Vorkriegsstadt zu behalten. Die eine grelle Ausnahme waren die jüdischen Viertel der Altstadt. Diese waren von den Jordaniern seit der Eröffnung der Feindseligkeiten in Schutt und Asche gelegt worden und im Mai 1948 wurden ihre 2.000 Einwohner zwangsweise entfernt.

Israel schaffte es den Skopusberg, den ersten Sitz der Hebräischen Universität, als Enklave im nördlichen Jerusalem zu halten und den Zionsberg als zweite Enklave direkt außerhalb der Altstadtmauern. Es schaffte es auch den israelischen Teil Jerusalems mit dem Rest des Landes zu verbinden. Aber die heiligen Stätten der Altstadt, darunter 35 Synagogen, wurden entweder zerstört oder blieben – im Fall der Westmauer und des Ölbergs – in arabischer Hand. Mehrere jüdische Siedlungen außerhalb der Stadtgrenzen, darunter Atarot, Neveh Yaakov und die fünf Gemeinden im Gush Etzion waren ebenfalls an arabische Kräfte gefallen.

Tatsächlich war das israelische Jerusalem, wie es von den Waffenstillstandslinien von 1949 festgelegt wurde, von feindlichen Kräften auf drei von vier Seiten eingeschlossen; nur die westliche Seite war offen, verbunden mit dem Rest des Landes durch einen weniger als 10km breiten Korridor. Nach dem Krieg sollten sporadische Terroreinfälle, Artilleriebeschuss und Heckenschützenfeuer nicht nur an den israelisch-jordanischen und israelisch-syrischen Waffenstillstandslinien auftreten, sondern auch im Bereich von Jerusalem. Erfahrene Jerusalemer erinnern sich noch an große Niemandsland-Pufferzonen mit Stacheldraht, die zwei Jahrzehnte lang den israelischen Sektor in Jerusalem – „Westjerusalem“ – von den von den Jordaniern gehaltenen Sektoren trennte.

All das sollte natürlich durch Israels spektakulärem Sieg im Sechstage-Krieg 1967 verändert werden.

IV. Versunken in Hirngespinsten

Wie wir gesehen haben, war die wichtigste rechtliche Folge des Krieges von 1947 bis 1949 und der folgenden Waffenstillstandsvereinbarungen der Tod des Teilungsplans von 1947, einschließlich seiner Sondervorkehrungen für Jerusalem, den Israels arabische Nachbarn abgelehnt hatten. Trotzdem argumentierten Vertreter verschiedener Länder unlogisch, dass die Vorkehrungen des Plans für Jerusalem irgendwie weiter gelten. Die katholische Kirche, eifrig um Sicherstellung des Erhalts der christlichen Macht in Jerusalem bemüht, war ein Hauptförderer dieses Versinkens in Hirngespinsten.

Am 24. Oktober 1948, im Gefolge einer israelischen Aktion zur Erweiterung des westlichen Korridors aus Jerusalem hinaus, gab Papst Pius XII. eine enzyklische „Empfehlung“ für ein Sonderregime für Jerusalem und die benachbarten Bereiche aus, das „in internationalem Recht gründen und im internationalen Recht garantiert werden“ sollte. Eine zweite Enzyklika, ausgegeben im April 1949, drei Monate nach dem israelisch-jordanischen Waffenstillstand, forderte erneut ein „international garantiertes Regime“ in der Heiligen Stadt. Es fällt auf, dass der Heilige Stuhl weder im ersten noch im zweiten Fall beanspruchte, dass die Vorkehrung des Teilungsplans als solche weiter gültig seien: Er forderte nur, dass, wie immer der letzte Ausgang des arabisch-israelischen Konflikts aussehen würde, eine Art internationaler Kontrolle oder Oberaufsicht für Großjerusalem behalten würde.

Im Verlauf der nächsten acht Monate leistete der Vatikan intensive Lobbyarbeit bei den Vereinten Nationen, um das corpus separatum wieder zu installieren –  und hatte tatsächlich Erfolg. Resolution 303 (IV), verabschiedet von der Vollversammlung am 9. Dezember 1949, forderte dreist, dass die Stadt als „corpus separatum unter einem besonderen internationalen Regime eingerichtet“ und „von den Vereinten Nationen verwaltet“ werde. Nicht weniger dreist skizzierte sie die Grenzen des corpus separatum, die „die aktuelle Stadt Jerusalem plus die umgebenden Dörfer und Städte“ einschlossen, deren östlichste Abu Dis ist, deren südlichste Bethlehem, deren westlichste Ein Kerem (einschließlich des Bereichs von Motsa) und deren nördlichste Schuafat war.

Diese extravagante Petition ignorierte sowohl die rechtlichen Folgen des Krieges von 1947 – 1949 und der sich daraus ergebenden Fakten vor Ort; keine folgende UNO-Resolution sollte sie jemals wörtlich zitieren. Momentan als Triumph für den Vatikan angesehen, sollte Resolution 303 (IV) sich langfristig für Katholiken und andere Christen als Rohrkrepierer erweisen. Jordanien verhärtete seine antichristliche Haltung in Jerusalem und dessen Umgebung, bis der Bereich 1967 von Israel erobert wurde; Yassir Arafat und Mahmud Abbas sollten dem jordanischen Beispiel folgen, als sich die PLO 1993 über die Oslo-Vereinbarungen in der Westbank und in Bethlehem eingrub.

Dennoch sollte das 1949 geschaffene Hirngespinst wachsen und zunehmen, denn Resolution 303 wurde bald zur Hauptinspiration für die Doktrin, die auch vom US-Außenministerium bis 2017 wie auch fast jedem anderen Außenministerium der Welt unterstützt wurde und gemäß der „Westjerusalem“ kein Teil Israels war.

Diplomatie gründet auf Routine, Wiederholung und Querverweisen. Ist über eine Resolution erst einmal abgestimmt worden, kann sie in weiteren Resolutionen ständig erwähnt oder zitiert werden – oder in den Diskussionen, die dazu führen, dass sie geschrieben werden. Je mehr eine Resolution erwähnt oder zitiert wird, als desto unantastbarer wird sie betrachtet. Sobald sie durch eine internationale Organisation angenommen wurde, werden andere sie sich zueigen machen, als ihre sich ständig multiplizierende Zweige und Ableger. Resolutionen der Vollversammlung werden von Resolutionen des Sicherheitsrats und der UNESCO, der WHO, anderen UNO-Organisationen, der EU, den Organisationen der Afrikanischen Union, der Arabischen Liga, der World Islamic Conference, der Blockfreien-Bewegung und jeder „progressiven“ NGO unter der Sonne zitiert.

Diplomaten und Jura-Professoren behaupten dann, dass die Resolution „internationales Recht“ geworden ist, selbst wenn sie in krassem Widerspruch zu seit langer Zeit bestehenden Prinzipien des internationalen Rechts stehen. Die Behauptungen werden durch politische Netzwerke zwischen gleichgesinnten Gruppen verstärkt, die sich die „internationale Gemeinschaft“ nennen.

Während der meisten Zeit der Ära des Kalten Krieges wuchsen die Vereinten Nationen und ihre Organisationen enorm an, akkreditierten Dutzende gerade neu gegründeter Staaten und verließen die weitgehend westliche und demokratische politische Kultur ihrer Gründungsmitglieder. Als Ergebnis wurden die Vollversammlung und andere Gremien oder Kommissionen zunehmend von antiwestlichen, antiamerikanischen und antiisraelischen Mehrheiten dominiert. Öfter als nicht ist ihnen keine andere Hemmung als ein amerikanisches Veto im UNO-Sicherheitsrat begegnet. Schlimmer ist, dass es Beispiele dafür gab, bei denen die USA selbst, versehentlich oder gewollt, ihr Veto nicht einsetzte und die Dinge durchgehen ließ.

So verabschiedete die UNO-Vollversammlung am 4. Juli 1967, weniger als einen Monat nach dem Sechstage-Krieg, die Resolution 2253 (ES-V). Sie lautet:

Die Vollversammlung, tief besorgt wegen der in Jerusalem als Ergebnis der von Israel getroffenen Maßnahmen zur Veränderung des Status der Stadt herrschenden Lage, (1) hält diese Maßnahmen für ungültig; (2) ruft Israel auf alle bereits getroffenen Maßnahmen rückgängig zu machen und von jetzt von jeglichem Handeln abzusehen, das den Status von Jerusalem verändern könnte.

Danach gefragt, was der „Status von Jerusalem“ sei, zitierten UNO-Experten und andere Kommentatoren sowohl den israelisch-jordanischen Waffenstillstand von 1949, der vom israelisch-jordanischen Waffenstillstand vom 7. Juni 1967 abgelöst worden war, als auch Resolution 303 (IV) von 1949. Beide späteren negierten die Bedingungen des Waffenstillstands von 1949. Aber die UNO-Experten wissen, was sie tun. Bis heute behaupten viele Vertreter von Außenministerien, einschließlich des britischen Whitehall und des französischen Quai d’Orsay, immer noch, dass die Waffenstillstandslinie in Jerusalem – die „Gründe Linie“, die bis 1967 Israel von Jordanien trennte – sei eine „internationale Grenze“, obwohl sie lediglich die Waffenstillstandslinien von 1949 kennzeichnet. Sie behaupten zudem widersprüchlicherweise, dass der Teil Jerusalems auf der israelischen Seite dieser Waffenstillstandslinie nicht zu Israel gehört. Im Großen und Ganzen pflichteten Vertreter des US-Außenministeriums dieser widersprüchlichen Haltung zu.

Aus irgendeinem Grund enthielt sich der US-Repräsentant bei der UNO bei der Abstimmung zur Resolution 1967. Zehn Monate später, am 21. Mai 1968, diente diese Resolution, mit anderen Texten, als Präzedenzfall für die Resolution 252 des Sicherheitsrats, die in Sachen Jerusalem eine kräftigere Sprache gegen Israel verwendete:

Der Sicherheitsrat … missbilligt das Versäumnis Israels sich den oben erwähnten Resolutionen der Vollversammlung Folge zu leisten und betrachtet alle von Israel unternommenen legislativen und administrativen Maßnahmen und Handlungen … die dazu tendieren den Rechtsstatus von Jerusalem zu verändern, für ungültig und sie können den Status von Jerusalem nicht verändern.

Einmal mehr enthielten sich die USA. Aber diesmal war es eine Resolution des Sicherheitsrats. Auf beiden Resolutionen aufbauend wurden 1969, 1971 und 1980 weitere Resolutionen des Sicherheitsrats zu Jerusalem verabschiedet, ohne von Washington überprüft zu werden.

Das Endergebnis: Es wurde sich ständig zu Israels Nachteil auf „Internationales Recht“ berufen, in einem Maß, dass viele Jahre lang israelische Diplomaten und Juristen ernsthafte Diskussionen darüber mieden, selbst wenn (oder besonders wenn) seine Absurditäten krass offensichtlich waren.

V. Das französische Beispiel

Damit hat die Intervention der Kirche zugunsten einer „Internationalisierung“ Jerusalems weiter Bestand – sogar in den Köpfen derer, die sich ihrer nicht bewusst sind und die sich durchaus jenseits solch engstirniger religiöser Angelegenheiten wähnen. Ich spreche von den europäischen Ländern und besonders von Frankreich.

Die französische Unterstützung für die zionistische Sache lief in den Jahren 1945 – 1948 auf Hochtouren und es ist kein Zufall, dass so viele verdeckte Aktionen, darunter die tragische Odyssee der SS Exodus mit 4.500 Holocaust-Überlebenden an Bord ins britische Palästina, nur damit ihnen die Einreise verweigert wurde und sie nach Frankreich zurückkehren mussten, in Paris ausgedacht wurde oder von französischem Boden ausgingen. In den 1950-er Jahren wurden Frankreich und Israel enge strategische Partner; Israels militärische Siege 1956 und 1967, die beide in großen Teilen modernen französischen Waffen zu verdanken waren, wurden in Frankreich als Siege eines Stellvertreters gefeiert.

Selbst Jahre später, als das Bündnis ausgelaufen war, behielten große Teile der französischen Öffentlichkeit Sympathien für Israels Erfahrungen und waren neugierig. Abgesehen von seinen Leistungen im Bereich der Sicherheit, Naturwissenschaften, Medizin und Hightech wird Israel in den französischen Medien und besonders von der politischen Klasse immer noch auf viele Weisen als Modellstaat gepriesen. Tatsächlich hatte Anne Hidalgo, die sozialistische Bürgermeisterin von Paris, keine Probleme damit am 1. Juli diesen Jahres einen Place de Jérusalem (Jerusalem-Platz) vor dem neu gebauten Jüdischen Europäischen Kulturzentrum einzuweihen, womit der jüdische Charakter der Heiligen Stadt betont wird. An der Feier nahm als Ehrengast Moshe Leon teil, der israelische Bürgermeister Jerusalems.

Trotzdem ist insbesondere das französische Außenministerium in seiner Weigerung Israels Legitimität anzuerkennen vollkommen stur gewesen, besonders wenn es um Jerusalem geht, dass der Verdacht von institutionellem Antisemitismus aufkam. Manche Beobachter haben sich halb im Ernst gefragt, ob die geheime Agenda des Qaui d’Orsay, die mehr oder weniger mit europäischen Fantasien des 19. Jahrhunderts im Einklang steht, nicht darin besteht einen neunten Kreuzzug im Heiligen Land zu führen, fast 800 Jahre nach dem Fehlschlag des von Frankreich geführten siebten und achten Kreuzzugs – diesmal nicht gegen die Sarazenen, sondern gegen die Hebräer. Alte Gewohnheiten lassen sich nicht leicht ablegen.

Noch unbeweglicher als das Obama-Außenministerium besteht das Quai d’Orsay darauf, dass die „Grüne Linie“ von 1949 bis 1967 eine internationale Grenze sei und dass – widersprüchlich – Jerusalem ein eigenständiges Gebilde ist, getrennt von Israel. Besuchende französische Offizielle werden gewarnt keinen Fuß nach „Ostjerusalem“ zu setzen und vor allem der Westmauer nicht nahe zu kommen. (Nicht alle halten sich daran.) Französische Bürger in Israel, die an französischen Wahlen teilnehmen, werden geografisch zwischen denen aufgeteilt, die „in Israel“ wohnen und denen, die „in Jerusalem“ wohnen. Es gibt nur ein einziges französisch Generalkonsulat in der Stadt, mitten im Sektor Westjerusalem, das praktisch als Botschaft beim „Staat Palästina“ arbeitet, während widerstrebend auch um die Gesamtbevölkerung und um die überwältigend jüdische-französische Auslandsgemeinschaft gekümmert wird.

Was in diesen merkwürdig passiv-aggressiven Beleidigungen abgeht, wird klar, wenn man bedenkt, dass das Quai d’Orsay darauf besteht, dass Frankreich in Jerusalem eine besonderer Rolle als Beschützer der heiligen Stätten spielen sollte. Viele dieser Stätten sind – natürlich – katholisch, aber eine, die vor kurzem größere öffentliche Aufmerksamkeit erregte, ist es nicht: die Königsgräber, die sich im „Ostjerusalemer“ Viertel Scheik Jarrah befinden.

Von dem verschachtelten und schönen Komplex aus dem Fels geschlagener Gräber wird geglaubt, er sei ein antiker Beerdigungsort der Königin Helena von Adiabene und ihrer Söhne, einer Königsfamilie im nördlichen Mesopotamien, die im 1. Jahrhundert zum Judentum konvertierte. Jerusalemer Juden betrachteten es als heiligen Ort, noch bevor er voll ausgegraben wurde und es gab immer Gruppen von Menschen, die dort beteten oder Psalmen rezitierten; Muslime behinderten das nicht.

1863 stahl Louis-Félicien de Saulcy, ein französischer Abenteurer, Numismatiker und Amateur-Archäologe rüde den Sarkophag der Königin Helena samt der Gebeine und schenkte ihn dem Louvre. Die bestürzte jüdische Gemeinschaft in Jerusalem appellierte an den Oberrabbiner Frankreichs, der sich daraufhin um Hilfe an Amélie Bertrand wandte, eine reiche Christin jüdischer Abstammung, die für ihr Interesse an jüdischen Dingen bekannt war. Über den französischen Konsul in Jerusalem kaufte Bertrand die Stätte Anfang der 1880-er Jahre und vertraute sie, wie Marker zeigen, Frankreich an „um den Jerusalemer Israeliten zu ermöglichen dort zu beten“.

Nach der Wiedervereinigung Jerusalems 1967 lehnte das französische Konsulat es ab die Gräber für jüdische Gläubige wieder zu öffnen und benannte die Stätte stattdessen in „Ostjerusalemer palästinensische Sehenswürdigkeit“ um; dabei ging man so weit 1997 ein Jerusalemer arabisches Musikfest zu gestatten. Eine Ausgabe des Palestine-Israel Journal (eine militant pro-palästinensische Publikation) aus dem Jahr 2000 pries die Veranstaltung wegen ihrer „Entwicklung blühender kultureller Verbindungen zwischen Palästina und dem Rest der arabischen Welt.“

Eine den Königsgräbern gewidmete Jerusalem-Stiftung hat Frankreich nicht nur wegen der Sache mit den eigentlichen Gräbern herausgefordert – die die Franzosen 2010 für Renovierungen schlossen und erst jetzt widerwillig wieder öffneten – sondern auch wegen des Sarkophags und der Knochen, die dem Louvre illegal „gespendet“ wurden. Ironischerweise wird dasselbe Quai d’Orsay, das den „internationalen Entscheidungen“ angeblich so edel gegenüber steht, unnachgiebig kleinkariert gegenüber dem jüdischen Jerusalem, wenn es um empfundene französische Interessen geht, besonders was seine Beziehungen zu Arabern betrifft.

Aber Frankreich hat schließlich kein Monopol auf Scheinheiligkeit, sein Beispiel ist für seine Hauptpartner in der EU als Ganzer nur allzu repräsentativ, womit uns nur ein weiterer Grund geliefert wird – vermeintlich auf Grundlage des internationalen Rechts stehende – Argumente gegen Israels Besitz von Jerusalem zu verwerfen.

Darüber hinaus gibt es, wie früher schon erwähnt, weitere Gründe, aufgrund derer man den Anspruch erheben kann, dass Jerusalem Israel gehört. Diesen können wir uns nun zuwenden.

VI. Das jüdische Jerusalem

Die Aufteilung von Territorium und das Abstecken von Grenzen sind im internationalen Recht komplizierte Dinge. Zufällig sind viele territoriale Streitigkeiten stattdessen durch Volksabstimmungen zu Selbstbestimmung entschieden worden; dabei wurden Fakten vor Ort angeführt, wobei hervorragende demografische Fakten vor Ort einflossen oder bilaterale bzw. multilaterale Vereinbarungen solche Realitäten einbezogen.

Das gilt für Städte wie für größere Territorien: Ein Präzedenzfall ist die Eingliederung der kulturell italienischen Stadt Triest nach Italien unter dem Londoner Memorandum von 1955 und der Vertrag von Osimo 1975.

Wie passt aber dieser wichtige vergleichbare Fall mit Jerusalem zusammen?

Der erste verlässliche demografische Überblick zu Jerusalem wurde 1845 vom preußischen Konsul Ernst-Gustav Schultz durchgeführt. Von einer Gesamtbevölkerung von16.410 Menschen, die hauptsächlich in der ummauerten Altstadt lebten, waren nach seiner Feststellung 7.120 Juden, 5.000 Muslime, 3.390 Christen, 800 türkische Soldaten und 100 Europäer. Mit anderen Worten: Lange vor dem modernen Beginn der zionistisch inspirierten Immigration bildeten die Juden mit 43 Prozent der Bevölkerung bereits die größte einzelne Bevölkerungsgruppe.

Dreiundzwanzig Jahre später, 1868 – um die Zeit von Mark Twains berühmter Reise ins Heilige Land, die er in „Die Ahnungslosen im Ausland“ beschrieb – teilte der Jerusalem Almanack, eine Publikation für westliche Besucher, die Bevölkerung gleichmäßig in Juden (9.000 von 18.000 Einwohnern) und Nichtjuden (5.000 Muslime und 4.000 Christen) auf, womit die Juden einmal mehr die größte Einzelbevölkerungsgruppe waren.

In den 1870-er und 1880-er Jahren begann Jerusalem sich zu entwickeln, außerhalb der Mauern von Sultan Suleiman – entlang der Jaffa Road nach Westen, der Nablus Road nach Norden und der Jericho Road nach Osten. Ringe neuer Viertel wurden gebaut, zusammen mit vielen öffentlichen Einrichtungen. In dem Prozess, die die Stadt auf sich nahm, gehörten, wie wir gesehen haben, einen ausgesprochen christlicheren Charakter mit eindrucksvollen neuen Gebäuden einschließlich Kirchen, Klöstern und Krankenhäusern, die von den katholischen, orthodoxen und protestantischen Mächten finanziert wurden.

Aber die demografische Ausweitung war im Wesentlichen den Juden geschuldet. Bis 1889 waren von 39.175 Einwohnern 7.115 Christen (18,1%), 7.000 Muslime (17,8%) und 25.000 Juden (63%).

Das Wachstum Jerusalems als hauptsächlich von Juden bewohnter Stadt setzte sich bis zum Ersten Weltkrieg zügig fort. Während nach Angaben des Historikers Martin Gilbert „die Bevölkerung Jerusalems sich zwischen 1889 und 1912 fast verdoppelte“, verdreifachte sich die jüdische Bevölkerung beinahe.

Eine der aufschlussreichsten Quellen dazu ist der Guide de Terre Sainte (Führer für das Heilige Land), der im frühen 20. Jahrhundert von Vater Barnabé Meistermann, einem französischen Franziskanerpater, unter der Obhut der Aufsicht für das Heilige Land veröffentlicht wurde. Das Werk ist ein Monument religiöser, historischer und ästhetischer Gelehrsamkeit und bietet einen detaillierten, praktischen Bericht zu den verschiedenen beteiligten Einheiten: das eigentliche Heilige Land, was so viel heißt wie das heutige Israel und Jordanien,  plus Italien, Ägypten, Libanon, Syrien, Kleinasien und Konstantinopel.

Nach Angaben der ersten Ausgabe des Guide, die 1907 veröffentlicht und von Gilbert in seinem Jerusalem Illustrated History Atlas zitiert wurde, gab es zu der Zeit 58.900 Einwohner: 10.900 christliche Araber (18 Prozent), 8.000 muslimische Araber (13,5 Prozent) und 40.000 Juden (67 Prozent). Eine aktualisierte Ausgabe, die 1914 veröffentlicht werden sollte, wurde nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs ausgesetzt und danach editiert, um die geopolitischen Folgen zu reflektieren, die vom Sturz des Osmanischen Reiches und dem Ende der acht Jahrhunderte muslimischer Kontrolle über Jerusalem und das Land Israel verursacht wurden.

Was die Bevölkerung Jerusalems angeht, führt die zweite Ausgabe eine spätere Vorkriegszählung des deutschen Statistikers Davis Trietsch aus dem Jahr 1910 an. Von den 92.000 Einwohnern der Stadt verzeichnete Trietsch 1.700 (18,4%) als Christen, 13.000 Muslime (14,1%) und 62.000 Juden (wieder bei 67%).

Weiter gefasst heißt das, dass dieses Verhältnis von Juden zu Arabern (etwa zwei Drittel zu einem Drittel) bis heute demographische Realität darstellt, trotz starken jüdischen Bevölkerungswachstums einerseits und wiederholten Gewaltausbrüchen andererseits, letztere inklusive antijüdischen Krawallen und Pogromen, Krieg, Terrorismus und Zwangsmigration von Juden wie von Arabern.

Somit gab es 1944 nach Angaben einer britischen Volkszählung 97.000 Juden in Jerusalem, bei 156.980 Einwohnern (61,7%); 1967, als die Stadt unter israelischer Herrschaft wiedervereint wurde, gab es 195.700 Juden bei 263.307 Einwohnern (74,3%); 2017 564.897 Juden bei 882.652 Einwohnern (64%).

Wenn man Metropole „Groß“-Jerusalem betrachtet statt die Kommune, ist das Verhältnis weiterhin genauso. Zu einer solchen Metropole würden, zusätzlich zur gegenwärtigen israelischen Kommune Jerusalem, die prä-1967-er Kommunen von Mevasseret Zion, Motza Illit, Even Sapir, Ora, Abu Gosch, Ma’aleh Hahamischah sowie die israelischen post-1967-er KommunenMa’aleh Adumim, Pisgat Ze’ev, Gilo und der Bereich des Gusch Etzion gehören, ebenso die PA-Kommunen Ramallah; Bireh, Abu Dis, Beit Jalla, Beit Sahur und Bethlehem – alles in allem eine Bevölkerung von rund 1,2 Millionen.

Von diesen Einwohnern würden Juden 764.000 (63%) ausmachen, Araber 450.000 (37%). Würde man die 150.000 Araber in den PA-Kommunen nicht mitzählen, aber die israelischen von vor und nach 1967 beibehalten, stände der jüdische Bevölkerungsanteil bei 72 Prozent, der arabische bei 28 Prozent.

Diese beeindruckende demografische Stärke der Jerusalemer Juden, sowohl in absoluten wie auch in relativen Zahlen, ist das Ergebnis sowohl migrationstechnischen Zustroms (einschließlich Immigration aus dem Ausland) als auch hoher Geburtenraten (besonders bei orthodoxen und hareidischen Gemeinschaften). Die demografische Zähigkeit der Jerusalemer Araber beruht auf ähnlichen Trends: einerseits relativ hohe Geburtenraten, andererseits Migration aus anderen Nahost-Ländern bis 1947, dann der Zustrom von Flüchtlingen aus anderen Teilen Palästinas nach dem Krieg von 1948, gefolgt von wirtschaftlich oder politisch hervorgerufener Migration aus arabisch-palästinensischen Dörfern und semi-nomadischen Beduinenstämmen in der Westbank seit den 1950-er Jahren.

Das trifft zumindest und besonders auf muslimische Araber zu, rechnet aber nicht die große demografische Herausforderung ein, die innerhalb der arabischen Bevölkerung Jerusalems eintrat. Bis in die frühen 1920-er Jahre übertrafen die christlichen Araber die muslimischen Araber an Zahl, aber das hat seitdem stetig abgenommen. 2015 gab es nur noch 12.400 christliche Araber in Jerusalem, aber 307.300 muslimische Araber (3,8% der arabischen Gesamtbevölkerung von 319.700 oder 1,5% der gesamten Jerusalemer Bevölkerung aus Arabern und Juden). Selbst in einer größeren Jerusalemer Metropole, die die hauptsächlich christlichen Kommunen Bei Jalla und die ehemals christliche, aber heute vorwiegend muslimische Kommune Bethlehem einschließt, gibt es nicht mehr als insgesamt 30.000 arabische Christen (2,4%).

Hier sind mehr als demografische Faktoren alleine (d.h. niedrigere Geburten- und Immigrationsraten) am Werk gewesen. Von 1949 bis 1967 erzwang, wie wir schon vermerkten, Jordaniens haschemitische Regierung im arabischen Sektor Jerusalems eine stete Politik der Islamisierung. Ziemlich natürlich begannen arabische Christen, weil sie um ihre Zukunft fürchteten, massenhaft auszuwandern, wodurch ihre Anzahl von 1944 bis 1967 um fast zwei Drittel zurückging.

Unter israelischer Herrschaft ab 1967 stabilisierte sich die Zahl der Christen, nahm aber nicht zu, besonders weil ähnliche Härten seit 1993 in den Bereichen unter der von der Fatah beherrschten palästinensischen Autonomiebehörde verhängt wurden. Tatsächlich legt die schwindende christliche  Bevölkerung unter palästinensischer Herrschaft nahe, dass nur der jüdische Staat die christliche Minderheit effektiv schützen kann.

Um zu den Juden zurückzukehren und zusammenzufassen: Israels Ansprüche auf Jerusalem werden nicht nur von den moralischen und rechtlichen Überlegungen gestützt, die wir schon betrachtet haben, sondern auch durch überzeugende demografische Daten, die zeigen, dass die Heilige Stadt seit fast zwei Jahrhunderten eine relative jüdische Mehrheit und seit eineinhalb Jahrhunderten eine absolute jüdische Mehrheit.beherbergte.

VII. Der Mythos und die Wirklichkeit

Was lehrt uns diese Geschichte? Sie widerlegt die weithin vertretene Vorstellung, dass der Status von Jerusalem einer internationalen „Vereinbarung“ unterworfen ist. Diese Vorstellung ist nichts als ein Mythos – ein Mythos, der dem politischen Zweck gewisser interessierter Parteien dient. Diese Parteien argumentieren, der Zionismus sei ein Eindringling in der Stadt, ein Neuankömmling, der Chaos in den Mix einer ruhigen, stabilen, hauptsächlich arabisch-muslimischen Stadt bringt, die seit Jahrhunderten manchmal unter christlicher Kontrolle, zu anderen Zeiten mit einem starken christlichen Elemente existiert hatte.

Nichts davon stimmt. Die Wahrheit lautet, dass es in Jerusalem selbst in früheren Zeiten immer gärte, eine Art Wilder Osten, in dem alle großen Gruppen, nicht nur emporkommende Juden, sich abstrampelten etwas für sich selbst aufzubauen. Was den modernen Vorschlag angeht die Stadt „zu internationalisieren“, so war das in erster Linie ein Mittel die katholische Kirche zufriedenzustellen, die damals selbst eine eindrucksvolle Weltmacht und im Heiligen Land eine fremde war. In diesem Zusammenhang ist die Idee von Jerusalem als einer „internationalen Stadt“ ein Stück westlicher „Kolonial“-Geschichte, während die jüdische Verbindung zu Jerusalem uralt und indigen ist.

Glücklicherweise hatte das globale Getrommel der Verurteilung keine Auswirkungen auf die Entscheidung des Weißen Hauses. Die Botschaft der Vereinigten Staaten wurde mit Wirkung vom 14. Mai 2018 (dem 70. Jahrestrag der Unabhängigkeit Israel nach dem gregorianischen Kalender) vom Strand in Tel Aviv, wo sie sich seit 1966 befand, auf ein großes Gelände im Viertel Amona in Jerusalem verlegt, das eine Reihe von Jahren als Konsulatseinrichtung genutzt worden war. Das ältere Konsulat in Jerusalem, das bis dahin als de-facto-Mission der USA bei der PLO wirkte und nicht dem amerikanischen Botschafter in Tel Aviv unterstellt war, sondern direkt dem Außenministerium, berichtet jetzt ebenfalls, wie fast alle anderen US-Konsulate überall, dem Außenministerium über den örtlichen US-Botschafter. Im Einklang mit dieser Politik der Normalisierung und Anerkennung der Realität hat die Administration auch die israelische Souveränität über die Golanhöhen anerkannt und der US-Botschafter hat bestätigt, dass Israel eines Tages auch große israelische Siedlungen in der Westbank in sein Staatsgebiet eingliedern wird.

Überdies regte das Beispiel der US-Administration bald andere Staaten an, von denen einige sogar für die UNO-Resolution stimmten, die den Schritt verurteilten. In der Folge machten es kleine Länder wie Guatemala und Moldawien der amerikanischen Initiative nach. Mehrere EU-Länder – Österreich, die Tschechische Republik, Ungarn, Rumänien – haben davon gesprochen ähnliche Entscheidungen zu treffen und haben zudem eine neu formulierte Erklärung blockiert, die die Verurteilung der EU für den amerikanischen Botschaftsumzug erneut verurteilte. Größere Länder wie Brasilien uns Australien haben gesagt, sie könnten überlegen ihre Botschaften zukünftig zu verlegen oder wenn nicht ihre Botschaften, dann zumindest einige diplomatische Büros: Maßnahmen, die vielleicht nicht immer mutig sind – auch diplomatische Vorsichts-Gewohnheiten sind nur schwer totzukriegen – weichen vom Urteil der Leute, die wichtig sind, ab.

Noch bedeutender ist, dass die Entscheidung von 2017 keine Gegenreaktionen zu Präsident Trumps Nahost-Politik generierte, wie Mahmud Abbas und andere antiisraelische Hardliner erwartet hatten; oder arabische bzw. muslimische Länder davon abhielt am „Friedensplan“ der Administration Trump beteiligt zu sei und ihre eigenen wirtschaftlichen, kulturellen und/oder strategischen Verbindungen zu Israel zu verbessern.

In diesem Zusammenhang sollte die amerikanische Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels nicht nur als Beitrag zu den grundlegenden Interessen des jüdischen Staates und als innovativer Ansatz zu den Problemen des Nahen Ostens gepriesen werden. So bahnbrechend diese Leistungen auch sind, sie erinnern uns auch an die Notwendigkeit wachsam zu bleiben, wie die internationale Ordnung entstand und wem zu dienen sie entworfen wurde, was genau ihre Rolle im internationalen Recht ist und wie an sie herangetreten werden sollte; und wenn es um die Geschichte und das Schicksal Israels und des jüdischen Volkes geht, wie der unersetzliche Wert von Optimismus, Durchhaltevermögen, Führung – und Zahlen aussehen.

Arabische/muslimische Einwanderung ins Heilige Land

American Zionism, Elder of Ziyon, 24. Juni 2019

Arabische/muslimische Immigration ins Heilige Land

Teil 1 – Bosnien, Algerien, Marokko und Ägypten

Wir wissen eine Menge über jüdische Immigration ins Heilige Land, weil die Osmanen und dann die Briten derart gute Arbeit leisteten Juden draußen zu halten, dass das weltweit in den Nachrichten stand. Aber was ist mit der arabischen/muslimischen Immigration ins Heilige Land in derselben Zeit? Das übliche Narrativ, das sie online lesen, lautet, dass die Juden Ende des 19. und im frühen 20. Jahrhundert ankamen, aber dass die „Palästinenser“ von Anbeginn der Zeiten dort waren. Stimmt das?

Wenn sie je Zeit in den sozialen Medien mit Gesprächen über Israel verbracht haben, ist Ihnen vielleicht dieses Zitat von Robert Kennedy begegnet:

„Die Juden zeigen mit Stolz auf die Tatsache, dass mehr als 500.000 Araber in den 12 Jahren zwischen 1932 und 1944 nach Palästina kamen, um von den Lebensbedingungen zu profitieren, die es in keinem anderen arabischen Staat gab…“

Briten von beiden Seiten gehasst. Robert Kennedy, Sonderautor  für die Post, betroffen von der Antipathie, die von Arabern und Juden gezeigt wird.

Kennedy, ein junger Mann, der gerade erst das College abgeschlossen hatte und weiser war, als ein Alter vermuten ließ, machte die Bemerkung nach einer Reise ins Heilige Land im März 1948 – nach dem UNO-Teilungsplan für das Mandat Palästina und vor dem Abgrund des den israelischen Unabhängigkeitskriegs, der im Mai begann. Das Zitat erschien in der Boston Post in einer Artikelreihe über seine Erfahrungen auf der Reise. Kennedy unterstützte den noch nicht gebildeten Staat Israel und das jüdische Volk und das ist das, was schließlich zu seiner Ermordung 1968 führte.

Ich habe oft über dieses Zitat nachgedacht. Ich bin sogar in den sozialen Medien darauf verwiesen worden. Aber ich habe wenig an Unterstützung für diese Äußerung gesehen. Sind Araber wirklich nach Palästina eingewandert, um von den verbesserten Lebensbedingungen dank der zionistischen Unternehmen zu profitieren? Immigrierten sie überhaupt nach Palästina? Könnte ich irgendwelche Beweise arabischer/muslimischer Zuwanderung ins Heilige Land im 19. und frühen 20. Jahrhundert finden? Ich begann historische Dokumente zu studieren, um zu sehen, ob Juden das einzige Volk waren, das ins Land Israel einwanderte oder schlossen sich Araber an? Als sich die Umstände im Heiligen Land verbesserten, kamen in der Tat Araber/Muslime aus dem gesamten Mittelmeerraum, anderen Teilen der Levante, Ägypten und sogar aus Europa in derselben Zeit wie die Juden. Sie immigrierten, bauten Kolonien und wurden schließlich eine Komponente des Volks, das sich schließlich Palästinenser nannte. Hier sind ein paar dieser Geschichten. Dieser Artikel ist Teil eins dessen, was ich entdeckte.

Eine bosnische Mulim-Kolonie in Caesarea

Murray’s Handbooks for Travellers (Murray Handbücher für Reisende) gehörten zu den ältesten und am meisten respektierten Reiseführern in Europa. Ihre Führer waren gut recherchiert und wenn nötig überarbeitet. Ihr erster Führer zu Syrien und Palästina erschien 1858. In der Ausgabe von 1903 berichten sie, dass sich 1883 eine Kolonie bosnischer Muslime in der antiken Küstenstadt Caesarea niederließ (S. 202). Später erklärt er, dass die bosnischen Kolonisten Bautätigkeiten betrieben (S. 205).

… Eine Kolonie bosnischer Muslime siedelte hier 1888, die  aus ihrem Heimatland flohen, als es von Österreich annektiert wurde; …

Es klingt gewiss nicht so, als hätten sie geplant irgendwohin zu gehen. Sie bauten als Gesellschaft. Eine Frage bleibt aus dem Absatz. Murrays Führer erwähnt, dass die Kolonie von Malaria verheert wurde und dass sie vielleicht untergegangen wäre. Ist sie wegen Malaria ausgestorben?

Wenn Sie je in Europa eine Reise unternommen oder sich eine Reise aus Europa angesehen haben, dann stehen die Chancen gut, dass Sie mit Thomas Cook zu tun hatten. Als eine der bekanntesten Reiseagenturen der Welt, die fast 200 Jahre in die Vergangenheit zurückreicht, ist Thomas Cook ein Name, dem die Leute vertrauen. Auch sie produzierten im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert Reiseführer. 1907, vier Jahre nach dem Führer von Murray, veröffentlichten sie Cook’s Tourists‘ Handbook to Palestine and Syria (Cooks Touristenhandbuch für Palästina und Syrien). Im Abschnitt für Caesarea erwähnten sie ebenfalls, dass bosnische Immigranten in Caesarea lebten und „Häuser zwischen Ruinen haben“, den Ruinen der antiken Stadt (S. 169).

… Ein paar bosnische Exilanten haben Häuser inmitten der Ruinen…

Baedeker ist in der ganzen Welt für seine Reiseführer bekannt. Sie sind in der internationalen Reisewelt derart allgegenwärtig, dass der Name Baedeker in Wörterbüchern die Bedeutung „Reiseführer“ erhielt. In der Ausgabe von 1912 des Baedeker-Handbuch für Reisende Palästina und Syrien wird im Abschnitt über Caesarea erwähnt: „Bosnier haben hier seit 1884 gesiedelt und können raue Nachtlager anbieten, sollte Bedarf bestehen.“ (S. 237) Das war neun Jahre, nachdem Murray sie erwähnte, fünf Jahre nach Cook.

Der Exkurs nach Caesarea kann nur bei trockenem Wetter mit einem Wagen gemacht werden. Von der Brücke über den Nahr ez-Zerky (s. oben) erreichen wir die Ruinen in eineinhalb Stunden. Bosnier haben hier seit 1884 gesiedelt und können raue Nachtlager anbieten, sollte Bedarf bestehen.

Sie waren nicht nur immer noch in Caesarea, sondern sie waren die einzige Gruppe, von der erwähnt wird, dass sie in der Stadt Schlafgelegenheiten zur Verfügung stellten. Offensichtlich erlosch die bosnische Kolonie nicht und höchstwahrscheinlich wuchs sie, wurde schließlich in die Gemeinschaft absorbiert, die sich dann später Palästinenser nennen sollte.

Kolonien aus Nordafrika

Die Maghrebiner Jerusalems

In der Ausgabe des Baedeker Handbuchs für Reisende Palästina und Syrien von 1876 heißt es bezüglich der Bevölkerung der Stadt Jerusalem: „Zu den muslimischen Arabern gehört eine Kolonie Afrikaner (Moghrebiner).“ (S. 162) Die Maghrebiner sind Muslime aus Nordafrika, zumeist Marokko, Tunesien und Algerien; sie sind entweder Araber oder Berber. Von den Europäern wurden sie zuvor als Mauren bezeichnet. In der Baedeker-Ausgabe von 1894, achtzehn Jahre später, wird dieselbe Aussage über die Maghrebiner-Kolonie wiederholt und erwähnt, dass von 40.000 Einwohnern Jerusalems 7.560 Muslime sind, darunter diese Gemeinschaft.

Nach Angaben der üblichen Schätzung zählt die Bevölkerung 40.000 Seelen (gemäß Liévin 1887 rund 43.000). Von diesen sind 7.560 Muslime, 28.000 Juden, 2.000 Lateiner, 150 Vereinte Griechen, 50 Vereinte Armenier, 4.000 orthodoxe Griechen, 510 Armenier, 100 Kopten, 75 Äthiopier, 15 Syrer, 300 Protestanten. Zu den Arabern gehört auch eine Kolonie Afrikaner (Moghrebiner). Die unterschiedlichen Nationalitäten sind durch ihre Kleidung unterscheidbar. (vgl. S. lxxxv)

Die Ausgabe von Cook’s Tourists‘ Handbook to Palestine and Syria von 1907 führt die Bevölkerung von Jerusalem mit 50.000 an, darunter 12.000 Muslime und unter diesen „eine Kolonie Afrikaner aus Marokko“ (S. 65).

Die Baedeker-Ausgabe von 1912 erwähnt ebenfalls nordafrikanische Maghrebiner nahe der Westmauer in Jerusalem, nur diesmal sind sie von einer Kolonie zu Einwohnern der Stadt aufgestiegen.


Wenn die Kolonie mindestens 36 Jahre lang existierte und die Mitglieder in die Gesamtbevölkerung absorbiert wurden, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie schließlich Teil des zukünftigen palästinensischen Volks wurden.

Die Algerier Palästinas

Emir Abdelkader war ein erstaunlicher Mann. Er war ein religiöser und militärischer Führer aus Algerien, der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Rebellion gegen die französische Besatzung Algeriens in Szene setzte. Er scheiterte schließlich und war gezwungen mit seinen Anhängern in die Türkei zu fliehen; schließlich ließ er sich in Damaskus in Syrien nieder, wo er den Rest seiner Tage lebte. In der Ausgabe des Cook’s Tourists‘ Handbook to Palestine and Syria von 1907 wird auf Seite 286 erwähnt, dass ein Teil der Bevölkerung von Safed in Nordgaliläa, einer der vier heiligen Städte des Judentums in Israel, eine große Zahl Muslime waren, darunter Algerier, die Abdelkader nach der fehlgeschlagenen  Rebellion ins Exil folgten. Diese Episode ist aus zwei Gründen interessant. Der erste lautet, dass wir schriftliche Beweise haben, dass es Nordafrikaner gab, die eine Gemeinschaft in Safed hatten. Der zweite lautet: Wenn Abdelkader von Algerien in die Türkei und dann nach Syrien ging, wäre es logisch zu folgern, dass diejenigen, die sich in Safed niederließen, aus Syrien kamen. Wir wissen aus Geschichtsbüchern und anderen Reisejournalen, dass die osmanischen Besatzer des Heiligen Landes die Zahl der Juden einschränkten, die ins Heilige Land immigrieren und dort leben konnten, währen dieselben Einschränkungen auf andere Bevölkerungen nicht angewandt wurden und diesen die Grenzen offen standen. Dieser Eintrag unterstützt diese Behauptung.

… Sie ist einer der Hauptsitze des modernen Judentums und hat eine jüdische Bevölkerung – Aschenasim und Sephardim – von rund 7.000; der Rest der Einwohner – alle zusammen 21.000 – sind hauptsächlich Muslime, darunter Algerier, die Abd el Kader ins Exil folgten und sich dort niederließen. …

Das Handbuch von Cook von 1907 listet zwei weitere algerische Kolonien in Galiläa. Die erste war das Dof Kafr Sabt, das als „algerische Kolonie“ beschrieben wird (S. 274). Kafr Sabt wird im Internet oft als palästinensisches Dorf angeführt, aber 1907 war es eindeutig eine strikt algerische Kolonie.

Der dritte Verweis auf Algerier im Cook-Führer von 1907 ist auf Seite 287 zu finden und erwähnt eine algerische Siedlung nahe des Dorfes Ain ez Zeitun.

… Hier wird der Dragoman den Reisenden auf eine algerische Ansiedlung hinweisen…

Bislang finden sich die einzigen Verweise auf algerische Immigranten in Cooks Reiseführer von 1907. Gibt es irgendwelche weiteren Hinweise? In Baedekers Handbuch für Reisende Palästina und Syrien von 1912 wird auf das Dorf Kafr Sabt als „ein von algerischen Bauern bewohntes“ Dorf verwiesen (S. 251), was den Bericht in Cooks Reiseführer bestätigt.

Das sind mindestens drei separate algerische Kolonien in Galiläa, die aus mindestens zwei unterschiedlichen Bereichen des Nahen Ostens kamen (Nordafrika und Syrien) und im späten 19. Jahrhundert zur gleichen Zeit gegründet wurde, als Juden sich in der Gegend niederließen. Wir können einige Schlüsse ziehen. Der erste lautet, dass die algerischen Gemeinden nicht nach Algerien zurückkehrten. Es gibt keine Berichte, die das nahelegen. Sie wurden unzweifelhaft Bestandteil des palästinensischen Volks. Sie waren keine Gruppe Menschen, die aus dem Heiligen Land stammten und deren Vorfahren dort tausende von Jahren lebten, sondern kürzlich aus Nordafrika Immigrierte. Die zweite lautet: Wenn es stimmt, dass es arabische/muslimische Kolonien gab, die von Algeriern zur gleichen Zeit gegründet wurden, in der Juden Kolonien gründeten, und man die Juden „Kolonisten“ nennt, dann muss man auch die Palästinenser Kolonisten nennen, weil ein Teil des palästinensischen Kollektivs sich aus kürzlich eingetroffenen Immigranten zusammensetzt, die Kolonien und Siedlungen bauten. Wie wir sehen werden, waren das nicht die einzigen arabischen/muslimischen Kolonien.

Gazas ägyptischer Merkmale und die ägyptische Kolonie in Galiläa

2012 erklärte der Hamas-Minister für Inneres und nationale Sicherheit Fathi Hammad bei einer Rede im Gazastreifen auf Video: „Die Hälfte der Palästinenser sind Ägypter und die andere Hälfte Saudis.“ Versuchte er nur Geld von der ägyptischen Regierung zu bekommen, als er das sagte? Oder wanderten tatsächlich einige Palästinenser aus Ägypten ein? Der Gazastreifen liegt an der Grenze zu Ägyptens Sinai-Halbinsel und die Verbindung zwischen Ägypten und Gaza geht tausende Jahre in die Vergangenheit zurück, einschließlich der ägyptisch-mamelukkischen Besetzung Gazas im14. Jahrhundert und die Besatzung des Gazastreifens durch das moderne Ägypten von 1948 bis 1967. Gaza hat als wichtiger Stopp auf der Handelsroute von Syrien nach Ägypten gedient, also würde es Sinn machen, dass im Verlauf der langen Geschichte der beiden sich Ägypter in Gaza niederließen. Aber haben wir einen historischen Beleg, der das stützt?

Die Ausgabe von Baedekers Handbuch für Reisende Palästina und Syrien von 1894 (S. 156) beschreibt Gaza als „halb-ägyptischen Charakter“ habend, dass der Schleier der muslimischen Frauen „dem der Ägypterinnen stark ähnelt“ und dass der auch der Basar „ein ägyptisches Erscheinungsbild hat“.

Die Stadt hat halb ägyptischen Charakter; der Schleier der muslimischen Frauen zum Beispiel erinnert stark an die der Ägpyterinnen… Auch der Basar hat ein ägyptisches Erscheinungsbild. …

Alle drei dieser Beschreibungen deuten auf ein Gebiet, das von Menschen bewohnt wird, die aus Ägypten herüber kamen. Die Baedeker-Ausgabe von 1906 wiederholt die Beschreibung, dass Gaza einen halb ägyptischen Charakter hat.

Im Reisejournal Travels Along the Mediterranean, Band 2 von Robert Richardson, einem schottischen Arzt und Reiseautor, aus dem Jahr 1822 schreibt dieser, dass die südliche Hälfte des Gazastreifens ab der Stadt Deir al-Balah (Dair) einschließlich Khan Junis ( Hanoonis) Tribut nicht an den Pascha von Akko oder Jerusalem entrichtet, sondern an den Pascha von Ägypten (S. 195-196). Es scheint nicht nur so, dass Gaza dem Gefühl nach eine ausgeprägt ägyptische Gegend war, sondern Teil davon könnte tatsächlich Teil des osmanischen Ägypten gewesen sein.

Alles schön und gut, aber es könnte argumentiert werden, dass die Gazaner das Aussehen und die Bräuche der ägyptischen Händler übernommen haben und dass, wohin sie ihren Tribut zahlen, nicht das spiegelt, wer sie waren. Selbst wenn sie Ägypter waren, wer sagt denn, dass sie nicht während der Eroberung durch die Mameluken 500 Jahre zuvor kamen und blieben? Gibt es irgendeinen Beweis, dass Ägypter während der Zeit, als Zionisten das Land kultivierten, als Immigranten kamen? Gibt es sehr wohl und sie siedelten nicht nur im Gazastreifen.

In der Ausgabe von 1903 von Murray’s Handbook for Travellers heißt es, dass Ibrahim Pascha im Jahr 1840 in der uralten Stadt Bethschan, die heute Beisan heißt, eine Kolonie ägyptischer Bauern gründete (S. 213). Es wird sogar erklärt, dass das Dorf fast ausschließlich aus der ägyptischen Kolonie besteht. Interessant an diesem Bericht ist die Verortung von Beisan. Es liegt nicht im Gazastreifen oder auch nur entlang der Küste. Beisan liegt im Jordantal im Norden, nahe der jordanischen Grenze.

… Der Ort ist heute ein verwahrlostes Dorf, bewohnt hauptsächlich von einer Kolonie ägyptischer Fellachen, die 1840 von Ibrahim Pascha hierhergebracht wurden…

Der seltsame Fall des Stammes der Al-Simalni

Die faszinierendste Geschichte der Zuwanderung aus Ägypten könnte die des Beduinenstammes der Al-Simalni in Galiläa sein. 1924 verkündete der Muktar des Stammes, sie seien heimliche Juden und wollten offiziell zum Judentum konvertieren. Die Briten waren skeptisch und entschieden, dass das wahrscheinlich nicht stimmte und höchstwahrscheinlich von wirtschaftlichen Erwägungen motiviert war. Ob sie den Übertritt nun vollzogen oder nicht, ist derzeit nicht bekannt. Was bekannt und in dem Kontext dieses Artikels wichtiger ist, ist der Hintergrund der Al-Simalni.

Am 30. August 1924 brachte die Jewish Telegraphic Agency (JTA) eine Story über den Stamm der Al-Simalni, darin ein Interview mit ihrem Muktar Scheik Mustapha. Gefragt, warum sie zum Judentum konvertieren wollten, erklärte er, dass der Gründer des Stammes, Simlon, jüdischer Herkunft war und vor 80 Jahren aus Ägypten nach Palästina kam. Er heiratete eine Frau aus Transjordanien (heute Jordanien) und hatte sechs Kinder. Der Stamm entstammt dieser Vereinigung. Nicht klar ist, ober er zusammen mit anderen Beduinen oder allein aus Ägypten kam.

… Was die historische Seite angeht, so war es vor achtzig Jahren, sagte er, dass ein Beduine aus Ägypten nach Palästina kam…

Klar ist hingegen, dass es sich um einen Beduinenstamm im Heiligen Land handelte, der nicht seit „den Zeiten Abrahams“ hier war, wie es oft in Büchern und Artikeln über die Geschichte der Region sensationalisiert wird, sondern einer, der Mitte des 19. Jahrhunderts aus Ägypten und Jordanien kam! Es ist immer möglich, dass sie Nachfahren von Juden waren. Das werden wir nie wissen. Was wir aber wissen, ist, dass sie arabische Muslime waren, die aus Ägypten und Jordanien kamen und zu einem Teil dessen wurden, was wir als die Palästinenser kennen.

Beduinen behaupten jüdische Abstammung Stamm arabischer el-Simalni bittet um Rückkehr zu uraltem Glauben des Judentums

Die Geschichte der Al-Simalni erschien auch in der Ausgabe des Lousiville Courier-Journal vom 31. August 1924

Das ist mitnichten eine erschöpfende Liste arabischer/muslimischer Zuwanderung ins Heilige Land während des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Es handelt sich nur um ein paar wenige Beispiele von Arabern/Muslimen, die im Heiligen Land zur gleichen Zeit wie die Juden siedelten und die Teil des Volks wurden, das wir heute als Palästinenser kennen. Es handelte sich nicht um Menschen, die vom Anbeginn der Zeit oder seit biblischen Zeiten im Land lebten und sich zum Islam bekehrten, wie so viele behaupten. Es handelte sich um Immigranten, die genau wie die Juden Kolonien gründeten und Gemeinden aufbauten, ob aus wirtschaftlichen Gründen, um von den Fortschritten und Technologien zu profitieren, die die Zionisten mitbrachten oder aus anderen Gründen. Sie wussten vermutlich nichts über diese Welle arabischer/muslimischer Zuwanderung, denn während die jüdische Zuwanderung eingeschränkt wurde, war die arabische/muslimische das nicht, also war es nicht erwähnenswert und wurde selten berichtet. Nicht alles ist in den Nachrichten und sozialen Medien so, wie es scheint. Es ist wichtig tiefer zu suchen.

Palästinenser können Hebräisch auf ihren „historischen Münzen“ nicht löschen

Elder of Ziyon, 28. Juli 2019

Die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur WAFA hat auf ihrer Internetseite einen „Wirtschafts“-Teil, deren Kopf die Münzen Palästinas zeigt.

Das heißt: des britischen Mandats Palästina. Sie wissen schon, die Münzen mit dem Hebräisch drauf und den hebräischen Initialen für „Eretz Yisrael“.

Der Grafikkünstler hat es so hinbekommen, dass das Hebräisch auf der obersten Münsche auf dem Kopf steht, so dass man es schwer bemerkt. Das Hebräisch ist auf der kleinen Münze dahinter klar zu sehen, aber auf der Münze darunter komplett verdeckt.

Erinnern Sie sich: Die palästinensischen Araber damals waren heftig gegen eine palästinensische Währung. Als die 1927 ausgegeben wurde, riefen ihre Führer zum völligen Boykott der Währung auf und dazu weiter das ägyptische Pfund zu verwenden, wie sie es bis dahin hatten.

Welche Sorte Nationalist würde seine eigene Währung nicht haben wollen? Aber das ist nicht die korrekte Formulierung der Frage. 1927 war schon der Begriff Palästina weit mehr mit Juden assoziiert als mit Arabern. Nur Juden identifizierten sich als Palästinenser.

Es ist Ironie, dass ein von den Arabern in Palästina 1927 abgelehnte Währung von ihren Nachkommen heute gefeiert werden sollte.

Lateinische Landkarte des „Heiligen Landes oder Verheißenen Landes (ehemals Palästina)“ von 1659

Elder of Ziyon, 18. Juli 2019

Der lateinische Titel dieser Landkarte des niederländischen Kartographen Nicolaus Visscher wird übersetzt als „Das Heilige Land oder Verheißene Land (ehemals Palästina), kürzlich gezeichnet und veröffentlicht“.

Sie zeigt ein Bild des jüdischen heiligen Tempels, umgeben von seinen verschiedenen heiligen Objekten und Utensilien.

Sind Namen Schall und Rauch? Die Herkunft von Judäa, Philistäa, Palästina und Israel

Griffin Judd, HonestReporting, 16. Juli 2019

Das Land zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer ist Jahrtausende lang bewohnt worden, so viel ist unbestritten. Jericho, Jerusalem, Jenin und Jaffa gehören alle zu den ältesten Städten der Welt und sind seit der Zeit vor dem Jahr 2000 v.Chr. kontinuierlich besiedelt gewesen.

Aber wie so ziemlich alles andere zu diesem Land kontinuierlich ist, so ist das auch mit dem Namen der Fall. Palästinensische Historiker wie Nur Masalha und Schlüsselmitglieder der Palästinenserführung bis hinauf zu Mahmud Abbas haben behauptet, dass die Palästinenser die Nachkommen antiker Völker wie der Kanaaniter und Philister sind und dass der Name „Palästina“ dieser Verbindung entstammt.

Behält man im Kopf, dass Nationalismus, wie wir ihn verstehen, an und für sich ein Phänomen des 19. Jahrhunderts ist, lohnt es sich zu fragen, ob die palästinensischen Behauptungen wahr sind.

Kommt der Name Palästina von dem Volk oder entnahm da Volk seinen Namen dem Ort?

Die Herkunft des Namens „Palästina“

Die antiken Königreiche Israel, Judah und Philistäa

Es gibt zwei Hauptquellen für die Region, die heute unter wechselnden Bezeichnungen wie Israel, Palästina, die Levante und Kanaan bekannt ist: die Archäologie und die Bibel. Es gibt zwar Unterschiede zwischen den beiden, aber Archäologen und Historiker stimmen überein, dass das allgemeine Narrativ der Bibel stimmt: Kanaaniter herrschten in der Levante, bevor sie von den antiken Hebräern verdrängt wurden, die dann mit den Philistern kämpften, bis eindringende Imperien beide Stämme vertrieben.

Der Name „Palästina“ taucht erstmals in den Historien von Herodot im 5. Jahrhundert v.Chr. auf, um den Küstenbereich der Levante zu beschreiben, wo die Philister lebten, bevor die Römer ihn nach der Unterdrückung des Bar Kochba-Aufstands von 132 n.Chr. auf die gesamte Gegend anwandten. Danach galt das Wort Palästina für das ganze Land und folgende Herrscher bezeichneten es so.

Herkunft des palästinensischen Volks

Die osmanische Provinz Syrien

Es ist wichtig sich daran zu erinnern, dass das Land zwar im Jahr 134 n.Chr. Palästina genannt wurde, der Islam aber erst weitere 500 Jahre später in der Region ankam.

634 begannen die Führer des ersten muslimischen Kalifats eine Reihe von Invasionen, die die Eroberung der ehemals oströmischen Provinzen der Levante zur Folge hatte, einschließlich der Gegend, die damals als Palästina bekannt war. Der Eroberung folgte die Massenkonversion der Bevölkerung zum Islam und die gleichzeitige Migration arabischer Menschen aus ihrer heimischen Halbinsel in ihre neu eroberten Territorien, wo sie sich rasch in Gesellschaften integrierten und mit den Einwohnern vermischten; sie schufen ausgeprägt eigne Gruppen, die eng mit der arabischen Kultur übereinstimmte.

Die Levante wurde nach der islamischen Eroberung von einer Reihe von Reichen und Kalifaten beherrscht, zuerst von den Raschidun-, den Omajjaden-, den Abassiden- und Fatimiden-Kalifaten, dann vom Königreich Jerusalem (gegründet von den Kreuzrittern), denen die ajubidischen und Mameluken-Sultanate folgen, bevor sie schließlich von den Osmanen erobert wurden, die die Levante von 1516 bis 1917 beherrschten. Obwohl sie von den Türken beherrscht wurden, waren die Osmanen sehr erfolgreich darin die Araber zu integrieren. Erst 1908 begannen die Araber über den politischen Arabismus für mehr Rechte und Unabhängigkeit zu agitieren.

Die Große Arabische Revolte von 1916, gestützt vom britischen Empire, beendete die osmanische Kontrolle über das Gebiet. Die Revolte war ein Produkt arabischen Nationalismus, den Nachfolger des politischen Arabismus und die arabische Antwort auf türkischen Nationalismus.

Aber nicht alle Araber glaubten an die Bewegung und es gab keinen weit verbreiteten Aufstand in den Gebieten Palästinas. Trotzdem wurde nach dem Ende des Ersten Weltkriegs die Region Palästina Teil des Arabisch Königreichs Syrien, als dieses ausgerufen wurde; dazu gehörten das gesamte moderne Syrien, der Libanon und Teile von Jordanien. Erst als das Königrich 1920 auseinanderfiel, begann in Reaktion auf den Zionismus und die steigenden Pegel jüdischer Immigration in das, was jetzt das britischen Mandat für Palästina war, eine Art einer eigener palästinensischer nationaler Identität aufzukommen.

Die Herkunft des Namens „Judäa“

Die Hasmonäer-Dynastie

Der Name „Judäa“ kommt vom Königreich Juda, einem der Nachfolgestaaten der biblischen vereinten Monarchie, die das gesamte antike Israel beherrschte. 934 v.Chr. gegründet, herrschte das Königreich über das Land von Jerusalem bis Beer Sheva, bis es 586 v.Chr. von den Neo-Babyloniern erobert wurde.

Obwohl das Königreich zerstört wurde, überlebte der Name mit dem jüdischen Volk und als ein unabhängiges Königreich im Jahr 140 v.Chr. wieder unabhängig wurde, wurde das Land als Judäa bezeichnet. Dieser Name überlebte sogar die römische Eroberung des Königreichs und die römische Provinz, die aus einem großen Teil des ehemaligen Königreichs beschaffen wurde, trug den Namen Judea (in seiner lateinischen Form Iudaea).

Die Menschen in Judäa begrüßten die römische Herrschaft jedoch nicht und die jüdischen Einwohner rebellierten mehrfach, was die Stationierung riesiger Armeen notwendig machte. Nach dem dritten und letzten davon (der bereits erwähnte Bar Kochba-Aufstand) änderten die Römer den Namen dieser Provinz als Teil ihrer Bemühungen den jüdischen Nationalismus zu unterdrücken und danach blieb der Name Palästina hängen.

Herkunft des Namens „Israel“

Israel ist ein Name, der noch älter ist als Judäa; er ist in der Bibel zu finden (Genesis/1. Mose 32,29):

Da sprach der Mann: Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel (Gottesstreiter); denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und hast gewonnen.

Der Name Israel wurde danach mit den Stämmen und dem Königreich Israel identifiziert, das Jakobs Nachfahren gründeten und wurde zum Synonym mit Juda, bevor er diesen schließlich ersetzte.

Das erste Beispiel für weit verbreitete Verwendung des Namens in der modernen Zeit findet sich während des britischen Mandats: Während der offizielle Name in Englisch „Mandate for Palestine“ (Mandat Palästina) lautete, enthielten auf Hebräisch geschriebene offizielle Dokumente die Initialen für Eretz Yisrael.

Britisches Mandat Palästina

Das zusammen mit der Tatsache, dass der Name Juda mit Landstrichen assoziiert wurde, die zumeist im Teilungsplan von 1947 inbegriffen waren, hatten den Namen des neuen jüdischen Staates zum Ergebnis: Medinat Yisrael, der Staat Israel.

Warum ist das wichtig?

In einer anderen Situation wäre das lediglich eine Debatte über Semantik: Levante, Kanaan, Judäa, Philistäa, Palästina, Israel – das wären alles unterschiedliche Namen für denselben Landstrich.

Leider ist ein Schlüsselmerkmal des palästinensischen Nationalismus das Auslöschen jüdischer Geschichte und deshalb spielt es sehr wohl eine Rolle, wie das Land genannt wird. Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilt regelmäßig archäologische Funde in der Stadt Jerusalem als Fälschung oder illegitim (siehe hier, hier und hier). Es ist heutzutage üblich Behauptungen zu hören wie „Jesus war Palästinenser“, aber das ist irreführend: Jesus wurde höchstwahrscheinlich in Bethlehem geboren, das heute innerhalb der Westbank liegt, aber er war Jude und zur Zeit seiner Geburt war Bethlehem Teil der herodianischen Tetrarchie, eines jüdischen Satellitenstaats Roms. Darüber hinaus ist die Behauptung Jesus sei Palästinenser gewesen (oder Israeli oder Araber oder Nahostler usw.) inhärent falsch, denn keiner dieser Begriffe existierte damals. Jesus hätte sich gewiss nicht als Palästinenser bezeichnet, denn dieses Konzept existierte damals nur als Ortsbezeichnung [zur Zeit Jesu nicht einmal das – d.Ü.] und war nicht einmal in weit verbreitetem Gebrauch.

Selbstverständlich lautet die zu ziehende Schlussfolgerung nicht, dass palästinensische Araber keine nationale Geschichte oder Erbe haben, denn die haben sie ganz gewiss. Das palästinensische Narrativ ihrer Abstammung aus Kanaan, die kontinuierlich bis heute verläuft, ist jedoch bestenfalls unredlich und schlimmstenfalls falsch, denn sie impliziert, dass die Vorstellung Palästinas als Nation genauso lange bestanden hat und das ist nachweislich falsch.

Zusammengefasst hatte der Name Palästina ursprünglich nichts mit dem palästinensischen Volk zu tun, aber stattdessen wurde es mit den Philistern verknüpft und dann mit der Gegend, in der sie gelebt hatten, während das palästinensische Volk eine Mischung aus indigener und arabischer Bevölkerungen ist, die das Etikett des Beispiels des britischen Mandats angenommen hat.

Im Gegensatz dazu ist das jüdische Volk historisch mit den Namen Judäa/Juda und Israel verbunden. Das macht den palästinensischen Anspruch auf Volkstum keineswegs ungültig, aber es ist wichtig anzuerkennen, wie die Wahrheit aussieht und wie nicht.

(gleichzeitig veröffentlicht auf Medien-BackSpin)

Wer will Geschichte ausradieren? Jordanische Touristen-Landkarte von Jerusalem im Jahr 1960 löscht alle jüdischen Stätten?

Elder of Ziyon, 2. Juli 2019

Ende 2017 sagte Jordaniens König Abdallah: „Versuche Jerusalem zu judaisieren und seine Identität zu verändern werden weitere Gewalt und Extremismus bringen.“

Jordanier und Palästinenserführer beschuldigen Israel regelmäßig Versuche zu unternehmen christliche und muslimische Geschichte in Jerusalem auszuradieren; sie sagen sie würden die heiligen Stätten beider Religionen gegen israelische Versuche zu „verteidigen“ sie – mutmaßlich – zu zerstören oder auszuradieren.

Wie es so oft mit arabischen Anschuldigungen gegen Israel der Fall ist, ist dies Projektion dessen, was sie selbst getan haben und tun würden, nicht das, was Israel tut.

Hier ist eine jordanische Touristen-Landkarte der Altstadt von Jerusalem aus dem Jahr 1960.

Die Kotel (Westmauer/„Klagemauer“) – weg.
Der Tempelberg ist durch „Haram Esh-Scharif“ ersetzt, obwohl christliche Touristen am Berg interessiert sein würden.
Das jüdische Viertel – ausradiert. Zusammen mit seinen Straßennamen.

Wir haben eine Bilanz davon, wie Araber agieren, wenn sie Jerusalem und andere uralte jüdische Städte kontrollieren. Und sie all dessen schuldig, was sie fälschlich Israel als dessen Tun vorwerfen.

Jedes einzelne Mal.